Ostendorp, W. (2006)

bodensee.ufer.de

Ostendorp, W. (2006)

periodisch oder dauernd überschwemmten Uferareal?)

und um das Siedlungsmotiv (Seespiegelabsenkung

als Auslöser für die Dorfgründungen?), die

seit der Entdeckung der „Pfahlbauten“ im Jahre

1854 bis in die heutige Forschungsperiode angehalten

hat (Guyan 1955; Stöckli 1979; Smolla 1981; Strahm

1983; Speck 1986; Schlichtherle 1997a; 1997b).

Die hier vorgestellten Ergebnisse erstrecken sich auf

die Profilsäulen E111 und E112. Die beiden Profilsäulen

stammen aus dem Zentrum des Hornstaader

Dorfes mit mehr als 30 cm mächtiger Kulturschichterhaltung.

2 Untersuchungsgebiet und

Probennahmepositionen

Die Station Hornstaad-Hörnle I liegt am Ufer des

Bodensee-Untersees vor der Halbinsel Höri (Lkr.

Konstanz, Gem. Gaienhofen-Horn, ca. 395 m ü.NN;

TK25 Bl. 8220 u. 8320). Sie umfasst eine Kulturschicht

der Hornstaader Gruppe („Hörnle IA“,

dendrochronologische Eckdaten 3915 v.Chr., 3905

v.Chr.) und Kulturschichtreste der Pfyner Kultur

(„Hörnle IB“, 3586 v.Chr., 3507 v.Chr.; Billamboz

1990; Dieckmann/Billamboz 1992). Die beiden

Schichtpakte waren ursprünglich durch eine ca. 20

bis 25 cm mächtige, im Wesentlichen fundfreie Seekreideschicht

getrennt. Inzwischen ist die Pfyner

Kulturschicht weitgehend durch Ufererosion abgetragen,

sodass die hier vorgestellten Profilsäulen lediglich

die Hornstaader Kulturschicht sowie die

fundfreien Seeablagerungen im Liegenden und

Hangenden beinhalten. Die erhaltene Kulturschicht

erreicht ein Fläche von rund 3900 m 2 , von denen

bislang ca. ein Drittel ausgegraben werden konnten.

Sie gliedert sich chronostratigraphisch in drei flächig

ausgebildete archäologische Horizonte (AH):

eine organisch-grobdetritisch-sandige Schicht an

der Basis (AH1), die der Dorfgründungsphase bis

zum Siedlungsbrand entspricht, eine Brandschicht

(AH2) und eine lithologisch sehr heterogene

Schicht (AH3), die die Wiederaufbauphase nach

dem Brand bis zur Auflassung des Dorfes repräsentiert.

Die Kulturschichtbasis liegt seewärts bei

394,30 m ü.NN und erreicht im landwärtigen Bereich

395,35 m ü.NN (alle Höhenangaben in dieser

Arbeit beziehen sich auf das Bezugsniveau am Höhenbolzen

Schlößle Hornstaad bei 398,114 m

ü.NN). Eine ausführliche Darstellung der Lage und

der grundlegenden stratigraphischen Verhältnisse

der Station findet sich bei Schlichtherle (1986) und

(1990) sowie bei Dieckmann et al. (2001) und oben

Dieckmann u.a. in diesem Band.

456

Die Halbinsel Höri mit der Hornspitze besteht in

ihrem Kern weitgehend aus Sanden und Mergeln

der Oberen Süßwassermolasse, die durch den

würmzeitlichen Bodensee-Gletscher überformt

und gebietsweise mit einer Geschiebedeckschicht

überzogen wurden (Schreiner 1974; vgl. auch

Schreiner 1989; 1992). Im Uferbereich stehen spätwürmzeitliche

Beckentone sowie spätglaziale und

holozäne Karbonatsedimente (Seekreiden, onkolithische

Krümelkalke [Schnegglikiese]) an, in die

auch die Hornstaader Kulturschicht eingebettet ist.

Die Seekreide unmittelbar an der Basis des AH1

weist ein spätatlantisches (Rösch 1985) oder subboreales

Alter auf (Liese-Kleiber 1985). Die überdeckende

Seekreide im Siedlungszentrum wurde in

der Zeit zwischen der Hornstaader und der Pfyner

Besiedlung abgelagert (Liese-Kleiber 1985). Die lithostratigraphischen

Verhältnisse der Hornspitze in

der Umgebung der Station Hornstaad sind bei

Schmidt (1993) dargestellt.

Der heutige Wasserstand des Bodensee-Untersees

schwankt normalerweise zwischen 394,30 m ü.NN

(MNM7W) und 396,33 m ü.NN (MHW) mit einem

mittleren Mittelwasserstand von 395,11 m ü.NN

(jeweils Zeitraum 1887–1987). Die Extremwerte betragen

397,43 m ü.NN für das Hochwasser und

393,93 m ü.NN für das Niedrigwasser. Seit etwa

1930 zeigen die Hochwasserstände einen fallenden

Trend, während die Niedrigwasserstände leicht angestiegen

sind (Luft et al. 1990). Das hydrologische

Regime des Bodensees wird wesentlich durch

Schmelzwasser- und Niederschlagsmengen aus dem

Alpengebiet bestimmt, sodass der jährliche Hochwasserstand

in die Monate Juni und Juli fällt, während

der niedrigste Wasserstand normalerweise im

Februar durchlaufen wird. Zahlreiche Indizien,

nicht zuletzt auch die Lage und Stratigraphie vorgeschichtlicher

Siedlungsplätze (vgl. z.B. Schlichtherle

1985), lassen erkennen, dass der Mittelwasserspiegel

des Bodensee-Untersees während des Spät- und

Postglazials erheblichen säkularen Schwankungen

unterworfen war. Jedoch sind derartige Hinweise

lückenhaft, einander widersprechend und oft nicht

zwingend, sodass eine geschlossene Seespiegelchronologie

noch nicht vorgelegt werden konnte.

Gleichwohl sind gerade aus kulturschichtstratigraphischen

Zusammenhängen wichtige Ergebnisse

mit zeitlich wie räumlich hoher Auflösung zu erwarten.

Die Profilsäulen E111 (Grabungskoordinaten x =

40,00–40,10 m; y = 56,85–57,00 m; UK 394,71 m

ü.NN; OK 395,20 m ü.NN) und E112 (x = 34,00–

34,10 m; y = 57,25–57,40 m; UK 394,82 m ü.NN;

OK 395,17 m ü.NN) liegen im Zentrum der Station


mit mächtiger Kulturschichterhaltung (vgl. Dieckmann

u.a. S. 191 Abb. 132 sowie Profil 1 und Profil

3).

3 Methoden

3.1 Entnahme und Aufarbeitung der Profilsäulen

Die Profilsäulen wurden während der Grabungskampagne

1987 aus der freistehenden Grabungsprofilwand

mittels eines Stechkastens entnommen.

Hierbei wurde darauf geachtet, dass die interessierenden

Schichten der Profilwand in der jeweiligen

Profilsäule enthalten und möglichst gering gestört

waren. Die Entnahmeposition von E112 wurde an

der Profilwand photographisch dokumentiert. Die

Aufarbeitung und Dokumentation der Profilsäulen

erfolgte nach Ostendorp/Blum (1998). Die lithologische

Beschreibung wurde an der gesäuberten, der

Profilwand gegenüberliegenden Oberfläche durchgeführt,

sodass sich die lithostratigraphische Gliederung

der Profilsäulen nicht vollständig mit der

der jeweiligen Profilwände deckt. Bei der stratigraphischen

Einteilung wurde allerdings so weit wie

möglich auf die Schichtansprache der von A. Harwath

durchgeführten Profilzeichnungen Rücksicht

genommen. Schichtgrenzen, Störungen usw. wurde

zu Dokumentationszwecken in ein Overlay übernommen.

Die lithologisch unterscheidbaren Schichtkörper

wurden gesäubert und abgetragen, wobei

der präparativ nicht sauber zu trennende Übergangsbereich

zwischen zwei Schichten verworfen

wurde. Das Material jeder einzelnen lithologischen

Einheit wurde als Mischprobe aufbewahrt und alsbald

bearbeitet. Im Falle der Profilsäule E111 wurde

die Probenmenge geteilt, wobei eine Hälfte der

sedimentologischen, die andere der archäobotanischen

und malakozoologischen Bearbeitung zugeführt

wurde. Bei E112 wurden zwei kleinere Stichproben

für zoologische Mikrofossilien (Cladoceren)

und für die geochemische Untersuchung abgezweigt,

der Rest gelangte zunächst zur archäobotanischen,

von dort zur sedimentologischen und zur

malakozoologischen Bearbeitung. Aufgrund der

unterschiedlichen Aufarbeitungsweise gingen einige

wichtige Informationen verloren, sodass hier nur

eingeschränkte Aussagen möglich sind.

3.2 Probenaufbereitung und Analytik

Die geochemische Analyse der vorgetrockneten

und auf 2 mm abgesiebten Sedimentsubstanz erfass-

te die organische Substanz (OS) sowie die Elemente

K (Kalium), Mg (Magnesium), Ca (Calcium), Sr

(Strontium), P (Phosphor) und Fe (Eisen; Einzelheiten

s. Ostendorp/Blum 1998):

OS als Glühverlust (560 °C, 8 h) im

belüfteten Muffelofen

K, Mg, Ca, Sr flammenatomabsorptionsspektrometrisch

im HCl-sauren

Aufschluss

P nach der Molybdänblau-Methode

mit Ascorbinsäure als

Reduktionsmittel im

H2SO4/H2O2-Aufschluss der

geglühten Substanz

Fe nach der o-Phenanthrolin-Methode

im H2SO4/H2O2-Aufschluss

der geglühten Substanz

Die Partikelanalyse erfolgte in den Siebrückstandsfraktionen

mG, fG, gS, und für Characeen-Oogonien

und Ostracoden-Schalen auch in der mS-Fraktion.

Im Falle von E111 stammte die zur Siebung

eingesetzte Materialmenge aus der Mischprobe der

jeweiligen bei der Stratifizierung getrennt aufgearbeiteten

Schicht. Da das Material zwischenzeitlich

ausgetrocknet war, wurde es mit tetra-Natriumdiphosphat-Lösung

aufgeschlossen (zur Vorgehensweise

vgl. Ostendorp/Blum 1998). Hingegen gingen

die Mischproben von E112 zunächst in die archäobotanische

Bearbeitung, wo Holzkohlen, Samen

und Früchte, Ast- und Holzdetritus, Rinden, unstrukturierter

Detritus, Moosreste usw. ausgelesen

wurden; diese Partikelgruppen wurden folglich bei

der sedimentologischen Partikelanalyse nicht erfasst.

3.3 Art der Darstellung und Ergebnisinterpretation

Auf die Bedeutung und Aussagekraft einzelner geochemischer

Parameter und Partikelklassen wurde

bereits bei Ostendorp (1990; 1995) eingegangen.

Der Trennungskoeffizient ksep ist ein Maß für den

abrupten Wechsel der Partikelzusammensetzung

zweier benachbarter Schichten. Er wird berechnet

als

ksep=(ni – nj)/(0,5 (ni+nj) (zi – zj) [mm-1 ]

mit n Anzahl kg -1 kulturschichtbürtiger Partikel in

der i-ten bzw. j-ten Schicht, z-Koten der Schwerpunkte

der i-ten bzw. j-ten Schicht.

Hohe Trennungskoeffizienten deuten ruhige Ablagerungsverhältnisse

im Niedrigenergiemilieu an,

wozu sowohl Sedimentation im Sublitoral als auch

Sedention im semiaquatischen und terrestrischen

457


458


Abb. 1: Ergebnisse der geochemischen Untersuchung und der Partikelanalyse der Profilsäule E111.

Bereich gehören können. Niedrige Werte hingegen

werden als Ablagerung im Hochenergiemilieu

interpretiert, z.B. im Bereich der Strandlinie, wobei

es im Zuge der Auflagerung einer neuen Schicht zur

teilweisen Aufarbeitung des Liegenden und damit

zu einer Vermischung der Partikelinhalte beider

Schichten kam.

4 Ergebnisse

4.1 Lithostratigraphie, Sedimentchemie und

Partikelinhalte der Profilsäule E111

Die Lithostratigraphie der Profilsäule E111 ist in

der Tabelle 1 dokumentiert. Die Tabelle enthält

gleichzeitig eine Synopsis der lithologischen Einheiten

der Profilsäule, der Schichtbezeichnungen

der Wandprofilaufnahme, der Flächenbefundbezeichnungen

in den Grabungsschnitten sowie

schließlich der grabungseinheitlichen Befundnummern

und der Benennung der Siedlungsabschnitte

und Phasen, auf die bei allen weiteren Hornstaad-

Publikationen Bezug genommen wird. Die Ergebnisse

der geochemischen Untersuchungen und der

Partikelanalyse sind in der Abbildung 1 dargestellt.

Kulturschicht

Brandschicht

organ. Sande u. Lehme

Seekreiden

Die Profilsäule E111 beginnt an der Basis mit der

LE 6, einer gebänderten Seekreide, deren Entstehungszeit

in das Bølling-Interstadial fällt (Liese-

Kleiber 1985). Die LE ist großflächig im Liegenden

der Station Hornstaad-Hörnle I ausgebildet und hat

immer das gleiche Erscheinungsbild, sodass sie

nicht eigens beprobt wurde. In der Profilsäule E90

wurde sie bereits als Sublitoralsediment angesprochen,

das sich bei Wasserständen zwischen 399 und

404 m gebildet hat (Ostendorp 1990).

Im Hangenden folgt eine silikatsandhaltige Seekreide

(LE 5), die an der Basis einzelne Schmitzen von

LE 6-Material enthält. Der mit 504 mg g -1 recht geringe

GC-Gehalt und der erhöhte XMg (58 mmol

mol -1 ) der Basislage LE 5.0.2 deuten ebenso auf einen

hohen Anteil landwärtiger Einschwemmungen

hin wie der hohe Gehalt an Quarziten (pn = 3,01)

und silikatischen Klastika (pn = 3,03). Der Quarzitanteil

beträgt knapp 50% aller Klastika, was auf intensive

Verwitterungsprozesse im Liefergebiet schließen

lässt. Neben typisch limnigenen Partikeln

(Mollusken, Trümmerschill, Ostracoden) kommen

auch anthropogene Elemente in hoher Konzentration

vor (Holzkohlen, verkohlter Grobdetritus und

Hüttenlehmreste). Zum Top hin (LE 5.0.1) nimmt

die Karbonatkonzentration auf die Hälfte ab

459


(255 mg g -1 ), während sich der Gehalt an Klastika

(Quarzite u. Silikatgesteine) knapp verdoppelt

(pn = 3,47); der Quarzitanteil steigt auf etwa 60%.

Der Gehalt an limnigenen Partikel geht leicht zurück,

während sich die Zahl der Holzkohlen vervierfacht.

Bemerkenswert ist der hohe P/OS-Quotient,

der in dieser Schicht mit 150 mg g -1 OS sein

Maximum erreicht. Er ist wahrscheinlich das Resultat

einer vertikalen Verfrachtung gelösten Phosphats,

das in den basalen Kulturschichten LE 4.14

und LE 4.15 in Lösung ging und in den karbonathaltigen

Schichten sorbiert bzw. ausgefällt wurde.

Diese postsedimentäre Phosphatanreicherung fand

möglicherweise bereits siedlungszeitlich statt. Bei

der LE 5 handelt es sich um ein litorales Sediment

der Brandungszone; in der Nähe der Profilposition

muss es zur Erosion silikatischer Sedimente gekommen

sein, beispielsweise im Bereich des südwestlich

der Station anstehenden Grundmoräne-Sporns. Die

LE 5.0.1 am Top zeigt deutliche Brandungsmerkmale:

Die feinen Calcitkristalle sind ausgeschwemmt,

die gröberen Silikatklastika angereichert,

die Mollusken stark zertrümmert (Erhaltungsgrad:

-1,79). Es wird daher angenommen, dass

die LE 5 eine Regressionssequenz darstellt, die sinkenden

Wasserstand indiziert. Die Holzkohlen sind

wahrscheinlich synsedimentär, obwohl auch eine

nachträgliche Eindringung nicht gänzlich ausgeschlossen

werden kann. Im ersteren Fall würde dies

auf menschliche Aktivitäten in der Nähe noch vor

der Gründung des Hornstaader Dorfes hindeuten.

In den Pollenprofilen P3/4 (Liese-Kleiber 1985)

und E52 (Rösch 1985) wurde diese Schicht in das

lAT gestellt, also knapp 1000 Jahre vor Gründung

des Hornstaader Dorfs. Ein ähnliches Erscheinungsbild

der LE 5 wurde bereits bei der Profilsäule

E90 angetroffen (Ostendorp 1990).

Die unterste Kulturschicht, der Feindetritus LE 4.15

repräsentiert die Gründungsphase des Hornstaader

Dorfes. Die Schicht ist nur 5 mm mächtig, aber

scharf vom Liegenden getrennt. Der mit 192 mmol -

mol -1 sehr hohe XMg verrät den hohen Einfluss klastischer

Karbonate, die vermutlich aus der Erosion

von Grundmoräne oder Beckentonen stammen.

Der Feindetritus, der sich in einem erhöhten OS-

Gehalt von 133 mg g -1 bemerkbar macht, ist anthropogener

Herkunft. Dies belegen die hohen Partikelgehalte

von verkohlten pflanzlichen Resten, Getreideresten

und Knochensplittern; auch Moosreste,

unverkohlte Holzsplitter, Rinden- und Aststückchen

dürften über menschliche Aktivitäten hierher

gekommen sein. Insgesamt hat sich die Konzentration

anthropogener Partikel gegenüber der liegenden

Schicht LE 5.0.1 um den Faktor 100 erhöht.

460

Von den limnigenen Partikeln sind nur Mollusken-

Trümmerschill und die abriebfesten Deckel der

Wasserschnecke Bithynia übrig geblieben (vgl. auch

Schmidt S. 473ff.). Wie bei LE 5.0.1 fällt der hohe

P/OS-Quotient auf, der wie oben beschrieben erklärt

werden kann. Es ist anzunehmen, dass der absinkenden

Wasserstand, wie er bereits in der

LE 5.0.2 deutlich wurde, weiter zurückgegangen ist

und womöglich während der meisten Zeit des Jahres

das Niveau dieser Schicht nicht mehr erreicht

hat.

Die Brandschicht LE 4.14 ist gekennzeichnet durch

hohe Gehalte an OS (345 mg g -1 ), und entsprechend

hohe Gehalte an kulturschichttypischen organischen

Resten. Limnigene Partikel konnten mit Ausnahme

von Mollusken-Trümmerschill nicht nachgewiesen

werden. Auch der hohe XMg (198 mmol

mol -1 ) spricht gegen eine Beteiligung biogener Karbonate

an der Karbonatkomponente dieser Schicht.

Eine „versteckte“ Seekreideeinschwemmung nennenswerten

Ausmaßes hat also nicht stattgefunden.

Obschon der Pges-Gehalt erwartungsgemäß hoch

ist, fällt der P/OS-Quotient hier auf ein Minimum.

Vermutlich wurde aus dieser Schicht der Phosphor

gelöst, der sich dann basal in LE 4.15 und 5.0.2 angereichert

hat. Feges hingegen verhält sich konservativ;

vermutlich wurden durch den Brand alle Eisen-

Verbindungen in unlösliche Oxide überführt, die

auch später nicht mehr mobilisiert wurden. Die

geochemischen Verhältnisse lassen ebenso wie die

Partikelgehalte keinen Einfluss von Seeeinschwemmungen

erkennen, sodass der jährlich mittlere Seespiegel

deutlich unterhalb der Koten dieser Schicht

gelegen haben dürfte.

Der im Hangenden folgende sandige Lehm LE 4.13

zeigt alle Merkmale einer Kulturschicht, wie sie bereits

bei der Profilsäule E90 vorgestellt wurden

(Ostendorp 1990); lediglich der Anteil an OS ist gering,

während Quarzite und Silikat-Klastika dominieren.

Die anorganische Komponente stammt, ausgewiesen

durch den hohen XMg, aus der landeinwärts

anstehenden Grundmoräne bzw. aus Beckentonen.

An limnischen Elementen sind nur Mollusken

bzw. Trümmerschill und Bithynia-Deckel vertreten.

Der sandig-lehmige Grobdetritus LE 4.10 gleicht

weitgehend der LE 4.13, lediglich die Häufigkeit der

Getreidereste sinkt um den Faktor 50, während Silex-Splitter

und Hüttenlehmreste häufiger auftreten;

ebenso sind die Konzentrationen von Moosund

Rindenstücken hier deutlich höher als im Liegenden.

Die Gruppe der limnigenen Partikel beschränkt

sich im Wesentlichen auf Molluskenschill

und einen einzelnen Gehäuserest einer Köcherfliegenlarve.

Larven dieser Insektenordnung leben sub-


mers auf Hartsubstraten, z.B. Steinen. Es ist denkbar,

dass die Tiere zusammen mit Steinen, etwa

Netzsenkern, in die Siedlung gebracht wurden. Eine

passive Einschwemmung aus dem Litoral während

eines Sturm o.Ä. ist unwahrscheinlich, weil der hohe

XMg-Wert auf das Fehlen einer limnigenen Karbonatkomponente

hindeutet, die ja in diesem Fall

mit eingetragen worden sein müsste.

Zum Hangenden hin folgt ein lehmiger Grobdetritus

(LE 4.5) mit einer Holzkohlelage an der Basis.

Die Konzentrationen von OS und Pges sind deutlich

höher als in der Schicht im Liegenden. Pges ist gegenüber

dem Erwartungswert angereichert. Beim

partikulären Inhalt fallen die großen Mengen an

Knochensplittern (pn = 3,57) auf, während andere

kulturschichttypische Partikelgruppen deutlich zurücktreten.

Limnigene Partikel sind wiederum nur

durch Trümmerschill und vereinzelte erhaltene

Mollusken vertreten.

Überdeckt wird diese Schicht durch einen mächtigen

silikatischen Grobsand (LE 4.7), in dem Quarzite

und Silikatklastika (pn = 5,08) dominieren,

während Holzsplitter, Holzkohlen, Grobdetritus

und Aststückchen im Vergleich zum Liegenden zurückgegangen

sind. Außer den bisher erwähnten

sind keine weiteren limnischen Partikel vertreten.

Dem entspricht der mit 175 mmol mol -1 nach wie

vor hohe XMg.

Der humose Lehm LE 4.4.2 im Hangenden enthält

mehr Holzsplitter und Grobdetritus sowie Holzkohlen

und andere verkohlte Pflanzenteile, besitzt

aber ansonsten ein ähnliches Partikelspektrum wie

die LE 4.7 im Liegenden. Das gilt auch für die limnigenen

Partikel. Der P/OS-Quotient erreicht in

dieser Schicht mit 18 mg g -1 ein Minimum; möglicherweise

spielt eine postsedimentäre vertikale P-

Verlagerung eine Rolle. Der hohe XMg (298 mmol

mol -1 ) lässt erkennen, dass die Karbonatkomponente

aus der Grundmoräne oder aus älteren Beckensedimenten

stammt, die beide im Hinterland anstehen.

Die LE 4.4.1 ist gröber, enthält weniger OS (67 mg

g -1 ) und entsprechend auch weniger organische Partikel

(v.a. Holzsplitter, Moos- und Rindenreste,

Holzkohlen und andere verkohlte Pflanzenteile),

dafür ist die Konzentration an Quarziten und Silikatklastika

mehr als doppelt so hoch. Erwähnenswert

ist der auf 132 mmol mol -1 gesunkene XMg, hinter

dem möglicherweise sehr bescheidene Beimengungen

von limnigenen Karbonaten stehen.

Der zum Top hin folgende Silikat-Grobsand LE 4.1.4

gleicht der vorangegangenen Schicht, mit dem

Unterschied, dass sich die Konzentration an Holzkohlen

verfünffacht hat (pn = 4,10); alle weiteren

anthropogenen Partikel treten dagegen deutlich zu-

rück. Der XMg ist wieder auf 193 mmol mol -1 angestiegen

und liegt dabei auf einem Niveau, wie es für

alle anderen Kulturschichteinheiten dieser Profilsäule

typisch ist.

Der nachfolgende grobdetritische Silikatsand

LE 4.1.3 ist gegenüber dem Liegenden durch eine

Lage von Holzsplittern abgesetzt. Er unterscheidet

sich von LE 4.1.4 durch einen sehr geringen GC-

Gehalt (99 mg g -1 ), wobei in der Karbonatkomponente

nach wie vor die Karbonatklastika aus der

Moräne bzw. aus älteren Beckensedimenten dominieren.

Der partikuläre Inhalt fällt durch hohe Konzentrationen

an Holzstückchen, verkohltem und

unverkohltem Grobdetritus auf. In der Gruppe der

limnigenen Partikel dominiert der Mollusken-

Trümmerschill; erwähnenswert ist ein Rest eines

Trichopteren-Larvenköchers.

Die LE 4.1.3 geht zum Hangenden hin in einen humosen

Silikatsand über (LE 4.1.2), der ein breites

Spektrum kulturschichttypischer Partikelgruppen

enthält. Hervorzuheben ist der hohe Gehalt an

Knochensplittern (pn = 2,59) und Silexabschlägen

(pn = 2,74).

Zum Top hin folgt der sandige Grobdetritus

LE 4.1.1, der durch seine hohen Konzentrationen

an Silex-Splittern auffällt (pn = 4,50), die überwiegend

aus der Grobsandfraktion stammen. In dieser

Schicht treten erstmals in geringer Dichte Characeen-Oogonien

auf (pn = 3,14), die wahrscheinlich

durch eine Seeeinschwemmung in die Kulturschicht

eingetragen worden sind. Hingegen lässt der XMg

mit 189 mmol mol -1 bei gleichzeitig geringem GC-

Gehalt (108 mg g -1 ) keine nennenswerte Einschwemmung

limnigener Karbonate erkennen.

Das Kulturschichtpaket AH3 der Siedlung Hornstaad-Hörnle

IA endet mit der LE 4.1.1; es wird

durch einen seekreidehaltigen Silikatsand (LE 3.0.2)

überdeckt. Die beiden Schichten sind scharf voneinander

getrennt. Die LE 3.0.2 enthält in großer Menge

alle diejenigen limnischen Komponenten, die für

Seekreideablagerungen typisch sind, neben Mollusken,

Trümmerschill und Bithynia-Deckeln vor allem

Ostracoden-Schalen, Characeen-Oogonien

und Characeen-Krusten. Auch durch den deutlich

abgesunkenen XMg von 85 mmol mol -1 bei gleichzeitig

hohem GC-Gehalt (227 mg g -1 ) weist sich die

LE 3.0.2 als stark limnisch beeinflusste Ablagerung

aus. Andererseits sind auch kulturschichttypische

Elemente wie Holzkohlen und andere verkohlte

Pflanzenreste sowie Silex-Splitter in hoher Konzentration

vertreten. Es handelt sich daher um ein

Transgressionssediment, das während eines Sturmereignisses

aufgespült wurde. Die Brandung führte

als Sohlfracht zunächst die limnischen Komponen-

461


Tabelle 1: Position, lithologische Kurzbeschreibung und Synopsis der Schichtbezeichnungen der Profilsäule E111 (Ho87).

462

LE Bezeichnung Bezeichnung Schicht- Horizont OK/UK Siedlungsabschnitt/ Lithologische Kurzbeschreibung Dichte Farbe (Munsell)

im Profil im Planum Korrelations-Nr. m ü. NN -phase [g TS cm3 ]

3.0.1 2a Bef. 3.0 keine GH6 395,200/395,160

3.0.2 2b Bef. 3.0 keine GH6 395,160/395,130 Silikatsand mit Seekreide, scharf getrennt von LE 4.1.1 1,54 2,5 Y 6/2

4.1.1 3 künstl. Ae 233 AH3 395,130/395,115 E (Destruktion) KS; sandiger Grobdetritus, scharf getrennt von LE 4.1.2 1,28 10 YR 3/2

4.1.2 4 künstl. Ae 229 AH3 395,115/395,085 E (Nutzung ?) KS; humoser Silikatsand, fließender Übergang zu LE 4.1.3 1,51 10 YR 3/1

4.1.3 5 künstl. Ae 218 AH3 395,085/395,040 D (Nutzung) KS; grobdetritischer Silikat-Grobsand; gradiert (Grobdetritus- 1,47 10 YR 2/1

anteil zur Basis hin zunehmend), mit Schmitzen aus humosem

Lehm; gegen LE 4.1.4 durch eine Holzlage scharf abgesetzt

4.1.4 8 künstl. Ae 215 AH3 395,040/395,000 C (Nutzung) KS; feinkiesiger, stark humoser Silikat-Grobsand, fließender 1,60 10 YR 2/1

Übergang zu LE 4.4.1

4.4.1 8 künstl. Ae 215 AH3 395,000/394,960 C (Nutzung) KS; feinkiesiger, wenig humoser Silikat-Grobsand 1,54 10 YR 2/1

4.4.2 10 künstl. Ae 215 AH3 394,960/394,935 C (Nutzung) KS; stark humoser, mittelsandiger Lehm mit horizontal 1,14 10 YR 2/1

gelagerten Holzsplittern an der Basis

4.7.1 11 künstl. Ae 215 AH3 394,935/394,870 C (Nutzung) KS; feinkiesiger, wenig humoser Silikat-Grobsand mit 1,48 10 YR 2/1

einigen Lehmschmitzen; an der Basis Moosreste und

horizontal gelagerten Holzresten

4.5.1 14 Bef. 4.9 206 AH3 394,875/394,855 C (Nutzung) KS; lehmiger Grobdetritus mit Holzkohlelage an der Basis 0,59 10 YR 3/1

4.10.1 14 Bef. 4.10 202 AH3 394,855/394,840 B (Destruktion) KS; lehmig-sandiger Grobdetritus, horizontale 0,85 10 YR 3/2

Holz- und Rindenlagen

4.13.1 15 Bef. 4.13 keine AH2 394,840/394,800 A (Destruktion) KS; leicht humoser, sandiger Lehm 1,17 10 YR 5/1

4.14.1 16 Bef. 4.14 keine AH2 394,800/394,760 A (Destruktion) KS; Brandschicht 0,57 10 YR 3/1

4.15.1 17 Bef. 4.15 keine AH1 394,760/394,755 A (Nutzung) KS; Feindetritus, scharf von LE 5.0.1 getrennt 0,79 10 YR 3/2

5.0.1 18 Bef. 5 keine GH2 (Top) 394,755/394,750 kalkhaltiger Silikatsand 1,54 2,5 Y 7/1

5.0.2 18 Bef. 5 GH2 (Basis) keine 394,750/394,720 Seekreide mit Silikatsand, Basis verwürgt mit LE 6 1,59 5 Y 7/1

6 19 Bef. 6 GH1 keine 394,720/394,710 n.d n.b. n.d.


ten (Seekreide, Mollusken, Oogonien, Ostracoden)

mit sich, erodierte dann die seewärts von der Profilposition

gelegenen Abschnitte der Kulturschichtoberfläche,

wobei der turbulente Wasserkörper mit

Quarziten, Silikatklastika, Silexabschlägen, Holzkohlen,

Knochenbruchstücken usw. befrachtet

wurde. Ein Teil der Sohlfracht kam im Bereich der

Profilposition E111 zum Absatz. Wahrscheinlich

wurde die Kulturschichtoberkante in diesem Bereich

nicht nennenswert erodiert, da die LE 4.1.1

und 3.0.2 scharf voneinander getrennt sind; Verwürgungen,

Vermischungen und andere Kennzeichen

von Aufarbeitung fehlen.

4.2 Lithostratigraphie, Sedimentchemie und

Partikelinhalte der Profilsäule E112

Die Lithostratigraphie der Profilsäule E112 ist in

der Tabelle 2 dargestellt. Die Tabelle beinhaltet darüber

hinaus eine Synopsis der lithologischen Einheiten

der Profilsäule, der Schichtbezeichnungen

der archäologischen Wandprofilaufnahme, der Flächenbefundbezeichnungen

in den Grabungsschnitten

und der grabungseinheitlichen Schichtkorrelationsnummern.

Die Ergebnisse der geochemischen

Untersuchungen und der Partikelanalyse sind aus

Abbildung 2 ersichtlich.

Die Profilsäule E112 beginnt an der Basis ebenfalls

mit der GH2-Seekreide (LE 5), die vom geochemischen

Bild her der Basis der LE 5 in E111 entspricht.

Probenmaterial zur Partikelzählung stand

nicht zur Verfügung. Das dort zwischen Seekreide

und Kulturschichtbasis AH1 eingeschaltete Silikatsandband

ist hier so stark mit Kulturschichtmaterialien

durchsetzt, dass es als LE 4.9.2 zum AH1 gerechnet

wurde. In dieser Schicht finden sich neben

Kulturschichtelementen, z.B. Hüttenlehmresten,

auch limnigene Partikel. Jedoch wurden anders als

in E111 keine Ostracodenreste gefunden. LE 4.9.1

entspricht der LE 4.15 in E111, also dem eigentlichen

AH1-Detritus. Auch hier stand kein Probenrest

zur Partikelanalyse zur Verfügung.

Die LE 4.7 umfasst den Brandhorizont AH2; sie

lässt sich mit der AH2-Basis in E111 korrelieren.

Geochemisch fallen wiederum der hohe XSr- und

der geringe P/OS-Quotient auf. Wenn vom Trümmerschill

abgesehen wird, enthält auch hier die

Brandschicht keinerlei limnigene Elemente.

Die Basis des AH3 bildet ein sandig-lehmiger Humus

(LE 4.0.3.3). Er enthält zwar reichlich Trümmerschill

und Bithynia-Deckel, aber keine empfindlichen

limnischen Reste. Auch das geochemische

Bild, geringer GC- (136 mg g -1 ) und hoher

XMg-Wert (177 mmol mol -1 ), sprechen gegen nen-

nenswerte Seekreideeinschwemmungen. Obenauf

liegt ein dünnes Kiesband (LE 4.0.3.2), das sedimentchemisch

nur durch den korngrößenbedingt

niedrigen K-Gehalt sowie durch den hohen P/OS-

Quotienten (137 mg g -1 ) auffällt. Offensichtlich fand

auch hier postsedimentär eine P-Verlagerung aus

der organisch-feindetritischen LE 4.0.3.1 in dieses

Kiesband und in geringerem Maße auch noch in die

LE 4.0.3.3 statt. Probenmaterial zur Partikelanalyse

stand wiederum nicht zur Verfügung. Es folgen die

organisch-feindetritischen Schichten LE 4.0.3.1 und

LE 4.2.2 mit einem deutlich erhöhten OS-Gehalt.

Die Schichten LE 4.2.2, 4.2.1 und 4.0.2 weisen bei

geringen GC-Gehalten (ca. 120–140 mg g -1 ) sehr hohe

XMg-Werte (220–260 mmol mol -1 ) auf, die gegen

einen „versteckten“ Eintrag von seebürtigen Karbonaten

sprechen, zumal auch die empfindlicheren

limnischen Partikel fehlen. Dagegen fällt in der

Schicht LE 4.0.1 der XMg-Wert auf 79 mmol mol -1

ab; parallel dazu tauchen nun erstmalig in der Kulturschicht

Characeen-Oogonien auf. Der limnische

Einfluss wird bereits makroskopisch an der Einlagerung

von Seekreideschmitzen sichtbar.

Das Kulturschichtpaket AH3 wird durch die Seekreide

LE 3.0 abgedeckt, wobei zum Top hin der

GC-Gehalt sowie der partikuläre Gehalt seebürtiger

Bestandteile (Characeen-Oogonien, Ostracoden-Schalen)

ansteigt, während XMg sowie K-, Feund

P-Gehalte abnehmen. Ob parallel dazu auch

die kulturschichttypischen Elemente abnehmen,

ließ sich aufgrund der Vorbehandlung der Proben

(vgl. Kap. 3.1) nicht mehr feststellen. Die Sequenz

LE 4.0.1/3.0.2/3.0.1 ähnelt der Kulturschicht-Seekreide-Sequenz

an gleicher stratigraphischer Position

in den Profilsäulen E90 (Ostendorp 1990) und

E111; sie wird auch im vorliegenden Fall als Transgressionssequenz

interpretiert. Da die teilweise aufgearbeitete

Kulturschicht LE 4.0.1 nur 3 cm mächtig

ist, sollte die mechanische Wellenwirkung nicht zu

hoch eingeschätzt werden.

5 Diskussion

5.1 Geochemie

Die Festsubstanz von Seesedimenten und Kulturschichten

besteht aus drei Hauptkomponenten

unterschiedlicher Herkunft und Genese: der organischen

Substanz (OS), dem Karbonat (GC), und

einer Restfraktion („Ges.-Silikat“, GS) aus silikatischen

Klastika, Tonmimeralen u.a.

Die OS-Gehalte schwanken in beiden Profilsäulen

zwischen 14 und 418 mg g -1 ; in den Kulturschichten

463


464


Abb. 2: Ergebnisse der geochemischen Untersuchung und der Partikelanalyse der Profilsäule E112.

liegen sie höher als in den Seekreiden des Hangenden

und des Liegenden und erreichen dabei in der

Brandschicht (E111: LE 4.14.1, E112: LE 4.7) Spitzenwerte

von mehr als 300 mg g -1 . Die Verteilung

der OS zeigt, dass in beiden Profilblöcken drei

Gruppen von Sedimenten existieren: OS-arme silikatische

Sande und Lehme mit 40 bis 90 mg g -1 ,

Grob- und Feindetritus-Schichten mit OS >120

mg kg -1 (z.B. der AH1) und schließlich die Brandschicht

des AH2 mit OS >300 mg g -1 .

Die GC-Gehalte sind naturgemäß in den Seekreidesedimenten

am höchsten (GC >250 mg g -1 ), in den

Kulturschichten sinken sie bis unter 100 mg g -1 . Mit

abnehmendem GC-Gehalt nimmt der messtechnische

Fehler zu, der dadurch entsteht, dass das gewählte

Aufschlussverfahren nicht nur klastische

und biogene Karbonate sowie Molluskenschalen erfasst,

sondern auch die an Tonminerale und organische

Substanz gebundenen Erdalkali-Ionen, die

dann fälschlich als „Karbonat“ interpretiert werden.

Das bedeutet, dass der tatsächliche Karbonatgehalt

noch kleiner ist als angegeben. Von Bedeutung für

die Interpretation der Schichtgenese ist die Frage,

inwieweit es sich bei der GC-Komponente der Kulturschichten

um biogene Karbonate, also um Seekreiden

handelt, die womöglich bei höherem Seespiegel

eingeschwemmt wurden. Einen Hinweis liefert

der molare Anteil XMg an allen Erdalkali-Ionen,

da Seekreiden gegenüber klastischen Karbonaten

Mg-abgereichert sind (vgl. Ostendorp 1990). So liegen

die XMg-Werte der Seekreiden im Liegenden

und Hangenden deutlich unter 100 mmol mol -1 (typischer

Wert für sublitorale Seekreiden: ca. 15 bis

50 mmol mol -1 ). In den Kulturschichten liegt der

XMg meist zwischen 170 und 250 mmol mol -1 , und

damit in Bereichen, die typisch für die im Hinterland

anstehende Grundmoräne (190–220 mmol

mol -1 ) und die Beckentone des ausgehenden Hochglazials

(185–280 mmol mol -1 ) sind (vgl. J. Schmidt

1993). Daraus ist zu schließen, dass sich die Karbo-

natkomponente des Kulturschichtmaterials überwiegend

aus klastischen Karbonaten des Hinterlandes

zusammensetzt, während Seekreideanteile weitgehend

zurücktreten. Legt man für reine Seekreide

einen XMg-Wert von 25, für klastische Karbonate einen

Wert von 225 zugrunde, kann der Anteil a der

Seekreide-Komponente in der Kulturschicht rein

rechnerisch wie folgt geschätzt werden:

XMg=a1 ⋅ XMg(1)+a2⋅ XMg(2)

a1+a2=1

XMg(1)= 25; XMg(2)= 225

Kulturschicht

Brandschicht

organ. Sande u. Lehme

Seekreiden

Demnach könnten die Kulturschichten LE 4.4.1

(E111) und LE 4.0.3.2 (E112) mit XMg-Werten von

ca. 130 mmol mol -1 einen biogenen Karbonatanteil

von ca. 47% des GC enthalten. Die Karbonatsedimente,

die den Kulturschichttop abdecken (XMg=26

(bis 85), setzen sich folglich zu 95 bis 70% ihres GC

aus biogenem Karbonat zusammen.

Die Gesamtsilikatkomponente bildet den rechnerischen

Rest mit cGS[mg g-1 ] = 1000 - cOS-cGC, und

verhält sich daher komplementär zu den beiden anderen

Komponenten.

Die Konzentrationen der Elemente K, Sr, P und Fe

hängen zunächst vom Matrixmaterial ab. Sie können

mittels multipler Regressionsrechnung auf die

Hauptkomponenten bezogen werden. Die Konzentration

des Elementes E [µg g-1 ] = E {K, Mg, Sr, Fe,

P} (cE) setze sich aus Anteilen in der OS (f1), Anteilen

im GC (f2) und Anteilen im GS (f3) zusammen:

cE=f1⋅ cOS+f2⋅ cGC+f3⋅ cGS

Da definitionsgemäß

cGS[mg g-1 ] = 1000 1,411 - cOS-cGC

gilt

cE= 1000f3+(f1-f2)cOS+(f2-f3)cGC

Diese Gleichung dient als lineares Regressionsmo-

465


Tabelle 2: Position, lithologische Kurzbeschreibung und Synopsis der Schichtbezeichnungen der Profilsäule E112.

466

LE Bezeichnung Bezeichnung Schicht- Horizont OK/UK Siedlungsabschnitt/ Lithologische Kurzbeschreibung Dichte Farbe (Munsell)

im Profil im Planum Korrelations-Nr. m ü. NN -phase [g TS cm3 ]

3.0.1. 3 Bef. 3.0. keine GH6 395,170/395,130 Seekreide, fein- bis mittelsandig, homogen; an der Basis n.b. 5 Y 8/1

vermehrt Silikat. Feinkiese; fließender Übergang zu 3.0.2

3.0.2 3 Bef. 3.0 GH6 395,130/395,120 Seekreide, grobsandig, an der Basis vermehrt Feinkiese; 5 Y 7/2

scharf getrennt von LE 4.0.1

4.0.1 5 Bef. 4.1 242 (*) AH3 395,120/395,090 E (Destruktion) KS; Silikatsand, grobsandig mit Feinkies, homogen und 2,5 Y 5/2

Seekreideschmitzen; undeutlich getrennt von LE 4.0.2

4.0.2 6 Bef. 4.1 242 (*) AH3 395,090/395,070 E (Destruktion) KS; Silikatsand, grobsandig, grobdetritisch, mit Feinkies und 10 YR 2/2

wenigen Seekreideschmitzen; undeutlich getrennt von LE 4.2.1

4.2.1 7 Bef. 4.2 244 (*) AH3 395,070/395,035 E (Nutzung) KS; sandiger Humus, mit wenigen Feinkiesen, ungeordnet; 10 YR 2/2

undeutlich getrennt von LE 4.2.2

4.2.2 7 Bef. 4.2 244 (*) AH3 395,035/394,980 E (Nutzung) KS; sandiger Feindetritus, m. wenigen Feinkiesen und Kalk- 10 YR 2/1

konkretionen; an der Basis lehmiger, vermehrt Feinkiese;

undeutlich getrennt von LE 4.0.3.1

4.0.3.1 k.A. k.A. 245 (*) AH3 394,980/394,950 C (Destruktion?) KS; sandiger Feindetritus, m. vielen Fein- und Mittelkiesen; 10 YR 2/1

4.0.3.2 8 Bef. 4.4 245 (*) AH3 394,950/394,945 C (Nutzung ?) KS; Silikatsand, grobsandig, leicht humos (sekundäre 10 YR 2/2

Einwaschung?); undeutlich getrennt von LE 4.0.3.3

4.0.3.3 9 (Top)/ Bef. 4.6 202 (Top)/ AH3 394,945/394,915 B (Destruktion) KS; sandig-lehmiger Humus, stark kiesig, ungeordnet; gegen 10 YR 2/1

10 (Basis) 200 (Basis) LE 4.7. mit horizontaler Rindenlage abgeschlossen

4.7 11 Bef. 4.7 keine AH2 394,915/394,860 A (Destruktion) KS; Brandschicht, am Top grobe Holzkohlen, an der Basis 10 YR 2/1

feine Holzkohlen und Getreidereste an der Basis; scharf

getrennt von LE 4.9.1

4.9.1 12 Bef. 4.9 keine AH1 394,860/394,855 A (Nutzung) KS; humoser Grobdetritus 10 YR 2/2

4.9.2 12 Bef. 4.9 Keine AH1 394,855/394,845 A (Nutzung) KS; Silikatsand, grobsandig; mit Kulturschichtbestandteilen; 10 YR 3/1

stark verwürgt mit LE 5

5 13 Bef. 5.0 keine GH2 394,845/394,815 Seekreide, stark verwürgt mit GH1- sowie Grobdetritus-Schmitzen 2,5 Y 6/1

6 ??? ??? ??? ??? 394,815/394,800 n.b. n.b. n.b.


dell, mit dessen Hilfe die Koeffizienten f1, f2 und f3

berechnet werden können (Tab. 3). Die Konzentrationen

von Sr und Fe können sehr gut mit diesem

Modell beschrieben werden, 80 bis 90% der Varianz

werden dadurch erklärt, nicht aber die von K;

bei P erklärt das Modell immerhin 40% der Varianz.

Daraus ist zu schließen, dass die Verteilung von

Sr und Fe im Wesentlichen durch die geochemischen

Eigenschaften des Ausgangsmaterials bestimmt

wird, während die K- und P-Gehalte bis zu

einem gewissen Grad unabhängig davon variieren,

und somit schichtspezifische Besonderheiten zum

Ausdruck bringen. Besonders hohe positive Abweichungen

vom K-Erwartungswert treten in den

LE E111-4.13.1 und E112-4.9.2 (+89% bzw. +62%,

Erwartungswert = 100%) auf, während die LE 111-

3.0.2 durch eine deutlich negative Abweichung von

-54% auffällt. Beim Phosphor fallen die Schichten

E111-4.5.1, E111-4.15.1 und E112-4.0.3.2 durch

hohe positive Abweichungen auf (+82, +153 bzw.

+172%). Die K-Abweichungen können auf der Basis

des vorliegenden Datenmaterials nicht überzeugend

erklärt werden; vermutlich spielt die Kationenaustauschkapazität

der Gesamtsilikat-Fraktion

eine Rolle, die bei reinen Sanden sehr niedrig, bei

siltig-tonigem Material dagegen sehr hoch sein

kann. Hingegen dürften die hohen P-Abweichungen

von den Erwartungswerten zumindest teilweise

auf postsedimentäre P-Verlagerung zurückgehen,

denn in den hangenden Schichten sind die Abweichungen

vom Erwartungswert stets negativ (Tab. 4).

Für die LE 4.5.1 in E111 könnte allerdings auch eine

weitere Erklärungsmöglichkeit zutreffen: Hier

wurden sehr hohe Konzentrationen an Knochensplittern

(pn = 3,57) sowie reichlich Samen von Fragaria

vesca und Rubus spp. (Maier mündl. Mitt.) gefunden,

was auf die Ablagerung von menschlichen

Fäkalien und tierischen Resten bzw. Schlachtabfällen

hindeutet. Ähnliches gilt auch für LE 4.15.1

(E111). Andererseits enthalten auch die Schichten

LE 4.2.2 und 4.9.2 in E112 sehr viele dieser Samenreste,

ohne dass die P-Konzentrationen auffällig erhöht

wären.

Die postulierte P-Verlagerung stützt die bereits in

Kap. 4.1 und 4.2 vorgetragene Hypothese, dass aus

den hangenden Schichten P ausgewaschen und in

tiefere Schichten eingetragen und dort fixiert worden

ist. Vermutlich fand dieser Prozess bereits siedlungszeitlich

statt, als die hangende Schicht die aktuelle

Geländeoberfläche darstellte. Eine vertikale

Verlagerung mit dem Perkolationswasser setzt aber

einen zumindest phasenweise tieferen Wasserspiegel

voraus. Eine ähnliche Situation konnte in der

spätbronzezeitlichen Station „Hagnau-Burg“ am

Tabelle 3: Koeffizienten des Modells cE [μg g- 1 ] = 1000 f3+(f1-f2)

·cOS+(f2-f3)·cGC [mg g-1] . Angegeben sind Mittelwerte ± Standardabweichung

und Signifikanzniveaus (* α < 0,05; *** α < 0,001; ****

α < 0,0001), n = 28, R 2 adj - korr. multipler Korrelationskoeffizient.

1000 f3 f1-f2 f2-f3 R 2 adj

K 982 ± 178**** 1,66 ± 0,84* -0,90 ± 0,52n.s. 0,282

P 1513 ± 1172n.s. 21,1 ± 5,5*** -1,35 ± 3,41n.s . 0,402

Fe 4793 ± 1025**** 41,2 ± 4,9**** -4,38 ± 2,98n.s. 0,796

Sr -65,4 ± 28,5* 0,089 ± 0,135n.s. 1,200 ± 0,083**** 0,903

Tabelle 4: Abweichung der tatsächlichen Pges-Konzentration vom

Erwartungswert (PE) δ = (Pges-PE)/PE. PE wurde anhand der Modellkoeffizienten

in Tab. 3 berechnet.

Anreicherungsschicht

E111 - 4.5.1 E111 - 4.15.1 E112 - 4.0.3.2

δ = +0,81 δ = +1,53 δ = +1,72

Schicht im Hangenden der Anreicherungsschicht

E111 - 4.7.1 E111 - 4.15.1 E112 - 4.0.3.1

δ = -0,43 δ = -0,14 δ = -0,05

Bodensee-Obersee angetroffen werden (Ostendorp

1996); hier zeigten sich Verlagerungsvorgänge allerdings

im Huminstoffgehalt und nicht im P-Gehalt.

5.2 Trennungskoeffizient

Wenn zwei Schichten mit unterschiedlichen Partikelinhalten

(z.B. seebürtige Schichten und Kulturschichten)

aufeinander zu liegen kommen, so ist zu

erwarten, dass sich die Schichtinhalte bis zu einem

gewissen Grad miteinander vermischen. Dafür sorgen

mechanische Kräfte während und nach der Ablagerung,

etwa Brandung, Erosions- und Akkumulationsvorgänge,

Bioturbation durch Zoobenthon

bzw. Bodentiere, Tritt durch Mensch und Vieh sowie

die Wühltätigkeit von Haus- und Nutztieren.

Diese Einflüsse werden groß gewesen sein, wenn

sich auf eine überflutete, womöglich der Brandung

und Erosions- und Akkumulationsprozessen ausgesetzte

Seekreide Kulturschichtmaterial aufgelagert

hat, gering dagegen, wenn das basale Seekreidesediment

nicht wasserbedeckt, konsolidiert, vielleicht

sogar ausgetrocknet und damit betonartig

verfestigt gewesen ist. Dann nämlich sollten sich

beide Schichtinhalte weitgehend getrennt erhalten

haben, der Gradient der jeweiligen Partikelkonzentrationen

sollte folglich recht groß sein.

In der Siedlung Hörnle IA sind Trittspuren nicht

belegt; auch Hunde sind nur durch wenige Knochen

nachgewiesen (Kokabi 1990, Abb. 1), sodass

Schichtvermischungen auf andere Faktoren zurückgehen

sollten. Beim Schichtübergang vom GH2-

Top LE 5.0.1 zur AH1-Kulturschicht steigt der Ge-

467


halt von kulturschichtbürtigen Elementen auf einer

Distanz von 5 mm von 1300 auf 200700 kg -1 , entsprechend

einem Trennungskoeffizienten ksep von

|0,394| mm -1 . Am Top des Hornstaader Kulturschichtpaketes,

beim Übergang von der LE 4.1.1

zur silikatischen Seekreide LE 3.0.2, nimmt die

Konzentration lediglich von 127000 auf 27400 ab;

die Distanz beträgt 22,5 mm. Der Trennungskoeffizient

ist demnach mit |0,058| mm -1 bedeutend kleiner.

In Übereinstimmung mit den geochemischen

Befunden und den Ergebnissen der Partikelanalyse

kann er dahingehend erklärt werden, dass durch die

Erosion der Kulturschicht im Zuge der Seekreideüberdeckung

kulturschichtbürtige Partikel in das

Hangende eingetragen wurden. Auf der anderen

Seite legt die überaus scharfe Trennung von LE 5.0.1

und LE 4.15.1 (ksep= 0,197) den Schluss nahe, dass

sich das Kulturschichtmaterial des AH1 auf eine

trockene, konsolidierte Sedimentoberfläche aufgelagert

hat. Eine Überflutung während des Ablagerungsvorganges

scheidet demnach aus; sie hätte zu

einer syn- oder postsedimentären Einarbeitung von

Kulturschichtmaterial in das Liegende führen müssen.

Ergänzend muss jedoch darauf hingewiesen

werden, dass der Trennungskoeffizient auch von einer

sauberen Präparation der Schichten abhängt;

dies gilt gerade dann, wenn die Mächtigkeiten der

beiden benachbarten Schichten sehr gering sind –

wie im Falle des Überganges vom GH2-Top zum

AH1. Eine unsaubere Trennung führt zwangsläufig

zu einer Verringerung des ksep, sodass der o.g. Wert

von ksep= 0,197 ein konservativer Schätzwert ist: Bei

einer „idealen“ Präparation ohne jegliche Partikel-

Verschleppung wäre er eher höher.

6 Versuch einer umweltgeschichtlichen

Rekonstruktion

6.1 Modell: Überflutungswahrscheinlichkeit,

Siedlungsniveau und Erfolgsaussichten der

Seespiegelrekonstruktion

Ausgangspunkt der sedimentologischen Untersuchungen

an den Profilsäulen E111 und E112 war

die Frage (F), ob das Siedlungsareal des Hornstaader

Dorfes überschwemmt war oder nicht, die Häuser

zwangsläufig hätten „Pfahlbauten“ sein müssen

oder ebenso gut auch hätten ebenerdig gebaut sein

können. Angesichts der Tatsache, dass der Bodensee

heute – und sicher auch in früheren Zeiten – erhebliche

annuelle Wasserstandsschwankungen und dezenniale

Spitzenhochwässer aufweist, greift diese

Fragestellung F zu kurz. Reformuliert könnte sie et-

468

wa wie folgt aufgegliedert werden:

(F1) Wie oft bzw. wie lange und zu welcher Höhe

wurde das Hornstaader Dorf in der Zeitdauer seiner

Existenz überschwemmt?

(F2) Haben sich die Bewohner aufgrund dieser

Überflutungsfrequenz genötigt gefühlt, ihre Gebäude

auf Stelzen zu bauen, und wie weit waren die

Hausböden vom Untergrund abgehoben, oder haben

sie eine gelegentliche Überflutung unter Beibehaltung

des überkommenen Baustils toleriert?

Unter der Annahme, dass das Siedlungsareal überschwemmt

worden ist, müssen im Hinblick auf die

Frage F1 folgende Szenarien (S) unterschieden werden:

(S1) das Siedlungareal lag so hoch über dem seinerzeitigen

MMW, dass es in (nahezu) jedem Jahr

(S1a) bzw. nur in Extremhochwasserjahren (S1b)

überschwemmt wurde. Die Überschwemmungszeit

dürfte dann im Sommer gelegen haben und einige

Tage (im Falle von S1b) bis einige Wochen (S1a) gedauert

haben.

(S2) das Siedlungsareal lag so weit unter dem

MMW, dass es für mehr als sechs Monate überschwemmt

war. Die Überschwemmungsperiode

dürfte dann vom Frühling bis in den Spätherbst hineingereicht

haben.

Legt man diese Szenarien zugrunde, ist als Nächstes

die Frage zu stellen, ob überhaupt, und wenn ja mit

welchen paläoökologischen bzw. sedimentologischen

Methoden eine Überschwemmung nachgewiesen

werden kann.

Im Falle von S2 ist davon auszugehen, dass in nahezu

jedem Jahr eine nennenswerte sommerliche mehrere

Monate andauernde Überschwemmung stattgefunden

hat, die zumindest in einigen Jahren auch

bis in die Wintermonate hineingereicht hat. Das

Winterhalbjahr ist aber auch gleichzeitig die Jahreshälfte

mit der höchsten Starkwind- und Sturmaktivität

am Bodensee. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit

hoch gewesen sein musste, dass eine

Überschwemmungssituation im Herbst oder Frühjahr

von Starkwindereignissen begleitet wurde. Die

Brandungszone hat dann im Dorfareal gelegen.

Dies dürfte zu Seekreideeinschwemmungen, zur

Einschwemmung grober und schwerer Partikel

(Mollusken) sowie zu einer mikrotopographischen

Umgestaltung der noch unkonsolidierten Sedimente

geführt haben. Entsprechende Uferformen, kleine

Strandwälle, (Mollusken-)Spülsäume, Strandpflaster

und andere Sortierungsphänomene und

Strandkanten („beach scarps“) sind auch unter den

gegenwärtigen Bedingungen an den Bodensee-

Stränden häufig zu beobachten. Bedenkt man


weiterhin, dass die Sedimentzuwachsrate innerhalb

der Siedlung mit ca. 30 cm während einer Dauer von

etwa 20 Jahren (entsprechend der Holzschlagaktivität,

vgl. Billamboz S. 297ff.) phasenweise recht

hoch war, sollte doch zumindest ein Teil dieser

Oberflächenformen eingedeckt und konserviert

worden sein, sodass sie mit Hilfe der sehr detailgenauen

Hornstaader Grabungstechnik (vgl. Dieckmann

u. a. Kap. 1.5) hätten entdeckt werden müssen.

Tatsächlich konnten innerhalb des Hornstaader

Kulturschichtpaketes solche ufermorphologischen

oder sedimentologischen Befunde nicht mit Sicherheit

identifiziert werden; von den Ausgräbern werden

die Befundnr. 215 und 218 in E111 mit einer

Mächtigkeit von ca. 13 cm als „strandwallartige Bildungen“

angesehen (Dieckmann, mündl. Mitt.).

Zwar kommen auch in den Kulturschichten reichlich

Mollusken, vereinzelt auch Trichopteren-Gehäuse

(vgl. LE 4.10.1 u. 4.1.3 in E111; LE 4.0.3.1/

4.0.3.2 u. 4.0.1 in E112) vor, die jedoch nicht zwingend

durch Seeeinspülung in die Kulturschicht gelangt

sein müssen. Die Trichopteren-Larven beispielsweise

leben typischerweise auf sandig-kiesigen

Hartsubstraten und könnten mit Netzsenkern

oder aufsitzend auf Zugnetzen in die Siedlung verschleppt

worden sein. Auch Seekreideklumpen treten

in der Kulturschicht auf; es handelt sich hier

aber wahrscheinlich um die Unterböden von

Niedermoor-Anmooren, die von den Hornstaader

Siedlern im Hinterland abgegraben wurden (vgl.

Dieckmann et al. 2001). Vereinzelte Befunde, die auf

eine Land-See-orientierte Sortierung von Silikatklastika

hindeuten, belegen ebenfalls nicht zwingend

den Einfluss von Wellenschlag: Sortierungen

können auch – beispielsweise im Bereich eines

Dachtraufs – durch abrinnendes Niederschlagswasser

entstehen.

Insgesamt wird man zu dem Schluss kommen müssen,

dass alle bisher ergrabenen und untersuchten

Befunde, die in diese Richtung gedeutet werden

könnten, so schwach ausgeprägt sind, dass das Szenario

S2 unwahrscheinlich ist.

Damit bleibt das Szenario S1 zu untersuchen. Hier

ist prinzipiell von einem Fehlen morphologischer

oder sedimentologischer Befunde auszugehen, da

Stürme und Starkwinde in der Sommerperiode am

Bodensee selten auftreten. Folglich kann S1 mit den

üblichen Mitteln der Grabungstechnik und der sedimentologischen

Untersuchung weder gestützt

noch widerlegt werden. Andersartige Kriterien

müssen für eine Beurteilung herangezogen werden.

Im Falle einer mehr oder minder lang andauernden

hochsommerlichen Überschwemmung dürfte es bestenfalls

zu einer Ablagerung von Plankton und Ses-

ton in der Kulturschicht gekommen sein. Hierzu

gehören Algen (z.B. Diatomeen und Chrysophyceen)

und Zooplankter, von denen aber nur Cladoceren

überdauerungsfähige Reste liefern. Die Profilsäule

E112 wurde auf Cladocerenreste untersucht

(Veit S. 533ff.). Tatsächlich treten in den meisten

Kulturschichten geringe Mengen an Schalen auf; ein

Maximum konnte mit ca. 250 Resten pro Gramm

Trockensubstanz in LE 4.2.1 ermittelt werden.

Allerdings liegt diese Dichte nur bei etwa 1% der

für litorale und profundale Sedimente zu erwartenden

Dichte (Veit S. 533ff.). Dennoch ist das ausgeprägte

Maximum in LE 4.2.1 geeignet, das Szenario

S1 zu stützen. Legt man die Stärke des Signals zugrunde,

so dürfte es aber nur in einem von etwa 30

Siedlungsjahren zu einer bedeutenden sommerlichen

Überschwemmung gekommen sein. Es handelt

sich also um ein Extremereignis, das etwa einmal

in jeder Generation zu erwarten ist, ebenso wie

auch zeitgenössisch „Schadhochwässer“ am Bodensee

auftreten (zuletzt 1965, 1987, 1999).

6.2 Rekonstruktionsversuch: Schichtgenese

von E111 und E112

Unter Berücksichtigung dieser Überlegungen kann

die folgende umweltgeschichtliche Interpretation

versucht werden:

GH2: Die Basis beider Profilsäulen bildet der GH2,

der überall unter dem Siedlungsareal angetroffen

werden kann. Der hier erfasste obere Teil (LE 5.0.2

in E111) datiert nach pollenanalytischen Untersuchungen

von Liese-Kleiber 1985 und Rösch 1985

aus dem Späten Atlantikum (ca. 5800–6200 BP), also

etwa 1000 Jahre vor Gründung des Hornstaader

Dorfes. Es handelt sich offenbar um eine eu- oder

sublitorale Strandfazies; das Material wurde vielfach

umgelagert, enthält dadurch Schmitzen des Liegenden

sowie kulturschichtbürtige Partikel, die vielleicht

aus einer vor-hornstaad-zeitlichen Besiedlungsphase

des Uferabschnittes herrühren (vgl.

Diekmann 1991: 105-107). Die nur wenige Millimeter

mächtige Top-Lage aus Silikatsand (LE 5.0.1 in

E111) repräsentiert einen Strand, eine alte Oberfläche,

die unmittelbar vor Gründung des Hornstaader

Dorfes freigelegen haben muss. Von Bedeutung

ist die Frage, ob diese Oberfläche zum Zeitpunkt

der Besiedlung wasserfrei, womöglich ausgetrocknet

und konsolidiert gewesen ist, sodass die ersten

Siedler ihre Häuser „trockenen Fußes“ errichten

konnten. Dies war offensichtlich der Fall: Die Trennung

zum AH1 ist scharf, das Oberflächenrelief

völlig ruhig und ungestört, der Trennungskoeffizient

ksep (vgl. Kap. 5.3) ist hoch. In einem nassen

469


Sediment hätten Steine und kulturschichtbürtige

Partikel in die LE 5.0.2 eingedrückt werden müssen,

und in einem überfluteten Sediment hätte der Wellenschlag

diese Partikel eingearbeitet. Bei der Profilsäule

E112 enthält die Top-Sandlage sehr viel AH1-

Material; die Mikrotopographie des Überganges zur

GH2-Seekreide ist unruhiger. So wurde dieses

Schichtpaket grabungstechnisch dem AH1 zugeschlagen.

Seine Genese ist jedoch zweifelsfrei die

gleiche wie die der LE 5.0.1 in E111.

Diese Interpretation stimmt mit der Befundlage und

der Interpretation der Profilsäule E90 überein. Demnach

muss davon ausgegangen werden, dass zumindest

einige Zeit vor der Hornstaader Siedlungsgründung

ein Niedrigwasserstand mit MMW-Werten

um 394 m vorgeherrscht hat, dass der damalige

Mittelwasserstand also ca. 1 m niedriger lag als heute.

AH1: Der AH1 ist in beiden Profilsäulen mit ca.

0,5 cm geringmächtig ausgeprägt; aber auch in anderen

Siedlungsbereichen überschreitet die Schichtdicke

kaum 10 mm. Er enthält ein breites Spektrum an

kulturschichtbürtigen Partikeln, daneben auch robuste,

mechanisch abriebfeste seebürtige Partikel

(Mollusken-Trümmerschill, Bithynia-Deckel). Empfindlichere

limnigene Partikel (Characeen-Oogonien;

Cladoceren, vgl. Veit S. 533ff.) fehlen fast völlig.

An der Profilsäule E90 wurde der AH1 mikromorphometrisch

untersucht, mit dem Ergebnis,

dass die fein laminierte schuppige Struktur gegen eine

syn- oder postsedimentäre Aufarbeitung durch

Wellenschlag spricht (Ostendorp 1990). Beide Argumente

legen den Schluss nahe, dass die erste,

durch den AH1 repräsentierte Siedlungsphase auf

trockenem Untergrund beendet worden ist. Der damalige

Wasserstand wird also bei 394 m oder tiefer

gelegen haben. Aus dem Vorhandensein von Trümmerschill

und Bithynia-Deckeln sollte keine Überschwemmung

hergeleitet werden, da diese Reste in

allen Kulturschichten regelmäßig, wenn auch in geringen

Partikeldichten, anzutreffen sind. Offensichtlich

wurden sie von den Siedlern zusammen

mit anderen Materialien in die Siedlung eingeschleppt.

Es ist nicht einmal gesichert, ob sie direkt

vom Seeufer oder aus älteren Seekreiden im Untergrund

von Niedermoorböden auf der Landseite der

Siedlung stammen.

AH2: Die Brandschicht des AH2 (LE 4.14.1 u.

4.13.1 in E111 und 4.7 in E112) enthält ebenfalls

nur robuste limnigene Partikel, nämlich Trümmerschill

und Bithynia-Deckel, wiederum fehlen weitgehend

alle empfindlichen seebürtigen Partikel einschließlich

der Wasserpflanzenreste. Auch in diesem

Falle ist eine Überschwemmung von nennenswerter

Höhe bzw. Dauer unwahrscheinlich. Als

470

sicher darf jedoch gelten, dass die Kulturschicht zumindest

in der winterlichen Niedrigwasserphase

wasserfrei war, da jegliche ufermorphologische

Strukturen und Einschwemmungen von Seekreide

(vgl. XMg) fehlen. Ein weiteres Argument spricht

dafür, dass der MW-Spiegel während der gesamten

Siedlungsphase, die den AH1 und den AH2 hinterlassen

hat, um 394 m gelegen haben muss: Offensichtlich

kam es aufgrund des Brandereignisses

zumindest im E111 zu einer Mobilisierung von

Phosphat (stark negative Abweichungen vom Erwartungswert,

vgl. Kap. 5.1), das sich mit dem Perkolationswasser

nach unten verlagerte und sich im

GH1-Top anreicherte (stark positive Abweichung

vom Erwartungswert). Eine Perkolation ist aber

nur denkbar in einem hydrostatischen Gefälle zwischen

eluierter Schicht und Seespiegel (vgl. auch

Station „Hagnau-Burg“, Ostendorp 1996).

AH3: Die Schichtabfolgen im AH3 beider Profilsäulen

lassen sich nicht sicher miteinander korrelieren,

allerdings wurde versuchsweise eine Zuordnung

zu den einzelnen Siedlungsabschnitten vorgenommen,

d.h. die möglicherweise während derselben

Phase abgelagerten Schichten haben als

Kennung den gleichen Großbuchstaben (vgl. Tabelle

1–2). Gleichwohl werden die Schichten der beiden

Profilsäulen hier getrennt betrachtet.

Alle Schichten im AH3 von E111 enthalten jeweils

etwa gleiche Konzentration an robusten limnischen

Partikeln wie Mollusken-Schalen, Trümmerschill

und Bithynia-Deckel. Bemerkenswert ist auch das

gelegentliche Auftreten von Trichopteren-Köcherresten

Das Auftreten dieser Reste allein kann nicht

als Beleg für Überschwemmungsphasen herangezogen

werden, da mit einer Einbringung durch den

Menschen gerechnet werden muss, sei es direkt von

der Seeseite her, etwa durch schlammbehaftete

Fischfanggeräte o.Ä., oder von der Landseite her

auf dem Umweg über abgegrabene Bodenschichten

(„verbraunte Seekreide“, vgl. Schmidt S. 473ff.). Für

die gegenteilige Annahme, dass die Dorfbewohner

trotz der Seenähe keinerlei seebürtige Partikel in die

Siedlung eingebracht hätten, gibt es nach derzeitigem

Wissensstand keine überzeugenden Argumente.

Gerade die geringen Konzentrationsschwankungen

dieser Partikel innerhalb der AH3-Schichtabfolge

sprechen für eine konstante „Hintergrundbelastung“.

Da zudem empfindliche seebürtige Partikel,

etwa Characeen-Oogonien und Ostracoden-Schalen,

aber auch Wasserpflanzen-Samenreste fehlen,

GC-Gehalte durchweg gering sind und die Karbonatkomponente

nicht aus limnischen Calciten herrühren

dürfte, lassen sich keine Argumente für eine

Überflutung des Siedlungsareals während der AH3-


Bildungsphase finden. Allerdings gibt es auch keine

Hinweise für eine rein terrestrische Ablagerung der

Schichten, etwa Trockenrisse, Ausbildung von Bodenhorizonten

o.Ä. Nach den bisherigen Vorstellungen

über die Schichtentstehung wären solche Erscheinungen

allerdings auch wenig wahrscheinlich.

Der AH3 der Profilsäule E112 bietet ein ähnliches

Bild, sowohl was die geochemischen Befunde als

auch was die Partikelinhalte angeht. Robuste limnische

Partikel treten im Konzentrationsbereich einer

„Hintergrundbelastung“ auf, während empfindlichere

Reste nicht gefunden wurde. An dieser Stelle

muss jedoch noch einmal deutlich darauf hingewiesen

werden, dass für etliche Schichten kein Material

zur Partikelanalyse zur Verfügung stand (vgl.

Bemerkung am Ende von Kap. 3.1). Hingegen

konnte Veit (S. 533ff.) in der LE 4.2.1 vergleichsweise

hohe Konzentrationen an Cladoceren-Schalenresten

nachweisen; hier wurden mit einigen Najas-Nüsschen

auch Wasserpflanzenreste nachgewiesen

(Maier mündl. Mitt.). Beide Befunde können als

Beleg für eine Überschwemmungsphase gelten, die

sich allerdings nicht im geochemischen Bild niedergeschlagen

hat, denn die GC-Gehalte dieser Schicht

sind nicht erhöht und weisen keine erniedrigten

XMg-Werte auf. Es mag während des Sommers zu

einer kurzzeitigen Überschwemmung gekommen

sein, wobei Cladoceren und Najas-Sprosse eingespült

wurden. Das Hochwasser wurde offenbar

nicht von Stürmen begleitet, was bei heutigem Jahreswitterungsverlauf

auch recht unwahrscheinlich

gewesen wäre, sodass keine Seekreideeinschwemmungen

stattfanden. Insgesamt stellt aber die

LE 4.2.1 die einzige Schicht des AH3 beider Profilsäulen

dar, in der sich überzeugende Seeeinflüsse erhalten

haben.

Anders als die zentralen Schichten des AH3 enthalten

die Top-Schichten (LE 4.1.1 in E111 und

LE 4.0.1 in E112) in höherer Konzentration auch

empfindlichere seebürtige Partikel, etwa Characeen-Oogonien

(vgl. Kap. 4.1 u. 4.2) sowie Potamogeton-

und Najas-Samen (Maier mündl. Mitt.), während

Cladoceren praktisch fehlen (Veit S. 533ff.).

Man kann darin einen erhöhten Wasserstand in dieser

Siedlungsphase sehen. Es dürfte sich allerdings

bestenfalls um hohe Sommerwasserstände gehandelt

haben, da makroskopisch sichtbare Seekreideeinschwemmungen

ebenso fehlen wie eine morphometrische

Störung der Ablagerungen. Eine wahrscheinlichere

Interpretation wäre die, dass nach Ablagerung

des AH3-Top (unter terrestrischen

Bedingungen) ein ansteigender Seestand Teile der

Kulturschicht erodierte und umlagerte, sodass im

Kontaktbereich seebürtige Partikel neben Kulturschichtpartikeln

zu liegen kamen. Dafür spricht der

geringe Trennungskoeffizient, der die Verschleppung

von KS-Partikeln in die aufliegenden Seekreiden

indiziert.

Hinsichtlich der zentralen Frage nach den siedlungszeitlichen

Wasserständen ist folgende zusammenfassende

Interpretation am wahrscheinlichsten:

– Das Hornstaader Dorf wurde auf nicht wasserbedecktem,

wahrscheinlich sogar oberflächlich ausgetrocknetem

Sediment aufgebaut.

– Während der gesamten Siedlungsphase herrschten

terrestrische Bedingungen vor. Bestenfalls kam

es in einigen Jahren (repräsentiert durch die LE 4.2.1

in E112) zu sommerlichen Überschwemmungen.

Der mittlere Wasserstand dürfte bei 394 m oder darunter

gelegen haben.

– Nach Beendigung der Siedlungstätigkeit kam es

zu einer Überschwemmung des Siedlungsplatzes im

Zuge eines Seespiegelanstiegs auf ca. 395 m oder

mehr.

Die umweltgeschichtliche Analyse der Profilsäulen

E111 und E112 deckt sich im Wesentlichen mit den

Ergebnissen an E90.

471


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