Der Verwalter-Brief - Haufe.de

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4Verwalterthemades Monats8- oder 11-stelligen Code, mit dessen Hilfe die Bank eindeutig identifi -ziert werden kann.Für Sie als Verwalter heißt das, dass spätestens bis zum 1.2.2014 sämtlicheBankverbindungen von Eigentümern, Mietern, Geschäftspartnern,Mitarbeitern usw. auf den neuen Standard umgestellt sein müssen.PRAXIS-TIPP: NEUE DATEN AB SOFORT ERFASSENDie SEPA-Umstellung – Neuerungenbeim ZahlungsverkehrSteffen Haase, AugsburgAls Immobilienverwalter stehen Sie im Jahr 2013 vor einer besonderenHerausforderung: Der Zahlungsverkehr muss auf das SEPA-Verfahren umgestellt werden, denn ab dem 1.2.2014 könnenForderungen per Lastschrift nur noch über das SEPA-Lastschriftverfahreneingezogen werden. Was heißt das im Einzelnen undwie können Sie Ihr Unternehmen richtig darauf vorbereiten?Fragen Sie bei der erstmaligen Erfassung der Bankdaten von Eigentümern,Mietern usw. ab sofort zusätzlich zu Kontonummer und BLZgleich auch IBAN und BIC ab. Diese sind bereits heute üblicherweiseauf den Kontoauszügen zu fi nden.Bestehende Bankverbindungen müssen auf den neuen Standard konvertiertwerden. Im Idealfall verfügt Ihr System über ein entsprechendesTool. Dabei ist zu beachten, dass die Konvertierung nicht durcheinen einfachen Algorithmus erfolgen kann, sondern spezifi sche Besonderheitender verschiedenen Banken berücksichtigen muss. Auch stelltbeispielsweise der Bank-Verlag Angebote zur Verfügung, um Kontonummerund BLZ in IBAN und BIC zu konvertieren, die die individuellenBesonderheiten der Kreditinstitute berücksichtigen.SEPA ist die Abkürzung für Single Euro Payments Area. Dieser Begriffbezeichnet einen einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum, bei demkeine Unterschiede mehr zwischen inländischen und grenzüberschreitendenZahlungen gemacht werden. Der SEPA-Raum umfasst derzeitalle 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen,Monaco und die Schweiz. Die wichtigsten Neuerungen, die SEPA mitsich bringt, sind strengere Regeln beim Lastschriftverfahren und neueKontonummern.Ab dem 1.2.2014 ist der Gebrauch der SEPA-Zahlungsinstrumente (SEPA-Überweisung und SEPA-Lastschrift) obligatorisch, d. h. die nationalenVerfahren, wie z. B. die derzeit gebräuchliche Form des Lastschriftverfahrens,stehen nicht mehr zur Verfügung. Die Banken bieten die SEPA-Instrumente zwar schon seit mehreren Jahren an, doch ist die von derEU erwartete „natürliche Migration“ auf die neuen Verfahren ausgeblieben.Deshalb schreibt nun eine EU-Verordnung die Umstellung spätestenszum o. g. Termin vor.Um termingerecht auf die SEPA-Verfahren umstellen zu können, ist einerechtzeitige Vorbereitung unerlässlich. Dabei muss nicht nur die Verwaltungssoftwareeinbezogen werden, sondern sämtliche Systeme, die imKontext des Zahlungsverkehrs zum Einsatz kommen, wie die Lohn- undGehaltsabrechnung oder Zahlungsverkehrsprogramme für Online-Banking.Neue KontonummernDie für jedermann augenfälligste Änderung ist die Ablösung der Kombinationvon Kontonummer und Bankleitzahl durch die IBAN (InternationalBank Account Number).Die IBAN ist wie folgt aufgebaut:■ zwei Stellen ISO-Ländercode (z. B. DE)■ zwei Stellen Prüfziffer■ max. 30 Stellen KontoinformationDeutschland arbeitet mit einer 22-stelligen IBAN. Diese enthält nebender Länderkennung DE und einer 2-stelligen Prüfziffer die 8-stelligeBankleitzahl und die 10-stellige Kontonummer. Letztere wird bei Bedarfvon links mit führenden Nullen aufgefüllt.Beispiel für eine IBAN: DE42100100500001357991Für SEPA-Transaktionen ist bis 1.2.2014 (nationale Zahlungsaufträge) bzw.bis 1.2.2016 (internationale Zahlungsaufträge) neben der IBAN auchnoch der BIC (Business Identifi er Code) bzw. SWIFT zwingend erforderlich.Hierbei handelt es sich um einen international standardisiertenSEPA-LastschriftDie wohl wichtigste Neuerung für alle Arbeitsabläufe und -prozesse ist dasSEPA-Lastschriftmandat, das Einzugsermächtigung und Abbuchungsvereinbarungersetzt. Von daher müssen Sie auch Formulare umstellen. Diesesind jedoch wesentlich komplexer als die Vorgänger aufgebaut. Auch müssenan vielen Stellen neue bzw. angepasste Prozesse etabliert werden.Das SEPA-Mandat ist zwar mit der heute gebräuchlichen Einzugsermächtigungvergleichbar, hat allerdings noch weitere zwingende Merkmale:■ es muss schriftlich erteilt werden■ es muss eine Gläubiger-Identifi kationsnummer enthalten■ es muss eine Mandatsreferenz enthalten■ es muss eine Weisung an die Bank des Zahlungspfl ichtigen enthalten,die Lastschrift einzulösen■ es muss neben IBAN und BIC die Adresse des Zahlungspfl ichtigenenthalten.PRAXIS-TIPP: BEISPIEL FÜR EIN SEPA-MANDATName, Anschrift des ZahlungsempfängersGläubiger-Identifi kationsnummer: …Mandatsreferenz: Wohnung Nr. … (alternativ: wird separat mitgeteilt)SEPA-LastschriftmandatIch ermächtige (Name Zahlungsempfänger), Zahlungen von meinemKonto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich meinKreditinstitut an, die von (Name Zahlungsempfänger) auf mein Kontogezogenen Lastschriften einzulösen.Hinweis: Ich kann innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum,die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Esgelten dabei die mit meinem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen.Vorname und Name (Kontoinhaber)Straße und HausnummerPLZ und OrtKreditinstitut (Name und BIC)IBANDatum, Ort und UnterschriftWenn Schuldner und Kontoinhaber nicht identisch sind, zusätzlich:Dieses SEPA-Lastschriftmandat gilt für die Vereinbarung/den Vertragmit (Name des Schuldners)www.haufe.de/immobilien


6OrganisationProzesse in der Immobilienverwaltung– Eigentümerversammlung vorbereitenund durchführenJörg Wirtz, InRaCon GmbH, EschenloheDie alljährliche Eigentümerversammlung ist ein zentraler Punktder Verwaltungsarbeit und kann in ihrer Bedeutung gar nichthoch genug angesetzt werden. Dieser Beitrag gibt losgelöst vonrechtlichen Aspekten einen Überblick über wichtige organisatorischeAspekte und die damit verbundenen Anforderungen andie Prozessabläufe.Die Bedeutung der Eigentümerversammlung wird nicht nur durch eineVielzahl von Veröffentlichungen, Seminaren usw., sondern vor allemdurch die folgenden Aspekte unterstrichen:■ Sie haben die Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit und Qualität IhrerVerwaltungsarbeit darzustellen.■ Die Versammlung gibt Ihnen Möglichkeit, die Erfolge Ihrer Arbeit zupräsentieren.■ Im Gespräch können Sie einen intensiven persönlichen Kontakt herstellen.Letztlich ist die Eigentümerversammlung ein wesentlicher Faktor, umdie kommende Wiederbestellung erfolgreich zu bestehen und dabeieine angemessene Vergütung zu realisieren.PRAXIS-TIPP: PERSÖNLICHER KONTAKT AUCH BEI MIETVERWALTUNGAn dieser Stelle ein Hinweis für alle Verwalter, die auch Mietobjektebetreuen: Häufi g werden – gerade bei kleineren Mietverwaltungen– keine regelmäßigen Treffen mit dem Eigentümer durchgeführt.Die Möglichkeiten, die sich durch unmittelbaren persönlichen Kontaktergeben, sollten Sie aber auch hier nutzen. Die Zeit für einenjährlichen Jour fi xe mit dem Eigentümer ist gut investiert.Wie für viele andere Dinge gilt auch für die Eigentümerversammlung,dass diese kaum besser sein kann als die Vorbereitung. Diese beginntschon bei der Planung der Tätigkeiten. Eine objektübergreifende Übersicht,in der die Abarbeitungsreihenfolge geplant, verfolgt und koordiniertwird, sollte in keiner Verwaltung fehlen. Die transparente undnachvollziehbare Verfolgung des Bearbeitungsstands in den jeweiligenObjekten lässt sich auch hier wieder mithilfe von Arbeitslisten sicherstellen(s. nebenstehendes Muster).PRAXIS-TIPP: WICHTIGSTE OBJEKTE ZUERSTBeachten Sie bei der Planung, dass ein Zusammenhang zwischendem Versammlungszeitpunkt und der Eigentümerzufriedenheitnachgewiesen wurde: Je früher die Versammlung, desto höher dieZufriedenheit der Eigentümer. Planen Sie also die wichtigen Verwaltungsobjektemit erster Priorität ein.Ein wichtiger Termin bei der Versammlungsvorbereitung ist die Belegprüfungdurch den Beirat. Diese wird häufi g als störend, weil zeitraubendbewertet. Hierbei wird vergessen, dass der Beirat von zentralerBedeutung für die Bewertung Ihrer Arbeit im Objekt ist. Bei der Belegprüfungergibt sich eine Gelegenheit, die persönliche Bindung zu festigen.Da diese kaum beim Sichten der Belege des zu prüfenden Wirtschaftsjahrsentsteht, sondern im Gespräch über die aktuellen Themender Gemeinschaft, sollte auch für Letzteres ausreichend Zeit vorhandensein. Einsparen kann man diese Zeit sicherlich am ehesten dann, wennSie in der Lage sind, den Beiräten alle Belege per CD zuvor zur Prüfungbereitzustellen.PRAXIS-TIPP: BELEGPRÜFUNG NUTZENIn jedem Fall sollten Sie die Belegprüfung nutzen, um■ das Protokoll der vorigen Versammlung und die (hoffentlich vollständigen)Arbeitsergebnisse vorzustellen,■ die anstehende Versammlung zu strukturieren, Inhalte undSchwerpunkte festzulegen,■ die Tagesordnungspunkte durchzusprechen,■ eine weitergehende Vorschau (wann ist mit welchen umfangreicherenAusgaben für Sanierungen zu rechnen) zu geben und ggf.Maßnahmen zu planen,■ eine Strategie zur Behandlung potenziell schwieriger Inhalte zuentwickeln.Prozess: Eigentümerversammlung durchführenwww.haufe.de/immobilien


7PRAXIS-TIPP: BEAMER ABKLEMMENSollten Sie auf Ihrem Rechner nach Dokumentensuchen müssen und gleichzeitig mit dem Beamerarbeiten, dann unterbrechen Sie während der Suchedie Bildübertragung. Mitunter können schonDateinamen usw. Dinge verraten, die nicht für dieAllgemeinheit bestimmt sind. Schalten Sie auch automatischeBenachrichtigungen, die möglicherweise„aufpoppen“ könnten, während der Arbeit mitdem Beamer ab und schließen Sie nicht benötigteProgramme (vor allem das E-Mail-Programm).Beim Thema Protokollführung und -erstellung scheidensich die Geister. Nach meiner Auffassung ist die effi -zienteste Lösung, vorformulierte Beschlussvorlagen beider Versammlung anzupassen – handschriftlich oder inder Datei – und die notwendigen Unterschriften nochbei der Versammlung einzuholen. Auch wenn dies besondersbei größeren Versammlungen einen weiterenMitarbeiter zur Protokollführung erfordert, wird dieseZeit im Folgenden mindestens wieder eingespart. Dieunverzügliche Führung der Beschluss-Sammlung gehörtzu den selbstverständlichen Pfl ichten und wird daherhier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.Ebenfalls unter Einbeziehung des Beirats sollten Sie deutlich vor derEigentümerversammlung eine eingehende Objektbegehung/-kontrolledurchführen (s. dazu den Beitrag „Objektkontrolle“, Ausgabe September2011). Dabei geht es nicht nur um die Wahrnehmung von Pfl ichten, diesich aus Ihrer Betreiberverantwortung ergeben. Niemand sollte Ihnenauf der Versammlung vorwerfen können, das Objekt und seinen aktuellenZustand nicht zu kennen.Unmittelbar vor der Versammlung sollte abschließend die Vollständigkeitder Unterlagen und der Ausrüstung überprüft werden. Empfehlenswertist auch hier die Nutzung von Checklisten, die nachvollziehbar abgearbeitetwerden. Eine Überprüfung und objektbezogene Ergänzungder Listen sollte bereits bei der Beiratsbesprechung erfolgen. NotierenSie gleich bei der Durchsprache der einzelnen TOPs, welche Unterlagenjeweils benötigt werden.Als besonders sinnvoll hat sich erwiesen, die Unterlagen von einemMitarbeiter zusammenstellen zu lassen und die Vollständigkeit abschließendnochmals selbst zu prüfen (4-Augen-Prinzip). Wichtige Dokumentenicht griffbereit zu haben, macht auf die Eigentümer keinen gutenEindruck. Leichter ist es hier für Verwaltungen, die bereits überwiegendpapierlos arbeiten.Moderne Technik einsetzenEin leistungsfähiger Beamer gehört heute zur Grundausstattung bei derEigentümerversammlung. Dieser hilft Ihnen wesentlich dabei, die Versammlungzu strukturieren und zu lenken. Die besseren Visualisierungsmöglichkeitensollten nicht unterschätzt werden. Das gilt nicht nur für Bilder,sondern auch für Texte (z. B. Beschlussvorlagen) und Hinweise zumFortschritt der Versammlung (eine Präsentation begleitet die Versammlungund zeigt auf jeder Folie den aktuellen Stand – „TOP x von y“).Folgearbeiten planenDie meisten Versammlungen ziehen Aufgaben bzw. Folgearbeitennach sich. Auch die Planung dieser Arbeitensollte so erfolgen, dass eine vollständige und termingerechteBearbeitung sichergestellt ist. Hier ist es wichtig,dass die bereits erledigten Arbeiten auch bei Abwesenheitdes jeweiligen Sachbearbeiters nachvollziehbar sind.Unabhängig davon, welche Methode eingesetzt werdensoll (Wiedervorlagen, Terminkalender, EDV-Systeme, Erledigungsprotokolle),sollte die festgelegte Methode von allen Beschäftigteneinheitlich angewendet werden.Kundenbefragung durchführenAbschließend noch ein Hinweis zur Kundenzufriedenheit. Für kaum eineBranche ist die Messung der Kundenzufriedenheit so einfach und kostengünstigdurchzuführen wie für Immobilienverwalter. Nutzen Sie deshalbdie Chance, entweder den Beirat bei der Belegprüfung oder die Gemeinschaftbei der Versammlung mithilfe eines strukturierten Fragebogens zubefragen. Die Kosten für diese Methode sind äußerst gering, die Rückläuferquoteist kaum zu übertreffen und der Erkenntnisgewinn hoch.! WeiterführendeInformationen:Eigentümerversammlung 2013,Power-Point-Präsentation(Muster) 2859879DER AUTORJörg Wirtz istGeschäftsführerder InRaConGmbH undberät speziellImmobilienverwaltungenbeider Optimierungihrer Prozesse und bei derZertifi zierungsvorbereitung (u. a.ISO 9001, GEFMA 700ff., TÜV-geprüfteImmobilienverwaltung).www.inracon.dewww.haufe.de/immobilien


Deckert kompaktDie EigentumswohnungEntscheidung des Monats:Kostenregelung umfasstalle BalkonteileDeckert erklärt: NießbrauchWEG-Rechtsprechung kompaktLiebe Leserin, lieber Leser,auch wenn derzeit beim Blick aus dem Fensterder Gedanke, sich gemütlich auf dem Balkonniederzulassen, in weiter Ferne liegt, machtdas Thema Balkon für Sie als Verwalter keineWinterpause.In so mancher Gemeinschaft stehen sich dieEigentümer „mit“ und solche „ohne“ Balkon inzwei Lagern gegenüber, wenn es um die Sanierungskostengeht. Die Fraktion „ohne“ siehtnicht ein, warum sie hierzu etwas beitragensoll, während die anderen darauf verweisen,dass das Gemeinschaftseigentum Sache allersei. Menschlich verständlich ist beides.Die Verwirrung ist oft komplett, wenn dieTeilungserklärung zu den Kosten eine (gutgemeinte) Regelung enthält, die allerdingsInterpretationsspielraum lässt. Was nach demGesetz sonnenklar wäre, wird dann leicht zumBlindflug. Dann müssen häufig die Gerichteran, so wie in der aktuellen „Entscheidung desMonats“.Ein erfolgreiches Jahr 2013 ohne viele StreitereienwünschtIhrDr. Wolf-Dietrich DeckertEntscheidungdes MonatsKostenregelung umfasst alleBalkonteileErlegt die Teilungserklärung jedemEigentümer selbst die Instandhaltungund Instandsetzung des Balkons seinerWohnung auf, umfasst dies auch dieKosten der Balkonteile, die im Gemeinschaftseigentumstehen.BGH, Urteil v. 16.11.2012, V ZR 9/12Der Fall:In einer Eigentumswohnanlage verfügeneinige Wohnungen über Balkone. Die Teilungserklärungsieht vor: „Einrichtungen,Anlagen und Gebäudeteile, die (…) zumausschließlichen Gebrauch durch einenWohnungseigentümer bestimmt sind (z. B.Balkone, Terrassen, Veranden, Einstellplätze),sind von ihm auf seine Kosten instandzu setzen und instand zu halten.“Auf einer Eigentümerversammlung beschlossendie Wohnungseigentümer, dassdie Gemeinschaft die Kosten für die Sanierungbestimmter Balkone übernimmt, unddass die Kosten für eine Ursachenanalyse,in der von einer schadhaften Balkon- undFugenabdichtung sowie von einem schadhaftenFliesenbelag die Rede ist, auf sämtlicheEigentümer umgelegt werden sollen.Eine Eigentümerin hat diese Beschlüsse angefochten.Das Problem:Der BGH hatte darüber zu befinden, wieweit die Bestimmung in der Teilungserklärungreicht, nach der jeder „seinen“ Balkonselbst instand halten bzw. setzen muss.So hat der BGH entschieden:Die Anfechtungsklage ist begründet. Die Beschlüsseentsprechen nicht ordnungsgemäßerVerwaltung, weil sie gegen die zitierteRegelung der Teilungserklärung verstoßen.Diese ist so auszulegen, dass Eigentümer vonWohnungen mit Balkon für sämtliche diesbezüglichentstehenden Instandsetzungs- undInstandhaltungskosten aufkommen müssen.Der Wortlaut enthält keine Einschränkungund bietet keine Anhaltspunkte für eine Unterscheidung.Damit sind die Kosten für dieIsolierung und die Abdichtungsanschlüssevon den betroffenen Wohnungseigentümernzu tragen und dürfen nicht auf sämtliche Eigentümerumgelegt werden.Die Überbürdung der gesamten Kostenlastknüpft schon sprachlich daran an, dass derBalkon zum „ausschließlichen Gebrauch“durch den jeweiligen Wohnungseigentümerbestimmt ist, die übrigen Wohnungseigentümermithin von der Nutzung ausgeschlossensind. Der Teilungserklärung ist auchkeine Einschränkung zu entnehmen. Es istnicht ersichtlich, dass die das Gemeinschaftseigentumbetreffenden Sanierungskostennicht vom jeweiligen Wohnungseigentümergetragen werden sollen.Maßnahmen, die den Eintritt von Feuchtigkeitverhindern, können zwar auch der Erhaltungdes gesamten Gebäudes zugutekommen.www.haufe.de/immobilien


12Auch das nochWarmbadetagUm das richtige Baden stritten Vermieter und Mieter einer Wohnung vordem AG München. Der Vermieter hatte eine defekte Gastherme gegenein neues Modell ausgetauscht. Dieses war allerdings etwas schwach aufder Brust, sodass es nach dem Austausch geschlagene 42 Minuten dauerte,die Badewanne zu füllen. „Das ist zu lang“, sagte das AG München(Urteil v. 26.10.2011, 463 C 4744/11) und verdonnerte den Vermieter,eine ausreichend dimensionierte Therme zu installieren. Dem Mieter seies nicht zuzumuten, so lange auf eine gefüllte Wanne zu warten, zumaldas Wasser während des Einlassens schon wieder abkühle.Mit dem Einwand, 38 Grad seien ohnehin genug, weil bei höheren WassertemperaturenHerz und Kreislauf überlastet würden und die Haut austrockne,konnte der Vermieter beim Gericht nicht punkten. Das Gericht– genauer gesagt eine Richterin – wisse nämlich „aus eigener Erfahrung“,dass es für ein angenehmes Baden mindestens 41 Grad sein müssten.StandpunktSchlusslichtDipl.-Kfm. Peter W. Patt, Fachverwalter,RHENUS Verwaltung GmbH, ChemnitzVorzeichen der AlterungIn den Wohnanlagen sieht man immer mehr Pflegedienste auf Rädern.Gehofft hatte ich, es wären mobile Tagesmütter im Einsatzfür die Pflege der vielen Kinder. Aber Deutschland leidet an Unterjüngung,es werden zu wenige Kinder geboren. Leidet Deutschlandauch an Überalterung? Wenn man politisch korrekt überhaupt von„Alten“ reden darf, galant meist umschifft mit dem Begriff „Ältere“.Bei dem zunehmenden Altersgrad unserer Bevölkerung müssen wiruns fragen, ob Altern ein Problem ist.Wenn Alterung und Alte mit „Last“ in Verbindung gebracht werden,laufen wir Gefahr unmenschlicher (Re-)Aktionen. Nein, so weit willnatürlich keiner gehen, die Geschichte mahnt und christliche Nächstenliebeverbietet uns solcherlei Bewertung von Leben. Aber störentun die Pflegeambulanzen schon, wenn sie in zweiter Reihe parken,um unter Wahnsinnszeitdruck die vereinbarten Pflegeleistungen zuerbringen. Und ihre Zahl wird bis 2030 enorm steigen.Die Erwerbstätigen, die immer mehr leisten müssen, damit die RenteZitatMan kann die Welt oder sich selbst ändern. Das Zweite istschwieriger.Mark Twain (1835-1910), US-amerikanischer SchriftstellerCartoonim Umlagesystem reicht, werden in den Wohngebieten noch mehrambulante Pflegedienste umkurven müssen. Ich würde diese vermeintlicheKleinigkeit nicht gering schätzen, die Nerven werden systematischstrapaziert. Und wenn dann noch der Rettungswagen oderdie Müllabfuhr nicht durchkommen … In der Anonymität städtischenWohnens wird die Akzeptanz für solche Einschränkungen sinken, zumaldie Berufstätigen immer höheren Leistungsdruck haben werden,um den Wohlstand aufrechtzuerhalten, der auch notwendig ist, um dieVerlagerung der familiären Pflege auf gewerbliche Kräfte finanzierenzu können. Als familiäre Leistung musste Pflege nicht bezahlt werden.Und weil die Alten den Jungen nicht zur Last fallen wollen, aber dennochlieber Zuhause als im oft unbezahlbaren Heim leben möchten,verstärkt sich die Zahl der Pflegedienste enorm. Alle werden unter dieserLast stöhnen – die Pflegedienste, die Berufstätigen und die Alten.Was können wir Verwalter zur Linderung tun? In der besonderenKenntnis von Wohnsituationen und -verhalten müssen wir denStadtplanern und Architekten Vorgaben nicht nur für barrierefreieWohnanlagen machen, sondern auch für Kurzzeitstellplätze, Stauräumefür Pflegematerial, Mülltonnen für Erwachsenenwindeln, ggfs.Reservegästezimmer für Pflegedienste bei Nachteinsatz usw. Undwir müssen „unsere“ Bewohner in ihrer jeweiligen Situation verstehenund annehmen, wie sie sind. Das ist nicht leicht, aber nur durchAchtung vor jedem anderen schaffen wir wirklichen Wohn-Wert.IMPRESSUMDer Verwalter-Briefmit Deckert kompaktISSN: 2190-4006Best.-Nr.: A06436VJ© 2013 Haufe-Lexware GmbH & Co. KGEin Unternehmen der Haufe GruppeANSCHRIFT:Haufe-Lexware GmbH & Co. KGMunzinger Straße 9, 79111 FreiburgTel.: 0761 898-0, Fax: 0761 898-3990E-Mail: online@haufe.deInternet: www.haufe.deKommanditgesellschaft, Sitz FreiburgRegistergericht Freiburg, HRA 4408Komplementäre: Haufe-LexwareVerwaltungs GmbH,Sitz Freiburg, Registergericht Freiburg, HRB 5557;Martin LaquaGeschäftsführung: Isabel Blank, MarkusDränert, Jörg Frey, Birte Hackenjos, Jens Köhler,Matthias Mühe, Markus Reith wiesner,Joachim Rotzinger, Dr. Carsten ThiesBeiratsvorsitzende: Andrea HaufeUSt-IdNr. DE812398835HERAUSGEBER: Dipl.-Kfm. Richard KunzeREDAKTION:Rechtsanwalt Dirk Hammes (v.i.S.d.P.),Antje Kromer (Assistenz)Haufe-Lexware GmbH & Co. KGMunzinger Straße 9, 79111 FreiburgTel.: 0761 898-0, Fax: 0761 898-3434E-Mail: immobilien@haufe.deInternet: www.haufe.de/immobilienCartoon: Günter Bender, AarbergenSatz: Schimmel Satz & Graphik GmbH & Co. KG,Im Kreuz 9, 97076 WürzburgDruck: Druckerei Kesselring GmbH,Postfach 1664, 79306 EmmendingenDer nächste Verwalter-Brief erscheint am 7.3.2013.www.haufe.de/immobilienMat.-Nr. N6436-5028

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