Gemeinsam zum Erfolg - Logistikbasis der Armee LBA - admin.ch

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Gemeinsam zum Erfolg

World Gymnaestrada Lausanne 2011 6

FDT 2011 VT Bat 1

Zurück ins zweite Leben 19

Interview mit Oberst i Gst François Thalmann

Psychologische Kriegsführung 24

Interview mit dem Buchautor Major Thomas Müller


Editorial

Die Logistik hat einen erfolgsentscheidenden

Stellenwert

Gemäss Sicherheitspolitischem Bericht 2010 will der Bundesrat an

den Grundpfeilern «Milizarmee» und «Allgemeine Militärdienstpflich

auch inskünftig festhalten. Diese beiden Eckwerte bleiben

zweifelsohne die Erfolgsgaranten unserer Armee. Die Synergien, die

sich für die Milizarmee aus dem hohen zivilen Ausbildungsniveau

der Armeeangehörigen und aus der Verbindung unserer Kader und

Soldaten mit dem Zivilleben ergeben, sind von unbezahlbarem Wert!

Die militärische Auftragserfüllung im zivilen Umfeld wird damit wesentlich

vereinfacht. Das zivile Fachwissen bringt ein hohes Potential

für innovative, militärische Lösungen mit sich. Diese Aussagen

haben solange Gültigkeit wie es uns gelingt, die besten Soldaten für

militärische Führungsfunktionen zu gewinnen und unsere Truppenangehörigen

so einzuteilen, dass sie ihre zivilen Kenntnisse optimal

im Rahmen der militärischen Auftragserfüllung entfalten können.

Als Bilanz aus meinem ersten Kommandojahr halte ich erfreut fest,

dass die Logistikbrigade 1 sehr gut aufgestellt ist, ihre Aufträge erfüllt

und ausgezeichnet in die Logistikbasis der Armee (LBA) integriert

ist. Unsere Leistungen werden gebraucht und anerkannt. Die

qualitativ hochstehende Auftragserfüllung bildet dabei die Basis für

das Vertrauen unserer Partner aus dem zivilen und militärischen

Umfeld. Bei vielen interessanten Gesprächen mit Soldaten und Kadern

konnte ich mir ein gutes Bild über unsere Brigade machen. Ich

bin sehr beeindruckt: Die Angehörigen unserer Brigade sind überdurchschnittlich

motiviert und leistungsbereit, solange sie fair geführt

werden, mit zweckmässiger Arbeit ausgelastet sind und einen

durchorganisierten Dienstbetrieb erleben. Auffallend ist,

dass jene Einheiten am besten funktionieren, bei welchen die

Kommandanten mehrheitlich bei der Truppe präsent sind

und von vorne führen. Wertschätzung, Verantwortungsgefühl

und Vorbild, das sind zeitlose Tugenden, die sowohl

den Kaderangehörigen als auch den Soldaten helfen, erfolgreich

zu sein.

Am 1. Oktober 2010 hat der Bundesrat bekanntlich den Armeebericht

2010 verabschiedet und damit eine politische Diskussion

ausgelöst. Die Frage, wie die Armee in der zweiten Hälfte dieses

Jahrzehnts ausgestaltet werden soll, wurde im Parlament heftig

debattiert. Es ist ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung und

ein Vertrauensbeweis des Parlamentes an die Angehörigen unserer

Milizarmee, dass sich beide Kammern für eine leistungsstarke

Armee mit 100 000 Armeeangehörigen sowie für die notwendigen

finanziellen Mitteln von fünf Milliarden Franken ausgesprochen

haben. Nun geht es für die Armeeführung und unseren Departementschef

Bundesrat Ueli Maurer darum, die Umsetzung, inklusive

der Beschaffung des Tigerteilersatzes, zu skizieren. Die eigentliche

Umsetzung der Weiterentwicklung der Armee (WEA) erfolgt

2 armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11

erst nach der Behandlung einer entsprechenden Botschaft im Parlament,

voraussichtlich ab 2015.

Verfolgte man in den letzten Jahren und insbesondere in den letzten

Monaten die Berichterstattung aus dem Parlament und dem Bundesrat,

spürte man, dass die sicherheitspolitische Auseinandersetzung in

der Schweiz an Bedeutung gewonnen hat. Das kommt nicht von ungefähr:

Die tiefroten Staatshaushalte der USA und der europäischen

Staaten wirken sich spürbar negativ auf die politische Stabilität und

die wirtschaftliche und militärische Stärke des Westens aus. Die sich

beschleunigende tektonische Machtverschiebung von den USA nach

China sowie die schleichende Weltwirtschafts- und finanzkrise lösen

Zukunftsängste aus. Der aufmerksame, mündige Staatsbürger stellt

fest, dass unsere Hoffnungen und Träume nach immer währender

Stabilität, Wohlstand und Frieden, wie wir uns das nach dem Fall der

Berliner Mauer alle erhofft haben, zunehmend in Frage gestellt sind.

Bei diesen aufziehenden Gewitterwolken werden sich Volk und das

Gros der Politiker wieder bewusst, wie wichtig eine glaubwürdige,

funktionierende Armee ist. Nur dank der Armee mit Zehntausenden

von gut ausgebildeten Kadern und Soldaten kann

unsere Regierung in der Not ihre Führungs- und

Handlungsfähigkeit sicherstellen und den Schutz

unserer Bevölkerung über längere Zeit gewährleisten.

Dabei kommt unserer Logistikbrigade 1, die

einzige Logistikbrigade unserer Armee, auch

in Zukunft eine Schlüsselrolle zu.

Foto: ZEM

Ich danke Ihnen für Ihre positive Grundeinstellung

und die nötige Gelassenheit

in der bevorstehenden Umbruchphase.

Wir werden weiterhin und unbeirrt unseren

wichtigen Beitrag zum Gesamtsystem

Schweizer Armee leisten. Die Logistik hat

heute und auch in Zukunft einen erfolgsentscheidenden,

unverzichtbaren Stellenwert

für die Auftragserfüllung unserer Armee

– getreu unserem Motto: «Gemeinsam

zum Erfolg»!

Ihr Kommandant, Brigadier Thomas Kaiser


Inhalt

4 Das Armeelager für Behinderte – ein wenig bekannter Erfolg

FDT 2011 des Spit Bat 66

6 Das internationale Sportereignis «Gymnaestrada»

Die Schweizer Armee leistete einen wertvollen Beitrag: FDT 2011 des VT Bat 1

9 FDT 2011 des Logistikbataillons 101

Den Kochlöffel fest im Griff – Dunkle Kammern und Zeughausromantik –

«Unsere Puchs sind Oldtimer»

12 Interview mit Brigadier Thomas Kaiser

Brigadekommandant seit Februar 2011

16 «Team 51»

FDT 2011 des Log Bat 51

19 Der harte Weg zurück ins zweite Leben

Interview mit Oberst i Gst François Thalmann

22 Zurück zum Ursprung der Sanität – FDT in Moudon

FDT 2011 des Spit Bat 5

24 Der Kampf um Herzen und Köpfe: Psychologische Kriegsführung

Interview mit Major Thomas Müller, Buchautor

26 Ein junges Bataillon greift auf die lange Erfahrung

seiner Soldaten zurück

FDT 2011 des Log Bat 21

28 FDT 2011 des San Log Bat 81

Man stelle sich vor, es wäre «Mobilmachung» und niemand ginge hin…

nicht so beim San Log Bat 81!

Impressum

armee.ch, die Zeitschrift für die Angehörigen der Log Br 1, erscheint zweimal jährlich

auf deutsch und französisch.

chste Ausgabe:

1/2012 Redaktionsschluss: 05.04.2012

Erscheint am: 01.06.2012

Herausgeber: Chef der Armee und Kommandant Log Br 1

Redaktion: Major Philippe Matter, Chef Kommunikation Log Br 1; Major Thomas Caduff,

Journalistof Log Br 1; Kdo Log Br 1, Worblentalstrasse 36, 3063 Ittigen

Übersetzungen: Sdt Michael Rossier, Stab Log Br 1

Gestaltung: Zentrum elektronische Medien (ZEM), Bern

Druck: W. Gassmann AG, Biel

Adressänderungen: Eingeteilte AdA schriftlich beim Sektionschef des Wohnorts.

Alle anderen schriftlich beim Kommando Log Br 1

Copyright: VBS, Bereich Verteidigung

Internet: www.logistikbrigade.ch

www.logistikbasis.ch

www.armee.ch

Inhalt

Titelbild

Der Kdt der Log Br 1 lässt sich über den Stand

der Truppe und des Materials informieren.

Foto: Kdo Log Br 1

6 World Gymnaestrada Lausanne 2011

FDT 2011 VT Bat 1

19 Zurück ins zweite Leben

Interview mit Oberst i Gst

François Thalmann

24 Psychologische Kriegsführung

Interview mit dem Buchautor

Major Thomas Müller

armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11 3


Spit Bat 66

FDT 2011

Das Armeelager für Behinderte –

ein wenig bekannter Erfolg

Anlässlich des 39. Armeelager für Behinderte (AlB), welches vom 11. bis 21. Juni 2011

durchgeführt wurde, konnte das Spitalbatallion 66 (Spit Bat 66) 39 Gäste im

Feriendorf in Fiesch/VS empfangen.

Hptm Stéphane Progin, PIO, Stab Spit Bat 66

Bei strahlendem Frühlingswetter kamen die ersten Gäste am 11.

Juni in Fiesch an. Dies teilweise nach mehr als vierstündiger Anreise.

Dank der sehr genauen Planung der Transportzelle kamen

alle wohlbehalten ans Ziel. Nachdem die ärztliche Eintrittsvisite

sowie die administrativen Massnahmen erfolgt waren, konnten

die Teilnehmer schnell vom bevorstehenden Programm Kenntnis

nehmen.

Bereits nach wenigen Stunden schwand die anfängliche Scheu

beiderseits, um einer herzlichen Kameradschaft, geprägt von gegenseitigem

Respekt, Platz zu machen. Somit waren alle Bestandteile

vorhanden, damit das Lager in den besten Bedingungen beginnen

konnte.

Animationen für jedermann und jederzeit

Je nach persönlichem Wunsch unserer Feriengäste wurden

interne Aktivitäten wie Basteln, Malkurse und Kochkurse unter

der Leitung von Maj Katia Hurni organisiert. Für die Abenteurer

bot jeder Tag eine Menge Überraschungen für die externen Aktivitäten,

dies unter der Verantwortung von Maj Chrischan Weisshaupt.

Jeweils am Abend konnten die Teilnehmer ihr Programm

für den folgenden Tag frei wählen. Mit der Lagerkarawane konnten

sie namentlich das Museum der Schweizer Garde in Naters/VS

besuchen, durch Zermatt spazieren und das wolkenlose Matterhorn

bewundern, die Biodiversität des Pfinwalds/VS entdecken,

durch das Musikdorf Ernen/VS bummeln, vom Bettmerhorn/VS

4 armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11

aus die Panoramaaussicht auf den Alteschgletscher bewundern,

aber ebenso die entspannenden Thermalbäder in Ovronnaz/VS

geniessen.

So kamen unsere Gäste am Ende des Nachmittags jeweils mit

glänzenden Augen, den Kopf voller magischer und unvergesslicher

Bilder und einem fröhlichen Lächeln im Gesicht ins Feriendorf zurück.

Die Echos waren einstimmig! In der 10. Auflage unserer Zeitung

konnten wir folgende, an die Truppe adressierte Aussage von Herrn

Paul Baumgartner aus St. Gallen, Sprecher unserer Gäste, abdrucken:

« in der heutigen Gesellschaft, in der nur der Profit zählt, werden

die Behinderten häufig vernachlässigt. In diesem durch die Armee

durchgeführten Lager wurde dieses Gefühl in keinem Fall und

in keinem Moment geltend gemacht. Die Soldaten kümmerten sich

ununterbrochen und mit grossem Respekt um uns. Für mehrere von

uns entstand so eine Freundschaft!»

Der Schlüssel zum Erfolg ist der fabelhafte Einsatz der Truppe

In Anerkennung der vielen Anstrengungen, die durch die Soldaten

und die Kader des Spit Bat 66 gemacht wurden, schloss der Kommandant,

Oberstlt i Gst Olaf Wolfensberger, seine Dankensrede folgendermassen:

«Mein Dank geht an alle Soldaten, die sich mit ganzem

Herzen in diese Aufgabe gestürzt haben, und die unsere Gäste mit

allem nötigen Respekt empfangen und betreut haben. Jedes Armeelager

ist eine einmalige Gelegenheit, die Behinderung mit anderen

Augen zu sehen.» n


Ein Moment der Entspannung in den Thermalbädern von Ovronnaz/VS.

Ein gut beschützter Besuch.

Fotos: Oblt Jean-Paul Derouette/Spit Bat 66

Gäste und Soldaten über dem Aletschgletscher.

Ein Moment der Besinnung in der Kirche von Ernen/VS.

Ein Tänzchen bei urchiger Musik.

Spit Bat 66

armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11 5


6

VT Bat 1

FDT 2011

Das internationale Sportereignis

«Gymnaestrada»: Die Schweizer Armee

leistete einen wertvollen Beitrag

Die Armee – darunter auch das Verkehrs- und Transportbataillon 1 (VT Bat 1) – unterstützte an der «Gymnaestrada»

vom 10. bis 16. Juli 2011 in Lausanne/VD die zivilen Organisationen im Rahmen eines Subsidiär-Einsatzes. Die Wichtigkeit

dieser «Dienstleistung» der Armee ist grösser denn je und für Grossanlässe dieser Art nicht mehr wegzudenken.

Hptm Roger Büchler, PIO, VT Bat 1

Für die Schweiz stellt die «Gymnaestrada»

einen wichtigen und traditionsreichen

Anlass dar. Das internationale Turnfest,

welches vom Weltgymnastikverband organisiert

wird, findet alle vier Jahre statt. Die

turnerischen Darbietungen werden nicht

direkt miteinander gemessen, was den

Wettkampf für nicht professionelle Turnerinnen

und Turner zum Highlight macht.

Seit der ersten Austragung im Jahre 1953 in

Rotterdam (Niederlande) mit 5 000 Teilnehmenden

und 14 vertretenen Nationen nahm

bei jeder «Gymnaestrada» eine Schweizer

Delegation teil. Die Schweiz führte dieses

Jahr den internationalen Wettkampf bereits

zum dritten Mal durch und gehört somit mit

Deutschland zusammen zu den Spitzenreitern

in Sachen Organisation.

Spitzenleistungen lange bevor die

ersten Teilnehmer eintreffen

Unsere Armee war nicht nur in die Planungsphase

involviert, sondern leistete in

allen Phasen mit Transporten, Verteilung

der Frühstücke, Manpower, Übermittlung

und Sanitätsdienst einen wesentlichen

Beitrag zum Gelingen der Veranstaltung.

Während der gesamten Zeit kamen diverse

FDT- und Durchdiener-Verbände zum

Einsatz. Es wurden Güter durch die ganze

Schweiz transportiert, um den Aufbau der

Infrastruktur für die rund 20 000 Turnerinnen

und Turner sicherzustellen. Dabei

war die Armee, nebst den 4 000 freiwilligen

armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11

Helfern, eine zentrale Ressource, die auch

vor und nach dem Anlass zur Stelle war.

Präzise Logistik zu jeder Zeit

Damit die Logistik reibungslos funktionierte,

kamen Spezialisten der Logistikbrigade

1 (Log Br 1) zum Einsatz. Nebst der Unterstützung

beim Auf- und Abbau übernahm

das VT Bat 1 – Verkehrskompanie 1/3 (Vrk

Kp 1/3) und Transportkompanie 1/5 (Trsp

Kp 1/5) – während des Anlasses die tägliche

Verteilung der 14 000 Frühstücke an die

Austragungsorte in der Stadt Lausanne und

Umgebung. Die Armee war weiterhin für

anfallende Transporte zuständig und regelte

den Verkehrsstrom über die Festtage.

Allein das ausverkaufte «Stade Olympique

de la Pontaise» war am Eröffnungstag mit

über 25 000 Besucherinnen und Besuchern

eine verkehrstechnische Herausforderung.

Dank Motorrad immer mobil

Da die Knotenpunkte einerseits durch die

vielen Sportler und Besucherströme vermehrt

strapaziert wurden und sich die Verkehrsströme

andererseits durch gesperrte

Strassen und Plätze noch mehr kanalisierten,

war der Einsatz der Verkehrssoldaten

unverzichtbar. Die Soldaten wurden an den

kritischen Verkehrspunkten eingesetzt und

konnten bei Bedarf ihren Standort rasch

mit ihrem Motorrad wechseln.

Jeder konnte sein Können einsetzen

Der FDT begann wie jeder andere auch. KVK,

Einrücken und am Folgetag die Standar-

tenübernahme. Das Spezielle und zugleich

Schöne daran war, dass viele der Soldaten ihr

Wissen und Können an der «Gymnaestrada»

fachgerecht einsetzen konnten. «Dies ist eine

Genugtuung für jeden Soldaten, wenn er sein

Metier ausüben kann», fand auch Sdt Nico

Spinnler aus der Trsp Kp 1/5.

Damit die zivilen Behörden optimal

unterstützt wurden, leisteten die Kompanien

ein Dienstwochenende mit der

halben Belegschaft. «Der Personalbedarf

kann nicht mit nur einem Detachement

gedeckt werden», sagte Oblt Ciro Berta,

der den Einsatz der Verkehrssoldaten der

Vrk Kp 1/3 leitete. Am schwierigsten war

es, vorherzusehen, zu welchem Zeitpunkt

die Soldaten an den Verkehrspunkten gebraucht

wurden, denn diese Entscheidung

traf jeweils die Polizei. «Gerade deshalb

mussten wir die Kommunikation mit der

Polizei intensivieren», führte Berta weiter

aus. «Ein gelungener Einsatz, der auch

Spass macht», sagte Sdt Antonio Teixeira.

Erstversorgung für Verletzte und

Kommunikation

Die Armee verfügt über moderne mobile Sanitätseinrichtungen

und gut geschultes Personal,

welches den zivilen Blaulichtorganisationen

für die Anlassdauer zur Verfügung gestellt

wurde. Dabei wurden kleine Blessuren gleich

vor Ort behandelt und in schwerwiegenden

Fällen die Erstversorgung sichergestellt.

Die Übermittler haben über ganz Lausanne

eine Funkinfrastruktur aufgebaut,

die es erlaubte, von jedem Austragungsort


mit dem Kommandoposten zu kommunizieren.

«Die grösste Herausforderung war,

die Übermittlung über weite Distanzen im

überbauten Gelände aufzubauen», meinte

Hptm Daniel Girod, der für die technische

Planung verantwortlich war.

Direkte Schnittstelle zum Organisationskomitee

Unter der Leitung von Oberst i Gst Philippe

Jaquinet bereitete der Kantonale

Territoriale Verbindungsstab (KTVS) seit

Januar in regelmässigen Rapporten und

Erkundungen den Einsatz der Truppen vor.

Zuständigkeiten, Unterkünfte und Einsätze

wurden vorgängig genau geplant. Damit

konnten während dem Grossereignis Konflikte

weitgehend vermieden werden. Mit

DIE WELT-GYMNAESTRADA AUF EINEN BLICK

Jahr Stadt/Land Nationen Teilnehmende

VT Bat 1

1. 1953 Rotterdam (Holland) 14 5000

2. 1957 Zagreb (ex. Jugoslawien) 16 6000

3. 1961 Stuttgart (Deutschland) 16 10000

4. 1965 Wien (Österreich) 28 15600

5. 1969 Basel (Schweiz) 29 9600

6. 1975 Berlin (Deutschland) 23 10500

7. 1982 Zürich (Schweiz) 23 14200

8. 1987 Herning (Dänemark) 25 17300

9. 1991 Amsterdam (Holland) 28 19500

10. 1995 Berlin (Deutschland) 34 19300

11. 1999 Göteborg (Schweden) 39 22000

12. 2003 Lissabon (Portugal) 46 21000

13. 2007 Dornbirn (Österreich) 57 22000

14. 2011 Lausanne (Schweiz) 55* 20000*

15. 2015 Helsinki (Finnland) --- ---

* Stand Juni 2011 Quelle: GYMlife 3/11

rund 4 500 Diensttagen aller AdA zählt

dieser Einsatz zu den grösseren dieser Art.

«Dank dem Einsatz der Armee-Spezialisten

konnte das Militär massgeblich zum Erfolg

der «Gymnaestrada» beigetragen»,

sagte Oberst i Gst Jaquinet stolz. Seitens

des VT Bat 1 wurde diese Planungsphase

mehrheitlich durch Maj Andrea Minesso

sichergestellt. Er verstand es, den Einsatz

miliztauglich zu gestalten.

Unermüdlicher Einsatz wurde

gewürdigt

Der unermüdliche Einsatz aller Soldaten

und Kader, die zugunsten der «Gymnaestrada»

ihren Dienst leisteten, war für das

Organisationskomitee ein sehr wichtiger

und wertvoller Faktor, der massgeblich

Die Tribüne im «Stade Olympic de la

Pontaise» für 2 000 Zuschauer wurde

mit Hilfe der Armee gebaut.

zum Gelingen des Festes beitrug. Dies

wurde auch an den zahlreichen Rapporten

immer wieder erwähnt. Dieses Lob und

die Wertschätzung gehen an alle beteiligten

Armeeangehörigen. Ohne die Armee,

welche an der «Gymnaestrada» durch zahlreiche

Verbände repräsentiert wurde, hätte

der Anlass in dieser Form nicht stattfinden

können, sagten die Veranstalter einhellig. n

DIE KENNZAHLEN AUF EINEN BLICK

Gesamt-Einsatzdauer 13.06.– 27.07.2011

Anzahl AdA pro Tag 130

Total Diensttage Ca. 4 500

Gefahrene Kilometer 100 000

Verteilte Frühstücke 9 x 14 000

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VT Bat 1

Oberst i Gst Philippe Jaquinet.

Sdt Nico Spinnler.

Sdt Antonio Teixeira.

8 armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11

Fotos: Hptm Roger Büchler/VT Bat 1

Sanitätscontainer der San Kp 1.

Soldaten beim Aufbau eines Festzeltes.

Tanzaufführung Gymnaestrada.

Die Trsp Kp 1/5 liefert Festbankgarnituren.


FDT 2011

Den Kochlöffel fest im Griff

Zu den vielfältigen Aufgaben eines Quartiermeisters gehört die Hygienekontrolle in den Kochstuben

der Bataillone. Ein Augenschein mit dem Bataillonsquartiermeister, Oberlt Roger Rüegger, ermöglicht

interessante Einblick in die Kochtöpfe des Logistikbataillons 101 (Log Bat 101).

Fachof (Hptm) Manuel Aeschbacher, PIO, Log Bat 101

Quartiermeister Rüegger kennt seine Küchenchefs: «Die haben ihren

Laden alle im Griff. Bei den einen sind die Umstände etwas schwieriger

als bei den anderen, aber ich bin sicher, es wird nichts Grosses

zu beanstanden geben.» Was Rüegger schon bei der Anfahrt wusste,

bewahrheitet sich. Doch vorerst wartet auf den Oberleutnant Arbeit

hinter den Kulissen, die einen interessanten Blick hinter die Ausgabetheke

ermöglicht.

Checkliste für alle Fälle

Nebst vielen anderen Aufgaben kontrolliert der Quartiermeister die

Hygiene in den Küchen der Kompanien. Er beginnt seinen Rundgang

in derche der Instandhaltungskompanie (Ih Kp) in Corcelles-près-Payerne/VD.

Rüegger greift nach der Checkliste, die es ihm

ermöglicht, alle heiklen Punkte zu checken und dabei nichts zu vergessen.

Zusammen mit dem Küchenchef der Ih Kp, Wm Reto Frigg,

kontrolliert er beispielsweise allgemeine Sauberkeit, Ordnung, Zustand

der Anlagen, Wasch- und Umziehmöglichkeiten, Kühlschranktemperatur,

Lieferantenbeziehungen und vieles mehr. Schnell wird

klar: Die Truppe der Ih Kp ist gut aufgehoben – alles ist sauber und

gepflegt. Ein Detail sieht das geschulte Auge dennoch: «Die Deklaration

der Herkunft des Fleisches ist nicht ganz vollständig. Das muss

noch korrigiert werden.» Alles in allem ist Rüegger aber sehr zufrieden

mit Küchenchef Frigg.

Chirurgen derche

Ähnlich präsentiert sich die Situation bei der Stabskompanie

(Stabskp), auch wenn hier ungleich schwierigere Verhältnisse

herrschen, was die Räumlichkeiten anbelangt. Es ist eng und das

Mobiliar schon etwas älter. Aber auch das und die wunderbare

Aussicht aus dem Küchenfenster auf die Freiburger Alpen hindert

die Köche um Wm Hans Michael Iseli nicht, der Truppe vorzügliche

Mahlzeiten zuzubereiten. Selbst die Fliegenplage ist kein Problem,

wenn man sich – in diesem Fall mit speziellen Fliegengittern – wie

alle «101er» selbst zu helfen wissen.

Die letzte Küche, die den wachsamen Augen von Oberlt Rüegger

standhalten muss, ist das Reich von Kü C Pascal Keller. Die «Cuisine»

gleicht einem Operationssaal: Nach dem Mittagessen ist bei der

Inspektion bereits alles aufgeräumt und sauber. Rüegger bilanziert,

dass die Frauen und Männer bei allen drei Küchenchefs – den Chirurgen

derche – gut aufgehoben sind. So muss es sein. «En Guete

mitenand!» n

Die frisch zubereiteten «Hörnli» warten auf hungrige Mäuler.

Das Messen der Fleischtemperatur gehört zumchenalltag.

Log Bat 101

Qm Roger Rüegger und Kü C Reto Frigg besprechen die Ergebnisse.

Fotos: Fachof (Hptm) Manuel Aeschbacher/Log Bat 101

armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11 9


10

Log Bat 101

FDT 2011

Dunkle Kammern und Zeughausromantik

Die Aussenstandorte der Nachschubkompanie (Ns Kp) erstrecken sich über die ganze Schweiz. Wir haben den Detachements

in der Zentralschweiz und Thun/BE über die Schultern geschaut. Dabei hat sich einmal mehr gezeigt – die Logistikbasis der

Armee (LBA) ist auf FDT-Soldaten, die anpacken können, angewiesen und schätzt diese auch.

Fachof (Hptm) Manuel Aeschbacher, PIO, Log

Bat 101, Sdt Andreas Hitz, Log Bat 101

Ein Detachement der Ns Kp unter der Führung

von Oberlt Christoph Bernet hat den

Auftrag gefasst, den Stollen bei der alten

Kaserne Amsteg/UR auszuräumen, den

Transport ins Obwaldnerland zu verrichten

und dort das Material wieder einzulagern.

Der in den 50er Jahren gebaute Stollen

diente der Blutplasmaaufbereitung – dementsprechend

chtig fallen die Installationen

aus. Neben Schubladenblöcken, Wärmeerzeugern,

Wasserwerfern und ganzen

Funkanlagen wurde auch viel Kleinmaterial

von Amsteg ins Obwaldnerbiet verschoben.

Unter der Aufsicht des örtlichen Mitarbeiters

der Armeelogistik wird das Material

am neuen Standort wieder eingelagert. Die

Lagerräume sind durch einen geräumigen

Stollen erschlossen, welcher noch bis vor

einigen Jahren mit Bahnwagen befahren

wurde. Heute können noch immer grosse

Lastwagen direkt an die Lagerkammern

fahren – sehr zur Freude der Soldaten –

erleichtert dies doch enorm den Umschlag.

armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11

In den zehn grossen Lagerstollen wird das

Material dann eingebunkert und im SAP,

dem Materialverwaltungssystem, aktualisiert.

So weiss man jederzeit ganz genau, wo

sich welcher Artikel befindet.

Sportlicher Einsatz im Berner Oberland

Unter der Führung von Oberlt Simon

Heinzer unterstützten einige Soldaten die

Logistikmitarbeitenden – zuständig für die

Verwaltung des Materials von Armeesport

und Jugend+Sport in Thun/BE – vor Ort. Betritt

man die Halle, schlägt jedes Sportlerherz

höher: Da lagern zweihundert Paar Ski, dort

hunderte Lawinenschaufeln, alles in gutem

Zustand und in Reih und Glied geordnet. Die

Logistikmitarbeitenden zeigen sich beeindruckt

von der Leistung der Soldaten: «Wir

haben viele schlechte Erfahrungen gemacht

und bei der Anfrage im letzten Herbst habe

ich mich schwer getan, zuzusagen», sagt

Walter Sigrist, Urgestein in Sachen Sportmaterialverwaltung

und Verantwortlicher

für den Einsatz vor Ort. «Doch jetzt sind

wir sehr zufrieden und beeindruckt von der

Leistung der ‹101er›.»

Walter Sigrist und sein Mitarbeiter führen

diesen «Laden» schon lange. «Wir haben

Leute kommen und gehen sehen, sind von

Biel/BE hierher gezogen und gehen wohl irgendwann

auch wieder dorthin zurück. Neue

Systeme sollen alles einfacher und effizienter

machen, doch über die Praktizierbarkeit der

Technik wird zu wenig nachgedacht.» Für

einen Augenblick scheint der Frust überhand

zu nehmen – doch kurzum ist der gedankliche

Ausflug in alte Zeiten verflogen und

beide führen mit Stolz durch «ihre» Anlage.

Die Soldaten des Log Bat 101 haben in

den letzten Wochen Zelteinheiten gereinigt,

verpackt, repariert und schlussendlich wieder

in allen Systemen erfasst. Im Moment

arbeiten sie am nächsten Posten – Lawinenschaufeln

überholen. Und überhaupt:

«Im Moment sind Sommerferien mit vielen

Lagern, nach den Sommerferien werden hier

wieder palettweise Materialien angeliefert,

die wir dann wieder für den nächsten Einsatz

rüsten. Dann haben wir wieder neue

FDT-Soldaten – und hoffentlich solche aus

eurem Holz», meint Sigrist. Die Soldaten

schmunzeln – und wir auch. n

Sportartikel in rauen Mengen lagern in den

heiligen Hallen von Thun/BE.

101 Bat Mattli/Log Adrian Sdt 101, Bat Aeschbacher/Log Manuel (Hptm) Fachof

Bereit für den Winter: Auch die Schneeschaufeln

wollen geprüft sein. Fotos:


FDT 2011

«Unsere Puchs sind Oldtimer –

wir zahlen bis zum Zehnfachen des

Normalpreises für Ersatzteile»

Fotos: Fachof (Hptm) Manuel Aeschbacher/Log Bat 101, Sdt Adrian Mattli/Log Bat 101

Ruhm und Ehre für die Mechaniker der Instandhaltungskompanie (Ih Kp) des Logistikbataillons 101 (Log Bat 101):

Divisionär Daniel Baumgartner, Chef der Logistikbasis der Armee (LBA), liess es sich nicht nehmen, den

Mannen einen Überraschungsbesuch abzustatten. Dabei verriet er der Truppe interessante Details zu den Fahrzeuginstandhaltungen

und zur künftigen Organisation der Logistikbataillone.

Fachof (Hptm) Manuel Aeschbacher, PIO, Log Bat 101

Überraschte Gesichter machten sich auf der Aussenstelle Romont/

BE des Armeelogistikcenters Grolley/FR breit, als hoher Besuch die

voll mit zu reparierenden Fahrzeugen bestückte Werkstatthalle betrat:

Divisionär Daniel Baumgartner liess sich aus erster Hand über

Art und Stand der Arbeiten in der Bataillonswerkstatt des Log Bat 101

informieren. Der technische Fw Pascal Dietrich erklärte dem Chef

LBA ausführlich, welche Arbeiten zu erledigen sind und welche Probleme

dabei auftreten. Vor allem die Zündkabel zaubern dem Verantwortlichen

vor Ort etwas Sorgenfalten ins Gesicht. Aber nicht nur

ihm, auch Divisionär Baumgartner «mag das Wort Zündkabel nicht

mehr hören» und lässt sich die Pendenz von Oberst Jörg Hauri, dem

zugeteilten Stabsoffizier, notieren.

Die Relationen wahren

Der Chef LBA sieht, dass es Sachen gibt, die noch nicht hundert(eins)

prozentig rund laufen. Er ruft die versammelte Mannschaft bei der

Fragerunde dazu auf, nicht zu vergessen, dass die Puch-Fahrzeuge

Log Bat 101

Muskelkraft im Duopack:

Teamwork an einer

Puch-Achse.

mittlerweile über 20 Jahre alt und somit Oldtimer sind. «Wir bezahlen

für Ersatzteile deswegen bis zu zehnmal mehr.» Auch die Lieferfrist

mancher Teile gibt zu reden. Divisionär Baumgartner kontert elegant:

«95 Prozent der Ersatzteile beschaffen wir innerhalb von 48 Stunden.

In einer privaten Autogarage warten Sie auch so lange, wenn nicht

länger.» Bei fünf Millionen möglicher Teile des Systems ist unsere

Lieferfrist also durchaus gut. Bedenken Sie die Relationen, wenn Sie

ein Teil ausnahmsweise einmal etwas später erhalten.»

101 Prozent ab 2012 im Zürcher Oberland

Bevor der Chef LBA den «101ern» der Ih Kp für Ihren tollen Einsatz

und die Arbeit dankte, versorgte er die Mannen mit interessanten

Informationen aus der Führungsetage: Zukünftig ist geplant, die

Logistikbataillone einem Armeelogistikcenter fest zuzuteilen. Im Fall

des Log Bat 101 dürfte dies das Center Hinwil/ZH sein. Will heissen:

Ab nächstem Jahr leistet unser Bataillon unter der Führung von

Oberstlt Adrian Schwitz Dienst in seinem «Göttikanton» Zürich. n

armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11 11


Interview

Brigadier Thomas Kaiser, Brigadekommandant seit Februar 2011

«Gemeinsam zum Erfolg»

Anlässlich des diesjährigen Brigaderapports in Schwyz/SZ hat der Chef der Logistikbasis der Armee (LBA), Divisionär Daniel

Baumgartner das Kommando der Logistikbrigade 1 (Log Br 1) von Brigadier Melchior Stoller an Oberst i Gst Thomas Kaiser

übergeben. Kaiser wurde am 1. Februar 2011 zum Brigadier befördert. Rund 300 Tage nach der Kommandoübernahme

konnte der neue Brigadekommandant bereits eigene Akzente setzen. Im Interview erläuter Brigadier Kaiser unter anderem

seine Führungsgrundsätze, zieht Bilanz über die Startphase und verrät mehr über eines seiner interessanten Hobbys.

Major Philippe Matter, Chef Kommunikation, Logistikbrigade 1

Herr Brigadier, seit rund 300 Tagen sind Sie neuer Kommandant

der Logistikbrigade 1. Was sind Ihre Lehren aus dieser Start- bzw.

Orientierungsphase?

Die Log Br 1 funktioniert sehr gut. Unsere Kader und Soldaten sind

überdurchschnittlich motiviert und leistungsbereit, solange sie fair

geführt werden, mit Arbeit ausgelastet sind und einen durchorganisierten

Dienstbetrieb erleben. Am besten funktionieren jene Einheiten,

bei welchen sich die Kommandanten mehrheitlich bei der Truppe

aufhalten und von vorne führen. Wir profitieren sehr stark von den

zivilen Kenntnissen und Fähigkeiten, die unsere Milizkader und -soldaten

mitbringen. Die Log Br ist ausgezeichnet in die LBA integriert.

Unsere Leistungen werden gebraucht und anerkannt.

Was bleibt Ihnen seit der Kommandoübernahme speziell in Erinnerung?

Am nachhaltigsten wirken auf mich die Begegnungen mit Kader und

Soldaten bei der Ausbildung und in Übungen. Das militärische Leben

spielt sich in den Stäben und Einheiten ab. Nur dort spüre ich, wie es

der Truppe geht und wo der Schuh drückt. Diese direkten Kontakte

können durch nichts, auch nicht durch Hunderte von Controlling-

Listen ersetzt werden.

Triple A (Auftragserfüllung auf Anhieb): Dies ist einer Ihrer Leitsätze.

Was verstehen Sie darunter? Ist die Brigade diesbezüglich auf Kurs?

Ähnlich wie die Polizei, die Feuerwehr oder die Ambulanz kommt die

Armee dann zum Tragen, wenn es nicht mehr ohne sie geht. Unser

Volk muss sich auf die Armee verlassen können. In der Not haben wir

eventuell keinen zweiten Versuch, weil es beim ersten Mal nicht geklappt

hat. Den unbedingten Willen, den Auftrag auf Anhieb sicherzustellen,

müssen wir auch in der Ausbildung verinnerlichen, sonst

wird es auch im Ernstfall nicht klappen. Letztlich ist «Auftragserfüllung

auf Anhieb» eine Frage der Disziplin und der Einstellung. Hier

gibt es noch Optimierungspotenzial.

Mittlerweilen befinden Sie sich in der Bewertungs- oder in der

Umsetzungsphase. Wo legen Sie Schwerpunkte, welche Aufgaben

werden Sie demnächst anpacken? Was haben Sie für Visionen?

Unsere Milizarmee braucht Kontinuität. Unsere Brigade, die Truppenkörper

und Einheiten arbeiten gut und erfolgreich. Es gibt deshalb

keinen Grund, das Steuer herumzureissen. Die Schwerpunkte

bleiben also unverändert. Es geht darum, die Einsätze in hoher Qualität

sicherzustellen, die Grundbereitschaft bezüglich Ausbildung und

Personal zu erhalten und durch einwandfreies Auftreten zum guten

Ansehen und zur Glaubwürdigkeit unserer Armee beizutragen. Ich

werde für das kommende Jahr ein besonderes Schwergewicht bei

der Kadervorbereitung legen. Zusätzlich will ich, dass jeder Ange-

12 armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11

hörige der Log Brigade in der Anwendung der Zwangsmittel zertifiziert

wird. Unsere Armee ist viel zu klein, als dass wir davon ausgehen

können, dass logistische Infrastrukturen und Standorte durch

Füsiliere geschützt werden. Das müssen wir im Ernstfall selber tun

können und darauf bereiten wir uns vor.

Was sind Ihre Führungsgrundsätze?

Der Bundesrat hat dem militärischen Kader die Führungsgrundsätze

im Dienstreglement vorgegeben. Es ist wenig sinnvoll, wenn alle

nachfolgenden Stufen noch weitere «persönliche» Führungsgrundsätze

erfinden. Um die Führungsgrundsätze gemäss DR erfolgreich

umzusetzen, lege ich grossen Wert auf gegenseitiges Vertrauen, Wertschätzung,

Verantwortungsgefühl und Vorbild. Besonders wichtig

scheint mir, was schon Emil Brun vor über 30 Jahren zur Führung im

Militär geschrieben hat: «Wer Menschen führen will, muss Menschen

mögen.»

«Unsere Kader und Soldaten sind überdurchschnittlich

motiviert und leistungsbereit,

solange sie fair geführt werden, mit Arbeit

ausgelastet sind und einen durchorganisierten

Dienstbetrieb erleben.»

Als ehemaliger Chef Ausbildung im Führungsstab der Armee hat die

Ausbildung der Truppe bei Ihnen einen hohen Stellenwert. Welche

Ansprüche stellen Sie an gute Ausbildung?

Die Ausbildungsvorgaben sind im Rahmen der Definition der

Modul bausteine armeeweit klar. Entscheidend ist dabei die Verbandsleistung.

Deshalb hat die Verbandsausbildung im Vordergrund

zu stehen. Die Ausbildungsinhalte richten sich nach den geforderten

Verbandsleistungen. Die Ausbildungsziele müssen hoch gesteckt

sein und unsere Kader und Soldaten fordern. Die Ausbildungsorganisation

muss von überzeugender Effizienz sein. Unsere Bürger

in Uniform vergleichen zu Recht die militärische Ausbildung mit

jener im Zivilen – wir müssen im Militär besser sein. Nicht erst seit

den verkürzten Ausbildungszeiten der Gruppen- und Zugführer

ist die Kadervorbereitung entscheidend für den Ausbildungserfolg.

Insbesondere die Gruppenführer haben Anrecht auf mindestens zwei

Stunden praktischen Zugführerrapport, um einen Ausbildungstag

erfolgreich zu bewältigen. Hier stehen die Kommandanten und Zugführer

in der Pflicht.


Bereits bei Ihrer Antrittsrede anlässlich des Brigaderapportes haben

Sie klar gemacht, dass die Zukunft der Schweizer Armee in den

Händen des Kadernachwuchses liegt. Warum soll man denn heute

noch eine militärische Laufbahn anstreben und sich für die Armee

engagieren?

Die Armee ermöglicht sehr intensive Führungserfahrungen in einem

viel jüngeren Alter als dies im Zivilen in aller Regel möglich ist.

Kleinere Fehler werden dabei in der Armee eher verziehen als in einer

zivilen Unternehmung. Von eindrücklichen Führungserlebnissen

profitieren Kader weit über ihre militärische Tätigkeit hinaus. Es

ist persönlich bereichernd, in einem sehr jungen Alter bereits die

Verantwortung zu übernehmen für eine Gruppe, einen Zug oder gar

eine Kompanie. Junge Kader, die ihren Job gut machen, erhalten von

den unterstellten Armeeangehörigen sehr viel Wertschätzung und

Vertrauen zurück, was jedem von uns in unserer materiell dominierten

Welt gut tut. Mehr zu tun als der Durchschnitt für die

Menschen in unserem Land, und sich zu distanzieren von den

Egoismen, die den Alltag allzu oft prägen, trägt langfristig

mehr zu einem zufriedenen Leben bei als eine gestresste

Wohlstandsmaximierung ab dem 21. Altersjahr bis ans

Lebensende.

Welche Rolle spielt die Miliz in der heutigen

Armee aus Ihrer Optik?

In meinem Berufsleben habe ich über drei

Jahre im Ausland verbracht und andere

Armeen bei der Ausbildung und im

Kriegseinsatz beobachten dürfen. Als

rasch einsetzbare Expeditionsarmee

wäre das Milizsystem die falsche Antwort.

Um unser Land innerhalb der

eigenen Grenzen zu verteidigen und

die zivilen Behörden in Notlagen

zu unterstützen, ist die Milizarmee

schweizerischer Prägung das beste

Modell. Keine andere Armee kann

es sich leisten, auf so viel ausgezeichnetes

Know-how zurückzugreifen

wie wir das können – die Milizarmee

ist die Armee mit dem höchsten

Bildungsniveau. Die Bürger in Uniform

stellen die Verankerung der Armee im Volk

sicher. Die Milizarmee ist kostengünstig, weil wir die Kader

und Soldaten nur drei Wochen im Jahr in den Dienst rufen,

«Wer Menschen führen will,

muss Menschen mögen.»

Interview

armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11 13

Foto: ZEM


Interview

Im Gespräch mit zivilen Partnern der LBA – WEMA beim Log Bat 51. Der direkte Kontakt ist einer der Schlüssel zum Erfolg.

im Notfall aber gleichwohl auf eine grosse Masse an Soldaten

zurückgreifen können, um die Sicherheit unserer Bevölkerung

ultimativ zu garantieren.

Sie verfügen über grosse Erfahrung in der Zusammenarbeit mit

ausländischen Armeen. Wo steht die Schweizer Armee ihrer Ansicht

nach im internationalen Vergleich?

Die überragende Stärke unserer Armee ist der hohe zivile Ausbildungsstand

und die enge Verbindung unserer Kader und Soldaten

mit dem Zivilleben. Dieser Umstand generiert Innovation bei der

Führung und erleichtert die rasche militärische Auftragserfüllung

in zivilem Umfeld. Die Achillesverse unserer Milizarmee ist ihre

Fähigkeit, die besten Talente für militärische Führungsfunktionen

zu gewinnen. Wenn sich die Besten aus der Verantwortung stehlen,

ist die Milizarmee gefährdet. Ferner weisen wir bei rein militärischen

Disziplinen wie der Beherrschung von Waffen und Geräten Lücken

auf, die wir aber auf Grund des FDT-Systems in Kauf zu nehmen

bereit sind.

«Unsere Bürger in Uniform

vergleichen zu Recht die militärische

Ausbildung mit jener im Zivilen – wir

müssen im Militär besser sein.»

«Gemeinsam zum Erfolg», das ist das Motto der LBA und neu auch der

Log Br 1. Was sind die Gründe dafür?

Eigentlich sollte das Motto «Gemeinsam zum Erfolg» für das ganze

Land, die Politik und die ganze Armee gelten. Nur wer den Gesamtrahmen

vor Augen hat und das egozentrische Silodenken verlässt,

trägt optimal zum Gesamterfolg des Landes, der Armee oder der LBA

bei. Selbstdarstellung auf Kosten anderer ist nicht gefragt.

In der aktuellen Umbruchphase, in welcher sich die Armee befindet,

haben Sie in Reden mehrmals betont, dass die Truppe sich nicht in die

14 armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11

Politik einzumischen hat und sich auf Ihre Kernkompetenzen und die

Erfüllung der jeweiligen Aufträge zu konzentrieren hat. Wo sehen Sie

Ihre «Grenzen» und die Grenzen Ihres Zuständigkeitsbereiches, bzw.

die der Log Br 1?

Das unmittelbare politische Primat gegenüber der Armee wird durch

den Bundesrat wahrgenommen. Die Armeeführung formuliert die

politischen Vorgaben in militärische Aufträge um. Aufgabe der Log

Br und ihres Kommandanten ist es, diese Aufträge umzusetzen.

Kommentare oder Hinterfragungen von Entscheiden sind solange

grundsätzlich nicht angemessen, als wir die Uniform tragen und

Militärdienst leisten. Es geht dabei nicht um die Beschneidung

von verfassungsmässigen Grundrechten, sondern um zu verhindern,

dass die Armee politisch instrumentalisiert werden kann.

Ausserhalb des Militärdienstes sind wir frei in unseren Aussagen,

wobei ich mich als Berufssoldat auch in zivil meinem Arbeitgeber

zu Loyalität verpflichtet fühle. In Diskussionen mit meinen Kadern

und Soldaten, beispielsweise bei Informationsabenden zur Weiterentwicklung

der Armee, nehme ich mir allerdings das Recht heraus,

offene Fragen auch von einer kritischen Seite her zu beleuchten.

Eine Information mit selbstkritischen Facetten wirkt vor unseren

mündigen Staatsbürgern in Uniform viel glaubwürdiger als der

Versuch einer Indoktrination.

Umbruchphasen sind verbunden mit Chancen, aber auch Gefahren.

Letzteres bildet Grundlage für Gerüchte und Ängste. Gibt es die

Log Br 1 auch in der neuen Armeekonzeption? Welche Veränderungen

können uns bevorstehen?

Schmerzhafte Erfahrungen aus der jüngsten Vergangenheit, die

schliesslich in den Notmassnahmen «APIANO» gegipfelt haben,

zeigen den erfolgsentscheidenden Stellenwert der Logistik auf. Unsere

Armee wird weiterhin eine angemessene Anzahl Truppenkörper

zur Erfüllung der sanitätsdienstlichen und logistischen Leistungen

benötigen. Die Strukturen dazu sind aber noch nicht definitiv genehmigt.

Es ist deshalb noch zu früh, um Aussagen zu Strukturen

zu veröffentlichen. In der einen oder anderen Form werden weiterhin

Leistungen der Führungsunterstützung, der Logistik, des Spitalbetriebs,

der Sanitätslogistik, der Infrastruktur sowie des Verkehrs und

Transports auf Stufe Grosser Verband zusammengefasst werden. Ich

erwarte keine revolutionären Änderungen.


Vormachen, mitmachen… der Brigadier nimmt an der Schiessausbildung teil.

Wie kann man sich den Tagesablauf eines Brigadekommandanten

vorstellen?

Kein Tag sieht aus wie der andere. Pro Woche bin ich ca. zwei Tage

im Büro und drei Tage bei der Truppe oder in Seminaren und

Planungsveranstaltungen. Der Bürotag beginnt zwischen 0600 und

0700. Bis 0800 profitiere ich jeweils von der Ruhe, um Administratives

zu erledigen. Dann folgen oft Besprechungen. Ab 1600 kann ich mich

jeweils wieder auf Akten konzentrieren. Die Arbeitstage auf dem Feld,

seien dies Schlussinspektionen in Offiziers- und Rekrutenschulen,

Inspektionen von Anwärtern zur Generalstabsausbildung, Truppenübungen

oder Besuche, verlaufen völlig unterschiedlich, erstrecken

sich von 0600 bis in die Nacht hinein und sind insbesondere geprägt

von vielen Begegnungen und Gesprächen.

«Die Milizarmee ist die Armee mit dem

chsten Bildungsniveau.»

Ihrem Steckbrief ist zu entnehmen, dass neben Reisen und Lesen ein

Bauernhof zu Ihren Hobbies gehört. Was ist darunter zu verstehen?

Darunter versteht sich ein Bauernhaus, das kurz vor der französischen

Revolution in den Südvogesen gebaut wurde, umgeben von 7,5

Hektaren Wald, Wiese und drei Weihern, die voll von Karpfen sind.

Die Wiesen werden von Rindern und Schafen aus der Nachbarschaft

abgeweidet. Der Wald dient mir als Lieferant von Brennholz, vor allem

aber als Rückzugsort. Fernab von Verkehr und Zivilisation setze ich

mich oft im lichten Wald an einen der Teiche, lese ein Buch, beobachte

Libellen, Fische und Frösche und geniesse die Gezwitscher der Vögel

in dieser unglaublich schönen Natur.

Wie halten sie sich für Ihren anstrengenden Arbeitsalltag fit?

Mit dem Vorsatz, ab nächster Woche wiederchentlich dreimal

joggen zu gehen. Nein – ernsthaft: Am Wochenende arbeite ich

körperlich ziemlich viel auf dem Bauernhof. Während der Woche

habe ich die Balance zwischen Arbeit und Sport noch nicht gefunden.

Herr Brigadier, ich danke Ihnen für das Gespräch und wünsche

weiterhin «Auftragserfüllung auf Anhieb» mit der Log Br 1.

Fotos: Kdo Log Br 1

Zur Person

Interview

Brigadier Thomas Kaiser (geb.28.6.1963) von

Ennetmoos/NW schloss 1984 das Lehrerseminar

mit dem Lehrerpatent ab und trat

1987 in das Instruktionskorps der Infanterie

ein. Neben seiner Arbeit als Klassen lehrer,

Kurskommandant und Projektleiter in der

Kerngruppe Heer Armee XXI leistete Kaiser

mehrere Auslanddienste, so als UN-Militärbeobachter

in Bosnien, Kroatien und

Montenegro sowie als National Contingent

Commander der SWISSCOY im Kosovo (2001).

Studienaufenthalte führten ihn an das Nato

Defense College in Rom sowie am National

War College in den USA. Seit 2007 bis zur

Kommandoübernahme war Thomas Kaiser

Chef Ausbildung im Führungsstab der Armee.

Als Milizoffizier kommandierte er das

Infanteriebataillon 18 (Inf Bat 18).

armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11 15


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Rubriktitel

Log Bat 51

FDT 2011

«Team 51»

«Meh Dräck», so lautete das Motto des FDT 2011 (28.03. – 15.04.2011) für das Logistikbataillon 51 (Log Bat 51). Was

nicht hiess: Chaos, unkontrolliert und laut. Diese Aussage stand viel mehr als Synonym für «Apacke, Chrampfe und Isatz»

von allen, Mannschaft und Kadern. Dass man den Mut haben soll, Neues anzugehen oder mal anders vorzugehen. In

diesem Sinne verteilten sich die drei Kompanien an ihre Standorte in Huttwil/BE (Stabskompanie (Stabs Kp), Affoltern im

Emmental/BE (Instandhaltungskompanie (Ih Kp) und Bützberg/BE – Aarwangen/BE (Nachschubkompanie (Ns Kp).

Fachof (Hptm) Christian Bachofen, PIO, Stab Log Bat 51

Gut zehn Detachemente, verteilt von Zweilütschinen/BE bis nach

Romont/FR, erledigten in diesen zwei Wochen diverse Aufgaben für

die Armeelogistikcenter. Das Einsatzspektrum reichte vom Erfassen

von Sturmgewehren im ERP-System über Reparaturen von Duros

und Munschnecken (M548) bis zum Abrüsten von Kampfpanzern.

Hand in Hand

In Rothenburg/LU, einer Aussenstelle des Armeelogistikcenters

Othmarsingen/AG, wurde Material der Militärpolizei nach Grösse

sortiert und in Palettrahmen eingeräumt, um somit die Einsatzbereitschaft

wieder garantieren zu können. Eine zweite Gruppe hat

zusammen mit den Mitarbeitern des Logistikcenters diverse Leopard-

Kampfpanzer abgerüstet. Diese wurden anschliessend in der dritten

Woche mittels Tieflader nach Thun/BE zur Umnutzung verschoben.

Wir bewegen was

Währenddessen arbeitete in Romont, der Aussenstelle des Armeelogistikcenters

Grolley/FR, eine Gruppe an der Instandsetzung von

armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11

Carpe Diem.

Puchs und gepanzerten Fahrzeugen. Ebenfalls zu dieser Zeit wurden

in Zweilütschinen ungefähr zwanzig Tonnen Schalldämpfer der Leopard-Kampfpanzer

durch ein weiteres Detachement umgelagert

respektive dem Recycling zugeführt.

Auch von den anderen Detachementen können sehr gute Resultate

berichtet werden:

• 25 000 Sturmgewehre serialisiert

• 112 Fahrzeuge repariert

• 1200 Fahrzeuge kontrolliert und komplettiert.

Damit diese Zahlen und Leistungen erreicht werden konnten, wurde teils

bis zur letztmöglichen Minute gearbeitet. Einzelne Detachemente legten

ihr Werkzeug erst eine Stunde vor der Standartenabgabe zur Seite.

WEMA oder wie alle zur besten Armee beitragen können

Auch wenn die Meisten die WEMA mit «nicht zu endendem Putzen»

in Verbindung zu bringen pflegen, WEMA steht für «Wiedererstellen

Foto: Sdt André Oswald/Log Bat 51


der Einsatzbereitschaft des Materials im Ausbildungsdienst». Und damit

dürfte dem geneigten Leser auffallen, dass diese Worte viel mehr

als nur Putzen bedeuten.

Die Definition von Wiederherstellen gemäss Wikipedia ist…

Unter Reparatur (von lateinisch reparare, «wiederherstellen») bzw. Instandsetzung

wird der Vorgang verstanden, bei dem ein defektes Objekt

in den ursprünglichen, funktionsfähigen Zustand zurückversetzt wird.

Somit ist WEMA nicht etwas, das plötzlich und zeitlich befristet

stattfindet. WEMA ist vielmehr ein Prozess, der während des gesamten

FDT zu leben ist. Einigen mag der Plan-Do-Check-Act-Zyklus

(PDCA), also Planen-Ausführen-Überprüfen-Handeln, bekannt sein.

Planen: Seine Mittel kennen und deren Einsatz planen.

Ausführen: Material einsetzen und ständig prüfen.

Überprüfen: Retablieren (täglich und wöchentlich), Defekte

eruieren.

Handeln: Basierend auf den Ergebnissen der Überprüfung

handeln.

Überprüfen und Reagieren

Insbesondere die zwei letzten Punkte sind enorm wichtig. Das konsequente

Überprüfen und Melden führt dazu, dass das Kader immer

im Bilde ist, welches Material einsatzbereit ist und mit was ab wann

geplant werden kann. Oderchten Sie den Zustand erst während

derchsten Übung oder dem nächsten Einsatz erfahren? Folglich

muss dann auch reagiert werden. Defektes Material ist zu reparieren

Log Bat 51

Konzentration + Teamarbeit = Perfektion.

bzw. beim Armeelogistikcenter auszutauschen – was zu einer Win-

Win-Situation für alle führt. Die Truppe kann eine hohe Einsatzbereitschaft

aufrechterhalten und wenn ein Umtausch nötig ist, das

Armeelogistikcenter frühzeitig mit der Instandstellung beginnen.

Der Kommandant des Log Bat 51, Oberstlt Marcel Allemann,

meint dazu:

«Jeder Bataillonskommandant steht mit seinen Kompanien in der

Verantwortung, um im FDT-Betrieb seine Einsatzbereitschaft zu erstellen

oder zu erhöhen. Nach der Fassung des Materials gilt es auch,

als Ausbildung seine Fahrzeuge und sein Material selber instand zu

stellen, auch wenn dies mehr Ressourcen bindet, als geplant. Es spielt

auch keine Rolle, wie man das Material vom Armeelogistikcenter

fasst. Im Speziellen natürlich sind wir als Logistiktruppen befähigt,

dies in einem erhöhten Masse umzusetzen und so der Logistikbasis

der Armee (LBA) die nötige Unterstützung zu gewähren.»

Was heisst das für uns, das Log Bat 51?

Wie eingangs erwähnt: «Meh Dräck» bzw. «No meh Dräck». Aber

was heisst das genau für den Einzelnen? Die Antwort, wie so oft im

Leben, ist zwar einfach, die Umsetzung aber könnte sich als etwas

fordernder erweisen.

Die Antwort hier ist: Führen durch Vorbild und

selbstlosen Einsatz

Im weitern wollen wir interne und externe Synergien besser nutzen,

sowie in der externen Logistik enger mit den Armeelogistikcentern

Foto: Hptm Martin Schafflützel/Log Bat 51

armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11 17


Log Bat 51

zusammenarbeiten. Hier sehen wir noch ungenutztes Potenzial.

Stabs intern wollen wir die Zellen FGG3 und FGG4 näher zusammenbringen,

um Leerläufe und doppelte Ausführungen zu verhindern.

Zusätzlich schreiben wir uns Wissens- und Erfahrungsaustausch als

Ziel auf die Fahne. Der Stab hat das Glück, über sehr erfahrene und

routinierte Kader zu verfügen. Von diesem Wissen soll profitiert

werden, um die Planungsphase kürzer und effektiver zu gestalten.

Last but not least: Controlling

Besseres Führen und Lenken der Arbeiten und Prozesse. Dies mit

dem Ziel, genauere Informationen über den Stand der Arbeiten und

die verfügbaren Ressourcen zu haben, um somit Bestellungen frühzeitig

auslösen zu können und wo und wenn nötig, Ressourcen zu verschieben.

Ganz nach dem Leitspruch: Zur richtigen Zeit, am richtigen

Ort in der richtigen Anzahl.

Wenn wir alle Hand in Hand zusammenarbeiten und ungerade

auch mal als gerade stehen lassen können, werden wir diese Ziel nicht

nur übertreffen, sondern auch einen erfolgreichen FDT 2012 für unsere

Brigade und vor allem natürlich für die LBA haben. n

Geordnete Standartenabgabe. Konzentriertes Arbeiten in der Bat-Werkstatt.

Da darf es auch mal länger dauern.

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Foto: Sdt André Oswald/Log Bat 51

Foto: Hptm Martin Schafflützel/Log Bat 51

Foto: Sdt Stefan Gygax/Log Bat 51


Interview

Interview mit Oberst i Gst François Thalmann

Der harte Weg zurück ins zweite Leben

Vor rund zwei Jahren erkrankte der Stabschef der Logistikbrigade 1 (Log Br 1), Oberst i Gst François Thalmann, an der sehr

seltenen Krankheit Guillain-Barré-Syndrom (GBS). Die relativ unbekannte Autoimmunkrankheit veränderte am 9. Dezember

2009 sein Leben von einem Tag auf den anderen auf dramatische Art und Weise. Eiserner Wille, intensives Training und viel

Geduld sowie die Liebe und Motivation seiner Frau Eliane brachten Oberst i Gst Thalmann zurück in sein «zweites Leben», wie

er heute selber zu sagen pflegt. Am letzten Stabskurs im letzten Jahr, Mitte November 2010, konnte Thalmann sein Funktion

als Stabschef wieder ausüben und erstmals seit Ausbruch der Krankheit den Stab der Log Br 1 wieder selber führen. Seit

Mitte Dezember 2010 arbeitet er wieder Teilzeit; zu Beginn 50 %, heute wieder 80 %.

Fahnenübernahme des Log Bat 21 auf dem Mont-Vully/FR/VD.

Major Philippe Matter, Chef Kommunikation, Log Br 1

Herr Oberst i Gst, am diesjährigen Brigaderapport anfangs Jahr in

Schwyz/SZ nahmen Sie im Rollstuhl teil. Wie ist Ihr aktueller Gesundheitszustand?

Mein Zustand bessert sich stetig, aber sehr langsam, da die Nerven

nur 1 mm pro Tag heilen. Zur Fortbewegung benutze ich noch immer

entweder einen Rollstuhl oder einen Rollator je nach Hindernis.

Ich kann heute noch immer keine Treppen auf- oder absteigen.

Schon seit Ihrer Rückkehr in die herausfordernde Funktion als

Stabschef machen Sie einen gelassenen und gutgelaunten Eindruck.

Wo holen Sie die Kraft her, um mit der schweren Krankheit so gut klar

zu kommen?

Auf dem Krankenbett habe ich mir immer gesagt, dass ich zurückkehre.

Diese Motivation und Kraft seit Ausbruch der Krankheit

kamen auch durch die Unterstützung meiner Frau. Auch für sie ist

es eine sehr schwierige Zeit. Weiter rührt diese Stärke daher, dass ich

in der Klinik viele junge und weniger junge Patienten kennengelernt

habe, welche ein genauso hartes, wenn nicht ein härteres Schicksal

ereilt hatte. Ich habe mir oft gesagt: Es gibt Schlimmeres als deine

Situation und es lohnt sich nicht, sich zu beklagen. Du hast eine zweite

Chance, ein zweites Leben, nutze sie.

Am 9. Dezember 2009 wurde bei Ihnen GBS diagnostiziert. Können Sie

die dramatische Zeit des Ausbruchs und die Symptome der Krankheit

schildern?

Am Abend des 8. Dezember 2009 bin ich wie üblich zu Bett gegangen,

wenn auch aussergewöhnlich müde und mit Schmerzen in den

Beinen. Am Morgen des 9. Dezember um 0530, wollte ich aufstehen,

aber ich spürte meine Beine bereits teilweise nicht mehr. Meine Frau

musste mir aus dem Bett helfen.

«Meine Frau meistert diesen Schicksalsschlag

auf bewundernswerte Art un Weise.»

Unser Hausarzt kam daraufhin und diagnostizierte sehr schnell das

Guillain-Barré-Syndrom und stellte sogleich die Frage, wo ich mich

behandeln lassen wolle: Bern oder Lausanne? Es sei sehr ernst. Ich

habe den Ernst der Lage in diesem Moment und beim Eintreffen der

Ambulanz erkannt.

Im Inselspital in Bern angekommen und nach verschiedenen Untersuchungen

ist die Lähmung fortgeschritten trotz der medizinischen

Betreuung.

Foto: Kdo Log Br 1

armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11 19


Interview

Die Beine, der Unterleib, der Brustkorb, die Arme, die Hände, das

Genick; nach zehn Tagen hatte sich die Gesundheitslage noch weiter

verschlechtert. Ich fragte mich, wo das Alles enden würde. Vor allem,

weil die Schmerzen trotz hoher Medikamentendosis unausstehlich

waren. Nach zwei Wochen hatte sich die Krankheit endlich stabilisiert,

nach einem Gewichtsverlust von 20 kg. Meine Muskeln waren

geschmolzen! Ich war sozusagen ein richtiger «Spargel».

Wie haben Sie den Diagnoseschock verkraftet, haben Sie sich gefragt:

Warum eigentlich ich?

Ich habe mich nie gefragt: «Warum ich?» Ich habe die Tatsache

akzeptiert und mir gesagt: «Du wirst kämpfen.»

«Auf dem Krankenbett habe ich mir immer

gesagt, dass ich zurückkehre.»

Stecken Sie diesen Schicksalsschlag wirklich so locker weg, hatten Sie

nie Bedenken?

Ich habe praktisch zwölf Monate im Spital und in der Rehaklinik verbracht.

Es gibt viele einsame Momente in denen man komplett alleine

ist. Ich hatte Zeit nachzudenken, vor allem während der Nacht. Ich

war sehr ruhig und hatte grosses Glück. Meine Arbeitsstelle war stets

gesichert durch die Unterstützung meines Chefs, Brigadier Melchior

Stoller, bei dem ich mich hiermit bedanke. Man hat nach Möglichkeiten

gesucht, um mich während meiner Abwesenheit zu ersetzen. Seitens

der Armee wurde mir enorme Solidarität entgegengebracht (sehr

viele Besuche, Anrufe, aufmunternde Worte). Ich habe auch zahlreiche

Besuche von Freunden erhalten, vor allem aber von meiner Frau,

die während den ersten Monaten der Krankheit jeden Abend vorbeikam,

zusätzlich zur Arbeit. Ich bin dafür sehr dankbar.

Als Betroffener geht man meist – wie auch an Ihrem Beispiel

erkennbar – anders und nach aussen relaxter mit der Situation um als

Verwandte, Freunde oder Mitarbeitende. Wie war die Reaktion Ihrer

Familie und Ihres Umfelds auf die Diagnose?

Von einem Tag auf den anderen liegst du gelähmt in einem Krankenhausbett

und auch deine Frau ist plötzlich wieder alleine. Die

Situation ist für beide brutal.

Ein Jahr lang gab es für meine Frau keine andere Beschäftigung als

sich um mich zu kümmern. Die ersten Wochenenden, die ich zu

Hause war, habe ich ausschliesslich mit Schlafen verbracht, so erschöpft

war ich von kleinen simplen Bewegungen.

Wir verliessen das Haus nicht mehr und verzichteten auf jegliche

Treffen. Daheim musste ein Krankenbett im Wohnzimmer aufgestellt

werden. Ich schlafe übrigens immer noch im Wohnzimmer

zur Zeit, da ich noch nicht die Treppen zum ersten Stock hochsteigen

kann.

Meine Frau meistert diesen Schicksalsschlag auf bewundernswerte

Art und Weise; sie war oft alleine und auf sich gestellt und musste sich

von einem Moment auf den anderen um alles kümmern.

Ihre Frau ist selber als Lehrerin berufstätig, wie geht sie mit der

Situation, der Mehrbelastung um?

Wie schon gesagt, die Situation ist auch für sie sehr schwer. Übrigens

haben ihre Schüler sehr verständnisvoll reagiert und waren sehr nett

zu ihr. Sie musste in meiner Gegenwart optimistisch bleiben und zugleich

selber diese neue Situation ganz alleine verarbeiten. Ich wiederhole,

sie war und ist bemerkenswert, denn die Heilung ist noch

weit davon entfernt, abgeschlossen zu sein. Ich kann immer noch

nicht im Haushalt helfen.

20 armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11

Stabschef François Thalmann gibt die Richtung an.

Wie hat sich Ihr Leben durch die Krankheit verändert?

Ich relativiere die Dinge sehr viel mehr und rege mich auch weniger

über Kleinigkeiten auf. Aber seit 22 Monaten bin ich nicht mehr unabhängig.

Ich brauche einen Fahrer, um mich zur Arbeit und sonst

irgendwohin zu begeben. Ich muss mich erkundigen, ob der Ort

rollstuhlgerecht ist. Ich kann keine Aktivität mehr ohne die Hilfe

eines anderen machen. Die Freiheit und die Unabhängigkeit: welche

Eigenschaften? Ich hoffe, sie eines Tages wiederzufinden.

«Wenn ihr glücklich sein wollt,

dann seid es!»

Sie waren in den ersten Wochen Ihrer Krankheit im Inselspital in Bern,

anschliessend für viele Monate in der Klinik BETHESDA in Tschugg/BE

und zum Schluss in der Rehabilitation in Leukerbad/VS. Wie haben

Sie diese langen Absenzen von zu Hause erlebt?

Es war eine schwere Zeit, vor allem der Gedanke daran, dass meine

Frau alleine zu Hause war. Zudem haben sie keinen Zugang mehr zu

ihren alltäglichen Gewohnheiten, zu ihren persönlichen Sachen, zu

ihren Hobbys. Man lebt in der Klink mit den Regeln des Krankenhauspersonals,

mit den fixen Essenszeiten. Es gibt keine Freiheit mehr

und man wird von morgens bis abends kontrolliert. Es ist nicht immer

leicht, das zu akzeptieren.

Wie sieht Ihr aktuelles Reha-Programm aus?

Ich gehe viermal pro Woche zur Krankengymnastik im Wasser und

zum spezialisierten Physiotherapeuten neben meinem 80% Pen-


sum. Ich werde mich Ende dieses Jahres für zwei Wochen Intensivtherapie

nach Leukerbad begeben. Ich bin meinem jetzigen Chef,

Brigadier Thomas Kaiser, sehr dankbar, dass ich die Therapie fortsetzen

kann. Seit seiner Ankunft in der Brigade haben er und der Chef

der LBA, Divisionär Daniel Baumgartner, mich unterstützt. Zusätzlich

mache ich jeden Tag meine Übungen zu Hause.

Sie haben nach unzähligen Therapien und persönlichen Trainingseinheiten

noch immer Taubheitsgefühl in Ihren Füßen und Beinen.

Trotzdem kann man erfreut feststellen, dass Sie enorme Forstschritte

machen konnten. Kann man Prognosen für Ihre vollständige Genesung

machen?

Es gibt keine Prognose seitens der Ärzte. Ich hoffe auf eine komplette

Genesung. Ich bin noch immer sehr motiviert und werde niemals

aufgeben.

Von der Zeit nach dem Krankheitsausbruch reden Sie von Ihrem

«zweiten Leben». Was werden Sie nun anders machen?

«Wenn ihr glücklich sein wollt, dann seid es!» von Léon Tolstoi. Dies

war am Ende des letzten Jahres mein Leitspruch und ich glaube immer

noch an diese Devise. Ich geniesse jeden Augenblick des Lebens,

der Arbeit, mit der Familie und mit Freunden. Ich bin glücklich mit

mir selbst und würde nichts ändern.

Geschätzter Stabschef, wir danken Ihnen für das Gespräch und

wünschen Ihnen auf dem harten Weg zur vollständigen Genesung viel

Glück und weiterhin die nötige Geduld!

Foto: Major Philippe Matter/Log Bat 1

Was ist das Guillain-Barré-Syndrom?

Interview

Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine extrem seltene Erkrankung des

peripheren Nervensystems. In der Regel wird diese Autoimmunerkrankung

meist unbemerkt durch eine vorangegangene Infektion ausgelöst.

Bakterien (z. B. Salmonellen) oder Viren (z. B. Schnupfen, Grippe, Grippeimpfung

oder Kombinationsimpfungen) können ebenso wie chirurgische

Operationen Auslöser dafür sein. Charakteristisch beginnt das GBS einige

Tage oder Wochen nach einer Infektion mit allgemeiner Schche, zunehmenden

Empfindungsstörungen und Lähmungserscheinungen in Beinen

und Armen und führt aufsteigend eventuell sogar zu Atemstörungen, die

eine künstliche Beatmung notwendig machen können. Wegen der Gefahr

des Atemstillstands und eines möglichen Herzversagens ist für die ersten

Tage unbedingt die Intensivstation angezeigt. Zudem können auch die Gesichtsnerven

betroffen sein: Sehstörungen können in der Folge auftreten.

Die meisten Patienten werden wieder vollständig gesund. Das kann jedoch

Monate oder noch länger dauern. Pro Jahr erkranken von 100 000

Einwohnern etwa 1 bis 2. Dabei sind Männer im Verhältnis etwas häufiger

betroffen als Frauen.

Weitere Informationen:

www.gbsinfo.ch; Schweizerische Selbsthilfegruppe für GBS

«Du hast eine zweite Chance,

ein zweites Leben, nutze sie.»

Oberst i Gst François Thalmann wieder im Einsatz für die Log Br 1.

Foto: Major Philippe Matter/Log Br 1

armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11 21


22

Spit Bat 5

FDT 2011

Zurück

zum Ursprung

der Sanität – FDT

in Moudon

Wer hätte gedacht, dass er als Truppensanitäter je wieder in Moudon/VD Militärdienst leisten würde?

Bei vielen, die ihre RS in Moudon absolvierten, kamen einige Erinnerungen und Anekdoten hoch. Für

die anderen des Spitalbataillons 5 (Spit Bat 5) war der FDT 2011 eine gute Gelegenheit, die Romandie

etwas besser kennen zu lernen. Das vielfältige Programm bot Anlass dazu – einige Schlaglichter.

Hptm Matthias Erny, PIO, Spit Bat 5

Manch einer fragte sich beim Erhalt des Marschbefehls

für den diesjährigen FDT, ob er da nicht

etwa wieder für die RS aufgeboten würde, als

beim Einrückungsort «Moudon» vermerkt war.

Für viele der Truppensanitäter ist der Waffenplatz

Moudon ein Begriff. Sie haben ihre militärische

Laufbahn in diesem mittelalterlichen

Städtchen an der Broye im Kanton Waadt begonnen.

Die Rückkehr an diesen «historischen»

Ort war für viele mit Erinnerungen verbunden.

Doch der diesjährige FDT des Spitalbataillons

war keine «Klassenzusammenkunft», sondern

eine Ausbildung mit anspruchsvollen Zielen

und herausfordernden Übungen.

Fahnenübernahme in Murten

In würdevollem Rahmen übernahm das

Spit Bat 5 die Fahne auf der Pantschau in

Murten/FR. Der Kommandant, Oberstleutnant

Alessandro Rappazzo, konnte die Truppe

armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11

bei wunderbarem Sommerwetter begrüssen.

Zu den Ehrengästen zählten Brigadier Thomas

Kaiser, Kdt Log Br 1, Oberstleutnant Herbert

Barton, Kdt Spit S 41, und Thierry Casal, Kundenberater

im Armeelogistikcenter Grolley. In

seiner Rede verglich Oberstleutnant Rappazzo

den FDT mit einer Flugreise. Er betonte die

Ähnlichkeit: Gepäck vorbereiten, Check-in,

Platz einnehmen, Sicherheitsinstruktionen

etc. Nach der Fahnenzeremonie begab sich

das gesamte Bataillon auf einen Marsch auf

den Mont Vully entlang dem Murtensee mit

einem abschliessenden Nachtessen im Freien.

Referat zum Thema «Ein Jahrhundert

Militärgeschichte»

Im Rahmen einer Kaderausbildung nahm

Dr. Jürg Stüssi-Lauterburg, Chef Bibliothek

am Guisanplatz in Bern, das anwesende

Kader mit auf eine spannende Zeitreise

durch ein Jahrhundert Militärgeschichte.

Er sprach über die Gründung des Rotkreuzdienstes,

den Einfluss der beiden Weltkriege

auf die Entwicklung der Schweizer Armee

und schlug den Bogen zu den aktuellen

Bedrohungen, denen sich eine Armee heute

stellen muss. Im Besonderen beleuchtete

Dr. Stüssi-Lauterburg wie das Spannungsverhältnis

zwischen Autarkie und Isolation

die Schweizer Armee stets prägte.

Besuch Chefin RKD

Die Chefin des Rotkreuzdienstes, Oberst

Brigitte Rindlisbacher, besuchte unser Bataillon.

Sie machte sich ein Bild von der Truppe

und sprach mit den RKD-Soldatinnen.

Sanitätshilfsstelle mit Spitalsoldaten?

Innerhalb der Sanitätstruppen wird davon ausgegangen,

dass die Wahrscheinlichkeit eines


Patientenbetreuung auf der

Sanitätshilfsstelle (San Hist).

Foto: Hptm Matthias Erny/Spit Bat 5

Echteinsatzes in einem geschützten Militärspitals

schwindet. Daher gehört mittlerweile

die Ausbildung der Mobilen Sanitätshilfsstelle

(San Hist) zum Ausbildungsprogramm. Unter

fachkundiger Leitung von einem Sanitätsoffizier,

Oberleutnant Christoph Schlappbach,

lernten die Soldaten das System der San Hist

kennen. Innert Kürze konnten sie die Hilfsstelle

in Rekordzeit auf- und wieder abbauen.

U «HOTEL II+»

Anfang der dritten Woche stand für die

Truppe und das Kader die Übung «HOTEL

II+» an. Dabei handelte es sich um eine Weiterentwicklung

der Übung «HOTEL» vom

letzten FDT. Dieses Mal waren die Dilemmas

und die Distanzen grösser. Das Spit Bat 5

Foto: Oblt Christoph Schlapbach/San Kp 4

Patientenevakuation mit dem Helikopter. Fahnenübernahme in Murten/FR.

wurde dem Grundauftrag gemäss für die

Evakuation von (fiktiven) Patienten eingesetzt.

Zur Entlastung eines zivilen Spitals

musste eine Sanitätshilfsstelle aufgebaut

werden. Das vorgängige Training hatte sich

also gelohnt. Die Patienten wurden mit dem

«Super Puma» zur Hilfsstelle gebracht, von

wo sie in die provisorisch eingerichtete Hilfsstelle

transportiert wurden.

Fahnenabgabe in Avenches

Nach drei anstrengenden Wochen fand die

Fahnenabgabe im römischen Städtchen

Avenches/VD statt. Kommandant Rappazzo

Aufmarsch des Bataillons zur

Fahnenrückgabe in Avenches/VD.

Spit Bat 5

Foto: Hptm Matthias Erny/Spit Bat 5

bedankte sich bei der Truppe für den geleisteten

Einsatz. Drei Angehörigen des Bataillons

verlieh er seine Kommandanten-Münze mit

dem Emblem des Spit Bat 5. In der Fahnenrede

nahm der Kommandant nochmals die

Geschichte von der Flugreise auf. Dieses Mal

ging es um die Landevorbereitungen und die sichere

Landung des FDT. In seiner Rede blickte

unser Oberstleutnant auch in die Zukunft: Das

chste Jahr wird das Spit Bat 5 das Armeelager

für Behinderte in Fiesch/VS durchführen. Er

betonte, dass dieser Einsatz ein Echteinsatz,

und damit ein grosses Erlebnis sein wird. n

Foto: Hptm Matthias Erny/Spit Bat 5

armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11 23


Interview

Buchvorstellung

Der Kampf um Herzen und Köpfe:

psychologische Kriegsführung

Major Thomas Müller, stellvertretender Chef Kommunikation und Chef Medien der Logistikbrigade 1 (Log Br 1)

hat das im deutschen Sprachraum einzigartige Buch «Von Troja bis PSYOPS» über Facetten der psychologischen

Kriegsführung geschrieben. Darin werden unter anderem die Kraft der Manipulation und die menschlichen

Schwachpunkte im Kriegsumfeld verdeutlicht.

Thomas Müller arbeitet im Zivilen in der Management- und

Organisationsentwicklung und ist wissenschaftlicher Coach.

«Ich wusste in der Theorie, wozu PSYOPS

da sind – das hatte ich in der Schule

gelernt. Aber als ich PSYOPS aus erster

Hand erlebte, erkannte ich ihren Wert, der

weit grösser ist, als ich angenommen hatte.

In Zukunft werde ich mich vor jeder

Operation um PSYOPS kümmern.»

24 armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11

Foto: zvg

General H. Norman Schwarzkopf, Leiter der Koalitionstruppen

im zweiten Golfkrieg

Major Philippe Matter, Chef Kommunikation, Log Br 1

Bereits hunderte Jahre vor Christi Geburt findet man beispielsweise bei

Homer oder Sun Tsu literarische Hinweise der heute unter dem Begriff

der psychologischen Kriegsführung bekannten Propaganda. Der Ursprung

liegt aber noch viele Jahre weiter zurück, denn psychologische

Kriegsführung im weitesten Sinne ist so alt wie der Krieg selbst. Heute

sind «Psychological Operations» (PSYOPS) oder «Information Operations»

(Info Ops) nicht mehr aus Strategie und Taktik militärischer

Einsätze wegzudenken. Trotz des Begriffswandels, der Vielfalt und Modernisierung

der Mittel und Kanäle oder der grundsätzlichen Intensivierung

von Massnahmen in diesen Bereichen geht es heute wie damals

darum, das Denken, das Fühlen und das Verhalten des Zielpublikums

zu Gunsten der eigenen Truppen zu beeinflussen und damit gute Voraussetzungen

für erfolgreiche Kriegszüge zu schaffen. Es kommt somit

nicht von ungefähr, dass US-Generäle wie Westmoreland (Vietnam),

Schwarzkopf (Golf) oder Petreaus (Irak/Afghanistan) den Wert psychologischer

Kriegsführung erkannt haben und dieser schon während

der Einsatzplanung einen hohen Stellenwert einräumen.

«PSYOPS werden noch an

Bedeutung gewinnen.»

Major Thomas Müller, Buchautor und Chef Medien Log Br 1

Thomas Müller, ein Schweizer Offizier schreibt ein Buch über

Psychologische Kriegsführung, wie kamen Sie auf dieses Thema?

Wer sich mit den aktuellen Konflikten beschäftigt, begegnet oft den

«Psychologischen Operationen» (PSYOPS). Zudem kommt jemand,

der wie ich in der Armee verschiedenste Kommunikationsausbildungen

absolviert hat, immer wieder auf dieses Thema.

Worin liegt die Aktualität des Themas?

Nehmen Sie Libyen, dort haben Sie die Aufständischen, die Koalition

und Gaddafi. Alle drei setzen psychologische Massnahmen ein, um die

Gegenseite einzuschüchtern und zum Niederlegen der Waffen zu bewegen.

Zusätzlich geht es allen Parteien darum, in der Weltöffentlichkeit ihre

Sicht der Dinge, ihre Narrative durchzusetzen und den Gegner in ein

schlechtes Licht zu rücken. So werden Gaddafis Truppen Viagra-Exzesse

und Massenvergewaltigungen vorgeworfen, dieser selbst kontert mit

unschuldigen, zivilen Opfern von Bombardements der Koalition usw.

Psychologische Kriegsführung ist grundsätzlich nichts Neues. Was war

denn schon immer so wie heute und was ist wirklich neu?

Geblieben ist sicher die Psychologie des Soldaten, das Repertoire an Täuschungs-

und Beeinflussungsmethoden, das Stellen von Ultimaten u.ä.

Neu ist zum einen die Grössenordnung von PSYOPS; so warfen die Al-


liierten in den ersten beiden Tagen der Operation «Desert Storm» 40

Millionen Flugblätter ab. Neu sind zudem das Internet sowie Kommunikationstechnologien

und Plattformen wie Twitter oder Facebook. Da

machen selbst die Taliban mit, für welche die westliche Kommunikationskultur

lange Zeit des Teufels war. Mehr Gewicht als früher wird auch

auf die face-to-face-Kommunikation gelegt; sie gehört in Afghanistan

oder im Irak zum Pflichtenheft aller Truppengattungen, auch der Marines,

die man ja nicht unbedingt mit Kommunikation in Verbindung

bringt. Neu ist auch der sogenannte «cultural turn»: Man hat eingesehen,

dass man die Kultur der Gegenseite kennen muss, will man Einfluss

auf sie nehmen. Und schliesslich hat das Militär viel von der zivilen

PR gelernt, es lanciert mittlerweile hoch professionelle Kampagnen.

Wie gewährleisten Sie in Ihrem Buch den Praxisbezug, welcher der

Schweizer Armee fehlt?

Ich durfte eine ganze Zahl von Experten an Bord holen, z.B. einen

US-Sergeant, der 20 Jahre lang in der ganzen Welt PSYOPS gemacht

hat, einen deutschen General, der in den 90er Jahren ein wichtiger

Mann in den Jugoslawien-Einsätzen der Nato war und das Geleitwort

zu meinem Buch geschrieben hat, oder aktive Kommunikationsspezialisten

der Nato, der Bundeswehr, der britischen Army. Sie

und andere haben dazu beigetragen, dass ein ungeschöntes, realistisches

Bild von PSYOPS vermittelt wird.

Wie sieht die Zukunft im Bereich der PSYOPS aus, gibt es absehbare

Trends?

PSYOPS werden noch an Bedeutung gewinnen. Das hat nicht zuletzt

ökonomische Gründe: Sie kosten wenig Geld, haben aber einen grossen

Wirkungshebel. Und sie folgen natürlich dem Trend, in allen Gebieten

noch mehr PR und Marketing zu betreiben. So ist mitunter

von «Kriegsmarketing» die Rede. Kein Wunder, dass sich auch zivile,

hochprofessionelle Firmen dem Militär andienen.

Können Sie uns diesbezüglich eine persönliche Einschätzung aus

Schweizer Optik abgeben?

Wir tun uns – nicht zuletzt wegen unserer einzigartigen sicherheitspolitischen

Stellung – etwas schwer mit dem Thema. Unter der Bezeichnung

«Operationelle Informationsführung» wird gegenwärtig

an einer entsprechenden Doktrin gearbeitet.

Major Müller, herzlichen Dank für Ihre Ausführungen. Wir bleiben

gespannt und beobachten die künftigen Entwicklungen im Bereich der

PSYOPS im In- und Ausland.

Das Buch zum Thema

Thomas A. Müller, «Von Troja bis PSYOPS. Facetten der psychologischen

Kriegsführung», ibidem Verlag, Stuttgart 2011.

Der «cultural turn» – wie komme ich ans Zielpublikum heran.

Interview

Flugblatt der Koalition, abgeworfen über Stellungen der Gaddafitreuen

Truppen, ein unmissverständliches Ultimatum.

Copyright: H. Friedman

Copyright: H. Friedman

armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11 25


Log Bat 21

FDT 2011

Ein junges Bataillon greift auf die lange

Erfahrung seiner Soldaten zurück

Die Fusion der beiden Mobilen Logistikbataillone 21 und 22 (Mob Log Bat 21 und 22) führte

dieses Jahr zur Gründung des neuen Logistikbataillons 21 (Log Bat 21), das seinen ersten FDT im

September in der Region Freiburg absolvierte.

Fachof (Hptm) Damien Magnenat, PIO, Log Bat 21

Somit haben die Soldaten und die Kader der

beiden ehemaligen Formationen neue Bekanntschaften

gemacht und gemeinsam an

der Erfüllung ihrer Mission gearbeitet. «Wie

am Anfang des Kurses erhofft, haben wir es

geschafft, unsere Kräfte zu vereinen. Die Zusammenarbeit

und die gute Verständigung,

die es in den letzten drei Wochen gab, haben

mich beeindruckt», unterstrich Oberstlt i

Gst Simon Urfer. Urfer hat die Führung des

Bataillons übernommen, nachdem er das

Mob Log Bat 22 bereits zuvor geführt hatte.

Logistische Einsätze in der ganzen

Schweiz

Die Instandhaltungskompanie 21/2 (lh Kp

21/2) hatte eine Vielzahl an Einsätzen für

die Logistikbasis der Armee (LBA) erfüllt.

Dies fand an den Hauptstandorten der Armeelogisitkcenter

des Landes, in Grolley/FR,

in Thun/BE und in Hinwil/ZH statt. Einige

Instandhaltungsdetachemente wurden jedoch

auf andere Standorte verteilt, um dort

mehrere Fahrzeuge zu reparieren. Unter

den Fahrzeugen waren Duros, Puchs und

Piranhas.

Eine Besonderheit, die in den vorherigen

FDT noch nicht getestet wurde, war

die Unterstützung der Ih Kp in Monte

Ceneri/TI und in Brienzwiler/BE durch

einen Nachschubzug mit dem Ziel, mehr als

30 000 persönliche Waffen zu serialisieren.

Die LBA ist nun dank der wertvollen Arbeit

der AdA des Log Bat 21 in der Lage, diese

Waffen ins Informatik-/Computersystem

aufzunehmen und somit die Datenbank zu

ergänzen.

Die Stabskompagnie mit Sitz in Kerzers/

FR hat ihrerseits zusammen mit dem

Bataillonsstab die Übung «PRONTLOG»

durchgeführt. Eine 1:1-Übung, bei der es

darum ging, die Sicherheit des Armeelogis-

26 armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11

tikcenters in Grolley zu unterstützen. «Wir

haben in dieser Übung den Schwerpunkt auf

den Wachtdienst gelegt, was eine hervorragende

Wiederholung für alle Soldaten war»,

erklärte der Bat Kdt in seiner Rede anlässlich

der Fahnenübergabe. Die Fahnenübergabe

fand am vergangenen 28. September am Ufer

des Murtensees statt. Total wurden während

des FDT 2011 mehr als 5 400 Arbeitsstunden

für die LBA durchgeführt.

Die «Patrouille des Glaciers 2012»

chstes Jahr hat das Log Bat 21 das Glück,

eine eindrückliche Erfahrung zu machen.

Es wird die Logistik der «Patrouille des

Glaciers» gewährleisten, zusätzlich zu

den logistischen Missionen innerhalb der

LBA. Das Bataillon wird also wieder in

der Region Freiburg stationiert sein und

die Detachemente der Ih Kp 21/2 werden

auf verschie dene Logistikzentren verteilt.

Die Nachschubkompanie 21/1 (Ns Kp

21/1) wird ihrerseits mehrere Missionen

für die «Patrouille des Glaciers» erfüllen,

welche vom 25. bis 28. April 2012 zwischen

Zermatt/VS, Arolla/VS und Verbier/VS

stattfindet.

Eine wahre Herausforderung für den

Kommandanten

Der Bat Kdt muss die Herausforderung antreten,

bis zum April zwei neue Offiziere an

der Spitze der Stab Kp und Ih Kp 21/2 zu

integrieren. Hptm Sergio Devito und Hptm

Alexandre Brun werden nämlich Ende Jahr

von ihren jetzigen Funktionen als Kompaniekommandanten

zurücktreten, da beide

in einen Bataillonsstab wechseln.

Auch wenn das Log Bat 21 erst seinen

ersten FDT absolviert hat, so greift es doch

auf die solide Erfahrung seiner Soldaten

und seiner Kader zurück. Diese konnten

ihre wertvollen Kompetenzen auf allen

Führungsebenen hervorheben.

Mit Bezug auf den Mut der Eidgenössischen

Armee, welche sich wacker gegen Karl

den Kühnen in der berühmten Schlacht bei

Murten geschlagen hat, beendete der Bat Kdt

seine Ansprache mit einer optimistischen

Anmerkung: «Es liegt mir am Herzen, Ihnen

meinen grossen Dank für die geleistete Arbeit

auszudrücken. So wie unsere Vorfahren sich

vereint haben, um aus der Schweiz gemeinsam

eine der stärksten Wirtschaften der Welt

zu machen, so hoffe ich, dass Sie lange den

Geist und den Wunsch behalten, gemeinsam

Aufgaben zu erfüllen, zum Wohle und zur

Entwicklung unseres Landes.» n

Das Log Bat 21 im Internet

Bilder der gesamten Tätigkeiten des Bat im

diesjährigen WK 2011 sind auf der Internetseite

http://www.batlog21.ch in den Ausgaben des

«Blog21» zu finden


Stabsadj A. Merlo bei der Fahnenübergabe.

Der Bat Kdt, Oberst i Gst Simon Urfer.

Diesen September herrschten ideale Bedingungen für den 15-km-Marsch.

Log Bat 21

Die Instandhaltungsdetachemente haben viele Fahrzeuge wieder in Stand gebracht – in den Logisitkcentern von Grolley/FR, Hinwil/ZH und Thun/BE.

Fotos: Sdt Etienne Zeller/Stabskp, Gfr Sven Romanens/Ih Kp 21/2

armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11 27


San Log Bat 81

FDT 2011

Man stelle sich vor, es wäre

«Mobilmachung» und niemand ginge hin …

nicht so beim San Log Bat 81!

Auch wenn das Mobilmachungskonzept der Armee 61 nicht mehr existiert und durch das System der abgestuften

Bereitschaft abgelöst wurde, hätte es in den vergangenen Jahren tatsächlich «Mobilmachung» heissen

können – ob alle auf Anhieb gewusst hätten, was zu tun ist? Der aus dem Dienstbüchlein entfernte farbige

«Mobilmachungs-Info-Zettel» erlebte im diesjährigen FDT ein virtuelles Comeback.

Fachof (Hptm) Marco Venneri, PIO, Stab San Log Bat 81

Mobilmachung – was bedeutet dies für die Truppe, das Kader und

die Logistik? Im FDT 2011 durften die Sanitätslogistikkompanie 81/2

(San Log Kp 81/2) und der Bataillonsstab im Rahmen der Truppenübung

«PRONTOPHA» erfahren, was Mobilmachung heisst. Hinter

dem Namen «PRONTOPHA» verbarg sich eine aufwändige, komplexe

und intensive Mobilmachungstruppenübung, bei welcher es galt,

die Einsatzbereitschaft von 0 auf 100% hochzufahren.

Mobilmachung und Erstellung der Grundbereitschaft

Unser Bataillonskommandant, Oberstlt i Gst Marcel Bürgisser, erteilte

im Rahmen der Befehlsausgabe dem Kdt San Log Kp 81/2, Major

Thomas Wysseier, den Auftrag zur Mobilisierung und der Erstellung

der Einsatzbereitschaft. In der Folge bot Major Wysseier rund 145

AdA zum Erstellen der Grund- und Einsatzbereitschaft auf. Oberstlt

i Gst Bürgisser konnte anlässlich einer Ablaufkontrolle befriedigt

Befehlsausgabe.

28 armee.ch Logistikbrigade 1 2 / 11

Fotos: Fachof (Hptm) Marco Venneri/Stab San Log Bat 81

feststellen, dass die AdA der San Log Kp 81/2 geordnet, pünktlich

und mit kompletter Ausrüstung am Bahnhof Frutigen/BE einrückten.

Alles war nach der Befehlsausgabe zweckmässig vorbereitet und

umgesetzt worden: Checkpoint am Bahnhof, Materialausgabe, Auszahlung

der Verpflegungsentschädigung, Soldausgabe, usw. Nach

dem ersten Truppenbesuch konnte man sagen: Der Start ist geglückt.

Flexibilität war gefordert – Wir lieferten

Im Verlauf der Übung galt es, verschiedene Aufträge zu Gunsten der

Armeelogistik zu erfüllen. So musste noch während des Erstellens der

Grund- und Einsatzbereitschaft ein Teil der Truppe Logistikaufträge

der Armeeapotheke ausführen. Ein weiteres Detachement wurde ins

Wallis beordert, um den Transport zu Gunsten des Kommandos des

Höheren Unteroffizier Lehrgangs zu unterstützen. Last but not least

änderten die Auflagen und Rahmenbedingungen laufend, was die

Truppe immer wieder vor neue Herausforderungen stellte.

Logistik stellt hohe Anforderungen

Durch die Truppenübung «PRONTOPHA» konnte jeder AdA in seiner

Funktion stufengerecht erfahren, welche Punkte bei einer Mobilmachung

für die Truppe und Kader wichtig sind: Schnelles und überlegtes

Handeln, gute Koordination und Planung, klare Anweisungen

und gemeinsames Anpacken, um die hohen Anforderungen an die

Logistik erfüllen zu können.

Unser Brigadier war zufrieden

Bei der Schlussbesprechung mit dem Brigadekommandanten, Brigadier

Thomas Kaiser, wurde die Leistung der Truppe positiv hervorgehoben.

Mit seiner Bewertung von gut bis sehr gut konnte das San

Log Bat 81 zufrieden sein und erhielt somit die Bestätigung, dass das

Zusammenspiel zwischen Kader und Truppe bestens funktionierte

und der Grundstein für eine umfassende Auftragserfüllung zu Gunsten

der Armeelogistik gelegt ist. n


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2 Weiterentwicklung der Armee Botschaft des Chefs der Armee

3 Drohnen der Luftwaffe unterstützen das Grenzwachtkorps

4 Die Armee vor dem WEF-Einsatz 2012

6 Volltruppenübung STABANTE Die Luftwaffe zieht Bilanz

8 Unwetter-Einsatz in den Kantonen Bern und Wallis

8 Ein Beruf in der Armee: vielseitig und interessant

4 World Economic Forum 2012

Die Armee bereitet sich auf ihren nächsten

Einsatz in Davos vor


Weiterentwicklung der Armee

100 000 Armee-Angehörige

und 5 Milliarden Franken

pro Jahr: Das sind die Eckwerte

für die Weiterentwicklung

der Armee.

2 armee.ch 2 / 11

Foto: ZEM

Geschätzte Angehörige unserer Milizarmee

Bestimmt haben Sie zur Kenntnis genommen, dass National- und

Ständerat in der vergangenen Herbstsession einen eminent wichtigen

Entscheid zugunsten unserer Milizarmee gefällt haben: Mit dem

Ja zu einem Sollbestand von 100 000 Armee-Angehörigen und dem

Ja zu einem Plafond von 5 Milliarden Franken sind die Eckwerte für

die Planung der Weiterentwicklung der Armee bekannt. Wir können

also ans Werk gehen!

Unsere Arbeit hat unverändert das Ziel, Leistungen, Ressourcen und

Aufträge unserer Milizarmee ins Gleichgewicht zu bringen. 100 000

Soldaten bedeuten gegenüber dem heute gültigen Bestand faktisch

immer noch eine massive Reduktion um rund 50 Prozent. Selbstverständlich

folgen wir dem Primat der Politik. Dabei haben wir jedoch

die Pflicht, immer wieder darauf aufmerksam zu machen, dass

die Armee kein Selbstzweck ist: Unsere Aufgabe ist der Schutz von

Land und Leuten – wir erbringen einen «Service public». Und lassen

Sie mich diesbezüglich unmissverständlich festhalten: Die Sicherheit

von Land und Leuten ist kein Luxus!

Unverändert bleibt auch, was ich an dieser Stelle bereits im Juni festgehalten

habe: Jede und jeder von Ihnen hat Anspruch auf eine Ausrüstung,

mit der die gestellten Aufgaben erfüllt werden können. Das

heisst auch, dass wir im Gesamtsystem Armee Prioritäten setzen und

auch in Zukunft sparen müssen. Silodenken in Teilbereichen werde

ich nicht akzeptieren! Wir sind also in der Pflicht und müssen den

Tatbeweis antreten, dass wir das feine Zeichen des Parlamentes schätzen.

Ebenso müssen wir dem damit verbundenen Vertrauen gerecht

werden – insbesondere, was den umsichtigen Umgang mit den uns

anvertrauten Steuerfranken anbetrifft.

Unverändert bleibt zuletzt auch: Alle Angehörigen der Armee, die eine

Rekrutenschule, einen Wiederholungskurs oder einen Lehrgang

absolvieren, können dies im Bewusstsein tun, dass ihre Leistung heute

und auch in Zukunft nützlich und notwendig ist.

Ich danke Ihnen für Ihr geleistetes und künftiges Engagement zugunsten

einer glaubwürdigen Schweizer Armee und zugunsten von

Sicherheit und Freiheit.

Korpskommandant André Blattmann, Chef der Armee


Drohnen an der Grenze

Den Kriminellen voraus

Die Armee leistet seit rund sieben Jahren den Einsatz EAGLE zugunsten des Grenzwachtkorps: Weitgehend unbemerkt wird

dabei mit den Drohnen des Aufklärungsdrohnensystems 95 (ADS 95) die grüne Grenze aus der Luft überwacht.

David Marquis, Kommunikation Luftwaffe

Irgendwo im Kanton Schaffhausen: Ein

Kleinbus mit Schmuggelware umfährt die

Strassenkontrolle des Grenzwachtkorps weiträumig.

Er wurde von einem Erkundungsfahrzeug

vorgewarnt und hat seine Route deshalb

kurzfristig geändert. Doch dann werden

die gewerbsmässigen Schmuggler von einer

mobilen Patrouille des Grenzwachtkorps

(GWK) angehalten und kontrolliert. Möglich

macht dies der Einsatz EAGLE der Armee.

«Mit den Infrarotkameras der Drohnen können

wir feststellen, wenn jemand vor einer

Kontrolle wendet und diese zu umfahren

versucht. Wir setzen dann die mobile Patrouille

auf ihn an und dirigieren diese anhand

der Drohnenbilder», erklärt Wachtmeister

Thomas Biber vom Grenzübergang Thayngen

(SH), der gleichzeitig als Drohneneinsatzleiter

GWK (DELG) fungiert.

Die Arbeitsweisen kennen

Oberst im Generalstab Othmar Flückiger,

Kommandant des Drohnenkommandos in

Emmen, erklärt: «Gut ausgebildete DELG

sind für uns wichtig. Erfolgreiche Einsätze

sind nur möglich, wenn man eine gemeinsame

Sprache spricht und die Arbeitsweise

seiner Partner kennt.» Heute seien zwei Einsatzvarianten

möglich. Entweder sitzt der

DELG direkt in der Bodenkontrollstation neben

dem Piloten und dem Nutzlastoperateur.

Von dort aus führt er auch gleich die mobile

Patrouille am Boden. Die zweite Variante ist,

dass sich der DELG in seiner eigenen Einsatzzentrale

befindet, wo ihm das Drohnenbild

zur Verfügung steht. Er hält den Kontakt

mit dem Nutzlastoperateur dabei über

eine Sprechverbindung. «Beide Varianten

haben ihre Vorteile. Sitzt der DELG in der

Bodenkontrollstation, ist der Kontakt zur

Drohnencrew direkter. Bleibt er in seiner

Einsatzzentrale, fallen oft lange Anfahrtswege

weg», erklärt Oberst im Generalstab

Flückiger. So oder so sei der enge Kontakt

zum DELG essenziell: «Die detaillierten

Geländekenntnisse der Grenzwächter sind

unabdingbar.»

Das Mittel für die Nacht

Brigadier Jürg Noth, Kommandant des

Grenzwachtkorps, betont: «Die Drohnen sind

ein wichtiges Mittel zur Bekämpfung von

organisiertem Schmuggel und grenzüberschreitender

Kriminalität. Dazu gehört auch

Einsatz

die Schleusungskriminalität.» Zusammen

mit dem ebenfalls mit einer Infrarotkamera

ausgestatteten FLIR-Helikopter der Luftwaffe

bilde die Drohne die fliegende Komponente in

der Nacht. «Wir wünschen uns deshalb, dass

das ADS 95 rechtzeitig durch ein Nachfolgesystem

abgelöst wird, damit uns diese Kapazität

erhalten bleibt», sagt Brigadier Noth.

Die einzige Alternative wäre aus seiner Sicht

ein erheblicher Ausbau der FLIR-Kapazitäten

der Luftwaffe, die schon heute knapp sind.

Doch man dürfe diese beiden Mittel keinesfalls

gegeneinander ausspielen: «Wir setzen

sie komplementär ein und möchten keines

davon missen, zumal die Zusammenarbeit

sehr erfolgreich und zuverlässig verläuft.» n

Wachtmeister Thomas Biber vom Grenzwachtkorps (links) und Oberst im Generalstab

Othmar Flückiger von der Luftwaffe in einer Bodenkontrollstation.

Foto: David Marquis

armee.ch 2 / 11 3


Einsatz

«Wir sind im Zeitplan, das WEF kann kommen»: Divisionär Jean-Marc Halter, Chef des Führungsstabs der Armee und Kommandant

des subsidiären Sicherungseinsatzes anlässlich des WEF.

Die Armee vor dem WEF-Einsatz 2012

«Die Miliz bringt neue Ideen

und frischen Wind»

Vom 25. bis 29. Januar findet das World Economic Forum (WEF) 2012 statt. Die Armee wird den Kanton Graubünden

bei der Gewährleistung der Sicherheit wiederum mit rund 4000 Soldaten unterstützen. Ein Einsatz, der für die

Armee schon beinahe Tradition hat. Also läuft alles «gäng wie gäng»? – Ein Gespräch mit Divisionär Jean-Marc Halter,

dem Chef Führungsstab der Armee und Verantwortlichen für die Einsätze der Armee.

Interview: Stefan Hofer, Chef Kommunikation Führungsstab der Armee

Herr Divisionär, in wenigen Wochen beginnt für die Armee der

WEF-Einsatz. Wo stehen Sie mit Ihren Vorbereitungen?

Für uns ist nach dem WEF immer auch vor dem WEF. Anders gesagt:

Nach dem WEF 2011 haben wir unseren Einsatz analysiert und nach

Verbesserungs- und Sparpotenzial gesucht. Die groben Leitplanken

für den WEF-Einsatz 2012 haben wir mit der Befehlsausgabe auf der

operativen Stufe im vergangenen Frühjahr gesetzt. Seither arbeiten

wir gemeinsam mit den für den Einsatz vorgesehenen Verbänden

und unseren zivilen Auftraggebern an der Verfeinerung und weiteren

Optimierung. In diesen Wochen hat zudem die Bereitstellung des

Materials begonnen, und kurz nach Neujahr wird für die ersten

Armee-Angehörigen der Einsatz beginnen. Anders gesagt: Wir sind

im Zeitplan, das WEF kann kommen.

4 armee.ch 2 / 11

Wie lautet der konkrete Auftrag an die Armee?

Unsere Aufgaben können grob in drei Blöcke gefasst werden: Erstens

haben wir eine subsidiäre Leistung zugunsten des Kantons Graubünden

zu erbringen. Dieser kann die notwendigen Sicherheits- und

weitere Massnahmen rund um das WEF aufgrund des Umfangs und

der benötigten Mittel ohne Unterstützung durch die Armee nicht

sicherstellen. Das betrifft zum Beispiel Leistungen in den Bereichen

Sicherheit und Sanität. Eine zweite Aufgabe ist die Unterstützung anderer

Bundesstellen und des Kantons bei den Sicherheitsmassnahmen

für völkerrechtlich geschützte Personen. Und drittens geht es darum,

die Massnahmen des Bundes zur Wahrung der Lufthoheit – sprich den

Luftpolizeidienst – zu intensivieren. Diese Aufgabe ist dauernd und

ausschliesslich dem Bund, also konkret der Armee, zugewiesen. All

diese Leistungen kann nur die Armee als einzige strategische Reserve

unseres Landes erbringen.

Foto: Urs Müller/FST A


Zur Person

Divisionär Jean-Marc Halter (53) ist seit dem 1. Oktober 2010 Chef des

Führungsstabs der Armee. In dieser Funktion führt er sämtliche Einsätze

der Schweizer Armee, soweit sie nicht an die Teilstreitkräfte oder Kompetenzzentren

delegiert werden. Jean-Marc Halter ist gelernter Sekundarlehrer

phil. I, verheiratet und Vater von drei Kindern (14, 17 und 20 Jahre

alt). Dieses Jahr feiert er sein 25-Jahr-Dienstjubiläum in der Armee.

Was wird 2012 anders als in früheren Jahren?

Unser Auftrag ist mit wenigen Abweichungen derselbe wie in den

vergangenen Jahren. Veränderungen wird es vor allem beim «Wie»

geben, also bei der Art und Weise, wie wir die geforderte Leistung

erbringen. Ohne gleich sämtliche Details auf den Präsentierteller legen

zu wollen: Dabei handelt es sich etwa um Änderungen in der

von uns genutzten eigenen Infrastruktur. So steht uns 2012 die Kaserne

Chur wegen anderer Belegung nicht zur Verfügung. Wir haben

aber in Thusis einen guten Ersatz gefunden, ebenfalls in eigener

Infrastruktur. Aufgrund der gesammelten Erfahrungen können wir

zudem die Anzahl Trainingstage der Luftwaffe vor dem WEF auf einen

reduzieren. Davon profitiert die Zivilluftfahrt, da der Luftraum

weniger lang eingeschränkt werden muss.

«Unser grosser Vorteil ist die Erfahrung, die

wir in den vergangenen Jahren sammeln

konnten. Sie erleichtert die Abläufe und

ermöglicht Einsparungen.»

Am WEF 2011 hat die Armee bis zu 4000 Armee-Angehörige

eingesetzt. Was ist für 2012 geplant?

Der Parlamentsbeschluss sieht für die Armee-Einsätze im Rahmen

der WEF 2010, 2011 und 2012 eine Obergrenze von je 5000 Armee-

Angehörigen vor. In den drei Jahren davor lag diese Obergrenze noch

bei 6500 Armee-Angehörigen. 2012 werden wir voraussichtlich etwa

gleich viele Soldaten benötigen wie dieses Jahr. Davon werden wiederum

mehr als 90 Prozent Angehörige der Miliz sein.

Jedes Jahr bauen Angehörige der Armee in Davos rund 30 Kilometer

Zäune auf. 2012 dauert der Assistenzdiensteinsatz der Armee zugunsten

des Kantons Graubünden vom 16. bis 30. Januar.

Foto: Ueli Liechti/ZEM

Einsatz

Wird diese Zahl in Zukunft wieder grösser oder eher noch kleiner

werden?

Das ist von mehreren Faktoren abhängig: Von der Bedrohung, vom

konkreten Auftrag an die Armee und nicht zuletzt von einem neuen

Parlamentsentscheid. All das steht heute noch nicht fest.

Wo bringen Sie eigentlich diese grosse Anzahl Soldaten unter?

Die Angehörigen der Luftwaffe können grösstenteils in den Truppenlagern

unserer Flugplätze untergebracht werden. Etwas anders

sieht die Situation im Kanton Graubünden aus. Seit 2008 können

wir ein grossen Teil dieser Armee-Angehörigen in einer derzeit nicht

genutzten Klinik in Davos unterbringen, die wir jeweils anmieten.

Mit dieser zentralen Unterbringung und Verpflegung können wir

seither Jahr für Jahr mehr als 250 000 Franken sparen. 2012, 2013 und

vermutlich auch 2014 steht uns diese Klinik wieder zur Verfügung.

Wie es danach weitergeht, ist noch offen.

Die Armee baut Jahr für Jahr in und um Davos rund 30 Kilometer

Zäune auf, und auch sonst stehen gewaltige Mengen an Material im

Einsatz: Fahrzeuge, Stacheldraht, Container, Zelte, Sandsäcke und so

weiter. Woher kommt dieses Material?

Die Logistik ist in der Tat eine unserer grössten Herausforderungen.

Dank der Arbeit der Truppe und der Mitarbeitenden der Logistikbasis

der Armee haben wir sie wieder recht gut im Griff. Zum Glück verfügen

wir mit der Aussenstelle Frauenkirch des Armeelogistik-Centers

Hinwil nahe bei Davos über eine Infrastruktur, in welcher wir einen

Teil des fürs WEF benötigten Materials ganzjährig einlagern können.

Es kommt deutlich günstiger, dieses bei Bedarf ab Davos in die

restliche Schweiz zu transportieren, als es jährlich von verschiedenen

Standorten aus wieder in Davos zusammenführen zu müssen.

Das WEF stand lange Zeit stark im Fokus der Öffentlichkeit. Die

Sicherheitsmassnahmen wurden insbesondere nach 9/11 verschärft.

In den letzten ein, zwei Jahren scheint das Interesse etwas nachgelassen

zu haben. Wo liegen heute im Bereich der Sicherheit die grössten

Herausforderungen?

Unser grosser Vorteil ist die Erfahrung, die wir in den vergangenen

Jahren sammeln konnten. Sie erleichtert die Abläufe und ermöglicht

Einsparungen. Andererseits ist es genau diese Routine, die zu einer

gewissen Trägheit verleiten kann: Die Gefahr des Verfallens ins

Schema «gäng wie gäng» ist vorhanden. Wir bemühen uns sehr, diese

Falle zu umgehen, und ich bin dankbar für die Miliz, die hier immer

wieder für neue Ideen und frischen Wind sorgt. n

Auch 2012 stehen anlässlich des WEF wieder maximal 5000 Armee-

Angehörige im Einsatz. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem

das Installieren und Betreiben von Überwachungssystemen.

Foto: Ueli Liechti/ZEM

armee.ch 2 / 11 5


Übung

Volltruppenübung STABANTE

Schlagkräftiger Verbund

Zum ersten Mal nach zwölf Jahren führte die Luftwaffe in der ersten Oktoberwoche eine Volltruppenübung

durch. Ein Einsatzverband Luft, bestehend aus Fliegern, Fliegerabwehr und Führungsunterstützung, wurde auf

allen Stufen beübt – vom Divisionär bis zum Soldaten.

David Marquis, Kommunikation Luftwaffe

In der virtuellen Welt der Volltruppenübung

STABANTE spielte das Volk der Volpodinger

eine Schlüsselrolle. Um die Situation dieses

auf verschiedene europäische Länder verteilt

lebenden Volkes zu klären, führte Helvetia

in Adelboden eine Konferenz durch. Bis

hierher bewegte sich die helvetische Luftwaffe

während der Übung auf gewohntem

Terrain – schliesslich hat die Schweizer Luftwaffe

auch in der realen Welt immer wieder

Konferenzen zu schützen, sei es das World

Economic Forum (WEF) in Davos oder der

Frankophonie-Gipfel in Montreux.

Neu war bei STABANTE die angespannte

Lage, versuchte doch eine geheimnisvolle

Gruppierung mit dem Namen ADROC, die

Konferenz mit allen Mitteln zu verhindern.

Für die ab dem Tagesstandort St. Stephan

im Simmental operierenden Helikopterbesatzungen

hiess dies, dass sie jederzeit mit

Angriffen mittels tragbarer Fliegerabwehr-

Lenkwaffen zu rechnen hatten. Noch angespannter

war die Lage für den Bereich

Luftverteidigung: Das Flugplatzkommando

Meiringen setzte F/A-18 Hornet, F-5 Tiger

und Pilatus PC-7 ein, um den Luftraum über

dem Konferenzort Adelboden zu schützen.

Rund um die Flugplätze von Meiringen und

St. Stephan sowie in Adelboden verstärkte die

Fliegerabwehr das Dispositiv mit Lenkwaffen

und Kanonen.

Angriffe aus der Luft

Die Übungsleitung hatte sich für STABANTE

nicht nur ein komplexes Umfeld ausgedacht,

sie legte auch beim Spektrum der supponierten

Angriffe eine grosse Kreativität an den

Tag. Immer wieder näherten sich Flugzeuge

in feindlicher Absicht dem Flugplatz Meiringen

und dem Konferenzort. Dabei musste

die beübte Truppe wahrlich das Unerwartete

erwarten. Schon der erste Eindringling in den

gesperrten Luftraum war kaum vorherzusehen:

eine Morane D-3800 aus dem zweiten

Weltkrieg.

Mehrere Angriffe erfolgten mit Pilatus

PC-9. Ein Pilot schaffte es mit diesem Flugzeug,

Meiringen in einem solch perfekten

Tiefflug zu erreichen, dass er dabei nie auf

6 armee.ch 2 / 11

den Radarschirmen auftauchte. Erst die Fliegerabwehr

erkannte das Ziel und bekämpfte

es erfolgreich. Auch derchtliche Angriff

mit einer Drohne stellte eine neue Bedrohungsform

dar. Erstmals flog die Luftwaffe

einen Luftpolizeieinsatz auf ein unbemanntes

Flugzeug, identifizierte die Drohne und

bekämpfte sie anschliessend mit der Fliegerabwehr.

Schliesslich flog sogar noch ein

historischer Vampire-Kampfjet einen Angriff

auf Adelboden – auch dieser ohne Erfolg.

Entführte Kommandanten

Die supponierten Ereignisse beschränkten

sich nicht auf den Luftraum. Auch die Truppe

am Boden stand vor diversen Herausforderungen.

Eine Regierungsdelegation aus dem

fiktiven Danubien, die auf dem Flugplatz

Meiringen notlanden musste und dort Asyl

beantragte, war noch eines der kleineren Probleme.

Die beiden Piloten, die in St. Stephan

einen Super Puma zu entwenden versuchten,

sorgten für etwas mehr Aufregung. Dass

die ADROC zudem immer wieder Soldaten,

aber auch Kommandanten entführte,

machte die Auftragserfüllung nicht einfacher.

Nach knapp hundert Übungsstunden

dürften die meisten der über 4000 beübten

Angehörigen der Armee aufgeatmet haben,

als die Übung mit dem Befehl «STABANTE

FINITO» abgebrochen wurde. Die Konferenz

in Adelboden war erfolgreich verlaufen: Für

das Volpodinger-Problem hatte man eine

Lösung finden können.

Vom Divisionär bis zum Soldaten

Wieso hat die Luftwaffe nach mehr als einem

Jahrzehnt wieder eine solch aufwendige

Übung durchgeführt? «STABANTE hat der

Luftwaffe ermöglicht, ihre definierten Einsatzkonzepte

vollumfänglich anzuwenden

und sich somit auf die Armee-Übung STA-

BILO DUE vom nächsten Jahr vorzubereiten»,

erklärt Oberstleutnant im Generalstab

Pierre-Yves Eberlé, Projektleiter STABANTE.

Im Mittelpunkt dieser Überprüfung standen

die Prozesse der Stabsarbeit sowie deren

Umsetzung bei der Truppe. Somit wurden

von Divisionär Bernhard Müller, Chef Einsatz

Luftwaffe, der während der Übung den

Einsatzverband Luft führte, bis hinunter

zum Kanonier an der Flab-Kanone oder

dem Nachrichtensoldaten im Gelände alle

Hierarchiestufen beübt.

Die Übungsleitung oblag dem Vorgesetzten

von Divisionär Müller, Korpskommandant

Markus Gygax, Kommandant

der Luftwaffe. «Es hat sich gezeigt, dass

Volltruppenübungen notwendig sind. Das

Zusammenspiel von Fliegern, Fliegerabwehr

und Führungsunterstützung muss im Einsatz

trainiert werden und nicht nur bei einer

Stabsübung. Deshalb erachte ich STABANTE

als sehr wertvoll», sagte er unmittelbar nach

Übungsabbruch. Die Übung habe aufgezeigt,

dass einige Schnittstellen noch verbessert

werden müssten. «Die Luftwaffe funktioniert

als Verbund. Aber es gibt Verbesserungspotenzial.

Dieses zu erkennen, war unser Ziel.»

Aus Fehlern lernen

Als nächster Schritt geht es nun darum, den

Schlussbericht zu erstellen. Anschliessend

sollen daraus konkrete Verbesserungsmassnahmen

abgeleitet werden. Dies sei auch möglich,

weil eines der Übungsziele, nämlich zu

Fehlern zu stehen und sofort Korrekturmöglichkeiten

zu suchen, klar erreicht worden

sei: «Es war eine Freude zu sehen, wie Profis

und Miliz mit vollem Einsatz bei der Sache

waren», betonte Korpskommandant Gygax.

«Der Wille zum Erfolg war überall zu spüren,

wofür ich mich herzlich bedanke!» Und er

fügte unmittelbar nach STABANTE eine

weitere Feststellung an: «Die Notwendigkeit

von Volltruppenübungen ist auch in Zukunft

klar gegeben. Über die Häufigkeit der Durchführung

muss noch diskutiert werden.» n

Foto: Sdt Fabian Biasio


Der Militärflugplatz Meiringen wurde mit Fliegerabwehr-Kanonen

geschützt.

Foto: Wm Patrick Suvada

Ein Posten der Führungsunterstützung in einem Simmentaler

Maiensäss.

Übung

Foto: Sdt Fabian Biasio

armee.ch 2 / 11

7


Unwetter-Einsatz der Armee

Nach den Unwettern vom 10. Oktober 2011 hat die Schweizer Armee

die Kantone Bern und Wallis mit einem mehrere Wochen andauernden

Katastrophenhilfe-Einsatz unterstützt. Im Kandertal halfen rund

60 Armee-Angehörige unter anderem aus dem Katastrophenhilfe-Bereitschaftsverband

und der Rettungsschule 76 bei der Beseitigung der

Überschwemmungsschäden. Sie stabilisierten mit schweren Baumaschinen

das Bachbett der Kander und räumten Schwemmgut weg. Zudem

bauten sie in Mitholz auf dem Gemeindegebiet von Kandergrund

eine Notbrücke. Diese soll für längstens eineinhalb Jahre im Gebrauch

sein, bis sie durch eine neue zivile Brücke ersetzt werden kann.

Im Lötschental waren 90 Angehörige der Artillerieabteilung 54 und

der Genie-Unteroffiziersschule/-Rekrutenschule 73 im Einsatz. Sie

öffneten die Strasse nach Blatten, führten den Tännbach ins Bachbett

zurück und entfernten mit Mitteln der Luftwaffe Stahlträger und

Betonblöcke aus der Lonza. Zudem halfen sie mit, die Wasserversorgung

wieder instand zu stellen. Komm FST A Aufräumarbeiten auf einem Bauernhof im Kandertal.

Impressum armee.ch 2/2011, Teil für die ganze Armee

Redaktion: Kommunikation Verteidigung / Interne und Truppenkommunikation, Stauffacherstrasse 65/31b, 3003 Bern

Übersetzungen: Übersetzungsdienste VBS Gestaltung: Zentrum elektronische Medien (ZEM), LBA

8 armee.ch 2 / 11

Schriftliche

Bewerbung an:

Führungsstab der Armee

Kompetenzzentrum SWISSINT

I1 Personelles, «HMR/SSR»

Kaserne Wil

6370 Stans-Oberdorf

recruit.swisspso@vtg.admin.ch

(Betreff: HMR/SSR)

www.armee.ch/peace-support

Ein BEruf in dEr ArmEE

Die Schweizer Armee engagiert sich im Rahmen der militärischen Friedensförderung in UNO-Programmen der

humanitären Minenräumung und im Bereich der Sicherheitssektor-Reform. Dabei kommt der Ansatz der «Hilfe zur

Selbsthilfe» zur Anwendung. Es geht darum, vor Ort Strukturen aufzubauen sowie lokale Mitarbeiter und Kader

auszubilden und zu beraten. Für diese anspruchsvolle Aufgabe suchen wir

Offiziere und Unteroffiziere,

die bereit sind, ihre zivilen und militärischen Fähigkeiten der internationalen Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen.

Ihr Profil:

– Mindestens 25-jährig;

– abgeschlossene Berufslehre oder abgeschlossenes Studium;

– einwandfreier Leumund, psychisch und physisch belastbar;

– Bereitschaft, in einer multikulturellen Umgebung zu arbeiten;

– gute Englischkenntnisse.

Aufgabenbereiche:

– Logistik: Prozessmanagement für Planung, Steuerung und Kontrolle von Material-, Wert- und Informationsflüssen;

– Finanzen: Organisations- und Führungsentwicklung sowie Finanzen und Management

– Informationsmanagement: Prozessanalyse, Projektmanagement, GIS, Datenbankmanagement sowie Erstellung

und Umsetzung strategischer IT-Konzepte;

– Ausbildung und Beratung: Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Ausbildungsprogrammen in enger

Zusammenarbeit mit lokalen Verantwortlichen.

Wir bieten:

– Einsätze in Uniform oder zivil für ein Jahr mit der Möglichkeit zur Verlängerung;

– ein vielfältiges und multikulturelles Arbeitsumfeld;

– spannende und anspruchsvolle Arbeit zugunsten der UNO;

– zivil und militärisch anerkannte Ausbildungen im jeweiligen Aufgabenbereich.

Vielseitig und interessant www.armee.ch/berufsmilitaer

Foto: Roman Stettler

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