Herunterladen PDF > Kapitel 1 - World Ocean Review

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24> Kapitel 01Bedrohte Vielfalt> Die Fischerei hat viele Fischbestände so stark dezimiert, dass sich derFang einiger Arten kommerziell nicht mehr lohnt. Dennoch werden die meisten Spezies dank ihrerenormen Reproduktionsfähigkeit überleben. Allerdings gibt es Ausnahmen. Manche Arten könntentatsächlich durch den Menschen ausgerottet werden. Bedenklich ist auch, dass die Fischerei offenbardie Evolution beeinflusst. Kleine Fische setzen sich durch, große dagegen werden seltener.1.11 > Seit Jahrenversuchen Tierschützer,den Stör indeutschen Gewässernwieder heimischzu machen. Ein Teilder ausgesetztenTiere trägt eine gelbeMarke auf demRücken. Angler, dieeinen solchen Störfangen, sind gebeten,die Zahlen der Markeden Tierschützernzu melden – und denFisch wieder insWasser zu setzen.Sterben Fischarten aus?Obwohl durch den industriellen Fischfang viele Beständeüberfischt worden sind, sterben Fischarten in der Regelnicht aus. Die klassische Vorstellung, dass eine Art durchden Einfluss des Menschen ausgerottet wird wie der LaufvogelDodo auf der Insel Mauritius, lässt sich auf dieFischerei nicht einfach übertragen. Das hat einen ökonomischenGrund: Lange bevor der letzte Fisch gefangen ist,wird die Fischerei unrentabel und in dem betroffenenMeeresgebiet beendet. Fachleute sprechen von kommerziellerAusrottung.Manche Fischbestände wurden in der Vergangenheitum 50 bis 80 Prozent reduziert. Für viele terrestrischeTierarten würden solche Werte das Ende bedeuten; insbesonderefür solche Arten, die nur sehr wenige Nachkommenzeugen. Sterben die wenigen Jungen durch Krankheitoder indem sie gefressen werden, kann eine solche Arttatsächlich gänzlich ausgelöscht werden. Nicht so bei denFischen: Die Bestände erholen sich in der Regel wieder.Ein wesentlicher Grund für die Widerstandsfähigkeit derFischbestände ist ihre hohe Reproduktionsleistung. Soerzeugt ein Kabeljau pro Jahr bis zu 10 Millionen Eier. Hinzukommt, dass sich eine Fischart meist aus mehrerenBeständen zusammensetzt.Außer Frage steht, dass die intensive Fischerei dieMenge an Fisch, die Fischbiomasse, in vielen Meeresgebietenerheblich reduziert hat. Besonders betroffen sinddie hohen trophischen Ebenen. Die großen Fische wurdenund werden zuerst weggefischt. Auch hier kann jedochvom biologischen Aussterben meist nicht die Rede sein.Um Aussagen über den Zustand einer Fischart machen zukönnen, müssen zunächst alle ihre Bestände abgeschätztwerden. Welche mathematischen und statistischen Modelledafür am besten geeignet sind, wird seit einigen Jahrenkontrovers diskutiert.Eine grobe Unterteilung hat die Welternährungsorganisation(Food and Agriculture Organization of the UnitedNations, FAO) vorgenommen. Sie unterteilt die Fischbeständein überfischt, voll genutzt und gemäßigt genutzt.Nach Angaben der FAO gelten knapp 30 Prozent allerFischbestände als überfischt. Die Arten werden in derRegel dennoch erhalten bleiben.Traurige AusnahmenAllerdings gibt es Ausnahmen. Manche Thunfischartenbringen auf dem Markt so viel Geld ein, dass sich dasFischen selbst dann lohnt, wenn es davon nur noch wenigeExemplare gibt. Rund 500 Kilogramm kann ein Thunfischwiegen. Bestimmte Thunfischarten wie etwa derRote Thun (Thunnus thynnus), der im Atlantik lebt, könneneinen Kilopreis von gut 100 Dollar haben. In Japanwerden sogar Hunderttausende Euro für die ersten oderdie besten Thunfische der Saison gezahlt. Dort ist teurerFisch ein Prestigeobjekt; außerdem gelten die erstenThunfische der Saison als Glücksbringer, für die einigeKunden sehr viel Geld zahlen. Der Fang solch wertvoller

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