Schule „bildet“ Gemeinde - Kirche für morgen

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Schule „bildet“ Gemeinde - Kirche für morgen

SchulporträtSchule als Lebens- und ErlebnisraumDas evangelische Firstwald-Gymnasium in Mössingen ist eine von sieben Preisträgerschulendes Deutschen Schulpreises 2010. Es erhielt den Sonderpreis der AkademiefürSchulentwicklung“. Friedemann Stöffler ist Mitglied des Schulleitungsteams unddort zuständig für Schulentwicklung, „Mensch und Medien“ und das evangelischeProfil. Marc Stippich hat ihn nach Erfolgsrezepten für eine „gute Schule“ gefragt.Robert-Bosch-Stiftung, Theodor Barth (5), Max Lautenschläger (1)Foto: Klaus FrankeUnser zentralesAnliegen ist es,dass eineAtmosphäre derGeborgenheitentstehen kann.Mehr Raum zurPersönlichkeitsbildungundwenigerLeistungsdruckLieber Friedemann, herzlichen Glückwunschzur Auszeichnung eurer Schule!Was hat der Jury denn besonders imponiert?Zum einen sind wir eine Schule mit eineralten Internatstradition. Dadurch spürtman bis heute ein größeres Zusammengehörigkeitsgefühlzwischen Schülern undLehrern. Irgendwie sind wir so etwas wieeine große Familie. Ein zweiter Punkt betrifftdie gut strukturierte und gestalteteGanztagesschule mit vielen AGs, offenenAngeboten und Hausaufgabenbetreuung.Und ein dritter Punkt besteht in unserenFormen individueller Förderung, die esuns leichter macht, zum einen Hochbegabte,zum anderen auch Schüler mit Behinderungenin unserer Schule zu integrieren.Auch dass wir ein Gymnasium mitSchreinerei und Schreinermeister sind, istetwas Besonderes. Was die Jury des DeutschenSchulpreises aber besonders überzeugte,waren die Prozesse der Schulentwicklung,die bei uns in den letzten Jahrenangestoßen wurden: Ein ziemlich einmaligesFach „Mensch und Medien“, ein wiedereröffnetes Internat und Aufbaugymnasiumund seit dem letzten Jahr eine neugegründete Grundschule.Wodurch wird das „Evangelische“ derSchule im Schulalltag sichtbar?Natürlich feiern wir zu verschiedenenAnlässen Schulgottesdienste. Dann gibtes einen sehr schönen Raum der Stille.Dort findet eine Morgenandacht statt,dort trifft sich auch der Schülerbibelkreis.Wir arbeiten gerade daran, dass dieserRaum auch darüber hinaus genutzt wird.Bei uns haben alle Schülerinnen undSchüler evangelischen Religionsunterricht.Wir gestalten jedes Jahr mit allenSchülern einen Kreuzweg. Es gibt einenAustausch mit einer Evang. Schule in BeitSahour bei Bethlehem in Kooperation mitdem Mössinger CVJM. Es gibt in Klasse 13für alle Schüler Klostertage, und jedesJahr wird eine Fahrt zum Kirchentag odernach Taizé angeboten. Mindestens einmalim Schulleben nimmt jeder Schüleran einer Sozial-AG teil. Das bedeutet, sichein Jahr lang eine Stunde pro Woche fürandere zu engagieren: in der Kinderkircheoder bei der Hausaufgabenbetreuung, ineiner Jungschar oder als Anleiter bei denJugendfußballern.Wir freuen uns, dass wir Schüler mitganz unterschiedlichen Religionen undWeltanschauungen haben. Es ist unswichtig, hier Toleranz einzuüben. Unserzentrales Anliegen ist es, dass eine Atmosphäreder Geborgenheit entstehen kann,in der alle mit je ihren Stärken und Schwächenangenommen sind.„Jugendarbeit und Schule“ bzw. „Schuleund Gemeinde“ ist eines der großenZukunftsthemen in der Kirche. Was kanndie Schule von Gemeinde und Jugendarbeitlernen? Und was die Jugendarbeitvon eurer preisgekrönten Schule?Ich bin der Meinung, dass die strikte Unterscheidungoder gar Trennung zwischenJugendarbeit und Schule überholt ist. Anunserer Schule haben wir 35 Internatsschüler.Für sie ist Schule selbstverständlichauch Lebens- und Erlebnisraum. Undfür alle anderen gibt es an unserer Ganztagesschuleviele Formen freiwilliger Angebote,wie sie es bisher nur in der Jugendarbeitgab: Spiele und Basteln, Sport, Theater,Schreinerei, Erlebnispädagogik.In der gemeindlichen Jugendarbeit genausowie in der Schule soll es darumgehen, junge Menschen so zu prägen,dass sie sich verantwortungsvoll in unsereGesellschaft einbringen. Wir wollenihnen tragfähige Werte vermitteln, undsie sollen sich mit dem christlichen Glaubenzumindest auseinandersetzen undihn dabei auch erleben können.In beiden Bereichen geht es darum,dass Personen da sind, die Jugendlicheernst nehmen, ihnen Perspektiven für ihrLeben eröffnen. Ich würde mir auch an unsererSchule noch viel mehr Kooperationsformenzwischen Jugendarbeit undSchule wünschen. Die große Stärke der Jugendarbeitsind Personen, die altersmäßigund von den Themen her näher an denJugendlichen dran sind. Wir haben deshalbauch – neben einem Schulseelsorger– FSJ-ler und Zivildienstleistende, Sozialpädagogenund Praktikanten.Die Stärke der Schule liegt ja darin,dass sie junge Menschen mit ganz unterschiedlichenBiographien, sozialenSchichten und Weltanschauungen erreicht.Die Herausforderung für die Gemeindenbestünde darin, diese Mischungin ihren Angeboten und Gruppen für Kinderund Jugendliche auch zu erreichen.Die Herausforderung für die Schule demgegenüberist, neben Lern-Raum auch Lebens-und Erlebnis-Raum zu sein, in derStoffvermittlung und Noten eine geringereRolle spielen und der Einzelne mit seinenTalenten immer mehr gefragt ist.Wenn du einen Wunsch offen hättest, wieSchule sich in Zukunft entwickeln soll, …… dann würde ich versuchen, genau indieser Richtung Schule umzugestalten:Weniger Selektion und mehr Förderung.Mehr Raum zur Persönlichkeitsbildungund weniger Leistungsdruck. Wir wissen,dass jeder in Bildung investierte Euroeine sehr gute Rendite hat. „Keiner sollverloren gehen“ – das Motto der CJD-Schulen – das müsste das Ziel von Kirche,Jugendarbeit und Schule sein.Auf der Schulhomepage www.firstwald.de findet man weitere Informationen, z.B.auch über einen Besuch von Jörg Pilawaim September 2010 am Firstwald.Der Träger des Firstwald-Gymnasiums istdie Schulstiftung der Evang. Landeskirchein Württemberg. Weitere Schulen derSchulstiftung befinden sich in Michelbach/Hohenlohe(www.eszm.de) und inSachsenheim (www.lichtenstern.info)Friedemann Stöffler, 1. Vorsitzender von Kirche für morgen, Studiendirektor am EvangelischenFirstwaldgymnasium, unterrichtet Mathematik, Evang. Religion und „Mensch und Medien“.Er war bis 2002 für fünf Jahre Landesreferent für Schülerarbeit im ejw und hat an mehrerenVeröffentlichungen zur Kooperation zwischen Jugendarbeit und Schule mitgearbeitet.„Keiner sollverloren gehen“ –das müsste dasZiel von Kirche,Jugendarbeit undSchule sein.1617

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