1 5. September 2009 Kredite im Privatvermögen sind bombige ...

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1 5. September 2009 Kredite im Privatvermögen sind bombige ...

Im Augenblick brennt in erster Linie die Frage auf denNägeln, wie das Eigenheim bezahlt werden soll. Das Ehepaarwill in den nächsten Monaten ein Anwesen kaufen, das eineMillion Euro kostet, und hier sind zwei Lösungen denkbar. DasObjekt könnte ohne Schwierigkeiten bar bezahlt werden. Es istaber auch denkbar, das Kapital anders anzulegen und stattdessen ein Darlehen aufzunehmen. Bei der Geldaufnahme bietensich wieder zwei Möglichkeiten an. Der Kredit kann entwederin laufenden Teilbeträgen oder am Ende der Laufzeit in einerSumme zurückgezahlt werden.Die Lösung des Problems hängt von der Frage ab, wiedas Ehepaar das eigene Geld anlegt, wenn es fremdes Kapitalaufnimmt. Die mutigen Investoren neigen dazu, ihr Vermögen inAktien und Immobilien zu investieren. Dort erwarten sie auflange Sicht eine Verzinsung von 6 bis 8 Prozent pro Jahr. Vordiesem Hintergrund ist die Barzahlung des Eigenheims nichtsinnvoll, weil Hypotheken mit einer Zinsbindung von zehnJahren „nur“ 4,5 bis 5 Prozent kosten.Die Zinsdifferenz zwischen der Geldanlage und derGeldaufnahme kann jedes Jahr zu einem Vorteil von 22.500Euro führen, so daß der Barwert der Differenzen rund 174.000Euro beträgt, wenn die Unterschiede der kommenden 10 Jahremit einem Zinssatz von 5 Prozent diskontiert werden. Damit hatdas Ehepaar die Qual der Wahl, vielleicht aber auch die Wahlder Qual. Wenn es ruhig schlafen will, sollte das Haus barbezahlt werden, doch wenn es gut essen möchte, ist dieKreditaufnahme eine Überlegung wert.Bei der Geldaufnahme sollten die Anleger freilich nichtden „Fehler“ machen, die Zinsen auf 10 oder 15 Jahre fest-3


zuschreiben. Das führt in aller Regel zu großem Ärger, weil dieWahrscheinlichkeit, den „kleinen“ Hauskredit in den nächstenJahren doch zu tilgen, sehr hoch ist und saftige Vorfälligkeitsentschädigungendrohen. Hier ist es vorteilhafter, kurze Zinsbindungenzu wählen. Die beste Lösung dürften die dreimonatigeGeldaufnahme zum Euribor, dem Zinssatz unter Banken,und die Zahlung einer Marge von 1 Prozent sein, so daßder Kredit heute 3 bis 4 Prozent kosten würde. Auf diese Weisekann das Darlehen jeweils am Ende der Zinsperioden teilweiseoder vollständig getilgt werden.Die Gedanken über das Eigenheim und dessen Finanzierungsind aber nur die Ouvertüre zur Überlegung, wie dasPrivatvermögen „insgesamt“ strukturiert werden soll. Die Risikobereitschaftjunger Millionäre, die ihr Vermögen durch dieGründung eigener Unternehmen aufgebaut haben, ist in derRegel sehr groß, so daß die Umstände für die Anlage desGeldes in Aktien sprechen.Im vorliegenden Fall möchte das Ehepaar aber nichtalles auf eine Karte setzen. Es will einen Teil des Kapitals auchin Zinshäuser anlegen. Bei der Frage, wie diese Investitionenbezahlt werden sollen, gehen die Meinungen allerdings weitauseinander. Die Frau neigt zur Barzahlung der Liegenschaften,der Mann tendiert zur Kreditaufnahme, weil dieSchuldzinsen steuerlich als Werbungskosten absetzbar sind.Die Chancen und Risiken werden in zwei Vermögensplänendeutlich. Sie werden auf 10 Jahre angelegt. Der erstePlan enthält sechs Objekte: Kasse, Eigenheim, Zinshaus,Aktien, Humankapital und Privatkonsum. In dem alternativenPlan verdoppelt sich das Mehrfamilienhaus und erhöht sich das4


Aktiendepot um 75 Prozent, weil eine Hypothek von dreiMillionen Euro ins Spiel kommt und zur Finanzierung der Immobilievorgesehen ist Protokoll 1.Grundlage beider Lösungen sind die Kasse (500.000Euro) und das Eigenheim (1.000.000 Euro). Darauf werden„zwei“ Geschäftshäuser gesetzt. Im ersten Fall liegt derKaufpreis bei 1.500.000 Euro, im zweiten Fall sind es 3.000.000Euro. Die Objekte werfen jährliche Erträge von jeweils 6Prozent ab. Die Mieten sollen jedes Jahr um 2 Prozent steigen,und in zehn Jahren sollen die Liegenschaften für etwa 1,8beziehungsweise 3,6 Millionen Euro wieder verkauft werden.Bei der Finanzierung werden die Unterschiede in allerDeutlichkeit klar. Zunächst werden beide Immobilien, sowohldas Eigenheim als auch das Geschäftshaus, bar bezahlt, sodaß noch zwei Millionen Euro für den Kauf von Aktien übrigbleiben. Bei der Alternative sieht die Sache anders aus. Hierwerden drei Millionen Euro aufgenommen. Parallel dazu wirddas „restliche“ Vermögen von 3,5 Millionen Euro voll und ganzin Aktien investiert, um die Differenz zwischen Kredit und GeldanlageAnlage so stark wie möglich zu nutzen.Abgerundet werden beide Vermögenspläne durch dasHumankapital und den Privatkonsum. Hinter dem Humankapitalstecken der Wert der Zahnarztpraxis und die jährlichen „Ausschüttungen“von 400.000 Euro, und der Privatkonsum umfaßtdie Ausgaben für das tägliche Leben.Die beiden Vermögenspläne unterscheiden sich „nur“ inder Höhe des Bruttovermögens und in der Finanzierung. Im einenFall liegt das Vermögen bei fünf Millionen Euro, und es wirdzu 100 Prozent mit Eigenkapital gearbeitet, und im anderen Fall5


eträgt das Bruttovermögen acht Millionen Euro, weil es zu37,50 Prozent aus Fremdkapital besteht.Das effektive Startvermögen beträgt in beiden Fällen fünfMillionen Euro, so daß sich vier Fragen aufdrängen. Erstens:Wie hoch werden die Endguthaben in zehn Jahren sein?Zweitens: Wie groß ist diese Differenz, wenn der Unterschiedmit 5 bis 6 Prozent auf die Gegenwart abgezinst wird? Drittens:Mit welchen Risiken ist die Fremdfinanzierung verbunden?Viertens: Wie sieht die Versorgung der Familie bei Krankheit,Berufsunfähigkeit oder Tod aus?Wenn das Ehepaar keine Kredite aufnimmt und das vorhandeneGeld in die Kasse (500.000 Euro), das Eigenheim(1.000.000 Euro), das Geschäftshaus (1.500.000 Euro) und dieAktien (2.000.000 Euro) investiert, kann das Vermögen in dennächsten 10 Jahren auf 8.862.000 Euro wachsen. Mit Hilfe desKredites wird der Endwert auf 9.824.000 Euro klettern, wenndie Rechnung der Anleger aufgeht Protokoll 2.Dafür wird freilich ein großes Rad gedreht. Das zweiteGeschäftshaus kostet 3.000.000 Euro, in das Aktiendepot3.500.000 Euro, und die Geschäfte werden mit einem Kreditvon 3.000.000 Euro unterlegt. Dafür sollen am Schluß rund962.000 Euro mehr auf dem Konto stehen. Das sind bei einemAbzinsungssatz von 5,5 Prozent etwa 563.000 Euro, so daßwieder die Frage auftaucht: Ruhig schlafen oder gut tafeln?Die Konzentration auf das Eigenkapital hat den Vorteil,daß sich die Anleger „beruhigt“ in den Sessel zurücklehnenkönnen. In der Kasse liegen 500.000 Euro. Das Eigenheim istlastenfrei. Auf dem Mietshaus liegen keine Schulden, so jedesJahr rund 90.000 Euro in die Kasse fließen. Die Aktien sind der6


Treibstoff. Sofern die Papiere jährlich 6 Prozent abwerfen, istdie Welt in Ordnung, wenn das Depot zusammenbricht, wird dieWelt nicht untergehen. Bei der Liquidität sollte nicht vielanbrennen. Der Ehemann verdient 400.000 Euro, und dieZahnarztpraxis läuft dermaßen gut, so daß zur Sorge keinAnlaß besteht. Auch im Falle von Krankheit, Invalidität oder Todwird die Familie in finanzieller Hinsicht kaum Not leiden, weildas Eigenkapital genügend Erträge abwirft.Das sieht bei der Alternative anders aus. Hier winken amSchluß fast eine Million Euro mehr. Das ist ohne Zweifel vielGeld. Dafür sind aber gute Nerven notwendig, weil die Zinsdifferenzzwischen allen Anlagen (4,3 Prozent) und dem Kredit(2,6 Prozent) ungewiß ist. Die Spekulation kann gut gehen,doch sie kann auch schiefgehen.Verluste sind nicht die einzige Gefahr. Genauso schwerwiegen im Notfall die mangelnde Liquidität und die fehlendeBeweglichkeit, das Vermögen umzubauen. Sollte der Verdienstdes Ehemanns doch sinken, fehlen der Familie jedes Jahr biszu 400.000 Euro. Die Engpässe werden den Wunsch auslösen,das Vermögen neu zu ordnen, doch das „große“ Geschäftshausund der „hohe“ Kredite sind zwei Brocken, die nicht über Nachtaus dem Weg geräumt werden können. Dadurch kann es zu finanziellenEngpässen kommen, so daß die Entscheidung fürdie zweite Variante gut überlegt sein will.Von der Wahl des Weges wird auch die Risikovorsorgeabhängen. Im ersten Fall ist die Lösung einfach, weil die beidenAkademiker nur zwei Versicherungen benötigen. Sie braucheneine Privat-Haftpflichtversicherung und eine Krankenkasse.Mehr ist nicht notwendig. Die Deckungssumme der Privat-7


Haftplicht-Versicherung sollte 50 Millionen Euro betragen, unddie Krankenversicherung sollte so gestaltet werden, daß dasEhepaar alle Arztrechnungen bis zu einem Betrag von 10.000Euro pro Jahr aus der eigenen Tasche bezahlt. Absicherungenbei Invalidität und Tod sind bei einem „freien“ Vermögen vonvier Millionen Euro nicht notwendig. Das Kapital bietet, wenn esbis zum Lebensende zu 4 Prozent pro Jahr angelegt und aufgezehrtwird, trotz der Abgeltungsteuer von 26,375 Prozent einemonatliche Rente von 12.649 Euro. Bei der Inflation von 3Prozent sinkt die Versorgung auf 6.683 Euro, so daß sich dasRisiko, der Sozialkasse zur Last zu werden, in Grenzen hält.Soweit wird es auch im zweiten Fall mit hoher Wahrscheinlichkeitnicht kommen, doch das Darlehen sollte wenigstensmit einer Lebensversicherung abgesichert werden. Dasmit Abstand größte Risiko ist die Invalidität. Das hört sich beieinem Nettovermögen von fünf Millionen Euro zwar merkwürdigan, doch der Unternehmer hat bei einem Jahresverdienst von400.000 Euro kaum Chancen, ein Unternehmen zu finden, dasihm bei Berufsunfähigkeit eine Jahresrente von 200.000 Eurobezahlen wird. Vor diesem Hintergrund ist es vielleicht besser,mit den Zinsdifferenz-Geschäften noch eine Zeitlang zu wartenund im Augenblick kleinere Brötchen zu backen.Volker Looman ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Reutlingenund berät Freiberufler auf Honorarbasis in Vermögensfragen.KontaktHerderstraße 1272762 ReutlingenTelefon: 07121 / 29145Fax: 07121 / 29146Email: volker@looman.deInternet: www.looman.de8

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