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20> Kapitel 01Was heißt überfischt?Fische lassen sich nicht zählen wie Elefanten in einem Nationalpark.Fischereibiologen müssen die Größe eines Bestands daheranhand von bestimmten Parametern kalkulieren. Wichtig ist diejährliche Fangmenge. Nimmt diese ab, kann das ein Anzeichen fürein Schrumpfen des Bestands sein. Von Interesse ist auch die Mengeder geschlechtsreifen Altfische, der Laicher, denn von ihnenhängt ab, wie viel Nachwuchs produziert wird. Immerhin kann sichein Bestand nur dann erhalten, wenn der Nachwuchs die durch denFang entnommene Fischmenge und die Zahl der auf natürlicheWeise gestorbenen Tiere ausgleichen kann. Fischereibiologen ordnenBestände für gewöhnlich einer von mehreren Kategorien zu:gemäßigt genutzt, voll genutzt, überfischt, zusammengebrochenoder sich erholend.Allerdings sind die Übergänge zwischen diesen Zustandsklassenunscharf, etwa zwischen dem voll genutzten und dem überfischtenZustand eines Bestands. Ein Grund dafür ist, dass verschiedeneFischarten sehr unterschiedlich auf Fischereidruckreagieren. Arten, die sich stark vermehren und schon frühgeschlechtsreif werden, können höhere Fangmengen besser abpuffernals Arten, die erst nach mehreren Jahren laichen und wenigeNachkommen produzieren. Grundsätzlich aber gilt ein Bestand alsvoll genutzt, wenn er maximal befischt ist und keine Ausweitungder Fänge zulässt. Intensiviert man die Fischerei dennoch, kipptder Bestand in den überfischten Zustand. Ein solcher Bestandnimmt kontinuierlich ab, weil nicht mehr ausreichend Nachkommenproduziert werden. Zusammengebrochen ist ein Bestand,wenn die Fänge deutlich unter den historisch bekannten Mengenliegen. Viele Forscher sehen diesen Zustand erreicht, wenn nurnoch 10 Prozent der höchsten historischen Fangmenge erzielt werden.Bei einem zusammengebrochenen Bestand lässt sich die Fangmengeauch dann nicht steigern, wenn man die Fischerei intensiviert,den sogenannten Fischereiaufwand erhöht. Ein Bestand giltals sich erholend, wenn nach einem Zusammenbruch die Fangmengeschließlich wieder steigt. Ein Beispiel ist der nordostatlantischeKabeljau, dessen Bestand in den 1960er Jahren zusammengebrochenwar und sich nach einem Fangverbot wieder erholte.Die Welternährungsorganisation (Food and Agriculture Organizationof the United Nations, FAO) nutzt derzeit 3 Kategorien,um den Zustand der Bestände zu beschreiben: gemäßigt genutzt,voll genutzt und überfischt.1.8 > Das Beispiel desnordostatlantischenKabeljaus zeigt, dass einFischbestand zusammenbricht,wenn nicht mehrgenug Altfische (Laicher)vorhanden sind, die Nachwuchszeugen.Laicherbiomasse (in 1000 t)Fang (in 1000 t)200018001600140012001000800voll genutztüberfischtvoll genutztüberfischtvoll genutzt60040020001950 19601970 1980 1990 2000 2010

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