Urban Gardening - Land & Genuss

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Urban Gardening - Land & Genuss

GARTEN & LANDHAUSUrbanGardeningEin Trend erobert weltweit die Metropolen:Auch in Deutschland bauen urbane Farmer Gemüse aufBalkonen, Dachgärten und brachliegenden,trostlosen Flächen ganz einfach selbst an.Das hilft nicht nur der Umwelt, sondern trägt auchzur Verschönerung der Innenstädte bei.ie Stadt wird grün: Bepflanzte Wolkenkratzer – bestes Beispiel ist derFrankfurter Commerzbank Tower mit seinen vier Geschosse hohen Turmgärten– sind weltweit keine Seltenheit mehr, und Stadtbewohner, die ihrDGemüse gerne selbst anbauen möchten, müssen ihren grünen Daumen nicht zwingendin einer Schrebergarten-Siedlung zum Einsatz bringen. Urban Gardening istmehr als angesagt. Aufgrund fehlender Ackerflächen im städtischen Raum zieht manTomaten ganz einfach auf dem eigenen Balkon, Salat kommt frisch vom Roofgarden,und den Honig gibt es von der urbanen Imkerei auf dem Hausdach. Die Vorteile desstädtischen Gärtnerns liegen auf der Hand: Durch Herstellung und Konsum lokalangebauter Nahrungsmittel werden weite Transportwege umgangen und dadurchder CO 2 -Ausstoß verringert, außerdem wird das städtische Mikroklima verbessert.In Community Gardens – die ersten entstanden bereits in den 70er Jahren in NewYork – wird der Garten zusätzlich zum Ort der Begegnung und des Miteinanders.Ein bekanntes Beispiel aus Deutschland ist der „Prinzessinnengarten“ in Berlin/Kreuzberg (Foto rechts): Im Sommer 2009 mietete die Organisation NomadischGrün am Moritzplatz eine 6000 Quadratmeter große Brachfläche, um diese fürdie ökologische und soziale Landwirtschaft zu nutzen. Hier werden Gemüse undKräuter ohne den Einsatz chemischer Düngemittel oder Pestizide produziert; Erdeund Saatgut sind bio-zertifiziert. Das Gemüse wird direkt im Gartencafé verarbeitetoder kann selbst geerntet und dann gekauft werden. Durch die Bepflanzung der ehemaligenBrachfläche und die Ansiedlung von Bienenvölkern leistet der Garten einenwichtigen Beitrag zum lokalen Ökosystem und zur Verbesserung des Mikroklimas.Foto: Marco Clausen/Prinzessinnengarten8 Land & Genuss08-012_Urban_Gardening.indd 8 27.01.12 18:41


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GARTEN & LANDHAUSIm „Prinzessinnengarten“ darf jeder mitarbeiten: Hier treffen verschiedene Generationenund Nationalitäten aufeinander – der Garten wird zum gemeinschaftsstiftendenOrt. Die Besonderheit der Kreuzberger Oase: Es handelt sich um einenmobilen Garten, der jederzeit umziehen kann – die Pflanzen werden ausschließlichin recycelten Bäckerkisten, Reissäcken und Tetra-Paks angebaut.In vielen Metropolen sind potenzielle Gartenflächen aber kaum zu finden, deshalb mussdas Grün sich Platz auf den Häuserdächern suchen. Besonders berühmt sind die roofgardensin New York: Diese werden nicht nur von Restaurants und Clubs als Dachterrassengenutzt oder zu bepflanzten Ruheoasen umfunktioniert – hier werden auch Gemüsegärtenangelegt: Die erste kommerzielle Rooftop-Farm Nordamerikas ist die seit 2008existierende Eagle Street Rooftop Farm im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Auf 550 Quadratmeternwird regionales Gemüse wie Spinat, Bohnen, Tomaten, Gurken und verschiedeneSalate sowie Kräuter und Blumen angepflanzt – auch Honig ist hier erhältlich.Die Erträge werden zum einen an ansässige New Yorker Restaurants geliefert, außerdemkönnen sich überzeugte Locavoren – Menschen, die sich von lokal produzierten Lebensmittelnernähren – jeden Sonntag direkt auf der Farm mit frischem Gemüse versorgen.Durch Urban Gardening kommen Städter aber nicht nur in den Genuss lokalangebauten Gemüses, auch den Honig gibt es direkt von ansässigen Bienenstämmen.Die Frankfurter Künstlergruppe finger verbindet den Trend „urban beekeeping“Fotos: MMK, hilker GmbH, Dirk Ingo Franke10 Land & Genuss08-012_Urban_Gardening.indd 10 27.01.12 18:41


Urban GardeningGrüne Soße-BalkonWer das Frankfurter „Nationalgericht“ heiß und innig liebt,muss nicht jedes Mal auf den Wochenmarkt oder in dienächste Apfelweinkneipe pilgern. Die sieben Original-KräuterBorretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampferund Schnittlauch lassen sich auch ganz einfach imBlumenkasten auf dem Balkon anbauen:• Bereits im März können die Kräuter ausgesät werden.Sollte es Frost geben, müssen sie reingeholt werden.• Nicht zu kleine Töpfe oder Blumenkästen verwenden,weil die Wurzeln Platz zum Wachsen brauchen. Deshalb sollte lte manbeim Säen ausreichend Platz zwischen den einzelnen Pflanzen lassen.• Kräuter wachsen am besten in mit Kompost angereicherter Gartenerde.• Um optimal gedeihen zu können, brauchen die Kräuter genügend Sonne.• Die Erde muss ständig feucht gehalten werden. Allerdings vertragen die Kräuterkeine Staunässe, deshalb muss man dafür sorgen, dass das Wasser optimalablaufen kann.• Kräuter am besten morgens ernten, weil sie dann am aromatischsten sind.eindrucksvoll mit ihrem künstlerischen Schaffen. Bereits im Herbst 2007 gründetefinger eine Stadtimkerei (Foto S.10 l.), die seit 2008 ihren Produktionsstandort aufdem Dach des MMK hat. Von hier aus schwärmen rund 600 000 Bienen zum Pollensammelnaus. Den „Frankfurter Museumshonig“ gibt es dann im MMK zu kaufen.Auch in den Restaurant-Küchen ist der Urban Gardening-Trend weltweit angekommen.Auf dem Dach des vegetarischen Clubrestaurants Cookies Cream in Berlinbeispielsweise baut Küchenchef Stephan Hentschel (Foto S.10 r.) Kräuter undeinige Gemüse-sorten ganz einfach selbst an.ie größte Dachfarm der Welt wird derweil ebenfalls in der Hauptstadtgeplant – auf der ehemaligen Malzfabrik im Industriegebiet der Stadt sollD ab dem Frühjahr 2013 auf insgesamt 7000 Quadratmetern Bio-Gemüseangebaut werden. Außerdem sollen in den ehemaligen Malzkesseln Fischeökologisch gezüchtet werden. Die Berliner Dachfarm nutzt dabei das Aquaponic-Verfahren: Die Ausscheidungen der Fische fungieren als Dünger für die Wasserpflanzen,diese wiederum bereiten das Wasser auf. Einzig Fischfutter soll zugekauftwerden, ansonsten funktioniert das System des Berliner Projekts vollkommen autark.Das geerntete Gemüse und der Fisch werden im hauseigenen Laden verkauft sowiean die umliegenden Einzelhandelsgeschäfte geliefert.Land & Genuss1108-012_Urban_Gardening.indd 11 27.01.12 18:41


GARTEN & LANDHAUSUrban Gardening dient aber nicht nur der Versorgung mit lokal angebautenNahrungsmitteln. Das Bepflanzen brachliegender und trister Flächen istauch eine Form des Protests, in den sich neben politischem Unmut dasAnliegen der Verschönerung trostloser Innenstädte mischt. Mit Setzlingen bewaffnetziehen die Stadtgärtner los, um Verkehrsinseln, Grünstreifen, Hinterhöfe undbrachliegende Flächen zu bepflanzen. Schwer zugängliche Orte werden mit Hilfeso genannter Samenbomben – kleine getrocknete Kugeln aus Erde, Ton und Samen –grüner. Meist handelt es sich um Nacht- und Nebelaktionen, denn GuerillaGardening ist illegal. Oft wird die in die eigenen Hände genommene Stadtverschönerungaber von den Ordnungsämtern geduldet.12Gemüse aus dem BlumenkastenFrisches Bio-Gemüse kann man bestens auf dem eigenen Balkon ziehen,wenn man einige wichtige Dinge beachtet:• Geeignete Gemüsesorten sind: Tomaten, Auberginen, Paprika, Zucchini,Gurken, Salate, Peperoni, Artischocken, Mangold und Kartoffeln• Wärmeliebende Gemüsesorten wie Tomaten, Paprika und Auberginen sollten aufSüdwest- oder Südostbalkonen gepflanzt werden und müssen zweimal täglich gegossenwerden. Blattspinat und Salaten wird es in Südlage dagegen schnell zu heiß.• Frucht-Gemüse wie Zucchini, Auberginen und Tomaten bevorzugen einenwind- und regengeschützten Standort.• Benötigt werden ausreichend große Töpfe oder Kübel mit mindestens 10 LiterFassungsvermögen, Möhren brauchen wegen ihrer langen Wurzeln deutlichmehr Platz. Niedrig wachsende Gemüse wie Rucola, Feldsalat und Auberginenkönnen problemlos im Balkonkasten gepflanzt werden.• Nährstoffreiche, mit Kompost angereicherte Erde und zusätzlich organischenLangzeitdünger verwenden.• Auf keinen Fall zu eng säen, jede Pflanze braucht ungefähr 10 Zentimeter Platz.• Radieschen können bereits im März direkt in die Töpfe gesätund ab Mai geerntet werden. Möhren werdenab Mai gesät und können bei ausreichendSonne von Juni bis September geerntetwerden. Cocktailtomaten müssenbei Zimmertemperatur vorgezogenwerden und könnenauf den Balkon umgesiedeltwerden, wenn der Frostvorbei ist (an die Eisheiligenim Mai denken!).Land & GenussFoto: iStockphoto08-012_Urban_Gardening.indd 12 27.01.12 18:41

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