Programmheft herunterladen - Münchner Philharmoniker

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Pietari InkinenMonica Groop | Jukka RasilainenMännerchor des Philharmonischen Chores MünchenYL Männerchor HelsinkiDienstag, 28. Mai 2013, 20 UhrMittwoch, 29. Mai 2013, 20 UhrDonnerstag, 30. Mai 2013, 19 Uhr'12mphil.de'13


Wenn der Himmelvoller Geigen hängt...Ein Fridrich-Solitärsagt mehr als tausend Worte!


Jean Sibelius„Kullervo“Symphonie für Mezzosopran, Bariton, Männerchor und Orchester op. 71. „Johdanto“ (Einleitung)2. „Kullervon nuoruus“ (Kullervos Jugend)3. „Kullervo ja hänen sisarensa“(Kullervo und seine Schwester)4. „Kullervon sotaanlähtö“(Kullervo zieht in den Kampf)5. „Kullervon kuolema“ (Kullervos Tod)Pietari Inkinen, DirigentMonica Groop, MezzosopranJukka Rasilainen, BaritonMännerchor des Philharmonischen Chores MünchenEinstudierung: Andreas HerrmannYL Männerchor HelsinkiEinstudierung: Pasi HyökkiDienstag, 28. Mai 2013, 20 Uhr5. Abonnementkonzert k5Mittwoch, 29. Mai 2013, 20 Uhr7. Abonnementkonzert fDonnerstag, 30. Mai 2013, 19 Uhr7. Abonnementkonzert bEine Aufzeichnung der Konzertserie durch den Bayerischen Rundfunkwird am Mittwoch, dem 12. Juni 2013, ab 19:05 Uhr auf BR-Klassik gesendetSpielzeit 2012/2013115. Spielzeit seit der Gründung 1893Lorin Maazel, ChefdirigentPaul Müller, Intendant


2 Jean Sibelius: „Kullervo“„Die erste wirklich fi nnische Musik…“Michael KubeJean Sibelius(1865–1957)„Kullervo“Symphonie für Mezzosopran, Bariton,Männerchor und Orchester op. 71. „Johdanto“ (Einleitung)2. „Kullervon nuoruus“ (Kullervos Jugend)3. „Kullervo ja hänen sisarensa“(Kullervo und seine Schwester)4. „Kullervon sotaanlähtö“(Kullervo zieht in den Kampf)5. „Kullervon kuolema“ (Kullervos Tod)Lebensdaten des KomponistenGeboren am 8. Dezember 1865 in Tavastehus(jetzt: Hämeenlinna / Finnland); gestorben am20. September 1957 in Järvenpää (Finnland).TextvorlageAls Vorlage für die gesungenen Abschnitte seiner„Kullervo“-Symphonie (Nr. 3 „Kullervo undseine Schwester“ und Nr. 5 „Kullervos Tod“)dienten Sibelius der 35. und 36. Gesang des vonElias Lönnrot (1802–1884) zusammengestelltenund herausgegebenen Epos „Kalevala“ in der1866 in Helsinki erschienenen 3. Auflage.EntstehungAngeregt wurde Jean Sibelius zur Kompositionseiner „Kullervo“-Symphonie durch die Lektüredes finnischen Nationalepos „Kalevala“. ErsteSkizzen entstanden im Frühjahr 1891 währendeines längeren Studienaufenthalts Sibelius’ inWien; vollendet wurde die umfangreiche Partituraber erst wenige Tage vor der Uraufführungim April 1892 in Helsinki. Zu der von Sibeliusmehrfach geplanten Revision des Werks odereiner noch 1910 erwogenen Aufteilung der Partiturin selbstständige symphonische Dichtungenkam es jedoch nie. Die Drucklegung erfolgteerst 1966 posthum; 2005 erschien „Kullervo“in einer neuen kritischen Edition im Rahmender Jean Sibelius-Gesamtausgabe.UraufführungAm 28. April 1892 in Helsinki / Finnland im Festsaalder Universität (Männerchor der „Freundeder Musik“, einer Chorvereinigung der Schülerdes Kirchenmusikinstituts Helsinki, und Orchesterdes „Orchestervereins“ Helsinki unter Leitungvon Jean Sibelius; Solisten: Emmy Achté,Mezzosopran, und Abraham Ojanperä, Bariton);die Aufführung wurde zweimal wiederholt, undauch im folgenden Jahr 1893 gab es drei vonSibelius dirigierte Aufführungen, bevor derKomponist das Werk zurückzog. „Kullervo“ erklangerst wieder am 12. Juni 1958 anlässlicheiner Sibelius-Woche in Helsinki.


Jean Sibelius: „Kullervo“3Rebellion gegen die russischeFremdherrschaftUnzweifelhaft verdankt Sibelius sein Ansehenals finnischer Nationalkomponist seiner ausgeprägtpersönlichen Tonsprache, die das Schaffender beiden nachfolgenden Generationennoch heute in einen nur mühsam aufzuhellendenSchatten stellt. Dabei wird selbst in Zentraleuropamit erstaunlicher Ignoranz übersehen,dass Sibelius’ Durchbruch als Komponist miteiner sich zuspitzenden politischen Konfrontationeinherging, in deren Umfeld eine Reihe vonWerken für „patriotische Feiern“ entstand – etwadie sym phonische Dichtung „Finlandia“, die alsletzter Satz innerhalb einer so genannten „Musikzu den Pressefeiern“ (1899) die noch weitausschärfere Bezeichnung „Suomi herää“ (Finnlanderwacht) trug.Kompositionen wie diese waren als oppositionelleKundgebungen zu verstehen, nachdemFinnland – seit 1809 autonomes russisches Großherzogtum– durch administrative Maßnahmenzusehends an Selbstständigkeit verlieren und indas diktatorische Zarenreich eingegliedert werdensollte. Das dadurch aufkeimende Nationalbewusstseinspiegelt sich aber nicht nur in denAktivitäten der Gruppe „Nuori Suomi“ (JungesFinnland) wider, der Sibelius angehörte, sondernauch in der allgemeinen Rückbesinnung auf dasim entlegenen Karelien noch traditionell bewahrtekulturelle Erbe – vor allem aber auf dieim finnischen Nationalepos „Kalevala“ festgehalteneSagenwelt.Finnlands grausame MythenIm Gegensatz zu vielen anderen europäischenEpen handelt es sich beim finnischen „Kalevala“um ein anachronistisches, unter kulturhistorischerPerspektive betrachtet sogar arg verspätetesUnternehmen. Denn während Homernoch als relativer „Zeitgenosse“ um 800 v. Chr.einzelne Lieder und Erzählungen um den FallTrojas zu den 24 Gesängen der „Ilias“ formteund im deutschen Sprachraum während desHochmittelalters aus einer Fülle alter Sagen dasin sich geschlossene „Nibelungenlied“ als höfischeDichtung entstand, bedurfte es in Finnlanderst der nationalromantischen Ideen des 19. Jahrhunderts,um die derweil längst an den Randgedrängten Geschichten aus der finnischen Sagenweltzu sammeln, zu ordnen und letztlichauch nach literarischen Kriterien umzugestalten.Es war der Arzt Elias Lönnrot (1802–1884),der 1828 begann, Texte der in den entferntenRegionen Kareliens über Generationen bewahrtenGesänge zu notieren. Erst durch die Begegnungmit Arhippi Perttunen – einem Sänger, derLönnrot als zuverlässiger Gewährsmann diente– konnte das gesammelte Material, nicht frei vonzeitgenössischen Romantizismen, so zugeschnittenwerden, dass 1835 das „Kalevala“ erstmalsim Druck erschien.Die Wirkung der Erstausgabe war beträchtlich,nicht nur bei den Gebrüdern Grimm, sondernnatürlich auch in Finnland selbst. 1849 konnteLönnrot gar eine von 32 auf 50 Gesänge erweiterteAuflage veröffentlichen, die in dieser Formbis heute als Markstein der finnischen Literatur


4Jean Sibelius: „Kullervo“gilt. Die sehr oft mehr tragischen als heldenhaftenGestalten der im übrigen erschreckend grausamenGeschichten aus dem Norden Finnlandsund seinen dunklen Wäldern avancierten raschzur Pflichtlektüre, wurden aber erst an der Wendezum 20. Jahrhundert als künstlerische Inspirationsquelleentdeckt.„Das ‚Kalevala‘ liest sich wiereinste Musik…!“Auch Sibelius beschäftigte sich mit dem „Kalevala“,wie ein Brief an seine mit der „nationalenIdee“ eng verbundene Verlobte Aino Järnefeltvom Herbst 1890 belegt – einer Zeit, in der erin Wien beim Brahms-Apologet Robert Fuchsseine handwerklichen Fähigkeiten vervollkommnete:„Es ist gut, dass Sie die finnische Spracheund die finnischen Dinge so lieben. Ich kann Sieso gut verstehen […] Ich lese sorgfältig in meinem‚Kalevala‘, und fühle, dass ich Finnischschon viel besser verstehe. […] Das ‚Kalevala‘scheint mir ein sehr modernes Werk zu sein. Esliest sich wie reinste Musik, wie ein Thema mitVariationen.“Als unmittelbarer Reflex auf die mühevolle Lektüredes finnischen Textes – Sibelius wuchs mitSchwedisch als Muttersprache auf ! – entstandschließlich die großformatige, fünf Sätze umfassendeKomposition „Kullervo“ op. 7, in derLeben und Tod des gleichnamigen unglücklichenHelden nachgezeichnet werden. Mit der Uraufführungdes Werks am 28. April 1892 gelangSibelius jedoch nicht nur ein durchschlagenderpersönlicher Erfolg – er ließ auch mit bewusstarchaischen Klängen und Satztechniken einStück der als verloren empfundenen Vergangenheitlebendig werden. Oskar Merikantoagierte dabei durchaus im Sinne des Komponisten,wenn er in seinem Programmhefttextdie fremden, avancierten Töne von Sibelius’Partitur dem Publikum als nationale Taten erklärte.In diesem Sinne bemerkte auch KarlFlodin (1858–1925), der einflussreichste Kritikerin Finnlands Hauptstadt Helsinki: „Sibeliushat seine eigene Stimme entwickelt – damitschafft er seine eigene Musik in unserer eigenenMusik.“ Die Landschaft Kareliens und diealten Runengesänge lernte Sibelius jedoch erstnach der Komposition von „Kullervo“ kennen –während seiner mehrwöchigen Hochzeitsreisemit Aino.Inspirationsquelle für FinnlandsKomponistenObwohl die Bedeutung des Werks für das finnischeSelbstverständnis nicht hoch genug eingeschätztwerden kann, steht es weder ohneKontext da, noch lässt es sich als erste „Kalevala“-Komposition bezeichnen. Denn schon zuvor hattensich Johan Filip von Schantz (1835–1865)mit einer „Kullervo“-Ouvertüre (1860) und RobertKajanus (1856–1933) mit einem stilistisch deutlichan Richard Wagner angelehnten „Trauermarsch“(1880) dem Sujet musikalisch genähert.Allerdings sollte sich Sibelius wie kaum einanderer finnischer Komponist mit diesem Eposauseinander setzen – sei es in lyrischen Klavierstücken,Chorliedern, Gesängen mit Orchesterbegleitungoder in Werken ausgesprochensymphonischen Charakters:


Akseli Gallen-Kallela: Jean Sibelius (um 1895)5


6Jean Sibelius: „Kullervo“„Kullervo“ op. 7 (1892)„Karelia“-Ouvertüre op. 10 (1983)„Karelia“-Suite op. 11 (1893)„Gruß an den Mond“ op. 18/8 (1901)„Die Kahnfahrt“ op. 18/9 (1893)„Lemminkäinen“-Suite op. 22 (1893/96)„Laulu Lemminkäiselle“ (Lied auf Lemminkäinen)op. 31/1 (1894)„Tulen synty“ (Der Ursprung des Feuers)op. 32 (1902)„Kyllikki“ op. 41 (1904)„Pohjolas Tochter“ op. 49 (1906)„Luonnotar“ (Die Tochter der Natur) op. 70 (1913)„Väinön virsi“ (Väinämöinens Gesang) op. 110(1926)„Tapiola“ op. 112 (1926)Zwischen den GattungenTrotz seines Unikatcharakters, seines nationalenImpetus und der Bedeutung von „Kullervo“für Sibelius’ weitere stilistische Entwicklungsollte nicht übersehen werden, dass die Partiturin mancherlei Hinsicht auf ein vorhandenesRepertoire chorsymphonischer Musik reagiert.So betitelt Sibelius das zwischen den Gattungenstehende Werk von Anfang an nicht als„Kantate“ oder „symphonische Dichtung“, sondernausdrücklich als „Symphonie“, und behieltdiese Bezeichnung auch in den folgenden Jahrzehntenbei. Schon Sibelius’ erste Hinweisegehen in diese Richtung, wenn er etwa am 15.April 1891 seiner Verlobten aus Wien schreibt:„Ich arbeite jetzt an einer neuen Symphonie,ganz im finnischen Geist.“ Und noch 1945 wieser bei einer offiziellen Gelegenheit ausdrücklichdarauf hin, dass es sich bei „Kullervo“ umeine „Symphonie, nicht Suite“ handle – obwohldie fünfsätzige Disposition, der literarischeVorwurf und die Einbeziehung von Chor undSolisten dies nicht zwingend nahe legen.Die verwendete Gattungsbezeichnung – auf demManuskript fehlt sie eigenartigerweise – machtimmerhin klar, wohin Sibelius die Kompositionmusikhistorisch gestellt wissen wollte: nämlichin die Nachfolge von Beethovens 9. Symphonie,die er Ende 1890 unter Hans Richter hörte. Zugleichdarf man davon ausgehen, dass er sichbei Bruckner, den er damals als „den größtenlebenden Komponisten“ ansah, von manchemDetail der Instrumentation anregen ließ.Volksweisen und modale KlängeMotivisch aber bezog sich Sibelius auf überlieferteVolksweisen. Das den ersten Satz so markantprägende Hauptthema geht in seiner Substanzauf das Lied „Tuomen juurella“ zurück(„Unter dem Traubenkirschbaum stand ich weinendallein“). Dieses wie auch ein anderes Thema,das für eine anderweitig geplante, rein instrumentaleSymphonie bestimmt war, dannaber mit dem Projekt als Ganzes verworfen wurde,fand bereits zwei Jahre zuvor in einem kuriosen„Allegro für Hornseptett und Triangel“Verwendung – einer Wettbewerb-Komposition,die der Ausschreibung nach auf finnischen Volksliedernund Volkstänzen beruhen sollte.Die diesen Weisen eigenen modalen Skalen undKlänge, aber auch die sich in ihren kantigenRhythmen widerspiegelnden Wortakzente ermöglichtenSibelius gleichsam schlagartig eineganz eigene Harmonik und Melodiebildung, sodass sich in der „Kullervo“-Symphonie bereits


Jean Sibelius (um 1915)7


8Jean Sibelius: „Kullervo“all jene Aspekte ausgebildet finden, die späterhinfür seine musikalische Sprache so charakteristischsind – und das in einem vermeintlichenFrühwerk ! Der mit dieser Partitur gelungene„große Wurf“ verdankt sich aber auch und nichtzuletzt der intensiven Beschäftigung mit demSujet – einer Geschichte aus Trostlosigkeit, Ekstase,Rache und Tod – und seiner kompositorischenUmsetzung. Schon Monate zuvor bekannteSibelius seiner Aino: „Zur Zeit sind alle meineStimmungen aus dem ‚Kalevala‘ gestohlen.“Einführung in die SagenweltSibelius eröffnet seine „Kullervo“-Symphoniemit einem gewichtigen, rein instrumentalen Einleitungssatz,dem kein auf die Handlung verweisendesMotto zugrunde liegt. In einem frühenBrief heißt es zwar, die wahrlich symphonischeIntroduktion solle „Kullervo als Kind undals Hirte bei Ilmarinen“ vorstellen – doch lässtsich dieser „Inhalt“ am während der Ausarbeitungvielfach umgestellten musikalischen Verlaufkaum konkretisieren. Vielmehr handelt essich gleichsam um eine generelle Einleitung indie sagenhafte Welt des literarischen Vorwurfsund um den Ausdruckscharakter der gesamtenKomposition. In diesem Sinne wäre auch eineBemerkung von Sibelius zu verstehen, der denersten Satz als den schwierigsten bezeichnet,„weil er den Ton des Ganzen bestimmt“.Wohl aus diesem Grund wird Sibelius auf dasbewährte formale Grundgerüst eines symphonischenKopfsatzes zurückgegriffen haben.Und so folgt dem sich aufschwingenden Hauptgedankendenn auch ein kontrastierendes, statischwie düster gestimmtes Seitenthema. Mögenzwar einige Passagen der vielfach flächiggestalteten, dennoch mit einigen Motivkombinationenaufwartenden Durchführung an manchesVorbild erinnern, so gehören die von Sibeliusentworfenen instrumentalen Farben wieauch der Tonfall des Satzes insgesamt einerganz anderen Welt an.Trostlosigkeit der JugendDer mit „Kullervos Jugend“ überschriebenezweite Satz versucht mit seinem TrauermarschähnlichenDuktus von den in jeder Hinsicht schwierigenJahren des jungen Kullervo Zeugnis zu geben,der von seinem Onkel an den Schmied Ilmarinenverkauft wurde; seine eigenen Eltern mussteKullervo für tot halten. Innerhalb der in sichkreisenden mehrteiligen, rondoartigen Anlagebleibt auch eine heitere Bläserpassage nur einknapp gefasstes Intermezzo. Klanglich verwendetSibelius den kompakten Klang der hier mehrfachgeteilten Streicherstimmen ebenso wiedas hölzerne Ticken der Fagotte oder die rhythmischeKraft der Blechbläser.Lust und SchandeMit der Dauer von knapp einer halben Stundehandelt es sich beim dritten Satz auch von derDisposition her um das Zentrum der Symphonie.Die Archaik des Satzes resultiert dabei nichtnur aus den kantigen Linien des weithin einstimmiggeführten Männerchors, sondern auch ausdem 5/4-Takt, dem Metrum der Runensänger.Zunächst als Melodram mit einem Rezitatorgeplant, entschied sich Sibelius während derAusarbeitung für eine bühnenwirksame „dramatische“Szene – bis hin zum auskomponierten


Väinö Aaltonen: Jean Sibelius (um 1935)9


10Jean Sibelius: „Kullervo“ekstatischen Höhepunkt, auf dem auch das Metrumzum schwebenden 3/2-Takt wechselt. Indesberichtete Sibelius seiner Verlobten Aino,die Passage sei möglicherweise zu „illustrativ“für den Geschmack gewisser „Damen im Chor“.So verzichtete er kurzerhand auf die Mitwirkungvon Sopran und Alt – und gewann dabei die dunkleKraft der Männerstimmen. Erst im anschließendenDialog werden sich Kullervo und seineSchwester ihrer geschwisterlichen Herkunftgewahr; und während die von ihrem Bruder Verführtesich von Schmach verzehrt in die Flutenstürzt, verflucht sich Kullervo und sein Dasein.Selbstbestätigung im KampfDer zunächst eher ungebrochen fröhliche Charakterdes wieder rein instrumental gestaltetenvierten Satzes führt bildhaft und in fast schonfilmischer Qualität Kullervos Heiterkeit vorAugen, mit der er auszieht, seinen Onkel zu vernichten,der ihn seines familiären Zusammenhangsberaubte: „Zog mit fröhlichem Spiel zumKampfe, / unter Jubel hinaus zum Streit. / Bliesauf allen Sümpfen und Wegen / durch die Heidemit lautem Ton. / Weithin über die Wiese schalltes, / über das welke Heidekraut.“ Nur ganz gelegentlichklingen auch dunklere Töne an, dieauf Kullervos Verbrechen und Trauer anspielen.Der Satz endet martialisch in einem tosendenC-Dur-Taumel.... seit 1888FachmännischeBeratungZuverlässigerKundendienstim MeisterbetriebGroße AuswahlStummschaltungenvon PianodiscEigenesÜbungsstudioLindwurmstraße 180337 MünchenTelefon: 2 60 95 23Fax: 26 59 26Nähe U-BahnSendlinger Torwww.klavierhirsch.depiano@klavierhirsch.deKullervos TodKullervo kehrt eher zufällig mit seinem Schlittenan die Stelle zurück, an der er seine Schwesterverführte. Noch immer voller Gram über dieschändliche Tat stürzt er sich ins eigene Schwert.Ganz im Gegensatz zum dritten Satz zieht sichSibelius im tragischen Finale der Symphonie aufdie Position des stillen Beobachters zurück, indemer auf vergleichsweise schlichte Art den Chorvon den Ereignissen lediglich berichten lässt.Mit der vermeintlichen Objektivität der Erzählunggeht freilich auch eine viel nachdrücklichere Artder Darstellung einher, die dem Hörer Raum fürdie eigene Phantasie gibt – zumal wenn im entscheidendenMoment, und dies nicht nur zurzyklischen Abrundung des Werks, das Hauptthemades ersten Satzes wieder aufgenommenwird.


Der Gesangstext11„Kullervo“Elias Lönnrot – Jean Sibelius3. „Kullervo ja hänen sisarensa“ 3. „Kullervo und seine Schwester“ChorKullervo Kalervon poika,Sinisukka äijön lapsi,Hivus keltainen korea,Kengän kauto kaunokainenLäksi viemähän vetoja,Maajyviä maksamahan.Vietyä vetoperänsä,Maajyväset maksettuaRekehensä reutoaikse,Kohennaikse korjahansa,Alkoi kulkea kotihin,Matkata omille maille.Ajoa järyttelevi,Matkoansa mitteleviNoilla Väinön kankahilla,Ammoin raatuilla ahoilla.Neiti vastahan tulevi,Hivus kulta hiihteleviNoilla Väinön kankahilla,Ammoin raatuilla ahoilla.Kullervo Kalervon poika,Jo tuossa piättelevi,Alkoi neittä haastatella,Haastatella, houkutella:Kullervo, der Sohn Kalervos,Mit den strahlendblauen StrümpfenUnd dem herrlich blonden HaarUnd den feinsten Lederschuhen,Ging, die Steuer zu entrichten,Ging die schuldige Pacht zu zahlen.Als die Steuer er entrichtet,Und die Pachtschuld war beglichen,Schwang er sich auf seinen Schlitten,Setzte sich auf seinen Sitz hin,Macht sich auf die Fahrt nach Hause,Auf die Reise in die Heimat.Jagt, dass alles kracht und zittert,Und durchmaß in SchlittensausenSchnell die weite Väinö-Heide,Alten, längst bebauten Boden.Kreuzt ein Mädchen seinen Weg,Weithin weht ihr blondes HaarÜber der weiten Väinö-Heide,Altem, längst bebautem Boden.Kullervo, der Sohn Kalervos,Bracht’ den Schlitten gleich zum StehenUnd begann mit ihr zu sprechen,Und sie lockend, sagt er kosend:


12Der GesangstextKullervoNouse neito korjahani,Komm, o Maid, auf meinen Schlitten,Taaksi maata taljoilleni ! Ruhe unter warmen Pelzen !SchwesterSurma sulle korjahasi,Soll sich Tod an deine Seite,Tauti taaksi taljoillesi ! Seuche auf die Pelze setzen !ChorKullervo Kalervon poika,Sinisukka äijön lapsi,Iski virkkua vitsalla,Helähytti helmivyöllä.Virkku juoksi, matka joutui,Tie vieri, reki rasasi.Neiti vastahan tulevi,Kautokenkä kaaloaviSelvällä meren selällä,Ulapalla aukealla.Kullervo Kalervon poika,Jo tuossa piättelevi,Suutansa sovittelevi,Sanojansa säätelevi:Kullervo, der Sohn Kalervos,Mit den strahlendblauen Strümpfen,Schlug sein Pferd mit seiner Peitsche,Leicht mit perlbesetzter Leine.Lief das Pferd nun seines Weges,Rast der Schlitten über die Strecke.Kommt ein Mädchen ihm entgegen,Die mit Lederschuhen schreitetAuf dem hellen Meeresrücken,Auf der weitgedehnten Öde.Kullervo, der Sohn Kalervos,Bracht’ den Schlitten gleich zum Stehen,Und mit wohldurchdachten WortenFing er freundlich an zu reden:KullervoTule korjahan korea,Komm in meinen Schlitten, Schöne,Maan valio, matkoihini ! Fahr mit mir, du Pracht des Landes !SchwesterTuoni sulle korjahasi,Tuoni mag in den Schlitten steigen,Manalainen matkoihisi ! Manalainen mit dir reisen !


Der Gesangstext13ChorKullervo Kalervon poika,Sinisukka äijön lapsi,Iski virkkua vitsalla,Helähytti helmivyöllä,Virkku juoksi, matka joutui,Reki vieri, tie lyheni.Neiti vastahan tulevi,Tinarinta riioaviNoilla Pohjan kankahilla,Lapin laajoilla rajoilla.Kullervo Kalervon poika,Hevoistansa hillitsevi,Suutansa sovittelevi,Sanojansa säätelevi:Kullervo, der Sohn Kalervos,Mit den strahlendblauen Strümpfen,Schlug sein Pferd mit seiner Peitsche,Leicht mit perlbesetzter Leine,Lief das Pferd nun seines Weges,Rast der Schlitten über die Strecke.Und er traf ein singend’ Mädchen,Schleppt zu Fuß sich, zinngeschmückt.Über die Pohjola-HeideAn den weiten Grenzen Lapplands.Kullervo, der Sohn Kalervos,Bracht’ den Schlitten gleich zum Stehen,Und mit wohldurchdachten WortenFing er freundlich an zu reden:KullervoKäy, neito rekoseheni,Mädchen, komm in meinen Schlitten,Armas alle vilttieni,Liebste, unter meine Decke,Syömähän omeniani,Meine Äpfel sollst du essen,Puremahan päähkeniä ! Meine Nüsse fröhlich beißen !SchwesterSylen, kehno, kelkkahasi,Kerl, ich spuck’ auf deinen Schlitten,Retkale, rekosehesi ! Auf dein Fuhrwerk, übler Bursche !Vilu on olla viltin alla,Kalt ist’s unter deiner Decke,Kolkko korjassa eleä.Düster ist’s in deinem Schlitten.ChorKullervo Kalervon poika,Sinisukka äijön lapsi,Koppoi neion korjahansa,Reualti rekosehensa,Asetteli taljoillensa,Alle viltin vieretteli.Kullervo, der Sohn Kalervos,Mit den strahlendblauen Strümpfen,Riss das Mädchen in den Schlitten,Zog ins Fuhrwerk sie mit Macht,Legt sie hin auf seine Pelze,Zwingt sie unter seine Decken.


14Der GesangstextSchwesterPäästä pois minua tästä,Lass mich los aus deinem Schlitten,Laske lasta vallallensaLass das Kind aus deiner Gewalt.Kunnotointa kuulemastaDass nichts Übles ich hier höre,Pahalaista palvomasta,Keine schmutzigen, hässlichen Worte,Tahi potkin pohjan puhki,Sonst durchtrample ich den Boden,Levittelen liistehesi,Reiße los die Seitenleisten,Korjasi pilastehiksi,Schlag zu Spänen deinen SchlittenRämäksi reen retukan ! Und in Splitter dir das Ganze !ChorKullervo Kalervon poika,Sinisukka äijön lapsi,Aukaisi rahaisen arkun,Kimahutti kirjakannen,Näytteli hopeitansa,Verkaliuskoja levitti,Kultasuita sukkasia,Vöitänsä hopeapäitä.Verat veivät neien mielen,Raha muutti morsiamen,Hopea hukuttelevi,Kulta kuihauttelevi.Kullervo, der Sohn Kalervos,Mit den strahlendblauen Strümpfen,Öffnet die versteckte Truhe,Lässt den Deckel blinken.Und er zeigt ihr all sein Silber,Breitet aus die schönsten Tücher,Strümpfe auch, mit Gold verziert,Gürtel, reich mit Silberzeug.Schnell betören sie die Tücher,Und zur Braut macht sie das Geld,Silber warf sie ins Verderben,Schwach macht’ sie des Goldes Glanz.SchwesterMist’ olet sinä sukuisin,Sag mir, welchen Stammes du bist,Kusta rohkea rotuisin ? Von welch größerem Geschlechte ?Lienet suurtaki sukua,Scheinst mir aus gar mächtigem Stamme,Isoa isän aloa.Spross eines gewaltigen Vaters zu sein.KullervoEn ole sukua suurta,Enkä suurta enkä pientä,Olen kerran keskimmäistä:Kalervon katala poika,Tuhma poika tuiretuinen,Lapsi kehjo keiretyinen.Ich bin nicht aus großem Stamme,Nicht aus großem, nicht aus kleinem,Bin ein bloßes Mittelmaß,Kalervos verlorener Sohn,Bin ein dummer Kerl und Narr,Wertlos Kind, ein Tunichtgut.


Der Gesangstext15Vaan sano oma sukusi,Oma rohkea rotusi,Jos olet sukua suurta,Isoa isän aloa.SchwesterEn ole sukua suurta,Enkä suurta enkä pientä,Olen kerran keskimmäistä,Kalervon katala tyttö,Tyhjä tyttö tuiretuinen,Lapsi kehjo keiretyinen.Ennen lasna ollessaniEmon ehtoisen eloilla,Läksin marjahan metsälle,Alle vaaran vaapukkahan.Poimin maalta mansikoita,Alta vaaran vaapukoita,Poimin päivän, yön lepäsin,Poimin päivän, poimin toisen,Päivälläpä kolmannellaEn tiennyt kotihin tietä.Tiehyt metsähän veteli,Ura saateli salolle.Aber sag mir deine Herkunft,Nenne mir dein kühnes Geschlecht,Ob du wohl von mächtigem Stamme,Nachkomm’ eines gewaltigen Vaters bist.Ich bin nicht aus großem Stamme,Nicht aus großem, nicht aus kleinem,Bin ein bloßes Mittelmaß,Kalervos verlorene Tochter,Bin ein dummes Ding, eine Närrin,Wertloses Kind, ein Taugenichts.Früher noch, im Kindesalter,Lebte ich bei meiner Mutter,Ging um Beeren in den Wald,Wollt’ am Berghang Himbeeren sammeln.Auf der Ebene Erdbeeren pflücken,Himbeeren am Fuß des Berges.Tagsüber pflückt’ ich, ruhte nachts,Pflückte einen Tag um den andern,Doch am dritten Tage fand ichNicht mehr, wie ich käm’ nach Hause.Waldwärts führten alle Pfade,Alle Wege in das Dickicht.Siinä istuin, jotta itkin,Tränenüberströmt nun saß ich,Itkin päivän, jotta toisen,Weinte einen Tag, den andern,Päivänäpä kolmantenaUnd auch wohl den dritten noch.Nousin suurelle mäelle,Dann erstieg den hohen Berg ichKorkealle kukkulalle.Obenhin bis zum höchsten Gipfel.Tuossa huusin, hoilaelin.Droben rief und schrie ich weiterhin,Salot vastahan saneli,Und die Wälder gaben Antwort,Kankahat kajahtelivat:Und die Heide hallte wider:„Elä huua, hullu tyttö,„Ruf’ nicht, Mädchen, schrei nicht sinnlos,Elä mieletön, melua,Lass dein unvernünftiges Lärmen,Ei se kuulu kumminkana,Rufe nicht, denn niemand hört dich,Ei kuulu kotihin huuto !“ Niemand zuhaus’ vernimmt dein Schreien !“


16Der GesangstextPäivän päästä kolmen, neljän,Viien, kuuen viimeistäkiKohenihin kuolemahan,Heitihin katoamahan,Enkä kuollut kuitenkana,En mä kalkinen kaonnut.Oisin kuollut kurja raukka,Oisin katkenut katala,Äsken tuossa toisna vuonna,Kohta kolmanna kesänä,Oisin heinänä helynnyt,Kukostellut kukkapäänä,Maassa marjana hyvänä,Punaisena puolukkana,Nämät kummat kuulematta,Haikeat havaitsematta.An dem dritten Tag, dem vierten,Auch am fünften noch und sechstenWollt’ ich mir das Leben nehmen,Selber mich zugrunde richten.Doch wie immer ich’s begann,Niemals konnt’ ich Arme sterben.Wär’ ich Arme dort gestorben,Elendig zu Tod gekommen,Hätt’ ich bald, im zweiten JahrOder dann im dritten SommerDort als zartes Gras gegrünt,Wär’ als Blume aufgeblüht,Stünde dort als schöne Beere,Preißelbeere, scharlachrot,Blieb bewahrt vor diesem Greuel,Wär’ verschont von dieser Schmach.KullervoVoi poloinen, päiviäni,Weh der Tage, weh mir Unglücklichem,Voipa, kurja, kummiani,Wehe mir und meinem Haus,Voi kun pi’in sisarueni,Meine eigene Schwester hab’ ich,Turmelin emoni tuoman ! Meiner Mutter Kind geschändet !Voi isoni, voi emoni,Wehe, Vater, wehe, Mutter,Voi on valtavanhempani ! Wehe euch, ihr alten Eltern !Minnekä minua loitte,Wozu habt ihr mich erzogen,Kunne kannoitte katalan ? Mich in diese Welt gesetzt ?Parempi olisi ollutBesser wär’ es, wäre ichSyntymättä, kasvamatta,Nie geboren, nie genährt.Ilmahan sikeämättä,Wäre nie an Luft gestärkt,Maalle tälle täytymättä.Hätte nie die Welt betreten.Eikä surma suorin tehnyt,Unklug war’s vom Tod gehandelt,Tauti oikein osannut,Von der Krankheit unverständig,Kun ei tappanut minua,Dass sie mich nicht schon getötetKaottanut kaksiöisnä.Damals als ganz kleines Kind.


Der Gesangstext175. „Kullervon kuolema“ 5. „Kullervos Tod“ChorKullervo Kalervon poika,Otti koiransa keralle,Läksi tietä telkkimähän,Korpehen kohoamahan,Kävi matkoa vähäsen,Astui tietä pikkaraisen,Tuli tuolle saarekselle,Tuolle paikalle tapahtui,Kuss’ oli piian pillannunna,Turmellut emonsa tuoman.Siin’ itki ihana nurmi,Aho armahin valitti,Nuoret heinät hellitteli,Kuikutti kukat kanervanTuota piian pillamusta,Emon tuoman turmelusta.Eikä nousnut nuori heinä,Kasvanut kanervan kukka,Ylennyt sijalla sillä,Tuolla paikalla pahalla,Kuss’ oli piian pillannunna,Emon tuoman turmellunna.Kullervo Kalervon poika,Tempasi terävän miekan,Katselevi, kääntelevi,Kyselevi, tietelevi,Kysyi mieltä miekaltansa,Tokko tuon tekisi mieliSyöä syylistä lihoa,Viallista verta juoa.Kullervo, der Sohn Kalervos,Nahm den Hund an seine Seite,Macht’ sich auf den Weg, den weißen,Zog hinaus zum wilden Walde.Doch schon eine kurze StreckeSeines Weges brachte ihnZu dem Teil des Waldes hin,Den er alsbald wiederkannte:Wo das Mädchen er geschändet,Seiner Mutter Kind entehrt.Ringsum weint das schöne Gras,Und es klagt der sanfte Hain,Voller Gram das junge Grün,Kummervoll die Heideblumen,Weil das Mädchen er vernichtet,Seiner Mutter Kind zerstört.Weder wuchs das junge GrasNoch entsprossen Heideblumen,Unbedeckt blieb diese Stelle,Wo die Freveltat geschehen,Wo das Mädchen er geschändet,Seiner Mutter Kind entehrt.Kullervo, der Sohn Kalervos,Griff nach seinem scharfen Schwerte,Sah es an und wandte es,Forschte nach und fragt’ es auch,Was denn wohl das Schwert sich denke.Sei’s bereit, ihn zu erschlagen,Seinen schuldigen Leib zu fressen,Und sein böses Blut zu trinken.


18Der GesangstextMiekka mietti miehen mielen,Wohl erriet das Schwert GedankenArvasi uron pakinan,Und verstand des Helden Frage.Vastasi sanalla tuolla:Und es gab zur Antwort ihm:„Miks’ en söisi mielelläni,„Warum sollt’ mich nicht verlangen,Söisi syylistä lihoa,Dein versündigt’ Fleisch zu fressenViallista verta joisi ? Und dein böses Blut zu saufen ?Syön lihoa syyttömänki,Fraß ich doch das Fleisch Unschuld’ger,Juon verta viattomanki.“Trank das Blut der Makellosen.“Kullervo Kalervon poika,Sinisukka äijön lapsi,Pään on peltohon sysäsi,Perän painoi kankahasen,Kären käänti rintahansa,Itse iskihe kärelle.Siihen surmansa sukesi,Kuolemansa kohtaeli.Se oli surma nuoren miehen,Kuolo Kullervo urohon,Loppu ainakin urosta,Kuolema kovaosaista.Kullervo, der Sohn Kalervos,Mit den strahlendblauen Strümpfen,Bohrt’ das Heft fest in die Erde,Stemmt den Griff fest auf die Heide,Wandte die Spitze auf seine Brust,Stürzte selbst sich in die Schneide.Fand den Tod so, den er suchte,Schuf sich selbst den Untergang.Dieses war der Tod des Jünglings,So starb Kullervo, der Held.Einem einzigartigen MannWar ein solcher Tod beschieden.Textredaktion: Tuula Frische


Jean Sibelius: Wirkungsgeschichte19„Melancholische Majestät“Michael KubeAuch mehr als 50 Jahre nach seinem Tod erscheintnoch immer der Blick auf Jean Sibelius, auf seineBiographie und sein Schaffen, merkwürdig verstellt.Denn im Gegensatz zu manchem zentraleuropäischenKomponisten der vergangenen Jahrhunderte,dessen Leben und Wirken auf vielfältigeWeise auch nur den Rahmendaten nach vertrautanmutet, ist Sibelius der „große Unbekannte“ geblieben.Eine wesentliche Ursache ist sicherlichin der Sprachbarriere zu sehen – sowohl zum Finnischenwie auch zum Schwedischen, Sibelius’Muttersprache. Denn nur die wenigsten persönlichenDokumente und Briefe, die etwas über denhinter seinem Werk verborgenen Menschen berichtenkönnten, liegen bislang in Übersetzung vor.Symptomatisch ist es daher, dass erst 2007 –und das nach einem Zeitraum von mehreren Jahrzehnten! – wieder eine eigenständige, zugleichaber auch neue Maßstäbe setzende deutschsprachigeBiographie erschien: von einem Autorfreilich, der gebürtiger Finne ist.Opfer jahrelanger DiffamierungVerstellt wurde der Blick auf Sibelius auch durcheine Rezeption, die im besten Falle das „Nordische“akzentuierte, die aber vielfach von (musik-)ideologischen oder gar politischen Gedanken bestimmtwurde und bis heute von weitreichendenMissverständnissen geprägt ist. Dies betrifftfür den deutschen Sprachraum in erster Linie dieso genannte Sibelius-„Glosse“ von Theodor W.Adorno von 1938. Sie entstand eigentlich alsReaktion auf die ein Jahr zuvor in London veröffentlichte,in jeder Weise unglückliche Biographievon Bengt de Törne, „Sibelius: A Close-Up“. Adornos Text, der zunächst abseitig in der„Zeitschrift für Sozialforschung“ erschien, wur -de erst durch spätere Aufnahme in die „GesammeltenSchriften“ (1982) einem weiteren Kreisbekannt – fatalerweise ohne einen Hinweis aufden ursprünglichen Gegenstand der Kontroverse.Ohne Törnes Biographie aber wiederum, in deretwa ein Gustav Mahler abqualifi ziert wird, lässtsich die von Adorno im Geist der Zweiten WienerSchule vollzogene, subjektive Wertung von Sibelius’kompositorischem Schaffen kaum verstehen.Selbst wenn man Adornos eloquenteFormulierungen zu bewundern geneigt ist, somuss doch auch die bis zur gezielten Diffamierunggehende Einseitigkeit seiner Auffassungund die dahinter stehende Konstruktion vonMusikgeschichte mitbedacht werden. „Man kannsich gut vorstellen, daß er [Sibelius] nach seinendeutschen Kompositionsstudien mit berechtigtenInferioritätsgefühlen zurückkam, wohl bewußtder Tatsache, daß ihm weder einen Choral auszusetzen,noch einen ordentlichen Kontrapunktzu schreiben vergönnt war; daß er sich ins Landder tausend Seen vergrub, um vor den kritischenAugen seiner Schulmeister geborgen zu sein. […]Schließlich hat er es wohl selbst geglaubt undbrütet nun jahrelang über einer achten Sym-


20Jean Sibelius: Wirkungsgeschichtephonie, als ob es die ‚Neunte‘ wäre.“ Noch 2001scheint Botho Strauß in seinem Schauspiel „DerNarr und seine Frau heute abend in Pancomedia“auf Adorno anzuspielen, wenn dem für Sibeliusals „melancholische Majestät“ halbherzig schwärmendenZacharias Werner von seinen Gastgeberndie Tür gewiesen wird: „Sibelius ? Bitte, bringHerrn Werner zur Tür. In unserem Haus wurde[soeben] dieser Name ohne Abscheu ausgesprochen!“Bilder und TopoiVielfach ist es die Hilf- und Ratlosigkeit angesichtseiner gleichermaßen fremden wie eigenständigenTonsprache, die zu bestimmten Bildernund Rezeptionsstereotypen führt. Dieses Phänomenäußert sich in Bezug auf nordeuropäischeKomponisten ganz besonders im allseits beliebtenRekurs auf „Licht“ und „Landschaft“, auf„Weite“ und „Unberührtheit“ der Natur – Attribute,die einem Pauschalreisekatalog entstammenkönnten, und die mehr über die allsommerlicheSehnsucht des Rezipienten aussagt als überden Komponisten und sein Werk. Für Sibelius,den vermeintlichen „Poeten schwermutvollerfinnischer Landschaft“, werden „endlose Seen“und „dunkle Wälder“ als primäre Inspirationsquellevermutet; hinsichtlich seiner Auseinandersetzungmit dem Nationalepos „Kalevala“ erscheinter als „Tondichter nordisch-archaischerMythen“, mit Bezug auf den politischen Gehalteinzelner Werke, etwa „Finlandia“, als „Sängerdes aufflammenden finnischen Freiheitswillens“.Der aus diesen zweifellos eng gefassten Bildernsprechende Naturalismus kann sich bei genauererBetrachtung freilich als pure Sehnsucht entpuppen– als Sehnsucht nach einer heilen Welt, nacheiner ungebrochenen Traditionsverbundenheitoder nach einer gesellschaftlich bedeutsamenMusik. Letztlich spiegeln all diese Momente nurFinnlands spätes Erwachen in der europäischenMusikkultur. Umso stärker wirkte Sibelius alsLehrer auf einen großen und bedeutenden Kreisvon Schülern und Enkelschülern. Sein Einfl uss warbisweilen so stark, dass man sich manchmal nurschwer des Eindrucks erwehren konnte, er werfegeradezu einen Schatten auf die musikalischeEntwicklung des Landes im 20. Jahrhundert.Nicht von ungefähr wird Sibelius daher gerne als„Patriarch der finnischen Musik“ bezeichnet; bisheute sind selbst die eigenständigsten seinerSchüler vergessen oder gerade noch dem Namennach bekannt – darunter etwa der SymphonikerLeevi Madetoja. Sie werden wohl erst dann dieihnen fraglos zustehende Anerkennung finden,wenn auch das Werk Sibelius’ vertrauter erscheint.Denn nur so lassen sich Gemeinsamkeiten undvor allem die weit wichtigeren Differenzen ausmachen.Dann aber heißt es auch Abschied nehmenvon den lieb gewonnenen Bildern und Topoi.Werkkanon und Œuvre„Finlandia“, „Valse triste“, die 2. und die 5. Symphonie,das Violinkonzert. Ohne allzu großeMühe lässt sich das umfangreiche kompositorischeSchaffen rasch auf eine Handvoll Werkereduzieren – jedenfalls mit Blick auf die derzeitigeKonzertpraxis und den Schallplattenkatalog.Ob allerdings dieser aus der musikalischen Praxisgewonnene Werkkanon auch tatsächlich denKern des Œuvres ausmacht ? Freilich, Sibeliusselbst sah sich in erster Linie als Symphoniker –


Jean Sibelius auf der Veranda seiner Villa „Ainola“ bei Helsinki (um 1905)21


22Jean Sibelius: Wirkungsgeschichtebeginnend mit „Kullervo“ op. 7, über die siebenSymphonien, die bedeutenden Bühnenmusikenbis hin zu den zahlreichen Tondichtungen, unterdenen die „Lemminkäinen“-Suite op. 22 ihrerDimension und Disposition nach eine veritableSymphonie darstellt. Hinzu kommen zahlreicheOrchesterlieder, darunter „Luonnotar“ op. 70, unddie musikalisch zu den Höhepunkten von Sibelius’Schaffen zählende einaktige Oper „Jungfrun itornet“ (Die Jungfrau im Turm) aus dem Jahr 1896.Fraglos bildete also das Orchester mit seinen vielfältigenFarben und Klangkombinationen Sibelius’liebstes Instrument. In Vergessenheit gerietenneben diesen Werken all jene Kompositionen, dieeinen intimeren Zuschnitt aufweisen, vor allemLieder und Klavierstücke. Sie entstanden für denan der Wende zum 20. Jahrhundert noch intaktenmusikalischen „Salon“, mögen für Sibelius in ersterLinie des Broterwerbs wegen notwendig gewesensein, tragen aber unzweifelhaft die sichereHandschrift des Komponisten.Wie groß tatsächlich die Unkenntnis von diesembreit angelegten Œuvre ist, in dem nahezu jedemusikalische Gattung bedacht wurde, zeigt nichtnur das umfangreiche Werkverzeichnis, sondernauch der Blick in den CD-Katalog. Schon seit mehrals zwei Jahrzehnten verfolgt das schwedischeLabel BIS das ehrgeizige Projekt einer Gesamteinspielungmit inzwischen weit über 50 Veröffentlichungen,die auch alle Frühwerke und eigenständigenFassungen berücksichtigt. Seit 1998entsteht an der Sibelius-Akademie in Helsinkieine wissenschaftlich-kritische Gesamtausgabe –die für viele Kompositionen zum ersten Mal einenverbindlichen Notentext vorlegt.Am Ende: Das große SchweigenSchon während seiner Schulzeit widmete sich Sibeliusdem Komponieren – noch ganz geprägt vomklassischen Stil und der erstmals 1837 erschienene„Lehre von der musikalischen Komposition“ vonAdolf Bernhard Marx, die er in der Bibliothek seinesGymnasiums (!) fand. Vom Richtungsstreit um„absolute“ oder „programmatisch“ bestimmteMusik ließ er sich nicht beeindrucken. Selbst inden auf dem „Kalevala“-Epos basierenden Tondichtungenblieb er seinem kompositorischen Verfahrentreu, das auf subtilen motivischen Beziehungenund deren Verdichtung beruht.Allerdings scheint Sibelius an dem von ihm verfolgtenAnspruch zusehends gescheitert zu sein.Nach der Tondichtung „Tapiola“ op. 112 (1926)stellte er das Komponieren nahezu vollständigein. Neben kleineren (Gelegenheits-)Arbeitenentstanden nur mehr Arrangements, Instrumentationenund Revisionen. Auch die 8. Symphonie,die 1933 noch in Teilen für den Druck vorbereitetwurde, blieb nicht nur unvollendet, sondern Sibeliusvernichtete später voller Selbstzweifelfast das gesamte Material. Am Ende seines reichenSchaffens steht also Sprachlosigkeit – so,als ob sich Sibelius angesichts einer radikal verändertenMusikkultur und -sprache in dem ihmvertrauten Medium nicht mehr äußern konnte –oder wollte.


Die Künstler23Pietari InkinenDirigentPosition des Ersten Gastdirigenten beim JapanPhilharmonic Orchestra. Weitere Gastdirigateführten ihn zu zahlreichen namhaften Orchesternin Europa, USA und Israel.Im Bereich der Oper dirigierte Pietari Inkinendrei Produktionen an der Finnischen Nationaloper,darunter „Eugen Onegin“, und gab seinDebüt am Brüsseler Théâtre de la Monnaie mitStrawinskys „Le Sacre du Printemps“ zur nunschon legendären Choreographie von PinaBausch. Mit „Eugen Onegin“ debütierte Inkinen2012 auch an der Staatsoper Unter den Lindenin Berlin und an der Bayerischen Staatsoper inMünchen. Mit Spannung erwartet die Musikwelt2013 sein Dirigat von Wagners „Ring“ amtraditionsreichen Teatro Massimo in Palermo.Pietari Inkinen, der inzwischen am Pult internationalerSpitzenorchester steht, trat 2008sein Amt als Music Director des New ZealandSymphony Orchestra an. Sowohl die gemeinsamenKonzerte als auch die Einspielungen, dieauf CD vorliegen, wurden von Publikum undPresse enthusiastisch gelobt. 2010 ging derjunge Finne mit seinem Orchester und der GeigerinHilary Hahn auf eine umfangreiche Europa-Tournee,die sie u. a. nach Wien, Luzern,Genf, Frankfurt und Hamburg führte. PietariInkinen bekleidet darüber hinaus seit 2009 dieNicht nur als Dirigent, auch als Geiger ist PietariInkinen erfolgreich. Er studierte bei ZakharBron an der Kölner Musikhochschule und konzertiertemit den führenden Orchestern seinerfinnischen Heimat, darunter das Finnish RadioSymphony Orchestra und das Helsinki PhilharmonicOrchestra. Ebenso gern wirkt Inkinen inKammermusik-Ensembles mit oder gastiert mitdem Inkinen-Trio in den Musikmetropolen derWelt. Pietari Inkinen spielt auf einer Violine vonCarlo Bergonzi aus der Zeit um 1732, die ihmvon der Gyllenberg Foundation zur Verfügunggestellt wurde.


24 Die KünstlerMonica GroopSopranJukka RasilainenBaritonDie finnische Mezzosopranistinabsolviertevon 1979 bis1986 ihr Gesangsstudiuman der renommiertenSibelius-Akademie ihrer HeimatstadtHelsinki.Kurz darauf gab MonicaGroop bereits ihr Operndebüt an der FinnischenNationaloper als Charlotte in Massenets„Werther“. Für ihre internationale Karriere warihr erster Auftritt an der Londoner Covent GardenOpera im Jahr 1992 von besonderer Bedeutung,wo sie in Wagners „Götterdämmerung“sang. Ihr Recital-Debüt gab Monica Groop zweiJahre später in der New Yorker Carnegie Hall.Mittlerweile tritt sie an den namhaftesten Opernhäusernin Europa und Übersee auf, wie z. B. ander Bayerischen Staatsoper München, am KöniglichenOpernhaus Stockholm oder an der NewYorker City Opera. Auf dem Konzertsektor arbeitetMonica Groop mit so bedeutenden Orchesternwie dem Boston Symphony, dem New York Philharmonicoder dem London Philharmonic Orchestra.Zu den Dirigenten, unter denen Monica Groopsang, zählen u. a. Georg Solti, Seiji Ozawa,Colin Davis, Michael Tilson Thomas, Jukka-PekkaSaraste und Esa-Pekka Salonen.Der finnische Bassbaritonabsolviertesein Gesangsstudiumin Rom und an derSibelius-Akademiein Helsinki. Weltgeltungerlangte er u. a.als Wagners Holländer,den Jukka Rasilainenseit 1991 an zahlreichen Bühnen wie derWiener und der Bayerischen Staatsoper, derLindenoper und der Deutschen Oper in Berlingesungen hat. Seit 1992 ist Rasilainen Ensemblemitgliedder Dresdner Semperoper, wo er2004 zum Sächsischen Kammersänger ernanntwurde und in Partien wie Kaspar, Kurwenal,Amonasro, Escamillo und Nick Shadow in Strawinskys„The Rake’s Progress“ aufgetreten ist.Auch am Opernhaus Zürich und an der FinnischenNationaloper Helsinki ist Jukka Raislainen häufigzu erleben: Beide Bühnen verpflichteten ihnfür die Partie des Wotan in Neuproduktionen vonWagners „Ring“. An der Londoner Covent GardenOpera und an der Pariser Opéra Bastille war Rasilainenals Amfortas zu Gast, beim EdinburghFestival als Telramund. Seit 2005 ist Jukka Rasilainenregelmäßiger Gast der Bayreuther Festspiele,wo er Holländer, Amfortas, Kurwenal undTelramund gesungen hat.


Die Chöre25Philharmonischer Chor MünchenDer Philharmonische Chor München ist einer derführenden großen Konzertchöre Deutschlands undPartnerchor der Münchner Philharmoniker. Sein Repertoireerstreckt sich von der frühen Mehrstimmigkeitbis hin zur Musik der Gegenwart und umfasstzahlreiche bekannte und weniger bekannteWerke: Anspruchsvolle a-cappella-Literatur allerEpochen und konzertante Opern von Mozart, Verdi,Puccini, Wagner und Strauss bis hin zu Schönbergs„Moses und Aron“ und Henzes „Bassariden“. DerPhilharmonische Chor pflegt diese Literatur genausowie die Chorwerke von Bach, Händel, Mozart,Beethoven, Schubert, Schumann, Brahms, Bruckner,Reger, Strawinsky, Orff oder Penderecki. Ersang unter der Leitung so bedeutender Komponistenund Dirigenten wie Gustav Mahler, HansPfitzner, Krzysztof Penderecki, Rudolf Kempe, Herbertvon Karajan, Sergiu Celibidache, Seiji Ozawa,Zubin Mehta, Lorin Maazel, Mariss Jansons, JamesLevine und Christian Thielemann.Um in dieser Bandbreite dem Publikum Stilsicherheitbieten zu können, tritt der PhilharmonischeChor außer in der gängigen Konzertchor-Formationvon etwa 100 Sängerinnen und Sängern auch inkleineren oder größeren Besetzungen auf. Die zusätzlicheArbeit in wechselnden Kammerchor- undVokalensemble-Besetzungen versetzt ihn in dieLage, sowohl barocke als auch moderne Chorliteraturin jeweils geeigneter Formation auf höchstemNiveau zu singen. Im Bereich Alte Musik folgteauf die erfolgreiche Aufführung der „Johannes-Passion“ Johann Sebastian Bachs unter FransBrüggen eine Einladung zu den Dresdner Musikfestspielen.Neue Musik gewinnt ebenfalls anStellenwert: So wirkte der Chor an der Uraufführungder 2. Symphonie von Peter Michael Hamelim Rahmen der „XI. Münchener Biennale“mit. In zahlreichen Programmen des PhilharmonischenChors und seiner Ensembles waren undsind immer wieder Ur- und Erstaufführungen zuhören.Mittlerweile ist der Philharmonische Chor auchein gefragter Interpret von konzertanten Opernchören.Diese von James Levine mit Aufführungenvon „Fidelio“, „Idomeneo“, „Otello“, „Parsifal“und „Moses und Aron“ begründete Tradition wurdeinzwischen erfolgreich fortgesetzt, so u. a. miteinem großen Verdi-Chorabend und mit Auszügenaus Richard Wagners „Meistersingern“ unter ChristianThielemann. Darüber hinaus rundet der PhilharmonischeChor sein Profil mit eigenen Konzertenund Aufnahmen ab, die sich regen Zuspruchsdurch das Publikum erfreuen. Er ist gern gesehenerGast bei Konzertereignissen und Festivals inDeutschland sowie im europäischen und außereuropäischenAusland.


26 Die ChöreYL Männerchor HelsinkiDer YL Männerchor ist Finnlands ältester finnischsprachigerChor. „YL“ steht abgekürzt für„Ylioppilaskunnan Laulajat“ (Akademischer Gesangverein)– als Universitätschor wurde er1883 in Helsinki gegründet. YLs kulturelle Verdienste,seine traditionsreiche Vergangenheit,seine Auslandstourneen sowie seine von derKritik hochgelobten Aufnahmen haben denChor zu einem der prominentesten Männerchöreweltweit gemacht. Sein Repertoire umfasstsowohl a cappella-Programme als auchdie Aufführung chorsymphonischer Werke mitführenden Orchestern und Dirigenten. MehrereEinspielungen des Chores haben internationalAuszeichnungen erhalten. YLs WeihnachtsundFrühjahrskonzerte sind in Finnland zu einemlandesweit prägenden Ereignis für Chor undPublikum geworden.Seit seiner Gründung beweist der Chor einebesondere Verantwortung bei der Vergabe vonKompositionsaufträgen, bei Aufführungen undEinspielungen finnischer und ausländischerChormusik. Die meisten von Sibelius’ Werkenfür Männerchor wurden von YL in Auftrag gegebenund auch von ihm uraufgeführt. Heutzutagegilt der Chor sowohl als Bewahrer desChorœuvres von Sibelius wie auch als Pionierder zeitgenössischen Chormusik. Von den Zeitgenossenist z. B. Einojuhani Rautavaara einerder zahlreichen Komponisten, die ihre WerkeYL gewidmet haben. Der Chor wurde stets vonführenden Personen des finnischen Musiklebensgeleitet, so z. B. von Pekka Juhani Hannikainen,Heikki Klemetti, Selim Palmgren, Martti Turunen,Ensti Pohjola, Heikki Peltola sowie, von1980 bis 2010, von Matti Hyökki. Seit April 2010ist Pasi Hyökki YLs Chorleiter und Chefdirigent.Seit der Uraufführung von „Kullervo“ hat YLdieses Werk u. a. mit Paavo Berglund und demBournemouth Symphony Orchestra, mit LeifSegerstam und dem Helsinki Philharmonic Orchestra,mit Osmo Vänskä und dem Lahti SymphonyOrchestra sowie mit Esa-Pekka Salonenund dem Los Angeles Philharmonic Orchestraaufgeführt. Weitere Aufführungen von „Kullervo“mit den jeweils führenden Orchestern vorOrt haben YL nach Glasgow, Singapur und MexicoCity geführt. Andere von YL aufgeführtechorsymphonische Werke sind beispielsweiseRobert Kajanus’ „Aino“, Armas Launis „AslakHetta“, Arnold Schönbergs „Gurrelieder“, IgorStrawinskys „Œdipus Rex“ und Uljas Pulkkis„Neito“ – eine Chorsymphonie, die YL zu seinem125-jährigen Bestehen im Jahr 2008 inAuftrag gegeben und auch uraufgeführt hat.


Die Chorleiter27Andreas HermannChordirektorPasi HyökkiChordirektorDer 1963 in Münchengeborene Dirigentund Chorleiterschloss sein Studiuman der MünchnerMusikhochschulemit dem Meisterklassen-Diplomab.Seine Ausbildungergänzte er durch zahlreiche internationaleChorleitungsseminare und Meisterkurse beirenommierten Chordirigenten wie Eric Ericsonund Fritz Schieri. Als Professor an der Hochschulefür Musik und Theater in München unterrichtetAndreas Herrmann seit 1996 vorwiegendim Hauptfach Chordirigieren. Zehn Jahre,von 1996 bis 2006, leitete er den Hochschulchor,daneben zeitweise auch den Madrigalchorder Hochschule, und betreute in dieser ZeitOratorienkonzerte, Opernaufführungen und a-cappella-Programme aller musikalischen Stilrichtungen.Pädagogische Erfolge erzielt Herrmannweiterhin mit der Ausbildung professionellerjunger Chordirigenten aus ganz Europa,wie etwa in einem Spezialworkshop über neuea-cappella-Musik. 1996 übernahm AndreasHerrmann die Leitung des PhilharmonischenChores München.Der 1970 geborenefinnische Chorleiterist seit Herbst 2010Chefdirigent des YLMännerchors; außerdemist er Leiter desTapiola Chors undzweier weiterer vonihm gegründeterChöre, des EMO Ensembles und des Talla Vokalensembles.Pasi Hyökki schloss seine Studienan der Sibelius-Akademie in Helsinki mitdem „Master of Arts“ in Chordirigieren ab; ergänzenddazu absolvierte er Meisterklassenbei Chorleitern wie Eric Ericson und AndersEby. Hyökki wurde mit Preisen beim TampereVokalfestival, beim Wettbewerb „In...Canto sulGarda“ und beim Harald Andersén Kammerchor-Wettbewerb ausgezeichnet. Als Chorleiter setzter sich insbesondere für das zeitgenössischefinnische Repertoire ein; u. a. hat er Werke derKomponisten Sampo Haapamäki, Perttu Haapanenund Seppo Pohjola uraufgeführt. Pasi Hyökkiist außerdem ein gefragter Sopranist. SeinGesangsstudium absolvierte er bei ClaudineAnsermet, Christina Miatello und Gloria Banditelli,als Solist debütierte er 2003 mit Händels„Messias“.


28PhilharmonischeBlätterAuftaktInternationalitätDie Kolumne von Elke HeidenreichBei den Wiener Philharmonikernsitzen nichtnur Wiener im Orchester,bei den Berlinernnicht nur Berliner, bei denMünchnern nicht nurMünchner. Die bestenMusiker der Welt spielen in den besten Orchesternder Welt, und das kurioseste ist sicher das West-Eastern-Divan-Orchestra des Daniel Barenboim, indem Musiker aus tief verfeindeten Ländern (Israel,Palästina, Ägypten, Jordanien, Syrien) friedlich miteinandermusizieren. Ihrer aller gemeinsame Spracheist die Musik, die man auf der ganzen Weltversteht. Und doch bin ich davon überzeugt, dassz.B. Sergej Rachmaninow, der aus Russland stammtund lange in den USA gearbeitet hat, von einemamerikanischen Orchester gespielt anders klingt alsvon einem russischen. Gibt es einen „Nationalton“?Klingt Mozart in Japan wie in Salzburg? Würde man,machte man die Augen zu, hören, wo musiziert wird?Bei den Münchner Philharmonikern spielen 19verschiedene Nationalitäten in einem Orchester,und dann reisen sie auch noch durch die Welt –in dieser Spielzeit nach Tokio und Seoul, nachMadrid, Shanghai und Prag – um nur einige Stationenzu nennen. Hört man in den jeweiligenLändern, dass da ein Orchester aus Münchenspielt? Lauter schwierige Fragen, die ich mir oftstelle. Auf den Opernbühnen singen ein koreanischerTenor, ein italienischer Bariton, ein amerikanischerBass, eine französische Sopranistin undein zusammengewürfelter Chor eine deutscheOper – geht das gut? Nicht immer, zugegeben.Aber es ist immer die Musik, die wir hören wollen.Und es ist immer die Musik, die uns erreicht,auch wenn ihr Klang manchmal golden und weich,manchmal scharf akzen tuiert ist. Natürlich erkenntman ein Orchester an seinem Klang. Undwahrscheinlich kann kein Orchester Wiener Walzerso authentisch spielen wie eben ein WienerOrchester. Aber ob da nun Russen oder Japanermitspielen, nein, das hört man nicht. Das Ganze,die Stadt, der Dirigent, die zum Ort passendeMusik – das macht es wohl aus.Ich war mit der Kölner Oper ein paar Wochen inShanghai und habe zugehört bei Proben und Aufführungenzu Wagners „Ring des Nibelungen“, derdort zum ersten Mal aufgeführt wurde. Chinesen,vielleicht ohne Ahnung von der Wucht dieser Musik,weinten, jeden Abend fi el jemand in Ohnmacht,immer standen Krankenwagen vor der Tür. Es wardie Musik, die sie so umgehauen hat, eine Musik,die mit der chinesischen klassischen Musik so garnichts zu tun hat.Darum reisen die Orchester: um ihre Musik in dieWelt zu tragen und auch, um beeinfl usst, erweitertzu werden von dem, was sie selbst in der Welt sehenund hören.Globalisierung – sie macht vor der Kunst nicht Halt.Aber: jedes Orchester hat seinen ganz eigenen Ton,und das, obwohl Musiker verschiedenster Nationalitätenspielen. Das ist ein schönes, nicht ganzzu erklärendes Wunder, oder?


PhilharmonischeBlätter5 Fragen an …29Alexander PreußInstrument: KontrabaßBei den Münchner Philharmonikernseit 2005Guido RückelInstrument: PaukeBei den Münchner Philharmonikernseit 19971 Schon mal den Instrumentenkofferwostehen gelassen?Meine Bögen, kurz nachder Geburt meines Sohnes,in der S-Bahn. Ichwar übermüdet eingeschlafenund bin dann schnell aus der Bahn gesprungen.Die Bögen sind leider nicht mehr aufgetaucht.2 Was macht man, wenn man einen Einsatzversäumt?Den Kollegen das nächste Bier zahlen.3 Gab es einen Auftritt, der Sie besondersbewegt hat?Am 11. September 2001 spielte ich Verdis Requiemunter Helmuth Rilling in Berlin. Im Chor waren zweiAngehörige von New Yorkern, die im World TradeCenter arbeiteten. Die meisten Veranstaltungen inBerlin wurden abgesagt. Helmuth Rilling hielt eineeindrücklich Rede vor dem Orchester und dem Chorund bat uns darum, für die Menschen in New Yorkzu spielen. Am Ende kein Applaus. Nach einigenMinuten erhob sich in einer lautlosen Bewegungdas gesamte Publikum und blieb schweigend stehen.Man hörte nur ein leises Weinen aus dem Chor.4 Wer macht zu Weihnachten daheim dieMusik?Wir singen zusammen mit den Kindern. Meine Frauspielt Geige. Ich klimpere auf dem Klavier.5 Was ist das Schwierigste an Ihrem Instrument?Unauffällig durch die Fußgängerzone zu laufen.1 Schon mal denInstrumentenkofferwo stehen gelassen?Ja, abends nach demKonzert in einem HamburgerRestaurant, meinenSchlägelkoffer. Ich musste bis zum nächsten Mittagwarten, alles war noch da, die Vergesslichkeitkostete mich nur ein Zugticket.2 Was macht man, wenn man einen Einsatzversäumt?POKERFACE! Und ja nicht anfangen zu lachen.3 Bei welchem Ereignis in der Geschichteder Münchner Philharmoniker wären Siegerne dabei gewesen?Bei der Uraufführung der 4. und der 8. Symphonievon Gustav Mahler.4 Was ist das Schwierigste an Ihrem Instrument?Pauken verstimmen aufgrund ihrer Naturfelle manchmalinnerhalb von Sekunden. Ein ständiges Kontrollierender Intonation ist absolut notwendig. Das Nachstimmenerfolgt natürlich während des Konzert es,ich muss also sehr leise, aber treffsicher stimmen undjederzeit den Harmonieverlauf des Werkes kennen.5 Haben Sie einen Lieblingsplatz inMünchen?Ich liebe den Viktualienmarkt morgens um halb neun,alle Stände sind schon geöffnet, aber der Platzist noch fast menschenleer. Dann einen Kaffee miteinem Croissant bei Karnoll… herrlich!


30PhilharmonischeBlätterÜber die Schulter geschautDie Asien-Tourneeder Münchner Philharmonikerin Bildern1234561 Willkommen in Japan 2 Architektur in Seoul 3 Vor dem Auftritt4 U-Bahn in Tokio 5 Spielfeld Klassik Team 6 Straßenkünstler in Shanghai


PhilharmonischeBlätterÜber die Schulter geschaut317891011127 Im Zug nach Tokio 8 Blick auf Tokio 9 Probe im NCPA10 Le Sacre du Printemps 11 Nach 12 Stunden Flug 12 Konzertplakat in Seoul


32PhilharmonischeBlätterÜber die Schulter geschautPhil harmonischeZahl:52.676So viele km legen dieMünchner Philharmoniker in dieserSpielzeit insgesamt auf ihrenKonzertreisen zurück. Mehr alseine Erdumrundung.13141516171813 In Peking 14 Chinesiche Mauer 15 Maestro Lorin Maazel16 NCPA Peking 17 Letzte Vorbereitungen 18 Instrumententransport


PhilharmonischeBlätterMaestro’s Blog33Der Reise-Blog von Lorin MaazelWährend der Tournee mit den MünchnerPhilharmonikern hat Maestro Maazel einTagebuch geführt. Wir haben den erstenund den letzten Tag in dieser Ausgabe fürSie abgedruckt. Den vollständigen Blogfinden Sie unter www.maestromaazel.comund unter www.mphil.de12. April 2013Munich Philharmonic Asia Tour: Touring DreamI‘ve been touring in Japan with orchestras fromabroad for exactly fifty years. On this tour withthe Munich Philharmonic, we shall have given12 concerts in 9 cities in 3 days.The black cloud of bumpy travel, freezing or boilingwhatever, constant change of hotels, and thetime-change trauma usually make touring a nightmare.But not in Japan. Take today for example...corner room overlooking the American Embassyin Tokyo, a BMW ride to the rail station, 90 minuteson the silent, cushy bullet train,a two-hour nap (after a sushi snack), a quickwarm-up rehearsal and concert in a hall withperfect acoustics, a sail back on the bullet train,another float in the BMW and goodnight.This is heaven. And we got to play Beethoven!29. April 2013It’s over. Last night, April 28, we gave the finalconcert of our nine-city, twelve-concert, fourprogram,three soloists, Asian tour… in Guangzhou,China (used to be called Canton).After the wild sounds of the encore, Bizet’s madcapFarandole Dance and the cheers that followedhad all faded away, my colleagues of the MunichPhilharmonic and I gathered to celebrate, clinkingbeer glasses and taking iPhone pics. We werehappy campers.Yesterday morning I had been driven from Shenzhento Guangzhou, some 140 kilometers of highway,on either side of which stood tall, in countlessshapes and patterns, endless groupings offactories, skyscrapers and high-risers. All 140kilometers of road… not a gap anywhere…Upon arrival, had checked into the Shangri-LaHotel where the culinary offering of a superb Japaneserestaurant awaited me. (Conversely inTokyo, one finds fabulous Chinese restaurants!)Rested up and waded into the last one… witheven more youngsters in the audience, totallyfocused. Who says Classical Music is just for theold and cold?


34PhilharmonischeBlätterOrchestergeschichteMarie Barlow.Mäzenin der ersten StundeGabriele E. MeyerVielleicht würde es die Münchner Philharmonikerheute gar nicht geben, wenn nicht Franz Kaim kurznach der Gründung des zunächst nach ihm benanntenOrchesters im Jahre 1893 eine vermögendeDame kennengelernt hätte, die ihn mit einem Geldgeschenkermunterte, „weiterzumachen“. Sie gebeauch mehr. Die Ankündigung schien ein Wink desHimmels gewesen zu sein, hatte sich doch die FamilieKaims schon sehr bald Gedanken darüber machenmüssen, wie man die Neugründung, derenKosten zu explodieren drohten, wieder aufl ösenkönne. Wer aber war die „hochherzige“ Mäzenin?– Marie Amalie Barlow, geboren am 2. Januar1840, entstammte der angesehenen, in Bremenansässigen Kaufmannsfamilie Wilkens. Wohl währendeines Aufenthaltes im russischen Nowgorodlernte die junge Frau den außerordentlich wohlhabendenenglischen Textilfabrikanten Richard Barlowkennen. Das Paar heiratete am 6. Oktober 1860in St. Petersburg. Warum die Barlows ihr großbürgerlichesLeben in der Stadt an der Newa aufgabenund 1874 nach München übersiedelten, ist nicht bekannt.Zwei Jahre später erwarb die Familie das1830 von dem französischen Architekten JeanBaptiste Métivier erbaute herrschaftliche AnwesenBriennerstraße 45, dem nachmaligen „PalaisBarlow“. Zwar zählten die Barlows wie in St. Petersburgauch hier zu den ersten Familien derStadt, lebten aber trotz ihres äußerst großzügigenMäzenatentums vergleichsweise zurückhaltend.Nach dem Tod ihres Mannes am 18. Juli 1882 öffnetedie musikbegeisterte Witwe ihr Haus. So erzählenNachfahren der Barlows, dass u. a. auchRichard Strauss und Felix Weingartner häufi g zuGast waren. Dennoch durfte über die Zuwendungenan Franz Kaims „Orchesterunternehmen“ nichtgesprochen werden. Auch gab es keine vertraglicheAbsicherung, auf die man sich hätte berufenkönnen. Erst nach der Aufl ösung des Orchesters imFrühjahr 1908 übernahm Marie Barlow als Gründungsmitgliedund Beisitzerin im Vorstand des Konzertvereins(der sich der „Erhaltung, Fortführungund künstlerischen Ausgestaltung des im Jahre1893 von Hofrat Dr. Franz Kaim ins Leben gerufenenKonzertinstitutes“ verschrieben hatte) auchoffi ziell Verantwortung. Als wohl wichtigste Gönnerinder Philharmoniker in deren erster AufbauundKonsolidierungsphase soll Marie Barlow übereine Million Mark gegeben haben. – Nur wenigeTage nach ihrem Tod am 9. Februar 1911 verkündetedie „Münchner Post“, dass dem Konzertvereintestamentarisch 500 000 Mark vermacht wurden,die dank den Erben „dem Institut ohne Abzüge“ zugutekämen. In ihrem 8. Abonnementkonzert gedachtendie Musiker unter der Leitung von FerdinandLöwe „in würdiger Weise der edlen und hochgesinntenWohltäterin, deren opferwilliger Tatkraftes zu verdanken ist, dass wir das Orchester und dieKonzerte des Konzertvereins haben. Was diese selteneFrau für das Münchner Musikleben getan hat,kann nur der voll ermessen, der genau weiß, welcheSchwierigkeiten zu überwinden waren, damitdas erreicht werden konnte, dessen sich heuteTausende erfreuen“ (MNN, 15. Febr. 1911).


PhilharmonischeBlätterDas letzte Wort hat …35Dr. Hans-Georg KüppersKulturreferent der Landeshauptstadt MünchenLiebes Konzertpublikum,Reisen bildet, sagt der Volksmund undviele können das aus eigener Erfahrungbestätigen. Auch in der Musik ist dasReisen inspirierend, man denke nur anMendelssohns „Schottische“ und „Italienische“.Oder an Mozart, der bereitsals Wunderkind zu den europäischenHöfen unterwegs war, um dort als Sensationgefeiert zu werden.Kürzlich sind die Münchner Philharmonikervon ihrer dreiwöchigen Asientournee zurückgekehrt:12 Konzerte, 4 Programme, 9 Städte undKonzertsäle, 3 Länder. Dirigent und Orchester warenin jedem Konzert neu herausgefordert, sich andie akustischen Gegebenheiten anzupassen. Dasschärft die Flexibilität, die Konzentration, das Aufeinander-Hörenund das Miteinander. Lorin Maazelhat in seinem „Maestro‘s Blog“ viele authentischeEindrücke übermittelt und uns die Erlebnisse in Japan,Südkorea und China sehr nahe gebracht.Das Orchester hat auch dort überwältigende Reaktionendes Publikums erlebt und war permanent zuHöchstleistungen angespornt. Die Begeisterungwar auf beiden Seiten spürbar – auf der Bühne undauf den Rängen. Natürlich tragen die ausverkauftenKonzertsäle, über die sich die Veranstalter vorOrt mit uns freuen, dazu bei. München kann stolzsein auf den hohen Stellenwert, den das Orchesterim internationalen Konzertgeschehen hat. Und dasMünchner Publikum weiß das ebenfalls zu schätzen.Das städtische Orchester ist einherausragender Bestandteil undBotschafter des kulturellen Lebensin München. Es steht für künstlerischeExzellenz und ist ein wichtigerSpieler in der Musikmetropole München.Jedes Tourneekonzert stelltdas ebenso unter Beweis wie dieAuftritte in der Philharmonie undstärkt die Reputation unserer Kulturstadt– in München, in Deutschlandund international.Umgekehrt sind wir auch Spielort für Orchestervon Weltruf. Wir können ihren spezifischen Klangin der Philharmonie im Gasteig erleben und vertrauteSymphonien von anderen hören. Einer kenntdie große Zahl unserer Gäste ohnehin: Lorin Maazel.Das wird auch mit Valery Gergiev so bleiben.Unsere Internationalität zeigt sich auch auf andererEbene: Klassische Musik trägt zur Vermittlungvon Werten und zum Verständnis von Traditionenbei. Das erleben wir beispielsweise, wenndie Münchner Philharmoniker Teilnehmerinnen undTeilnehmer von Integrationskursen der MünchnerVolkshochschule mit unterschiedlichem kulturellemHintergrund einladen.Und nicht zuletzt ist das Orchester selbst internationalbesetzt. Eines eint alle: Die Freude anklassischer Musik, die über Sprachgrenzen undkulturelle Unterschiede hinweg verbindet. Ichwünsche weiterhin ein grenzenloses Konzertvergnügen!


36 VorschauFr. 07.06.2013, 13:30 ÖGPMo. 10.06.2013, 20:00 Uni-KonzertGioachino RossiniOuvertüre zu „Guillaume Tell“Wolfgang Amadeus MozartKonzert für Klavier undOrchester Es-Dur KV 271„Jenamy“Pjotr Iljitsch TschaikowskySymphonie Nr. 5 e-Moll op. 64Juraj Valčuha, DirigentDavid Fray, KlavierSo. 09.06.2013, 11:00 4. KaKo(Nachholtermin)„Drumpet“Musik für Trompete undSchlagzeugWerke von Michio Kitazume,Erwin Chandler, StanleyFriedman, Pierre-Yves Level,John Cage, Maurice Ravelund Daniel SchnyderGuido Segers, TrompeteSebastian Förschl, SchlagzeugJörg Hannabach, SchlagzeugDo. 13.06.2013, 19:00 4. JuKoFr. 14.06.2013, 20:00 7. Abo cSo. 16.06.2013, 11:00 7. Abo mBéla Bartók„Concerto for Orchestra“Sz 116Sergej ProkofjewKonzert für Klavier undOrchester Nr. 3 C-Dur op. 26Maurice Ravel„Boléro“, Ballett für OrchesterTeodor Currentzis, DirigentAlexander Melnikov, KlavierImpressumHerausgeberDirektion der MünchnerPhilharmonikerLorin Maazel, ChefdirigentPaul Müller, IntendantKellerstraße 4, 81667MünchenLektorat: Stephan KohlerCorporate Design:Graphik: dm druckmediengmbh, MünchenDruck: Color Offset GmbH,Geretsrieder Str. 10,81379 MünchenTextnachweiseMichael Kube, Elke Heidenreich,Gabriele E. Meyer und Hans-GeorgKüppers schrieben ihre Texte alsOriginalbeiträge für die Programmhefteder Münchner Philharmoniker.Die Gesangstexte zitierenwir nach dem gesungenenWortlaut von Sibelius’ Partitur;die Redaktion des fi nnischen Originalsund den Abgleich der deutschenÜbersetzung mit ihm verdankenwir Tuula Frische. LexikalischeAngaben, Kurzkommentareund Künstlerbiographien: StephanKohler. Alle Rechte bei den Autorinnenund Autoren; jeder Nachdruckist seitens der Urhebergenehmigungs- und kostenpflichtig.BildnachweiseAbbildungen zu Jean Sibelius undseiner „Kullervo“-Symphonie: MichaelRaeburn and Alan Kendall(Hrsg.), Heritage of Music, VolumeIV: Music in the TwentiethCentury, Oxford / New York 1989;Erik Tawaststjerna, Sibelius, Stockholm1968; Nils-Eric Ringbom,Jean Sibelius – Ein Meister undsein Werk, Olten 1951; SammlungStephan Kohler, München.Künstlerphotos: Jukka Mykkänen(Inkinen), Kira Gluschkoff (Groop),Agenturmaterial (Rasilainen),Heiki Tuuli (Hyökki), wildundleise.de(Preuß, Rückel); Leonie von Kleist(Heidenreich); Alessandra Schellnegger(Küppers); Archiv derMünchner Philharmoniker.Gedruckt auf holzfreiem und FSC-Mixzertifiziertem Papier der SorteLuxoArt Samt.


Dieses Konzert wird unterstützt durch das Kulturministerium derRussischen Föderation im Rahmen des deutsch-russischen Jahres 2013.Sonderkonzertim deutsch-russischen Jahr 2013Schirmherr: Oberbürgermeister Christian Ude30. Juni 2013, 19 Uhrin der Philharmonie im GasteigValery GergievDirigentGustav MahlerSymphonie Nr. 5Mitglieder der Münchner Philharmoniker und desMariinsky Orchesters St. PetersburgDas Mariinsky Orchester wird unterstützt durch seine Global Partners:Karten bei München Ticket unter KlassikLine 089 / 54 81 81 400zu € 61,00 / € 51,50 / € 45,00 / € 36,90 / € 31,20 / € 18,10 / € 12,30mphil.de


'12mphil.de'13115. Spielzeit seit der Gründung 1893Lorin Maazel, ChefdirigentPaul Müller, Intendant

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