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EDENJUNI 2013Familie von Boch» Unser Gartendarf wachsen,wie er will«DesignAngelika Taschenpackt ausDAS HOME & LIVING MAGAZIN DERBerlinDer Kunstsalonkehrt zurückImmobilienDeutschlandsteuerste Straße


pc studio - photo tommaso sartoriDESIGN PORTRAIT.Kreativ Direktor Anne und ihre beiden Lieblinge: Jakob und Michel. Michel design von Antonio Citterio. www.bebitalia.comB&B Italia Stores: München, Maximiliansplatz 21 - Tel. 089 461 368 0 info@bebitalia.deBerlin, beim Minimum Einrichten Gmbh Torstrasse 140 - Tel. +49 3024 0477377Plz 0 1 2 3 4 5 Andreas Weber Tel. +49 51305840584 - weber@designkollektionen.dePlz 5 6 7 Thomas Köber Tel. +49 173 7490937 - k2agentur@arcor.dePlz 0 7 8 9 Norbert Juelicher - Tel. +49 172 9572772 - norbertjuelicher@t-online.de


www.kaldewei.deEDITORIAL//EDEN.HOME &LIVINGDUSCHGenießen und Kunst liegenin der Wohnung von Damian Griederund Melanie Grieder-Swarovski nahbeieinander. Fotograf Oliver Markdurfte ausnahmsweise reinCOUTUREXetis – visionäre Ästhetik mit System.Unser Fotograf Markus Hintzen (l.) hatte Glück: Es gab tatsächlich einen Tag im Mai, an demes nicht geregnet hat. Er fuhr schnell ins Saarland, um Familie von Boch zu treffenDAS PARADIESist überall... findet das Team des neuen »Welt am Sonntag«-Magazins EDEN. Denn ob wir im Paradies leben, bestimmen wirim Wesentlichen selbst. Zugegeben – es hilft ein wenig, wenn dieser Ort mit netten modernen Möbeln ausgestattetist, wenn die Räume licht und groß sind und wenn der Sound stimmt. Es schadet auch nicht, wenn die Lounge-Möbel auf der Terrasse eine gute Zeit versprechen, ehrwürdige Laubbäume Schatten spenden und ringsumObststräucher und Blumen wiesen sprießen. Den leisen Widerspruch zwischen dem hedonistischen Hier und Jetzteinerseits und der biblisch-moralischen Unschuld andererseits nehmen wir da gernein Kauf. EDEN zeigt reale Paradiese, die, um ganz konsequent im Bild zu bleiben, ihreeigenen privaten Schöpfer haben: Familien und Bauherren, Architekten und Stadtplaner,Firmengründer und Gärtner.Für die erste Ausgabe besuchte Ulf Poschardt das Künstler- und SammlerpaarMelanie Grieder-Swarovski und Damian Grieder, die in Berlin-Charlottenburg eine riesigeAltbauwohnung in eine neue Version des Berliner Salons verwandelt haben. UnsereAutorin Gaby Herzog besuchte in Düsseldorf Peter Janke, der vielen Profi-Gärtnernsogar in England ein Vorbild ist. Werner Sobek zeigt uns seine Zukunft der Architektur.Im Immobilienteil sehen Sie, was die großen und kleinen Paradiese kosten.Und Art-Direktorin Angela Ziegler entwickelte aus alldem gemeinsam mit ihrem Teamfür uns ein Magazin mit moderner Eleganz.Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen und neue Erkenntnisse beim Anschauen und Lesen.Ihr Michael FabriciusKaldewei setzt einmal mehr neue Maßstäbe in der modernen Badarchitektur.Der homogene Duschbereich verschmilzt mit dem Badezimmerboden,Kaldewei Stahl-Email 3,5 mm – der Ablauf ist in die Wand integriert.So ermöglicht Kaldewei Badplanern neue, ästhetische Gestaltungsmöglichkeitenfür den bodengleichen Duschbereich.FOTOS: MARKUS HINTZEN, OLIVER MARK (2), RETO KLAR, PRIVATDagmar von Taubetrifft als Chefreporterin die Großen und Besonderendieser Welt. Für EDEN hat sie ihr Adressbuch geöffnetund diese Ausgabe inhaltlich mit gestaltet. Außerdemhat sie Verlegerin Angelika Taschen ihre ganzpersönlichen Lieblingstipps entlockt (Seite 8), mitKriegsreporter Peter Scholl-Latour über die Weisheitendes Whisky philosophiert (Seite 26) und sich von Dinaund Oliver von Boch das Glück des eigenen Gartens zeigenlassen – auf den Seiten 30 bis 34.IMPRESSUMChefredakteur: Jan-Eric Peters Redaktionsleitung: Michael Fabricius Beratung: Susanne Klein, Ulrich Machold Chefreporterin: Dagmar von Taube Redaktion: Katrin von Raggamby Gestaltung: Angela Ziegler (Art Direktion),Maud Radtke (Grafik) Fotoredaktion: Puppe Engel, Anne Grobler Verlagsgeschäftsführung: Jan Bayer (Vorsitzender), Dr. Stephanie Caspar, Frank Mahlberg Gesamtanzeigenleitung: Stephan Madel Anzeigen: Denise Ruppelt (denise.ruppelt@axelspringer.de)Objektleitung: Carola Curio (carola.curio@axelspringer.de) Verlag: Axel Springer AG Repro: Druckvorstufe WELT GRUPPE Berlin Druck: Prinovis Ltd. & Co KG, Nürnberg Herstellung: Olaf HopfEDEN ist ein Supplement der »Welt am Sonntag«, die nächste Ausgabe erscheint am 29. September 2013. Sie erreichen uns unter EDEN@wams.de.Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeitJUNI 20135


INHALT//EDEN.HOME &LIVINGÜberzeugend:90 Jahre.Made in Germany.Jetzt mehrerfahren!36DESIGN08 LIEBLINGSSTÜCKE Verlegerin und DesignerinAngelika Taschen zeigt uns Dinge, auf siekeines falls verzichten möchte10 DRINNEN WOHNEN Mehr Retro geht fastnicht mehr! Oder doch?Erleben Sie jetzt High-End-Technologie, die Maßstäbe setzt –vom Erfinder des Fernsehens: Loewe fertigt seit seiner Gründungin Deutschland und garantiert so die höchste Qualität.12 DRAUSSEN LEBEN Die Tage sind lang, wirverlegen das Wohnzimmer nach draußen undzeigen die besten Lounge-Möbel14 WLAN FÜR ALLE Drei Konzepte für Fans derdrahtlosen MusikübertragungErfahren Sie mehr bei Ihrem LoeweFachhandelspartner oder auf www.loewe.tv!16 GRÜNE ZUKUNFT Farben-Professor Axel Vennerklärt die aktuellen Trendfarben und wieeine bunte Wand das Leben verändern kann10WOHNEN18 BERLINER SALON Galerist Damian Grieder undKünstlerin Melanie Grieder-Swarovski öffnenfür EDEN ihre Wohnung mit Pivatgalerie42 401826 LEBENSART Peter Scholl-Latour trinkt Ginmit Dagmar von Taube und erklärt den Sinneiner gepflegten Hausbar28 ARCHITEKTUR Werner Sobeks Haus-Entwürfeund wie sie uns eine bessere Welt bescherenFOTOS: OLIVER MARK, ZANETTI, ETERNIT (SCHWEIZ) AG, MARKUS HINTZEN, KAREL KUEHNE; ILLUSTRATIONEN: ULI KNÖRZER, CLAUDIA LIEB3035GARTEN30 TRAUMFAMILIE Die von Bochs zeigen unsihr verwunschenes Anwesen mit Garten,Hotel und Jagdschule im Saarland35 GRILL TOTAL Wie grillt man ein Steak?Die Antwort weiß allein Boris Radczun,Chef des berühmten Berliner Grill Royal36 FALSCH GEPFLANZT Garten-ExpertinGabriella Pape über die gröbsten Irrtümerdeutscher Hobbygärtner38 GEPFLEGTE WILDNIS Gärtnern ohne Stress – soetwas lernt man bei Peter Janke in Düsseldorf40 ETERNIT-MÖBEL Eine Manufaktur in Österreichbaut unzerstörbare Möbel für draußenIMMOBILIEN42 DEUTSCHLANDS SCHLOSSALLEE DerHarvesterhuder Weg in Hamburg istdie teuerste Straße der Republik43 WAS BEKOMME ICH FÜR … rund eine MillionEuro? Ein Penthouse in Frankfurt vielleicht?44 KÖLN WÄCHST – und zwar besonders starknach Westen. An den Klostergärten entstehtein ganz neuer Stadtteil46 NEUNZEHN FRAGEN AN ... Jan KleihuesJUNI 20137


EDEN.HOME & //LIVINGDESIGNLieblingsstückeTASCHENpackt ausAngelika Taschen hat mit ihrem Ex-Mann Benedikt Coffee-Table-Bücher für Millionen gemacht. Heute veröffentlicht sie in ihremeigenen Verlag »Angelika Books« und berät viele deutsche Marken.Hier zeigt sie uns Dinge und Orte, auf die sie nie verzichten würde4Porzellan Teetrinken gehört zu meinen schöpferischenPausen, mehrmals am Tag. Und, ganz wichtig:Sein ganzes Aroma entfaltet er nur in Porzellantassen!Ich besitze für jede Tageszeit und Stimmung unterschiedlicheService: Meinen Darjeeling morgens trinke ich auseiner weißen Tasse von KPM, Modell Neuosier. MeinenAfternoonblend von The Wolseley in London mit leichtrauchi ger Note genieße ich russisch-zaristisch imweiß-blauen »Kobaltnetz« von Lomonosov.1Möbel Gerade habe ich zwei Stühlefür meine Enkel Leni und Ruben vonVerner Panton bei Lauritz in Düsseldorfer stei gert. Sie sind relativ selten im Ver -gleich zum klassischem S Chair von Panton.Zusammen wirken sie, als würden sie sichmiteinander unter halten, das gefiel mir.Wie Skulpturen fürs Kinderzimmer, aberauch sehr bequem zum Sitzen.2Vasen Ich bin ein Lichtmensch, ich mag alles, was leicht, schlicht undtransparent ist. Die schwedische Künstlerin Ingegerd Råman übersetzt dieseKlarheit wunderschön mit ihren Glasarbeiten, die noch traditionell bei Orreforsin Schweden geblasen werden. Ihre Vasen wirken auch ohne Blumen, einfachals Objekte. Sie strahlen so eine Ruhe aus. Jetzt im Juni fülle ich sie mitRittersporn, die dunkelvioletten Blüten wirken intensiv.5Hotel Ich habe dieschönsten Hotels derWelt gesehen, aber erstjetzt mein absolutes Paradiesgefunden: Das Hotel»Palazzo Margherita« vonRegisseur Francis FordCoppola liegt im süditalienischenSanta Bernalda,der Geburtsstadt seinesGroßvaters. Es ist ein nochvöllig unberührtes, kleines Städtchen in der Nähe vonSassi di Matera, das zum Unesco-Weltkulturerbe zählt.Gestaltet wurde das Hotel mit traumhaften Mosaikbödenund Wand male rei en von dem berühmten Interieur-Designer Jacques Grange. Das Gute: Es hat nur ganzwenige Zimmer. Bevor es eröffnet wurde, hat SofiaCoppola ihre Hochzeit hier gefeiert. Ich durfte in ihrerHochzeitssuite übernachten! Privater geht es nicht.3Brille Wenn ich denn schon Brille tragen muss, dachte ichmir, dann ein richtig dickes Horngestell, bitte schön! ModellHerbie von Mykita ist eigentlich als Sonnenbrille gedacht. Aber ichhabe normale Gläser einbauen lassen. Nun trage ich sie zum Lesen.Gerade habe ich »Hinter dem Blau« von Alexa von Heyden be endet.Herbie begleitet mich auch ins Restaurant. Wenn ich das Menüim Kerzenlicht entziffern muss, zücke ich stolz mein neues »Nasen-fahrrad« – und erfreue mich der Reaktion meiner Freundinnen.Die wollen jetzt auch alle so eins!Den »Berliner Stil«lebt Angelika Taschen inihrer Berliner Wohnung –mit Fotoarbeit vonThomas Struth undChandelier der KünstlerinPae White. Und »BerlinerStil« heißt auch ihr neuesBuch, ab September imKneesebeck VerlagFOTOS: HIEPLER/BRUNIER, PRIVAT, SANDRA SEMBURG, WWW.ORREFORS.SE, RETO KLAR, PALAZZO MARGERITHA, PR6Bar Dirk Mecky heißt der Besitzer von SchmitzBar. Die ist so etwas wie mein zweites Wohnzimmerin meinem geliebten Köln, in das es mich immer malwieder zurückzieht, wenn ich eine kleine Auszeit vonBerlin brauche. Ich bin ja Rheinländerin! Zuerst gehörteMecky das XX, ein ehemaliger Puff, in dem auchMartin Kippen berger regel mäßig an der Theke saß,seine Kehle ölte und teerte. Dann die Metzgerei unddas Salon Schmitz. Schmitz Bar nun ist KölscherBrasserie-Stil – »härrlisch«, wie die Kölner sagen.8JUNI 2013 JUNI 2013 9


EDEN.HOME &12 JUNI 2013LIVING// DESIGNDer Garten steht auf TeppichDRAUSSENlebenDie Nächte sind lang, das Wohnzimmerliegt unter freiem Himmel.Wir zeigen alles, was man zumFreiluft-Chillen brauchtSwingrest von Dedon:Wer hier nicht abhängenkann, ist selber schuld(4490 Euro)LOUNGINGAUF DERTERRASSEZwei links, drei rechts – oder doch liebergegenüber? Die neuen Gartenmöbelserienbestehen meist aus Modulen: Es gibt Loungestühle,Sofa elemente, Chaiselongues oderLiegen für zwei – dazwischen lassen sichkleine Tische zum Abstellen von Laptop oderChampagnerglas einklinken. So entstehenindividuelle Couchlandschaften, die »formel lenGesprächen ebenso Platz lassen wie dement span n ten Leben im Freien«, wie es derHersteller Cane-Line ausdrückt. Seine LinieConic (Sessel oben: 1399 Euro) wurde vomskandinavischen Designer-Duos Foersom &Hiort-Lorenzen kreiert.Und darf’s noch einKamin sein? Die FeuerschaleStromboli(Dedon, Preis k. A.)wurde gerade inMailand präsentiertEcht Starck.Das Bad vonPhilippe Starck.Chill: Der Namesagt alles. Weishäuplsetzt dieses Jahrauf bunte Farben(Sessel: 598 Euro)Design by Philippe StarckWENN DER MONDNICHT GENUG ISTJedem Sofa seine Lampe –was für die gute Stube gilt,kann auch im Garten nichtfalsch sein. Macht docherst das richtige Licht einen(Frei-)Raum behaglich. Werdem Mondschein also nach -helfen möchte, platziertStand up von Authentics(rechts, 495 Euro) nebenseine Loungemöbel. Die1,60 Meter große skulpturaleStandleuchte ist wie einTropfen geformt und funktioniertnach dem Stehaufmännchen-Prinzip.Auchdas rote Licht von Inoutdes spanischen DesignersMetal arte (ab 1015 Euro)ist so schön wie derMond. Nur näher.Hart trifft weich: Suite von FischerMöbel ist eine Kombi aus Edelstahl und Stoffbahnen(Sitzgruppe mit Tisch: 4560 Euro)Sieht aus wie ein Teppich, fühlt sich an wie ein Teppich undliegt auf der Terrasse. Dedon hat die edlen Stücke derDesig nerin Michaela Schleypen im Programm. »Mit nacktenFüßen fühlt sich das im Sommer unglaublich an genehman«, sagt Milenka Thomas von Dedon. Und im Winter?Ebenfalls. Denn man kann den Outdoor-Teppichauch ins Wohnzimmer legen. »Wir wollen dieGrenze zwischen innen und außen durchbrechen«,so Thomas. Curl Khaki (4070 Euro).FOTOS: PRNoch nuancierter. Noch eleganter. Noch variantenreicher. Die Badserie Starck, kombiniert mit dem passenden Möbelprogramm. Nur ein Beispielfür das umfassende Sortiment von Duravit – Sanitärkeramik, Badmöbel, Accessoires, Wannen, Wellnessprodukte und Saunen. Katalog gratisvon Duravit AG, info@duravit.de, www.duravit.de


EDEN.HOME &LIVING// DESIGNDie großen Genusszentren: Side-by-Side1Zu Hause mit der Marantz Consolette (l.)oder mobil mit dem Beolit 12 (r.)Für den Bequemen –Design und KlarheitPuristen müssen an dieser Stelle einmal kurz wegschauen. Aber es gibt durchausleistungsstarke All-in-one-Geräte, die einen Vorteil haben: Man braucht nichtsanderes mehr. Sie holen sich Musik kabellos über den Router aus dem Internet,vom Computer oder vom iPod in der Dockingstation und spielen die auch gleichab. Zum Beispiel die Marantz Consolette (ab 800 Euro) mit Holz-Furnier aufder Rückseite. Wer sowieso nur noch das Smartphone als Musikspeicher benutzt,kann auch einen Aktivlautsprecher nehmen und die Dateien direkt dorthinfunken. Es gibt überraschend gut klingende Speaker wie Sonys kegelförmigesModell SA-NS510 oder den zylindrischen Zipp von Libratone, dessen Filzhülleman auswechseln und farblich dem Wohnzimmerambiente anpassen kann.Als exzellent loben viele Nutzer den Beolit 12 von Bang & Olufsen, mit Akku fürsieben Stunden Laufzeit (699 Euro). Ähnlich gut: Loewes AirSpeaker (750 Euro)und Boses SoundLink Air (299 Euro).2FÜR DEN KOMPROMISSGÄNGER:DAZUGESTELLT UND INTEGRIERTWer mehr will als ein bisschen Musik aus irgendeiner Box, aberauf seine Audioanlage und die umfangreiche Mediensammlungnicht verzichten möchte, muss einen Netzwerk-Player dazustellenund am Verstärker anschließen. Dutzende Herstellerbieten mittlerweile solche Streaming Clients an: Teufel, MusicalFidelity, Cambridge, Denon, Marantz und Rotel sowie Applemit dem gänzlich auf iTunes fixierten Apple TV. Wer hochauflösendeMusikdateien, zum Beispiel im Flac-Format, verwendenmöchte, sollte darauf achten, dass die Geräte DLNA oder denStandard UPnP beherrschen. Große Unterschiede gibt es in derVerständlichkeit der Bedienung. Nur wenige Hersteller, und dazugehört beispielsweise Sonos, bieten Steuerungs-Apps für fastalle Smartphones und Tablets an und unterstützen zusätzlichverschiedene Musikdienste wie Spotify oder tune-in. Vor demKauf also konsequent prüfen, was man überhaupt hören möchte. Die Side-by-Side-Kombination mit sechs Klima zonen Mit BioFresh behalten Lebensmittel ihre gesunden Vitamine,ihr frisches Aussehen und den vollen Geschmacksehr viel länger als im herkömmlichen Kühlteil Weintemperierteil mit zwei unabhängig von einanderzwischen + 5 ºC und + 20 ºC regel baren Bereichen Professionelle Kältequalität durch NoFrost- Technologieim Gefrierteil: Nie mehr Abtauen! Automatischer IceMaker Komfortable SoftSystem-SchließdämpfungIhr Fachhändler berät Sie gerne und kom petent.WLANfür alleIn Audio-Fachkreisen verdreht man die Augen, wennes um drahtlose Übertragung von Musik geht. Dochdie Technik ist besser geworden. Ein Wireless LAN kannMusikdateien durchaus in CD-Qualität transportieren.Eine Herausforderung ist die Wahl des Geräteparks.Denn dafür muss man wissen, was man für ein Typ istFÜR DEN ENTSCHLOSSENEN:GRÖSSE UND FÜLLE 3Wer seine WLAN-Musik auf ein Optimum trimmen will, muss erst einmal schauen, wo welches Geräthingestellt werden kann. Es ist nicht hilfreich, wenn Sender und Empfänger weit auseinanderstehenoder die Datenwolke sogar dicke Wände durchdringen muss. Es sollten zudem nicht zu viele UPnP-Geräte gleichzeitig laufen, da sie sich gegenseitig bremsen. Und in Ballungsgebieten kommt es immerwieder zu leichten Störungen, weil alle Nachbarn ebenfalls Funknetzwerke betreiben. Wer es schafft,möglichst viele Störfaktoren zu entfernen, kann Drahtlos-Musik in CD-Qualität genießen. HoheAudioauflösungen von 192 Kilohertz sind zwar nach wie vor Zukunftsmusik, allerdings kommt man mitdem richtigen Gerätepark nah dran. Mittelklasse-Anbieter wie Sonos kommen nicht infrage, da hier deranaloge Eingang ab vier Räumen auf MP3-Format reduziert wird. Entscheidend ist ein Verstärker mitgutem Digital-Analog-Wandler, der die Signale in weichen Klang übersetzt. Eine exzellente Lösung bietetdie Anlage SuperUniti von Naim, mit Vollverstärker, CD-Player und Netzwerkplayer. Eine Alternative:Aktivboxen, die die kabellos von Computern oder Netzwerk-Festplatten übertragenen Digitalsignaledirekt verarbeiten, zum Beispiel das Raumfeld-System von Teufel (1299 Euro). Ein Highend-Lautsprecher wurde auch schon von Dynaudio vorgestellt: der Xeo 5 (ca. 2700 Euro). tjAktions-Zugabe!Vom 01.06 bis 31.08.2013 erhaltenSie beim Kauf eines BioFresh-Aktions gerätes eine hochwertigeKühlkaraffe mit Kühlstab.Zwei Lösungen für exzellenten Sound:Aktivlautsprecher Raumfeld vonTeufel (l., gute Datenqualität ist hierVoraussetzung) und der AlleskönnerSuperUniti von Naim (r.)FOTOS: PR14JUNI 2013wein.liebherr.com


EDEN.HOME &LIVING// DESIGNGRÜN ISTdie ZukunftNein, das ist kein Umwelt-Statement. Und auch keinWahlkampfslogan. Sondern der neue Trend fürs WohnenGrün, Grün, Grün ist seine liebsteFarbe. Zumindest im Moment.»Grün ist ein Megatrend,weit mehr als nur ein Shorttrend«,sagt Axel Venn. »Die Farbe vonmorgen.« Der Mann muss es wissen.Er ist Farbexperte. Professor sogar, fürFarbgestaltung und Trendscouting.Mittlerweile emeritiert, aber als Buchautor,Berater für Unternehmen undfür Vorträge von Karlsruhe bis China inSachen Farben unterwegs. Man könntesagen: Er ist eine Art Farbenpapst.Als solcher predigt er zurzeit fürGrün. Und wie: »Grün ist wachsen.Grün ist gedeihen. Grün ist nicht intellektuell.Grün hat etwas Altruistisches«.Bei Grün gerät er völlig ins Schwärmen.»Ein guter Nachbar streicht eine Seitedes Hauses grün.«So einfach ist das? Ja, so einfach. Undwer kein Haus hat, nimmt eben die grünenKochtöpfe von Silit, für die Venn dieProduktfarbe designt hat. Denn, unddas ist das Beruhigende an Venns Philosophie,Farbgestaltung muss kein großerAufwand sein. Oder gar hohe Kostenmit sich bringen. Hauptsache, sie bringtLeben ins Haus.MIT WEISS WOHLFÜHLEN?Leben bedeutet für ihn: Unterhaltung,Diskussion, Gespräch. »Verzicht aufFarbe heißt Verzicht auf qualitätsvolleKommunikation«, ist Professor Vennüberzeugt. Sein Feindbild: ein kubischesArchitektenhaus, weiße Wände, weißerFußboden, weißes Sofa, Sichtbeton,kühle Glaselemente. »Da kann mannicht sprechen, da möchte man flüchten«,sagt er und wettert dabei gegenalles, was wir gerade begonnen haben,todschick zu finden: Minimalismus,klare Linien in der gesamten Wohnung,puristische Einfachheit, Verzicht Dekokramund unnützer Schnickschnick,Weiß-Grau-Schwarz – alles falsch, heißtes nun.»Wärme ist wichtig«, sagt Venn. Unddie kann man mit Farbe wunderbar erzeugen.Nicht nur mit Grün. Ein softesRot, ein abgetöntes Grau, ein weichesOrange, ein pastelliges Blau, ein natürlichesBeige – alles darf an die Wand!Oder muss zumindest in die Wohnung:als Kissen, Teppich, Sofadecke, Vorhängeoder großes Bild. Oder eben als Kochtopf.Eine sanfte Farbigkeit verwandeltRäume in wohnliche Oasen und bringtEntspannung. »Die eigenen vier Wändesind das Naherholungsgebiet Nummereins«, sagt Venn. Nur wenn sie es schaffen,uns Entschleunigung und Entspannungnach einem Stresstag zu bringen,sind sie richtig gestaltet.NUR NICHTS FALSCH MACHENDas Wort »richtig« setzt natürlich sofortunter Druck. Was also ist denn nundie richtige Farbe für wen und welchesZimmer? Bitte ein Rezept – für alle, dieüberfordert sind, wenn der Maler mitdem 100.000-Farbtöne-Fächer wedelt.Nein, der Professor gibt kein Rezept.Anregungen gerne, aber Farbvorschriftensind von ihm keine zu erwarten. Erbringt Beispiele ins Rennen: Die LandhausfarbenLamb’s Wool, Mud, TraditionBlue und Strawberry gelten auchfür Städter. Modern-Times-Töne wiepastelliges Peppermint oder VintageWhite, die so modern gar nicht sind, erinnernsie doch an die alten Vespa- undOpel-Rekord-Farben aus den »Sixties«.Elegante, delikate, schlichte Grau-,Creme- und Rosétöne, die zusammenwunderbar harmonisieren. Oder »ColourPower« für Junge. Oder Junggebliebene– dahinter versteckt sich Farbepur, laut und kräftig. »Diese Töne sindkein Zeichen der Midlife-Crisis, sondern» Das Augeisst nichtnur mit,es wohntauch mit«prof. axel vennfarbexperteEin buntes Leben:Professor Axel Vennlebt und arbeitet in Berlin.Seit Jahren forscht erüber Farben und ist alsBerater sowie Farb-,Trend- und Ästhetikmentorinternational tätigdas Mittel dafür, nicht hineinzugeraten«,sagt Venn.Denn Farbe ist immer der Ausdruckindividueller Sehnsüchte. Und diemüsse jeder für sich selbst rausfinden.Am besten in einem kreativen Prozess.»Farbe ist Freiheit«, sagt Venn.FARBE REGT AN ODER TÖRNT ABUnd die falsche Farbe? Macht krank.»Sick-Building-Syndrom« heißt daswissenschaftlich. Arbeitnehmer werdendepressiv oder verlieren zumindestjegliche Kreativität und Lust. GeradeBüros brauchen eine gute Gestaltung.Etwas Anregendes! Laut Venn motivierenFarben sogar mehr als das Gehalt.Wenn das kein Grund ist, über Farbennachzudenken!Und genau das ist es, was Venn erreichenmöchte: Nachdenken überFarben. Darüber sprechen. Und diskutieren.Streiten sogar. Sich allein odermit wem auch immer den richtigen Ton(den es nicht gibt) auszusuchen. Sichdamit auseinanderzusetzen. NichtTrends hinterherzujagen. Sein eigenerFarbenpapst zu werden. Mit Grün in derZukunft. Aber auch anderen Farbtönen.Könnte richtig sein. Oder zumindestnicht ganz falsch. ‹katrin von raggambyBuchtipp: »Farbtrends: Aktuelle Wohnbeispiele«von Axel Venn und Janina Venn-Rosky,Callwey Verlag, erschienen 2012, 19,95 EuroPORTRÄT: DIRK LINDNER; DIE FARBKREISE SIND DEM BUCH »FARBTRENDS« VON AXEL VENN ENTNOMMEN16 JUNI 2013


EDEN.HOME & //LIVINGWOHNENDer neue BerlinerSalonMelanie Grieder-Swarovskimit Blick auf einen»Great Green DresdenDiamond« des Künstler-Zwillingspaares Gertund Uwe TobiasDie Kunstsammler Melanie Grieder-Swarovski und Damian Grieder haben dasIdeal des eleganten Großstadtapartments verwirklicht. Zwischen Gemälden undSkulpturen tobt der Nachwuchs, draußen tobt das wiedererwachte West-BerlinText ulf poschardt — Fotos oliver mark18 JUNI 2013


EDEN.HOME &Als Melanie Grieder-Swarovskiihrem Herzen nachBerlin folgte, genügte einBlick auf die Straßen derdeutschen Hauptstadt,und sie wusste: »Ich mussmeine Schuhe wechseln.Keine hohen Absätzemehr, am besten gar keineAbsätze mehr«, erzähltdie gebürtige Tirolerinlachend. Das war im Jahr2003. Warum hatte sie sichauch ausgerechnet in einen Schweizer verliebt, der wiederumsein Herz vor Jahren schon an den oft dreckigen, rauen Molochan der Spree verloren hatte? Nach zehn Jahren London war Berlinein Kulturschock. Für Damian Grieder hatte die deutscheHauptstadt hingegen längst ihren Schrecken verloren. Nochin den 90er-Jahren war er in die damals chaotische Riesenbaustellegezogen und arbeitete für Franck + Schulte, in einemwunderbaren Jugendstilhaus in Charlottenburgs prächtigsterStraße, der Mommsenstraße. Das war für jemanden vom Zürichseeaushaltbar, besonders dann, wenn die Galerie im WestenBerlins mit so bedeutenden internationalen Künstlern wieSol Lewitt und Rebecca Horn arbeitete. Danach machte sichGrieder selbstständig, zusammen mit Jesco von Puttkamerstellte er junge Berliner wie Schweizer Künstler aus.So glücklich die Künstlerin und der Galerist auch inmittender brodelnden Kunstwelt waren, sie sehnte sich auchnach ihrer alten Heimat Zürich, wo auch Melanie Swarovskieinen Großteil ihrer Jugend verbracht hatte. 2006 eröffneteDamian Grieder in Küsnacht in einer modernistischen Villaaus den 50er-Jahren Grieder Contemporary. Dieses »Rockstar-Haus«,so Mark van Huisseling in der »Weltwoche«, wurdezu einer Botschaft der Berliner Kunstszene. Die 13 Jahre inBerlin hatten zu engsten Banden geführt zwischen GriederIn ZahlenLeben und Werk vonGrieder/ Swarovski308qmgroß ist die Wohnungder beiden in der BerlinerMommsenstraße.1956wurde die von TheodorLaubi geplante Villa amRande des Lärchentobelwaldsin der Schweizgebaut, die Grieder undSwarovski heute alsPrivathaus nutzen.2–3AUSSTELLUNGENpro Jahr finden inden Projekträumenin Berlin statt.200Nachfahrenschätzungsweise,hat der ÖsterreicherDaniel Swarovski, derum 1883 die Technikder Glasschleifereiperfektionierte.LIVING// WOHNENCharlottenburger Lage. Als sie ihrem Mann die Bilder zeigte,und angehenden Superstars wie Monica Bonvicini, GregorHildebrandt, Daniel Pflumm, Thomas Kiesewetter undChristian Jankowski. Beide Seiten profitierten: die Künstlervon der Kaufkraft am Zürichsee, die Kulturszene der Schweizvom Puls der rauschhaften Avantgarde aus Deutschland.Zwischenzeitlich eröffnete Grieder auch noch eine kleineGalerie in Sils-Maria, doch irgendwie vermissten er und seineFrau Melanie das turbulente, aufregende, überraschendeNacht- und Boheme-Leben von Berlin. Deshalb planteGrieder, eine Dependance in Berlin aufzumachen – mit demHintergedanken, einen Teil der Räume auch als Wohnung fürseine Familie zu nutzen. Nach anfänglichen Touren durchdie zunehmend überteuerten Ecken von Berlin-Mitte wurdeschnell klar, dass in diesem trendigen Eck der Hauptstadt diePreise groß und die Qualität oft genug klein geschrieben wurden.Richtig schön, solide und bezahlbar war es im Westen.Irgendwann 2008 fand Melli Ink, wie sich Melanie Grieder alsKünstlerin nennt, im Netz eine traumhafte Wohnung in besterrieb er sich ungläubig die Augen. »Das gibt’s doch gar nicht«,entfuhr es ihm. Es war zufälligerweise genau jenes Haus inder Mommsenstraße, in dem er jahrelang bei Thomas Schultegearbeitet hatte.ORTSTERMIN IM HINTERHAUSEigentlich gab es nur noch Wohnungen im Hinterhaus, aberbeim Ortstermin fragte Grieder den Verkäufer ganz unschuldig,ob er denn noch eine Wohnung im Vorderhaus inspizierenkönnte, nur für den Fall, dass jemand vom Kauf zurücktrete.Die Grieders waren begeistert von einer 308 Quadratmetergroßen Wohnung. Und wie es das Schicksal so wollte – derKäufer konnte oder wollte nicht und so kam sie, die glücklicheFügung, an deren Ende eine der beeindruckendsten WohnungenWest-Berlins in einem der schönsten Häuser West-Berlins steht, in einem der auf blühenden Viertel West-Berlins.Anfänglich waren die vorderen Räume Galerie und dieSockelplatz:Skulptur von ThomasKiesewetter (oben).An der Wand im Wohnzimmer:Geometrien deskalifornischen KünstlersMatt MullicanGruppenbild:Damian Grieder undMelanie Grieder-Swarovskivor ihrer eigenenInstallation »ApocalyptikRiders 1–4« (links)hinteren Wohnräume. Seit gut einem Jahr gibt es Besuchszeitennur noch nach Verabredung – und so wird aus derJugendstilpracht ein Hybrid aus Wohn- und Kunsträumen, derengroßzügige, elegante Aura den Arbeiten von Monica Bonviciniund Michael Sailsdorfer eine Art natürlichen Lebensraumzuweisen. Anders als in den frostigen, etwas langweiligenWhite-Cube-Topografien spendet der bourgeoise Kontextentweder einen scharfen Kontrast oder ein liebevolles Etui fürdie Bilder und Skulpturen der zeitgenössischen Kunst. Zudemlassen sich Vernissagen nirgendwo so stimmungswohl feiernwie in den Wohnräumen der Galeristen zwischen den Exponatenselbst. Die eidgenössische Interpretation des Berliner Salonsder Gründerzeit versöhnte anspruchsvolle Geselligkeit mit exzessivemNetworking. Aus dieser Textur der Begegnungen sinddie Verdienste der Berliner Galeristen um das gesellschaftlicheLeben der Stadt gewoben. In der Zeit nach dem Fall der Mauerformierte sich die neubürgerliche Gesellschaft, lässig, imUmfeld der zeitgenössischen Kunst-Institutionen.›20 JUNI 2013JUNI 201321


EDEN.HOME & //LIVINGWOHNENBoomtown West-BerlinIn den Jahren nach der Wende ignorierten Investoren alles Land westlich des Brandenburger Tores. Doch vorallem Charlottenburg erlebt jetzt einen architektonischen Aufschwung. Wichtige Neubauten und Pläne:1 2341HAUSCUMBERLANDDas Gründerzeithausstammt von 1912 und warzwischendurch ein Finanzamt.Heute werden die dreiHinterhöfe umgeben von183 sanierten Eigentumswohnungen(ab ca. 4790Euro/qm), Büros, Läden undder Bar Grosz des Borchardt-Wirtes. Die Fassade zumKu’damm wurde originalgetreugestaltet. Kosten: rund120 Millionen Euro.5UPPER WEST TOWERNoch ein Hochhaus am Breitscheidplatz:Das Upper West sollmit 118 Metern genauso hoch werdenwie das Zoofenster. BauherrStrabag erwägt, neben Büros undGeschäften noch Wohnungen einzubauen.Die Baukosten werdenauf 250 Millionen Euro geschätzt.2ON 195 KUDAMMBekannt wurde die Adresse durchdas legendäre »Bier’s Kudamm195«. Die Sanierung des 60er-Jahre-Turms war aufwendig,gemeinsam mit dem Neubau ausEdelstahl und Glas erscheint ermanchen Kritikern als »Ärgernis«,trotz hoher Investitionenvon 100 Millionen Euro. Mieterziehen trotzdem ein, seit Ende2012. Unter anderem der HerrenausstatterBoggi Milano.HOTELCONCORDESeit fast acht Jahren gehörtder Neubau an der JoachimstalerStraße zu den Architektur-Ikonendes Westens.Jan Kleihues wurde mehrfachdafür ausgezeichnet.Mit 67,5 Millionen Baukostenwurden unter anderem267 Zimmer, 44 Suiten undein Ballsaal errichtet.6 7BIKINIProjektentwickler Bayerische Hausbaumacht aus dem Mitte der 50er-Jahreerrichteten Gebäuderiegel ein Hotel- undShoppingzentrum, zum Preis von rund100 Millionen Euro. Das mittlere Geschosswird ein offener Laubengang, das Hausbekommt so wieder seine namensgebendezweiteilige Struktur.3754DOWNTOWN ZOOEin ganz neuer Stadtteil könntedort entstehen, wo einst das Riesenradgeplant war. ZwischenBahnhof Zoo, Landwehrkanal undHardenbergstraße wären 120.000Quadratmeter Platz für Wohnungen,Büros und einen knapp180 Meter hohen Wolkenkratzer.Das Gelände gehört Bund undLand, der Verkauf zieht sich hin.6ZOOFENSTERJahrzehntelang ein städtebaulichtoter Winkel, wurdeim April 2012 diese Lückezwischen Kant- und JoachimstalerStraße geschlossen(230 Millionen Euro). InBerlins derzeit zweithöchstemGebäude (118,8 Meter)thront nun das WaldorfAstoria der Hilton-Gruppe.FOTOS: JÖRG KRAUTHÖFER, M.STEFFEN.COM/CITY AG, STEFAN MÜLLER/KLEIHUES+KLEIHUES ARCHITEKTEN,VISUALKOLLEKTIV/KLEIHUES+KLEIHUES ARCHITEKTEN, © STRABAG AG, DPA - BILDFUNK (2); KARTE: ISABELL BISCHOFF›Frühstück mit Ausblick(oben): Bilder von KerimSeiler: »Maobasoba Day«,2012 (oben links),»Mpande Night«, 2012(unten links), »LionsHead«, 2012 (oben rechts),»Jozi Night«, 2012, und»Jozi Dusk«, 2012(unten rechts)Solitär (links):»Capri Batterie«, 2012,von Gregor Hildebrandt.An der Wand: »CleaningUp the Studio (Shelf)«,2010, von ChristianJankowskiEckbeleuchtung:»Stab (Türkis)«, 2012,von Kerim Seiler (unten)»Berlin-Mittewurde weitumfahren«Dass Galeristen lieber im Westen als im Osten Berlinswohnen, ist keine neue Entwicklung. Trotz oder geradewegen der lebensweltlichen Nähe zu den Lebenskünstlerndes Nacht lebens und den Umtriebigen aus Mode undDesign wurde früh das Trendige des Ostteils weiträumigumfahren. Mit dem Wiederentdecken der PotsdamerStraße in Schöneberg/Tiergarten, in Sichtweite zur NeuenNationalgalerie von Mies van der Rohe, verlagerte sichin den vergangenen vier Jahren der Fokus der Kunstweltin jenen Teil der Stadt, der nach dem Fall der Mauer vonvielen entweder ignoriert oder abgeschrieben wurde.Martin Klosterfeldes Galerie in einer ebenso großbürgerlichwie morbide anmutenden Altbauwohnung machte den Anfang.Die großzügigen Räume der Galerie »Neu« in Kreuzberg, dieGalerist Alexander Schröder zunächstnutzte, um seineformidable Sammlung zu zeigen, waren ebenso inspirierendwie Daniel Buchholz’ Schritt beim Umzug nach Köln auchin die Fasanenstraße in Charlottenburg zu gehen. Es folgtedie Galerie Diehl. Und von Max Hetzler, der mit seiner FrauSamia Saouma immer schon am Savignyplatz residierte,heißt es, er wolle demnächst in die Goethestraße ziehen. Die›22 JUNI 2013JUNI 201323


EDEN.HOME &LIVING// WOHNEN›Kunst-Zeitschrift »monopol« vermeldet euphorisch, dass dieZukunft im Westen liege, und beschreibt die noch marodeGegend am Bahnhof Zoo als einen weiteren aufkeimendenNukleus der Kunstszene in der City West. Dort wird im Herbstdie Fotogalerie C/O Berlin im Amerika-Haus ihre neuenAusstellungsräume eröffnen.Wie es sich für Schweizer gehört, sitzen Damian Griederund seine reizende Familie nolens volens im prächtigstenBereich des Klassischen und Etablierten. Aber auch die Narbender Vergangenheit sind Teil des Eindrucks, den man vondem Gründerzeithaus erhält. Davor erinnern Stolpersteine andas Ehepaar Gumpert. Sie wurde 1942 im September deportiertund gerade mal drei Wochen später in Theresienstadt ermordet.Ihr Mann, Dr. Fritz Gumpert, wurde deportiert und inAuschwitz ermordet. Weitere neun Bewohner dieses Hauseswurden Opfer der Shoa. Kurt Singer wohnte von 1932 bis 1934in diesem Haus und gründete dort am 15. Juli 1933 den Kulturbunddeutscher Juden, bevor er 1938 nach Holland floh, 1943verhaftet wurde und in Theresienstadt umkam. In der WeimarerRepublik gab es einen Witz, in Anspielung auf einen in derGegend häufigen jüdischen Familiennamen: Was muss mantun, damit sich am Ku’damm alle umdrehen? Antwort: »HalloCohn!« rufen.NACKTE WAND UND ZEITUNGSFRAGMENTEMelanie und Damian Grieder haben bei der Renovierung derWohnung die Spuren der Zeit sichtbar belassen. An einigenStellen sieht man die nackte Wand und sogar einige Zeitungsfragmenteaus dem Jahr 1904, die als Grundlage für Tapetenverwendet wurden. An anderen Stellen wird der Boudoir-Stilder Gründerzeit mit Camp-Strategien rekonstruiert und anwieder anderen Stellen ist es einfach nur postmodern heiter.Die Küche im Wohntrakt ist »Hollywood«, wie DamianGrieder bemerkt. Auf originalen Jugendstil-Fliesen thronteine gediegene Landhausküche neuesten Datums, die aberauf alt macht. »Es ging uns«, so Grieder in der »AD«, »umTradition – und darum, sie nicht allzu ernst zu nehmen.«In dem für Berliner Altbauwohnungen typischen langenGang hin zum Schlafzimmer der Eltern sorgt eine opulenteWandverkleidung:»Prozac«, 2009, vonMonica Bonvicini (links)Lebensraum:Im Kinderzimmer stehtnoch keine Kunst, dafürist Platz zum Toben,und ein Tipi hilft beimVerstecken (oben)»Der Hinterhof:romantisch,wild, elegant«Tapetenmusterung für brütende Gemütlichkeit, darauf sindZeichnungen des polnischen Künstlers Tomasz Kowalski gehängt.Auf dem Balkon am Ende der Zimmerflucht blickt dieFamilie auf einen Schulhof und liebliche Hinterhofgärten. Essieht verwunschen aus: wild, romantisch und elegant. Überraschendhinter so einer prächtigen Fassade.Melanie Swarovski liebt die gewachsene Struktur der Gegend:den Laden mit allen Glühbirnen-Sorten, den EisenhandelAdolph am Savignyplatz, ein Familiengeschäft, das dortseit Ende des 19. Jahrhunderts Schrauber, Nägel und Gardinenstangenverkauft. Damian Grieder freut sich über dieerhaltene Bausubstanz an dieser Ecke. Es erinnert ein wenig andie Pracht Berlins, bevor die Gründerzeitschönheit gegen Endedes Zweiten Weltkriegs in Schutt und Asche gebombt wurde.Diese Architektur artikuliert einen Anspruch, den Berlin bisin die Weimarer Republik erfüllte, nämlich das kulturelle Zentrumdes deutschsprachigen Raums sein zu wollen. Und dieserAnspruch kehrt nun zurück nach Jahren der Nazi-Diktatur, deskalten Krieges, des mühsamen Wiederauf baus.Das passiert auch, weil sich junge, weltläufige Familien ausallen Ecken der Erde in Berlin so wohlfühlen. Bei den Griedersist das auch so. Die Künstlerin und der Galerist haben einenSohn. Ob der ein Sicherheitsrisiko für die viele Kunst seinkönnte? »Ach, Kinder gewöhnen sich an alles – auch an dieRücksicht auf kostbare Dinge«, erklärt die stolze Mutter. »Nurein Ding ist verboten«, sagt der Vater: »ein Flummi«. ‹Die Galerie Grieder Contemporary in Zürich-Seefeld ist im Gegensatz zur Wohnungin Berlin stets zugänglich, auch über das Internet: grieder-contemporary.com24 JUNI 2013


WOHNEN//EDEN.HOME &LIVINGlebensart» Mein Champagnerheißt Stalin«Der Grandseigneur des Abenteuers, Peter Scholl-Latour, kennt exotischeLebensart. EDEN sprach mit dem großen Kriegsreporter überdie Krisenherde der Welt – und den gepflegten Five o’clock DrinkInterview dagmar von taubeDie Berliner Wohnung des PeterScholl-Latour ist groß, hell undprächtig dekoriert: Asiatika,präkolumbianische Tonschalen,mongolische Satteldecken, balinesischeMasken an der Wand. Insignienseines Lebens als Kriegsreporter undBerichterstatter im Ausland. Seine Reisenhaben ihm Einblicke in die Lebenskulturenvieler Völker gebracht. Auchüber die ein oder andere Trinksitte.EDEN: Herr Scholl-Latour, Sie sind eigentlichKriegsreporter. Hier widmenwir uns aber einmal den angenehmenLebensfreuden: Es heißt, Sie hätten eineHausbar, in der lümmelten sich dieFlaschen und Karaffen lässig auf demTeppichboden. Das nenne ich Stil!Peter Scholl-Latour: Meine Frau undich haben noch eine Wohnung in Paris.Dort gibt’s eine kleine Bar, natürlich.Wie in jedem anständigen Haushalt.Mit dem Unterschied: Bei Ihnen liegtein kleiner Kaukasischer Teppich imSalon, auf dem sind all die guten Tropfenaufgebaut. Die genießt man dannim Liegen oder wie?Ach, was, nein. So viel steht da auch garnicht rum, ich bin ja kein Barkeeper! Alkoholist kein zentrales Element meinesLebens. Nach 17 Uhr gönne ich mir maleinen Whisky, das spült den Magen, belebtden Geist. Meine Frau hat gern ihrGlas Champagner. In Georgien habenwir mal ganz ordentlichen gefunden –»Stalin Champagner«! So hieß der. Fandich originell und hab’ gleich eine Kistemitgebracht. Wo wir schon davon reden:Darf ich Ihnen etwas anbieten, Weinvielleicht oder einen Gin Tonic?Am besten beides! Menschen, die wieSie etwas gereist sind, bringen ja gernmal eine orientalische Sitte mit.Das hat damit nichts zu tun. Es warschlicht ein Platzproblem, darum stehendie Pullen halt auf dem Boden. Im Orientwürden Sie auch gar keinen Whisky finden,nicht offiziell zumindest.In Saudi Arabien wurde ich mal voneinem Polizeioffizier nach Hause eingeladen.Dort bot er mir Whisky an. Sowas bleibt natürlich geheim. Freiwilligauf den Boden hocken würde ich micheh nie, ich fand das immer lästig. Undich bin fast 90!Hier hängt ein Foto: Sie neben AyatollahKhomeini im Schneidersitz.Das war im Iran, ja ja. Ich hatte ihn imFlugzeug begleitet. Schöne Sache. Abernix für die Knochen! Es gibt einen Trick:FOTOS: GETTY IMAGES, MARTIN LENGEMANNImmer mal mit den Zehen wackeln,sonst kommt man nicht mehr hoch.Mal Hand auf den Hendrick’s: Trinkenist doch irre kultiviert oder nicht?Noch! Nach dem Verbot für Zigarettenwundere ich mich, dass sie uns denAlkohol nicht längst gestrichen haben.Raucher müssen vor die Tür, bald wirduns die genussfeindliche und überregulierendeEU auch den Wein im Lokal verbieten.Man kriegt ja schon kaum mehrguten. Der gerühmte georgische Weinist blass. Die Chinesen – haben nicht einordentliches Getränk zu bieten. Gut, diehaben ihren Mao Tai, die Flasche siehtaus wie »Sidol«, haben wir auch hier.Schmeckt auch wie Putzmittel. Der gehtwirklich nur zu chinesischem Essen,sonst fällt man um. Keine Ahnung, wiedie Chinesen den vertragen. Ich habeja den Verdacht, dass die eigentlich garnichts vertragen und Wasser reintun fürsich selbst. Und die Japaner? Sind nacheinem Sake schon high. Gut, das »Kempinski«in Berlin macht einen ganz gutenMartini Dry. Der ist auch aus der Modegekommen. Es trinkt kein Mensch mehr.Die Welt trocknet aus.Es gibt diese Art der Kameraderie nichtmehr. Früher stieß man auch in Redaktionennoch fröhlich an, da war Spaß.Ich weiß noch, ein Kollege hatte immerCognac in seiner Kaffeetasse und behauptete,er trinke Tee. Hehehe! Wennich heute beim ZDF bin, bekomme ichein Wasser angeboten oder schlechtenKaffee. Selbst in Frankreich : Da saßenmorgens die Alten an der Theke undtranken ihren Rotwein. Über die hatman nicht gelacht, nein, das war Lebenskultur!Heute ist die Gendarmerieso strikt geworden. Alle fromm. Allelangweilig …»All mein Silber, all mein Gold, istdurch meine Kehl gerollt. Für meinletztes Kupfergeld hab’ ich mir ’nenSchnaps bestellt«, singen die Baltenzum kurzen Klaren. Was singen Sie?Das ist das Gräuel natürlich überhaupt,so Trinksitten. Ich weiß noch, in Georgien,da werden dann diese endlosen Redengehalten. Jeder muss mal aufstehenund irgendeinen Quatsch erzählen.Trinken ohne Trinkspruch ist Saufen,sagen die Russen.Oder Literatur. Wir haben mal HemingwaysHaus in Kuba besucht, eine relativmickrige Hütte, erstaunlicherweise. Dahat er nachts pudelnackt an seinem Stehpultgestanden und geschrieben – totalbesoffen. Manche macht Alkohol zu Genies.Mich macht er müde.Sie waren auch in Vietnam. Dannhaben Sie sicher mal den berühmtenSchnaps mit der Schlange drin getrunken.Weiß ich gar nicht mehr ...Frau Scholl-Latour (aus dem Hintergrund):Schätzchen, diese Pulle mit derSchlange drin, die uns mal in Paris angebotenwurde als Spezialität des Hauses.Mit so einem gehäkelten Mäntelchendrum rum und diesem widerlichenViech drin.Peter Scholl-Latour: Ja! Die servierteMadame Wu in Vietnam immer zumNachtisch. Die Schlange ist natürlich einGag, nicht schädlich. Die Asiaten schwörenja auf so Zeug. Auch Ginseng. OderNashörner. Gut für die „Manpower“!Ich habe in Kanton Schlange gegessen,schmeckt ganz gut. Aal ist ja auch eineArt Schlange, ich esse sehr gerne Aal.Stimmt die alte Reporterweisheit, dassGin Tonic vor Malaria schützt?Ganz ehrlich, ich habe noch nie versucht,mich vor irgendetwas zu schützen. Ichwar bei der französischen Armee, da gab’smorgens eine Chinin-Tablette. Das war’s.Ich hatte schon schweres Fieber, aber nieMalaria. Ich habe auch immer alles gegessen.Selbst Bärentatze. Einmal saß ich imFlugzeug, Usbekistan Airlines. Das Bordteamwar besoffen, der Pilot auch, undplötzlich merke ich, dass die Sitze nichtrichtig festgeschraubt waren...Hilfe!Ich bleib dann ruhig. Hilft ja nichts.Sie haben Krieg gesehen, Tote – verfolgtSie das im Schlaf?Ich habe nie von Krieg geträumt. Ichhabe Kofferträume, dass mein Gepäckplötzlich weg ist. Diesen Albtraum träumeich immer wieder.Mal versöhnt bei einem Gläschen alsKriegsreporter?Ich verkrach’ mich gar nicht erst.Frau Scholl-Latour aus dem Off: So,so, Schätzchen ...Peter Scholl-Latour: Wen ich nichtmag, den meide ich. Je älter ich werde,desto weniger Menschen will ich ohnehinsehen, die meisten haben eh nichtszu erzählen. Oder sie leben gar nichtmehr. Manchmal denke ich, ich bin dereinzige Überlebende, ein Dinosaurierohne E-Mail, ohne SMS. Ich faxe noch!Meine Generation, die ist vorbei, die isttot, nicht wahr. Und dann kann auch Parissehr einsam sein. Am wohlsten fühleich mich in unserer Wohnung im Rheinland.Da bin ich Ehrenmitglied im Schützenverein,jeder kennt jeden. Da gehtman zu Frau Mohr, die macht die bestenBratkartoffeln. Da bin ich gern.» Ich habeimmerallesgegessen.SelbstBärentatze«peter scholl-latourkriegsreporterLao Whisky am bestendirekt am Ufer des Nam Songin Laos genießen, gehört zuden angenehmen Seiteneines Kriegsreporter-LebensDarauf trinken wir! Wo Sie hier sitzen,noch die Krisen in Kürze: Frankreich,Hollande – Ihre Meinung?Eine nationale Tragödie! Sarkozy warschon nicht berühmt, aber dieser Mannist ein Desaster: das Land steht vor einersozialen Misere. Im übrigen: Es heißt immer,die Franzosen seien Antideutschgeworden. Totaler Quatsch. »Le Monde«hat ein ungeheures Loblied auf unsereKanzlerin gesungen. Frau Merkel istnicht mein Schätzchen. Aber ihren Jobmacht sie ganz gut.Unser Verhältnis zu Russland?Frostig. Ich weiß gar nicht, warum? Wirregen uns über Putins Razzien in deutschenStiftungen auf. Nur – ohne diehätten sie in Russland den gleichen korruptenSaustall wie unter Gorbatschow.Jeder weiß, dass einige von ihnen auchSpionage-Einrichtungen sind. HinterUSAid zum Beispiel steht die CIA.Der Bomben-Anschlag in Boston?Schlimm natürlich. Die Berichte warenseitenweise. Drei Tote im Herzen derwestlichen Bildung. In Bagdad gehentäglich Bomben hoch. Oder in Syrien.Wir sagen, alle Menschen sind gleich.Es ist aber ein Unterschied, ob eben einAmerikaner stirbt oder irgendwer anderesauf dieser Welt. »To safe americanslifes« ist ein Grundprinzip.Sie haben den syrischen Präsidentengetroffen. Wie kann ein gebildeterMann wie Assad, der im zivilen BerufAugenarzt ist, in London gelebt hat, soviel Unheil über ein Land bringen?Nun, der ist auch nicht schlimmer alsdie anderen Diktatoren der arabischenWelt, die großen Freunde des Westens.Wir suchen uns das falsche Feindbildaus: Unser wahrer Feind sind die Saudis.Aber denen schicken wir ja Panzer. Esgibt nirgendwo einen so restriktiven undfanatischen Islam wie in Saudi-Arabien.Die ganzen Hassprediger kommen vonda her. Das wird immer ausgeblendet.Nordkorea?Ein Witz, dieser kleine Staat, der sich mitdiesem kleinen, dicken Diktator da jetztso gebärdet.Er besitzt die Atombombe.Solange diese Waffenarsenale noch vonMilitär und Staat kontrolliert werden,geht’s ja noch. Gefährlich wird es, wennradioaktives Material in die Hände religiöseroder ideologischer Fanatikerfällt. Oder mal einer aus Versehen denfalschen Knopf drückt. Nordkorea isttechnisch gesehen noch in der Steinzeit.Wenn die eine Rakete zünden, fliegt sieihnen womöglich noch selbst um die Ohren.– Noch ein Schlückchen? ‹


EDEN.HOME &Sobek rettet die Welt… jedenfalls wenn er zwischendurch mal Zeit dafür hat. Der international gefragte Star-ArchitektWerner Sobek baut einzigartige Wohnhäuser von ästhetischer Brillanz und mit null EmissionEs gibt zwei Typen von Bauherren:Höhlenbewohner undNestbewohner. Wer einmal inWerner Sobeks Privathaus war,und das waren alle, die den StuttgarterTatort »Das erste Opfer« gesehenhaben, weiß, dass der Architekt definitivkein Höhlenbewohner ist. Wie ein Adlerhorstmit Zugbrücke balanciert derfuturistische Glas-Kubus über dem steilenAbhang des Stuttgarter Talkessels,vor neugierigen Blicken nur geschütztvom wuchernden Grün der Bäume.Geheimnisse sollten seine Bewohnerallerdings keine voreinander haben. InR128 herrscht absolute Transparenz.Nicht nur die Fassade, auch die Wändeim Innern sind gläsern.R128 – wie sein Vorbild Mies van derRohe typologisiert auch Werner Sobekseine Entwürfe mit Buchstaben undZahlen – ist Sobeks Prototyp für dasEinfamilienhaus der Zukunft: zeitlosattraktiv und emissionsfrei. Obwohl eres schon vor 13 Jahre gebaut hat, sagt er:»Ich würde auch heute nichts daran ändern.«Seine Häuser sind keine Vertreterder üblichen ökologisch korrekten Bretterbudenmit aufgeständerten Solar-Paneelenauf dem Dach. Einem Sobek-Haussieht man den Willen zur Weltverbesserungnicht an. Es sind puristische,glamouröse Glas-Bungalows im Stilder klassischen Moderne, wie sie einstRichard Neutra seiner besser verdienendenKlientel ins sonnige Palm Springsgesetzt hat. »Ein Haus muss vor allemschön sein, und es muss Spaß machen,darin zu leben«, lautet Sobeks Credo,das so gar nicht schwäbisch klingt. Mitder typisch deutschen »Entsagungsästhetik«könne er nichts anfangen.SOBEK ZITIERT SLOTERDIJKDoch wer glaubt, es reiche aus, die Brieftaschezu zücken, um ein Jahr späterseine Sobek-Villa in einem Hochglanzmagazinwiederzufinden, hat sich getäuscht.»Ich suche mir meine Bauherrensehr sorgfältig aus«, sagt derArchitekt. Aus Zeitgründen kann er nurein Einfamilienhaus pro Jahr planen,und da darf es keine Reibungsverlustezwischen Bauherren und Architektengeben. Der Bauherr müsse außerdem,wie sein Architekt, vom Wunsch getriebensein, mit seinem Haus die Weltein Stück besser machen zu wollen. DerLohn: Bereits nach wenigen Jahren mussder Bauherr keine Stromrechnung mehrzahlen und wird zum energetischenSelbstversorger.Sobek, der smarte Hightech-Grüne,zitiert gern den von ihm geschätztenPhilosophen Peter Sloterdijk, derim Hinblick auf den Umweltschutz vonden vergangenen 40 Jahren als denHäuser wie Ufos:Das visionäre »R129«(oben) besteht aus verdunkelbarenKunststoffwänden,die Tragekonstruktionaus Kohlefaser.Das obere Bild zeigt denBlick von oben, darunterdie Seitenansicht. Fliegenkann es nicht, dafür aberEnergie produzierenWerner Sobek (60)ist Architekt, Bauin genieur,Professor undLeiter des Instituts fürLeichtbau Entwerfen undKonstruieren (ILEK). SeinArchitektur büro hatNiederlassungen auf derganzen Welt»verlorenen Jahrzehnten« spricht. »Seitdem ersten Bericht des »Club of Rome«wussten wir von der drohenden Klimakatastrophe.Doch wir haben einfachdie Erkenntnisse von Ressourcen-, Energieknappheitund Bevölkerungsexplosionignoriert«, entrüstet sich derArchitekt. Vor allem die Bauwirtschaftmüsse endlich umdenken. »Das Bauwesensteht für 60 Prozent des weltweitenRessourcenverbrauchs, für mehr als 35Prozent des Energieverbrauchs und fürmehr als 35 Prozent aller klimaschädlichenEmissionen. Das sind gigantischeDimensionen.«Mit Werner Sobek die Welt rettenkann man ab 4000 Euro pro Quadratmeter.Dafür bekommt man aber auch mehrals nur ein staatlich subventioniertesPassivhaus, dessen Ruf ja längst nichtmehr der beste ist. Luftdicht verpacktund damit schimmelpilzgefährdet, miteinem Wärmeverbundsystem aus Materialien,die später als Sondermüll aufder Deponie landen, sieht Werner Sobekim Passivhaus keine effiziente Waffegegen die Klimakatastrophe. SeineAntwort heißt Triple-Zero. So nennter das von ihm entwickelte Aktivhaus.»Dieses Haus verbraucht null Energie,gibt null Emissionen ab und produziertnull Abfall.« Es verfügt in jedem Raumüber ein computergesteuertes, kabelloseselektronisches Automatisierungssystem.Es misst rund um die Uhr dieRaumtemperatur und steht außerdemin Kontakt mit dem Wetterdienst. Dieempfangenen Daten werden ins HeizundKühlsystem eingespeist und entsprechenddie Temperatur geregelt. Energiekommt aus Photovoltaikzellen undGeothermie-Anlagen. Mithilfe einesregionalen Verbundsystems wird vondiesem »mitdenkenden« Haus der Kontaktzu Häusern in der Nachbarschafthergestellt und ein Energieaustauschermöglicht.VERSCHWIEGENER VERBRAUCHDoch eine ehrliche CO 2-Energiebilanzberücksichtigt nicht nur die im Hausverbrauchte Energie, sondern auch dieGraue Energie. Das ist die Energie, diebereits vor dem eigentlichen Hausbaubei der Produktion der Baumaterialienaufgewendet werden muss. Ein deutschesEinfamilienhaus, das zwischen1980 und 1990 entstanden ist, hat bereitszum Zeitpunkt seines Bezugsdas 25- bis 35-fache seines gesamtenJahresenergieverbrauchs in Form vonGrauer Energie verbraucht. Ein weiteresentscheidendes Kriterium beimHausbau sei die Wiederverwertbarkeitdes genutzten Materials. Ein nachhaltiggebautes Haus müsse mit geringemEnergie- und Ressourcenverbrauch zureparieren und zu reinigen, die Baustofferecyclebar sein, verlangt Sobek.Beim Material gebe es einen weitverbreitetenIrrtum, der lautet: Stein istnachhaltiger als Glas. Stimmt nicht, sagtSobek. Ziegelstein müsse mit hohem Energieaufwandgebrannt werden, und nurdie wenigsten Steine für den Fassadenbaustammten aus dem lokalen Umfeld.Sie müssten meist unter großem energetischenEinsatz von weither herangebrachtwerden. »Glas muss zwar fürseine Herstellung auf über 1000 Graderhitzt werden, aber man benötigt geringereMengen als vom Stein, weil aufgrundder Festigkeit von Glas die Materialstärkeviel dünner ist als bei Stein.«In den letzten 20 Jahren hätten in derBeschichtungstechnik von Glas zudemwahre Revolutionen stattgefunden.Man bekomme heute problemlos Wärmedämmwertebis hinunter zu einemUg-Wert von 0,5.Aber das Hauptargument für Glas istfür den Nestbewohner Werner Sobek einrein psychologisches: »Menschen, die inhellen, lichtdurchfluteten Räumen lebenund einen weiten Blick aus ihrem Fensterhaben, durch das jederzeit Frischlufthereinströmen kann, sind nach meinerErfahrung fröhlicher und leistungsstärker.«Ein Sobek-Haus macht also nichtnur ein gutes Gewissen, sondern auchgute Laune. ‹britta nagelFOTOS: WERNER SOBEK, ZOOEY BRAUN (2), M. WAGENHAN/IMAGO, RAINER VIERTLBÖCKLIVING// WOHNEN»Glas ist der bessere Baustoff«, sagt Werner Sobek und setzt diese Erkenntnis beim Objekt »D10« (oben) in der Nähe von Ulm konsequent um. Das Einfamilienhaussteht gut geschützt, der Rundherum-Patio schafft eine einzigartige Verbindung zur Außenwelt. Unten: Die Terminal-Seitenflügel am Internationalen Flughafen Bangkok mit einerGesamtlänge von 3100 Metern bestehen aus Glas im Wechsel mit 42 Meter langen Stoffbahnen. Die Tragwerksplanung stammt von Sobek28 JUNI 2013JUNI 201329


EDEN.HOME & //LIVINGGARTENGlück imGrünenDina und Oliver von Boch kehrten aus New York und London zurück zuden Wurzeln der Familie im Saarland. Dort leben sie mit ihren Kindernauf einem verwunschenen Anwesen – und wollen auch nicht wieder wegText Dagmar von taube — Fotos markus hintzenDie Sandsteinvillamit klassischen Sprossenfensternwurde Endedes 18. Jahrhundertserrichtet (rechts). Über derHaustür mit Widderkopf(unten) hängt im Winterselbstverständlichein Mistelzweig30 JUNI 2013JUNI 201331


GARTEN//EDEN.HOME &LIVINGHätten die von Bochs gekonnt,sie hätten sie wohl geradewegsmit umdekoriert, weil sieihr ästhetisches Empfindenirritieren – die qualmendenSchornsteine, gleich wennman von der Autobahn in diesaarländische Landschafthineinfährt: Hier zeigt sichzunächst schwere Industrie.Kohle, Stahl. Nach Nordendann wechselt die Landschaftschnell in liebliche Weinberge,die Mosel: Hier liegt Mettlach im Dreiländereck zwischenFrankreich, Deutschland, Luxemburg. Hier, in dieser Gegend,haben die Bochs – zunächst ohne Adelstitel – 1745 mitihrer Geschirrproduktion und Keramikwerken begonnen. Dashatte auch Gründe, die mit den besonderen Mineralien in derGegend zusammenhängen. Der Boden enthält diese Kaolinerde,die fast weiß ist, trocken, wie Ton. Aus dieser Erde wirddas Porzellan gebrannt, für das Villeroy & Boch weltberühmtwurde: Selbst die Päpste tafeln von dem Geschirr.Im Garten der Familie von Boch wird aus jenem Sand geradeKuchen gebacken: Atila, fast drei und jüngster Boch-Spross,füllt Förmchen in seiner Sandkiste, während sich seine SchwesternOlimpia, sieben, und India, acht, auf dem sattgrünen Rasen,einer wilden Wiese vielmehr, Gänseblümchen ins Haarflechten. Mutter Dina von Boch deckt derweil auf der Terrasse:weiße Teller auf bunten Bast-Sets. Grüne, blaue, rote Gläserdazu, alles aus der letzten »Brigitte von Boch«-Kollektion – fertigist der Mittagstisch im grünen Salon hinter der Sandsteinvillaaus dem 18. Jahrhundert.Wenn man von einem Garten auf dessen Familie schließenmüsste, wäre das bei den von Bochs ganz einfach: Es gibt alteBäume, weit verzweigt und tief verwurzelt, ähnlich wie die Unternehmensgeschichte.Auf einem Tisch steht frisch gepflückterFlieder. Daneben spendet ein weißer balinesischer SonnenschirmSchatten. Am Forellenteich ruht eine Sonnenbrille aufeinem Buch: »The End Of Big – How The Internet Makes DavidThe New Goliath«. Das alles erklärt den bochschen Kosmos,in dem sich Tradition, Lebensstil und Wandel auf unaufgeregtglamouröse Weise verbinden.Freie Fahrt: Dina vonBoch sitzt mit India vorder alten Korndarre, währendOlimpia mit ihremVater auf Spritztour imknallroten Caterhamgehen will (Bild links)Freies Feld: Für EDENtobte die Familie einmalquer durchs Rapsfeld.(oben). Die Glocke amHotel weist auf dieVergangenheit alsGutshof hin (unten)Oliver und Dina, heute die Bochs in neunter Generation,wohnen dort, wo das entstand, was die Familie einst berühmtmachte. Genauer: auf dem alten Gutsgelände der von Bochsunweit von Mettlach, in dessen Wäldern einst Barbarossa, derKaiser des römisch-deutschen Reiches, gejagt haben soll. Hiergründete Oliver von Boch vor 15 Jahren sein eigenes Unternehmen,eine Lifestylegruppe mit Modekollektion und Wohnaccessoiresim modernen Country-Style – die Marke Brigitte vonBoch. Ein Magazin, »Living«, gehört noch dazu und ein Hotel,der Linslerhof, mit Jagdschule, dem modernsten SchießstandEuropas und einer Zehn-Megwatt-Solaranlage. Es gibt sogareine Kapelle. »Am Linsler Tag immer im Mai kommen die Menschenaus der Umgebung mit ihren Tieren zu uns, alles vomPferd bis zum Goldfisch. Die werden dann dort gesegnet«, erzähltEhefrau Dina von Boch, die in der Firma ihres Mannes fürdas Design zuständig ist. Beide haben sie früher mal in Londonund New York gelebt – weltgewandt. Heute lieben sie das Land.»Wir sind die totalen Gartenfreaks«, sagt Dina von Boch.»Die alten Bäume, die Weiden hinterm Haus – wenn hier morgensdie Sonne aufgeht, das ist einfach wahnsinnig schön.«Und ihr Mann ergänzt: »Wir lieben die Metropolen dieser Weltund die neuen Ideen und Eindrücke, die man dort sammelt. ›»Anfangs wardie Stille etwasungewohnt«JUNI 201333


EDEN.HOME &LIVING// GARTEN35GRILLBoris RadczunGemeinsam mit StephanLandwehr betreibt er das bekannte»Grill Royal« an der Spree. DerLaden zieht prominente Gästemagisch an, viele inter nationaleFilmstars haben ihr Steak schonbei Radczun gegessen21TotalSieben Grundregeln desGrillens – schnell und einfacherklärt von einem, der eswissen muss: dem Chef desBerliner »Grill Royal«,Boris Radczundie porzellan-dynastievilleroy & bochFrançois Boch, von Beruf Kanonengießer,gründete 1748 inLuxemburg »Boch Frères« undbegann mit der Produktion vonKeramikwaren. Die Firma fusionierte1836 mit der Steingutfabrikvon Nicolas Villeroy. Soentstand die bekannte MarkeVilleroy&Boch, unter der dieFamilie seit 265 Jahren Geschirrwie das »Burgenland« und»Wildrose« herstellt.Berühmte Bauwerke wurdenmit innovativen V&B-Fliesenausgesattet, etwa Küchen, Kabinenund Salons der »Titanic«oder New Yorks Holland Tunnel.1890 kamen Kloschüsselnund Waschtische hinzu. DieGroßproduktion ermöglichteKeramik für jedermann.V&B ist heute eine Aktiengesellschaft,produziert Tisch- undSanitärprodukte und verkauftauf der ganzen Welt. Wendelinv. Boch führte die Firma alsVorstandschef in der achtenGeneration und ist heute Chefdes Aufsichtsrats.Sohn Oliver v. Boch studiertean der EBS, war für Roland Bergerin London und für V&B Marketingchefin New York. 1997gründete er mit seiner Mutterdie »Brigitte von Boch Living«mit einer Lifestyle-Kollektion inmehr als 22 Filialen und Versand.Seine Frau Dina v. Boch istin der Firma für Design zuständig.Die Familie betreibt dasHotel Linslerhof in Überherrn,mit Jagdschule, Reitbetrieb.Viel Raum für Hochzeitenoder ein ausgedehntesSonntags buffetbietet der Linslerhofin Überherrn (oben)Gut versteckt liegtdie von bochscheHauskapelle, die einstzum Kloster Fraulauterngehörte. Hier wurden dieKinder getauft. ZumAnwesen gehört aucheine Falknerei (unten)›Hier finden wir dann den Raum, sie zu sortieren.« Sie lacht.»Anfangs war die Stille etwas ungewohnt, kein Gehupe, keinelärmenden Sirenen. Dann kamen die Kinder aber auch ganzschnell.« Und damit eine ganz besonders liebenswerte Formvon Leben. Im Garten, weiß die dreifache Mutter, ist gerade alsGroßfamilie alles entspannter: »Hier können alle frei rumtoben,da geht nichts kaputt. Selbst wenn der Rotwein umkippt– er landete ja nur auf den Himbeersträuchern. Hier auf demLand kann jeder machen, was er will.«Das gilt auch für die Pflanzen. Sie zeigt auf eine kleineChampignon-Familie neben der moosbewachsenen Terrassentreppe:»Unser Garten ist antiautoritär erzogen. Das heißtnicht etwa, dass die Wiese bis zum Hals steht. Aber ich mag es,wenn es verwunschen aussieht. Andere düngen, züchten, bewässern,jäten. Bei uns müssen die Pflanzen sich selbst durchboxen– nur die Harten überleben den Garten!«FÜR EINE FEIGE IST SELBST DAS SAARLAND ZU KALTGut, der Wein klettert eben noch etwas müde am Haus empor.Dafür schaukelten im Frühling an der Magnolie die rosafarbenenBlüten groß wie Teetassen. Dina von Boch: »Der Baumwar ein Geschenk der Pateneltern zu Indias Geburt im April.Ich freue mich jedes Jahr, wenn er im Frühling anfängt zu blühen.«Danach kommen die Tulpen, schwarz-violett. Dina hatsie wild auf dem Rasen gesetzt – »fand ich lustiger als in einemspießigen Beet«. Im Herbst leuchten dann die Dahlien. Sogareinen Feigenbaum gibt es. »Der kämpft allerdings ziemlich, derWinter im Saarland ist wohl doch zu kalt für solche Exoten. Dafürist es im Sommer bei uns so heiß, da liegt auf unseren MaisfeldernPopcorn!«Ach ja, und Beeren gibt es natürlich, für die Kinder zumPflücken, sofern die wilden Tiere ihnen nicht zuvorkommen.Gutes Geduldstraining für die Kleinen! Dina von Boch: »Esdauert Stunden, bis nur der Boden des Eimerchens bedecktist. Olimpia und India sammeln immer hoch motiviert, am Endestößt Atila ihre Gefäße aus Versehen auch noch um«. Aberdann freuen sich alle über die selbst gekochte eigene »Mamilade«.Und die Großen über den Preiselbeergelee – »der ist köstlichzum Wildschwein«. Das wird natürlich selbst geschossen.In Deckung! Es wird Zeit, abzureisen. ‹Der historische Gutshof »Linslerhof« von Brigitte von Boch bietet 62 Zimmer undvier Sterne, außerdem jede Menge Platz für Veranstaltungen: linslerhof.de574631Location: Tatort sollte möglichstder eigene Garten sein. Mitten in derÖffentlichkeit, gar in einem belebten Park,leidet der kulinarische Genuss, sagt derRestaurantbesitzer.2Kleidung: Über Pullover oder T-Shirtwirkt eine Grillschürze übertrieben.Allenfalls zum Schutz edler Oberbekleidungist sie erlaubt.3Tools: Kein Mensch braucht digitaleSteak-Thermometer. »Ein Steak wirdbei voller Temperatur angegrillt«, sagtRadczun. Wie gar es ist, stellt man mit derDaumen-Finger-Regel fest: Legt man denDaumen an den Mittelfinger, fühlt sichder Daumenballen an wie ein relativ rohesSteak. Daumen an Ringfinger: mediumrare, Daumen an kleinen Finger: well done.Verspeisen sollte man das Fleisch erst,wenn es einen Moment lang gelegen hat,damit sich die Säfte verteilen können.4Feuer: Wenn die Flammen hochschlagen:»Bloß kein Bier draufschütten,das ist nicht kontrollierbar und lässtAsche hochspritzen.«5Fleisch: Die Qualität kann nicht hochgenug sein. Lieber das gleiche Geldfür eine geringere Menge. Im Test grillteBoris Radczun ein 600-Gramm-T-Bone-Steak von einem Angus-Rind aus Nebraska.Alternativ: Bio-Ware aus der Region.»Es ist gut, wenn man den Verkäuferkennt und eine langfristige Beziehungaufbaut. Gutes Fleisch erfordert Geduld.«6Grillgerät: Radczun testete für unsden „Weber Master Touch“ mit 57Zentimeter Durchmesser. Hier lässt sich inder Mitte ein gusseiserner Rost einsetzen,der dem Steak ein Rauten-Muster verpasst.Braucht man nicht, sieht aber coolaus. »Der Deckel ist aber von Vorteil. Geschlossenkann das Fleisch gut nachgaren.Auch schwierigeres Grillgut wie gefülltePaprika wird gleichmäßig gar.«7Kohle: Mit ganz normalen Brikettskann man fast alles erreichen. Wichtigist eine gleichmäßige Glut. Radczun empfiehltals Variante, auch mal zu räuchern:Holzspäne beigeben, bei geringer Hitzeverkohlen lassen, Deckel drauf.34 JUNI 2013JUNI 2013 35


EDEN.HOME &LIVING// GARTENEin weiterer Irrtum liegt beim Kirschlorbeer vor. Ich kannGarten-Geschichtenvon Gabriella PapeFALSCHgepflanztViele Gärtner machen sich das Lebenschwer, indem sie Pflanzen aus fernenLändern ansiedeln wollen. Vergeblich.Hier sind die größten Import-Irrtümer:Illustration uli knoerzerDas Verhältnis zu erwünschten oder unerwünschtenPflanzen zu klären, ist eine der schwierigsten Aufgabenfür Gärtner. Viele Pflanzen sollen wachsen, wosie nicht können, etliche wuchern, wo sie nicht sollen.Eine besondere Rolle spielen dabei migrierte Pflanzen.Die Botanikerin in mir ist sich natürlich ziemlich sicher, dassunsere Flora um einiges ärmer wäre, wenn wir unsere GartenundLandschaftswelt ausschließlich mit endemischen, dasheißt, einheimischen Gewächsen bestücken würden. VieleMenschen wissen gar nicht, dass von den 27.000 Pflanzen, diemomentan in Deutschland wachsen, lediglich etwa 2.320 einheimischsind. Dies sind Pflanzen, von denen man weiß, dasssie sich unsere kleine Erdscholle bereits nach der Eiszeit zumLeben ausgesucht haben. Alles andere sind Zugezogene. Undetliches davon ist Unkraut, auch wenn es manche Gärtnernicht wahrhaben wollen.SPONTANVEGETATION ODER UNKRAUT?Während einer sehr unterhaltsamen Radiosendung mit WladimirKaminer haben wir einmal versucht, das bezauberndeWort Spontanvegetation und den Begriff Unkraut auseinanderzudividieren.Ich denke, Spontanvegetation hat etwas Positivesan sich, denn es gibt durchaus Pflanzen, die sich in meinenGarten schmuggeln, um schönste Zufälle mit geplantenPflanzen zu ergeben. Wogegen Unkraut ja aus dem Blickwinkeleines jeden Betrachters etwas völlig Subjektives ist.Das trifft auch auf etliche Pflanzensorten aus ganz anderenRegionen der Welt zu. Kaum hier angelangt, entpuppen sie sichmanchmal als leidiges Unkraut. Oder sie können womöglichgar nicht wachsen. Zur zweiten Gruppe zähle ich zum Beispielviele mediterrane Kräuter, wie Rosmarin, Thymian, Lavendeloder Lorbeer, er, die allesamt lesahier nicht sein wollen, von uns aberimmer mer aufs Neue in den Garten gepflanzt werden. Man solltesie nicht zu den Pflanz-Irrtümern zählen, sondern sie einfachnur als einjährige Pflanzen kaufen, dann ist man im darauffolgendenJahr nicht so enttäuscht. Was bei uns einheimischist, kann im Nachbarland als zugezogen gelten, so wie z.B.die Brennnessel in England. Sie wurde von den Römern mitgebracht,um im nasskalten England deren Rheumatismus zubehandeln. Geblieben ist ein unbeliebtes Gartenkraut, dasaber in Wirklichkeit ausgesprochen harmlos und für mich alsGärtnerin eine echte Indikatorpflanze ist. Denn sie zeigt mir,wo der Gartenboden gut und voll wertvoller Nährstoffe ist.Ein guter Beweis dafür ist, dass Brennnesseln immer in derNähe und um den Kompost herum zu finden sind, ebendort,wo es auch guten Boden gibt. Als frische Brühe angerührt,kann man Brennnesseln gut gegen Blattläuse spritzen. Undwenn diese Brühe dann nicht mehr so gut riecht, ist sie auchgern als eigenwilliger Dünger einzusetzen. Außerdem sindBrennnesseln sehr leicht zu entfernen, was man von dem JapanischenKnöterich, der auch ein unachtsam gewähltes Mitbringselaus Ostasien eines weitgereisten Pflanzenfans war,nicht gerade behaupten kann. Ein gewisser Franz von Sieboldhatte die geniale Idee, diese Pflanze als Zierpflanze und Viehfuttereinzuführen. Nun durchzieht das Ungetüm seit 1828 unsereGärten und ist nur noch sehr schwer auszumerzen. Es istin erster Linie wichtig, dem Knöterich das Aussäen zu verwehren,denn sonst vermehrt sich das Biest in der ganzen Nachbarschaftund ist nicht mehr zu bremsen.Einem oft unterschätzten Irrtum, der leider auch von Gärtnereienmit ungenügenden Informationen verbreitet wird,unterliegt man beim Pflanzen von Ausläufer produzierendemBambus. Dazu gehören der Schwarzrohrbambus (Phyllostachysnigra) aus China genauso wie der Goldrohrbambus (Phyllostachysaurea) sowie die aus Japan und Korea stammendenSasa-Sorten. Ich finde, es sollte für bestimmte Pflanzen, undvor allem solche Bambussorten, eine Gesundheitswarnung geben,also so eine Art: „Bei Erstkauf oder Unwissenheit, fragenSie Ihren Arzt oder Apotheker, kann auch ein Gärtner sein, aberbitte nur ein sehr guter.“ Sie glauben gar nicht, wozu Bambusalles fähig ist! Und eine billige Wurzelsperre, im Fachjargonauch liebevoll Rhizomsperre genannt, kann den Wachstumswahndes Bambus nicht wirklich bremsen. Hier muss meistmehr Geld in die Sperre investiert werden als in den Bambusselbst, und dessen sollten Sie sich beim Kauf bewusst sein. ZumGlück sind die subtropischen Bambusse (Bambusa), die 30 bis50 Zentimeter am Tag wachsen, hier nicht winterhart, aber werweiß schon, wie sich das Klima noch verändern wird.nach wie vor nicht verstehen, warum mir niemand glaubenwill, dass es weder schön noch besonders motivierend ist, eineHecke zu pflanzen, von der man von vornherein weiß, dass siealle drei bis fünf Jahre im Winter stark zurückfriert und dannein bis zwei Jahre braucht, um sich wieder zu erholen. Na, wiedem auch sei, der Kirschlorbeer ist kein Mutmacher für denGarten. Er stammt aus Regionen Kleinasiens und Nordamerikas,die im Winter um die fünf Grad erfahren, nicht bis zuminus 23 Grad.Eine echte Pest im Garten meiner Kindheit ist die aus Nordamerikaeingeführte Roteiche oder Amerikanische Spitzeiche(Quercus rubra) geworden. Sie wurde zu Beginn des 18. Jahrhundertsals genialer Waldbaum in die europäische Forstwirtschafteingeführt und wird dort hoch geschätzt, da sie schnellerwächst als viele andere Eichenformen. Ich habe dennochfestgestellt, dass sich die Roteiche so dermaßen verbreitet, dasssie beginnt, einheimische Bäume zu verdrängen. In der ganzenRegion breiten sich mithilfe der Eichelhäher Roteichenplantagenaus, welche die einheimische Flora durch ihren schnellenWuchs förmlich überrollen.DER GRÖSSTE EUROPÄISCHE GARTENALBTRAUMIch würde mich aber auch trauen zu behaupten, dass die Einführungder Lebensbaumhecken ein echter Importirrtum ist,denn sie sind für mich in der Tat eine völlige Geschmacksverirrung.Wie diese aus Amerika und Asien stammende, immergrünePflanze aus der Zypressenfamilie den Namen AbendländischerLebensbaum verdient hat, ist mir gänzlich schleierhaft.Ich empfinde ihn eher als europäischen Garten-albtraum. Ihrenglisches Äquivalent, die Cupressocyparis, trägt wenigstensden passenden Namen Bastardzypresse, ist aber glücklicherweisehier wohl nicht genügend winterhart. Es gibt kaum Heckenpflanzen,die Grund zu so viel Nachbarschaftsstreit gegebenhaben wie diese Pflanzen.In England ist die Bastardzypresse sogar mittlerweile perGesetz verboten, weil es ihretwegen Tausende von Gerichtsverhandlungengegeben hat. Es ist schon unglaublich, wasMenschen so alles tun, um ihre Privatsphäre zu schützen,dabei brauchten sie eigentlich nur aufs Land zu ziehen, umden Menschen auszuweichen. Ich habe die Logik noch nichtso ganz verstanden: Alle wollen in die Städte und keiner willNachbarn. Ein ähnlicher Zwist wie der mit dem Im-Grünenwohnen-Wollen:Viele meiner Kunden kaufen sich Häuser imGrünen, um mich dann zu fragen, wie sie denn nun die Bäumegefällt bekommen. ‹Gabriella Pape ist Gartenarchitektin und Gründerin der »KöniglichenGartenakademie« in Berlin: koenigliche-gartenakademie.de36 JUNI 2013JUNI 201337


EDEN.HOME &GEPFLEGTEWildnisKantige Beete, Blütenwahn und erzwungene Standorte machenunnötig viel Arbeit. Der perfekte Garten gedeiht von selbstText gaby herzogEs gibt Pflanzen, mit denen hat Peter Janke Mitleid.Mit Pfingstrosen zum Beispiel. Wenn ihre prallenBlütenköpfe so üppig auf blühen, dass sie vom eigenenGewicht zu Boden gedrückt werden, erinnert ihn dasan überzüchtete Mast-Puten. Auch Primeln, die fast nur nochaus Blüten bestehen, wirken in seinen Augen irgendwie traurig.»Karnevalsblumen« nennt er sie. Zu bunt und zu schrill.Überdrehte Clowns, die nur für wenige Tage ihren großen Auftritthaben. In seinem 1,4 Hektar großen, privaten Schaugarten»Hortvs*« (lat. Garten) in Hilden bei Düsseldorf sind Blütendeshalb eine Zugabe, die Gartenplaner Janke nur dosierteinsetzt.Ein schmaler Pfad führt von der sonnigen Naturwiese hinterdem Wohnhaus über einen ausgetrockneten Graben in denWaldgarten. Nach wenigen Schritten ändert sich das Klima.Im Schatten der 200 Jahre alten Bäume ist es deutlich kühler.Die Luftfeuchtigkeit steigt, es duftet nach Moos und Pilzen.Farne haben zarte Wedel ausgerollt, daneben stehen Rodgersia-Staudenmit gezacktem fingerförmigem Laub und Funkienmit ihren fettig glänzenden Herzblättern. MannshoherWasserdost ragt über den Rand des Weges und bildet mit demScheinhanf ein grünes Tor. Im Hintergrund leuchten die Blütendes gelben Waldmohns wie Sonnenreflexe.WIESENIRIS UND BLASENSPIERE»Nicht die Blütenzahl, sondern abwechslungsreiches Grünist der Hauptbestandteil meiner Anlage«, erklärt der Experte.Große und kleine Blätter in allen Formen und Farbvariantenerzeugen Tiefe. Ein Garten ist in Jankes Augen erst dannperfekt, wenn er auch auf einer Schwarz-Weiß Fotografieso gestalten sie ihren garten natürlicher1 Dauerblüher: SchlankePflanzen (z. B. PatagonischesEisenkraut oderPrachtkerzen) mit zartenBlüten und duftigem Grüneignen sich zwischen bereitsbestehenden Stauden.Sie bringen Licht undBewegung in das Bild.2 Strukturwechsel:Achten Sie darauf, nichtausschließlich Pflanzen mitähnlicher Blattstruktur undFarbe zu pflanzen. Wenndie Blüten erst verblühtsind, macht sich Langeweilebreit. Pflanzen Sie zumBeispiel Federborstengras,Mammutblatt oder dunkleFetthenne.3 Spannung durchHöhe: Es wirkt schnell fad,wenn alle Blumen undStauden die gleiche Höhehaben. Chinaschilf oderPyrenäen-Federgras wachsenschnell und meterhoch,auch an schwierigenStandorten. Außerdembieten die Gräser SonnenundSichtschutz und verändernso innerhalb wenigerWochen das gesamteGartenbild.Wachstumszonen:Die Zypressen gebendem Garten an dieserStelle eine klare Geometrie.Ansonsten dürfenFederborstengras (weiß),Patagonisches Eisenkraut(violett) und Mönchspfeffer(grün) wildwuchern. Selbst imSeptember zeigt derGarten (rechts) so nochein buntes Bildinteressant wirkt. Jede Pflanze ist dabei Teil des Gesamtbildes.Auch bei ihm wächst nichts ohne Zutun des Gärtners.Jede Pflanzennachbarschaft ist geplant, jede auch noch so zufälligerscheinende Struktur bewusst erzeugt. Das blaue Bandaus sibirischer Wieseniris am Seeufer wird in der Mitte vonrotlaubiger Blasenspiere geteilt. »Absicht«, sagt Janke, »daserzeugt Spannung«. Der Sauerklee darf nur bis kurz vor dasMilzkraut wuchern, »sonst wirkt es suppig. Zu viel ist zu viel.«Blüten vergleicht der Gärtner mit Operndiven: »Wenn man 15Prima donnen gemeinsam auf einer Bühne Arien schmetternlässt, wird das kein Musikgenuss.«Janke will ein Stück idealisierte Natur schaffen. »Hier siehtes aus wie im Wald, nur dass die Pflanzen feiner abgestimmtsind«, erklärt er. Mit diesem Gartenkonzept ist der 42-Jährige4 Kreativer Knick: Immernur Ton in Ton pflanzenkann schnell langweiligwerden. Setzen Sie kreativeStöreffekte z. B. mitbordeauxroter Witwenblumeoder gelb-grünerWolfsmilch. In einem Feldaus Lavendel ist roterKlatschmohn der Klassiker.5 Same, same, butdifferent: VerschiedenePflanzen derselben Art setzen.Zum Beispiel Funkien(im Schatten) oder Iris(Sonnenplatz). Diekleinen Unterschiede inBlütenfarbe oder Blattformsind besonders reizvoll.6 Two in one: Mexikonessel,Sonnenhut oderMariendistel haben imSommer Blüten, im Herbstreizvolle Fruchtstände.Diese auch im Winternicht abschneiden!FOTOS: BECKER/GARDEN-PICTURES.COM (2), FOTOKON/FOTOLIA.COM, ZORAN IVANOVICH PHOTO/ISTOCKPHOTOstilprägend. In England, wo Gärtner wie Stars gefeiert werden,ernannte ihn das Fachmagazin »Gardens Illustrated« zueinem der bedeutendsten Vertreter des »New German GardenStyle«. Immer wieder besuchen Fotografen, Fernsehteamsund Experten von der Insel seine Anlage. Beim Ortsterminstellen sie amüsiert fest, dass die meisten Nachbarn in Hildenvom hochgelobten »neuen deutschen Gartenstil« noch nichtsgehört haben, sondern liebevoll ihre »Garden Gnomes«, dieGartenzwerge, verhätscheln.2005 hat Janke das Gelände am nördlichen Stadtrand, dasursprünglich die Sommerfrische eines Düsseldorfer Unternehmerswar, gekauft, um seine Gartenvision zu realisieren.Nachdem er als junger Mann die Gärtnerei der Eltern aufgegebenhatte, um bei der Grande Dame der Gartenkunst, BethChatto, in Essex in die Lehre zu gehen, war »Hortvs« ein Neustart.Für ihn, aber auch für das Areal. Die düsteren Fichten,die das Haus umgaben, wurden gefällt, die Rasenfläche, dievom jahrelangen Mähen steinhart geworden war, umgepflügt.In Jankes Garten treffen zwei geologische Schichten aufeinander.Die eine Hälfte liegt im ehemaligen Schwemmgebietdes Rheins, in dem sich Sand und Kies abgelagert haben.Die Erde ist trocken und nährstoffarm. Im anderen Teil liegenTonplatten einer Bruchlandschaft im Boden und verhindern,dass das Wasser abfließt. Hier ist es sumpfig und feucht.Einfache Standorte sind das nicht, doch genau das weckteden Gärtnerehrgeiz. Janke ließ bewusst keinen Mutterbodenaufschütten, setzt bis heute weder künstlichen Dünger nochSchädlingsbekämpfungsmittel ein und verzichtet sogar imHochsommer darauf zu gießen. Auf dem sandig-trockenenGeländeabschnitt legte er einen Silbergarten und einen mediterranenKiesgarten an. Wenn im Hochsommer die Sonne aufdie steinigen Wege brennt, fühlen sich hier Bitterorangen,Robinien, Ölweiden und Zypressen wohl.LIVING// GARTEN»Keine Angst vor extremen Standorten«, sagt Janke. Für jedengebe es die passende Pflanze. Ein Garten mit wenig Sonne?Kein Problem. »Deutschland war Jahrmillionen dicht bewaldet.Es gibt Tausende Pflanzen, die an dunkle Standorte perfektangepasst sind.«BERNSTEINFARBEN FÜR DEN OKTOBER»Hortvs« dagegen verändert im Laufe eines Jahreszyklusmehrmals sein Gesicht. Besonders deutlich wird das in demausnahmsweise formal angelegten Silbergarten. Jedes Frühjahrwerden die Silberweiden radikal bis auf die langen dünnenStämme zurück geschnitten und stehen wie Fahnenmastenum das kreisrunde Beet aus blau-schwarzem Kalksteinschotter.Bis zum Hochsommer sind die Äste so weit ausgetrieben,dass sich ein geschlossener Kreis gebildet hat, der wohltuendSchatten auf Silberdisteln, Blaugras, Edelraute und Meerträubelwirft.Ende Oktober verschmelzen die warmen Bernsteinfarbenim Kiesgarten immer mehr mit dem Rot des Buchenwaldes.Die gradlinigen Grundstrukturen, die während des Sommersteilweise völlig überwachsen, treten wieder zutage. Die verblühtenBlütenstände, verdorrten Gräser und Blätter schneidetder Gärtner nur mit Bedacht zurück. Bevor Janke einenalten Trieb kappt, tritt er ein paar Schritte zurück und lässtdas Gesamtbild auf sich wirken. Während die Mariendistel imSommer lila blüht, wird ihre vertrocknete Blüte im Winter zueiner Sternen-Skulptur. Der kahle Essigbaum wirkt mit denrotbraunen Dolden wie ein großer Kerzenlüster. »Der Gartenkommt zur Ruhe«, sagt Janke, »aber diese Pflanzen habentrotzdem noch einmal einen großen Auftritt.« Die Karnevalsprimelist bis dahin schon lange vergessen. ‹* (lateinisch eigentlich Hortus)Peter Janke (42) istein visionärer Gartenplanerund gilt selbst inder fanatischen SzeneGroßbritanniens alsVorbild und Vertreterdes »Neuen deutschenGartens«38 JUNI 2013JUNI 201339


EDEN.HOME & //LIVINGGARTENPLATTENBAUfür den GartenEigentlich ist Eternit ein Faserzement und wird für den Bau von Hausfassadenverwendet. Man kann aber auch Outdoor-Möbel daraus machen, dachte sichder Designer Rainer Mutsch. Und die sind absolut wetterfestText katrin von raggambyDer Elchtest für Autos ist berühmt-berüchtigt.Die Outdoor-MöbelDune würden abersogar einen Elefantentest bestehen,wenn es diesen gäbe. Denn dieTraglast eines einzigen Sitzelementsder Modul-Serie beträgt über eine Tonne.Was soll da noch passieren? Regen,Schnee, Frost, Hitze können dem Materialauch nichts anhaben, es bekommthöchstens ein wenig Schmutz und Patinaab. »Die unbeschichtete Variante verwitterteher, sie ist etwas für Puristen«,sagt Designer Rainer Mutsch. Für alleanderen gibt es Dune-Möbel auch lakkiertin jeder Wunsch-Farbe.PRÄGENDES INDUSTRIE-DESIGNSeit über hundert Jahren ist Faserzementals Fassadenbaustoff für Häusererprobt, bekannt als Eternit. Dies ist derMarkenname und gleichzeitig der Nameder österreichischen Firma mit Werkin der Schweiz. Eternit experimentiertschon seit Jahrzehnten mit Outdoor-Accessoires und verformte die Plattenzu einfachen Blumenkästen, reine Massenware.Nach dem Krieg entdecktendann Designer das Material, allen voranWilly Guhl. Sein Strandstuhl in Schleifenformgilt als Meilenstein des Industriedesigns– er hat es sogar bis in dasNew Yorker MoMa geschafft. »Seit rund15 Jahren lassen wir nun immer mehrjunge Designer ganze Produktlinienentwerfen«, sagt Daniel Hauri, LeiterDesign & Interior von Eternit Schweiz.Herausgekommen ist eine ganze ReiheGartenprodukte, von Pflanzkübeln bisVogelnistkästen.Dune-Erfinder Rainer Mutsch ausWien durfte über zwei Jahre lang imSchweizer Werk tüfteln, formen undausprobieren, bis die Elemente Serienreifeerreichten. Er ist von dem Material,das lediglich aus Wasser, Zement sowieKunststoff- und Zellulosefasern besteht,fasziniert. »Als ich zum ersten Mal sah,Pionier aus Eternit:Die Sitzschleife von WillyGuhl aus dem Jahr 1956» Das Materialbestimmtdie Form«rainer mutschdesignerwie so eine Platte wie ein nasser Pappkartonaus der Maschine kam, hatte ichgleich die Idee zu den weichen Formenvon Dune«, so Mutsch. »Außerdem istes ein nachhaltiger Werkstoff«.IN FORM GESTREICHELTDie Platten bestimmen für ihn dieForm: Er behält die Maschinenproduktionsmaßevon 2,60 × 1 Meter für einDune-Element bei, sodass es keinenVerschnitt gibt. Für das Formen der weichenPlatte – Mutsch nennt dies liebevoll»streicheln« – bleibt genau eine StundeZeit, danach härtet der Faserzement aus.Dann lässt sich auf Dune hervorragendsitzen, liegen, lümmeln, klettern, arbeitenund plaudern. Die Möbel sind idealfür Gärten und Plätze, denn die Elementebrauchen keine Pflege und sindquasi unkaputtbar. Wenn es sein muss,sogar für Elefanten. Gilt aber auch fürKinder, die diese Gartenmöbel sichergerne zum Spielplatz machen. ‹Produktübersichten gibt es auf der Website derEternit-Werke in der Schweiz: eternit.ch. . Eternit alsLifestyle-Element – hier: loomvisions.comRainer MutschDer Designer lebt undarbeitet in Wien. FürDune wurde er mit dembegehrten Red Dot DesignAward ausgezeichnetDünenlandschaftDas Outdoor-MöbelsystemDune ist modularaufgebaut – es istun be grenzt erweiterbar,pflegeleicht und hält ewigFOTOS: STUDIO RAINER MUTSCH, ETERNIT (SCHWEIZ) AG (8)Einsatz für Designaus Eternit:Ein Vogelhaus mit Eternit-Fassade: Birdy finden nicht nurMeisen chick. Vogel- undDesignfans werden es lieben,den Nistkasten von VladimirJaccard am Baum vor demFenster zu beobachtenRoberto ist nachPalma die allerneuesteEternit-Kreation von RainerMutsch. Die Pflanzgefäßeeignen sichfür winterhartePflanzen – und esgibt sie in allenFarbenGuhl-Stuhl:1995 überarbeiteteWilly Guhl seinenStrandstuhl ausden 50er-Jahrennochmals. DasRedesign ist bisheute erhältlichEine Schicht-für-Schicht-Bauweisemacht die PflanzkübelPalma bis zueinem Meter hoch.Die schrägenLinien lassen dasRegenwasserleichter abfließenIhre Form ist so geradlinig und schnörkelloswie ihr Name: Die Bank des SchweizerDesigners Michel Bruggmann wurde auseinem unverwirklichten Kunden projektins Sortiment genommen40JUNI 2013JUNI 201341


EDEN.HOME & //LIVINGIMMOBILIENWas bekomme ich für …?155.000 EURODachgeschosswohnungmit Blick auf den SeeSchwerin: Drei Zimmer aufinsgesamt 128 Qaudratmeternhinter aufwendig sanierterFassade. Teilweise sind dieRäume für ein Dachgeschoss(2. OG) relativ hoch. Große Wohnküche, Bad mit Wanneund Dusche, kleiner Balkon mit Blick auf den OstdorferSee. Das Stadtzentrum ist zu Fuß zu erreichen.Immobilienscout-ID: 68835658295.000 EUROGroßzügige Wohnungin GründerzeitvillaMarkkleeberg bei Leipzig:Drei Zimmer auf rund 168Quadratmeter Fläche (EG)in einer sanierten klassischenVilla, Baujahr 1887, direkt ander Pleiße. Bad leider im Souterrain, dafür aufwendigmit Holz verzierter Eingangsbereich und Salon mitStuck decken, kleiner Garten, Eckbalkon, Terrasse, Gäste-WC. Raumhöhen bis 3,65 Meter. Immonet-ID: 20235495Deutschlands SchlossalleeDer Harvestehuder Weg in Hamburg ist die teuerste Stadtstraße des Landes. Alsterblickund prachtvolle Villen locken wohlhabende Käufer. Die zahlen fast jeden PreisText christian tröster – Illustration claudia liebHAMBURGAußenalsterHarvestehuder Weg:Der Weg ist rund zweiKilometer lang, verläuftan der Westseiteder Außenalster undführt durch die StadtteileRother baum undHarvestehudeFrau Özcan sitzt in einem Baucontainerund telefoniert. Auf ihremSchreibtisch liegen neben einemSchutzhelm dicke Füßlingefür die Gummistiefel. Die Möbel sindeinfach und robust. »Auf die Baustellekommt es an, nicht aufs Büro«, sagtsie und deutet mit dem Daumen nachhinten. Dort, am Harvestehuder Weg36, liegt eine der begehrtesten WohnadressenDeutschlands. Frau Özcan,die eigent lich anders heißt, aber ihrenNamen nicht öffentlich machen möchte,ist für den Verkauf der neu gebautenAppartements verantwortlich. Dannklingelt das Telefon und Frau Özcanparliert in einem Mischmasch aus Englischund Deutsch, es geht um »2,1« und»2,2«, das ist der Durchschnitts preisder Wohnungen. In Millionen natürlich,aber die werden nicht mitgesprochen.»Manche wollen verhandeln«, sagt FrauÖzcan verständnisvoll, schließlich hättenihre Kunden ihr Geld auch nicht aufder Straße gefunden. Ob sie mit demVerhandeln Erfolg haben, sagt sie nicht.Wahrscheinlich nicht.Der Harvestehuder Weg in Hamburgist die teuerste Stadtstraße Deutsch -lands, kaum 1,5 Kilometer oder 50 Hausnummernlang und gesäumt von weißenVillen. Wegen der zentralen Lageund des Ausblicks auf die Alster ist erbegehrter als die Elbchaussee (zu weitdraußen), die Hafencity (zu neu) und dasgegenüberliegende Alsterufer (zu laut).Teurer sind nur Kampen auf Sylt, mancheLagen am Starnberger See und diesund das in München.NEUE EDLE ADRESSENEdel und selten, so denkt man, müsstensolche Adressen sein. Doch neuerdingswird kräftig gebaut. Obwohl die Adressenmit dem Alsterblick nur fünfzigHausnummern umfassen, entstehenrund neue 250 Appartements, was einerVerfünffachung der Bevölkerung imAreal entspricht. Doch anders als es dieVolkswirtschaft lehrt, führt das steigendeAngebot hier nicht zu sinkendenPreisen, im Gegenteil. Appartements inexzellenten Lagen sind hoch begehrt,die Preise sind kräftig gestiegen und tunes weiter, wie der Makler Engel & Völkersvermeldet.Am Harvestehuder Weg stellt derImmobilienentwickler Frankonia 190Wohnungen fertig, bullige Villen imklassischen Stil, dazu Stadthäuserund Appartements, alles auf ehemaligemBundeswehrgelände, heute die»Sophien terrassen.« Gleich nebenan inNummer 36 ist Frau Özcan für den Vertriebvon 57 Appartements verantwortlich.Bauherr ist Peach Property aus derSchweiz. Der Stil ist hier eher Bauhausals Klassik, es gibt insgesamt mehr undgrößere Fenster.»Als in den Sophienterrassen die Vermarktunganfing«, erinnert sich ChristineFlemming von Engel & Völkers,»da dachten alle, das kauft keiner zuden Preisen. Aber wie es aussieht, istdas Projekt in den Markt reingewachsen«.Will sagen: Was vor Jahren nochals Wahnsinn galt, ist heute Standard,bis zu 18.000 Euro pro Quadratmeter,jedenfalls wenn man den direktenBlick auf die Alster haben will. »DiePreise spiegeln Konzept, Material undArchitektur wider«, erklärt Hilke Branding-Rettigvon Frankonia. Die Deckenseien so hoch, dass man andernortszwei Stockwerke darin untergebrachthätte, dazu die Grundstückskosten,Natur stein statt Beton und extrabreite,SUV-fähige Stellplätze. Die Nachfragenach den Appartements verläuft in derRegel von oben nach unten und genausogeht auch das Preisgefälle. Unten kostetfast 10.000 Euro weniger, oben istschon alles weg. »Die Penthäuser hättenwir gleich mehrfach platzieren können«,berichtet Christine Flemming über dieNummer 36, das Erdgeschoss ist nichtso beliebt, wegen Einbruchgefahr. WobeiAlarmanlagen im Preis ohnehin inbegriffensind, in jedem Stockwerk.Bis zu dreißig Interessenten pro Tagregistriert Frau Özcan. »Das ist kaumeinzudämmen«, sagt sie, als handeltees sich um einen Tsunami. Allerdingsum einen hanseatischen. Denn die Käufersind vor allem Hamburger. Von deranderen Alsterseite kämen die Käufer,von der Elbchaussee, aus dem HarvestehuderHinterland, was ja für sich genommenauch keine schlechte Adresse ist.Die meisten, hat Frau Özcan fest gestellt,wollten sich räumlich verkleinern: »Diesuchen etwas, das sie abschließen können,und zwar mit einem Schlüssel stattmit einem riesigen Schlüsselbund«.Doch der Wechsel von großen Häusernauf nur noch zwei- oder dreihundertQuadratmeter birgt eigene Probleme.»Die hatten ja nicht nur leere Flächen«,weiß Frau Özcan. Manch einer will nurkaufen, wenn er auch Stellplätze fürseine sechs Oldtimer bekommt. In denWohnungen bleibt ohnehin nichts, wiees war. Nach dem Willen der Käuferwerden Wände verrückt und Wohnungenzusammengelegt, Fußböden, Steckdosen,Waschbecken, Küchen, alles neugeplant. Keine Wohnung gleicht amEnde der anderen, im Schnitt kommenauf diese Weise noch mal zehn Prozentauf den Kaufpreis drauf. Frau Özcanbenutzt für diese Arbeit den Begriff»Sonderwunschmanagement«, eineendlose Abfolge von Plänen und Kalkulationen,Materialentscheidungenund Umplanungen. Aber so ist das ebenam Harveste huder Weg: »Diese Immobiliebraucht keiner, hier ist Wunschkonzert.«Bezahlt wird, obwohl reichlichvorhanden, nicht aus Eigenkapital.Achtzig Prozent der Käufer finanziertendie Immobilie, weil es bei den aktuellenKonditionen günstiger sei als voll versteuertesGeld, »aber das ist ja keineNeuigkeit«.Dann klingelt wieder das Telefon undFrau Özcan rechnet einer Anruferin vor,dass diese Wohnungen sich als Anlageobjektenicht eigneten. »Wenn Sie vorneim Erdgeschoss 9800 Euro pro Quadratmeterzahlen, und das für 24 oder25 Euro kalt vermieten, dann ist das eineRendite von vier oder fünf Prozent«, soetwas will der Anleger nicht, der Anlegerwill mehr. »Schauen Sie doch, ob Sienebenan bei den Sophienterrassen wasPassendes finden«, beschließt Frau Özcandas Gespräch und erklärt dann: »Ichmuss die Leute nicht vollquatschen. Diehaben ihre eigenen Zahlen und gleichendas ab.« Die Wohnungen seien guteWertanlagen für Selbstnutzer, das ja,aber für Vermietung eben nicht rentabelgenug. »Im Grunde genommen«, erklärtFrau Özcan, »ist das wie auf dem Dorf«– einem Dorf für Reiche, mitten in derStadt. ‹Marktberichte zu den edleren Lagen des deutschenImmobilienmarktes gibt es hier: engelvoelkers.com/de/de/Wohnimmobilien/marktberichte.php949.000 EURODach-Maisonette mitBlick auf den DomKöln: Umbau eines Bürohausesin sieben Eigentumswohnungen.Die Dachgeschosswohnungsoll insgesamt 205Quadratmeter bekommen, dieAufteilung ist noch individuell planbar. Das obere Geschosswird noch gebaut. Fußbodenheizung und anderemoderne Ausstattungen sind geplant. Das Objekt liegtim Belgischen Viertel. Immonet-ID: 206053233,8 Mio. EUROPenthouse mit zweiEtagen und FreitreppeFrankfurt: Moderne Architektur,eine spektakuläre Freitreppeaus Holz ins obere Geschossund freier Blick auf die Skyline.Drei Zimmer in der erstenEbene, mit Bad und Ankleidebereich. Wohnküche undWohnbereich in der oberen Etage. Gäste-Suite mitTerrasse und separatem Eingang. Bodentiefe großzügigeFenster. Immobilienscout-ID: 2075667215,5 Mio. EUROVilla auf ParkgrundstückMünchen: Bestlage am Herzogparkan der Isar. Rund 700Quadratmeter Wohnfläche, 13Zimmer, drei Ankleiden, siebenBäder, vier WCs, Fitness, HomeCinema, Personal-Appartement,Weinlounge. Zehn Meter hohe Eingangshalle. Design derInnenarchitektin Birgit Otte. Neubau, bisher noch nichtbewohnt. Kontakt: Duken & v. Wangenheim Immobilien42 JUNI 2013JUNI 201343


IMMOBILIEN//EDEN.HOME &LIVINGSo heiß ist der MarktImmobilien in Deutschland sind vielerorts zwar teuer, aber trotzdem erschwinglich. Denn auchdie Einkommen sind gestiegen. Als Rendite bringer taugen Häuser und Wohnungen jedoch nur bedingtHOTSPOTS: DIETEUERSTEN ORTE ...… mit den höchsten Wohnungspreisen liegen fastausschließlich im Süden (Karte rechts). Selbst inHamburg sind die Preise noch erschwinglich. Hiermuss man 7,48 Jahres-Haushaltseinkommen für einedurchschnittliche 125-qm-Wohnung bezahlen.In München liegt der Faktor bei 13,61 (Grafik unten).10,69Preis-Einkommen-Verhältnis: Anzahl derjährlichen Netto-Haushaltseinkommen vorOrt, die beim Kauf investiert werden müssenDurchschnittspreis für 125 qm,mittlerer WohnwertDüsseldorf3003Frankfurt/M.3219Stuttgart3347Freiburg(breisgau)4383Hamburg3465Quadratmeterpreis für Wohnungender zehn letzten Baujahre, höherwertigeAusstattung, 60 bis 80 qmBamberg2976Rosenheim3347München5054Erlangen3136Regensburg32788,7610,0110,6913,61Ruhe im Karton7,487,747,90Auf 40.000 Quadratmeter Fläche entsteht im Kölner Westen ein neuer Stadtteil. Eine derschwierigsten Aufgaben für die Architekten ist es, den Lärm der nahen Durchgangsstraße fernhaltenMehr als zwei Jahrzehnte langsendete hier der TV-SenderRTL. Erst im Januar wurdeeines der letzten Symboleder Pionierzeit des Privatfernsehensabgerissen: die riesige weiße Satellitenschüsselauf dem Dach eines Bürogebäudes.Fast wäre hier, in direkter Nachbarschaftzum edlen Junkersdorf, ein neuesBüro- und Dienstleistungszentrum entstanden,mit sieben- bis 14-geschossigenBauten. Es gab Bürgerproteste und Diskussionen,und seit vergangenem Jahrsteht fest: In Müngersdorf entsteht einmoderner neuer Stadtteil, mit eigenenkleinen Straßen und Gassen, Plätzenund Gärten.Das neue Quartier könnte helfen,die städtebaulichen Verheerungen entlangder Aachener Straße abzumildern.»Blessuren« nennt das Juan Pablo Molestina,Gründer des Büros Molestina Architekten.Eine geradezu »klösterlicheRuhe« solle möglichst in dem zur Straßeüber eine verglaste akustische Barriereabgeschirmten Wohnviertel Einzughalten, so der 1955 in Ecuador geboreneArchitekt. »Wir planen dort sehrdifferenzierte Stadthäuser und Wohnungenmit Höfen und Gassen, die den44 JUNI 2013» GeordneteVielfalt imQuartier«jürgen engeljuryvorsitzenderKlostergarten als Ruhepol im Hintergrundhaben werden.« Das 2007 gegründeteBüro Molestina Architekten hat inKöln bereits einige Projekte verwirklichtund ist zudem in Spanien aktiv. In demvom Kölner Entwickler Pandion ausgelobtenstädtebaulichen Wettbewerb fürdas RTL-Gelände setzte sich Molestinadurch. Jürgen Engel, Juryvorsitzenderbeim damaligen Wettbewerb, lobtedie „geordnete Vielfalt“ im Molestina-Quartier. Dem Siegerentwurf zufolgesoll das Quartier am Garten des ehemaligenJunkersdorfer Klosters »Zumguten Hirten« eine starke Innenidentitäterhalten, eine eigene Atmosphäre,lärmgeschützt, mit viel Grün und engenStraßen. Durch eine einheitliche Grundmaterialität– etwa bei Klinker, Sichtbetonflächenund Putzflächen – werde dieseIdentität positiv gestärkt.Ein weiterer Trick, mit dem die pulsierendeMagistrale Aachener Straßeakustisch auf Abstand gehalten werdensoll, ist ein Bürogebäude mit etwa6000 Quadratmeter Nutzfläche, das dieWohnbebauung im westlichen Bereichdes Quartiers wie ein Riegel gegen denVerkehr abschirmen soll.Molestina Architekten stellten außerdemein feinsinniges Raumkonzeptvor, mit dem der Klostergarten in derNachbarschaft mit dem neuen Viertelvernetzt wird – einer der Gründe, warumdie Kölner den Wettbewerb gewannen,gemeinsam mit FSWLA Landschaftsarchitekturaus Düsseldorf.Ein zentraler Platz mit kleinen Lädenund Büros soll als städtebaulicher Auftaktfungieren. Geplant sei ein Mix ausexklusiven Stadtvillen und WohnungenKÖLNIm Westen Kölnsliegt Müngersdorf,lange Zeit im Schattendes Booms in der Innenstadt.Juan PabloMolestina (unten) plantedie Neubauten für dasehemalige RTL-Geländefür Familien – insgesamt 420 Einheiten.Nur eine leichte Entlastung für den engenKölner Wohnungsmarkt, wo jedesJahr rund 4000 Wohnungen neu gebautwerden müssten, um dem Bedarf gerechtzu werden. In den größeren Gebäudenliegen pro Geschoss fünf oder sechsWohnungen, teilweise mit großen Terrassenund privaten Freiflächen. Die u-förmigen »Höfe« am Klostergarten dagegensind individueller, eine Mischungaus kleinen und großen Wohnungen.Klaus Verhufen, Geschäftsführerder Pandion Vertrieb, verkauft auch aninstitutionelle Anleger: »Mit dem Vertriebvon zwei der insgesamt fünf Stadtvillenhaben wir bereits begonnen«, sagter und berichtet von großem Interesse.Wirklich günstig sind die Klostergärtennicht, Käufer müssen zwischen 3250 und5500 Euro je Quadratmeter Wohnflächeveranschlagen. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit 65 Quadratmeter Flächekostet beispielsweise rund 258.000 Euro.Die riesige unterirdische Garage, dieaufwendige schallschluckende transparenteWand in Richtung der AachenerStraße und aktuelle Anforderungen anEnergieeffizienz schlagen sich im Preisnieder.In etwa zwei Jahren soll der ersteBauabschnitt fertig sein und bis 2016das gesamte Projekt verwirklicht werden.Das Volumen liegt bei etwa 145 MillionenEuro, heißt es bei Pandion. Nichtdas erste Großprojekt für Pandion, dieauch eines der berühmten Kranhäuserim Rheinauhafen verwirklicht hat. Mittedieses Jahres sollen die Bauarbeitenbeginnen. ‹Guido HartmannFOTOS: MOLESTINA ARCHITEKTEN (1), PANDION AGQUELLEN OBEN: EMPIRICA-SYSTEME, BASIS: ÜBER 2 MIO. INSERATE/QUELLE UNTEN: INVESTMENT PROPERTY DATABANK, HELABA VOLKSWIRTSCHAFT/RESEARCH3,705,686,09Bremen Dresden Hannover Hamburg Berlin Köln Düsseldorf Frankfurt StuttgartRENDITEN: DEUTSCHLAND IM MITTELFELDGesamtrenditen direkt gehaltener Immobilien 2012*, in ProzentSpanienUngarnPortugalNiederlandeItalienIrlandGroßbritannienDänemarkBelgienJapanEuropaDeutschlandNorwegenTschechienFinnlandÖsterreichPolenFrankreichSchwedenSchweizAnders als viele Mieter und Käufer denken,sind Immobilien in Deutschland alles andereals eine Geldmaschine. Die Gesamtrenditedirekt ge haltener Häuser und Wohnungen lag2012 laut Investment Property Databank (IPD)im Marktdurchschnitt bei 4,4 Prozent. Damitliegt Deutschland nur knapp über dem EU-Schnitt – und das trotz starker Wirtschaftslage.Zum Vergleich: Die Daimler-Dividendenrenditebei Aktien lag 2012 bei 4,92 Prozent. Interessant:In Polen erzielen Investoren mehr als sechsProzent Rendite.* in lokaler Währung und umFremdkapital einsatz bereinigtMünchenJUNI 201345


EDEN.HOME &LIVING//FRAGEBOGENEINS STEHT FEST: ALNO.»COFFEETABLE-BUCH?WAS IST DAS?«Architekt, Städteplaner, Lehrer – der Mann, der Berlinumbaut: Wie lebt man richtig, Herr Kleihues?1Stadt oder Land, Haus oderWohnung, Eigentum oder Miete?Stadt und Land, Haus und Wohnung,Eigentum und Miete …2Ihr liebster deutscher Ort?Berlin.3Weil ...… Berlin das einzige Dorf mitgroßstädtischem Charakter ist.4In welchem Haus würden Sieleben wollen?In der Casa Malaparte.*5In Ihrer Küche sieht es aus wie ...… bei »Das große Fressen«.6Wo und warum waren Sie inIhrem Leben am glücklichsten?Das bleibt mein Geheimnis.46 JUNI 2013jan kleihues, architekt7Wo liegt Ihr persönlicherGarten Eden?In der Bretagne –unser Gartenin Dinard.8DerNordkorea.9Wie10unmöglichste Ortder Welt?oft sind Sie umgezogen?Zu oft!Was war die größteKata strophe, die Ihnendabei passiert ist?Die Küche wurde nicht rechtzeitigfertig.11Wer wäre für Sie einidealer Haussitter?Hausdiener Kato, der Diener JacquesClouseaus**12Auf was können Sie inIhrer Wohnung auf garkeinen Fall verzichten?Auf (m)einen Eierkocher …13Ihr Künstlerfavoritan der Wand?Die Bilder meiner Kinder.14Ihr aktuell liebstesCoffeetable-Buch?Was ist das?15Welches Detail hassenSie am meisten in denWohnungen anderer Leute?Coffeetable Books.16Wo und mit wem habenSie das beste Mahl IhresLebens genossen?Das bleibt auch mein Geheimnis …17Wie viel Zeit verbringenSie im Garten?Keine mehr.18Was pflanzen Sieals Nächstes?Neue Apfelbäume der Sorten»Boskop« und »Weiße Klara«.19Was spricht dagegen,heimisch zu werden?Nichts!Fragen von michael braun*auf der Insel Capri, Italien**aus »Der rosarote Panther«Jan Kleihues,Jahrgang 1962, isteiner der profiliertestenArchitekten Deutschlands.Vor allem in Berlin prägter das Stadt bild wiezurzeit kein anderer.Auch zu Hause sorgteer für die besondere Note.Kleihues schenkte seinerFrau einen ausgestopftenFuchs. Das Tierschmückt nun eineWand in der KücheDie neue Zentrale desBundesnachrichtendienstesin Berlin-Mitte,nach Plänen vonKleihues+KleihuesFOTOS: AMIN AKHTAR, KLEIHUES+KLEIHUES SIMULATION: STEFAN LOTZ, BERLINWas immer Sie für Ihr Zuhause planen: Eine Entscheidung ist von vornherein klar. Denn mit einer exklusiven Küchevon ALNO sichern Sie sich das gute Gefühl der richtigen Wahl, noch bevor der erste Stein gesetzt ist. HöchsteQualität, preisgekröntes Design und sinnvolle Innovationen machen jede ALNO zu einem unvergleichlichen Produkt,dem man unsere ganze Erfahrung aus 85 Jahren anmerkt. Entdecken Sie die ALNOFINE in tiefblauem Mattlackkombiniert mit hochglänzendem Glas und viele weitere Küchen bei Ihrem Fachhändler oder auf alno.de


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