CIHD Magazin 21 07/2013 - Chinesischer Industrie- und ...

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CIHD Magazin 21 07/2013 - Chinesischer Industrie- und ...

AUSGABE 21 Juli 2013 WWW.CIHD.DE € 5,00CIHD MAGAZINChinesischer Industrie & Handelsverband e.V. in Deutschland 01020304InterviewGastbeitragWirtschaftMitglieder SpezialTao ZhiyuanVorstandsvorsitzenderder Shandong FengyuanGroupChinatown am RheinDr. Gerhard EschenbaumKatrin LangeWirtschaftstrendsJahresmitte 2013VR China"Kooperationstreffen mitVertretern der größtenGold-Abbauregion Chinas"Tao ZhiyuanVorstandsvorsitzender derShandong Fengyuan Group


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07 I 2013 INHALTSVERZEICHNIS 3Inhalt05 Herr Tao Zhiyuan 10 Dr. Eschenbaum 22 Dr. Mitscherlich 40 Reinhold Zimmermann04GRUSSWORTProf.-Ing. Wolfgang Luan27NACHRICHTENChinas schwache Exportzahlenlassen den Ölpreis sinken051012INTERVIEWTao Zhiyuan, Vorstandsvorsitzenderder Shandong Fengyuan Group Corp.GASTBEITRAG IChinatown am RheinDr. Eschenbaum und Katrin LangeChinas Entwicklungsmodell -ein Modell mit Zukunft?30Neue Technologien: China setzt aufKauf von deutschen UnternehmenChina: Große Unternehmen werdenweniger Gewinn machenKUNST & KULTURErfi ndungen „Made in China“Spannende und ungewöhnlicheGeniestreiche aus dem Reich der Mitte1622WIRTSCHAFTWirtschaftstrendsJahresmitte 2013 VR ChinaGASTBEITRAG IIIReisebericht ChinaDr. Matthias Mitscherlich3440MITGLIEDER SPEZIAL"Kooperationstreffen mit Vertretern dergrößten Gold-Abbauregion Chinas"Delegationen zu Gast beim CIHDPortrait Reinhold Zimmermann25NACHRICHTENDie zehn attraktivsten chinesischenStädte für Ausländer 2012Präsidiums- & Beiratsmitglieder des CIHDAntragsformular für den Eintritt in den CIHDChinas Kohleunternehmen verzeichnendeutliche Rückgänge ihrer Umsätze undGewinneImpressumHerausgeberCIHD - Chinesischer Industrie- undHandelsverband e.V. in DeutschlandZülpicher Straße 5, 40549 Düsseldorfwww.cihd.deRedaktion/RevisionBeate DethlefsJing MaDruckDruckstudio GmbHProf.-Oehler-Straße 1040589 Düsseldorf


05 07 I 2011 2013 D GRUSSWORT – WIRTSCHAFT 14 4Die Wirtschaftstrends, über die wir Sie indiesem Heft informieren, können nur einevage Prognose dafür sein, wie sich dasnächste halbe Jahr entwickelt.Ich freue mich, Ihnen in dieser Ausgabe desCIHD-Magazins ein Interview mit unseremKuratoriumsmitglied und meinem geschätztenFreund, Herrn Tao Zhiyuan präsentieren zukönnen. Er beschreibt darin seinen persönlichenWerdegang und die hochinteressanteEntwicklung der Zeche Zhaopo hin zurShandong Fengyuan Group Corporation.Prof.-Ing. Wolfgang Luan,Präsident des CIHDSehr geehrte Mitglieder und Freunde desCIHD, liebe Leser/innen,Der SSE Composite Index hat in dieser Wocheden höchsten Tagesverlust seit knapp vierJahren verbucht. Die weltweiten Kapitalströmesuchen sich überraschend neue Wege. Geld,das vorher beispielsweise noch in dieSchwellenländer geflossen ist, wird nunabgezogen. Dies führte dazu, dass der chinesischeLeitindex SSE Composite um 5,3 Prozentin die Tiefe gedrückt wurde. EineReaktion war, dass die Anleger in China selbst,wo die Kurse besonders einbrachen, extremnervös reagierten. Dramatische Szenen, dieauch in Europa für Unruhe sorgen.Die aktuellen Liquiditätsrisiken seien jedochkontrollierbar, versicherte ein Vertreter derPeople's Bank of China auf einer Pressekonferenzin Shanghai. Der jüngste Anstiegder Geldmarktsätze - die Zinsen, zu denensich Banken untereinander Geld leihen -sei nur vorübergehend.Über viele Jahre konnte China von der weltweitenLiquiditätsschwemme profitieren.Ein Kommentar des amtierenden Fed-Chefin der vergangenen Woche, dass der Ausstiegaus der flexiblen Geldpolitik noch in diesemJahr beginnen könne, läßt die FinanzweltKopf stehen. All dies können letztendlichZeichen dafür sein, dass auch ChinasWirtschaftsmacht angeschlagen ist. Wirkönnen den Markt nur beobachten und mitunseren Geschäften zeitgerecht reagieren.Wir haben unter anderem einen Gastbeitragvon Herrn Dr. Eschenbaum und Katrin Langeder IHK Düsseldorf zum Thema „Chinatownam Rhein“, sprich: Düsseldorf, meiner zweitenHeimatstadt, für Sie. Bekanntlich hat Düsseldorfja in den vergangenen Jahren einebeachtliche Geschwindigkeit dabei vorgelegt,chinesische Unternehmen zu fördern, zuunterstützen und anzusiedeln. Davon profi tiertnatürlich auch NRW.Seine Urlaubs- und Erkundungsreise insReich der Mitte hat Dr. Mitscherlich in einemhöchst unterhaltsamen Artikel beschrieben,den ich Ihnen sehr ans Herz lege. Es ist mirimmer eine besondere Freude, MenschenEinblicke in unser wunderbares Land zuzeigen.In diesem Sinne wünsche ich Ihnen auch beider 21. Ausgabe des CIHD-Magazins vielSpaß bei der Lektüre.IhrWolfgang Luan


07 I 2013 INTERVIEW 5Herr Tao Zhiyuan imInterview mit dem CIHDHerr Tao ZhiyuanInterview mit dem Kuratoriums-Mitglied desCIHD, Herrn Tao Zhiyuan für das Magazindes Chinesischen Industrie- und Handelsverbandse.V. in DüsseldorfHerr Tao Zhiyuan ist Vorstandsvorsitzender derShandong Fengyuan Group Corp. Ltd. und seit10 Jahren Mitglied im Kuratorium des CIHD.Wir möchten Ihnen Herrn Tao vorstellen undbaten ihn um ein Interview für unsere Leser.Er berichtet uns von seiner Arbeit undseinem Unternehmen.CIHD: Sehr geehrter Herr Tao, wir freuen uns,Sie, als Vorstandsvorsitzenden der ShandongFengyuan Group und Beiratsmitglied desCIHD, begrüßen zu dürfen und bedanken uns,dass Sie sich die Zeit für ein Interviewgenommen haben.Im Jahr 1992, damals noch stellvertretenderAmtsleiter des Bergbauamts des StadtbezirksYicheng, der Stadt Zaozhuang, wurden Sieneuer Direktor und Parteisekretär der ZecheZhaopo. Zum damaligen Zeitpunkt hatte dieZeche Zhaopo bereits sehr hohe Verbindlichkeitenund war auf dem Weg in die Insolvenz.Warum haben Sie sich trotzdem entschieden,diese Position einzunehmen?Herr Tao: Als stellvertretender Amtsleiter desBergbauamts war ich schon darüber informiert,dass die Zeche für den Wiederaufbau einenInfrastrukturkredit von der Staatsbank aufgenommenhatte. Anfang 1992 war die Zechenoch nicht produktionsfähig, sie war finanziellnicht in der Lage, die Kredite zu bedienenund es fehlten sogar Gelder für die Arbeitslöhneder Mitarbeiter. Darüber hinaus befandsich die Zeche nicht in unserem StadtbezirkYicheng, sondern in einem Ort namensTengzhou. Die Entfernung war groß, wasnoch weitere Probleme verursachte. Nachdemmein Vorgesetzter, aus der StadtbezirksregierungYicheng, mit mir über die Schwierigkeitenund Bedingungen für die Stellegesprochen hatte, versuchten mich vielemeiner Kollegen, aber auch Verwandte, zuüberreden, diese Arbeit nicht anzunehmen,aber ich hatte bereits gut überlegt. Die Entscheidung,mich mit dieser Position zu betrauen,war nicht nur eine Anerkennung derStadtbezirksregierung meiner Fähigkeiten,sondern bewies auch das Vertrauen derlokalen Bevölkerung in mich. Also nahm ich dieHerausforderung an und die Aufgabe sehrernst, obwohl alle anderen es nicht verstehenkonnten.CIHD: Welche Probleme gab es zu BeginnIhrer Arbeit? Wie haben Sie diese Schwierigkeitenüberwunden?Herr Tao: Obwohl ich mir die schwierigeSituation der Zeche schon intensiv ausgemalthatte, war ich dennoch überrascht über dasAusmaß der Probleme. Die Gesamtsituationwar mehr als chaotisch, die Mitarbeiterteilweise depressiv, Banker und Gerichtsvollzieherwaren gekommen und gegangen,die Beziehungen zwischen der Geschäftsführungund den lokalen Arbeitnehmern inTengzhou waren sehr schlecht, Material verschwandund die Diebstähle waren zügellos.


07 I 2013 INTERVIEW 6Damals versuchten dann viele meinerFreunde, mich zu überzeugen, doch aufzugeben.Aber wenn ich alles einfach verlassenhätte, womit sollte ich der Stadtbezirksregierunggegenüber argumentieren?Aufgeben war niemals mein Weg.Nach ausführlichen Erkundigungen unddetaillierten Analysen, besuchten wir allelokalen Arbeitnehmer und versuchten dieBeziehungen zu verbessern. Außerdemarbeiteten wir eng mit der Polizei zusammen,und bauten eine Sicherheitsabteilung für dieZeche auf. Mittlerweile hatten wir auch erfolgreichAnti-Korruptions- und Anti-Diebstahlprogrammedurchgeführt, mit Hilfederer wir viele Rechtswidrigkeiten öffentlichgemacht und auch bestraft haben. DieFirmenordnung wurde konsequent ergänztund viele der darin beschriebenen Maßnahmenstrikt umgesetzt. All das geschah,um die Verwaltung zu verbessern unddas Unternehmensvermögen zu stabilisierenund bis zum Ende desselben Jahreskonnte die Zeche Zhaopo sogar schon Gewinnverzeichnen.CIHD: In den letzen 20 Jahren ist die ZecheZhaopo ein großes Unternehmen geworden,das über 20 Zweigniederlassungen hat,mehr als 7000 Mitarbeiter beschäftigt undein Gesellschaftsvermögen von ca. 7,5 Mrd.RMB vorweisen kann. Was können Sie unsüber die Entwicklungsgeschichte des Unternehmenserzählen?Herr Tao: Die Zeche Zhaopo wurde im Jahre1984 gegründet und 1994 in Betrieb genommen.Die geschätzte jährliche Kohlefördermengebetrug 300.000,00 t, mit einervermutlichen Förderzeit von 64 Jahren. ImJahre 1995 begann man damit, eine weitereZeche in Beixulou zu bauen. Hier betrugdie geschätzte jährliche Kohlefördermenge450.000,00 t, mit der Förderzeit von ca.56 Jahren. Die geplanten Investitionen fürden Aufbau der kompletten Zeche solltenrund 138.000.000,00 RMB betragen. Aberwegen der damaligen Reform des Finanzsystemsin China, gab es hier lediglich eineStaatsinvestition 4.800.000,00 RMB.Damals wurde entschieden, eigenes Geldzu investieren, d.h. wir nahmen den Gewinnvon Zhaopo für den Aufbau der ZecheBeixulou. Nach 39 Monaten, im Oktober1998, war die Zeche Beixulou fertiggestellt.Mit diesen beiden Zechen gründeten wir einneues Unternehmen – die ShandongFengyuan Coal Mining Co. Ltd.. Im April2000 errichteten wir ein Sanatorium und fürdie vollständige Nutzung, auch schmutzigerKohle, bauten wir im September 2001 einneues Heizkraftwerk. Ende 2001 wurde unsereFirma erneut umstrukturiert und wurde zuEröffnungszeremonie einer Zementfi rma in Yizhou


07 I 2013 INTERVIEW 7Shandong Fengyuan Coal & Electronic Corp..Im September konnten wir durch unser Heizkraftwerkein neues ökologisches Projektumsetzen. Dieses Projekt nutzte zwei neueTechniken. Eine davon ist die "Dampf-Explosion" und die andere die "Solid-State-Fermentation". Durch diese beiden Technikenkonnten wir beispielsweise Getreidestrohals Rohstoff Xylo-Oligosaccharide (XOs),hochfeste Wellpappe, Düngemittel, etc.produzieren.Im September 2005 legten wir das Fundamentfür eine Firma die Zement produziert. Diesgelang durch unsere eigene Industriekettesowie Rohstoffe der Firma Shenfeng CementGroup. Im März 2007 kooperierten wir mit dem„Peking Bochen Medicine Research Center“,bei dem "pomegranate leaf medizin"-Projekt,das dazu dient, neue Medikamente gegenhohe Blutfette zu entwickeln. Im April 2007errichteten wir eine Reifenfabrik, die bei derProduktion, statt Kohle, thermoelektrischenStrom verbrauchte. Ende 2007 etabliertenwir ein neues Joint Venture, um ein Chemie-Projekt durchzuführen. Im Mai 2009 gründetenwir wieder eine neue Firma, die DongfangYiyuan Co., Ltd.. Diese Firma befasst sich mitden Branchen Thermalbäder, Wellness,Gesundheit, Erholung, Gartengestaltung undGastronomie. Alles soll ausschließlich miterneuerbaren Energien produziert werden.Im September 2009 gründeten wir die FirmaFengyuan Yuanhang Logistics & Trade Co.Ltd. und im Mai 2010 begannen wir damit,eine weitere Zeche in Zhangji zu bauen.Die geschätzte jährliche Kohlefördermengebeträgt 1.200.000,00 t, die Förderzeit wirdüber 50 Jahre dauern. Im Juni förderten wirein neues Projekt: Stromerzeugung ausBiomasse. Im Mai 2012 firmierte die ShandongFengyuan Coal & Electronic Corp. (AG)zur börsennotierten Shandong FengyuanGroup Corp. Ltd. um. Im November 2010 begannenwir mit dem Bau einer weiterenneuen Zeche „Shiyakou“ in der ProvinzYunnan. Die erschlossene Kohlereserveerreicht hier mehr als 78.000.000,00 t, diegeschätzte jährliche Kohlefördermenge liegtbei 450.000,00 t, Förderzeitraum: über 59Jahre. Die Shandong Fengyuan Group Corp.Ltd. ist durch die rasante Entwicklung in denletzten Jahren eine große moderne Unternehmensgruppegeworden.CIHD: Dieses Jahr ist das dritte Jahr des„12. Fünfjahresplans“ – was ist das Ziel derShandong Fengyuan Group?Herr Tao: Unser Arbeitsprinzip für den „12.Fünfjahresplan“ ist: Weitere Entwicklungen,basierend auf der Börsennotierung undKapitaloperationen, Industrieumstrukturierungen,Projektentwicklungen, der Aufbauneuer Arbeitsteams, eine Verbesserung undder Ausbau der Firmenordnung, die BildungundFörderung einer guten Unternehmenskultur,Imageförderung und Branchenkonsolidierung.Eröffnungszeremonie eines Bergbautechnikwettbewerbsder Stadt ZaozhuangUnser Ziel ist es, bis zum Ablauf des „12. Fünfjahresplans“,eine jährliche Kohlefördermengeder Zechen Zhangji und Shiyakou von5.000.000,00 t zu erreichen; Wir streben einejährliche Produktion von Zementprodukten anmit 14.000.00,00 t; eine jährliche Produktionvon Halbstahlreifen mit rund 10.000.000,00Stück und 2.000.000,00 Stück Stahlreifen.Wir möchten eine jährliche Produktiondes XOs von 2.500,00 t erreichen undversuchen, den Jahresumsatz der FengyuanYuanhang Logistics & Trade Co., Ltd.zu verdoppeln, um 3.000.000.000,00 RMB zuerreichen; Die Produkte der Firma DongfangYiyuan auf dem chinesischen Markt zuetablieren. Die Bettenzahl des Sanatoriumssoll auf 800 erweitert werden, und die mitGranatapfelblättern entwickelten Medikamentewerden wir in die Massenproduktionbringen; Wir sind dabei, neue High-Tech-Projekte zu entwickeln um letztendlicheinen Umsatz der ganzen Unternehmensgruppevon 15.000.000.000,00 RMB zuerreichen.CIHD: Demnach ist die Kohleindustrie nicht dieeinzige Branche in der die Unternehmensgruppeoperiert. Die Shandong FengyuanGroup ist in vielen unterschiedlichen Branchentätig: z.B. Zement, Thermoelektrizität, Bio-Medikamente, Bio-Papierfertigung, XOs,usw.. Wie kommt es dazu? Warum ist dasUnternehmen in so vielen Branchen aktiv?


07 I 2013 INTERVIEW 8Herr Tao: Kohle ist eine nicht erneuerbareRessource und wird irgendwann erschöpftsein. Deswegen sind Industrieumstrukturierungund nachhaltige Entwicklung unsereHauptziele. Wir konzentrieren uns weiterhinauf Kohleproduktion, fördern und entwickelnaber auch neue Kohleverarbeitungsprojekte.Mittlerweile entwickeln wir viele neue Projekteüber die Nicht-Kohle-Industrie hinaus, wie zumBeispiel die Thermoelektrizität. Das kann nichtnur die große Sorge über die Verringerung derKohlereserve erleichtern, sondern senkt auchdas Risiko einer Marktschwäche. Die Betriebskostenfür die Produktion können wir auchauf einem guten Level halten, da wir vieleAbfallmaterialien aus der Kohleverarbeitungwieder nutzen können, was sich natürlich auchauf den Umweltschutz auswirkt.CIHD: Shandong Fengyuan Group gilt nichtnur als eines der Top-100-Bergbauunternehmenin China, sondern auch als "zivilisiertes"Unternehmen und als ein Unternehmenmit hoher Kreditwürdigkeit in der ProvinzShandong. Das Unternehmen ist sozusagenwie eine große Familie mit vielen Angehörigenaus unterschiedlichen Regionen. Als Oberhauptdieser großen Familie, was bedeutet fürSie Unternehmenskultur? Was haben Sieunternommen um die Kultur zu verbessern?Herr Tao: Unternehmenskultur entwickelt sichdurch die lange Geschichte eines Unternehmens.Sie ist nicht nur ein immateriellesVermögen, sondern so etwas wie die Seeleeines Unternehmens. Eine wichtige Grundlagefür Unternehmensentwicklung ist Unternehmenskultur.Unsere Firmenideologie heißt“Eine Hochseeflotte mit dem Mut, Herausforderungenanzunehmen“, d.h. wir sind eineFlotte, der Markt ist wie die See. Bei jederSchifffahrt gibt es neue Herausforderungen,und wir nehmen die Herausforderung an.Außerdem sind “Aufrichtigkeit“, “Integration“,“Innovation“ und “Erstklassigkeit“ Grundwerteunseres Unternehmens. Wir haben folgendeMaßnahmen durchgeführt: 1. Errichtung einesFührungsteams sowie einer Abteilung zurBildung von Unternehmenskultur. Das Teambesteht aus Mitgliedern des Vorstands und derGeschäftsführung des Unternehmens und dieVerantwortlichkeiten sind klar aufgeteilt.2. Wir erarbeiten Pläne, wie die Unternehmenskulturmit der alltäglichen Arbeit verbundenbzw. darin integriert werden kann. 3.Durchführung strenger Prüfungen bezüglichder Unternehmenskultur aber auch der Arbeitsleistung.4. Organisation von Unternehmensbesichtigungenwie zum Beispiel beider Haier Group oder Mengniu Group usw.CIHD: Sie sind seit vielen Jahren Spezialistfür den Bereich Kohleindustrie. ErzählenSie uns doch, wie sind Sie auf den BereichKohleindustrie gekommen?Herr Tao: Zu der Zeit, als ich das Gymnasiumabsolvierte, war die Kulturrevolution in China.Aus diesem Grund waren meine Chancenschlecht, an die Universität zu gehen undzu studieren. Als das älteste Kind meinerFamilie war es meine Aufgabe, meine Elternbeim Unterhalt für die drei anderen Kinder zuunterstützen. Im Jahr 1970 war ich bei einerZeche als Grubengasprüfer eingestellt. Beider Arbeit habe ich viele Unfälle auf der Zechegesehen und einige meiner Kollegen sindsogar bei den Unfällen ums Leben gekommen.Stellen Sie sich doch einmal vor, Ihre Kollegen,die mit Ihnen vor zwei Stunden gemeinsamzu Mittag gegessen haben, leben jetzt nichtmehr. Mich hat das sehr erschreckt, und ichhabe mich damals entschlossen, die Sicherheitsproblemeauf der Zeche in Angriff zu nehmen.Manchmal werde ich gefragt, warumich in meinem ganzen Arbeitsleben bei dieserZeche keine Fehler gemacht habe. Die Antwortist: Ich möchte keine Kollegen mehr verlieren.Im Jahr 1980 wurde ich zum Abteilungsleiterbefördert und im Anschluss, im Jahr 1988 stellvertretenderAmtsleiter des Bergbauamtes desStadtbezirkes Yicheng der Stadt Zaozhuang.Danach bekam ich im Jahr 1992 die Stelle alsDirektor der Zeche Zhaopo. In den letzten 42Jahren bin ich trotz unterschiedlicher Positionenimmer der Branche treu geblieben. DieserBeruf ist nicht nur meine Arbeit, sondernauch mein Leben.CIHD: Wir haben einiges über die Entwicklungsgeschichteder Shandong FengyuanGroup erfahren - aber können Sie uns erklären,warum sich das Unternehmen soerfolgreich und schnell entwickelt?Herr Tao: Dank der starken Unterstützung derlokalen Regierung und des Projekts „3411“ hatsich die Fengyuan Group in den vergangenenJahren sehr schnell entwickelt. Das Projekt„3411“ ist ein von der Regierung lanciertesProjekt: Jede Nummer hat ihre eigene Bedeutungund alle können das Managementsystemdes ganzen Unternehmens ergänzen und verstärken.Die Nummer„3“ bedeutet Disziplinaufsicht,Rechnungsprüfung und Arbeitsleistungsbewertung– die Nummer „4“ bedeutetvier Vorteile des Unternehmens: 1.reiche Ressourcen, die die Entwicklung des


07 I 2013 INTERVIEW9Unternehmens unterstützen können. (Fengyuanbesitzt nicht nur Kohle sondern auchKalkstein) 2. Eine lange Industriekette.Fengyuan betätigt sich in verschiedenenBranchen und hat viele unterschiedlicheProdukte entwickelt. Das verbessert die Marktchancen.3. Der Strukturvorteil. Fengyuanwurde in letzten Jahren komplett umstrukturiertund börsennotiert, dadurch konnteFengyuan seine Stärke verbessern. 4. Einausgezeichnetes Geschäftsführungsteam.Die erste „1“ bedeutet, dass wir eine Flottesind, und der Markt ist wie die See, bei jederSchifffahrt gibt es neue Herausforderungen,und wir nehmen die Herausforderungen anund fahren weiter bis zum nächsten Ziel. Dieandere „1“ bedeutet Unternehmenskultur.Wir sehen uns als Vorbild für andere lokaleUnternehmen und kämpfen immer weiter.Kohleindustrie würde ich sagen: 1. Man sollseinen eigenen Beruf mit Respekt betrachten.Wenn über die Kohleindustrie gesprochenwird, sind die meisten Menschen der Meinung,dass es eine „schmutzige“, „chaotische“,„schlechte“ und „gefährliche“ Branche ist,aber das ist jetzt nicht mehr so. Die Kohleindustrieist eine „grüne“, „moderne“, „umweltfreundliche“Branche geworden. Und jedersollte alle Berufe respektieren. Nur wenn sichalle gemeinsam bemühen, kann sich unserStaat ständig entwickeln. 2. Man soll seineeigene berufliche Entwicklung hoch einschätzen.Ein Meister kann aus jedem Berufkommen, egal ob er Rechtsanwalt oderStraßenfeger ist. 3. Man soll weiter lernen.Wissen ist die Grundlage zum Erfolg. 4. Mansoll mit Leidenschaft arbeiten. Wissen undWeisheit sind nicht alles. Mit Leidenschaft zuarbeiten macht auch mehr Spaß.CIHD: Welche Kooperationsmöglichkeit sehenSie zwischen China und Deutschland?Endabnahmezeremonie einer neuen Wohnanlageder Fengyuan GroupCIHD: Wie sehen Sie die Perspektiven für dieKohleindustrie in China?Herr Tao: Die Perspektiven für die Kohleindustriein China sind aus folgenden Gründenpositiv: 1. Kohle ist eine nicht erneuerbareRessource. Wer ein höheres Kohlevorkommenbesitzt, ist auf dem Weltmarkt konkurrenzfähiger.Früher war der Kohlepreis zu hoch,aber heute ist der Preis schon angemessen.2. Auch in den nächsten Jahren wird dieEntwicklung in China schnell voranschreiten,dafür ist aber auch der Bedarf an Kohleproduktenhöher als früher. 3. Da die Kohleindustrieals ein Hauptbereich bei der Energieversorgunggilt, unterstützt der Staat dieEntwicklung dieser Industrie. Zum Beispieldurch den vermehrten Einsatz modernerTechnik. Das Schienennetz für den Kohletransportwird ausgebaut, uvm.CIHD: Welche Tipps können Sie der jungenGeneration geben?Herr Tao: Meiner Meinung nach gibt esausgezeichnete Kooperationsmöglichkeitenzwischen beiden Ländern in den folgendenBereichen: 1. Bergbauförderungsmaschinensowie die sich darauf beziehende Technik.Deutschland ist, weltweit gesehen, im Besitzführender Bergbautechnik. Die Bergbauförderungin Deutschland ist bereits komplettmechanisiert und von hoher Effizienz. 2.Maßnahmen der Prävention bei Bergbauunfällenund Berufskrankheiten. Vorkehrungenbei der Arbeitsgestaltung müssenbereits im Hinblick auf arbeitsbedingteGesundheitsgefahren getroffen werden –nicht erst, wenn eine Berufskrankheit droht.In den vergangenen Jahren ereigneten sichin deutschen Bergwerken trotz schlechterFörderbedingungen kaum Grubenunglücke.3. Klimatisierungstechnik sowie Technikzur Registrierung von Erdbeben. DeutscheUnternehmen haben diese Technik und auchmoderne Klimatisierungstechnik und Chinahat momentan einen großen Bedarf andiesen Techniken. 4. Technik zur Kohleverarbeitung.Kohleprodukte haben einen großenNutzungsraum, der durch Verarbeitungstechnikaus Deutschland eine lange Industriekettein China aufbauen kann und 5. denGrubenbaumodus. Dies um nur einigeMöglichkeiten aufzuzählen.CIHD: Herr Tao, wir bedanken uns für diesesInterview.Herr Tao: Für die junge Generation in der


05 07 I 2011 2013 D GASTBEITRAG – WIRTSCHAFT 14 10Chinatown am RheinDr. Gerhard Eschenbaum„Außenhandel ist keine Einbahnstraße.“Dass diese Erkenntnis insbesondere auchauf den Wirtschaftsverkehr mit China zutrifft,mussten Viele in Deutschland in denletzten Jahren erst noch lernen.China wurde bereits früher als Partner gesehen,doch hat die Dynamik der Zusammenarbeitin den letzten Jahren erheblichzugenommen. Schon in den 1980erJahren knüpften einige deutsche Städtefreundschaftliche Verbindungen zu chinesischenStädten. Den Anfang machteDuisburg 1982 mit Wuhan. Düsseldorf pflegtseit 1984 eine freundschaftliche Verbindungnach Shenyang. Und bereits seit 1986 istder chinesische Staatskonzern Minmetalsin Düsseldorf zu Hause.Aber all dies waren eher Einzelfälle. Richtigvoran ging es eigentlich erst im 21. Jahrhundert.Aufhorchen ließ der mutige Schritt derMesse Düsseldorf, im Jahr 2001 zusammenmit den Messegesellschaften in Hannover undMünchen ein Joint Venture in Shanghai zumAufbau eines neuen Messezentrums einzugehen.Inzwischen verfügt die Messe Düsseldorfüber zwei Tochtergesellschaften inHongkong und Shanghai mit Niederlassungenin Beijing, Chonqing, Guangzhou undShenyang.Auch die Düsseldorfer Messen verzeichneneinen massiven Anstieg der Aussteller- undBesucherzahlen aus China. Im vergangenenJahr zählte man bereits mehr als 2.000Aussteller und fast 6.000 Besucher. Zudemunterzeichnete die Messe Ende 2012 eineKooperationsvereinbarung mit einem dergrößten Unternehmen in der chinesischenTourismuswirtschaft. Immerhin kamen imletzten Jahr bereits rund 24.000 Menschen ausGreater China nach Düsseldorf und bliebendort im Durchschnitt zwei Tage.Motiviert von den Erfahrungen der MesseDüsseldorf und den optimistischen Vorhersagenvon Chinakennern, die einen starkenAnstieg des chinesischen Engagements imAusland vorhersagten, entwickelte der damaligeDüsseldorfer Oberbürgermeister JoachimErwin Ende 2003/Anfang 2004 die Kernelementeseiner „China goes DUS“ Strategieund ging fortan auf regelmäßige Werbetourenin China. Ein Ergebnis hiervon war dieVereinbarung einer Städtepartnerschaft mitChonqing zur Jahresmitte 2004. 2006 wurdeder Reigen der städtischen Partner um Guangzhouerweitert. Noch im gleichen Jahr siedeltensich 15 chinesische Firmen in Düsseldorfan.Quelle: Messe Düsseldorf


07 I 2013 GASTBEITRAG 11Ein Kernelement der Düsseldorfer China-Strategie war die Gründung des „ChinaKompetenzzentrums Düsseldorf“ mit Sitzin der Wirtschaftsförderung der Stadt.Stadt, Messe und IHK bündeln hierin seitAnfang 2005 ihre Kompetenzen zur Betreuungansiedlungswilliger chinesischerUnternehmen. Im Juni 2005 eröffnete das„Düsseldorfer China Center“ an der Kö,mit dem ein wichtiger Beitrag zur Schaffungeiner chinesischen Infrastruktur inDüsseldorf gleistet wurde. Ein weitererwichtiger Schritt in diese Richtung war dieAnsiedlung des Konfuzius-Instituts inDüsseldorf im Jahre 2011.stark wachsenden chinesischen Gemeindewurde Mitte 2010 die „Chinese EnterpriseAssociation“ gegründet.Die Entwicklung lehrt, dass die StandortqualitätenDüsseldorfs – zentrale Lage imgrößten deutschen und europäischenBallungsraum, hohe Internationalität, starkeAffinität zu Asien und hohe Lebensqualität –zusammen mit ihren branchenspezifischenStärken (Mobilkommunikation), dem One-Stop-Shop des „China Kompetenzzentrums“und dem ungewöhnlich dichten Netzwerkvon Dienstleistern des Chinageschäftsüberzeugende Argumente für chinesischeInvestoren sind, sich hier niederzulassen.Gelingt es weiterhin, diese objektiven Stärkenmit einer Offenheit für die andere Kulturund einer intensiven Gesprächsbereitschaftzu verbinden, dann dürfte die Erfolgsgeschichteder „Chinatown am Rhein“ nochlängst nicht zu Ende sein.Von Dr. Gerhard Eschenbaum undKatrin Lange (IHK Düsseldorf)Foto: ©Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbHZu den „Leuchttürmen“ – unter den nachAngaben der Düsseldorfer rund 300 chinesischenAnsiedlungen in der Region Düsseldorfgehören die TelekommunikationsriesenHuawei und ZTE, der KonsumgüterelektronikherstellerHisense und die WuhanIron and Steel Corporation. ÜbereinstimmendesMotiv der Ansiedlungen in der Landeshauptstadtsind der Aufbau oder die Erweiterungdes Deutschland- bzw. Europageschäftsbzw. im Falle der Telekommunikationsunternehmendie technologischeZusammenarbeit mit den ansässigen Mobilfunkunternehmen.Die Zahl der in der Landeshauptstadt lebendenchinesischen Staatsbürger ist mittlerweile aufüber 2.500 gestiegen. Hinzu kommen nochgut 200 chinesische Staatsbürger im KreisMettmann. Diese gestiegene chinesischePräsenz motiviert auch chinesische Dienstleister,ihr Engagement in Düsseldorf auszubauen.Besonders wichtig: Ab April diesesJahres fliegt Air China viermal pro Wochedirekt von Düsseldorf nach Peking. Auch diebeiden chinesischen Banken, die Bank ofChina und die Industrial and Commercial Bankof China (ICBC) haben bereits ein Standbeinin Düsseldorf. Vor dem Hintergrund derChinesisch lernenLektion 8(xin xin)SelbstvertrauenChinesisch lernenLektion 9(Chi le ma)Haben Sie schon gegessen?


07 I 2013 GASTBEITRAG 12Chinas Entwicklungsmodell– ein Modell mit Zukunft?Foto: R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.deWährend Europa und die USA unter derSchulden- und Finanzkrise ächzen, läuftChinas Wirtschaft noch immer auf Hochtouren.Das hat das Land Experten zufolgevor allem seinem ganz eigenen Entwicklungsmodellzu verdanken: Das „chinesischeModell" setzt vor allem auf einevergleichsweise starke Regierungskontrolle.Ein Modell, das jedoch durchausseine Schwachstellen hat, wie WirtschaftswissenschaftlerWu Jinglian in einemGastbeitrag erklärt.Einige Ökonomen sehen die wirtschaftlichenErfolge Chinas vor allem in der noch immerstarken Kontrollfunktion der chinesischenRegierung begründet, von einem „chinesischenEntwicklungsmodell" ist die Rede.Ein Modell, das jedoch nicht ohne Makelbleibt: Vor allem anhaltende Korruptionund die immer größer werdende Scherezwischen der Entwicklung auf dem Land undin den Städten bereiten Chinas PolitikernKopfzerbrechen. In einem Gastbeitrag fürdas chinesische Wirtschaftsmagazin „Caijing"diskutiert der renommierte WirtschaftswissenschaftlerWu Jinglian die Herausforderungen,mit denen sich Chinas Entwicklungsmodellkonfrontiert sieht. Im Folgenden lesen SieAuszüge aus Wus Artikel:In den vergangenen 30 Jahren sind wirZeugen eines beachtlichen Aufstiegs derchinesischen Wirtschaft geworden. 2010überholte das Land Japan und ist damit heutedie zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt.Gleichzeitig stieß China ExportweltmeisterDeutschland von seinem Thron. ChinasWirtschaftswunder hat eine weltweite Debatteüber das „chinesische Entwicklungsmodell"entfacht: Viele Ökonomen sehen das Geheimnisdes Erfolgs im einzigartigen wirtschaftlichenund politischen System derVolksrepublik begründet – China verfügt übereine mächtige Regierung sowie ein starkkontrolliertes nationales Wirtschaftssystem.Das erleichtert es dem Land, Strategien,die die nationalen Interessen am bestenwiderspiegeln, zu entwickeln und auchumzusetzen.Was steckt hinter dem chinesischen Wirtschaftswunder?Meiner Ansicht nach liegt im so genannten„chinesischen Modell" jedoch nur einer derGründe für Chinas wirtschaftliche Stärke. Vorder Einführung der Reform- und Öffnungspolitik1978 kämpfte das Land mit akuterArmut – trotz seiner starken Regierung.Maßgebliche Veränderungen setzten erstEnde der 1970er Jahre ein und beschleunigtensich nach 1994, nachdem das Landerneute Reformen für Unternehmen, dasmarktwirtschaftliche System und die makroökonomischeSteuerung durch die Regierungauf den Weg gebracht hatte. Ende der 1990erJahre beschloss die Regierung dann, dasbisher staatliche Wirtschaftssystem den neuenGegebenheiten anzupassen und privatenUnternehmern verstärkt die Möglichkeit zubieten, eigene Geschäfte zu betreiben. DieseRegulierung der Marktwirtschaft kurbelteChinas wirtschaftliche Produktivität in den1990er Jahren in starkem Maße an und legte


07 I 2013 GASTBEITRAG 13gleichzeitig ein solides Fundament für daskräftige Wirtschaftswachstum, das heute zubeobachten ist.Die Gründe für den Erfolg der Strategie derchinesischen Regierung: Erstens schuf siedurch die Reformen mehr Raum für nichtgemeineigeneWirtschaftssektoren. Seit Mitteder 1980er Jahre hat die Regierung begonnen,die Restriktionen für den Einstieg privaterInvestoren in staatlich kontrollierte Sektorenzu lockern. 1997 erkannte Chinas Politspitze,dass die nicht-gemeineigenen Wirtschaftssektoreneinen wichtigen Bestandteileiner funktionierenden sozialistischenMarktwirtschaft darstellen. Es schien, alswürde der unternehmerische Geist das ganzeLand erfassen: Bis Ende der 1990er Jahrestieg die Zahl privater Unternehmen landesweitauf mehr als 30 Millionen an. Dieblühende Privatwirtschaft wurde zu einertreibenden Kraft für Chinas Entwicklung.Zweitens wurde durch die Reformen derNutzungsgrad der personellen und materiellenRessourcen des Landes erhöht. Zuvorhatte die Regierung gesellschaftlicheRessourcen im Rahmen ihrer Planwirtschaftmobilisiert und Investitionen in bestimmtenBereichen erzwungen, um so die Industrialisierunggezielt zu beschleunigen. Tatsächlichlähmte diese Politik die gesamtwirtschaftlicheEffizienz des Landes sowiedas generelle Tempo von Industrialisierungund Urbanisierung.Nach Einführung des marktwirtschaftlichorientierten Wirtschaftssystems verlagertensich Produktionsfaktoren wie etwa Land,Arbeitskraft und Kapital zunehmend vonweniger effi zienten Sektoren hin zu Bereichenmit hoher Effizienz. In den vergangenen dreiJahrzehnten wanderten beispielsweise rund250 Millionen überschüssige Arbeitskräfteaus den ländlichen Gebieten in die Städteab. Gleichzeitig wurden rund 70 000 QuadratkilometerAckerland – das entspricht etwa derGesamtfläche Irlands, für die städtebaulicheNutzung freigegeben. Durch die Verlagerungder Produktionsfaktoren konnte die sogenannte Gesamtfaktorenproduktivität derchinesischen Wirtschaft gesteigert werden,was der Wirtschaft neues Leben einhauchte.(Unter der Gesamtfaktorenproduktivität verstehtman den Anteil des Produktionsoutputs,der sich nicht durch die Menge des Produktionsinputserklären lässt. Es handelt sichalso um einen Kennwert dafür, wie effektivund intensiv der Produktionsinput letztlichausgenutzt wird.) Drittens beflügelte dieReformpolitik der Regierung auch dasExportwachstum des Landes und schuf somiteinen Ausgleich für das anhaltende Defizitbei der Inlandsnachfrage. Die wachsendenExportzahlen stellten eine entscheidendeStütze für das große Wachstum der chinesischenWirtschaft dar. Im Vergleich zu denexpandierenden Investitionen blieb ChinasBinnenkonsum lange glanzlos. Einem aufInvestitionen fußenden Wachstumsmodellaber mangelt es an der nötigen Nachhaltigkeit.In den 1990er Jahren unternahm das Landzahlreiche Anstrengungen, um die Exportein die Industrieländer auszuweiten, die sichdurch niedrige Sparquoten der Kundschaftauszeichnen. Die anschwellenden Nettoexportekompensierten damit die dümpelndeeinheimische Nachfrage und halfen, dasrasche Wirtschaftswachstum weiter aufrechtzu erhalten. Viertens ermöglichten die Reformenes, vermehrt moderne Ausrüstungen undTechnologien aus dem Ausland nach Chinazu importieren. Damit konnte China seinenAbstand zu den Industrienationen in Sachentechnisches Know-how rasch verkleinern, wasdie Wirtschaftsentwicklung weiter beschleunigte.All diese Faktoren belegen, dass diewahren Gründe für Chinas Wirtschaftswunderin der konsequenten Umsetzungder Politik von Reform und Öffnung zusuchen sind.Foto: _R_K_B_by_Gerd Altmann_pixelio.deNoch viele Herausforderungen zu meisternDass China in den letzten 30 Jahren deutlicheFortschritte gemacht hat, lässt sich nicht bestreiten.Dennoch bedarf es weiterer Anstrengungen,um die marktorientierten Reformenweiter zu forcieren. Noch kann in China nichtvon einer ausgereiften Marktwirtschaft dieRede sein. Staatliche Sektoren spielen beider Allokation von Ressourcen noch immereine dominante Rolle, was die folgenden


07 I 2013 GASTBEITRAG14Aspekte belegen:Erstens machen staatliche Sektoren zwarmittlerweile keinen überwältigenden Anteil amBIP des Landes aus, viele Schlüsselbranchender nationalen Wirtschaft aber stehen nochimmer unter staatlicher Kontrolle. In derErdöl- und Telekommunikationsindustrieetwa sowie im Schienenverkehr und demFinanzwesen haben staatliche Unternehmennoch immer eine Monopolstellung.Foto: R_K_B_by_Dieter Schütz_pixelio.deZweitens entscheidet die Regierung auf allenEbenen noch immer über die Nutzungsrechtevon Land und die Verteilung der Finanzmittel.Drittens ist die Herrschaft des Gesetzes nochnicht ausreichend etabliert. Noch immergreifen Regierungen auf allen Ebenen inWirtschaftstätigkeiten ein, etwa bei der Genehmigungvon Projekten, bei der Entscheidungüber Marktzulassungen oder bei der Preiskontrolle.Zu Beginn der Reform- und Öffnungspolitikstrebte die Regierung ein Systemmit einer „autoritären Entwicklungsmentalität"nach dem Vorbild Japans, Südkoreasund Singapurs an. In einem derartigen Systemübt die Regierung die Makrokontrolle zumeinen durch Industrierichtlinien, zum anderenaber auch durch ein indirektes Eingreifenbei Geschäftsbanken aus. Statt den Unternehmendirekte Anweisungen zu geben,erfolgt die Kontrolle oft unter der Hand.Chinas Situation unterscheidet sich jedochgrundsätzlich von der anderer Länder.Das Wirtschaftssystem des Landes, daswir heute sehen, ist aus einem „staatlichenKonsortium" entstanden, das sich durcheine mächtige Regierung auszeichnete,die die Wirtschaft sowie ihre Schlüsselindustriendirekt lenkte.Chinas heutiges Wirtschaftssystem vereintdeshalb heute sowohl markt- als auch planwirtschaftlicheElemente, und es ist sowohldenkbar, dass sich Chinas Wirtschaft in dieeine, als auch in die andere Richtung entwickelt.Die Regierung könnte zum einenihre Kontrolle über mikroökonomische Aktivitätenlockern und stattdessen seine Rolle alsMarktaufseher stärken. Zum anderen ist denkbar,dass die Regierung ihre Kontrollmechanismenweiter verschärft und ihre Monopolstellungin staatlich kontrollierten Bereichenweiter ausbaut. Um letztere Entwicklung zuverhindern, müssen die politischen Reformennoch tiefer greifen. Die chinesische Regierungmuss ein transparentes und fairesMarktumfeld schaffen. Angesichts der aktuellenLage ist es für China unumgänglich,sowohl die wirtschaftlichen als auch diepolitischen Reformen weiter voranzutreiben.Einerseits muss das Land seine noch immerstark regulierte Wirtschaft stärker in ein liberalesund marktorientiertes System verwandeln.Andererseits ist es notwendig, staatlicheInterventionen zu reduzieren und eine Wirtschaftaufzubauen, die durch Gesetze stattdurch behördliche Anordnungen gelenkt wird.Ungelöste ProblemeChinas wirtschaftlicher und gesellschaftlicherEntwicklung, die stark von den Regelungender Regierung und dem Input an Ressourcenabhängig ist, mangelt es noch immer an Nachhaltigkeit.Früher oder später wird es deshalbzu ungewollten Konsequenzen kommen:Erstens ist das Wachstumsmodell in seinerderzeitigen Form nicht aufrecht zu erhalten.Um das rasche Wirtschaftswachstum beizubehalten,hat die chinesische Regierung zahlreichegesellschaftliche Ressourcen mobilisiertund viele fortschrittliche Technologienaus dem Ausland eingeführt. Diese Formdes Wachstums ist allerdings nicht nurkostspielig, sondern auch äußerst kurzlebig.China steht kurz davor, den sogenanntenLewis'schen Wendepunkt zu erreichen,von dem an das Angebot an überschüssigenArbeitskräften aus dem Agrarsektor zurückgeht.Außerdem hat das ressourcenintensiveWachstumsmodell zu einer zunehmendenRessourcenknappheit sowie Umweltschädengeführt und viele weitere schwer lösbareProbleme heraufbeschworen, darunter etwader schwächelnde Konsum, eine Stagnationbei den Einkommen sowie eine sichimmer weiter öffnende Einkommensschere.Seit 1994 hat der rege Nettoexport die wirtschaftlicheProsperität des Landes immerweiter vergrößert. Um Waren des unterenMarkensegments zu produzieren, haben dieUnternehmen in den Küstenregionen des


07 I 2013 GASTBEITRAG15Landes ausländische Technologien eingeführtund zahlreiche Niedriglohn-Arbeitskräftebeschäftigt. Nach rund einem Jahrzehnt derExport-Euphorie treten nun immer mehr Problemeans Licht, darunter die zunehmendeStagnation des technologischen Fortschrittsdes Landes sowie eine niedrige industrielleEffizienz. Die Makroökonomie kämpft mit überschüssigerLiquidität, Finanzblasen und schleichenderInflation. All diese Probleme lassendie Alarmglocken läuten: Wenn es China nichtgelingt, die Grenzen seines Systems zu überwindenund die Wirtschaft in Richtung einesnachhaltigen und ausgeglichenen Wachstumszu lenken, scheint eine wirtschaftlichewie auch soziale Katastrophe unausweichlich.Zweitens wird die Korruption für das Land zueinem immer gravierenderen Problem, da sichdie Macht über die Allokation von Ressourcennoch immer in den Händen einzelner Regierungsvertreterbefindet. Schlimmer ist wohlaber noch, dass die Korruption und die immerweiter auseinander klaffende Kluft zwischenArm und Reich zunehmend für gesellschaftlichenUnmut sorgen.Zwischen 1988 und 1998 sind immer wiederhitzige Debatten zwischen chinesischenÖkonomen über die ausufernde Korruptionausgebrochen. Die Wirtschaftsexperten riefennach marktwirtschaftlichen Reformen, umdas so genannte „Asiatische Drama" abzuwenden.1968 hatte der schwedische Wirtschaftswissenschaftlerund NobelpreisträgerKarl Gunnar Myrdal ein Buch mit gleichnamigemTitel veröffentlicht, in dem er warnte,dass die wirtschaftliche Zukunft Asiens durchdie extreme Abhängigkeit von behördlicherKontrolle Gefahr laufe, von Ineffizienz,Korruption und Verschwendung überschattetzu werden. Die öffentliche Kritik an derUntätigkeit der Regierung beim Vorantreibenmarktwirtschaftlicher Reformen wächst. EineKritik, die durchaus berechtigt ist.Es ist nun an der Regierung, ihre Marschroutefür die Stärkung der Regierungsfunktionenklar zu machen: Wird die Regierung auf dieSchaffung eines besseren Marktumfeldes odereine stärke Kontrolle des Marktes setzen?Diese Grundsatzentscheidung wird letztlichdarüber entscheiden, ob die Regierung dieEntwicklung des Landes letztlich positiv odernegativ beeinflussen wird. Die anhaltendenDebatten über das „chinesische Entwicklungsmodell"ist vor diesem Hintergrund vongroßer Bedeutung für die Zukunft des Landes.Quelle: Beijing RundschauChinesisch lernenLektion 10(bao zhong shen ti)Achte auf deine GesundheitChinesisch lernenLektion 11(ni xiang wo le ma?)Hast du mich vermisst?Foto: R_B_by_Gerd Altmann_Shapes_AllSilhouettes.com_pixelio.de


05 09 08 07 I 2011 2012 2013 D GRUSSWORT WIRTSCHAFT DIALOG – 14 10 16WirtschaftstrendsJahresmitte 2013- VR ChinaFoto: R_K_B_by_Gerd Altmann_pixelio.deDie neue Regierung in Beijing hat ehrgeizigeZiele. Sie will die Pro-Kopf-Einkommenbis 2020 verdoppeln und die Wende wegvom rein quantitativen Wachstum schaffen.Doch das Umfeld ist schwierig. Währendsich der landesweite Urbanisierungsprozesszu einem Wachstumstreiber entwickeltund hohe Infrastrukturinvestitionen erfordert,sind die Kassen vieler Lokalregierungenerschöpft. Der private Konsum gewinntan Gewicht, wird aber durch die noch immerunzureichende soziale Absicherungausgebremst.1. Gesamtwirtschaftlicher AusblickEntwicklung des BruttoinlandsproduktsDie VR China hat seit März 2013 eine neueFührungsmannschaft. Die Ziele der Regierungum Staatspräsident Xi Jinping und PremierministerLi Keqiang sind ambitioniert. So sollvon 2010 bis 2020 eine Verdopplung desBruttoinlandsprodukts (BIP) und der jährlichenPro-Kopf-Einkommen erreicht werden.Letztere lagen 2012 in der Stadt bei umgerechnetrund 3.017 Euro und auf dem Landbei 972 Euro. Dabei ruhen die Hoffnungeninsbesondere auf einer stärkeren Positionierungder Privatwirtschaft. Zugleich sollenangesichts massiver Umweltprobleme undsozialer Ungleichgewichte die Prioritätenweg vom rein quantitativen Wachstum hin zuökologisch nachhaltigerem Wirtschaftenund sozialem Ausgleich gelenkt werden.Insbesondere die rasche Urbanisierungerfordert Milliardeninvestitionen.Wirtschaftliche Entwicklung 2012 bis 2014(reale Veränderunggegenüberdem Vorjahrin %)


07 I 2013 WIRTSCHAFT 17Vor diesem Hintergrund werden die nächstenJahre für die wirtschaftliche Entwicklung in derVR China schwieriger werden. Schon 2012verlief die chinesische Konjunktur deutlichschwächer als erwartet: Statt der noch vorJahresfrist je nach Institution prognotizierten8,3 bis 9,1% legte das BIP de factonur um 7,8% auf 6.403 Mrd. Euro nach9,3% im Jahr 2011 zu.Kurz- und mittelfristig soll die chinesischeWirtschaft jedoch erneut an Fahrt gewinnen.Beispielsweise geht die Chinese Academyof Social Sciences (CASS) für 2013 voneinem BIP-Plus von 8% aus. Die DeutscheBank rechnet weiterhin mit 8,2%. Allerdingsstieg das BIP im 1. Quartal 2013 nur um7,7% (und lag damit unter dem 4. Quartal2012 mit 7,9%). Hierzu steuerten Investitionennur noch 2,3% bei (nach 3,9% für dasGesamtjahr 2012), während der Konsum miteinem Beitrag von 4,3% (nach 4,0% für2012) Stärke zeigte. Erfreulich entwickeltesich auch der Außenhandel. Nach einemMinus von 0,1% im Vorjahr drehte derAußenbeitrag zum BIP wieder ins Plus underreichte 1,1%. Aufgrund der allgemeinenUnsicherheiten der weltweiten Konjunkturentwicklungund speziell wegen derGefahren einer möglichen Ausweitung derEurokrise kann die Exportentwicklungallerdings nicht als zuverlässige Stütze gelten.Zu diesen externen Risiken kommen dieohnehin bestehenden Schwachstellen derchinesischen Wirtschaft wie die bedrohlicheÜberschuldung vieler Regional- und Lokalregierungenund deren damit einhergehendesimmer fraglicher werdendes Vermögen, Infrastrukturprojektefinanziell mittragen zukönnen. Auch der Immobilienmarkt bleibtschwierig.InvestitionenIm 1. Quartal 2013 legten die Bruttoanlageinvestitionen(Fixed Asset Investment) umnominal 20,9% gegenüber dem Vorjahreszeitraumzu. Insgesamt prognostiziert dieCASS für 2013 einen Anstieg um 20,5%.Insgesamt dürfte der Anstieg damit nurgeringfügig höher als 2012 ausfallen.Hierzu tragen die nur moderaten Aussichtenfür den Immobiliensektor bei, auf denrund 20% der Gesamtinvestitionen entfallen.Trotz der explodierenden Kosten, schärfererUmweltauflagen und wegfallender Steuervorteilein den Küstenregionen bleibt dasLand für Auslandsinvestitionen ein attraktivesZiel und belegt hinter den USA Rang zwei.Zwar gingen die Zuflüsse 2012 gegenüberdem Vorjahr um 3,7% auf 111,7 Mrd. US$zurück, zeigten sich aber - gemessen amweltweiten Trend - bemerkenswert stabil.Investitionen aus Deutschland stiegen erneutum 29,5% auf knapp 1,5 Mrd. $. Umgekehrtbetrug 2011 der Gesamtbestandchinesischer Engagements im Ausland rund425 Mrd. $, ein Drittel mehr als 2010;2012 sollen etwa 77 Mrd. $ ins Auslandgeflossen sein. In Deutschland wurden 98Projekte realisiert (2011: 158 Vorhaben).Wirtschaftliche EckdatenIndikator 2011 2012 Vergleichsdaten BRD 2012BIP (nominal, Mrd. Euro) 5.256 6.403 2.644BIP pro Kopf (Euro) 3.902 4.729 32.276Bevölkerung (Mio.) 1.347 1.354 81,8Wechselkurs (1 Euro = RMB)(Jahresdurchschnitt) 9,001 8,110Quelle: NBS, Statistisches Bundesamt


07 I 2013 WIRTSCHAFT 18Potenzielle Investoren und Unternehmen, die in die VR China exportieren wollen, sollten beiihrer Entscheidung über den Markteintritt das Stärken-Schwächen-Profil des Standorts unddie damit verbundenen Chancen und Risiken (SWOT-Analyse) berücksichtigen:SWOT-Analyse VR ChinaS trengths (Stärken)Wachsender BinnenkonsumStabiler Staatshaushalt aufZentralebeneHohe Wettbewerbsfähigkeitdurch Nutzung von SkaleneffektenLeistungsorientierte BevölkerungAnhaltende InvestitionsfähigkeitW eaknesses (Schwächen)Hoher Ressourcenverbrauch und hohe Abhängigkeitvon Energie- und Rohstoffi mportenMangelnde und regional unterschiedlicheUmsetzung des rechtlichen RahmensHohe Transport- und LogistikkostenNiedrige Wertschöpfung in einigen SegmentenBinnenmarktfragmentierungO pportunities (Chancen)Urbanisierungsprozess erfordertInfrastrukturinvestitionen; auch sonstFortsetzung des InfrastrukturaufbausUmsetzung des China-ASEAN FreeTrade AgreementsUmbau zu nachhaltigen WirtschaftsstrukturenFörderung von Innovation, Forschungund EntwicklungInternationalisierung des RMBT hreats (Risiken)Ruinöser Preiswettbewerb durch vielfachenAufbau von ÜberkapazitätenWachsende Überschuldung der LokalregierungenSteigender Kostendruck (Energie, Rohstoffe,Wasser, Umweltschutz) und überproportionaleLohnsteigerungenEin-Kind-Politik führt mittelfristig zur Überalterungder GesellschaftUnzureichendes Sozialsystem hemmtPrivatkonsumKonsumNicht zuletzt um sich von externen Schwankungenunabhängiger zu machen, ist dieStärkung des privaten Konsums ein erklärtesZiel der chinesischen Regierung. Grundsätzlichist das Land mit einem BIP pro Kopfvon über 4.700 Euro im Jahr 2012 in einemBereich angekommen, in dem Ökonomen einüberproportionales Ansteigen der privatenKaufkraft sehen. Allerdings ging der Umsatzzuwachsdes Einzelhandels 2012 auf 14,3%zurück und fi el im 1. Quartal 2013 weiter auf12,4%. Die CASS kalkuliert für 2013 ein realesWachstum von 13,6%. Voraussetzung für eineanhaltende Stärkung des Binnenkonsumssind der Ausbau der Renten- und derKrankenversicherung sowie die Stärkung derKonsumkraft in den 3rd-Tier-Städten und inden ländlichen Regionen.Dessen ungeachtet ist China ein interessanterAbsatzmarkt, von dessen wachsendenQualitätsansprüchen auch deutsche Anbieterprofi tieren. Der gute Ruf von Waren "made inGermany" genügt indessen nicht, das Angebotmuss zum spezifi schen Bedarf passen. Auchgilt es, sich auf das sich veränderndeKonsumverhalten einzulassen; gerade jüngereKunden kaufen beispielsweise häufig nichtmehr direkt im Laden, sondern bestellengerne im Internet oder über soziale Medien.


07 I 2013 WIRTSCHAFT 19AußenhandelDie Exporte der VR China legten im Vorjahresvergleichum 7,9% zu, die Importelediglich um 4,3%. Der Außenhandelsüberschussbelief sich auf 231,1 Mrd. $,und lag damit um knapp 50% über demVorjahreswert. Im 1. Quartal 2013 nahm dieEinfuhr um 8,4% und die Ausfuhr um 18,4%zu. Allerdings erhöhten sich die Exporteim März nur noch um 10,0%, währenddie Importe ein Plus von 14,1% erreichten.Damit erwirtschaftete China sogar ein(seltenes) monatliches Außenhandelsdefizitvon 880 Mio. $. Für das Gesamtjahrprognostiziert die Deutsche Bank einenAnstieg der Einfuhr um 12,5% und derAusfuhr um 10,0%. Die CASS rechnethingegen mit Zuwächsen um 8,9 respektive9,3%. Insgesamt bleiben die Aussichtenvage, weil weder aus Europa noch aus denUSA entscheidende Nachfrageimpulsezu erwarten sind.Die Exporte nach Deutschland sanken 2012um 9,4% auf 69,2 Mrd. $. Ebenso gingen dieImporte aus Deutschland um 0,9% auf91,9 Mrd. $ zurück. Auch für 2013 bleibendie Aussichten gemischt, allerdings werdenModernisierung und Effizienzsteigerungweiterhin für Maschinen- und Automationsbedarf"made in Germany" sorgen.Außenhandel der VR China(in Mio. US$; reale Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)2011 2012 VeränderungImporte 1.743.484 1.817.826 4,3Exporte 1.898.381 2.048.935 7,9Handelsbilanzsaldo 154.897 231.109 49,2Quellen: China CustomsBranchen im ÜberblickDie Konjunkturabkühlung trifft vor allem denMaschinenbau und die Bauwirtschaft, hataber auch in der "zuwachsverwöhnten"Chemieindustrie Bremsspuren hinterlassen.Das Textil- und Bekleidungssegment leidetunter steigenden Löhnen. Insgesamt werdenangesichts der abgeschwächten WirtschaftsentwicklungInvestitionen vorsichtiger getätigt.Hinzu kommt eine restriktivere Kreditvergabeim Rahmen der Inflationsbekämpfung. Auchdeshalb bleibt die Marktteilung im Kfz-Bereich- positive Pkw-Verkäufe, schwächelnderNfz-Markt - vorläufig bestehen. Zu denbesonders dynamischen Branchen zählen2013 die Informations- und Telekommunikationstechnik,Nahrungsmittelverarbeitungund Medizintechnik. Die Tourismusbrancheerlebt einen Boom.Maschinen- und AnlagenbauNach hohem Wachstum 2011 verlor der Absatzvon Maschinen und Anlagen 2012 erheblich anSchwung. Auch das Jahr 2013 bleibt für denMaschinenbau schwierig. Angesichts vonÜberkapazitäten in vielen Bereichen sindseitens der Binnennachfrage keine entscheidendenImpulse zu erwarten; auch dasExportgeschäft dürfte keine Erleichterungbringen. Der Branchenumsatz soll daher2013 nur zwischen 5 und 8% wachsen.Trotz Nachfrage nach modernen Maschinenund Anlagen, welche für höhere Ressourceneffizienz sorgen und den strengeren Umweltauflagengerecht werden, leidet auch derdeutsche Branchenexport nach Jahrenzweistelliger Zuwächse 2012 unter einemRückgang.


07 I 2013 WIRTSCHAFT 20Kfz-IndustrieDie Kfz-Verkäufe haben sich 2012 mit einemPlus von 4,3% leicht erholt (2011: 2,4%). NachAngaben der "China Association of AutomobileManufacturers" (CAAM) wuchs der Ausstoß imVergleich zum Vorjahr um 4,6% auf 19,3 Mio.Einheiten; Pkw legten um 7,2% auf 15,5 Mio.zu, während Nfz ein Minus von 4,7% auf3,7 Mio. Fahrzeuge aufwiesen. Für 2013rechnet der Verband mit rund 7% Plus,wobei die Übersättigung bei Nutzfahrzeugenkurzfristig erhalten bleiben wird. Das Segmentvon Oberklasselimousinen dürfte hingegenauch 2013 weit überdurchschnittlichzulegen. Schon 2012 umfasste es rund 1,2Mio. Einheiten - ein Plus von 18% gegenüber2011. Davon entfielen etwa drei Viertelauf deutsche Hersteller. Durchwachsen zeigtsich hingegen weiterhin die Nachfragesituationfür Elektromobilität.ChemieNach einem fulminanten Jahr 2011, in demder lokale Absatz von Chemieerzeugnissenum satte 30% zugelegt hatte, halbiertesich das Marktwachstum 2012 auf "nur"noch 13,4% - das ist immerhin aber nochetwa doppelt so viel wie die Zunahmedes BIP. Während die Branchenimporteum 1,0% auf 179 Mrd. $ sanken, erhöhtensich diejenigen von Arzneimitteln um23,1% auf 13,9 Mrd. $.Positiv entwickelte sich auch die lokale Agrarchemie.Indes leidet die Petrochemie unterVerlusten im Raffineriegeschäft Insgesamtscheint es nur noch eine Frage vonJahren, bis die VR China, welche die USA2010 bereits als größtes Produktionslandder Branche hinter sich gelassen hat, dieUSA auch als weltgrößten Markt fürChemieprodukte ablöst. Vor diesem Hintergrundwundert der anhaltende Zustrom ausländischerInvestitionen wenig.BauwirtschaftDie bereits in den letzten Jahren in Folgeder Konjunkturabkühlung beeinträchtigteBauwirtschaft bleibt auch 2013 das "Sorgenkind"der chinesischen Volkswirtschaft.Auch wenn der voranschreitende Urbanisierungsprozesserhebliche Baumaßnahmennach sich ziehen wird, bleibt insbesondereoffen, inwieweit die im Herbst von derNDRC genehmigten Infrastrukturprojekte miteinem Volumen von 7 Bill. RMB angesichtsder Finanzknappheit der lokalen Regierungenumgesetzt werden. Hinzu kommen Unsicherheitenauf dem privaten Immobilienmarkt.So hat die neue Regierung die Einführungeiner national einheitlichen, individuellen"Transaktions-ID" angekündigt, umStrohmänner- und Schattengeschäfte wieauch Spekulation und Korruption einzudämmen.Elektrotechnik/ElektronikDie Elektronik-, Informations- und Kommunikationstechnikbranche(IKT; inklusiveSoftware) erzielte 2012 ein Umsatzwachstumvon 12,6%; die Exporte legten um 10,3% zu.Besonders dynamisch zeigten sich dieSparten Radar- und Messgeräte mit einemUmsatzzuwachs von 23,2 beziehungsweise22,6% (Exportplus: 34,5%; 10,9%). DieElektrogerätehersteller steigerten ihreUmsätze um 17.3%. Dagegen wuchs dasSegment elektronischer Bauelemente mit10,7% nur unterdurchschnittlich. Erneutblieben die Ergebnisse der Unternehmen mitAuslandskapital hinter der inländischenKonkurrenz zurück (Umsatz: 10,3 zu 19,1%;Export: 18,0 zu 9,9%). Durch die unklareglobale Wirtschaftsentwicklung 2013 siehtdie Branche eher vorsichtig in die Zukunft.Anlageinvestitionen und Exporte sollen jeunter 10% bleiben.Informations- und KommunikationstechnikDie Zahl der chinesischen Telefon- undInternetnutzer wächst weiter. Innerhalb vonfünf Jahren seit 2008 hat sich die Marktdurchdringungbei Handys von 48,5 Stückpro 100 Einwohner auf 82,6 erhöht.Insbesondere der Gebrauch von 3G-Handysstieg 2012 um 81,3% auf 232,8 Mio. Nutzer.Parallel wird die 3G-Infrastruktur ausgebaut.Überdies laufen Pilotprojekte zum Netzwerkder 4. Generation (4G). Doch bevor hierfüreine landesweit verfügbare Infrastrukturbereitgestellt wird, müssen sich wohl erstdie umfangreichen 3G-Investitionen derstaatlichen Netzbetreiber auszahlen. DieLTE-Technologie dürfte daher 2013 und2014 nicht über das Versuchsstadiumhinauskommen. Inwieweit durch eineKommerzialisierung neue Möglichkeiten fürausländische Telekommunikationsanbieterund -dienstleister entstehen, bleibt abzuwarten.UmwelttechnikDer historisch beispiellose Wirtschaftsboomder letzten Jahrzehnte hat die ökologischenBedingungen Chinas deutlich überstrapaziert.Gerade in den Großstädten wächst die


07 I 2013 WIRTSCHAFT 21Unzufriedenheit über gesundheitsgefährdendenDauersmog. Nach wie vor haben60% der Bevölkerung keinen Zugang zusauberem Trinkwasser. Die politisch Verantwortlichenhaben bereits mit dem aktuellenFünfjahresprogramm (2011 bis 2015) versucht,den Akzent stärker auf qualitativesWachstum zu setzen. Die neue Führungum Xi Jinping und Li Keqiang betont, indieser Richtung weiter voranschreitenzu wollen.International starke deutsche Branchenunternehmenversprechen sich hiervon neueAbsatzmöglichkeiten, nicht zuletzt aufgrunddes wachsenden Bewusstseinsfür die Bedeutung integrativer Lösungen.MedizintechnikDie chinesische Bevölkerung altert rasant. Inden kommenden 30 Jahren soll der Anteil derSenioren von heute 13 auf 30% steigen. DieNotwendigkeit ihrer Versorgung wird immerdringlicher. Auch in anderen Bereichen mussdas Gesundheitssystem verbessert werden.Der chinesische Markt für Medizintechnik gehörtdeshalb zu den dynamischen Branchen,die weitgehend unbeeinflusst von Konjunkturschwankungenein kontinuierlich hohesWachstum aufweisen. Schätzungen gehenfür 2012 von einem Plus von 24,7% auf einMarktvolumen von 29,9 Mrd. $ aus, davonentfielen etwa 8,4 Mrd. $ auf Importe (+18,2%).Für deutsche Anbieter von Medikamentenoder Medizintechnik bleibt die VR Chinakurz- und mittelfristig der weltweit wichtigsteWachstumsmarkt.TourismusChina erlebt einen Reiseboom. Branchenexpertenschätzen das Wachstum in dennächsten zehn Jahren auf mindestens 10%per annum. Noch 2015 dürfte der Sektor rund8% zum chinesischen BIP beitragen. DerAnteil könnte bis 2020 auf 11% steigen.Allein 2012 setzte die Branche umgerechnetrund 418 Mrd. $ um (+14% zum Vorjahr).Während der Umsatz mit Reisenden ausdem Ausland bei 48,5 Mrd. $ stagnierte,legte derjenige mit lokalen um 15% zu.Darüber hinaus verdrängten die Chinesen2012 die Deutschen von ihrem langjährigenSpitzenplatz als die Nation, die weltweitam meisten Geld für Urlaub ausgibt.Inbound-Tourismus (also ohne Auslandsreisen)beschränkt.Textil und BekleidungDie chinesische Textil- und Bekleidungsindustriekämpft gegen sinkende Gewinnmargen.Steigende Löhne und Rohstoffkostensowie ein schrittweise aufgewerteter RMBsorgen für Krisenstimmung. Hinzu kommenPreiskämpfe im Inland sowie ein schleppenderExportmarkt: 2012 legten die Ausfuhrenvon Bekleidung lediglich um 4,5% und vonTextilien um 1,5% zu. Die Investitionszurückhaltungin der Branche wächst. DieAuftragslage für Textilmaschinen ist entsprechendschwierig. In der Folge ging derenImport 2012 im Vergleich zum Vorjahrum 21,4% zurück. Deutsche Lieferantenmussten ein Minus von 11,3% verkraften.Trotz des großen Automatisierungsbedarfsdürfte sich die Situation kurzfristig kaumändern, zumal nicht wenige Unternehmenüberlegen, ihre Fertigung in preisgünstigereLänder zu verlagern.LebensmittelDer Lebensmittelmarkt büßte 2012 zwar anSchwung ein, erwirtschaftete aber nachwie vor ein weit überdurchschnittlichesUmsatzplus von 17,6%. Mit 18,8% Zuwachszeigten Backwaren unter allen Segmentendie größte Dynamik.Für alle Schichten werden nach den wiederholtenLebensmittelskandalen Aspekte derNahrungsmittelsicherheit immer wichtiger,wobei westlichen und gerade auch deutschenHerstellern und Händlern ein deutlichhöheres Vertrauen entgegengebracht wird alslokalen. Dies gilt speziell für Babykostrespektive Kindernahrung. Das ThemaLebensmittelsicherheit führt aber auch vorOrt weiter zu Investitionen. Erhöhung undVerschärfung von Industriestandardsforcieren die Nachfrage nach Automation,integrierten Anlagen sowie Tracking-Technologie. Kleine Hersteller geraten zunehmendunter Druck.Quelle: Germany Trade & InvestUrlaube in fernen Ländern sind ein Statussymbol.Für ausländische Reiseanbieterbleibt die Tätigkeit jedoch bislang auf


07 I 2013 GASTBEITRAG 22"Reisen veredelt denGeist und räumt mitunseren Vorurteilen auf."(Zitat: Oscar Wilde)Familie Dr. Mitscherlich in ShanghaiEine gemeinsame Chinareise von FamilieDr. Mitscherlich und Familie Luan im Mai2013 war Anlass für diesen wunderbarenReisebericht, in dem uns Dr. Mitscherlich,Vizepräsident des CIHD, von seiner Reise,seinen Erfahrungen und Eindrücken ausChina berichtet. Freuen Sie sich auf seinenArtikel.Es gibt wohl kaum ein anderes bedeutendesLand auf der Welt, über das so viele ihreMeinung haben – und freimütig äußern – undvon dem sie so wenig wissen. Ich sprechevon China, dem bevölkerungsreichsten Landder Erde, das im Jahr 1680 noch geschätzte100 Mio. Einwohner hatte, 1850 bereits etwa400 Mio., 1960 ca. 650 Mio. und heute fast 1,4Mrd. Menschen zählt.Einem Land, das noch vor wenigen Jahrzehntenunter Hungerkatastrophen litt und dasheute die zweitstärkste Volkswirtschaft derWelt ist. Einem Land, in dem die Wasserbüffelnach wie vor eine große Rolle spielen und indem neue Städte in gigantischen Ausmaßenentstanden sind. Einem Land, in dem es nochviel Armut gibt, aber auch über eine MillionMillionäre. Einem Land, das nicht mehr (nur)imitieren, sondern selbst eine führende Rollein Wissenschaft und Forschung übernehmenwill. Einem Land, in dem es vor 40 Jahrennoch keine Anwälte gab, heute dagegenbereits etwa 75.000. Einem Land, dasriesige Umweltprobleme hat, aber bis 2017den CO2-Ausstoß um 30% vermindern willund aus meiner Sicht gute Chancen hat,dieses sehr hochgesteckte Ziel zu erreichen.Wenn man dieses widersprüchliche Landverstehen und seine Vorurteile zurücksteckenwill, liegt es nahe, ihm einen Besuch abzustatten.Dies haben meine Frau und ichim Mai dann auch getan. Für mich war esbei Weitem nicht der erste Besuch, aber allevorherigen Besuche waren rein geschäftlicherNatur und damit nur teilweise edukativ. Fürmeine Frau war es der erste Besuch im Reichder Mitte. Es wurde eine Reise ganz besondererArt. Zu verdanken haben wir diesunseren guten Freunden Wei (Wolfgang) undHui Luan, die uns Einblicke ermöglichten,die man wohl nur äußerst selten erhält.Da ist zum einen die Kenntnis sowohl derchinesischen als auch der abendländischenKultur – und die absolute Bereitschaft, auchüber die kritischen Punkte offen zu sprechen.Familie Dr. Mitscherlich, Herr Yang Zhenchao,Vize Gouverneur, Provinz AnhuiDaneben haben unsere Freunde ein Netzwerkin China, dass man manchmal glaubenmochte, die Zahl der Chinesen, die sie nichtkennen, auf einem Blatt Papier nieder-


07 I 2013 GASTBEITRAG 23schreiben zu können. Wollte man alleEindrücke dieser Reise wiedergeben, wäreeine Sonderausgabe des CIHD-Magazinsnotwendig. Ich beschränke mich daher aufeinige wesentliche Punkte, die zum besserenVerständnis dieses Landes beitragen könnten.1. Wer meint, China bestehe im wesentlichenaus riesigen Städten, liegt falsch. Zwar gibt esin China 166 Millionenstädte und mit Chongqingdie größte Stadt der Welt (32 Mio.Einwohner), wobei sich dies allerdings dadurchrelativiert, dass diese Städte eigentlich Regionensind. So zählt der eigentliche Stadtkernvon Chongqing "nur" etwa 5 Mio. Einwohner.Die offizielle "Stadt" erstreckt sich aber überein Gebiet, das größer ist als Bayern.Konfuzianismus die Familie und den Staat inden Mittelpunkt stellt, ist der Buddhismusauch stark auf das Miteinander in derGemeinschaft ausgerichtet. Gerade in dermangelnden Ausprägung dieser gesellschaftlichenKomponente aber liegt meines Erachtensder Schwachpunkt der chinesischenGesellschaft. Eine Stärkung des Buddhismuswürde daher zur Entwicklung Chinas durchauseinen substantiellen Beitrag leisten können.Aber es gibt auch wunderbare Landschaftenwie beispielsweise in der Region Guilin imautonomen Guangxi, wo wir eine 4-stündigeFlussfahrt auf dem Li-Jiang unternahmen,entlang der 18.000 phantastischen, bizarren,spitzen Karst-Bergkegel.Buddha-Statue bei JiuhuashanDer Fluss Li-JiangDanach besuchten wir noch eine äußersteindrucksvolle 240 m tiefe Tropfsteinhöhle,wie wir sie in unserem Leben noch nichtgesehen haben. Ein weiteres Beispiel ist diewunderschöne Bergwelt bei Jiuhuashan inder Provinz Anhui (nahe der Stadt Hefei),die zu den vier heiligen Bergen des chinesischenBuddhismus gehört und in der viele undsehr eindrückliche Tempel besucht werdenkönnen. Nahebei steht mit 153 m auchdie größte, aber kaum bekannte Buddha-Statue der Welt, deren Errichtung etwa USD16 Mio. verschlungen hat. Der Einflussdes Buddhismus in China wird sicherlichunterschätzt, nicht zuletzt auch durch dienach wie vor bestehenden Ressentimentsder Partei gegen Religionen und den damitzusammenhängenden kreativen Umgang mitStatistiken. Offiziell beträgt die Zahl derBuddhisten in China etwa 110 Millionen (auchschon eine stattliche Zahl), faktisch dürftesie aber deutlich höher liegen. Während derNatürlich gibt es auch in den alten Städtenwie Peking, Shanghai oder Nanjing viel zubesichtigen, was von der jahrtausendealtenKultur dieses Reiches zeugt.2. Fährt und läuft man durch Städte oder überLand, überrascht einen die große Sauberkeit.Die Mittelstreifen der Autobahnen, die sichdurchaus mit den europäischen messenkönnen, erinnern in ihrer Breite und Gepfl egtheitfast an botanische Gärten.3. In höchstem Maße beeindruckend ist dieArt und Weise, wie neue Infrastrukturen geschaffenwerden. Als ein Beispiel mag einneuer Stadtteil von Hefei dienen, der 1.5 Mio.Menschen eine neue Heimstatt bieten wird. Erliegt am Ufer des Chaohu Sees, mit 756 km 2deutlich größer als der Bodensee (536 km 2 ).Zunächst wurden die Erholungsgebiete amSee entwickelt und die Verwaltungsgebäudeerrichtet, jetzt sind die Wohngebäude im Bau.Vom Beginn der Planung bis zur Fertigstellungwird das gesamte Projekt 5 Jahre dauern!Sicherlich wird dabei mit Enteignungen nichtimmer zimperlich umgegangen, aber man darf


07 I 2013 GASTBEITRAG 24getrost davon ausgehen, dass alle Menschen,die ihre Heimstatt verlieren, eine bessereneue erhalten. Im Gegensatz zu Europa, woPartikularinteressen und Bürokratie neue Entwicklungenhemmen oder gar zum Stillstandbringen, setzt China auf Evolution, verbundenmit dem Höchstmaß an möglichersozialer Gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist fürdas chinesische Modell von essentiellerBedeutung. Wird sie als unzureichend empfunden,kommt es immer wieder zu durchausheftigen Protesten, die bei zu großer Zahlzu einer Destabilisierung führen könnten.4. Beeindruckend sind - wie nicht anders zuerwarten - die ungeheuren Menschenmengen,denen man sich ständig gegenüber sieht.Es gibt im wahrsten Sinne des Wortes keineBerührungsängste. Jeder geht stur seinenWeg. Wenn es irgendwie nicht weitergeht, gibter aber nach. Am ersten Tag unserer Reisewanderten wir auf der Großen Mauer, bessergesagt, wir schoben uns irgendwie vorwärts.99,9% der Touristen waren Chinesen und beimeiner Frau stellte sich nach einiger Zeiteine gewisse Bedrängtheit ein, die nachkurzer Zeit aber abgelegt wurde.5. Auch der Verkehr ist bemerkenswert.Unzählige LKWs, Autos, Motorräder, Mopeds,Fußgänger und das ein oder andere Tierversuchen, schnellstmöglich ihre jeweiligeDestination zu erreichen. Mit europäischenAugen betrachtet, müsste es eigentlich jedeMinute krachen, die Polizei- und Krankenwagensirenenmüssten permanent heulen.Nichts dergleichen! In der ganzen Besuchszeitund nach sicherlich mehr als 1.000 kmAutofahrten haben wir einen einzigen Unfallgesehen, und das war ein kleiner Blechschaden.Wenn es brenzlig wird, gibt immereiner nach. Dabei pocht keiner auf sein (vermeintliches)Recht, und vor allem: es gibt keinGeschrei, keinen Stinkefi nger, praktisch keineAggression!Welt gibt, in dem eine solche Speisenvielfaltwie in China herrscht. Jede Provinz hat ihreeigenen Spezialitäten und häufig musstenauch unsere jeweiligen (großzügigen) Gastgebernachfragen, was da alles aufgetischtwurde. Wir haben in diesen Tagen sicherlich30 - 40 Dinge gegessen, von deren Existenzwir bis dahin keine Ahnung hatten. Auf einerSpeisenkarte fanden sich auch ganze Skorpione,glücklicherweise blieb es in diesem Fallbeim Betrachten der Speisenkarte. Das kulinarischeHighlight war eine sagenhaft gutePeking-Ente.7. Gewöhnungsbedürftig ist auch die Lautstärkeund der Klang der Konversation.Am Anfang war man öfter versucht,schlichtend einzugreifen. Bis man verstand,dass es sich um mehr oder weniger normaleGespräche handelte. Für europäische Ohrenklingt das Chinesische recht hart. Vielleichtsollte man den Italienisch-Unterricht anchinesischen Schulen forcieren! Sprachensind im Übrigen ganz sicher ein wunder Punktin der chinesischen Entwicklung. Unter allenunseren Gesprächspartnern – und das warenviele und hochrangige – war kaum einer, mitdem man sich ohne Dolmetscher verständigenkonnte. Und so sehr mir China am Herzenliegt, die Sprache ist einfach zu kompliziert, alsdass sie zur Verkehrssprache werde könnte.Wie gesagt, ich könnte noch viele weitereSeiten füllen. Aber am besten ist es, sichdieses Land selbst und ohne Vorurteileanzusehen. Ich glaube nicht, dass heute nochjemand China nicht erst nimmt. Aber immernoch gibt es jede Menge Unterschätzung.Ein Besuch wird diese Einstellung nachhaltigkorrigieren.Kulturelle Veranstaltung, Musik aus der alten ZeitVize-Provinz Minister und der Vize Bürgermeister derStadt Chizhou, Fam. Dr. Mitscherlich, Herr Luan6. Das Essen ist ein besonderes Kapitel. Ichglaube nicht, dass es ein anderes Land auf derEs bedarf aber, um alle Facetten zu verstehen,verständiger und kundiger Reiseleiter. Diehatten wir in Gestalt von Wei und Hui Luan undsind ihnen daher zu tiefem Dank verpfl ichtet.


07 I 2013 NACHRICHTEN 25Nachrichten aus ChinaFoto: Rainer Sturm/pixelio.deDie zehn attraktivsten chinesischen Städtefür Ausländer 2012China ist mittlerweile wegen seiner Vorzugspolitikund guten Karrierechancen ein beliebtesZiel für viele Ausländer. Aus einer vor kurzemdurchgeführten Umfrage gehen die zehnattraktivsten chinesischen Städte für Ausländerhervor, wobei Shanghai die Listeanführt, gefolgt von Beijing und Shenzhen.Die landesweite jährlich durchgeführte Umfrage,die 2010 begonnen wurde, um fürchinesische Städte unter Expats zu werben,wurde von September bis Dezember 2012durchgeführt. Insgesamt 175.400 Expats,darunter Nobelpreisträger, Empfänger desFreundschaftspreises der ChinesischenRegierung und in China arbeitende Ausländer,nahmen an der Umfrage teil.Die zehn beliebtesten unter allen chinesischenStädten auf Präfekturebene und höher (ausschließlichHongkong, Taiwan und Macao)wurden auf Basis ihrer Bedingungen in denBereichen Politik, Verwaltung, und Arbeits- undLebensbedingungen für Ausländer bewertet.Nehmen wir mal die Top 10 unter die Lupe:10. QingdaoQingdao im Südosten der Provinz Shandongist eine schöne Küstenstadt am GelbenMeer. Die Stadt ist ein wichtiger Hafen fürden heimischen und internationalen Handel.Qingdao hat es hauptsächlich dank der gutenLebensbedingungen auf die Liste geschafft.Die Verwaltung, die Schulbildung für Kinderund das Level an Globalisierung solltenallerdings laut den Antworten der Befragtenverbessert werden.9. XiamenXiamen an Chinas Südostküste ist seitaltersher ein wichtiger Seehafen. Die Stadtist eine der Vorreiter von Chinas Sonderverwaltungszonen.Sie wurde 2011 zurromantischsten Stadt Chinas gekürt.Xiamen liegt auf Platz neun dank der außerordentlichenLebensbedingungen der Stadtund der begünstigenden Bedingungen fürUnternehmer. Ein Nachteil ist allerdings,dass das Gehalt von Ausländern geringerals erwartet ausfällt.8. TianjinAls größte Küstenstadt in Nordchina ist Tianjinseit Mitte des 19. Jahrhunderts ein wichtigerSeehafen und das Tor zur Hauptstadt desLandes, Beijing. Es ist die viertgrößte Stadt inChina nach Shanghai, Beijing und Guangzhou.Tianjin hat einen großen Vorteil in den BereichenGesundheitswesen und Arbeitsbedingungen.Auch wenn die Politik Verbesserungenbedarf, wurde die Stadt positivbewertet.7. NanjingNanjing in Ostchina, die Hauptstadt derProvinz Jiangsu, hat eine glanzvolle Geschichte,eine einzigartige Kultur und eineatemberaubende Nachtszenerie. Nanjingist seit langem ein nationales Zentrum fürBildung, Forschung, Verkehr und Tourismus.Die Stadt weist äußerst attraktive Lebens-


07 I 2013 NACHRICHTEN 26bedingungen auf. Allerdings wird die Verwaltunggenerell wegen institutionellen undverfahrenstechnischen Angelegenheiten alsunzulänglich beschrieben. Nur wenige Ausländergaben Tianjin eine gute Bewertung inSachen Gehalt, auch wenn viele optimistischin die Zukunftsarbeit der Stadt und in dieKarrierechancen für Ausländer sind.6. HangzhouHangzhou ist die Hauptstadt und größteStadt der Provinz Zhejiang und auch dessenpolitisches, wirtschaftliches und kulturellesZentrum. Mit der atemberaubenden Naturschönheitund dem reichen Kulturerbe istdie Stadt bekannt als "Himmel auf Erden".Hangzhou hat es wegen der guten Lebensbedingungen,insbesondere der reichennatürlichen Umwelt, auf Platz sechs geschafft.Es bekam jedoch keine gute Bewertung fürArbeits- und Unternehmerbedingungen sowiefür Gehalt, doch viele Ausländer haben großeHoffnung in ihre eigenen künftigen Karrieremöglichkeitenin der Stadt.5. KunmingKunming ist das politische, wirtschaftliche,kommunikative und kulturelle Zentrum dersüdwestchinesischen Provinz Yunnan. DieStadt ist auch Heimat mehrerer Universitäten,Museen, Galerien und andererwichtiger wirtschaftlicher, kultureller undBildungsinstitutionen. Kunming hat guteVerwaltungsbedingungen, aber es mangeltan Kohäsionspolitik, um Talente anzuziehenund anzustellen. Die Arbeits- und Unternehmerbedingungenin Kunming haben aucheinige Kritik abbekommen. Die Stadt hatattraktive Lebensbedingungen, doch dasGesundheitswesen und die Ausbildungsbedingungensollten laut der Umfrageverbessert werden.4. SuzhouSuzhou in der Provinz Jiangsu ist eine Stadtmit Flüssen, Kanälen und Gärten, daher wirdsie auch das "Venedig des Orients" genannt.Die Stadt ist bekannt für ihre Naturschönheitenund die exquisiten Gärten. Suzhouist eine Stadt mit ausgeglichener Entwicklung.Sie wurde hoch in den Bereichen Siedlungsbedingungen,Arbeits- und Unternehmerbedingungenund Aufstiegsmöglichkeitenbewertet. Allerdings sollte laut den Befragtendie Verwaltung verbessert werden.3. ShenzhenShenzhen im südlichen Teil der ProvinzGuangdong und an der Ostküste des Perl-Fluss-Deltas ist eine große Stadt in derProvinz. Die Gegend ist die erste und eineder erfolgreichsten Sonderwirtschaftszonen.Die moderne Stadtkulisse ist Beweis für diedynamische Wirtschaft. Shenzhen liegt aufPlatz drei der attraktivsten Städte dankder attraktiven Arbeitsbedingungen, insbesondereder hohen Gehälter. Die Stadt hatgute Bewertungen im Bereich ihres Entwicklungsplansbekommen, doch die Lebensbedingungenwurden als unzufriedenstellendbewertet, insbesondere in SachenGesundheitswesen und Schulbildung vonKindern.2. BeijingBeijing, die Hauptstadt von China, ist umgebenvon der Provinz Hebei, mit Ausnahme derNachbarstadt Tianjin im Südosten. Es ist daspolitische, kulturelle und Bildungszentrumsowie ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt.Die Stadt ist laut in China lebenden Ausländerndie zweitbeste Stadt, da sie hervorragendeVerwaltungsbedingungen, politischeBedingungen, ein gutes Gesundheitswesenund ein gute Schulbildung für Kinder aufweist.Allerdings sollten laut den Befragten dieUmwelt, die Arbeitsbedingungen und derVerkehr verbessert werden.1. ShanghaiShanghai im Jangtse-Fluss-Delta in Ostchinaist Chinas modischste und modernste Metropole.Die Stadt ist ein wichtiges Finanzzentrumund der größte Containerhafender Welt. Shaghai, bekannt für seine internationaleAtmosphäre und die multikulturelleUmwelt, ist die attraktivste Stadt für Ausländer.Ähnlich zu Beijing werden dasGesundheitswesen und die Schulbildungfür Kinder sehr gut bewertet. Die negativenMerkmale der Stadt sind ihre Verwaltungs-und Umweltbedingungen.Quelle: german.china.org.cnChinas Kohleunternehmen verzeichnendeutliche Rückgänge ihrer Umsätze undGewinne. Vor allem der globale Wettbewerbund die sinkenden Preise für Kohle bereitender heimischen Branche dabei Probleme.Experten fordern wesentliche Reformen.Chinesische Kohleunternehmen verzeichnenangesichts der schleppenden Nachfrage unddes Zustroms billiger Kohleimporte einenRückgang ihrer Gewinnspannen. Der Preis fürKohle, die in den ostchinesischen Hafen


07 I 2013 NACHRICHTEN27Qinhuangdao verschifft wird, betrug zum Endedes ersten Quartals 618 Yuan (76,82 Euro)pro Tonne. Im vorherigen Quartal lag derPreis bei 633 Yuan (78,68 Euro) pro Tonne.Der Preis für Hüttenkohle stürzte von einemHöchststand von 2000 Yuan (248,60 Euro)pro Tonne im letzten Quartal des Jahres 2012auf nun 1025 Yuan (127,41 Euro) pro Tonne.Die Nachfrage nach Kohle hat auch aufgrunddes langsameren Wirtschaftswachstums nachgelassen.Chinas Wirtschaftswachstum verlangsamtesich im ersten Quartal des Jahresauf 7,7 Prozent und lag damit deutlich unterdem zweistelligen Wert von vor der globalenFinanzkrise im Jahr 2008. Im gleichen Zeitraumsank das Wachstum der Industrieproduktionauf 9,5 Prozent. Dies unterstreichtdie Anstrengungen der Kohleunternehmen,ihre Lagerbestände angesichts der schwachenNachfrage zu reduzieren. Die bescheidenenWachstumsraten haben sich negativ auf dieLeistung der Industrie ausgewirkt. 32 der43 Kohleunternehmen, die an Chinas Börsennotiert sind, verzeichneten gegenüber demVorjahr einen Ergebnisrückgang. Umsatz undGewinn sanken um durchschnittlich 0,8 und51,4 Prozent. Darüber hinaus wird mehrKohle zu günstigeren Preisen nach Chinaimportiert. Laut Daten des Zollhauptamtesstiegen die Kohleimporte im ersten Quartalum 30,1 Prozentauf 80 Millionen Tonnen.Branchenexperten fordern wesentlicheReformen, um der Branche wieder auf dieBeine zu helfen, die unter zu großen Lagerbeständenund sinkenden Umsätzen leidet.Um die Effizienz zu steigern, solle dieBranche das Management verbessern undInnovationen fördern, sagte Bu Changsen,Vorstandsvorsitzender der Shandong EnergyGroup.Chinas schwache Exportzahlen lassenÖlpreis sinkenChinas Exporte nahmen im Mai um lediglichein Prozent gegenüber dem Vorjahr zu.Dies markiert einen drastischen Rückgangim Vergleich zum April, als die Exporteum 14,7 Prozent zunahmen. Der Exportrückganglies auch den Ölpreis sinken.Der Ölpreis sank am Montag angesichtseines starken Rückgangs der chinesischenExporte im Mai.Laut offiziellen Daten, die über das vergangeneWochenende veröffentlicht wurden,nahmen Chinas Exporte im Mai um lediglichein Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. ImApril lag der Anstieg bei den Exporten nochbei 14,7 Prozent. Die Importe sanken im Maium 0,3 Prozent. Im Vormonat verzeichnetensie noch einen Anstieg um 16,8 Prozent.Da bis Montag keine Bekanntgabe wichtigerUS-Daten ansteht, haben Investoren dieRede des Präsidenten der Landeszentralbankvon St. Louis James Bullard über die globaleÖkonomie im Blick. Die Landeszentralbankwird ihre Sitzung über Geldpolitik in derkommenden Woche abhalten.Die US-Arbeitslosenquote stieg leicht von7,5 Prozent im April auf 7,6 Prozent im Mai.Da die Arbeitslosenquote im Mai im Wesentlichenunverändert blieb, nahmen die Befürchtungender Investoren ab, dass dieUS-Notenbank bald beginnen könnte, ihreAnreize zu reduzieren.Die Ratingagentur Standard & Poor’s stufteden US-Kreditausblick am Montagmorgenvon negativ auf stabil. Die Ratingagentur istdavon überzeugt, dass die US-Währungshütersowohl die starken Fähigkeiten als auchBereitschaft dazu haben, nachhaltigesWirtschaftswachstum zu fördern. Der US-Dollar legte am Montag gegenüber denmeisten großen Währungen zu, nachdemStandard & Poor’s den US-Kreditausblickhinaufgestuft hatten. Ein stärkerer US-Dollarmacht in US-Dollar denominiertes Öl wenigerattraktiv für ausländische Investoren. Leichtes,"süßes" Rohöl mit Lieferung im Juli sank um26 Cent (0,27 Prozent) und schloss bei 95,77US-Dollar pro Barrel an der New YorkMercantlie Exchange.beides Quelle: german.china.org.cnNeue Technologien: China setzt auf Kaufvon deutschen UnternehmenMittelständische Unternehmen und Patenteaus Europa und Deutschland sind beliebtbei chinesischen Investoren. Eine Studiebelegt, dass die chinesische Regierunggezielt vorgeht, um deutsche Unternehmenaufzukaufen. Chinesische Investoren stürzensich auf in Not geratene Mittelständler.Beispiele gibt es viele: Die Firma Putzmeister,führend im Bereich der Betonpumpen, wurdevon der chinesischen Firma Sany aufgekauft.Lenovo hat den Elektronikkonzern Medionübernommen. Einer der weltweit größtenGabestaplerkonzerne, Kion, hat in der FirmaWeichai Power einen neuen Investor ge-


07 I 2013 NACHRICHTEN 28funden, berichtet das FMM-Magazin. Diechinesischen Konkurrenten suchen sichmit Unterstützung der Regierung Zugriffund Kontrolle auf Technologien aus Europaund Deutschland. Die chinesischen Direktinvestitionenin die EU sind innerhalb einesJahres um 135 Prozent gestiegen. In Deutschlandgab es einen Anstieg von 2007 bis2010 um 87 Prozent .In einer Studie der Technischen UniversitätMünchen und der München Innovation Groupwurden 50 chinesische Unternehmen analysiert.Die Forscher fanden heraus, dass derenVorgehensweise vor allem darauf abzielt,durch Standorte in Deutschland Erfahrungenzu sammeln sowie Zoll- und Einfuhrbeschränkungenin die EU zu umgehen. Die EU versuchtsich ihrerseits dagegen zu wehren:Durch Schutzzölle sollen bestimmte Branchen,vornehmlich die Elektroindustrie und dieTelekommunikation, von den chinesischenBilligproduzenten abgeschirmt werden.Die mit der Geldpresse subventioniertenchinesischen Firmen drängen auf den europäischenMarkt. Dabei nimmt die Regierungin China die Herausbildung einer gigantischenKreditblase in Kauf. Die WirtschaftsundFinanzkrise habe die Übernahme derdeutschen Unternehmen „erleichtert“, heißtes in der Studie. Auch in den kommendenJahren werde es zu Übernahmen kommen.Die Investitionen steigen weiter. In denmeisten Fällen führe das aber eher zueiner Weiterentwicklung der bestehendenFirmen, als zu einer bloßen Übernahme. Essei auch nicht selten, dass das deutscheManagement im Unternehmen bestehenbleibe, so die Studie.Das größte „Risiko“ bestehe allerdings ineinem drohenden Wissensverlust, wenndeutsche Unternehmen durch Insolvenzenoder Fusionen den „Abfluss von wichtigenSchutzrechten“ und „geistigem Eigentum“nicht verhindern können.China: Große Unternehmen werdenweniger Gewinn machenMehr als die Hälfte derbörsennotierten Unternehmenrechnen mit deutlich gesunkenenGewinnen für 2012. Die hohe Staatsverschuldungund die weltweite Wirtschaftsflautehaben vor allem das produzierende Gewerbehart getroffen. Fitch sieht bereits großeGefahren für das Wachstumsmodell Chinas.Der wirtschaftliche Abschwung in den USA undder Eurozone hat sich in den Gewinnen derchinesischen Unternehmen vom vergangenenJahr deutlich niedergeschlagen. Mehr als dieHälfte der 965 börsennotierten chinesischenUnternehmen auf dem Festland erwartet einendeutlichen Rückgang der jährlichen Gewinne.187 dieser rechnen sogar damit, dass sichihr Jahresüberschuss aus 2012 um 50Prozent verringert hat, wie der Finanzdienstleistungs-ProviderWind Info in einer aktuellenUmfrage zeigt. Besonders das produzierendeGewerbe ist betroffen. So wird der chinesischeStahlhersteller Guangdong ShaosteelSongshan Co beispielsweise 2012 einengeschätzten Verlust in Höhe von 285,7 Mio.Dollar verbuchen müssen – das entsprichteinem Einbruch um 58 Prozent gegenüberdem Vorjahr. „Der heimische Stahlmarkt bliebauch 2012 düster“, sagte das Unternehmender chinesischen Zeitung People’sDaily. Es gebe einfach ein Überangebot anStahl, was einen Rückgang der weltweitenStahlpreise zur Folge hatte. Und wenngleichdie Preise immerhin im vierten Quartal zusteigen begannen, erhöhten sich die Preisefür Brennmaterial, „was den Verlust nochverschlimmerte“, fügte der Stahlherstellerhinzu.Das Unternehmen Taiyuan Heavy IndustryCo., das Maschinen und Anlagen produziert,geht von einem jährlichen Verlust in Höhe vonfast 56 Millionen Dollar aus. Zwar kann diechinesische Wirtschaft auch in diesem Jahrinsgesamt noch mit einem Wachstum von etwa8 Prozent rechnen, aber die Geldpolitik derRegierung kann die Unternehmen schnellerals erwartet mit neuen Schwierigkeiten konfrontieren.Die Ratingagentur Fitch warntderzeit davor, dass die von Investitionen getrageneWirtschaftsentwicklung des Landesvor gravierenden Einschränkungen steht.Die massiv ansteigenden Kredite, insbesonderedie Fremdfinanzierung der lokalenRegierung, seien besorgniserregend, zitiert diePeople’s Daily die Ratingagentur. Der Gesamtumfangder Kredite in Chinas Wirtschaft liegtderzeit bei 190 Prozent des BIP, so Fitch.Ende 2008 waren es noch 124 Prozent. DieVerschuldung „erhöht sich immens“, warntAndrew Colquhoun von Fitch. Hinzu kämenauch die Schattenbanken, die ein potentiellesRisiko für die Stabilität des nationalenFinanzsektors darstellen.Beides Quelle: Deutsche Mittelstands Nachrichten


07 I 2013 KUNST & KULTUR30Erfindungen „Made in China“Angst vor der Mumie?DieSpannendeGeschichteundderungewöhnliche„Gelben Gefahr“Geniestreicheaus dem Reich der MitteBild: Matthias Brinker / pixelio.de„Made in China“ ist heute kein Gütesiegel,sondern steht für Ramsch, Billigprodukteund Plagiate – meistens jedenfalls. Dochdas war nicht immer so. Bereits vor 5.000Jahren, als große Teile der Welt noch imkulturellen und wissenschaftlichen Tiefschlaflagen, existierte in Fernost eine derersten Hochkulturen der Menschheit.Porzellan herzustellen, war der Siegeszugdes „Weißen Goldes“ nicht mehr aufzuhalten.Bauwerke der SuperlativeDie Nase vorn hatten chinesische Wissenschaftlerlange Zeit auch in der Astronomie,bei der Erkundung der Erde sowie in Architektur,Landwirtschaft und Technik. Schonfrüh gab es beispielsweise ausgeklügelte Bewässerungssysteme.Dämme haben in Chinaeine lange Tradition. Bauwerke wie derKaiserkanal, erste Teile entstanden angeblichbereits vor 2.400 Jahren, oder die chinesischeMauer, waren sogar einzigartig für ihre Zeit.Porzellan und noch viel mehrZu einem Exportschlager wurden jedoch vorallem die genialen Erfi ndungen aus China. Sowie beispielsweise die vermutlich um 620 nachChristus entwickelte Porzellankunst. Diese erreichteim Laufe der Zeit eine derartige Perfektion,dass berühmte Forschungsreisende undKaufleute wie Marco Polo in ihren Berichtendavon schwärmten und Kostproben mit nachEuropa nahmen.Zwar schafften es die Chinesen das Rezept,das auf Materialien wie Kaolin, Feldspat undQuarz basierte, lange geheim zu halten.Spätestens als es zu Beginn des 18. Jahrhundertsin Europa gelang erstmals selberFoto: CFalk / pixelio.deDoch es gibt noch viele weitere chinesischeGeniestreiche, die im Laufe der letzten 5.000Jahre die Welt revolutionierten, andere gebenWissenschaftlern sogar heute noch Rätsel auf.Steinzeit-Spaghetti vom Gelben FlussChinesen als erste Pasta-Produzenten?Italien ist bekannt für seine Mode, für Kunstund Architektur, für seine Strände und nicht


07 I 2013 KUNST & KULTUR14 31 36zuletzt für seine Fußballer, die 2006 inDeutschland sogar Weltmeister wurden. Ganzbesonders stolz ist man im Land zwischenAlpen und Sizilien aber auf seine Küche.Neben Pizza und Polenta – einem „arme-Leute-Gericht“, das auf Maisgries basiert –gehören dazu vor allem auch die Nudeln.Egal ob Spaghetti, Makkaroni oder Canneloni:Alle diese Hartweizenprodukte gelten als typischitalienisch und sind selbstverständlichauch dort erfunden worden – sollte man zumindestmeinen. Dass dem offenbar dochnicht so ist, hat im Jahr 2005 ein Wissenschaftlerteamum Houyuan Lu von der chinesischenAkademie der Wissenschaften gezeigt.Wissenschaftler-Streit beendetIm Nordwesten Chinas stießen die Forscheram Oberlauf des Gelben Flusses auf Essensreste,die sich bei näherem Hinsehen alsdie ältesten bisher bekannten Nudeln derWelt entpuppten. Wie Radiocarbon-Datierungenergaben, sind die 50 Zentimeter langenund drei Millimeter dicken Steinzeit-Spaghettisaus der Ausgrabungsstätte Lajia rund 4.000Jahre alt.„Vor der Entdeckung der Nudeln in Lajiastammten die ältesten schriftlichen Belegeaus einem Buch, das während der ÖstlichenHan Dynastie irgendwann zwischen 25und 220 nach Christus geschrieben wurde.Trotzdem blieb es umstritten, ob Chinesen,Italiener oder Araber als erste die Nudelnerfunden haben“, sagt Lu, der am Institut fürGeologie und Geophysik in Peking forscht.Diese Debatte scheinen die Geowissenschaftlerund Archäologen nun beendet zu haben.„Unsere Funde zeigen, dass Nudeln als erstesin China produziert wurden“, so Lu weiter.Aufgespürt hatten die Wissenschaftler die prähistorischePasta in einem Steinguttopf, derkopfüber unter einer drei Meter dicken Sedimentschichtbegraben war. Als sie vorsichtigden Behälter hochhoben, fanden sie darunterdie Nudelüberreste auf einem kleinen Tonhügelthronend.„Es war diese einzigartige Kombination vonUmständen, die für ein Vakuum oder luftleerenRaum zwischen der Spitze des Sedimentkegelsund dem Boden der Schale sorgteund damit die Nudeln konservierte“, erklärtder Co-Autor der Studie Kambiu Liu von derLouisiana State University im Interviewmit der BBC.Fotos vor dem ZerfallNur der Reaktionsschnelligkeit von HouyuanLu ist es zu verdanken, dass die Steinzeit-Nudeln überhaupt für die Öffentlichkeit unddie Wissenschaft festgehalten werden konnten:Denn nach dem Lüften des Topfesschoss der Forscher sofort einige Bilder vonder sensationellen Entdeckung. Anschließendzerfielen die Nudeln an der Luft noch vorseinen Augen zu Staub.Wie die Wissenschaftler bei Untersuchungender Überreste herausfanden, bestanden dieUr-Nudeln, die an die in China noch immergebräuchlichen La-Mian-Nudeln erinnerten,nicht aus Hartweizen wie die heutigen, sondernaus Mehl von Kolben- und Rispenhirse.Das „Pompeji“ ChinasDas Forscherteam geht zudem davon aus,dass zwei schnell aufeinanderfolgende Naturkatastrophen– ein verheerendes Erdbebenund eine ebenso zerstörerische Flutwelle - dieSiedlung in Lajia zerstörten. Die Menschen im„Pompeji Chinas“ wurden von den Naturereignissenquasi beim Mittagessen überraschtund konnten sich nicht mehr rechtzeitig inSicherheit bringen. Darauf deuten unteranderem einige in abnormen Stellungenentdeckte menschliche Skelette in Lajia hin.Doch trotz all dieser Erkenntnisse sind längstnoch nicht alle Rätsel um die Steinzeit-Pastagelöst. Warum waren die Nudeln mehr als50 Zentimeter lang? Wie wurden sie zubereitet?Handelt es sich dabei um Hausmannskostoder ein Festtagsessen? Auf diese Fragenmüssen die Wissenschaftler um HouyuanLu erst noch Antworten fi nden.Schwarzpulver, Feuerwerk und RaketenHandwerk mit langer TraditionEs war ein grandioses Schauspiel, ein überwältigendesLichtermeer, es blitzte, zischteund knallte, dass einem Hören und Sehenverging: Das Mega-Feuerwerk während derEröffnungsfeier der Olympischen Spiele inPeking 2008 setzte Maßstäbe – sowohl wasdie Qualität als auch was den Umfang betrifft.Denn über 30.000 Böller schossen die chinesischenVeranstalter am 8. August 2008 in denSmog-verseuchten Himmel und verzücktendamit die Menschen vor Ort und die MilliardenFernsehzuschauer weltweit. Manche derFeuerwerkskörper waren sogar extra für dieseVeranstaltung entwickelt worden.


07 I 2013 KUNST & KULTUR32Explosive BambusrohreDass gerade ein Feuerwerk den Höhepunktder Veranstaltung bildete, ist keine Überraschung– ganz besonders in China. DennBöller und Raketen haben dort eine langeTradition. Angeblich hat es im Reich derMitte bereits im ersten Jahrhundert nachChristus eine relativ einfache Form vonSchießpulver gegeben. Sie bestand vermutlichaus Kaliumnitrat oder Salpeter,Schwefel und Kohlenstaub und ähnelte damitbereits verblüffend dem berühmtenSchwarzpulver.Ungewöhnlich ist auch, dass in einem um 1330von den mongolischen Herrschern Chinasherausgegebenem Gesetz bei der Aufzählungaller bekannten Waffen weder Pulver nochSchusswaffen genannt werden. MancheForscher vermuten daher, dass die gefährlicheMischung aus 75 Prozent Kaliumnitrat, 15Prozent Holzkohle und zehn Prozent Schwefel,eher zufällig in Arabien entdeckt wurde.Die alten Chinesen füllten mit diesemMix Bambusrohre, warfen sie auf religiösenFesten ins Feuer und ließen esauf diese Wiese schon damals so richtigkrachen. Doch damit war die Experimentierfreudenoch längst nicht befriedigt.Einige Zeit später banden sie dieexplosiven Bambusböller schon an Pfeile undschossen die angezündeten „Raketen“ mitBogen in die Luft.Fliegendes FeuerWas als Spektakel auf religiösen Veranstaltungenseinen Anfang nahm, wurdedann auch für militärische Zwecke genutzt.So setzte die chinesische Armee währendder Schlacht von Kai-Keng im Kampf gegenmongolische Invasoren bereits im Jahr 1232nach Christus einen wahren Regen aus„fliegendem Feuer“ ein. Die Geschosseirritierten nicht nur die Pferde der Angreifer, sieversetzten anscheinend auch die wilden Reiterin Angst und Schrecken. Die mongolischeAttacke jedenfalls, soviel ist sicher, wurdeauch aufgrund der urtümlichen Raketenabgeschmettert.Ur-Raketen und Böller könnten demnach ausChina stammen. Aber was ist mit derErfindung des Schwarzpulvers, die ihnenhäufi g ebenfalls zugeschrieben wird? Da sindsich Archäologen und andere Wissenschaftlernicht einig.Erfinder gesuchtGegen eine Herkunft aus Fernost spricht unteranderem, dass historische chinesischeQuellen, wie das Werk Wu Ching Tsung Yaoaus dem Jahr 1044 nach Christus, zwar vonsalpeterhaltigen Brandsätzen sprechen. Dieälteste erhaltene Kopie dieser Schrift stammtaber nachweislich aus dem 16. Jahrhundertund entsprechende Textstellen könntendaher auch später eingefügt worden sein.Foto: R_by_Lutz Stallknecht_pixelio.deAndere Wissenschaftler dagegen vertretendie Ansicht, dass der „Vater“ des leicht entzündlichenPulvers der FranziskanermönchRoger Bacon gewesen sein könnte. Baconexperimentierte Mitte des 13. Jahrhundertsebenfalls mit den notwendigen Ingredienzenund berichtet in seinem Werk „Opus Majus“1268 nach Christus sogar über eine Nutzungdes Gemisches für Knallkörper.Natrium macht Böller gelbWie dem auch sei: Das Schwarzpulver jedenfallsverbreitete sich seit seiner Erfindungschnell über die ganze Welt und wurde langeZeit nicht nur für Feuerwerkskörper sondernauch als Explosivstoff und Antriebsmittelin Handwaffen und Kanonen eingesetzt.Heute ist der Hype um diesen Explosivstoffweitgehend vorbei. Meist leistet er nur nochbei der Produktion von spektakulärenBöllernund Silvesterraketen gute Dienste.


07 I 2013 KUNST & KULTUR33Die intensiven Farben der explodierendenpyrotechnischen Produkte beruhen dabeiauf der Beimischung von Metallionen.Natriumionen sorgen beispielsweise für gelbesLicht, Kupfer- oder Kobaltionen für blauesund Strontiumionen für rotes.Schreiben, Abklatschen, DruckenAuch die Druckkunst stammt aus FernostEr wurde um das Jahr 1400 in Mainz geborenund sein berühmtestes Werk ist eine Bibel:Johannes Gutenberg gilt bei Vielen nochimmer als Erfinder des Buchdrucks und istbei uns ungeheuer bekannt und populär. Ineiner Zuschauerwahl der besten Deutschenkam er vor einigen Jahren sogar auf Rangacht - noch vor Albert Einstein. Dabei ist Kunstdes Druckens von Büchern nicht in Deutschlandentstanden, sondern erlebte in Chinabereits einige Jahrhunderte vor Gutenberg inder Song-Dynastie (960 bis 1279 nach Christus)eine Blütezeit. Begonnen hatte dort allesmit der Erfi ndung des Papiers vermutlich umdas Jahr 100. Von da an gab es die Möglichkeitwichtige Ereignisse, aber auch Gesetzeund Verordnungen, problemlos schriftlich festzuhalten.Doch wie konnte man diese möglichsteinfach vervielfältigen, ohne sie immerwieder mühsam abschreiben zu müssen?Abklatschen statt DruckenIn China wurde man bei der Suche nach einerLösung für das Problem schon um 175 n. Chr.ansatzweise fündig. Wichtige Texte verewigtenSchreiber zunächst in Steinplatten. Vondiesem Muster erstellte man dann so genannteAbklatsche. Dabei handelte es sich um mithilfevon Tusche erzeugte Papierabdrucke, aufdenen die Schriftzeichen weiß auf dunklemUntergrund zu erkennen waren.Dieses Ur-Druckverfahren wurde anschliessendstetig weiter entwickelt bis es schließlichrund fünf hundert Jahre später von einemHochdruckverfahren, dem so genannten Holztafeldruckabgelöst wurde. Die Technik beschreibtdas Team "Mainz. Gutenberg 2000"auf seiner Internetseite so: „Jedes Zeichenwurde seitenverkehrt in einen Holzstock geschnitten,indem man alles umgebende Holzentfernte. So entstanden erhabene Linien, dieentsprechend eingefärbt und auf Papier abgerieben,in positiver Gestalt den gewünschtenText abfärbten.“ Damit hatten die Chineseneine Möglichkeit gefunden, Bücher, Gesetzestexteoder einfache Zeichnungen problemloszu reproduzieren.Drucken mit beweglichen LetternSelbst der Druck mit beweglichen Lettern warin China schon vor rund 1.000 Jahren ansatzweisebekannt. Als Pionier dieser Technikgilt Bi Sheng, der die dafür notwendigenDruckstempel aus Keramik herstellte. „Umzu drucken, setzte er einen Eisenrahmen aufeine Eisenplatte und ordnete darin die Stempelan. War der Rahmen voll, dann ergab dieseinen Druckstock, den er dann erhitzte, bisdie Paste [an der Rückseite der Lettern] zuschmelzen begann. Mit einem Brett, das er andie Vorderseite drückte, ebnete er die Oberfläche des Druckstocks, damit sie glatt wurdewie geschliffen,“ beschreibt Tsuen Hsuin Tsienin Joseph Needhams Buch „Science andCivilisation in China“, die erstmals von Shengverwendete Technik. Vermutlich aufgrundder Vielzahl der chinesischen Schriftzeichenblieb dieses Verfahren im Reich der Mittejedoch ein Nischenprodukt. Erst im 20.Jahrhundert setzte sich auch hier der Druckmit beweglichen Lettern endgültig durch.Gutenbergs LeistungBuchdruck? Wurde in China erfunden. DerDruck mit beweglichen Lettern? Vermutlichebenfalls. Warum aber ist dann der DeutscheGutenberg noch immer in aller Munde, wennes um das die Druckkunst geht? „Schreibtechnikenzu beherrschen - das war vor Gutenbergein exklusives und überaus teures Handwerk.Nur die wenigsten konnten lesen undschreiben, geschweige denn die wertvollen,weil einzeln kopierten Handschriften kaufen.Gutenbergs Erfindung des Setzkastens unddes Druckstocks hat dieses tradierte Kunsthandwerkdemokratisiert. Übrigens ohnedies ausdrücklich zu wollen“, erklärt JochenHörisch, Professor für Neuere Germanistikund Medienanalyse an der Universität Mannheimin der Zeitung Rheinpfalz. Und weiter:„Gutenbergs Ziel war es vielmehr, besondersschöne Abschriften zu garantieren, also dieschönsten Kopistenleistungen zu überbieten.Eine unscheinbare Erfindung mit gewaltigenWirkungen. Um zu pointieren: ohne Gutenbergkeine Reformation, keine Schulpflicht, keineGoethe-Ausgaben, keine Aufklärung, keinQuelle-Katalog und keine Zeitungen - nichtauszudenken!“Quelle: scinexx - Das Wissensmagazin(www.scinexx.de)


07 I 2013 MITGLIEDER SPEZIAL 34Kooperationstreffen mitVertretern der größtenGold-AbbauregionChinasbeim CIHDBürgermeister Wang Guangyao, Prof. LuanDelegation der Stadt Zhaoyuan zu Gastbeim CIHDAm 8. Mai 2013 veranstaltete die StadtZhaoyuan und der CIHD ein "Kooperationstreffenmit Vertretern der größten Gold-Abbauregion Chinas". Dabei trafen ausgewähltedeutsche Teilnehmer auf eineDelegation der Stadtregierung vonZhaoyuan unter der Führung des Bürgermeistersder Stadt, Herr Wang Guangyao.Die kreisfreie Stadt Zhaoyuan gehört zumVerwaltungsgebiet der bezirksfreien StadtYantai auf der Jiaodong-Halbinsel in derostchinesischen Provinz Shandong, derwirtschaftlich am stärksten entwickeltenProvinz Chinas. Zhaoyuan hat eine Flächevon 1.433 km² und rund 580.000 Einwohner.Zu den Hauptindustrien der Stadt zählenGold, Maschinenbau, Elektronik, Autoteileund Reifen sowie die Lebensmittelproduktion.Im Jahr 2012 konnte die Stadt ein BIP von55,11 Milliarden RMB aufweisen, und hatdamit ein Wirtschaftswachstum von 12,6%erreicht. Die Stadt verfügt über ein hohesEdelmetall-Aufkommen (Gold) und gilt als"die goldene Stadt Chinas". Sie hat diegrößte Goldmine in China und stellt dielandesweit höchste Goldproduktion. Im Jahr1992 investierte die Stadt 130 Mio. RMB, umeine moderne Wirtschaftsentwicklungszonezu errichten. Bisher haben bereits über 110,mit ausländischem Kapital finanzierte,Unternehmen in dieser Stadt Niederlassungenoder Fabriken gegründet.Teilnehmer CIHD-KooperationsforumDas Konzept des Treffens sah ausführlicheInformationsgespräche deutscher Unternehmersowie weiterer ausgewählter Gästeund der Delegation und einen Erfahrungsaustauschim Chinageschäft vor. So traf dievon dem Oberbürgermeister, Herrn WangGuangyao, angeführte Delegation ausZhaoyuan, zu der unter anderem auch FrauHuang Jiying, Leiterin des Amtes für Wirtschaftund Handel der Stadt Zhaoyuan,Herr Xu Qinglin, Direktor des IndustrieparksBinhai der Stadt Zhaoyuan undHerr Wang Liancheng, Leiter der Regierungdes Stadtbezirks Zhangxing von Zhaoyuangehören, auf folgende deutsche Gesprächspartner(Auswahl):- Herrn Dr. Hans-Peter Merz, Leiter derAbteilung International bei IHK Bochum- Reinhold Zimmermann, Geschäftsführerder Zimmermann Investment GmbH & Co.- Vertreter der Firma WAT- Waco-Plast GmbH- GTA Maschinensysteme GmbH- Bochumer Eisenhütte Heintzmann


07 05 I 2013 2011 D MITGLIEDER – WIRTSCHAFT SPEZIAL14 35- Entex Rust & Mitschke GmbH- Hippler Beratung & Vermittlung- RAG Mining Solutions- RKW Architektur & Städdtebau- Hazemag & EPR GmbHAls Vertreter der Wirtschaftsförderung Düsseldorfnahm Frau Elisabeth Inhester an derVeranstaltung teil.Abschließend betrachtet kamen alle Teilnehmerüberein, dass ein direkter Erfahrungsaustauschim kleinen Kreis, so wieihn der CIHD, mit den regelmäßig stattfindenden Kooperationstreffen mit Wirtschaftsdelegationenanbietet, eine gute Grundlagefür ein Networking auf hohem Niveau darstellt.In seiner Eröffnungsrede ging BürgermeisterWang Guangyao auf die Standortvorteile vonZhaoyuan ein, wobei er insbesondere dieverkehrsgünstige Lage der Stadt beschrieb.Darüber hinaus berichtete er über die bereitserfolgreiche Realisation einiger Projekte. HerrSun Huidong vom Amt für Wirtschaft undHandel der Stadt Zhaoyuan stellte den Gästendas Investitionsumfeld der Stadt vor.Im Anschluss an die Vorträge stellte Prof. Luander chinesischen Seite noch einmal imeinzelnen alle Vertreter der teilnehmendendeutschen Unternehmen vor. AnschließendeDiskussionspunkte waren unter anderemder Transfer deutscher Klimatechnik für denEinsatz der Goldmine der Stadt Zhaoyuan.Unterschrift im Gästebuch des CIHDTeilnehmer CIHD-Kooperationsforum mit der Stadt Zhaoyuan


07 I 2013 MITGLIEDER SPEZIAL36Besuch der Shandong Fengyuan GroupCo., Ltd. bei FamousDüsseldorf – Am Mittwoch, dem 15.05.2013besuchte eine Delegation der ShandongFengyuan Group Co., Ltd. die FamousIndustrial Group in Düsseldorf. Vertreten warensowohl Mitglieder der Unternehmensführungals auch Chefi ngenieure. Angeführt wurde dieDelegation von dem General Manager derShandong Fengyuan Yuanhang Logistics &Trade Co., Ltd., Herrn Liu Jinghua.Die Shandong Fengyuan Group hat ihren Sitzin der Pronvinz Shandong und ist als eines dergrößten Bergbauunternehmen in China bekannt.Die Firma verfügt weiter über 20Zweigniederlassungen und beschäftigtmehr als 7000 Mitarbeiter. Das Gesellschaftsvermögender Firma beträgt ca.7,5 Mrd. RMB.Nach der Besichtigung sowie der ausführlichenVorstellung des Unternehmens Famousdiskutierten Herr Liu und der Vize-Geschäftsführerder Famous Industrial Group, HerrZhang Ze, über die Entwicklung der Bergbauindustrie,des chinesischen Marktes, sowieüber mögliche zukünftige Kooperationen.Nach den sehr konstruktiven Gesprächenfreuten sich alle auf ein gemeinsames Abendessen.Nach diesem erfolgreichen Treffen,lud Herr Liu die Famous Industrial Group, zueinem Gegenbesuch bei der ShandongFengyuan Group ein.Ein insgesamt erfolgreicher Besuch, der miteinem gemeinsamen Abendessen abschließ.Shandong Fengyuan Group Co., Ltd.Besuch der Xuzhou Coal Mining Group Co.,Ltd. bei FamousDüsseldorf – Am Mittwoch, dem 23.05.2013besuchten der Chef Ingenieur der ZecheZhangji von Xuzhou Coal Mining Group Co.,Ltd., Herr Ge Yiqun, sein engster Mitarbeiter,Herr Zhuang Houshun und ein Direktor derZeche Sanhejian die Firma Famous IndustrialGroup GmbH in Düsseldorf.Die Xuzhou Coal Mining Group Co., Ltd. hatihren Sitz in der Pronvinz Jiangsu und giltals eines der größten Bergbauunternehmenin China. Die Gruppe verfügt eine jährlicheKohleförderung über 20 Mio. t und beschäftigtmehr als 60.000 Mitarbeiter.Nach der Besichtigung und der Präsentationder Tätigkeitsfelder der Famous IndustrialGroup, informierte sich Herr Ge noch über dielaufenden Projekte von Famous und diskutierteim Anschluss mit dem Vize-Geschäftsführervon Famous, Herrn Zhang Ze, überdie Bergbauindustrie in China, die Problemebei der Kohlegewinnung, eine Aktualisierungder Maschinen sowie über mögliche zukünftigeKooperationen. Der Einladung derFirma WAT folgend, besichtigte die Delegationdas Werk des Unternehmens in Hamminkelnund konnte sich über den aktuellen Standder Arbeiten an den Maschinen informieren.Das gemeinsame Gespräch war eine guteGelegenheit für die Firma WAT, weitereMaschinen und Systeme vorzustellen, an derdie Delegation auch sehr interessiert war.Der anschließende Austausch über die Arbeitder Zeche und eine mögliche Unterstützungaus Deutschland war für beide Seiten sehrinformativ.


07 I 2013 MITGLIEDER SPEZIAL37Herr Ge ist sehr aufgeschlossen für weitereKooperationen und lud die Famous IndustrialGroup zu einem Gegenbesuch bei derXuzhou Coal Mining Group Co., Ltd. ein.Xuzhou Coal Mining Group Co., Ltd.Besuch der China Coal Technology andEngineering Group (CCTEG) bei FamousDüsseldorf – Ebenfalls am Donnerstag, den23.05.2013 besuchte eine Delegation derChina Coal Technology and EngineeringGroup (CCTEG) die Famous Industrial Groupin Düsseldorf. Teilnehmer waren die Mitgliederder Unternehmensführung und Chefingenieure.Angeführt wurde die Delegation vonProf. Luo Yongshun, dem Direktor desShanghai Research Institute der CCTEG.Die CCTEG ist ein Forschungs- und Entwicklungsunternehmen,das in China für dieEntwicklung von besonders umweltschonendenund sicheren Technologien steht. Aktuellhält das Unternehmen bereits über 80 Patentefür seine Eigenentwicklungen im Steinkohlebergbau.Zu den Eigenentwicklungen gehörenunter anderem:• Teilschnittmaschinen• Abbaumaschinen für dünne Flöze• Hydraulik für den Strebbau• Gepanzerte Abbaubandförderer• Emulsionspumpen-Stationen• Feuerfeste Fahrzeuge mit niedrigenAbgasen• Mobile Firsten-Stützen• FördersystemeNach der Besichtigung des Unternehmens sowieeiner Unternehmenspräsentation diskutiertenParteisekretär Prof. Luo und der Vize GeneralManager der Famous Industrial Group,Herr Alexander Zisser, über möglichezukünftige Kooperationen. Diese, für beideSeiten, sehr fruchtbaren Gespräche, wurdenbei einem gemeinsamen Abendessen fortgesetzt.China Coal Technology and Engineering Group (CCTEG)


07 I 2013 MITGLIEDER SPEZIAL 38Der CIHD zu Besuch bei der China CoalTechnology and Engineering Group(CCTEG)Am 29. Mai 2013 besuchten Prof. Luan undHerr Tang Gongnan, General Manager derBeijing Defeima Technology & Trade Co.,Ltd. sowie Herr Liu Jincang, Vize GeneralManager der Beijing Defeima Technology &Trade Co., Ltd. auf Einladung die FirmaCCTEG zu einem Gegenbesuch und einemArbeitsgespräch .Von der Firma CCTEG waren Herr Wu Dezheng,General Manager und stellvertretenderParteisekretär der CCTEG, Herr Xiao Baogui,Vize General Manager derTiandi Science &Technology Corp. und Herr Luo Qingji, VizeDirektor und Parteisekretär des ShanghaiResearch Instituts der CCTEG anwesend.Besuch Prof. Luan bei CCTEGAm 23. Mai war eine Delegation der CCTEGunter Leitung von Prof. Luo Qingji, dem Vize-Direktor des Shanghai Research Instituteder CCTEG zu einem ersten Besuch undzur Information über den CIHD und dieFirma Famous in Düsseldorf. Dieser Gegenbesuchdiente nun dazu, die Kontakte zuvertiefen und um über eine Kooperationnachzudenken.Zunächst bedankte sich Prof. Luo bei derFamous Industrial Group herzlich für denfreundlichen Empfang in Deutschland. Erberichtete, dass er auch schon andereErlebnisse hatte und vor einigen Jahrenschlechte Erfahrungen mit einem anderendeutschen Verhandlungspartner machenmusste. Herr Wu bedankte sich bei Herrn Luanfür die Unterstützung und Hilfe.Herr Luan präsentierte den Anwesendenzunächst die Entwicklungsgeschichte derFamous Industrial Group GmbH. Die FirmaFamous verkaufte in den vergangenen Jahrensehr viele Bergbaumaschinen und -anlagennach China und führte moderne und innovativeBergbautechnik ein. Insbesonderedurch die Verlagerung einer komplettenKokerei mit 7,63 m Koksofen nach China,die durch Famous abgewickelt wurde, hatFamous der chinesischen Bergbautechnikeinen technischen Fortschritt von rund 15Jahren gebracht.Darüber hinaus stellte Herr Luan bei diesemTreffen auch den im Jahr 2002 gegründetenCIHD vor, der mit seinem Wirken für dieguten Beziehungen zur LandesregierungNRW und der chinesischen Botschaft inDeutschland aber auch in China gesorgt hat.Herr Luan informierte über einige enge Kooperationzwischen Famous und diversen deutschenUnternehmen, besonders den Bergbauunternehmenim Ruhrgebiet, wie z.B. dieFírmen Wärme-Austausch-GmbH (WAT) undGTA Maschinensysteme GmbH und erläutertedie Hauptprodukte und das Marktpotentialder beiden Unternehmen. Famous hat mitvielen chinesischen Bergbauunternehmen inden Provinzen Shandong und Anhui Partnerschaftenetabliert.Herr Luan möchte eine Bergbaugesellschaftgründen. Dazu bekunden derzeit bereits fünfdeutsche Bergbauunternehmen Kooperationsabsichten.Außerdem betonte Herr Luan, dasser auch sehr an einer Zusammenarbeit mitCCTEG interessiert ist, um dieses Projekt verwirklichenzu können.Herr Wu stellte die Entwicklungsgeschichteund den aktuellen Stand der CCTEG vor. DieCCTEG wurde 1999, nach der Fusion vonChina Coal Technology Research Institute undChina Coal Design & Research Institute gegründet.Bis zum Jahr 2012 stieg das Gesellschaftsvermögender CCTEG von 34,3 Mrd.RMB auf 35 Mrd. RMB. In China gibt es achtgroße Coal Design & Research Institutes,wovon sechs zu CCTEG gehören.Herr Wu beschrieb die Geschäftsfelder derCCTEG: 1. Bergbaudesign: Fast 70% derProjekte in China werden von der CCTEGausgeführt. 2. Bergbaumaschinen: Für Kohle-Gewinnung, Vortrieb, Transport, Laden,Ausbau, Kontrolle, Kohlewäsche und Kohleverarbeitung.Für diese Bereiche ist dieTiandi Science & Technology Corp. zuständig.Der damit erzielte Umsatz beträgt ca. 30%des Gesamtumsatzes der CCTEG. 3. Bergbausicherheitinkl. Sicherheitstechnik und –anlagen: Der damit erzielte Umsatz beträgt70% - 80% des Gesamtumsatzes der CCTEG.


07 I 2013 MITGLIEDER SPEZIAL39Nach der Firmenpräsentation der CCTEGsprach Herr Wu darüber, dass CCTEG sehrdaran interessiert sei, deutsche Unternehmenzu kaufen, vorausgesetzt, die Anlagen sowiedie dazugehörige Technik sind fortschrittlichund haben Marktpotenzial. Denn manchmalwird der Gewinn beim Vertragsabschluss sehrhoch kalkuliert, aber durch Unwägbarkeitenund höheren Kosten entstehen letztendlichdoch Verluste. Herr Wu führte aus, dassder Technikabstand zwischen Deutschlandund China nicht mehr so groß ist wie früherund dass China in einigen Bereichen sogarbereits über bessere Techniken verfügt.Dies sei auch der Grund dafür, dass chinesischeKunden nicht mehr unbedingt allesin Deutschland kaufen wollen. Herr Wu istdaran interessiert, dass für den Fall, dassCCTEG ein deutsches Unternehmen kauft,Famous sich an dem Unternehmen beteiligt.Herr Luan war sehr beeindruckt von derbewundernswert schnellen Entwicklung derCCTEG. Die Firma Famous selbst hat in denletzten Jahren mehrere Werke, die mit führenderTechnik arbeiten in Europa erworben undnach China verlagert.Herr Luan gibt jedoch aus seinen Erfahrungenzu bedenken, dass der große Kulturunterschiedzwischen den beiden Ländern oft Missverständnissehervorruft, die schnell dazuführen können, dass Verhandlungen scheitern.Sollte es sich ergeben, dass Famous die Vermittlungübernimmt, seien diese Problemejedoch weitestgehend vermeidbar, da Famousüber langjährige Erfahrungen in diesemBereich verfügt. Wenn sich die Möglichkeitbietet, möchte Famous mit CCTEG zusammenein Joint-Venture gründen und unter diesemNamen deutsche Unternehmen kaufen.Dieses Joint Venture wäre eine Möglichkeitkostensparender zu agieren. Sollte es mitCCTEG zu einer Einigung darüber kommen,ist Famous bereit Geld zu investieren undAktionär des vom Joint-Venture gekauftenUnternehmens zu werden.Nach diesen äußerst produktiven Gesprächenwar ein gemeinsames Abendessen sehrwillkommen. Eine gute Gelegenheit, diesePläne intensiver zu diskutieren.Famous zu Besuch bei der China Coal Technology and Engineering Group (CCTEG)


07 I 2013 MITGLIEDER SPEZIAL 40Welches sind die wichtigsten Unternehmereigenschaften?Ethisches Handeln, was automatisch dazuführt, dass man langfristig ein zuverlässigerPartner wird. Beweglichkeit in der Reaktion aufMarktentwicklungen.Was ist Ihre Lieblingstätigkeit, wenn Sie nichtim Dienst sind?Meine große Leidenschaft ist die Seefahrt.Reinhold Zimmermann, GeschäftsführerZimmermann Investment für die Rubrik„Experten nachgefragt“Wann kamen Sie zum ersten Mal in Kontaktmit China?Mein erster Kontakt zu China entstand schonvor 30 Jahren durch eine Geschäftsreisenach Hongkong. Damals war keine Einreisein „Nationalchina“ möglich aber viele Produkteerreichten Hongkong aus China.Gemeinsame Reise im April 2009 mit HerrnProf. Luan. Wir haben u. a. Xi`an, Shanghaiund Kunming besucht – es war eine sehrinteressante Reise an die ich mich gernezurück erinnere.Was verbinden Sie besonders mit China?Mein Sohn Patrick hat 1,5 Jahre in Shanghaigearbeitet. Besonders verbunden mit Chinabin über unser verbundenes Unternehmeneuro delkredere, welches den Herstellernin China über Hermes und oder Zürich eineZahlungsgarantie gibt.Was ist Ihr Motto im Chinageschäft?Chancen der Zusammenarbeit erkennen, vorzubereitenund zu vollenden. Stärken beiderKulturen zum Tragen zu bringen und zum Wohlbeider Parteien das Vorhaben zum Erfolgführen.Welche Stärken hat Ihrer Meinung nachChina?Durch die sehr lange handwerkliche Traditionder chinesischen Kultur, gepaart mit modernerProduktionstechnologie, stellt China bedeutendeKonsumgüter für den Weltmarkt her.Welche Defi zite muss China noch abbauen?Verbesserung in der Kommunikation.Welcher Film hat Sie zuletzt beeindruckt?Cloud Atlas - eine Literaturverfi lmung aus demJahr 2012 nach David Mitchells Roman "DerWolkenatlas". Hier hatte ich die Möglichkeit,bei der Produktion zuzusehen.Welchen Traum würden Sie sich gerneerfüllen?Ich würde gerne selbst einmal einen Filmproduzieren.Was sind Ihre prägenden Eigenschaften?VerlässlichkeitIhre Schwächen?Ich möchte immer alles gleichzeitig machen.Welche Eigenschaften schätzen Sie ammeisten an Ihren Mitmenschen?Handwerkliche PräzisionWo machen Sie am liebsten Urlaub?Auf meiner Motoryacht Be MineWas ist Ihre Lieblingsspeise?Bockwurst mit KartoffelsalatWie halten Sie sich fi t?Ich trainiere regelmäßig mindestens 3 x in derWoche.Wer ist Ihr Vorbild?Helmut SchmidtWelches Ereignis hat Sie zuletzt gefesselt?Besonders beeindruckt hat mich die Landungder Sonde Curiosity auf dem Mars und dieBilder im August 2012.Welche Sofortmaßnahmen würden Sie umsetzen,wenn Sie Bundeskanzler wären?Einen Mehrgenerationenrat gründen, wo dasWissen, die Erfahrung und Können mit denjüngeren Generationen ausgetauscht werdenkann.


04 I 2013 IN EIGENER SACHE 41Unsere SchwerpunkteDie Mehrzahl der deutschen CIHD Mitgliedersind mittelständische Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen.Etwa die Hälfte ist im BereichMaschinen- und Anlagenbau inklusiveBergbau angesiedelt. Ein Drittel der Mitgliederverteilt sich auf den Dienstleistungssektor,wobei die Rechts-, Steuerberatung und Wirtschaftsprüfungdie größte Gruppe stellt. Auchdie Redaktion des CIHD Magazins orientiertsich an diesem Profi l. Unser Ziel ist es, Informationenbedarfsorientiert zu selektierenund an Sie weiterzugeben. Den vom CIHDorganisierten regelmäßigen Veranstaltungenstehen externe Referenten und Experten zurSeite, die einen regen Erfahrungs- und Informationsaustauschgewährleisten. Somit wirddas Netzwerk der Mitglieder untereinander gefördertund intensiviert.Für Fragen und Anregungen stehen wir Ihnenselbstverständlich jederzeit zur Verfügung.Leistungsangebot des CIHDUnseren Mitgliedern stehen insbesonderefolgende Leistungen zur Verfügung:• Informations- und Beratungsdienste• Zweimonatliche Publikation des CIHDMagazins• Recherche und Marktsondierung• Veröffentlichung von Projektgesuchen undProjektangeboten• Vermittlung von Investoren aus China• Kooperationsbegleitung• Regelmäßige Veranstaltungen mit themenbezogenemErfahrungsaustauschIhr Ansprechpartner:CIHD e.V.,Zülpicher Strasse 540459 DüsseldorfTel.: 0211 500 81 30Fax: 0211 500 81 31Email: info@cihd.deInternet. www.cihd.deCIHD Mitglieder nach Branchen4% 2%MaschinenbauAnlagenbau9%11%26%DienstleistungBergbauindustrielle Zulieferer15%24%9%Rechts- und SteuerberatungKunsthandwerkChemie


Präsidiumsmitglieder CIHDEhrenpräsident: Canrong MaGesandter und bevollmächtigterChinesischer Botschafter in Deutschland a. D.Vizepräsident: Dr.-jur. Matthias MitscherlichVorstandsvorsitzender a. D.MAN Ferrostaal AG (2002-2010) FerrostaalVorstandsvorsitzender a. D.Athens International Airport S.A.Präsident: Prof.-Ing. Wolfgang LuanGeschäftsführender GesellschafterFAMOUS Holding GmbH & Co. KG, GermanyVizepräsident: Yi LiuGeneral Manager AssistantState Development & Investment Corporation (SDIC)VorstandvorsitzenderSDIC Xinji Energy Co., Ltd. (börsennotierte AG)


Kuratorium (Beirat)In alphabetischer ReihenfolgeChangsen BuVorstandsvorsitzenderShandong Energy Group Co., Ltd.Dr. Jochen PleinesDirektorLandesspracheninstitut in derRuhr-Universität Bochum (LSI)Rongping CaoGeneral ManagerWanbei Coal-Electricity Group Co., Ltd.Dr. Ottilie ScholzOberbürgermeisterinStadt BochumHelmut DiegelHauptgeschäftsführerIHK Mittleres Ruhrgebiet, BochumZhiyuan TaoVorstandsvorsitzenderShandong Fengyuan Group CorporationLimitedDirk ElbersOberbürgermeisterLandeshauptstadt DüsseldorfMingsheng WangVorstandsvorsitzenderHuaibei Coal and Mining Group Co., Ltd.Dr. Gerhard EschenbaumStellvertr. HauptgeschäftsführerIHK DüsseldorfPetra WassnerGeschäftsführerinNRW.INVEST GmbHYouling LiGeneral ManagerKunming Iron & Steel Holding CorporationReinhold ZimmermannGeschäftsführerZimmermann Investment GmbH & Co. KGDr. Hans-Peter MerzLeiter InternationalIHK Mittleres Ruhrgebiet, Bochum

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