Das Wachstum

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Das Wachstum

07.10.2013 DASWACHSTUM Wirtschaft1


10.12.2013 DASWACHSTUM INHALTDer Lauf der DingeIm Februar 2014 droht den USA derStaatsbankrott. Diese Tatsache wird zumgegebenen Zeitpunkt ein gefundenes Fressenfür die Medien und wer genau hinhorcht, kannschon heute die Stimmen derer hören, welchedas ganze Geldsystem wie ein Kartenhaus insich zusammenfallen wähnen.InhaltPolitikDas Kabinett Merkel III will an die Börse S.3TitelstoryUSA im Februar Pleite? Die Wahrheit überSchuldenobergrenze und Staatsschulden. S.8__Obwohl 1923 Deutschland, 1933Neufundland, 1998 Russland, 2001/2002Argentinien und 2012 Belize (ehemals Britisch-Honduras) offiziell zahlungsunfähig wurden,findet man noch heute in diesen LändernWährungen und Zivilisation. DieStaatsschuldenquoten der USA und vonGroßbritannien waren nach dem zweitenWeltkrieg höher als heute und dennochkonnten die betroffenen Regierungen dieVerschuldung wieder auf ein gesundes Maßzurückführen. Die Rede ist von finanziellerRepression.In dieser Ausgabe liegt der Schwerpunkt aufunserem Geldsystem. Dabei kommen nichtnur Befürworter sondern auch Kritiker zuWort. So erläutert Susanne Kablitz,Bundesvorsitzende der Partei der Vernunft(PDV), warum wir den Liberalismus nachHayek brauchen und Andreas Scholz wird ineinem Interview als Kritiker desvorherrschenden Kapitalismus näher auf dieGemeinwohl-Ökonomie eingehen.Die zweite Ausgabe von DAS WACHSTUMunterstreicht unsere Unabhängigkeit und istunsere Gewährleistung für objektivenJournalismus..WirtschaftWenn billiges Geld ein Gesicht hätte… S.12Neuer Gold- und Devisenrausch der Noten… S.16Die Reise der digitalen Währung Bitcoin S.22KarikaturUSA – Der hohle Riese S.25Bitcoin - Kreditkarte 2.0 S.26Große Koalition S.27BörseBig Data kann für den entscheidenden… S.28Aktuelle Marktbetrachtung - Jetzt in Aktien… S.30Erneuerbare EnergienDeutschland weiterhin Spitzenreiter bei der weltweitinstallierten Photovoltaikleistung S.33Geothermie – weltweites Wachstum? S.37InterviewInterview mit Susanne Kablitz - Die Angst vor Deflationist ein von der Politik aufgebauschtes Schreckgespenst.S.40g____Interview mit Christian Felber - einem Verfechter derGemeinwohlökonomie und einem scharfen Kritiker derGlobalisierung S.45Ihr Martin Brosy (Chefredakteur)2


10.12.2013 DASWACHSTUM POLITIKManfred StockDas Kabinett Merkel III will an die BörseIn der Nacht zum 27. November 2013 wurden die zähen Koalitionsverhandlungen zwischenCDU, CSU und SPD zum Abschluss gebracht. Damit hat die Dauer zwischen derBundestagswahl und der Regierungsbildung mit aktuell 78 Tagen (Stand 9.12.2013) einenneuen Rekordwert in der Geschichte der Bundesrepublik erreicht. Das Ergebnis derVerhandlungen ist ein Koalitionsvertrag, der sich auffallend viel mit Themen desFinanzmarktes befasst. Für Verwunderung bei Börsianern sorgte dabei vor allem eineFormulierung. Auf Seite 141 der insgesamt 185 Seiten umfassenden Blättersammlung istzu lesen: „Um Börsengänge für junge, innovative und wachstumsstarkeUnternehmen wieder zu beleben, werden wir die Einführung eines neuenBörsensegments „Markt 2.0“ prüfen“.3


10.12.2013 DASWACHSTUM POLITIKLaut Handelsblatt soll diese Formulierungbei Börsenprofis für allgemeinesSchmunzeln gesorgt haben, da sie sich anden Neuen Markt der Deutschen Börseerinnert fühlten, der 1997 im Zuge derEuphorie um die New Economy nach demVorbild der amerikanischenTechnologiebörse NASDAQ eingerichtetwurde. Wer über seine eigenen Fehlerschmunzelt, kann die Schuld wenigstenskeinem anderen in die Schuhe schieben.Der Neue Markt wurde 1997 nicht von derschwarz-gelben Koalition aus CDU, CSUund FDP (Kabinett Kohl V) eingeführt,sondern von der Deutschen Börse selbst.Der Betrieb von Handelsplattformen,Teilnehmernetzwerken undAbwicklungssystemen für Börsen gehörtzum Kerngeschäft der Deutschen Börse.Das Handelsblatt fragt zu Recht, ob dieneue Regierung nun den Neuen Marktwiederbeleben will und wie eineRegierung beschließen kann, dass einneues Marktsegment an der Börseeingeführt werden soll, wo dieseEntscheidungen doch bislang denBörsenbetreibern unterlagen. Diesemögen nun über den Neuen Marktschmunzeln. Doch zum Lachen war dieseskurzlebige Börsensegment nur in denersten drei Jahren. Danach flossen fastausschließlich Tränen, denn dieKapitalvernichtung von mehr als 200Milliarden Euro war einzigartig in derGeschichte der Deutschen Börse.Fakten und Zahlen zum NeuenMarktDer Start erfolgte am 10. März 1997 mitden Unternehmen Mobilcom (heuteFreenet) und Bertrandt (heute im SDAXgelistet). Ende 1998 sind am Neuen Markt64 Aktien mit einer Marktkapitalisierungvon 26 Milliarden Euro gelistet. Am 1. Juliwird der Index Nemax-50 eingeführt. Ausdem bisherigen Index Nemax wird derNemax All Share. Im zweiten Jahr wageninsgesamt 136 Unternehmen denBörsengang am Neuen Markt. ZumJahresende sind 201 Aktien gelistet, diemit 111 Milliarden Euro bewertet sind. Derdritte Geburtstag am 10. März 2000beschert dem Nemax All Share dasAllzeithoch von 8546,19 Zählern. Er solltedieses Niveau ebenso wenig wiedererreichen wie der Nemax-50, der mit9665,81 Punkten ebenfalls auf einemAllzeithoch notierte. DieMarktkapitalisierung aller 229Unternehmen beträgt inzwischen mehr als234 Milliarden Euro. Mit einem Volumenvon knapp 2,5 Milliarden Euro erfolgt mitT-Online (heute wieder in die DeutscheTelekom integriert) am 17. April 2000 dergrößte Börsengang in der Geschichte desNeuen Markts. Als 300. Unternehmenwird im Juli das Unternehmen GenescanEurope (heute Eurofins Scientific) gelistet.Am 15. September 2000 muss mit Gigabellder erste Nemax-Wert Insolvenzanmelden. Wegen Verstoßes gegen dasRegelwerk wird Gigabell sogar am 23.Februar 2001 ganz vom Börsenhandelausgeschlossen. Im Jahr 2001 und im Jahrdarauf folgen weitere Pleiten. Unteranderem müssen Sunburst Merchandising,Kabel New Media, Biodata InformationTechnology, Brokat Technologies,ComRoad, Metabox, Kinowelt, EM.TV, SZTestsysteme, Bintec und viele mehrInsolvenz anmelden. Am 26. September2002 kündigt die Deutsche Börse das Endedes Neuen Marktes bis Dezember 20034


10.12.2013 DASWACHSTUM POLITIKan. Diese Entscheidung wird späterkorrigiert und das Ende wird auf den 5.Juni 2003 vorgezogen. Letzter Handelstagist der 21. März 2003. Der Nemax-50schließt bei 351 Punkten. Der Nemax-All-Share notiert am Handelsende bei 403Punkten. Schon in seiner Festrede zum 5.Geburtstag des Neuen Marktes am 10.März 2002 kommt der damaligeBörsenchef Werner G. Seifert zu demSchluss: „Die neue moralische Dimensionliegt darin, dass Investoren undArbeitnehmer dazu verführt wurden,Risiken zu akzeptieren, die sie nichtverstanden haben und die sie teilweisenicht wissentlich akzeptieren mussten.Gierige Manager und Geldgeber habenRisiko auf andere Leute abgewälzt, ohnederen informierte Zustimmungeinzuholen, und sie haben damit derenbekannt erscheinende Risikopositionunterminiert."Die Wiedereinführung eines solchenMarktes kann sich natürlich niemandwünschen. Es stellt sich die Frage, welcheMotivation die künftige Regierung zu deroben zitierten Formulierung getrieben hat.Sicherlich würden es viele Expertenbegrüßen, wenn der Venturecapital-Standort Deutschland attraktiver gestaltetwerden würde. Lag die Zahl derFirmengründungen im Jahr 2002 noch bei670.000, wagten 2012 nur noch 315.000Firmengründer den Schritt in dieSelbstständigkeit. Diese Entwicklung wirdvon Wirtschaftspolitikern mit großer Sorgebetrachtet. Für diese sind dieExistenzgründer von heute derMittelstand von morgen. Noch immer giltin der Bundesrepublik der Mangel anWagniskapital als Hauptbremse für dieGründung von IT-Unternehmen. DieEinführung eines neuen Börsensegments„Markt 2.0“ böte jungen, innovativenUnternehmen die Möglichkeit, leichter anKapital zu kommen. Ein gestärkter undinternationalisierter IT-Mittelstand hättedann weitaus bessere Chancen, dasinnovative, kreative und wachstumsstarkePotenzial Deutschlands in diesem Bereicheffektiv umzusetzen. In der Vergangenheitscheiterte die Wettbewerbsfähigkeitkleiner und mittlerer IT-Unternehmenstets am Mangel an Kapital. Deshalb istdie von der künftigen Regierungvorgesehene Schaffung modernerZugänge zu Finanzierungen wie VentureCapital, Crowdfunding oder auch einenMarkt 2.0 ausdrücklich zu begrüßen. Wiedas genau vonstattengehen soll,verschweigt der Koalitionsvertragallerdings.Mögliches Szenario derEinführung eines „Markt 2.0“durch die RegierungEine zentrale Funktion für die Einführungeines neuen Börsensegments könnte dieBundesanstalt fürFinanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)erhalten. Damit die Fehler von 1997 nichtwiederholt werden, ist es wichtig, „imEinklang mit europäischen Vorgaben denVertrieb komplexer und intransparenterFinanzprodukte zu beschränken oder zuverbieten, sofern diese dieFinanzmarktstabilität gefährden oderunverhältnismäßig hohe Risiken fürAnleger bergen“. Von der neuenBundesregierung ist deshalb geplant, derBaFin „den kollektiven Schutz derVerbraucher als wichtiges Ziel ihrer5


10.12.2013 DASWACHSTUM POLITIKAufsichtstätigkeit“ zu übertragen. Anlegermüssen sich darauf verlassen können, dassder Handel mit den Wertpapieren einesbestimmten Segments und auch dieFinanzberichte des Emittentenbestimmten Qualitätsansprüchengenügen. Betrugsfälle wie die desComRoad-Gründers Bodo Schnabel, deralle gemeldeten Umsatzzahlen nur fingierthatte, dürfen sich nicht wiederholen.Aktuell unterliegt es der Deutschen Börse,neue Segmente zu betreiben, einzuführenoder zu beenden. Dabei hat sie es sich zurAufgabe gemacht, die Transparenz an denglobalen Kapitalmärkten so hoch wiemöglich zu gestalten. Als ständiges Organkontrolliert dieHandelsüberwachungsstelle (HÜSt) denHandel und dieBörsengeschäftsabwicklung. Nach § 7 Abs.1 des Deutschen Börsengesetzes gehört eszu ihrem gesetzlichen Auftrag, Daten überden Börsenhandel und dieBörsengeschäftsabwicklung systematischund lückenlos zu erfassen undauszuwerten sowie notwendigeErmittlungen durchzuführen. Dasbeinhaltet ebenso die Beobachtung derPreisfeststellung wie die Kontrolle desVerhaltens der Handelsteilnehmer, sowiedie Einhaltung der Regelwerke,börsenrechtlicher Vorschriften undAnordnungen. Dadurch kann die Börseeinen ordnungsgemäßen Handelgarantieren.Die künftige Bundesregierung plant nunoffenbar gravierende Änderungen.Vielerorts soll künftig stärker reguliertwerden. "Indem wir der Spekulation klareSchranken setzen", will die GroßeKoalition "die Funktionsfähigkeit undStabilität der Finanzmärkte" verbessern.Der "realwirtschaftlichenDienstleistungsfunktion des Finanzsektorssoll Vorrang vor spekulativen Geschäften"gegeben werden. Beim Neuen Marktzeigte sich, dass die gewähltenQualitätskriterien in keinem oder sogar ineinem umgekehrten Zusammenhang mitder Qualität der entsprechendenUnternehmen standen. Seitdem sind dieZulassungskriterien der privatrechtlichenBörsensegmente umstritten. DieRegierung hat normalerweise nur einMitspracherecht beim gesetzlichenBörsensegment „Regulierter Markt“.Privat-rechtliche Segmente wie„Freiverkehr“ oder die abgeschafftenSegmente „Neuer Markt“ und„Prädikatsmarkt“ waren bisher immerbörsenregulierte Segmente. Hinzu kommt,dass es im Ermessen der Emittenten liegt,zu entscheiden, welches Börsensegmentfür sie infrage kommt. Da dieTransparenzpflichten im ReguliertenMarkt wesentlich höher als im Freiverkehrsind, ist die Wahl eines qualitativ höherenSegments mit höherem Aufwand undhöheren Kosten verbunden.Eine Kompetenzerweiterung der BaFinwürde sicher auf eine ambivalenteAkzeptanz stoßen. Da sich Experten heutedarüber einig sind, dass Spekulation mitRohstoffen Lebensmittel teurer macht undzu Hunger führt, ist die geplanteMaßnahme der Einführung vonPositionslimits auf den Rohstoffmärktensicher begrüßenswert. Eine rigoroseBankenaufsicht und stärkere Trennungvon Investment- und Geschäftsbankenkann ebenfalls Fehlentwicklungen dervergangenen Jahre korrigieren helfen. Eine6


10.12.2013 DASWACHSTUM POLITIKvollständige Kontrolle der Regierung überdie Börse wird aber nicht den Zuspruchder Börsianer finden. Beim Neuen Marktvon 1997 wurden vor allem aufinstitutioneller und behördlicher Seiteunglaublich viele Fehler gemacht. Bankenhatten damals auf eine kritische Prüfungihrer IPO-Klienten viel zu oft verzichtet. Indie Pflicht genommen wurden sie deshalbnicht. Der Einfluss der Regierung solltesich deshalb darauf beschränken, Gesetzezu schaffen, die Manipulationen a la BodoSchnabel härter bestrafen. Bisher warendie deutschen Justizbehörden mit derkomplizierten Materie regelmäßigüberfordert, da hierzulande nicht wie inden USA eine eigene Ausbildung fürStaatsanwälte und Richter zum ThemaFinanzmarkt geschaffen wurde. Es kannnicht Aufgabe der Regierung sein, dieEinführung von Börsensegmenten zuprüfen. Dies sollte den Experten derfreien Wirtschaft obliegen. Als Trostbleibt Anlegern, Börsianern undBankmanagern, dass der Koalitionsvertragnur allgemein gehaltene Vorgaben sind.An konkreten Plänen zur Umsetzung fehltes bisher. Die TAZ nannte den Vertragtreffend Koalitionsprosa, die noch mitstrengen Gesetzen eingelöst werdenmuss. Ob es dazu kommt, kann man demPolitiker von heute nur schwer abnehmen.7


10.12.2013 DASWACHSTUM TITELSTORYMartin BrosyUSA im Februar Pleite? Die Wahrheit überSchuldenobergrenze und Staatsschulden.Mit 81 zu 18 Stimmen im Senat und 285 zu 18 Stimmen im Repräsentantenhaus einigtensich Demokraten und Republikaner vor einigen Wochen auf eine Übergangsfinanzierungund wendeten somit die drohende Zahlungsunfähigkeit der USA ab. Bis Mitte Dezemberhat eine überparteiliche Kommission die Aufgabe, Vorschläge zum langfristigenSchuldenabbau zu erarbeiten. Die Kompromisslösung gewährleistet, dass die VereinigtenStaaten von Amerika bis zum siebenten Februar 2014 liquide bleiben. Danach droht derStaatsbankrott. Wird es im Februar einen Minicrash geben? Welche Auswirkungen hättedie Staatspleite auf die Weltwirtschaft? Warum flutet die Federal Reserve den Markt mitbilligem Geld, während niemand darüber spricht, wie die Schuldenlast von über 17Billionen US-Dollar verringert werden kann? Eine Analyse.Die Schuldenobergrenze:AugenwischereiIm Zuge des Second Liberty Bond Actswurde 1917 die Schuldenobergrenze inden USA eingeführt. In Deutschland gibt esdie Schuldenbremse seit 2011, auf dereuropäischen Ebene gilt das Regelwerkdes Fiskalpakts. Diese Instrumente habeneines gemeinsam: Sie sollen die Politikerzum sparsamen Haushalten animieren. Esdürfte kein Zweifel darin bestehen, dassdies nicht funktioniert, denn die8


10.12.2013 DASWACHSTUM TITELSTORYSchuldengrenze in Amerika wurde bereitsmehr als siebzig Mal angehoben und andie Maastricht-Kriterien halten sich nurwenige europäische Länder. DieGesamtverschuldung Deutschlands liegtbei 82 Prozent des Bruttoinlandproduktes.Erlaubt wäre eine Quote von 60 Prozent.Ursprünglich sollte dieSchuldenobergrenze in den USA dieKosten eindämmen, die durch den Eintrittin den Ersten Weltkrieg entstanden sind.In den Jahren 1941 bis 1945 wurde dieObergrenze auf 300 Milliarden US-Dollarangehoben. In der Nachkriegszeit gab eseine Reduktion auf 275 Milliarden US-Dollar. Bis zum Jahr 1954 änderte sichdaran auch nichts. Zwischen 1954 und1962 wurde die Schuldenobergrenzesiebenmal angehoben und zweimalgesenkt. Danach hielten es die Politikernicht mehr für nötig, etwas an derAusgabenpolitik zu ändern und erhöhtendie Obergrenze Jahr für Jahr. Im Jahr 1971wurde das Limit auf 400 Milliarden US-Dollar erweitert. Bis 1982 blieb dieseGrenze unberührt, obwohl die Schuldenbereits die Eine-Billion-Marke genknackthatten. Es bleibt festzuhalten, dass dieSchuldenobergrenze nichts anderes ist, alsein theoretisches Konstrukt und einStaatsbankrott bei Überschreitung derfestgelegten Marke nicht droht. Vielmehrsetzen Ausgabenkürzungen ein. DerPräsident der Vereinigten Staaten darf alsUltima Ratio gemäß dem 14.Verfassungszusatz eigenmächtig dieSchuldenobergrenze anheben. BarackObama lehnt dies zwar ab, die Möglichkeitbesteht dennoch.Einige halten die drohende Staatspleite fürPanikmache und sprechen sogar vonPropaganda. Die Medien hätten daraneinen nicht unerheblichen Anteil. DieEinnahmen der USA belaufen sichmonatlich auf 200 Millionen US-Dollar. DieKernausgaben in Höhe von 145 MilliardenUS-Dollar können damit problemlosbezahlt werden. Robert Walker bezieht inseiner Rechnung die Zinsen aufStaatsschulden, Medicare und Medicaid,Soldatenlöhne, Kosten für Veteranen undBildungsausgaben ein. Die verbleibenden55 Milliarden US-Dollar können für dieBezahlung es Verwaltungsapparatesaufgewendet werden. Die Auslandshilfenund andere Posten führen dazu, dass dieWeltmacht regelmäßig in Schwierigkeitengerät. Wie so oft in der Politik wird nurüber mangelnde Einnahmen gesprochen,dabei sind die Ausgaben das wirklicheProblem. Kann man von einer RegierungHaushaltsdisziplin erwarten, wenn 43Prozent aller amerikanischen Familienverschuldet sind? Die Pro-Kopf-Verschuldung der US-Haushalte liegt bei75.600 US-Dollar. Es stellt sich die Frage,ob die amerikanische GesellschaftSparsamkeit wieder erlernen muss.Der Chef der Federal Reserve BenBernanke würde die Schuldenobergrenzegerne abschaffen. Für ihn hat die Grenzelediglich einen symbolischen Wert.Zumindest ließ er dies an der UniversitätMichigan verlauten.Dass ein Staat nicht sonderlich gut mitGeld umgehen kann, zeigen zahlreichePrestigeprojekte auf dem gesamtenGlobus, Stichwort: Steuerverschwendung.Die Regierungen sollten vielleicht externeDienstleister zu Rat ziehen, denn häufigwissen diese deutlich besser mit Geldumzugehen. Das Schuldenproblem ist9


10.12.2013 DASWACHSTUM TITELSTORYnoch lange nicht gelöst, wobei dieNotenbanken alles daran setzen, dieVerschuldungsquoten zu senken.Der Entschuldungsprozessfindet stattIn den USA, Japan und Europa sind dieNotenbanken zu jedem Schritt bereit.Längst geht es nicht mehr um MilliardenUS-Dollar, sondern um Billionen. Um dieExporte zu steigern, schwächen diejeweiligen Volkswirtschaften gezielt dieeigene Währung. In Japan soll in dennächsten zwei Jahren die Geldmenge um1,4 Billionen US-Dollar steigen. DieZentralbank kauft dafür neben Anleihenauch Immobilienfonds und Aktien-ETFsauf. Lägen die japanischen Schulden beiausländischen Investoren über fünfProzent, wäre das Land unlängstkollabiert. Doch warum wird der Marktförmlich mit Liquidität geflutet?Die Federal Reserve kauft monatlichStaatsanleihen im Wert von 85 MilliardenUS-Dollar auf und von einer Drosslungkann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichtdie Rede sein. Durch die Anleihekäufe wirddas Angebot nach Staatspapierenverknappt und folglich steigt der Kurs derAnleihe. Ein steigender Kurs impliziertsinkende Zinsen. Die Geschäftsbankenerhalten für die verkauften PapiereKredite in Höhe des Anleihekurses undgeben dieses an die Unternehmen undprivaten Haushalte weiter. Außerdemkönnen sie das Geld bei der FED parkenoder Aktien und andere Wertpapiere aufeigene Rechnung kaufen. Jens Erhardtbeziffert die Korrelation zwischensteigenden Aktienmärkten und demfrischen Geld von der Notenbank auf 90Prozent. Das billige Geld imZusammenhang mit dem niedrigenLeitzins sorgt für eine Entschuldung desStaatshaushaltes zu Lasten des Sparers.Der schleichende Sparverlust wird auch als„finanzielle Repression“ bezeichnet.Die Zinsen werden künstlich niedriggehalten und inflationäre Tendenzendadurch provoziert. Steigende Preisesorgen für eine Verringerung derKaufkraft. Das Steueraufkommen nimmtebenfalls zu, denn wenn sich dasDurchschnittseinkommen nominal erhöht,steigen die Steuereinnahmen. Der Bürgerwird folglich mehrfach amEntschuldungsprozess beteiligt.Mit Basel III für Banken und Solvency II fürVersicherungen wird der Kauf voneuropäischen Staatsanleihen besondersattraktiv, denn diese müssen nicht mitEigenkapital unterlegt werden. Das führtzu einem Nachfrageanstieg nachStaatspapieren und somit zu einerSenkung des Zinses. Dass finanzielleRepression funktioniert, lässt sich amBeispiel von Großbritannien und den USAgut erkennen. Nach dem zweitenWeltkrieg betrug die VerschuldungsquoteGroßbritanniens 240 Prozent derWirtschaftsleistung. In den achtzigerJahren konnte diese auf 50 Prozentreduziert werden. Die USA hatten eineSchuldenquote von 180 Prozent des BIPs.Als Instrument der finanziellen Repressionhaben die USA bis 1974 das Halten vonGold als sicheren Hafen verboten und werdennoch welches besaß, musste es zumFixpreis an den Staat verkaufen. StrengeKapitalverkehrskontrollen sorgten dafür,dass das Geld nicht ins Ausland10


10.12.2013 DASWACHSTUM TITELSTORYtransferiert wurde und es wurdenZinsobergrenzen für Bankeinlageneingeführt. Zwischen 1946 und 1949 lagder Langfristzins bei 3,5 Prozent und dieInflation betrug zehn Prozent im Jahr. Bisder Sparer merkte was geschah, war esbereits zu spät.Die USA und Europa haben erkannt, dassdie Schulden der einzelnen Staatenexorbitant angestiegen sind. Unter demVorwand, die Konjunktur anzukurbeln, dieArbeitslosigkeit zu bekämpfen und eineDeflation zu verhindern, entledigen sichdie Staaten ihrer Schulden. Für denAnleger ist diese Phase zwar nichtattraktiv, aber dies kümmert die Staatennatürlich nicht. Damit der Bürger nichtsvon der finanziellen Repressionmitbekommt wird öffentlich über diePrägung einer Eine-Billion-US-Dollar-Münze aus Platin und den Verkauf vonFort Knoxx debattiert. Die Notenbankensollen bereits bei der letzten Anhebungder Schuldenobergrenze Notfallpläne füreine mögliche Pleite der USA geschmiedethaben. Da kann der Bürger ja nichtsanderes glauben, als dass es den USAwirklich sehr schlecht geht.Kommt es im Februar zumCrash?Kritiker sehen den Kollaps desZinseszinssystems voraus undargumentieren mit den steigendenStaatsverschuldungsquoten. Diefinanzielle Repression ermöglicht esStaaten, sich auf Kosten der Bürger übereinen längeren Zeitraum zu entschulden.Ein Abbau der Staatsschulden ist demnachnicht ausgeschlossen. Nüchtern betrachtetist zu erwarten, dass die medialePankimache vor einer Erhöhung derStaatsschuldenobergrenze unbegründetist. Am siebenten Februar wird es keinenapokalyptischen Weltuntergang geben.Die Abgeordneten im Kongress würdensich damit ins eigene Fleisch schneiden,denn immerhin sind 261 von ihnenMillionäre und investieren ihr Geld an deninternationalen Finanzmärkten.Anleger sollten sich im Februar aber auffallende Aktienkurse einstellen, denn dieWahrscheinlichkeit einer Kurskorrektur istrelativ hoch: Als im Februar 2010 dieSchuldenobergrenze von 12,4 BillionenUS-Dollar auf 14,3 Billionen US-Dollarerhöht wurde, stürzte der DAX von über6.000 Punkte im Januar auf unter 5.600Punkte bis Mitte Februar ab. Im August2011 konnte der Haushaltsstreit zwischenDemokraten und Republikanern beigelegtwerden. Die Börsen konsolidierten indieser Zeit und während der Einigung fielder DAX bis in den September von über7.000 Punkten auf zeitweise unter 5.000Punkte.Fallende Kurse können zum Einstieg inWertpapiere genutzt werden, dennsolange die Notenbanken die Märkte mitGeld vollpumpen, wird es weiter genNorden gehen. Früher oder später wird eseine große Korrektur in den Indizes geben.Solange können Anleger aber noch aufsteigende Kurse spekulieren. Wie heißt esso schön: „Tanzen, solange die Musikspielt.“11


10.12.2013 DASWACHSTUM WIRTSCHAFTSusanne KablitzWenn billiges Geld ein Gesicht hätte…… mit welchem Ausdruck würde es uns wohl ansehen? Würde es uns auslachen, unsanlachen, uns mitleidig betrachten, belustigt oder hochmütig daherkommen, würdevollund stolz wirken, beschämt und peinlich berührt, glücklich oder traurig, möglicherweiseängstlich oder eher beleidigt und stinksauer, vielleicht auch überfordert und ratlos, mehrverzweifelt und vom Missbrauch gezeichnet oder absolut begeistert und voller Euphorie,panisch, müde und mit verquollenen Augen oder hellwach?Nun, ich denke, es kommt darauf an, obSie das Antlitz eines Lloyd Blankfein oderJörg Asmussen tragen, Christine Lagardeoder Angela Merkel heißen, als PeerSteinbrück oder Josef Ackermann durchdas Leben schreiten oder ob LieschenMüller in Ihrem Ausweis steht, die inwenigen Jahren in Rente geht. Auch dasGesicht Peterchen Meier´s, der ein paarPenunzen auf seinem Sparbuch anspart,um sich in einigen Jahren etwas leisten zukönnen oder eben Fredchen Schmidt, dermit unerschütterlichem Vertrauen an dieUnverwüstlichkeit seinerLebensversicherung glaubt, dürften andersaus der Wäsche schauen als nahezu alle,12


10.12.2013 DASWACHSTUM WIRTSCHAFTdie für uns in jeder Beziehungselbstverständlich nur das Beste wollen.Klären wir zunächst einmal, dass Geld inerster Linie ein von der Allgemeinheitakzeptiertes Tauschmittel ist, was denHandel unter den Menschen enormerleichtert. Als man noch den ganzen Tagmit der störrischen Ziege durch die Weltmarschieren musste, um sie gegen einenoch viel störrischere Kuh zu tauschen,waren zum einen äußerst beschwerlicheZeiten und zum anderen auch rechtstreitträchtig, wenn man sich nicht einigenkonnte, wie viel Ziege dementsprechenden Anteil Kuh entsprach. Sowurde das Geld in Umlauf gebracht, dassdie jeweiligen Tauschprozesse erleichternund dem Gerücht, dass der Mensch einintelligentes Wesen sein soll, durchausRechnung getragen hat. Dieses Gerüchtkonnte in der Zwischenzeit aus der Weltgeschafft werden.Zu Beginn der Zeit war das Geld ein reinesSachgeld. Es fußte auf der Grundlage, dassdie beteiligten Personen - bevor sie es zumZwecke des Tauschs einsetzten - zuerstdafür arbeiteten, es dann ansparten underst in Folge für Konsumbedürfnisse oderInvestitionen nutzten. Das waren imwahrsten Sinne des Wortes goldeneZeiten. Von diesen Zeiten haben wir unsvollständig verabschiedet. In unserenheutigen Zeiten ist das, was wir als Geldbezeichnen, in niederträchtigster Weisenur noch eine Fratze. DieVerhältnismäßigkeiten sind in Billionenvon Euros, Dollars und Yens vollkommenuntergegangen, wir haben den Überblickverloren und daran ändert sich auchnichts, wenn uns die Regierungen auf derganzen Welt erklären, dass sie die Dinge„im Griff“ haben. Gar nichts haben sie, siesind absolut rat- und vor allem hilflos.Regierungen sprechen vom Sparen undverwechseln dies mit dem Kürzen vonAusgaben. Gespart hat keine einzige unddas schon seit Jahrzehnten nicht mehr,denn Sparen ist nichts anderes als etwasnicht auszugeben, was man hat. Davonsind sie aber meilenweit entfernt. DasEinzige, was wir haben, sind Schulden. Dasist aber nichts, was man „hat“ sonderndas, was man anderen schuldet, also das,was andere haben. Diese simple Tatscheist zu den Herrschaften nur noch nichtdurchgedrungen.In 2012 haben die 27 Regierungen der EU-Staaten rund 520 Milliarden Euro mehrausgegeben als sie eingenommen haben.Da vom Sparen zu sprechen ist eine Farceund eine bodenlose Unverschämtheit. Dieweltweite Gesamtverschuldung liegt beirund 250 % des Bruttoinlandsprodukts (inoffiziellen Zahlen) – komisch, oder? Wostünde denn die Welt, wenn wir noch vielmehr gespart hätten?Wenn Sie einen ganz erheiterndenMoment erleben wollen, gehen Sie dochmal zu Ihrer Bank und sagen dort, dass Sieja schon 20.000 € Schulden „haben“, imPrinzip vollkommen bankrott sind , Sie nurdeshalb überleben, weil ihre Familie undFreunde ihren Lebensunterhalt und IhreRechnungen bezahlen, sich daranaufgrund Ihrer mangelhaftenKompetenzen auch in absehbarer Zeitnichts ändern, aber alles sehr viel besseraussehen wird, wenn er IhrenKreditrahmen erhöht. Damit wären siesofort wieder zahlungskräftig und dieProblematik gelöst. Es dürfte schwer13


10.12.2013 DASWACHSTUM WIRTSCHAFTwerden, den Kreditrahmen noch langenutzen zu „dürfen“.Nun wird der ein oder andere einwenden,dass man den Privatmenschen, der mitseinem eigenen Geld im Feuer steht nichtmit dem Volkvertreter vergleichen kann,der mit dem Steuergeld anderer Leutehaftet. Da haben diese Menschen Recht.Die zweite Variante ist wesentlichunmoralischer!Vor einigen Wochen wurden 10 MilliardenEuro nach Zypern überwiesen. 10Milliarden Euro für Zypern entsprechen2,6 Billionen Euro unsererWirtschaftskraft. Dieser Irrsinn ist mitWorten nicht mehr zu beschreiben.Griechenland hat seit Ausbruch dervermeintlichen Finanzkrise die Löhne imöffentlichen Dienst um rund 30 %angehoben. Alles finanziert mit billigemGeld, das in Strömen floss. Kein Gedankedaran, dass der zu zahlende Zins in denmeisten Ländern nur aufgrund der völligenFehlkonstruktion des Euros so niedrig warund in keinerlei Hinsicht den tatsächlichenwirtschaftlichen Rahmenbedingungenentsprach. Immer raus damit,irgendjemand wird schon dafür geradestehen.Ludwig Erhard (1897 – 1977), der zweiteBundeskanzler der BundesrepublikDeutschland (und einer der wenigenLichtblicke, wenn man die Vergangenheitbetrachtet) hat als ausgebildeterWirtschaftsfachmann sehr treffendbemerkt, dass jede Ausgabe des Staatesauf einem Verzicht des Volkes beruht.Jeder Cent, der an Schulden aufgetürmtund nicht für nachhaltige und sinnvolleInvestitionen genutzt wird, ist ein Verratan der Zukunft und kann mit überhauptgar nichts gerechtfertigt werden.Diese enormen Schulden sorgen dafür,dass wir – sollte der zu zahlende Zins nurum ein jämmerliches Prozentpünktchensteigen – faktisch mausetot sind. Derzeitsind wir bei fast 0 % angekommen, vielweniger kann es nicht werden. DieseMinizinsen wirken sich auf definitiv alleklassischen Sparvorgänge der „normalen“Menschen in einem den meisten nochnicht bewussten, aber dafür umsobrutaleren Ausmaß negativ aus.Für jede Regierung der Welt ist dieNiedrigzinspolitik ein Geschenk desHimmels, sorgfältig über viele Jahre durchihre bürgerverachtende Politik vorbereitetund mit der Hilfe ihrer Freunde undPartner aus den Reihen der Hochfinanzund der Großkonzerne, die sich über vieleJahre durch Privilegien und Subventionengegenüber anderen Marktteilnehmern eindickes, jeden harten Winterüberstehendes Polster anfressen konnten,ausgeführt.In dieser Konstellation ergibt sich eineunfassbar gnadenlose Enteignung, die dasWort „Umverteilung“ ganz neu definiert.Um diesem Irrsinn dann noch den letztenhinterlistigen Todesstoß zu versetzen, wirddie ganze fiese Nummer als Kapitalismusverkauft, den es unbedingt zu bändigengilt. Diese Begriffspervertierungermöglicht auf unfassbare dreiste Weise,dass nach noch mehr Gesetzen undVorschriften geschrien wird und dieBevölkerung sich selbst den Hals umdreht.Ein perfides Spiel, dass dazu führt, dasssich demnächst jeder, der über 60.000Euro im Jahr verdient und ganz bedeutend14


10.12.2013 DASWACHSTUM WIRTSCHAFTzum Wohlstand dieses Landes beiträgt, als„Reicher“ so lange finanziell und moralischgejagt wird bis er freiwillig entweder allseine Errungenschaften abgibt oder aberdemoralisiert das Weite sucht, nur umeinem unrettbaren System den Dienst zuerweisen.Das nicht gedeckte Papiergeld, das nunauch noch so popelig billig ist, sorgt danndafür, dass wir nicht nur für die Musikzahlen, sondern den Saal auch noch bisauf den letzten Krümel aufräumenmüssen. Diese Räuberbande bringt sogarden Teufel zum Weinen.Das nicht gedeckte Papiergeld galt langeZeit als Garant für Wohlstand. Nun zeigtsich, und wir stehen hier noch ganz amAnfang, dass wir lange getanzt haben -nach der x-ten „Krise“, die in Wahrheit nureine Aneinanderreihung von ständigen„Krisen“ ist – müssen wir für die Musikbezahlen.15


10.12.2013 DASWACHSTUM WIRTSCHAFTMichael KrabsNeuer Gold- und Devisenrausch derNotenbankenViele Notenbanken stocken ihre Gold- und Devisenvorräte derzeit deutlich auf. Warum dasso ist und warum es hierfür sehr verschiedene Ursachen gibt, erläutert Michael Krabs,Hononardozent für Volkswirtschaftslehre, Internationales Management, EuropäischeWirtschaftspolitik und Finanzdienstleistungen.Wir bewahren es unter Kissen, in Sockenund Tresoren oder als digitale Informationauf den Bankservern. Unser Geld. Hortenmacht Sinn, so lange das Vertrauen bleibt.Das ist der Clou: So lange wir daranglauben, dass der Wert des Geldes - egalob Zahl auf dem Kontoausdruck oder inPapierform - erhalten bleibt, bleibt er es16


10.12.2013 DASWACHSTUM WIRTSCHAFTauch. Der Geldwert, eine sich selbsterfüllende Prophezeiung der Stabilität?Nicht ganz. Es gibt eine Institution, die fürdas Vertrauen gewissenhaft arbeitenmuss: Die Zentralbank.Was sind 10 Euro wert? Drei Kaffee inHamburg, zwei in Kopenhagen und einerin der City von London? Alles noch imRahmen! Aber ein Cappuccino in Hamburgfür 10 Euro - da würde der Spaß aufhören.Zumindest wenn wir das Jahr 2014schreiben, denn im Jahre 2050 wird derCappuccino ganz sicher 10 Euro kosten.Etwas Inflation ist normal. Wir haben unsdaran gewöhnt. Inflation ist - bis zu einergewissen Schmerzgrenze - ein Zeichenflorierender Wirtschaft. Denn nur beibeständiger Nachfrage können die Preiseerhöht werden. Jahrelange Deflation wiein Japan wünscht sich auch niemand. Werinvestiert schon gerne in einem Klimadauerhaft stagnierender Preise undschwacher Nachfrage!Theoretisch wären sogar 10 Euro proKaffee im Jahr 2014 noch zu wuppen. Esmüsste nur jeder von uns das Vierfacheverdienen. Dann würde der Cappuccinoprozentual betrachtet zum Einkommengar nicht mehr kosten. Wir könntenunseren Lebensstil halten und unser Geldbehalten. Paar mehr Scheine, paar dickereGeldbörsen... Das eigentliche Problem ander Inflation ist die Erwartungshaltung.Diese hätte sich jetzt radikal verändert.Wenn wir jedes Jahr mit Preissteigerungenum die 50 oder 100 Prozent rechnenmüssten, würden die Preise täglich anjeder Ecke steigen. Unsicherheit, ja nackteAngst wären das Ergebnis. Wer zu langsaminflationiert verliert. Wir Deutsche kennendiesen Teufelskreislauf aus unsererGeschichte. Unvergessen sind die 10Millionen Euro Reichsmarkscheine, die amEnde nur noch zum Heizen verwendetwerden konnten. Zum Glück ist ein solchesSzenario äußerst unwahrscheinlich.Unserem Vertrauen und derunabhängigen Zentralbank sei Dank.Oder?Geld regiert die Welt -und wer regiert dasGeld?Zentralbanken sind eine der bestenökonomischen Erfindungen des letztenJahrhunderts. Zumindest so lange sieeinigermaßen unabhängig agieren und vonschlauen Köpfen regiert werden. IhreMacht in Geldangelegenheiten ist -Strenggläubige mögen mir den Ausdruckverzeihen - fast gottgleich. Zentralbankenkönnen Geld schaffen. Und sie könnendem Markt das Geld auch wiederentziehen. Das ist zwar etwasunangenehm, aber möglich.Geld auszugeben war schon immerleichter. Das gilt sogar für Zentralbanken.Um den Markt Geld zu entziehen, müssensie entweder hohe Leitzinsen verlangen,Goldvorräte verkaufen, keine neuenKredite mehr an Banken vergeben oderdie Mindestreserven erhöhen. Allesmöglich, Problem ist nur, dass ein solchesVerhalten die Wirtschaft abwürgt. DieZentralbank als Spielverderber.Stellen Sie sich mal vor, die EZB würde dieMindestreserve schlagartig von derzeit 1%auf 10% erhöhen - aufgrund akuterInflationsgefahr. Wäre ja möglich, nach soviel expansiver Geldpolitik wie in den17


10.12.2013 DASWACHSTUM WIRTSCHAFTletzten Jahren. Was für ein Aufschrei gingedurchs Land: "Die EZB vernichtethunderttausende Arbeitsplätze - werstoppt den Wahnsinn?". Spätestens wenndie Menschenmassen unten vor derZentrale der EZB stehen, wird esinteressant. Halten die Götter des Geldesdurch? Oder liegt die wahre Macht amEnde doch in den Händen des Volkes? Weroder was könnte dann noch dieGeldwertstabilität bewahren? Zum Glückist ein solches Szenario bisher reineTheorie. Bisher meckern nur Volkswirteoder Politiker, wenn sie mit denEntscheidungen der Zentralbank nichteinverstanden sind.In der Geschichte der Zentralbanken gabes schon extreme Hochzinsphasen. InAmerika stiegen die Leitzinsen von 1996bis 1982 auf fast 15%. In der gleichen Zeitwuchs das Bruttoinlandsprodukt umnahezu 300%. Die hohen Zinsen wurdennötig um eine zu starke Inflation aufgrundder florierenden Wirtschaft zu verhindern.Gestört hat es nicht, denn es ging denUnternehmen und Menschen ja relativgut.Noch einmal zurück zur Mindestreserve.Diese funktioniert ganz einfach: Auf jedesGuthaben muss eine Geschäftsbankdiesen Prozentsatz bei der Zentralbankhinterlegen. Liegt die Mindestreserve bei10% dann lagern von 1.000,00 Euro eben100,00 bei der Zentralbank. Mit denrestlichen 900,00 Euro kann die Bankarbeiten, beispielsweise Kredite vergeben.Bei einer Mindestreserve von 1% wären es990,00 Euro gewesen. Das klingt wenig,aber in der Summe handelt es sich umMilliardenbeträge die der Wirtschaft zurVerfügung stehen oder ihr entzogenwerden.Wenn das Geld knapper geworden ist,vergeben die Geschäftsbanken wenigerKredite zu höheren Zinsen. Darunterleidet die Wirtschaft, denn es stehen jetztweniger Mittel für Investitionen zurVerfügung und die Schuldenlasten steigen.Weniger Investitionen und Gewinn sinddie Folge und dies bedeutet wiederumweniger gesamtwirtschaftliche Nachfrage.Das BIP sinkt, der Aufschwung wirdgebremst, Und wenn weniger ausgegebenwird, sinkt am Ende die Inflationsrate. Wererhöht schon die Preise, wenn die Leuteweniger kaufen! Diesen Prozessbezeichnet man alsTransmissionsmechanismus. HöhereLeitzinsen wirken ähnlich. So oder so: DerWeg um die Inflation zu stoppen istschmerzhaft.Natürlich könnte die Zentralbank aucheinfach Gold verkaufen. Oder andereBesitztümer wie Anleihen, oder Devisen.Da die Käufer dafür Geld hinblättern, wirdauch auf diesem Wege der VolkswirtschaftGeld entzogen. Das erscheint auf denersten Blick weniger schmerzhaft. DiePreise für Gold und/oder Anleihen würdendurch das Überangebot sinken. Die Zinsenwahrscheinlich steigen, da das Geld jetztknapper wird.Und schon wären wir wieder beim obenbeschriebenen Prozess: teurere Kredite =weniger Investition usw. Die Wirkung wärealso letzten Endes vergleichbar.Vorausgesetzt die Marktmechanismen(Stichwort „Transmission“) funktionieren.Das tun sie leider nicht immer: Trotzmassiver Ausweitung der Geldmenge ist18


10.12.2013 DASWACHSTUM WIRTSCHAFTvon einer Inflation im Euroraum derzeitzum Beispiel wenig zu spüren. Das billigeGeld erreicht die Märkte gar nicht erst. Eingroßes Problem, denn so kommt auch dieWirtschaft nicht in Schwung. Jetzt ist alsodie Politik gefragt. Die EZB kann den langerhofften Euro-Aufschwung anscheinendnicht bewirken. Ist vielleicht auch besserso, denn dies ist nicht die Aufgabe einerZentralbank. Die Zentralbank sollvorrangig die Stabilität einer Währungsichern und das Vertrauen in die Währungbewahren.Fassen wir also zusammen: DieZentralbank stoppt die Inflation grobgesagt, indem Sie die Wirtschaft mithohen Zinsen, Mindestreserven und/oderanderweitiger Geldmengenverknappungabwürgt. Wie gesagt, nicht geradepopulär. Ein notwendiges Übel. Wären dieZentralbanker Politiker - sie würden beider nächsten Wahl sicher hochkant ausdem Parlament fliegen. Wie GerhardSchröder und seine SPD nach den Hartz IVReformen. Niemand wählt freiwilligPersonen, die einem das Geld entziehen.Sinnvoll also, dass die EZB unabhängig ist.Vertrauen ist gut - Devisenund Gold sind besser?Was kann die Zentralbank noch tun um dieGeldwertstabilität zu sichern? Sie kann fürVertrauen sorgen und die Märkteberuhigen. Oft reichen schonAnkündigungen aus. Als Mario DraghiAnfang 2012 ankündigte, notfallsunbeschränkt Staatsanleihen zu kaufen,reagierten die Märkte entsprechend unddie Zinsen sanken. Denn eine Spekulationgegen eine Zentralbank kann maneigentlich nur verlieren. Die Zentralbanksitzt am längeren Hebel. Sie kann zur Notunbeschränkt Geld schaffen undverwenden. Mehr als jeder Hedgefonds.Ist eine solche Ankündigung glaubhaft,reicht oftmals schon die pure Verkündungdes Willens aus um die Märkte zuberuhigen. Als das Gerücht umging, dieneue FED Präsidentin würde ein Ende derexpansiven Geldpolitik der USA einläuten,wurden hohe Geldbeträge aus denSchwellenländern abgezogen. EineSpekulation auf steigende Zinsen inAmerika setze ein. Sehr zu Lasten derbetroffenen Staaten wie Indonesien - vieleProjekte lagen plötzlich still, weil diefinanziellen Mittel fehlten. Das Beispielzeigt auch die globale Verzahnung derFinanzmärkte. Und es verdeutlicht, wiemächtig noch immer der Dollar alsinternationale Leitwährung ist.Im Falle der Schweiz reichtenAnkündigungen und Gerüchte nicht aus.Hier musste die Notenbank regelmäßigaktiv werden. Die Eidgenossen hatten mitmassiven Währungsspekulationen zukämpfen. Der Franken wertete nach derEuro-Krise deutlich auf. Sehr zum Schadender Schweizer Exportwirtschaft. DieWährung eines kleinen Landes lässt sichvergleichsweise leicht bewegen, weshalbviele Spekulanten während der Krise aufeinen steigenden Franken im Bezug zumEuro wetteten. Die Schweizer Notenbanksah am Ende keinen anderen Ausweg, alsden Franken an den Euro zu binden. Siemusste regelmäßig Euro-Devisennachkaufen um den angekündigtenWährungskorridor zu halten.19


10.12.2013 DASWACHSTUM WIRTSCHAFTDas ganze funktioniert wie Äpfel undBirnen auf dem Markt. Steigt dieNachfrage nach Äpfeln, können dieVerkäufer den Preis erhöhen. Steigt alsodie Nachfrage nach Euro und zugleich dasAngebot an Franken, so steigt der EuroKurs im Verhältnis zum Franken. Mit demKauf von Euro-Devisen hilft die SchweizerNationalbank dessen Kurs eine lange Zeitkonstant bei 1,20 Euro. Die Bindung derbeiden Währungen ist also gelungen, nurleider sitzt die Notenbank jetzt auf ca. 430Milliarden Euro-Devisen. Diese wiederabzustoßen ist nahezu unmöglich. Sofortwürde der Euro gegenüber dem Frankendeutlich abwerten und der Franken wärewieder bei 1,50 oder höher. Früher galtensolche Devisenreserven als Zeichen derMacht. Heute signalisieren sie eher dieBemühungen einer Zentralbank dieheimische Exportwirtschaft zuunterstützen.Eine ganz andere Möglichkeit Vertrauenzu schaffen sind die Goldreserven. Auchandere Rohstoffe wären theoretischgeeignet, aber Gold hat nun einmalunbestreitbare Vorteile: Global liquide,lagerbar, fungibel, langfristigwertbeständig und global alsErsatzwährung anerkannt. Es gab mal eineZeit, da konnten die Besitzer vonBanknoten diese jederzeit in Goldumtauschen. Die Banknote war nichtsanderes als ein Wertpapier. EinVersprechen, das dieses Papier seinemBesitzer einen bestimmten Gegenwert inGold einbringen würde. Wer könnte denWert eines solchen Wertpapieresernsthaft anzweifeln? Nur wenn der Wertdes Goldes fällt, würde auch Wert des„Wertpapieres“ fallen. Aber Gold ist nuneinmal knapp, allen Alchimisten undMinengesellschaften zum Trotz. Und anden Wert des Goldes glauben dieMenschen nicht, sie sind von diesemüberzeugt. Schließlich kostet schon dieFörderung von Gold ca. 1.300,00 $ proUnze. Ein sogenannter „intrinsischer“, imSachwert fest enthaltener Wert.Normalerweise sollte der Goldpreislangfristig also nicht unter 1.300,00 $sinken. Kurzfristig ist dies jedoch durchausmöglich, denn die hohen Goldbeständewurden vor langer Zeit zu anderen Kostengefördert.Nun sind die Zeiten der Golddeckunglange vorbei und es soll hier auch gar nichtder Verdacht aufkommen, als würde derAutor irgendwelchen romantischverquerenGoldbindungsfantasiennacheifern. Eine 100%tige Golddeckungwie in "guten alten Zeiten" ist wederfinanzierbar noch sinnvoll. Die Geldmengewäre dann schlicht und einfach zu geringund unflexibel für unsere globaleWirtschaft. Das hindert die Zentralbankenvieler Länder jedoch nicht daran, fleißigGold zu kaufen. Sie tun dies derzeit ineinem Tempo wie schon lange nicht mehr.Dafür gibt es mehrere gute Gründe.Weltweit haben viele Zentralbanken inden letzten Jahren eine expansiveGeldpolitik betrieben um eine drohendeRezension abzuwehren. Dies erhöht dieInflationsgefahr. Wie bereits gezeigt istGold ein adäquates Mittel um dieMenschen zu beruhigen und Vertrauen zuschaffen. Hinzu kommt, dass der Goldpreisderzeit im Keller ist. Wann also, wennnicht jetzt nachkaufen?20


10.12.2013 DASWACHSTUM WIRTSCHAFTHinzu kommt noch, dass vieleZentralbanken hohe Devisenmengenangehäuft haben um die eigene Währungabzuwerten. Viele Ökonomen sprechenvon einem regelrechten „Währungskrieg“.Die Japaner, die Chinesen, die Amerikaner,aber auch viele Schwellenländer sind hiersehr aktiv. Auch diese Maßnahmenerhöhen die Geldmenge, denn die Devisenwerden meist mit der eigenen Währunggekauft. Und auch dadurch steigt dieInflationsgefahr. Gold hingegen kann fürVertrauen sorgen. Und Vertrauen, dashabe ich Eingangs schon erklärt, ist diewichtigste Währung in SachenGeldwertstabilität. Gerade in unsicherenZeiten.Ein weiteres Argument, welches fürGoldreserven spricht: Mit Gold kann ichmeine eigene Währung oder die Währungder globalen Leitwährung Dollar bewegenohne jeweils eine zweite Währunganzurühren. Ein Beispiel: Die EZB verkauftUnzen im Wert von 100 Mio. Euro. Indiesem Fall werden dem Markt 100 Mio.Euro entzogen. Würde die EZB stattdessenDevisen verkaufen passiert stattdessenfolgendes: Sie verkauft beispielsweise 80Mio. $ für ca. 100 Mio. Euro. Dem Marktwerden jetzt also 100 Mio. Euro entzogenaber zugleich würde die Dollar-Geldmengeum 80 Mio. $ steigen. Wir hätten also imersten Fall nur die Euro Geldmengeverringert und im zweiten Fall hätten wirzugleich den Dollar abgewertet. Was zuVerstimmungen mit den Amerikanernführen könnte.In der Regel wird Gold aber in Dollarbezahlt und die Möglichkeit mit denGoldvorräten die internationaleLeitwährung zu stützen indem ich demMarkt Dollar durch einen Goldverkaufentziehe ist auch nicht uninteressant.Unterschiedliche Ursachenund WirkungenWir halten fest: Für die derzeitigeZunahme der Devisen- und Goldreservenvieler Zentralbanken gibt es zweiverschiedene Ursachen. Einmal geht esdarum, das Vertrauen in die Währung zufestigen und mit den Goldreservenzugleich eine Möglichkeit zu besitzen dieeigene Währung oder den Dollaraufzuwerten (= Goldverkauf). Und einmalgeht es darum, die eigene Währungabzuwerten (Devisenkauf).So verwundert es nicht, dass ausgerechnetjene Staaten die größten Devisenreservenanhäufen, die entweder stark vonWährungsspekulationen betroffen sind, sowie die Schweizer oder die sehr starkexportabhängig sind, so wie die Chinesen.Hierbei geht es nicht um Vertrauen,sondern um Exporte.Und es ist nicht verwunderlich, dassgerade die Deutsche Bundesbank diezweitgrößten Goldreserven der Erde nachden Amerikanern besitzt, wenn man dieGeschichte unserer Hyperinflation von1923 bedenkt. In Zeiten einer zunehmendgrößeren globalen Geldmenge undinternationaler Verflechtung macht esSinn, dass Zentralbanken die Goldvorräteaufstocken. Denn das Papier, das wir Geldnennen, besitzt nur diesen einen Wert:Vertrauen.21


10.12.2013 DASWACHSTUM WIRTSCHAFTFrank GroßeDie Reise der digitalen Währung BitcoinGemäß dem griechischen Philosophen Heraklit ist alles im Fluss - Panta rhei! So auch dieFinanzmärkte, die neben Lösungen an die Herausforderungen der digitalen Welt neueWirtschaftsmodelle (z.B. Crowd Funding), Informationsmöglichkeiten (z.B.Internetplattformen) und Handelsformen (z.B. Trading beim Wertpapierhandel)erschlossen haben. Doch damit nicht genug: Mit Einführung der digitales Geldes in Formvon „Bitcoins“ erhalten die Zahlungsmöglichkeiten eine neue Dimension, bei der Münzenund Scheine ebenso überflüssig sind, wie die Zentralbank oder eine Bankenaufsicht.22


10.12.2013 DASWACHSTUM WIRTSCHAFTWas ist eigentlich Geld undwas ist ein Bitcoin (BTC)?Vor der Einführung des Geldesbestimmten Tauschgeschäfte und dieNaturalwirtschaft die Ökonomie, beidenen direkt der Bedarf von zumindesteinem Tauschpartner befriedigt wurde.Das Geld als Recheneinheit undWertmaßstab wird diesem Anspruch nichtmehr unmittelbar gerecht, sondern wirdprimär für weitere Tauschhandel oder alsAufbewahrungsmittel eines Wertes - inForm von Sparen - verwendet.Geld existiert heutzutage in materieller(Münzen, Scheine) und immateriellerForm (Bankguthaben, Zinsen, Kredite) undwird innerhalb eines Währungsraumes,der zumeist durch Staatsgrenzen definiertist, mit entsprechender Kaufkraftverstanden.Ein Bitcoin (coin = Münze) durchbrichtdiese Barrieren! Die virtuelle Währung,welche seit 2009 auf dem Markt existiert,erlaubt zunächst das bargeldlose Zahlenvia Internet in Sekundenschnelle, wie dasviele Nutzer mittlerweile von e-Wallet-Angeboten wie PayPal, Skrill oderNETTELLER gewohnt sind. Doch dasvirtuelle Geld unterscheidet sich in einemwesentlichen Punkt von bisher bekanntenZahlungsmitteln! Zunächst sind dieBitcoins auf 21 Millionen Einheitenlimitiert, woraus sich ergibt, dass der Kursaus Angebot und Nachfrage auf virtuellenHandelsplattformen bestimmt wird. Hinzukommt, dass Bitcoins keineswegs einemStabilitätsversprechen wie zum BeispielPapiergeld unterliegen und ebenso wenigder Kontrolle von Banken oder ähnlichenInstitutionen unterzogen werden können.Statt (Geld)Politik regiert ein Algorithmus,der weder manipulierbar ist, noch eineErhöhung der Menge der Bitcoin-Einheitenerlaubt. Anstatt dem Tausch vonBanknoten werden Software-Codesübermittelt, bei denen das Wasserzeichendurch digitale Verschlüsselung ersetztwurde.Gegenwärtige Entwicklungder BitcoinsIm scheidenden Jahr 2013 war ein Bitcoinzu Jahresanfang ungefähr 10 Dollar wert,was für die spekulative Währung aberkeineswegs zu verachten ist, denn beiIhrer Einführung vor vier Jahren, verfügtediese natürlich über gar keinenGegenwert! Die Internet-Community undSpekulanten zeigten aber im Frühjahrgroßes Interesse an der virtuellenWährung, was einen Bitcoin auf einenGegenwert von 266 Dollar anwachsen ließ.Gerüchte über einen möglichen Hacker-Angriff des Handelsplatz „Mt. Gox“veranlassten die Bitcoin-Inhaber zupanischen Verkaufs-Transaktionen, wasdie zu einem Absturz auf unter 70 Dollarführte. Davon hat sich die Währunggegenwärtig erholt und knackte imNovember zum ersten Mal die 1.000-Dollar-Marke für einen Bitcoin. VieleDaytrader spekulieren aus diesem Grundauf die nächste Blase und den damitverbundenen Crash, um in das lukrativeGeschäft einzusteigen.Vorteile von Bitcoins23


10.12.2013 DASWACHSTUM WIRTSCHAFTIm Gegensatz zum herkömmlichen Geld,welches nicht nur in großen Mengenvorhanden ist, sondern durch Zuführungvon neuem Geld in den Geldkreislauftendenziell immer weiter entwertet wird,haben die Bitcoins mit einem Volumenvon 21 Millionen Einheiten eine festemaximale Größe.Diese können weder von falschenpolitischen Entscheidungen, noch von denNotenbanken beeinflusst werden, da derBitcoin eine sogenannte Krytowährung ist.Das bedeutet, dass die Teilnehmer beiTransaktionen sich nicht identifizierenkönnen, da jeder Überweisungsvorgangüber das dezentrale Bitcoin-Netzwerkverschlüsselt durchgeführt wird. Der Besitzvon Bitcoins wird durch einenkryptografischen Schlüssel nachgewiesen.Damit sind zumindest die Währung unddie digitalen „Münzen“ selbstfälschungssicher.Die virtuelle Währung wird nicht zentralüberwacht, wodurch das Geld ähnlich demPrinzip der freien Enzyklopädie vonWikipedia von den Nutzern im Internetohne vermittelnde Institutionen (wie z.B.Zentralbank oder Staat) verwaltet wird.Die Bitcoin-Einheiten können sowohl alsTauschmittel, wie auch zurWertaufbewahrung verwendet werdenund die Limitierung führt dazu, dass –analog wie bei Gold – der Wert dannsteigt, wenn viele Menschen in den Besitzvon Bitcoins gelangen. Damit wird dievirtuelle Währung zumSpekulationsobjekt, da durch diebeschränkte Verfügbarkeit eine Inflationpraktisch ausgeschlossen werden kann.Bitcoins und die Akzeptanzin DeutschlandIn den wesentlichen Punkten werden dieBitcoins als eine Form des „privatenGeldes“ vom Bundesfinanzministeriumanerkannt, was auch bedeutet, dass inZukunft für den Handlung Steuerngezahlte werden müssen. Dies gilt jedochnicht für Spekulationsgewinne!Der reale Wert der virtuellen Währung istdennoch nicht einfach zu bestimmen, wieauch die Bitcoin Foundation selbst aufihrer Webseite mitteilt: „Bitcoin ist eineexperimentelle Währung, …, eine neueErfindung ist, die Ideen verfolgt, die vorhernie ausprobiert wurden.“ Genau ausdiesem Grund kann der Wert einer Bitcoininnerhalb kurzer Zeit unvorhersehbarsteigen oder fallen, was keine geeignetesMedium für die Ersparnisse darstellt, aberals spekulative Vermögensanlagedurchaus lukrativ sein kann.Auf verschiedenen Internet-Handelsplätzen kann die digitale Währungerworben werden, welche bereits voneinigen Internet-Shops und dem Blog-CMS-Anbieter WordPress akzeptiert sind.Aber auch in der „realen Welt“ inDeutschland akzeptzieren die erstenSzene-Läden in Berlin Bitcoins alsZahlungsmittel, wie der Coin-Mapentnommen werden kann. Es ist davonauszugehen, dass die Liste in Zukunftgrößer wird, aber welche Auswirkungendie Bitcoins auf das gesamte Finanzsystemhaben werden, bleibt abzuwarten.24


10.12.2013 DASWACHSTUM KARIKATURUSA - der hohle Riese25


10.12.2013 DASWACHSTUM KARIKATURBitcoin - Kreditkarte 2.0?26


10.12.2013 DASWACHSTUM KARIKATURDie große Koalition27


10.12.2013 DASWACHSTUM BÖRSEMargareta MachtBig Data kann für den entscheidenden VorsprungsorgenDiskussionen über Finanzmärkte finden immer häufiger im Internet und in sozialenNetzwerken statt. Hier entstehen Gerüchte und Trends, treffen Meinungen aufeinander,werden aktuelle Entwicklungen diskutiert. Für Anleger und Trader wird es immerschwieriger, die Kommunikation im Auge zu behalten, die für ihreInvestmententscheidungen relevant ist. Anbieter von Sentiment-Analysen können hierweiterhelfen.„Wir haben im Moment eine großePosition bei Apple. Wir glauben, dasUnternehmen ist extrem unterbewertet.“Zwei knappe Sätze sorgen im Augustdieses Jahres dafür, dass der Aktienkursvon Apple um beinahe fünf Prozent zulegt.Denn der Absender ist niemand geringeresals die Hedgefonds-Legende Carl Icahn.Und: Er verbreitet seine Einschätzungeinzig über Twitter und erreicht damit inkürzester Zeit hunderttausendeMenschen.Dass die Finanzmärkte stärker vonMenschen und deren subjektivenErwartungen als von objektivüberprüfbaren Tatsachen gesteuertwerden, ist nicht neu. Die Entstehung vonSpekulationsblasen untermauert diesregelmäßig. Neu ist jedoch dieGeschwindigkeit, mit der sich Stimmungenund Gerüchte verbreiten. War dies frühernoch auf den begrenzten Raum desBörsenparketts beschränkt, sind derEchtzeit-Kommunikation heute durchInternet und Social Media-Netzwerkekeine Grenzen mehr gesetzt. Das ist dieeigentliche Lehre des Icahn-Tweets.Das neue Kommunikationsverhalten hatKonsequenzen für Anleger und Trader: Fürsie wird es immer schwieriger, alleNachrichten im Blick zu behalten, die fürihre Entscheidungen von Bedeutung seinkönnten – und gleichzeitig wird dieserfolgsentscheidender. Denn irgendwo28


10.12.2013 DASWACHSTUM BÖRSEinmitten der Flut vonMeinungsäußerungen in Foren undsozialen Netzwerken entstehen oftmalsGerüchte und Trends, die sich kurze Zeitspäter auf den Kursverlauf einesWertpapiers auswirken können. Werfrühzeitig erkennt, wie sich die Stimmungam Aktienmarkt verändert, hat einenbedeutenden Wissensvorsprung und kannsich entsprechend positionieren.Diesem Problem hat sich StockPulseangenommen. Das Unternehmenanalysiert täglich hunderttausende Tweetsund Nachrichten zu Finanzthemen undgeneriert daraus Handelssignale fürTrader. Dazu nutzt StockPulse ein eigensentwickeltes, vollautomatisiertes System,das relevante Nachrichten und Meinungenvon Spam unterscheiden kann und zudemin der Lage ist zu erkennen, ob derAbsender einer Nachricht eher positivoder negativ über einen Finanztitelspricht. Außerdem gewichtet das SystemNachrichten einflussreicherPersönlichkeiten stärker, da sie – wie derFall Icahn zeigt – innerhalb kurzer Zeit einedeutlich höhere Aufmerksamkeiterreichen können.Auf die Idee zu StockPulse kamen dieGründer Jonas Krauß und Stefan Nannüber Umwege. Für ein Seminar imRahmen ihres Wirtschaftsinformatik-Studiums analysierten die beidenDiskussionen über zukünftige Oscar-Preisträger in Foren der Internet MovieDatabase (IMDb) und erstellten darauseine Prognose, wer zu den Gewinnerngehören wird – in 9 von 10 Fällen lagen dieKölner Studenten schließlich richtig.Daraus entstand die Idee, dieses Systemfür die Prognose vonAktienkursentwicklungen zu nutzen. DerStartschuss für StockPulse fiel 2010,unterstützt durch ein Stipendium desBundeswirtschaftsministeriums.Inzwischen ist das System so ausgereift,dass täglich hunderttausende Tweets undweitere Inhalte aus Online-Foren und vonNachrichtenwebsites in Echtzeitgesammelt, analysiert und kategorisiertwerden können. Daraus entstehenHandelssignale, die Kunden vonStockPulse börsentäglich vorHandelsbeginn erhalten. Neben diesenSignalen erhalten Nutzer außerdemHinweise, wenn eine Aktieaußergewöhnlich stark diskutiert wirdsowie ein allgemeines Stimmungsbild zuden wichtigsten Indizes. Daneben könnenKunden ein umfangreicheres Paketdazubuchen, mit dessen Tools Tradergezielt bestimmte Werte analysierenkönnen. StockPulse bietet zudem eine APIan, mit der die Daten automatisiert inTradingsysteme übernommen werdenkönnen.„Immer mehr Trader wollen ihreHandelsentscheidungen nicht nur aufBasis der Fundamental- und dertechnischen Analyse treffen, sondert auchSentiment-Analysen als dritte Säulemiteinbeziehen“, sagt Stefan Nann,Mitgründer und Geschäftsführer vonStockPulse. „Unsere Daten können hierwichtige Impulse geben.“29


10.12.2013 DASWACHSTUM BÖRSEMichael KrabsAktuelle Marktbetrachtung - Jetzt in Aktieninvestieren?Die Deutsche Bank hat ihr Kursziel für den DAX zum Jahresende 2014 von 9.700 auf 11.000Punkte erhöht. Das wären rund 10-13% Rendite. Nicht schlecht für ein Jahr. Nach derbereits eindrucksvollen Rally des DAX in diesem Jahr trauen die Analysten dem Kursindexalso auch für 2014 also wieder einiges zu. Ein Einstiegssignal? Volkswirt Michael Krabswagt für DAS WACHSTUM einen Ausblick...Schauen wir uns zunächst die Argumenteder Deutschen Bank an: Nach der bereitseindrucksvollen Rally des deutschenLeitbarometers in diesem Jahr trauen dieKapitalmarktstrategen dem Index einenweiteren Anstieg zu. Sie rechnen laut einerStudie vom Mittwoch mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im DAX von 13,0nach zuvor 11,5. Dazu ist zu sagen, dassein Durchschnitts-KGV von derzeit 11,5global gesehen tatsächlich niedrig ist.Deutsche Aktien sind im internationalenVergleich also eher unterbewertet. Das istaber nichts Neues.Der globale KGV-Durchschnitt liegt in derRegel bei 13-15. Im Schnitt taxieren imS&P-500 die KGVs mit 15, der KGV vom30


10.12.2013 DASWACHSTUM BÖRSEDow-Jones liegt oft deutlich drüber. ImJahr 2012 erreicht er die Rekordmarke von22. Dies spricht tatsächlich fürKursanstiege im DAX. Aber das ist reineKennziffern-Technik und es beantwortetnoch nicht die Frage, ob die deutschenAktien unterbewertet oder die anderenüberbewertet sind.Die Bewegung der Aktienkurse ist in ersterLinie von den FaktorenWirtschaftserwartung, Zinsen, Konjunkturund künftiger (!) Unternehmensgewinnebeeinflusst. Die entscheidende Fragelautet also: Wie steht es um die deutscheWirtschaft 2014?Die Deutsche Bank ist auch hier positivgestimmt. Sie rechnet damit, dass dieErgebnisse der 30 wichtigsten deutschenAktienwerte in der Zeit von 2014 bis 2015um rund 14 Prozent anziehen. Tatsächlichspricht derzeit vieles für eine positiveEntwicklung in Deutschland: Der Euro wirdkaum aufwerten, die Nachfrage nachProdukten Made in Germany ist hoch unddie Auftragsbücher sind gut gefüllt.Doch es gibt auch negative Signale, die inPhasen der Euphorie gerne übersehenwerden. Einige Länder Europas steckennach wie vor in einer tiefen Krise. Hierbeihandelt es sich nicht nur um angehäufteStaatsschulden die durch Sparprogrammeabgebaut werden können, sondern auchum private Verschuldung, riskanteHypotheken und wettbewerbsschwacheÖkonomien. Die Kreditklemme ist nichtbeseitigt und auch die regide Sparpolitikwirkt nicht gerade nachfragesteigernd. Dieeuropäische Situation wird daher auch2014 negative Schlagzeilen produzierenund kann deutliche Kursrückschlägebewirken. Hierbei sollte immer bedachtwerden, dass unsere europäischenNachbarn die größten Kunden derdeutschen Industrie sind.Nachfragerückgänge in Europa konntenbisher durch eine hohe Nachfrage in denSchwellenländern ausgebügelt werden.Bricht die Nachfrage auch in Asien undSüdamerika ein, dann geht es schnelldeutlich abwärts mit dem DAX.Auch die Banken bleiben Sorgenkinder.Die Altlasten in Ihren Bilanzen sind nochnicht durchleuchtet. Die neugegründeteBankenunion unter Führung der EZB hatgerade erst mit dem Stresstest begonnen.In diesem Prozess stecken Chancen fürKursausschläge nach oben und unten undnur die Banken selber können derzeiteinschätzen, welche Tendenz dieOberhand gewinnen wird. NeueEigenkapitalvorschriften (Basel III) und dasgeplante deutsche Trennbanken-Modellwerden aber sicher dazu führen, dass vieleFinanzdienstleister 2014 nicht gerade mitGeld um sich werfen werden. Derexpansiven Geldpolitik der EZB zum trotz.Ich vermute daher, dass der DAX zwarüber Jahr gesehen die 10.000 Markemehrfach überschreitet, aber sehr volatilauch nach unten ausschlagen wird: ImKlartext: Anleger brauchen starke Nervenund sollten keine eventuell benötigtenLiquiditätsreserven in Aktien anlegen.Mutige Anleger können Kursrückschläge(wie derzeit) für den Einstieg nutzen.Wichtig: Setzen Sie sich eindeutigeAusstiegskurse und nehmen Sie Gewinnemit, sobald eine bestimmte Marke,beispielsweise 10.400 überschritten wird.Nutzen Sie Kursabstürze dann für denerneuten Einstieg, so lange sich diefundamentale Situation nicht geänderthat.Zinsen sind ebenfalls sehr wichtig fürAktienkurse. Steigen sie an, werdenalternative Anlagen wie Rentenattraktiver. Dies schwächt dann die Aktien.Hier sind die Signale relativ eindeutig:2014 werden nur geringe Inflationsratenin der Euro-Zone erwartet. Die erhöhte31


10.12.2013 DASWACHSTUM BÖRSEGeldmenge im europäischen Raumerreicht die Märkte also nicht in vollerBreite. Von dieser Seite sind also kaumRisiken zu erwarten. Sollte die EZB zudrastischen Mitteln wie negativenEinlagenzinsen greifen, würde dies dieDAX-Kursrally sogar noch weiter befeuern.Die Deutsche Bank nennt einige weitereArgumente, die für anziehende DAX-Kursesprechen: Die expansive Geldpolitik wirddemnach europäischen Unternehmen zustärkeren Gewinnen verhelfen.Altschulden können durch eineUmschuldung in niedriger verzinsteKredite umgewandelt werden und dasbillige Notenbankgeld befeuert nach undnach auch zunehmend die Nachfrage inEuropa. Hinzu kommt, dass der DAX nochimmer deutlich schlechter bewertet wird,als der Stoxx Europe 600. Im Vergleich miteuropäischen Indizes dürfte er daher inden kommenden zwölf Monatenüberdurchschnittlich performen. Dies istalles völlig richtig. Wichtig bleibendennoch die Entwicklungen in SachenEuro-Krise, Staatsverschuldung und demBankensektor sowie die wirtschaftlicheSituation der Schwellenländer und derUSA.Unterm Strich überwiegen also diepositiven Signale, so dass die Haussederzeit wohl nur eine kurzeVerschnaufpause einlegen dürfte. WerAktien kauft, muss allerdings bereit sein,diese notfalls auch längerfristig zu halten.32


10.12.2013 DASWACHSTUM ERNEUERBARE ENERGIENRainer BrosyDeutschland weiterhin Spitzenreiter bei derweltweit installierten PhotovoltaikleistungTrotz aller Diskussionen um die scharfe Konkurrenz aus Asien stellt Deutschland nochimmer den Löwenanteil an der weltweit installierten Photovoltaikleistung. Weitabgeschlagen folgen dahinter Italien und China auf den Plätzen 2 und 3. Unter installierterLeistung versteht man die maximal erreichbare Leistung (Nennleistung) eines Kraftwerks.Für den vorliegenden Artikel ist damit dieNennleistung sämtlicher Kraftwerke,unterteilt nach der Kategorie desjeweiligen Energieträgers zu verstehen.Zum besseren Verständnis und um diePosition Deutschlands in Bezug auf dieweltweit installierte Photovoltaikleistungangemessen interpretieren zu können,empfiehlt es sich an dieser Stelle zunächsteinen Blick auf die Entwicklung der inDeutschland installierten Leistung zuwerfen.Photovoltaik mitSteigerungsrate von knapp80 ProzentAnhand der grafischen Darstellung in derAbbildung 1 lässt sich die Entwicklung beider Verteilung der installierten Leistungdifferenziert in Hinblick auf die jeweiligenEnergieträger betrachten. Dabei lässt sichzunächst feststellen, dass die Zahlen beiKernkraft, Braunkohle und Steinkohle von2011 auf 2012 eindeutig rückläufig sind.Bei der Kernenergie hat der Abwärtstrendsogar schon im Jahr 2010 begonnen.33


10.12.2013 DASWACHSTUM ERNEUERBARE ENERGIENEbenfalls rückläufig ist die installierteLeistung bei Kraftwerken bei denen Gaseals Energieträger fungieren. Allerdings istdie Entwicklung hier noch nicht ganz soausgeprägt wie bei den zuvor genannten.Abbildung 1 - Quelle: ISE, BMWi, StBA, AGEE-StatDie großen Gewinner in den letzten dreiJahren sind anhand der Grafik ebenfallsgut zu erkennen: Solarenergie undWindkraft sind in punkto installierterLeistung nicht nur solide, sondern könnensogar einen Zuwachs verbuchen. Währenddieser bei der Windkraft mit 2 Gigawattzusätzlich installierter Leistung seit 2010nur relativ gering ist, kann die Solarenergieeinen deutlichen Zuwachs vermerken. Hierwurde die installierte Leistung um 80Prozent gesteigert und liegt im Jahr 2012,wie bereits erwähnt bei rund 30 Gigawatt.Im Vergleich zum Jahr 2010 stellt dasbeinahe eine Verdopplung dar.InstalliertePhotovoltaikleistung imweltweiten VergleichBetrachtet man die nachfolgendeAbbildung ergibt sich in Bezug auf dieAnteile an der weltweit installiertenPhotovoltaikleistung ein relativ klares Bild.Deutschland führt das Feld mit 31 % Anteilan der Gesamtleistung deutlich an, derZweitplatzierte Italien folgt mit 16 Prozentund China, der große Konkurrent fürDeutschland in Sachen Herstellung undProduktion, liegt mit 8 Prozent relativ weitabgeschlagen auf Platz 3.Damit installierte Deutschland bisher gutein Drittel der gesamtenPhotovoltaikleistung der Welt, einePosition, die sich auf den ersten Blicksehen lassen kann und die vor allenDingen dahingehen verwundert, als dassDeutschland nicht unbedingt eines dersonnenreichsten Länder dieser Erde ist.Betrachtet man die Verteilung derinstallierten Leistung innerhalb34


10.12.2013 DASWACHSTUM ERNEUERBARE ENERGIENDeutschlands, lässt sich feststellen, dassvor allen Dingen die südlich gelegenenBundesländer hier die Nase vorn haben.Bayern und Baden-Württemberg verfügennicht nur über die meistenSonnenstunden, sondern auch über diegesamtgrößteinstalliertePhotovoltaikleistunginnerhalbDeutschlands.Abbildung 2 - Quelle: EPIAFazit: Was lässt sich ausdiesen Daten schließen?Zunächst einmal bestärken die Daten ausder Abbildung 2 Deutschlands Position alsVorreiter in Sachen Solarenergie. Nichterst seit dem Beschluss der Energiewendebegann hier auch der Trend zumAufschwung, der sich nun in derdominierenden Position Deutschlands imweltweiten Vergleich zeigt.Nichtsdestotrotz ist dies kein Grund fürÜbermut, denn Deutschland hat in punktoSonnenstunden ganz klare Konkurrentenund die Abbildung 2 ist ohneVergleichswerte nur relativ wenigaussagekräftig.Wichtig sind in derartigemZusammenhang immer auch dieEntwicklungstendenzen: So zeigt sich, dassDeutschland in Bezug auf dieNeuinstallationvonPhotovoltaikleistungenseineSpitzenposition längst abgeben musste.Italien führt in dieser Hinsicht bereits seit2011 das Rennen an. Dort wurden 2011insgesamt 9.000 MW neuinstalliertePhotovoltaikleistung festgestellt, inDeutschland dagegen nur 7.500 MW. Dasergibt einen Anteil von 27,1 Prozent fürDeutschland und 32.5 Prozent für Italienan der Gesamtmenge der neuinstalliertenPhotovoltaikleistung im Jahr 2011.Dementsprechend könnte DeutschlandsSpitzenposition in Sachen weltweitinstallierter Photovoltaikleistung zukünftig35


10.12.2013 DASWACHSTUM ERNEUERBARE ENERGIENauch stärker gefährdet werden, als sichangesichts der Abbildung 2 vermutenlässt.Im Gegensatz zu Deutschland verfügtItalien über eine Vielzahl anSonnenstunden mehr im Jahr, weshalbsich die Investition in Photovoltaik hierauch mehr zu lohnen scheint. Selbiges giltübrigens für weitere sonnenstundenreicheLänder wie beispielsweise Spanien oderAustralien. Es bleibt also abzuwarten, wiesich die Tendenzen hier weiter entwickeln,bevor weiterführende Prognosen erstelltwerden können.spezialisierte er sich auf sein SocialNetwork Pindio. Seine Agenturwebkarat.com ist bekannt für exklusivesMarketing.Über den Autor Rainer BrosyRainer Brosy ist Geschäftsführer desFrankfurter Unternehmens Webkarat(Betreibt Webseiten wie zum Beispielwww.billiger-strom.net). Nach seinemEnergie- und Umwelttechnik Studium36


10.12.2013 DASWACHSTUM ERNEUERBARE ENERGIENRainer BrosyGeothermie – weltweites Wachstum?Zurzeit existieren 24 Länder auf der Welt, die ihren Strom aktiv mithilfe von Geothermieerzeugen. Deutschland gehört zwar dazu, nimmt auf der Rangliste bisher jedoch nur einender unteren Plätze ein. Andere europäische Länder haben hier deutlich die Nase vorn,obwohl Deutschland in Bezug auf natürliche Ressourcen gleichwertiges Potential zurVerfügung stände. An dieser Stelle soll nicht diskutiert werden, aus welchen Gründen dasenorme Potential, das die Geothermie für die Stromversorgung in Deutschland bietet,bisher so wenig genutzt wurde. Stattdessen soll vorerst ein kurzer Vergleich angestelltwerden, inwiefern die verschiedenen Länder in Richtung Geothermie agieren und ihrejeweiligen Ressourcen aktivieren. Darüber hinaus müssen hierbei selbstverständlich dieunterschiedlichen Formen der Erdwärme-Nutzung angesprochen werden.Unterschiede bei denGeothermiequellenNicht alle Länder nutzen Geothermie aufdieselbe Art und Weise. Es gibtunterschiedlichegeologischeVoraussetzungen für ihre Nutzung undjeweils dazu passende Nutzungsverfahren.Je nach Standort profitieren einige Ländervon besonders günstigenVoraussetzungen, andere wiederumhaben mehr Mühe, sich die Erdwärmezunutze zu machen.Man unterscheidet in erster Linie zwischeneiner Tiefen Geothermie und einerOberflächennahen Geothermie. Die37


10.12.2013 DASWACHSTUM ERNEUERBARE ENERGIENUnterschiede zwischen beiden Verfahrenbetrifft dabei vor allen Dingen die Tiefeder Bohrungen. Bei der Tiefen Geothermiedringen die Bohrungen zwischen 400 und6.000 Meter tief in die Erde. ProKilometer, den man in das Erdinnereeindringt, steigt die Temperatur um ca.35° bis 40° C an. Zu Wärmeanomalienkommt es beispielweise in der Nähe vonVulkanen: Hier steigt die Temperaturproportional gesehen schon in geringererTiefe viel stärker an, was zu optimalenBedingungen für die Tiefe Geothermieführt.Bei der Oberflächennahen Geothermiekommt es zu Bohrungen, die eine Tiefevon 400 Metern nicht überschreiten. DieOberflächennahe Geothermie findet sichvor allen Dingen auch bei Privathäusern,Schulen oder öffentlichen Einrichtungen.Hier wird beispielsweise mitWärmepumpenoderErdwärmekollektoren bereits dieWarmwasser- bzw. Heizungsversorgung indiesen Gebäuden mittels Erdwärmesichergestellt.Die Nutzung von ErdwärmeweltweitGerade die Oberflächennahe Geothermiebietet generelle Potentiale, die ankeinerlei geologische Voraussetzungengeknüpft sind. FlächendeckendeVersorgung mit Warmwasser und Heizungwäre hier also leicht möglich und wird ineinige europäischen Ländern wiebeispielsweise Schweden und Island längstpraktiziert. Im internationalen Vergleichtut sich Deutschland dagegen schwer undnutzt seine Möglichkeiten hier bei Weitemnoch nicht aus.Abbildung 1 - Quelle: International Geothermal AssociationAnhand der Abbildung 1 lassen sich die elfwichtigsten Länder in SachenStromerzeugung mithilfe von Erdwärmeablesen. Deutschland ist nicht auf dieser38


10.12.2013 DASWACHSTUM ERNEUERBARE ENERGIENListe zu finden. Betrachtet man jedochBesonderheiten der Länder, die auf dieserListe zu finden sind, wird sehr schnell klar,über welche Gemeinsamkeit sie verfügen:Aktive Vulkane. So finden sichbeispielsweise in Indonesien allein 75aktive Vulkane und dieses Land verfügtsomit über optimale Voraussetzungen inBezug auf die Tiefe Geothermie. Europaim Allgemeinen zählt eher zu denvulkanärmeren Gebieten der Erde: Vonden 77 aktiven Vulkanen, die hier bekanntsind, findet sich der Großteil in Italien undIsland, weshalb das Auftreten dieserbeiden Länder auf der Liste nichtbesonders verwundert.Deutschland und dieGeothermieAuch wenn sich Deutschland auf derAbbildung 1 nicht wiederfindet, sind hierin den letzten Jahren doch deutlicheAnstrengungen unternommen worden,um das vorhandene Erdwärme-Potentialnutzbar zu machen. Denn auch wenn dieZahl der aktiven Vulkane in Deutschlandbegrenzt ist, gibt es auch hier Gebiete, diefür Tiefe Geothermie deutlich geeignetwären. Hierzu gehören vor allen Dingendas süddeutsche Molassebecken, derOberrheingraben sowie einige Gebiete inNorddeutschland. Im Jahr 2010 befandensind in Deutschland insgesamt 5Geothermiekraftwerke in Betrieb,zeitgleich waren 11 weitere Kraftwerke inder Planungs- oder Bauphase. DieAmbitionen in dieser Hinsicht sinddementsprechend klar: Der Trend gehteindeutig zum Ausbau der Nutzunggeothermaler Energie in Deutschland.Fazit: Es bleibt noch viel zutunAuch wenn die jüngsten Entwicklungenzeigen, dass Deutschland sich seinergeothermalen Möglichkeiten so langsambewusst wird, sind bisher noch längstnicht alle Anstrengungen unternommenworden, um diese Potentiale auchvollständig auszuschöpfen. Auch wennDeutschland nicht über ganzflächigeVoraussetzungen verfügt, die für die TiefeGeothermie qualifizieren, so bietet dochauch die Oberflächennahe Geothermieeindeutige Optionen, von denen auchDeutschland profitieren würde. In Europafindet sich beispielsweise mit Schwedenein Land, das Geothermie längst zu seinerführenden Heizungsart gemacht hat unddieses mithilfe von oberflächennahenBohrungen. Diese Form derEnergiegewinnungsolltedementsprechend auch in Deutschlandeindeutiger in den Fokus rücken, wobei essich vor allen Dingen empfiehlt auchprivate Träger und Bauherren mit ins Bootzu holen.Über den Autor Rainer BrosyRainer Brosy ist Geschäftsführer desFrankfurter Unternehmens Webkarat.Nach seinem Energie- und UmwelttechnikStudium spezialisierte er sich auf seinSocial Network Pindio. Seine Agenturwebkarat.com ist bekannt für exklusivesMarketing.39


10.12.2013 DASWACHSTUM INTERVIEWMartin BrosyInterview mit Susanne Kablitz - Die Angst vorDeflation ist ein von der Politik aufgebauschtesSchreckgespenst.Am 03. November 2013 wurde Susanne Kablitz zur neuen Bundesvorsitzenden der Parteider Vernunft gewählt. Sie ist Gründerin des Hayek-Clubs und Mitglied der HayekGesellschaft. In einem spannenden Interview erklärt Frau Kablitz die Positionen ihrerPartie gegenüber DAS WACHSTUM.40


10.12.2013 DASWACHSTUM INTERVIEWDAS WACHSTUM: Ihre Partei holte bei derBundestagswahl 2013 25.027Zweitstimmen und lag mit 0,06 Prozentnoch hinter der Satire Partei „Die Partei“von Martin Sonneborn. Wie beurteilen Siedas Ergebnis und welche Visionen habenSie für 2017?Susanne Kablitz: Liberale Parteien habenes im derzeitigen politischen Umfeldbesonders schwer. Eine klassisch liberalePartei, die dazu noch die vorhandenenpolitischen Strukturen von Grund aufanders gestalten möchte, braucht viel Zeitund Engagement der Mitglieder, um dieWähler von der freiheitlichen Idee zuüberzeugen. Es ist nicht dererdrutschartige Wahlerfolg, den wiranstreben. Wir wollen auf lange Sicht eineechte Alternative für die Menschen indiesem Land bereitstellen! Keine halbenSachen, sondern einen Weg und diesenkonsequent! Wir stehen zu unseremWort! Wir werden für „kein Geld derWelt“ und für kein in Aussicht gestelltes„Pöstchen“ unsere Ideale verraten.WACHSTUM: Die soziale Marktwirtschaftist nach F.A. Hayek unsinnig. Wie sozial istdie Partei der Vernunft, wenn sie es 2017in den Bundestag schafft? Viel Spielraumfür Wohltaten wird Ihnen wegen demVerbot zur Erhebung direkter Steuern undder drastischen Senkung derNeuverschuldung nicht bleiben!Kablitz: Nun, da wäre es zunächstnotwendig, die inzwischen unter demAspekt der politischen Korrektheit völligdegenerierten Begriffe „sozial“ und„gerecht“ zu definieren. Dies führt andieser Stelle aber zu weit. Es ist jedochzweifellos so, dass eine Umverteilung,auch wenn sie unter dem sympathischenNebenbegriff „sozial“ eine angenehmeVorstellung zu sein scheint, niemalsgerecht sein kann. „Sozial“ und„Umverteilung“ schließen sich diametralaus; leider hat sich unsere sprachlicheKultur erschreckend negativ entwickelt, sodass selbst Begriffe wie „sozialeGerechtigkeit“ bei kaum jemanden einUnwohlsein hervorrufen. Was soll„Gerechtigkeit“ sein, außer eben sozial?Der Begriff trägt dieses Qualitätsprädikatdoch schon in sich. Was soll also diesedoppelte und sich daher ausschließendeBetonung?Die Politik der letzten Jahrzehnte hat dazugeführt, dass wir heute an dem Punktstehen, wo wir stehen. Es ist daher eineFarce, dass gerade die Politiker, die uns inden Schlamassel hineingeführt haben, nunbehaupten, den Stein der Weisengefunden zu haben. Leider sprechen dieMenschen auf diese Begriffe an, weil diewahren Beweggründe geschicktverschleiert werden und daher die Folgeneiner solch angeblich „gerechten“ Politiknoch nicht im notwendigen Maß nachaußen in Erscheinung treten.Somit braucht die PDV im Bundestagkeinen Spielraum für Wohltaten. Dennnichts ist sozialer, als den Menschen ihreigenes Geld NICHT abzunehmen. Dieaktuellen „Wohltaten“ der heutigenPolitik, z.B. die Subventionen, verzerrendie Märkte und schaffen dauerhaft mehrUngleichgewichte und Abhängigkeiten, alssie Vorteile bringen. Zudem kosten sie denSteuerzahler unerhört viel Geld, welchessehr viel sinnvoller eingesetzt werdenkönnte, wenn man unter anderem die41


10.12.2013 DASWACHSTUM INTERVIEWSubventionen streicht und dafür dieSteuerlast für alle senkt.WACHSTUM: Sie geben jeglicheKompetenzen dem Individuum zurück undhoffen darauf, dass die Nächstenliebe derMenschen für ein humanitäresMiteinander sorgt. Muss ein Volk denUmgang mit der neugewonnenVerantwortung nicht erst lernen?Kablitz: Das wird im Einzelfall vielleicht sosein. Aber niemand von denen, die wirbisher befragt haben, hat sich dagegenausgesprochen, ob er – wenn er doppeltso viel Kaufkraft zur Verfügung hätte alsjetzt – nicht etwas von seinem Geld vorOrt in seiner Kommune regelmäßigspenden würde, wenn es dort in Notgeratene Menschen gäbe, die Hilfebenötigen. Die Menschen sind von Naturaus sozial gegenüber ihrem Umfeldeingestellt und helfen gerne, wenn sie dieMittel dazu selbst übrig haben. ImMoment nimmt der Staat ihnen dieseansonsten freien Mittel weg und versuchteher schlecht als recht, damit auch nuransatzweise das zu leisten, was dieMenschen vor Ort wesentlich besserselbst könnten. Die Hilfsbereitschaft dermeisten Menschen ist beeindruckendpositiv; schauen Sie sich nur an, welcheSummen im Falle menschlicher Tragödienprivat bereitgestellt werden. Dass dieetablierten Politiker es auch nur wagen, ander Freiwilligkeit der Menschen zuzweifeln, ist eine Beleidigung erster Güte.Vielmehr ist es doch eher so, dass diePolitik und die „Armutsindustrie“ sehrkomfortabel davon leben, dass Gelderzwangsweise eingehalten werden. Alsowerden vermeintliche Gründe gesucht, diedie Zwangsabgaben rechtfertigen.WACHSTUM: Den Fall der Berliner Mauererlebte der bekennende Anti-SozialistHayek noch mit. Welche Haltung nimmtIhre Partei gegenüber denOstblockstaaten wie Russland ein und wiemöchten Sie die Außenpolitik gestalten?Kablitz: Unsere Außenpolitik beschränktsich auf ein friedliches Miteinander. Sonstbraucht es kaum außenpolitischesEingreifen. Und wenn doch, dann sehenwir uns nicht in der Überheblichkeit, überden Kopf der Bürger hinweg irgendwelcheAbkommen zu schließen. Wir würdendiese gegebenenfalls vorbereiten unddann die Bürger befragen. Ein friedlichesMiteinander und freier Handel unter denMenschen – das ist die beste Außenpolitik.Jedes Volk hat seine Vorteile und seineNachteile, seine Stärken und seineSchwächen. Gegenseitige Toleranz und einganz natürlicher Respekt voreinanderreichen vollkommen aus, um friedlichnebeneinander und miteinander leben zukönnen.WACHSTUM: Im Grundsatzprogrammspricht sich die PDV für begrenzteAlternativwährungen (Gold…) aus.Deflationäre Tendenzen führen dazu, dasssich die Konsumenten mit Käufen undUnternehmen mit Investitionenzurückhalten. Wie möchten Sie dementgegentreten?Kablitz: Wir fordern nur die freie Wahl desGeldes, gehen aber davon aus, dass sichstabile Währungen, wie beispielsweiseGold und Silber etablieren werden. DieAngst vor Deflation ist ein von der Politikaufgebauschtes Schreckgespenst, umderen Inflationsbestrebungen zurechtfertigen. Der Staat kassiert seine42


10.12.2013 DASWACHSTUM INTERVIEWBürger zum einen durch enorme Steuernund Abgaben ab und zum anderen durchdie massive Geldentwertung. Daher musser dieses Märchen von der bösenDeflation am Leben erhalten.Wir treten dafür ein, dass die Kaufkraftbeim Bürger bleibt und nicht über dieGeldmengenausweitung (Inflation) hinzum Staat und zu den Banken fließt. Der„kleine Mann“ wird dadurch über dieJahre wohlhabender, während der Staatsich nicht mehr durch Gelddruckenvermeintlich reich drucken und somit überdas Hintertürchen Staatsverschuldungseine zerstörerische Politik betreibenkann. Nebenbei müssten die Bankenplötzlich auf ehrliche Art und Weise ihrGeld verdienen und würden – wie jederandere Wirtschaftsteilnehmer – für ihrTun oder auch ihr Unterlassen die Haftungübernehmen.Der einzelne Bürger wird weiterhineinkaufen, wenn er neue Schuhe brauchtoder der Fernseher kaputt geht. Er mussweiterhin essen und braucht weiterEnergie. Es wird sich für den Einzelnen einpositiver Effekt einstellen – aberdiejenigen, die heute vom aktuellenSystem immens auf Kosten desSteuerzahlers profitieren, müssten sichendlich ein ehrliches Geschäftsmodellaufbauen.WACHSTUM: Könnten Bitcoins einesolches alternatives Bezahlungsmittelsein? Wie positioniert sich die PDV zur„gehypten“ Internetwährung?Kablitz: Bitcoins sind ein durchausinteressanter Versuch, das staatlicheGeldmonopol auszuhebeln. Wenn dieMenschen dieses Geld akzeptieren, stehtdie PDV ihnen nicht im Weg. Da Bitcoinsbzw. die Cryptowährungen im Gesamtbildeine Art „Monopol“ einnehmen, in demSinne, dass sie die EINZIGE aktuell freieForm von Währung darstellen und wireben nicht zwischen allen möglichen,freien Währungen wählen können, sehenwir Bitcoins mit gemischten Gefühlen. Einefreie, edelmetallgedeckte Währung, dieeinen realen inneren Wert aufweist, wäremir persönlich und vielen anderen in derPDV noch lieber als ein paar Bytes anCryptocodes. Nichtsdestotrotz sindBitcoins ein erster guter Weg.WACHSTUM: Wird der Euro auf längererSicht scheitern und worin investieren Sieeigentlich Ihr privates Geld?Kablitz: Der Euro wird scheitern. Sogar aufsehr kurze Sicht, wenn die Politik nicht zunoch extremeren Mitteln greift. Und selbstdann wird der Euro keine 20 Jahre mehrBestand haben. Keine einzigePapierwährung hat jemals auf Dauerüberlebt, es ist letztendlich ohne Belang,ob die Währung Euro, Dollar oder Yenheißt. Beliebig vermehrbares Geld istgrundsätzlich eine schlechte Idee. DerEuro beschleunigt diesen Prozess nur ebenum ein Vielfaches; wobei - lieber einschnelles Ende mit Schrecken als einSchrecken ohne Ende. Mein privates Geldinvestiere ich definitiv nicht in Euro-Geldanlagen.WACHSTUM: Als eurokritische Partei hatdie PDV viel mit der AfD um Herrn Prof.Bernd Lucke gemeinsam. Worin liegen diezentralen Unterschiede und womitwürden Sie einen Wähler der AfD von derPDV überzeugen?43


10.12.2013 DASWACHSTUM INTERVIEWKablitz: Nun, das sehen wir deutlichdifferenzierter. Die PDV ist sich geradeeinmal lediglich in gewissen Fragen derEuro-Politik mit der AfD einig. Währenddie AfD größtenteils genausoweitermachen will wie alle anderenetablierten Parteien auch, bieten wirfundamental freiheitliche Konzepte, dienahezu alle aktuellen Probleme lösenkönnten. Die hauptsächlichen Auslöser alldieser Verwerfungen sind im Geldsystemund in der Politik begründet. Beidesspricht die AfD überhaupt nicht an.WACHSTUM: Die Partei der Vernunftmöchte für die Europawahl im Mainächsten Jahres zugelassen werden. Stehtdas Vorhaben nicht im Konflikt mit derAussage, dass die EU nicht Europa ist undals supranationale Organisationüberflüssig sei?Kablitz: Die PDV ist eine Partei, die nachden Spielregeln des aktuellen politischenSystems alles daran setzt einen positivenWandel herbeizuführen. Da müssen wirnatürlich auch bei der Europawahl dabeisein, um genau diesen Wandel in dierichtige Richtung zu lenken. Und wenn wirdort für´s Erste nur eine einzige, unsinnigeRichtlinie verhindern können, hat sich dasGanze aus unserer Sicht schon gelohnt.her, wichtig für uns als Partei ist, dassStrom nach betriebswirtschaftlich solidenModellen und frei von Subventionen undanderen marktverzerrendenMechanismen erzeugt wird und immerstabil verfügbar ist. Die Energiewende ist,was Kosteneffizienz undVersorgungssicherheit angeht, einabsolutes Desaster. Versorgungssicherheit- speziell beim Strom - ist das, was eineWirtschaft und damit den Wohlstand allersicherstellt. Die Politiker setzen dies durchdie Energiewende leichtfertig auf´s Spielund riskieren gleichzeitig durch dieAbschaltung unserer recht sicheren AKWs,dass wir unter Umständen baldAtomstrom aus Nachbarländernimportieren müssen, deren Meilerunseren Sicherheitsstandards bei Weitemnicht genügen. Was soll da am Endebesser sein?WACHSTUM: Frau Kablitz, wir dankenIhnen für dieses Gespräch.Die Fragen stellte Martin Brosy.WACHSTUM: Stichwort „Energiewende“.Der Atomausstieg ist beschlossene Sache.Begrüßen Sie den Schritt der damaligenBundesregierung oder halten Sie dasAtomzeitalter noch nicht für beendet?Kablitz: Solange ein einziger Meiler beiuns noch läuft, ist der Ausstieg nichtvollzogen und kann jederzeit wiedergekippt werden. Atomausstieg hin oder44


10.12.2013 DASWACHSTUM INTERVIEWAndreas ScholzInterview mit Christian Felber - einem Verfechterder Gemeinwohlökonomie und einem scharfenKritiker der GlobalisierungDie Gemeinwohlökonomie versteht sich im Gegensatz zu oft hermetisch abgeriegeltenFirmenkomplexen mit ausschließlicher Profitorientiertheit als Ökonomie, die der ganzenGesellschaft zu Gute kommt. Die junge Generation mutiert in einer naturarmenTechnikwelt immer mehr zu gefühlskalten Managern, die in modernen Bürokomplexenihrer Arbeit im Haifischbecken nachgehen. Laut Christian Felber erstickt der Sozialismusdie individuelle Freiheit, während der Kapitalismus Beziehungen und die Gemeinschaftzersetzt - als Folge gibt es Massenarbeitslosigkeit und blank liegende Nerven.Im Interview spricht Christian Felber über Begriffe wie „Demokratische Bank“ und„Gemeinwohl-Ökonomie“.Der Österreicher ist Gründungsmitglied von Attac Austria und ein kluger Kopf, der sich u.a.kritisch mit dem Finanz- und Wirtschaftssystem rund um den Euro auseinandersetzt.45


10.12.2013 DASWACHSTUM INTERVIEWAndreas Scholz: Sie haben u.a.romanische Philologie studiert und sindnebenberuflicher Tänzer. In welchenSituationen helfen Ihnen diese beidenFähigkeiten im (beruflichen) Alltag?Christian Felber: Das Sprachen-Studium isteine unerschöpfliche Schatzquelle fürmeine Tätigkeit als Publizist, Referent undKommunikator. Ich sehe die Weltsozusagen eine Schicht tiefer als es dasoberflächliche Sprachverständniserschließt – über die Durchdringung Formkomme ich zu den geheimsten Inhalten.Eine winzige Kostprobe: „Konkurrenz“bedeutet im lateinischen wörtlich eherKooperation als Wettbewerb; Wettbewerbwürde „Kontrakurrenz“ heißen. Und derTanz bringt mich vom Kopf in den Körper,ins Fühlen und in die Empathie mit derWelt. Er gleicht mich aus und macht michganz, zu einem glücklicheren undsozialeren Wesen – auch im Interview undauf der Vortragsbühne.Scholz: Sie halten in ganz Europa Vorträge.Dabei geht es oft um das ThemaGemeinwohl-Ökonomie. Wie ist es dennaktuell um das „Gemeinwohl“ inKrisenländern wie Spanien bestellt – wasbekommen Sie da vor Ort mit?Felber: In Spanien ist die Stimmung amBoden und sie sinkt weiter in den Keller.Es ist eine Mischung aus Enttäuschung,Ratlosigkeit und beginnender Not. Die fast60% arbeitslosen Jugendlichen arbeiten,wenn sie Glück haben schwarz undwohnen bei ihren Eltern – auch noch mit40. Da jetzt immer öfter auch die Elternarbeitslos sind, leben alle zusammen vonder Pension der Großeltern. Wenn diesesterben, bricht die finanzielle Basis desFamiliensystems zusammen. Das ist einetickende Zeitbombe, vieleEigentumswohnungen sind noch nichtabbezahlt und können aus der Sozialhilfeauch nicht bedient werden. DieZwangsräumungen sind derzeit das größteThema neben der Massenarbeitslosigkeit.Und es gibt gar kein Vertrauen mehr inRegierung, Parteien und Institutionen.Was aus dieser Vertrauenskrise in dennächsten Jahren erwächst, wirdentscheiden sein. Von derdemokratischen Transformation bis zumBürgerkrieg ist alles möglich.Scholz: Die Gemeinwohl-Ökonomiebeschreiben Sie in Ihrem Buch alspotenzielles Wirtschaftsmodell mitZukunft. Warum könnte die Gemeinwohl-Ökonomie z.B. eine Alternative zurkapitalistischen Marktwirtschaft bzw. zurzentralen Planwirtschaft sein?Felber: Weil sie den „gesunden Anteil“ derbeiden großen Experimente – Freiheit undGemeinschaft – miteinander verbindet,ohne ins Extrem, in die „-ismen“ zu fallen.Sozialismus erstickt die individuelleFreiheit und Kapitalismus zersetztBeziehungen und die Gemeinschaft. DieGemeinwohl-Ökonomie verbindet Freiheitund Gemeinschaft, indem sie dieWirtschaftsfreiheit und das privateUnternehmerInnentum unter dasverbindliche Oberziel des Gemeinwohlsstellt. Somit koppelt sie dasEigennutzstreben verlässlich an dasGelingen von Beziehungen undGemeinschaft zurück.Scholz: Globale Fairness, Menschenwürde,Solidarität, soziale Gerechtigkeit undökologische Nachhaltigkeit sollen in der46


10.12.2013 DASWACHSTUM INTERVIEWGemeinwohl-Ökonomie stärkerberücksichtigt werden. Steht Ihnen undIhren Mitstreitern nicht Gier, Kapitalismusund Ellenbogenmentalität noch zu sehr imWeg?Felber: Schon, aber auch der Demokratiestanden Gier und Macht im Weg – wirhaben sie trotzdem bekommen. DerAnerkennung der Menschenwürde undder Gleichberechtigung der Frau standenMachismo und Stumpfheit im Weg – undwir haben beides bekommen. Derentscheidende Denkfehler ist: Gier,Egoismus und Machtstreben sind heutenicht deshalb so weit verbreitet, weil sieunser genetisches Programm wären,sondern weil sie von den Märkten belohntwerden und zum unternehmerischenErfolg führen. In der Gemeinwohl-Ökonomie wird es intelligentereSpielregeln geben: Asoziales Verhaltenführt zum Konkurs. Belohnt wirdstattdessen soziales, empathisches,beziehungsförderndes und nachhaltigesVerhalten. Die Märkte fördern nicht längermenschliche Schwächen, sie treten in denDienst der Tugenden.Scholz: Welche Gemeinden und Regionenhaben sich bereits dem Gedankengut derGemeinwohl-Ökonomie verschrieben?Werden es immer mehr?Felber: In Südtirol haben vier Gemeindenim Vintschgau den Anfang gemacht, siesind bereits gemeinsam unterwegs. InSpanien haben die ersten Gemeindenrund um Salamanca und Extremadurasowie auf den Kanarischen Inselnbegonnen, aber es gibt auch großesInteresse seitens der Stadt Barcelona undin zahlreichen weiteren katalanischen undbaskischen Städten. Eine erste Initiativehat auch die Stadt Mannheim gesetzt, dortwird es richtig spannend. Gleiches gilt füreine österreichische Landeshauptstadt. Inder steiermärkischen Stadt Weiz hat dieKulturabteilung die Gemeinwohl-Bilanzerstellt. Derzeit tut sich so viel, dass wirfast die Übersicht verlieren....Scholz: Sie gelten alsGlobalisierungskritiker. Gibt es aber auchBereiche mit positiven Entwicklungen, dieauf die Globalisierung zurückzuführensind?Felber: Eine ganze Menge: Kultureller undwissenschaftlicher Austausch,Kongregation der Religionen, Küche,Spiele, Sport und Musik, die ganze Kunstsowie Sprachen: Ich habe RomanischePhilologie studiert, weil ich die kulturelleVielfalt Lateinamerikas kennen lernenwollte. Gegenstand derGlobalisierungskritik ist eine Extremformder wirtschaftlichen Globalisierung: FreierKapitalverkehr und Freihandel sowievölkerrechtlicher Eigentumsschutz fürTransnationale Konzerne. Und gleichzeitigkeine verbindlichen Menschenrechte,Arbeitsnormen, Sozial- undUmweltstandards, Steuerpflichten usw. –nur Freiheiten, keine Verantwortung, demgilt die Kritik.Scholz: Im Magazin „Naturscheck“prangerte der NachhaltigkeitsforscherNiko Paech auch schon dieVerantwortungslosigkeit derKonsumkultur an, die sich u.a. in dergeplanten Kurzlebigkeit vonIndustrieprodukten zeigt. Für die riesigeEinweg-Verpackungsflut macht er vorallem das auf Wachstum basierende47


10.12.2013 DASWACHSTUM INTERVIEWWohlstandsmodell verantwortlich. TeilenSie seine Ansicht, dass dasWachstumsmodell der Wirtschaft und derPolitik sich längst überholt hat?Felber: Voll und ganz. Ziel desWirtschaftens ist Bedürfnisbefriedigung,Lebensqualität und Gemeinwohl – völligunabhängig davon, ob das BIP dabeiwächst oder schrumpft. Das BIP misst dieAkkumulation der Mittel, nicht dieErreichung der Ziele. In der Gemeinwohl-Ökonomie würden sich nur nochStatistikerInnen für das BIP interessieren,ÖkonomInnen hingegen für dasGemeinwohl-Produkt, das das Ziel undsomit den Erfolg des Wirtschaftens misst.Scholz: Im April 2013 führten Sie einInterview mit der Wiener Zeitung “DiePresse“. Dort taucht auch der Name„Frank Stronach“ auf. Warum ist derösterreichisch-kanadische Multi-Milliardärein gutes Beispiel für typischeVerhaltensmuster in der Wirtschaft?Welche Denkweise wünschen Sie sich voneinflussreichen Persönlichkeiten in derZukunft?Felber: Herr Stronach kann nicht zuhören.Er unterbricht ununterbrochen undkommandiert. Er ist ein Musterbeispieldes Unternehmenspatriarchen alterSchule. Das wäre eine traurigeEinzelepisode, wenn er keine Macht hätte.Doch er hat sich nach einem Fußballclubauch einen Parlamentsclub gekauft. DasParlament wird zur Handelsware. Das istdas Ende der Demokratie. Die Lehre ausdem Beispiel Stronach ist, dass dasÜberschießen der Eigentumsfreiheit dieFreiheit vieler und die Demokratiezerstören. Deshalb schlägt dieGemeinwohl-Ökonomie „negativeRückkoppelungen“ vor: Die erste Millionsoll die leichteste sein, danach soll dasweitere Reicher-, Größer- und Mächtiger-Motto immer schwieriger werden und abdemokratisch festgelegten Grenzenunmöglich. So bleibt die Ungleichheit undsomit die Gesellschaft im Gleichgewicht.Heute ist es genau umgekehrt: Die ersteMillion ist für 99% unerreichbar, diezweite schon viel einfacher, bei der 100.Million weiß man gar nicht mehr, was diedafür erbrachte Leistung war; und wer1.000 Millionen hat, muss täglich 200.000Euro ausgeben, um nicht reicher zuwerden: Das ist genauso illiberal wieleistungsfeindlich – es ist dieKonterkarikatur einer echtenLeistungsgesellschaft.Scholz: Im Manifest der Gemeinwohl-Ökonomie stehen Finanzmarkt undZentralbank schlecht da. Wieso ist das sound warum sehen Sie auch den Euro sehrskeptisch?Felber: Meines Erachtens braucht es garkeinen „Finanz-Markt“, ein öffentlichesGeldsystem würde ausreichen:Gemeinwohl-orientierte Banken, die allewesentlichen Dienstleistungendurchführen: von Sparkonten über denZahlungsverkehr bis zur Kreditvergabe anUnternehmen und Haushalte. Bei derZentralbank wird nicht ihre Praxiskritisiert, sondern ihr Auftrag. Sie solltezum einen die einzigeGeldschöpfungsquelle sein und zumanderen die daraus resultierendenGewinne dem Gemeinwesen schenken,anstatt Geld als Schulden zu erschaffenund den Geschäftsbanken zur Verfügungzu stellen. Bei der Euro-Rettung könnten48


10.12.2013 DASWACHSTUM INTERVIEWdie Zentralbanken eine der beidenentscheidende Rolle spielen, indem sie dieStaatsanleihen der überschuldeten Euro-Länder garantieren, bis diese über eineEU-weite Steuerkooperation auf die Hälfteabgetragen sind. Diese maximal 50%-Staatsschuld gemessen an derWirtschaftsleistung könnte dieZentralbank wiederum in zinsfreie Krediteumwandeln. Damit würden sich dieStaaten den Zinsendienst für dieStaatsschuld ersparen.Scholz: Sie haben in diesemZusammenhang den Begriff einer„Demokratischen Bank“ ins Spiel gebracht.Was steckt dahinter?Felber: Eigentlich meint das Konzept eineflächendeckende öffentliche Bank, welchedie wichtigsten Dienstleistungen einerBank erbringt. Bis es soweit ist, geht einprivater Prototyp mit gutem Beispielvoran. Wir gründen diesen gerade inÖsterreich. Die vollständige Ethikbankprüft alle Kredite auf ihren Gemeinwohl-Mehrwert, sie schüttet keine Gewinneaus, belohnt den Ausstieg aus demZinssystem und organisiert sich immerdemokratischer, einschließlichgewaltfreier Kommunikation als Teil derUnternehmenskultur und systemischemKonsensieren (=Konsensfindung) alsinnovativer Entscheidungsmethode.Scholz: Lebenslanges Lernen ist heute inden Augen der Politik und der Wirtschaftein wichtiger Baustein zur Sicherung desWohlstands. Trotz vermeintlichemWohlstand mutiert die junge Generationzum Teil zu gefühlskalten Managern ineiner naturarmen Technikwelt. Wie siehtdagegen die Bildung der Gemeinwohl-Ökonomie aus?Felber: Wir schlagen sechs neueUnterrichtsinhalte vor: Gefühlskunde,Kommunikationskunde, Wertekunde,Demokratiekunde, Naturerfahrung undKörpersensibilisierung. Meines Erachtenssind diese Fähigkeiten für die menschlicheEntwicklung wichtiger als sämtlichederzeitigen „Pflichtfächer“. Zudem sollendie Regeln für das Bildungssystemdemokratisch festgelegt werden. Hierdenken wir an einen Bildungskonvent, indem mit Lernenden, Lehrenden und Elternalle betroffenen Gruppen zusammenarbeiten – derzeit machen die einzigen,die nicht betroffen sind, die Regeln:BeamtInnen in den Bildungsministerien.Scholz: Der kategorische Imperativ vonImmanuel Kant ist das grundlegendePrinzip der Ethik. Diesen erweitern Sie umeine ökologische Komponente. Wiekönnte das aussehen?Felber: „Wähle einen solchen Lebensstil,der von allen Menschen gewählt werdenkann, ohne dass dadurch andereMenschen oder zukünftige Generationengeringere Chancen auf denselbenLebensstil vorfinden“. Etwas wenigerlyrisch formuliert: Alle Menschen erhaltenein gleich großes Naturverbrauchsrecht.So wie bei Wahlen: Jeder Mensch hat eineStimme: alle sind gleich. Lautzeitgenössischen Forschungen zumökologischen Fußabdruck steht jedemMenschen auf der Erde ein jährlicher CO2-Budget von 2,7 Tonnen zur Verfügung,ohne dass der Planet in seinergegenwärtigen ökologischen Verfassungdadurch Schaden nimmt. Dieses könnte49


10.12.2013 DASWACHSTUM INTERVIEWauf einem Ökokonto gutgeschrieben undbei jedem Einkauf über ein zweitesPreissystem die entsprechende Mengeabgebucht werden – bei Null ist Schluss, esgibt keinen ökologischen Kredit. Auch wersein Stimmrecht bereits verbraucht hat,kann auf Kredit kein zweites Stimmrechtbeantragen. Natürlich soll niemandverhungern oder frieren, aber das lässtsich über teure Ausnahmeregeln inwenigen Jahren einüben.... Mir gefälltdieser rigide – extrinsisch motivierte –Ansatz nur am zweitbesten. Am bestenwäre natürlich, dass Menschen freiwilliginnerhalb der Grenzen der Erde leben.Doch solange das nicht der Fall ist, brauchtes eben Regeln und Grenzen. Beim Tötensind wir auch noch immer auf diesemStand: Freiwillig am Leben lassen wärebesser; aber noch braucht es für manchedas Verbot.Scholz: Die Gemeinwohl-Ökonomiebeschäftigt sich auch intensiv mit demaktuellen Arbeitsmarkt. WelchePerspektiven sehen Sie für die gebeuteltenArbeitnehmer von heute?Scholz: In den Plänen der Gemeinwohl-Ökonomie spielt auch die Einführung eines„kommunalen Gemeinwohl-Indexes“ eineRolle. Der Index basiert aufLebensqualitätsfaktoren, die in einerBürgerbeteiligung abgeklärt werdensollen. Welche Faktoren wären z.B. Ihnenpersönlich wichtig?Felber: Gesundheit und Wohlbefinden,soziale Sicherheit und Geborgenheit,Vertrauen, intakte Ökosysteme,Mitbestimmung, Zeitwohlstand,Spiritualität. Grundsätzlich braucht es fürGlück das Gelingen von Beziehung auf vierEbenen: der Beziehung zu mir selbst, vonYoga bis zur künstlerischen Entfaltung; derBeziehung zu anderen Menschen, vonErotik bis Demokratie; der Beziehung zurNatur: vom Garten bis zum Bad imGebirgsbach; und der Beziehung zumgrößeren Ganzen: Sinn und Spiritualität.Scholz: Herr Felber, wir danken Ihnen fürdas aufschlussreiche Gespräch.Die Fragen stellte Andreas Scholz.Felber: Die Präkarisierung derArbeitsverhältnisse hat einen einfachenGrund: Unternehmen machen es, weil siedadurch erfolgreicher werden. AsozialesVerhalten führt in der gegenwärtigenWirtschaftsordnung zum Erfolg. In derGemeinwohl-Ökonomie würde dieseSystemdynamik über marktkonformeAnreize und verbindliche Gesetze „ethischumgepolt“: Unternehmen erhalten umsomehr Vorteile, je humaner sie dieArbeitsbedingungen gestalten. Die ärgstenAsis würden so hohe Steuern, Zölle undZinsen zahlen, dass sie in Konkurs gehen.50


10.12.2013 DASWACHSTUM IMPRESSUMHaftungRedaktionHerausgeber: Martin BrosyChefredakteur: Martin BrosyAutoren: Frank Große, Margareta Macht,Manfred Stock, Rainer Brosy, Susanne KablitzReportagen.de: Andreas Scholz, Michael KrabsRedaktionsschluss: 09.12.2013Karikaturen: Timo EssnerGrafik & LayoutGrafik: Tomas InfantinoLayout: Martin BrosyAnzeigenverkauf &KooperationenMartin Brosyinfo@boersenpoint.deTel. (Mobil): 0151/67202775Tel. (Fest): 07121/6970439Bildnachweis© asrawolf - Fotolia.com© kotoyamagami - Fotolia.com© diez-artwork - Fotolia.com© Roman Samokhin - Fotolia.com© puckillustrations - Fotolia.com© bluedesign - Fotolia.com© lolloj - Fotolia.com© pixs:sell - Fotolia.com© freshidea - Fotolia.com© 123dartist - Fotolia.com© coonlight - Fotolia.com© Mellimage - Fotolia.com© Rudie - Fotolia.com© vector/ AngelaStolle - Fotolia.comDie im PDF-Magazin „DAS WACHSTUM“veröffentlichten Texte sind als kostenloseInformation zu verstehen. Sie stellen weder eineWerbung, noch eine Empfehlung, noch einevermögensbezogene, rechtliche oder steuerlicheBeratung dar. Diese Informationen können dahernicht als Basis für individuelle Handlungen undEntscheidungen herangezogen werden und sindsomit auch keine Aufforderung zurAngebotslegung, bestimmte Wertpapiere (Aktien,Fonds, Zertifikate, Anleihen, Optionsscheine etc.)oder andere Finanzprodukte, welcher Art auchimmer, zu kaufen oder zu verkaufen. Sie sind auchnicht dazu gedacht, Vermittlungen der genanntenFinanzinstrumente oder Finanzdienstleistungen,welcher Art auch immer, zu tätigen.Es handelt sich hierbei lediglich um die Darstellungder Einschätzungen und Meinungen verschiedenerInformationsdienste bzw. Autoren. Die in diesenBeiträgen getroffenen Aussagen und Prognosengeben die aktuelle Einschätzung des Verfasserswieder und stellen nicht unbedingt die Meinungvon „DAS WACHSTUM“ dar. Solche Einschätzungenkönnen sich ohne vorherige Ankündigung ändern.Bitte beachten Sie, dass das handeln mitWertpapieren oder anderen Finanzprodukten eingroßes Verlustrisiko in sich birgt. Sie sollten sichniemals ausschließlich auf unseren Serviceverlassen, nutzen Sie bitte auch andere Quellen zurEntscheidungsfindung.www.facebook.com/DasWachstum51

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