Download - juridikum, zeitschrift für kritik | recht | gesellschaft

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~~---~-----------~--~derne sich abzeichnende, aber in derGegenwart sich erst recht durchsetzendeAblösung personaler Beziehungenzugunsten anonymer Strukturen in derOrganisation der gesellschaftlichenFunktionszusammenhänge kann leichtdie Illusion entstehen, dass damit dietradierten Herrschaftsverhältnisse definitivobsolet würden. In der fortschreitendenVerschiebung von der SozialzurSystemintegration der Gesellschaftverringert sich der ideologische Aufwandzur Begründung und Rechtfertigungbestehender Verhältnisse, diesich zunehmend subjektlos aus reinenSachzwängen zu reproduzieren scheinen.Das reflektiert die These vom Endeder Ideologien. Da jedoch das Endeder Ideologien nicht gleich bedeutendist mit dem Ende von Herrschaftsverhältnissenund Ausbeutung, ist dieThese vom Ende der Ideologien selbstnoch eine und zwar besonders schwerdurchschaubare Ideologie.Die Fronten der gesellschaftlichenKonflikte sind heute weniger klar sichtbar;vor allem wird immer schwerer erkennbar,wer die Einrichtung der gesellschaftlichenVerhältnisse intendiertund veranlasst und wem sie dienenund nützen, sodass zugleich auch unklarwird, gegen wen sich Oppositionzu richten hätte. Die Figuren des Kapitalisten,des Sklavenhalters oder Patriarchensind von der Bildfläche verschwunden.Nur sind von den negativenFolgen noch immer Gruppen undIndividuen personal, kollektiv sowie individuell,betroffen und diese sehenden herkömmlich erweise von Ausbeutungund Unterdrückung betroffenenGruppen und Individuen immer nocherstaunlich ähnlich, ohne dass es sichum eine im essentiellen Sinne zu verstehendeIdentität oder Verwandtschafthandeln würde. Die Statistikensprechen diesbezüglich eine sehr klareSprache; aber es ist von entscheidenderBedeutung, dass nicht sie alleinsprechen, sondern dass die von Diskriminierungund Pauperisierung Betroffeneneine - subjektive - Sprache finden,die an der Subjektlosigkeit undAnonymität der sie betreffenden Strukturennicht scheitert.Privatdozentin Dr. phil. CorneliaKlinger arbeitet am Institut für dieWissenschaften von Menschen inWien.This book constitutes the firstextensive evaluation study onselected fields of the HumanDimension of the OSCE. It undertakesa meticulous attemptto put the Bvaluation of recommendationsmade bythe Implementation Meetings,Supplementary Meetings andSeminars of the OSCE into amethodological framework.• "Free and Fair" Elections• Roma and Sinti• Migration, Refugees andDisplaced Persons• Trafficking in Human BeingsThe book is not only for thosewho are expert in OSCE politics,but also for people whoare interested in the interplay offormal and informal processesin international politics. However,it is also addressed to allthose who are concerned withand about dernocratic development,fundamental freedomsand human rights.474 pages, paperback,ÖS 605,45/€ 44,-, 3-7046-1718-0"erla~sterreichvormals Verlag derk. u. k. Hof- und StaatsdruckereyVerlag Österreich GmbH, 1037 Wien,Rennweg 16Tel.: 01-610 77-315, Fax: 01-61077-589,e-mail: order@verlagoesterreich.at.www.verlagoesterreich.atTheorie; ihr obliegt die Bearbeitungder Kategorie Geschlecht; ihr Themabildet das geschlechtsbezogene Herrschaftsverhältnis,ihr Kernbereich liegtin der aus den gesellschaftlichen Funktionszusammenhängenexternalisiertenmenschlichen Reproduktion; zu allenanderen Gebieten steht sie in engerBeziehung. Eine Analyse und Kritik derGeschlechterordnung, des geschlechtsbezogenenHerrschaftsverhältnisses istnicht das Ganze, aber auch nicht wenigerals ein bedeutsamer und mit anderengleich gewichtiger Teil einer umfassendenGesellschaftsanalyse.Es fällt auf, dass die drei Herrschaftsverhältnissezwischen Herr undKnecht, Herr und Sklave, Herr undWeib von archaischen Gegebenheitenausgehen. Spätestens an der Schwellezum modernen Industriezeitalter hättensolche archaischen Formen gesellschaftlicherOrganisation untergehenmüssen - wenn schon nicht aus ideologischenbzw. moralischen Gründen, sodoch umso sicherer aufgrund der enormenErweiterung und Ausdifferenzierungder gesellschaftlichen Funktionszusammenhänge,in deren Folge dieengen personalen Beziehungen durchanonyme Strukturen abgelöst wurden.Davon unbeschadet steht fest, dass diedrei Konzepte Rasse, Klasse und Geschlechtüberhaupt erst und bezeichnenderweisesowohl ungefähr gleichzeitigals auch mit auffallenden Übereinstimmungenin ihrer Formulierungan der Schwelle der Moderne in Erscheinungtreten. Sie setzen an vorgängigenHerrschaftsformen an, ohnesich unmittelbar aus ihnen herzuleiten.Es handelt sich um neuartige, spezifischmoderne Konfigurationen undKonstellationen, die gleichwohl auf altenFundamenten basieren. Und vor allemfällt auf, dass Rasse, Klasse und Geschlechteinschließlich der sie nun begleitendenaggressiven Ideologien ausgerechnetin dem historischen Momentin Erscheinung treten, in dem dieGründung der modernen Gesellschaftauf die Prinzipien von Freiheit, Gleichheitund Solidarität jeder Art von Ungleichheitund Unfreiheit den Bodenentziehen sollte.Die Einbeziehung des diachronenAspekts in die Analyse und Kritik vonHerrschaftsformen ist freilich keineswegsnur von historischem Interesse.Im Hinblick auf die seit Beginn der Mojuridikum3/01verla~sterreiChSeite 111

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