Frauenleben - Ethik konkret

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Frauenleben - Ethik konkret

ThemaFrauenlebenÜber die Kraft und Vielfalt weiblicher LebenskonzepteFotos: Bilderbox (3), kathbild.at, privatDer Anteil der Frauen an der Wohnbevölkerung in Deutschland und Österreichbeträgt 51,1%. Das entspricht rund 46,4 Millionen Menschen. Oder auch46,4 Millionen Lebenswirklichkeiten. Allein an dieser Zahl wird deutlich:„Die Frau“ gibt es nicht. Frauenleben bedeutet Vielfalt und Verschiedenheit.Verantwortlich dafür sindmehrere Faktoren. Je nachGeburtsjahr erleben Frauengesellschaftliche Entwick lungenunterschiedlich. EineFrau, die während der Zeit des„Wirtschaftswunders“ geborenwur de, hat andere Erfahrungengemacht als eine Frau,die als junges Mädchen denZweiten Weltkrieg oder diedeutsche Wiedervereinigungerlebt hat. Mit der historischensetzte gleichsam eineemanzipatorische Entwicklungein. Gleichberechtigungzwischen Mann und Frau inFamilie und Berufsleben istin der heutigen Zeit und Gesellschaftselbstverständlichergeworden. Die klassische Rollenaufteilunghat sich schonlange verändert. Das zeigtnicht zuletzt auch die aktuelleDiskussion um Kinderbetreuungund Familiengeld.Die Verschiedenheit von Frauenlebenwird zudem durchpersönliche Umstände bestimmt:Frauen haben unterschiedlicheSchulabschlüsseund Ausbildungen, verschiedeneStaatsangehörigkeitenoder Migrationserfahrungen.Frauen leben mit und ohne Behinderungen,sie leben alleine(20%) oder mit anderen Menschenzusammen – in einerPartnerschaft, mit Kindern,im Mehrgenerationenhaushaltoder als Patchworkfamilie(80%). Die Aufzählungließe sich beliebig fortsetzen.Sie zeigt aber vor allem eins:eine bunte Vielfältigkeit undUnterschiedlichkeit weiblicherLebenskonzepte.3/2007 Don Bosco heute · 3


ThemaDas Frauenbild inden MedienAngesichts dieser vielenEinflussfaktoren verblüfft,dass in den Medien vieleLebenswirklichkeiten vonFrauen schlichtweg nichtvorkommen. Zwar hat sichin den letzten Jahren einestereotype Darstellung vonFrauen deutlich aufgefächert.So sind Frauen in Filmen undSerien selbstverständlichererwerbstätig. Dennoch stehennach wie vor meist dieprivaten Beziehungen imMittelpunkt ihrer Rolle. InDokumentationen und beiDiskussionen sind Frauen imVergleich zu Männern deutlichseltener als Expertinnengefragt – und dies nichtetwa, weil es sie nicht gäbe.Werbespots und -anzeigenstellen Frauenkörper oft alsSex- und Dekorationsobjektedar. Andere Werbekonzepteberuhen auf Rollenklischees:Frauen erscheinen hier häufiglediglich im Rahmen ihrerHaushaltstätigkeit oder ihrerBeziehung zu einem Mannund ihrer Familie.Wenige Frauen inFührungspositionenDas einseitige Frauenbild derMedien ist mit darauf zurückzuführen,dass Frauen kaumin entscheidungsrelevantenPositionen vertreten sind.Auch in anderen wirtschaftlichenund gesellschaftlichenBereichen sind Frauen in derFührungsetage unterrepräsentiert.Mittlerweile gehenzwar mehr Mädchen als Jungenauf weiterführende Schulen.Doch mit zunehmenderQualifikation und Führungsverantwortungsinkt derFrauenanteil. Ein Beispiel:Ungefähr gleich viele Männerwie Frauen absolvierenein Hochschulstudium. Danachnimmt der Frauenanteilkontinuierlich ab: Von denPromotionen (38%) über dieHabilitationen (23%) bis zuden Professuren (14%).Vielfalt derLebenskonzepteWelches Leben eine einzelneFrau führt, ist auf der einenSeite durch äußere Faktorenbestimmt. Manche habensehr gute Ausgangsmöglichkeiten,um so zu leben, wiesie das wollen. Andere habendiese günstigen Rahmenbedingungennicht. Sie benötigeneine bezahlte Arbeit, weildas Familieneinkommensonst nicht reicht, würdenaber gerne mehr Zeit mit denKindern verbringen. Anderefinden trotz intensiver Anstrengungenkeine Stelle undmüssen mit Hartz IV oder Sozialhilfezurechtkommen.Auf der anderen Seite hängtdas eigene Lebenskonzeptauch von den persönlichenVorstellungen, den Bewältigungsstrategienund Gestaltungsfähigkeitenjeder Frauab. Das Maß der Zufriedenheitmit dem eigenen Lebensentwurfrichtet sich starkdanach, inwieweit die erlebteRealität mit diesem Lebensentwurfübereinstimmt.Günstige äußere Faktorenbedeuten nicht immer einerfülltes Leben, ebensowenigwie schwierige Bedingungenautomatisch zu Unzufriedenheitführen. Leid, Schmerzund Qual, aber auch Glück,Freude und Wohlbefindenziehen sich quer durch alleAltersschichten, Milieus undLebensformen.Jede Frau isteinzigartigDie jüdisch-christliche Vorstellungvon der Gottebenbildlichkeitschreibt jedemMenschen eine besondereWürde zu. Wir glauben, dassGott uns Menschen unterschiedlicherschaffen hat,dass jeder Mensch einmaligist. Jede Frau hat eine ganzeigene Kombination von Talentenmitbekommen.Oder anders formuliert: Eineeinzigartige Mischung vonTalenten wurde ihr anvertraut.Manche Frauen habenmathematische oder künstlerischeBegabungen, anderesind geschickte Handwerkerinnenoder können gutzuhören, wieder andere sindbegabte Lehrerinnen, Richterinnen,Politikerinnen oderManagerinnen. So wichtigdie Talente jeder einzelnenfür die Gesellschaft sind– letztendlich entziehen siesich dem Denken in Leistungs-oder Wirtschaftlichkeitskategorien.Auch einfachda zu sein ist eine wichtigeFähigkeit, die wir in der Regelan uns und anderen vielzu wenig schätzen.So wie eine Frau ihre Fähigkeitenversteht, so wird sieauch mit ihnen umgehen.Wenn Begabungen für sie einenbeliebigen Luxus bedeuten,wird sie sie gegenübervielen anderen Wichtigkeitenwie selbstverständlich zurückstellen.Wenn eine Fraudagegen die eigenen Talenteund Charismen als göttlicheBerufung auffasst, bedeutetdies für sie gleichzeitig denAuftrag, ihre Begabungen zurEntfaltung zu bringen. Dannist jedes Charisma Gabe undAufgabe zugleich.Jede Frau hat viele Möglichkeiten,ihr Leben zu gestalten.Damit steht sie gleichzeitigvor Herausforderungenauf verschiedenen Ebenen.Foto: Bilderbox4 · Don Bosco heute 3/2007


ThemaVielfalt bedeutetHerausforderungAls erste Herausforderungist das eigene Selbstverständniszu nennen. Es giltfür jede Frau, Spielräume zuentwickeln, um die eigenenGaben und Talente auch zuerproben, zu entwickelnund einzusetzen. Um dieeigene Berufung zu leben,auch wenn die Umgebungsie nicht immer verstehtoder unterstützt.Die zweite Herausforderungbetrifft das Leben inPartnerschaft und Familie.Haushalt und Kindererziehung– so schön, kreativund erfüllend diese Aufgabensein können – sind vielfachalleine Angelegenheitder Frauen. Entsprechendbleibt wenig Zeit für andereBegabungen. Hier sind insbesonderedie Partner gefordert,ihre Pläne und ihrHandeln so miteinanderabzustimmen, dass nichtdie Frauen ihre Talente angesichtsder Erwartungender anderen Familienmitgliederaufgeben, sonderndass alle ihre jeweiligen Fähigkeitengleichberechtigtentwickeln und glücklichleben können.Die dritte Herausforderungbesteht hinsichtlich derBegegnung mit anderenFrauen. Hier geht es darum,den Kontext, in dem eineandere Frau lebt, sensibelwahrzunehmen. Dazu gehört,nicht aus den Augenzu verlieren, dass die Rahmenbedingungenvielfachschwierig und lebenseinschränkendsind. Und dazugehört, zu respektieren, wieeine Frau sich selbst und ihrLeben sieht.Die vierte Herausforderungbezieht sich auf diegesellschaftliche Ebene.Ungerechte Strukturen undRollenfestlegungen aufzubrechenkann nicht alleinAufgabe derer sein, die anverschiedenen Stellen unterDiskriminierungen leiden.Alle sind gefordert – Frauenund Männer, gerade auchdiejenigen, die privilegiertsind und selbst keine Benachteiligungenerfahren.Nur, wenn wir nicht anderenzumuten, was wir für unsselbst nicht wollen, dannlassen sich auch Ungerechtigkeitenund Diskriminierungenverändern.Gelingendes Lebenfür alleVielfalt ist gottgewollt – dieVielfalt der Charismen undTalente ebenso wie die Vielfaltder Lebensentwürfe.Wie Frauen mit sich selbstumgehen und wie Männerund Frauen (anderen) Frauenbegegnen, ist auch Anhaltspunktdafür, wie ernstsie den Glauben an die Gottebenbildlichkeitnehmen.Die Kraft und Vielfalt andererFrauen wertzuschätzenträgt mit dazu bei, dass dasLeben aller Menschen immermehr gelingt. Trauen wir unsmehr zu: Unsere Talente sindGabe. Und Aufgabe: KeineFrau soll ihr Licht unter denScheffel stellen, sondern esleuchten lassen. Für alle.Dr. MechthildHerberhold (40),promovierteTheologin,arbeitet alsselbstständige Ethikberaterinund lebt mit ihrem Mannin Altena (Westf.).„Frauen ermutigen,aktiv in der Gesellschaftmitzuarbeiten“Madre Antonia Colombo(72) leitet als Generaloberindie Gemeinschaftder 15.000 Don BoscoSchwestern. Weltweitsetzen sich die Schwesternfür die gute Ausbildungjunger Mädchenund Frauen ein.Was ist Ihrer Meinung nachdas Wichtigste, was jungeFrauen heute lernen sollten?Wir sind für die Jugend da,wir achten aber besonders aufdie Situation der jungen Frauen.Wir wollen sie dazu ermutigen,aktiv in der Gesellschaftmitzuarbeiten. Wir geben ihnendas Bewusstsein der eigenenWürde, damit sie mit denMännern als gleichberechtigtePartner in der Gesellschaftarbeiten und auftreten. AllenAktivitäten gemein ist dabeiimmer die wirtschaftlicheUnabhängigkeit der Frauen.Dazu ist es wichtig, kritisch zudenken, sich nicht jeder Modeanzupassen, zu hinterfragen,um Entscheidungen zu treffenund dabei nicht oberfl ächlichzu sein. Den Sinn des LebensMadre Antonia Colombo:„Wir wollen Frauendazu ermutigen, aktivin der Gesellschaftmitzuarbeiten.“findet man nicht in Werbeslogans,sondern anderswo.Die Don Bosco Schwesternmöchten den Jugendlichenhelfen, ihre Berufung zufinden. Wir nehmen sie ernstund geben ihnen dann dieMöglichkeit, ihre Talente fürandere einzusetzen und ihreWerte zu leben. Wenn eschristliche Mädchen sind,dann soll man ihnen zeigen,dass sie den Glaubensweg mitChristus gehen können.Haben Sie als Leiterin desgrößten Frauenordens derkatholischen Kirche Kirchenreformwünsche?Ich persönlich rechne nichtdamit, dass Frauen die Priesterweiheempfangen werden,aber ich wünsche mir, dass invielen Bereichen der Kirchedoch mehr Frauen Funktionenerhalten. Wir sollen dieKirche nicht klerikal sehen,Kirche sind wir alle. Es gibtden Dienst als Priester, dasist wichtig, aber das ist nichtalles. Es gibt auch den Dienstder Laien.Mit Madre Antonia Colombosprach Sophie Wöginger.Foto: kathbild für donbosco.at3/2007 Don Bosco heute · 5


ThemaSovielfältigist dasLeben vonFrauenFrauenleben ist bunt,Frauenleben bedeutetVielfalt. Für DON BOSCOHEUTE erzählen fünfFrauen unterschiedlicherAltersstufen aus ihrem Leben:Vor welchen Heraus -forderungen, aber auchAufgaben sehen sie sichals Frau in der heutigenGesellschaft?Für welches „Lebensmuster“haben sie sich entschieden?Was macht Frauseinheute aus?Was ist ihnen wichtig?„Sind Mutter und Hausfraunicht emanzipiert?“Cornelia Hövel ist 20Jahre alt und arbeitetals Auszubildende zurMedienkauffrau beieinem großen Zeitungsverlagin München.Nach dem Abiund einem Freiwilligen Sozialen Jahrist die gebürtige Kölnerin vor einemhalben Jahr für einen Ausbildungsplatzin die bayerische Landeshauptstadtgezogen.„Im Moment bin ich absolut dankbarfür meine Situation: Die Ausbildungist anspruchsvoll und macht trotzdemSpaß, ich habe nette Freunde gefunden,aber auch den Anschluss nach Kölnnicht verloren, nebenbei eine Aufgabein der Gemeinde und gute Perspektivenfür meine Zukunft – so kann esbleiben! Dass ich mir momentan nochnicht vorstellen kann, eine Familie zugründen, hängt unter anderem damitzusammen, dass ich mir nicht imKlaren darüber bin, welches der vielenaktuellen Familienmodellefürmich tatsächlichzukunftsträchtigwäre. Möchte ich Kinder undJob? Oder nur Karriere? Wie stehe ichdazu, wenn andere sagen, als Mutterund Hausfrau sei ich nicht „emanzipiert“?Mein Idealbild ist die schönealtmodische Familie, mit verheiratetenEltern, einer Mutter, die für ihre Kinderda ist und vor allem in den ersten Jahrenauch ausschließlich. Viele meinerFreunde und Bekannten denken daetwas anders. Frauen haben doch dieChance, zu arbeiten. Für einige widersprichtMutter- und Hausfrau sein derGleichberechtigung. Wenn das abermein Konzept ist, schaffe ich es dannauch, dazu zu stehen? Und es bleibendie Zweifel: Was,wenn die Ehe nichthält? Finde ichdann wiedereinen Arbeitsplatz?“„Alleinerzieher sindkeine armen Opfer“„Mein Idealbild ist dieschöne altmodische Familie“Marianne Tiki (42)leitet die AbteilungRechnungswesen derDon Bosco PartnerorganisationJugendeine Welt. Vor 15Jahren ging dieNiederösterreicherinnach Zimbabwe undbaute sich dort mitihrem Mann einegemeinsame Existenz auf. Vor sieben Jahrenkehrte die 42-Jährige mit ihren drei Kindern(7, 9 und 11 Jahre) zurück nach Österreich.Eigentlich nur auf Heimaturlaub. Aufgrundder schwierigen politischen und wirtschaftlichenLage in Zimbabwe verschob sich dieRückreise jedoch immer wieder. Schließlichblieben sie und ihre Kinder in Österreich –ihr Mann kam jedoch nie nach.„Es war sehr schwierig, mich mit dieser neuenSituation abzufinden. Ich habe das großeGlück, einen tollen Arbeitsplatz gefunden zuhaben. Meine Arbeit ist interessant, macht mirSpaß und bietet mir die Flexibilität, die nötigist, um auch meinen Kinderngerecht zu werden.Und meine Kinder sindsehr selbstständig.Natürlich gibt es Momente, wo ich denke, ichschaffe das nicht mehr. Aber es bleiben Momente– sie bestimmen nicht mein Leben.Ich habe alles Materielle verloren, aber dadurchauch ein neues, sehr erfülltes Leben gewonnen.Ich glaube, dass wir alleinstehendenMütter und Väter und viele andere Menschen,die unter scheinbar ‚widrigen Umständen’leben, durchaus etwas Wichtiges vermitteln.Wir können gar nicht dem materiellen Wertediktatunserer Gesellschaft folgen, aber wirsollten uns nicht in der Opferrolle sehen. Wirsind ein neuer Anstoß, ein Umdenken, umsich auf die wahren Werte im Leben zu besinnen.Voller Selbstbewusstsein sollten wir dieWerte vertreten, die wir selbst leben: Fürsorge,ein soziales Miteinander, die Schwächerenunter uns fördern etc. Als Mutter geht es mirnur gut, wenn es allen in meiner Familie gutgeht – das könnte Kreise ziehen.“6 · Don Bosco heute 3/2007Foto: Bilderbox


Thema„Nicht lange zögern,sondern handeln“„Ein waches Gespürentwickeln“„Ganz glatt ging undgeht es nicht immer“Als typische „Karrierefrau“würde sichMonika Spindler-Krennnicht bezeichnen. Die50-jährige Würzburgeringenoss eine „strenge,aber liebevolle“Erziehung, absolvierte eine Lehre zurIndustriekauffrau und schloss nach demAbitur auf dem zweiten Bildungsweg einStudium zur Diplom-Sozialwirtin ab.Die Mutter zweier Töchter (16 und 19Jahre alt) übernahm den Kfz-Betrieb ihrerEltern mit insgesamt 300 Mitarbeiternund leitet diesen seit 1994 gemeinsammit ihrem Mann.„Verantwortung tragen lernte ich schonsehr früh. Daran hat sich bis heute nichtsgeändert. Der Spagat zwischen Ehefrau,Mutter und Arbeitgeberin ist schon so alltäglichgeworden, dass ich es mir anderskaum vorstellen kann. Die Familie stehtdabei immer im Vordergrund. Das fälltmir leicht, da auchmein Mann mit imUnternehmen arbeitetund so „Ausfallzeiten“von mir auffangen kann. Dazu kommt,dass ich gerne meine Aufgaben erledige,und alles, was man gerne tut, gehteinfach von der Hand. Auch besitze icheinen schier unerschütterlichen Glaubenan das Gute und es wird mir selten etwaszu viel. Kaum jemand wird mir mangelndesSelbstbewusstsein nachsagen, was invielen Lebenssituationen recht hilfreichist, besonders wenn man sich in der„Männerwelt“ durchsetzen muss.Was ich versuche meinen Töchtern mitauf den Lebensweg zu geben, ist zum eineneine gute Ausbildung um unabhängigzu sein. Wichtiger aber noch ist es,ihnen menschliche Wärme und Zuneigungzu schenken, damit auch sie dieseweitergeben können. Sie sollen lernenda zu sein, wenn sie gebraucht werden.Wenn ich morgens aufstehe, fällt miroft der Satz meiner Mutter ein: ,Wenndu etwas angehst, denke daran und sagedir: In Gottes Namen. Du wirst sehen, esgeht einfacher.’ Und glauben Sie mir, esfunktioniert.“Sr. Maria Maul (43)leitet die Bildungsanstaltfür Kindergartenpädagogikin Vöcklabruckund arbeitet imSchuljahr 2006/07 inBildungskarenz an derPhilosophisch-Theologischen Hochschuleder Salesianer in Benediktbeuern an ihrerDissertation. Im Alter von 27 Jahrenentschied sich die Don Bosco Schwesterfür ein Leben als Ordenfrau.„Mein Sein als Frau und Don BoscoSchwester verstehe ich ganz auf der Liniedes Charismas Don Boscos und MariaMazzarellos: die frohe Botschaft derLiebe Gottes allen Menschen nahe zubringen, vor allem den Schwächeren, inerster Linie Kindern und Jugendlichen.Unsere Chance sehe ich deshalb in ersterLinie in der Bildung und Erziehungjunger Menschen. Mir persönlich ist es inmeiner Tätigkeit in der Schule ein großesAnliegen, Herz,Hirn und Handjunger Menschengleichermaßenanzusprechen. Ich versuche, sie gefühlsmäßigzu sensibilisieren, damit sie einwaches Gespür entwickeln für Ungleichheitenund Ungerechtigkeiten jeder Art– vor allem auch in Bezug auf Frauen.„Menschliche Wärme undZuneigung sind wichtig“Unverzichtbar ist für mich die Vermittlungvon Wissen, damit junge MenschenZusammenhängeverstehenkönnen,selbstständigdenken lernen und sich die Kompetenzenfür die Ausübung eines erfüllendenBerufes erwerben.Und schließlich liegt mir am Herzen,junge Menschen zum Handeln zu motivieren.Wenn sie sich für das, was sieerspürt und erkannt haben, persönlicheinsetzen, dann finden sie nicht nur Sinnfür ihr eigenes Leben, sondern dannmachen sie im Sinn des ,Empowerment’auch Schwache stark.“Zwei erwachsene Söhne,drei Enkelkinder,viele Hobbys und einengagierter Einsatz alsSalesianische Mitarbeiterin:ElisabethLikar (63) hat auchim Ruhestand noch einiges zu tun. Diestudierte Pädagogin genießt die „freieZeit“ mit ihrem Mann, arbeitet zudemnoch als Lehrende an der ReligionspädagogischenAkademie in Klagenfurt.„Geboren in einem eher matriarchalischenUmfeld war es für mich nichtleicht, nach der Übersiedlung mit Mannund Kleinkindern die so andere Strukturin Kärnten zu erleben. Rückblickendzeigt mir aber meine Erfahrung, dassmit Ausbildung, Fähigkeiten und Gedulddoch einiges zu erreichen ist. Freilich istes jedes Mal notwendig, zu überlegen:Was mache ich gerne? Ist es den Aufwandund die Nerven wert, mich dochauch manchmal gegen das System (auchim Raum Kirche) zu stellen? Wird mirdas, was jetzt so toll als Angebot an meineFähigkeiten vor mir steht, später alsZeitverschwendung erscheinen?Dankbar schaue ich dabei auf meinenMann. Das gegenseitige Versprechen beiunserer Hochzeit, jeden von uns beidenseine Fähigkeiten auch leben zu lassen,hat er (vielleicht tapfer?) gehalten.Freilich braucht es dazu Gespräche undeinen ehrlichenUmgangmiteinander.Ganz glattging und geht es nicht immer. Gemeinsamtragen wir Schweres durch undwenn einer von uns ,im Einsatz’ ist,übernimmt der andere seine häuslichenAufgaben – vielleicht nicht immer gerne,aber doch.“„Mit Ausbildung, Fähigkeitenund Geduld ist einiges zu erreichen“3/2007 Don Bosco heute · 7

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