Jahresbericht 2009 - Bergwaldprojekt

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Jahresbericht 2009 - Bergwaldprojekt

Stiftung BergwaldprojektJahresbericht 2009Freiwillige Laien arbeiten unter forstlicher Anleitung im Bergwaldprojekt (im Bild: Schlagräumung, im Schutzwald von Felsberg,Kt. Graubünden, Schweiz).


Stiftung Bergwaldprojekt Jahresbericht 2009Bereits seit 22 Jahren setzt sich das Bergwaldprojekt für den Bergwald ein. In dieser Zeit hat es sich voneiner ideellen Bewegung zu einer Organisation mit beachtlichem Umfang und - vor allem - relevanter Wirkungentwickelt. So hat sich seit dem Anfang auch viel verändert. Unverändert ist aber der Anspruch desBergwaldprojektes geblieben: Anstatt nur über den Wald zu reden, gehen Menschen in den Wald. RenatoRuf, der zusammen mit Wolfgang Lobeck das Bergwaldprojekt gegründet hat, hat als Geschäftsführersowohl die Veränderungen als auch die Konstanten der Stiftung Bergwaldprojekt geprägt. Im Oktober2009 ist er als Geschäftsführer zurückgetreten und richtet sich nun beruflich neu aus. An seine Stelle trittMartin Kreiliger.Der Wechsel in der Geschäftführung erfolgt zu einem guten Zeitpunkt. Denn das Bergwaldprojekt kanneinmal mehr eine positive Bilanz über das vergangene Jahr ziehen. Wie schon in den letzten Jahren ist dieAnzahl der Einsätze und der Teilnehmenden wieder angestiegen, so dass im Jahr 2009 über 3'500 Personen(siehe Tabelle 1) in der Schweiz, in Deutschland, im Fürstentum Liechtenstein, in Österreich, in Katalonienund in der Ukraine durch das Bergwaldprojekt im Wald gearbeitet haben. Dies ergibt einen gutenAusgangspunkt für die zukünftige Arbeit, welche neben den Veränderungen immer dieselbe Konstanteenthalten wird: Das Bergwaldprojekt bringt Menschen in den Bergwald.ProjekteIm vergangenen Jahr hat das „Mutterhaus“ des Bergwaldprojektes, die Stiftung Bergwaldprojekt in Trin, inder Schweiz, im Fürstentum Liechtenstein, im benachbarten Vorarlberg, in Katalonien und in der Ukraine in70 (Vorjahr 58) durchgeführten Einsatzwochen und 47 (29) Einzeltagen mit insgesamt 2132 (1545)Teilnehmenden Arbeitseinsätze im Wald durchgeführt. Dies entspricht 490 Einsatztagen und bedeutet eineSteigerung um 17,7% gegenüber den 416 Einsatztagen im Jahr 2008. Umgerechnet ergibt das insgesamt7624 (5904) Arbeitstage, welche Freiwillige im Jahr 2009 zugunsten des Bergwaldes verbracht haben. Zusätzlichhaben die Gruppenleiter des Bergwaldprojektes 1129 (877) Arbeitstage eingesetzt. Dies ergibtinsgesamt eine beeindruckende Leistung von 8753 (6781) Arbeitstagen, welche im Berggebiet zugunstender Schutzwälder erbracht wurden.Das Bergwaldprojekt organisiert die Projekte – so werden die Arbeitseinsätze genannt – auf verschiedeneArten. Einerseits sind dies die Bergwaldprojekt-Wochen (Kernprojekte), welche den ursprünglichenwöchentlichen Einsätzen mit Erwachsenen entsprechen. 2009 haben 45 (42) Bergwaldprojekt-Wochenstattgefunden. Anderseits werden seit 2001 vermehrt Projekte mit Schulklassen und Lehrlinge, welche inder Regel ebenfalls eine Woche dauern, durchgeführt. Im vergangen Jahr fanden 18 (12) solche Projektestatt. Weiter finden Projekte mit Firmen und Organisationen im Rahmen von so genannten CorporateVolunteering-Einsätzen statt. Bei den Corporate Volunteering-Einsätzen ist eine deutliche Steigerung von29 auf 47 Tage zu vermerken. Der grösste Teil der Einsätze wird mit der Credit Suisse Bank getätigt (vgl.unten). Schliesslich organisiert das Bergwaldprojekt Arbeitseinsätze, welche auf spezifische Teilnehmendezugeschnitten sind oder für spezielle Anliegen angeboten werden. So wurden im Jahr 2009 einHandholzerkurs, drei Projektwochen für Familien sowie eine Ausbildungswoche für Gruppenleitendedurchgeführt.8. Juli 2010/mkSeite 2/7


Stiftung Bergwaldprojekt Jahresbericht 2009Tabelle 1: Entwicklung der Anzahl Projektwochen, -Tage und TeilnehmendeErläuterung der Tabelle: Teilnehmerwochen = Anzahl Projektwochen, die alle Teilnehmenden (inkl. Gruppenleitende) machen. Die AnzahlTeilnehmerwochen ist also höher als die Anzahl Teilnehmer, weil einzelne Teilnehmende und vor allem die Gruppenleitenden mehr als 1Woche machen.Die Arbeiten in den Projekten waren im vergangenen Jahr einmal mehr äusserst vielfältig und zahlreich. Vonder Schlagräumung über den Bau von Wildschutzzäunen bis zur Wildbach-Verbauung wurden vielenotwendige Arbeiten, welche die Schutzwirkung des Bergwaldes nachhaltig unterstützen, durchgeführt. Esist nicht möglich, die Arbeiten hier vollständig aufzuzählen. Es sei aber erwähnt, dass diese unter der Anleitungvon erfahrenen Fachleuten ausgeübt wurden und professionelle qualitative Standards erfüllen. Sodurften wir wiederum vom Forstdienst und den Waldbesitzern viel Lob für unsere Arbeit entgegennehmen.Im vergangenen Jahr wurden wiederum Einsätze an neuen Orten durchgeführt, nämlich in Schiers, Domat/Ems,Oberschan SG, Val d’Anniviers, Rigi Südlehne, Münstertal, Einsiedeln, Martigny, Tösstal undTenna im Safiental. Diese ergänzen die bestehenden, traditionellen Einsatzorte, an welchen bereits seitvielen Jahren Bergwaldprojekteinsätze durchgeführt werden. Es ist ein wichtiger Aspekt des Bergwaldprojektes,über längere Zeit an gleichen Einsatzorten zu arbeiten. Der Bergwald lässt sich so langfristiger beobachten,und die nachhaltige Wirkung unserer Arbeit ist besser sichtbar. Zudem festigen die langfristigenEinsätze die gute, partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem Forstdienst, den Waldeigentümernund dem Bergwaldprojekt.Tabelle 2: Entwicklung der EinsatzorteAlle Projektorte der Stiftung Bergwaldprojekt seit 1987*MalansJahrJahr1987 1 19871988 3 19881989 4 19891990 4 19901991 6 19911992 8 19921993 9 19931994 10 19941995 11 19951996 11 19961997 13 19971998 14 19981999 14 19992000 15 20002001 13 20012002 16 20022003 18 20032004 20 20042005 20 20052006 22 20062007 26 20072008 32 20082009 37 20092010 38 2010TrinPoschiavoJaunSeewisCuragliaUriHaslenFanasLessocRigiSedrunA - VandansSoolA - ValiseraA - SilbertalA - SöldenTrient VSElmA - GriesFlimsFelsbergTaminsEngiMaladersMaienfeldLangwiesCastasegnaGrabsOberwil i.S.FL - SchaanRoveredoSt.StephanSoazzaChampéryIlanzRieinVerdabbioBlonayChurEntlebuchNapfgebietSchiersDomat/EmsOberschan SGVal d'AnniviersRigi SüdlehneMünstertalEinsiedelnMartignyTösstalTennaAlp PuzzettaDisentisAnzahlProjektorte* Die vom Deutschen Bergwaldprojekt und vom Österreichischen Alpenverein durchgeführten Projektesind in der Tabelle oben nicht aufgeführt. Ebenso die Projektorte in Katalonien und der Ukraine.8. Juli 2010/mkSeite 3/7


Stiftung Bergwaldprojekt Jahresbericht 2009Öffentlichkeitsarbeit und KommunikationWiederum sind vier Ausgaben des Publikationsorgans des Bergwaldprojektes „Specht“ erschienen. Dabeiwurde der Schwerpunkt jeweils auf die folgenden Themen gelegt: Die Idee Bergwaldprojekt, Bergwald,Waldzustand und Waldkompetenz. Weiter konnten in den nationalen und regionalen Medien verschiedeneBeiträge zum Bergwald, zu den Arbeitseinsätzen und zum Bergwaldprojekt platziert werden. Schliesslichfanden verschiedene Aktionen zur Öffentlichkeitsarbeit und Teilnehmerwerbung in grösseren Städten undan Openairs in der Schweiz statt. Mehrere neu gestaltete Imprimate und Kommunikationsmittel wurdenproduziert und verteilt, um für Teilnehmende und Unterstützung zu werben.Per Ende 2009 wurde, rechtzeitig auf die Publikation des neuen Jahresprogrammes, die Webseite desBergwaldprojektes www.bergwaldprojekt.org durch Aron Candrian vollkommen neu aufgebaut und gestaltet.Sie bietet nun einen übersichtlicheren Zugriff auch auf die internationalen Projekte. Insbesonderebietet die neue Website aber die Möglichkeit, durch die neuen, internetbasierten Kommunikations-Technologiendirekter und aktueller über den Bergwald zu informieren und mit den Anspruchsgruppen desBergwaldprojektes zu kommunizieren.Projektadministration und OrganisationDie vielen gelungenen Projekte des Jahres 2009 waren nur dank der guten Organisation des Bergwaldprojektesmöglich. Der Anstieg an Projekten und Projektorten, welcher im Jahr 2009 zu verzeichnen war,konnte gut über die Bühne gebracht werden, brachte aber auch Mehraufwand mit sich. Wichtig für dieOrganisation der Infrastruktur sind die Werkstatt, Büroeinrichtungen und Verwaltungsräume, die durch dieLiegenschaft Mesaglina in Trin zur Verfügung stehen. Wiederum wurde die Bergwaldpension Ringel überdie Projektsaison gemietet und somit eine geeignete Unterkunft für die vermehrt in Trin stattfindendenEinsätze gewährleistet.Das Team in Trin wurde verstärkt durch den Förster Jörg Eberhart, welcher die Projektorganisation unterstützt,jedoch weiterhin auch in der Durchführung der Projekte tätig ist. Die Computerbasierte Kommunikationwird neu von Aron Candrian erarbeitet, der nun in einer Teilzeitstelle mit dem Team in Trin arbeitet.Clement Tolusso wurde beauftragt, die Kommunikation in der Westschweiz zu verstärken. Für die Bewirtschaftungder Liegenschaften Mesaglina und Bergwaldpension Ringel wurde Thomas Köhler und AnicaStüssi-Köhler verpflichtet. Diese Arbeitsstelle wurde jedoch auf Ende 2009 aus organisatorischen Gründenwieder aufgehoben.Die Stiftung Bergwaldprojekt bietet mittlerweile rund 40 Personen in Voll- oder Teilzeitstelle Arbeit undVerdienst. Das Bergwaldprojekt will dabei ein verantwortungsvoller Arbeitgeber sein. Jedoch ist die Organisationüber die Teilpensen und die über die ganze Schweiz verstreute Personen eine Herausforderung.Deshalb wurde in Treffen der Teams und durch die Schaffung eines internen Newsletter die Kommunikationunter den Mitarbeitenden vermehrt gefördert. Anfang November fand das 3. Internationale Mitarbeitertreffenin Trin statt, wobei der Austausch und die Weiterbildung im Zentrum standen.8. Juli 2010/mkSeite 4/7


Stiftung Bergwaldprojekt Jahresbericht 2009Mittelbeschaffung und FinanzenDas Bergwaldprojekt ist weiterhin auf Unterstützung angewiesen. Wiederum konnten Beiträge von Einzelspenden,Vergabestiftungen, Institutionen und durch Fundraising-Aktivitäten generiert werden. Auch wurdenvon den Waldbesitzern der Projektorte Beiträge an unsere Arbeit gesprochen. Damit die laufendenAufwände des Jahres beglichen werden konnten, mussten Rückstellungen aus früher geäufneten Fondsaufgelöst werden. Trotzdem weist das Bergwaldprojekt nach wie vor erfreulicherweise genügend Reservenauf, um die bevorstehende Projektsaison im gewohnten Umfang planen zu können.Bilanz per 31.12.2009 Erfolgsrechnung 2009AktivenErtragUmlaufvermögen 1'139'707.04 Ertrag Fundraising 1'397'046.14Liegenschaft 253'400.00 Ertrag Projekte 556'854.75Betriebliches Anlagevermögen 554'502.00 Diverse Erträge 20'505.00Finanzertrag11'266.11Total Aktiven 1'947'609.04 Ertrag Liegenschaft 54'910.00PassivenFremdkapital338'016.90Total Ertrag2'040'582.00Projektfonds / Rückstellungen 985'152.29 AufwandStiftungskapital 624'439.85 Personalaufwand -1'486'682.74Betriebsaufwand-747'424.42Total Passiven 1'947'609.04 Abschreibungen -71'322.55a.o. Aufwand und Ertrag 0.00Entnahme aus Fondsmitteln264'847.71Total Aufwand-2'040'582.00Vermögensveränderung 0.00Corporate Volunteering mit der Credit SuisseSeit 2008 führt das Bergwaldprojekt Einsätze mit der Credit Suisse durch. Diese im Rahmen des CorporateVolunteering der Grossbank durchgeführten Projekttage haben für das Bergwaldprojekt besondere Bedeutung.Einerseits sind sie organisatorisch sehr anspruchsvoll, da sie in der Regel nur ein oder wenige Tage dauern.Es ist für unsere Projekt- und Gruppenleitenden eine besondere Herausforderung, rund 25 tatkräftigeMenschen innerhalb einer so kurzen Zeit, im unbekannten steilen Gelände des Bergwaldes anzuleiten undzu betreuen. Dass dies gut gelingt, zeigen die positiven Rückmeldungen der Mitarbeitenden der CreditSuisse und des Forstdienstes. Der Forstdienst zeigte sich erfreut und beeindruckt von der durchwegsüberdurchschnittlichen Arbeitsleistung, welche die Mitarbeitenden der Bank erbringen und ist froh umdiese grosse Unterstützung.8. Juli 2010/mkSeite 5/7


Stiftung Bergwaldprojekt Jahresbericht 2009Für das Bergwaldprojekt bietet die Zusammenarbeit mit der Credit Suisse die Möglichkeit, mit Menschen inKontakt zu kommen, welche üblicherweise wenig Bezug zum Bergwald haben. Umso erfreulicher ist es,dass sich die Anzahl Teilnehmenden vergrössert hat, nämlich von rund 600 im Jahr 2008 auf knapp1'000 Personen im Jahr 2009.Wechsel Im Bild: Einsatz der 2009 Geschäftsführungder Credit Suisse in Domat/Ems, Kt. Graubünden, SchweizRenato Ruf, einer der Gründer des Bergwaldprojektes und seit Anfang Geschäftsführer, hat im Jahr 2008angekündigt, als Geschäftsführer zurückzutreten. Auf die Ausschreibung der Stelle Ende 2008 konnte derStiftungsrat erfreulicherweise eine gute Auswahl an Kandidatinnen und Kandidaten prüfen. In der Sitzungvom 12. März 2009 hat der Stiftungsrat Martin Kreiliger, Forstingenieur ETH und Bergführer ausDisentis/Mustér, zum neuen Geschäftsführer gewählt. Nach einmonatiger Einarbeitungszeit zeichnet MartinKreiliger ab dem 1. Oktober 2009 als operativ Verantwortlicher für die Stiftung.Martin Kreiliger löst damit Renato Ruf ab, der die Stiftung über 20 Jahre lang erfolgreich geleitet hat. Mitder Übergabe der Leitung des Bergwaldprojektes schafft sich Renato Ruf Freiraum für Neues und wohlauch für eine etwas ruhigere Zeit. Während mehr als 20 Jahren hat er sich leidenschaftlich für die Belangedes Bergwaldes eingesetzt und das Bergwaldprojekt von einzelnen Einsätzen zu einer anerkannten Organisationim Bergwald entwickelt. Dafür gebührt ihm Anerkennung und Dank!StiftungsratDer Stiftungsrat tagte drei Mal. Die Ausschreibung und die Auswahl der Kandidaten und Kandidatinnen fürdie Geschäftsführung wurde durch eine Kommission begleitet, bestehend aus dem Präsidenten Alan Kocher,der Vizepräsidentin Muriel Bonnardin sowie Andrea Bianchi.8. Juli 2010/mkSeite 6/7

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