Meine Familie und ich – der Katalog Seite 59-72

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Meine Familie und ich – der Katalog Seite 59-72

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Schüler blicken durch die LinseBremerhaven. „Meine Familie und ich“ – Unter diesem Titel fotografieren und filmen derzeit etwa20 Schülerinnen und Schülerder Immanuel-Kant-Schule Grünhöfer Familien und deren Geschichten.Ab dem 31. Oktober werden die Ergebnisse des Projekts in dem Arbeitsatelier in der Boschstraße 9L ineiner kleinen Ausstellung zu sehen sein.„Egal, wie vielfältig die kulturellen Hintergründe auch sind, etwas Verbindendes gibt es trotz allerkulturellen Unterschiede immer.“Lehrer Jens Carstensen leitet das Fotoforum und ist beim Blick auf die Fotografien besonders stolz aufdie geleistete Arbeit seiner Schüler von der Immanuel-Kant-Schule. Dokumentieren die Fotoergebnisse dochnicht vorrangig die kulturellen Unterschiede der porträtierten Familien, sondern viel mehr die essenzielleGemeinsamkeit der dargestellten Teilnehmer und damit die familiäre oder auch freundschaftlicheVerbundenheit.Ist das Ziel der aus WIN-Mitteln (Wohnen in Nachbarschaft) finanzierten Aktion doch vorallem, die kulturelle Vielfalt wie auch die Gemeinsamkeiten der Kulturen im Stadtteil zu dokumentieren.Wer Lust hat, an der Aktion teilzunehmen: Der nächste Fototermin ist für Sonnabend, 23. Oktober, von 14bis 18 Uhr eingeplant. Im Anschluss werden die Ergebnisse dann für die am 31. Oktober ab 12 Uhr startendeAusstellung zusammengestellt.Ein kleines Dankeschön gibt es für die an der Aktion teilnehmenden Familien natürlich auch: Sie können ihrpersönliches Familienfoto kostenlos mit nach Hause nehmen.Ralf Masorat (Sonntagsjournal Bremerhaven)Fotoreportagenaus Familien61 62


Derya: “Meine Mutter lebt seit 1976 in Bremerhaven. Sie ist auch in Bremerhaven aufdie Welt gekommen, ist hier auch zur Immanuel-Kant-Schule gegangen und hat 1992 inder Türkei geheiratet. Im Februar 1993 kam mein Vater nach Bremerhaven, mein Vaterist 1971 in der Türkei auf die Welt gekommen. 1994 hat meine Mama ihr erstes Kindbekommen, meine älteste Schwester Betül. Sie ist jetzt 16 Jahre alt. 1996 bin ichgeboren und ich bin 14 Jahre alt, meine Schwester Dilek ist 1999 auf die Welt gekommen.Mein kleiner Bruder Ismail ist 9 Jahre. Wir sind 4 Kinder. In zwei Monatenkommt unsere nächste Schwester auf die Welt. Wir freuen uns schon sehr. MeineMutter hat 6 Geschwister. Drei leben hier in Bremerhaven und drei in der Türkei,drei Onkels und drei Tanten. Mein Opa ist 1998 gestorben. Meine Oma lebt in Bremerhaven.Mein Vater hatte drei Geschwister. Eine Schwester ist 2001 gestorben und alsmein Opa gestorben ist, war mein Vater 7 Jahre alt. Meine Oma lebt in der Türkei.“Fatma:“ Ich habe 9 Geschwister, also 3 Brüder und6 Schwestern. Alle sind hier geboren, meine Elternkommen aus der Türkei. Wir wohnen auf 3 Etagen verteilt. Es ist sehr viel Leben beiuns und es wird nie langweilig. Alle helfen im Haushalt mit und wir haben viel Spaß.Meine Oma und meine Tanten leben in Bremen. Ich fahre häufig zu meiner Oma, dortversammeln sich alle und es wird zusammen gegessen. Manchmal sind wir so 20-30 ausder Familie. Ich liebe meine Familie.“63 64


Calvin: “Meine Familie sind:meine Eltern, mein Bruder und2 Kater. Nebenan wohnen meineCousins und Cousinen. Ich habe 5Cousins und 5 Cousinen. Wir sindeine große Familie und bei allenFeiern und an besonderen Tagentreffen wir uns.“Saskia: „Ich habe eine große Familie die ich über alles liebe.Am schönsten ist es, wenn wir an besonderen Tagen zusammenkommen und feiern. Wichtig ist, dass die Familie zusammenhältund sich nicht streitet. Wenn ich ein Handballspiel habe, kommen alle zum zugucken,aber wenn mein Vater Football spielt, oder mein Bruder fahren wir auch hin.Mein Bruder und ich streiten uns manchmal, aber ich liebe ihn trotzdem.“65 66


Felix: „Meine Familie gibt mir Haltund macht mir Mut wenn ich traurigbin. Auf meine Familie kann ich michverlassen wenn ich Hilfe brauche.Meine Familie macht mich glücklich,weil sie immer für eine Überraschunggut ist (Geburtstag, Weihnachten,Urlaub).Ich bin gerne für meine Familie da undhelfe gerne. (Im Garten, im Haushalt,beim renovieren, auf dem Campingplatz,bei meinen Großeltern).“67 68


Margarete und Horst Goebel„Ich komme aus Ostpreußen. Mein Vater war in Danzig aufder Schichau-Werft beschäftigt. Die 20.000 Arbeiter dieserWerft haben in der Siedlung Stolzenberg gelebt. Kurzvor Kriegsende 1945 sind wir, die Kinder und Frauen undGroßeltern mit dem Schiff Deike Rickmers nach Rostockausgeschifft. Glücklicherweise haben uns keine Fliegerbombenund Torpedos getroffen. Mein Vater musste wiealle anderen Arbeiter weiter in Danzig bleiben. MeineFamilie hat sich dann im Oldenburger Ammerland getroffen.Ich war damals 11 Jahre alt. Meinen Vater habe ichdann hier in Bremerhaven wiedergetroffen. Die Schichau-Werft hatte sich hier niedergelassen und auch ihreDanziger Arbeiter wieder eingestellt. Mein Vater hatals Dreher gearbeitet und ich habe eine Ausbildung zumElektriker gemacht. Gewohnt haben mein Vater und ichdamals in einem Zimmer bei Frau Knispel in Lehe in derLutherstraße. Im Jahr 1952 bekamen wir eine Wohnung amHauptbahnhof. Meine 5 Geschwister und unsere Mutterzogen dann auch aus dem Ammerland nach Bremerhaven.Meine Schwester wurde dann hier geboren.Meine Frau habe ich zu dieser Zeit auf dem Bau kennengelernt.Sie hat dort geputzt. 1956 wurde dann unsererster Sohn geboren. Wir haben geheirat, ein Jahr beiden Eltern meiner Frau gelebt und am 1. April 1957 eine2 ZimmerWohnung in der Braunstraße bekommen. Hier imViertel haben damals nur junge Leute gewohnt. Wir habenuns prima verstanden. Aber unsere Wohnung war natürlichauf Dauer für 4 Personen zu klein. Unsere Kinder habenin Etagenbetten bei uns in der kammer geschlafen. Wirhaben 1970 dann eine größere Wohnung in der Boschstraßebezogen.Unsere Nachbarschaft wurde langsam international.Jugoslaven, Türken, Portugiesen wohnten hier. Vielewaren auch Arbeitskollegen. Wir haben uns eigentlichimmer prima verstanden. Kleinen Raki getrunken undschon waren wir Bruder und Schwester. Das hielt abermanchmal dann nur für einen Tag. Mit deren Kindernklappte das dann allerdings nicht mehr so gut.Wir haben auch erlebt, wie sich so manches sozialeDrama hier im Block abspielte.Weil meine Frau nicht mehr die Treppen steigen konnte,haben wir im Jahr 2000 dann die Straßenseite gewechseltund sind hier in die Parterre eingezogen. Auch hierhaben wir freundliche Nachbarn. Viele Menschen sind mituns hier alt geworden. Wir wünschen uns schon, dass fürunsere Generation das Leben im Viertel gut organisierbarbleibt. Ich fühle mich noch rüstig und helfe gerneden häuhig alleinstehenden älteren Nachbarinnen.Ich fahre noch Auto und mache dann mal einen Transportzum Arzt oder kaufe auch ein.Unsere Kinder wohnen in Bremerhaven und wir sehen unsnicht nur zu den Festen.”69 70


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