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KinderwunschVomzum WunschkindWie Paare zu Eltern werdenein Ratgeber von


Worum geht’s indiesem Ratgeber?Bei manchen Paaren klappt es auf Anhieb. Schon nachkurzer Zeit verkünden sie stolz: „Wir sind schwanger!“ Aberbei vielen Paaren lässt der Nachwuchs länger auf sichwarten. So wie bei Sabine. Sie ist 40, erfolgreicheVerkaufsleiterin und hoffentlich bald Mama. Wie so vieleandere Frauen hat sie einige Fragen im Kopf: „Was könnenwir selbst tun, um unseren Kinderwunsch zu erfüllen?Welche Möglichkeiten bieten die Reproduktions- undAlternativmedizin? Und wie gehen wir mit Enttäuschungenam besten um?“ Die Kinderwunschzeit ist eine Reise, dieHöhen und Tiefen mit sich bringt. Das weiß Sabine auseigener Erfahrung. Sie weiß auch, wie wichtig es ist, sichgut vorbereitet in dieses Abenteuer zu stürzen. UnserRatgeber ist ein Wegweiser, der Möglichkeiten zeigt, wieaus dem Kinderwunsch Schritt für Schritt ein Wunschkindwerden kann. Wer zu Beginn der Reise den Überblickbehält, findet leichter seinen eigenen Weg.Selbst aktiv werden -Fruchtbarkeit stärkenRichtiges Timing S. 04Gesunde Ernährung S. 06Verzicht auf Genussmittel S. 07Entgiftung S. 08Sport S. 09Entspannung S. 10Hilfe vom MedizinerFruchtbarkeitstipps für Männer S. 11Sabines Nähkästchen: Teil 1 S. 12S. 14DiagnostikS. 30S. 24S. 16Hormonbehandlung,Insemination, IVFTCM, Pflanzenheilkunde,HomöopathieGelassen bleibenPsychologische Tipps S. 31Hilfe vom Profi S. 35S. 36Sabines Nähkästchen: Teil 2Sabines Nähkästchen: Teil 3Kinderkriegen ist vielleicht die schönste, aber leider nichtimmer die einfachste Sache der Welt. Doch Paare könnenselbst viel tun, um ihrem Wunschkind ein Stückchen näherzu kommen. Erfahren Sie, wie Sie die fruchtbaren Tagebestimmen und wie sich Ernährung, Sport, Stress, Umwelteinflüsseund Genussmittel auf die Empfängnis auswirkenkönnen. Und wie es sich anfühlt, seinen Lebensstil fürsWunschkind zu ändern. Sabine kann ein Lied davon singen.Sie haben alle Register gezogen, warten aber immer nochauf Ihr Wunschkind? Erfahren Sie, wie der Frauenarztweiterhilft, wann er Paare an ein Kinderwunschzentrumüberweist, welche Behandlungen dort durchgeführtwerden, wie hoch die Erfolgsaussichten und die Kosten sindund welche Alternativen die Naturheilkunde bietet. AuchSabine kommt zu Wort: Sie erzählt, welche Erfahrungen sieim Kinderwunschzentrum und in der Naturheilpraxisgemacht hat.Sabine hat am eigenen Leib erfahren, dass sich die Behandlungenmanchmal in die Länge ziehen können. Das kannanstrengend sein. Aber die psychologischen Tipps diesesRatgebers helfen, die Kinderwunschzeit besser zu meistern.Seite 02


Hilfe zur Selbsthilfe:Wie Frauen und Männerihre Fruchtbarkeit stärkenKinderkriegen ist (k)ein KinderspielDie Natur hat gut vorgesorgt: Jede Frau trägt von Geburtan hunderttausende Eizellen in sich, während bei einemeinzigen Samenerguss Millionen Spermien ausgeschüttetwerden. Sie haben nur ein Ziel: Die Eizelle der Frau zubefruchten. Und doch dauert es bei regelmäßigemGeschlechtsverkehr im Schnitt 4 Monate, bis der Schwangerschaftstestendlich positiv ist.Die Zeit des Wartens kann anstrengend sein. Sie kann aberauch dazu dienen, sich auf das Baby vorzubereiten. Unddazu, sich selbst etwas Gutes zu tun: Eine gesunde Ernährung,viel Sport und Erholung bringen Körper und Geist aufVordermann. Paare können einiges tun, um ihre Fruchtbarkeitzu stärken …Richtiges TimingGesunde ErnährungVerzicht auf GenussmittelFruchtbarkeitstipps für MännerTipps sind Wegweiser. Sie schlagen eineRichtung vor, nicht mehr und nichtweniger. Jeder muss sich entscheiden,welcher Weg der richtige für ihn ist undwann er auf die Landkarte schaut oderseinem Bauchgefühl folgt.SportEntspannungEntgiftungSeite 03


So bestimmen Sie die fruchtbaren TageNur kurz nach dem Eisprung ist es möglich, ein Kind zu zeugen. Da die Spermien aber mehrere Tage im Körper der Frauüberleben, gibt es mehrere fruchtbare Tage im Monat. Um dieses kleine Zeitfenster zu nutzen, ist es wichtig zu wissen,wann der Eisprung stattfindet.Auf Spurensuche:Wann findet der Eisprung statt?Zervixschleim deuten: Der Zervixschleim schützt denKörper vor Bakterien. Während des Eisprungs wird deransonsten eher gelbliche und klebrige Zervixschleimfast wässrig und klar, damit ihn die Spermien leichterpassieren können. Um den Schleim zu deuten, wird eram Muttermund oder am Scheidenausgang entnommen.Der Eisprung steht unmittelbar bevor, wenn sichFäden zwischen Daumen und Zeigefinger bilden. Dochviel Erfahrung ist notwendig, um den Zervixschleimrichtig zu deuten.Eisprungkalender: Der Eisprung findet meist zwischendem 12. und 16. Tag nach Beginn der Periode statt.Diese Regelmäßigkeit macht sich der Eisprungkalenderzunutze, um den Eisprung zu berechnen. Eine einfacheMethode, die allerdings nur bei Frauen mit regelmäßigemZyklus funktioniert.Messung der Temperaturkurve: Nach dem Eisprungsteigt die Körpertemperatur. Doch wenn das Thermometerdiese Erhöhung anzeigt, ist der Eisprung schonvorbei. Notiert die Frau jeden Monat den Tag desEisprungs, kann sie ihn nach einiger Zeit vorhersagen.Allerdings ist Erfahrung in der Auswertung der Datennotwendig, um sie richtig einzuordnen. Schlafmangeloder Erkrankungen können das Resultat außerdemverfälschen.Teststäbchen: Teststäbchen aus der Apothekemessen den Hormongehalt im Urin und bestimmendadurch den Eisprung. Sie sind einfach zu handhabenund recht zuverlässig.Zykluscomputer: Je nach Modell bestimmen sieVeränderungen der Körpertemperatur oder Hormonveränderungenim Urin. Nach den Urintests können diefruchtbaren Tage im Voraus bestimmt werden. Einepraktische, aber teure Methode.Biologie für Einsteiger: Was passiertbeim „Ei-Sprung“ überhaupt?Nachdem sie herangereift ist, ist sie für denEisprung bereit: Die Eizelle löst sich aus demEierstock und gelangt in den Eileiter, um dort aufdie Befruchtung zu warten. Aber nur 18 bis 24Stunden nach dem Eisprung ist sie in der Lage, eineSamenzelle aufzunehmen. Um zu ihr zu gelangen,müssen die Spermien eine abenteuerliche Reisebestehen. Millionen Samenzellen wandern durchdie Scheide zur Gebärmutter und steuern auf denEileiter zu. Nur 100 erreichen die Eizelle unddrängeln sich um sie. Einer einzigen Samenzellegelingt es schließlich, in die Eizelle einzudringenund neues Leben zu zeugen.GebärmutterEierstockEileiterEizelle… Jetzt geht’s nur noch darum, den Eisprung richtig zu nutzen!Seite 04


Wie Sie die fruchtbarenTage am besten nutzenDas richtige TimingWANN?Sechs Tage vor dem Eisprung lohnt es, sich in Enthaltsamkeitzu üben, damit am Tag vor dem Eisprung genügendSpermien bereitstehen. Dieser Termin ist besondersgünstig, um ein Kind zu zeugen, da die Samenzellen mehrereTage im Körper der Frau verweilen und dann sofort zurStelle sind, wenn der Eisprung stattfindet.„Termin-Sex“ klingt allerdings nach wenig Romantik undkann auf Dauer zu Beziehungsstress führen. Spielerisch andie Sache heranzugehen und den Dingen ihren Lauf zulassen, nimmt den Druck. Wenn der festgesetzte Termintrotzdem zu mehr Frust als Lust führt, können Paare auchalle 2 Tage Geschlechtsverkehr haben, um die fruchtbarenTage automatisch abzudecken. Denn: Bei lustvollem Sexsind die Kontraktionen und das Scheidenmilieu besser.WARUMSich in Geduld üben KLAPPT´S NICHT?Sie haben alles richtig gemacht. Den Eisprung bestimmt,sich einen schönen Abend gemacht – und trotzdem ist derSchwangerschaftstest negativ? Keine Panik. Weil dieBefruchtung ein sehr komplizierter Vorgang ist, bei demviele Faktoren ineinander greifen, liegt die Chance, proZyklus schwanger zu werden, nur bei 15 – 20 Prozent.Deshalb brauchen die meisten Paare mehrere Monate, umein Kind zu zeugen, auch wenn sie kerngesund sind.Schwieriger wird es dagegen, wenn die Paare älter sind, dadie Fruchtbarkeit ab 22 Jahren kontinuierlich abnimmt,während das Risiko einer Fehlgeburt zunimmt.WIE?Tipps aus Großmutters Zeit… wirken leider nicht immer. Es hilft z. B. nicht, sich inakrobatischen Stellungen wie der „Kerze“ zu üben oder einKissen unter den Po zu legen, um die Spermien in die richtigePosition zu bringen. Denn die Gebärmutter übernimmtdiesen Job und saugt die Spermien nach dem Samenergussan. Es gibt aber auch althergebrachte Tipps, die tatsächlichwirken.Dr. Winfried HeinGynäkologe, MünchenWenn sich Frauen nach demGeschlechtsverkehr auf die Seitelegen und die Beine anziehen, hatder Gebärmuttermund mehr Zeit,in den Spermiensee einzutauchen,bevor die Flüssigkeit aus derScheide rinnt.“Natürliche Schwangerschaftsraten pro ZyklusChance20 %10 %20 J. 30 J. 40 J. Alter… Geht’s mit einer gesundenErnährung schneller, denKinderwunsch zu erfüllen?Seite 05


Fruchtbarer dank gesunder Ernährung?Eine gesunde Ernährung liefert dem Körper alle Nährstoffe, die er braucht, um seine Aufgaben zuerfüllen. Deshalb empfehlen Ärzte nicht nur Kinderwunschpaaren, auf ihre Ernährung zu achten.Doch inwieweit bestimmte Nährstoffe die Fruchtbarkeit beeinflussen, ist umstritten. Sie sollendie Hormonproduktion anregen, die Geschlechtsorgane stärken und für fitte Spermien sorgen:KäseVitamin B 12 stärkt die Eierstockfunktionund macht SpermienbeweglicherGemüseMilchprodukteKürbis, Spinat, Weißkohl:Vitamin E verbessert dieBeweglichkeit derSpermien und denZyklus der FrauMilch: Selen verbessert dieSpermienqualitätSüßesKakao: Magnesium ist wichtig fürdas hormonelle GleichgewichtÖlUngesättigteFettsäuren regulierendie SexualhormoneFleischRind, Lamm: Zink senkt dasRisiko für FehlgeburtenFischaus Jod werden die Schilddrüsenhormoneaufgebaut,die die SexualhormoneregulierenGetreideVollkornbrot: Vitamin B 6 ist fürdie Produktion der GeschlechtshormonewichtigObstMango, Grapefruit, Johannisbeeren:Vitamin C verbessert die Spermienqualitätund senkt das FehlgeburtsrisikoSpezielle Nährstoffanalysen decken Mängel auf, die danngezielt mit Nahrungsergänzungsmitteln behoben werdenkönnen. Folsäure z. B. schützt nicht nur das ungeboreneKind, sondern stärkt auch die Fruchtbarkeit. Deshalb machtes Sinn, Folsäurepräparate schon in der Kinderwunschzeiteinzunehmen.… Es gibt aber auch einige Nahrungsmittel undGetränke, die dem Kinderwunsch im Weg stehen!Seite 06


Genussmittel und Co.:Was ist tabu in der Kinderwunschzeit?NikotinNikotin ist der Fruchtbarkeitskiller schlechthin. Denn dieChance, ein Kind zu zeugen, verringert sich bei Rauchern umbis zu 40 Prozent. Schließlich kann der Tabakkonsum dieSpermien schädigen, zu Impotenz führen und den Zyklus derFrau durcheinander bringen. Ein guter Grund, mit demRauchen aufzuhören …AlkoholAm besten ist es, in der Kinderwunschzeit ganz auf Alkoholzu verzichten, da sich jedes Glas negativ auf den Hormonhaushaltund das Immunsystem auswirken sowie Spermienund Eizellen schwächen kann.KaffeeKoffein steht im Verdacht, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen.So fanden Forscher heraus, dass zu viel Koffein dieEileiterfunktion einschränken kann. Zwei Tassen Kaffee amTag sind allerdings unproblematisch.Belastete LebensmittelFremdhormone in Lebensmitteln könnten das eigeneHormonsystem durcheinander bringen. Es lohnt sich, beiHopfen, Soja, Tofu und Fleisch auf Bioprodukte umzusteigen,da bei der konventionellen Herstellung dieser Produktehäufig Hormone ins Spiel kommen.… Was sollten Kinderwunschpaare noch vermeiden?Seite 07


Umweltgifte und ihre FolgenUmweltgifte sind Chemikalien, die in Industrie, Landwirtschaftund Haushalt Verwendung finden und über Umwegein den Körper gelangen können. Schwermetalle im Trinkwasser,Amalgam im Mund, Weichmacher im Plastik, Pestizideauf Feldern und Holzschutzmittel im Haus machen esschwer, den Umweltgiften aus dem Weg zu gehen.Aber es ist nicht unmöglich ...Machen Umweltgifte unfruchtbar?Wie sich Umweltgifte auf die Fruchtbarkeit auswirken, istnoch nicht eindeutig geklärt. Einige Experten gehen aberdavon aus, dass sie die Fruchtbarkeit indirekt beeinträchtigenkönnen. Manche Chemikalien wirken wie Hormone undstören das körpereigene Hormon- und Immunsystem. Beidesind wichtig, um den Kinderwunsch zu erfüllen:Sind Hormon- und Immunsystem aus dem Gleichgewichtgeraten, funktionieren Eisprung und Befruchtung nichtmehr einwandfrei.Was tun gegen Umweltgifte?Manchen Chemikalien kann man aus dem Weg gehen:Nur hochwertiges Wasser trinken, Plastik aus PVC unddamit gefährliche Weichmacher meiden, Zahnfüllungenmit Amalgam entfernen lassen und umweltschonendhergestellte Produkte bevorzugen.Prof. Dr. med. Claus Schulte-UebbingGynäkologe, MünchenNach Entgiftungen steigt die Chanceschwanger zu werden, während dasRisiko einer Fehlgeburt sinkt.“Stellt der Arzt eine hohe Belastung mit Umweltgiftenfest, nimmt er z. B. eine Schwermetall- und Pestizidausleitungvor. Um den Körper zu entgiften, sind inmanchen Fällen auch Fastenkuren oder Darmsanierungensinnvoll.Haben Umweltgifte das Immunsystem geschwächt,können Ärzte Antioxidantieninfusionen verabreichen.Sie fangen freie Radikale ein, die das Immunsystembeeinträchtigen. Aber auch eine gesunde Ernährung,Sport und genügend Schlaf unterstützen die Abwehrkräftebei ihrer Arbeit.Es gibt noch mehr Gründe, warum Sport dieFruchtbarkeit stärkt ...Seite 08


Wie Bewegung dieFruchtbarkeit beeinflusstSport macht schlank, fit und gesund. Schließlich stärktBewegung die Abwehrkräfte, das Herz-Kreislauf-System,die Muskeln und das Gemüt. Aber eben auch die Fruchtbarkeit.Denn durch sportliche Aktivität wird das Hormonsystemreguliert: Fehlende Botenstoffe werden produziert,während Hormone, die im Überschuss vorhanden sind,gedrosselt werden. Ist der Hormonhaushalt im Gleichgewicht,ist der Zyklus der Frau regelmäßiger, während beimMann die Spermienproduktion in Gang kommt.Positive NebenwirkungenHormonyoga für Mütter in SpeHormonyoga besteht aus Figuren und Atemtechnikenverschiedener Yogarichtungen, die darauf ausgelegt sind,den Hormonhaushalt und den Stoffwechsel anzuregen undStress abzubauen. So sollen Frauen mit Hormonproblemenleichter schwanger werden. Bewiesen ist diese Wirkungallerdings nicht.Wer sich bewegt, baut nicht nur Stress, sondern auchüberschüssige Kilos ab, die einer Schwangerschaft im Wegstehen können. Übergewichtige Frauen haben oft keinenEisprung und deswegen häufiger Probleme schwanger zuwerden. Normalgewichtige Frauen mit einem Body-Mass-Index zwischen 19 und 25 haben in der Tat doppelt so hoheChancen schwanger zu werden wie Frauen mit einem BMIüber 30!Nicht nur Sport hilft, Stress zu reduzieren und dadurchdie Fruchtbarkeit zu stärken ...Seite 09


Loslassen & empfangen –trotz Stress?Droht Gefahr, reagiert der Körper blitzartig: Das Herz schlägtschneller, die Muskeln spannen sich an, der Atem beschleunigtsich und die Energiereserven werden angezapft. Sowaren die Menschen der grauen Vorzeit für Angriff undFlucht bereit. Dieses Stressprogramm, das heute eher durchZeitdruck und Reizüberflutung ausgelöst wird, nützt demmodernen Menschen wenig. Es schadet sogar und fördertdie Entstehung zahlreicher Krankheiten. Vielleicht auch derUnfruchtbarkeit.Beeinträchtigt Stress die Fruchtbarkeit?Experten sind sich uneins, ob Stress die Fruchtbarkeitverringert. Manche gehen davon aus, dass Stress dasImmunsystem, den Hormonhaushalt und damit auch dieFruchtbarkeit schwächt. Werden Stresshormone ausgeschüttet,könnte sich der Eisprung verschieben und sichdie Spermienqualität verschlechtern. Andere meinen, mitdem ganz normalen Wahnsinn des Alltags komme derKörper gut klar. So oder so: Es tut gut, sich in der an sichschon stressigen Kinderwunschzeit eine ExtraportionEntspannung zu gönnen.Tipps gegen StressProgressive Muskelentspannung nach Jacobsen:Die Muskeln werden zunächst angespannt, um sie danngezielt loszulassen. So verbreitet sich Wärme undEntspannung im ganzen Körper.Autogenes Training: Diese Methode basiert auf demPrinzip der Selbsthypnose: Oft wiederholte Gedankenwerden irgendwann Realität. Um sich durch Sätze wie„Ich bin ruhig“ gezielt zu entspannen, ist aber nicht nurviel Konzentration, sondern auch Übung notwendig.Atemtechniken: Wir atmen ca. 20.000 Mal am Tag undmerken es kaum. Doch bewusst atmen hilft, Stressabzubauen. Zum Beispiel so: Atmen Sie ein und zählenSie bis 7, atmen Sie aus und zählen Sie bis 11. Durch denlangen, tiefen Atem verlangsamt sich der Herzschlag,während sich der Körper entspannt.Auch Männer sollten Stress vermeiden. Was können sienoch tun, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen?Seite 10


Kinderkriegen ist nicht nur Frauensache:Fruchtbare Tipps für MännerMänner haben nur noch halb so viele Spermien wie vor 50Jahren. Warum ist bislang ein Rätsel. Stress, Schadstoffe undHormonstörungen stehen aber im Verdacht, die Auslöser zusein. Umso wichtiger, dass auch Männer auf sich achten undihre Fruchtbarkeit stärken.Sind Bäder und Saunagänge wirklich tabu?Ja, es stimmt: Spermien mögen’s kühl. Deshalb werden sieauch außerhalb des Körpers, in den Hoden, gebildet. Dasheißt aber nicht, dass Vollbäder und Saunagänge in derKinderwunschzeit tabu sind. Auch der Laptop darf weiterhinauf dem Schoß Platz nehmen. Denn eine kurzzeitigeErwärmung ist kein Problem - nur übertreiben sollteMann es nicht. Das gilt auch für die Sitzheizung im Auto:Wer sie nicht stundenlang laufen lässt, muss sich keineSorgen machen.Ernährung & GewichtAchtung: Fruchtbarkeitsmythos!Männer sind bis ans Ende ihres Lebens zeugungsfähig,heißt es oft. Ganz so einfach ist es aber nicht, denn ein20-Jähriger Mann hat zwei Drittel mehr beweglicheSpermien als ein 50-Jähriger – und hat es daher leichter,sich seinen Kinderwunsch zu erfüllen.Was für Frauen gilt, ist auch für Männer nicht verkehrt:Eine gesunde Ernährung soll die Fruchtbarkeit stärken.Die sorgt nicht nur für fitte Spermien, sondern auch für eingesundes Gewicht. Das ist nicht zu unterschätzen, büßenMänner mit einem BMI über 25 doch 25 Prozent ihrerSpermien ein.Wie sich es sich anfühlt, seinen Lebensstil fürs Wunschkindzu ändern, haben Sabine und ihr Partner am eigenen Leiberfahren …Seite 11


Aus Sabines Nähkästchen:Der lange Weg zumWunschkind (Teil 1)Sie wollte ihren Kinderwunsch nicht auf die lange Bankschieben. Aber ihr ging es wie vielen Frauen: Erst spät lerntesie ihren jetzigen Partner kennen, den Mann, mit dem sieschließlich eine Familie gründen wollte. Jetzt ist Sabine* 40,jetzt ist es fast zu spät. Aber eben nur fast. Sabine probiertviel aus, um sich ihren Kinderwunsch doch noch zu erfüllen.Und bleibt dabei erstaunlich gelassen.Kaffee hat sie immer gern getrunken. Auch mal einGläschen Rotwein. Natürlich verbietet sie sich nun nichtalles, aber seit sie sich ein Kind wünscht, ist sie vorsichtiggeworden. „Der Verzicht fällt mir gar nicht so schwer“, sagtsie, „denn ich weiß, wofür ich es tue: ein Kind.“Nebenbei hat sie auch mit Yoga begonnen. Das macht ihrSpaß, auch wenn die schnelle, kräftige Atmung anstrengendist. Auch Sabines Partner hat begonnen, mehr auf sichzu achten, mehr Sport zu treiben und sich gesund zuernähren. Alles nur wegen dem Kinderwunsch?Sie schmunzelt: „Ich weiß, dass ein gesunder Lebensstil sooder so gut ist.“ Doch ob diese Maßnahmen reichen, umschwanger zu werden?* Sabine heißt eigentlich gar nicht Sabine. Ihren richtigen Namenwollte sie aber nicht in der Öffentlichkeit sehen - auch nicht ihr Foto.Deshalb wurden die Bilder gestellt und der Name abgeändertSeite 12


Der Weg in die Praxis:Wie Ärzte helfen, denKinderwunsch zu erfüllenViele Paare beginnen zu zweifeln, wenn sie Monat fürMonat auf ein Kind hoffen und immer wieder enttäuschtwerden. Stimmt etwas nicht? Paare, die ein bis zwei Jahreungeschützten Geschlechtsverkehr haben und trotzdemnoch auf ein Baby warten, gelten in der Regel als unfruchtbar.Doch diese Diagnose ist nicht das Ende, sondern derAnfang eines neuen Weges. Denn die moderne Medizineröffnet viele Möglichkeiten, doch noch schwanger zuwerden.Erster Besuch in der PraxisUntersuchungenDiagnoseBehandlungÜberweisung ansKinderwunschzentrumSeite 13


Schritt für Schritt:Was passiert beim Frauenarzt?Der Frauenarzt ist die erste Anlaufstelle für Kinderwunschpaare,die sich ärztliche Unterstützung holen möchten. Erkann Diagnosen stellen, erste Behandlungen durchführenund allgemeine Tipps geben.Wann zum Arzt?Zu viel Zeit sollte nicht verstreichen, bis Kinderwunschpaareeinen Arzt aufsuchen, denn die Chance auf Nachwuchs sinktmit dem Alter. Nach etwa einem Jahr macht es Sinn, einenFrauenarzt um Rat zu fragen. Bei Frauen über 35 sogarschon nach einem halben Jahr, um keine Zeit zu verlieren.Wer noch auf der Suche nach einem Frauenarzt ist, findethier Praxen in seiner Nähe:Prof. Dr. med. Claus Schulte-UebbingGynäkologe, MünchenViele Patientinnen kommen erst zu uns,wenn die biologische Uhr schon fastabgelaufen ist. Aber nur wenn sierechtzeitig kommen, können wirgut helfen.“www.jameda.de/aerzte/frauenaerzte-gynaekologen/fachgebiet/Dieser Schritt ist übrigens längst keine Ausnahme mehr:Rund zwei Drittel der Paare nehmen ärztliche Unterstützungin Anspruch, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen!Der erste Besuch in der PraxisUm sich einen ersten Eindruck zu verschaffen, wird derArzt zunächst viele Fragen stellen, z. B. über Vorerkrankungen,Zyklusprobleme und die Häufigkeit desGeschlechtsverkehrs. Danach finden erste Untersuchungenstatt, um den Gründen für die Unfruchtbarkeit auf dieSpur zu kommen.UntersuchungenAnhand verschiedener Untersuchungen findet der Arztheraus, warum der Nachwuchs auf sich warten lässt.Ultraschall und Bauch- oder Gebärmutterspiegelungenverraten, ob mit den Geschlechtsorganen alles in Ordnungist. Hormonelle Störungen oder ein fehlender Eisprungdagegen stellt der Arzt anhand der Hormon- und Zyklusdiagnostikfest. Um die Anzahl und die Beweglichkeit derSpermien zu untersuchen, kann der Androloge ein Spermiogrammerstellen. Anhand der Untersuchungsergebnisseerstellt der Frauenarzt nun eine Diagnose, damit er dierichtige Behandlung wählt und Sie endlich erfahren, warumes mit dem Nachwuchs bisher noch nicht geklappt hat.Was sind die häufigsten Diagnosen?Seite 14


DiagnoseDie Ursachen der Unfruchtbarkeit sind recht gleichmäßigverteilt: Bei einem Drittel der Paare ist die Unfruchtbarkeitauf die Frau zurückzuführen (Hormonstörungen,Störungen an Eileitern und Gebärmutter), bei einemweiteren Drittel liegt es am Mann (Störungen der Hoden,des Samenleiters), bei einem Drittel sind die Gründe beibeiden zu finden.BehandlungÜberweisung ans KinderwunschzentrumBei Frauen mit unregelmäßigem Zyklus kann der FrauenarztHormone (v. a. Clomifen) verabreichen, um den Eisprungauszulösen. So können Paare die fruchtbaren Tage gezielternutzen, um die Chancen auf eine Schwangerschaft zuerhöhen. Bei rund 30 – 40 % schlägt die Behandlung an.Doch rund jede zehnte Frau überweist der Frauenarztschließlich an Spezialisten.Hat die Behandlung beim Frauenarzt nicht zum erhofftenErfolg geführt, sollten Paare nach etwa eineinhalb Jahrenein Kinderwunschzentrum aufsuchen. Doch bei Paaren ab35 drängt die Zeit: Sie sollten nicht lange zu warten undsich schon nach einem Jahr bei einem Spezialistenvorstellen. Paare haben die freie Wahl, welchem Kinderwunschzentrumsie sich anvertrauen möchten.Wer noch auf der Suche nach den richtigen Spezialistenist, findet hier eine deutschlandweite Liste:www.jameda.de/kinderwunsch/behandlung/Im Kinderwunschzentrum erneuern die Reproduktionsmedizinerwenn nötig die Befunde und empfehlen je nachDiagnose und Alter das geeignetste Verfahren. Der Erfolgder Kinderwunschbehandlung hängt nicht nur von derBehandlung, sondern v. a. vom Alter der Frau ab. Diebesten Chancen schwanger zu werden haben Frauenunter 35 – auch im Kinderwunschzentrum. Doch welcheBehandlungen erwarten die Paare dort?Es gibt keinen Weg,außer man geht ihn!(Spanisches Sprichwort)Seite 15


Kinderwunschbehandlungenim Porträt: Mit High-Techgegen UnfruchtbarkeitDie Geburt eines Kindes ist ein Wunder – doch leider eines,das manchmal auf sich warten lässt. Aber Sie sind nichtallein! Unfruchtbarkeit ist zwar keine Seltenheit, aber leiderimmer noch ein Tabuthema.Wussten Sie, dass ...… sich im Vergleich zu den 90erJahren heute doppelt so vieleFrauen über 30 ein Kind wünschen?22… die Fruchtbarkeit ab 22 Jahrenabnimmt?… 15 bis 20 Prozent der deutschenPaare ungewollt kinderlos sind?12 3 4… Paare im Durchschnitt 4 Jahrewarten, bis sie eine Kinderwunschbehandlungwagen?Hormonelle Stimulation… die meisten Frauen 36 Jahre altsind, wenn die Behandlung beginnt?Insemination100.000… rund 100.000 Paare jedes Jahreine Kinderwunschbehandlungdurchführen lassen?… und 70 % dieser Paare danach einKind bekommen?In-Vitro-Fertilisation (IVF)Weitere BehandlungenDie moderne Medizin kann keine Wunder bewirken.Aber manchen Paaren hilft sie, selbst ein kleinesWunder auf die Welt zu bringen.Seite 16


Hormonelle StimulationIm Kinderwunschzentrum angekommen, erwartet diemeisten Frauen eine Hormonstimulation, da viele FrauenZyklusprobleme haben. Bei einem sehr unregelmäßigenZyklus lässt sich der Eisprung schwer bestimmen. DieHormonstimulation hilft, den Eisprung gezielt auszulösen,damit Paare das kleine Zeitfenster nutzen können, das sichnun öffnet.Für welche Patienten kommt dieseBehandlung infrage?Wie funktioniert die Hormonstimulation?Liegen hormonelle Störungen vor (PCO-Syndrom,Gelbkörperschwäche, fehlender oder unregelmäßigerEisprung), macht es Sinn, den Hormonhaushalt und damitden Zyklus zu normalisieren. Hormongaben helfen aberauch Männern, die Qualität der Spermien zu verbessern.Die meisten Frauen nehmen Hormontabletten (v. a.Clomifen) und geben sich selbst Spritzen, um die Eizellenreifen zu lassen und den Eisprung auszulösen. Alternativensind spezielle Botenstoffe (Gonadotropine), die keineNebenwirkungen haben. Ist der Eisprung auf diese Weiseausgelöst worden, haben die Paare 24 Stunden Zeit, umein Kind zu zeugen.Dr. med. Jörg PuchtaGynäkologe, ReproduktionsmedizinSchwangerschaftsraten proBehandlungszyklus:ca. 40 %Wie lange dauert diese Behandlung bei den meisten Paaren,bis der Schwangerschaftstest endlich positiv ist?Nicht nur die Hormone oder Gonadotropine,sondern auch die Eileiterbestimmen, ob die Behandlungerfolgreich verläuft. Doch dieÜberprüfung der Eileiter wird oftaufgeschoben. Nur wenn die Eileiterdurchgängig sind, gelangt diebefruchtete Eizelle zur Gebärmutter,wo sich schließlich der Embryoentwickelt. Die Schwangerschaftsratesteigt um 50 %, wenn die Eileitergründlich durchgespült werden.“Seite 17


Wie lange dauert die Behandlung im Schnitt?Meist sind 3 Behandlungszyklen notwendig, bis es zu einerSchwangerschaft kommt. Sie nehmen insgesamt ca. 3Monate Zeit in Anspruch.Risiken & Nebenwirkungen:Kosten:Die Krankenkassen übernehmen die Kostenvollständig und zwar bei jedem Paar.Zu hohe Hormongaben können das Überstimulationssyndromauslösen (und damit Hitzewallungen, Kopfschmerzenund Übelkeit) oder zu Mehrlingsschwangerschaften führen.Um diese Risiken zu vermeiden, verabreichen Ärztemöglichst kleine Hormondosen. Werden dagegen spezielleBotenstoffe (Gonadotropine) gespritzt, treten keineNebenwirkungen auf.Bei manchen Paaren reicht diese Behandlung aus, um denerhofften Erfolg zu erzielen. Andere kombinieren dieHormonstimulation mit weiteren Verfahren, um der Naturauf die Sprünge zu helfen …Seite 18


InseminationBei einigen Paaren wird nicht nur eine Hormonstimulation,sondern im Anschluss daran auch eine Inseminationdurchgeführt. Auch diese Behandlung gehört zu denStandardverfahren der Reproduktionsmedizin: Dabeispritzt der Arzt die Samenzellen direkt in den Körper derFrau, damit sie die Eizelle befruchten. Was kommt auf diePaare bei dieser Behandlung zu?Für welche Patienten kommt dieseBehandlung infrage?Wie funktioniert die Insemination?Die Erfolgsaussichten sind besser, wenn der Inseminationeine Hormonbehandlung vorausgeht. Sie sorgt dafür, dassmehrere Eizellen reifen. Wer Nebenwirkungen vermeidenwill, kann die Hormonbehandlung aber auch weglassen. DieHormonspritze, mit der der Arzt den Eisprung auslöst, istaber meist unumgänglich, damit die im Labor aufbereitetenund gefilterten Spermien die Gebärmutter der Frau zumoptimalen Zeitpunkt erreichen. Über einen Kathetergelangen die Spermien leichter an ihr Ziel, um schließlichdie Eizelle zu befruchten.Ist die Spermienqualität nicht gut genug oder gelangen dieSpermien aus anderen Gründen nicht zur Eizelle, hilft dieInsemination weiter. Dieser Eingriff ist vergleichsweiseeinfach und kostengünstig, aber nicht so erfolgversprechendwie andere Methoden. Deshalb eignet er sich v. a.für jüngere Paare, die noch genügend Zeit haben, mehrereVersuche zu starten, bevor ihre Fruchtbarkeit mit demAlter sinkt.Schwangerschaftsratenpro Behandlungszyklus:8-13 %Bei dieser Behandlung müssen die Paare nur wenige Risikenund Nebenwirkungen in Kauf nehmen …Seite 19


Risiken & Nebenwirkungen:Hormonbehandlungen bergen das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft.Wird die Insemination jedoch ohneHormonbehandlung durchgeführt, gibt es kaum Risiken.Der schmerzlose Eingriff führt nur selten zu Infektionen(bei < 1 % der Frauen).Dr. med. Robert EmigGynäkologe, ReproduktionsmedizinWie lange dauert die Behandlung im Schnitt?Während der Behandlung müssen diePaare etwa 4 - 5 Mal im Monat insKinderwunschzentrum. Das ist zwaraufwendig, aber es lohnt sich. Dennwer sich genug Zeit nimmt, erzieltbessere Ergebnisse und bleibtgelassener.“Nach vier bis sechs Behandlungen, die jeweils einen Monatin Anspruch nehmen, sollte der erhoffte Erfolg eintreten.Wenn nicht, gibt es weitere Alternativen, um den Kinderwunschdoch noch zu erfüllen.Kosten:Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bei Ehepaaren50 % der Kosten, wenn die Frau zwischen 25 und 39und der Mann unter 50 Jahre alt ist. Dann müssen die Paarepro Behandlung noch 100 – 350 Euro zuzahlen. Selbstzahlermüssen mit 350 – 800 Euro pro Behandlungszyklusrechnen, während private Versicherungen die Kostenkomplett übernehmen.Paare, die nach mehreren Inseminationen noch auf ihrWunschkind warten, können auch eine IVF durchführenlassen. Oft wenden Reproduktionsmediziner dieses Verfahrenauch gleich zu Beginn an, da die Erfolgsaussichtenbesser sind.Seite 20


In-Vitro-Fertilisation (IVF)Um den Kinderwunsch zu erfüllen, vertrauen viele Paare aufdie IVF, auch „künstliche Befruchtung“ genannt. Die IVF sorgtdafür, dass Ei- und Samenzelle im Reagenzglas zusammenfinden.Das könnte der Beginn neuen Lebens sein …Für welche Patienten kommt dieseBehandlung infrage?Ärzte raten zur IVF, wenn Probleme mit den Eileitern oderder Spermienqualität vorliegen oder keine Gründe für dieUnfruchtbarkeit des Paares festgestellt wurden.Wie funktioniert die IVF?Zuerst untersucht der Arzt die Samenzellen, um dieSpermienqualität festzustellen. Ist alles in Ordnung, führtder Arzt meistens eine Hormonbehandlung bei der Fraudurch. Dadurch reifen mehrere Eizellen, was die Chanceauf eine Schwangerschaft erhöht. Nach dem Eisprungentnimmt der Arzt mehrere Eizellen aus den Eierstöcken,um sie mit den aufbereiteten Spermien des Manneszusammenzubringen. Bis zu drei Embryonen setzt der Arztdann in die Gebärmutter ein.Schwangerschaftsraten proBehandlungszyklus:ca. 30 %Achtung: Die Schwangerschaftsratensinken mit dem Alter! Außerdem istnicht jede erfolgreich eingeleiteteSchwangerschaft mit der Geburt einesKindes verbunden …Seite 21


Risiken & Nebenwirkungen:Nach einer IVF bringen rund 20 - 25 % der Frauen Zwillingezur Welt. Rund 15 - 20 % erleiden außerdem Fehlgeburten,was allerdings nicht auf die IVF, sondern auf individuelleRisikofaktoren wie das fortgeschrittene Alter der Patientinnenzurückzuführen ist. In Ausnahmefällen können auchEileiterschwangerschaften oder Blutungen sowie Verletzungender Organe vorkommen.Frauen spüren vor und nach der Eizellenentnahme häufigein Ziehen im Unterbauch. Die Eizellenentnahme selbst istjedoch nicht schmerzhaft, da sie unter Narkose durchgeführtwird.Wie lange dauert die IVF-Behandlungim Schnitt?Prof. Dr. med. MonikaBals-Pratsch, M.Sc.Gynäkologin, ReproduktionsmedizinerinFrauen mit familiär bekannterZuckerkrankheit oder Risikofaktoren(Übergewicht, > 35) leiden häufigschon beim Schwangerschaftstestunter Schwangerschaftszucker.Leider bleibt diese Erkrankung meistunbemerkt. Werden diese Patientinnenzuvor aber mit einem Stoffwechselpräparatbehandelt, sinkt dasRisiko einer Fehlgeburt – und dieChance, doch noch auf natürlichemWeg schwanger zu werden, steigt.“Meist werden 2 - 3 Zyklen benötigt, bis es zu einerSchwangerschaft kommt oder Alternativen diskutiertwerden. Die Behandlungszyklen können sich über1 - 2 Jahre hinziehen.Eine Variante der IVF: IntrazytoplasmatischeSpermieninjektion (ICSI)Kosten:Wie bei der Insemination übernehmen die gesetzlichenKrankenkassen bei jüngeren Ehepaaren 50 % der Kosten.Dann bleibt den Patienten ein Selbstkostenanteil von ca.1.500 Euro. Privatversicherte können mit einer vollständigenKostenerstattung rechnen, während auf Selbstzahlerrund 4.000 Euro zukommen.Wenn die IVF erfolglos geblieben oder die Spermienqualitätnicht gut genug ist, ist die ICSI eine Alternative. Dabeihandelt es sich um eine besondere Form der IVF, bei der eineeinzelne Samenzelle gezielt in eine Eizelle injiziert wird. DieErfolgschancen liegen durchschnittlich bei ca. 28 % proBehandlungszyklus. Jede fünfte Frau erleidet aufgrundindividueller Risikofaktoren eine Fehlgeburt. Kassenpatientenmüssen mit einem Eigenanteil von rund 1.700 Eurorechnen, auf Selbstzahler kommen bis zu 6.000 Euro zu.Die meisten Paare, die ihren Kinderwunsch in die Händeerfahrener Reproduktionsmediziner legen, erwartet imKinderwunschzentrum eine Hormonstimulation, eineInsemination und/oder eine IVF. Oft sind mehrere Behandlungszyklennotwendig, um der Natur auf die Sprünge zuhelfen. Doch es gibt noch weitere Verfahren, die denKinderwunsch erfüllen können …Seite 22


Weitere Möglichkeiten derReproduktionsmedizinJe nach Diagnose macht es bei manchen Paaren Sinn, aufselten angewendete Behandlungsmethoden zu setzen, umeine Schwangerschaft herbeizuführen. Manchmal sind dieseVerfahren auch die letzte Hoffnung auf Nachwuchs. WelcheMöglichkeiten bleiben Paaren, für die Standardverfahrennicht (mehr) infrage kommen?EmbryonenspendeIn-Vitro-Maturation (IVM)Die In-Vitro-Maturation ist ein sehr neues Verfahren.Es wird selten durchgeführt, u. a. bei Frauen mit PCO-Syndrom, Thrombosegefahr oder defekten Eierstöcken.Um eine Befruchtung herbeizuführen, entnimmt der Arztunreife Eizellen, lässt sie im Reagenzglas nachreifen undbringt sie dann entweder direkt mit der Samenzellezusammen (wie bei der IVF) oder spritzt die Samenzelle indie Eizelle (wie bei der ICSI). Die Erfolgschancen sindallerdings mit 10 – 15 % pro Behandlungszyklus rechtniedrig, die Kosten sind dagegen hoch. Die Krankenkassesteuert jedoch 50 % der Kosten bei.Sind IVF-Behandlungen mehrmals fehlgeschlagen underscheint eine Weiterbehandlung nicht erfolgversprechend,gibt es für diese Paare nur noch wenige Alternativen. Beieiner Embryonenspende stammen die Embryonen vonanderen Paaren, die selbst eine IVF durchgeführt haben undkeine weiteren Kinder möchten. Die Embryonenspende istallerdings nicht in allen Ländern erlaubt.OperationenNur selten greifen Reproduktionsmediziner zum Operationsbesteck,um einer Schwangerschaft nachzuhelfen. Operationendienen dazu, die natürliche Fruchtbarkeit wiederherzustellen,verschlossene Eileiter oder Samenwege zu öffnenund größere Verwachsungen im Bauch zu entfernen. SolcheOperationen führen jedoch nur bei jeder fünften Frau zumErfolg. Deshalb macht dieses Verfahren vor allem bei Frauenunter 35 Sinn, da sie noch mehr Zeit haben, sich ihrenKinderwunsch zu erfüllen.Viele Paare können sich nach einer Kinderwunschbehandlungauf Nachwuchs freuen. Doch ist der erhoffte Erfolgausgeblieben oder erscheinen sanfte Alternativenattraktiver, kommt die Naturheilkunde ins Spiel.Seite 23


Der sanfte Weg zum Kind?Mit Naturheilkunde Geist,Körper und FruchtbarkeitstärkenZwei Ansätze, ein Ziel: Sowohl Schulmedizin als auchNaturheilkunde wollen den Menschen heilen. Doch beideFachrichtungen nähern sich diesem Ziel aus ganz unterschiedlichenRichtungen. Die Schulmedizin versteht es,Störungen einzelner Organfunktionen zu therapieren.Alternative Heilverfahren stellen dagegen die Behandlungdes gesamten Organismus in den Vordergrund und stärkendie Selbstheilungskräfte. Was heißt das für die Kinderwunschbehandlung?Während die Schulmedizin alles tut, um Ei- und Samenzellezusammenzubringen und so eine Befruchtung herbeizuführen,unterstützt die Naturheilkunde den ganzenOrganismus, damit er seine Aufgaben selbst erfüllen kann.Nicht nur die Unfruchtbarkeit wird behandelt, sondern alleStörungen, die damit zusammenhängen können. Dabeispielen auch die Lebensumstände des Menschen eine Rolle.Schulmedizin und Naturheilkunde könnten sich gutergänzen, um den Menschen bestmöglich zu helfen. Dochfällt es manchmal schwer, die Herangehensweise deranderen Disziplin anzuerkennen. So bemängeln Schulmediziner,dass es kaum wissenschaftliche Belege für dieWirksamkeit der Naturheilverfahren gibt, währendHeilpraktiker die Nebenwirkungen vieler schulmedizinischerBehandlungen kritisieren. Und so bleibt den Patientennur eine Möglichkeit: sich gut zu informieren und dannselbst zu entscheiden, welchen Weg sie einschlagenmöchten.PflanzenheilkundeTraditionelle Chinesische MedizinHomöopathieSeite 24


PflanzenheilkundeRichtig angewendet, stärken Kräutertees auf sanfte Art undWeise die Fruchtbarkeit. Deshalb setzen viele Frauen auf diePflanzenheilkunde – z. B. als Begleittherapie oder auch vordem ersten Arztbesuch.Seit jeher helfen Heilpflanzen bei der Behandlung zahlreicherKrankheiten. Dieses überlieferte Wissen wird heute noch inder Volksheilkunde genutzt, wobei die Heilkraft der Pflanzenauch Forschungsgegenstand der Wissenschaft geworden ist.Doch wie helfen Kräuter, schwanger zu werden?Für welche Patienten kommt dieseBehandlung infrage?Wie wirken Pflanzen?Viele Heilkräuter stärken die Fruchtbarkeit: Sie fördern denEisprung und helfen der befruchteten Eizelle, sich in dieGebärmutter einzunisten. Aber sie unterstützen auch dieNerven.Kräutertees stärken den ganzen Organismus, dienen abervor allem der Behandlung von Zyklusproblemen. Sie könnenvor, während oder nach der schulmedizinischen Behandlungeingesetzt werden.Tipps für die Teezubereitung:Gerrit Ulrike SchrammHeilpraktikerinFrauenmantel, Schafgarbe undMönchspfeffer sind die Klassikerunter den hormonregulierendenPflanzen. Rosmarin durchwärmt undwirkt Blutarmut entgegen, Melisseberuhigt, Lavendel stärkt die Nerven,Brennnessel leitet aus und entgiftet.Mit Kräutermischungen tun sich alleFrauen etwas Gutes.“Frauen, die sich mit Heilkräutern auskennen, können ihreTeemischungen selbst zubereiten. Mischen Sie für die ersteZyklushälfte jeweils drei Gramm Rosmarin, Beifuß, Himbeerblätter,Holunderblätter und Frauenmantel. Nach demEisprung sind dagegen Frauenmantel, Schafgarbe, Brennnessel,Mönchspfeffer, Melisse, Lavendel und Rosenblätterzu empfehlen. Trinken Sie drei Tassen am Tag oder nehmenSie Frauenmantel als Urtinktur aus der Apotheke ein.Nebenwirkungen:Die Wirkung der Kräuter ist nicht zu unterschätzen, beirichtiger Anwendung sind jedoch keine Nebenwirkungenzu befürchten.Kräuter werden nicht nur in der europäischenVolksmedizin eingesetzt, sondern auch in derTraditionellen Chinesischen Medizin – u. a. auchdafür, den Kinderwunsch zu erfüllen.Seite 25


Traditionelle Chinesische MedizinNicht selten liebäugeln Paare, die nach einer schulmedizinischenBehandlung immer noch auf ein Kind warten, mit derTCM. Doch was kann sie leisten?Die jahrtausendealte Traditionelle Chinesische Medizin siehtden Menschen als Ganzes. Nicht eine einzelne Erkrankung,sondern Körper und Geist mit all ihren Funktionen stehen imMittelpunkt – auch bei der Kinderwunschbehandlung.Für wen kommt diese Behandlung infrage?Wie läuft die TCM-Behandlung ab?Zuerst findet eine ausführliche Anamnese statt: DerArzt oder Heilpraktiker nimmt eine körperliche Untersuchungund eine chinesische Puls- und Zungendiagnosevor. Danach behandelt er alle Symptome, nicht nur dieUnfruchtbarkeit, u. a. mit Akupunkturnadeln undKräutern. Die Therapie verändert das elektromagnetischeFeld des Menschen, löst Blockaden und wirkt sichpositiv auf die Durchblutung und das Hormonsystemaus. Lösen Hormone den Eisprung regelmäßig aus undwird die Gebärmutter besser durchblutet, steigt dieWahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft.Die TCM kann viele Infertilitätsursachen behandeln, sinddie Patienten aber schon älter oder liegen Begleiterkrankungenvor, ist eine TCM-Behandlung weniger erfolgversprechend.Oft entscheiden sich die Patienten währendoder nach einer schulmedizinischen Therapie für eineTCM-Behandlung, aber auch vorher kann die TCM etwasbewirken.Drs.MMed.Univ. Jens MittelbachHeilpraktikerJede Fertilitätsstörung ist anders.Die Akupunkturpunkte müssenindividuell ausgewählt werden,um das Qi, die Lebensenergie,zu stärken.“Doch gibt es bei dieser Behandlung auch Risiken undNebenwirkungen?Seite 26


Risiken & Nebenwirkungen:Die TCM ist weitgehend nebenwirkungsfrei. Nur inAusnahmefällen treten nach Akupunkturbehandlungenkleine Blutergüsse oder Schmerzen auf.Wie lange dauert die Behandlung imSchnitt?Kosten:Eine Akupunkturbehandlung kostet im Schnitt ca. 800Euro, für die Phytotherapie fallen ca. 400 Euro an.Dauert die Behandlung länger, steigen die Kosten. Ander Finanzierung beteiligen sich manche privateKrankenkassen.In der Regel dauert eine TCM-Behandlung 2 - 3 Monate,sie kann sich je nach Diagnose aber auch in die Längeziehen. Ist nach 6 – 12 Monaten keine Schwangerschafteingetreten, passt der Arzt oder Heilpraktiker dieTherapie an oder sucht nach Alternativen.Nicht nur die TCM ist eine preiswerte und risikoarmeMethode, der Schwangerschaft auf die Sprünge zu helfen.Auch die Homöopathie kann nützlich sein ...Seite 27


HomöopathieDie Homöopathie ist zwar umstritten, doch viele Heilpraktikerschreiben den kleinen weißen Kügelchen große Wirkungenzu. Und so interessieren sich immer mehr Paare für dieMöglichkeiten, mit homöopathischer Unterstützung schwangerzu werden.Homöopathie basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip: EinWirkstoff, der eine Krankheit hervorruft, kann in minimalerDosis zur Heilung ebendieser Krankheit beitragen, indem erdie Selbstheilungskräfte anregt. Doch wie hilft dieserMechanismus beim Schwangerwerden?Für wen kommt diese Behandlung infrage?Homöopathika helfen bei Zyklusproblemen und verbesserndie Spermienqualität. Sie sollten allerdings nicht währendeiner schulmedizinischen Behandlung angewandt werden,da beide Verfahren das Hormonsystem auf unterschiedlicheArt und Weise beeinflussen.Wie wirkt die Homöopathie?Homöopathische Mittel stärken den Zyklus, indem sie denEisprung und die Einnistung der befruchteten Eizelle in derGebärmutter fördern. Sie regulieren das Hormonsystemund unterstützen die Qualität, Quantität und Beweglichkeitder Spermien.Homöopathika wirken allerdings nur, wenn der Arzt,Heilpraktiker oder Homöopath die individuell erfolgversprechendstenMittel in der richtigen Dosierung verabreicht.Auch die Wahl des richtigen Herstellers spielt eineRolle. Deshalb ist es besser, sich vom Profi beraten zulassen.Doch wie lange dauert es, bis die kleinen weißen Kügelchenzum erhofften Erfolg führen?Seite 28


Wie lange dauert die Behandlung?Im Schnitt sind die Patienten 3 - 6 Monate in homöopathischerBehandlung. Sind die Paare schon älter oder liegenGrunderkrankungen vor, kann die Therapie auch längerdauern.Nebenwirkungen:Bei Einnahme der richtigen Homöopathika in der richtigenDosierung sind keine Nebenwirkungen zu erwarten.Kosten:Im Schnitt fallen 400 – 600 Euro an. Die Kosten hängenvon der Behandlungsdauer ab und werden von privatenKrankenkassen und Zusatzversicherungen getragen.Auch Sabine hat naturheilkundliche Verfahren ausprobiert.Welche Erfahrung hat sie damit gemacht?Seite 29


Aus Sabines Nähkästchen:Der lange Weg zumWunschkind (Teil 2)Sabine hat über den Tellerrand geschaut, denn sie warneugierig, was die Naturheilkunde zu bieten hat. „DasGefühl, sich selbst für eine Behandlung zu entscheiden,war großartig“, findet sie. Und so machte sie erste TCM-Erfahrungen: Die Akupunktur fand sie entspannend, auchdie chinesischen Kräuter haben ihr gut getan. Gegen Endeder Behandlung sah ihre Temperaturkurve besser aus, d. h.das Hormonsystem arbeitete vorbildlich. Als sich aberdennoch keine Schwangerschaft einstellte, hörte sie dieinnere Uhr ganz laut ticken. Und zog weitere Schritte inErwägung.Sabine hat sich lange gescheut, ins Kinderwunschzentrumzu gehen. Sie hatte Angst vor den Nebenwirkungen, denHormonen, den Spritzen. „Aber ich habe festgestellt, dasseine IVF nichts Schlimmes ist“, sagt sie. Die vielen Besucheim Kinderwunschzentrum kosteten zwar Zeit, aber Nebenwirkungenhatte sie keine. Auch die Atmosphäre wird sie inguter Erinnerung behalten: Hilfsbereites Personal, professionelleÄrzte. „Man muss nur wissen, worauf man sicheinlässt“, sagt sie. Im Kinderwunschzentrum arbeitenReproduktionsmediziner, die eifrig damit beschäftigt sind,ihren Aufgaben nachzugehen. Da bleibt eben wenig Zeit fürGespräche.Was Sabine schon eher störte, waren die Spritzen. JedenTag musste sie um Punkt 17:30 Uhr zu Hause sein, um sichHormone zu spritzen. Wie soll man abschalten, wenn manjeden Tag gezwungen ist, an die Spritzen und damit auchan den großen Wunsch nach einem Kind zu denken? Garnicht so einfach. Aber es dauerte nur zwei Wochen, bis dieEizellen schließlich entnommen wurden. Nun wartet siegespannt auf das Ergebnis der Behandlung – und wappnetsich vorsichtshalber, um auch mit einem Fehlschlag fertigwerden zu können.Seite 30


Die KinderwunschzeitmeisternViele Paare wissen nicht, woher er kommt. Und doch ist esdas normalste der Welt, sich ein Kind zu wünschen. Wennsich der Kinderwunsch aber Monate, manchmal Jahre nichterfüllt und die Spirale aus Hoffnung und Enttäuschungkein Ende nimmt, versinken die Paare nicht selten imGefühlschaos.Das ist ganz normal, denn wer sich in einer schwierigenLebensphase befindet, negative Emotionen bewältigenund vielleicht sogar auf die Suche nach neuen Lebenskonzeptengehen muss, wird auf die Probe gestellt. Umsobesser, wenn Paare wissen, was auf sie zukommt, welcheWege aus der Krise führen und wer ihnen bei diesemProzess kompetent zur Seite stehen kann.Wenn der Kinderwunsch zurGefühlsachterbahn wirdWege aus der KriseHilfe vom ProfiIn vollen Zügen lebenSeite 31


Wenn der Kinderwunsch zurGefühlsachterbahn wirdHat ein Paar mehrere fehlgeschlagene Kinderwunschbehandlungenhinter sich, erleben Frauen und Männer oft einAuf und Ab unterschiedlichster Gefühle:HoffnungSchuld SchuldGeduldSehnsuchtVorfreudeVersagensangstLiebeVerzweiflungBeziehungsstressHilflosigkeitHoffnungNeidWutNeid HilflosigkeitSehnsuchtWutNatürlich geht es nicht jedem Paar so. Aber besonders beiden 30 Prozent der Paare, die nach einem Behandlungsmarathonohne Kind nach Hause gehen, ist die Enttäuschunggroß. Etwa 40 bis 50 Prozent zeigen Anzeichen einer mildenDepression.Viele Paare trauen sich nicht, mit Freunden oder Angehörigenüber ihre Probleme zu sprechen. Zu intim sind dieGefühle, die für Außenstehende manchmal schwer nachvollziehbarsind. Umso schlimmer ist es, auf Fragen wie „Wolltihr keine Kinder?“ Antworten zu finden. Oder die glücklicheFreundin zu treffen, die sich auf ihr zweites Kind freut. Aberwo Probleme sind, gibt es auch Lösungen …Seite 32


Wege aus der Krise: Wo vielSchatten ist, ist auch viel LichtEs gibt viele Wege aus der Krise, denn jeder geht anders mitschwierigen Situationen um. Doch viele Paare müssendieselben Fallen umgehen, wenn sie die Kinderwunschzeitmeistern wollen. Deshalb hilft ihnen vielleicht der ein oderandere Tipp, eine neue Richtung einzuschlagen.DENKEN:Plan B überlegenDr. Petra ThornDipl.-SozialarbeiterinManche Frauen können zeitweise nur noch an das einedenken: Ein Kind in den Armen zu halten. Besser ist es,dieses Gedankenkarussell zu umgehen und sich schon zuAnfang der Kinderwunschbehandlung gemeinsam mit demPartner einen Plan B zu überlegen: Wie viele Versuche sollenes maximal sein? Wie kann ein Leben ohne Kind oder mitAdoptivkind aussehen? So haben die Paare das Gefühl, dieZügel in der Hand zu halten und selbst Grenzen zu setzen.Zu wissen, dass ein Leben ohne Kindauch erfüllend ist, kann für Kinderwunschpaareeine Entlastung sein.“FÜHLEN:Emotionen zulassenNatürlich ist es gut, nicht in einem Sumpf aus negativenEmotionen zu versinken. Doch genauso wichtig ist es, sieanzuerkennen und ihnen Raum zu geben. Nur dann könnensie sich auflösen, um schließlich echter Hoffnung undechtem Mut Platz zu machen. Vielleicht entwickelt sichsogar Gelassenheit, vielleicht wächst die Persönlichkeit andieser Aufgabe.Wie können sich Mann und Frau dabei gegenseitigunterstützen?Seite 33


REDEN:Das richtige Maß findenMänner nehmen schnell die Rolle des Optimisten an undversuchen, ihre Partnerin aufzubauen. Aber auch ihreÄngste und Zweifel sollten auf den Tisch. Am besten ist es,einen Mittelweg zu finden: Den Kinderwunsch zwar zudiskutieren, aber ohne ein Dauerthema daraus zu machen.Wenn Paare selbst festlegen, wie oft sie über ihren Kinderwunschsprechen möchten, finden sie das individuellrichtige Maß.„Wenn du dein Schicksal nichtändern kannst, ändere deineEinstellung!“(Aus China)HANDELN:Aktiv bleibenWenn auf einmal sämtliche Freunde und Bekannte nur nochvon ihren niedlichen Babys sprechen, fühlen sich Kinderwunschpaareschnell ins Abseits gedrängt. Natürlich solltekeine Freundschaft am Kinderwunsch zerbrechen. Dochmanchen macht es mehr Spaß, sich öfter mit kinderlosenFreunden zu treffen. Ablenkung tut gut, um nicht dauerndgrübelnd zu Hause zu sitzen.Es ist nicht immer leicht, einen Weg aus dem Chaos zufinden. Wer das Gefühl hat, nur noch von Einbahnstraßenumgeben zu sein, oder wer sich die Entscheidung einfachermachen möchte, muss nicht lange nach Hilfe suchen. Wenner weiß, wo er sie findet.Seite 34


Hilfe vom Profi: Wie unabhängigeBerater KinderwunschpaareunterstützenManche Paare erreichen im Lauf der Kinderwunschzeit eineGrenze. Wenn die Gefühlsachterbahn nicht anhält, BeziehungsproblemeÜberhand nehmen und das soziale Umfeldnicht weiterhilft, macht es Sinn, sich einem Profi anzuvertrauen.Aber auch Paare, die generell lernen wollen, mit ihrerSituation besser umzugehen, sind willkommen.Wo finden Paare mit unerfülltemKinderwunsch Hilfe?Beim „Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland“sind alle spezialisierten Berater gelistet.www.bkid.de/beraterinnen-in-ihrer-naehe.htmlWie läuft die Beratung ab?Damit der Berater helfen kann, muss er wissen, an welchemPunkt sich das Paar befindet, welche Behandlungen schonstattgefunden haben und welche Fragen im Vordergrundstehen. Dann nutzt der Berater sein fachliches Wissen, umgemeinsam mit dem Paar individuelle Lösungen zu finden.Viele Paare fragen sich z. B. nach drei gescheiterten Behandlungszyklenim Kinderwunschzentrum, ob sie einen weiterenVersuch aus emotionaler und finanzieller Sicht bewältigenkönnen. Der unabhängige Berater hilft, Gefühle undGedanken zu sortieren und gemeinsam den individuellrichtigen Weg zu finden.Diese spezielle Form der Krisenintervention dauert meistnur 3 – 10 Sitzungen. Das Paar entscheidet selbst, ob undwann eine Folgesitzung stattfindet. GemeinnützigeBeratungsstellen verlangen kein Honorar für ihre Dienste,freiberufliche Berater meist 80 Euro pro Stunde.Aber auch gemeinnützige Vereine wie pro familia und dieArbeiterwohlfahrt bieten Kinderwunschberatungen an.www.profamilia.de/angebote-vor-ort.htmlwww.awo-schwanger.de/beratungsstellen-findenDarüber hinaus haben sich auch einige Beratungsstellenweiterer Vereine und Institutionen auf dieses Themaspezialisiert (z. B. die Caritas, donum vitae, der SozialdienstKatholischer Frauen, die Frauengesundheitszentren und dieSchwangerschaftsberatungsstellen der Landratsämter).www.caritas.de/hilfeundberatung/onlineberatung/schwangerschaftsberatungwww.donumvitae.org/Beratungsstelle_findenwww.skf-zentrale.de/86134.htmlwww.frauengesundheitszentren.de/BV_pub/beratungsthemen/frauengesundheitszentren-in-deutschlandWer sich mit anderen Betroffenen austauschen möchte,findet hier Selbsthilfegruppen vor Ort.www.wunschkind.de/de/fuer-betroffene/hilfsangebote/selbsthilfegruppen/index.htmlWas man in einer professionellen Beratung lernen kann,durfte Sabine am eigenen Leib erfahren …Seite 35


Aus Sabines Nähkästchen:Der lange Weg zumWunschkind (Teil 3)Noch lässt der Nachwuchs auf sich warten. Aber Sabineweiß, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Dochbis dahin muss sie mit dem ein oder anderen Fehlschlagumgehen. Sabine hat Mittel und Wege gefunden, das Bestedaraus zu machen.Sie sprach mit Freunden über ihre Gedanken und Gefühle,wenn ihr gerade danach war, und erfuhr nebenbei, dass sienicht die einzige Frau mit unerfülltem Kinderwunsch ist.Das war eine Erleichterung. „Mit anderen über diesesThema zu sprechen, entlastet auch die Beziehung“,sagt sie.Doch sie hatte auch immer genügend andere Dinge im Kopf,denn sie wollte nicht, dass der Kinderwunsch ihr Lebenbestimmt. Ihr Coach bestätigte sie darin, ihr Leben einfachweiter zu leben. Und eben nicht ständig daran zu denken,dass bald ein Baby da sein könnte. Sie lernte auch, ihremKörper mehr zu vertrauen. Nun ist sie sich sicher: „DerKörper weiß schon, was er tut, und wann die richtige Zeitfür ein Kind gekommen ist. Irgendwann wird es schonklappen – oder eben auch nicht.“ So oder so: Den Spaß amLeben hat sie sich nicht nehmen lassen.Seite 36


In vollen Zügen leben – mit oder ohne KindBei manchen Paaren klappt es ganz schnell, aus dem Kinderwunsch ein Wunschkind zumachen. Bei anderen dauert es etwas länger und erfordert medizinische Unterstützung.Nach vielen vergeblichen Versuchen kommt für manche Paare auch eine Adoptioninfrage. Oder sie finden sich mit einem Leben ohne Kind ab. Und begreifen, dass Kinderlosigkeitkein Makel ist. So oder so:Die Reise geht weiter und hält noch viele Überraschungen bereit.Ein Leben mit Kind ist eine Reise mit Höhen und Tiefen,genauso wie ein Leben ohne Kind. Denn wo viel Licht ist,ist auch viel Schatten – und umgekehrt.Seite 37


QuellenWir bedanken uns für die fachliche Unterstützung bei:Prof. Dr. med. Monika Bals-Pratsch, M.Sc.Kinderwunschzentrum profertilita, Regensburgwww.jameda.de/profil/prof-dr-bals-pratschDr. med. Jörg PuchtaKinderwunschzentrum an der Oper, Münchenwww.jameda.de/profil/dr-joerg-puchtaDr. med. Robert EmigKinderwunschzentrum Mainzwww.jameda.de/profil/dr-robert-emigProf. Dr. med. Claus Schulte-UebbingFrauenarzt, Münchenwww.jameda.de/profil/dr-schulte-uebbingDr. med. Winfried HeinFrauenarzt, Münchenwww.jameda.de/profil/dr-winfried-heinDrs.MMed.Univ. Jens MittelbachHeilpraktiker, Wolkensteinwww.jameda.de/profil/mittelbachGerrit Ulrike SchrammHeilpraktikerin, Gerlingenwww.jameda.de/profil/gerrit-ulrike-schrammDr. Petra ThornDipl.-Sozialarbeiterin, Mörfeldenwww.pthorn.deLiteratur:Herausgeber:König, Uta: Die Fruchtbarkeitsdiät. Südwest, München, 2001.Dr. Marianne Hofbeck, Ursula Illig, Reiner Kllähn: Der Brockhaus.Gesundheit. Wissenmedia GmbH, Gütersloh/München, 2010.www.repromed.dewww.deutsches-ivf-register.dewww.stiftung-kinderwunsch.dejameda GmbHRedakteurin: Jeannette StowasserTel.: 089 / 2000 185 80Fax: 089 / 2000 185 89E-Mail: gesundheit@jameda.dewww.jameda.dewww.facebook.com/jameda.dewww.twitter.com/jameda_deBildquellen:© Eléonore H - Fotolia.com© Olga Lyubkin - Fotolia.com© Yuri Arcurs - Fotolia.com© rgbspace - Fotolia.com© Dudarev Mikhail - Fotolia.comSeite 38

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