MAGAZIN 3.11 - Menschen für Menschen

menschenfuermenschen.de

MAGAZIN 3.11 - Menschen für Menschen

REPORTAGE DIE BAUERN UND IHR VIEHJahrhunderte lang fürchteten die Bauern imösterreichischen Großen Walsertal das Werkvon Hexen. Wenn eine Bettlerin auf den Hofkam und Nahrungsmittel verlangte, gaben dieBauern ihr aus Angst etwas. Denn die Bettlerin,so der Volksglaube, könnte eine Hexe sein.Heimlich könnte sie sich in den Stall schleichen,um die beste Kuh zu berühren und sie mitdem Rauschbrand zu infizieren, einer Krankheit,die das Tier in kürzester Zeit verendenlässt. Dieser Aberglaube existierte bis weit ins20. Jahrhundert hinein. Er zeigt, wie sehr dieBauern früher auch in Europa um die Gesundheitihrer Tiere fürchteten – hing doch dasWohl und Wehe ihrer Familien davon ab.Im Äthiopien des Jahres 2011 entscheidet dieGesundheit oder Krankheit der Nutztiere weiter -hin darüber, ob die Bauernfamilien ein Auskom -men haben oder ob sie ins Elend stürzen. Vorallem die Ochsen zählen, denn ohne sie kön nendie Bauern kein Getreide anbauen. Die Och senziehen die einfachen Eisenpflüge, mit denen dieBauern wie ihre Vorfahren vor vielen hundertJahren die Erde vor der Aussaat aufreißen.GEGEN ABERGLAUBENIn Hagere Mariam, einem auf über 3.000 MeterHöhe gelegenen Projektgebiet von Menschenfür Menschen, haben manche Ochsen anSchnüren kleine Beutel um die Hörner gebunden.In den Beuteln befindet sich Asche, die inden Nebengebäuden der Kirchen beim Backendes Brotes für die Gottesdienste anfällt. DieAsche gilt als heilig, sie soll die Ochsen vor„bösen Blicken“ schützen: Manche Menschen,so geht der Aberglaube im ländlichen Äthiopienbis heute, hätten die Gabe, mit ihrem BlickKrankheiten senden zu können.Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe wendet sichin Schulungen gegen diesen Aberglauben; dieMitarbeiter erklären den Bauern, dass nichtBli cke töten können, sondern Bakterien, unddass Impfungen das Vieh davor schützen. DieBauern treiben deshalb ihre Tiere in großerZahl zu den Impfterminen der Äthiopienhilfe.ZUM THEMA„Schon in der Bibel sind magereKühe ein Symbol für schlechte Jahre.Wenn ich durch Äthiopien reise,sehe ich fast täglich Rinder, derenRippen sich deutlich abzeichnenunter dem Fell – eine Folge vonKrankheiten und Futtermangel. Wirimpfen nicht nur das Vieh, sondernerklären den Bauern auch, wie sieihre Tiere halten müssen, damit diesekräftiger werden und mehr Nutzenbringen – und so die Menschenbesseren Zeiten entgegen gehen.“„Innerhalb kurzer Zeit hatte ich drei wertvolleTiere verloren.“ Eine ausgewachsene Kuh, einejunge Kuh und ein Ochse: alle starben an Milzbrand.Fanta Demesse verlor ein Vermögen;der Wert der drei Tiere auf den lokalen Märktenentsprach dem Lohn, den ein Arbeiter in Äthiopienin drei Jahren verdient.„Am liebsten hätte ich alles hingeworfen undalle verbliebenen Rinder verkauft“, erinnertsich Fanta Demesse. Aber was wäre die Alter-ALMAZ BÖHMnative? „Es gibt keine“, sagt der Bauer. In HagereMariam wie in vielen ländlichen GebietenÄthiopiens gibt es weder Industrie noch sonstigeVerdienstmöglichkeiten außerhalb derLandwirtschaft, und wer keine Tiere hat, ist imWortsinne arm dran. Denn wer keine Zug -ochsen besitzt, muss sie mieten: Bezahlt wirdmit einem Teil der Ernte. Selten schlachtendie Bauern ein Schaf oder eine Ziege für denEigenbedarf; meist verkaufen sie die Tiere aufEIN VERMÖGEN WERTBauer Fanta Demesses Tiere tragen keineAschebeutelchen. Er bringt seinen ganzen Besitzzur Veterinärstation von Menschen fürMenschen: zwei Ochsen, drei Kühe, zwei jungeBullen und zehn Schafe. „Vor einigen Jahrenwar ich verzweifelt“, erzählt der 37-Jährige:Bauer Fanta Demesse kann wieder lachen:Sein Viehbestand ist gesund.5


REPORTAGE DIE BAUERN UND IHR VIEHmit Penicillin, gibt Medikamente gegen Bandwürmeraus, bereitet für die Schafe Chemikalienbäder,die Fellparasiten abtöten. „DasImpfen und Behandeln von Krankheiten alleinreicht aber nicht aus“, erklärt Ephrem Betrework,Leiter der Nutztier-Abteilung von Menschenfür Menschen im Projektgebiet HagereMariam. „Mindestens genau so wichtig ist unsdie Ausbildung der Bauern, wie sie die Gesundheitihrer Tiere selbst stärken können.“EFFIZIENTERE TIERHALTUNGStarke Ochsen sind lebenswichtig für die Familien:Ohne die Zugtiere können die Bauern ihre Felder nicht bestellen.Menschen für Menschen sorgt für die Einkreuzung der Holstein-Rasse,damit die Kühe mehr Milch geben. Viele Frauen finanzieren mit Kleinkreditender Stiftung Jungtiere, mästen und verkaufen sie mit gutem Gewinn.dem Markt in der nächsten Kleinstadt – für Vieledie einzige Möglichkeit, an Bargeld zu kommen,um das Nötigste zu kaufen: billige Kleidung,Plastikschuhe, Speiseöl, Seife, Petroleum fürdie Lampe, Schulhefte für die Kinder.EPIDEMIEN ALS HAUPTPROBLEM„Mittlerweile bin ich wieder guten Mutes“, sagtFanta Demesse und schaut dem Veterinär-Assistenten der Äthiopienhilfe beim Impfen zu.„Seit diese Fachleute hier sind, habe ich keinTier mehr durch Krankheit verloren.“ Als Menschenfür Menschen sein ländliches Entwicklungsprojektin Hagere Mariam vor knapp vierJahren begann, nannten die Bauern die Viehgesundheitals ihr Hauptproblem. Immer wiederwar es zu Epidemien gekommen. Das Vieh,durch chronischen Futtermangel auf der Hochebenewenig widerstandsfähig, wurde vor allemvon den bakteriellen Infektionen Paratuberkulose,Rauschbrand und Milzbrand (Anthrax)hinweggerafft. Letztere Krankheit ist auchfür Menschen gefährlich. Durch regelmäßigeSchutzimpfungen der Tiere, die nur Cent-Beträgekosten, können diese tödlichen Krank -heiten ganz ausgeschlossen werden.Darüber hinaus behandelt der Veterinärdienstvon Menschen für Menschen InfektionenMehr zum Thema: www.menschenfuermenschen.de > Projekte > LandwirtschaftTraditionell wird Viehfutter einfach auf den Bodengeworfen – dieser kann mit Bakteriensporenkontaminiert sein. Also lernen die Bauern,Viehtröge zu benutzen. Häufig ist das Vieh derWitterung auf den Hochplateaus von HagereMariam schutzlos ausgeliefert. Menschen fürMenschen lehrt die Bauern, einfache Ställe zubauen. Die Stiftung gibt Saaten für besondersnährstoffreiche Futterpflanzen wie Leguminosenaus, damit die Tiere kräftiger und widerstandfähigergegen Infektionen werden. Danebenwird aus der Hauptstadt Addis Abeba inKühlboxen Samen von Holstein-Friesian-Rin -dern herangeschafft, um den einheimischenViehbestand durch Kreuzung zu optimieren.Stall-Bauten, neue Futterpflanzen, Einkreuzungvon europäischen Hochleistungsrassen:das sind allesamt Schritte, um die Viehhaltunginsgesamt umzustellen. Traditionell ist die Haltungnämlich wenig effizient. Die Bauern treibenihre Tiere zur Weide auf karges Brachland,wo sie sich ihr Futter mühsam selber suchenmüssen, und dabei viele Kalorien verlieren. Besondersin den Trockenzeiten finden sie nichtgenug Futter, die mageren Kühe geben nichtmehr als einen Liter Milch am Tag. „Wenn siedagegen die neuen Kreuzungen auf ihrem Hofin einem Pferch halten und sie gut füttern, sindbis zu 15 Liter Milch am Tag zu erreichen“, erklärtEphrem Betrework. „Wir vermitteln denBauern: Es ist besser, weniger, aber gesundeund leistungsfähige Tiere zu halten.“Eine Einstellung, die offenbar immer mehrBauern teilen. Als die Äthiopienhilfe vor zweiJahren mit dem Veterinärprogramm anfing,mussten die Mitarbeiter in manchen Dörfernregelrecht Reklame machen, damit die Bauernihre Tiere behandeln ließen. Heute dagegentreiben sie ihre Herden sogar aus Nachbardistriktenaus einer Entfernung von zwanzig Kilometerzu den Impfstellen.6


HINTERGRUND JUNGE ENTWICKLUNGSEXPERTENMIT DER LIZENZ ZUM HELFENDie einheimischen Entwicklungsexperten von Menschen für Menschenwohnen und arbeiten in abgeschiedenen Dörfern. Diese Nähe zu den Ein -heimischen hilft ihnen, moderne agrarökologische Methoden zu verbreiten,mit denen die Bauern das Überleben ihrer Familien sichern können.zumeist jungen Entwicklungsexperten kochenauf offenen Feuern, schleppen ihr Wasser vonweit entfernten Quellen zu ihren Hütten. „Sieleben das harte Leben der Bauern und sinddamit ganz nah dran an deren Bedürfnissen“,betont Almaz Böhm. Rund drei Viertel aller Mitarbeiterder Stiftung in Äthiopien arbeiten alsEntwicklungsexperten in den Dörfern. „Es gehörtzu den Grundsätzen von Menschen fürMenschen, nur wenige Führungskräfte zuhaben und dafür an der Basis breit aufgestelltzu sein.“ERFOLG IN DER PRAXISHirut Gaschaw in einer Baumschule im Projektgebiet Asagirt.Die junge Expertin sorgt dort für die Aufzucht von Apfelbäumchen.Nach einer dreijährigen Ausbildung bekommendie jungen Experten ihr Diplom und damit eineArt Lizenz zum Helfen: in den Projektgebietender Stiftung setzen sie das Konzept der „IntegriertenLändlichen Entwicklung“ um, das Fortschrittmit einem ganzen Strauß an landwirtschaftlichenund ökologischen Maßnahmenund Methoden bringt.„Es ist wunderbar zu sehen, wie die Bauernzuerst skeptisch sind, sich dann aber durchmeine praktische Arbeit überzeugen lassen“,sagt Hirut Gaschaw. Beispiel Bodenschutz: Hirutunterrichtete die Bauern, wie sie ihre Feldervor dem Abschwemmen von Mutterboden schützenkönnen, etwa durch das Anlegen von Stein -terrassen. „Jetzt haben sie bessere Erträge.“Eine Vase mit Plastikblumen, ein kleines Fotoalbum,eine Kaffeekanne aus Ton und einpaar winzige Tassen aus billigem Porzellan:Viel Besitz hat Hirut Gaschaw nicht in ihrer primitivenUnterkunft.Die 23-Jährige lebt in der StreusiedlungWobel im Projektgebiet Asagirt. Dort schult siedie Einheimischen in einer Vielzahl an agrarökologischenMethoden. Daneben ist sie füreine neue Obstbaumschule zuständig, die proSaison 1.500 Apfelbäumchen produziert. In derkargen Bergregion hatte praktisch niemandObst oder Gemüse angebaut, bis die „DevelopmentAgents“ von Karlheinz Böhms Äthiopienhilfeden Bauern die notwendigen Kenntnissevermittelten.Hirut Gaschaw gehört zu den „DevelopmentAgents“ von Menschen für Menschen. DieseUNERMÜDLICHER EINSATZEine Frage bleibt: Welche Zerstreuung gibt esfür junge Fachleute wie sie in einem so abgelegenenDorf? „Keine“, sagt Hirut. Beim Scheinvon Kerzen bereite sie sich abends mit Lehrbüchernauf ein Studium in „Ländlicher Entwicklung“vor. Ein Jahr noch als „DevelopmentAgent“, dann wolle sie an die Universität, sagtHirut und lächelt: „In zehn Jahren werde icheinen Mann und zwei Kinder haben. Und ichwerde die Leiterin eines Projektgebietes vonMenschen für Menschen sein.“7


AKTUELL NOTHILFEÄTHIOPIENIST VON HUNGER BEDROHTIn verschiedenen Gebieten Äthiopiens sindaktuell etwa 4,5 Millionen Menschen aufexistenzielle Hilfe angewiesen. Auch in denDistrikten Limu Bilbilo, Adaba und GedebAsasa im Süden des Landes vernichtetenDürreperioden und ein verheerender Pilzbefallder Getreide-Schößlinge die sehnlichsterwartete Ernte.Bereits seit Monaten sind in der Region sämtliche Vorräteaufgebraucht. Die Menschen können sich nicht mehrselbst ernähren. Menschen für Menschen kümmert sich umdie Versorgung von 47.000 Kindern, Frauen und Männernfür mindestens vier Monate. Denn vor Anfang 2012 – imschlimmsten Fall länger – wird es dort keine neue Ernte geben.Pro Person und Monat werden 15 kg Getreide, 500 mlSpeiseöl, 1,5 kg Hülsenfrüchte und 4,5 kg Nahrungsergänzungfür Kinder, kranke und schwache Menschen verteilt.um. Ein Team von Menschen für Menschen verteilt die Nahrungsmittelvor Ort.Wir dürfen diese Menschen nicht im Stich lassen. EineMonatsration an Lebensmitteln kostet 10 Euro pro Person.Wenn Sie für einen oder mehrere bedürftige Menschen dieseVersorgung sichern wollen, spenden Sie bitte mit Kennwort„Nothilfe Äthiopien“. Ihr Beitrag kann Leben retten.Daraus ergibt sich augenblicklichfolgender Bedarf an Hilfsgütern:• 2.820 Tonnen Getreide (Import notwendig)• 281,8 Tonnen Hülsenfrüchte (Einkauf in Äthiopien)• 296 Tonnen Proteinnahrung (Einkauf in Äthiopien)• 84.660 Liter Speiseöl (Import notwendig)Um persönlich garantieren zu können, dass unsere Hilfedirekt und ohne Umwege bei den Bedürftigen ankommt,setzen wir alle Nothilfemaßnahmen ausschließlich mit eigenenMitarbeitern und unter Nutzung eigener StrukturenWochenration: Weizen, Hülsenfrüchte und Öl.Für Kinder, alte und kranke Menschen verteiltdie Äthiopienhilfe zusätzlich Proteinnahrung.8


MIT IHRER HILFE BEKÄMPFEN WIR DIE ARMUT„Hunger kommt nicht über Nacht.Er kann verhindert werden.Ihre Hilfe schützt vor akuter Not.“SO EINFACH IST ES ZU HELFEN!Äthiopiens Bauern und ihre Familien leben von dem, was sie ihrenFeldern abringen. Auch in guten Zeiten bleibt kaum Überschuss, dersich verkaufen oder bevorraten lässt. Die Regenzeiten werden zu -nehmend unkalkulierbarer, Extremwetterlagen wie Dürren und Überschwemmungennehmen zu. Missernten sowie horrend gestiegenePreise für Grundnahrungsmittel führen dazu, dass sich die Menscheneinseitig und nicht ausreichend ernähren. Wenn die Getreidevorräteverbraucht sind, droht Hunger.Die aktuelle Situation zeigt erneut, wie wichtig es ist, langfristigeintegrierte Entwicklungshilfe zu leisten, damit solch akute Not nichtentsteht. Menschen für Menschen setzt darauf, die vorhandenenRessourcen gut zu nutzen und auszubauen. Moderne Methoden vonAckerbau und Viehzucht, Aufforstung sowie Saatgut, das durch tra -ditionelle Züchtungen verbessert wurde, sind wichtige Bausteine fürein gutes Auskommen.Der Erfolg dieser Anstrengungen zeigt sich aktuell darin, dass dieMenschen in unseren Projektregionen besser auf Notzeiten vorbereitetsind. Sie haben gelernt, ihre Landwirtschaft an die sich veränderndenklimatischen Bedingungen anzupassen und können somit die Erträgesteigern und Vorräte anlegen.Agrarökologisches Trainingfür zehn Bauern/TagVerbessertes Saatgutfür Getreide (100 kg)25 Euro40 Euro4.000 Setzlinge zur Aufforstung 100 EuroSpendenkonto: 18 18 00 18Stadtsparkasse München BLZ 701 500 00In herzlicher Verbundenheit,Almaz und Karlheinz Böhm9


ZU GAST HAILE GEBRSELASSIEHAILE GEBRSELASSIEZU BESUCH IM PROJEKTGEBIET MIDDAWir treffen die Marathonlegende an der BoleRoad, vor seinem Büro in Addis Abeba. Mit einemgewinnenden Lächeln begrüßt er uns. Heutehabe seine Tochter Geburtstag, erzählt er, abersie verstehe, wie wichtig ihrem Vater der Besuchin Midda ist. Er wolle den Leuten in Eu -ro pa als Augenzeuge dienen, ihnen von der Arbeitvon Menschen für Menschen berichten.schwister. Zur Schule musste er zehn Kilometerlaufen, zum Wasserholen brauchte seineMutter drei Stunden. „Das Wasser war schmutzigund voller Bakterien,“ erzählt er, „Ich hatteoft schlimme Magen-Darm-Krankheiten. SauberesWasser macht den Unterschied zwischenLeben und Tod.“ In Midda schützen Brunnen derÄthiopienhilfe die Gesundheit der Menschen.SCHLÜSSEL FÜR DIE ZUKUNFTVor der Minaze Higher Primary School wirdHaile Gebreselassie singend und klatschendvon den Kindern empfangen. Er appelliert ansie: „Menschen für Menschen hat hier eineSchule gebaut. Bitte nutzt diese Chance undlernt gut. Denn Bildung ist der Schlüssel zuallem! Versprecht ihr mir das?“ Die Kinder„Let’s go!“, ruft Haile voll Tatendrang. Wir brechenRichtung Midda auf.Unser erstes Ziel ist die Minaze Higher PrimarySchool. Die Fahrt dauert länger als geplant:Immer wieder werden wir aufgehalten:von Fans in den Dörfern, die ihrem Idol Gebrselassiezujubeln, singenden Kindern mitTransparenten, lokalen Würdenträgern, die ihmzumindest kurz die Hand schütteln möchten.Haile begegnet allen mit viel Freundlichkeit,gibt den Menschen aber immer auch eines mitauf den Weg: „Mädchen sollen zur Schule gehenund sie beenden. Heiraten können sie späterauch. Nicht schon mit 17!“ Dies ist seinewichtigste Botschaft – Haile hat selbst dreiTöchter – und er wird sie noch oft wiederholen.In vielen äthiopischen Schulen ist der Anteilder Mädchen noch immer niedrig.Haile war noch nie in Midda, ist beeindrucktvon der biblisch anmutenden Landschaft undden einfachen Lebensverhältnissen, die ihnan seine Kindheit erinnern: Auch seine Elternwaren einfache Bauern und er hatte neun Ge-rufen laut im Chor „Ja!“ und rennen in dieKlasse. Haile wird von der kleinen Meserethinein begleitet, die ihm stolz ihre Hefte undBücher zeigt. Ihr Lieblingsfach sei Englisch, erzähltsie, und dass sie jetzt gerne in die Schulegeht. Anders als früher, als sie in einer dunklenLehmschule lernen mussten. Auch Haile erinnertsich gut an seine alte Schule und zeigt sichbegeistert von der Helligkeit und Sauberkeitder Räume, die Menschen für Menschen hiergebaut hat.Anschließend besucht er die Eltern vonMeseret, die Modellfarmer sind und noch weitereProjekte von Menschen für Menschen imBereich Wasser, Gesundheit und Bildung.Mehr zur Reise mit Haile Gebrselassie:www.menschenfuermenschen.de10


MENSCHEN FÜR MENSCHEN DEUTSCHLANDWERDEN SIE AKTIV –AUCH IM WEBSeit Anfang September fällt es noch leichter, Menschen fürMenschen zu unterstützen: Im neuen Bereich „Aktiv werden“auf www.menschenfuermenschen.de informieren wir nichtnur, wie Sie sich ehrenamtlich für die Arbeit der Äthiopienhilfeengagieren können.Wir geben auch konkrete Tipps, welche Spendenaktionensich für Sie als Unterstützer der Stiftung anbieten. Hierfinden Sie den richtigen Ansprechpartner, der Sie indivi -duell berät und mit dem nötigen Material versorgt. Aus -gewählte Beispiele von Unternehmen und Einzelpersonengeben Anregungen, wie Sie Ihren Event für den gutenZweck individuell planen und durchführen können.Unsere Internet affinen Unterstützer haben zudem dieMöglichkeit, eigene Spendenaktionen selbst online zu stellen:etwa anlässlich eines Geburtstags, einer Hochzeit oderanderer Anlässe. Aktionen von Freunden und Bekanntenkönnen Sie mit wenigen Klicks leicht und unbürokratischunterstützen.Die Unterseite „Schüler für Schüler“ vermittelt jungenUnterstützern vielfältige Möglichkeiten, sich im Rahmendes Jugendprojekts „Generation ABC – 2015“ für eine gerechtereWelt zu engagieren. Ob Benefizkonzert, Flohmarktoder Sponsorenlauf, wir helfen mit Materialien und bieteneine Plattform, um Projekte in der Öffentlichkeit bekanntzu machen – damit dem Erfolg nichts im Wege steht.Schließlich können Sie in unserem neuen Bereich auchspielend leicht facebook-Fan von Menschen für Menschenwerden: So erhalten Sie immer die neuesten Informationenüber unsere Arbeit und können sich in Diskussionen zuThemen rund um unsere Hilfe in Äthiopien beteiligen. Wirfreuen uns auf Sie!MENSCHEN FÜR MENSCHENBEI FACEBOOKALEXANDER MARIA LOHMANN„ÄTHIOPIEN –GANZ TIEF INS LEBEN“In seinem Bildband öffnet Fotograf Alexander Maria Lohmann uns dieAugen für die unermessliche Schönheit Äthiopiens. Die phantastischen,großformatigen Bilder werden abgerundet von Text, der ebenso einfach,bescheiden und tiefgründig ist, wie das Land selbst. Und wir sehen:Das Glück ist überall – auch in einem der ärmsten Länder der Welt.Mit einem Vorwort von Almaz und Karlheinz Böhm.216 Seiten, 144 farbige und s/w-Abbildungen, gebunden, 24 x 30 cmErhältlich z.B. bei www.ProEthiopia.de. Preis: 39,80 Euro zzgl. 5,00Euro Versandkosten.Jede Bestellung unterstützt die Arbeit von Menschen für Menschen.Blick ins Buch:www.babile.com11


Mein TagGEMETSCHU TAMAM, 14 JAHRE„Ich möchte wiederzur Schule gehen.“Sieben Jahre lang habe ich die örtliche Schule besucht. Jeden Taglief ich eineinhalb Stunden, bis ich dort war. Dann sagte mein Vater:„Meine Gesundheit macht nicht mehr mit. Du musst auf demHof helfen, und durch die Schule verlierst du zu viel Zeit.“ Ich warverzweifelt, aber natürlich gehorchte ich. Seither pflüge ich mitden Ochsen, säe, jäte Unkraut, bewache die Felder: Mit dem Speervertreibe ich Wildschweine und Affen. Menschen für Menschenhat uns gezeigt, wie man Kartoffeln anbaut. Die Fachleute der Organisationhaben uns in diesem Jahr auch mit Kaffeepflanzen,Obstbäumen und mit robusten Gemüsesorten versorgt – sie sindmeine Hoffnung. Sobald wir ernten, können wir das Gemüse aufdem Markt verkaufen. Mein Vater hat mir versprochen, dass er mitdem verdienten Geld einen Tagelöhner bezahlen wird. Dann kannich wieder zur Schule gehen.Kinder in Äthiopien lernen früh, was materieller Mangel bedeutet.Zeit zum Spielen haben sie kaum, stattdessen arbeiten sie im Hausund auf dem Hof mit. Trotzdem ist ihre Lebensfreude groß. Unse reOnline-Bildgalerie wirft Schlaglichter auf die Kindheit in Äthiopien:www.menschenfuermenschen.de

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine