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gewesen wäre und dieses wichtige Jubiläum mitEuch feiern wollte, er mußte allerdings alsVorsitzender der Diakonie der EvangelischenKirche in Polen bleiben. In seinem Namen schickeich Euch herzliche Grüße und Danksagungen.Auch für mich persönlich ist es eine große Ehre, andieser Feierlichkeit teilnehmen zu dürfen und diePredigt halten zu dürfen.Heute haben wir zweifache Gelegenheit, demHerrgott zu danken. Wir möchten für alles danken,was in diesem Jahr gewachsen ist. Für die Gaben,für unser Essen, die Früchte, unser breitverstandenes tägliches Brot. Denn heute feiert dieevangelische Kirche das Erntedankfest. Aber derwichtigste Grund für unseren Gottesdienst heuteist, dankzusagen, für Euch, für das 60jährigeJubiläum Eurer Arbeit.Als ich darüber nachgedacht habe, welchen Textich für die heutige Predigt aussuchen soll, bin ichzu dem Schluss gekommen, dass der Text für dasheutige Erntedankfest geradezu ideal ist.Selbstverständlich kann er nicht nur ein Vorwandfür unser Feiern sein, aber wenn wir tiefer darübernachdenken, dann sehen wir, wie wunderbar er zuuns spricht, und mit seiner Botschaft hervorragenddazu passt.Ihr habt den Brief gehört. Paulus hat ihngeschrieben, Titus hat ihn übermittelt. DieGemeinde in Korinth hat ihn erhalten. Und ichstelle mir vor, wie sehr Titus in Korinth erstauntwar.Was für eine Gemeinschaft in der Gemeinde!Paulus hatte ihm von der Gemeinde erzählt undtrotzdem ist er erstaunt. Es fehlt an nichts. Sie sindlebendig und aktiv. Die Menschen habenaußergewöhnliche Gaben. Jemand liestaußergewöhnlich schön, ein anderer scheint inGottes Herz sehen zu können, indem er sagt, wassie machen sollen. Manchmal singen sie wie Engelin Sprachen, die Titus nicht kennt. Und auf


wundervolle Weise gelingt es Armen und Reichen,gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Das ist jedochnicht immer gut. Titus weiß von Paulus, dass esmanchmal damit Probleme gibt. Aber tatsächlichgibt es sehr reiche Kaufleute und Bankenbesitzer,die sich gemeinsam mit Sklaven, die im HafenSäcke schleppen, an einen Tisch setzen.Ja, die Gemeinde ist dank dessen „reich“. Es fehltnicht an Essen, nicht an guten Wohnungen. Gottbewirkt Wunder. Titus kann es vor Staunen garnicht fassen. Er hört, wie der Brief des Paulusverlesen wird. Er kennt schon die Worte, damit ihrin allen Dingen allezeit volle Genüge habt undnoch reich seid zu jedem guten Werk, denn einenfröhlichen Geber hat Gott lieb. Denn der Dienstdieser Sammlung hilft nicht allein dem Mangelder Heilige ab, sondern wirkt auchüberschwenglich darin, dass viele Gott danken.Titus ist deshalb hierher gekommen. Paulusorganisiert ein Opfer für die Gemeinde inJerusalem. Denn von hierher ist der Glaube anChristus gekommen. Die Christen in Jerusalemlebten in besonderer Nähe zu den Orten, an denenChristus gelebt hat, wo er gekreuzigt worden istund wo er von den Toten auferstanden ist. Wenn esum den Glauben ging, lebten sie im Überfluss.Aber Geld und Brot gab es sehr wenig in derJerusalemer Gemeinde. Paulus hatte versprochen,eine Sammlung in den neuen Gemeinden zuorganisieren. Einigen Gemeinden fehlte es nicht anGeld, wie zum Beispiel in Korinth, einer reichenHafenstadt. Ein Austausch war notwendig. Dieeinen brauchten Stärkung im Glauben, die anderenetwas, was ihre Körper stärkt. Und so ist es bisheute.Pfarrer Dr. Christian-Erdmann Schott, der seit 1993Vorsitzender der Gemeinschaft evangelischerSchlesier ist, schreibt in seinem Aufsatz zu 60Jahren „Gemeinschaft evangelischer Schlesier(Hilfskomitee) e.V.“ unter anderem so: „ Offiziellhat die GeS im Jahr 1972 mit der „Schlesienhilfe“begonnen, die sie ab 1976 in Kooperation mit derSchlesischen Genossenschaft des Johanniterordens


durchgeführt hat. Dabei ging es um den Aufbauund die Pflege von Kontakten mit verstreutenzurückgebliebenen Evangelischen, mit einzelnenaufgeschlossenen Pfarrern und mit Einrichtungender evangelischen Kirche im polnischen Schlesien.Diese Kontakte wurden durch Besuche hergestelltund waren verbunden mit der Austeilung vongespendeten Lebensmitteln, Hygieneartikeln,Kleidung, Medikamenten, Geld, später auch derEinrichtung von Sozial- und Ausleihstationen, derUnterstützung von Bauvorhaben undKirchenrenovierungen sowie deutsch-polnischenTagungen… Aber auch im Verhältnis zu Polenkonnten jetzt weitere Schritte in RichtungVerständigung und Aussöhnung unternommenwerden… Es war alles viel einfacher. Dabei kannhier daran erinnert werden, dass nach einerAufstellung von Hans-Niklas v. Selchow, imJohanniterorden verantwortlich für dieSchlesienhilfe und zugleich Mitglied im Vorstandder GeS, allein in den fünfzehn Jahren zwischen1980 und 1995 810 Transporte mit rund 3000 tGesamtgewicht und einem Gesamtwert von 78,1Millionen DM nach Schlesien gegangen sind.”Für diese Hilfe in den für die in Schlesien lebendenPolen so schweren Jahren danke ich herzlich mitden Worten von Paulus: „Gott aber sei Dank fürseine unaussprechliche Gabe.” Für die GabeEures offenen, sensiblen Schlesier-Herzens!Obwohl mir bewusst ist, dass es überhaupt nicht soeinfach und selbstverständlich war. Es brauchteZeit, viel Zeit. Ich weiß auch, dass es Menschengibt, die sich bis heute mit der Wirklichkeit nachdem Zweiten Weltkrieg nicht abfinden konnten.Dies habe ich als Pfarrer der Friedenskirche in denmehr als 20 Jahren meines Dienstes in Schweidnitzerlebt. Darum verstehe ich den interessanten undtiefgehenden Artikel von Pfarrer Dr. Christian-Erdmann Schott „Trauerarbeit undErinnerungskultur” sehr gut, der in der August-Ausgabe des „Schlesischen Gottesfreunds”erschienen ist. Dort hat der Autor das Bekenntnisvon Katharina Elliger aus ihrem Buch „Und tief inder Seele das Ferne. Die Geschichte einerVertreibung aus Schlesien” zitiert. Sie schreibt:„Es war wirklich so, wie ich es in Erinnerunghatte- nichts hatte sich verschoben, nichts hatte ich


ergänzt oder mir ausgedacht, im Gegenteil, mirsprangen immer neue Details in Auge, die meineinneren Bilder bestätigten. Jetzt wusste ich, dass esgut war, hergekommen zu sein. Plötzlich löste sichder Bann: Das jahrzehntelange Gefühl vonUnwiederbringlichkeit und Trauer wandelte sich inDankbarkeit. Hier lagen meine Wurzeln:…hier, inder Geborgenheit dieser sanften kleinen Welt. Ichwar stolz auf meine Heimat. Mit wem hätte ichtauschen wollen?”Viele von Euch können diese Worteunterschreiben… Dort in Schlesien sind EureWurzeln. Wir heutigen Einwohner erinnern unsdaran und sind uns bewusst, wie schwer es ist, weitentfernt von „ der Geborgenheit dieser sanftenkleinen Welt”, zu leben, wie Katharina Elligerschreibt.Darum „sei aber heute Gott Dank für seineunaussprechliche Gabe.” Für die Gabe derVersöhnung und des Friedens, die für uns Christusam Kreuz auf Golgota gesühnt hat. OhneVersöhnung, Vergebung wäre eineZusammenarbeit nicht möglich. Eure Offenheit fürunsere weiteren großen Bedürfnisse. Ich habe michbedankt für die Hilfe in den Jahren desRealsozialismus und des Kriegszustands. Ichbedanke mich für die Hilfe, die bis heute andauert.Wir leben in kleinen Gemeinden, was der Film vonUte Badura, „Häuser des Herrn.Kirchengeschichten in Niederschlesien“ wunderbarzeigt. Diese Gemeinden leben und entwickeln sichentgegen der Logik, dank der Gnade Gottes unddank dessen, dass Ihr für das Wort Gottes offenbleibt. Ich bin nicht in der Lage, innerhalb derPredigt alle Gemeinden aufzuzählen, die Eure Hilfeerfahren haben und weiterhin erfahren.Dieses Wort sagt uns, dass wir aufmerksam seinsollen, wenn uns jemand braucht. Teilen stärktnämlich den Frieden auf einer kleineren undgrößeren Skala. Und ganz bestimmt ist etwas inden Worten einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.Der Segen liegt im Geben. Darum sollten wir estun. Jeder nach seinen Möglichkeiten. So wie es inder Gemeinde in Korinth war.


Heute machen wir uns vor allem bewusst, wie sehruns Gott beschenkt hat. Wie er sich jeden Tag umuns sorgt. Seine Güte erstaunt uns. Seine Kraft,alles so wunderbar zu schaffen.Wir wollen die Liebe Gottes verehren. Danken füralles und alle. Für Deutschland und Polen, für dasvereinte Europa, dafür, dass wir heute in Friedenleben können. Doch heute danken wir vor allem fürEuer, aber auch mein Schlesien, für 60 Jahrereiches und fruchtbares Schaffen der GemeinschaftEvangelischer Schlesier.Gott segne Euch, Euer Schaffen, Eure Häuser undFamilien.Gott aber sei Dank für seine unaussprechlicheGabe. Amen.Pfr. Waldemar Pytel, SchweidnitzUnd der Friede Gottes, der höher ist als alleVernunft, bewahre eure Herzen und Sinne inChristus Jesus. Amen.

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