gewinnt 6. Shalom - Bandcontest - Evangelisches Jugendhaus ...

ej.shalom.de

gewinnt 6. Shalom - Bandcontest - Evangelisches Jugendhaus ...

Zeitung der Evangelischen Offenen Jugendarbeit für die Region Gera

In dieser Ausgabe:

Projekt

„Stolpersteine in Gera“

Ausstellung

„Antisemitismus

in Deutschland heute“

im EJ Shalom

Programm

Ökumenische

Friedensdekade

u.v.m.

Nr. 31 2008


Seite 02 INHALT

Das Projekt Stolpersteine...........................................................................................Seite 03

Professor Dr. Hans Simmel........................................................................................Seite 04

Julius Simsohn.............................................................................................................Seite 05

Familie Salomon...........................................................................................................Seite 06

Stolpersteine in Gera..................................................................................................Seite 07

Der Stolperstein zu Ehren von Prof. Dr. Hans Simmel..................................Seite 08-11

Mut heißt nicht, keine Angst zu haben...............................................................Seite 12-13

Etty Hillesum - Die Tagebücher einer Amsterdamer Jüdin............................Seite 14-15

Wege der Erkenntnis...............................................................................................Seite 16-17

Kurze Geschichte der jüdischen Gemeinde in Arnhem.......................................Seite 18

Requiem - Anna Achmatova.......................................................................................Seite 19

Antisemitismus in Deutschland heute - Programm........................................Seite 20-21

Gedenken an die Pogromnacht vor 70 Jahren......................................................Seite 22

Programm der Ökumenischen Friedensdekade 2008.........................................Seite 23

Shalom - News - Bandcontest 2008..........................................................................Seite 24

IMPRESSUM

Herausgeber: Verantwortlicher Redakteur:

Evang. Jugendhaus Shalom Michael Piontek

Berliner Str. 208, 07546 Gera Redaktionskreis ElShalom:

Telefon: 0365 413111 Fotos und Texte:

Heidi, Claudia,

Peter, Michael, Mischa

Druck: Internetadresse:

Keßler Gmbh www.ej-shalom.de

Erfurter Str. 19, 99423 Weimar Email: jugendhaus-shalom@gmx.de.


„STOLPERSTEINE“ für Gera

Nichts ist schlimmer als kollektives Schweigen,

wenn an Mitmenschen Verbrechen begangen wurden.

„STOLPERSTEINE“ für Gera

Seite 03

Mit Schriftspuren zur Erinnerung an die Deportation von Sinti und Roma hat der

Kölner Künstler Gunter Demnig nach 1990 an einem Kunstprojekt gearbeitet. 1992

verlegte er in Köln Messingblech mit Himmlers Auschwitz- Befehl. 1993 bis 1995

entwickelte er dazu weitere konzeptionelle Vorstellungen und begann danach in

Berlin- Kreuzberg 55 „Stolpersteine“ zu setzen.

In Deutschland und Europa wurden bereits in 311 Städten über 15.000 „Steine“

als Gedenktafeln aus Messing in den Trottoirs eingelassen, um den Opfern der

NS-Zeit zu gedenken.

Durch Günter Domkowsky, einen sehr engagierten Bürger aus Gera, wurde die

Initiative „Stolpersteine in Gera“ ins Leben gerufen. Schon beim ersten Treffen trafen

sich rund 30 Menschen unterschiedlicher weltanschaulicher, politischer und

religiöser Auffassung, um das Projekt des Kölner Gunter Demnig umzusetzen.

Einig waren sich alle darüber, dass diese Aktion gegen das Vergessen auch in

Gera notwendig ist. Sehr unterschiedlich waren die Beweggründe der Teilnehmer,

warum sie einen Stolperstein setzen lassen wollen.

Das gesamte Projekt wird durch Jugendliche des Evang. Jugendhauses

Shalom“ begleitet.

Zu ihren Aufgaben zählen die historischen Recherchen für die Inhalte der Dokumentation,

der Hinweistafeln und der Flyer. Weiterhin obliegt ihnen die optische

Gestaltung der einzelnen Bereiche.

Ein Spendenkonto wurde über das Evang. JugendhausShalom“ eingerichtet,

um die Stolpersteine und deren Verlegung zu finanzieren. Vereine, aber auch Privatpersonen,

denen das Projekt am Herzen liegt, haben schon gespendet, so

dass am 07. Oktober die Verlegung der ersten fünf „Stolpersteine“ gesichert war.

Die Verlegung weiterer Steine ist für April 2009 geplant.

Wer sich an der inhaltlichen Arbeit des Projektes beteiligen möchte, kann sich bei

uns im „Shalom“ melden.

Ihr erreicht uns täglich ab 12.00 Uhr unter der Telefonnummer: 0365/413111

oder per email: jugendhaus-shalom@gmx.de

Bankverbindung für Spenden:

Evang. JugendhausShalom

EKK Eisenach

Kontonr.: 108010544

BLZ: 52060410


Seite 04 Professor Dr. Hans Simmel

Professor Dr. Hans Simmel ( 1891- 1943 )

06.04.1891 geboren in Berlin (jüdischer Abstammung)

01.05.1917 Auszeichnung mit „Eisernen Kreuz“ aufgrund seiner Tätigkeit

im 1. Weltkrieg ( 4 Jahre und 9 Monate, davon 2 Jahre und 3

Monate als Arzt)

seit 1920 Tätigkeit an Universität Jena

1925 Ernennung zum außerordentlichen Professor der Universität

Jena

15.06.1928 Chefarzt und Internist des städtischen Krankenhauses Gera

( gewählt durch parlamentarische Linkspartei des damaligen

Geraer Stadtrates); richtete während seiner Tätigkeit dort eine

Schule ein, in der Krankenpfleger ausgebildet wurden

August 1932 propagandistischer Feldzug gegen Simmel verstärkt sich, da

Landesregierung von Nazis übernommen wurde

21.01.1933 Schutzhaft

25.02.1933 politische Sicherheitsverwahrung wegen Äußerung über

Hakenkreuzfahne

24.03.1933 Entlassung als Arzt aufgrund seiner politischen Einstellung

und Überzeugung gegen Nationalsozialismus

27.06.1933 aus Schutzhaft entlassen

20.06.1933 wurde vom Oberbürgermeister der Stadt Gera aufgefordert, das

Schild mit der Aufschrift „ Chefarzt des städtischen Krankenhauses“

von seinem Haus zu entfernen

10.11.1938 KZ Dachau (wohnte damals in Stuttgart)

Anfang 1939 emigrierte nach Haft und KZ in die USA

23.09.1943 verstarb in USA (Colorado Springs) an Folgen seiner Leidenszeit

im KZ Dachau


Julius Simsohn

Julius Simsohn ( 1888 - 1944 )

25.03.1888 in Memel geboren

1. Weltkrieg Frontsoldat; verschiedene Auszeichnungen erhalten

mehrfache Verletzungen; Vizefeldwebel

Seite 05

1923 heiratete Magarethe (geb. Drobbe 17.08.1897 in Crossen/Oder)

und bezog mit ihr Wohnung in Berlin, Schreinerstraße 19, vermied

Kontakt zu ihrer Familie, da sie ihm gegenüber antisemitisch

reagierte

18.12.1924 Geburt seines Sohnes Werner Simsohn ( einziges Kind)

Ende 1927 ging nach Gera und übernahm die Leitung der Filiale einer

Berliner Firma („ Vogel und Feuermann“; Firmenname:

„Korrekt“) in der Zschochernstraße 26. Nach einigen Jahren

brach Firma wegen Wirtschaftskrise zusammen. Er zog in

neuen Laden um (Altenburger Straße 21) und wechselte von

Konfektion zu Textilien.

1933 Boykott der jüdischen Geschäfte

1934 Umzug in ehemaliges Schokoladengeschäft mit dazugehöriger

Wohnung (Nestmannstr. 1), richtete dort Landhandel ein

1938 Schließung des Geschäftes - wurde daraufhin Bauhilfsarbeiter

9./10.11.1938 Abführung aus der Wohnung durch SA-Leute ins KZ Buchen -

wald ( wie später bekannt wurde)

30.12.1938 aus der Inhaftierung entlassen

1942 erhielt Nachricht, dass seine Mutter deportiert worden war und

unternahm daraufhin einen Suizidversuch

Frühjahr 1944 Verhaftung ( vorerst in Gera untergebracht)

Sommer 1944 Deportation nach Auschwitz

musste dort seinen Namen in Jeremias umändern

26.11.1944 schrieb seiner Frau Magarethe einen Brief aus Auschwitz, was

das letzte Lebenszeichen von ihm darstellte

1944 vermutlich in Auschwitz gestorben


Seite 06 Familie Salomon

Dr. med. Oskar Salomon geb. 21.9.1863 in Halle/Saale

Spezialarzt für Haut - und Harnkrankheiten

Frau Martha Salomon (geb. Heilbronn) geb. 6.9.1873 in Eisleben

Sohn Fritz Salomon geb. 30.5.1895 in Geringswalde

Sohn Hans Salomon geb. 17.4.1898 in Geringswalde

Die Wohnung der Familie war in der Adelheidstraße 12, wo sich auch die Praxis von Oskar

Salomon befand. Fritz Salomon legte das Abitur am Gymnasium Rutheneum in Gera

ab und war noch als Student in den Ersten Weltkrieg gezogen. Er diente als einfacher Soldat

des Geraer Infanterie-Regiments Nr. 96, 1. Kompanie. Er wurde als Frontsoldat am

24.7.1912 an der Westfront verwundet und starb am 6. 9 .1917 in einem Lazarett in Bremen.

Obwohl Fritz nicht der jüdischen Religionsgemeinschaft angehörte, wurde er aber

den gefallenen jüdischen Soldaten der Stadt Gera zugerechnet.

Hans Salomon, der jüngere Sohn, absolvierte ebenfalls das Gymnasium Rutheneum.

Dort legte er 1916 die „Notreifeprüfung“ ab, meldete sich trotz seiner Jugend als Freiwilliger

zur Armee, kam an die Front und verlor dabei in Frankreich seinen linken Arm.

Er nahm danach ein Jurastudium auf, welches er erfolgreich absolvierte.

Am 1.7. 1924 begann sein Dienst am Amtsgericht Zeulenroda. Ab dem 16.1.1926 wurde

er dort Gerichtsassessor. Ab dem 3.1. 1927 erfolgte die Berufung zum Hilfsrichter am

Landgericht Gera. Am 22.3. 1932 wurde Dr. Hans Salomon vom Landesgerichtspräsident

Dr. Köhler auf Grund seiner hervorragenden Leistungen zum Amtsgerichtsrat ernannt.

Am 1.10. 1935 erfolgte im Auftrag des Reichsministers der Justiz die sofortige

Beurlaubung. Im Dezember 1935 wurde er zur Ausfüllung eines Fragebogens zur Abstammung

aufgefordert.

Am 31.12.1935 wurde Dr. Hans Salomon aus dem juristischen Dienst entlassen.

Im Zuge des Novemberpogroms 1938 wurde er nach Buchenwald verschleppt, kehrt von

dort zurück.

Als das Tragen des „Judensterns“ verordnet wurde, setzte

die Familie Salomon am 18.9.1941 gemeinsam ihrem Leben ein Ende.

Aus ihren Abschiedsbrief:

„Wir haben alles ertragen, was Menschen ertragen können,

die Entehrung aber, als Gezeichneter mit einem handtellergroßen

Stern herumzulaufen zu müssen, nicht auf sich nehmen zu können,


Die Stolpersteine in Gera

In Gera wurden die ersten fünf Stolpersteine gesetzt

Seite 07

In Gera wurden am 07.10.2008 die ersten fünf Stolpersteine gesetzt. Als 361. Kommune

in Deutschland wurde unserer Stadt diese Ehre zuteil. Der Kölner Künstler Gunther

Demnig, der bisher 16500 Steine dieser Art gesetzt hat, war zu Gast in Gera.

Die von Günther Domkowski initiierte und vom Jugendhaus Shalom unterstützte Aktion

fand reges öffentliches Interesse. Unter anderem waren der OB der Stadt Gera, Dr.Norbert

Vornehm, Superintendentin Gabriele Schaller, Stadtjugendpfarrer sowie der Geschäftsführer

vom Waldklinikum Dieter Geitz vertreten. Ehrengast an diesem Tag war Bernhard

Wolfram aus Berlin. Begleitet wurde die Veranstaltung vom Musikprojekt des Evangelischen

Jugendhaus Shalom sowie von Claudia Gräfe, die als Praktikantin für das Projekt

recherchiert hatte und die Texte zum Gedenken vortrug. Die Flyer, Hinweistafeln und eine

Dokumentation zum Projekt Stolpersteine wurden von Jugendlichen des EJ Shalom erstellt.

Der erste messingfarbene Stein, der gesetzt wurde, erinnert am Geraer SRH Waldklinikum

an Prof. Dr. Hans Simmel, der hier als Chefarzt und Internist wirkte und 1943 an

den Folgen seiner Leidenszeit im KZ Dachau verstarb.

Gunther Demnig beim Setzen

des Stolpersteins am SRH

Waldklinikum

Günther Domkowski, der

Initiator des Projektes in

Gera

Gunther Demnig begrüßt

Bernhard Wolfram

Gunther Demnig beim Setzen

des Stolpersteins in der

Laasener Straße

Der Stolperstein für

Julius Simsohn in der

Nestmannstraße 1

Claudia Gräfe trägt einen

Text zur Familie Salomon

vor

Die nächste Station war die Nestmannstraße 1, Ort des Gedenkens an Julius Simsohn,

den Vater des Geraer Ehrenbürgers Werner Simsohn. Er war ein Firmeninhaber und

Geschäftsmann, der 1944 im KZ Auschwitz umgebracht wurde. Dritte und letzte Station

war an diesem Tag die Laasener Straße 16, wo die Gedenksteine für die Familie

Salomon gesetzt wurden. Sie gingen 1941 gemeinsam in den Freitod, weil sie das Tragen

des Judensterns als Entehrung empfanden. Die nächsten Stolpersteine in Gera werden

von Gunther Demnig am 06. April 2009 verlegt.


Seite 08 Der STOLPERSTEIN

Der STOLPERSTEIN zu Ehren von Prof. Dr. med. Hans Simmel

Zu den – glücklicherweise zahlreichen - „Sponsoren“ für die STOLPERSTEINE in

Gera zählt Bernhard Wolfram, Berlin. Der ehemalige Bauingenieur hatte seine

Schulzeit in Gera verbracht: bis 1956. Sein Elternhaus steht in der Debschwitzer

Siedlung Heinrichsgrün.

Zwischen dem Reiheneckwohnhaus auf dem Händelplatz (früher „Dr.-Weisker-

Platz“) und dem von Prof. Dr. Simmel bewohnten Haus in der Vollersdorfer Str. 13

sind die Wege so kurz, dass man durchaus von „Nachbarschaft“ sprechen kann.

Kriegskind Wolfram, Jahrgang 1939, hat den nun Geehrten nicht mehr gesehen;

dennoch versteht er sich als Nachbar, zeitversetzt gesehen.

Das Schicksal eines Verfolgten muss doch, findet er, jedes Wesen mit etwas Herz-

blut anrühren.

Beim Betrachten der STOLPERSTEINE im Berliner Gehweg-Pflaster begann sich

Wolfram zu fragen, wie wohl die Bürgerinnen und Bürger seiner Heimatstadt Gera

mit diesem düsteren Kapitel ihrer Stadtgeschichte umgehen. Man spricht und

singt gern von der „lieben Heimat“. Ebenso, oft sogar intensiver, hatten auch die

von den Nazis Verfolgten gefühlt. Gera, Thüringen, Deutschland war auch ihre lie-

be Heimat.

Die Nazis wollten ihre Opfer zur Anonymität verdammen. Auch im Nachhinein darf

ihnen das nie und nimmer gelingen. Jeder Bürger/jede Bürgerin kann mit einer

kleinen Spende dazu beitragen, dass wenigstens die Namen sowie einige Daten

dem Vergessen entrissen werden. Die Erinnerung sei das einzige Paradies, aus

dem wir nicht vertrieben werden können, zitierte – etwas frei – Wolfram. Hans

Simmel ist durch die Hölle von Gestapo-Haft und KZ gegangen; zu früh starb er

fern der Heimat.

Umso mehr sei es die Aufgabe der Heutigen, die Erinnerung an einen Mitbürger

wie Simmel wach zu halten, bekräftigt unser Berliner Mit-Sponsor.

Georg Simmel, der Vater, zählte zu den führenden Soziologen. Seine Berliner

Adresse galt den Geistesgrößen der Zeit – etwa dem jungen Philosophen Ernst

Bloch - als gefragte Adresse. Simmels waren jüdischer Herkunft; vermutlich ha-

ben sie sich dem urban-liberalen, religiös „emanzipierten“ Teil der Gesellschaft

zugewandt.


Seite 09

Im März 1933 begann das Martyrium des gewiss hochverdienten Chefarztes im

Waldkrankenhaus, Prof. Dr. med. Hans Simmel.

Die Gestapo wird ihn – wiederum vermutlich - zunächst im Untersuchungsgefäng-

nis „Amthordurchgang“ eingekerkert haben.

Im heißen Jahrhundertsommer 1959 saß dort der Stasi-Gefangene Wolfram. Noch

heute empfindet Wolfram fast Stolz, dort gelitten zu haben, wo schon der NS-Geg-

ner Hans Simmel Zeugnis für seine humanistische Gesinnung abgelegt hat.

Es sind solche persönlichen Zeugnisse, die Wolfram zaudern lassen, Projekte für

größere Denkmal-Anlagen, in baulicher Form, zu unterstützen.

Im Berliner Mahnmal für die ermordeten Juden Europas sieht er eine wohl begrün-

dete Ausnahme, die er auch gern finanziell unterstützt habe.

STOLPERSTEINE zu Ehren von „Einzel-Personen“ wie Prof. Dr. Simmel seien

aber generell die zeitgemäße Alternative.

Man solle doch gerade im Alltag – gedanklich – hinsehen, durchaus erstaunt, not-

falls verstört zurückschauen, auf eine neue Gelegenheit vorbereitet sein: anzuek-

ken, ohne zu straucheln.

Der ehemalige Stasi-Gefangene Wolfram weist jede Idee einer Gleichsetzung von

Unrecht zurück. Über seinen „Fall“ hatte die SED-Bezirkszeitung „VOLKS-

WACHT“ mit bekannter Liebe zur Wahrheit berichtet.

Die dabei preisgegebene Adresse war freilich die seiner Eltern.

Den vermeintlichen „Staatsfeind“ Wolfram hatte die Stasi nach Gera gebracht, um

ihn von Mitstudierenden in Erfurt zu isolieren, auf Dauer vergessen zu machen.

Bei einer Gedenkstunde der Berliner SPD am 17. Juni 2008, am zentralen Ort des

historischen Geschehens, wurde aus dem Geraer SED-Blatt vorgelesen.

Wolfram habe mit Willy Brandt sympathisiert.

Das traf ausnahmsweise zu.

Wer Weiteres zu erfahren wünscht, besuche die Gedenk- und Begegnungsstätte

im Amthordurchgang.

Auch in seiner neuen Heimat Berlin engagiert sich Wolfram nach Kräften – in sei-

ner Partei, als Mitglied der Max-Liebermann-Gesellschaft etc..

Für einen Strauß Rosen, zum Beispiel für Felix Mendelssohn Bartholdi, reichen

allemal Zeit und Geld. Überall finden sich, so Wolframs Beobachtung, ähnliche An-

lässe zum Nachdenken und Handeln. Gera bildet da keine Ausnahme.

Zu „seiner“ Ev. Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde in Berlin gehört die Matthäus-

kirche unweit des Potsdamer Platzes.

Der STOLPERSTEIN

Als „Filialkirche“ dient sie vornehmlich künstlerischen Veranstaltungen. Dietrich

Bonhoeffer wurde darin am 15.11.1931 „ordiniert“, d.h. zum Pfarrer berufen.


Seite 10 Der STOLPERSTEIN

Wolfram schätzt es, in solcher Nachbarschaft zu leben. Ähnliches empfindet er im

Hinblick auf den ebenso nahe gelegenen „Bendler-Block“, Zentrum des Deut-

schen Widerstandes um Stauffenberg (20. Juli 1944).

Über den Geraer Arzt Simmel hatte der Schüler Wolfram nichts erfahren: nichts in

einer DDR-typischen Schule, nichts in der Kirche, leider auch nichts zu Hause.

Dass man geschwiegen hatte, als ein ehrenwerter Mitbürger seiner Freiheit be-

raubt wurde, mag ein Gefühl bleibender Schuld ausgelöst haben, überlegt Wolf-

ram.

„Tuet der Stadt Bestes!“ So sehen sich Christen in der Pflicht. Das Evangelische

Jugendhaus SHALOM Gera bewies und beweist durch vielfältige Aktivitäten, dass

das Vermächtnis unserer jüdischen Brüder und Schwestern auch unter schwieri-

gen Umständen erfüllt wird.

Mit jedem STOLPERSTEIN kehren – auch wenn es noch so verkürzt anmuten mag

- die Verfolgten des Nazi-Terrors in ihre „Heimat“ zurück.

Prof. Dr. med. Hans Simmel ist – so im Geiste – wieder unter uns.

Für den einstigen „Nachbarn“ Wolfram war es, wie er versichert, eine große Freu-

de und Ehre, Gelegenheit zum Mitmachen bekommen zu haben.

Er habe sich doch von der Stadt seiner Jugend, Gera, mit Anstand und in Frieden

verabschieden wollen.

Gut, dass Geraer – nun in Berlin oder anderswo – an unserer Seite bleiben: im

Kampf gegen Rassismus und Intoleranz, für Demokratie und Menschlichkeit.

Am 10. Mai 2008 fand auf dem Berliner Bebelplatz eine Veranstaltung statt - im Ge-

denken an die Bücherverbrennung vor 75 Jahren. Wolfram trug wie immer seine

Freiheitsfahne in Schwarz-Rot-Gold, aber auch ein Fähnchen mit dem Davidstern.

Die meist Jüngeren interessierten sich vor allem für eine bekannte Kunst-„Instal-

lation“, einen unterirdisch angelegten Raum mit leeren Bücherregalen.

Solch Sichtbares lässt sich gut fotografieren; Ideen haben es da etwas schwerer.

Plötzlich – noch am 10. Mai - sei eine Gruppe älterer Damen und Herren erschie-

nen, berichtet der Demo-Teilnehmer.

Mit größter Wahrscheinlichkeit BesucherInnen aus Israel. Beim Anblick ihrer hei-

matlichen „Flagge“ riefen sie – spürbar bewegt – den schönen Gruß

Shalom! Shalom! Shalom!“

Nun lag es an ihm, verriet Wolfram, gegen Freudentränen anzukämpfen.


Seite 11

Von Wolframs Auftritt berichtete eine Berliner Zeitung mit einer kleinen Geschichte.

Vielleicht ergibt sich daraus die Frage, wieso einem „Sozi“ linke Literatur (Luxem-

burg, Liebknecht, Bebel etc.) verboten werden konnte.

Wolfram galt als Kirchgänger (auf dem Karteiblatt „K“ in rot). Ein Politoffizier mein-

te, der Strafgefangene müsse sich für etwas entscheiden.Wofür sich ein Protes-

tant entschied, war klar.

Schon nach der Ankunft im Zuchthaus Waldheim hatte sich der 20jährige ent-

scheiden müssen: Briefwechsel mit den Eltern oder mit der schönsten Erfurterin,

Elisabeth D., 18. Wie würden sich Heutige entscheiden?

Vor einigen Monaten wurde die damals Drangsalierte zu einem Besuch

in der Geraer Gedenkstätte eingeladen, über ihren Bruder, bei völligem „Außen-

vor-lassen“ Wolframs. Keine Reaktion.

Im Jahre 2006 war jenem, der so tief enttäuscht haben muss, alles wieder deutlich

vor Augen getreten.

Dem Zusammenbruch nahe, gab Wolfram ein Bachelor-Studium an der Fern-

universität in Hagen auf. Im Rahmen dieses Studiums hatte sich der späte Wieder-

Student mit den Grundlagen der Soziologie zu beschäftigen: von Max Weber bis

zu den Modernen.

Ein Name fiel auf: Georg Simmel (1858 – 1918).

Die Erinnerung begann immer schmerzlicher aufzubrechen: an die Erfurterin,

aber auch an das, was einst dem kleinen Heinrichsgrüner im Vorübergehen zuge-

flüstert worden war: Da habe er gewohnt, ein Professor, ein Arzt, ein Doktor

Simmel; ja – dann kam … - Die unruhigen Blicke, das verlegene Hüsteln ließen

Schlimmes ahnen. Nach rund 60 Jahren war das Rätsel gelöst.

Die südliche Querwand im Großen Saal des Ev. Gemeindehauses hatte Kunstma-

ler Herbert Enke durch ein flächendeckendes Gemälde verziert: „Ankunft der Salz-

burger Emigranten“.

Wie oft hatte der kleine Wolfram auf diese Szenerie geschaut: Männer, Frauen,

Kinder; dazu Planwagen, Pferde, Körbe, Sack und Pack. Geraer, die herbeieilen

und Willkommen heißen.

Warum damals und nicht nach 1933?

Nun fühlt sich Bernhard Wolfram, der Schüler, „Jugendfreund“ und Kur-

rentesänger (im Heinrich-Schütz-Chor der St. Johanneskirche) von damals, aus

Gera verabschiedet:

mit einem herzlichen SHALOM !

Bernhard Wolfram 11.09.2008

Der STOLPERSTEIN


Seite 12 Mut heißt nicht, keine Angst zu haben

Gedanken zum 9. November

Im Zug führte ich vor einigen Tagen ein Gespräch mit einer alten Dame, die aus Weimar

stammt. Es war ein intensives, ehrliches Gespräch. Ich, der Jüngere, konnte zuhören,

ohne vorschnell in Wertungen und Schuldzuweisungen zu fallen. Sie konnte sprechen,

offen, ohne in Verdrängungen auszuweichen. Und sie widerlegte unerbittlich eine der

meist vorgebrachten Ausflüchte ihrer Generation:” Wir haben von nichts gewußt?! Das

ist nicht wahr. Spätestens mit der Pogromnacht am 9. November 38 war das Unrecht of-

fensichtlich! Aber – wir hatten doch Angst!!”

Angst – das konnte ich gut verstehen und nachempfinden. Angst war schließlich auch

mir nicht fremd.

Nun ist Angst aber etwas ganz anderes wie Feigheit. Feigheit lähmt. Feigheit verschließt

Augen, Ohren, Herz und Mund und will nichts sehen, hören, wissen. Steht die eigene

Sicherheit auf dem Spiel, ist die Feigheit zu jedem Kompromiß bereit. Feigheit wird frü-

her oder später zum Mit-Täter. Angst dagegen bleibt ein wichtiger Begleiter unseres Le-

bens. Angst will uns beschützen und vor Bedrohungen warnen. Angst kann uns sensi-

bler machen, auch sensibler für das Leid anderer. Mut heißt nicht, keine Angst zu haben.

Mut ist, mit und gegen die Angst zu leben, zu reden, zu handeln.

Die Menora - der siebenarmige Leuchter Die Thorarolle

Melanie Knörschild war eine einfache Putzfrau aus Gera. Sie hatte im Vorfeld von dem

geplanten Pogrom erfahren und entschloß sich, zwei sehr wertvolle Thorarollen vor

den braunen Horden zu retten. Rechtzeitig brachte sie die Thorarollen zu der jüdischen

Familie Mazur, welche diese nun unter hohem Risiko bei ihrer Ausreise nach England

schmuggelten.

Angst kannten sie alle: Frau Knörschild, Familie Mazur und all die anderen, die trotzdem

Mut fanden und auf verschiedenen Wegen nach ihren Möglichkeiten Widerstand leiste-

ten; ob sie nun verfolgte Menschen versteckten, Reisepässe fälschten, Nachrichten au-

ßer Landes brachten, Flugblätter herstellten, Häftlingen Brot zusteckten oder ihren be-

drängten Mitbürgern Gesten des Mitgefühls und der Menschlichkeit zeigten.


Mut heißt nicht, keine Angst zu haben

Seite 13

Heute bedarf es anscheinend keines Mutes mehr, um die Mächtigen zu kritisieren oder

Unrecht beim Namen zu nennen. Keine Geheimpolizei klingelt früh um drei an der

Wohnungstür, in Deutschland gibt es keine Konzentrationslager, staatlich geduldete

Folter und Galgen mehr. Gott sei Dank ! Und doch haben wir auch heute Menschen mit

Mut bitter nötig. Es ist ein anderer Mut, und es sind andere Ängste. Angst haben heutzu-

tage viele Menschen vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes, vor einer Verschlechterung

der Wirtschaftslage, vor Kriminalität auf der Straße.

Feigheit bedeutet in dieser Situation, nur das eigene Wohl, die eigenen Interessen, die

eigene Sicherheit in den Blick zu nehmen.

Das Hotel Kronprinz im Jahr 1919 Die Synagoge im Hotel Kronprinz

Es gibt heute nicht wenige Menschen, die haben Angst vor dem Einfluß und der Gewalt

rechtsradikaler Kräfte. Demokratie, Toleranz und Menschenrechte scheinen manchmal

so selbstverständlich, daß es einigen attraktiv vorkommt, diese Werte zu relativieren

oder gar in Frage zu stellen.

Gefährlich ist an einer solchen Entwicklung, daß sie leise und schleichend um sich

greift. Deshalb brauchen wir auch heute Menschen mit Mut.

Mit Mut, die Augen, Ohren, Herzen aufzumachen und den Bedrängten, Benachteiligten

und Bedrohten unserer Tage beizustehen. Mit Mut, den Mund aufzumachen und gegen

einfache Lösungen, alte Haßparolen und neue Feindbilder anzureden. Mit Mut, der sich

gerade im Alltag zeigt, in den Familien, in der Schule, auf Arbeit, in den Kirchen, auf der

Straße oder in der Kneipe. Mit Mut, sich unbeliebt zu machen, weil man rassistische Wit-

ze zurückweist, mit Mut, das flaue Gefühl im Magen zu überwinden und rechtsradikale

Propaganda von Hauswänden und Litfaßsäulen zu kratzen. Mit Mut, nicht einfach weg-

zulaufen, wenn Schläger auftauchen, sondern Hilfe zu holen und Alarm zu schlagen.

Die extreme Rechte hat es wieder geschafft, Ängste auszulösen. Doch auch diese Angst

kann hilfreich sein, bewahrt sie uns doch vor falscher Sicherheit, kann sie uns doch

sensibilisieren und in Bewegung setzen. Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Mut ist,

mit und gegen die Angst zu reden, zu leben und zu handeln.

Stadtjugendpfarrer Michael Kleim (1997)


Seite 14 Etty Hillesum

Die Tagebücher einer Amsterdamer Jüdin zeugen

von tiefem Glauben und unermesslicher menschlicher Güte

„Manchmal freilich ist es, als legte sich eine Aschenschicht

über mein Herz. Und dann kommt es mir vor, als würde mein

Gesicht vor meinen Augen welken und vergehen, hinter

meinen grauen Zügen taumeln Jahrhunderte nacheinander

in einen Abgrund, und dann verschwimmt alles vor meinen

Augen, und mein Herz lässt alle Hoffnung fahren.

Es sind nur Augenblicke, gleich darauf habe ich mich wieder

in Gewalt...Wenn man einmal begonnen hat, an Gottes Hand

zu wandern, ja, dann wandert man weiter, das ganze Leben

wird zu einer einzigen Wanderung...“

Diese Worte stammen von Etty Hillesum, einer jungen Frau aus Amsterdam, die

als Jüdin in den Jahren zwischen 1941 und 1943 Tagebuch geschrieben hat.

Sie erlebt die Besatzung der Niederlande durch die deutsche Wehrmacht, die brutale

Durchsetzung der antisemitischen Gesetzgebung, die Isolierung und Internierung

der jüdischen Bevölkerung und sie ahnt den Weg in die Vernichtung.

Etty Hillesum dokumentiert Angst und Leid, aber auch ihren ganz persönlichen

Widerstand: das Festhalten an menschlicher Wärme, an Mitgefühl, an der Liebe.

Und trotz allem Grauen sucht sie nach Gott und seiner Nähe; und inmitten allen

Grauens findet sie Gott als den, der das Leid mit den Menschen teilt.

Etty Hillesums biographische Daten sind spärlich. Etty – eigentlich Esther –

Hillesum wird am 15. Januar 1914 in der niederländischen Stadt Middelburg geboren.

1932 legt Etty Hillesum ihr juristisches Examen mit Auszeichnung ab.

Als die deutsche Wehrmacht das neutrale Niederlande okkupiert, versteht sie sich

als Zeugin, beobachtet intensiv ihre Mitmenschen und sich selbst und dokumentiert

ihre Wahrnehmungen in Tagebüchern.

Diese Tagebücher, die erst 37 Jahre nach Etty Hillesums Tod im Jahre 1981 der

Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, zeugen von einer unwahrscheinlich

starken weiblichen Liebes- und Leidenskraft, von schöpferischer Begabung, spiritueller

Tiefe, von Ehrlichkeit, Sinnlichkeit und Lebensfreude.

Nach Anne Frank waren es wiederum Tagebücher, die in unvergleichlich persönlicher

Weise das Leiden und Hoffen der jüdischen Menschen dieser Zeit zur Sprache

bringen.


Im Juli 1943 – da überlebt sie bereits seit einem Jahr das Auffanglager Westerbork

– schreibt Etty Hillesum in einem Brief an Freunde:

„Das Elend ist wirklich groß,

und dennoch laufe ich oft

am späten Abend, wenn der

Tag hinter mir in die Tiefe

versunken ist, mit federnden

Schritten am Stacheldraht

entlang, und dann quillt es mir

immer wieder aus dem Herz

herauf: Das Leben ist etwas

Herrliches und Großes,

wir müssen später eine ganz

neue Welt aufbauen und

jedem weiteren Verbrechen,

jeder weiteren Grausamkeit

müssen wir ein weiteres

Stückchen Liebe und Güte

gegenüberstellen, das wir in

uns selbst erobern müssen.“

Am 07. September 1943 wird die Familie Hillesum in einem Eisenbahnwaggon aus

Westerbork abtransportiert. Ein Bericht des Roten Kreuzes meldete für den 30.

November 1943 Etty Hillesums Tod in Auschwitz.

„Das Leben und das Sterben, das Leid und die Freude,

die Blasen an meinen wundgelaufenen Füßen

und der Jasmin hinterm Haus, die Verfolgung,

die zahllosen Grausamkeiten, all das ist in mir

wie ein einziges starkes Ganzes, und ich nehme

alles als ein Ganzes hin und

beginne immer mehr zu begreifen, nur für mich selbst,

ohne es bislang jemanden erklären zu können,

wie alles zusammenhängt.

Ich möchte lange leben, um es später

doch noch einmal erklären zu können, und wenn mir das

nicht vergönnt ist, nun, dann wird

ein anderer mein Leben

von dort an weiterleben,

wo das meine unterbrochen wurde..“

Seite 15

Alle Zitate stammen aus :„Das denkende Herz“ – Die Tagebücher von Etty Hillesum 1941-1943“

Hersg. J.G. Gaarland Rowohlt Verlag 2005


Seite 16 Wege der Erkenntnis...

...eine erlebnisreiche Fahrt in den Sommerferien

Amsterdam ist nicht nur eine schöne Stadt voller Grachten, Fahrräder und bunten

Märkten. Diese Metropole hat auch eine spannende Geschichte als geistiger Knotenpunkt,

von dem wertvolle Impulse für das Europäische Denken ausgegangen

sind. Deshalb hat das Evangelische Stadtjugendpfarramt Jugendliche zu einer

Sommerferienfahrt eingeladen, um auf den Spuren von Forschung, Religion, Philosophie,

Kultur, Sozialgeschichte und Handel zu wandeln und manche Überraschung

zu entdecken...

romantische Nachtwanderung

Brouwersgracht

In diesen Tagen waren wir Gäste der evangelisch-lutherischen

Augustanagemeinde. Wir

wohnten im Gemeindehaus an der

Erasmusgrachtwohnen und haben uns weitgehend

selbst versorgen können.

Durch die Teilnahme eines körperbehinderten

Rollstuhlfahrers und durch die Zusammensetzung

der Gruppe aus unterschiedlichen Altersstufen

entstand eine Situation, die wertvolle Erfahrungen

von Rücksicht, Toleranz, Konfliktfähigkeit

und Verständigungsbereitschaft möglich

machten.

Die Einbeziehung in die Kirchgemeinde und in

das Leben des Stadtteiles Bos en Lommer vor

Ort gab uns einen unmittelbaren Eindruck vom

Alltag in unserem Nachbarland.

Blick auf das Nemo

Feuerzauber vor der

Augustana Kerk


Wege der Erkenntnis...

Was haben wir erlebt ?

Unter anderem:

Seite 17

Das interaktive Wissenschaftsmuseum NEMO, welches im Hafengebiet liegt. Das Museum

NEMO bietet vielfältige und sehr erlebnisorientierte Angebote, um sich mit den unterschiedlichsten

Bereichen von Wissenschaft auf eine unterhaltsame Weise stundenlang zu

beschäftigen. Mit Installationen, optischen Effekten und Computerrecherchen konnten sich

die Besucher über zahlreiche Wissensgebiete informieren. Eine Sonderausstellung im

NEMO lud zur Auseinandersetzung über Fragen der sexuellen Aufklärung ein und sprach in

besonderer Weise an.

Einen Gottesdienst unserer Gastgeber, wir beteiligten uns mit eigenen Beiträgen: musikalisch

mit einem Gospellied und einem Orgel- und Flötenstück, inhaltlich durch die Gestaltung

eines Grußwortes und des Fürbittgebetes. Dabei kam uns unsere Beschäftigung mit

der niederländischen Sprache zu Gute.

Einen Tag am Nordseestrand, da die niederländischen Strände sehr behindertenfreundlich

ausgestattet sind, konnte unsere gesamte Gruppe daran teilnehmen.

Strandtag

Im Hortus botanicus

Den Hortus botanicus, dieser ist der älteste Botanische Garten Europas. Der weltweite

Kaffeegenuss wäre ohne Mitwirkung dieser Einrichtung nicht denkbar.

Der Botanische Garten gewährte eine interessante Reise durch die verschiedenen

Vegetationszonen der Erde. Bedeutende Pflanzen wie Kaffee, Tee, Kakao, Zimt oder Avocado

konnten in Augenschein genommen werden. Wir haben die Schönheit von Agaven,

Palmen, Lotus und exotischen Schmetterlingen bewundert.

Das kleinste Museum der Stadt – das „Electric Ladyland“, dieses Museum beherbergt

eine Präsentation fluoreszierender Kunst und informiert sachkundig über alle Aspekte

von Schwarzlicht.

Aber auch eine Grachtenfahrt, Schlendern über den Flohmarkt und durch das zauberhafte

Viertel Jordaan, ein Fest mit unseren Gastgebern und schöne gemeinsame Momente mit

Gesang, Spiel und Jonglieren machten diese Fahrt zu einem unvergessenen Erlebnis.


Seite 18 Die Jüdische Gemeinde in Arnhem

Kurze Geschichte der jüdischen Gemeinde in Arnhem

Seit dem 13. Jahrhundert wohnen jüdische Menschen in Arnhem und Gelderland.

In den Jahren 1339/1349 (die Jahreszahl ist nicht mit Sicherheit festzustellen), ist die Rede von

500 – 600 Juden. Die jüdischen Gemeindeglieder mussten allerdings für jeden Schritt, den sie

machten, bezahlen.

Selbst die Luft, die sie einatmeten, war nicht umsonst.

Während der Pestepidemie von 1349 wurden die Juden durch Reinhoud III gefangengenommen;

ihr Besitz wurde konfisziert.

Einschränkende Bestimmungen blieben fortwährend in Anwendung.

So wurde 1440 festgelegt, dass Fleisch, welches von Juden verkauft wird, mit gelben Fähnchen

versehen werden musste.

1446 bestimmte der Herzog von Gelre, dass Juden keinen Tribut mehr zahlen brauchen.

In dieser Periode etablierte sich der erste jüdische Mediziner als Stadtarzt in Arnhem.

Diskriminierungen blieben jedoch vollauf bestehen.

Der Neuanfang einer jüdischen Niederlassung in Arnhem geschieht in der Zeit der Republik der

Vereinigten Niederlanden.

Sehr gastfreundlich war die Stadt nicht. Noch 1693 war es Juden verboten, Tiere zu schlachten

und es war ihnen nicht möglich, das Bürgerrecht zu erlangen.

Am 17. April 1765 wird die jüdische Gemeinde offiziell durch die städtischen Behörden anerkannt.

Schon auf Grund dessen darf die jüdische Gemeinde ein eigenes Gotteshaus beziehen – es

dauert aber bis 1769, bis sie dafür die Verfügung über ein Haus an der neuen Walstraat bekommt.

Die jüdische Gemeinde breitete sich dermaßen aus,

dass die Synagoge bald schon wieder zu klein wurde.

Am 20. Oktober 1850 wurde beschlossen, eine ganz

neue Synagoge zu stiften. Am 6. Februar 1852 wurde

ein Grundstück in der Pastoorstraat erworben.

Darauf wurde die heutige Synagoge gebaut, deren Einweihung

am 19. August 1853 stattgefunden hat.

Die jüdische Gemeinde hat deutlich großen Wert darauf

gelegt, dieses Grundstück in der Pastoorstraat für den

Bau der neuen Synagoge zu bekommen, weil dort das

Geburtshaus des bedeutenden jüdischen Gelehrten

Jonas Daniel Meyer gestanden hat.

In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts erlangte die

jüdische Gemeinde zu einer großen Blüte.

Die Synagoge von Arnhem

1881 verlegte der Oberrabbiner seinen Sitz von Nijmegen nach Arnhem.

Seitdem ist die Rede von einer Hauptsynagoge.

Das schöne, großartige und aktive Gemeindeleben wurde zwischen 1940 und 1945 grausam

zerbrochen. Der Gebäudekomplex wurde entheiligt und beschädigt.

Die Kriegsjahre brachten eine alles beherrschende Schändung des jüdischen Lebens mit sich.

Während dieser großen Katastrophe wurden ca. 1600 jüdische Einwohner Arnhems verschleppt;

nur einige Hundert überlebten.

Die wenigen Überlebenden haben mit einem enormen Einsatz die Gemeinde aufs Neue ins Leben

gerufen. Die Synagoge wurde 1950 wieder eingeweiht.

Bis zum heutigen Tag werden in der Synagoge Gottesdienste gehalten, basierend auf der THO-

RA und Tradition.

Frau Nechamah Mayer – Hirsch, aus dem niederländischen


Anna Achmatova

Requiem

vor 70 Jahren tobte der Höhepunkt

des stalinistischen Terrors

Sie führten dich fort im Morgengrauen,

Wie zum Begräbnis folgte ich dir,

Die Kinder weinten im dunklen Zimmer,

Bei den Heiligenbildern tropft das Licht,

Auf deinen Lippen Ikonenkälte,

Und Todesschweiß auf deiner Stirn,

Ich werde, wie einst die Strelitzenfrauen,

Heulen unter den Kremltürmen.

Anna Achmatova brachte zwischen 1935 und 1943 das erschütternde Poem „Requiem“ zu

Papier. Darin beschrieb sie mit Worten tiefer Menschlichkeit das unsagbare Leid all derer,

die während der Jahre der sogenannten „Säuberungen“ in den Strudel des allgegenwärtigen

Terrors hineingezogen wurden.

Anna Achmatova kannte den Schmerz an eigener Seele. Monatelang stand sie selbst mit

in der endlosen Warteschlange vor dem Leningrader Gefängnis, um eine Nachricht vom

Verbleib ihres Sohnes zu erfahren. Ihr erster Mann, der Schriftsteller Nicolai Gumilev, war

bereits 1921 wegen des Vorwurfes konterrevolutionärer Betätigung erschossen wurden.

Und 1934 wurde der Lyriker Ossip Mandelstam, mit dem sie verbunden war, verhaftet. Er

stirbt am 27. Dezember 1938 in einem sibirischen Lager in der Nähe von Wladiwostok.

Vor genau siebzig Jahren erlitt das russische Volk den Höhepunkt von Stalins „Großem

Terror“. In den Moskauer Schauprozessen wurden die ursprünglichen Träger der Oktoberrevolution

unsinnigster Verbrechen angeklagt und zum Tode verurteilt. Der Geheimdienst

NKDW war unermüdlich auf der Jagd nach vermeintlichen Feinden.

Ein System allumfassender Bespitzelung und Denunziation lähmte den Alltag des ganzen

Volkes. Es konnte jeden und jede treffen: ehemalige Anhänger anderer politischer Parteien

ebenso wie überzeugte Bolschewisten, hohe Funktionäre ebenso wie einfache Menschen.

Stalins Diktatur erhob absoluten Anspruch und machte vor niemandem Halt. Die Schatten

dieser Barbarei waren noch Jahrzehnte später im Bewusstsein zahlloser Menschen präsent.

Anna Achmatova gilt heute als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der russischen

Literatur. Zu Lebzeiten musste sie es aushalten, dass ihre Lyrik in der eigenen Heimat verboten

war. Ihr erschütterndstes Werk – „Requiem“, dieser Trauergesang für die namenlosen

Opfer stalinistischen Terrors – konnte erst 1987 in Russland erscheinen. Ihr Meisterwerk

mahnt noch heute, die Zeiten der politischen Gewalt nicht aus der Erinnerung zu streichen

– zu nah scheint auch in Russland schon wieder die autoritäre Versuchung.

1 Anna Achmatova „Requiem“ S. 17 Oberbaum Verlag 1987

Seite 19


Seite 20 Programm Antisemitismus

„Man hat sich hierzulande daran gewöhnt.......“

Antisemitismus in Deutschland heute

eine Ausstellung der Amadeu Antonio Stiftung und MOBIT,

zu sehen vom 29.10.08-29.11.08 - wochentags 8 bis 20 Uhr,

auf Anfrage im EJ Shalom, Berlinerstr. 208 - 07546 Gera

Ein Gemeinschaftsprojekt des Stadtjugendrings Gera e. V. mit den Partnern

EJ Shalom, Evang. Jugend Gera, Aussiedler u. Ausländerbeauftragte der Stadt

Gera, Landesstelle Gewaltprävention, AUFANDHALT - „Netz“ von Betroffenen

rechtsextremer Gewalt und rassistischer Diskriminierung, Bündniss gegen

Rechts, Jugendmigrationsdienst der Arbeiterwohlfahrt

Veranstaltungen:

Dienstag: 28.10.08, 18.30

Eröffnung der Ausstellung im Evangelischen Jugendhaus Shalom

Donnerstag: 30.10.08, vormittags

„Rechtsextreme Szene in Gera und Ostthüringen“

Eine Bildungsveranstaltung ab Klasse 8, ausgehend von Zahlenmaterial erfahren

die Teilnehmer strukturelle Entwicklungen rechtsextremer Gruppen, Hintergründe,

Dresscodes und Mythen. Gibt es die „neue“ Rechte ? Was kann man tun ?

Referent vom Bündniss gegen Rechts

Diese Veranstaltung kann bei Bedarf auch zu weiteren Zeiten angeboten werden.

(Uhrzeit nach Bedarf der angemeldeten Klasse)

Ort: Evangelisches Jugendhaus Shalom

Mittwoch: 05.11.08, 10.00-14.00

Interkulturelles Training mit dem Jugendmigrationsdienst der Arbeiterwohlfahrt

Gera für Multiplikatoren der Jugendarbeit, Sozialarbeiter, Lehrer,

Ort: Evangelisches Jugendhaus Shalom

Donnerstag: 06.11.08, vormittags

„Rechtsextreme Szene in Gera und Ostthüringen“

Bildungsveranstaltung ab Klasse 8, Referent vom Bündniss gegen Rechts,

Inhalt wie 30.10.08 - (Uhrzeit nach Bedarf der angemeldeten Klasse)

Ort: Evangelisches Jugendhaus Shalom

Sonntag: 09.11.08

70. Gedenktag der Reichsprogromnacht in Gera


Programm Antisemitismus

Montag: 10.11.08, 8.00

Lesung mit dem Autor Eberhard Freise „Der Mischling“

zeitgeschichtlicher Roman von Judenverfolgung, Bombenterror,

Kollektivschuld, Nazirepressalien, DDR-Indoktrination-authentisch geschildert,

Ort: Evangelisches Jugendhaus Shalom

Donnerstag: 13.11.08, 19.00

Intereligiöses Gebet „Mut zum Frieden“

Forum interreligiöse Begegnungen

Ort: Evangelisches Gemeindehaus, Talstraße 30, Gera

Freitag: 14.11.08

„Menschenrechtsverletzung und Widerstand in Gera“

Vorstellung der Ergebnisse des Zeitenspringer - Projektes

der Jugendinitiative Frischluft (Mitglieder der Jungen Union Gera)

Donnerstag: 20.11.08

Bürgerkonferenz gegen Rechtsextremismus

gemeinsam mit der Friedrich Ebert Stiftung im Geraer Rathaus

Donnerstag: 20.11.08, vormittags

„Rechtsextreme Szene in Gera und Ostthüringen“

Bildungsveranstaltung ab Klasse 8, Referent vom Bündnis gegen Rechts,

Inhalt wie 30.10.08 - (Uhrzeit nach Bedarf der angemeldeten Klasse)

Ort: Evangelisches Jugendhaus Shalom

Dienstag: 25.11.08, 10-15.00

„Chancen und Grenzen kommunaler Jugendarbeit

im Spannungsfeld Rechtsextremismus“

Seminar für Jugendarbeiter, Sozialarbeiter, Lehrer, Referentin Kathrin Schuchardt,

Ort: Evangelisches Jugendhaus Shalom

Donnerstag, 27.11.08, 10-11.00

„Antijudaismus“

ab Klasse 8, Antijudaismus - Einblick in eine verhängnisvolle Geschichte

Kenntnis der Geschichte hilft, die alten Lügen auch dann zu durchschauen,

wenn sie heute in einem neuen Gewand propagiert werden.

Jugendbildung mit Stadtjugendpfarrer Michael Kleim

Ort: Evangelisches Jugendhaus Shalom

Samstag, 29.11.08, 19.00

Konzert mit der Gruppe „Balkan Express“

Ort: Evangelisches Jugendhaus Shalom

Seite 21


Seite 22 Gedenken an die Pogromnacht

Gedenken an die Pogromnacht vor 70 Jahren

Ökumenischer Gottesdienst

09. November - 17:00 Uhr Trinitatiskirche

Der 9. November ist für Deutschland ein besonderer Tag. Im Jahr

1938 wurden durch die Nationalsozialisten im ganzen Land Pogrome

gegen jüdische Gemeinden, Geschäfte und Familien organisiert.

Zahlreiche jüdische Menschen wurden ermordet oder in Lager

transportiert. Synagogen gingen in Flammen auf oder wurden zerstört.

Für uns als Kirchen bleibt es sehr wichtig , die Erinnerung an

die Verbrechen des NS – Staates und an dessen Opfer wachzuhalten.

Erinnerung und Zukunft sind ineinander verwoben...so sagen

es die jüdischen Theologen.

Die Reichskristalnacht-19 38 brannten in

ganz Deutschland die Synagogen

Die christlichen Kirchen und Gemeinden in Gera werden in diesem

Jahr in besonderer Weise die Erinnerung an die Pogromnacht begehen.

Gemeinsam von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen getragen,

wird am 09. November 2008, 17:00 Uhr, in der Trinitatiskirche

Gera ein ökumenischer Gedenkgottesdienst gestaltet.

Ebenso wird es am Denkmal der zerstörten Geraer Synagoge die

Gelegenheit geben, der Opfer des Pogroms zu gedenken.

Im November sind im Rahmen des Gedenkens weitere begleitende

Veranstaltungen geplant, so ist vom 27.10. – 29.11. die Ausstellung

„Man hat sich hierzulande daran gewöhnt...Antisemitismus in

Deutschland heute“ im EJH SHALOM zu sehen.


Ökumenische Friedensdekade

„Frieden riskieren“

09. – 18. November Ökumenische Friedensdekade

Seite 23

Gemeinsam mit der Stadt Gera, Parteien und anderen gesellschaftlichen Kräften

widmen sich die Christen im November den Themen von Frieden, Gerechtigkeit

und Weltverantwortung. Mit Gottesdiensten, Informationsveranstaltungen und kulturellen

Angeboten wollen wir auch hier in Gera Mut zu Zivilcourage und Engagement

machen. Auch Sie sind herzlich eingeladen !

Programm

Sonntag, 09. November

Gedenken an die Pogromnacht von 1938

15:00 Uhr: Gespräch mit dem Schriftsteller und

Zeitzeugen Eberhard Freise im Stadtmuseum

16:30 Uhr: Gedenken an der ehemaligen Synagoge Schülerstraße

17:00 Uhr: Ökumenischer Gedenkgottesdienst in der Trinitatiskirche

Freitag, 07. November

JG-Abend und Ten Sing

18:00 Uhr im Evangelischen Jugendhaus SHALOM

Donnerstag, 13. November

„Gebet der Religionen“

19.00 Uhr Gemeindehaus Talstraße 30

Freitag, 14. November

„MOMO“

eine Aufführung der Langenberger Theatergruppe

19.00 Uhr Gemeindehaus Talstraße 30

Sonntag, 16. November

Bittgottesdienst für den Frieden

10:30 Uhr Trinitatiskirche Gera

Dienstag, 21. November

zum Abschluss der Friedensdekade

Ökumenisches TAIZE-Gebet

18:00 Uhr Trinitatiskirche Gera


Die letzte Seite....

„Sicario“ gewinnt 6. Shalom - Bandcontest

Am Samstag, dem 03.Mai 2008, fand im EJ Shalom der nun schon sechste

Contest für Newcomerbands statt. Stadtjugendpfarrer Michael Kleim

kürte am Ende des sehr stimmungsvollen und abwechslungsreichen

Abends die Band „Sicario“ aus Schmölln zum Sieger. Sie konnten sich gegenüber

vier anderen Mitbewerbern durchsetzen. Den Sonderpreis für

den originellsten Auftritt konnten „Herberts Ächte“ aus Nöbdenitz, welche

sich als Verfechter des Mutzbratenpunks bezeichnen, einheimsen.

„Sicario“, die Jungs aus der schönen Sprottestadt Schmölln, konnten die

Fachjury mit einer schwungvollen und publikumswirksamen Performance

sowie mit harten, gut strukturierten Gitarrenriffs überzeugen. Sie sind eine

noch recht junge Band, die seit Februar 2006 in einer klassischen 4 Mann

Standardbesetzung (Gitarre, Schlagzeug, Bass und Gesang) zusammen

spielt. Ihre Wurzeln sind ,laut Selbstbeschreibung, im N.Y.H.C. zu finden.

Sympathisch, Energie geladen und nach vorn treibend, so kann man die

Band und ihre Musik am besten charakterisieren. Der nächste

Bandcontest im EJ Shalom findet am 06.12.2008 statt.

Nach dem Contest versammelten

sich alle Teilnehmer auf der Bühne.

Stadtjugendpfarrer Michael Kleim

moderierte in bewährter Art und Weise.

Vorschau: 7.Shalom-Bandcontest am 06.12.08

„Sudden Cube“ Rock/Pop aus Gera/Weida

„Falschä Brut“ Deutschrock aus Hohenleuben

‘d-tuned radio’ Rock aus Thüringen

„Barracuda Bite Metal, Hard Rock - Saale-Holzland-Kreis

“punktCOM“ Rock/Punkrock aus Nordhausen

Einlass 19.00 Uhr !! - Beginn 20 Uhr !!

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