Experten Statement Protheseninfektionen in der Orthopädie

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Experten Statement Protheseninfektionen in der Orthopädie

Bei einer Symptomdauer der Protheseninfektion unter zweiWochen erzielte Wasielewski [32] durch einen einzeitigenProthesenwechsel eine Erfolgsrate von 90%. Bei einerSymptomdauer von über zwei Wochen wurde dabei einzweizeitiger Prothesenwechsel durchgeführt.Bei infizierten Hüft-TEP wurden in der wissenschaftlichenLiteratur (1977 bis 2007) bei einzeitigem Wechsel mit Antibiotika-hältigemZement durchschnittliche Erfolgsraten von85,5% (1.505 Fälle) erzielt, während die Erfolgsrate ohneAntibiotika-hältigen Zement auf 55,5% (123 Fälle) absank.5.5.3.2 Zweizeitiger ProthesenwechselBeim zweizeitigen Wechsel von Knie-TEP konnte in derLiteratur im genannten Zeitraum bei 503 Fällen eine Erfolgsratevon 92,5% im Schnitt erzielt werden.Bei infizierten Hüft-TEP betrug die Erfolgsrate mit AntibiotikahältigemZement 95,54% (367 Fälle) und ohne Antibiotika-hältigenZement 92,1% (399 Fälle). Im Gegensatz zum einzeitigenWechsel im Hüftbereich unterstreicht das nahezu identeErgebnis bei zweizeitigem Wechsel mit und ohne AntibiotikahältigenZement einen Stellenwert der chirurgischenMaßnahme und die Effizienz des zweizeitigen Vorgehens.Abb. 4: Algorithmus bei infizierten HüftundKnie-TEPakuter Infekt (I+II)NEINTyp I ATyp 1einzeitigerWechselKeimgewinnungantibiotikaresistenter KeimzweizeitigerWechselQuellen: Univ.-Klinik Graz, Klassifiaktion nach McPhersonJATyp B, CTyp 2, 3Typ B, CTyp 2, 3toleriert2 OPJAchron. Infekt (III)NEINDrainagein LAtoleriert1 OPJANEINGirdlestoneArthrodeseAmputation5.5.4 Salvage-VerfahrenSollte eine Infekteradikation nicht gelingen, besteht lediglichdie Möglichkeit der dauerhaften Prothesenexplantation,wobei im Kniegelenksbereich die Option einer Versteifungund damit Wiederherstellung einer belastbaren Extremitätbesteht. Im Hüftgelenksbereich hingegen werden Versteifungsoperationenaufgrund der hohen Pseudarthrosenrateund der negativen Auswirkungen auf die Wirbelsäulevermieden und eine sogenannte Resektionsarthroplastikoder Girdlestone-Plastik angelegt, bei der eine bindegewebigeVerbindung zwischen proximalem Femur und ehemaligemAzetabulum resultiert, die auch eine gewisseBelastung erlaubt.Diese Verfahren können auch als Primärmaßnahme zur Anwendungkommen, sofern ein extrem reduzierter Allgemeinzustandbesteht und der Patient für maximal eine Operationtauglich erscheint, oder aber, wenn mehrere lokaleRisikofaktoren bestehen, die ein sicheres Abheilen bei zweizeitigemWechsel unmöglich erscheinen lassen. Bei hochseptischenZustandsbildern mit Infiltration der Weichteile unddrohendem Organversagen kann eine Notfallsamputation lebensrettendsein. In jedem Fall sollte bei Patienten, die nichtmehr narkosetauglich sind, in Lokalanästhesie unter Verwendungeines Arthroskopie-Trokars eine Drainage in dieGelenkshöhle gelegt werden, wodurch in Einzelfällen eine rapideBesserung des septischen Zustandsbildes und auch desAllgemeinzustandes erzielt werden kann (Abb. 4).Aufgrund der dargestellten Ergebnisse sollte eine Prothesenretentionmit entsprechendem Debridement nur in ausgewähltenFällen zur Anwendung kommen. In allen anderen Fällen istzwischen ein- und zweizeitigem Prothesenwechsel abzuwägen,und in Extremsituationen sind Rückzugsmaßnahmen wieGirdlestone-Arthroplastik, Arthrodese oder Drainage inLokalanästhesie respektive Amputation zu wählen.Der einzeitige Wechsel sollte somit nur bei Typ IA1 nachMcPherson (postoperativer Frühinfekt, keine systemischenRisikofaktoren und unauffälliger Lokalstatus) durchgeführtwerden. Beim akuten hämatogenen Infekt ist die Dauer derErkrankung oft schwer zu erheben, sodass dieser sicherheitshalbereinem zweizeitigen Wechsel zugeführt werden sollte,ebenso wie beim chronischen Spätinfekt. Bei allen anderenInfektformen sollte eine zweizeitige Operation geplant werden,sofern der Patient zwei Operationen toleriert. Bei hohemOperationsrisiko und vermutlicher Toleranz von nur einereinzigen Operation sollte eine Girdlestone-Plastik oderprimäre Arthrodese des Kniegelenkes bzw. bei lebensbedrohlichenhochseptischen Zustandsbildern auch eineAmputation erfolgen. Bei inoperablen Patienten bleibt alseinzige Maßnahme die Drainage in Lokalanästhesie. ■Seite 14 | Supplementum, Juni 2008

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