*08 Dziambor - Hagia Chora Journal

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○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○F O C U S: G E N I U S L O C IDas Wassermannzentrum imSchwäbischen Wald ist einausnehmend friedlicher, einladenderOrt, der bereits füreine Reihe von geomantischenAktivitäten Schauplatz war.Hans-Günter Dziambor sorgteviele Jahre lang als Gärtnerfür den Platz. Sein Text istdurchaus als Resümee einesLebensabschnitts zu lesen:Demnächst wird das Zentrumgeschlossen und in Zukunftwieder privat genutzt.○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○Im Spiegel des OrtesHans-Günter DziamborDer Hengstberg ist ein sich übermehrere Kilometer erstreckender,reich bewaldeter Höhenzug – imgeomantischen Sprachgebrauch ein klassischer„Drachenrücken“. Auf einemmächtigen Sandsteinsockel ruhend, formtenabfließende Quellwässer in Jahrtausendenbizarre Steinformen und Grotten(Klingen). Diese abenteuerliche und geheimnisvollanmutende Natur ist typischfür die nordöstlich von Stuttgart gelegeneLandschaft des Schwäbischen Waldes.Seinen Namen erhielt der Hengstberg vermutlichim 18. Jahrhundert, als einePferdestation zum nahen Ebnisee erbautwurde. Mit der Gründung des „Hengstberghofes“1887 begann eine wechselvolleEntwicklung. Zunächst wurde das Anwesenfür Jahre als Obstgut mit Pferdezuchtbetriebmusterhaft geführt. In den 30erund40er-Jahren beherbergte es ein anthroposophischorientiertes Sanatoriumund vorübergehend auch eine Waldorfschule.Nach einem Generationenwechselfolgte eine Zeit unternehmerischer Experimente,gekennzeichnet von Abschirmungund Misswirtschaft. Stacheldrahtumzäunungund Müllablagerungen prägten fortanden Charakter des Ortes, während dieumgebende Natur zur undurchdringlichenWildnis verwuchs. Dem Bankrott des Geländesfolgte bald der Bankrott des Besitzers.Ein Brand vernichtete schließlich dasvormalige Wohngebäude des Anwesens.Der heutige Eigentümer, ein StuttgarterImmobilienkaufmann, beendete die vorangegangeneEntwicklung, indem er Geländeund Gebäudebrache dem damalsneugegründeten „Verein für ganzheitlicheBildung“ zur Verfügung stellte und damitdie Gründung des Wassermannzentrumsim Jahr 1987 ermöglichte. Dieses spirituell-therapeutischorientierte Seminarhauswurde in seiner Entwicklungsphase mitviel Enthusiasmus von einer Lebensgemeinschaftbetrieben. Es entstand einökologisches Rahmenkonzept für die Gestaltungdes 6 Hektar großen Geländesmit seinen Gebäuden, Wiesen, Wald undden Resten überalterter Obstplantagen.Durch den Geomanten und KünstlerHans-Jörg Müller fand über die allgemeineökologische Planung hinaus auch einegeomantische Herangehensweise Eingang.Einstieg in eine geomantische PlanungEine grundlegende Erstuntersuchung wurdedurchgeführt, um die lebensförderndenKräfte und feinstofflichen Zonen imLandschaftsbild ohne störende EingriffeEin geomantischerGestaltungspozessanhand der vorgefundenen Gegebenheitenzu erschließen. Hans-Jörg Müller fandeine Vielzahl herausragender Energiephänomene,die er unter dem Sammelbegriff„Einstrahlpunkt“ beschrieb: energetischeSäulen unterschiedlicher Qualität, dieeine Verbindung zwischen Erde und Kosmosschaffen, in Mythen häufig alsWeltenbaum oder Omphalos (Nabel derWelt) bezeichnet. Darüber hinaus stellte ereinen zentralen energetischen Sakralbereichsowie die Beeinflussung durchmehrere großräumige Resonanzphänomene(geomantische Zone, Ley-Line etc.)fest. Diese Phänomene spielten eine besondereRolle für die Bewohner des Orteswie auch für die erste Geomantie-Ausbildungsgruppevon Hagia Chora, die sichim Wassermannzentrum auf praktischerEbene einbrachte. Zunächst beschränktensich die Aktivitäten jedoch auf punktuelleArbeit verschiedener Praxisseminare, wobeidie Beseitigung von Altlasten, wieMüll und Zäune, die Arbeit an Einzelplätzenund vor allem die Planung undEntwicklung einer zentralen Brunnenanlageim Vordergrund standen.Dies war die Situation des Projekts imSpätsommer 1994, als ich zum ersten Malin Berührung mit dem Ort und der Thematikder Geomantie kam. Hinter mir lagenJahre konventioneller gärtnerischerTätigkeit, vor allem aber mehr als dreiJahre gute und schlechte Erfahrungenbeim Mitaufbau einer Jugendbildungsstättesowie eines ökologischen Jugendbeschäftigungsprojektesin den neuenBundesländern. Um- und Neuorientierungsbedürfnisseführten mich ins Was-HUMAN TOUCHHagia Chora 6 | 2000G E N I U S L O C I27


○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○sermannzentrum und zur Bekanntschaftmit Hans-Jörg Müller. Innerhalb kürzesterZeit wurde ich Teilnehmer der ersten Ausbildungin Geomantie und fand ein neuesAufgabengebiet in der landschaftsgärtnerischenBetreuung des Wassermann-Geländessowie in der Mitorganisation derdort periodisch geplanten Werkschulen.Doch so attraktiv die Aufgabe und dieBedingungen vor Ort zunächst schienen,so konfrontierte mich meine Übersiedelungins Wassermannzentrum mit anfangsschier unlösbaren Problemen. Für mich,den geomantischen Laien, war wenigspürbar von den besonderen, den Ort prägendenEnergien. Die konzeptionellenPlanungen erlebte ich nur als zaghafte,weitgehend unvollendete Gestaltungsansätzein der Landschaft. Vor allem sahund fühlte ich die beschriebenen Altlastennoch in vielfacher Form präsent. Die dasWassermannzentrum umgebende Naturlandschaft,die Wälder und Schluchten,wirkten unzugänglich und chaotisch. Insgesamtnahm ich sehr deutlich einenMangel an weiblicher Qualität wahr. Obwohlder Seminarhausbetrieb gut funktionierteund der Alltag durch lockere Umgangsformengeprägt war, erschien mirdas Wesen des Geländes nicht wirklichbeachtet, nicht integriert zu sein. Es dominierteeine geradlinige Herangehensweise,die mehr an Zweckmäßigkeit orientiertwar als an intuitivem Verständnis für dietieferen Bedürfnisse des Lebensraumes.Dem schien mir auch die Orientierungder damaligen Gemeinschaft zu entsprechen,deren „Noch-Miteinander“ lediglichfreundlich-funktionale Ansätze bot, anstattdie ehemalige Vision einer spirituellökologischenLebens- und Arbeitsgemeinschaftzu realisieren. Meine eigenen Gefühleangesichts der zu leistenden Aufgabewaren von Hilflosigkeit, Rückzug undEnergieverlust geprägt. Schmerzlichepartnerschaftliche Prozesse spiegelten inmeinem privaten Erleben, was mir am Ortbegegnete und wie ich mich ihm gegenüberverhielt. Das Vertrauen in meine Lebensenergie,der Lebensenergie schlechthin,half mir schließlich zurück in dieAktivität, wenn auch nicht bei der Lösungdes Problems.Der Erfahrungsrundweg entsteht○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○Dass mit Hans-Jörg Müllers Erstuntersuchungenbereits ein fundiertes Konzeptdes Vorhandenen wie auch des zu Entwickelndenvorlag, bedeutete einerseits fürdie Ausbildungsgruppe einen guten Einstieg,erleichterte aber nicht unbedingtden beginnenden Gruppenprozess des unvoreingenommenenHerangehens und derEigeninitiative. Aus der zum Teil schmerzhaftenReibung vielseitiger Begabungenund Wahrnehmungsempfindungen entwickeltesich gleichwohl ein facettenreicher,kritischer, aber auch lustvollerErfahrungs- und Gestaltungsprozess. Dabeikamen von der Radiästhesie über dievariantenreiche feinstoffliche Wahrnehmung,von Techniken der klassischenLandschaftsinterpretation bis zum kartographischenErfassen von Großraumphänomenenoder der Beurteilung derLandschaftsäther eine Vielzahl von Untersuchungsmethodenzur Anwendung. DasGelände des Wassermannzentrums erwiessich als sensibler Organismus mit einerhohen inneren Organisation. In seinerHimmelsnähe und scheinbaren Weltentrücktheitöffnet er einen sakral wirkendenRaum, der sich auch im Landschaftsbilddeutlich ausgestaltet. Basis ist eine ostwestlichverlaufende „sakrale Linie“, dieals stabiles Rückgrat zwei gegenüberliegendePole des Geländes verbindet. EineLichtung im westlichen Waldgebiet repräsentiertden Pol der Erdenseele und verströmtals „Erdmutterplatz“ ihre Energiein den weiten Raum eines Wiesengeländes.Dem entgegen wirkt das im Ostengelegene, von einem Ringwall geformteBergplateau mit einem fischförmigenTeich als Pol einströmenden kosmischgeistigenChristusbewusstseins. In derVerbindung beider Orte erscheint das Bildeiner „Landschaftskathedrale“, die ihrematerielle Entsprechnung im Vereinigungsstrebenmännlich-weiblich geprägterPolaritäten findet.Soweit die Wahrnehmungen Hans-Jörg-Müllers, der neben dem Phänomender bereits beschriebenen Einstrahlpunkteeine das Gelände westlich begrenzendeGroßraumverwerfung sowie eine den zentralenSeminarhausbereich durchlaufende„geomantische Zone“ (Teil eines Großraumresonanzgitters)als energetischeGrundstruktur beschreibt.Die Menge dieser Energieerscheinungenzu verstehen, zu ordnen und organischzu verbinden, sollte Aufgabe einesErfahrungsrundweges werden, dessen Entwicklungund Ausgestaltung als ersteHUMAN TOUCHAufgabe der Ausbildungsgruppe galt.Dazu war es nötig, an mehreren Stellenden verschlossenen Wald behutsam zuöffnen, reale und energetische Brücken zuschaffen, dem spielerischen Schwung desOrtsäthers folgend zu pflanzen, anzubinden,zu beleben. Härte und Geradlinigkeit,deren Überbetonung jenen abweisendenInselcharakter des Geländes begründethatte, mussten Raum abgeben für dasRunde, Weiche, Geborgene, das sanfteMäandrieren der Plätze und Wege.Der organischen Anlage der Wege kameine besondere Bedeutung zu: Wege, diefedernden Waldboden bestrichen, derenSchwung aus dem umgebenden Wiesenlandherausgemäht wurde oder deren hellerKalksplitt wie ein Leitmotiv die Richtungwies und gleichzeitig die Schweredes Untergrundes milderte. Mit einem pulsierendenBlutkreislauf vergleichbar, istdie Begehbarkeit, das Fließen des Wegesseitdem der Schlüssel zum Mitschwingenim Hinauf und Hinab der Ortsenergie.Durch die gemeinsame Anbindung derverschiedenen Plätze an den Weg als Organdes Gesamtorganismus hat der Orteine zusätzliche energetische Aufladungerfahren.HeilungsarbeitNachdem das polare Missverhältnis derAnfangszeit nun in Bewegung geratenwar, zeigte das Aufräumen, Entwirren undBewusstmachen erste Heilungserfolge. Daszentrale Anliegen der weiteren Arbeit bestandfortan darin, an den Wesenskern derPolaritäten zu gelangen. Die Aufgabe war,durch Schutz und Anerkennung des Weiblichen,des Nährend-Mütterlichen, am Orteine wirkliche Heimat zu entstehen zu lassen.Als notwendig letzter Schritt standdahinter das intensive Bedürfnis, dennoch fehlenden, den Ort charakterisierendenund behütenden Ortsgeist, den GeniusLoci, zu erlösen. In ihm, so die allgemeineÜberzeugung, sollte das Vereinigungsstrebender polaren Prinzipien letztendlichzur energetisch-landschaftlichen Qualitätreifen. Immer wiederkehrend schälte sichdas Grundmotiv der Polaritäten und ihreDurchdringung (Yin und Yang) aus Strukturund Energiedichte der Landschaft heraus.Dies beginnt bereits in den bewaldetenSchluchten des Nordhangs, wo dieurweibliche Trinität aus Jungfrauenquelle,Walfisch- und Hollengrotte den wässrigenKontrast zum jähen Abgrund der „Wilden-Mann“-Schluchtbildet. Dort hingegenscheinen Riesen zu wohnen, wachsenmächtige Bäume pfeilgerade und phallischin den fernen Himmel, während anderezerschmettert in der Tiefe liegen.Im Zentrum des weltlichen Lebens,dem Innenhof des Seminarhauskomplexes,wo die Kraft der „geomantischen Zone“räumlich aufgefangen und konzentriertwird, sollte in Gestalt des seit langem unvollendetenBrunnens ein Omphalos ent-28G E N I U S L O C I Hagia Chora 6 | 2000


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Dieser Einstrahlpunkt,der selbst das venusische, mütterlichePrinzip verkörpert, besaß bereits einenoch nicht ganz erweckte Verbindung zuzwei weiteren weiblichen Einstrahlpunkten,dem Sophienplatz mit seiner jungfräulichenEnergie und dem seine Urkraftausschüttenden Erdmutterplatz. Das Modelleiner innerirdischen Skulptur bot denkünstlerischen Ansatz für eine Zusammenführungdieser drei Energien, so dassein Yin-Aspekt die Yang-Prägung desTeichplateaus ergänzte.Durch die Verletzung der Erdreiches(ein Loch von 2 Metern Tiefe und ebensolchenDurchmessers) und die halbjährigeDauer des Gesamtprozesses wurde dasThema verletzter Weiblichkeit unfreiwilligtransparent und kritisch hinterfragt. DieVollendung der Arbeit geschah dann miteinem Höchstmaß an Behutsamkeit undHeilkraft. So entstand ein Kanal für dasZusammenströmen der drei weiblichenKräfte in einer Kesselauswölbung. DerRosenplatz wurde zu einem Ort der Wiedergeburtund des Heilwerdens. Eine Umpflanzungmit Rosengewächsen als Ergänzungder inwendigen Arbeit vermitteltediese Stimmung auch im Äußeren.Während der Arbeiten am Rosenplatzwurde fast beiläufig auf dem höchstenPunkt des Geländes die Entstehung einesneuen Einstrahlpunktes radiästhetischermittelt. Seine einströmende Sonne-Jupiter-Qualität bildete eine unmittelbarePolarität zu einem Strang aufsteigenderErdmutterkraft in nur 2 bis 3 Metern Entfernung.So bot sich die große Chance, einesder wichtigsten Ziele der geomantischenArbeit auf dem Hengstberg zu verwirklichen:die kosmischen Kräfte mit derErdkraft zu vereinen, und so eine Heimatfür den bislang fehlenden Genius Loci zuschaffen.Als eine der letzten gemeinsamen Arbeitenentstand aus dem Ergebnis der Untersuchungenmit Schlüsselblumenessenz(Vereinigungsqualität) ein großer, vonSandsteinen eingefasster Kreis, der umeine im Urzustand belassene Mitte einTrockenrasenbett erhielt. Die Polaritätspunktewurden als flache Kiesmulden angedeutet.Nach einer relativ kurzen Ruhezeitkonnte die Gruppe radiästhetisch denErfolg ihrer Arbeit bestätigt sehen. Dievormalige Polarität hatte sich zugunsten○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○ ○der Vereinigungsqualität aufgelöst. Derermittelte Boviswert (energetische Maßeinheit)wies die enorme Höhe von 18500BE auf.Auf der energetischen Ebene war somitein Abschlussergebnis erzielt worden, undmit dem Ende der Geomantie-Ausbildungfand auch die Werkschulaktivität auf demHengstberg ihr vorläufiges Ende. Auch ichverließ nach zweijährigem Aufenthalt dasWassermannzentrum, um mich nach derGeburt meines Sohnes dem Familienlebenzu widmen. Für zwei weitere Jahre fiel derHengstberg im geomantischen Sinne ineine Art Dornröschenschlaf zurück.Neue WegeNachdem ich meine persönliche Varianteberuflicher und schließlich auch privaterFreiheit verwirklicht und durchlitten hatte,lockten erneut die soziale und landschaftlicheAnziehungskraft und diebrachliegenden Aufgaben im Wassermannzentrum.Nach exakt zwei Jahrenkehrte ich unter veränderten Umständenan einen veränderten Ort zurück.Mein Eindruck nach der Rückkehr war,dass der Wunsch, die weibliche Komponentein der Landschaft zu fördern, tatsächlichFrüchte getragen hatte. Es warenauch von der ehemaligen Gemeinschaftvor allem die Frauen geblieben – Frauen,deren unterschiedliche Individualität interessanterweiseParallelen aufwies zu denAspekten der drei in der Landschaft beheimatetenGöttinnen. Als einziger am Ortwohnender Mann versuchte ich, eineemotionale und soziale Balance zwischenden dominierenden Frauen zu finden. Vorallem aber erfüllte mich die „männliche“Aufgabe, im Gelände die vermisste Klarheitder energetischen Bezüge schonendzu beleben, es begehbar, wahrnehmbar zumachen, dem Gestaltlosen Gestalt zu geben.Mit den einfachen Mitteln der Aufmerksamkeit,unaufdringlicher Pflege undharmonischer Ergänzung des Vorhandenenbetonte ich die Besonderheit einzelnerPlätze. Der Rundweg, spielerisch von Topographieund Vegetation geführt, gabdem Gesamtkreislauf Form und Verbindung.Fast von selbst ergab sich eine ungewöhnlicheAusgewogenheit von YinundYang-Bereichen im Großen wie imKleinräumigen.In seinem Schwingen, Fließen und Ruhenspiegelt dieser Landschaftsorganismuseinen Zustand, dem ich mich als Menschzutiefst verbunden fühle. Ich versuchte alsinnere Übung, mich diesem Zustand anzunähern,er ist Spiegel und Übungsfeldfür den weitaus schwierigeren Umgangmit meinen inneren Wiesen und Wäldern,den dunklen Dornenpfaden und lichtenSonnenmomenten.Verschiedene Plätze finden ihre Entsprechungin bestimmten Gemütszuständen.In dem Maße, in dem ich selbst offenbin, kann ich mich der Qualität des jeweiligenOrtes öffnen und finden, was ich geradebrauche: Trost, Heilung, Herausforderung… So bin ich in der absoluten Tiefeund Stille der „Höllengrotte“ auch beimeinen tiefsten Ängsten und Schmerzenoder meiner Wut zu Gast. Dort kann ichungehemmt schreien. Die mächtigen Steinenehmen es auf, das Wasser trägt esfort. Wenn ich dagegen himmel- undsonnennah mich im inselhaften Chor desTeichplateaus aufhalte, kann ich michentspannen, kreativ sein. Zwischen diesenbeiden Polen trägt der Drachenrücken desHengstberges die ganze Vielfalt seelischerProzesse. Überall nehme ich etwas mit,lasse etwas zurück, leise, unspektakulär.Die Naturwesen sind gegenwärtig, und einEngel behütet jeden Ort. Ich sage dies,ohne mich auf außersinnliche Wahrnehmungenzu berufen, doch mit dem Wissenum die Realität helfender Kräfte.Im Verlauf unserer gemeinsamen Entwicklungszeitwandelte sich eine ambivalenteHassliebe zu diesem Ort in liebevolleVertrautheit. Der Hengstberg wurde fürmich zum zweiten, erweiterten Körper,zum zweiten Ich. In meiner jetzigen Situationgehe ich mit vielen akuten Lebensfragenschwanger, spüre häufig schmerzhaftmeine Nabelschnur, ohne wirklich gebärenzu können.Vielleicht ist die Lehre, die ich ziehensoll, zur rechten Zeit dieses Ersatz-Ich loszulassen.In diesem Sinn ist es auch fürmich als sinnreiche Entwicklung zu begrüßen,dass es das Wassermannzentrumnach Abschluss des Jahres 2000 nichtmehr geben wird. Die Entscheidung desEigentümers, Gebäude und Gelände zumprivaten Wohnsitz umzubauen, ist klarund weitgehend in Harmonie mit denMenschen vor Ort. Für das Gelände könnteder Einfluss der klaren Yang-Energiedes Immobilienmaklers eine gesunde Verbindlichkeitund Beruhigung einleiten, zumalder Eigentümer die bisherige Gestaltungbehutsam in die neue Nutzung integrierenmöchte. Durch die Privatisierungkann der Genius Loci womöglich zu seineneigenen inneren Werten zurückfinden,statt wie bisher die Bedürfnisse vielerHeilungssuchender zu assimilieren. Alle,die wie ich mit dem Wassermannzentrumeine Heimat verlieren, haben jetzt dieMöglichkeit, zu ihrer persönlichen Wirklichkeitund Heimat zu finden. Statt Verdrängungoder Projektion ist Eigeninitiativegefordert. Es gab Gemeinschaft, Gemeinsamkeitenund schließlich ein Teamvon Individualisten an einem wunderschönenOrt. Nun geht jeder von ihnenseinen nächsten Schritt selbständig ineine neue Welt. 7Hans-Günter Dziambor, Jahrgang1956, ist seit 20 Jahren Gärtner mitebenso langem Interesse an Lebensgemeinschaftenund sozialen Projekten.Zweijährige Ausbildung in Geomantiebei Hagia Chora.Hagia Chora 6 | 2000 G E N I U S L O C I29

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