report 2010 - Stark macher

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Glocalcityreport 2010


impressumHerausgeber: Fokolar-Bewegung Solingen e.V.,Wupperstraße 120, 42651 SolingenInternetseite: www.fokolar-bewegung.deRedaktion: Andrea Fleming, Münchenc/o Starkmacher e.V. Geschäftsstelle MannheimProjektleiter: Mathias KapsSeckenheimer Hauptstraße 72 68239 MannheimTel. +49 (0) 621 49602693ÜbersetzunginsEnglische: Steve Britt, KölnGrafik: Miriam Lochner, 11gen Intermedia Design, FriedbergFotos: Johannes Epping, Mathias Kaps, Johanna Flegel, LydiaSchwake, Anja Zillekens, Jugendliche aus Kolumbien,Ungarn und RumänienDruck: FlyerAlarm, WürzburgAlle Rechte vorbehalten. Nachdruck sowie elektronische Verarbeitung undVerbreitung nur mit Genehmigung des Herausgebers und Quellennachweis.Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortungfür den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für dieweitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben


GlocalcitySozial-gesellschaftlicher AUSTAUSchzwischen Jugendlichen aus 10 Ländern10 Jugendorganisationenverschiedener Länder habensich im Projekt „Glocalcity“zusammen getan. Ziel ist es,Erkenntnisse, Know How undKontakte untereinander auszutauschenund Synergieeffektefür eine verbesserte Qualitätder eigenen Arbeit zu nutzen.Die Stadt als Lebensraum des Menschenhat beim Projekt „Glocalcity“ eineentscheidende Bedeutung: 60% derWeltbevölke rung lebt in Städten. Städtehaben eine entscheidende Rolle in der Entwicklungunserer Gesellschaft: Hier begegnensich Menschen unterschiedlicher Kulturhintergründe,verschiedener sozialer Schichten,tragen ihre Konflikte aus, sind mit Fremdemund gut Vertrautem konfrontiert. UnsereStädte bilden den Hintergrund, auf demMenschen sich messen, sich entwickelnund heranreifen.Das Projekt hat drei Phasen:Jugendliche in 10 verschiedenenLändern beginnen auf lokaler undregionaler Ebene, sich über die besonderenHerausforderungen ihrer eigenenStädte bewusst zu werden undentwickeln kleine Mikroprojekte, umLebensbedingungen zu verbessern,interkulturellen Austausch zu fördernund sozial aktiv zu werden.Vom 14. Juli bis 02. August 2010 trafensich die etwa 50 Jugendlichen allerPartnerländer (5 aus Europa, 5 ausSüdamerika), in Brasilien.Knapp drei Wochen lang hatten sieZeit, einander kennen zu lernen, dieeigenen Projekte, die sie im letztenJahr entwickelt und durchgeführthatten, vorzustellen und Einblick inverschiedene Sozialprojekte in Brasilienzu bekommen.Dritte Phase war dann ein gemeinsamerAbschluss-Kongress, zu demalle Teilnehmer in Santa Maria (Recife)zusammen kamen, bei dem manErgebnisse und Erfahrungen zusammentrug und Perspektiven für dieZukunft erarbeitete.


Think global -– act local!In der ersten Projektphase ging es darum,dass Jugendliche eines Landes, einer Region lokal aktiv werden für dasZusammenleben in ihrem persönlichen Lebensumfeld, einen Beitrag zurMitgestaltung ihres Lebensraums leisten.Aus den Beiträgen der verschiedenen Länder hier einige BeispieleIn dem von vielen sozialen Missständen gebeuteltenLand lag der Schwerpunkt der Jugendlichen imGlocalcity-Projekt auf der Arbeit mit Obdach losenund StrAssenkindern. Mehr als materielle Hilfe hathier die menschliche Zuwendung und gemeinsamverbrachte Zeit Wirkung für alle Beteiligten gezeigt.Kolumbien


UngarnJungen Menschen die Bedeutung eines nachhaltigenund ökologisch verträglichen Lebensstilsvermitteln – darauf hatten die Jugendlichen inUngarn sich konzentriert. Sie zogen los, um öffentlichesGelände und Parkanlagen zu pflegen und einigeParkbänke für die Allgemeinheit zu renovieren.Die mangelnde Kommunikation zwischen den Generationenund die Isolation von Senioren in eigenen Einrichtungenwar der Schwerpunkt der rumänischen Jugendlichen.RumanienDie Jugendlichen aus Deutschland möchten in einer Art „Video-Wanderausstellung“auf lokale, regionale und internationale Bedürfnisseund Initiativen zum Thema „GegenLeistung“ aufmerksam machen. Dazuwerden Video-Interviews geführt und zu Clips montiert,auf Stellwänden Aktionen und Initiativen vorgestelltund abschließende Themenabende mit Vertreternaus Politik, den Medien und Jugendlichen organisiert.Thematisch geht es um den Beitrag jedes Einzelnenzu einem guten Zusammenleben innerhalb der eigenenStadt, zur Unterstützung Bedürftiger und zu gelungenerIntegration von Randgruppen. Dazu möchten dieJugendlichen die durch „Glocalcity“ geknüpften Netzwerkenutzen und ermutigende Beispiele für sozialesund gesellschaftliches Engagement ins Licht rücken.Deutschland


Auf nachBrasilien!Aus 10 Ländern machen sich schließlich knapp 50 Jugendliche aufden Weg und treffen sich in Brasilien. Zum Teil haben sie vorher schonintensiven Kontakt miteinander aufgebaut, zum Teil lernen sie sich aberauch durch die Fahrt erst kennen. Von Anfang an prägt große Fröhlichkeitund Neugier aber auch eine große Ernsthaftigkeit und ein ausgeprägtesVerantwortungsbewusstsein das internationale Miteinander.Michael„Ich hatte keine Zeit, mich groß auf diese Reisevorzubereiten. Aber so war ich total offen undhab mir eigentlich gar nichts erwartet.Ich wollte mich einfach auf alles einlassen,was kommt. Schon nach kurzer Zeit hatten wirden Eindruck, uns schon gut zu kennen!Die Sprache war da kein Hinderdnis, dennWorte sind nur eine Art, zu kommunizieren,es gibt noch viele andere! “DeutschlandUngarn, Litauen, Rumänien, Italien, Deutschland,Brasilien, Argentinien, Kolumbien, Paraguay, Uruguay


Talita„Ich besuche an der Uni keineLehrveranstaltungen mehr undwollte mit meiner Zeit etwasKonkretes machen. Mit denLeuten zu reden und eine schöneZeit zu haben reichte mirnicht, ich wollte mehr machen,mich enga gieren. Und es istnicht nur das Helfen, ich kannauch eine Menge lernen vonden anderen Jugendlichen, vonden Projekten.“BrasilienCamiLoEmilia„Diese Reise ist ein einzigartiges Erlebnis!Ich bin total überwältigt, von der Freundlichkeitund Offenheit, die uns überall entgegenkommt! Jede Begegnung und alles, was ichhier erlebe ist ein Geschenk und ich möchteso viel wie möglich anderen zu Hause davonweitergeben!“Argentinien„Eigentlich bin ich mit dem Gedanken nach Brasilien geflogen,eine neue Kultur kennen zu lernen. Der soziale Aspektund die Projekte haben mich nicht so sehr interessiert, daskenne ich aus meinem Land auch, zum Teil ist dort die Armutauch noch krasser. Aber ich hatte mich solchen Vierteln bisherauch noch nicht genähert. Durch die Begegnung mit denKindern hier ist mir das alles sehr nahe gegangen. Durchsie habe ich viel gelernt, ich habe hinter jedem von ihneneine eigene Welt entdeckt, die sie selbst oft gar nicht ausdrückenkönnen. Mein Interesse für diese Kinder ist für sieAnsporn, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und gegendie Armut zu kämpfen, das wurde mir hier erst bewusst!“Kolumbien


Sehen LernenAnpackenSozial aktiv und kommunikativ in BrasilienEin Projekt für Kinder und Jugendlichein der Nähe von Sao Paolomit Hausaufgabenbetreuung undFreizeitgestaltung, um dem Problemder Drogen und des Sex unterMinderjährigen entgegen zu wirken.Angeboten werden dort unter anderemInformatikunterricht, Tanzkurse,Sport, Musik, auch um die Arbeitsmöglichkeitender Jugendlichen zuverbessern.Für die Kinder der Nachbarschaftgibt es einen Kindergarten mit Vorschule.In das Projekt werden auch dieEltern der Kinder einbezogen, um dieNachbarschaft im Viertel zu stärkenund schwierige familiäre Situationenauffangen zu können.Die Jugendlichen des Glocalcity-Projekteshaben zwei Wochen in dieserInitiative mitgearbeitet.Sie machten zusätzliche Angebotewie einen Marathonlauf, eine Schnitzeljagd,Theaterspiel …Einige machten sich daran,Teile der Außenfassade undder Räumlichkeiten für denSchulunterricht neu zustreichen.JardimMargaridaSao PaoloFür Fußball braucht es keine Dolmetscher - die Mannschaften wurden jeden Tag größer...


Persönliche Zuwendung ist wichtig - ein Kinderlachenist der schönste Lohn!Bairro do CarmoSao PaoloNach der Sklavenbefreiung entstanden in Brasilien Dörfer wie der Bairrodo Carmo, in denen sich die ehemaligen Sklaven zu ihrer Sicherheit zusammenschlossen.Bis heute sind diese Viertel von großen sozialen Schwierigkeitengeprägt. Um die Situation der Einwohner zu verbessern, entstand aufInitiative der Fokolar-Bewegung eine Bäckerei und ein kleiner Dorfladen.In der Bäckerei können einige Mütter arbeiten und einen Beruf erlernen. Durch dieVersorgung mit den notwendigsten Gütern im Ort sparen sich die Einwohner denlangen Weg in die Stadt. Das spart Zeit, die mit der Familie verbracht werden kann.Außerdem werden Häuser gebaut, um die Wohnverhältnisse zu verbessern.Die Jugendlichen konnten in den verschiedenen Projekten am Ort mitarbeiten. Außerdemorganisierten sie Fußballspiele für etwa 40 Kinder. Eine weitere Gruppe strich dieAußenfassade der Schneiderei, wobei sie die Kinder aus der Nachbarschaft mit einbezogen,die gerade Ferien hatten. Da es nicht für alle Kinder Arbeit gab, beganneneinige, den Müll rund um die Werkstätten einzusammeln. Bald wurde in dieseAktion die gesamte Nachbarschaft und alle Straßen des Dorfes mit einbezogen.Mit einfachen Bastelideen konntenviele Kinder einbezogen und die Schulegeschmückt werden.Santa MariaInsel Santa Teresina (Recife)Sozialprojekt auf derInsel „Santa Teresina“mit einer ganztägig besetztenSozialstation, mitFreizeit- und Bildungsangeboten fürKinder und Jugendliche, Kindergarten,Schule und zahlreichen Aktivitäten,um den Bewohnern zu ermöglichen,von der eigenen Arbeit leben zukönnen. Hier konnten Jugendlichein der Arbeit mit den Kindernmitarbeiten und waren zum Teildas erste Mal mit so konkreter undsichtbarer Armut konfrontiert.Siedlung der Fokolar-Bewegung„Mariapoli Ginetta“(Recife)Die Siedlung unterhält verschiedenekleine Werkstätten und soziale Initiativen, indie einige Jugendliche mit einbezogenwerden konnten. Zum Teil konnten siebei einfachen Renovierungsarbeitenmit Hand anlegen oder auch in kleinenWerkstätten in verschiedenen Bereichenvon Kunstgewerbe mitarbeiten. Unteranderem waren sie in der kleinen Werkstatt„La Strada“ aktiv, in der Taschen ausrecyceltem Material hergestellt werden.Hier haben auch Jugendliche, die vorherauf der Straße gelebt und Drogenkonsumiert haben, die Chance zu einemNeuanfang.Für die Jugendlichem aus dem Glocalcity-Projektwar das ein einschneidendesErlebnis. Sie sahen es als Zeichender Hoffnung, dass auch kleine Zeichender Zuwendung und der Sorge für Bedürftigegroße Wirkung haben können.„La strada“ schafft es, das Leben vonMenschen zum Positiven zu wendenund einen echten Neuanfang zuermöglichen.


feedbackVon den beteiligten Jugendlichen kamen begeisterteund zum Teil bewegende Rückmeldungen überdie Möglichkeit der MitarbeitNataliaEs ist das erste Mal, dass so viele Jugendliche aus verschiedenenLändern hierher kommen und sich für unsere Arbeitinteressieren. Wir sind beeindruckt, wie viel ihr hinter euchgelassen habt, um hierher zu kommen. Jetzt diskutieren wirdarüber, was wir hier vor Ort noch verbessern können.Es ist ein tolles Gefühl, Eure Anerkennung für diesen Einsatzzu spüren!brasilienPakotIch hatte jede Menge Schwierigkeiten, bevor ichhierher kam: zu Hause, mit dem Studium... Als ichdann hier ankam und auf der Insel Santa Teresinamitgearbeitet habe, wurde mir bewusst, wie kleinmeine Probleme sind, im Vergleich zu dem, wasdie Kinder dort leben müssen... Ich kam mir totalohnmächtig vor. In den zwei Wochen, in denen wirdort mitarbeiten konnten, wurde ich dann reich beschenkt:So viele frohe Blicke, Umarmungen... Jetztfühle ich mich gestärkt und ermutigt und würde amliebsten meinen Rückreisetermin nach Rumänienverschieben...RumänienJohannaDurch die Arbeit mit den Kindernund Jugendlichen wurde mir erneutbewusst, wie wertvoll das Leben ist.Ich studiere Sozialpädagogik undhabe durch das Projekt verstanden,dass ich den richtigen Weg gehe.Gerade die kulturellen Verschiedenheitenhaben mich sehr bereichertund gestärkt.Ich gehe mit vielen neuen Impulsenund Ideen in meine Heimatstadtzurück. Zudem hoffe ich, dass dieGesellschaft hier in Deutschland dasLeben mehr schätzen lernt.Deutschland


Abschlusskongress


Der Abschlusskongress in derFokolar-Siedlung St. Mariain Igarassu in der Nähe vonRecife war dann die Gelegenheitfür alle TeilnehmerInnen,Bilanz über die drei Wochenzu ziehen.Dazu waren nicht nur alle Teilnehmerdes Projektes eingeladen, sondern auchdie Partner der Sozialprojekte vor Ortund mehr als 100 Jugendliche aus ganzBrasilien sowie interessierte Bürger derUmgebung. Unter anderem waren einigeErzieher und Jugendliche aus demSozialprojekt der Insel Santa Teresinadabei, die sehr interessiert zugehörtund sich auch mit eigenen Erfahrungenin den internationalen Austauscheingebracht haben.In den zwei Tagen begegneten sichdie beiden Gruppen, die in San Paolound in Recife gewesen waren, zumersten Mal. Es war Gelegenheit, einanderpersönlich kennen zu lernen,die kulturellen Hintergründe der 10Ländergruppen näher zu beleuchten,eigene nationale Projekte vorzustellenund sich über die Erfahrungen in Brasilienauszutauschen. Gerade der Bedarfnach persönlichem Austausch unterden Jugendlichen war sehr groß unddie Zeit dafür fast zu knapp.


Abschlusskongress„Think global – act local“ – diesesbekannte Prinzip wurde im Projekt„Glocalcity“ erweitert: Es geht nichtnur darum, lokal zu handeln, sondern dieCchance zu bekommen, auch globale Auswirkungdes eigenen Tuns erleben zu können.So gestärkt, sollten die Jugendlichenermutigt werden, sich als aktiven undverantwortlichen Teil unserer Gesellschaftzu begreifen und sich ins Gescheheneinzumischen.Jetzt gibt es viele Ideen, wiedieses neu geknüpfte Netzwerkweiter ausgebaut und genutztwerden kann. Die Jugendlichensind hoch motiviert und spinnenschon an einer Fortsetzung derErfahrung im nächsten Jahr ineinem anderen Land mit anderenSchwerpunkten.


partnerLitauenFokoliaru judejimas LietuvojedeutschlandFokolar-BewegungungarnÚj Város AlapítvanyItalienNew HumanityRumänienAsociatia MariapolisKolumbienJardin FelizPARAGUAyUniparbrasilienFamilías em SolidariedadeUruguayComunión Para elDesarrollo SocialArgentinienMovimiento de los FocolaresDas Projekt Glocalcity wurde unterstützt aus Mittelnder Europäischen Union im Rahmen des Programms„Jugend in Aktion“. Mit Hilfe des Programms möchtedie EU Bürger sinn, Solidarität und zivilgesellschaftlichesEngagement unter jungen Menschen stärkenund ihnen zu mehr Mobilität und Zusammen arbeitin Europa verhelfen. Mit der Aktion 3.2. werdenTrainings- und Vernetzungsprojekte mit Partnerländernweltweit gefördert. Damit will die EU für einbesseres, grenzüberschreitendes Verständnis derMenschen untereinander sorgen. Diese Möglichkeithat „Glocalcity“ genutzt und fünf Länder Europas mitfünf Ländern Südamerikas in Kontakt gebracht.


oktober 2010

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