Hepatitis B - 50 Fragen und Antworten - Swiss Experts in Viral ...

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Hepatitis B - 50 Fragen und Antworten - Swiss Experts in Viral ...

Hepatitis b50 Fragen und AntwortenDr. med. Eric Odenheimer, Prof. Dr. med. Beat Müllhaupt und Prof. Dr. med. Andreas Cerny


© 2012 by SEVHep; 2. Auflagec/o Centro di EpatologiaClinica LuganeseMoncuccoVia Moncucco 106900 LuganoSwitzerlandTel. +41 091 960 85 03Fax +41 091 960 87 18www.viralhepatitis.ch


An wen richtet sich diese Broschüre?Diese Broschüre ist für Menschen mit einer Hepatitis B Virus Infektion gedacht. Sierichtet sich aber auch an deren Angehörige, Partnerinnen und Partner und an dieinteressierte Öffentlichkeit.Was möchte diese Broschüre erreichen?Viele Einzelheiten der Hepatitis B Virus Infektion und ihrer möglichen Folgekrankheitensind heute bekannt. Unzählige Fragen sind aber noch offen und viele Lösungen bleibenErmessenssache. Der/die Betroffene muss mitentscheiden können. Voraussetzung hierfürist eine umfassende Information.Diese Broschüre hat zum Ziel, den Betroffenen die Grundlagen für ihre Entscheidungenzu vermitteln. Die Broschüre will und kann aber das direkte Gespräch mit dem betreuendenArzt und dem Leberspezialisten keinesfalls ersetzen.Wie soll man diese Broschüre lesen?Die Broschüre enthält 50 Fragen und beantwortet diese gemäss dem heutigen Wissensstand.Die Fragen sind nach Themen gegliedert und in Gruppen zusammengefasst.Ziel ist es, Antworten in klarer und für den Laien verständlicher Form zu geben, ohnedadurch den Inhalt zu verfälschen. Bleiben dennoch Fragen oder Unklarheiten bestehen,so wird dem Leser/ der Leserin empfohlen, das direkte Gespräch mit dem Hausarzt odereinem Leberspezialisten zu suchen.Weiterführende Adressen finden sich am Schluss der Broschüre.


D i s c l a i m e rDas Material, welches wir in dieser Broschüre und auf unserer Webseite präsentierenoder anderswo in irgendwelcher Form veröffentlichen, ist ausschliesslich für Pädagogik-,Ausbildungs- und Informationszwecke. Wir können für eine Vielzahl von medizinischenFragen und Verfahren Informationen präsentieren oder veröffentlichen, aber es ist nichtbeabsichtigt, medizinische Diagnosen oder Anweisungen für Behandlungen zu liefern.Der Inhalt von SEVHep darf nicht für die Erstellung eigenständiger Diagnosen oder fürdie Auswahl und Anwendung von Behandlungsmethoden verwendet werden. SEVHeppraktiziert nicht direkt Medizin und gibt auch keine medizinischen Ratschläge. AlleInformationen stellen in keiner Weise Ersatz für professionelle Beratungen oder Behandlungendurch ausgebildete Ärzte dar. Sie sollten unter keinen Umständen auf Grund vonInformationen, die Sie von uns erhalten, den Rat Ihres Arztes oder anderer qualifiziertermedizinischer Berater missachten oder ignorieren. Konsultieren Sie immer Ihren eigenenVertrauensarzt für jegliche Gesundheitsfragen.Verweisziele («Links») von unserer Webseite zu anderen Webseiten werden einzig undallein zu Ihrem Vorteil zur Verfügung gestellt und wir erklären ausdrücklich, keinerlei Einflussauf die Gestaltung und die Inhalte der verlinkten Seiten zu haben. Wir distanzierenuns hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller verlinkten Seiten auf unserer Webseiteund machen uns ihrer Inhalte nicht zu Eigen. Diese Erklärung gilt für alle auf unsererWebseite angebrachten Links.Obwohl wir alle angemessenen Schritte unternehmen um zu versichern, dass all das Material,das durch uns veröffentlicht wird, korrekt ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung,übernehmen wir keinerlei Gewähr für die Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität derbereitgestellten Informationen und übernehmen keinerlei Gewähr für irgendwelcheVerzögerungen, die entstehen, um die Information auf den neuesten Stand zu bringen.Dieser «Disclaimer» definiert die Grundlage, auf welcher Basis wir Material auf unsererWebseite und anderswo veröffentlicht haben, und es muss klar verstanden werden, dasswir Haftung für den Verlust oder Schaden, resultierend durch den unrichtigen Gebrauchder Information, beinhaltet in dem von uns veröffentlichten Material, ausschliessen.


I n h a l t s v e r z e i c h n i sSeiteFragen4–5 1–3 Grundsätzliches zur Leber und zur Hepatitis6–12 4–13 Grundsätzliches zur Hepatitis B13–14 14–17 Übertragung des Hepatitis B Virus15–18 18–26 Diagnose und Verlaufsuntersuchung19–23 27–36 Was soll ich tun, wenn ich betroffen bin?24–28 37–43 Medikamentöse Behandlung29–30 44–47 Impfung31 48–50 Weitere wichtige Informationen32–33 Stichwortverzeichnis34 Anhang


F r a g e n 1 u n d 2Grundsätzliches zur Leber und zur Hepatitis1. Was ist die Aufgabe der Leber?Die Leber ist die chemische Fabrik unseres Körpers und zuständig für verschiedenstelebenswichtige Stoffwechselfunktionen. Sie ist ein Organ von bemerkenswerterKomplexität und an Hunderten von Stoffwechselschritten beteiligt.Sie entgiftet und reinigt den Körper von schädlichen Substanzen, indem siediese abbaut und so über Urin oder Galle ausscheidungsfähig macht. Sie bautNahrungsbestandteile wie Fette, Eiweisse und Zucker in Körperbausteine um,speichert wichtige körpereigene Substanzen wie Zucker, Vitamine, Spurenelementeund Mineralstoffe und stellt sie anderen Organen zur Verfügung, wennsie gebraucht werden. Sie bildet Galle, welche im Darm eine wichtige Rolle beider Verdauung und der Aufnahme von Nahrungsbestandteilen (vor allem vonFetten) spielt. Zudem kann die gesunde Leber geschädigte und zerstörte Anteile,d.h. Leberzellen und Lebergewebe, rasch wieder erneuern (Regeneration).2. Was ist eine Hepatitis?Hepatitis heisst «Entzündung der Leber». Sie kann sich folgendermassenentwickeln: Ein Einfluss von aussen (Noxe), beispielsweise Alkohol, gewisseMedikamente oder bestimmte Viren, führt zu einer Leberschädigung. DieseLeberschädigung lockt Entzündungszellen (weisse Blutkörperchen) an, welcheaus dem Blut an den Ort des Schadens wandern. Die Aufgabe der Entzündungszellenist es, den Schadensverursacher und alle durch ihn geschädigtenLeberzellen zu beseitigen. Diese Abräumaktion stellt die eigentliche Entzündungdar. Gelingt sie vollständig, heilt die Entzündung ab, die geschädigtenund abgeräumten Leberzellen werden ersetzt und der ursprüngliche Zustand,eine gesunde, funktionsfähige Leber, ist wieder hergestellt.Kann der Schadensverursacher nicht vollständig beseitigt werden und dieEntzündung nicht ausheilen, kommt es zur chronischen Entzündung (chronischeHepatitis). Dauert eine solche chronische Leberentzündung lange genug,so können geschädigte und untergegangene Leberzellen nicht mehr erneuert,sondern nur noch durch Narbengewebe ersetzt werden. Diese Narbensträngezerstören mit der Zeit zusehends den Aufbau der Leber und es entsteht eineNarbenleber, eine so genannte Leberzirrhose. Durch Abnahme des funktionstüchtigenLebergewebes kann die Leber mit der Zeit ihre Aufgaben nur nochungenügend wahrnehmen, es kommt zur so genannten Leberinsuffizienz.Diese kann sich in einem fortgeschrittenen Stadium unter anderem in einemRückstau von Gallenfarbstoff (Gelbsucht), einer verzögerten Blutstillung nachVerletzungen und durch Rückstau von Giftstoffen in einer Hirnfunktionsstörungmit Konzentrationsschwäche und Schläfrigkeit äussern. Durch die vernarbte4


F r a g e n 2 u n d 3Grundsätzliches zur Leber und zur HepatitisLeber ist der Blutfluss behindert, so dass sich das vom Darm her kommendeBlut vor der Leber anstaut, was zu einer Vergrösserung der Milz und später zumAbpressen von Flüssigkeit in die Bauchhöhle, zum so genannten Bauchwasser(Aszites), führt. Zudem versucht das Blut über andere Wege die Leber zu umfliessen.Vorzugsweise geschieht dies über die Venen der Speiseröhre, wo sichKrampfadern (Varizen) ausbilden können. Diese Krampfadern können platzenund dann zu oft lebensbedrohlichen Blutungen mit Bluterbrechen führen.Schliesslich kann auf dem Boden einer Narbenleber (Leberzirrhose) mit jahrelangbestehendem Untergang und Erneuerung von Leberzellen eine bösartigeEntartung, d.h. ein Leberzellkrebs (hepatozelluläres Karzinom), entstehen.Je nach Art des Schadensverursachers (bzw. je nach Kombination allfälligerverschiedener schädigender Einflüsse) spielen sich diese Vorgänge rascher(d.h. in Jahren) oder langsamer (in Jahrzehnten) ab, wobei die entscheidendenFaktoren bei den Einzelnen oft unbekannt bleiben.3. Was kann eine Hepatitis auslösen?Eine Leberentzündung und ihre möglichen Folgen können ganz verschiedeneUrsachen haben. Zu den bei uns häufigsten gehören die folgenden: Alkohol,bestimmte Viren, gewisse und zum Teil vererbte Stoffwechselkrankheiten undseltener bestimmte Medikamente. Bei den viralen Ursachen stehen die eigentlichenHepatitis Viren (A – E), insbesondere das Hepatitis B Virus (HBV) unddas Hepatitis C Virus (HCV), im Vordergrund. Je nach schädigender Ursachespricht man beispielsweise von einer Alkohol Hepatitis oder von einer viralenHepatitis B etc.5


F r a g e n 4 u n d 5Grundsätzliches zur Hepatitis B4. Was ist das Hepatitis B Virus?Das Hepatitis B Virus gehört zur Familie der Hepadna Viren. Das Virus bestehtaus einer Hülle und einem Kern. In diesem befindet sich die Erbsubstanz (oderdas Genom) des Virus. Diese setzt sich aus Tausenden von Bausteinen zusammen,den so genannten Desoxyribonukleinsäuren, abgekürzt DNS. Diesesvirale Genom – respektive die HBV-DNS – ist eine Art Bauplan und enthält dasHerstellungsprogramm, mit Hilfe dessen das Virus seine Erbsubstanz vermehrenund mit einer Hülle umgeben kann. Aus einem werden so mehrere Viren,aus diesen wiederum eine noch grössere Zahl usw.; täglich vermehrt sich so dasHepatitis B Virus im Körper eines Infizierten viele Millionen Mal. Beim Hepatitis BVirus gibt es acht verschiedene Varianten oder Untergruppen, d.h. Viren mitleicht verschiedenen Bauplänen, die man HBV-Genotypen nennt. Sie sind internationaleinheitlich definiert und werden als Genotypen A–H bezeichnet. Alldiese verschiedenen Untergruppen sind Hepatitis B Viren. Sie unterscheidensich aber geringfügig in ihrem Aufbau, z.B. in ihrer Hülle. Während die Genotypenbei Hepatitis C Infektion eine wichtige Rolle bei der Wahl des Behandlungsschemasspielen, ist deren Bedeutung bei der Hepatitis B weniger gross.Der Nachweis von Viruseiweissen (so genannten Antigenen) und von Abwehrstoffengegen bestimmte Viruskomponenten (so genannten Antikörpern)im Blut ist die Basis der Diagnosestellung einer Hepatitis B Virusinfektion.Der Nachweis von Bestandteilen des Erbgutes des Hepatitis B Virus, d.h. dererwähnten Desoxyribonukleinsäure (HBV-DNS), im Blut belegt, dass sich dasHepatitis B Virus noch im Körper befindet und aktiv vermehrt. Zusätzlich kanndie Menge des im Blut zirkulierenden Hepatitis B Virus gemessen werden;man spricht dann von der Viruskonzentration, von der «Viruslast» oder dem«viral load». (siehe Fragen 19 und 20)5. Was ist die Hepatitis BDie Hepatitis B ist eine Leberentzündung, die durch eine Ansteckung mit demHepatitis B Virus verursacht wird. Der Begriff «Hepatitis B» ist ein weiter Begriff,der ganz unterschiedlich verwendet wird. Dies kann zu Missverständnissenführen. Wichtig ist deshalb, die wesentlichen Vorgänge der Hepatitis B Infektionund ihrer möglichen Folgeerkrankungen zu verstehen und auseinanderzu halten. Nach rein zeitlichen Kriterien wird eine «akute Phase» zu Beginn derInfektion im Verlauf von einer «chronischen Phase» unterschieden.6


F r a g e 6Grundsätzliches zur Hepatitis B6. Was geschieht nach der Infektion (akute Phase)?Die akute Phase umfasst die ersten sechs Monate nach erfolgter Hepatitis BAnsteckung und kann sich wie folgt auswirken:Asymptomatische akute Hepatitis B:Das Alter zum Zeitpunkt der Infektion bestimmt den Verlauf der Hepatitis BInfektion. Erfolgt die Infektion während der Geburt oder in der frühen Kindheit,verläuft die Infektion fast immer unbemerkt, aber auch bei einer Infektion imErwachsenenalter weisen 50 bis 70 Prozent aller Infizierten keine Krankheitszeichenauf. Die Infektion kann nach einigen Wochen anhand von Bluttests(HBs-Antigen, Hepatitis B Core-IgM-Antikörper, siehe Frage 19), eine Leberentzündunganhand erhöhter Leberwerte im Blut (Transaminasen, siehe Frage 23)festgestellt werden. Eine Lebergewebeentnahme (Leberbiopsie) wird in derakuten Phase kaum je gemacht, würde aber unter dem Mikroskop das Bildeiner akuten Leberentzündung zeigen.Symptomatische akute Hepatitis B:Die Krankheitszeichen einer akuten Hepatitis B treten üblicherweise einen bissechs Monate nach der Ansteckung auf (Inkubationszeit). Bei einer Infektionim Erwachsenenalter äussert sich bei 30 bis 50 Prozent der Infizierten eine Leberentzündungmit Gelbsucht. Die ersten Symptome können sehr unspezifischsein wie Fieber, Müdigkeit, Gelenkschmerzen und -entzündungen, Appetitverlustund Magen-Darm-Beschwerden. Später kann es zusätzlich zu einerGelbverfärbung des Augenweisses und der Haut kommen (ikterische akuteHepatitis B). Die Beschwerden und Krankheitszeichen (Symptome) könneneinige Wochen andauern und verschwinden dann wieder. Das Virus wird ausdem Körper eliminiert, und es bilden sich schützende Antikörper, die eine erneuteInfektion verhindern. Bei einer Infektion im Erwachsenenalter kommt esnur bei einem bis fünf Prozent der Fälle zu keiner dauerhaften Viruselimination,und es entwickelt sich eine chronische Hepatitis B Infektion. Erfolgt die Infektionjedoch während der Geburt, dann entwickeln bis 90% der Infizierten einechronische Hepatitis B; erfolgt die Infektion in der Kindheit, nimmt die Infektionnur in 30% einen chronischen Verlauf. Das Alter zum Zeitpunkt der Infektion istsomit der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung einer chronischen HepatitisB Infektion.Selten verläuft die akute Hepatitis B Infektion sehr schwer, und es entwickelt sich in0,1 bis 0,5 Prozent der Fälle ein schweres Leberversagen, das zum Tode führen kann.7


F r a g e 7Grundsätzliches zur Hepatitis Bdie Entzündung in der Leber zurück und die Leberwerte normalisieren sich. Indieser Phase ist die Hepatitis B Infektion nicht aktiv (Phase des inaktiven HBs-Antigen-Trägers).III. Phase des inaktiven HBs-Antigen-TrägersIn dieser Phase sind die Leberwerte (Transaminasen) normal, die Viruserbsubstanzist nur in geringen Mengen nachweisbar. Die Entzündung in der Leberist minimal, aber es können immer noch Viruseiweisse im Blut nachgewiesenwerden (HBs-Antigen), nicht aber das HBe-Antigen (siehe Frage 19). Die Prognosedieser Patienten ist in der Regel gut, aber bei 20 bis 30 Prozent kann eszur Reaktivierung (Ausbildung einer chronischen Leberentzündung, IV Phase)kommen. Selten (ein bis zwei Prozent pro Jahr) kann bei Patienten sogar auchdas HBs-Antigen verloren gehen.IV. Phase der ReaktivierungBei einem Teil der Patienten kann es durch Selektion von veränderten Viren(mutierte Viren) zu einem Aufflackern der Leberentzündung kommen. Dadiese Viren das HBe-Antigen nicht mehr bilden können, spricht man auch voneiner HBe-Antigen-negativen chronischen Hepatitis B (siehe Frage 19). DiesePhase ist charakterisiert durch erhöhte Leberwerte, nachweisbare Viruseiweisse(HBs-Antigen) und Viruserbsubstanz (HBV-DNS) sowie eine Entzündung in derLeber. Im Unterschied zu Patienten mit einer HBe-Antigen-positiven chronischenHepatitis B sind diese Patienten im Durchschnitt älter. Auch diese Formder chronischen Leberentzündung kann über die Jahre zu einer Narbenleber(Leberzirrhose) führen.Die Leberzirrhose verursacht anfänglich oft noch keine Beschwerden. Erst imfortgeschrittenen Stadium kann die Leberzirrhose zu Komplikationen führen:Es können Bauchwasser (Aszites), Blutungen aus Krampfadern in der Speiseröhre,Hirnleistungsschwäche, Gelbsucht und Leberversagen auftreten. SolcheKomplikationen zeigen sich innerhalb von fünf Jahren bei ca. 20 Prozent derPatienten mit Hepatitis B bedingter Leberzirrhose. Schliesslich kann bei einemkleinen Teil der Patienten mit Hepatitis B bedingter Leberzirrhose ein Leberkrebsentstehen (ca. zwei bis drei Prozent pro Jahr).9


F r a g e n 1 0 u n d 1 1Grundsätzliches zur Hepatitis B10. Warum gibt es grosse Unterschiede im Verlauf der chronischenHepatitis B?Warum die chronische Hepatitis B bei einigen Patienten nur langsam, beianderen rascher voranschreitet, ist nach wie vor nur teilweise bekannt. Zu denFaktoren, die den Verlauf beeinflussen, gehört täglicher Alkoholkonsum. Auchdas in unserer Gesellschaft akzeptierte Ausmass (z.B. ein bis zwei StangenBier oder zwei bis drei Deziliter Wein pro Tag) beschleunigt die Vernarbungstendenzin der Leber und damit die Entwicklung einer Zirrhose. Das ist der einzigeverlaufsbestimmende Faktor, der vom Patienten beeinflusst werden kann.Andere Faktoren, die den Verlauf einer Hepatitis B ungünstig beeinflussen, sindmännliches Geschlecht und das Alter des Patienten zur Zeit der Ansteckung.Das gleichzeitige Vorliegen einer Hepatitis C oder einer HIV-Infektion führtebenfalls zu einem ungünstigeren Verlauf. Eine angeborene oder erworbene,zum Beispiel durch Medikamente verursachte Verminderung der Immunität,hat ebenfalls einen Einfluss auf den Krankheitsverlauf.11. Wie verbreitet ist die Hepatitis B Virusinfektion weltweit?Die Hepatitis B Virusinfektion ist ein globales Gesundheitsproblem. Schätzungsweise2 Milliarden Menschen wurden weltweit mit dem Hepatitis B Virus infiziert,bei 350 Millionen Menschen bleibt das Virus in Leber und Blut (Träger undchronische Infizierte). Davon sterben über 600'000 jährlich an den Folgekrankheiten,die in Zusammenhang mit dem Hepatitis B Virus stehen. Es gibt grosseregionale Unterschiede in der Verbreitung der Hepatitis B Infektion. In den VereinigtenStaaten, Kanada, Westeuropa, Australien und Neuseeland sind ca. 0,1bis zwei Prozent der Bevölkerung infiziert. In den Mittelmeerländern, in Japan,im Nahen und Mittleren Osten, in Zentralasien sowie in Lateinamerika liegt dieZahl der Infizierten bei drei bis fünf Prozent der Bevölkerung. In Südostasien,China und in den Ländern südlich der Sahara sind sogar zehn bis 20 Prozent derBevölkerung mit dem Hepatitis B Virus infiziert.Diese grossen Unterschiede bei den betroffenen Bevölkerungsanteilen sindweitgehend auf das unterschiedliche Alter bei der Ansteckung mit dem Viruszurückzuführen. Je jünger der Patient bei der Ansteckung ist, desto höher istdas Risiko eines chronischen Verlaufes. Ungefähr 90 Prozent der HBV-Infektionennehmen einen chronischen Verlauf, wenn sich der Patient bei der Geburt(sog. perinatale Infektion) angesteckt hat. Eine Ansteckung zwischen demersten und fünften Lebensjahr nimmt in ungefähr 50 Prozent der Fälle einenchronischen Verlauf, während bei weniger als fünf Prozent der Erwachsenenmit HBV ein chronischer Verlauf auftritt.11


F r a g e n 1 4 u n d 1 5Übertragung des Hepatitis B Virus14. Wie kann das Hepatitis B Virus übertragen werden?Das Hepatitis B Virus wird durch das Blut infizierter Menschen übertragen.Früher konnte dies auch mit Bluttransfusionen oder durch Verabreichung vonBlutprodukten (Gerinnungsfaktoren, Eiweisskonzentrate, antikörperhaltigeMedikamente) geschehen, heute ist eine Übertragung auf diesem Weg praktischausgeschlossen. In den letzten Jahren standen die Übertragungen durchinfizierte Nadeln und Spritzen und andere Stich- und Schnittutensilien imVordergrund. Dies betraf – und das gilt auch heute noch – vor allem Benützervon intravenösen Drogen, die gegenseitig Spritzen und Nadeln austauschenoder gemeinsam andere Spritzutensilien (Löffel, Filter) benützen. Seltenerkönnen auch unsachgemässe Tätowierungen, Piercings oder Akupunktur mitunsterilen Instrumenten zur Infektion führen. Die sexuelle Übertragung istheute in der Schweiz der wichtigste Übertragungsweg. Das Hepatitis B Viruswird im Vergleich zum Hepatitis C Virus viel häufiger beim ungeschütztenGeschlechtsverkehr übertragen. In vielen Ländern Afrikas und Asiens ist dieÜbertragung der Infektion während der Schwangerschaft, d.h. von der Mutterauf das Kind, sehr häufig (40 bis 90 Prozent) und die meisten Kinder werdenchronisch infiziert. Deshalb sollten alle Schwangeren auf eine Hepatitis BInfektion getestet werden und bei nachgewiesener Hepatitis B Infektion solltedas Neugeborene aktiv und passiv (siehe Frage 44) geimpft werden. BeimStillen besteht kein zusätzliches Risiko, wenn das Neugeborene aktiv und passivgeimpft wurde.15. Wie kann ich mich schützen?Den besten Selbstschutz vor einer Infektion mit dem Hepatitis B Virus stellendie Vermeidung von Risikosituationen und die Hepatitis B Impfung dar. Personen,die Risikosituationen ausgesetzt sind (medizinisches Personal und verwandteBerufe, Angehörige von Hepatitis B Infizierten, intravenös Drogenabhängige)sollten sich deshalb unbedingt gegen Hepatitis B impfen lassen (sieheFrage 45). In der Schweiz wird prioritär auch die Impfung aller Jugendlichen imAlter von 11 bis 15 Jahren empfohlen, sie kann aber in jedem Alter erfolgen.Akupunktur, Piercings und Tätowierungen sollten nur von Fachleuten und mitsterilen Instrumenten durchgeführt werden. Zahnbürsten und Rasierklingensollten nicht ausgetauscht werden. Ausserhalb einer stabilen Partnerschaftempfiehlt es sich immer, beim Geschlechtsverkehr ein Kondom zu benützen.13


F r a g e n 1 6 u n d 1 7Übertragung des Hepatitis B Virus16. Habe ich mich angesteckt?Möglicherweise mit dem Hepatitis B Virus angesteckt haben sich Personen, dieSexualkontakte zu Infizierten haben oder hatten sowie Personen, die Drogenmittels Spritzen konsumieren oder konsumiert haben, medizinisches Personal,Angehörige verwandter Berufe sowie Personen, die mit einem Hepatitis BInfizierten im gleichen Haushalt wohnen, sofern sie nicht immunisiert (aktiveSchutzimpfung) wurden. Anstecken können sich auch Neugeborene vonHepatitis B positiven Müttern sowie Personen, die sich einer unsachgemässdurchgeführten Tätowierung, Piercing oder Akupunktur unterzogen habenoder an paramedizinischen Spritzenkuren teilgenommen haben. Es wird empfohlen,dass sich solche Personen auf das Hepatitis B Virus resp. eine Hepatitis Btesten lassen, auch wenn sie sich gesund fühlen und bei sich selbst keine Anzeicheneiner Lebererkrankung festgestellt haben. Personen, die sich gesund fühlenund nie einem der beschriebenen Risiken ausgesetzt waren, müssen sich nichttesten lassen.17. Wie habe ich mich angesteckt?Nicht selten wird eine Hepatitis B Virusinfektion erst nach Jahren bis Jahrzehntenentdeckt. Es ist dann schwierig, nach so langer Zeit noch Zeitpunkt undÜbertragungsweg herauszufinden. Man kann die Liste der Ansteckungsmöglichkeitenund Risikosituationen, wie sie in Frage 14 aufgeführt sind, im Geistedurchgehen. Das Resultat ist bestenfalls ein Verdacht, aber kaum je Gewissheit.Es ist wichtig zu wissen, dass der Übertragungsweg auch bei sorgfältigen Abklärungenin einigen Fällen ungeklärt bleibt.14


F r a g e n 1 8 u n d 1 9Diagnose und Verlaufsuntersuchung18. Was lässt an eine Hepatitis Infektion denken?Ein Teil der Hepatitis B Virusinfektionen wird aufgrund von Beschwerden resp.Hinweisen auf eine Lebererkrankung entdeckt. Gelegentlich erfolgt die Entdeckungeiner Hepatitis B Virusinfektion «zufällig» bei sich völlig gesund fühlendenPersonen im Rahmen von Check-ups, Vorsorgeuntersuchungen oder beimBlutspenden.19. Wie wird eine Hepatitis B Infektion festgestellt?Eine Infektion mit dem Hepatitis B Virus wird mittels spezifischer Laboruntersuchungenfestgestellt (diagnostiziert). Im Blut können verschiedene Bestandteile(Antigene) des Hepatitis B Virus und entsprechende Hemmkörper (Antikörper)nachgewiesen werden. Bei den Antikörpern kann zwischen sogenannten IgMundIgG-Antikörpern unterschieden werden. Zuerst werden IgM-Antikörper,später IgG-Antikörper gebildet. In der Frühphase einer akuten Hepatitis BInfektion können Hüllenbestandteile des Hepatitis B Virus (HBs-Antigen) undHemmkörper vom Typ IgM (Antikörper) gegen Kernbestandteile des Virusnachgewiesen werden (HBc-IgM-Antikörper). Als Ausdruck der Virusvermehrungkönnen auch noch andere Virusbestandteile (HBe-Antigen) nachgewiesenwerden. Im Verlauf verschwinden das HBs-Antigen, das HBe-Antigen und dieHBc-IgM-Antikörper und es können HBe-Antikörper, HBc-IgG-Antikörper undHBs-Antikörper nachgewiesen werden. Bleibt das HBs-Antigen länger als sechsMonate nachweisbar, spricht man von einer chronischen Hepatitis B Infektion.Als Ausdruck der aktiven Virusvermehrung kann das HBe-Antigen und dasGenom des Hepatitis B Virus (die sogenannte HBV-DNS) nachgewiesen werden.Im Langzeitverlauf einer chronischen Hepatitis B Infektion können Veränderungenin der Erbsubstanz (Mutationen) des Virus auftreten. So kann es sein, dasssich das Virus trotz Nachweis von Antikörpern gegen das HBe-Antigen immernoch aktiv vermehrt. Dies kann nur durch den direkten Nachweis der HBV-DNSbewiesen werden.15


F r a g e n 2 0 u n d 2 1Diagnose und Verlaufsuntersuchung20. Wie werden die durch Hepatitis B Virus bedingten Erkrankungenfestgestellt und beurteilt?Wurde eine Hepatitis B Virusinfektion diagnostiziert, heisst dies noch langenicht, dass in jedem Falle auch eine Leberentzündung (Hepatitis) oder andereFolgeerkrankungen vorliegen oder sich entwickeln werden. Um beurteilen zukönnen, ob eine Leberentzündung oder eine Folgekrankheit vorliegen, mussder Arzt die individuelle Vorgeschichte und die Beschwerden des Patientenkennen sowie eine sorgfältige klinische Untersuchung und Laboruntersuchungen(inkl. der Leberwerte) durchführen (siehe Frage 23). Um ein aussagekräftigesBild zu erhalten, ist meist auch eine Ultraschalluntersuchungdes Bauches und, insbesondere wenn es um eine Behandlung geht, auch diemikroskopische Beurteilung einer Gewebeprobe aus der Leber (Leberbiopsie)wichtig (siehe Frage 24). Dabei gilt es getrennt zu beurteilen, ob eine HepatitisB Virusinfektion vorliegt, ob es sich um eine akute oder chronische Hepatitishandelt, wie ausgeprägt eine allfällig vorhandene Entzündung in der Leber istund welches Stadium eine eventuell vorliegende Vernarbung in der Leber (Leberfibrose)erreicht hat (siehe Frage 7). Das Ausmass der Lebervernarbung kanndurch Laboruntersuchungen und durch den Fibroscan® abgeschätzt werden.Beim Fibroscan® wird mittels eines kaum spürbaren mechanischen Impulsesdie Elastizität der Leber gemessen. Der Test ist schmerzlos und basiert auf demPrinzip des Ultraschalls.21. Was ergeben die Vorgeschichte und die klinische Untersuchung?Der Arzt kann durch das genaue Erfragen der Vorgeschichte Hinweise auf dasVorliegen einer Hepatitis B Infektion und den möglichen Ansteckungsweg,den Zeitpunkt der Ansteckung sowie den bisherigen Infektionsverlauf erhalten.Der Arzt wird nach den allgemeinen Risikofaktoren für Hepatitis B – wieungeschützter Geschlechtsverkehr, intravenöser Drogengebrauch sowieFamilienmitglieder oder Partner mit einer Hepatitis B Infektion – fragen. Allfälligvorliegende frühere Laborresultate wird er gewichten. In der körperlichenUntersuchung wird er auf Zeichen einer Lebererkrankung achten, wobei es zubedenken gilt, dass auch beim Vorliegen einer akuten Hepatitis körperlicheAnzeichen einer Lebererkrankung vollständig fehlen können. Bei anderenPatienten kann eine akute Hepatitis von Fieber, Gelbfärbung des Augenweissesund der Haut (Gelbsucht oder Ikterus), einer weichen, vergrösserten Leber undeinem Hautausschlag begleitet werden.Die Krankheitssymptome bei einer chronischen Hepatitis B sind ebenfalls sehrunterschiedlich. Die meisten Patienten mit einer chronischen Hepatitis B zeigen16


F r a g e n 2 1 , 2 2 u n d 2 3Diagnose und Verlaufsuntersuchungkeine Befunde bei der körperlichen Untersuchung. Patienten mit einer fortgeschrittenenHepatitis B Erkrankung, wie z.B. diejenigen mit einer Leberzirrhose,zeigen verschiedene Auffälligkeiten in der körperlichen Untersuchung, die aufdas Leberproblem hinweisen. Dies sind Gelbsucht, Verwirrtheit, erweiterter, mitFlüssigkeit gefüllter Bauch (Aszites), Milzvergrösserung, Beinödeme, vermehrtesBrustdrüsengewebe bei Männern, Rötung der Handinnenfläche (Palmarerythem),kleine spinnenartige Venen, üblicherweise im Dekolleté (Spider naevi),Muskelschwund, Hodenatrophie und Asterixis (spontanes Wippen der ausgestrecktenHände bei nach vorne gerichteten Handinnenflächen).22. Was bedeuten die Virusmenge und der Virus-Genotyp?Wie erwähnt, können im Blut direkt Bestandteile des Erbguts des Hepatitis BVirus, die HBV-DNS, bestimmt werden (siehe Fragen 4 und 19). Der Nachweisder HBV-DNS beweist das Vorliegen einer aktiven Hepatitis B Virusvermehrung.Die Bestimmung der Virusmenge ist zusammen mit den Leberwerten wichtigfür die Bestimmung des Stadiums der chronischen Hepatitis B (siehe Frage 7)sowie für die Therapie. Die Bedeutung der bereits erwähnten Hepatitis B Virus-Untergruppen (Genotypen) (siehe Frage 4) ist heute noch nicht klar und siewerden auch noch nicht routinemässig bestimmt.23. Was sind Leberwerte?Unter Leberwerten versteht man Enzyme (Eiweisse, die Stoffwechselschrittevermitteln, insbesondere die Transaminasen), die im Rahmen von Stoffwechselvorgängenin der Leber Eiweisse (Proteine) umbauen. Werden im Verlauf einerLeberentzündung Leberzellen zerstört und abgeräumt, treten die Transaminasenvermehrt ins Blut über und lassen sich dort als «erhöhte Leberwerte» nachweisen.Diese geben somit einen Hinweis auf das Vorliegen einer Leberzellschädigung.Das Ausmass der Transaminasenerhöhung widerspiegelt aber geradebei der chronischen Hepatitis B nur schlecht das Ausmass der Entzündungin der Leber. Über diese kann letztendlich nur eine Lebergewebsentnahme(Leberbiopsie) zuverlässig Auskunft geben (siehe Frage 24). Im weiteren Sinnegehören auch andere Enzyme (z.B. alkalische Phosphatase) zu den Leberwerten.Andere Laborwerte (z.B. die Konzentration des Gallenfarbstoffes, des sogenannten Bilirubins, oder gewisse Eiweisse wie Albumin und Gerinnungsfaktorenim Blut) erlauben grob die Funktion und die Funktionsreserve der Leberabzuschätzen.17


F r a g e n 2 4 , 2 5 u n d 2 6Diagnose und Verlaufsuntersuchung24. Was bedeutet eine Leberhistologie und welche Informationen gibt sie?Die zuverlässigste und umfassendste Auskunft über das Ausmass der Entzündungund das Stadium der Vernarbung in der Leber ergibt sich bei einerHepatitis B Virusinfektion aus der mikroskopischen Untersuchung von Lebergewebe.Um dieses zu gewinnen, ist eine Leberbiopsie oder Leberpunktion nötig.Eine Leberbiopsie ist ein kleiner Eingriff, der in den meisten Fällen ambulanterfolgen kann. Nach einer lokalen Betäubung (wie beim Zahnarzt) entnimmtder Arzt mit einer Nadel unter Ultraschallkontrolle ein kleines Stückchen Lebergewebe,das dann unter dem Mikroskop beurteilt werden kann. Der Eingriffdauert inklusive Vorbereitung ungefähr 10 bis 20 Minuten und wird gefolgt voneiner mehrstündigen Überwachungsphase. Das Risiko ist gering, sollte aberebenso wie das genaue Vorgehen vorgängig mit dem Arzt besprochen werden.Das Hauptrisiko sind Blutungen im Bereich der Entnahmestelle. Es ist wichtigalle Blutungsfördernden Medikamente nach Absprache mit dem Arzt rechtzeitigabzusetzen.25. Gibt es andere Untersuchungen, die zur Beurteilung einer Hepatitis Bhilfreich sind?Es gibt viele andere Untersuchungen, die bei der Beurteilung einer HepatitisB im Einzelfall hilfreich sein können, sei es auch «nur» zum Ausschluss andererUrsachen für die Lebererkrankung. Andere Untersuchungen zielen darauf ab,die entzündliche Aktivität und das Vernarbungsstadium in der Leber durchBlutuntersuchungen ohne Leberbiopsie abzuschätzen. Keiner dieser Tests hatsich aber bis heute als zuverlässig genug erwiesen und viele werden erst imRahmen von Studien und in spezialisierten Leberzentren durchgeführt. Oftwird heute auch eine Fibroscan®-Untersuchung durchgeführt (siehe Frage 20).26. Wie weit sollen die Leberuntersuchungen bei einer chronischenHepatitis B Virusinfektion gehen?Die Beantwortung der Fragen 19 bis 25 zeigt, wie komplex eine Leberabklärungsein kann. Viele Untersuchungen, grosser Aufwand bei der Beurteilung derResultate und nicht zuletzt auch die Kosten spielen eine Rolle. Deshalb musssorgfältig abgewogen werden, welche Untersuchungen durchgeführt werdensollen und wie oft. Wichtig ist die Fragestellung: Will ich nur wissen, ob ichinfiziert bin, oder geht es um das Vorliegen oder das Ausmass einer Leberschädigungoder um die Therapie? Der Betroffene muss darüber gut von einem Arztinformiert werden und mitentscheiden.18


F r a g e 2 7Was soll ich tun, wenn ich betroffen bin?27. Was bedeutet eine chronische Hepatitis B Virusinfektion für mich?Eine Hepatitis B Virusinfektion ist keinesfalls ein Todesurteil und beeinflusstwahrscheinlich die Lebenserwartung beim Grossteil der Betroffenen kaum oderüberhaupt nicht. Man kann mit dem Virus als asymptomatischer «inaktiver»Träger Jahre bis Jahrzehnte leben, sehr oft ohne wesentliche Beschwerdenund Einschränkungen. Die Prognose variiert etwas mit dem klinischen Erscheinungsbild.Langzeitstudien haben gezeigt, dass die überwiegende Mehrzahlvon HBV-positiven Trägern asymptomatisch bleibt und nur eine Minderheiteine Leberzirrhose oder gar einen Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom)entwickelt. Einschränkend muss leider erwähnt werden, dass Patienten mitHerkunft aus Gebieten mit einer hohen Verbreitung der HBV-Infektion (sogenannte Endemie-Gebiete, siehe Frage 11) eine schlechtere Prognose haben.Bei 12 bis 20 Prozent von ihnen wird sich eine chronische Hepatitis innerhalbvon fünf Jahren zu einer Leberzirrhose entwickeln und eine Leberzirrhose wirdbei rund 20 Prozent der Patienten innerhalb von fünf Jahren zu einer manifestenLeberfehlfunktion (Leberinsuffizienz) führen. Im Weiteren kann bei einembis zwei Prozent der Fälle pro Jahr ein hepatozelluläres Karzinom (Leberkrebs)auftreten (siehe Frage 7). Solange die Leberzirrhose kompensiert ist, leben imDurchschnitt nach fünf Jahren noch 85 Prozent der Betroffenen, sobald jedochKomplikationen auftreten – wie z.B. Bauchwasser (Aszites) etc. – leben nachfünf Jahren nur noch 14 bis 35 Prozent der Betroffenen. Es ist deshalb wichtig,auch rechtzeitig die Möglichkeiten einer Lebertransplantation mit dem Arzt zubesprechen. Aber selbst bei Patienten mit einer manifesten Leberinsuffizienzkann die Unterdrückung der Virusvermehrung durch Medikamente zu einerverbesserten Leberfunktion führen.19


F r a g e n 2 8 , 2 9 u n d 3 0Was soll ich tun, wenn ich betroffen bin?28. Was muss ich unbedingt vermeiden?Auf täglichen Alkoholkonsum, auch in mässigen Mengen, soll unbedingtverzichtet werden, da er das Voranschreiten der Vernarbung in der Leberbeschleunigt. Gegen einen geringen Alkoholkonsum bei speziellen Anlässen(Geburtstag) ist aber wahrscheinlich nichts einzuwenden. Auch zusätzlicheInfektionen mit anderen Hepatitisviren und insbesondere mit dem Hepatitis A,dem Hepatitis C Virus sowie mit dem HIV müssen verhindert werden. Sie belastendie Leber zusätzlich. Das heisst, dass man alle Übertragungsrisiken für dieseInfektionen vermeiden respektive sich gegen eine Hepatitis A Infektion impfensoll (Fragen 14 und 34).29. Welche Ernährung wird empfohlen?Die Ernährung soll nicht einseitig, sondern abwechslungsreich und ausgewogensein. Es ist sinnvoll frische, regional produzierte Nahrungsmittelvorzuziehen. In diesem Sinne darf man auch mit einer chronischen Hepatitis Balles essen, auch alle eiweisshaltigen Lebensmittel (Fisch, Fleisch, Milch, Eier),Getreideprodukte (Brot, Teigwaren und Reis), alle Milchprodukte (Joghurt,Vollmilch, Käse) und auch alle Früchte und Gemüse. Das Körpergewicht solltenicht zu hoch sein, da sich das übermässige Körperfett zum Teil in der Leberansammelt (Fettleber) und die Leberfunktion negativ beeinflussen kann. Kaffeekann ohne weiteres getrunken werden, da im Kaffee enthaltene Substanzeneine Schutzwirkung auf die Leber ausüben. Es gibt keinerlei Hinweise, dass eineHepatitis B Virusinfektion durch gemeinsame Mahlzeiten oder durch Teilen desBestecks im gleichen Haushalt übertragen werden kann. Es sind somit auchdiesbezüglich keinerlei spezielle Massnahmen erforderlich.30. Ist körperliche Aktivität erlaubt?Es besteht keinerlei Grund, auf körperliche Aktivität bzw. Sport zu verzichten.Körperliche Aktivität verschlimmert eine chronische Hepatitis B nicht. Umgekehrthat aber nach heutigem Wissen speziell hohe körperliche Aktivität auchkeinen günstigen Einfluss auf den Krankheitsverlauf.20


F r a g e n 3 1 u n d 3 2Was soll ich tun, wenn ich betroffen bin?31. Ergeben sich berufliche Einschränkungen durch eine Hepatitis BVirusinfektion?Für einen mit Hepatitis B Virus Infizierten ergeben sich beruflich keine generellenEinschränkungen, insbesondere ist eine mit Hepatitis B Virus infiziertePerson im Alltag nicht ansteckend. Ein mit Hepatitis B Virus Infizierter darf jedeTätigkeit ausüben. Sorgfalt ist nur geboten bei blutenden Verletzungen (sieheFrage 36). Bei Personen, die im Gesundheitswesen arbeiten gelten bestimmteRegeln, die von den Personalärzten umgesetzt werden.32. Darf ich küssen und Sex haben?Eine mit Hepatitis B Virus infizierte Person darf uneingeschränkt küssen undschmusen. Nur bei aktiv blutenden Verletzungen ist eine gewisse Vorsichtangebracht. Auch dann ist eine Übertragung nur möglich, wenn Hepatitis BVirus enthaltendes Blut einer infizierten Person in genügender Menge in dieBlutbahn einer anderen Person gelangt. Beim Küssen und Schmusen bestehtdeshalb kein Risiko. Anders ist es beim Sex: Die sexuelle Übertragung des HepatitisB Virus ist, wie erwähnt, möglich (siehe Frage 14). Deshalb heisst Sex ausserhalbeiner stabilen Partnerschaft resp. mit jedem neuen Partner «Safer Sex»,also Schutz durch Präservative – dies nicht nur wegen des Risikos der Übertragungdes Hepatitis B Virus, sondern auch wegen einer möglichen Ansteckungmit dem HIV oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wie Gonorrhöh,Siphilis, Chlamydien u.a.m. In einer stabilen Partnerschaft gilt es, den Partner zuinformieren, damit er sich impfen kann. Besteht beim Partner ein genügenderImpfschutz, liegt kein Übertragungsrisiko vor. Es ist sinnvoll, im Zweifelsfall denHausarzt zu fragen.21


F r a g e n 3 3 u n d 3 4Was soll ich tun, wenn ich betroffen bin?33. Was muss ich auf Reisen beachten?Reisen sind für eine mit Hepatitis B Virus infizierte Person jederzeit möglich. Esgibt keine speziellen Einschränkungen, solange die Strapazen erträglich sind.Während einer medikamentösen Behandlung ist darauf zu achten, dass trotzder Reise die regelmässige Einnahme der Medikamente nicht unterbrochenwird. Zudem dürfen die Medikamente (insbesondere Interferon) nicht der Hitzeausgesetzt werden. Während einer Behandlung ist es ratsam, dass am Zielortein Arzt verfügbar ist (siehe Frage 43). Ebenso wird empfohlen, ein ärztlichesZeugnis mitzuführen, um bei einem Grenzübertritt nicht Schwierigkeiten wegender mitgeführten Spritzen etc. zu riskieren.34. Darf ich, soll ich mich trotz meiner Hepatitis B Virusinfektionimpfen lassen?Für Impfungen gibt es für eine mit Hepatitis B Virus infizierte Person keinerleiEinschränkungen, d.h. man darf und soll die üblichen Impfungen durchführenlassen. Hinzu kommt aber, dass es dringend empfohlen ist, sich gegen Hepatitis Aimpfen zu lassen. Die Hepatitis A Infektion muss vermieden werden, denn siebelastet die Leber zusätzlich.22


F r a g e n 3 5 u n d 3 6Was soll ich tun, wenn ich betroffen bin?35. Wie steht es mit der Schwangerschaft bei einer Hepatitis BVirusinfektion?Eine Übertragung des Hepatitis B Virus von der infizierten Mutter auf das Kindwährend der Geburt kommt sehr häufig vor, falls keine Prophylaxe betriebenwird. Ist bei der Mutter das HBe-Antigen als Hinweis auf eine hohe Virusvermehrungnachweisbar, so beträgt das Übertragungsrisiko zwischen 60 und 90Prozent, ist das HBe-Antigen nicht mehr nachweisbar (tiefe Virusvermehrung),so liegt das Risiko immer noch zwischen zehn und 30 Prozent. Wird das Neugeboreneangesteckt, so nimmt die Infektion in über 90 Prozent der Fälle einenchronischen Verlauf. Es ist deshalb wichtig, in diesem Falle bei Neugeborenensofort eine aktive und passive Impfung durchzuführen. Eine Hepatitis B ist keinGrund, einer Frau von Kindern abzuraten, aber das Neugeborene muss unbedingtgeimpft werden. Diese Impfung ist sehr effektiv. Eine mit Hepatitis B Virusinfizierte Mutter darf ihr Kind stillen.36. Wie kann ich andere schützen?Hierauf beziehen sich die Antworten zu den Fragen 31 und 32. Eine Zusammenfassung:Als Hepatitis B Virus-Träger schütze ich andere, indem ich kein Blutoder Blutprodukte spende und generell den direkten Kontakt mit meinem frischenBlut verhindere. Das eigene, Hepatitis B Virus enthaltende Blut soll nichtin die Blutbahn, d.h. auch nicht auf eine offene, blutende Wunde eines anderenMenschen gelangen. Jede Person darf aber ohne weiteres einen Verband oderein Pflaster anlegen etc., dabei besteht keinerlei Gefahr. (Zu Sexualität sieheFrage 32.)23


F r a g e n 3 7 u n d 3 8Medikamentöse Behandlung37. Wie wird entschieden, ob eine Therapie notwendig ist?Bei den meisten Patienten mit einer im Erwachsenenalter erworbenen akutenHepatitis B Infektion heilt die Krankheit ohne Komplikationen aus. Deshalbbenötigen sie keine antivirale Therapie. Im seltenen Fall einer sehr schwer verlaufendenakuten Hepatitis B mit Einschränkung der Leberfunktion (fulminanteHepatitis B) ist die frühzeitige Verlegung in ein Transplantationszentrum im Hinblickauf eine eventuell nötige Lebertransplantation oft lebensrettend. Bei derEntscheidung, ob eine chronische Hepatitis B Virusinfektion behandelt werdensoll, müssen verschiedene Aspekte wie das Patientenalter, die Art der chronischenHepatitis B Virusinfektion (HBe-Antigen-positive oder negative chronischeHepatitis B, inaktiver HBs-Antigen-Träger), das Ausmass der Leberschädigung,die voraussichtliche Ansprechrate auf die Therapie und die Möglichkeitvon Nebenwirkungen der Behandlung sorgfältig in Betracht gezogen werden.38. Wie sieht die Therapie aus?Für die Behandlung der chronischen Hepatitis B sind in der Schweiz heutefolgende Medikamente, z.T mit Einschränkungen, zugelassen:1: Interferon: Interferon alfa, PEG-Interferon alfa 2a (siehe Frage 39).2: Nukleosid-, respektive Nukleotidanaloga: Lamivudin, Adefovir, Telbivudin,Entecavir und Tenofovir (siehe Frage 40).Es ist wichtig zu verstehen, dass mit beiden Therapieformen heute in der Regelnur eine Unterdrückung und keine vollständige Elimination des Virus erreichtwerden kann. Die Vor- und Nachteile der beiden Therapiearten können wiefolgt zusammengefasst werden:Die Vorteile einer Interferonbehandlung – heute wird praktisch immer einpegyliertes Interferon eingesetzt – sind die limitierte Therapiedauer (12 Monate),die Möglichkeit eine dauerhafte Virusunterdrückung zu erzielen und diefehlende Resistenzentwicklung. Nachteile sind, dass nicht alle Patientengruppenmit Interferonen behandelt werden können und dass die Nebenwirkungen(siehe Frage 41) gelegentlich zum Therapieabbruch führen oder zur Reduktionder Dosis zwingen. Im Gegensatz dazu werden alle Nukleosid-, respektiveNukleotidanaloga sehr gut vertragen und können bei allen Patientengruppeneingesetzt werden. Ihr Nachteil ist jedoch, dass die Behandlung in der Regellangfristig durchgeführt werden muss und damit verbunden das Risiko derResistenzentwicklung zunimmt.24


F r a g e n 3 8 u n d 3 9Medikamentöse BehandlungI . HBs-Antigen-positive und negative chronische Hepatitis BDas Ausmass der Leberschädigung, das heute immer noch oft durch eineLeberbiopsie bestimmt wird, das Risiko an den Folgen der Lebererkrankungzu versterben, die Chance auf die Therapie anzusprechen und die zu erwartendenNebenwirkungen sind entscheidend dafür, ob eine antivirale Therapiein Erwägung gezogen werden soll. Entscheiden Sie sich zusammen mit IhremArzt für eine Behandlung mit einem pegylierten Interferon, wird die Behandlungin der Regel während 12 Monaten durchgeführt. In bis zu einem Drittelkann damit eine dauerhafte Unterdrückung der Virusvermehrung und Normalisierungder Leberwerte erreicht werden. Entscheiden Sie sich für eine Behandlungmit einem Nukleosid- oder Nukleotidanaloga, wird die Behandlung inder Regel langfristig geplant. Die Wahl des Medikamentes erfolgt nach denneuesten Behandlungsrichtlinien durch den behandelnden Arzt und erfordertin gewissen Fällen eine genetische Untersuchung Ihres Hepatitis B Virus, umschon vor Beginn der Behandlung sicherzustellen, dass keine Resistenzmutationenauf ein bestimmtes Medikament vorliegen. Während einer Behandlungsind regelmässige ärztliche Untersuchungen und Laborkontrollen nötig, damitdie Wirksamkeit der Therapie (Abfall der Viruslast; siehe Frage 4), unerwünschteMedikamentennebenwirkungen und Resistenzentwicklungen (siehe Frage 40)erfasst werden können und – falls nötig – die Dosierung, respektive die Artder Behandlung entsprechend angepasst werden kann. Entscheidend für denErfolg ist eine genaue und regelmässige Einnahme der Medikamente. Falls diemedikamentöse Behandlung durch Sie unterbrochen wird, ist der Erfolg derBehandlung aufs höchste gefährdet.II. Inaktiver HBs-Antigen-TrägerDie Prognose dieser Patienten ist in der Regel gut. Eine Behandlung ist deshalbnicht notwendig.39. Was ist Interferon?Interferon ist ein natürliches, körpereigenes Eiweiss, das einerseits das körpereigeneAbwehrsystem aktiviert und gleichzeitig die Virusvermehrung bremst.Das pegylierte Interferon ist ein abgeändertes Interferon, bei dem eine Polyethylenglykol-Seitenkettean das ursprüngliche Interferonmolekül fixiertwurde. Dadurch wird erreicht, dass das Medikament langsamer in den Körperaufgenommen und ausgeschieden wird und somit nur noch eine Injektion proWoche nötig ist.25


F r a g e n 4 0 u n d 4 1Medikamentöse Behandlung40. Was sind Nukleosid- und Nukleotidanaloga?Nukleosidanaloga (z.B. Lamivudin, Telbivudin und Entecavir) und Nukleotidanaloga(z.B. Adefovir, Tenofovir) sind chemische Substanzen, die sehr ähnlichaufgebaut sind wie die Bausteine der viralen Erbsubstanz. Sie werden deshalbvom Virus als normale Bausteine erkannt. Aber im Gegensatz zu den normalenBausteinen kann nach Einbau eines Nukleosid- oder Nukleotidanaloga dieErbsubstanz nicht mehr weitergebaut werden und es kommt zu einem Abbruch.Dadurch wird die Vermehrung des Virus gestoppt. Diese Medikamente sind sehrwirksam, gut verträglich und können im Gegensatz zum Interferon als Tabletteeinmal am Tag eingenommen werden. Leider verlieren diese Medikamente mitder Zeit ihre Wirksamkeit (Resistenzentwicklung). Gelingt es die Virusvermehrungvollständig zu unterdrücken, ist das Risiko der Resistenzentwicklung kleiner.Es ist deshalb sehr wichtig, dass Sie die Medikamente täglich einnehmen und nieeine Tablette vergessen wird.41. Was sind die Nebenwirkungen der Therapie?I. InterferonDas Auftreten von Nebenwirkungen und das Ausmass derselben sind individuellsehr verschieden. Die meisten Nebenwirkungen treten zu Beginn derTherapie auf, d.h. in den ersten vier Wochen, und klingen im Verlauf oft allmählichab. Am häufigsten treten einige Stunden nach einer Interferon-Injektiongrippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskel-,Gelenk- und Gliederschmerzen auf. Interferon senkt die Anzahl der weissenBlutkörperchen und/oder Blutplättchen. Seltener kann bei entsprechender Veranlagungeine depressive Verstimmung auftreten und sehr selten können eineSchilddrüsenunterfunktion oder andere so genannte Autoimmunkrankheitenausgelöst werden. Auch Magen-/Darmbeschwerden, Haarausfall, dünnes Haarund trockene Haut können auftreten. Die beschriebenen unerwünschten Wirkungenbilden sich alle vollständig zurück, wenn die Dosis reduziert oder dieMedikamente abgesetzt werden; lediglich die Schilddrüsenunterfunktion (undandere autoimmune Erkrankungen) verschwinden nicht immer vollständig. Dadie Behandlung belastend sein kann, aber nicht muss, ist es wichtig, dass sichder Patient vorgängig bei seinem behandelnden Arzt ausführlich über Auswirkungenauf seine Lebensqualität etc. informiert und während der Therapiegegebenenfalls auftretende Probleme besprechen kann. Sie können jedochohne weiteres Medikamente gegen die Nebenwirkungen einnehmen. FragenSie diesbezüglich Ihren Arzt. Gegen die grippeähnlichen Symptome und Fieberhilft ein Grippemittel (Paracetamol 1 Tablette à 500 mg ca. 30 bis 60 Minuten26


F r a g e n 4 1 u n d 4 2Medikamentöse Behandlungvor der Interferon-Injektion). Im Übrigen hilft es häufig, das Interferon vor demSchlafengehen zu spritzen, sodass Sie durch die meisten grippeähnlichenNebenwirkungen hindurchschlafen können. Falls eine depressive Verstimmungauftritt, ist auch frühzeitig an den Einsatz von Antidepressiva zu denken.II. Nukleosid- und NukleotidanalogaDiese Medikamente werden in der Regel sehr gut toleriert. Nebenwirkungenkönnen vorkommen und sollten dem behandelnden Arzt gemeldet werden.42. Was bedeutet die Therapie für meinen Alltag?Eine medikamentöse Therapie beeinflusst den Alltag: Die Interferon-Behandlungdauert in der Regel 12 Monate. Es können Nebenerscheinungen undunerwünschte Wirkungen auftreten (siehe Frage 41). Auch die Umgebungspürt es, da Sie möglicherweise auf kleinere Alltagsprobleme gereizter reagierenals üblich. Deshalb sind gute Informationen, eine gute Zusammenarbeitmit dem behandelnden Arzt und ein gutes Einvernehmen mit der Umgebungwichtig. Eine Therapie muss sorgfältig geplant sein. Wer schon lange undimmer wieder Symptome hat, erträgt eine Therapie besser als jemand, der sichvorher gesund gefühlt hat. Speziell ist an Folgendes zu denken: Sowohl beimInterferon und bei den Nukleosid- und Nukleotidanaloga ist eine regelmässigeund pünktliche Einnahme der Medikamente für den Therapieerfolg entscheidend.Interferon sollte gekühlt zwischen 2 °C und 8 °C aufbewahrt werden.Wo kein Kühlschrank vorhanden ist, kann kurzfristig eine Kühlbox verwendetwerden. Die maximale Aufbewahrungsdauer von Interferon bei Raumtemperaturbeträgt 48 Stunden.Die Behandlung mit Nukleosid- und Nukleotidanaloga ist eine Langzeitbehandlungund darf nicht unterbrochen werden. Die Medikamenteneinnahme27


F r a g e n 4 2 u n d 4 3Medikamentöse Behandlungmuss unbedingt regelmässig, jeden Tag erfolgen. Sie verursacht kaum Nebenwirkungen.Falls sich jedoch etwas an Ihrem Wohlbefinden ändert, muss raschder Arzt darüber informiert werden.43. Was bedeutet es für mich, wenn die Interferon Therapie nichterfolgreich ist?Man kennt heute keine Nachteile wenn eine Interferonbehandlung nicht erfolgreichgewesen ist. Diese hat dann nicht geschadet, leider aber auch nichtsgenützt. Man könnte sich immerhin vorstellen, dass ein vorübergehenderRückgang der Entzündung unter der Therapie der Leber eine «Verschnaufpause»ermöglicht hat. Meist wird bei fehlendem Therapie-Erfolg der InterferonBehandlung später mit einer Nukleosid- oder Nukleotidanaloga eine Unterdrückungder Virusvermehrung angestrebt. Bei einer Behandlung mit einemNukleosid- oder Nukleotidanaloga ist es wichtig die Viruslast in regelmässigenAbständen (ca. alle 3–6 Monate) zu kontrollieren. Gibt es Hinweise für eineResistenzentwicklung, ist es wichtig möglichst frühzeitig die Therapie entsprechendanzupassen. Die Behandlung der chronischen Hepatitis B entwickeltsich rasch weiter:Was heute unmöglich erscheint, kann schon morgen möglich werden. Beifortgeschrittener Leberzirrhose kann eine Lebertransplantation bereitsheute eine fast normale Lebenserwartung bei ausgezeichneter Lebensqualitätermöglichen.28


F r a g e n 4 4 u n d 4 5Impfung44. Welche Impfstoffe gibt es?Man unterscheidet eine aktive und eine passive Impfung. Im Gegensatz zuraktiven Impfung sind die passiv zugeführten Antikörper sofort vorhanden undmüssen nicht zuerst vom Körper gebildet werden, dafür sind sie aber auch nurwährend einer beschränkten Zeit im Blut nachweisbar und der Impfschutz istsomit zeitlich begrenzt, da sie abgebaut werden. Die aktive Impfung bestehtheute fast ausschliesslich aus gentechnologisch in Hefe hergestellten Hüllenkomponenten(HBs-Antigen) des Hepatitis B Virus. In der Schweiz sind verschiedenewirksame und sichere Hepatitis B Impfstoffe zugelassen. Danebengibt es auch Kombinationsimpfstoffe, wie z.B. Hepatitis A und B, Hepatitis Bin Kombination mit Diphtherie-Tetanus-Pertussis (DITePer) und Hepatitis B inKombination mit DiTePer, Polio und Haemophilus influenzae.45. Wer soll geimpft werden?In der Schweiz gelten die folgenden Impfempfehlungen:I. Generelle Impfung der 11- bis 15-jährigenIn der Schweiz wurde 1997 beschlossen, die generelle Hepatitis B Impfung fürSchüler zwischen dem 11. und 15. Altersjahr einzuführen. Diese wurde seitherin den verschiedenen Kantonen eingeführt. Zusätzlich wird die Impfung für allePersonen jeglichen Alters empfohlen. Im Rahmen der generellen Impfung wirdnach erfolgter Impfung keine Überprüfung des Impfschutzes empfohlen.II. Selektive Impfung von Personen mit erhöhtem RisikoDies betrifft unter anderem Personen, die im Gesundheitswesen tätig sind,Patienten, in Dialyse, intravenöse Drogenkonsumenten, Personen, die eine festesexuelle Beziehung haben mit oder im gleichen Haushalt leben wie eine Personmit einer chronischen Hepatitis B Infektion, hämophile Personen und Personenmit häufig wechselnden Sexualpartnern (hetero- oder homosexuell). Bei diesenPersonen sollte der Impferfolg einen Monat nach der letzten Impfung kontrolliertwerden. Bei einem guten Ansprechen (Antikörpertiter gegen das HepatitisB Virus über 100 IE/l) ist eine Auffrischimpfung überflüssig. Ist dies nichterreicht, sollte unmittelbar weitergeimpft werden.III. Impfprophylaxe nach möglichem KontaktNach einer Stichverletzung oder Schleimhautkontakt mit Blut von einer mitHepatitis B infizierten Person wird für Ungeimpfte oder Geimpfte mit unvollständigemImpfschutz die sofortige aktive und passive Impfung empfohlen.29


F r a g e n 4 5 , 4 6 u n d 4 7ImpfungWird das Risiko der Hepatitis B Übertragung als klein angesehen, genügt dieaktive Immunisierung.IV. Impfung von Neugeborenen Hepatitis B infizierter MütterDie Empfehlung für eine Impfung ist eindeutig, wenn die Mutter HBs-Antigen-Trägerin ist. Das Neugeborene soll so rasch wie möglich aktiv und passiv geimpftwerden. Lassen sich bei der Mutter nur Antikörper gegen den Hepatitis B Kern(Anti-HBc) nachweisen, genügt die aktive Impfung.46. Wie wirksam sind die aktiven Impfstoffe?Das anerkannte Schema in der Schweiz kann je nach Produkt variieren: In derRegel genügt es zur initialen Immunisierung die Impfung zu den Zeitpunkten0,1 und 6 Monate zu verabreichen. Für die Kombinationsimpfung Hepatitis Aund B wird für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre ein Zwei-Dosen-Schema(Monat 0 und 6) und für Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren das konventionelleDrei-Dosen-Schema empfohlen. Schützende Antikörper lassensich zu nahezu 100 Prozent bei Säuglingen und Kleinkindern erreichen, abernur zu 80 bis 90 Prozent bei älteren Personen. Speziell eingeschränkt ist dieImpfantwort bei Personen mit einer Schwäche des Immunsystems (z.B. Patientennach Organtransplantationen, HIV-Infizierte etc.). Dank der Hepatitis BImpfung konnte in einigen Ländern der Welt die Zahl der Hepatitis B Neuinfektionendrastisch reduziert werden. Die Hepatitis B Impfung ist indirekt die erstewirksame Impfung gegen eine Krebserkrankung, das hepatozelluläre Karzinom.In Taiwan hat deshalb seit der Einführung einer generellen Impfung nicht nurdie Zahl der Neuinfektionen abgenommen, sondern auch die der neu diagnostiziertenFälle von hepatozellulären Karzinomen.47. Wie sicher sind die Impfstoffe?Weltweit wurden über 800 Millionen Menschen geimpft und jährlich kommenüber 100 Millionen dazu. Der Impfstoff ist sicher, seine Nebenwirkungen entsprechendenjenigen anderer Impfstoffe. Die Behauptung, dass die Hepatitis BImpfung Multiple Sklerose und andere Erkrankungen des Nervensystems auslöse,hat sich als nicht stichhaltig erwiesen. Die Impfstoffe werden generell einerkontinuierlichen Kontrolle der Wirksamkeit und von unerwünschten Wirkungenunterzogen.30


F r a g e n 4 8 , 4 9 u n d 5 0Weitere wichtige Informationen48. Welche Rolle spielt mein Hausarzt?Gerade bei der Hepatitis B ist es wichtig, dass man zu seinem Arzt Vertrauenhat. Er muss nicht unbedingt Leberspezialist sein. Wichtig ist, dass er gut miteinem Leberzentrum zusammenarbeitet. Im Anhang sind die Adressen einigergrösserer Zentren aufgeführt.49. Was ist die SEVHep?Die SEVHep ist eine Vereinigung von unabhängigen Ärzten, Virologen, Immunologenund Experten der öffentlichen Gesundheit. Sie verfolgen laufenddie neuen Entwicklungen auf dem Gebiet der Hepatitis B Virusinfektion undbemühen sich, die Ärzte, aber auch die Betroffenen sowie die Öffentlichkeitzu informieren.Sie haben auch diese Broschüre verfasst. Man kann sich über die Homepagewww.viralhepatitis.ch informieren. Beim Durchlesen dieser Broschüre ist Ihnenbestimmt aufgefallen, dass man über die Hepatitis B viel, aber noch nichtalles weiss. Leider profitieren auch heute nicht alle Betroffenen von dem, wasbekannt und nützlich ist.50. Gibt es Selbsthilfegruppen und andere Organisationen?Ärzte und Angehörige können nicht alle Sorgen und Probleme lösen. Deshalbgibt es in der Schweiz mehrere Selbsthilfeorganisationen für Patienten mitchronischen Viruserkrankungen der Leber, die meisten sind allerdings auf dieHepatitis C Virusinfektion fokussiert. Dort können die Betroffenen miteinandersprechen und sich beraten lassen. Im Anhang sind einige Kontaktadressenangegeben.31


S t i c h w o r t v e r z e i c h n i sStichwort Frage Stichwort FrageAbwehrstoffe 4 HBV-DNS 4/7/19/22Akupunktur 14/15/16 Hepatitis A Viren 13/28Akute Hepatitis B6 Hepatitis C Viren 4/13/14/28asymptomatischHepatozelluläres Karzinom 2/27/46symptomatischHepatozyten 8ikterischHIV 10/28/32/46Akute Phase der6 Ikterisch 6Hepatitis B InfektionIkterische Hepatitis B 6Alkohol 2/3/7/10/28 Ikterus 8/21Alkohol-Hepatitis 3 Immunabwehrzellen 8Antikörper 4/6/7/19/44/ Immunität 9/1345/46Asymptomatisch 6/27 Impfung 15–16/34–35/44–47Asymptomatische akute6 Impfung gegen Hepatitis A 34Hepatitis BInterferon 33/38–42Aszites 2/7/21/27 Kondom 15Bauchwasser 2/7/21/27 Kontrolluntersuchung 38Behandlung 38 Körperliche Aktivität 30Behandlungsdauer 38 Krankheitsverlauf 10/30Behandlungserfolg 38 Küssen 32Beruf 31 Laborwerte 23Bilirubin 23 Lebensmittel 29Blut 14/32/36 Leberabklärung 26Blutprodukte 14 Leberbiopsie 6/20/23–25Bluttransfusion 14 Leberentzündung 2/3/5–7/13/20/ 23Blutung 2/7 Leberfibrose 20Chronische Hepatitis B7 Leber(zell)krebs7/27Phase der Immuntoleranz(s. Hepatozelluläres Karzinom)ImmuneliminationLeberpunktion 24Inaktiver HBs-Antigen-TrägerReaktivierungLeberwerte 6/23/38Leberzellen 1/2/8/23Desoxyribonukleinsäure 4 Leberzellschädigung 23Drogen 13–16/21/45 Leberzirrhose 2/7/8/21/27/ 43Entzündungszellen 2/8 Lymphozyten 8Ernährung 29 Medikamente 3/14/33/38/40/41/42Gallenfarbstoff 23 Medikamentöse Therapie 38Gelbfärbung 21 Nachweis 19Geschlechtsverkehr 14/15/21 Nukleosidanaloga 40HBV-Genotypen 4/22 Nukleotidanaloga 40


Stichwort Frage Stichwort FrageNebenwirkungen 41/47 Tätowierung 14/15/16PEG-Interferon 38/39 Therapie 37/38/41Piercing 14–16 /42/43Selbstschutz 15 Transaminasen 6/7/23Schwangerschaft, Stillen 14/35 Übertragung 14/32/35/45SEVHep 49 Übertragungsweg 14/16/17Selbsthilfegruppen 50 Ultraschalluntersuchung 20Sex, Safer Sex 14/16/32/45 Verlauf 6/7/10/11/21Sexuelle Übertragung 14 Verletzung 31/32/45Sport 30 Viral load 4Spritzenkuren 16 Virales Gen 4Spritzentausch 14/15 Virushülle 4Stoffwechselfunktionen 1 Viruskonzentration 4Symptomatische akuteHepatitis B6 Viruslast 4Wunde 36


A n h a n gSEVHep-AdresseSEVHepc/o Prof. Dr. med. Andreas CernyCentro di EpatologiaClinica Luganese MoncuccoVia Moncucco 106900 Luganoandreas.cerny@bluewin.chhttp://www.viralhepatitis.chAndere interessante Internet Adressenhttp://www.sichimpfen.chhttp://www.sevacciner.chhttp://www.vaccinarsi.chLeberzentrenBaselAbteilung für Gastroenterologie undHepatologieUniversitätsspital BaselPetersgraben 44031 BaselBernInstitut für klinische PharmakologieMurtenstrasse 353010 BernGenèveService de Gastroentérologie etd’HépatologieHôpitaux Universitaires24 rue Micheli-du-Crest1211 Genève 14LausanneDivision de Gastroentérologieet HépatologieCHUVRue du Bugnon 441011 LausanneLuganoCentro di EpatologiaClinica Luganese MoncuccoVia Moncucco 106900 LuganoNeuchâtelConsultation de Maladies InfectieusesDépartement de MédecineHôpital Pourtalès2002 NeuchâtelSt. GallenFachbereichGastroenterologie/HepatologieKantonsspital9007 St. GallenZürichAbteilung für Gastroenterologie undHepatologieUniversitätsspital ZürichRämistrasse 1008091 Zürich


N o t i z e n


N o t i z e n


Bestelladresse für weitere Exemplar dieser Broschüre:www.viralhepatitis.ch


Die Broschüre wurde unterstützt durch einen «unrestricted educational grant» von:Bristol-Myers Squibb GmbH, Gilead Sciences, Janssen-Cilag AG, Merck Sharp & Dohme AG, Novartis Pharma AG,Roche Pharma (Schweiz) AG und Roche Diagnostics AG

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