Integriertes Seminar zum Thema „Stress und Erkrankung ...

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Integriertes Seminar zum Thema „Stress und Erkrankung“Autorinnen: Dr. Anja Mehnert und Dipl.-Psych. Angela ScherwathTiefenhirnstimulation zur Behandlung eines tremordominanten Parkinson-Syndroms – eine FallvignetteBei Herrn B., einem 67-jährigen Patienten mit idiopathischer Parkinson-Krankheit, wurde vor zwei Monaten eine Tiefenhirnstimulation zurBehandlung eines auf Medikamente nicht mehr ansprechenden und alssehr beeinträchtigend erlebten beidseitigen Ruhetremors durchgeführt. Ineiner 10-stündigen Operation wurden beide Hirnhälften nacheinanderbehandelt und Mikroelektroden in die tiefen Hirnstrukturen (subthalamischerNucleus) eingeführt. Der Eingriff wurde unter lokaler Anästhesieund bei vollem Bewusstsein von einem Ärzteteam bestehend ausNeurochirurgen, Neurophysiologen und Neurologen vorgenommen.Drei Tage später erfolgte eine zweite OP, bei der unter Vollnarkose einImpulsgenerator unter dem Schlüsselbein links implantiert und die Elektroden überdünne, unter der Haut verlaufende Kabel mit diesem verbunden wurden. Über dieGabe von elektrischen Impulsen werden die für den Tremor verantwortlichenKerngebiete seither funktionell beeinflusst und die überaktiven Nervenzellgebietenormalisiert. Die Operation verlief komplikationsfrei und war erfolgreich. DerTremor ist durch die Neurostimulation auf der linken Seite merklich gebessert, aufder rechten sogar vollständig unterdrückt.Bei einem Termin in der Klinik zur Überprüfung und Optimierung der Stimulationsparameter des„Hirnschrittmachers“ fällt dem behandelnden Arzt auf, dass sich die Ehefrau von Herrn B. zwar überauspositiv über den therapeutischen Effekt der Tiefenhirnstimulation äußert, der Patient selber jedoch einensehr niedergeschlagenen Eindruck macht. Auf die Frage, wie es ihm gehe, antwortet er ausweichendund wortkarg, woraufhin Frau B. sofort die Gesprächsführung übernimmt. Sie berichtet, dass es durchdie OP seit vielen Jahren zum ersten Mal wieder möglich sei, gemeinsam mit ihrem Mann das Haus zuverlassen und unter Menschen zu gehen. Mit Blick auf ihren Ehemann bemerkt sie, dass die Operationihn wohl doch sehr stark mitgenommen habe, sie aber hoffe, dass es ihm auch psychisch bald wiederbesser gehen werde – die OP sei ja auch erst zwei Monate her. Der Arzt empfiehlt Herrn B. daraufhinein Gespräch mit der in der Klinik tätigen Psychologin.Zur AnamneseHerr B. wuchs als Einzelkind in eher bescheidenen Verhältnissen, jedoch sehr wohlbehütet auf. Zu denEltern, denen es am Herzen lag, dass ihr Sohn es einmal besser haben sollte, bestand stets einregelmäßiger und herzlicher Kontakt, auch als Herr B. nach Abitur und Wehrdienst das Elternhaus zuStudienzwecken früh verließ. Da sich Herr B. immer gern mit Literatur beschäftigt hatte, studierte erGermanistik und Literaturwissenschaft und war nach Abschluss des Studiums zunächst freischaffend alsLektor bei einem kleinen Verlag tätig. Während dieser Zeit lernte er seine jetzige, drei Jahre jüngereEhefrau kennen, die von seinen Eltern herzlich in die Familie aufgenommen wurde. Nach einigerBerufserfahrung bewarb sich Herr B. erfolgreich bei einem großen und renommierten Verlagshaus undwurde als Lektor fest angestellt. Kurze Zeit später heiratete er und zog mit seiner Frau in einEinfamilienhaus im Grünen, für das er einen hohen Kredit aufnehmen musste. Aus der Ehe gingen eineTochter und zwei Söhne hervor. Die Geburt des jüngsten Sohnes wurde vom plötzlichen Tod des Vatersvon Herrn B. überschattet. In Absprache mit seiner Ehefrau nahm Herr B. seine Mutter zu sich, die dieFamilie durch die Betreuung der Enkelkinder und Mithilfe im Haushalt tatkräftig unterstützte, so dassFrau B. halbtags ihrer Tätigkeit als Fachverkäuferin in einer Parfümerie nachgehen konnte. Als seineMutter Jahre später an den Folgen eines Schlaganfalls starb, hatte Herr B. Mühe, ihren Tod zu verwindenund seinen beruflichen und familiären Verpflichtungen nachzukommen. Schon vor dem Tod der Mutterhatte er sich häufig kraftlos, müde und sowohl körperlich als auch psychisch kaum belastbar gefühlt unddarüber hinaus meist einseitig auftretende schmerzhafte muskuläre Verspannungen im Schulter-Arm-Bereich verspürt, die er auf seine Arbeit am Schreibtisch zurückführte. Da sich die Symptome nunverschlimmerten, und ihm zusätzlich eine zunehmende Ungeschicklichkeit beim Gehen und eineVeränderung seiner Handschrift auffiel, suchte er auf Drängen seiner Ehefrau den Hausarzt auf. NachÜberweisung zum Neurologen stellte dieser die niederschmetternde Diagnose „Morbus Parkinson“, diedie ganze Familie wie ein Schock traf.1


Integriertes Seminar zum Thema „Stress und Erkrankung“Autorinnen: Dr. Anja Mehnert und Dipl.-Psych. Angela ScherwathZur Vorbereitung des Seminars erarbeiten Sie bitte anhand der angegebenen Literatur Antwortenauf die nachfolgenden Fragen. Berücksichtigen Sie dabei bitte stets die gesamte Familie, nicht allein denPatienten.Fragenkomplex 1Welche potentiellen Stressoren werden im Fallbeispiel beschrieben? Erleben die Personenunterschiedliche Stressoren? Handelt es sich dabei um kurzfristige und/oder langfristige Stressoren?Fragenkomplex 2Hinter welchen Reaktionen können im Fallbeispiel Stressreaktionen vermutet werden? Auf welchenEbenen treten diese Stressreaktionen auf? Reagieren die Personen unterschiedlich auf die angenommenenStressoren?Fragenkomplex 3Welche Möglichkeiten und Schwierigkeiten sehen Sie, die Stressreaktionen und deren vermuteteUrsachen (Stressoren) bei den verschiedenen Personen zu erfassen? Wo sehen Sie in Ihrer Rolle alsÄrztin/Arzt Schwierigkeiten, Stress zu erfassen? Diskutieren Sie sinnvolle Zeitpunkte im Krankheitsverlauffür (eine) mögliche Messung(en).Fragenkomplex 4Was könnten Ärzte tun, um die Belastungen vor und nach der OP bei Patient und Angehörigen zuverringern? Diskutieren Sie die Möglichkeiten der Stressprävention und Stressintervention auch bezogenauf den gesamten Krankheitsverlauf.Literatur:• Gerd Kaluza „Gelassen und sicher im Stress“ Heidelberg: Springer, 1996, 2. Aufl.• Ralf Schwarzer „Stress, Angst und Handlungsregulation“ Stuttgart: Kohlhammer, 2000, 4. Aufl.• Neil R. Carlson „Physiologische Psychologie“ München: Pearson Studium, 2004, 8., akt. Aufl.Eine Kopiervorlage von ausgewählten Kapiteln zu Stress und Erkrankung ist im Copyshop digital PAGEverfügbar (blaue Mappe „Stress“).Internetressource:Stress-Fragebogenhttp://www.mindgarden.com/docs/PerceivedStressScale.pdf (Cohen et al., 1983, 1988)3

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