(PDF ) | Ausgabe März 2013 - Compliance

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Compliancewww.compliance-plattform.de | www.finance-magazin.deDie Zeitschrift für Compliance-VerantwortlicheMonatliche Publikation aus der FINANCE-RedaktionMärz | 2013Hört auf zu kuscheln!InhaltWas denken und wollen die Vorstände von den Compliance Officern?Das sollte man wissen, bevor man verschlossene Türen einrennt – und aufgibt.Der ManagerMANDr. Philipp Matthey, ChiefCompliance Officer derMAN SE, integriert mitseinem Team weltweit dieCompliance-Systeme inder MAN-Gruppe. DieNähe zum operativen Geschäftist für den Juristendabei sehr wichtig. S. 4Kollegen & KarriereMartin Wiechers, Dirk Voges, Dr. Axel Bowmannund Dr. Anke Frankenberger übernehmen neueAufgaben. S. 4Wollen Sie wirklich nur der harmlose Engel sein und niemandem auf die Füße treten?Wer kann dem Unternehmen am meistenschaden? Es ist der Vorstand selbst. Nichtzuletzt belegen das die Vorfälle aus der letztenZeit bei Hess, Windreich, ThyssenKruppund Teldafax. Andererseits ist das Verhältniszwischen Vorständen und ihren Compliance-Ver antwortlichen nicht immer einfach undgeprägt von vielen Unsicherheiten undFrustrationen – vor allem auf Seiten derLetzteren.Was die Compliance Officer von den Vorständenerwarten, ist uns bekannt. Aber wasdenken und wollen die Vorstände von denVieles unausgereiftSelten waren Vertreter verschiedener Parteienund Interessevertretungen sich in einemPunkt so einig wie beim Termin im DeutschenBundestag Ende Februar: Ein bundesweitesKorruptionsregister wollen alle. Verständlich,dass niemand öffentlich Stellung gegen einesolche Maßnahme bezieht. Dennoch ist es inDeutschland trotz einiger Vorstöße – derletzte scheiterte bei der vorgezogenen Neuwahlzum Bundestag 2005 – bislang nichtgelungen, ein flächendeckendes Register zuschaffen, in dem bundesweit Unternehmenerfasst werden, die wirtschaftskriminelleHandlungen begangen haben und die durchCompliance Officern, und welche Argumenteüberzeugen sie?Das Argument der gesetzlichen Ver -pflichtung der Vorstände zieht hier ebensowenig wie der gern benutzte Spruch ‚If youthink Compliance is expensive, considernon-Compliance‘. Dieser Spruch war übrigensvon Anfang an falsch. Da müssen dieCompliance Officer schon deutlich mehrÜberzeugungskraft entwickeln. Es geht alsoin erster Linie darum, die eigene kuschelige>> F O R T S E T Z U N G A U F S E I T E 2Ein bundesweites Korruptionsregister könnte die Compliance-Arbeit unter -stützen – an den Detailfragen scheiden sich jedoch die Geister.ein öffentlich zugängliches Listing bei öffentlichenAusschreibungen dann das Nachsehenhätten.In einzelnen Bundesländern wie NRWund Berlin gibt es entsprechende Register aufgesetzlicher Grundlage seit Jahren, und geradehat auch der Hamburger Senat ein Korruptionsregistergesetzauf den Weg gebracht.„Wir brauchen aber eine bundeseinheitlicheRegelung und keinen Flickenteppich in denLändern“, fordert die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Christine Lambrecht.>> F O R T S E T Z U N G A U F S E I T E 9iStockStellenangebote S. 4Corporate Compliance AwardsAm 20. Juni verleihen wir erstmals unsereCorporate Compliance Awards – hier erfahrenSie alles Wissenswerte rund um die Bewerbungund die Gala. S. 6Zahlen & Fakten S. 7Rat & Tat S. 7Im InterviewDie Rechtsprechung unterstützt Arbeitgeber,die bei Schmiergeldern eine Null-Tolerance-Policy pflegen, sagt Dr. Wolfgang Lipinskivon Beiten Burkhardt. S. 5Warum das DICO mehr sein will als nurein Berufsverband, erklärt dessen Vorstands -vorsitzende Manuela Mackert. S. 8Professor Dr. Bartosz Makowicz von der Europa-UniversitätViadrina über seinen Ansatz zurinterdisziplinären Compliance-Forschung.S. 10Roundtable ComplianceDie Plattform für Compliance-VerantwortlicheANZEIGENÄCHSTER VERANSTALTUNGSTERMIN16. APRIL 2013,FRANKFURT AM MAINhttp://compliance-plattform.de/events.html


2 | Wie den Vorstand einfangen?ComplianceMärz | 2013>CCOs sollten auf Basis eines klarenSelbstverständnisses agieren.


3 | Compliance | März 2013 ANZEIGE20. JUNI 2013 – HILTON HOTEL, FRANKFURT AM MAINDIE PREISVERLEIHUNG FÜR COMPLIANCE-VERANTWORTLICHEFeierliche Abendveranstaltung mit Preisverleihungund Austausch zu aktuellen Trends im ComplianceBewerben Sie sich jetzt!Werden Sie einer von drei Preisträgern in den Kategorien:Compliance Officer des JahresFür herausragende Compliance-Arbeit im UnternehmenCompliance Idee des JahresFür eine besonders kreative und durchschlagende Compliance-LösungCompliance Officer MittelstandFür herausragende Compliance-Arbeit in einem mittelständischen Unternehmen Weitere Informationen zur Bewerbung undAnmeldung als Teilnehmer erhalten sie unter:www.compliance-plattform.de/awardsVERANSTALTER


4 | Beruf & ErfolgDer ManagerDr. Philip Matthey, Chief Compliance Officer der MAN SE, integriert mitseinem Team weltweit die Compliance-Systeme in der MAN-Gruppe.MAN gehört nun zu drei Vierteln zum Volkswagen-Konzern.In den Medien wird spekuliert,VW wolle das Unternehmen vollständigbeherrschen. Doch wo so manche MAN-Führungskraftsich Gedanken darüber machendürfte, wie viel Spielraum sie dann noch hätte,bleibt Dr. Philip Matthey, seit Anfang 2011MANDr. Philip Mattheyist seit 2010 bei derMAN beschäftigt,seit Anfang 2011 ist erCCO. Davor war er beiKanzleien im BereichKartellrecht tätig undim Bereich Legal/Compliance vonThyssenKrupp.CCO von MAN, gelassen. Im Gegenteil, ihmgefällt der enge Kontakt zur Mutter- und zuden Schwesterngesellschaften. „Bevormundetwerden wir von Volkswagen nicht, denn derKonzern erkennt, dass es wichtig ist, effizientedezentrale Compliance-Bereiche in deneinzelnen Marken zu haben. Es ist doch so,dass wir alle mit ähnlichen Fragestellungenkonfrontiert sind, und durch regelmäßigenAustausch können wir diese gemeinsamkreativer und effektiver lösen“, sagt Matthey.Überhaupt ist Matthey kein Mensch, beidem man Platzhirschgehabe erlebt, im Gesprächist er bescheiden. So hat er kein Problemdamit zuzugeben, dass es weiter nochviel zu tun gibt. Nach dem Weggang seinesVorgängers Olaf Schneider ist Matthey nunmit der Feinjustierung des CMS beschäftigt.„Viele Compliance-Prozesse sind heute andersals nach der Einführung, weil wir gelernthaben. Was noch gefehlt hat, haben wir weiterentwickelt,und was sich in der Praxis alszu komplex erwiesen hat, haben wir vereinfacht“,erzählt Matthey. „Ich mache mir fortlaufendGedanken, ob wir in unserenSchwerpunkten Kartellrecht, Antikorruptionund Datenschutz wirklich alle unsere Risikofelderabdecken oder ob es noch andere kritischeThemenbereiche gibt. Vor kurzem habenwir noch den Bereich Geldwäsche aufgenommen,da sich die Gesetzeslage verändert hatund das Thema nun Industrieunternehmenbetrifft.“ Aktuell beschäftigt ihn die Aufgabe,das Compliance-System weltweit im gesamtenKonzern vollständig zu integrieren undzu vereinheitlichen.Ursprünglich war sein Steckenpferd Kartellrecht.Nach dem LL.M in England und derPromotion, beides zum Thema Kartellrecht,befasste er sich mit dieser Thematik intensivals Rechtsanwalt in den Kanzleien Linklatersund Cleary Gottlieb. „Ich fand das Themasehr spannend. Es ist allerdings so, dass derMandant meist erst zum Anwalt kommt,wenn das Kind schon in den Brunnen gefallenist. Viel spannender ist es aber doch, imVorfeld Compliance-Verstöße zu verhindern,damit es gar nicht erst zu einer Durchsuchungkommt.“ Matthey wechselte daher indie Industrie, 2007 zu ThyssenKrupp und Anfang2010 zu MAN, wo er zunächst die AbteilungCompliance Awareness & Preventionverantwortete. „Die Aufgabe bei MAN hatmich sehr gereizt, weil der Vorstand und auchder Aufsichtsrat das Thema Compliance sehrernst nehmen und nach dem Korruptionsskandalausreichend Ressourcen für den Aufbauvon Compliance zur Verfügung gestellthaben. Daher können wir uns bei MAN wirklichentfalten und Sachen entwickeln, diesich woanders nicht realisieren lassen.“Es reicht nicht, Regeln aufzustellenSich selbst sieht der heute 41-Jährige in ersterLinie als Manager und nicht unbedingt alsJurist. „Es reicht nicht, einfach Regeln aufzustellen.Ich möchte vielmehr der Organisationaufzeigen, wie man sinnvoll und sauber guteGeschäfte macht. Das geht aber nur, wenn ichversuche, das operative Geschäft auch wirklichzu verstehen.“ ||Irina Jäkel.KollegenComplianceMärz | 2013MartinWiechers hatzum 1. Februar 2013 diePosition des Chief Com -pliance Officers derFerrostaal GmbH in Essenübernommen. Seit Ende2011 ist der 32-Jährigebereits Chief ComplianceOfficer der MPC Münchmeyer Petersen & Co inHamburg, zu der Ferrostaal gehört. Er wird daherseine Funktion bei Ferrostaal in Personalunionausüben. Wiechers hat bei MAN Ferrostaal AGeine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmanngemacht und studierte im AnschlussBetriebswirtschaftslehre. Danach wechselte erzum Beratungshaus WTS Corporate Governance& Compliance Advisory.FerrostaalDirk Voges übernimmt die Position des LeitersRecht für die Regionen Europa, Naher Osten undAfrika (EMEA) des Solarmodulherstellers YingliGreen Energy. Das Züricher Unternehmen ist ander US-Börse notiert und will eine Rechtsabteilungetablieren und holte dafür Voges. Derzeit istder 48-Jährige Partner der Münchener SozietätBTU Simon.Dr. Axel Bowmann ist seitMitte Januar Leiter Rechtbeim Anlagenbauer WTEWassertechnik in Essen.Der 39-Jährige wechselteaus der Kanzlei Leinemann& Partner, bei der er seitvier Jahren in den BereichenPrivates Bau- undVergaberecht tätig war. Vor seiner Zeit bei Leinemannhatte Bowmann rund ein Jahr bei RedekerSellner Dahs gearbeitet.WTF WassertechnikDr. Anke Frankenberger ist zum Februar 2013zum General Counsel des Frankfurter KunststoffherstellersStyrolution ernannt worden. Styrolutionist ein Joint Venture zwischen BASF und derSchweizer Ineos und besteht seit Oktober 2011.Zuletzt war Frankenberger vier Jahre lang Chefjuristinbeim Hamburger WindturbinenherstellerNordex.Aktuelle Stellenangebote:digital spirit suchtKey Account Manager Compliance-Training &-Kommunikation (m/w)Swiss Re Europe suchtLegal Counsel (m/w)DHL Freight suchtJunior Expert Compliance and Certification (m/w)Beiersdorf suchtReferent Kartellrecht und Compliance (m/w)ANZEIGESemikron suchtLeiter Recht / Compliance (m/w)Medline International Germany suchtLegal Compliance Officer (m/w)Weitere Stellenangebote auf: www.finance-magazin.deHier klicken und kostenlos abonnieren:www.compliance-plattform.de


5 | Im InterviewCompliance„Die Rechtsprechung unterstützt Null-Tolerance-Policy“März | 2013Die arbeitsvertraglichen Ausgleichsklauseln sollten auf konkrete juristische Personen bezogen sein, sagt Dr. WolfgangLipinski, Partner der Sozietät Beiten Burkhardt.>> Herr Dr. Lipinski, es häufen sich in letzterZeit immer mehr arbeitsgerichtliche Entscheidungenbezüglich der Schmiergelder. So hatzum Beispiel das Landesarbeitsgericht Münchenentschieden, dass der Arbeitnehmer dieangenommenen Schmiergelder an seinen Arbeitgeberherausgeben muss. Wie beurteilenSie diese Tendenz?> Nun ist es ja nicht unbedingt so, dass derArbeitnehmer freimütig zugibt, wie hoch dasSchmiergeld war…>Die Gerichte sind bei Schmiergeldernund anderen compli -ancerelevanten Themen tendenziellsehr hart und unterstützendamit die Arbeitgeber.Dr. Wolfgang Liepinski, Beiten Burkhardt Wäre es aber nicht möglich, schon im Vorfeldtätig zu werden? Könnte sich der Arbeitgebernicht schon im Voraus gewissermaßenabsichern?


6 | Corporate Compliance AwardsPreisverleihung an Compliance OfficerHerausragende Compliance-Arbeit wird belohnt und im Rahmen einerfeierlichen Gala am 20. Juni 2013 gefeiert.Hier erfahren Sie mehr über den Bewerbungsvorgangund die Preisverleihung.In aller KürzeDeutsche Unternehmen können sich nicht gegendie Klagen aus den USA wehren. Dies hat nundas Bundesverfassungsgericht entschieden unddie Verfassungsbeschwerde einer deutschen Internetfirmafür unbegründet zurückgewiesen. ZurBegründung trugen die Richter vor, eine aufStrafschadensersatz (punitive damages) gerichteteSchadensersatzklage verstoße nicht vonvornherein gegen unverzichtbare Grundsätzeeines freiheitlichen Rechtsstaates. Dass für einamerikanisches Zivilverfahren höhe Anwalts -kosten anfallen könnten und die Beklagte dieseselbst dann nicht ersetzt bekäme, wenn sie denProzess gewinnt, sei demnach als Folge der unternehmerischenEntscheidung für eine grenzüberschreitendeTeilnahme am Wirtschaftslebenhinzu nehmen.http://www.bundesverfassungsgericht.de/Die Pharmaindustrie plant nun, sich selbst einenfreiwilligen Kodex zu geben und die ZahlungenEs ist an der Zeit, auch im deutschsprachigenRaum die Compliance Officer für ihre herausragendeArbeit mit einem Preis zu ehren. Immermehr setzt sich das Bewusstsein durch,dass Compliance helfen kann, die Werthaltigkeitdes Unternehmens langfristig zu sichernund die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Insofernkommt den Compliance Officern einewichtige Rolle zu. Wir hoffen, dass durch diePreisverleihung der Arbeit der ComplianceOfficer die würdige Aufmerksamkeit zukommtund eine Benchmark in CorporateCompliance in Deutschland gesetzt wird.Aufgrund der Vielfalt der Compliance-Aufgaben halten wir es für wichtig, dreigleichwertige Preise zu verleihen. Neben dem„Compliance Officer des Jahres“, mit demher ausragende Leistungen von ComplianceOfficern geehrt werden, werden noch zweiweitere wichtige Preise verliehen: „ComplianceIdee des Jahres“ sowie „Compliance OfficerMittelstand“. Mit „Compliance Idee desJahres“ wird ein Preis für eine besonderskreative und durchschlagende Lösung eineskonkreten Problems vergeben. Die Preisverleihung„Compliance Officer Mittelstand“richtet sich an Compliance Officer, die in mittelständischenUnternehmen tätig sind.Wir hoffen also auf zahlreiche Bewerbungen.Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: EntwederSie bewerben sich selbst um einen derdrei Preise, oder Sie können einen ComplianceOfficer für einen der drei Preise vorschlagen.Die Abstimmung wird bewusst transparentgestaltet: Die Bewerbungen werden anonymisiertzur Bewertung unserem Fachbeiratvorliegen, der aus sechszehn erfahrenenCompliance Officern aus unterschiedlichstenBranchen und Unternehmen besteht.Wie wollen wir den Erfolg messen? In dieBeurteilung der Leistung eines ComplianceOfficers werden solche Parameter wie der eigeneBeitrag zur erfolgreichen Weiterentwicklungdes CMS und die überzeugendeFührungsarbeit auf diesem Gebiet einfließen.Darunter fällt auch die Aufstellung einer effektivenund effizienten Compliance-Organisation,eine gute und verständliche Kommunikationin diesem Bereich, die dazu führt,dass im Unternehmen eine positive Compliance-Kulturentsteht. Für einen ComplianceOfficer im Mittelstand kommt noch dieSchwierigkeit dazu, dass in den mittelständischenUnternehmen der Compliance-Organisationnicht dieselbe finanzielle Kraft zurVerfügung steht, wie zum Beispiel in einemDAX-Unternehmen. Näheres zu den Kriterienerfahren Sie auf unserer Homepage zu den 1.Corporate Compliance Awards 2013 (siehelinks). Den Rahmen der Preisverleihung am20. Juni 2013 bildet ein festliches Bankett sowieein interessanter Vortrag und eine Diskussionsrundezu einem aktuellen, spannendenThema. || irina.jaekel@finance-magazin.dean die Mediziner offenzulegen.Ab Anfang 2015 sollenalle Daten erfasst und ab2016 veröffentlicht werden.http://www.fr-online.de/politik/In Februar hat das Austrian Standards Institute(Österreichisches Normungsinstitut) die „ONR192050 Compliance Management Systeme“(sog. Ö-Norm für Compliance) veröffentlicht.Die ONR 192050 sagt, wie sich ein Unternehmenorganisieren sollte, um ein Risiko erkennen, verstehenund in der weiteren Folge richtig behandelnzu können. Sie will eine Anleitung bieten,wie Compliance Management Systeme innerhalbder Unternehmensorganisation abgebildetwerden können, durch welche Maßnahmen diegewünschte Verhaltensänderung der Mitarbeiterherbeigeführt werden kann, und was dabeierlaubt ist und was nicht.http://www.as-institute.at/themencenter/KommentarLernt von unsComplianceMärz | 2013Es formiertsich einAufbegehrender österreichischenWirtschaft gegendie Landes-Compliance-Gemeinde.DerVorwurf: Eine Compliance-Kontrollmaschinerieverwalte den Anstand und zwingeUnternehmen eine Checklistenbürokratieauf, die teuer und ineffizient sei. Zu lesenwar dies nun im österreichischen IndustrieMagazin. Das Vorgehen der ComplianceOfficer sei eine Scheinmoral, die bloß vorgebe,unsaubere Praktiken zu unterbinden.Da haben die österreichischen ComplianceOfficer mit ihrem Kampf gegen den Filzbei Einladungen und Geschenken wohl einwenig über die Stränge geschlagen.Liebe Nachbarn, Eure deutschen Kollegenschreiten Euch auch hier mit dem Fehlermachenvoraus. Den Unmut der deutschenWirtschaft über dasselbe Thema habensie sich schon vor zwei Jahren ordentlichzugezogen. Warum nicht mal aus denFehlern der Deutschen lernen? Irina JäkelIMPRESSUMHaben Sie Anregungen, Fragen oder Kritik?Über Ihr Feedback freuen wir uns.Irina Jäkel (irj), Verantwortliche RedakteurinTelefon: (0621) 437 45 - 110,E-Mail: irina.jaekel@finance-magazin.deDr. Sarah Nitsche (san), RedakteurinTelefon: (069) 75 91-26 31E-Mail: sarah.nitsche@finance-magazin.deVerlagHerausgeber: FINANCIAL GATES GmbHGeschäftsführung: Dr. André Hülsbömer, Volker Sach60326 Frankfurt am Main, Mainzer Landstraße 199HRB Nr. 53454, Amtsgericht Frankfurt am MainTelefon: (069) 75 91-24 94Telefax: (069) 75 91-32 24Internet: www.finance-magazin.deBezugspreis Jahresabonnement: kostenlosErscheinungsweise: monatlich (10 Ausgaben im Jahr)Objektleitung MarketingDorothee GrooveTelefon: (069) 75 91-32 17E-Mail: d.groove@financial-gates.deVerantwortlich für Anzeigen: Dorothee GrooveFachbeirat der Online Zeitschrift Compliance: AndreaBerneis, Paul Hartmann AG; Malgorzata Borowa, KabelDeutschland GmbH; Ralf Brandt, LTS Lohmann Therapie-SystemeAG; Gerhard Brey, Osram AG; Otto Geiß, Fraport AG; MirkoHaase, Adam Opel AG; Dr. Katharina Hastenrath, FrankfurtSchool of Finance & Management; Olaf Kirchhoff, MitutoyoEurope GmbH; Torsten Krumbach, Sky AG; Prof. Dr. BartoszMakowicz, Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder;Dr. Birte Mössner EnBW, Energie Baden-Württemberg AG;Alexander von Reden, Schindler Deutschland GmbH; Dr. DirkChristoph Schautes, Metro AG; Elena Späth, Klöckner & Co SE;Dr. Eckhardt Sünner, Aufsichtsrat Infineon Technologies AG;Bettina Vieler, Wincor Nixdorf AG; Heiko Wendel, Leoni AG;Dietmar Will, Audi AG; Rudolf Zimmermann, ABB AG.Layout: Daniela Seidel, FINANCIAL GATESIllustrationen: iStockMitherausgeber: BEITEN BURKHARDT RechtsanwaltsgesellschaftmbH, digital spirit GmbH, Interactive Dialogues NV/SA,KPMG AG, SAI GlobalHaftungsausschluss: Alle Angaben wurden sorgfältig recherchiertund zusammengestellt. Für die Richtigkeit und Voll -ständigkeit des Inhalts von Compliance übernehmen Verlagund Redaktion keine Gewähr. Für unverlangt eingesandteManuskripte und unverlangt zugestellte Fotografien oderGrafiken wird keine Haftung übernommen.


7 | Zahlen & FaktenLeichte OpferMit völlig unzureichenden Compliance-Instrumenten bieten viele deutscheUnternehmen eine Menge Angriffsfläche für Wirtschaftskriminalität.Unzählige Unternehmenwerden jedes JahrNutzung ausgewählter Compliance-Instrumente (Angaben in Prozent)Opfer von Wirtschaftskriminalität.Verhaltenskodex 62DabeiMitarbeiterschulungen bei vorhandenem Kodex 75brauchen viele FirmenCompliance-Organisation 83sich aber nicht zuHinweisgebersystem 44wundern: Mit einerschlechten oder garNull-Toleranz-PolitikQuelle: RölfsPartner & Universität Leipzig70nicht erst vorhandenen Compliance-Arbeitmachen sie sich zu leichten Opfern für Betrug,Korruption und andere Delikte, wie eineaktuelle Befragung von RölfsPartner und derUniversität Leipzig belegt. Für die Studie„Das Unternehmen als Opfer von Wirtschaftskriminalität“wurde die Compliance-Arbeit von 338 Unternehmen aus dem privatenund dem öffentlichen Sektor unter dieLupe genommen.Je nach den unterschiedlichen implementiertenCompliance-Tools haben die Autorendie analysierten Unternehmen kategorisiert:Von „Stufe 1 – unprotected“ bis „Stufe 4 –professionally protected“. Dabei zeigt sich:Jedes sechste Unternehmen aus der Privatwirtschaftverfügt über keinerlei Compliance-Instrumente wie interne Richtlinien, Schulungenoder Anlaufstellen für Hinweisgeber.Die Folge: Straftaten werden – wenn überhaupt– zufällig aufgedeckt. Aber auch beider breiten Masse, die die Untersuchung der2. Stufe „semi-protected“ zuordnet, sieht eskaum besser aus. Sie nutzen zwar einzelneCompliance-Instrumente, von einem systematischenCompliance Management System(CMS) kann aber keine Rede sein.Ein entscheidender Knackpunkt ist der zuwenig verbreitete Einsatz von Hinweisgebersystemen(siehe Grafik), vor dem viele offenbarimmer noch zurückschrecken. Vor allemDie Studie kann hier heruntergeladenim Mittelstand ist die Angst groß, im eigenenwerden.Haus eine Kultur des Denunziantentums zuetablieren. || sarah.nitsche@finance-magazin.deKein Durchblick im Regulierungsdickicht?Um den stetig steigenden Compliance-Anforderungen gewachsen zu sein,müssen Finanzdienstleister ihre Budgets erhöhen.Finanzdienstleistermüssen für die Compliance-Arbeitin diesemJahr deutlich tieferin die Tasche greifen,wenn sie der regulatorischenFlut Herrwerden wollen. Daszeigt die Einschätzungvon mehr als 800 Compliance-Verantwortlichenbei Finanzdienstleistern, die ThomsonReuters GRC im Rahmen der Studie „Cost ofCompliance Survey 2013“ befragt hat. Auchin diesem Jahr rechnen die befragten Compliance-Expertennicht mit einer regulatorischenAtempause: 81 Prozent erwarten, dassdie Dichte der Vorschriften weiter zunehmenwird, mit 43 Prozent rechnet sogar fast jederzweite Befragte mit einer beachtlichenSchwemme an neuen Regulierungen.Alarmierend ist, dass den ComplianceOfficers offensichtlich kaum Zeit bleibt, sichDie Studie kann hier heruntergeladenwerden.Die typische Woche eines Compliance Officers(Prozentuale Verteilung der Arbeitszeit)Verfolgung und Analyse regulatorischerEntwicklungen15Austausch mit anderen Kontrollinstanzen 16Überarbeitung von Richtlinien und Prozessen 7Board Reporting 6Andere Compliance-Aufgaben 56Quelle: Thomson Reuters GRCmit diesen Veränderungen zu beschäftigen:Im Durchschnitt verbringen sie nach eigenenAngaben etwas mehr als einen Arbeitstag proWoche damit, regulatorische Entwicklungenzu analysieren; ein halber Tag entfällt außerdemdarauf, die Prozesse und Richtlinien imeigenen Unternehmen anzupassen (sieheGrafik). Diese Werte unterscheiden sich kaumvon denen aus der letztjährigen Erhebung.Immerhin scheint der Warnschuss in gutzwei Dritteln der befragten Unternehmen angekommenzu sein: Dort erwarten die Compliance-Chefsin diesem Jahr größere Budgetsfür ihre Arbeit, was ihnen endlich mehr Luftverschaffen könnte. Der Rest muss sich dagegenauf harte Zeiten einstellen. ||sarah.nitsche@finance-magazin.deRat und TatComplianceMärz | 2013Mitte Februar wurde der BCM – Berufsverbandder Compliance-Manager als berufsständischeVereinigung exklusiv für Inhouse-Compliance-Beauftragte aus Unternehmen,Organisationen und Verbänden gegründet.Mirko Haase, Regional Compliance CounselEMEA bei Adam Opel AG, wurde zum Gründungspräsidentendes BCM gewählt.Der Verband hat es sich zur Aufgabe gemacht,die Zukunft der Disziplin auf einer gemeinsamenPlattform zu gestalten, den Austausch innerhalbder Berufsgruppe zu ermöglichen und damit diebranchenübergreifende Vernetzung zu fördern.http://bvdcm.de/Im DIKE-Verlag ist das Buch „Whistleblowingals interne Risikokommunikation: Ausgestaltungeines unternehmensinternen Whistleblowing-Systemsaus arbeits- und datenschutzrechtlicherSicht“ von Stefan Rieder erschienen.Die Dissertation analysiert die arbeits- unddatenschutzrechtlichen Rahmenbedingungen vonWhistleblowing und zeigt dabei die Verhaltenspflichtenvon Whistleblowern und Arbeitgebernauf. In einer empirischen Studie wird untersucht,wie Banken und Versicherungen mit internemWhistleblowing umgehen.362 Seiten, 88 Schweizer Franken.http://www.dike.ch/Rieder_WhistleblowingDer Compliance-Spezialist digital spirit hat einneues Lernprogramm „Exportkontrolle & Embargos“auf den Markt gebracht, das die Mitarbeiter,die Rechtsgeschäfte und Handlungen imAußenwirtschaftsverkehr vornehmen, im Exportgeschäftschult und sensibilisiert.Mit dem eLearning sollen die Mitarbeiter erkennen,wann sie von Exportvorschriften betroffensind und wie sie sich rechtskonform verhalten.Die Mitarbeiter erhalten eine Einführung indie Exportkontrolle sowie Embargovorschriftenund erfahren, wie sie sich korrekt und im Sinneihres Unternehmens verhalten. Darüber hinauswerden sie ermutigt, bei Unklarheiten ihrenAnsprechpartner im eigenen Unternehmen zubefragen.http://www.compliance-training.de/Im Verlag Dr. Kovac ist das Buch „CorporateCompliance – Verantwortung, Implementierungspflichtenund Umsetzung in der unverbundenenAktiengesellschaft und im Konzern“von Peter Lang erschienen.Ziel des Verfassers ist es, das gesellschaftsundkonzernrechtliche Umfeld von Complianceherauszuarbeiten. Neben der Darstellung derCompliance-Verantwortung der Unternehmensorganewidmet sich der Autor der zentralenFrage, ob den Vorstand eine Rechtspflicht zurImplementierung eines CMS trifft.308 Seiten. 89,80.http://www.verlagdrkovac.de/


8 | Im Interview„DICO will mehr sein als ein Berufsverband!“ComplianceDICO will das Thema Compliance interdisziplinär anpacken und sich international vernetzen, sagt Manuela Mackert,CCO der Deutschen Telekom AG und DICO-Vorstand.März | 2013>> Ende letzten Jahres hat sich DICO - dasDeutsche Institut für Compliance e.V. gegründet.Wie ist die Aufgabenverteilung innerhalbdes Instituts?> Das heißt, DICO will Lobby-Arbeit betreiben?> In den letzten vier Monaten haben sichinsgesamt drei Compliance-Organisationengegründet: Neben dem Bundesverband DeutscherCompliance Officer und dem DeutschenInstitut für Compliance noch der Berufsverbandder Compliance Manager Ende Februar2013. Und alle wollen mehr oder weniger dieselbenZiele erreichen. Wo liegt da noch derUnterschied?> Das bedeutet, dass es auf lange Sicht eineMarktbereinigung geben wird?


9 | Sündenregister


10 | Im InterviewCompliance„Interdisziplinäre Compliance-Forschung ist nun möglich“März | 2013Die Forschung muss die Compliance-Entwicklungen in den Unternehmen wissenschaftlich begleiten, sagtProf. Dr. Bartosz Makowicz, Professor an der Juristischen Fakultät der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder.>> Prof. Dr. Makowicz, Sie waren der Initiatordes Zentrums für Interdisziplinäre ComplianceForschung an der Europa-Universität Viadrina.Diese interdisziplinäre Herangehensweise andas Thema Compliance ist relativ neu. Wie kamenSie auf diese Idee?> Manche Wissenschaftler forschen aber inihrem Elfenbeinturm, das heißt an der Realitätund dem Bedarf von Unternehmen vorbei. Wiewollen Sie das in Ihrem neuen Forschungszentrumverhindern und der Fachöffentlichkeit dieErgebnisse zur Verfügung stellen?> Welche Rolle soll zukünftig die Wissenschaftin der Compliance-Weiterentwicklungspielen?Europa-Universität ViadrinaProf. Dr. BartoszMakowicz ist Professorfür Rechtswissen -schaften an der Europa-UniversitätViadrinain Frankfurt/Oder.www.europa-uni.de/compliance

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