Parobuch_Leseprobe_klein - Prachtguramis – in der Natur und im ...

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Parobuch_Leseprobe_klein - Prachtguramis – in der Natur und im ...

Einleitung 121. Prachtguramis in der Natur1.1 Schwindende Lebensräume 181.2 Die Gefährdung der Prachtguramis 281.3 Was kann man tun? 32Thema: Bausteine einer umweltpolitischen Strategie 402. Die Arten2.1 Zur Entdeckungsgeschichte 44Thema: Verbreitung der Prachtguramis früher und heute 582.2 Schematische Verbreitung der heute anerkannten Arten 602.3 Artunterscheidung und Evolution 622.4 Die heute bekannten Arten und Formen 70Thema: Zum harveyi-Formenkreis oder: Welche Paros hatte Foersch ? 883. Prachtguramis im Aquarium 943.1 Die Fische 973.2 Das Aquarium 983.3 Das Wasser 1033.4 Das Futter 1133.6 Erfahrungen und Methoden 1203.6 Aufzucht und Vergesellschaftung 1263.7 Probleme 1304. Verhalten der Prachtguramis4.1 Selbstschutz und Fortpflanzung 1364.2 Verhalten in der Natur und im Aquarium 1424.3 Die Kommunikation der Prachtguramis 1454.4 Spezifisches Verhalten bestimmter Arten 1514.5 Ablaichen und Brutpflege 1545. Prachtguramis erhalten5.1 Paros in ihren Lebensraum suchen und fangen: Nichts für jedermann 1605.2 Wie und wo bekomme ich Prachtguramis? 164Thema: Das Parosphromenus-Projekt 1675.3 Erhaltungsmanagement 1686. Schlussbemerkungen 1727. Anhang:Erstbeschreibungen 176Bücher und Sammelwerke 177Einzelartikel 178Internet 184RegisterXX8. Prachtguramis im Überblick 172©Christian HinzInhalt10 11


©Michael Lo2. Die ArtenSarawak, der nordwestliche Teil Borneos, gehört zu Malaysia. Von dort kennen wir bisher nur zweiPrachtguramiformen. Auf diesem Bild sieht man einen Klarwasserbach, der aus dem steinigen,höhergelegenen Regenwald in die Tieflandzone von Lundu strömt, wo torfgeprägte Sumpfbödenund Prachtguramis zu finden sind.Bild: M. Lo42 43


2.1 Zur EntdeckungsgeschichteDie Entdeckungsgeschichte der Prachtguramisist eine spannende Dokumentation desschrittweisen biologischen Erkenntnisgewinns.Sie ist zwar nicht abgeschlossen, aberdoch schon anderthalb Jahrhunderte alt undnoch überschaubar. Ein großer Teil dieserGeschichte, insbesondere in den letzten Jahrzehnten,ist von begeisterten Aquarianerngeschrieben worden. Dabei ist einzuräumen,dass bei der folgenden Darstellung der europäischeBlick etwas überrepräsentiert ist.Zwar haben insbesondere holländische, deutscheund englische Parofreunde einen großenAnteil an dieser Geschichte, aber es gibt auchAmerikaner, Japaner, Chinesen und Malaysier,die darin eine Rolle spielen.Originalbeschreibung Parosphromenus deissneri von Bleeker (Faksimile)©Martin HallmannParosphromenus linkei zeigt einen hochformatigen KörperquerschnittBild: M. HallmannHeute ist noch immer erst ein Bruchteil derSümpfe und Bäche Malaysias und Indonesiensfloristisch und faunistisch wirklichgründlich erforscht. Sogar in Westmalaysiawerden gelegentlich noch Paro-Formen gefunden,die uns zweifeln lassen, ob wir ihreVerbreitung schon kennen, auf Borneo sowieso.Erst 2008 fand allein Horst Linke sageund schreibe sechs neue Formen allein imDistrikt Jambi auf der Insel Sumatra. Beimheutigen Tempo der Zerstörung müssen wiralso befürchten, dass wir gar nicht mehr alleArten entdecken, bevor ihnen die Lebensgrundlagenentzogen werden.Die Entdeckungsgeschichte der Prachtguramisist aber auch deshalb spannend, weilsie mit der Historie der wissenschaftlichenErstbeschreibungen eng verknüpft ist. Siezeigt, dass sich bei der Anwendung von Artabgrenzungskriterienbzw. der Bewertungdes Begriffs „Art“ bedeutende Veränderungenergaben.Es begann vor über 150 JahrenBereits 1859 beschrieb der holländischeFischkundler Pieter Bleeker einen bis dahingänzlich unbekannten Fisch nach einemeinzigen Exemplar, das ihm dafür von derInsel Bangka vor der Nordostküste Sumatraszur Verfügung stand, als eine neue Art, diein keine bis dahin bekannte Gattung der Labyrinthfischepasste. Jenes einzige Exemplarwar, der Beschreibung nach zu urteilen, auchnoch ein Weibchen. Dies war zwar erlaubt,allerdings unglücklich, da wir später lernensollten, wie wichtig bei der Artenunterscheidungder Prachtguramis die Männchenfärbungist. Bleeker stellte jedenfalls für densonst nicht einzuordnenden Fisch die neueGattung Parosphronemus auf (was so vielheißt wie „Fische, die den Labyrinthfischender auch damals schon länger aufgestelltenGattung Osphronemus in gewisser Weiseähneln, aber doch anders sind“). Doch er44 45


©Horst LinkeDiese Art heißt seit 1998 P. deissneriBild: H. Linkeverschrieb sich bei der Erstbeschreibung,vertauschte versehentlich das n und das m,und deshalb heißt die Gattung bis heute Parosphromenus.Als Artnamen wählte er deissneri.Damit begann ein Verwirrspiel, das invielen Aquarienbüchern und besonders imZoohandel bis heute andauert.Bislang ist über die folgenden Jahrzehntefast nichts bekannt. So war es eine kleineSensation, als ein Mitglied des Parosphromenus-Projektsim Jahr 2011 eine hundertJahre alte Anzeige in der längst nicht mehrexistierenden deutschen „Wochenschrift“aus dem Jahre 1911 (!) durch Faksimilebekannt machte, in der „Parosphromenusdeißneri“ angeboten wurde. Leider habenwir keine Kenntnis darüber, um welche Paroses sich wirklich handelte und ob jemanddiese Fische damals erworben hat. Mit großerWahrscheinlichkeit konnten sie nichtlange am Leben erhalten werden. Bekanntist erst wieder, dass der Amerikaner Herre1934 wieder so bezeichnete Fische fing, diesmalauf der Malayischen Halbinsel, und darüberzusammen mit dem amerikanischenIchthyologen George Myers drei Jahre späterberichtete. Der in Singapur arbeitendeFischkundler M. F. K. Tweedie hielt solcheTiere bereits 1939 in einem Aquarium. Aberauch er musste bekennen, dass sie bei ihmnicht lange durchhielten. Man wusste einfachnicht, was sie brauchten.Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurdedann doch eine zweite Art, Parosphromenuspaludicola, im Nordosten Malaysias,nahe der Grenze zu Thailand, entdeckt. Siewar hinsichtlich ihres Köperbaues und ihrerFlossenstruktur so deutlich von den bisdahin bekannten „deissneri“-Prachtguramisverschieden, dass ihr ErstbeschreiberTweedie damals im Jahre 1952 zweifelsfreidavon ausgehen konnte, eine neue Art vorsich zu haben. Damals ahnte man nicht, dassman schon zuvor gelegentlich unterschiedlicheParoarten gefangen, aber immer nur fürFarbvarianten und Lokalformen von deissnerigehalten hatte, weil sie dieser Art vielähnlicher waren als P. paludicola. Tweediewar inzwischen Kurator des SingapurerNationalmuseums, des „Raffles Museums“,geworden, das bis heute das Zentrum derwissenschaftlichen Erforschung der Prachtguramisgeblieben ist. Über ein halbes Jahrhundertnach seiner Erstbeschreibung vonP. paludicola haben übrigens im Jahre 2005an diesem Museum zwei der besten heutigenKenner der südostasiatischen Fischfauna,der Schweizer Maurice Kottelat und derSingapurer Professor Peter Ng, einen „neuen“Prachtgurami, den man auch schon seitlängerem unter einer Fundortbezeichnungkannte, zu Ehren Tweedies Parosphromenustweediei genannt.Lumper und SplitterAuf die Beschreibung der zweiten Art P.paludicola folgte 1955 in Deutschland eineweitere Beschreibung, und diese zeigt, wiesehr die biologische Taxonomie davon abhängigist, ob die Wissenschaftler zu den„Lumpern“ (den „Zusammenfassern“) oderden „Splittern“ (den „Aufspaltern“) gehören.In jenem Jahr beschrieb der FrankfurterIchthyologe Wolfgang Klausewitz einen©Martin HallmannParosphromenus paludicola „Paka“ - Männchen zeigen nur beim Imponieren spontan intensiveStimmungsfarben. Das ist eine Besonderheit unter den Paros.Bild: M. HallmannPrachtgurami, den er als „Beifang“ bei einemdeutschen Zierfischimporteur entdeckthatte, vorsichtig als Unterart der erstbeschriebenenArt P. deissneri, nämlich als Parosphromenusdeissneri sumatranus. Warumwurde sumatranus zunächst als Unterartbeschrieben, fielen doch Klausewitz die auffälligenbraunroten Flossenmarkierungenund der markante schwarze Punkt in derRückenflosse sehr wohl als Besonderheitenauf, die man so bisher bei „deissneri“ nichtgesehen hatte ? Die Antwort ist einfach:Erstens, weil dieser bescheidene Wissenschaftlermangels jeder genetischen Informationkeinen Sinn darin sah, kleinste Unterschiedeansonsten sehr ähnlicher Fischezu Artunterschieden hochzustilisieren (erwar also ein „Lumper“), und zweitens weilman sich damals bereits daran gewöhnt hatte,dass die Prachtguramis offenbar dochein viel größeres Verbreitungsgebiet hattenals zunächst angenommen; da waren leichteUnterschiede im Erscheinungsbild derFische naheliegend. Was er freilich nichtwusste war, dass schon die bis dahin bekanntgewordenen verschiedenen angeblichen„deissneri“ keineswegs alle der gleichen Artangehörten. Sein Pech war, dass zwar beimanchen Formen, die man heute als Artunterscheidet, dieser Status inzwischen auchdurchaus wieder in Zweifel gezogen werdenkann, aber ausgerechnet bei P. sumatranussicherlich nicht. Hierfür gibt es neben derFärbung der Tiere auch deutliche Unterschiedein ihrer Körperstruktur (ihrem Habitus)und vor allem in ihrem Balzverhalten.Doch dies spielte damals noch keine Rolle,da man noch nicht gelernt hatte, Paros angemessenzu halten und zur Fortpflanzungzu bringen. Dies gelang erst zwanzig Jahre46 47


später durch die Versuche des MünchnerArztes Dr. Walter Foersch. Die falsche Vermutung,es handle sich mit Ausnahme derdeutlich verschiedenen zweiten Art P. paludicola- bei allen an neuen Orten aufgefundenenTieren immer um die erstbeschriebeneArt P. deissneri, lebte jedenfalls noch vieleJahre weiter fort. Im Handel werden oft nochheute viele Paros, die einmal den Weg in dieZoogeschäfte finden, fälschlicherweise als„deissneri“ bezeichnet. Auch in der populärenAquarienliteratur findet sich wenn dortüberhaupt die Prachtguramis erwähnt werden oft nur eine Art genannt, „deissneri“.Foerschs VersucheMit Walter Foersch begann die Prachtgurami-Aquaristik.Der Fisch, den Foersch 1968zunächst per Zufall nur in einem einzigenExemplar in einem Großhändlerbecken alsversehentlich mitgeschickten und zunächstunidentifizierbaren Beifang schwimmensah, faszinierte ihn. Er bat deshalb den sehrguten Kenner der südostasiatischen FischfaunaDietrich Schaller, in Westmalaysianach ihm Ausschau zu halten und erhielttatsächlich von ihm im nächsten Jahr 18 inder Nähe des Ortes Ayer Hitam gefangeneTiere. Schaller, dessen Vater Hofapothekeram Königshof in Bangkok geworden undder daher in Thailand aufgewachsen undmit Kescher und Gläsern weit umhergestreiftwar, hatte den Hinweis auf dieses Vorkommenvon Eric Alfred erhalten, damalsDirektor des schon erwähnten Raffles Museumsin Singapur.Walter Foersch war begeistert von den Fischen,die Schaller ihm mitbrachte. Er beganneine lange Versuchsreihe, um ihregenauen Ansprüche und Verhaltensweisenim Aquarium zu erforschen. Die Ergebnisselegte er dann in seiner epochemachendenzweiteiligen Studie „Haltung und Zucht vonParosphromenus deissneri“ (1974/75) nieder;es war die wirkliche Stunde Null der Prachtgurami-Aquaristik.Die wenigen Publikationenvorher konnten nicht wirklich überdie Haltungs- und Nachzuchtansprüchedieser Fische informieren. Doch wie derFundort der Fische und auch die Fotos derPublikation ausweisen waren die Fischevon Schaller/Foersch nach unserer heutigenKenntnis keine deissneri. Den fotografischenDokumentationen der Paros von Foerschnach zu urteilen, ist es auch nicht möglich,sie eindeutig einer der drei infrage kommenden,heute definierten Arten P. rubrimontis,alfredi oder tweediei zuzuordnen; vielmehrzeigen sie, dass diese Artunterscheidungenoder zumindest die Zuordnung der Typenaus Ayer Hitam zu P. tweediei durch dieBeschreiber der o. g. Arten womöglich vorschnellwaren. Dabei müssen wir berücksichtigen,dass Anfang der siebziger Jahredie Parobiotope Westmalaysias noch vielausgedehnter waren als heute, wo sie teilweiseauf kleine Reste zusammengeschmolzenund vielfach auch ganz verschwunden sind.Wir kennen allerdings eine bisher nicht wissenschaftlichbearbeitete Farbform unterdem Namen P. spec. „Kota Tinggi“, die denFischen von Foersch sehr nahe kommt (sieheThema: Der harveyi-Formenkreis - oder:welche Paros hatte Foersch?).Nachkommen der Schallerschen Wildfängeerhielt damals von Foersch nicht nur einervon uns (PF), sondern über den Jenaer IchthyologenGünther Sterba u. a. auch der auchals Fotograf und Autor sehr rührige ThüringerAquarianer Hans-Joachim Richter. Seineschönen Farbfotos belegen das Artproblembesonders gut.Was war das Aufsehenerregende ander Studie von Foersch?Es war, neben manchen anderen genauenVerhaltensbeobachtungen, die Erkenntnis,dass das Paropaar die Eier, die das Weibchenwährend der labyrinthfischtypischen Umschlingungdurch das Männchen in einerkleinen Höhle ausstößt, an der Höhlendeckeanzuheften versucht, obwohl sie schwererals Wasser sind („Sinkeier“). Und, dass siedort aber nicht auf Dauer halten und immerwieder herabfallen, wenn das Wasser nichtweich genug ist. Erst bei minimalen Härtewerten,wobei vor allem die Karbonathärtekaum messbar sein darf, bleibt das Gelegean der Höhlendecke haften und kann dortgepflegt werden. Erst diese, in einer langenExperimentenreihe gewonnene Einsichtöffnete das Tor für die erfolgreiche Aquarienzuchtvon Prachtguramis. Vor allem anderen,was noch unbekannt war, musstenalso besondere Rahmenbedingungen beimAblaichen der Paros erfüllt werden. Einmalentdeckt, war es dann im Prinzip einfach geworden,sie nachzuzüchten. Walter Foerschjedenfalls war vom Verhalten und von derFarbenpracht seiner Tiere so begeistert, dasser später selbst noch nach Südostasien gereistist, um sie dort in ihren originalen Lebensräumenzu suchen; und er hat sie dortauch gefunden. Seinem, des eigentlichenaquaristischen Paro-Pioniers, Angedenkenwidmen wir deshalb auch dieses Buch.©H.-J. RichterFoerschs Paros: Parosphromenus sp. „Ayer Hitam“ beim LaichenBild: H.-J. Richter48 49


Immer mehr neue ArtenParosphromenus filamentosus1978 erfolgte dann in Deutschland die Beschreibungeiner eindeutig neuen Art, sieist deutlich kleiner, schlanker und andersgefärbt als die zuvor bekannt gewordenenPrachtguramis. Sie wurde bei Palangan aufBorneo von Edith Korthaus, Alfred Hanriederund dem Ehepaar Foersch entdeckt.Der deutsche Labyrinthfischspezialist JörgVierke benannte sie 1979 als Parosphromenusparvulus. Heute wissen wir, dass dieserkleine Fisch viel weiter verbreitet ist; wahrscheinlichbesitzt er das größte Verbreitungsgebietaller Prachtguramis.Ebenfalls von Hanrieder, Korthaus undFoersch wurde bei Banjamarsin in Kalimantanein neuer Prachtgurami entdeckt, der1981 ebenfalls von Vierke als P. filamentosusbeschrieben wurde, da er eine auffälligefadenförmige Verlängerung des mittlerenSchwanzflossenstrahls zeigte. Er ähnelte damitoberflächlich dem schon 1952 beschriebenenP. paludicola; diese Art war damals inEuropa aber noch nicht lebend aufgetaucht.Heute kennen wir noch mehr Arten mit solchenFilamenten.1985 folgte dann die Beschreibung einesweiteren neuen Prachtguramis, dervon Peter Nagy de Felsö Gör im Ostender Malayischen Halbinsel gefangen undnach Österreich gebracht worden war unddessen Männchen nicht in der Streifenfärbungaber in der Balzfärbung erheblichvon den bislang bekannten Formen abwichen.Dietrich Schaller, dem zu EhrenWerner Ladiges schon Jahre zuvor einenvon ihm neu entdeckten KnurrendenGurami als Trichopsis schalleri beschriebenund der schon die ersten Fische fürFoersch aufgespürt hatte, nannte den neuenFisch Nagy zu Ehren Parosphromenusnagyi.Nur zwei Jahre später benannte dann die©Martin HallmannBild: M. Hallmann©Martin HallmannP. nagyi „Kuantan“ Bild: M. HallmannEngländerin Barbara Brown zwei auf Expeditionenmit ihrem Mann Allan Brownin Westmalaysia und in Sarawak (Borneo)neu gefundene Prachtguramis zu Ehrendes deutsch-englischen Paro-Pioniers WilliHarvey als Parosphromenus harveyi und zuEhren ihres Mannes als P. allani. Mit letzteremwar damit erstmals auch eine Paro-Artaus Sarawak bekannt geworden bis heutedie einzige, die von dort wissenschaftlichbeschrieben wurde. Eine zweite Form mitisoliertem Verbreitungsgebiet im äußerstenWesten Sarawaks ist bekannt, aber nochnicht beschrieben worden (P. sp. „Lundu“oder auch P. sp. „Sungai Stunggang“).Jetzt, in den achtziger Jahren, war durch dieseEntwicklungen klar geworden, dass diealte Vermutung, alle Paros außer P. paludicolaseien P. deissneri, wirklich falsch gewesenwar. Deshalb fuhren nun immer wieder begeisterteLabyrinthfischfreunde aus Europa,aber zunehmend auch Amerika und Asienin jene Gebiete und eine regelrechte Suchenach neuen Prachtguramis begann. Auf einerdieser Forschungsreisen im Jahre 1990konnten Norbert Neugebauer und HorstLinke in ein und demselben Lebensraum imSüdwesten Borneos gleich zwei bis dahin unbekannteFormen fangen, deren eine schonein Jahr später von Kottelat als Parosphromenuslinkei beschrieben wurde, während diezweite wegen ihrer großen Ähnlichkeit mitdem angeblichen deissneri noch 15 weitereJahre bloß als P. sp. „Sukamara“ bezeichnetwurde, bis Kottelat und Ng sie dann 2005als P. opallios beschrieben. Es ist der bishereinzige Vertreter des harveyi-Formenkreisesmit Vorkommen auf Borneo.Ebenfalls 1990 hatte Kottelat selbst in derNähe von Anjungan in Südwest-Borneoeine weitere neue Art gefunden, die in ihrerKleinheit und schlanken Körperform an P.parvulus erinnerte, aber im männlichen Geschlechteine gänzlich andere Prachtfärbungzeigte; kurz darauf fanden auch Horst Linke,Norbert Neugebauer und Ingrid Baer siedort wieder und brachten sie nach Europa.Kottelat beschrieb sie schon ein Jahr späterals P. ornaticauda nach der auffälligen rotenFlamme in der Schwanzflosse des Männchens.Aber die Reise der drei parobegeistertenErstentdecker war noch erfolgreicher,denn sie fingen im gleichen Biotop nocheine zweite neue Prachtguramiart, ebenfallsäußerlich wieder deutlich verschieden vonden bekannten, weil sie nämlich in allen unpaarenFlossen des Männchens eine einheitlichrotbraune Färbung zeigte; auch sie beschriebKottelat im nächsten Jahr, und zwarals P. anjunganensis. Hier kann man eine Besonderheitdieser Beschreibungsgeschichteerkennen: Formen, die deutlich verschiedensind von schon beschriebenen Arten, werdensehr schnell beschrieben, aber solche,die sich nur in Farbnuancen und geringen©Martin HallmannParosphromenus harveyiBild: M. Hallmann50 51


Differenzen im Habitus von ihnen unterscheiden,bereiten den Taxonomen größereSchwierigkeiten und werden deshalb erstsehr viel später beschrieben. Bei manchen istbis heute unklar, ob sie selbst eine neue Artdarstellen oder einer bereits beschriebenenArt als Variante angehören.Wissenschaftler aus Singapur interessiertensich bereits Anfang der neunziger Jahre fürden Osten Borneos, für Kalimantan Timur.Bislang waren diese Gebiete wegen ihrerschweren Erreichbarkeit von Forschungsreisendenkaum aufgesucht worden und mankannte demzufolge von dort auch keinePrachtguramis. Dies änderte sich nun. Manfing dort bei Muarapahu und Jantur Germeruhneue Prachtguramis, die oberflächlichdurch ihre rotbraunen, weiß gesprenkeltenFlossen und dunklen Flecken mitten aufdem Körper an P. linkei erinnerten. Als dann©Martin HallmannParosphromenus ornaticauda war eine echte ÜberraschungPhillipp Dickmann und Frank Grams 1996ebenfalls nach Kalimantan Timur reisten,wurden diese Fische bei den Orten Melakund Jengan Danum wiedergefunden, abererst 2005 von Kottelat & Ng als P. pahuensisbeschrieben.Neubeschreibung vonParosphromenus deissneriBild: M. HallmannIn den neunziger Jahren wuchsen die Zweifel,ob die Beschreibung der ersten Paro-Art, P. deissneri, deren Typusexemplar desBeschreibers Bleeker von der Insel Bangkastammte, eigentlich in der Folgezeit richtiggedeutet oder ob die Zuordnung zu dieserArt nicht zumindest zu pauschal erfolgtwar. Man hatte nämlich durch genauereAquarienbeobachtungen und Fotodokumentationenerkannt, dass die vielen „bau-gleichen“ Paros mit runder Schwanzflosse,die man inzwischen außerhalb Bangkas,auf Bintan, der Malayischen Halbinsel, Sumatraund Borneo gefunden hatte, bei genauerBetrachtung nicht identisch waren.Sie konnten dann auch nicht alle P. deissnerisein, sondern mussten offensichtlich neue,unbeschriebene Parosphromenus-Arten repräsentieren.Wir nannten diese vorsichtigz. B. P. cf. deissneri „Bukit Merah“, da unsereVorstellung von P. deissneri durch die Parosvon Foersch geprägt war. P. harveyi war zwischenzeitlichbeschrieben worden, die Beschreibungführte fast aus Versehen eine bisdahin nicht angewandte Abgrenzungsmethodik(Färbung in Kombination mit demFundort) bei Paros gleicher Gestalt ein. AufBintan, Bangka und Sumatra schwammenweitere Rundflosser. Allerdings zeigte dierundflossige Form von Bangka, die Bleekervorgelegen haben könnte, keine Rottöne.Es herrschte Unklarheit, die Systematik warunlogisch. Inzwischen hatte man auf Bangkaeine Form mit lanzettlicher Schwanzflosseentdeckt, deren Identität völlig unklar war.Welcher dieser Fische war nun der echte P.deissneri?Who Is Who?Kottelat und Ng nahmen dies zum Anlass,die zu diesem Zeitpunkt 140 Jahre alte Beschreibungund das ursprüngliche Typusexemplarvon Bleeker gründlich zu überprüfenund fanden heraus, dass dieses sobeschädigt war, dass nicht mehr aufgeklärtwerden konnte, welche der beiden Formenvon Bangka der Artbeschreibung zugrundelag. Es fehlte nämlich die für die Unterscheidungbesonders wichtige Schwanzflosse, diebei einer der beiden Formen von Bangkaein sehr deutliches Filament zeigt. Und manerinnere sich: Es war wahrscheinlich einWeibchen gewesen; eine Beschreibung derkennzeichenden Männchenfärbung fehlt inBleekers Text. Beide entschlossen sich daherzu einem in der Taxonomiegeschichteseltenen, aber erlaubten offiziellen Schritt,nämlich bei der internationalen Nomenklaturbehördezu beantragen, ein neues Typusexemplar(„Neotypus“) hinterlegen und dieArt in Ergänzung der Beschreibung Bleekersneu beschreiben zu dürfen. Man entschiedsich damit nicht für den bequemeren, sondernden folgenreicheren schwierigerenSchritt. Mit der Neudefinition von P. deissneriwurde der Weg frei, die schon bekannten,aber unklaren, deutlich unterschiedlichenrotflossigen Typen differenziert zubeschreiben. Und damit begann das größteRevirement in der Geschichte unserer Paro-Kenntnisse.Eine Definition mit FolgenKottelat und Ng entschieden nämlich imJahre 1998, dass die auf Bangka endemischeArt, die das Schwanzflossenfilament auf-P. deissneri, der alte Holotyp Bild: J. Schmidt P. deissneri, Stich von Bleeker Bild: J. Schmidt52 53


©Michael Lo3. Prachtguramis im AquariumAlle im Zoohandel erhältlichen Prachtguramis sind Wildfänge, die bei Niedrigwasser in größerenStückzahlen gekeschert werden. Im freien Wasser leben sie nicht, sondern im Holz- oder Laubsubstratauf dem Gewässergrund und besonders in den dicht verkrauteten Uferzonen. Nur dortwird der Fang erfolgreich sein.Bild: M. Lo92 93


Wir wollen uns nun der Welt des Aquariumszuwenden, denn es sind Aquarien, in denendie Prachtguramis, wenn überhaupt, denmeisten Menschen begegnen. Wir habendiese faszinierende eigene Welt bis hierhinnur gestreift, beispielsweise als wir von WalterFoerschs frühen Versuchen sprachen,die Geheimnisse der Haltung und Zuchtdieser besonderen Fische zu ergründen.Mit Ausnahme ihres Fangs in ihren natürlichenLebensräumen hat die Erforschung derPrachtguramis in Aquarien stattgefunden.Was wir über sie wissen, ist zum größten Teilein Wissen, das von ihnen begeisterte Aquarianerangesammelt haben.Fast ideale Aquarienfische?Prachtguramis sind heute keine Problemfischemehr. Auch die Vermehrung ist in sehrvielen Fällen nicht schwer, ja manchmal sogareher einfach. Man muss sich jedoch mit©Martin HallmannAusschnitt aus einer Anlage. Die, mit der Seitenscheibe nach vorne stehenden 25l-Aquarien brauchenso relativ wenig Platz. Diese Aquariengröße ist für Haltungs-Zuchtbecken ideal, da sie nochgut bewegt werden kann.Bild: M. Hallmann„Typen der Prachtguramiaquarianer“Typ A: ein Aquarium, oft die AnfängersituationTyp B: ein Hauptaquarium, dazu kleinere Nebenbecken (Zucht etc.)Typ C: mehrere oder viele Artenbecken, Zuchtanlageihren Ansprüchen auseinandersetzen.Vorweggeschickt werden sollte, dass es nichtetwa ein einziges Patentrezept für die erfolgreicheHaltung und Zucht von Prachtguramisgibt. Es spielt auch eine Rolle, ob mansich völlig auf diese Fische konzentrierenoder sie nebenbei pflegen möchte. Wohlwissend,dass Aquarianer unterschiedlich vorgehen,unterscheiden wir etwas schematischdrei Hauptgruppen von Parofreunden: (A)den Aquarianer, der nicht mehr als ein einzigesAquarium aufstellen kann; dies ist oftauch die Anfängersituation. Dann (B) den inseinen Möglichkeiten begrenzten, aber sehran dieser Fischgruppe interessierten Parofreund,der wenige Aquarien besitzt undsein Hobby mit den Rahmenbedingungender Wohnung in Einklang bringen und sichdeshalb einschränken muss. Und schließlich(C) den ausgesprochenen Spezialisten, dersich meist in einem separaten Raum einegrößere Anlage für Haltung und Vermehrungmehrerer Arten aufbauen kann. Dienachfolgenden Ausführungen versuchendaher, sozusagen typenübergreifend Empfehlungenfür alle Arten der Prachtgurami-Aquaristik zu geben.Fische für das ArtaquariumWer nur ein einziges Aquarium besitzt,möchte dies meistens als Gesellschaftsaquariumbetreiben. Dies ist auch unter Einbeziehungvon Prachtguramis möglich, aberes müssen dann einige Grundsätze striktbeachtet werden. Das weitgehend beliebigeZusammenstellen von Fischen, wie manes üblicherweise bei Gesellschaftsaquarienvornimmt, auch wenn sie gleiche Ansprüchean die Wasserwerte hätten, funktioniertmit Paros nicht. Wenn eine Vergesellschaftunggelingen soll, muss sie sich weitgehendan den Bedürfnissen der Paros orientieren,d. h. die Prachtguramis müssen die „Hauptfische“des Aquariums sein, als „Mitläufer“gehen sie bald verloren. Oftmals hört man inAnspielung auf die Sonderbehandlung vonParos, dass sie ja auch in der Natur mit diesenoder jenen Fischen vorkämen und deshalbdoch vergesellschaftet werden könnten.Doch Vorsicht: Von einem gemeinsamenVorkommen in der Natur eine möglicheAquariumgesellschaft abzuleiten, kann einfataler Irrweg sein. Denn dort ist ungleichmehr Raum, existieren viele Lebensräumenebeneinander. Versteckreiche Nischen,in die sich Kleinfische wie z. B. Paros vorräuberischen Hechtköpfen und Nanderbarschenzurückziehen können und letztlichauch müssen. Und wenn dennoch Hundertevon ihnen ums Leben kommen: Was machtes dort aus? Auf Aquarienverhältnisse istdies jedenfalls nicht übertragbar.Es kommen für eine erfolgreiche Vergesellschaftungmit Prachtguramis nur kleine,sehr friedliche Begleitfische in Frage (sieheKapitel 3.6). Wenn die Zusammenstellunggelingt, kann ein solches Becken ausgesprochenindividuell, schön und auch biologischsinnvoll sein. Es ist sogar möglich, Balz undBrutpflege der Paros zu beobachten; allerdingswerden unter solchen Bedingungennur in Ausnahmefällen Jungfische hochkommen.Haltungs- und AufzuchtaquarienDer zuchtambitionierte Aquarianer wirdsich angesichts dieser Tatsache darum bemühen,für seine Prachtguramis Haltungsbedingungenzu schaffen, die dem Nachwuchseine wirkliche Chance geben und fürdie ungestörte Aufzucht der Jungfische einoder mehrere kleine Zusatzbecken aufstellen.Sie können durchaus ästhetisch gestaltetwerden und müssen eine Wohnung nichtwie ein kleines Zoogeschäft aussehen lassen.Der kompromisslose Züchter hingegen, dermehrere Arten unter optimalen Bedingungenerhalten und vermehren möchte, wirdfür seine Zwecke eine größere Zahl vonAquarien aufstellen. Eine Rolle spielt dabei94 95


(und auch bei unseren Empfehlungen) diegesamten Pflegebedingungen so einzurichten,dass alles wenig arbeitsaufwändig zurVerfügung steht. Denn sonst besteht dieGefahr, dass man durch den übergroßenAufwand bei der Aquarienpflege keine Zeitmehr für die Beobachtung der Fische hat.Haltung und Vermehrung: Ein ZusammenhangMeistens werden in der AquarienliteraturHaltung und Zucht getrennt abgehandelt.Das hat bei Fischen in Gesellschaftshaltungseine Berechtigung. Möchte man diese vermehren,muss man sie in der Regel separatund unter besonderen Bedingungen zurZucht ansetzen. Warum sprechen wir beiParos oft in einem Atemzug von Haltungund Vermehrung? Erstens wie schon gesagt weil bei Haltung in Artaquarien dieVermehrung oft von allein geschieht. Zweitens,weil Paros erst in der Balz und Brut-©Peter Finkepflege ihre volle Pracht entfalten. Und drittens,weil man Fische, die vom Aussterbenbedroht sind, nicht immer wieder einfach„nachkaufen“ sollte (bzw. kann). Es ist naheliegendsich darum zu bemühen, sie zuvermehren und in der Aquaristik zu erhalten.In diesem Punkt unterscheidet sich dieParoaquaristik ganz grundsätzlich von derStandardaquaristik. Paros sind gegenüberartfremden Fischen wenig durchsetzungsfähigeKleinfische mit einem differenziertenund attraktiven Verhalten. Um ihnen dieMöglichkeit zu geben, ihr Verhaltensrepertoireauszuleben, empfehlen wir eindeutigdie Haltung von Paaren bzw. kleinen Gruppenin Artaquarien.Im Folgenden werden vier Faktoren erläutert,die für eine erfolgreiche Haltung undVermehrung unserer Prachtguramis wichtigsind: die Fische, das Aquarium, das Wasserund das Futter. Im Anschluss daran wollenwir spezielle Pflegehinweise geben und diehäufigsten Probleme behandeln.Ein auf Bedürfnisse der Paros zugeschnittenes und dennoch dekoratives Aquarium Bild: P. Finke3.1 Die FischeFaktor 1 „Die Fische“Alter und Kondition: jung, nicht vergreist, nicht vorgeschädigtKennzeichen: nicht geklemmte Flossen, nicht „ausgemergelt“, fressbereitWer Prachtguramis im Aquarium pflegenmöchte, braucht zunächst gesunde, nichtüberalterte Fische. Warum wird das expliziterwähnt? Prachtguramis gehören nicht zumStandardsortiment des Zoofachhandels.Wenn sie dort auftauchen, werden sie häufigin ungeeigneter Umgebung gehalten. Mansollte sie sich vor dem Kauf genau anschauen,denn an kranken Tieren wird man kaumFreude haben. Transportgeschädigte Parosmüssen sich erholen, sind scheu und ihr interessantesVerhalten zeigen sie kaum noch.ImportfischeParos haben einen langen Weg hinter sich,bis sie in den Zoofachhandel kommen: Eshandelt sich fast immer um Wildfänge, dievon Auftragsfängern gesammelt und zu Exporteurenin Singapur, Kuala Lumpur oderBangkok transportiert worden sind. Wennsie schließlich beim europäischen Großhändlerund endlich beim Zoohändler angekommensind, haben sie ein Martyriumwochenlanger Verfrachtungen von einemTransportbeutel in den nächsten und von einemdeckungslosen, überbesetzten Beckenin das zweite und dritte hinter sich. Kaumje versorgt mit dem richtigen Futter. Durchdie Hälterung in ungeeigneten Wasser werdendie eigentlich dagegen unempfindlichenParos empfänglich für Parasiten und Fischkrankheiten,denen sie auf diesem „Wechsel-bad“ durch die Handelsstationen ausgesetztsind. Nur wenige Zoofachhändler machensich die Mühe, diese „Spezialfische“ nicht imörtlichen Leitungswasser zu hältern und mitwirklich geeignetem Lebendfutter zu versorgen.Man kann ihnen kaum einen Vorwurfmachen, denn sie müssen sich vor allem umihre „Brotfische“ bemühen, die den Massenmarktbedienen. Sicher gibt es Zoohändler,die solche Seltenheiten artgerecht hältern,das wollen wir ausdrücklich anerkennen,aber es sind Ausnahmen. Oft sind Paros ausdem Handel daher nicht in gutem Zustand.Manchmal tauchen im Handel jedoch auchParos in gutem Zustand auf. Junge, nochnicht ausgewachsene Fische, die nach kurzerEingewöhnungszeit ans Futter gehen, ihreFlossen nicht klemmen und deren Haut keinerleiSchädigungen zeigt, sind die besten,wenn man mit ihnen viel erleben will. Allerdingssind Import-Prachtguramis oft fehlbestimmtund wenn man Pech hat, handelt essich um Mischungen verschiedener Artenoder Formen unterschiedlicher Fundorte.Prachtguramis vom ZüchterSicher, mit verbrieftem Fundort und in erstklassigerQualität bekommt man Prachtguramisbei denen, die sie züchten. Und eswerden fast alle Arten gezüchtet, zusätzlichviele Fundortvarianten. Hierüber handeltaber das letzte Kapitel des Buches.96 97


3.2 Das AquariumPrachtgurami-Aquarianer sind in der Regelkeine aquaristischen Anfänger. Deshalbwollen wir speziell erörtern, wie ein idealesAquarium für Paros aussehen sollte: Diewichtigste Aussage hierzu lautet: Es mussnicht groß sein; es wäre sogar besser eherklein. Das ist auffällig. Sonst liest man inder Aquarienliteratur meist das Gegenteil:„Wählen Sie Ihr Aquarium immer so großwie möglich!“ Für Paros gilt dies nicht. Warumdies?Weil Paros kleine, ruhige und standorttreueFische sind, die nur temporär ein kleinesFortpflanzungsrevier besetzen. Natürlichkönnten und würden sie dieses auch in einemRiesenaquarium abgrenzen und gegenRivalen verteidigen aber ihre Pflege, z. B.ihre Fütterung würde dort problematisch.In zu großen Becken verlieren sie sich, auchwenn der Wasserkörper, in dem sie in derNatur leben, vielfach mehr Wasservolumenumfasst als die größten Aquarien. Wer Paroskennt, weiß, dass der Besitz einer geeignetenkleinen Höhle ihr ein und alles ist.Im kleinen Umkreis um die Höhle herumund in ihr spielt sich das ganze Parolebenab. Deshalb sind sie ideale Bewohner eineskleineren Aquariums, denn für sie ist imUnterschied zu vielen anderen gern gepflegtenAquarienfischen, die Platz brauchen umsich ausschwimmen zu können, endlich einmaldas normale Aquarium nicht zu klein,sondern meistens eher zu groß.Fische für kleine Aquarien©Martin HallmannDie Beschränkung auf das Wesentliche kann dennoch attraktiv seinBild: M. HallmannSelbstverständlich muss man auch etwasanderes im Auge behalten: die Qualität desWassers. Dieser Faktor steht natürlich in einemSpannungsverhältnis zum eben Gesagten,und dadurch wird der Unterschied zwischenNatur und Aquarium sehr deutlich.Die unmittelbare Aufenthaltszone in dennatürlichen Lebensräumen der Paros magsehr klein sein, steht jedoch in Verbindungmit einem riesigen, fließenden Wasserkörper.Zwar sind die kleinen handelsüblichenAquarien für ein einzelnes Paro-Paar durchausals Zuchtbehälter gut geeignet, und vieleWochen lang können in ihnen auch zwanzig,dreißig sehr kleine Jungfische aufwachsen.Aber die Fütterung belastet das geringeWasservolumen sehr; auch wird der Raumfür die Fische, wenn diese fast zwei Zentimeterlang geworden sind und erste harmloseStreitereien ausfechten, zu klein. Werviele heranwachsende Tiere zu lange auf soengem Raum hält, riskiert bei ihnen schwereGesundheits- und Verhaltenschäden.Erfahrene Spezialisten können hiermit umgehen;sie besitzen manchmal ganze Anlagensolcher Kleinbecken. Die Pflege sehrkleiner Aquarien ist bekanntermaßen ausvielen Gründen schwierig. Wir raten deshalbzu etwas größeren Maßen; 25 Liter isterfahrungsgemäß eine sehr gute Größe, besserwählt man es noch eine Stufe größer. Dashandelsübliche 50-Liter-Aquarium ist in jedemFalle für sie geradezu ideal, denn hierkönnen wir am wenigsten falsch machen.Es ist klein genug, um noch überschaubarzu sein und die Fische gut füttern zu können,aber groß genug, um manchen kleinenPflegefehler zu verzeihen und eine kleineJungfischschar mit ihren Eltern aufwachsenzu lassen. Man kann es auch so formulieren:Solch ein Becken mag anfangs für eineinzelnen Paropaar fast zu groß sein; diesesfüllt es jedenfalls nicht aus. Aber nach einemhalben Jahr sieht man, dass seine Größe gutgewählt war.Abdeckung des AquarienEin Aquarium für Labyrinthfische solltegrundsätzlich gut und dicht abgedeckt sein:1. Labyrinthfische können zielsicher ausdem Aquarium springen. Prachtguramistun das eher selten, aber man sollte kein Risikoeingehen.2. Geheizte Aquarien, deren Temperaturüber Raumtemperatur liegt, insbesonderein Kombination mit luftbetriebenen Innenfilternsorgen für hohe Luftfeuchte imRaum. Deshalb sollte Kondensat durch dieAbdeckung in das Aquarium zurück geführtwerden.Als Abdeckmaterial haben sich transparentePolystyrolplatten (Handelsname „Bastlerglas“)sehr bewährt. Sie können ohne Spezialgerätbearbeitet werden und verformensich im Gegensatz zu Acrylplatten unterWasserdampfeinfluss kaum. Wir empfehleneine unsymmetrisch zweigeteilte Abdeckungmit genau (!) gearbeiteten Ausklinkungenfür Kabel- bzw. Luftschlauchdurchlässe undeinem mittig sitzenden Griff- bzw. Futterlochmit etwa 15 mm Durchmesser in derkleineren Scheibe. Diese sichere Abdeckungreduziert den Aufwand bei der Fütterungund vereinfacht das Abnehmen der Scheibensehr. Wer viele Aquarien zu betreuenhat, freut sich über solche Erleichterungenbei der täglichen Routinearbeit.FilterungAuch bei kleinen Paro-Aquarien raten wirzu einer langsam laufenden biologischen Filterung.Grundsätzlich kann man Paros auchin ungefilterten Becken halten und züchten,aber dies verlangt wiederum Erfahrung undFingerspitzengefühl. Heute, im Zeitalter derHightech-Aquarien, ist es vielleicht für manchenerstaunlich zu hören, dass ein filterlosesAquarium sehr wohl gut funktionierenkann. Doch dass es geht, wussten bereits unsereaquaristischen Großväter.Jedes lebende Aquarium mit noch so geringemBesatz ist ein Ort vielfältiger biochemischerProzesse, die permanent ablaufen; esist damit buchstäblich selbst ein biologischerFilter. Stickstoffverbindungen werden vonBakterien umgebaut; sie sind die wichtigstenHelfer und siedeln sich auf allen Oberflächen,nicht nur in Innen- oder Außenfilternan. Leichte Wasserbewegung hilft ihnenbei ihrer Tätigkeit, eine starke Strömung istnicht erforderlich. Diese Bakterientätigkeitist die Grundlage eines funktionierenden fil-98 99


terlosen Aquariums. Der Hinweis, dass Parosin Bächen, also im Fließwasser leben, bedeutetnicht, dass sie stark bewegtes Wasserbräuchten; in ihren verkrauteten Nischenist das Fließen des Bachs nurmehr schwachspürbar. Eher sollte man jener Informationentnehmen, dass die Wasserqualität für siewichtig ist, denn das Wasser wird im Fließgewässerständig erneuert.Wenn jetzt noch weitere Faktoren hinzukommen,die allerdings auch vom Geschickdes Pflegers abhängen, kann ein filterlosesAquarium für viele Monate, sogar ein Jahroder länger gut funktionieren: erstens eineschwache Besetzung mit wenigen Fischen,zweitens eine disziplinierte, knappe Lebendfütterung,drittens stickstoffzehrendePflanzen, die größere Ammonium- oderNitratmengen gar nicht erst aufkommenlassen, und viertens häufige und sehr regelmäßigeTeilwasserwechsel. Ideale Pflanzenfür solche filterlosen Aquarien sind Ceratopteris-Schwimmfarne,die im weichen Wasserwachsen und wie ein Biofilter wirken. SieMännchen von Parosphromenus linkeihaben darüberhinaus weitere Vorteile: sieentwickeln ihr Laub auf und über dem Wasser,sie schatten ab und schaffen deshalb fürdie lichtscheuen Paros jene dämmrigen Nischen,die sie lieben. Auch gewähren sie denwinzigen Jungfischen mit ihren ins Wasserhängenden Wurzelbüscheln geeignetenSchutz.Doch noch einmal: Ein kleiner Langsamfilterist eine nicht zu unterschätzende undvernünftige Sicherheitsmaßnahme. Wirkommen darauf im Kapitel 3.2 zurück.BodengrundDer Bodengrund ist wichtig, wenn Pflanzeneine Hauptrolle spielen sollen. Bei Parobeckenkann dies schon wegen der limitiertenLichtverhältnisse und den niedrigen pH-Werten kaum der Fall sein. Ansonsten istdie Kalkfreiheit des Substrates wichtig, nichtseine Stärke. Hier hat sich feiner Spielplatzsandaus Quarz bewährt. Nebenbei werdendüstere Becken etwas heller. Große Pflan-©Martin HallmannBild: M. Hallmannzungen kann man ohnehin nicht vornehmen.Es gibt Spezialisten, die deshalb völligauf ihn verzichten, aber als Siedlungsgrundfür stickstoffabbauende Bakterien ist erwertvoll. Allerdings genügt eine ganz dünneLage, höchstens ein Zentimeter. Viel wichtigerist die Abdeckung mit Buchen- oderEichenlaub (s. u.). Sonderfälle sind größereAquarien, die mit wurzelnden Pflanzen wieCryptocorynen bestückt werden könnenund ohnehin bezüglich der Parohaltung einenKompromiss darstellen. Man kann hiergut mit kiesgefüllten, flachen Pflanzgefäßen,angereichert mit Düngekugeln aus Ton arbeiten,die optisch im Laub „versinken“.LichtParo-Aquarien sollten nicht sehr hell beleuchtetwerden. Denn Prachtguramis lebenin den Heimatgewässern im Dämmerlichtschattiger Uferzonen. Eine Abdunkelungder Rück- und Seitenscheiben (etwa durchschwarzes Papier) kommt daher ihremSchutzbedürfnis sehr entgegen. Innerhalbder Bruthöhle sollte es richtig dunkel sein.Wenn wir dort gelegentlich etwas sehenwollen, greifen wir zu einer kleinen Taschenlampe.(Es ist ein unter bestimmtenAquarianern verbreiteter Spott, dass dieFans der Prachtguramis die besten Käuferder kleinen „Mag-Lites“ sind …)Man muss sich klarmachen, dass die heuteüblich gewordene starke Beleuchtung eineReaktion auf das wachsende Angebot ausgesprochenlichthungriger Aquarienpflanzenist. Diese sind schon durch ihre Ansprüchean Wasser und Düngung für unsere Belangeungeeignet. Die für Paro-Aquarien in Fragekommenden Arten benötigen entweder relativwenig Licht oder sie können dieses alsSchwimmpflanzen optimal ausnutzen. Deshalbreichen für unsere Zwecke handelsüblicheLeuchten mittlerer Lichtstärke vollkommenaus.Pflanzen und VersteckeEs sind insbesondere Javamoos (Vesicularia),Mayaca und Javafarn (Microsorium),Kamerunfarn (Bolbitis), manche Cryptocorynen,die bei den, für die Parohaltung erforderlichenWasserwerten (s. u.) mithaltenkönnen. Cryptocorynen können in kleineTöpfe mit Bodengrund gesetzt werden, andereArten bindet man auf Wurzeln aufoder lässt sie fluten. An der Oberfläche sindSchwimmpflanzen wie der bereits erwähnteHornfarn (Ceratopteris), Salvinia, gewissefeine Wasserschlaucharten (Utricularia)oder Froschbiss (Anacharis) geeignet undschirmen die Beleuchtung ab.Abgestorbene Blätter von Buchen oder Eichen(an von Luftverschmutzung wenigbelasteten Stellen im Herbst aufgesammelt)gehören ebenfalls in ein Paro-Aquarium.Sie schaffen Verstecke und geben Gerbstoffean das Wasser ab. Insbesondere Jungfischehalten sich gerne in der Blattschicht auf undfinden dort kleinste Nahrung. Sehr nützlichund gleichzeitig dekorativ sind Moorkienwurzeln,da sie mit ihren Verzweigungenden vorhandenen Raum dreidimensionalstrukturieren, Versteckplätze bieten undzudem noch ansäuernde Wirkung haben.Empfehlenswert ist vor allem noch durchfeuchtetesHolz aus frischen Torfstichen.Die heute vielfach angebotenen Tropenhölzerverschiedener Baumarten (Mangroven,Mopani, „Savannenholz“) sinken wegenihrer großen Schwere zwar oft gleich unter,doch ist dies gar nicht das allein Entscheidende.Wichtig ist, in welchem Umfange siedas Wasser belasten. Und das kann durchausfür längere Zeit der Fall sein.Holz und Blätter zersetzen sichEs ist wichtig, die gute Qualität des Wassersim Aquarium für Prachtguramis langfristiggewährleisten zu können. Deshalb müssenorganische Feststoffe wieder heraus aus dem100 101


Aquarium, nachdem sie ausgelaugt sind unddas Wasser durch ihre zunehmende Zersetzungbelasten. So sollten Wurzeln, Torf,Erlenzäpfchen und Laubblätter schon beibeginnender Verrottung ausgetauscht werden.Wenn sie allmählich verfaulen, schlägtihre positive Wirkung ins Gegenteil um. EinÜberprüfen und ggf. Absaugen bzw. Herausnehmenparallel zum Teilwasserwechselist deshalb sehr ratsam.BruthöhlenPrachtguramis sind Versteckbrüter. Deshalbgehört in jedes Paro-Aquarium, gewissermaßenals zentrales Möbelstück, mindestenseine kleine Höhle pro Paar. Die meistenPrachtguramis sind sehr anpassungsbereit.Sie nehmen Stücke aus wasserneutralemKunststoffrohr, kleine Blumentöpfe, zuvorlange ausgelaugte Bambusröhren undKokusnussschalen, kleine Tonhöhlen oderKleinbild-Filmdöschen am Boden bereitwilligan; oft laichen sie auch stattdessenunter einem gewölbten Laubblatt am Bodenoder unter einem Algenpolster nahe derWasseroberfläche. Findige Aquarianer befestigenHöhlen in verschiedener Höhe mittelsSauger an einer Seitenwand des Beckens.Wichtig scheint nur der geschützte, dunkleRaum und die Neigung des Höhlendachs zusein, damit das kleine Schaumnest, das mancheArten dort anlegen mitsamt dem Laichnicht aus der Öffnung herausrutschen kann.Nur die kleinen schlanken P. ornaticaudaund P. parvulus bevorzugen enge Höhlen,die kaum 1,5 cm Querschnitt überschreitensollten.Man sollte ein Paro-Aquarium bezüglich derEinrichtung nicht überfrachten, denn derBesatz muss kontrollierbar bleiben: oftmalsist weniger mehr. Es fehlt noch eine Angabezur Wassertemperatur, die in den Originallebensräumenin der Regel zwischen 25 und33 Grad Celsius schwankt. Ein guter Temperaturbereichim Aquarium liegt zwischen24 und 27 Grad. Eine gewisse Schwankungschadet sicher nicht. Über 30 Grad fühlensich Paros sichtlich unwohl. Übrigens wirddas Laichen häufig durch eine kürzfristigeWasserabkühlung ausgelöst, denn auch derTropenregen ist meist kühler als das freieWasser in den Bächen.3.3 Das Wasser©Martin HallmannMännchen von Parosphromenus alfredi „Sedili“Bild: M. HallmannFaktor 2 „Das Aquarium“Größe: 10 - 100 Liter, Optimum 25 - 50 LiterTemperatur: 24 - 27° CelsiusFilterung: empfohlen, mit geringer WasserbewegungLicht: schwachPflanzen: u.a. Javamoos, Javafarn, Salvinia, HornfarnBoden: kalkfrei, stellenweise mit Blätterbelag, sonst weniger wichtigAusstattung: Höhle(n), Moorkienholz, abgedunkelte SeitenscheibenDamit sind wir beim dritten der vier wichtigenFaktoren, beim Wasser. Der Einfachheithalber werden die meisten Aquarienheutzutage mit Leitungswasser betrieben.Dieses ist für Prachtguramis in der Regelungeeignet, denn wegen ihrer speziellenökologischen Anpassungen benötigen sieein äußerst mineralarmes, saures Wasser miteinem bestimmten Gehalt an Huminstoffensowie niedriger Keimdichte.Parowasser ist weich und sauerTatsächlich fließt nirgends ein gutes Parowassereinfach aus der Leitung. Wennes weich genug wäre, wäre es aber wahrscheinlichnicht sauer genug, denn beideszusammen bekommt keiner metallenenWasserleitung und wird deshalb von denWasserwerken kaum je so eingespeist. Dasrichtige Parowasser müssen wir uns alsonotgedrungen selbst herstellen, doch davonspäter.Wie kann man nun feststellen, welche Eigenschaftenein bestimmtes Wasser hat?Einen guten und leicht zu ermittelndenAnhaltswert bietet die Bestimmung seinerelektrischen Leitfähigkeit, gemessen in Mikrosiemens/cm.Der Fachhandel bietet dazuhandliche und zuverlässige Geräte an. Istdas Wasser arm an gelösten Mineralstoffen,so ist auch seine Leitfähigkeit entsprechendgering. Ein genaueres Bild der Inhaltsstoffeerhält man durch die Messung der Wasser-102 103


härte, insbesondere der sog. Karbonathärte(der Ausdruck Säurebindungsvermögenveranschaulicht die Wirkung der Karbonathärteauf den pH-Wert). Ist die Karbonathärteunseres Wassers hoch, wird es unskaum gelingen, den gewünschten niedrigenpH-Wert zu erreichen. Der pH-Wertwiederum ist ein Ausdruck für den Gehaltdes Wassers an freien Wasserstoff-Ionenund damit für seinen Säuregrad, wobei alleWerte von 7 abwärts ein zunehmend sauresWasser anzeigen. Zur Bestimmung vonWasserhärte und pH-Wert werden ebenfallsgeeignete Mess-Kits oder Geräte angeboten.Auch für die Messung der Keimdichten gibtes heute einfach zu handhabende Bestimmungsformen.Mit einer speziellen Agarlösungbeschichtete Eintauchträger, die indurchsichtigen Plastikröhrchen aufbewahrtwerden, ermöglichen ohne sterile Laborumgebungeine hinreichend genaue Abschätzungder Dichte von Bakterien, Hefen undSchimmelpilzen in einem Aquarium. Nochsind Keimdichtemessungen in der Aquaristiknicht weit verbreitet; in den meistenFällen braucht man sie auch nicht. Aber dergeneigte Aquarianer tut sicher gut daran,gelegentlich einmal seine Becken damit zuüberprüfen. Er wird überrascht sein: Dennhier finden wir einen Teil der Erklärung, warumman mit Weichwasser und niedrigenpH-Werten oft bessere Nachzuchterfolgehat als bei neutralen Werten: Je saurer dasWasser, desto stärker wird die Entwicklungvon Bakterien gehemmt. Gutes Parowassersollte eine Leitfähigkeit etwa zwischen 20und 80 Mikrosiemens/cm sowie eine Karbonathärteum 1° KH aufweisen, bei einempH-Wert etwa zwischen 4.5 und 6.5. In einigenFällen können die Werte noch niedrigeroder unbedeutend darüber liegen.Zwar können Prachtguramis als erwachseneTiere über eine gewisse Zeit in mineralreicherem,neutral reagierenden Wasser leben,können aber entgegen vieler überholter Literaturangabennicht langfristig erhalten©Norbert NeugebauerWir fingen in diesem langsam fließenden Graben am Rande eines Restwaldes bei CheratingParosphromenus nagyi bei bewölktem Himmel, 37° C und folgenden Wasserwerten: pH-Wert 5,Karbonathärte nicht messbar, Wassertemperatur 28 ° CBild: N. Neugebauerwerden. Solches Wasser entspricht nicht ihrerbiologischen Konstitution; auch ihre Eierund die frühesten Jungfischstadien würdensich kaum entwickeln. Larven und Laichsind der empfindlichste Teil des Parolebens.Wenn die Keimdichte zu hoch ist, haben Paroeierund Parolarven keine Chance. Aucherwachsene Tiere erreichen bei unangemessenenWasserwerten nicht das Alter dassie bei optimalen Verhältnissen erreichenkönnen. Günter Kopic nennt als Maximalalterfünf bis sechs Jahre. Nicht alle Paroswerden so alt, aber gesunde Tiere könnenjedenfalls gut drei Jahre erreichen. Leiderwird der Zusammenhang zwischen Wasserwertenund Lebenserwartung in einigenAquarienbüchern, wenn sie denn überhauptPrachtguramis einmal kurz erwähnen(meist fehlen sie dort), nicht erklärt. EineAussage wie „Wer nicht züchten will, kanndie Tiere in normalem Leitungswasser halten“ist deshalb abzulehnen. Wer dauerhaftPrachtguramis gesund und vital erhaltenwill, muss das geeignete Wasser zur Verfügungstellen. Dies ist eine conditio sine quanon. In ihrer Heimat wurden Prachtguramisfast ausschließlich in Wässern gesammelt,die einen Gesamtsalzgehalt mit einer Leitfähigkeitvon weit unter 50 Mikrosiemens/cmbesaßen, manchmal nur um oder unter 10Mikrosiemens/cm.Dennoch, die extremen Bedingungen undWasserwerte der Fundorte muss man keinesfallseins zu eins nachbilden. Denn unsereMessungen vor Ort stellen eine Momentaufnahmedar, die das Gesamtbild ggf.verfälschen. Aufgenommen werden meistdie Wasserwerte der Niedrigwasser- bzw.Fangzeit. Es ist davon auszugehen, dass dieKonzentration während des Jahresverlaufsschwankt. Einer der Autoren (MH) hat verschiedenFundstellen mehrfach besucht undpH-Werte von 3,3 - 5,5 zu verschiedenenJahreszeiten gemessen. Prachtguramis sindanpassungsfähig sowohl gegenüber Schwankungender pH-Werte als auch gegenüberextrem saurem Wasser an sich. Dies ist derGrund warum sie in Schwarzwasserbächenmit extrem saurem Milieu lange aushaltenkönnen. Andere Arten, die andernfalls umdas zeitweilig sicher geringe Nahrungsangebotkonkurrieren würden, schaffen dasnicht. Schwarzwasserbäche mit zeitweiliggrenzwertig saurem Wasser stellen demnacheine Rückzugsnische dar. Prachtguramiskönnen in solch einem Lebensraum aushalten,was ihnen einen Vorsprung im Überlebenskampfsichert. Das bedeutet nicht, dassWasser mit mäßigeren pH-Werten nichtweniger belastend für den Fischorganismus(und damit geeigneter für eine Aquarienhaltung)wäre. Gesucht ist also ein Kompromiss,deshalb sollten wir uns zunächst mitden Methoden der Herstellung geeignetenAquarienwassers befassen:Alternativen der WasseraufbereitungWo bekommen wir ein solches gutes Parowasserher? Für die meisten Parofreundegibt es im Prinzip drei Möglichkeiten: sauberesRegenwasser, ein geeignetes Quellwasseroder ein physikalisch bzw. chemischaufbereitetes Wasser. Wer in Gegenden lebt,in denen noch immer ein nur wenig vonverschmutzter Luft belastetes Regenwassererhältlich ist, muss nur bedenken, dassdessen Qualität durch den Abfluss über einstark verschmutztes Dach oder ungeeigneteDacheindeckung schon wieder beeinträchtigtsein kann. Ansonsten ist dies die einfachste,bequemste und sehr oft wirklichempfehlenswerteste Methode: Regenwasser.Einige Zeit abregnen lassen, dann auffangenund evtl. zur pH-Absenkung noch überTorf filtern: Schon ist ein sehr gut geeignetesAusgangswasser gewonnen.Manche Aquarianer-Spezialisten scheuensich nicht, geeignetes Wasser über vieleKilometer von Waldquellen oder Brunnenaus Sand- oder Urgesteinsböden zu holen.Wenige haben das Glück, dass ein geeigne-104 105

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