Pelzige - Enok und Waschbär in Österreich

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Pelzige - Enok und Waschbär in Österreich

8 wood.stock 2 - 2010 | natur&umwelt | analysePelzigeAliensMarderhundundWaschbärwurdenvorrund80JahrennachEuropageholtund vermehrensichseitdemrasant.AuchinÖsterreich?–WildbiologinTanjaDuscheristdenNeulingenaufdenFersen.VonKarinZaunerDieVerbreitungdesMarderhundesverlangtBeobachtungundManagementR.Usher/4nature/wildlifeDie Aliens sind gelandet – zumindestimübertragenenSinn:Zwei Prozent der heimischenFaunabzw.500TierartensindzwarkeineaußerirdischenKreaturen,stammenaberursprünglich nicht aus Österreich. BekannteVertretersindWildkaninchen,Bisamratte,Nutria,Mink,Damhirsch,Sikahirsch,Weißwedelhirsch und Muffel. InjüngsterZeitmachthierzulandeabervorallemderMarderhundoderEnokFurore.InderehemaligenSowjetunionalsPelztiergezüchtet,wurdeerdortab1928flächendeckendzur„Bereicherung“dernatürlichenPelztierfauna ausgesetzt. EssollteJahrzehntedauern,ehederEnokseinenLebensraum bis nach Mitteleuropaausgeweitethatte.Schließlichwurdeerinden1960er-JahrenerstmalsinÖsterreichnachgewiesen. Heute kommt er praktischinganzEuropavonSkandinavienbiszumSchwarzenMeerundineinemGutteilWesteuropasvor.Das dicke,flauschige Fell war auch beimaus Nordamerika stammenden WaschbärendieUrsachefürdessenImportnachEuropa. Die heutigen Bestände in Ostdeutschlandentstanden durch das (irrtümliche)Bombardement einer Pelztierfarmim ZweitenWeltkrieg,die inWestdeutschlandsindaufdieAussetzungvonnurzweiWaschbärpaarenzurückzuführen.DieWaschbär-PopulationinNordfrankreichgehtaufTierezurück,diesichamerikanischeSoldaten in der Besatzungszeit alsMaskottchengehaltenhaben.InÖsterreichwurdedergeschickteKleinbärerstmalsinden1970er-Jahrennachgewiesen.ÖkologischeKonsequenzenIn vielen europäischen Ländern geltenheutebeideExotenalsfixeBestandteilederheimischenRaubtierfauna.ErsichtlichistdiesauchamAnstiegderZahlerlegter


analyse | natur&umwelt | wood.stock 2 - 2010 9WaschbärenundEnoksinDeutschland,dieindenvergangenenzehnJahrenaufdasNeunfache(!)hochgeschnelltist.VordemHintergrund einer derart rasanten EntwicklungschätztFriedrichReimoser,WildbiologedesForschungsinstitutsfürWildtierkundeundÖkologieinWien,dasEinflusspotentialderartigerAliensaufdieBiodiversitätalssehrhochein.„DurchdieneuenArtenwerdensichdieRelationenzwischendenArtendeutlichverändern.BetroffensindvorallemheimischeRaubtiereund die potentiellen Beutetiere vonWaschbär und Enok sowie bestimmteKrankheitserreger,dierascherMutationenentwickeln. Aus Sicht der BiodiversitätwerdendieNeulingedannzueinemProblem,wennsiebedrohteheimischeTierartenverdrängen.“Deswegenbefürwortetder Experte ein dauerhaftes, professionellesMonitoring dieser beiden Artenin Österreich.Das Erstellen von Managementkonzeptenin Bezug auf Fang,RegulierungundBejagung–voralleminstarkbesiedeltenGebieten–sei„dringendnotwendig“.LEBENSRÄUME FÜR DENWASCHBÄREN IN ÖSTERREICHBestandeserhebungfürÖsterreichEinwichtigerSchritt indierichtigeRichtungistausSichtdesExpertendasProjekt„WaschbärundEnokinÖsterreich“seinerInstitutskolleginTanjaDuscher.DiejungeWissenschaftlerin will erstmals die Bestandeszahlenfür Österreich erheben.Duscher:„Wirwollenwissen,wiesichdiebeidenArtenbeiunsentwickelnundwelchenEinflusssieaufdieeinheimischeTierwelthaben–undauchaufdenMenschen.Bislang wissen wir,dass rund ein Drittelder Landesfläche Waschbär und EnokgutebisoptimaleLebensräumebieten.“D.J.Cox/4nature/wildlifeDerWaschbärist sowiederEnokals„Pelzlieferant“nachEuropagekommen„Selbstverständlichunterstützenwirals dasVorkommendieserTierartengebetenUnternehmendiesesProjekt,weilwiran werden.BesondersimUmfeldvonWienderErforschungderneuenTierartensehr sieht der Völk gute KooperationsmöglichkeitenmitdenWissenschaftern.❙❙interessiert sind“,so Völk weiter.NebendemeigenenRevierpersonalsolleninpotenziellbetroffenenRevierenauchJagdkundeninformiertundumHinweiseaufMag. Karin Zauner ist Redakteurin desPressedienstesderStadtWien.„Überschneidet man die Karte der Lebensraumeignungmit der EigentumskartederÖsterreichischenBundesforste,dannstelltmanfest,dassnureingeringerTeil unserer Reviere von den neuenTierartenbetroffen ist“, meint ÖBf-JagdexperteFritzVölkundnenntdenForstbetriebWienerwald,dortvorallemdasBiosphärenpark-Gebiet,weiters den NationalparkDonau-Auen sowie Teile der ForstbetriebeWaldviertel-Voralpen,Traun-Innviertel,Kärnten-LungauundSteiermark.MELDUNGVON SICHTUNGENDasForschungsinstitut fürWildtierkundeundÖkologiebittet inSachenWaschbärundEnokumMithilfe.WerdieseTiereinfreierWildbahngesehenoderihreFährtenundandereSpurenentdeckt hat,kanndieseHinweisetelefonischunter01/4890915-216oderonlineaufwww.enok.atbekannt geben.Bislanghat ProjektleiterinTanjaDuscherrund100NachweisebeiderTierartenerhalten.DieDatenlassensichdahingehendinterpretieren,dasssichdieVerbreitungsgrenzebeiderTierarten-bishernördlichdesAlpenbogensangenommen-deutlichinRichtungSüdenverschobenhatundsomit nahezuganzÖsterreichumfasst.InsbesondereingewässerreichenTieflagenist miteinerweiterenAusbreitungzurechnen.

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