Experten Statement Protheseninfektionen in der Orthopädie

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Experten Statement Protheseninfektionen in der Orthopädie

Prim. Univ.-Prof.Dr. Christian PirichUniv.-Klinik für Nuklearmedizinund EndokrinologieParacelsus UniversitätSalzburgUniv.-Prof.Dr. Elisabeth PresterlKlin. Abt. für Infektionenund TropenmedizinUniv.-Klinik für InnereMedizin I, MU WienUniv.-Prof.Dr. Bernd StöcklUniv.-Klinik für OrthopädieMU InnsbruckUniv.-Prof.Dr. Günter WeissKlin. Abt. für Allg. InnereMedizin, Univ.-Klinik fürInnere MedizinMU InnsbruckPrim. Univ.-Doz.Dr. Christoph Wenisch4. Medizinische Abteilungmit InfektiologieSMZ Süd KFJ-Spitalder Stadt WienEmpfindlichkeit der Methode nicht zu beeinflussen. EineEntzündungsszintigraphie mit markierten autologen Leukozytenkann jederzeit wiederholt werden.Die Entzündungsszintigraphie führt zu einer physiologischenDarstellung des Knochenmarks. Pathologisch vermehrteSpeicherungen zeigen auf sequenziellen Aufnahmen eineZunahme. Zumeist sind über eine Periode von 24 Stundenzwei Aufnahmeserien bei der Entzündungsszintigraphie mitmonoklonalen murinen Antikörpern (Tc99m-Antigranulozyt-Mab, MAK BW 250/183) oder Antikörperfragmenten (Tc99mmarkiertesSulesomab = Leukoscan®) ausreichend. ZurSteigerung der Spezifität wird von manchen Autoren einesemiquantitative Auswertung im Seitenvergleich empfohlen.Nach Behandlung kann eine Dynamik der Entzündung bereitsfrüher als mit der Knochenszintigraphie beurteilt werden.Nachteil dieser Untersuchungstechnik mit monoklonalenMausantikörpern sind bei wiederholtem Antikörperkontaktmögliche Immunreaktionen in Form einer humanenAnti-Maus-Antikörper-Reaktion (HAMA), weshalb oft einesechsmonatige Wartezeit zwischen zwei Anwendungenempfohlen wird. Im Vergleich zum Hüftgelenk ergibt sich fürdie Beurteilung des Kniegelenkes in einigen Studien eine geringereSpezifität und Genauigkeit.2.2.1.3 FDG-PET(-CT)Sie ist die modernste Untersuchungsmethode, wobei dieInterpretation des Speicherungsmusters großerErfahrung bedarf und nur für die Hüftregionübereinstimmend gut validiert ist. Wenn oftmaligeKontrolluntersuchungen im Rahmender Entzündungsdiagnostik am Hüftgelenknotwendig sind, empfiehlt sich die FDG-PET,die an dieser Lokalisation den anderen szintigraphischenMethoden zumindest gleichwertigist.2.2.2 ZusammenfassungAlgorithmus zum Einsatz nuklearmedizinischerVerfahren für den Nachweis/Ausschluss derProtheseninfektion:Zunächst Mehrphasen-Skelettszintigraphie● falls unauffällig: keine nuklearmedizinischeFolgeuntersuchung notwendig● falls pathologisch:– nachfolgender Entzündungsnachweis mit markiertenautologen Leukozyten (wenn Expertise undVerfügbarkeit vorliegen)– oder Entzündungsszintigraphie mit markierten AK (AK-Fragmenten), wie z.B. die Anti-Granulozytenszintigraphie– oder, am Hüftgelenk, wenn verfügbar und im routinemäßigenEinsatz für die Entzündungsdiagnostik 18F-FDG-PET(-CT).3. Labormedizinisches Management3.1 MikrobiologieAls Untersuchungsmaterialien stehen in der Regel Gelenkspunktate(ev. Spülung), intraoperativ gewonnene Gewebeprobenoder Abstriche und die Prothesen in toto zurVerfügung. Die Herausforderung bei der Beurteilung des kulturellenErregernachweises besteht in der Unterscheidungzwischen einer Kontamination durch kommensale Mikroorganismenund einer Infektion durch Bakterien, die häufigebenfalls der Hautflora entstammen. Eine diagnostischeGewebsbiopsie sollte bei klinischem Infektionsverdacht inTab. 2: Gründe für falsch negative Kulturergebnisse● Niedriges Inokulum● Adhärente Bakterien● „Small colony variants“ („SCV”, z.B. S. aureus)● Intrazelluläre Persistenz in Osteoblasten● Antibiotische Therapie, präoperative Antibiotikaprophylaxe● Bakterizide Wirkung des Lokalanästhetikums● Entnahme- und Transportmängel● Mangelhafte Bearbeitung im Labor● Ursächlicher Erreger nicht im UntersuchungsspektrumSeite 6 | Supplementum, Juni 2008

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