Heft herunterladen - Bekennende Kirche

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Zeitschrift für den Aufbaurechtlich eigenständigerbiblisch-reformatorischerGemeindenGrußwort des Schriftleiters S. 3Marcus HübnerDie Hütte – Kritische Anmerkungen zu einem aktuellen Bestseller S. 7Victor E. d’AssonvilleDie Reformation, die Deutschen und Johannes Calvin (3)Gemeinsamkeiten und Unterschiede S. 12Jürgen-Burkhard KlautkeDer Gerechte wird aus Glauben leben (3) – Habakuk 2,2-20 S. 15Martin ErdmannEffektive Vermarktungsstrategie des Kommunitarismusunter evangelikaler Federführung S. 27Das empfehlen wir Ihnen zu lesen S. 31Wolfgang NestvogelNeues von der Akademie für Reformatorische Theologie S. 33Überregionale Veranstaltungen S. 36Auf einen Blick:Bekennende Gemeinden in Deutschland S. 37September 2009 Nr. 38


ImpressumBEKENNENDE KIRCHEZeitschrift für den Aufbau rechtlich eigenständiger, biblisch-reformatorischer GemeindenHerausgeber: Verein für Reformatorische Publizistik e. V. (VRP)Homepage: www.bekennende-kirche.deGeschäftsstelle:Verein für Reformatorische Publizistik e. V.Marion Kamm, Hainstraße 117, D - 35216 BiedenkopfTelefon: +49 (0)64 61 75 87 19; Fax: 03212 1001483E-Mail: vrp-bekennende-kirche@web.deFür die Bereiche Zuwendungsbescheinigungen und Finanzielles sowie Bestellungen,Abbestellungen und Adressänderungen ist die Geschäftsstelle zuständig.Schriftleitung:Dr. Jürgen-Burkhard KlautkeDreihäuser Platz 1, D - 35633 LahnauTelefon: +49 (0)6441 96 2611E-Mail: klautke@aol.comBei allen inhaltlichen Anliegen wenden Sie sich bitte an die Schriftleitung.Autoren dieser Ausgabe:d’Assonville, Dr. Victor E.Deppe, Hans WernerErdmann, Dr. MartinHübner, MarcusKlautke, Dr. Jürgen-BurkhardKlautke, UteNestvogel, WolfgangDie Herausgabe der Zeitschrift wird ausschließlich durch Spenden interessierter Leserfinanziert. Um ein regelmäßiges Erscheinen der BEKENNENDEN KIRCHE gewährleisten zukönnen, bitten wir Sie um Ihre Zuwendung auf eines der folgenden Konten:Verein für Reformatorische Publizistik e. V.Deutschland: Volksbank Mittelhessen eGKonto-Nr. 637 505, BLZ 513 900 00BIC-Code: VBMHDE5FIBAN: DE03 5139 0000 0000 6375 05Schweiz:Raiffeisenbank, CH-SchaffhausenKonto-Nr.: 84532.69Bankenclearing: 81344SWIFT-Code: RAIFCH 22IBAN: CH36 8134 4000 0084 53269Postscheckkonto der Schweizer Bank: 82/220/7Druck: Brockhaus Druck, Dillenburg2


Grußwort des Schriftleiters„So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen Bitten, Gebete, Fürbitten undDanksagungen darbringe für alle Menschen, für Könige und alle, die in hoher Stellungsind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Gottesfurchtund Ehrbarkeit.“ 1Timotheus 2,1.2Gebet vor allen DingenMit diesem Wort aus der Heiligen Schriftgrüße ich Sie herzlich. Die Aufforderung,für alle Menschen zu beten, namentlichfür die Regierenden, ist in der GemeindeGottes immer geboten. Aber geradein den Wochen, in denen die Bundestagswahlnäher rückt und dadurch auchRichtungsentscheidungen für die kommendenJahre fallen, ist es sinnvoll, sichdiese Anweisung vor Augen zu führen.Es fällt auf, dass der Auftrag für die zubeten, die in hoher Stellung sind, eingebettetist in die Anweisung für alleMenschen zu beten. Damit will derApostel natürlich nicht sagen, dasswir am Schluss unserer Gebete jeweilsden Satz anhängen: „Herr segne nochdie ganze Welt!“ oder: „Herr segne alle,Amen!“ In der Bibel ist Beten niemalsallgemein, niemals pauschal, sondernimmer konkret.Gebet für alle MenschenWas aber meint dann die Aufforderung,für alle Menschen zu beten? Zum Verständnisist es erforderlich, darauf zuachten, dass der Satz mit einem „So“beginnt: „So ermahne ich nun …“ Dasheißt, Paulus knüpft mit dieser Aufforderungan das im vorherigen Kapitel Gesagtean. Im ersten Kapitel des erstenBriefes an Timotheus hatte der Aposteldeutlich gegen Lehren Stellung bezogen,die in die Gemeinde,in der Timotheus zujener Zeit als Hirtetätig war, eingebrochenwaren.Die GedankenkonstruktionendieserLeute stammten ausdem Judentum. JudaistischeLehrer waren in der Gemeindeaufgetreten und verkündeten dieAuffassung, so richtig gehöre man nurdann zum Volk Gottes, wenn man seinenStammbaum, also sein Geschlechtsregisterbis auf die Erzväter zurückführenkönne (1Tim. 1,3.4), also eigentlich gehörtennur die Juden zum Volk Gottes. Indieser Weise wollten sie auch das GesetzGottes verstanden wissen (1Tim. 1,5-7).Der Apostel stellt gegenüber diesenLeuten klar: Gott will keineswegs nurdie Juden retten. Vielmehr will er, dassalle (möglichen) Menschen gerettet werdenund zur Erkenntnis der Wahrheitkommen (1Tim. 2,4). Das, so der Apostel,ist der Grund, warum er den Auftragempfangen hat, das Evangelium inder Gegenwart („in seinen Zeiten“) denNationen (also nicht nur den Juden) zuverkündigen (1Tim. 2,6-8). Weil die BotschaftGottes universal ausgerichtet ist,hat die Gemeinde den Auftrag, für alle(möglichen) Menschen zu beten.3


Tatsächlich ist ein Christ ein Mensch,der Gott als den Gott kennen gelernthat, der kein Gefallen am Tod des Gottlosenhat, sondern der will, dass derGottlose umkehrt (Hes. 18,23; 33,11).Angefangen von den ersten Seiten derHeiligen Schrift erschallt der Ruf Gottes:„Adam, wo bist du?“ (1Mos. 3,9). Aufden letzten Blättern des Wortes Gottesrufen der Geist und die Braut: „Komm!Und wer da will, nehme das Wasser desLebens umsonst!“ (Offb. 22,17).Der Gott, der Freude daran hat, wennein einziger Sünder Buße tut, will deswegen,dass wir diesem Gott „Bitten, Gebete,Fürbitten und Danksagungen“ füralle Menschen darbringen, weil dieserGebetsdienst dem Gott entspricht, dessenHeilsbotschaft sich nun nicht mehrnur an die Juden richtet, sondern an alleMenschen, das heißt an Menschen ausden verschiedensten Nationen.Gebet für die RegierendenAls Paulus an Timotheus schrieb, dientejener als Hirte in der Gemeinde vonEphesus (1Tim. 1,3). In dieser Stadtwar es einige Zeit zuvor, als der Apostelnoch selbst dort das Evangeliumverkündete, unter Führung des SilberschmiedsDemetrius zu krawallhaftenAusschreitungen gekommen. Die Stadtgeriet in einen Ausnahmezustand (Apg.19,23-41). Wohlmeinende Geschwistergaben Paulus den Rat: Geh nicht hinausauf die Straße! Die zerreißen dichbei lebendigem Leibe! Dadurch wurdein Ephesus die Verkündigung des Evangeliumssehr schwierig.Aber Ephesus war nur ein Symptom. Inähnlicher Weise verhielt es sich im gesamtenRömischen Reich. In der Hauptstadtherrschte zu jener Zeit der KaiserNero. Kurzum: In Wahrheit war die Verbreitungder Wahrheit des Evangeliumsvon allen Seiten beeinträchtigt.Fragen wir uns einmal selbst: Waskommen wohl in einer solchen Konstellationin der Gemeinde für Überlegungenauf? Besteht dann nicht dieVersuchung zu beten: „Herr, vernichtediesen fanatisierten Mob!“? DerartigeGebete lehnt der Apostel unmissverständlichab: Lasst uns vielmehr auchfür diese Menschen beten!Auch im Blick auf die heidnischenMachthaber kann es sein, dass man inBedrängnissituationen betet: „Herr, beseitigediese heidnischen Obrigkeiten!“Aber auch das entspricht nicht dem WillenGottes!Der Grund ist, dass staatliche Organeeine wichtige Aufgabe für die Verkündigungdes Evangeliums haben, undzwar auch dann, wenn sie selbst demWort Gottes nicht glauben. Derartigeshatte die Gemeinde seinerzeit in Ephesuserlebt. Bei aller Gleichgültigkeit undAbneigung, die die Christen von denBehörden erfuhren, es war schlussendlichein heidnischer Stadtschreiber (eineArt Stadtsekretär, Apg. 19,35), der dafürsorgte, dass wieder halbwegs Ruhein die Stadt einkehrte. Dann gab es danoch einen Statthalter (Apg. 19,38).Dessen Aufgabe war es ebenfalls, fürdie öffentliche Ordnung zu sorgen, alsodem Chaos zu wehren. Darum, Gemeinde,bete für die staatlichen Organe!Danken für die RegierendenMehr noch: Paulus spricht sogar in diesemZusammenhang vom Danksagen.4


Offensichtlich soll es bei dem Gebet füralle Menschen, und namentlich für diestaatlichen Organe, nicht darum gehen,sozusagen zwischen den Zähnen hindurchherauszuquetschen: „Herr, segneauch noch diese Obrigkeit…“ im Sinnvon: „Eigentlich wäre es besser, wennDu sie beseitigen würdest.“ Nein! Vielmehrsage Gott für sie Dank! Warum?Der Grund ergibt sich aus dem Zweck:„damit wir ein ruhiges und stilles Lebenführen“ (1Tim. 2,2).Will Paulus damit sagen: „Lasst uns dafürbeten, dass wir als Christen unsereRuhe haben und von unserer Umgebungnicht behelligt werden, so dass wirein ungestörtes Leben führen können,geprägt von Beschaulichkeit und innerlicherAbgeschiedenheit?“ Eine solcheAuslegung käme möglicherweise einemVerständnis entgegen, wie es im 19.Jahrhundert in der so genannten Biedermeierzeit(Vormärz) verbreitet war:„Politik verdirbt den Charakter“.Aber darum geht es dem Apostel mitdieser Anweisung wahrlich nicht. WennPaulus hier davon spricht, dass wir einruhiges und stilles Leben führen mögen,dann fügt er hinzu: „in aller Gottseligkeitund würdigem Ernst“ (1Tim. 2,2). Damitist deutlich, worum es ihm geht: Es gehtihm nicht um eine weltabgeschiedeneBeschaulichkeit, sondern es geht ihmdarum, zu beten, dass die Behördenfür die öffentliche Ordnung sorgen, undzwar damit das Evangelium verkündigtwerden kann. Denn es ist nicht möglich,das Evangelium angemessen zu verkündigen,wenn Anarchie herrscht unddie aufgebrachte Menge auf der Straßetobt und gegen die Türen der Gemeindehäuserpocht und trampelt. Darumbetet und dankt für die staatlichen Organe,denn sie tragen insofern Sorge fürdie Verkündigung des Evangeliums, alssie das Chaos eindämmen und sich fürdie äußere Ruhe einsetzen.Betet heute!Die Aktualität dieser Einsicht kann unsdurch Ereignisse der Gegenwart deutlichwerden. Es ist kein Geheimnis, dassim Augenblick (nahezu) die gesamteMissionsarbeit im Kongo daniederliegt.Der Grund liegt nicht darin, dass esdort keine Missionare gibt, sondern derGrund ist darin zu finden, dass dort Bürgerkriegtobt und marodierende Bandenihr Unwesen treiben. In einer solchenSituation, in der große Teile der Bevölkerungauf der Flucht sind, ist es nichtmöglich, das Evangelium zu verkündenund Gemeindeaufbauarbeit zu betreiben.Anders gesagt: Um das Evangelium zuverkündigen, bedarf es eines öffentlichenFreiraums: „… damit wir ein ruhigesund stilles Leben führen“. Genaudafür sind die staatlichen Organe vonGott eingesetzt. Das muss die Gemeindewissen, und deswegen soll sie für dieBehörden beten, damit das Evangeliumin allen Breiten dieser Welt verkündigtwerden kann.Auch in unserem Land ist es keineswegsselbstverständlich, dass man dasEvangelium noch ungehindert predigenkann. Noch ist es möglich. Vielleichtsieht es in 20 Jahren hier schon ganzanders aus. Im Augenblick hat jedes10. Baby, das in Deutschland geborenwird, islamische Eltern. Die Kurve verläuftsteil nach oben. Seit dem 1. Januardieses Jahres meint unser Staat bei5


der Registratur der Neugeborenen aufdie Frage nach der Religionszugehörigkeitverzichten zu können. So weißnun niemand mehr, wie schnell sich inder Bevölkerung unseres Landes dieProportionen verschieben. Man will esoffensichtlich auch nicht mehr wissen.Noch haben wir die Möglichkeit, dasEvangelium zu verkündigen. Lassen Sieuns dafür beten und auch sonst unsereStimme erheben und so abgeben, dassdas möglichst noch lange so bleibt.Allgemeines zur BEKENNENDEN KIRCHEDie wichtigste Nachricht unter dieserRubrik ist, dass sich die Anschrift derGeschäftsstelle ändert. Frau Kammzieht innerhalb ihres Wohnortes um, sodass ab dem 1. Oktober der neue Straßennameihrer Anschrift lautet: Hainstraße117. Die Telefonnummer sowiedie E-mail-Adresse bleiben die alten.Vielen von Ihnen ist es sicher gleich aufgefallen:Wir haben uns entschlossen,die BEKENNENDE KIRCHE dieses Mal ineine Klarsichthülle einpacken zu lassen.Das kostet uns zwar mehr Geld, abergelegentlich mussten wir vernehmen,dass die Hefte bei den Lesern eingerissenoder auch verknickt ankamen.Wir hoffen, dass das durch diese Verpackungsweisenicht mehr vorkommt.Wenn sie dazu eine Meinung haben, teilenSie uns diese bitte mit.Auf diese Weise besteht auch die Möglichkeit,Beilagen in die BEKENNENDEKIRCHE zu fügen. Dieses Mal finden Sieeinen Überweisungsträger eingelegt,der für Spenden (Zuwendungen) für dieAkademie für Reformatorische Theologie(ART) gedacht ist. Die BEKENNENDEKIRCHE unterstützt sehr die Arbeit diesertheologischen Ausbildungsstätte,die auf bibeltreu-reformatorischer Basisarbeitet. Der auf der letzten Seite eingefügteÜberweisungsträger ist nachwie vor für die BEKENNENDE KIRCHE bestimmt.Was bringt die BEKENNENDE KIRCHE• Ein Buch ist im Augenblick in allerMunde. Es gehört zu den Bestsellernund wird von nicht wenigen Evangelikalenwarm empfohlen. Der Titel lautetharmlos: Die Hütte. Marcus Hübner hatdieses Buch gelesen und urteilt nachgründlicher Lektüre kritisch. Der Titelseines Artikels lautet: Die Hütte - KritischeAnmerkungen zu einem augenblicklichenBestseller.• Im dritten Artikel der Serie, die unterder Überschrift steht, Die Reformation,die Deutschen und Johannes Calvin,zeigt Dr. Victor E. d’Assonville die Bedeutungdes Genfer Reformators auf.Einerseits verstand sich Calvin immerals Schüler Martin Luthers, andererseitsaber setzte er auch eigenständige Akzente.Sowohl über Gemeinsamkeitenals auch über einige Besonderheitenhandelt der dritte Artikel in dieser Reihe.Nicht nur im so genannten Calvin-Jahrist er sehr lesenswert.• Mit seinem dritten Artikel der Fortsetzungsserieüber den Propheten Habakuk,die unter dem Titel steht: Der Gerechtewird aus Glauben leben, möchteJürgen-Burkhard Klautke dazu anregen,dass wir wieder das Wort Gottes lesenund kennen lernen wollen. Denn nurdurch das Hören auf dieses Wort findenwir Christus. Und ohne seine Erkenntnisist es unmöglich zu glauben.6


• Schon mehrfach kam in der BEKEN-NENDEN KIRCHE Dr. Martin Erdmann zuWort. Er ist Gründer und Leiter desVerax-Institutes, einer in der Schweizbeheimateten apologetischen Arbeit.Unter dem Titel Effektive Vermarktungsstrategiedes Kommunitarismusunter evangelikaler Federführung decktder Verfasser brisante Entwicklungeninnerhalb des amerikanischen Evangelikalismusauf, die darauf abzielen, denEvangelikalismus vor den Karren eindimensionalerWeltverbesserungsplänezu spannen.• Dieses Mal empfehlen wir Ihnen zweisehr unterschiedliche Bücher, die aberbeide sehr lesenswert sind. Darum stehenbeide unter dem Motto: Das empfehlenwir Ihnen zu lesen.• Schließlich finden Sie wieder die bekannteRubrik Neues von der Akademiefür Reformatorische Theologie. DerRektor der Akademie informiert über dieneusten Entwicklungen dieser geradeheute unverzichtbaren theologischenAusbildungsstätte.Es ist mein Gebet, dass alle Artikel dazubeitragen, dass Sie in der Erkenntnis derWahrheit wachsen, so dass sie gegründetund gefestigt sind in dem, der dereinzige Grund und die einzige Ursacheunseres Heils ist: Jesus Christus.IhrJürgen-Burkhard KlautkeDie HütteKritische Anmerkungen zu einem aktuellen BestsellerMarcus HübnerEines der Themen des christlichenGlaubens, das unseren Verstand weitübersteigt, ist die Wahrheit über dieDreieinigkeit. Gott ist ein einziger Gottund er ist doch drei Personen. Dieserin jeder Beziehung überrationalen Wahrheithat sich kürzlich ein Mann angenommenund seine Überlegungen dazuin einem Buch niedergelegt. Der Titeldieses Buches lautet: Die Hütte.Im Evangelikalismus hat dieses BuchWellen geschlagen. Das christliche MedienmagazinPro meint zu diesem Werk:„Dieses Buch verändert. Es nimmt demZweifler den Zweifel, dem Traurigen dieTrauer, es gibt dem Hoffnungslosenneue Hoffnung.“ Anscheinend hält derEvangeliums-Rundfunk (ERF) in Kooperationmit dem Medienmagazin Pro diesesBuch für so wichtig, dass er eigensdafür eine Internetseite geschaltet hat.Leider ist in Deutschland wenig davondie Rede, dass Die Hütte auch diverseKritiker hat. Gerade in Kreisen, in denenman an der Bibel orientiert ist, wirdmitunter vor der Lektüre dieses Buchesgewarnt oder unmissverständlich davonabgeraten: „Begib dich nicht in DieHütte!“ „Stay out of the Shack!“ „Bleibdraußen vor der Hütte!“, so lautet eine7


sehr prägnante Stellungnahme zu diesemBuch von Chuck Colson. Wie alsoist dieses Buch zu bewerten?Die Handlung des Buches ist schnell erzählt.Es geht um Mackenzie, genanntMack, einen Familienvater, der aufgrundeines tragischen Schicksalsschlagsseine jüngste Tochter verloren hat, weildiese von einem Serienmörder entführtund umgebracht wurde. Ihre letzte Spurfindet man in einer Hütte mitten im Wald.Jahre später wird er von Gott genau indiese Hütte eingeladen. Von da an befasstsich das Buch nur noch mit derKonversation zwischen Mack und demdreieinigen Gott. Dabei erscheint ihmGott der Vater als dicke, afroamerikanischeFrau, die auf den Namen „Papa“hört, Jesus tritt als Handwerker aus demNahen Osten auf, und der Heilige Geisthört als kleine asiatische Frau auf denwohlklingenden Namen Sarayu. Vergleichtman diese Darstellung mit derHeiligen Schrift, dürfte der Unterschiedschon mehr als nur deutlich sein.Im weiteren Verlauf beschäftigt sichMack mit einigen zentralen Fragen deschristlichen Glaubens: Wieso gibt esLeid? Ist Jesus der einzige Weg zu Gott?Was ist die Dreieinigkeit? usw. Und genauhier ist der „Holzwurm in der Hütte“,der alles zu einem sehr morschen Machwerkdegradiert. Zwar werden viele Fragenangerissen, aber nur die wenigstenwerden richtig beantwortet.Natürlich könnte man einwenden, dievorhandenen Fehler seien nicht zentral,sondern beträfen lediglich Randfragenbiblischer Lehre. Aber dazu möchte ichauf vier ganz und gar nicht nebensächlicheThemen aufmerksam machen, diein der Hütte zur Sprache kommen undsie im Licht der Heiligen Schrift beurteilen.1. Jesu Werk am Kreuz und der Wegzum VaterDie Hütte spricht sehr oft und sehr vieldavon, dass Jesus sich für die Welt geopferthat. Aber sobald das Buch überdieses zentrale heilsgeschichtliche Ereignisdetaillierter spricht, offenbaren sichdie außerordentlich verwirrenden Ideen,die dabei mitschwingen. So lässt der VerfasserJesus an einer Stelle sagen: „Ichbin der beste Weg, wie die Menschen zuPapa [das heißt: zu Gott dem Vater] undSarayu [zum Heiligen Geist] in Beziehungtreten können“ (S. 125).Hier ist anzumerken: Wenn Jesus derbeste Weg zum Vater wäre, dann gäbees also auch noch andere Wege zu ihm.Es gäbe Alternativen. Diese wären zwarnicht so gut, aber immerhin, es gäbesie. Aber das Wort Gottes lehrt anders.In Johannes 14,6 sagt der Herr: „Ich binder Weg und die Wahrheit und das Leben;niemand kommt zum Vater als nurdurch mich.“Der Sohn Gottes spricht also nicht davon,dass er der beste Weg zum Vaterist, sondern er verkündet, dass er dereinzige Weg zum Vater ist. Einzig undallein der, der für unsere Sünden amKreuz starb, hat den Weg zum Vater geebnet.Daneben gibt es keinen anderen.Wo diese Wahrheit abgeschwächt odergar verleugnet wird, weht nicht mehr derGeist des himmlischen Vaters, sondernein antichristlicher Geist.An einer anderen Stelle des Bucheslässt der Verfasser Jesus sagen: „Jene,die mich lieben, kommen aus allen existierendenSystemen. Sie waren Bud-8


dhisten oder Mormonen, Baptisten oderMuslime [...]“ ‚Bedeutet das [...], dassalle Wege zu dir führen?‘ „Keineswegs.[...] Die meisten Wege führen nirgendwohin.Es bedeutet, dass ich dir auf jedemWeg folge, den du beschreitest, sodass wir einander jederzeit finden können.“(S. 209).Es ist dem Verfasser zuzustimmen, dasswahrlich nicht alle Wege zu Jesus führen.Aber wenn er die Ansicht vertritt,Jesus folge den Menschen auf jedemWeg, dann befindet er sich im Irrtum.Es ist auch keineswegs so, dass Gottmit seiner Liebe jede Sünde und jedeUnwahrheit zudeckt und die Liebe jedemMenschen sendet, egal wo er sichbefindet.Vielmehr bezeugt uns das Wort Gotteseinen heiligen Gott, dessen Liebekeineswegs immer und überall da ist.Über dieser Welt ist der Zorn Gottes offenbar.Seine Liebe ist dagegen nur aneinem einzigen Ort geoffenbart, nämlicham Kreuz: „Gott aber erweist seineLiebe zu uns darin, dass Christus füruns gestorben ist, als wir noch Sünderwaren“ (Röm. 5,8). Nicht in einer Vermischungaller religiösen und sonstigenDenksysteme, sondern allein in seinemSohn am Kreuz hat Gott der Vater seineLiebe geoffenbart. Ausschließlichdurch den Sühnetod seines Sohnes aufGolgatha hat Gott der Vater den Wegzu sich gebahnt. Mit anderen Worten:In dem Buch Die Hütte fehlt die biblischeEindeutigkeit, wenn es um dieExklusivität des Opfertodes Christi fürunser Heil geht. Eine solche Unklarheitin einem ja nun wahrlich nicht nebensächlichenPunkt macht das Buch abergefährlich.2. Die Bestrafung von Sünde durchden heiligen GottMit dem ersten Kritikpunkt ist dieserzweite eng verbunden. Wenn es etwasgibt, das die Bibel mit großem Nachdrucklehrt, dann ist es Gottes Nein zurSünde. Während sich theologische Diskussionenhäufig um einige wenige Bibelstellendrehen, sollte eigentlich dasThema, dass Gott Sünde bestraft, nichtstrittig sein. Bereits das erste Buch derHeiligen Schrift schildert Gottes Drohung,dass der Mensch beim Übertretenseines Gebotes sterben muss, unddie Bibel endet mit dem Gericht desheiligen Gottes über eine gegen ihn revoltierendeWelt. Die Gesamtbotschaftder Bibel ist klar: „Der Sünde Sold istder Tod!“ (Röm. 6,23). Wie aber sprichtDie Hütte von Gottes Bestrafung überdie Sünde?„Ich bin nicht so wie du glaubst, Mackenzie.Ich brauche die Menschennicht für ihre Sünden zu bestrafen. DieSünde trägt ihre eigene Strafe in sich,sie verzehrt dich von innen heraus. Esist nicht meine Absicht, jene zu bestrafen,die sündigen. Vielmehr ist esmeine Freude, die Sünde zu heilen“(S. 136).Für diese Haltung gibt es keine biblischeGrundlage. Vielmehr lehrt das WortGottes, dass der heilige Gott die Sündestraft, bzw. strafen muss. Aber, unddas ist das Evangelium, die Strafe, diewir hätten tragen müssen, hat jemandanders getragen: Christus. „Die Strafezu unserem Frieden liegt auf Christus“(Jes. 53,5). Demgegenüber habenYoungs Auffassungen nichts mit demEvangelium zu tun. Sie verkünden Falsches.9


3. Die Autorität der Bibel und persönlicheOffenbarungenEs ist kein Geheimnis, dass es in derHütte um persönliche Offenbarungengeht. Es geht um Offenbarungen, diejemand von Gott empfängt. Schon alleindiese Privatoffenbarungen sind anfechtbar.Aber dazu kommt, dass in derHütte die Bibel nur sehr spärlich, in einzelnenHalbsätzen, auftaucht. So wirdgewissermaßen eine Hierarchie aufgestellt,und zwar zugunsten persönlicherOffenbarungen, von denen das Buchbehauptet, sie stammten von Gott. DieAntwort, die einst die Reformatorenauf alle diese menschlichen Träumereienund Schwärmereien gaben, lautete:Sola scriptura. Allein die Schrift.Davon allerdings will Die Hütte nichtswissen: „Im Priesterseminar hatte manihm beigebracht, dass Gott jeglicheKommunikation mit den heutigen Menscheneingestellt hatte und es offenbarvorzog, dass sie ausschließlich die altenheiligen Schriften lasen und befolgten[...] Gottes Stimme war zu bedrucktemPapier reduziert worden [...]. Die direkteKommunikation mit Gott blieb anscheinendden Menschen der Antike und denUnzivilisierten vorbehalten [...] alle bevorzugtenihn in Buchform“ (S. 75).Die Sicht, die in dieser Aussage über dieHeilige Schrift zum Ausdruck kommt,zeigt das Unchristliche dieses Buches.Demgegenüber bezeichnet die Bibelsich selbst als das Wort Gottes. In 2Timotheus3,16.17 lesen wir: „Alle Schriftist von Gott eingegeben und nützlich zurBelehrung, zur Zurechtweisung, zur Erziehungin der Gerechtigkeit, damit derMensch Gottes vollkommen sei, zu allemguten Werk geschickt.“ Das heißtnichts anderes, als dass die Bibel völligausreicht. Wir brauchen keine neuenOffenbarungen, um Gott und sein Werkzu verstehen, weder in der Hütte nochsonstwo. Gott hat sich geoffenbart undzwar in der Heiligen Schrift. An ihr habenwir genug, und durch sie ist alles zubeurteilen.Indem Die Hütte faktisch religiöse Erlebnisse,spirituelle Erfahrungen und sonstigeIntuitionen über die Heilige Schriftstellt, wird das Wort Gottes ausgehebelt.Es offenbart sich darin ein zutiefstpostmodernes Denken. Tatsächlichspielen hier viele Einflüsse der Emergent-Church-Bewegunghinein.Die Frage, die im Kern durch Die Hütteaufgeworfen wird, lässt sich folgendermaßenformulieren: Wollen wir unsereneigenen subjektiven Eingebungenvertrauen oder dem, was geschriebensteht?4. Die DreieinigkeitKommen wir abschließend zu dem Thema,das Die Hütte besonders entfaltetund für das man das Buch häufig lobt.Es geht um die Darstellung der Dreieinigkeit.Mark Driscoll, Pastor der MarsHill Church in Seattle, schreibt allerdingsdazu: „Was die Dreieinigkeit betrifft, istdas Buch sogar ketzerisch.“Um welche Aussagen handelt es sichdabei? Zunächst grenzt es sich theoretischvon Irrlehren ab, die es bezüglichder Dreieinigkeit gibt. So lässt der Verfasserauf der einen Seite Gott sagen:„Wir sind nicht drei Götter [...]“ (S. 115).Und gleich darauf vernehmen wir: „Wirsprechen auch nicht über einen Gott mitdrei unterschiedlichen Aspekten. [...] Ich10


in ein Gott, und ich bin drei Personen“(S. 115).Dem ist zuzustimmen. Aber wenn wirdiese Aussage auf das ganze Buchbeziehen, dann zeigt sich doch, dassYoungs Bild der Dreieinigkeit sehr an dieLehre erinnert, die man in der Theologieals Modalismus bezeichnet. Unter diesenBegriff fasst man die Irrlehre, nachder Gott der Vater und Gott der Sohnnicht zwei zu unterscheidende Personensind, sondern eine einzige Person.Dass Young einer solchen Auffassungtatsächlich stark zuneigt, wird in demfolgenden Satz deutlich: „Als wir dreials Sohn Gottes ins menschliche Daseineintauchten, wurden wir voll und ganzmenschlich.“ (S. 113).Dagegen lehrt das Wort Gottes, dasses nicht der Vater und nicht der HeiligeGeist waren, die Mensch wurden,sondern allein der Sohn. Es kann keineRede davon sein, dass es sich bei demVater um dieselbe Person handelt wiebei dem Sohn. In Johannes 1,14 heißtes: „Und das Wort wurde Fleisch undwohnte unter uns, und wir sahen seineHerrlichkeit, eine Herrlichkeit als deseingeborenen Sohnes vom Vater, vollerGnade und Wahrheit.“Dass keinesfalls die gesamte Dreieinigkeit,sondern nur der Sohn, das Wort,Fleisch wurde, wird auch daran deutlich,dass Jesus selbst immer wiedermit und über den Vater spricht und auchvon dem Tröster, der kommen wird.Wie falsch die in der Hütte vertreteneLehre über die Dreieinigkeit ist,kann auch an folgendem Zitat deutlichwerden: „‚Hast du nicht gesehen,dass auch Papa [Gott der Vater]die Wundmale trägt?‘ ‚Das habe ichnicht verstanden. Warum hat er...?‘‚Um der Liebe willen. Er wählte denWeg des Kreuzes, [...] durch die Liebemotiviert.’“(S. 189).ZusammenfassungDie Hütte propagiert ein verkehrtesVerständnis von Gott und einen unbiblischenErlösungsweg. Der Leiter deschristlichen Medienmagazins Pro meint,man tue diesem Buch Unrecht, wennman seine sachlichen Fehler kritisiere,denn es sei ja lediglich Fiktion. Aberdarauf ist zu erwidern: Auch ein fiktivesBuch, das einen unbiblischen Erlösungswegproklamiert, darf nicht alschristlich propagiert werden.Für unser Verständnis über den dreieinigenGott kann Die Hütte nicht weiterhelfen,denn das Buch verbreitet einunbiblisches Gottesverständnis, undes stellt eine Gefahr dar für die, derenUnterscheidungsvermögen noch nichtgeschult ist. Weil e s einen falschen Erlösungswegzeichnet, in dem der einzigeHeilsweg über das Kreuz verschleiertwird, bzw. falsch dargestellt wird, ist esauch als evangelistisches Mittel nichteinsetzbar. Mark Driscoll empfiehlt denjenigen,die Die Hütte noch nicht gelesenhaben, etwas ganz Einfaches: „Tutes nicht!“ Diesem Rat schließe ich michuneingeschränkt an.William Young, Die Hütte. Berlin [UllsteinVerlag] 2009, 301 Seiten.11


Die Reformation, die Deutschenund Johannes Calvin (3)Luther und Calvin – Gemeinsamkeiten und UnterschiedeVictor E. d’AssonvilleNachdem der ART-Dozent, Dr. Victor E.d’Assonville, in der letzten Nummer derBEKENNENDEN KIRCHE auf das respektvolleVerhältnis zwischen Luther undCalvin aufmerksam gemacht hat, zeigter in diesem Artikel einige Gemeinsamkeitenzwischen den beiden sowie aufschlussreicheAkzentunterschiede auf. 1„Der französische Luther“„Calvin, le Luther français“ („Calvin, derfranzösische Luther“) – so lautet ein Artikelhinweisauf der Titelseite des französischenSprachmagazins „écoute“,im März 2009. Aber stimmt das?Es ist eine Kuriosität und gerade imdeutschsprachigen Raum wahrscheinlichnur wenigen bekannt, dass derjunge Calvin nicht nur als „Luthérien“bezeichnet wurde – was damals alsSchimpfwort galt –, sondern dass erals „Lutheraner“ sogar nur knapp seinerVerhaftung und möglicherweise demTod entkam, als er Ende 1533 übereiltaus seiner französischen Heimat fliehenmusste.Die Reformation – eine „neue Verkündigung“[nova doctrina]?So wie Luther die Bezeichnung „Lutheraner“ablehnt hätte, hat Calvin seinerseitsdie Bezeichnung „Calvinist“ abgelehnt.Denn für beide Reformatoren ginges nicht um irgendeine „neue Lehre“, diesie vertraten, sondern um den gleichenGlauben der Alten Kirche, ja des NeuenTestaments, der Heiligen Schrift selbst.Als der 26jährige Calvin im Jahre 1536mit dem Erfolg seiner Institutio auf derFrankfurter Buchmesse als Apologetder Reformation schlagartig bekanntwurde, trat er dementsprechend nichtfür irgendeine Splittergruppe der heranwachsendenreformatorischen Bewegungein, auch nicht für einen alternativenZweig einer französischen oder garregional begrenzten Reformbewegungin Kirche und Staat. Im Gegenteil: Calvintrat ein für das reformatorische Anliegenan sich, für die Reformation schlechthin.Und er setzte sich ohne Wenn und Aberfür die führenden Reformatoren ein, vondenen der 26 Jahre ältere Luther, damalsdoppelt so alt wie Calvin, selbst-1) Im letzten Artikel dieser Reihe (BEKENNENDE KIRCHE, Nr. 37, Juli 2009, S. 27-30) hatten sich leidereinige Fehler eingeschlichen. Hier die Korrekturen:* Faber Stapulensis lebte „ca. 1435?-1536“.* Erasmus hat nicht „die Konsequenzen“ von Luthers Kritik „an der institutionalisierten römischenKirche nie zu ziehen vermocht“, wie im Artikel steht (BEKENNENDE KIRCHE, Nr. 37, S. 29), sondernErasmus hat die Konsequenzen seiner eigenen Kritik nicht zu ziehen vermocht.* Calvin hat seine berühmte Antwort an Kardinal Sadolet nicht am 1. September 1539 verfasst (vgl.BEKENNENDE KIRCHE, Nr. 37, S. 29), sondern diese Antwort am 1. September 1539 unterschrieben.Insgesamt brauchte er für die Antwort sechs Tage – eine Leistung, wenn man sich seinSchreiben inhaltlich anschaut.12


verständlich der bei weitem Bekanntesteund Berühmteste war.Nicht mit Wittenberg oder mit Zürichlegte sich der französische Exilant an,als er 1535 die Erstausgabe seiner Institutioin Basel verfasste, sondern mitRom. Gegenüber Roms Behauptung,dass die reformatorische Lehre neu sei,betonte Calvin gleichsam stellvertretendfür die gesamte Reformation, einschließlichWittenberg, das Gegenteil.Die reformatorische doctrina (d.h. dasreformatorische Bekenntnis, der reformatorischeGlaube) sei nur denjenigenneu, denen auch Christus und seinEvangelium neu sind. Wer wisse, dassdie Predigt des Paulus 2 durchaus alt ist,der werde bei den Evangelischen nichtsNeues 3 entdecken … 4„Eine Reformation“? 5 ... oder „ZweiReformationen“? 6Dass es mehrere Ansätze zur Klärungdes theologischen Verhältnisses zwischenLuther und Calvin gibt, ist vielenForschern bewusst. Man bedient sich,sogar in theologischen und kirchlichenKreisen, verallgemeinernder Klischees,wenn man über die so genanntenZentraldogmen bei den Reformatorenspricht. Mehrere Beispiele könntenhier erwähnt werden. So ist zum Beispielhäufig davon die Rede, bei Lutherwerde die Erlösung des Menschen betont,während es Calvin um die EhreGottes gehe. Anders formuliert: Lutherhabe die Frage gestellt, wie bekommeich einen gnädigen Gott, dagegen habeCalvin wissen wollen, wie Gott allein dieEhre bekomme. Oder man spricht voneiner Hervorhebung der Rechtfertigungbei Luther gegenüber eine Unterstreichungder Heiligung bei Calvin. Oderman weist auf die unterschiedliche Ausrichtungihrer Ansätze hin: Bei Lutherstehe die Theologie des Kreuzes im Vordergrund,dagegen gehe es Calvin umtheozentrische Theologie.Es gibt mithin zahlreiche Ansätze zurUmschreibung vermeintlich gegensätzlichergesamttheologischer Grundunterschiedezwischen Luther und Calvin.Im Rahmen dieser Artikelserie zu Calvin,Luther und den Deutschen ist esratsam, auf einzelne Gemeinsamkeitenund Akzentunterschiede aufmerksamzu machen.„Sola fide“ („Allein durch den Glauben“)– Die RechtfertigungBekanntlich war das „sola fide“ („durchden Glauben allein“ oder „allein ausGlauben“ – vergleiche dazu LuthersÜbersetzung von Römer 3,28) die präg-2) „Iesum Christum mortuum propter peccata nostra, resurexisse propter iustificationem nostram(Rom. 4) …“ – OS = Opera Selecta III,15,13 - 15.3) „Nichts Neues“, d.h. keine neue Verkündigung [doctrina].4) OS III 15,9-13.5) Vergleiche den Titel eines Vortrages während des Neunten Internationalen Calvin Forschungskongressesin Emden, 2006: Thomas Kaufmann, 2008. Luther and Calvin – One Reformation. In:Selderhuis, H.J., Calvinus sacrarum literarum interpres. Papers of the International Congress onCalvin Research. (Reformed Historical Theology, Volume 5.) Göttingen [Vandenhoeck & Ruprecht]S. 149-171.6) So der Titel (sowie die These) eines Buches des bekannten Reformationsforschers Heiko Oberman.13


nante Antwort der Reformation auf einezentrale Frage des 16. Jahrhunderts, dieFrage nach der Rechtfertigung. In dieserHinsicht waren sich Luther und Calvineinig. Ja, die „Rechtfertigungslehrewar für Calvins Theologie nicht wenigerentscheidend als für Martin Luthers“. 7In seiner Antwort an Kardinal Sadolet(1539), in der Calvin die Reformationverteidigt, schreibt er zum Beispiel deutlich:Die Rechtfertigungslehre ist „dasHerzstück (die summa) der Religion“. 8Die HeiligungWährend die Rechtfertigung allein durchden Glauben erfolgt, möchte Calvingleichzeitig betonen – wie freilich Lutherauch –, dass der Glaube nicht losgelöstvon guten Werken ist (Institutio 3,11,1).Luther sagt in seinem Großen Katechismus:„So bleibt der Heilige Geist bei derheiligen Gemein[d]e oder Christenheitbis auf den jüngsten Tag, dadurch eruns holet, und brauchet sie dazu, dasWort zu führen und treiben, dadurch erdie Heiligung machet und mehret, dasssie täglich zunehme und stark werdenim Glauben und seinen Früchten, so erschaffet.“ 9Allerdings hat Calvin, im Unterschied zuLuther die Rechtfertigung strikter vonBuße und Glaube abgegrenzt. Bei Calvinist die Rechtfertigung „der ‚Hauptpfeiler’,auf den sich die Gottesverehrungstützt, und es ist ausschließlichdie Rechtfertigung, die in der Frage derAnnahme durch Gott und der Erlösungdes Sünders eine Rolle spielt. Calvin unterstreichtwiederholt die Notwendigkeit,sauber zwischen Rechtfertigung undHeiligung zu unterscheiden: obwohl sieuntrennbar miteinander verbunden sind,sind sie auch verschieden voneinander.“10 Auf der anderen Seite dominiertdie „Heiligung“ nirgendwo „auch nur füreinen Aussagebereich der Dogmatik dasThema, auch nicht bei Calvin“. 11Die spannende Frage lautet: WelcheAuswirkungen hatten die Akzentunterschiedezwischen Luther und Calvin aufdie weiteren Entwicklungen ihrer Theologien?Dazu mehr im nächsten Heft.7) Barbara Pitkin, Glaube und Rechtfertigung. In: Selderhuis H.J., Calvin Handbuch. Tübingen [MohrSiebeck] 2008, S. 284-295. S. 290: „Die Rechtfertigungslehre war für Calvins Theologie nicht wenigerentscheidend als für Martin Luthers.“ Schließlich prägte sie nicht nur die Darstellung der anderentheologischen Themen in der Institutio, sondern auch seine exegetischen und polemischenWerke, zum Beispiel seine Kommentare zum Römerbrief (1540) und seine Antwort an Sadoleto(1539).8) OS I,469.9) Luther, Großer Katechismus, Apostolicum, Art. III, Absatz 53 (Siehe dazu: Die Bekenntnisschriftender evangelisch-lutherischen Kirche. Göttingen [Vandenhoeck & Ruprecht] [1930] 1959 4 , S. 657f.10) B. Pitkin, S. 294.11) Otto Weber, Grundlagen der Dogmatik. Band 2. Neukirchen [Neukirchener Verlag]. 1962, S. 357.14


Der Gerechte wird aus Glauben leben (3)Habakuk 2,2 – 20Jürgen-Burkhard Klautke12 Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts NapoleonBonaparte aufbrach, um die gottlosenIdeale der Französischen Revolutionzu verbreiten, war das für die VölkerEuropas verhängnisvoll. Was dann die imLauf des 19. Jahrhunderts konzipiertenund im 20. Jahrhundert in die Wirklichkeitumgesetzten atheistischen Weltanschauungenwie Marxismus, Bolschewismus,Nationalsozialismus, Stalinismus zustandebrachten, war entsetzlich.Mittlerweile scheinen in unseren Breitensich elitär gebende Verbindungen immerselbstgefälliger mit dem Anspruchaufzutreten, sie wüssten genau, wiedie Bevölkerung am besten beglücktwerden könne. Wir können hier an dasGezerre über die „Europäische Verfassung“oder die „Europäische Grundordnung“denken. Die (meisten) VölkerEuropas werden vorsichtshalber nichtgefragt, oder aber sie werden so langebefragt, bis sie so abstimmen, wie es inBrüssel und anderswo gewünscht wird.Die Wahlwiederholung in Irland ist dafürnur ein greifbares Beispiel.In den Rechtsprechungen auf nationalstaatlicherEbene werden den Menschenimmer mehr Regelungen aufgedrückt,die gegen ihre verfassungsmäßigenRechte verstoßen. Man denke anden kürzlich vom Bundesverfassungsgerichtgefassten Entscheid, nach demauch dem Staat das Erziehungsrecht derKinder zustehe (21.7.2009). Währendeinst in Erinnerung an den Totalitarismusfestgeschrieben worden war, dass es„natürliches Recht der Eltern“ sei, ihreKinder zu erziehen (Grundgesetz, Art. 6),wird dieses Recht nun also ausgehebelt.Aber das ist nur ein Beispiel.Selbstverständlich ist man eifrig bemüht,dem Unrecht ein Rechtsmäntelchen umzuhängen.Aber jeder, der es überhauptnoch wissen will, ahnt: Das, was hier fabriziertwird, ist kein Recht, sondern verdrehtesRecht, also in Wahrheit Unrecht.Mit der Frage, wie man in einem Gemeinwesen(über)leben kann, in dem dasRecht zu Unrecht entstellt wird, rang bereitsder Prophet Habakuk. Angesichtsdes gesetzlosen Willkürregimes vonJojakim flehte er zu Gott, um von ihmzu erfahren, warum er, der heilige Gott,zu den Rechtswidrigkeiten schweige(Hab. 1,2-4). Schließlich erhielt er vonGott die Antwort: Gott werde eingreifenund die Jerusalemer Herrschercliquebeseitigen. Aber – und da packte denPropheten das Entsetzen: Die Richter12) Die Artikelreihe über Habakuk geht auf Predigten zurück, die im Februar und März 2008 in derBekennenden evangelisch-reformierten Gemeinde in Gießen gehalten wurden. Sie können heruntergeladenwerden unter: http://www.berg-giessen.de/predigtarchiv. Die gehaltenen Predigtensind für diese Artikelreihe überarbeitet und ergänzt worden.15


über den gottlosen Jojakim werden dienoch gottloseren Babylonier sein (Hab.1,5-11). Habakuk taumelte. Die Babylonierwaren nicht nur für ihre Selbstherrlichkeitbekannt, sondern auch fürihre Grausamkeit. Es hatte sich herumgesprochen,dass sie die überranntenVölker nach Lust und Laune vertriebenund verschleppten, die Frauen vergewaltigten,den Unterworfenen Arme,Nasen und Ohren abhackten und derenBesitzungen rücksichtslos plündertenund brandschatzten. Der Prophet schrieim Gebet zu Gott: Ist dir nicht bekannt,dass die Babylonier noch viel schrecklichersind als der ungerechte Jojakim!Darf Nebukadnezar Menschen so behandeln,wie man Fische zu behandelnpflegt, das heißt in diesem Fall: abzuschlachten(Hab. 1,12-17)?Habakuks Klage wandelte sich zur Anklagegegen Gott: Bleibt angesichts solcherAussichten der heilige Gott überhauptnoch glaubwürdig? Wo bleibtseine Heiligkeit? Immerhin verrennt sichder Prophet nicht in eigene Grübeleien,sondern er beschließt, auf Gott zu wartenbis er ihm Antwort gibt (Hab. 2,1).Schließlich erhält er die Antwort. Wirlesen sie in Habakuk 2. Bevor Sie denfolgenden Artikel lesen, lesen Sie bittedieses Kapitel aus der Heiligen Schrift ineiner guten Übersetzung.Gott antwortetOb Gott dem Habakuk die Antwort baldgab, nachdem der Prophet sich auf dieWarte gestellt hatte, oder ob er den Beternoch eine Zeit warten ließ, teilt dasWort Gottes nicht mit. Aber irgendwannkonnte Habakuk erklären: „Da antwortetemir der Herr und sprach“ (Hab. 2,2).Mit dieser Botschaft verband Gott denAuftrag an Habakuk, die Antwort „aufTafeln aufzuschreiben“, damit man sie„geläufig“ lesen könne. Das Wort „geläufig“ist hier wörtlich zu verstehen.Gemeint ist: Die Offenbarung soll aufgroßen Tafeln so eingraviert werden,dass der Inhalt von den vorbeieilendenMenschen gut lesbar erfasst werdenkann. Offensichtlich sollten die Tafeln,vergleichbar mit heutigen Reklamewändenoder Wahlplakaten, an einem geschäftigenOrt Jerusalems, vielleicht inder Nähe des Tempels oder bei einemder Stadttore oder auf dem Marktplatz,aufgestellt oder aufgehängt werden, sodass sie von möglichst vielen zur Kenntnisgenommen werden konnten.Auf diese Weise machte Gott seinemPropheten klar, dass er die Offenbarungnicht für sich selbst empfangenhabe. Habakuk erhielt sie nicht, umeine eventuell vorhandene religiösapokalyptischeNeugier zu befriedigen.Es ging nicht darum, dass er sich hätteeinbilden können, er wisse nun über denweiteren Verlauf der Geschichte besserBescheid als andere. Vielmehr war derSinn der Botschaft Gottes, wir werdenes im Folgenden noch sehen, die Menschenzur Buße und zum Glauben zurufen. Übrigens ist das immer der Sinn,wenn Gott zu uns spricht.Das erste, was Gott seinem Prophetenverkündet, ist der Hinweis, dass sich dieOffenbarung nicht sofort erfüllen werde:„Die Offenbarung wartet noch auf diebestimmte Zeit“ (Hab. 2,3). Mit anderenWorten: Es wird noch eine Weile dauern.Dabei beschreibt Gott die Weise der Erfüllungfolgendermaßen: „Sie eilt (wörtlich:sie „schnaubt“ oder: sie „keucht“)16


auf das Ende zu“. Eine Antwort auf dieFrage, wie diese Aussage zu verstehenist, wollen wir geben, nachdem wir unsden Inhalt der Offenbarung Gottes vorAugen geführt haben.Gott spricht sein WeheDen breitesten Raum in der OffenbarungGottes an Habakuk nehmen die so genanntenWeherufe ein (Hab. 2,6b-19). Essind fünf Weherufe, in denen Gott seinGericht über Babylon ankündigt. Aber,und hier wird es ein wenig kompliziert,in diese Gerichtsrufe Gottes sind zugleichdie Spottrufe der besiegten Völkereingeflochten: „Werden nicht diesealle (also die geknebelten Völker) einenSpruch über ihn (das heißt: über Nebukadnezar)anheben und ein Spottliedin Rätseln (das heißt: in Mehrdeutigemoder in Doppelbödigem) auf ihn anstimmen?“(Hab. 2,6).Auf diese Weise macht der Heilige Geistdeutlich, dass das Urteil, das Gott überBabylon verhängt, dem entspricht, wasdie erniedrigten Völker über ihre Unterdrückerhinter vorgehaltener Hand(„doppeldeutig“) tuscheln. Ähnliches lesenwir auch sonst im Alten Testament.Im Propheten Jesaja finden wir ein GerichtwortGottes über Babylon (Jes.13,1), das zugleich (größtenteils) das ist,was das Volk Gottes seinen Unterdrückernins Gesicht schleudern wird (siehe:Jes. 14,4).Man könnte aus dieser Parallele ableiten,dass Gott die Partei der Unterdrücktenergreift. Tatsächlich ist diese Folgerungnicht völlig falsch. Aber sie ist missverständlich.Denn es ist keineswegs so,dass niedergetrampelte Völker schondeswegen vor Gott angenehm sind, weilsie ausgeplündert werden. Die Trennlinieverläuft keineswegs so, wie das die vor30 oder 40 Jahren populären politischenBefreiungstheologien meinten lehren zumüssen: Während die Ausbeuter dieBösen seien, seien die Ausgebeutetendiejenigen, auf deren Seite Gott stehe,gewissermaßen die Gerechtfertigten. Inden Versen, die wir zunächst übergangenhaben (Hab. 2,4.5), stellt Gott vielmehrklar, dass er die Grenze anderszieht: Sie verläuft zwischen denjenigen,die Gott vertrauen, und denjenigen, dieihm nicht glauben.Es wäre also zu kurz gegriffen und damitfalsch, Gott als Parteigänger der Armenpropagieren zu wollen. Vielmehr ist esunbedingt erforderlich, bei den Weherufenauf die Sprechrichtung zu achten.Gott wendet sich hier nicht an die Unterdrückten,um gleichsam ihr Fähnleinzu schwenken, sondern er spricht dieUnterdrücker an. Denen tut er kund,dass er keineswegs auf Seiten der stärkerenBataillone steht. Eine solche Geschichtskonstruktionmag dem Augenscheinnahe liegen. Aber man täuschesich nicht! Sie wird nicht aufgehen!Im Propheten Amos hören wir einmal,dass Gott sich sogar für die Edomitereinsetzt (Am. 1,9.10). Das heißt abernicht, dass Gott seinen eigenen Konfliktmit Edom vergessen hat (Am. 1,6-8.11.12). Allerdings besteht er darauf,dass seine Auseinandersetzung mit diesemVolk anderen Menschen nicht dasRecht gibt, darauf ihr eigenes Süppchenzu kochen.Ähnliches lesen wir einmal im Blick aufdie Assyrer: Gott hat zwar die Assyrerals Gerichtswerkzeuge eingesetzt („Ruteseines Zornes“, Jes. 10,5.6), aber weil17


die Assyrer sich nicht als Werkzeug Gottesverstanden, sondern sich in ihremHerzen in Größenwahn hineinsteigerten(Jes. 10,7-11), werden sie selbst einmaldem Gericht Gottes nicht entkommen(Jes. 10,12ff).Genauso deckt Gott auch in diesen fünfWeherufen die selbstherrliche Überheblichkeitder Babylonier auf und sprichtdarüber sein Gericht.Im ersten Weheruf (Hab. 2,6b-8) nimmter sich die Raubgier der Invasoren vor.Sie „bereichern sich daran, was ihnennicht gehört.“ Bereits bei der Ankündigung,dass die Babylonier kommenwerden, hatte Gott über die Chaldäergesagt, dass sie „Wohnungen in Besitznehmen werden, die ihnen nicht gehören“(Hab. 1,6). Hier prophezeit der Herrüber die, die ihren Hals nicht voll genugbekommen, dass der Tag kommen werde,an dem die niedergedrückten Völkererwachen und „aufstehen werden“, umdie Unterdrücker „wegzujagen“ (Hab.2,7). Dann werden dir diejenigen, die dubrutal ausgeplündert hast, ihre Rechnungpräsentieren (Hab. 2,8).In diesem Zusammenhang sticht einWort ins Auge, das in seiner Doppeldeutigkeitaufschlussreich ist. Es ist dasWort, das mit „Pfand“ oder „Pfandgut“übersetzt ist (Hab. 2,6). Dieses im gesamtenAlten Testament nur hier vorkommendeWort ist aus zwei Wortenzusammengesetzt, die jeder, der hebräischspricht, sogleich heraushört. Zumeinen ist es das Wort für „Kot“ und zumanderen das Wort für „Lohn“. Mit anderenWorten: Babylon, die von dir zusammengeraubten Güter sind nicht nurPfänder, die dich anklagen, weil du dadurchSchuldner der Geplünderten gewordenbist. Sie sind auch ein „Dreckslohn“,durch den du dich bei den ausgesaugtenVölkern stinkend gemacht hast!Auf die verzweifelte Frage der Unterdrückten:„Wie lange noch“ (Hab. 2,6),nennt Gott keinen Zeitplan. Aber er kündigtan: Die Stunde wird kommen, in derdie Babylonier, deren selbstherrlicherEifer von ihm benutzt wurde, um dasVolk Gottes zu züchtigen, selbst bestraftwerden, und diese Stunde wird „plötzlich“kommen. Denken wir an die Perser,die in einer Nacht- und Nebelaktion derbabylonischen Herrschaft ein Ende bereiteten(Dan. 5,24-30).Der zweite Weheruf (Hab. 2,9-11) verknüpftdie Raffgier der Eroberer („ungerechterGewinn“, Hab. 2,9) mit dem Bestrebender babylonischen Weltmacht,sich selbst Sicherheit zu verschaffen.Man kann ja einmal die Frage stellen:Was trieb eigentlich die Babylonier an,dass sie so viele andere Völker meintenzu Boden werfen und aussaugenzu müssen? (siehe Hab. 1,13-17). Judalag ja nun wirklich nicht vor der HaustürBabylons, und eine Bedrohung für dieHerrscher am Euphrat war dieses Volkebenfalls nicht. Die Antwort, die wir hiererhalten, lautet: um sich in jeder Beziehungabzusichern. Über diesen Absicherungswahnspricht Gott der Herrsein Wehe: Dein zusammengeraubterLuxus, mit dem du eine unanfechtbarePosition einzunehmen suchst („deinNest in der Höhe anlegen“, Hab. 2,9),wird dich fällen.Nebukadnezar rief eines Tages angesichtsseiner Hauptstadt aus: „Ist dasnicht das große Babel, das ich mir erbauthabe zur königlichen Residenz mitmeiner gewaltigen Macht und zu Ehren18


meiner Majestät!“ (Dan. 4,27). Viel weiterkam der Herrscher in seinem Protzennicht. Gott zeigte ihm unverzüglich seineGrenzen auf (siehe Dan. 4,28.29). DieserDämpfer des babylonischen Herrschershätte der Weltmacht bereits vor Augenführen können, dass da jemand andersim Regiment sitzt und der Untergangdes babylonischen Weltreiches nur eineFrage der Zeit ist.Die Formulierung „der Stein wird aus derMauer heraus schreien und der Balkenim Holzwerk ihm antworten“ (Hab. 2,11)lässt geradezu an einen hymnischenWechselgesang denken („schreien….ihm antworten“). Babylons Zusammenbruchwird in den Ohren der von ihnenniedergetretenen Völker wie Musik erklingen.Das dritte Wehe (Hab. 2,12-14) richtetsich gegen das Errichten von Städtendurch unzählige Heere rekrutierterZwangsarbeiter: „Wehe dem, derStädte mit Blut baut und Ortschaftenauf Ungerechtigkeit gründet.“ Städtewaren befestigte, ummauerte Ortschaften,also Machtzentren. Gott bewertetdie zur Einschüchterung errichtetenBollwerke als aberwitzigen Irrsinn: DieVölker arbeiten fürs Feuer, sie mühensich ab (eigentlich: sie sind ermüdet) fürnichts (Hab. 2,13). Einmal werden nichtnur die Mauern dieser Städte, sonderndie Mauern Babylons selbst geschleiftwerden und in Feuer aufgehen (Jer.51,25.58).Im vierten Weheruf demaskiert Gott dieBabylonier weiter. Sie haben nicht nurfür die sich ihnen in den Weg stellenden„Könige und Fürsten Hohn und Spottübrig“ (Hab. 1,10), sondern sie nehmenden unterworfenen Völkern gezielt dieletzten Reste ihrer Ehre, indem sie sichüber sie belustigen. Sie verabreichenden Besiegten betäubende Getränke,um sich dann schamlos an den durchAlkohol Entwürdigten zu ergötzen (Hab.2,15). Gottes Antwort darauf lautet,dass den Eroberern gleiches geschieht:„Die Reihe wird an dich kommen …“(Hab. 2,16).Aber Gott verkündet nicht nur denensein Gericht, die andere Menschen erniedrigtund geschändet haben, sonderner spricht sein Wehe auch über dieZerstörung der Schöpfung: „Denn dieGewalttat, die am Libanon begangenwurde, wird [dann] über dich kommen,und die Verheerung, [die an den] wildenTieren [begangen wurde] und die sie inSchrecken versetzte“ (Hab. 2,17). Sowohldie Assyrer als auch die Babylonierwaren dafür berüchtigt, dass sie fürihre gewaltigen Prunkbauten aber auchfür ihre militärischen Unternehmungenzahllose Bäume rücksichtslos fällten.Namentlich auf dem Libanongebirgegab es jahrhundertealte Zedern, dievon ihnen abgeholzt wurden (vergleichedazu Jes. 14,7.8; 37,24). Abgesehenvon dem Abhacken ganzer Wäldermachten die babylonischen Krieger sicheinen Spaß daraus, wilde Tiere zu jagen.Für sie waren das Kampftrainingseinheiten.Gott, der Schöpfer, spricht darübersein Urteil: „Die Gewalttat, die am Libanonbegangen wurde, wird über dichkommen…“ (Hab. 2,17).Schließlich, im letzten Wehe (Hab.2,18.19) deckt Gott auf, dass alle Habgier,aller Größenwahn und alle Menschen-und Schöpfungsverachtungim Götzendienst verwurzelt ist. DieseGötzen der Babylonier sind nutzlos,19


leer, sinnlos. Vielleicht vermuten die Anbeteres selbst. Aber nur umso eifrigerschmücken sie die, die „ohne Leben,ohne Odem“ (Hab. 2,19) sind, also totsind und den Untergang Babylons nichtverhindern können.Die Weherufe Gottes – nicht nur gegenBabylon gerichtetDie Botschaft der Weherufe ist deutlich:Gott kündet an, dass die babylonischeWeltmacht seinem Gerichtsurteil nichtentkommen wird. Aber ist damit die Botschaftan Habakuk erschöpft?Immerhin ist bemerkenswert, dass in diesemKapitel die Babylonier nirgends namentlicherwähnt werden. Ferner fällt auf,dass das, was Gott dem Habakuk verkündet,haarscharf dem entspricht, wasder Prophet Jeremia über die BauwutJojakims verkündet (Jer. 22,13-19). Auchdas Vergießen unschuldigen Blutes wirftGott nicht nur den Babyloniern vor, sondernauch Jojakim (2Kön. 24,4), und inJuda war zu seiner Zeit der im letzten Weherufdemaskierte Götzendienst ebenfallsgang und gäbe (Jer. 2,8.11 und öfters).Offensichtlich sollten die Weherufe alsonicht (nur) deswegen in Jerusalem gutsichtbar angebracht werden, damit dieEinwohner Jerusalems das Gericht überdie heranrückenden Babylonier zu lesenbekommen, sondern auch, um denMenschen in der Hauptstadt Judas vorAugen zu führen, dass sie sich selbstschon völlig an die Kultur der Babylonierangepasst hatten, also bevor sie vonihnen erobert wurden. Die in den Weherufenerfolgte Grenzziehung verläuft alsonicht in nationalen Rastern, im Sinn von:dort die gottlosen Babylonier, hier dasgute Volk Gottes.Mehr noch: Diese Weherufe sind merklichallgemein gehalten. Gott spricht seinGericht hier sehr generalisierend. Dasdeutlichste Beispiel dafür finden wir imdritten Weheruf: Die Völker und die Nationen(also nicht nur die Babylonier)mühen sich fürs Feuer ab. Das heißt:Mit den Weherufen will der Heilige Geistunseren Blick über Nebukadnezar undseine Truppen hinaus lenken und unsLicht über die gesamte Weltgeschichtegeben. Was hier verkündet wird, gilt füralle Völker, übrigens bis hin zu dem Babylon,von dem wir im letzten Buch derHeiligen Schrift lesen. Auch über dieseMacht wird das Urteil gesprochen, dashier in den Weherufen wiederholt begegnet:„Vergeltet ihr, wie auch sie euchvergolten hat, und zahlt ihr das Doppelteheim gemäß ihren Werken! In den Becher,in den sie euch eingeschenkt hat,schenkt ihr doppelt ein! In dem Maß, wiesie sich selbst verherrlichte und üppiglebte, gebt ihr nun Qual und Leid!“ (Offb.18,6.7). Eine Besserung der Weltmächtewird es innerhalb der Geschichte demnachnicht geben.So gilt allen Tyrannen der Gerichtsrufüber die Raffgier. Gott spricht über alleMächte das Strafgericht, die im Lauf derGeschichte andere Völker ausgeplündertund unterdrückt haben und die von ihnenweggenommenen „Pfänder“ selbstverwirtschaftet und verprasst haben, sodass sie sie ihren „Gläubigern“ nicht zurückzahlenkönnen (Hab. 2,6b-8). – Gegenüberdem Absicherungswahn zeigtGott den ungerechten Herrschern immerwieder die ganze Brüchigkeit ihresPlanens auf (Hab. 2,9.10). – Und überihre militärischen Machtspielchen erklärtGott immer wieder sein „Wie gewonnen,so zerronnen“ (Hab. 2,13). – Alle diejeni-20


gen, die meinen, ihre stärkere Positionerlaube es ihnen, andere Menschen zumissbrauchen, bis hin zu Pornographieoder Prostitution, werden das Worthören müssen: „Die Reihe wird auchan dich kommen, den Becher aus derrechten Hand des Herrn zu nehmen,und Schande wird auf deine Herrlichkeitfallen“ (Hab. 2,16). Bereits der KönigSalomo lehrt, dass man Menschendermaßen demütigen und erniedrigenkann, dass sie geradezu „toll“ werden,das heißt jeden Anstand verlieren (Pred.7,7a). Aber Gott sieht den Verursacherfür solche Entmenschlichung!Wer um eines kurzfristigen Profits willenachselzuckend Umweltschäden in Kaufnimmt, wird nicht nur einmal an dem eindimensionalenEthos gemessen werden,nach der wir diese Welt nur von unserenKindern geliehen haben, sondern er wirdvom Schöpfer selbst zur Rechenschaftgezogen werden. – Der Hinweis auf dieSinnlosigkeit und die Torheit des Errichtensund Schmückens von Götzenbilderntadelt nicht nur die Machwerke derBabylonier. Hiermit ist auch das Gerichtgesprochen über alle Ideologen aller Zeitenmit ihrem Anspruch, ihre Ein-„bild“-ungen würden der Menschheit endlichdas Heil bringen. In Wahrheit sind sieleer: Asche (Jes. 44,20).Noch etwas fällt auf: Obwohl diese fünfWeherufe Gottes gleichzeitig Spottrufeder unterdrückten Völker sind, ist derGrundtenor nicht hämische Schadenfreude.Die Gerichtsworte münden nichtin die Aufforderung: „Sei still vor ihm,Babylon!“ Vielmehr lautet das Gebot amEnde des Kapitels universal, also ohneAusnahme: „Sei still vor ihm, du ganze(!)Erde!“ (Hab. 2,20).Der Irrwahn der UngläubigenEines ist durch diese Weherufe deutlich:Gott lenkt die Geschichte. Mag Habakukoder mögen die unterdrücken Völkerwinseln und schreien: „Wie langenoch?“ (Hab. 2,6), Gott kommt nicht zuspät. Aber auch ein Zweites ist klar geworden.Wenn Gott sein Gericht verkündet,dann wendet er sich keineswegsnur gegen die anderen. Es ist nicht so,dass die Scheidelinie zwischen demReich dieser Welt und dem Reich Gottesdurch nationale oder institutionelleGrenzen gezogen werden kann. Vielmehrverläuft die Trennung immer durchdas Volk Gottes selbst mitten hindurch,ja durch unser eigenes Herz.Genau diese Wahrheit wird uns in denbeiden Versen verkündet, die vor denWeherufen stehen (Hab. 2,4.5). Gott beginntseine Botschaft mit einem Siehe:„Siehe, der Vermessene – unaufrichtigist seine Seele in ihm“ (Hab. 2,4). Wensoll Habakuk hier „sehen“? Wer ist mitdem „Vermessenen, dessen Seele in ihmunaufrichtig ist“ gemeint? Ganz zweifellosist an die Angreifer gedacht, also andie Babylonier. Aber nur an sie? HätteGott es dann nicht unmissverständlichsagen können? Sind von dem Geist desGrößenwahns nur sie beherrscht?Eher scheint es sich so zu verhalten,dass Gott, bevor er sein Gericht über die(anderen) Gottlosen spricht, erst einmalHabakuk selbst gleichsam an die Handnimmt und an ihn die Frage richtet: Habakuk,hast du bei deinen Klagen, die zuAnklagen gegen mich geworden sind,nicht vergessen, mit wem du es zu tunhast? Lass uns nun einmal nicht überden gottlosen Jojakim sprechen undüber den noch gottloseren Nebukadne-21


zar. Jetzt sprechen wir einmal über dichund über dein anmaßendes Auftretenmir gegenüber.Noch deutlicher wird Gott im folgendenVers: „Und dazu kommt noch, dass derWein tückisch ist (wörtlich: Der Weinist ein Raubender“, Hab. 2,5a). Natürlichbezieht sich auch dieses Wort aufdie Babylonier, mit ihren unmäßigenSchwelgereien. Aber zunächst veranschaulichtGott anhand des Weinesdem Propheten, wie er sich gegenüberGott verhalten hat: Habakuk, in deinem(An)klagen verhältst du dich so vermessenwie einer, dem der Wein zu Kopf gestiegenist. Du bist wie ein im RauschTorkelnder. In deinen Einbildungen darüber,wie Gott die Weltgeschichte lenkenmüsse, verhältst du dich wie einer „dessenSeele aufgebläht“ ist. Wir würdenheute von einem „Traumtänzer“ odervon einem „Enthusiasten“ sprechen.Schließlich verwendet Gott noch einenVergleich: „Der übermütige Mann wirdnicht bleiben, er, der seinen Rachenweit aufgesperrt hat wie das Totenreichund unersättlich ist wie der Tod, dasser alle Völker sammeln und alle Nationenan sich ziehen will“ (Hab. 2,5b). Enthusiasmuserzeugt im Menschen eine(Schein-)Lebensenergie. Aber geradediese treibt ihn in die Selbstzerstörung.Denn gerade in seiner Berauschungblendet er aus, dass er ein Mensch ist,dass er endlich ist und ein Sünder dazu,ob er nun Nebukadnezar, Jojakim, Habakukoder sonst wie heißt.Als Jeremia einmal Gott mit der Frageanklagte, ob er ihm wie ein „ausgetrockneterBach“ (Wadi) sein wolle („Willst dumir denn sein wie ein trügerischer Bach,wie Wasser, die versiegen?“, Jer. 15,18)antwortete ihm Gott unverzüglich:„Wenn du umkehrst, so will ich dich wiedervor mein Angesichts treten lassen,wenn du das Edle vom Unedlen scheidest,sollst du wie mein Mund sein“ (Jer.15,19). Mit anderen Worten fordert Gottihn auf: Bevor ich weitere Verwendungfür dich habe, spüle erst einmal deinenMund kräftig durch.Um nicht missverstanden zu werden:Wir kennen vermutlich alle Menschen,die tatsächlich unter ihren Leiden tiefgebeugt sind und in ihrem Gebet wahrlichnicht bühnengerecht zu Gott schreien.Solche Leute zu verurteilen stehtuns nicht zu! Aber wir müssen uns darüberim Klaren sein, dass wir auch alsbittende Menschen vor dem Angesichtdes Allerhöchsten stehen. Da ist esnicht angemessen, ihn als eine Art Notrufsäulezu behandeln, als Objekt unsererUngeduld oder unseres Unmuts:„Wird dein Reich jetzt endlich einmal zuPotte kommen!?“, ist eine unakzeptableGebetsformulierung gegenüber demdreimal Heiligen!Gelegentlich meint man, sich für solcheReden rechtfertigen zu können, indemman es als „Freimütigkeit“ oder als„Unbefangenheit“ gegenüber Gott bezeichnet.Oder man erklärt: Man „rechte“mit Gott. Nicht selten verweist manin diesem Zusammenhang auf Hiob.Wir können im Rahmen dieses Artikelsnicht auf das Hiobbuch eingehen. Abersoviel sollte klar sein: Hiob kämpfte gegendas Gottesbild seiner Freunde, dieoffensichtlich von einem „Nachtgeist“beschwätzt worden waren (Hi. 4,12-16)und darum dem Leidenden nur einensehr verzerrten Gott verkündigen konnten.Als Hiob dann Gott selbst begeg-22


nete, da legte er seine Hand auf seinenMund und verabscheute sich in Staubund Asche (Hi. 39,34; 42,2-7).Der Gerechte lebt aus GlaubenWie Habakuk, so kann es auch unsimmer wieder überfallen. Wir geratendann dermaßen unter den Eindruck derGeschehnisse um uns herum, dass wirunsere Stellung vor Gott aus dem Augeverlieren. Frommes Streben, ehrlicheLeidenschaft und opferbereiter Einsatzmögen ihr Übriges beitragen, dass wirdie Vermessenheit bei anderen, nicht jedochbei uns selbst wahrnehmen. Dannwerden die eigenen Überlegungen zu einemKerker, aus dem wir selbst genau sowenig auszubrechen vermögen, wie manseine Hand, die an eine Starkstromleitunggeraten ist, wegreißen kann, obwohl mangenau weiß, dass man dadurch verglüht.So kommt der in seinen selbstzerstörerischenEinbildungen Gefangene nichtaus seinem Gedankengebäude heraus- bis Gott endlich sein befreiendes Wortspricht: „Der Gerechte wird aus Glaubenleben“ (Hab. 2,4).Seien wir uns darüber im Klaren: DiesesWort trifft nicht auf jemanden, der lediglichder einen oder anderen Fehleinschätzungoder sonstigen leicht korrigierbarenIrrtümern aufgesessen ist, sondern esprallt auf den geballten Unglauben desmenschlichen Herzens. Bei Habakukzeigt sich dieser Unglaube in Ungeduldund anmaßender Besserwisserei, die wiejeder Unglaube von der Ursünde, dasheißt von Adams Gottgleichseinwollen,angezündet worden ist.Martin Luther bringt in seiner Erklärungzum ersten Gebot im Großen Katechismusauf den Punkt, was Glaube ist:Glaube ist die Antwort des Menschenauf das erste Gebot. Mit anderen Worten:Glaube heißt, von Gott als Gott zuwissen. Dann erkennt der Mensch seineneigenen Standort und gegen allenAugenschein, gegen alle Zwischenmächte,die sich als Herren der Welt,göttergleich vor ihm aufzuführen suchen,klammert er sich an diesen Gottund an seine Verheißungen. Dann wirdsein Glaube zu einem Treueverhältnis,so dass er im Gebet bekennt, wennauch unter Tränen: Du, Herr, lenkst dieseWelt, und deine Leitung ist die bestealler möglichen! Einmal wird die ganzeErde vor dir still sein. Ich will es schonjetzt sein!In der Verheißung, der Gerechte werdedurch Glauben leben, ist das Wort „leben“nicht moralisch zu fassen. Gottappelliert hier nicht an Habakuk, sichdurch eine anständige Lebensführungals Gerechter zu erweisen. Dafür hättedie Heilige Schrift den Begriff „wandeln“verwendet. Die Aussage: „Der Gerechtewird durch Glauben leben“, meint sovielwie: Während die „Vermessenen“, die inihrem Rausch Benebelten zwischen denMühlsteinen der Weltgeschichte zermalmtund im Gericht zugrunde gehenwerden, wird der, der Gott traut, die Weltüberwinden und bestehen: Er wird vorGott leben.Im Neuen TestamentDreimal wird das Wort, „Der Gerechtewird aus Glauben leben“, im NeuenTestament zitiert: in Römer 1,17; Galater3,11 und Hebräer 10,38.In Römer 1,17 untermauert der ApostelPaulus mit dieser Aussage, dass Gott imEvangelium seine Gerechtigkeit geof-23


fenbart hat, und zwar „aus Glauben zuGlauben“. Auf die Frage, wer vor Gottbestehen kann, lautet die Antwort: nurder, der die Gerechtigkeit Gottes empfangenhat. Zur Begründung verweistPaulus auf Habakuk 2,4: „Der Gerechteaber wird aus Glauben leben“.Gott machte dem Propheten deutlich,dass er in sich selbst keineswegs gerechtist. Vielmehr lebt er im Rausch dereigenen Vermessenheit, also nicht vielanders als Nebukadnezar oder Jojakim!Gott verkündete ihm: Gerechtigkeit findetder Mensch nicht dadurch, dass erum sich herumblickt und dabei möglicherweisezu dem Ergebnis gelangt, ersei frömmer als andere. Sondern Gerechtigkeiterlangt er nur durch Vertrauenauf Gott, „aus Glauben zu Glauben“.Die zweite Stelle, in der dieses Wort imNeuen Testament zitiert wird, steht imGalaterbrief. Der Apostel Paulus hatteden Galatern einst verkündet, dass derMensch einzig und allein durch die GnadeGottes gerechtfertigt wird. Nach derAbreise des Paulus waren Leute in dengalatischen Gemeinden aufgetreten, dieaus dem Judentum kamen. Diese Männergingen sehr geschickt vor. Sie widersprachendem, was Paulus verkündethatte, nicht direkt. Auch sie versicherten,dass der Mensch durch die GnadeGottes gerettet werde. Aber danebenbrachten sie noch einen Zusatz in ihreVerkündigung. Der Glaube sei lediglichder Beginn des Christseins. Wenn manwirklich geistlich vorankommen wolle,müsse man sich auch an das Gesetzhalten: Vor allem solltet ihr euch an euremFleisch beschneiden lassen. Als derApostel dieses mitbekam, stellte er klar:Diese Vertreter christlich-judaistischerVerkündigung verfälschen das Evangelium.Ihr werdet dadurch „verzaubert“(Gal. 3,1).Man könnte fragen: Was war daran eigentlichso schlimm? Warum die ganzeAufregung? Die zusätzlichen Werke desGesetzes hätte man doch vortrefflich alsErgänzung zum Glauben deuten können.Doch der Apostel urteilt anders:Entweder ihr erlangt eure Rechtfertigungdurch Werke des Gesetzes oderdurch Glauben an Christus, den Gekreuzigten.Entweder ihr blickt auf euch,auf eure Leistungen und schnipselt aneurem Fleisch herum oder ihr schautweg von euch auf das Werk Christi aufGolgatha. Wer sich auf die Werke desGesetzes stützt, gerät unter den Fluch(Gal. 3,10). Nur wer sein Vertrauen aufGott setzt, kann vor Gott bestehen. DieseBotschaft erhärtet der Apostel mitdem Wort: „Der Gerechte wird aus Glaubenleben“ (Gal. 3,11).Als Habakuk sich in den Gedanken verrannthatte, er kenne die Wege Gottesbesser, machte Gott ihm klar, dass nichtseine frommen Überlegungen und seineingebildetes Sorgen ihn retten, sondernallein das Trauen auf Gott.Die dritte Stelle, in der das Wort an denPropheten Habakuk zitiert wird, steht imHebräerbrief. Dieser Brief ist an Christengerichtet, die aus dem Judentumbekehrt waren, aber dann in der Anfechtungstanden, wieder in diesesreligiöse System zurückzusinken: Istes denn so falsch, sich (auch) an denTempelriten zu orientieren? Ist es nichterhebend, wenn der Hohepriester amgroßen Versöhnungstag aus dem Heiligtumkommt, um dann die im Tempelvorhofwartende Menschenmenge mit24


Tierblut zu besprengen? Der Schreiberdes Hebräerbriefes ermahnt durch denHeiligen Geist, sich nicht an den Hohenpriesterzu halten, der alljährlich am großenVersöhnungstag in das Allerheiligstedes Jerusalemer Tempel geht. Stattdessensollen die Christen sich auf den„großen Hohenpriester“ besinnen, dermit seinem eigenen Blut in das himmlischeHeiligtum eingegangen ist. Sie sollengegenüber dem Judentum standhaftbleiben und sich nicht an dem Irdischen,Sichtbaren orientieren. Sie sollen „ihreZuversicht“ nicht „wegwerfen“ (Hebr.10,35), nicht „feige zurückzuweichen“(Hebr. 10,39), sondern ihren Blick aufdas Himmlische, auf das Unsichtbarerichten. Denn: „Der Gerechte wird ausGlauben leben“ (Hebr. 10,38).Jesaja bezeugt einmal, wie er in seinenAnfechtungen auf dem Weg des Vertrauensbewahrt wurde, so dass er nichtzurückwich: „Gott, weckt Morgen fürMorgen, ja, er weckt mir das Ohr, damitich höre, wie Jünger hören. Gott der Herrhat mir das Ohr geöffnet; und ich binnicht ungehorsam und weiche nicht zurück.Ich bot meinen Rücken dar denen,die mich schlugen, und meine Wangendenen, die mich rauften. Mein Angesichtverbarg ich nicht vor Schmachund Speichel. Aber Gott der Herr hilftmir, darum werde ich nicht zuschanden“(Jes. 50,4-6). Ähnlich bekennen es auchdie Söhne Korachs, nachdem sie bittereErfahrungen mit Menschen in ihremUmfeld gemacht hatten: „Du hast unsder Beschimpfung unserer Nachbarnausgesetzt, dem Spott und Hohn derer,die uns umgeben... Dies alles ist überuns gekommen, und doch haben wirdeiner nicht vergessen noch treulos gehandeltgegen deinen Bund. Unser Herzhat sich nicht zurückgewandt noch sindunsere Schritte abgebogen von deinemPfad“ (Ps. 44,14-19).Dass der Glaube keineswegs nur einmystisches „Jesus-Grundgefühl“ ist,sondern ohne Gehorsam, ohne Nachfolge,ohne Hingabe des ganzen Lebensnicht vorstellbar ist, wird gleichim folgenden Kapitel des Hebräerbriefesan zahlreichen Beispielen illustriert:Durch Glauben brachte Abel ein Opferdar, baute Noah eine Arche, gehorchteAbraham und zog aus in ein Land,das er als Erbteil empfangen sollte usw.Aber all dieses Tun ist überwölbt vonder Aussage aus Hebräer 11,1. Aufden Rat Melanchthons hin übersetzteLuther, dass der Glaube eine „gewisseZuversicht“ ist. Das ist nicht falschübersetzt. Aber der unmittelbare Sinndes griechischen Wortes (hypostasis)meint: das „darunter Liegende“, „dertragende Grund“. 13 Dieser tragendeGrund des Glaubens wurzelt nicht imSichtbaren, sondern im Unsichtbaren.Darum gibt Gott auch keine Erklärungenüber das Problem des Bösen inder Weltgeschichte oder eine Antwortauf all die quälenden Warum-Fragen,sondern er ruft zum Glauben auf, zumVertrauen, das im Unsichtbaren wurzelt.Nur wer dort seinen Lebensanker hat,ist angesichts der Stürme der Zeit vorder eigenen Ungeduld bewahrt. Dannbeugen wir uns nicht unter die Situationin einer gleichsam fatalistischen Einstellung,sondern wir stellen uns unter das13) Man vergleiche dazu die sehr hilfreichen Ausführungen Johannes Calvins in: Institutio III,2,41-43.25


(Gerichts)-Handeln Gottes. Das hattensowohl die Christen, an die der Hebräerbriefgerichtet war, zu lernen als auchHabakuk.Der Kommende wird kommenAn einem Satz im Hebräerbrief, der mitder Aussage „Der Gerechte wird ausGlauben leben“ in engem Zusammenhangsteht, sind wir bisher vorbeigegangen.Unmittelbar vor diesem zitiertenWort lesen wir: „Denn noch eine ganzkleine Weile, dann wird kommen, derkommen soll und wird nicht auf sichwarten lassen“ (Hebr. 10,37). Offensichtlichführt der Schreiber des Hebräerbriefeshier Habakuk 2,3 an, also denVers, dessen Verständnis wir zu Beginndes Artikels offen ließen. Dabei fällt einekleine aber bezeichnende Variation auf:Während Gott dem Propheten Habakukmitteilt, „die Offenbarung“ wartet nochauf die bestimmte Zeit und wird kommenund nicht verziehen, spricht derHebräerbrief von „dem Kommenden,der kommen soll“ und nicht verziehenwird. Zweifellos ist hier Christus angekündigt.Damit ist die Frage beantwortet, was dieAussage meint, dass die Offenbarungnoch auf die bestimmte Zeit wartet undauf das Ende zueilt: Auch diese Offenbarunghat ihren Inhalt und ihr Ziel inChristus.Nicht zuletzt weil Habakuk den Auftragerhielt, selbst auf die Offenbarung zu„warten“, bezieht sie sich auf den babylonischenKönig: „Wenn es sich verzögert,so warte auf sie, denn sie wirdgewiss eintreffen und nicht ausbleiben“(Hab. 2,3). Mit anderen Worten: Die Erfüllungdessen, was Gott dem Habakuküber die Babylonier offenbart, kann sichnoch etwas hinziehen. Aber die Erfüllung,das heißt sowohl das Kommen derBabylonier als auch deren Untergangwird der Prophet selbst noch erleben.Es gilt für „eure Tage“ (Hab. 1,5). Tatsächlichsank das Babylonische Reichsehr bald nach Nebukadnezars Tod insich zusammen.Aber, und das ist auch deutlich, das Gerichtüber die selbstüberheblichen Babylonierwird zu einer Folie, an der wirerkennen, wie Gott immer wieder Tyrannenmit ihrem Großmachtstreben richtetund zwar bis zum Ende hin, das danneingetroffen ist, wenn „der Kommende,der da kommen soll“, gekommen ist(Hebr. 10,37). Denn alle Gerichte überdie Weltmächte im Lauf der Geschichtesind selbst nicht das Ende. Das kommttatsächlich erst, wenn „der“ Kommendegekommen ist. So „eilt („schnaubt“) dieOffenbarung zum Ende hin.“Wäre nur die Geschichte das Weltgericht,dann böte sie den Unterdrücktennur einen sehr eingeschränkten Trost.Häufig würde sie sich geradezu als eineGottesverdunkelung erweisen. Erst beider Endabrechnung, erst wenn Christus,der Kommende, gekommen ist,werden alle Rätsel klar. Bis dahin sindwir aufgerufen, im Glauben zu leben,das heißt auf den zu vertrauen, der festzusagt, dass „die Offenbarung gewisseintreffen und nicht ausbleiben wird“.Fortsetzung folgt26


Effektive Vermarktungsstrategiedes Kommunitarismusunter evangelikaler FederführungMartin ErdmannDer folgende Artikel deckt in dramatischerWeise geistige Konzeptionen auf,die in den USA schon vor Jahren ausgedachtwurden und nun immer mehr Griffauf den Evangelikalismus gewinnen, umihn für eigene Pläne zu gebrauchen. Einerder Wortführer ist hier der weltweitbekannte Rick Warren.Auf der Konferenz des Pew Forumsüber Religionen, Politik und ÖffentlichesLeben sprach Rick Warren am 23. Mai2005 in seiner Ansprache „Myths of theModern Mega-Church“ [Mythen überdie moderne Großkirche] über die Aufgabeder Massenmedien zur Verwirklichungeiner „Zweiten Reformation“.Insbesondere das Internet werde dabeieinen unschätzbaren Dienst leisten.Indem er auf die Geschichte verwies,rief er den entscheidenden Beitrag derMassenverbreitung biblischer Schriftenim Entstehen der reformatorischenBewegung ins Gedächtnis, die in derMitte des 15. Jahrhunderts durch dieErfindung des Buchdrucks ihren Anfangnahm:„Sehen Sie, dies ist ein weiterer Grund,warum ich meine, eine Reformationwird sich einstellen: Jedes Mal, wennGottes Wort durch eine neue Technologievermittelt worden ist, entstand eineReformation. Um das Jahr 1456 erfandGutenberg den Buchdruck, und waswar das erste von ihm gedruckte Buch?Eine Bibel! Es war nicht Pornographie;es war die Bibel, nicht wahr? Ungefähr50 Jahre danach kam es zur Reformation.Warum? Weil jemand das, wasMartin Luther an die Tür in Wittenberggenagelt hatte, von dort loslöste und esdruckte. Die Reformation hätte nie ohnedie sie möglich machende Technologiestattgefunden. Wir besitzen nun eineneue Technologie, die es uns erlaubt,ein Netzwerk von Millionen lokaler Kirchenweltweit einzurichten. Man nenntes das Internet.“Noch am gleichen Tag veröffentlichtedas Magazin Business Week 14 ein Interviewmit Warren, in dem er noch einmalden gleichen Gedanken herausstellte:„Jedes Mal wenn die Bibel durch eineneue Technologie verfügbar gemachtwird, tritt gewöhnlich eine Erweckungein. Die protestantische Reformation ereignetesich, nachdem der Buchdruckerfunden war.“Damit sprach Warren in aller Öffentlichkeitdie 26 Jahre zuvor zu Papier gebrachtenGedanken Jeremy Rifkins aus,der seinerzeit seine Überlegungen niederschriebzu der Frage, wie das Christentumam effektivsten zur Errichtungeiner kommunitarischen Weltgemeinschaftumfunktioniert werden könne.In seinem in dieser Hinsicht bahnbre-14) http://www.businessweek.com/magazine/content/05_21/b3934015_mz001.htm27


chenden Buch The Emerging Order(G.P. Putnam’s Sons) stellte JeremyRifkin einen Entwurf vor, wie man dieevangelikale Lehre überarbeiten müsse,damit die Christen eine möglichst weiteVerbreitung des Kommunitarismusbereitwilligst unterstützen. Der bemerkenswertesteAspekt seines Plans wardie Hauptrolle, die er der Kommunikationstechnologiezur manipulativen Beeinflussungder gesamten Weltbevölkerungim Sinne einer radikalen sozialpolitischenTransformation beimaß. Er sahvoraus, dass sich nicht nur die Evangelikalendes Mediums Fernsehen bedienenwürden, sondern das Fernsehenwürde sich der Evangelikalen bedienenund sie verändern. Sein im Jahr 1979veröffentlichtes Buch konnte noch nichtdie Bedeutung des Internets in diesemTransformationsprozess vorhersehen.Die auf das Fernsehen bezogenen AussagenRifkins können jedoch problemlosauf das Internet übertragen werden:„Vor der Erfindung des Buchdruckswurde das geschriebene Wort hauptsächlichdurch das handschriftlicheKopieren der Mönche bewahrt, die derkatholischen Kirche unterstellt waren.Dieser Umstand gab der Kirche faktischein Monopol über das Lesen und dasDuplizieren der Manuskripte. Dadurchsicherte sie sich auch ihre Autorität imInterpretieren der christlichen Lehre. DieBuchdruckerei veränderte die Situationüber Nacht. Indem Gutenberg jedemdie Bibel frei zugänglich machte, trug ermit dazu bei, die Grundlage zu schaffen,dass die Reformation die kirchliche Autoritätinfrage stellen konnte“ ... „SechsJahrhunderte später wird das Mediumdes gedruckten Wortes von einem neuenübertrumpft, dem Fernsehen. In nur30 Jahren gelang es der elektronischenKommunikation, das Denken der Menschenüber die sie umgebende Weltvöllig zu verändern. Gleichzeitig hatdieser Prozess auch dazu geführt, dassman den christlichen Glauben und seineLehre in einer ganz anderen Weisewahrzunehmen pflegt. Eine Revolutionim Christentum hat begonnen und dasFernsehen hat einen ähnlich großen Teildazu beigetragen, wie einst die Reformationdem Buchdruck viel zu verdankenhatte. Der Wechsel vom gedrucktenWort zum Fernsehen hat das menschlicheDenken verändert. Die sinnliche undauf Erleben basierende Kommunikationdes Fernsehens hat das objektive undanalysierende Reflektieren über das gedruckteWort ersetzt. Die Zeit und die Distanzmussten der Spontaneität und derUnmittelbarkeit weichen. Der Einzelnedenkt nicht mehr so viel darüber nach,wie er handelt. Das Überlegen nimmtnicht mehr so viel Raum ein wie dasErleben. Diese neue konzeptionelle Arthat schon jetzt vieles an der christlichenLehre verändert. Erst recht wird das fürdie Jahrhundertwende gelten. Das charismatischePhänomen repräsentiert denersten bedeutsamen Schritt in diesemTransformationsprozess“ (S. 113.141).Die moderne Kommunikationstechnologieist ein geeignetes Vehikel, um dasmenschliche Denken zu verändern, weiles, so Rifkin, sinnlich ist und im Erlebenwurzelt. Der Autor sah voraus, dass dieneuen Medien große Möglichkeiten eröffnenwürden, um eine von Menschenerzeugte Erweckung einzuleiten. DieKirche wäre dann bereit, die neuen Lehrendes Dominionismus anzunehmen.28


In seinem Kapitel Evangelicalism andAmerica [Evangelikalismus und Amerika]weist er darauf hin, dass sich die„professionellen Geistlichen“ [gemeintsind wohl die an der Heiligen Schriftorientierten Christen, die so genannten„Fundamentalisten“] fürchteten, dass zuZeiten der Erweckung inwendige Erfahrungenüberbetont und die Lehre unterbetontwerde (S. 134). Diese Akzentverschiebungwürde zu „hysterischen Auswüchseneines Antiintellektualismus“führen (S. 135).Tatsächlich war dies gar nicht so falschgesehen: Rifkin schlug vor, die Charismatikereinzubinden, um „die Umformulierungtheologischer Lehre im Sinneeiner neuen Ordnung und eines neuenBundes durchzuführen“ (S. 169). Er sahnämlich die Charismatische Bewegungvorrangig als eine Strömung an, die dieGefühle über den Verstand und das persönlicheErleben über die objektive Analysestellt: Die Betonung liege auf dem„Irrationalen und Subjektiven“ (S. 228).Rifkins Buch enthält eine interessanteFallstudie über Dwight D. Moody, dengroßen, gegen Ende des 19. Jahrhundertswirkenden Erweckungsprediger.Aufschlussreich ist seine Beurteilungder Vermarktungsmechanismen, dieseines Erachtens hinter diesem, die Gefühleansprechenden, Erweckungsprozessstanden:„Moody war nie ein ordinierter Geistlicher;dies schien aber kein großes Hindernisin seinem erfolgreichen Bemühengewesen zu sein, die Gottlosen in dengroßen Städten der Nation ins KönigreichGottes zu bringen. Moodys Stilpasste sich der neuen industrialisiertenÄra an. Man sagte von ihm, dasser nicht nur so aussah und sich kleidetewie ein Geschäftsmann, sondernauch so predigte. Tatsächlich wurde dieArt, wie er evangelistische Veranstaltungendurchführte, zum Modell modernerGeschäftspraktiken, die man normalerweisemit erfolgreichen Evangelisationskampagnendes 20. Jahrhunderts inVerbindung bringt. Moody verstand es,die künstlerische Selbstdarstellung einesP.T. Barnum mit dem kalkulierendenScharfsinn eines Geschäftsmannes wieAndrew Carnegie zu verbinden. Marktschreier,PR-Agenten, Werbekampagnenusw. waren alles Ausstaffierungender neuen Großstadtevangelisationen.Und man hatte Erfolg damit. In Übereinstimmungmit modernen Methodender Buchhaltung zog seine OrganisationBilanz über die erzielten Ergebnisse:2500 errettete Menschen in Chicago,3500 errettete Menschen in New YorkCity usw. Diese Bekehrungszahlen dientenals eine Art Verkaufsstatistik, die zurGrundlage wurde für das Berechnen derEffektivität der eingesetzten Geldmittel.Moody habe seine Verkaufs- und Vermarktungstechnikensogar in seinenPredigten integriert: ‚Wer wird Jesusjetzt annehmen? Das ist alles, was dudir wünschen kannst. Mit Christus bekommstdu ewiges Leben und alles, wasdu sonst noch benötigst. Ohne ihn wirstdu verloren gehen. Er bietet sich dir an.Wirst du ihn annehmen?“ (S. 153-154).Tatsächlich hatten im letzten Jahrhundertdiese EvangelisationskampagnenElemente eines formellen Verkaufsritualsangenommen. Dazu gehörten solchunziemlichen Praktiken wie: mit Flüchendrohen, Schmeicheleien ausstreuen,Druck ausüben, Gefühle künstlich sti-29


mulieren, Bekehrte „wie Skalpe“ zählenusw. Die Evangelisationskampagnenverließen sich immer mehr auf schauspielerischeDarstellungen, bunte Lichteffekte,flotte Musik und andere sinnlicheMechanismen, um die Emotionenanzuheizen. Je mehr die evangelikaleWelt diese psychologischen Kunstgriffezum Einsatz brachte, desto häufigerwurde sie selbst mit hineingerissen indie verführerische Welt säkularer Vermarktung.Man hätte sich schon von Anfang ankonsequent gegen diese manipulierendenShow-Einlagen stellen müssen,die ursprünglich von Charles G. Finneyeingeführt wurden. Moody knüpfte nurdort an, wo Finney aufgehört hatte. BillyGraham war lediglich der erfolgreichsteNachahmer seiner beiden Vorgängerund konnte sich zudem noch auf dieUnterstützung der säkularen Presse(im Besonderen dank der Zeitungendes Medienmoguls William RandolphHearst) verlassen. Die Verführer wurdenselbst zu Verführten. Rifkin erkanntehierin den zentralen Schwachpunkt desEvangelikalismus, den er selbst rigorosauszunutzen gedachte, um die Effektivitätder eingesetzten Mittel im Transformationsprozesszu maximieren:„Vor dem Ersten Weltkrieg waren dieMenschen mit etwas mehr als einemHuhn im Topf zufrieden. Nach dem ErstenWeltkrieg verlangte man lautstarknach einem Ford (oder sogar zwei Automobilen)in jeder Garage. Unser Jahrhundertzeichnet sich durch Wachstum,Mobilität und Expansion aus. Alles inallem haben wir uns ziemlich schnellan diese neue Gangart gewöhnt. ÜberNacht wurden die Amerikaner besessenvon der Idee des Neuen, Besserenund Umfangreicheren. Telefone,Kühlschränke und Radios konnte manüberall bekommen. Man lebte in einemneuen Paradies. Das Königreich derKonsumenten ersetzte das KönigreichGottes, und die Werbung half, die tumultartigenSchwierigkeiten des Übergangsabzufedern, indem sie jedendaran erinnerte, dass Werte eigentlichnur Stile sind. Und da Stile sich in jederSaison ändern, standen diejenigenschlecht da, die nicht mit der Mode gingen,die nicht den Pulsschlag der Zeitwahrnahmen und das Rennen nichtmehr mitmachten. Jefferson hatte einstgesagt, dass ‚nichts unveränderbarsei, außer den inhärenten Rechten desMenschen.’ Madison Avenue tauschteschnell Rechte durch Bedürfnisse ausund proklamierte, dass alles nun tatsächlichaustauschbar sei – es sei denn,die Waren seien momentan nicht auf Lager“(S. 157-158).Wenn also die heutigen Leiter der NeuenApostolischen Reformation daraufdrängen, die darstellenden Künste undKommunikationsmedien vermehrt einzusetzen,um eine „Erweckung“ in ihremSinne zu erzeugen, sollte bedachtwerden, dass damit die Absicht verfolgtwird, die christlichen Lehren in ihr Gegenteilzu kehren. Letztlich läuft allesdarauf hinaus, dass das Denken derMenschen, die sich diesem Einfluss öffnen,radikal manipuliert wird. Die Christenwerden so für die Verwirklichungpolitischer Ziele motiviert, die sie sonstradikal ablehnen würden, wären ihnendie wirklichen Absichten der Kommunitarierbekannt. Am Ende bleiben nur dieVerführten übrig.30


Das empfehlen wir Ihnen zu lesen:Robert C. SproulWas am Kreuz geschahDer Sühnetod Christi ist das Fundamentunseres Heils und unseres Glaubensschlechthin. Doch die Lehre von derstellvertretenden Sühne wird heute bisin evangelikale Kreise hinein teils subtil,teils ausdrücklich und scharf angegriffen.Daher ist es unbedingt nötig, dassChristen in dieser Lehre gefestigt undvor Abirrungen gefeit sind – und dieseFestigkeit auch an die nachfolgendeGeneration weitergeben können.Eine wertvolle Hilfe dazu ist das BuchWas am Kreuz geschah von Robert C.Sproul. Es wurde vom neuen WORT-Verlag (gegründet vom Wartburg Verein)herausgegeben, der sich der Verbreitungbibeltreuer reformatorischer Literaturwidmet.Fragen wie: Warum hat Gott nicht einfachüber unsere Sünden hinweggesehenund hat stattdessen ein Sühnopfer,das Opfer seines eigenen Sohnes, alsLösegeld gefordert? Was ist eigentlichdamals am Kreuz geschehen? Hat JesusChristus dort tatsächlich wirksamdas Heil vollbracht oder nur ermöglicht?Sproul behandelt auch kurz und knappdie unterschiedlichen, teilweise weitverbreiteten Theorien der Sühne und argumentiertauf überzeugende Weise fürdie reformierte Sicht als die biblische.Dabei zeigt Sproul auch noch in diesemwunderbaren Büchlein, wie die Lehrevom Sühnopfer Christi mit anderenKernaussagen des Evangeliums verknüpftist. Mit seinem handlichen Kleinformateignet es sich gut als Geschenk,zumal es wertvoll aufgemacht und festgebunden ist.Robert C. Sproul: Was am Kreuz geschah.Warburg, Wort Verlag, 2009,192 Seiten, ISBN 978-3-934633-33-9.14,95 €H.W. DeppeDas Buch ist eine sowohl für Laien gutlesbare als auch theologisch solide Behandlungdes Themas Sühne. Es klärtBestelladresse:Betanien Verlag -Ausgewählte bibeltreue Literatur.Imkerweg 38 · 32832 Augustdorf.Tel. 05237/8990-90 · Fax -91OnlineShop www.cbuch.de·eMail info@betanien.de31


Das empfehlen wir Ihnen auch noch zu lesen:Ilona JacobsIch war eine von vielenWenn Pornografiesucht eine Ehe gefährdetDas vorliegende Buch ist ein bewusstsehr persönlich gehaltener Bericht einerEhefrau, deren Mann über Jahre hinwegpornografiesüchtig war. Sie berichtetsehr offen über das, was sie erlebt hat,über ihre Reaktionen und Gefühle undauch über die Auswirkungen auf diegemeinsamen drei Söhne. Bewegendbeschreibt sie ihre Verletzungen undihre Verzweiflung und die immer wiederkehrendeEnttäuschung. Aber sie bleibtnicht bei Selbstmitleid stehen, sondernlenkt den Blick auf ihr eigenes Versagen,auf ihre eigenen oft verkehrten Reaktionenim Blick auf die Sünde ihres Mannes.Sie erkennt ihren eigenen Stolz undHochmut, für den sie sich vor Gott demütigt.Sehr schön finde ich, dass Ilona Jacobsnach jedem Kapitel einen Bibelabschnittanführt, der ihre Situation in das LichtGottes stellt und somit Zurechtweisung,Wegweisung und Trost gibt. Hier richtetsie auch konkrete Fragen an den Leser.Das Buch ist somit auch für Menschen,die nicht unmittelbar betroffen sind, mitGewinn zu lesen. Nicht zuletzt gibt dieAutorin Gott die Ehre, dass er ihre Ehetrotz aller Sünde und Verbitterung bewahrtund gesegnet hat.Nicht irgendwelche Methoden werdengenannt, wie man ein Problem in denGriff bekommt, sondern der Blick wirdauf Gott gelenkt, der sich über Sündererbarmt und sie bewahrt. Auch wenndas Buch gelegentlich etwas reichlichemotional rüberkommt und auch dasTitelbild auf mich einen eher kitschigenEindruck macht: Der Inhalt ist unbedingtlesenswert.Ilona Jacobs, Ich war eine von vielen.Wenn Pornografiesucht eine Ehe gefährdet.Marburg [Francke-Buchhandlung]2009. 144 Seiten. ISBN 978-3-86827-119-5. 9,95 €.Ute Klautke32


Neues von derAkademie für Reformatorische TheologieWolfgang NestvogelSieben Neuzugänge zum Wintersemester!Zum Wintersemester haben sich siebenneue Studenten bei der ART angemeldet!Das ist für die kleine Akademie derbisher größte Zuwachs und bedeuteteine Verdoppelung ihrer Studentenzahlen.Für die Verantwortlichen ist das Anlasszu großem Dank gegenüber Gott.Sie hoffen, dass es zunehmend gelingenwird, das theologische Profil unddie akademische Qualität der Ausbildungin Deutschland noch bekannter zumachen.Während die Wellen theologischer Modeströmungenin immer neuen Variantenüber die Gemeinden hinwegstürmenund Verwüstung und Verunsicherunghinterlassen (z.B in Gestalt der Emerging-ChurchKonzepte), bedarf es umsodringender bibeltreu und solide ausgebildeterTheologen und Verkündiger. Derlegendäre bayerische Bischof HermannBezzel (1861-1917) wird mit der Diagnosezitiert, dass die Kirche Jesu Christi„zugrunde geht an der Vielzahl ihrernichtberufenen Diener“. Damit beklagteer ein Defizit an geistlicher Vollmachtund Überzeugung. In diesem Sinn hatder Apostel Paulus gefragt: „Wie sollensie aber hören ohne Prediger? Wiesollen sie aber predigen, wenn sie nichtgesandt sind?“ (Römer 10,14.15). Wirkönnen weiterfragen: Wie sollen sie gesandtwerden, wenn sie nicht von Christusdurch sein Wort geprägt und vonder Liebe zu seinem Evangelium durchdrungensind?Dazu bedarf es nicht unbedingt einerformalen theologischen Ausbildung. WoGott einem Menschen aber die Möglichkeitzu einem solchen Studium eröffnet,liegt darin eine große Chance,die eigenen „Werkzeuge“ zu verfeinernund abzuschleifen, um der GemeindeJesu in bestmöglicher Weise dienen zukönnen.Ein Wort zu den Finanzen – bitte beachtenSie den beigelegten Einzahlungsschein!Erstmals seit langer Zeit liegt dieserAusgabe der BEKENNENDEN KIRCHEwieder ein Überweisungsträger derART bei. Schon jetzt sorgen viele treueSpender dafür, dass der Dienst der Ausbildungseinrichtungin diesem Umfanggeschehen kann. Dennoch benötigt dieART dringend weitere Mittel, um auch inden nächsten Monaten liquide zu sein.Trotz sparsamen Wirtschaftens hat dieEntwicklung der Spenden mit der Entwicklungder Kosten nicht ganz Schrittgehalten. Darum der beigelegte Überweisungsträger.Das ist zunächst eineeinmalige Aktion, die auf diese Ausgabeder BEKENNENDEN KIRCHE beschränktbleibt.Eine Möglichkeit zur regelmäßigen Unterstützungbietet dagegen der Dauerauftrag.Vor einigen Jahren wurde33


dafür die Aktion „100 x 60“ ins Lebengerufen, an die wir bei dieser Gelegenheitgern erinnern. Gesucht waren 100neue Einzelspender, die einen monatlichenBeitrag von mindestens 5.- Eurozur Verfügung stellten, also 60.- Euroim Jahr. Das Ziel von 100 Spendernwurde seinerzeit nicht ganz erreicht,dafür sind viele derer, die damals alsSpender hinzukamen, noch heute anBord.Die Verantwortlichen der ART sind davonüberzeugt, dass gerade in dieser Situation,wo die Arbeit auch im Hinblickauf die Studentenzahlen zu wachsenbeginnt, Gott dafür sorgen wird, dassdie finanzielle Grundlage erhalten bleibtund stabilisiert werden kann.Konto für Deutschland:Volksbank Mittelhessen eG 18 314 100, BLZ: 513 900 00BIC-Code: VBMHDE5FIBAN: DE68 5139 0000 0018 3141 00Konto für die Schweiz:Raiffeisenbank CH-Schaffhausen,Konto-Nr. 81206.23Bankenclearing: 81344,IBAN: CH54 8134 4000 0081 20623,SWIFT-Code: RAIFCH 22Konto für die Niederlande:5 84 46 25 81 ABN-AMRPt.n.v. Stichting Vrienden van MarburgEröffnungsfeier am 17. Oktober, 14 Uhr– Festvortrag über Francis SchaefferDie offizielle Eröffnung des Wintersemesters2009/2010 erfolgt in einerakademischen Feierstunde am 17.Oktober 2009. Als Gastredner konnteder Theologe Ron Kubsch (Bonn) gewonnenwerden, Dozent für Apologetikund Neuere Theologiegeschichteam Martin Bucer Seminar und Mitgliedder Evangelical Philosophical Society.Kubsch ist bereits durch Publikationenetwa über die Postmoderne oder dieapologetische Arbeit des christlichenKulturkritikers Francis Schaeffer (1912-1984) hervorgetreten. Sein Spannungversprechender Festvortrag wird beideThemengebiete aufeinander beziehenund steht unter dem Titel: „Antwort aufdie Postmoderne – was wir von FrancisSchaeffers weitsichtiger Apologetik lernenkönnen.“ Lange bevor der Begriffdes Postmodernismus bekannt war,sprach Schaeffer bereits von der Noteiner „modernen Moderne“, die an ihremRelativismus scheitern werde. Leidenschaftlichversuchte er die Christenzu einem missionarischen Lebensstilanzuleiten, der auch die intellektuelle34


Herausforderung der zeitgenössischenKultur ernst nimmt.Die Semestereröffnung beginnt um 14Uhr mit einem Gottesdienst, in dem Dr.Victor E. d’Assonville die Predigt haltenwird. Die Leitung hat Dr. Jürgen-BurkhardKlautke. Nach dem Kaffeetrinkenmit Stehimbiss folgt gegen 15.45 Uhrdie akademische Versammlung, eingeleitetdurch einen kurzen Lageberichtdes Rektors Dr. Wolfgang Nestvogel.Den Höhepunkt des Tages bildet dannder Festvortrag von Ron Kubsch.Veranstaltungsort: ART, Alter Flughafen18, 30179 Hannover.Blockkurse für Gasthörer geöffnetAuch im kommenden Semester werdenwieder Blockkurse angeboten, dieGasthörern zur Teilnahme offenstehen,seien sie Studenten anderer Hochschulen,amtierende Pastoren odertheologisch informierte Mitarbeiter inGemeinden. Die Absolvierung der jeweiligenPrüfungen ist für Gäste selbstverständlichfreiwillig und steht solchenHörern offen, die Hochschulreife oderFachhochschulreife als Voraussetzungmitbringen. Alle anderen erhalten eineTeilnahmebestätigung.Zu folgenden Lehrveranstaltungen kannman sich schon jetzt über das Sekretariatanmelden:19.-23. Oktober: Kirchengeschichte I(Alte Kirche) – Dr. Victor E. d’Assonville2.-6. November: Homiletik I (Predigtlehre)– Dr. Wolfgang Nestvogel16.-20. November: Ethik I – Dr. JürgenBurkhard Klautke1.-4. Dezember: Seelsorge I – Dr. WolfgangNestvogel7.-11. Dezember: Neues Testament –Die Jesusüberlieferung in den synoptischenEvangelien – Dr. Martin Erdmann14.-18. Dezember: Dogmatik I (Einleitung,Gotteslehre) – Dr. Victor E.d’Assonville11.-15. Januar: Kirchengeschichte II(Mittelalter) – Dr. Victor E. d’Assonville18.-22. Januar: Einleitung in das AlteTestament – Dr. Kai SoltauWährend des Semesters werden zusätzlichan jedem Mittwoch zwei regelmäßigeVeranstaltungen angeboten:11 h c.t. Akademiegottesdienst mitPredigten von Dozenten und Studentender ART12 h c.t. Vorlesung: „Grundfragen derHermeneutik“ – Dr. Wolfgang NestvogelWeitere Informationen zu den Veranstaltungensind über die Homepage derART zugänglich. Auch sonst lohnt sichein Besuch bei www.reformatio.de.Sekretariat der ART:Daniela RumpfAlter Flughafen 18, 30179 Hannover – www.reformatio.deTelefon: 0511-64 68 98 30, Fax: 0511-64 68 98 33, E-Mail: art@reformatio.de5 Minuten zum Autobahnkreuz – 13 Minuten zum Bahnhof (U-Bahn) – 12 Minuten zum Flughafen35


Veranstaltungen aus den Bekennenden GemeindenBibeltage HannoverThema:Jona und seine ZeitTermin: 19. – 20. September 2009Beginn:Abschluss:Samstag, 19.09.2009 – 10:00 UhrSonntag, 20.09.2009 – 13:00 UhrReferenten:Pastor Dr. W. NestvogelPastor Dr. K. SoltauAnmeldung und Information:Frau Renate Trunk, Prüssentrift 65 A, 30657 HannoverTelefon: 0511 905 5145 oder 0172 5107330Fax: 0511 905 5145E-mail: RenateTrunk@Vodafone.deWeitere Informationen: www.bibeltage.deBekenntnistag in Bad SalzuflenThema:Zwischen Information und ManipulationAls Christ leben in einer von Massenmedien geprägten WeltTermin: 7. November 2009Ort: Bürgerhaus Wüsten, Kirchheider Str. 4232108 Bad Salzuflen-WüstenReferenten:Prediger W. KeimDr. J.-B. KlautkePastor Dr. W. NestvogelPastor J. WehrenbergAnmeldung (zur besseren Planung) bitte rechtzeitig an:Herr Gerd Niewald, Telefon 05222 61304Herr Paul Rosin, Telefon 05222 2034636


Auf einen Blick: Bekennende Gemeindenwww.rbeg.deGemeinden, die sich im Rat der Bekennenden Evangelischen Gemeinden (RBEG) treffen:Bad Salzuflen:Duisburg:Gießen:Hannover:Neuwied:Osnabrück:Bekennende Evangelische Kirche in Bad Salzuflen-WüstenGottesdienst: Sonntag 10:00 Uhr(parallel dazu findet Kindergottesdienst statt)Salzufler Str. 37, D-32108 Bad Salzuflen(bei G. Niewald)Kontakt: Paul Rosin, Tel.: 05222 20346Gerhard Niewald, Tel.: 05222 61304Bekennende Evangelische Gemeinde unter dem Wort Duisburg-MarxlohGottesdienst: Sonntag 10:00 Uhr(parallel dazu findet Kindergottesdienst statt)Johannismarkt 7, D-47169 Duisburg-MarxlohKontakt: Hans Günter Grabowsky, Tel.: 02064 52853Bekennende Evangelisch-Reformierte Gemeinde in GießenGottesdienst: Sonntag 10:00 Uhr(parallel dazu findet Kindergottesdienst statt)Robert-Bosch-Str. 14, D-35398 GießenKontakt: Dr. Jürgen-Burkhard KlautkeTel.: 06441 962611; Fax: 06441 962609E-mail: Klautke@aol.comHomepage: www.berg-giessen.deBekennende Evangelische Gemeinde HannoverGottesdienst: Sonntag 10:30 Uhr(parallel dazu findet Kindergottesdienst statt)Alter Flughafen 18, D-30179 HannoverKontakt: Pastor Dr. Wolfgang NestvogelTel.: 0511 7244975E-mail: wolfgangnestvogel@t-online.deHomepage: www.beg-hannover.deBekennende Evangelische Gemeinde NeuwiedGottesdienst: Sonntag 10:00 Uhr(parallel dazu findet Kindergottesdienst statt)Beringstraße 63, D-56564 NeuwiedKontakt: Reinhard BüscherTel.: 02642 44828Homepage: www.begneuwied.deBekennende Evangelische Gemeinde in OsnabrückGottesdienst: Sonntag 10:00 Uhr(parallel dazu findet Kindergottesdienst statt)Brinkstraße 49, D-49205 Hasbergen-Gaste(bei Familie Brammer)Kontakt: Pastor Ludwig RühleTel.: 0541-77091934E-mail: ludwigruehle@web.deHomepage: www.beg-osnabrück.de37


Für Neubestellung(en), Änderungswünsche, etc. schneiden Sie bitte den Couponaus und senden ihn an:Verein für Reformatorische Publizistik e. V.Hainstraße 117, D - 35216 BiedenkopfTel.: 0 64 61 75 8719; Fax: 0 32 12 100 14 83Bankverbindung: Volksbank-Mittelhessen eG, Konto: 637505, BLZ: 513 900 00Oder nehmen Sie bitte per E-mail mit uns Kontakt auf:vrp-bekennende-kirche@web.deIch möchte die Zeitschrift BEKENNENDE KIRCHE erhalten: als E-mail-Anhang (pdf-Datei) in gedruckter Form (per Post) Ich möchte die Zeitschrift BEKENNENDE KIRCHE nicht länger erhaltenund bestelle sie ab. Ich erteile dem Verein für Reformatorische Publizistik für die Zeitschrift BEKEN-NENDE KIRCHE eine Einzugsermächtigung, die ich jederzeit widerrufen kann.Buchen Sie bitte den Betrag von _____________ Euro monatlich / vierteljährlich / halbjährlich von meinem Konto ab:Geldinstitut: _____________________________________________________Konto-Nr.: ___________________ BLZ: ______________________________Name: __________________________________________________________________Straße: _________________________ Ort: ____________________________________Telefon: ________________________ E-Mail: _________________________________Datum:________________ Unterschrift: ______________________________________


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