Im Taunus Wohnlandschaften

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Im Taunus Wohnlandschaften

Atrium im November/Dezember 2009 „Wohnlandschaften

Südwesthang: Der

schnittige Baukörper

vermittelt zwischen den

Nachbargebäuden und

öffnet sich zur Aussicht.

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Im Taunus

Wohnlandschaften

Mitten im Grünen, nur unweit von Frankfurt,

haben CMA Architekten einer Familie ein

elegantes Haus auf den Leib geschneidert.

Text: Roland Merz Fotos: Christoph Kraneburg

62-63 5.10.2009 13:53:53 Uhr


Atrium im November/Dezember 2009 „Wohnlandschaften

Eingangshof: Das

Haus verfügt über zwei

separate Eingänge,

die in verschiedene

Raumzonen führen.

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Einblicke: Die Spindeltreppe

im Innern

wirkt wie Kunstobjekt

und verbindet die drei

Ebenen des Hauses.

64-65 5.10.2009 13:54:20 Uhr


Atrium im November/Dezember 2009 „Wohnlandschaften

Ein- und Ausblicke:

Der Wohnbereich ist ein

fliessendes Raumkontinuum.

(Sofa: Minotti;

Leuchte: Cappellini)

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CMA Architekten: „Im Erdgeschoss

entwickelten wir klar zonierte Räume, die

als offene Wohnlandschaft erlebbar sind.“

66-67 5.10.2009 13:54:52 Uhr


Atrium im November/Dezember 2009 „Wohnlandschaften

Mit Weitblick: Der

U-förmige Baukörper

umfasst eine windgeschützte

Terrasse.

(Möbel: Unopiù)

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Aus einem Guss:

Der multifunktionale

Küchenblock ist

Arbeitsfläche und

Esstisch in einem.

68-69 5.10.2009 13:55:16 Uhr


Atrium im November/Dezember 2009 „Wohnlandschaften

Grundrisse, Schnitt & Infos zum Bau

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6

5

3 4 7

1 Eingangsbereich

2 Abstellraum

3 Küche

4 Essen

5 Wohnen

6 Terrasse

7 Gartenhof

8

11

6

8 Arbeiten

9 Schlafen

10 Bad

11 Bibliothek

12 Ankleide

13 Wellness

14 Weinkeller

10

9

12

Zweistöckiger

Luftraum: Der Essbereich

ist Bindeglied

zwischen Wohn-

und Obergeschoss.

Architektur: Cyrus Moser Architekten, Frankfurt,

www.cma-arch.de

Baubeginn: September 2007

Fertigstellung: Haus: Dezember 2008;

Aussenanlage: April 2009

Grundstücksgrösse: 840 m²

Wohnfläche: 445 m²

Bauweise: Massivbauweise in Beton, freitragende

Bauteile in Stahl, Taunusquarzit

Materialien innen: Feinsteinzeug «Cotto d’Este» (Fussboden

Wohnbereich; Nussbaumparkett «Piccolino» von Mafi

Haustechnik/Heizung: Geothermie kombiniert mit

Fussbodenheizung, kontrollierte Wohnraumlüftung mit

Wärmerückgewinnung

Mitwirkende Spezialisten:

Entwurf von Küche, Bädern und Einbaumöbel:

Andreas Moser (CMA Architekten)

Bauleitung: Hendrik und Cilia Tovar

Haustechnik: ESF-Ingenieure GbR, Gross-Umstadt,

T 06078 9697 0, www.esf-ingenieure.de

6 4

7

2 1 8 9

7

13 14

Elegant: Das Bad

10

0 5

mit Ankleide lebt

vom Zusammenspiel

der verschiedenen

Materialien.

70-71 5.10.2009 13:55:29 Uhr


Atrium im November/Dezember 2009 „Wohnlandschaften

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Wenn eine Bauherrschaft

erzählt, dass

sie beim Hausbau

rückblickend nichts

anders machen

würde, es genau so richtig ist, wie es ist,

darf dies als grosses Kompliment für

den Architekten angesehen werden.

Die Zusammenarbeit zwischen Architekt

und Auftraggeber beruht auf einer

professionellen Arbeitsweise und muss

von beiden Seiten getragen werden.

Neben der architektonischen Qualität,

für die der Architekt verantwortlich

ist, muss der Nutzen für den Bauherrn

stimmen, dass heisst, müssen sich die

Bewohner in den eigenen vier Wänden

auch wirklich wohl fühlen.

Bei einem Projekt für ein Einfamilienhaus

in den Ausläufern des Taunus, nur

wenige Autominuten von Frankfurt am

Main entfernt, konnten Oliver Cyrus

und Andreas Moser auf eine für sie

perfekte Bauherrschaft zählen. Diese hat

sich intensiv mit der Idee eines Eigenheims

beschäftigt und kam mit klaren

Vorstellungen auf das Architektenduo

zu. Während der zweijährigen Planungs-

und Bauphase entwickelte sich zwischen

den beiden Parteien eine fruchtbare und

freundschaftliche Beziehung.

Fertighaus versus Architektenhaus

Die Bauherrschaft wohnte früher in der

Stadt und hegte den Wunsch, ins Grüne

zu ziehen. Am Rand des Taunus fand die

Familie das ideale Grundstück mit einem

herrlichen Blick über die hügelige und

üppig bewachsene Waldlandschaft. Dieser

Ausblick, diese Weite faszinierte die

Bauherrschaft von Beginn weg. Eigentlich

wollte sich die Familie ein Hufhaus

in vorgefertigter Holzskelettbauweise

bauen lassen. Im Entscheidungsprozess

wollte man aber doch noch ein zweites

Angebot einholen und rief bei CMA

Funktional: Vom

Schlafzimmer hat man

über die vorgelagerte

Terrasse einen freien

Blick in den Taunus.

Cyrus Moser Architekten: „Es darf nicht alles offen sein.

Man braucht auch seine Rückzugsmöglichkeiten.“

Architekten an. Nun war vom Frankfurter

Büro höchste Flexibilität gefordert.

In relativ kurzer Zeit entwickelten die

Architekten aus den Vorgaben des

Ortes und nach ausführlichen Gesprächen

mit der Bauherrschaft ein Projekt

und stellten dies in einer vierstündigen

Präsentation der Familie vor. Diese war

vom gezeigten Einfamilienhausentwurf

so begeistert, dass sie ihr Fertighausprojekt

umgehend über Bord warfen und

ihr Vertrauen Oliver Cyrus und Andreas

Moser aussprachen.

Das Grundstück liegt an einer Hangkante

und öffnet sich nach Südwesten

zur Aussicht hin. So entwickelten die

Architekten einen vielschichtigen

Baukörper, der einerseits zwischen den

Nachbarhäusern vermittelt und andererseits

in den Wohn- und Schlafräumen die

Aussicht in den Mittelpunkt setzt. Um

das elegant schnittige Gebäude legten

die Architekten eine terrassierte Gar-

Oliver Cyrus und Andreas Moser,

CMA Architekten, Frankfurt am Main

tenlandschaft an, die durch eine klare

Zonierung überzeugt. Das Eingangsgeschoss

mit Garage, grossem Wellnessbereich

und eigenem Aussenhof, einem

Gästezimmer mit Bad und den nötigen

Keller- sowie Technikräumen liegt

halb eingegraben im Hang und wurde

zur Strasse hin als kompakter Sockel

ausgebildet. Darauf liegt, in elegantem

Weiss, das zweistöckige Wohnhaus. Ein

fliegender L-förmiger Kubus beherbergt

die Schlafräume auf der oberen Etage.

Dieser sitzt leicht auf einer U-förmigen

Wohnlandschaft, die sich um eine zentrale

Terrasse formiert. Zwei sechzehn

Meter lange vorgespannte Stahlträger

zonieren diesen begehrten Aussenraum

zusätzlich. Der Blick von der Terrasse auf

den Taunus ist schlicht atemberaubend.

Spiel von offen und geschlossen

Tritt man durch die repräsentative

Aussentür, die in den Sockelbereich

integriert ist, gelangt man in einen intimen

Aussenhof. Das Haus ist über zwei

Eingänge erschlossen. Der eine führt ins

halb eingegrabene Untergeschoss und

über eine skulpturale Spindeltreppe hinauf

in die Wohnebene und weiter in die

Oliver Cyrus (rechts) hat an der

Universität Stuttgart als Architekt

diplomiert und wurde 1989

mit dem renommierten Schinkelpreis

ausgezeichnet. Andreas

Moser (links) bildete sich an der

Universität Darmstadt zum Architekten

aus und hatte 1996 ein

Stipendium an der ETSAM Madrid.

Seit 2000 führen Cyrus und

Moser ein gemeinsames Büro,

CMA Architekten, in Frankfurt

am Main. www.cma-arch.de

Was möchten Sie gerne noch

bauen?

Andreas Moser: Einen archaischen

Raum.

Oliver Cyrus: Ein Kunstmuseum,

eine Kirche oder ein Kloster.

Wie wohnen Sie selber?

AM: In einer Altbauwohnung

mit Garten mitten in einem

Kinderbereiche. Über eine breite Aussentreppe

gelangt man zum Haupteingang.

Hier erreicht man vom Entree den

offenen Essbereich mit Küche. Durch

die zweifache Erschliessung ist später

eine differenzierte Nutzung möglich.

So ist das Haus bereit für verschiedene

Lebenslagen. Im Erdgeschoss erarbeiteten

die Architekten ein vielschichtiges

Raumkontinuum. Die Grenzen zwischen

den einzelnen, klar gegliederten Zonen

sowie dem Innen- und Aussenraum sind

fliessend.

Oliver Cyrus und Andreas Moser entwickelten

aber nicht nur eine Offenheit,

die durch die unzähligen Ein-, Aus- und

Durchblicke lebt, sondern schufen auch

intime, gefasste Orte, wo sich die Bewohner

zurückziehen können.

Im Obergeschoss haben die Architekten

daher einen klassischen Grundrisstyp

mit einer Abfolge von Räumen gewählt.

Über den zweistöckigen Raum des Essbereichs

sind Wohn- und Obergeschoss

miteinander verbunden. Mit Ausnahme

der zwei Bäder und eines Kinderzimmers

orientieren sich alle Schlaf- und Arbeitszimmer

zur Aussicht hin. Mit der grossen

Fensterfront nach Südwesten und

Ausgehviertel von Frankfurt.

OC: In einem selbst entworfenen

Mehrfamilienhaus.

Welches Bauwerk hat Sie kürzlich

beeindruckt?

AM: Das Porsche-Museum von Delugan

Meissl Architekten aus Österreich mit seiner

skulpturalen Gesamterscheinung und das

Gotteshaus von Bruder Klaus des Schweizer

Architekten Peter Zumthor.

OC: Das Berliner «duplicasa» von J. Mayer H.

Wo holen Sie Ihre Inspiration?

AM: Mit offenen Augen die Welt erleben,

unabhängig von Grösse und Massstab, und

bei meiner Frau.

OC: Aus der skulpturalen Form.

Was bedeutet Ihnen Architektur?

AM: Sie verleiht Gebautem Charakter und ist

Ausdruck einer Geisteshaltung.

OC: Einer Idee reale Formen zu verleihen.

Was wären Sie geworden, wenn nicht

Architekt?

AM: Windsurfprofi.

OC: Bildhauer.

diversen Oberlichtern entstehen überall

im Haus differenzierte Lichtstimmungen.

Die Bewohner erleben so hautnah und

wohlbehütet die vier Jahreszeiten.

Bereits während der Bauphase polarisierte

der aussergewöhnliche Entwurf

von CMA Architekten. Eine alte Dame,

die lange Zeit in Amerika gelebt hat und

einmal sogar Altmeister Louis Kahn

interviewte, spazierte unzählige Male

am Haus vorbei. Sie war und ist schlicht

fasziniert – ein weiteres schönes Kompliment

für die Architekten. n

Blanc Cube

Herzlichen Dank für die

grosszügige Unterstützung

Die Fotokunst des Frankfurter

Marc Trautmann wurde von

Blanc Cube Artist Editions,

Gallery by Shotboutique, zur

Verfügung gestellt.

Blanc Cube Artist Editions

Gallery by Shotboutique

T 040 380 381 38

www.shotboutique.com

72-73 5.10.2009 13:55:38 Uhr

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