Schule „bildet“ Gemeinde - Kirche für morgen

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Schule „bildet“ Gemeinde - Kirche für morgen

2Editorial & InhaltsverzeichnisLiebe Leserinnen und Leser,das Thema Schule betrifftalle: Die einen verbringendort als Schüler ihre Vormittageund immer mehr Nachmittage,die anderen stehenjenseits des Pults und sindauch nicht immer glücklich.Noch mehr erleben Schuleaus Elternsicht und stöhnen darüber, wie anstrengenddas ist. Deshalb sind wieder anderefroh, dass ihre Kinder durch die Schule „durch“sind. Möglicherweise steigen sie aber bei ihrenEnkeln erneut ins Thema ein. Das ThemaSchule lässt uns also eigentlich ein Leben langnicht mehr los.Wir haben uns gefragt, wie Schule und Gemeindenoch mehr ineinander greifen können.Schule befindet sich ja mehr denn je im Wandel.Jugendliche verbringen dort immer mehrZeit, die sie sonst vielleicht in der kirchlichenJugendarbeit verbracht hätten.Kirche kommt nicht mehr daran vorbei, dieSchule als wichtigen Lebensort eines großenTeils ihrer Gemeindeglieder zu verstehen undsich mit den Geschehnissen und Prozessendort auseinanderzusetzen.Wie dies geschehen kann, stellen wir in verschiedenenBeiträgen vor, so z. B. auf Seite 12und Seite 15.Der Aspekt Privatschule wird in „Pro & Contra“auf den Seiten 10 und 11 beleuchtet, und umdie Rolle der Kirche in der Schule der Zukunftgeht es auf Seite 4.Wir wollen mit dieser Ausgabe des Zitronenfaltersdie Bandbreite der Schnittmengen zwischenSchule und Gemeinde darstellen unddazu ermutigen, beide Bereiche nicht längerals voneinander getrennte Themenkomplexewahrzunehmen.Viel Freude beim Lesen wünscht IhnenIhreClaudia BieneckMitglied des Redaktionskreises© ErickN - Fotolia.comWeitere Artikel zum Themafinden Sie auf unserer homepage:www.kirchefuermorgen.deThema: Schule bildet GemeindeEditorial Seite 2Impressum Seite 2Kfm Positionslicht Seite 3Rolle der Kirche in der Schuleder Zukunft Seite 4Schule als Jungbrunnen Seite 6Religionspädagogen alsImpulsgeber für die Gemeinden Seite 8Gemeinde am zweiten Lebensort Seite 9Pro & ContraChristliche Privatschule Seite 10BausteineSchulseelsorge Seite 12Lebensweltgemeinden Seite 14Schülermentorenprogramm Seite 15Schulporträt Firstwaldgymnasium Seite 16Mütter in Kontakt Seite 18Synode aktuellNicht nur nachdenken –sondern auch mal vordenken! Seite 19Zu guter Letzt Seite 20ImpressumDer Zitronenfalter wird herausgegeben vonKirche für morgen e.V., Am Auchtberg 1, 72202 NagoldFon: 0700-36693669 Fax: 07071 959 356info@kirchefuermorgen.de, www.kirchefuermorgen.deErscheinungsweise3 x jährlich. Bestellung (auch weitere Exemplare) bei derGeschäftsstelle. Die Zusendung ist kostenlos.BankverbindungEKK Stuttgart, BLZ 520 604 10, Konto 419 435Wir danken allen, die durch ihre Spende die kostenloseWeitergabe des Zitronenfalters ermöglichen.RedaktionsteamMarc Stippich, Steinenbronn;Claudia Bieneck, Malmsheim; Pina Gräber-Haag, Gronau;Markus Haag, Gronau; Tabea Hieber, Markgröningen;Dr. Heiko Hörnicke, Stuttgart; Thomas Hofmann-Dieterich,Haigerloch; Cornelia Kohler, Ostfildern; Werner Lindner,Winnenden; Gerhard Müller, Sigmaringen; Johannes Stahl,Eschenbach; Karlfriedrich Schaller, Tübingen.Layout: AlberDESIGN, FilderstadtDruck: Druck + Medien Zipperlen GmbH, DornstadtVersand: Tobias und Magdalene Zipperlen, WeissachRedaktionsadresse: redaktion@kirchefuermorgen.deund über die GeschäftsstelleAnzeigenpreise: lindner-service@gmx.de, FAX: 07195-979759Anzeigenenschluss für die nächste Nummer: 11. 02. 2011Bildnachweis Titel: © carlos Restrepo - Fotolia.comKfm-Positionslicht:Kirche soll „Schule machen“Friedemann Stöffler, Lehrer und Vorsitzender von Kirche für morgen will Brückenbauen zwischen Kirche und Schule. Schüler und Schülerinnen sollen in ihrer „LebensweltSchule“ den reichen Schatz von Kirche und Gemeinde erleben können.Seit der ersten Pisa-Studie im Jahre2000 ist die Schule in aller Munde. Ob esum Integration von Migranten, Mobbing,Gewaltprävention oder Suchtprophylaxe,um die Sicherung des WirtschaftsstandortesDeutschland, islamischen Fundamentalismus,Sexualerziehung oder gleicheBildungschancen für alle geht: dieSchule soll es richten.Sie ist der einzige Ort, an dem man alleKinder und Jugendliche – außerhalb deseigenen Elternhauses – flächendeckendprägen und erziehen kann.Eines der Hauptziele von Kirche für morgenist, dass die Kirche Menschen – inihrer Lebenswelt – erreicht, dazu mussKirche hingehen. Missionale Kirche weißsich von Christus zu den Menschen gesandt.Von daher ist und bleibt die Herausforderungan die Kirche, hier „Schulezu machen“.Die Dimensionen:1. ReligionsunterrichtHier erreicht die Kirche so viele jungeMenschen wie sonst nirgends. Heute istmehr denn je die konfessionelle Kooperationbeim Religionsunterricht gefragt.Ohne Verwischung der Unterschiedemuss und darf Kirche gerade in ihrer KonfessionalitätProfil zeigen ohne dabei dieSchülerinnen und Schüler in konfessionelleGruppen aufzuspalten. Konfessionalitätzeigt sich am Lehrer, nicht amSchüler. Dies schließt auch ein, dassmuslimische Schüler ihren Religionsunterrichtan öffentlichen Schulen in deutscherSprache mit einem vom Staat genehmigtenBildungsplan bekommen.2. SchulseelsorgeSchule braucht nicht nur Streitschlichter,sondern auch Seelsorger. Hauptamtlichewie Pfarrer und Religionslehrer solltenhier von einer Versorgungs- zu einer Beteiligungsstrukturkommen: Schüler werdenähnlich wie bei Streitschlichterndazu ermutigt und ausgebildet, Seelsorgerzu sein. Hier ist die Begleitung der Kirche,der Gemeinden, der Religionslehrer,Schule bildet Gemeindeaber auch der Jugendarbeit besonders gefragt.Neue Modelle der „ganzheitlichenSeelsorge“ müssen entwickelt werden,z.B. für Schüler mit Defiziten an Zuwendungoder mit Verletzungen z.B. durchzerbrochene Familien.3. Kooperation von Gemeinde- undJugendarbeit mit der SchuleImmer mehr Schulen werden Ganztagesschulen.Der Bedarf an betreuter Freizeitgestaltungwächst. Warum nicht hier alsGemeinde eine Jungschar anbieten undeinen ausgebildeten Jugendmitarbeitereinbringen? Warum nicht ökumenischeProjekte für Schulklassen anbieten wie„Kirchenraumerkundung“ oder „Diakoniekennen lernen“?4. Konfessionelle SchulenDie Kirche muss hier Profilzeigen: Ein eigenesevangelisches Profil,das neue Wege gehtmit Integration undAuflösung des klassischendreigliedrigen– vom Ständedenkengeprägten –Schulsystems. Hierkönnen wir noch viel vonder römisch-katholischen Kirchelernen. Wie zeigen wir an unserenSchulen evangelisches Profil? Wie viel istdie Kirche bereit, in evangelische Schulenund evangelische Bildung personell undfinanziell zu investieren?Evangelische Bildung war von Anfang anfür die Kirche – gerade für die evangelische– ein sehr hohes Gut. Dieses gilt eszu nutzen und auszubauen und hier in dieZukunft unserer Jugend, unserer Gesellschaftund letztlich auch unserer Kirchezu investieren.Friedemann Stöffler,Vorsitzender vonKirche für morgen e.V.Missionale Kircheweiß sich vonChristus zuden Menschengesandt.Konfessionalitätzeigt sich amLehrer, nichtam Schüler.3


Schule bildet GemeindeWelche Rolle haben Kirche und Gemeindein der Schule der Zukunft?© .shock - Fotolia.comWer über Kirche und Gemeinde von morgen nachdenkt, darf nicht bei Finanz- oderStrukturfragen beginnen, sondern muss nach dem Auftrag der Kirche fragen.Wir müssendem Lernendas Lebenund dem Lebendas Lernenzurückgeben.Dieser Auftrag – das Evangelium vonJesus Christus in Wort und Tat zu bezeugenund „unter die Menschen zu bringen“– erlaubt uns keinen Rückzug ins Private.Der Auftrag Jesu verweist uns an die Welt.Er stellt uns mitten hinein in unsere aktuellegesellschaftliche Wirklichkeit. Alsprotestantische Kirche mit „volkskirchlicherTradition“ sind wir mit unseren „Lebensäußerungen“an das Gemeinwesengewiesen. Gemeinden als Orte gelebtenund nicht nur veranstalteten Glaubenssind heute gefragt. Der Entwicklung vongemeinwesen- und beziehungsorientiertenGemeindekonzepten sollten wir unsereAufmerksamkeit widmen – nicht um dereigenen Existenz, sondern um der Menschen,um des Lebens, des Evangeliumswillen. Leben kann sich dort entfalten undals bereichernd erlebt werden, wo Teilhabeermöglicht und gelebt wird. Worankönnen wir als Kirche, als Gemeinde vorOrt, Anteil geben? Was haben wir, was wirmit Kindern und Jugendlichen teilen undihnen mitteilen können? Kennen wir denReichtum unserer Kirche und Gemeinde?Als Beschenkte müssen wir uns hoffentlichkein Armutszeugnis ausstellen!Schule mitten im „Dorf“Schule, und selbstverständlich auchder Kindergarten, sind Teil des Gemeinwesens.Die „Schule der Zukunft“ – davonbin ich überzeugt – wird noch viel engermit dem „Sozialraum“ des kommunalenUmfeldes vernetzt sein. Erziehung undBildung setzen verlässliche Beziehungenund vitale Beziehungsnetzwerke voraus.Kinder brauchen einen Kindergarten, eineSchule mitten im „Dorf“. Sie brauchen Erfahrungmit dem realen Leben, Möglichkeitender Teilhabe und des Erprobens.Sie brauchen Begegnungen mit Menschen,die ihnen Orientierung geben.Prof. Martin Weingardt von der PädagogischeHochschule Ludwigsburg formuliertediese Herausforderung einmal so: „Wirmüssen dem Lernen das Leben und demLeben das Lernen zurückgeben!“ Wirbrauchen „Schulen des Lebens“, die vonder Bürgerschaft mitverantwortet wer-den, keine delegierte Erziehungsverantwortung,sondern gemeinsame Verantwortungaller. Im Rahmen des „ImpulsprogrammsBildungsregionen“ werden inBaden-Württemberg, meist auf Landkreisebene,regionale Bildungsnetzwerke vonSchulen sowie ihren möglichen außerschulischen„Bildungspartnern“ initiiert.Als Kirche sind wir an diesen lokalen Prozessenbisher nur punktuell beteiligt. DieFrage nach der Rolle, die wir haben, wirdsich erübrigen, wenn wir bei diesen Vernetzungsprozessenkeine Rolle spielen.„Sprachschule des Glaubens“ –ein Beitrag zur IntegrationGerade in einer religionspluralen Gesellschaftkommt der religiösen Beheimatungund der Sprachfähigkeit in SachenReligion eine besondere gesellschaftlicheBedeutung zu. Wer zur eigenen Glaubensgewissheitgefunden hat, kann dem Mitmenschenmit dem Wahrheitsanspruchseiner Religion mit Respekt und Achtungbegegnen und ins Gespräch kommen.Einen wichtigen Beitrag dazu leistet derReligionsunterricht. Aber auch Bibelgesprächs-und Hauskreise sind Sprachschulendes Glaubens. Integration wirdkein Fremdwort bleiben, wenn wir in unserenGemeinden eine ausgeprägte Kulturder Gastfreundschaft entwickeln.Die Landesverfassung von Baden-Württembergnimmt uns als Kirche in diePflicht, wenn es um den Erziehungs- undBildungsauftrag geht. In Artikel 12, Abs. 2heißt es: „Verantwortliche Träger der Erziehungsind in ihren Bereichen die Eltern,der Staat, die Religionsgemeinschaften,die Gemeinden und die in ihren Bündengegliederte Jugend.“ Das sozialwissenschaftlicheInstitut der EKD legt mit demErgebnis einer Studie noch eins drauf:Den Kirchen wird auch von Nichtkirchenmitgliederneine hohe und breit anerkannteKompetenz im Blick auf Kinder undJugendliche zugeschrieben. Nutzen wirdie Chance und stellen wir uns der Herausforderungeiner Bildungsmitverantwortungim Umfeld der Schule.Kontakte halten,Beziehungen pflegenWenn wir als Kirche und Gemeinde imSozialraum, im Bereich der Kindergärtenund Schulen eine Rolle spielen sollen,dann müssen Kontakte aufgenommenund Beziehungen gepflegt werden. Sinduns als Kirchengemeinderat oder als verantwortlicheJugendmitarbeiterinnen undJugendmitarbeiter der Schulleiter, dieSchulleiterin namentlich oder gar persönlichbekannt? Welche Kooperationsvorschlägefür außerschulische „Lernfelder“könnten wir dem Schulentwicklungsteamder Haupt- oder Werkrealschule in unsererGemeinde machen? Waren die Religionslehrkräfteder örtlichen Schule schon einmalzu einem Abendessen und Austauschüber den Religionsunterricht und dieSchulseelsorge mit dem Kirchengemeinderateingeladen?Gemeinde als Lernort begreifenFür die Entwicklung junger Menschenist die Teilhabe an strukturierten und verlässlichenLebensvollzügen von grundlegenderBedeutung. Schulisches Lernenbraucht mehr konkret erfahrbaren Lebensbezug.Deshalb suchen SchulenPartner und außerschulische Experten,die ihren Schülerinnen und Schülern Erfahrungs-und Lernfelder erschließen. DerLernort Gemeinde ist für das schulischeLernen interessant. Das Evangelische Jugendwerkin Württemberg hat schon vorüber 15 Jahren mit großem Weitblick dasThema „Schule – Jugendarbeit“ aufgegriffenund Qualifizierungsprogramme – wiedas Schülermentorenprogramm oderSchüler-Juniorenprogramm - für Schülerinnenund Schüler aller Schularten entwickelt.Im Rahmen diakonischer Arbeitsfelderkönnen junge Menschen im Rahmeneines Praktikums auch die beglückendeErfahrung machen, gebraucht zu werden.Die christliche Gemeinde mit ihren Aufgaben,den Möglichkeiten der Mitgestaltungund Mitverantwortung ist wichtigesLern- und Erfahrungsfeld. Jugendliche,die sich für die Mitarbeit in der KinderundJugendarbeit gewinnen lassen undeine gute Begleitung erhalten, bekommeneine Talentförderung von unschätzbaremWert. Vom Projektmanagement bis zurfreien Rede reichen die erworbenen Kompetenzen,ganz abgesehen von den theologischen,geistlichen Kenntnissen undFähigkeiten und der Entwicklung ihrer Gesamtpersönlichkeit.Zentrale und glaubwürdigeLebensäußerungen eines christlichenLebens im Glauben bleiben vielenKindern, Jugendlichen und ihren Elternohne die Gemeinde fremd.Persönliche Fürbitte, gegenseitige Hilfeund Unterstützung, Fürsorge für krankeund schwache Menschen, gelebte Vergebung,Chancen zum Neubeginn, Geborgenheitund Zuversicht des Glaubens, Zuspruchdes Segens – die Gemeinde istund bleibt der Ort, an dem dies erlebt underfahren werden kann.Entdecken und öffnen wir unsere Gemeindenals Lernfeld auch im Rahmen derGanztagesschule. Als Kirche in der Welt– auch der Welt der Schule – zeigen wirProfil, indem wir Gesicht zeigen und sozum Du, zu Partnern, zu Wegbegleiterinnenund Wegbegleitern werden.Waren Religionslehrkräfteschoneinmal zu einemAbendessen undAustausch mitdem Kirchengemeinderateingeladen?Werner Baur, Oberkirchenrat mit dem ArbeitsschwerpunktKirche und Bildung, von Hause aus begeisterter Lehrerund Pädagoge, ist der Blick auf die vorhandenen Ressourcen– auch wenn sie sich in „5 Broten und 2 Fischen“ erschöpfen– und unsere Möglichkeiten angesichts Gottesgroßer Verheißungen wichtig.4 5


Schule bildet GemeindeSchule – Jungbrunnen für die GemeindeKirche, Schule, Fürstenhof – die heiligste Lebensform von diesen dreien bietet die Schule.Das meinte der Reformator Philipp Melanchthon. Eine zitronenfrische und berechtigteProvokation findet Gerhard Müller, württembergischer Pfarrer im Schuldienst.Billiger als umden Preis derInkulturation istdas Evangeliumnicht zu haben.Was habenSie heute vonIhren Schülerngelernt?1zitiert nach:Philipp Melanchthon,Grundlegung des gesellschaftlichenLebensin der Schule; in: (ders.)Glaube und Bildung,Texte zum christlichenHumanismus (Lateinisch/Deutsch), Stuttgart 1989(Reclam), S.209„Keine Aufgabe ist Gott so wohlgefälligwie die Erforschung und Verbreitung vonWahrheit und Gerechtigkeit. (…) Deshalbkann kein Zweifel bestehen, dass der Lebensformdes Lehrens und Lernens dasgrößte Wohlgefallen Gottes gilt und dassden Schulen im Blick darauf der Vorrangvor Kirchen und Fürstenhöfen gebührt,weil man in ihnen mit größerem Einsatznach der Wahrheit strebt.“ 1 Der vor 450Jahren verstorbene Melanchthon würdeheute staunen, wie viel von dem, was erals Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeitnoch an der Universität verortet hatte,heute bereits in den Schulen stattfindet.Schule ist ein Lern- und Lebensraum geworden,in dem Schülerinnen und Schülermit Lehrerinnen und Lehrern in ganz verschiedenenZusammenhängen nach Wahrheitund Gerechtigkeit fragen oder in dieLage versetzt werden, diese Fragen zustellen. Da bieten sich in Deutsch Textean, in Geschichte das Dritte Reich oder inErdkunde die Klimaveränderung. Undmanches wird nicht nur mit dem Kopf erlernt,sondern auch mit Herz und Hand erlebt:faires Verhalten im Sport etwa. Auchbei Sozialprojekten in den Schulen findenund geben die Kinder und Jugendlichenihre Antworten nicht nur mit dem Kopf,sondern mit Leib und Seele. Und nicht selten– etwa bei Konflikten oder bei der Notengebung– geht es zwischen Unterrichtendenund Unterrichteten ganz unmittelbarum Wahrheit und Gerechtigkeit.An diesem Lern- und Lebensraum darfdie Kirche durch den Religionsunterrichtteilhaben. An den Fragen nach Wahrheitund Gerechtigkeit, an den kreativen Antwortender Kinder und Jugendlichen, an© Christian Schwier - Fotolia.comihren Bildungsprozessen, an ihren Erfolgenund ihren Misserfolgen, an ihren Konfliktenund Hoffnungen, Erwartungen undIdeen, ihren Sehnsüchten und ihrer Produktivität.Die Aufgabe der InkulturationDiese Teilhabe ist für die Kirche nachmeiner Auffassung von unschätzbaremWert. Denn nirgendwo sonst ist die Kircheso nahe an der Gesellschaft dran. Nirgendwosonst ist die Nahtstelle zwischenbeiden länger: Sowohl was die Anzahl derTeilnehmer am Religionsunterricht angeht,als auch seine Dauer – von Klasse 1bis 13 kommt man auf ca. 1000 Unterrichtsstunden.Vor allem aber treffen nirgendwo sonstdie Fragen nach Wahrheit und Gerechtigkeit,die frohe Botschaft und die biblischenErzählungen so unmittelbar aufPopkultur und Medienwelt wie in den Herzenund Köpfen der Schülerinnen undSchüler. Was dann geschehen muss,nennt man „Inkulturation“.Der Missionar Gerhard Wegener, der fürdie Inuit eine Bibelübersetzung anfertigte,schilderte einmal, welche Umständeihn zu konkreten Schritten der Inkulturationzwangen.Er konnte beim Übersetzen den Ausdruck„Lamm Gottes“ nicht verwenden. Denn dieInuit kannten in ihrer Eiswelt neben Hitze,Wüste und Feigenbäumen auch keineLämmer. Also sprach er statt vom „LammGottes“ vom „kleinen Seehund Gottes“.Der neue Begriff bedeutete aber auch eineinhaltliche Akzentverschiebung: Weil Robbenfür die Inuit in vielerlei Hinsicht die Lebensgrundlagebildeten, wurde Jesus beiihnen sehr viel mehr als Lebensmittel undLebensmittler verstanden. Umgekehrtspielte der Gedanke an ein Opfer(tier) fastkeine Rolle mehr.Billiger als um den Preis der Inkulturationist das Evangelium nicht zu haben.Überall in der Ökumene prägt der Glaubedie Kulturen der Glaubenden.Aber umgekehrt wird eben auch der Glaubedurch die Kultur geprägt.Inkulturation zeigt, wie dynamisch derHeilige Geist die frohe Botschaft in ganzverschiedene Lebenswelten einpflanzt.Die heutige westliche Kultur entwickeltsich rasant und fordert auch von uns Inkulturation.Und unsere Schülerinnen undSchüler sind bei der kulturellen Entwicklung„an vorderster Front“ mit dabei. Siebeherrschen mit Internet und Computerdie neuen Kulturtechniken. Sieentwickeln neue Sprachspiele,sehen die Welt mit Augen, dievon Clips, Apps und Displaysgeschult sind. Wenn es jemandgibt, der uns dabei helfenkann, die biblische Botschaftheute angemessen zu inkulturieren,dann sind sie es. Es ist janichts anderes als Inkulturation,wenn Kinder und Jugendlicheim Religionsunterricht die biblischeBotschaft mit ihrenMitteln zu erfassen suchen.Wenn Kirche davonprofitieren will, muss sievon Kindern und Jugendlichenlernen wollen und Schuleals Lernort für die Gemeindebegreifen.Rückwirkungen und UmkehrungenEs geht letztlich um die biblische Verheißung,dass durch Gottes Geist auchjunge Menschen zu Lehrenden werden:„Eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen…“(Apg. 2,17) heißt es in derPfingstpredigt des Petrus.Darum sind Schule und Religionsunterrichtkeine Nebensachen für die Kirche.Im Gegenteil: Hier werden Bilder neu gedeutetund Worte neu verstanden. Hierwird überlegt und gestritten, gezweifeltund gehofft, wie bei Paulus und seinenGemeinden. Immer schön entlang derSchnittstelle von Kirche und Gesellschaft,froher Botschaft und Lebenswelt.Und zwar in einer Breite, Offenheit und Intensität,wie es sie in unseren Gemeindenselten gibt.Ein früherer Oberkirchenrat soll nach seinenUnterrichtsbesuchen die besuchtenVikare mit der Frage überrascht haben:„Was haben Sie heute von Ihren Schülerngelernt?“Ob er dabei an Inkulturation dachte, weißich nicht. Aber Schule war für ihn keineWissensabfüllstation und Bildung keineEinbahnstraße.Schule ist im Sinne Melanchthons einOrt, der Kirche entscheidend belebt, bildet,entwickelt und sprachfähig macht. Insofernist sie selbst Gemeinde.Gerhard Müller ist evangelischerPfarrer im Schuldienst, unterrichtetan zwei Schulen in katholischer Trägerschaftim Landkreis Sigmaringen.Schule ist einOrt, der Kircheentscheidendbelebt, bildet,entwickelt undsprachfähig6 7macht.


© Rakan - Fotolia.comSchule bildet GemeindeDie Menschen wahrnehmen!Impulse der Religionspädagogikfür die GemeindeGemeindearbeit kann von Fragestellungen und Perspektiven der Religionspädagogikprofitieren. Axel Wiemer fragt besonders nach einem stimmigen Verhältnis von Vermittlungund Aneignung.Wenn solcheBegegnunggelingen soll,müssen die Schülerund Schülerinnengenauso wahr- undernst genommenwerden wie dieInhalte des RU.8Religionspädagogik kann die Gemeindearbeitbefruchten. Damit meine ichnicht nur die Aufnahme von methodischenIdeen aus dem RU (= Religionsunterricht)in der Gemeindearbeit. Es gehtvor allem um Fragestellungen und Perspektiven.Die Menschen wahrnehmenIn der Religionspädagogik ist es unstrittig,dass die Wahrnehmung der Kinderund Jugendlichen entscheidend ist. RUmuss von ihrer Lebenswelt und ihren Fragenausgehen. Natürlich geht es im RUz.B. um die Begegnung mit biblischen Texten.Begegnung heißt aber: Kinder und Jugendlichesollen erkennen können, dassund wie diese Geschichten für sie relevantsind. Das gilt auch und gerade dann, wennfür immer mehr Kinder der RU der ersteKontakt mit biblischen Texten, mit Gebetenund Liedern oder mit Gesprächen überGott ist. Wenn solche Begegnung gelingensoll, müssen die Schüler und Schülerinnengenauso wahr- und ernst genommenwerden wie die Inhalte des RU.Relevanz erkennenWelche Erfahrungen prägen die Kinderund Jugendlichen – welche Erfahrungenstehen hinter z.B. einem biblischen Text?Welche Wahrheiten formuliert der Text –welche Wahrheiten bringen die Kinderund Jugendlichen mit (oder suchen sie!)?Religionspädagogik möchte diese beidenSeiten in Kontakt bringen. Die Erfahrungenund Wahrheiten auf beiden Seitenachten und wertschätzen, das ist dieBasis für guten RU. Da geht es dann nichtnur um die Vermittlung von Inhalten – entscheidendist deren Aneignung durch dieSchüler und Schülerinnen. Wichtig wirdetwas nicht dadurch, dass die Lehrerin eswichtig findet. Wichtig ist, was mich betrifft.Und wie ich das dann ausdrücke,das muss ich selber entdecken.In der GemeindeGemeinde ist, anders als Schule, freiwillig.Über Relevanz muss wenig diskutiertwerden, wenn wir uns – nur von denKonfis gestört – in der Kerngemeindeder Gleichgesinnten sammeln. Aber giltdas Evangelium nicht allen Menschen?Frommen und Unfrommen, Zweiflern undVerzweifelten, Fragenden und Wissenden?Auch solchen, die ganz anders mitder Bibel umgehen als „wir“? Dabei ließesich von der Religionspädagogik einigeslernen.Kurz gesagt: Wenn Menschen die Relevanzdes Glaubens für ihr Leben nicht erkennen,muss das nicht ihre Schuld sein.Es könnte auch daran liegen, dass wir ineiner Weise von der guten Botschaft sprechen,die an ihnen und ihren Fragen vorbeiredet.Relevant ist, was mich betrifft.Werden die Erfahrungen, Überzeugungenund Fragen ganz verschiedener Menschenin unseren Gemeinden geschätzt?Axel Wiemer, Schwäbisch Gmünd,lehrt an der PädagogischenHochschule Evangelische Theologieund Religionspädagogik.Zweit- und Drittgemeinden für alleWer den modernen Alltag ernst nimmt und Christsein nicht nur als Hobby sieht, dermuss Gemeinde mehrdimensional denken, meint Reinhold Krebs, Landesreferentim ejw, und plädiert für die Zweit- und Drittgemeinde.Für meine Oma war die (kirchliche) Weltnoch in Ordnung. Sie war Mesnerin aufdem Land und Bäuerin. Was Soziologenheute als die drei Orte moderner Existenz,als Wohn-, Alltags- und Freizeitort differenzieren,war für sie eine Einheit. Abendsum sechs, beim Abendläuten der vertrautenKirchturmglocke, sprach sie auf demFeld ihr Abendgebet. Ihre Alltagsbeziehungenvor Ort und die Menschen amSonntag waren dieselben. Für die meistenaber ist das heute völlig anders. Den Blickfür unsere moderne Lebenswirklichkeitschärft die soziologische Sichtweise desersten, zweiten und dritten Ortes.Leben an drei verschiedenen OrtenDabei ist der erste Ort unsere Adresse,unser Wohnort. Für junge Familien, für„Alteingesessene“ ist das der wichtigsteOrt, für hochmobile „young urban professionals“dagegen manchmal nur einSchlafplatz. Am zweiten Ort, dem Alltagsort(Arbeit, Schule, Studium), verbringenviele den größten Teil des wöchentlichenZeitbudgets. Darüber hinaus wird der dritteOrt der Freizeitaktivitäten am Abendoder Wochenende wichtig. Denken wir nuran Dauercamper auf Campingplätzen,Kneipen oder Sportgaststätten. ModernesLeben spielt sich an drei Orten ab.Unser Christsein auch?Gemeinde ist organischesNetzwerkFür die Frage nach der Zweit- und Drittgemeindemüssen wir die Denkblockade„Ortsgemeinde“ aufheben. Ekklesia imNT ist viel weiter, hat wenig mit einem heiligenTag und einem heiligen Ort gemein.Die ersten Christen versammelten sichweder am staatlichen Sonntag noch aufDauer in den jüdischen Synagogen. Ekklesiasind im NT die „zwei oder drei versammeltin Jesu Namen“, vor allem aber dieHausgemeinde von 15 bis 40 Personenum den Esstisch. Daneben auch die „Gemeindein Rom“ (die sich als Stadtgemeindeaber so gut wie nie traf!), die „Gemeindein der Provinz“ bis hin zur „ekklesiatou theou“. Ekklesia ist die soziale Ge-Schule bildet Gemeindestalt des Miteinanders von Christen, kleinoder groß, an allen möglichen Orten, organischals „Leib Christi“ verbunden, einintensiv gelebtes Netzwerk. So gedachtwird der Raum frei für Gemeinde an Alltagsortenwie zum Beispiel der Schule.Nicht nur „Sonderpfarrämter“,sondern AlltagsgemeindenAuch Gottesdienst müssen wir neu biblischdefinieren. Gerade wenn Religion beiuns Privatsache ist und Glaube am zweitenund dritten Ort scheinbar nichts verlorenhat. Nach Paulus (Römer 12,1+2)zeichnet es gerade Nachfolger Jesu aus,dass sie nicht ein „kleines Opfer“ zu heiligenZeiten an heiligen Orten darbringen,sondern dass ihre gesamte Existenz einDankopfer ist für Gott. Der einzige „logische“Gottesdienst ist deshalb der360-Grad-Gottesdienst mitten im Alltag.Wie gewinnt dann Ekklesia Gestalt amzweiten und dritten Ort? Sind wir dort nurals Einzelne jeweils „auf Sendung“?Spricht nicht Jesus uns im Plural zu: „Ihrseid das Licht der Welt“? Und wenn, wiegerne gesagt wird, die einzige Bibel, diedie Menschen heute noch lesen, das Lebender Christen ist, was lesen sie dann?Gerade dort, wo sie niemand vermutet, anAlltags- und Freizeitorten kann die GemeindeGottes von Menschen neu gelesenund entdeckt werden.Gut, dass es Sonderpfarrämter gibt, vonden Schaustellern über Binnenschiffer biszum Polizeipfarramt. Doch ist hauptamtlichekirchliche Präsenz an diesen Ortenschon alles? Braucht es nicht neu die Gemeindeauch am zweiten und dritten Ort?Solche Reich Gottes-Zellen sind dann, wiees der Neutestamentler Hans-JoachimEckstein treffend formuliert hat, immer„ganz Kirche, aber nie die ganze Kirche“.Reinhold Krebs, Landesreferent imejw für Jugendgottesdienste,Jugendgemeinden, Jugendkirchen.Gerade dort,wo sie niemandvermutet, anAlltags- undFreizeitortenkann dieGemeindeGottes vonMenschen neugelesen undentdeckt werden.9


Bausteine© Maria Vaorin - photocase.comProjekt Schulseelsorge„Schulseelsorge ist ein durch den christlichen Glauben motiviertes offenes Angebotfür alle Menschen im Lebensraum Schule.“ 1 Wie dies im Schulalltag konkretaussehen kann, berichtet Tabea Hieber, die als Schulseelsorgerin am Hans-Grüninger-Gymnasiumin Markgröningen tätig ist.12Wenn mich jemand ansiehtund sich mit seiner gesamtenAufmerksamkeit mir zuwendet,bekomme ich „Ansehen“.Bepackt mit Büchern und Heften, Ordnernund Mäppchen kommen die Schülerinnenund Schüler am frühen Vormittagan ihrer Schule an. Schwere Taschen baumelnüber den Schultern, viel zu schwereRucksäcke belasten den Rücken. In ihremGepäck schleppen sie aber auch – für andereunsichtbar – andere Lasten mit sichherum. Diese hindern sie oft daran, motiviertund konzentriert den Unterrichtsinhaltenzu folgen. Schulische oder familiäreProbleme, Mobbing und Ausgrenzung,Überforderung oder pubertäre Problemeprägen so manche Schülerbiographie.Was sind die Kernkompetenzen des Lebens?Wie lernen Schüler und Schülerinnenden Alltag mit seinen Herausforderungenzu bestehen? Und wie kann ich alsSchulseelsorgerin sie darin unterstützenund so zu einem gelingenden Schulalltagund Leben beitragen?Diese Fragen beschäftigen mich. Gibt eseinen Leitfaden in meinem Umgang mitden Schülerinnen und Schülern, aberauch mit Kollegen und Kolleginnen, dereiner „Lebenskultur nach dem Evangelium“entspricht?Drei „Urwünsche“ der Menschen leitenmich bei meiner Suche:Individualität –einen Namen habenDas bedeutet, nicht austauschbar zusein und Zuwendung „von Angesicht zuAngesicht“ zu erleben. Wenn mich jemandansieht und sich mit seiner gesamtenAufmerksamkeit mir zuwendet, mirglaubt und darauf vertraut, dass das, wasich erzähle, auch stimmt, bekomme ich„Ansehen“. In der Schulseelsorge bedeutetdas für mich, ganz für die Schülerinnenund Schüler da zu sein. Einen Frei-Raum zu schaffen, in dem ich ihnen zuhöreund in dem sie ohne Leistungsanforde-1 Flyer „Werkstatt Schulseelsorge“2 Paul M. Zulehner, Leibhaftig glauben, Herder Verlag,Freiburg, 1983, S. 20.rung und Bewertungskriterien Menschsein können. Schon allein diese Erfahrungbedeutet für manchen eine Wende.Selbstbestimmung –Macht haben“Wir Menschen wünschen uns, dass wiran der Geschichte unseres Lebens mitschreibenkönnen.“ 2 In der Schulseelsorgemache ich mich gemeinsam mit meinemGesprächspartner auf den Weg, umnach Lösungsmöglichkeiten des Konfliktsoder nach einer Veränderung der schwierigenSituation zu suchen. Wichtig ist mirdabei, dass die Schülerinnen und Schülerdabei selbst schöpferisch tätig sein können,um aus ihren eigenen Ressourcenheraus eine Veränderung anzugehen.Dazugehören –beheimatet seinSchülerinnen und Schüler möchten dazugehören,sei es in ihrer Klasse oder inder Schulgemeinschaft. Sie möchtenWurzeln schlagen können. Dazu brauchtes den entsprechenden Boden, eine Kultur,die dies fördert. Eine Sensibilisierungder gesamten Schulgemeinschaft ist notwendig,um Missachtung, Ausgrenzungund den Verlust der Würde durch Verleumdungund Mobbing früh zu erkennenund zu beheben. Maßstäbe und Orientierungim Umgang miteinander sollen auchdurch die Angebote der Schulseelsorgegegeben werden.Schulseelsorge konkretDer „Raum der Stille“, ein wöchentlichesAngebot in der Mittagspause, ist ein leistungsfreierRaum, in dem man einfachda sein kann und dazu gehört. Nacheinem kleinen Impuls zum Ankommenhaben die Schülerinnen und Schüler dieMöglichkeit, sich zu entspannen, auszuruhenoder sich leise zu beschäftigen.Meditative Musik im Hintergrundunterstützt dies.GesprächsangeboteNach der Kontaktaufnahme, die meistdurch die Schülerinnen und Schüler erfolgt,findet ein Gespräch über die persönlicheSituation statt. Bei manchen isteine Begleitung über einen längerenZeitraum erforderlich. In Situationen, dieüber meine Kompetenz hinausgehen,vermittle ich an die entsprechenden professionellenBeratungsstellen.SchulgottesdiensteSeit vielen Jahren gehören Schulgottesdienstezu unserem Schulalltag. Sie findenstatt zu Beginn des neuen Schuljahrs,am Buß- und Bettag in Form einesTaizé-Gottesdienstes sowie an Weihnachtenund am Schuljahresende. Gestaltetwerden sie meist von Schülerinnenund Schülern gemeinsam mit ihrenReligionslehrern oder Pfarrern undkönnen zu einer Oase im Schulalltagwerden.VernetzungsmöglichkeitenInnerhalb der SchuleAls Schulseelsorgerin bin ich Teil einesBeratungsnetzwerkes an unserer Schule,zu dem die Verbindungslehrer unddie Beratungslehrerin gehören.Im KirchenbezirkIn unserem Kirchenbezirk Ditzingen findenregelmäßige Treffen der in der Schulseelsorgetätigen Lehrerinnen und Lehrerzum kollegialen Austausch und zurgegenseitigen Unterstützung statt.Darüber hinaus bin ich sehr froh übereine andere Möglichkeit der Vernetzung:All die Lasten, die mir anvertraut werden,muss ich nicht alleine tragen, sondernkann sie im Gebet vor Gott bringen.Das landeskirchliche Projekt Schulseelsorgeläuft noch bis 2011. Seit Projektbeginn2007 wurden Qualifizierungsangebotegeschaffen, wie z. B. „Die WerkstattSchulseelsorge“, in der fachliche und persönlicheUnterstützung angeboten wird.Inzwischen wird die sechste WerkstattSchulseelsorge durchgeführt, in der jeweilsca. zehn Religionslehrerinnen undReligionslehrer qualifiziert wurden. Schulseelsorgeist inzwischen ein in vielenSchulen etabliertes Angebot, das dankbarangenommen wird.Eine Kirche, die die veränderte Lebensweltder Menschen und ihren Auftrag inSeelsorge und Diakonie ernst nimmt, solltesich auch weiter im Lebensraum Schuleengagieren und die entsprechenden Voraussetzungendafür schaffen.Tabea Hieber hofft als Religionslehrerinund Schulseelsorgerin, dass dasProjekt Schulseelsorge eine Zukunfthat.Wir Menschenwünschen uns,dass wir an derGeschichteunseres LebensmitschreibenkönnenDer„Raum der Stille“,ist einleistungsfreierRaum, in demman einfach dasein kann unddazu gehört.13


© PicturenetCorp - Fotolia.comVom Schülerbibelkreis zur Schulgemeinde?Wie lebe ich als Christ an der Schule? Das fragen sich viele – als Lehrerin, Schüler,Jugendarbeiter oder Elternbeirat. Aber vielleicht ist die Frage falsch. „Wie leben wirmiteinander Gemeinde an der Schule?“ fragt Reinhold Krebs, Landesreferent im ejw.Aber warumnicht dennochmiteinanderGemeinde seinund gemeinsam„der Schule Bestes“suchen?BausteineBis heute steht SBK fürSchülerbibelkreis. Wassich wie eine religiöseNeigungsgruppe anhört(neben der Basketball-AG auch eine Bibel-AG)war im Ursprung revolutionär.Und ist es eigentlichbis heute. JungeChristen versammelnsich in ihrem Schulalltagals „junge Gemeinde“und verantwortenihre Treffenselber. Konfessionwird zweitrangig. Gemeinsamwird Nachfolge mittenim Alltag gelebt. Freilich gibt es auch dieandere Realität: manche SBKs sind eherchristliche „Durchhalte-Gruppen“ hinterverschlossenen Türen. Wo aber, wie jetztin der SMD-„Schulbeweger“-Kampagne,eine Reich Gottes-Sicht Einzug hält, könnensie zu „Gemeinde-Satelliten“ an derSchule werden. Dazu ist allerdings notwendig,dass sich alle Christen an derSchule wahrnehmen, wertschätzen undzusammenarbeiten.Wahrnehmen was schon ist...Von Schülerseite her gibt es neben„SBKs“ auch „Pausenspielmentoren“oder „Break Time Action-Gruppen“ mitSpielangeboten in der großen Pause aufdem Schulhof. Daneben existiert der„Prayday“ oder andere Einzelaktionen.Bei Schulgottesdiensten können sichjunge Christen an der Schule einklinken –z.B. mit einer „JuGo-Band" und dem Erfahrungsschatzaus Jugendgottesdiensten.Dann die Elternseite. Viele engagierensich als Christen bewusst an „ihrer Schule“im Elternbeirat. „Mütter in Kontakt“ isteine ganze Gebetsbewegung, bei der lokaleGruppen gezielt einzelne Schulen insGebet nehmen.Die klassische christliche Präsenz ander Schule ist der Religionsunterricht. Hierbringen Lehrende den christlichen Glaubenvon einer anderen Seite her ins Spiel.Darüber hinaus hat sich mit der Schulseelsorgeein weiteres Feld eröffnet und„Räume der Stille“ stehen auf der Wunschlistevon vielen Schulen. Nicht zu vergessendie vielen christlichen Pädagogen, dienicht nur Englisch oder Mathe vermitteln,sondern ihren Beruf bewusst als Christenleben wollen. Gibt es irgendwo so etwaswie ein „Lehrergebetsfrühstück“?Und die Jugendarbeit? Sie begleitetSBKs, führt „Tage der religiösen Orientierung“durch und inzwischen auch an vielenOrten Schülermentoren-Programme.In von Young Life inspirierten Projektenwird Schulkontaktarbeit erprobt, werdenAGs (z.B. eine Band) begleitet, „Streitschlichter-Seminare“angeboten oderHaupt- oder Ehrenamtliche fahren mitnach Taizé oder auf eine Klassenfahrt.Miteinander Gemeinde sein ander SchuleNatürlich sind die Rollen verschiedenbei Lehrenden, Schülerinnen oder Eltern.Und christliche Vernetzung darf nicht ansatzweisenach „Christenverschwörung“riechen. Aber warum nicht dennoch miteinanderGemeinde sein und gemeinsam„der Schule Bestes“ suchen? Warum nichtin einer weltanschaulich offenen und pluralenSchule (die weltanschaulich neutralegab und gibt es nicht!) miteinanderunter einem Reich Gottes-Horizont unsereWerte, und unseren Glauben ins Spielbringen, ob mit oder ohne Worte? Dannkann über Bibelkreise hinaus so etwaswie Gemeinde an der Schule Wirklichkeitwerden.Reinhold Krebs, Landesreferent imejw für Jugendgottesdienste,Jugendgemeinden, JugendkirchenJugendlich, sozial undverantwortungsbewusst –Vision und Programm„Das Schülermentorenprogramm“ (SMP) wird seit Jahren im Auftrag des Kultusministeriumsökumenisch an Schulen in Baden und Württemberg durchgeführt.Fine Dücker, ehemals Referentin für „Jugendarbeit und Schule“ im ejw berichtet.„Suchet der Stadt Bestes“ wirbt der ProphetJeremia und ihm möchte ich michgerne anschließen. Ich träume von einerKirche, die sich so sehr nach einer anderenWelt sehnt, dass sie gar nicht anderskann, als Menschen jetzt schon damit zubeschenken. Als Christen können wir eineKultur prägen, die sich unterscheidet. DerLeitgedanke ist dabei nicht „Was habe ichdavon?“, sondern die im Überfluss begründeteFrage: „Wie kann ich abgeben?“Schüler in ihrer LebenswelterreichenEin oft formuliertes Ziel missionarischerArbeit. In einer sich so drastisch undschnell verändernden Bildungslandschaftmuss nach der Lebenswelt Jugendlichernicht lange gefragt werden. Durch G8 wirddas Gymnasium faktisch zur Ganztagesschule.An keinem anderen Ort werden Jugendlichein Zukunft so viel Zeit verbringen.Diese Veränderungen können wir vonSeiten der Kirche positiv oder negativ bewerten.Den Prozess werden wir dadurchnicht stoppen, wir haben aber die Chance,ihn mit zu gestalten!Ein hervorragendes ModellDas Schülermentorenprogamm (SMP)„Soziale Verantwortung lernen“ beschenktdie Schule mit den Stärken der Jugendarbeit.Mit mittlerweile ca. 1000 ausgebildetenSchülermentoren pro Jahr ist das SMPein langjährig erprobtes und sehr beliebtesProgramm zur Kooperation von Jugendarbeitund Schule. Eine Schülermentorenausbildungbesteht aus drei Modulen:40-stündiger SMP-Grundkurs, 40-stündigesSMP-Praktikum und eintägiger SMP-Spezialkurs. Abgeschlossen wird es miteinem Zertifikat. Die meist auf ein Schuljahrangelegte Ausbildung (als AG oder inder Nachmittagsbetreuung) bietet guteMöglichkeiten, Beziehungen aufzubauenund Schüler langfristig zu begleiten. Gemeinsammit den SMP‘lern kann durchBausteineVorlesenächte für jüngere Schüler, Patenschaftenfür neue Fünftklässler oder Pausenspielangebotedie Atmosphäre einerSchule verändert werden.Wer bildet ausVerantwortliche aus Schule und Jugendarbeitbilden gemeinsam die Leitung.Gerne unterstützt die Schülerinnen- undSchülerarbeit im ejw die SMP-Ausbildervor Ort. Außerdem ist im Sommer 2010ein Buch mit Praxis-Tipps zur Schülermentorenausbildungerschienen:Dücker, Fine; Röber, Franz; Steinestel, Karin(Hg.): Praxishandbuch zur Schülermentoren-Ausbildung„Soziale Verantwortunglernen“ in Kooperation von Jugendarbeitund Schule, Stuttgart: buch & musik, 2010.Weitere Infos: www.schuelermentor.deFine Dücker, 2007-2010 Referentinan der Landesstelle des ejw für denBereich „Jugendarbeit und Schule“.Seit September 2010 arbeitet sie beiWunderwerke e.V. in Essen. Die Menschenaußerhalb von Kirchenmauernund Gemeindehäusern liegen ihr besondersam Herzen.Die Schule mitden Stärken derJugendarbeit.14 15


SchulporträtSchule als Lebens- und ErlebnisraumDas evangelische Firstwald-Gymnasium in Mössingen ist eine von sieben Preisträgerschulendes Deutschen Schulpreises 2010. Es erhielt den Sonderpreis der AkademiefürSchulentwicklung“. Friedemann Stöffler ist Mitglied des Schulleitungsteams unddort zuständig für Schulentwicklung, „Mensch und Medien“ und das evangelischeProfil. Marc Stippich hat ihn nach Erfolgsrezepten für eine „gute Schule“ gefragt.Robert-Bosch-Stiftung, Theodor Barth (5), Max Lautenschläger (1)Foto: Klaus FrankeUnser zentralesAnliegen ist es,dass eineAtmosphäre derGeborgenheitentstehen kann.Mehr Raum zurPersönlichkeitsbildungundwenigerLeistungsdruckLieber Friedemann, herzlichen Glückwunschzur Auszeichnung eurer Schule!Was hat der Jury denn besonders imponiert?Zum einen sind wir eine Schule mit eineralten Internatstradition. Dadurch spürtman bis heute ein größeres Zusammengehörigkeitsgefühlzwischen Schülern undLehrern. Irgendwie sind wir so etwas wieeine große Familie. Ein zweiter Punkt betrifftdie gut strukturierte und gestalteteGanztagesschule mit vielen AGs, offenenAngeboten und Hausaufgabenbetreuung.Und ein dritter Punkt besteht in unserenFormen individueller Förderung, die esuns leichter macht, zum einen Hochbegabte,zum anderen auch Schüler mit Behinderungenin unserer Schule zu integrieren.Auch dass wir ein Gymnasium mitSchreinerei und Schreinermeister sind, istetwas Besonderes. Was die Jury des DeutschenSchulpreises aber besonders überzeugte,waren die Prozesse der Schulentwicklung,die bei uns in den letzten Jahrenangestoßen wurden: Ein ziemlich einmaligesFach „Mensch und Medien“, ein wiedereröffnetes Internat und Aufbaugymnasiumund seit dem letzten Jahr eine neugegründete Grundschule.Wodurch wird das „Evangelische“ derSchule im Schulalltag sichtbar?Natürlich feiern wir zu verschiedenenAnlässen Schulgottesdienste. Dann gibtes einen sehr schönen Raum der Stille.Dort findet eine Morgenandacht statt,dort trifft sich auch der Schülerbibelkreis.Wir arbeiten gerade daran, dass dieserRaum auch darüber hinaus genutzt wird.Bei uns haben alle Schülerinnen undSchüler evangelischen Religionsunterricht.Wir gestalten jedes Jahr mit allenSchülern einen Kreuzweg. Es gibt einenAustausch mit einer Evang. Schule in BeitSahour bei Bethlehem in Kooperation mitdem Mössinger CVJM. Es gibt in Klasse 13für alle Schüler Klostertage, und jedesJahr wird eine Fahrt zum Kirchentag odernach Taizé angeboten. Mindestens einmalim Schulleben nimmt jeder Schüleran einer Sozial-AG teil. Das bedeutet, sichein Jahr lang eine Stunde pro Woche fürandere zu engagieren: in der Kinderkircheoder bei der Hausaufgabenbetreuung, ineiner Jungschar oder als Anleiter bei denJugendfußballern.Wir freuen uns, dass wir Schüler mitganz unterschiedlichen Religionen undWeltanschauungen haben. Es ist unswichtig, hier Toleranz einzuüben. Unserzentrales Anliegen ist es, dass eine Atmosphäreder Geborgenheit entstehen kann,in der alle mit je ihren Stärken und Schwächenangenommen sind.„Jugendarbeit und Schule“ bzw. „Schuleund Gemeinde“ ist eines der großenZukunftsthemen in der Kirche. Was kanndie Schule von Gemeinde und Jugendarbeitlernen? Und was die Jugendarbeitvon eurer preisgekrönten Schule?Ich bin der Meinung, dass die strikte Unterscheidungoder gar Trennung zwischenJugendarbeit und Schule überholt ist. Anunserer Schule haben wir 35 Internatsschüler.Für sie ist Schule selbstverständlichauch Lebens- und Erlebnisraum. Undfür alle anderen gibt es an unserer Ganztagesschuleviele Formen freiwilliger Angebote,wie sie es bisher nur in der Jugendarbeitgab: Spiele und Basteln, Sport, Theater,Schreinerei, Erlebnispädagogik.In der gemeindlichen Jugendarbeit genausowie in der Schule soll es darumgehen, junge Menschen so zu prägen,dass sie sich verantwortungsvoll in unsereGesellschaft einbringen. Wir wollenihnen tragfähige Werte vermitteln, undsie sollen sich mit dem christlichen Glaubenzumindest auseinandersetzen undihn dabei auch erleben können.In beiden Bereichen geht es darum,dass Personen da sind, die Jugendlicheernst nehmen, ihnen Perspektiven für ihrLeben eröffnen. Ich würde mir auch an unsererSchule noch viel mehr Kooperationsformenzwischen Jugendarbeit undSchule wünschen. Die große Stärke der Jugendarbeitsind Personen, die altersmäßigund von den Themen her näher an denJugendlichen dran sind. Wir haben deshalbauch – neben einem Schulseelsorger– FSJ-ler und Zivildienstleistende, Sozialpädagogenund Praktikanten.Die Stärke der Schule liegt ja darin,dass sie junge Menschen mit ganz unterschiedlichenBiographien, sozialenSchichten und Weltanschauungen erreicht.Die Herausforderung für die Gemeindenbestünde darin, diese Mischungin ihren Angeboten und Gruppen für Kinderund Jugendliche auch zu erreichen.Die Herausforderung für die Schule demgegenüberist, neben Lern-Raum auch Lebens-und Erlebnis-Raum zu sein, in derStoffvermittlung und Noten eine geringereRolle spielen und der Einzelne mit seinenTalenten immer mehr gefragt ist.Wenn du einen Wunsch offen hättest, wieSchule sich in Zukunft entwickeln soll, …… dann würde ich versuchen, genau indieser Richtung Schule umzugestalten:Weniger Selektion und mehr Förderung.Mehr Raum zur Persönlichkeitsbildungund weniger Leistungsdruck. Wir wissen,dass jeder in Bildung investierte Euroeine sehr gute Rendite hat. „Keiner sollverloren gehen“ – das Motto der CJD-Schulen – das müsste das Ziel von Kirche,Jugendarbeit und Schule sein.Auf der Schulhomepage www.firstwald.de findet man weitere Informationen, z.B.auch über einen Besuch von Jörg Pilawaim September 2010 am Firstwald.Der Träger des Firstwald-Gymnasiums istdie Schulstiftung der Evang. Landeskirchein Württemberg. Weitere Schulen derSchulstiftung befinden sich in Michelbach/Hohenlohe(www.eszm.de) und inSachsenheim (www.lichtenstern.info)Friedemann Stöffler, 1. Vorsitzender von Kirche für morgen, Studiendirektor am EvangelischenFirstwaldgymnasium, unterrichtet Mathematik, Evang. Religion und „Mensch und Medien“.Er war bis 2002 für fünf Jahre Landesreferent für Schülerarbeit im ejw und hat an mehrerenVeröffentlichungen zur Kooperation zwischen Jugendarbeit und Schule mitgearbeitet.„Keiner sollverloren gehen“ –das müsste dasZiel von Kirche,Jugendarbeit undSchule sein.1617


BausteineMontagmorgen, beide Kinder in der Schule,Frühstückstisch abgeräumt, Start frei für die beruflicheArbeit am Schreibtisch… noch nicht: zunächstist MiK dran.MiK – Mütter in Kontakt –, eine Gebetsgruppe fürKinder und deren Schulen, ist seit vielen Jahren zueinem festen Bestandteil in meinem Leben geworden,den ich nicht mehr missen möchte.Ausklinken aus dem AlltagMiK-Mütter sind nichts Besonderes – aber siehaben eine Besonderheit: sie wissen, wohin sieihre Kinder „tragen“ können. Einmal in der Wochenehmen sie sich Zeit, ganz konkret für ihre Kinderund deren Schulen zu beten. Unsere Kinder verbringensehr viel Zeit in der Schule – die Herausforderungenund Einflüsse, denen sie dort und aufdem Schulweg ausgesetzt sind, können einemmanches Mal Angst machen. Wie gut, wenn wirWenn Mütter beten …Wer hat am Montagmorgen schon Zeit zum Beten?MiK-Mütter! Warum das so ist, beschreibt Ute Mayer.dann zusammen mit anderen Müttern diese Nötevor Gott bringen können.Wie alles begannMiK ist eine überkonfessionelle Gebetsbewegungvon Müttern. Wir sind Teil einer weltweitenGebetsbewegung – Moms in Touch International– und sind überzeugt, dass Beten einen Unterschiedmacht: Für unsere Kinder und Schulen,aber auch für uns selbst.Die Idee entstand, als sich Fern Nichols, eineamerikanische Mutter, 1984 mit anderen Mütterntraf, um für ihre Kinder an einer Junior Highschoolzu beten. Aufgrund ihres Beispiels und der erlebtenGebetserhörungen begannen sich weitereGebetsgruppen zu bilden.Inzwischen gibt es diese Gebetsbewegung in ca.120 Ländern. In Deutschland gibt es mehr als1000 Gruppen mit 2-10 Teilnehmerinnen.Strukturen geben SicherheitIm turbulenten Alltag Zeit zum Gebet zu finden,ist nicht immer leicht. Da hilft die Regelmäßigkeitunserer MiK-Stunde: Einmal in der Woche treffenwir uns für eine Stunde zum Gebet.Der Ablauf ist immer gleich – das gibt Sicherheitund hilft dabei, den Zeitrahmen einzuhalten: Anbetung– Schuld bekennen – Dank – Fürbitte.Wer, wenn nicht ich?Wer betet für mein Kind? Oder für den Klassenkameraden,der gerade so traurig ist, weil die Elternsich trennen. Für den Lehrer, dem jeder Schultag sounendlich lang erscheint, weil er kurz vor demBurnout steht. Für die Lehrerin, die ernsthaft erkranktist.Wir MiK-Mütter haben einen Traum: Eine Gebetsgruppefür jede Schule in Deutschland. Zugegeben– etwas vermessen. – Aber nicht unmöglich!Helfen Sie mit, den Traum zu verwirklichen?Markus, Du wurdest ja für Dich sehr überraschendin die Synode gewählt. Hast Du Dich mitder Arbeit im Kirchenparlament angefreundet?Tatsächlich hat die Arbeit in der Landessynodezunächst nicht zu meiner persönlichen Lebensplanunggehört. Aber die innovativen Anliegen vonKfm waren es letztlich, die mich überzeugt habenund die ich bekannter machen wollte. Und ja, nacheiner längeren „Schrecksekunde“ habe ich denEinzug ins Kirchenparlament als Gottes Weg fürmich akzeptiert.Was ist für Dich Motivation und Antrieb?„Dienet einander mit den Fähigkeiten die Gotteuch geschenkt hat, dann seid ihr gute Verwalterder Gnade Gottes.“ ( 1. Petrus 4, 10 ) Meine Hoffnungist, dass meine drei Kinder und meine siebenPatenkinder eine Heimat im Glauben und in derLandeskirche finden – ebenso meine Sportlerkameradenund meine Arbeitskollegen. Leider habenwir uns als Kirche in vielen Bereichen aus der Lebensweltvon Jugendlichen und Familien zurückgezogen.Durch die Arbeit in der Landessynodewill ich mithelfen, dass wir Kirchendistanziertewieder besser erreichen.Wo liegen Deine Aufgaben und Schwerpunkte indieser 14. Landessynode?Ich bin Mitglied im Ausschuss für Kirche, Gesellschaftund Öffentlichkeit. Um Prozesse voran zutreiben, versuche ich durch Anfragen und AnträgeDinge in Bewegung zu setzen; nicht nur nachzu-Synode aktuellNicht nur nachdenken –sondern auch mal vordenken!Das ist das Motto unseres Synodalen Markus Brenner.Was das für ihn bedeutet, hat er Markus Haag in einemInterview erzählt.denken, sondern auch mal vor- oder querzudenken– und dann zum Handeln anregen.Welche Themen stehen gerade im Vordergrund?Ich möchte, dass die Jugend frühzeitig in Entscheidungsprozesseeingebunden wird. Sie solltenab der Konfirmation wählen dürfen! Und derAltersdurchschnitt der Synodalen (56 Jahre) könntedurch Zuwahl von Jugenddelegierten gesenktwerden. Außerdem unterstütze ich Initiativen, diePfarrer in ihrer eigentlichen Berufung stärken undEhrenamtliche durch Freiwilligenmanagement beteiligen– und nicht nur betreuen.Was sind Deine Wünsche für die zweite Halbzeitder Landessynode?Dass die vielen Termine, Sitzungen und Synodenmehr mit geistlichen und inhaltlichen Schwerpunktenerfüllt werden. Es geht doch viel Zeit undEnergie für Spar- und Gebäudekonzeptionen undinnerkirchliche Umstrukturierungen verloren. Ichwürde gerne mehr agieren anstatt nur zu reagieren.Oft wird bei „Kirchens“ Gaspedal und Bremsegleichzeitig gedrückt.Herzlichen Dank für dieses Gespräch.Markus Brenner ist Naturdesigner und alseiner der wenigen echten „Laien“ seit 2007als Synodaler von Kirche für morgen des WahlbezirksBernhausen/Degerloch in der Landessynode.Er arbeitet und wohnt mit seiner Familiein Ostfildern.© Torsten Schon - - Fotolia.com18Weitere Infos: www.muetterinkontakt.de;Mütter in Kontakt, Faullederstr. 3, 70186 Stuttgart,0711/220 14 85; Fax: 0711/220 12 35;info@muetterinkontakt.deUte Mayer, Weil der Stadt,freiberufliche Verlagslektorin, engagiert sich imVorstand und im Team der Bundeskoordinatorinvon MiK und ist davon überzeugt, dass betendeMütter einen Unterschied machen.denkbarBildung hebt ein Volk und macht es nicht nur geeignet, sich wirtschaftlichzu behaupten, sondern gibt ihm auch die Möglichkeit,politisch richtig zu handeln und Irrlehren als solche zu erkennen.Ziel der Bildung ist die Erreichung einer Bildung des Herzens,einer Anerkennung des Rechtes und des Wertes anderer."(Robert Bosch)19


EinladungZu guter LetztJubiläum & Jahrestagungin HerrenbergFreitag14. Januar 201119:30 Uhr„Und sie bewegt sich doch“Kabarettistisches, Nachdenkliches und Visionäreszu 10 Jahren „Kirche für morgen“Freitag Samstag14. 15. Januar 201119:30 9:00 UhrProf. Dr. Peter Wick, BochumBack to the futuredie Gottesdienstpraxisder ersten Christen als Impulsfür die Kirche heute• mit Manfred Geywitz und „Transparent“• mit dem Kirchenkabarett „Die Jakobiner“• mit musikalischen Beiträgendurch Kathrin Messner und „Sister Action“• mit Interviews mit Vertreternder Synodal-Gesprächskreise• mit Sektempfangfeiern Sie mit uns!Referat I Austausch I Arbeitsgruppen IAbendmahl I TischgemeinschaftDas komplette Programmund ausführliche Informationenfinden Sie unter:www.kirchefuermorgen.deEintritt frei(mit schriftlicher Anmeldung)GEMEINDE 2.0Frische Formen für die Kirche von heute11. – 12. März 2011Filderstadt bei StuttgarttKonferenz fürGemeinde-Innovation11. bis 12. März 2011in FilderstadtZum Thema ‚Frische Formen für die Kirche’ sindhaupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter aus Gemeindeneingeladen, um in mehr als 50 Seminaren, Forenund Vorträgen über die Zukunft der Kirche nachzudenkenund an Modellen der Hoffnung zu betrachten,wie ein eigener Weg aussehen könnte. Zwei anglikanische Bischöfe, StephenCroft und Graham Cray, Prof. Dr. Michael Herbst sowie viele Praktiker und Denkerzu Themen wie Gemeinde-Entwicklung und Gemeinde-Innovation werdendie Tage Im März gestalten und prägen.Inhaltlich wird es darum gehen, sozialwissenschaftliche Erkenntnisse, vorallem die Ergebnisse der Sinus-Milieu-Forschung, auszuwerten, um die Reichweitebestehender Formen von Kirche und Gemeinde einzuschätzen. WelcheGestalt muss also Kirche, Verkündigung und Glaube haben, wenn wir in dieserhochfragmentierten und segmentierten Gesellschaft die bisherige „Milieugefangenschaft“von Kirche (W. Huber) überwinden wollen?Für die Konferenz haben sich verschiedene Initiatoren zusammengefunden,wie das Zentrum für Mission in der Region (ZMiR), das Institut zurErforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung (IEEG), dasEvangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW), das Netzwerk ChurchConvention und die Evangelische Laienbewegung Vineyard-Gemeinschaftenin Württemberg. Infos und Anmeldung unter: www.gemeindezweinull.orgDie Tagemit dem T-Shirt...Es gibt Tage, da tauchen am GymnasiumRenningen schwarze T-Shirtsauf. Sie werden immer am 2. und 20.jedes Monats in verschiedenen Klassenund Kursen gesichtet, ihre Trägerinnenund Träger kennen sich ausdem Schülerbibelkreis oder aus derGemeinde. „Erlebt in mir“ steht großvorne drauf – wer mehr wissen möchte,kann nachschauen unter www.erlebtinmir.de.Eine pfiffige Idee, ganzunspektakulär Gemeinde und Schulezu verbinden.ClaudiaBieneck

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