Cover-Story - TRIKE Magazin

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Das schwarze Biest ist ein Wolf im Schafspelz. Wenn es losgelassen wird,schießt blitzartig Adrenalin in die Adern des Piloten. Dieses Teil macht süchtig.Der Seitenaufprallschutz rettetnicht nur die Hinterräder, sondernverhindert auch Verletzungenan den Beinen.Ein wichtiges Sicherheitsbauteil,wenn es einmal brenzligwird.Das Zentralfederbein an denbeiden Wippen zwischen denGabelholmen kann individuelleingestellt werden und sorgt fürpräzises Ansprechverhalten.fort erkennen, was der Pilot zu erwarten hat. Unddass man es hier mit einem echten Powerbolidenzu tun hat, ist eine klare Ansage. Der ersteGang katapultiert das Trike turboschnell in denBegrenzer. Gang zwei knackt schon fast die Hundert.Vor allem Gang drei und vier sind meineLieblinge und verantwortlich für mächtig vielAdrenalin. Der Dritte endet etwa bei 140 km/std.Der Vierte zieht immer noch enorm flott durch.Die letzte Gangstufe endet schließlich bei Tempo200. Hier regelt sinnvollerweise die Elektronikab und beendet abrupt den Geschwindigkeitsrausch.Es macht tierisch Spaß, diesen Flug zuerleben, aber auf längeren Strecken sind höhereGeschwindigkeiten eher unangenehm. Das Drehmomentund die Beschleunigung sind der Kick.Der Bereich bis 140 Stundenkilometer ist alsReisegeschwindigkeit völlig ausreichend. Es gehtnatürlich jederzeit schneller.AntriebErmöglicht werden die Fahrleistungen voneinem außergewöhnlichen Triebwerk. Wie üblichbei Rewaco-Trikes sitzt auch hier ein Ford-Zetec-Motor vor der Hinterachse. Er lebt von 1,6 LiternHubraum und vier Ventilen pro Zylinder, also ein16V. Allerdings gibt es zwei Besonderheiten. DasKürzel VTC steht für die variable Nockenwellenverstellung.Technisch bedeutet es „VariableCam Timing“ für zwei oben liegende Nockenwellen.Ein- und Auslassnocken werden vomSteuergerät je nach Situation Richtung Früh oderSpät angestellt. Dazu kommt ein Turbolader. Derpresst mittels Turbinenschaufelrad komprimierteFrischluft in die Zylinder. Die Pressluft läuft übereinen Ladeluftkühler und wird so immer frischgehalten. Kalte Luft, vermischt mit Sprit, verbrenntoptimaler als warme Ansaugluft, weil siemehr Sauerstoff enthält. Angetrieben wird derTurbolader von den Abgasen, daher sitzt er imAbgasbereich des Motors.FahrwerkEin weiterer Faktor ist das relativ niedrige Gewichtdes LTR-2 Turbo. Die Vorderachse bringt133 Kilogramm, und die Hinterachse steht mit541 Kilogramm auf der Lkw-Waage. Das ganzeTrike wiegt mit knapp halbvollem Tank 674 Kilogramm.Das liegt auch an der Rahmenbauweise. Rewaco-ChefHarald Schmitz und seine Jungsverpassten schon ihren ersten Fahrzeugen Gitterrohrahmen,wie man sie aus dem Rennsportkennt. Das sind Stahlrohre, die in Form eines Gittersmiteinander verschweißt werden. Ein solcherRahmen ist sehr leicht und äußerst verwindungssteif.Das wiederum begünstigt das Fahrverhaltenund prägt den sportlichen Gesamtauftritt. Dennwas würde es nützen, 201 PS in einem Dreiradzu versammeln, die man nicht bändigen kann,weil das Fahrwerk versagt? Doch hier ist die Performancerewaco-typisch und über jeden Zweifelerhaben. Das 200/50-17-Vorderrad liegt satt aufder Straße und lässt sich problemlos auch durchschnelle Kurven zirkeln. Dazu gehört nahtlos dasgute Ansprechverhalten der Vordergabel. Sie reagiertsensibel auf alle Unebenheiten und bügeltsie platt. Das Zentralfederbein ist einstellbar undkann individuell härter oder weicher geschraubtwerden. Das ist kinderleicht über ein Gewindeund einen Einstellring zu bewerkstelligen.Ein weiterer wichtiger Aspekt, der viel aktiveFahrsicherheit vermittelt, ist die Hinterachse. Diebeiden Einzelradaufhängungen werden von verstellbarenBilstein-Gasdruck-Stoßdämpfern gefedert.An unserem Testtrike sind 305/30-19-Niederquerschnittsreifenaufgezogen. Das istStraßenlage pur und sieht sportlich und ansprechendaus. Allerdings sollte man sich unbedingtvon allen Bordsteinen fernhalten. Ein Kuss wirdda teuer.Die Bremsen beißen brutal in den Asphalt undverzögern auf den Punkt, ohne die Räder frühzeitigzu blockieren. Die Vierkolben-Bremssättelleisten vorbildliche Arbeit, und der Krafteinsatzam Pedal hält sich dabei in normalen Grenzen.Die Abstimmung von Vorder- und Hinterachseist durch kaum ein Fahrmanöver aus der Spur zubringen. Provoziert man es Richtung roten Bereich,bleibt das LTR-2 Turbo trotzdem beherrschbar.Kleine Rutscher mit leichtem Quietschenmachen viel Spaß. Ich habe schnell gemerkt, ichmuss im kritischen Bereich nur einen Tick Gaswegnehmen, und das Trikependelt sich wieder ein. Ich bekommeüber das Popometer direkteRückmeldung vom Fahrzeug.Das liegt nicht zuletztam sehr tiefen Schwerpunkt,der rein physikalisch irgendwohinter dem Fahrersitz weit untenliegen dürfte.StauraumUnverzichtbar und nichtmehr weg zu denken aus derRF-1 Modellreihe ist der Stauraum.Nicht nur für uns Redakteuremit unseren großenFototaschen auf Testfahrten ister nützlich, sondern vor allemwichtig für reiselustige Triker.Kein lästiges Verzurren von Taschen.Man könnte zwar nochüber ein Topcase nachdenken,aber der serienmäßige Kofferraumist normalerweise ausreichend,um einen längerenUrlaub planen zu können.Die zwei runden StaufächerAuf dieses Instrument muss der Pilotsehr genau aufpassen, sonst legt derFührerschein schnell eine Zwangspauseein. Wer es aus den Augenverliert, wird zum Fußgänger.Durch die beiden Seitenkästen wirdder geschlossene Motorraum mit Luftgekühlt.Der große Kofferraum hat auf jedenFall Platz für einen kleinen Urlaub zuzweit. Er ist abschließbar und auchbei höheren Geschwindigkeitenwasserdicht.8 TRIKE-Magazin Heft 4 / 2012 TRIKE-Magazin Heft 4 / 2012 9


Jede Kurve wird zum Erlebnis, jederÜberholvorgang zum Kinderspiel, jedeBeschleunigung macht süchtig.aller Geschwindigkeitsregeln ergaben sich sogar nur 8,29 Liter Super-Treibstoff.Je nach Fahrweise reichten mir die 40 Liter Tankinhalt für einen Aktionsradiusvon zirka 450 Kilometern. Aber wer will mit diesem Trike schon gedämpft unterwegssein? Obwohl natürlich auch diese Gangart machbar ist. GemütlichesCruisen bringt genauso viel Spaß wie gnadenloses Durchbeschleunigen derfünf Gänge. Das LTR-2 Turbo hat in allen Drehzahlbereichen genügend Power,um blitzartig los zu stürmen. Die Fahrmaschine ist eine regelrechte Adrenalinschleuder.Die Beschleunigung und das sagenhafte Drehmoment hatten michzu jeder Zeit voll im Griff. Das Geschoss hat Suchtpotenzial. Eine Adrenalinschwangerschaftist vorprogrammiert. Wer es einmal gefahren hat, wird diesenEindruck nie vergessen…Cover-StoryDownload in GBwww.trike-magazin.dean beiden Seiten fassen etwa jeweils 17Liter Inhalt. Sie sind ideal für alle wichtigenKleinigkeiten wie Sonnenbrillen,Foto, Handy usw. Sie sind auch währendder Fahrt für Sozia/Sozius problemloszugänglich. Selbst Jethelme finden darinPlatz. Beide sind absperrbar und auch beihöheren Geschwindigkeiten wasserdicht.Der große Kofferraum befindet sichhinter dem Motor. Er fasst etwa 150 LiterInhalt. Hier passt fast alles hinein,denn Triker sind ja findig beim Packen.Die Heckklappe wird mittels Haltestangenach oben gestellt und so kann bequemein- oder ausgeladen werden. Natürlichist auch diese Öffnung verschließbar undwasserdicht konstruiert.FazitDer LTR-2-Turbo-Luxustourer hat bei mirgroßen Eindruck hinterlassen. Ich habedamit 2.470 Kilometer abgespult. Das Wetterwar leider nicht immer das beste, abernass werden gehört eben dazu. Nicht einmaldie ätzend hohen Spritpreise konntendie Testfahrten einbremsen, allerdings derRegen. Dennoch wird ein Besuchan der Zapfsäule spätestensbeim Blick auf dierollenden Eu-ros zum Ärgernis. Dabei sorgt der Antriebdes Turbo-Tourers dafür, die Verbrennungdes teuren Supers in Grenzen zu halten.Ich habe fleißig Tankbelege gesammeltund brav die Kilometer an der Uhr aufgeschrieben.Dabei errechnete sich ein rechtakzeptabler Durchschnittsverbrauch von8,87 Litern. Bei etwasgedämpfter Fahrweiseunter peinlicher Einhalt ungGewohnt sportlich und immerin Topform, so zeigt sich dasLTR-2 Turbo von vorne seinenBetrachtern.*af10 TRIKE-Magazin Heft 4 / 2012 TRIKE-Magazin Heft 4 / 2012 11

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