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«Comment savoir?» – «Comment dire?»Metafiktionale, metanarrative und metahistoriographischeDiskurse über Referenz und Repräsentation inClaude Simons Romanen La Route des Flandres (1960),Triptyque (1973) und Les Géorgiques (1981)von Sabine ZufeldeGunter Narr Verlag Tübingen


études littéraires françaises · 74


études littéraires françaisescollection fondée parWolfgang Leinerdirecteur: Rainer Zaiser


«Comment savoir?» –«Comment dire?»Metafiktionale, metanarrative und metahistoriographischeDiskurse über Referenz und Repräsentation inClaude Simons Romanen La Route des Flandres (1960),Triptyque (1973) und Les Géorgiques (1981)vonSabine ZufeldeGunter Narr Verlag Tübingen


Titelabbildung: Jean Dubuffet, La vie de famille© VG Bild-Kunst, Bonn 2009 (schwarz-weiß Reproduktion)Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über abrufbar.© 2009 Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KGDischingerweg5·D-72070 TübingenDas Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertungaußerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmungdes Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen,Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung inelektronischen Systemen.Gedruckt auf säurefreiem und alterungsbeständigem Werkdruckpapier.Internet: http://www.narr.de · E-Mail: info@narr.deDruck und Bindung: Ilmprint, LangewiesenPrinted in GermanyISSN 0344-5895ISBN 978-3-8233-6485-6


Für Rebecca und Gabriel


DanksagungDie vorliegende Arbeit wurde im Sommersemester 2007 von der PhilosophischenFakultät der Georg-August-Universität Göttingen als Dissertationangenommen. Die Schrift wurde erst durch die fachliche Kritik unddie hilfreichen Ratschläge all derer möglich, die ihren Entstehungsprozessmit Geduld und Interesse begleitet haben.So gilt mein besonderer Dank meinem Doktorvater Prof. Hans-GünterFunke, der mir nicht nur in zahlreichen anregenden und kritischen Gesprächenwertvolle Hilfestellungen geleistet hat, sondern mir darüber hinausdie Möglichkeit eröffnet hat, die Arbeit als seine wissenschaftliche Mitarbeiterinin den Jahren zwischen 2002 und 2005 wesentlich voranzubringen.Herzlich danken möchte ich darüber hinaus Prof. Wilhelm Graeber fürdie Übernahme des Korreferats sowie Prof. Frank Rexroth, der die Arbeitals Drittgutachter kritisch gelesen hat.Prof. Rainer Zaiser danke ich herzlich für die Aufnahme der Arbeit indie von ihm herausgegebene Reihe Études littéraires françaises und für dasgroße Interesse, das er meiner Studie entgegengebracht hat.Fernerhin danke ich Prof. Maria Moog-Grünewald als damaliger Sprecherinfür die Bewilligung eines Promotionsstipendiums des von der DFGgeförderten Graduiertenkollegs „Pragmatisierung / Entpragmatisierung:Literatur im Spannungsfeld autonomer und heteronomer Bestimmungen“sowie für ihre konstruktive fachliche Kritik, die der Arbeit wesentliche Impulsegegeben hat.Auch dem Land Niedersachsen danke ich für die Bewilligung einesPromotionsstipendiums nach dem niedersächsischen Graduiertenförderungsgesetz.Bedanken möchte ich mich außerdem bei allen akademischen Lehrernund Kollegen, die mir neue Sichtweisen nicht nur auf die französischeLiteratur eröffnet haben: Prof. Elisabeth Arend, Dr. Hilke Behrens, Dr.Martin Biermann, Dr. Tanja Hupfeld, Annika Spilker, den Kollegen ausdem Tübinger Graduiertenkolleg und aus dem Doktorandenkolloquium inGöttingen.Besonders dankbar bin ich meinen Eltern, die mich die Welt des Wissensund der Bücher haben entdecken lassen und die an die Vollendungdes Projekts geglaubt haben, wenn ich dessen nicht mehr gewiss war. Meingrößter Dank gilt jedoch meinem Mann: seine Unterstützung in jeder Hinsichtund sein Zuspruch haben die Arbeit erst Wirklichkeit werden lassen.6


Alles, was sich bloß der Erinnerung verdankt,hat prinzipiell als falsch zu gelten.Johannes Fried: Der Schleier der ErinnerungLes lieux que nous avons connusn’appartiennent pas qu’au monde de l’espaceoù nous les situons pour plus de facilité.Ils n’étaient qu’une mince trancheau milieu d’impressions contiguës qui formaientnotre vie d’alors ;le souvenir d’une certaine imagen’est que le regret d’un certain instant ;et les maisons, les routes, les avenues,sont fugitives, hélas, comme les années.Marcel Proust: Du côté de chez Swann7


InhaltVerzeichnis der Siglen............................................................................. 141 Einleitung: Der Nouveau Roman Claude Simons imSpiegel postmoderner Autoreferentialität ..................................... 151.1 Das Thema: ‚Referenz’ und ‚Repräsentation’ bei ClaudeSimon.............................................................................................. 151.2 Der Kontext: autoreferentielle Diskurse über Fiktionund Narration im französischen Nouveau Roman undin der Literatur der Spät- und Postmoderne............................ 211.3 Forschungsbericht: ‚Metafiktion’, ‚Metanarration’ und‚Metahistoriographie’ im Werk Claude Simons ...................... 271.4 Ziel und Gang der Untersuchung.............................................. 33Teil I Theoretische Entwicklung eines neuen Beschreibungsmodellsmetafiktionalen Erzählens ..................... 372 ‚Metafiktion’ und ‚Metanarration’ – Bisherige DefinitionsundTypologisierungsansätze........................................................... 372.1 R. Jacobsons Kommunikationsmodell und die Konzepteliterarischer Autoreflexivität und Metatextualität .................. 382.2 ‚Metafiktion’ – Geschichte, Definitionen undTypologisierungen ....................................................................... 472.2.1 Geschichte des literarischen Phänomens‚Metafiktion’........................................................................ 472.2.2 1970-2006: Geschichte des literaturwissenschaftlichenBegriffs ‚Metafiktion’ ............................................. 502.2.3 Drei Typologisierungen metafiktionalenErzählens: L. Hutcheon, S.E. Lauzen und W. Wolf ..... 672.2.4 Sonderformen: historiographische, autobiographischeund epistemologische Metafiktion ................... 862.3 ‚Metanarration’ – Definitionen und Typologisierungen........ 942.4 Zusammenfassung ....................................................................... 979


3 Ein narratologisches Modell der Metafiktion:‚Metafiktivität’ und ‚Metafiktionalität’.......................................... 1013.1 ‚Fiktion’, ‚Fiktionalität’, ‚Fiktivität’ – Definitionen undSignale ............................................................................................ 1033.1.1 Etymologie .......................................................................... 1033.1.2 Definitionsansätze: Alltagssprache, Sprachphilosophie,Narratologie ................................................. 1053.1.3 Textuelle und paratextuelle Fiktionssignale (nachF. Zipfel)............................................................................... 1183.2 Ein neues Modell der Metafiktion: ‚Metafiktionalität’und ‚Metafiktivität’ als narratologischeAnalysekategorien........................................................................ 1253.2.1 Definitionen......................................................................... 1273.2.2 Typologie............................................................................. 1303.3 Zusammenfassung ....................................................................... 134Teil II Metafiktion, Metanarration und Metahistoriographiein ausgewählten Texten Claude Simons........ 1354 « Comment savoir ? » – Metafiktion undErkenntnisskepsis in La Route des Flandres (1960)...................... 1354.1 Einführung .................................................................................... 1354.2 Vorbemerkung: ‚Wahrnehmung’ und ‚Erkenntnis’ alszentrale Themen des Romans im Spiegel vonPsychologie und Phänomenologie ............................................ 1374.2.1 ‚Wahrnehmung’ und Wahrnehmungspsychologie ...... 1394.2.2 ‚Wahrnehmung’ und Gedächtnispsychologie............... 1414.2.3 ‚Wahrnehmung’ und Phänomenologie .......................... 1454.3 Rekonstruktion und Destruktion der Erkenntnisvergangener Wirklichkeit............................................................ 1494.3.1 Visuelle, auditive, olfaktorische und haptischtaktileSinneswahrnehmungen als Quellen desindividuellen Gedächtnisses ............................................ 1504.3.2 Schrift- und Bildzeichen als Quellen deskollektiven Gedächtnisses ................................................ 15210


4.3.3 Problematisierung der Repräsentationsfunktionvon Sinneswahrnehmungen, Sprache sowieSchrift- und Bildzeichen.................................................... 1624.4 Erkenntnis als Fiktion – Metafiktionale Thematisierungund Inszenierung der Fiktivität und Fiktionalitäterinnerter Wirklichkeit ................................................................ 1844.4.1 „Comment savoir?“ – Georges zwischen Wissenund Nicht-Wissen .............................................................. 1864.4.2 Die metafiktionale Thematisierung und Inszenierungvon Fiktivität: Imaginationen, Inventionenund Träume......................................................................... 1884.4.3 Die metafiktionale Thematisierung undInszenierung von Fiktionalität ......................................... 2184.5 Zusammenfassung ....................................................................... 2405 Metafiktion und Metanarration als metapoetischerDiskurs über Repräsentation in Triptyque (1973)......................... 2455.1 Einführung .................................................................................... 2455.2 Die metafiktive Thematisierung und Inszenierung vonNicht-Referenz .............................................................................. 2485.2.1 Die Kontamination des Realen durch das‚Imaginäre’: Imaginationen und Modalisationen.......... 2485.2.2 Die Kontamination ontologischer Ebenen: Metalepsenund fiktionsgenerierende Deskriptionen........... 2545.2.3 Die Entwertung der histoire durch Banalität,hypertrophe Deskription und zentrale Ellipsen............ 2805.2.4 Fremddetermination der histoire durch latenteVerweisungssysteme: Motive und mots-carrefour ......... 2905.3 Die metafiktionale Thematisierung und Inszenierungder gescheiterten fiktional-narrativen Repräsentation........... 2965.3.1 Die Camera-eye-Erzählinstanz......................................... 2975.3.2 Die Dekonstruktion linearen Erzählens durchAnachronien und Fragmentierungen ............................. 3005.4 Metanarration als metapoetischer Kommentar zurReferenz- und Repräsentationsfunktion des Textes ............... 30711


5.4.1 Motive als Metaphern für die Poetik des Romans:„la fente“/ „le labyrinthe“/ „le cadre“/ „sedéformant sans cesse“ ....................................................... 3075.4.2 Die ludische Inszenierung der Poetik: dasgeometrische Problem und das Puzzle........................... 3115.4.3 Die intermediale Inszenierung der Poetik: Malerei,Photographie und Cineastik............................................. 3185.5 Zusammenfassung ....................................................................... 3256 De-/ Rekonstruktion historischen Erzählens: Metafiktionund Metahistoriographie in Les Géorgiques (1981) ...................... 3276.1 Einführung .................................................................................... 3276.2 Vorbemerkungen: Geschichte und Historiographie alszentrale Themen des Romans..................................................... 3306.2.1 Zwei Auffassungen von Geschichte: zyklischesund teleologisches Geschichtsmodell ............................. 3316.2.2 Die schriftliche Repräsentation vergangenerWirklichkeit: Historischer Roman, Historiographie,Autobiographie und Biographie ...................... 3436.3 Spuren historiographischer und auto-/biographischerDiskurse in Les Géorgiques ........................................................... 3576.3.1 Historikerfiguren................................................................ 3586.3.2 Das gescheiterte auto-/biographische Projekt: DieAporien der Vergangenheitsrepräsentation .................. 3896.4 Historisches Erzählen als Fiktion: MetafiktionaleDiskurse über Fiktivität und Fiktionalität ................................ 4126.4.1 Die metafiktionale Thematisierung und Inszenierungvon Fiktivität: Imaginationen und Mythen .......... 4136.4.2 Die metafiktionale Thematisierung und Inszenierungvon Fiktionalität........................................................ 4426.5 Schluss und Ausblick: ‚Historiographische Metafiktion’als eine alternative Poetik historischen Erzählens .................. 4707 Zusammenfassung: eine Typologie der Metafiktion imWerk Claude Simons.......................................................................... 47512


8 Bibliographie........................................................................................ 4858.1 Texte von Claude Simon ............................................................. 4858.2 Andere Texte................................................................................. 4858.3 Essays und Interviews von Claude Simon ............................... 4858.4 Forschungsliteratur zu Claude Simon ...................................... 4868.5 Forschungsliteratur zur Literaturtheorie, Erzähltheorieund Geschichtstheorie ................................................................. 4958.6 Lexika, Hilfsmittel ........................................................................ 5099 Abbildungsverzeichnis...................................................................... 511Sachregister ................................................................................................ 512Anhang: Gemälde und Nachweise........................................................ 51513


Verzeichnis der SiglenSofern nicht anders ausgewiesen, werden Claude Simons Werke nach folgendenAusgaben jeweils mit Sigle und Seitenzahl zitiert:CR = La Corde raide. Paris: Sagittaire, 1947.V = Le Vent. Tentative de restitution d’un rétable baroque.Paris: Minuit, 1957.He = L’Herbe. Paris: Minuit, 1958. (= Collection « double » ; 9)RF = La Route des Flandres. Paris: Minuit, 1960.(= Collection « double » ; 8)P = Le Palace. Paris: Minuit, 1962.BPh = La Bataille de Pharsale. Paris: Minuit, 1969.T = Triptyque. Paris: Minuit, 1973.G = Les Géorgiques. Paris: Minuit, 1981.A = L’Acacia. Paris: Minuit, 1989.JP = Le Jardin des Plantes. Paris: Minuit, 1997.Tr = Le Tramway. Paris: Minuit, 2001.Œ = Œuvres. Éd. établie par Alastair B. Duncan, avec la collaborationde Jean H. Duffy. Paris: Gallimard, 2006.(= Bibliothèque de la Pléiade)14


1 Einleitung: Der Nouveau Roman ClaudeSimons im Spiegel postmodernerAutoreferentialität1.1 Das Thema: ‚Referenz’ und ‚Repräsentation’ beiClaude Simon 1Nach der spezifischen Modernität seiner Texte gefragt, beschrieb der spätereLiteraturnobelpreisträger in einem Interview mit der französischen ZeitschriftL’Humanité die Ästhetik der literarischen Moderne allgemein:Maintenant, si vous me demandez de préciser ce qui distingue plus exactementnotre modernité, je hasarderai peut-être, qu’en gros, elle me paraît dominée pardeux caractéristiques principales (chacune, à y bien réfléchir, découlant d’ailleursde l’autre) qui sont, d’une part, la fragmentation, l’éclatement des formes ;d’autre part, l’abandon du « trompe-l’œil », du « faire-semblant », au profit dela mise en évidence du médium ou, si l’on préfère, du « matériau », je veux direle tableau s’offrant comme peinture, le roman se donnant et se dénonçant commetexte et fiction en procès. 2Die von Simon genannten Tendenzen zur „fragmentation“ und zur „miseen évidence du médium“ sind nicht nur typische Merkmale des modernenRomans, sondern prägen in bemerkenswerter Weise auch sein eigenesWerk: so problematisieren die Auflösungserscheinungen auf der Ebene desErzählens und auf der Ebene der erzählten Geschichte die überkommenenDarstellungstechniken des realistischen Romans aus dem 19. Jahrhundert,während die Offenlegung der fiktionalen und narrativen Struktur der Texteihre Referenz auf eine außerliterarische Realität zugunsten eines auffallendenSelbstbezugs untergräbt – sei es auf die Nicht-Realität der Romanweltoder auf das eigene Medium.Simons Werk zeichnet sich durch ein Spannungsfeld, gebildet einerseitsaus textueller Hetero- und Autoreferenz – gemeint ist das Oszillieren desTextes zwischen dem Bezug auf die äußere ‚reale’ Welt und der Thematisierungder eigenen Textualität und Fiktionalität – und andererseits aus derRepräsentation dieser Realität mit fiktionalen Erzählverfahren aus, die zugleichdekonstruiert werden. Die vorliegende Arbeit untersucht in diesem1In der vorliegenden Arbeit soll der Terminus ‚Referenz’ die Bezugnahme von Literaturauf eine extratextuelle ‚reale’ Welt bezeichnen, während der Begriff ‚Repräsentation’im Sinne ihrer „narrativen Darstellung“ verwendet wird (P. Wolf: „Referenz.“(2001) und A. Nünning: „Repräsentation.“ (2001) sowie A. Thiher: Words in Reflection:Modern Language Theory and Postmodern Fiction. (1984), S. 188.)2C. Simon: „Claude Simon, romancier, [Haroche, C.].“ (1981), S. 15; HervorhebungenS.Z.15


Kontext metafiktionale, metanarrative und metahistoriographische Diskurseim Werk des Nouveau Romancier Claude Simon; diese selbstbezüglichenÄußerungen lassen die Fiktionalität des Textes im Sinne der Irrealität dererzählten Geschichte, das eigene Erzählen sowie die mit dem Schreibenvon Geschichte verbundenen epistemologischen und narratologischen Problemethematisch werden.Ein besonderer Stellenwert kommt der Frage nach der Funktion der genanntenautoreferentiellen Verfahren im Hinblick auf die von Simon immodernen Roman beobachteten Tendenzen zur Nicht-Referenz und zurProblematisierung der fiktional-narrativen Repräsentation zu: Commentsavoir – Inwiefern stellt die Literatur ein Mittel der Erkenntnis von Realitätdar? Comment dire – Wie kann diese Wirklichkeit mit den spezifischen Verfahrenfiktionaler Erzähltexte erzählt werden?Simons berühmte Romane La Route des Flandres (1960), Triptyque (1973)und Les Géorgiques (1981) bilden das Textkorpus der vorliegenden Arbeit;sie lassen sich stilistisch differenten Schaffensphasen Simons zuordnen undstellen nach allgemeiner Einschätzung einen Höhepunkt der jeweiligenPhase im Hinblick auf ihre charakteristischen Vertextungsverfahren dar, sodass die zu erwartenden Ergebnisse der Textanalyse als paradigmatischbewertet werden können. Die Beschränkung auf drei Texte erklärt sichdabei aus der Zielsetzung, diese möglichst detailliert zu interpretieren.Die Rezeption des Simon’schen Werks ist geprägt durch das Paradoxaus einerseits seiner Wertschätzung durch Schriftstellerkollegen wie JeanAméry 3 und Serge Doubrovsky 4 und andererseits seiner Geringschätzungdurch die Feuilletons und die breite Masse der Leser, die seine Texte als„illisibles“ bewerteten. Entgegen der weitverbreiteten Meinung sind jedochdie frühen Romane Simons aus seiner ersten Schaffensperiode (1946-1954)noch relativ konventionelle, einfach zu rezipierende Erzählungen; erst mitder Veröffentlichung von L’Herbe (1958) vollzieht sich nach seiner eigenenAussage in seinem Werk die Wende vom traditionellen zum avantgardistischenRoman. 5 Höhepunkt dieser zweiten Phase, in welcher Simon mitseinen Texten in das Umfeld des Nouveau Roman eintritt, ist zweifellos LaRoute des Flandres (1960), dessen autobiographisches Substrat Simons eige-3J. Améry rechnet zu den „Zeitgenossen und Kollegen“ Claude Simons Autoren wieProust, Joyce, Faulkner und auch Beckett und erklärt, dass Simon „[…] zu messen[…] nur nach der Größenordnung solcher Autoren […]“ sei. (Zitiert nach H. Mayer:„Im Bannkreis der Bilder. Über Simon.“ (2003), S. 159.)4S. Doubrovsky betont, dass Simon der einzige der Nouveaux Romanciers sei, der diefranzösische Sprache insbesondere im Bereich der Syntax, der Interpunktion, der Bezügesowie der Lexik angegriffen habe und damit zu einem „deconstructor of thelanguage“ geworden, dabei stets jedoch ein „lover of words“ wie schon Balzacgeblieben sei. (S. Doubrovsky: „Why Simon? [Préface].“ (1981), S. 13f., 15.)5C. Simon: „Interview with Claude Simon. [DuVerlie, Claud A.].“ (1974), S. 13.16


ne Erlebnisse während des sogenannten ‚Flandern-Debakels’ im ZweitenWeltkrieg bilden. 6Die leitmotivisch wiederkehrende ‚Beschwörungsformel’ „Commentsavoir?“ des Protagonisten Georges prägt den Roman von Beginn an: DasStreben nach Erkenntnis und ‚sicherem’ Wissen, das Ringen um die zuverlässigeErinnerung früherer Wahrnehmungen zählen zu den wichtigstenthematischen Aspekten des Werks. Mit dieser epistemologischen Thematikpräsentiert sich der Text als typischer Vertreter der sogenannten phänomenologischenPhase des Nouveau Roman, in der die wahrnehmungstheoretischenÜberlegungen E. Husserls und insbesondere M. Merleau-Pontys anEinfluss auch auf die Poetik Claude Simons gewannen.Aufgrund ihrer Vielschichtigkeit und ihrer poetischen Qualitäten wirdLa Route des Flandres von der Forschung zu den wichtigsten Werken Simonssowie des Nouveau Roman überhaupt gezählt. Der Text präsentiert inForm eines autonomen inneren Monologs den Bewusstseinsstrom der fiktivenFigur Georges; dieser erinnert sich an einem unbestimmt gelassenenPunkt seines Lebens – vermutlich einige Jahre nach dem Ende des ZweitenWeltkriegs – an seine Erlebnisse während des Krieges bzw. aus der VorundNachkriegszeit.Die den Roman beherrschende Erinnerungsthematik hat dazu geführt,dass der Text von der Literaturwissenschaft als „Gedächtnisroman“ 7 , als„Roman der Erinnerung“ 8 oder „Erinnerungsroman“ 9 bzw. als „stream-ofconsciousness-novel“10 bezeichnet wurde, in dessen Zentrum weniger dielogische Ordnung oder die rationale Kontrolle der Erinnerungen stehe alsdie Übertragung der „pre-speech levels of consciousness“ in einen autonomeninneren Monolog. 11 In einer früheren Arbeit konnte ich jedoch bereitsnachweisen, dass La Route des Flandres nur bedingt die narratologischenKonventionen eines autonomen inneren Monologs erfüllt: Vielmehrwird in weiten Teilen des Romans die Illusion eines Gedächtnisstroms6Vgl. Simons Bemerkung „From L’Herbe on, all my novels verge on the autobiographical.”(A.B. Duncan: „Interview with Claude Simon.“ (1985), S. 12.) Dennoch weist A.Duncan darauf hin, dass es sich bei Simons Texten keineswegs um Autobiographienhandele, da stets die innovative Form den autobiographischen Stoff der Texte vonder ursprünglichen Realität ‚entfremde’ (A.B. Duncan: „Introduction.“ (2006), S. XIf.).7W. Scheller: „‚Geschichte machen, heisst: Sie ertragen’: Claude Simon und der ‚Nouveauroman’.“ (1979), S. 64.8H. Pfeiffer: „Claude Simon.“ (1986), S. 362.9J. Mecke: Roman-Zeit. Zeitformung und Dekonstruktion des französischen Romans derGegenwart. (1990), S. 144; R. Warning: „Claude Simons Gedächtnisräume: La Route desFlandres.“ (1991), S. 363.10R.L. Sims: „Memory, structure and time in La Route des Flandres.“ (1976), S. 43.11Ebd., S. 43f.; T.R. Kuhnle: Chronos und Thanatos: Zum Existentialismus des ‚nouveauromancier’ Claude Simon. (1995), S. 364, betont, dass es sich bei La Route des Flandreseher um einen ‚Erinnerungsroman’ als um einen ‚Gedächtnisroman’ handele, da derText den dynamischen Aspekt des Erinnerungsprozesses unterstreiche.17


zugunsten einer relativ konventionellen Erzählung aufgegeben, währendzugleich eine metafiktionale Thematisierung und Inszenierung der eigenenFiktionalität und Textualität erfolgt. 12Mit der Veröffentlichung von La Bataille de Pharsale (1969) tritt Simon ineine neue Phase seines Schaffens ein, in der seine Texte scheinbar zu formalistischenExperimentierfeldern werden und sich von Jean Ricardous skripturalistischerTheorie beeinflusst zeigen. 13 Höhepunkt dieser dritten Phaseist Triptyque, der als Simons technisch vollkommenster 14 und zugleich alssein radikalster 15 Roman gilt; er wird von der Forschung zusammen mit LesCorps Conducteurs (1971) und Leçon des Choses (1975) als ein Triptychon undzugleich als Höhepunkt seiner ‚skripturalistischen’ Phase – auch NouveauNouveau Roman simonien genannt – interpretiert. 16 Ein Charakteristikumdieser Schaffensphase ist, dass „[l]e récit perd l’ancrage d’une conscience etla fiction s’égrène alors ‘mot à mot’ […].“ 17 Schienen die Fiktionen der vorangegangenenTexte noch einem mehr oder minder identifizierbaren Bewusstseinzu entspringen, das als „je“ die Handlung vermittelt, ist es inTriptyque nur noch eine unpersönliche Wahrnehmungsinstanz, aus derenPerspektive der Leser die fiktiven Ereignisse miterlebt. Diese unbestimmtbleibende Instanz hat große Ähnlichkeit mit dem unbelebten, mechanischenAuge einer Kameralinse, das die fiktive Welt der Geschichte nur vonAußen wahrnimmt.Bei einer ersten Lektüre von Triptyque steht darüber hinaus vor allemauch der fragmentarische Eindruck des Erzählten im Vordergrund sowiedie durch die vielfachen narrativen Kurzschlüsse zwischen den ontologischenEbenen ‚innerfiktional real’ und ‚innerfiktional fiktiv’ bewirkteGleichrangigkeit von Ereignissen, die in der Welt des Romans ‚wirklich’stattgefunden haben, und solchen, die bloß imaginiert oder medial repräsentiertsind und die daher eine Realität zweiter Ordnung innerhalb derfiktionalen Welt bilden. Zugleich entsteht als gegenläufige Tendenz durchdie Wiederkehr bestimmter Motive und von bereits aus früheren Romanen12Sabine Waltemate: Die erzähltechnische Gestaltung des Gedächtnisstroms in Claude SimonsLa Route des Flandres. Unveröffentlichte Hausarbeit im Rahmen der ErstenStaatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien. (1999)13Im Konzept der écriture scripturale ist der Schriftsteller nicht mehr „[…] le maîtred’une fiction établie préalablement qu’il agence au moyen des signes du discours appropriésmais l’artisan d’un texte auquel il confère l’existence en se soumettant auxlois spécifiques de son fonctionnement[.]“ (M. Bertrand: Langue romanesque et parolescripturale: Essai sur Claude Simon. (1987), S. 15.)14So z.B. M. Evans: Claude Simon and the Transgressions of Modern Art. (1988), S. 191.15A.B. Duncan: „Introduction.“ (2006), S. XXXVIII.16Nach Bertrand umfasst die ‚skripturalistische’ Phase im Werk Simons den Zeitraumvon 1969, dem Jahr des Erscheinens von La Bataille de Pharsale, bis zur Veröffentlichungvon Les Géorgiques im Jahre 1981. (M. Bertrand: Langue romanesque et parolescripturale: Essai sur Claude Simon. (1987), S. 18.)17M. Léonard: „Préface.“ (2001), S. X.18


ekannten Themen wie ‚erotische Liebe’, ‚Eifersucht’ und ‚Tod’, aber auchvon neuen wie ‚Natur’ und ‚Voyeurismus’ der Eindruck einer gewissenunterschwelligen Kohärenz des Textes.Mit der Veröffentlichung von Les Géorgiques (1981) tritt Simon in eineweitere Phase seiner Poetik ein, die zunächst eine Rückkehr zu den Themenund zur Ästhetik seiner Romane aus den 1960er Jahren zu seinscheint. Der Text selbst wird von der Kritik als „roman total“ 18 , als „romanpolyphonique“ 19 , als „roman-somme“ 20 oder als „œuvre de synthèse“ 21bzw. als Simons „longest and most significant novel“ 22 bewertet. Herrschtzwar Einigkeit unter den Kritikern in der Einschätzung der allgemeinenliterarischen Qualitäten des Romans, werden Les Géorgiques jedoch ganzunterschiedlich in den größeren Werkzusammenhang eingeordnet; dabeilassen sich zwei Extrempositionen unterscheiden: Während die einen indiesem Text Simons „retour à la représentation“ 23 der 1950er und 1960erJahre wahrzunehmen glauben bzw. Les Géorgiques als Vollendung der damalsentwickelten Erzählstrategien betrachten, vertritt insbesondere M.Bertrand die Gegenposition: Er ordnet diesen Text wie die unmittelbarvorangehenden Werke in Simons ‚skripturale’, autoreflexive und antireferentielle,Phase ein. 24Zwar rekurriert Simon in seinem Roman auf zentrale Themen seiner‚vorskripturalistischen’ Schaffensperiode wie Tod, Krieg, Natur und Geschichteund greift z.T. auch auf das Figurenpersonal der Romane aus denspäten 1950er und frühen 1960er Jahren zurück. Doch erreichen vor allemdie in Les Géorgiques anzutreffenden Erzählverfahren ein neues Stadiumder Vollendung: es mischen sich die noch aus Romanen wie La Route desFlandres bekannte perspektivische Vielfalt mit den allein auf dem sprachli-18L. Dällenbach: „Les Géorgiques ou la totalisation accomplie.“ (1981), S. 1239.19Ebd.; J.-C. Gateau: „Topologie du mouchoir froissé dans Les Géorgiques.“ (1993), S.132.20N. Piégay-Gros: Claude Simon, Les Géorgiques. (1996), S. 5.21A.B. Duncan: „Introduction.“ (2006), S. XL: Laut Duncan integriert Simon in LesGéorgiques und in L’Acacia die in der vorhergehenden Schaffensperiode entwickeltennarrativen Strategien.22R. Sarkonak: „The Georgics (Les Géorgiques).“ (1990), S. 168. An anderer Stelle wertet R.Sarkonak Les Géorgiques als „[…] un des plus importants textes de la littérature duXXe siècle.“ (R. Sarkonak: „Comment fait-on un cocktail simonien? Ou, Les Géorgiquesrelues et corrigées.“ (1990), S. 236.)23Diese Ansicht vertreten z.B. C. Reitsma La Brujeere: Passé et présent dans Les Géorgiquesde Claude Simon. Étude intertextuelle et narratologique d’une reconstruction del’Histoire. (1992), S. 1; A.B. Duncan: „Claude Simon, le projet autobiographique.“(1990), S. 49; N. Piégay-Gros: Claude Simon, Les Géorgiques. (1996), S. 31, und führenals Begründung Simons Rückgriff auf seine persönliche Geschichte bzw. auf die seinerFamilie sowie auf altbekannte Themen wie insbesondere den Krieg an.24M. Bertrand: Langue romanesque et parole scripturale: Essai sur Claude Simon. (1987), S.18.19


chen Material basierenden Überblendungstechniken aus Triptyque. Dochim Gegensatz zu der formalistischen Phase des Nouveau Nouveau Romansimonien werden die experimentellen Schreibverfahren nun erstmals in denDienst einer kritischen autoreferentiellen, metahistoriographischen, Reflexionüber die Möglichkeiten einer schriftlichen Repräsentation der Vergangenheitgestellt. 25Bereits der Titel des Romans – Les Géorgiques – situiert den Roman in einenhistorischen Kontext, verweist er doch explizit auf die Georgica Vergils,die dieser im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung für Augustus’ Veteranenals Lobpreisung der Landarbeit gegenüber der ‚Kriegsarbeit’ verfassthat. 26 Auch wenn sich keine weiteren direkten Zitate des lateinischen Prätextsin Simons Werk finden, so ist doch das Vorgängerwerk thematischstets präsent: Es sind die Virulenz der Themen ‚Krieg’ und ‚(Land)Arbeit’und ihre ambivalente Bewertung in Les Géorgiques, welche die beiden Textesowohl verbinden als auch trennen. 27Der kurze Überblick über die verschiedenen Phasen im Werk ClaudeSimons und den sich immer wieder neu vollziehenden Wandel in seinerPoetik, den unsere Texte paradigmatisch illustrieren, hat die Bedeutungder Autoreferenz in seinen Texten aufgezeigt. Die ausgewählten Romaneverhandeln einerseits ihren – mindestens seit der Spätmoderne problematischgewordenen – Bezug auf eine außertextuelle Realität und ziehen inZweifel, dass jene überhaupt ‚objektiv’ erkennbar ist. Andererseits setzensie sich mit der spezifisch sprachlichen bzw. narrativ-fiktionalen Repräsen-25Dies macht Simons Roman auch für die Geschichtswissenschaft bzw. die Geschichtstheorieinteressant: So bildet ein Auszug aus Simons Les Géorgiques den Epilog einesvon Christoph Conrad und Martina Kessel herausgegebenen Überblicks über aktuelletheoretische Diskussionen in der Geschichtswissenschaft. (C. Conrad und M. Kessel(Hgg.): Geschichte schreiben in der Postmoderne. Beiträge zur aktuellen Diskussion.(1994)) Innerhalb der Simonforschung weist bisher allein A. Duncan in seiner Bewertungdes Romans auf die metanarrative, metafiktionale bzw. metahistoriographischeQualitäten des Werks hin: „In making visible its own processes of generation, [thework] raises questions about representation and reference, about genre, about thewriting of fiction, history or biography.“ (A. Duncan: „Les Géorgiques and intertextuality.“(1994), S. 68.)26Das lateinische Adjektiv georgicus (= „den Landbau betreffend“, „vom Landbau“)stammt aus dem Griechischen: gê = „Erde“ und ergon = „Arbeiten“ und meint das„Bearbeiten der Felder“, im übertragenen Sinne auch der Kampffelder des Krieges. InSimons Roman gewinnt Georgica auch noch eine dritte – selbstreflexiv auf den eigenenText verweisende – Bedeutung: das ‚Bearbeiten’ der zunächst leeren Seiten durchden Autor. (Vgl. hierzu auch R. Sarkonak: „The Georgics (Les Géorgiques).“ (1990), S.172f.)27Darüber hinaus finden sich in Les Géorgiques häufig der Name ‚Georges’ bzw. Derivatevon diesem: die die „Cahiers“ des Generals durchblätternde Hand des alten Mannesähnelt der „crêpe georgette“ (G, 24), der tunesische Premierminister ist ein„georgiano grasso“ (G, 48f.) und bei dem mysteriösen „O.“ des vierten Kapitels handeltes sich um George Orwell.20


tation dieser Realität auseinander und vergleichen das mimetische Potentialvon Sprache mit dem anderer Medien wie vor allem der Malerei, derPhotographie und dem Film. Diese autoreferentiellen, die eigene Referentialitätund Repräsentation thematisierenden Diskurse werden auf verschiedenenEbenen der Texte verbalisiert: sowohl auf der Geschichtsebene alsauch auf der Ebene der narrativen Vermittlung.1.2 Der Kontext: autoreferentielle Diskurse über Fiktionund Narration im französischen Nouveau Roman undin der Literatur der Spät- und PostmoderneSimons hier aufgezeigte Poetik der Areferentialität und Anti-Repräsentationgliedert sich ein in die Ästhetik des spät- bzw. postmodernistischenRomans 28 und seiner französischen Variante, dem (Nouveau) Nouveau Roman,29 dessen wichtigste Merkmale sowohl die Kritik der realistischen Ästhetikdes 19. Jahrhunderts als auch die autoreferentielle Bezugnahme aufdie eigene Fiktion und die eigene Narration sind.Insbesondere der französische Nouveau Roman bezieht sich kritisch aufden ‚traditionellen’, realistischen Roman 30 des 19. Jahrhunderts mit seinerDoktrin von der wirklichkeitsgetreuen Abbildung zeitgenössischer gesellschaftlicherRealität; 31 im Visier der Nouveaux Romanciers stehen insbesonderedie narrativen Kategorien des ‚Helden’ und der Figuren bzw. die28Mit ‘Postmoderne‘ bezeichne ich die auf die (Spät-)Moderne folgende literarischeEpoche der Nachkriegszeit (der Begriff verbreitet sich gegen Ende der 1950er Jahre inder amerikanischen Literaturwissenschaft; dieser Zeitpunkt bestimmt auch den Beginnder postmodernen (angloamerikanischen) Literatur), die v.a. geprägt ist durch„Textoffenheit […], epistemologische[n] Zweifel […], metasprachliche[n] Kommentar[…] und Berücksichtigung der Leserrolle […]“. (P.V. Zima: Moderne/Postmoderne. Gesellschaft,Philosophie, Literatur. (2001), S. 244.)29Die Bezeichnung dieses ‚Bündnisses’ von Schriftstellern als Nouveau Roman – dieNouveaux Romanciers wehrten sich vehement gegen die Betitelung ihrer Gemeinschaftals „groupe“ oder „école“ (A. Robbe-Grillet: „À quoi servent les théories. [1955 et1963].“ (1961), S. 8f.; A. Robbe-Grillet: „Nouveau Roman, homme nouveau.“ (1961), S.114; C. Simon: „Entretien avec Jo van Apeldoorn et Charles Grivel, 17 avril 1979.“(1979), S. 87f.) – geht auf einen Zeitungsartikel von Émile Henriot aus dem Jahr 1957zurück, der damit die sich unter dem Dach der Éditions de Minuit versammelndeKonstellation verschiedener Schriftsteller benannte (R.-M. Allemand: „Débuts et finsdu „Nouveau Roman“.“ (2002), S. 21.).30W. Wehle unterstreicht den ablehnenden Bezug des Nouveau Roman auf die „[…]Schreibweise eines ‚roman à succès facile’, meist abgekürzt ‚traditioneller Roman’genannt.“ (W. Wehle: „Protheus im Spiegel. Zum „reflexiven Realismus“ des NouveauRoman (statt einer Einleitung).“ (1980), S. 3.)31Vgl. hierzu U. Dethloff: Französischer Realismus. (1997), S. 38ff.21

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