Paul der Baum - diffrent design gmbh

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Paul der Baum - diffrent design gmbh

Dieses Büchlein erscheint im Rahmen des Internationalen Jahrs des Waldes 2011 im Auftragdes Amts für Wald beider Basel. Das Amt für Wald beider Basel gehört zur VolkswirtschaftsundGesundheitsdirektion Basel-Landschaft sowie zum Departement für Wirtschaft, Sozialesund Umwelt Basel-Stadt.Paul der BaumEinblicke in die Wald-Welt© 2011 Amt für Wald beider Basel, 4410 LiestalAlle Rechte vorbehalten, einschliesslich derjenigen desauszugsweisen Abdrucks und der elektronischen Wiedergabe.


Paul der Baum istunglücklich.Er fühlt sich nichtwohl an seinemStandort: «Wennmeine Wurzeln nichtso tief im Bodenverankert wären,würde ich mir einenanderen Ort aussuchen.»45


Waldvielfalt in der Region BaselEin Wald ist mehr als eine Ansammlung Das Amt für Waldvon Bäumen. Er dient als Lebensraum, Das Amt für Wald beider Basel befasstErholungsgebiet, Wirtschaftsraum und sich mit dem Vollzug des Waldgesetzes.als Schutz vor Naturgefahren. In der RegionBasel sind beinahe 40 Prozent der che Anfragen rund um den Wald. Es prüftEs dient als Koordinationsstelle für sämtli-Kantonsflächen mit Wald bewachsen. Er Gesuche für Waldrodungen oder Bauten inprägt die Landschaft. Und er liefert viel Waldesnähe. Es erteilt Bewilligungen fürHolz von zahlreichen, unterschiedlichen Holzschlag, Einzäunungen oder Veranstaltungen.Infobroschüren und ExkursionenBaumarten.Bei uns gibt es hauptsächlich Laubbäume. informieren über den Zustand des Waldes,Nadelbäume wie Fichten, Weisstannen über die Ziele der Waldbewirtschaftungund Föhren treffen wir deutlich weniger sowie über angestrebte Weiterentwicklungen.Periodische Kontrollen stellenan. Am meisten verbreitet ist die Buche,wie Paul eine ist. Aber auch Eschen, Ahorneund Eichen sind häufig zu sehen. wird. Das Amt für Wald vermittelt zwi-sicher, dass der Wald nachhaltig genutztUnsere Wälder sind sehr naturnah. Das schen den verschiedenen Anspruchsgruppen.Zudem fördert es das Verständnis derheisst: Ohne menschlichen Einfluss wäredie Artenzusammensetzung der Wälder in Bevölkerung gegenüber dem Wald sowieetwa gleich.gegenüber dem Forstdienst.6 | 7Basel-Stadt Basel-LandschaftEinwohner Total 193 000 273 000Fläche Total 3700 ha 51 800 haWaldfläche Total 429 ha 20 700 haÖffentlich 339 ha (79%) 16 500 ha (78%)Privat 90 ha (21%) 4200 ha (22%)Waldanteil an Kantonsfläche 12% 40%Basel-Stadt Basel-LandschaftHolzvorrat Laubholzanteil 90% 69%Buchenanteil 38% 47%Nadelholzanteil 10% 31%Fichtenanteil 4% 12%Total 310 m 3 /ha 390 m 3 /haÖffentliche Waldeigentümer 290 m 3 /ha 375 m 3 /haPrivate Waldeigentümer 360 m 3 /ha 449 m 3 /haBasel-Stadt Basel-LandschaftNutzung Total 2500 m 3 133 700 m 3Hiebsatz * Total 3300 m 3 109 400 m 3Zuwachs pro ha & Jahr 8 m 3 8.4 m 3Nutzung pro ha & Jahr 6 m 3 6.5 m 3Hiebsatz * pro ha & Jahr 6 m 3 5.3 m 3Holzsortiment Stammholz 37% 32%Industrieholz 9% 12%Brennholz 54% 55%Waldrandlänge Total 70 km 2000 km* Hiebsatz = geplante Nutzung


Etwa 40 Prozent der Kantonsflächenbeider Baselsind mit Wald bedeckt.


Paul wäre am liebsten auf einemSpielplatz mit vielen Kindern:«Ich geniesse es, wenn Kinder beimir spielen oder sich übermeinen Schatten freuen. Aber hiermuss ich oft lange in der Stille warten.»


Zu Gast im Lebensraum WaldErholung ist wichtig, der Wald dafür Grün sowie die Geräusche und die Stille imideal. In der Schweiz darf man den Wald Wald wirken sich wohltuend auf die Gesundheitaus. Doch gilt es, Tiere und Pflan-frei betreten. Es ist ein Wald für alle.Das wird auch rege genutzt. Im Sommer zen in ihrem Lebensraum nicht zu stören.gehen rund 13 Prozent der Schweizer Rücksicht heisst das Zauberwort: RücksichtBevölkerung täglich in den Wald, im auf Tiere und Pflanzen und auf die anderenWaldbesucherinnen. Einige Verhaltens-Winter sind es 9 Prozent. Der Wald ist dieam häufigsten genutzte Sportarena in der tipps helfen dabei (siehe Kasten).Schweiz. In der Region Basel ist er gut undschnell erreichbar – zu Fuss in weniger als Waldnutzung ist nicht gratis20 Minuten. Die Natur so nah oder sogar Waldbesucher erwarten ein gut unterhaltenesWegnetz und dass sie sich im Walddirekt vor der Haustür zu haben, bedeutetLebensqualität und wirtschaftlich geseheneinen Standortvorteil.Bewirtschafter bei einem Holzschlag imsicher bewegen können. So müssen dieDer Wald hat vielfältige positive Auswirkungenauf die menschliche Gesundheit. vorkehrungen treffen. Das kostet vielErholungswald aufwändige Sicherheits-Die saubere, frische Luft, das ausgeglicheneWaldklima, die natürliche Umgebung, den Waldeigentümern häufig nicht ent-Geld. Leider werden diese Mehrkostender kühlende Schatten, das erfrischende schädigt.12 | 13Richtiges Verhalten im Wald …• Bikerinnen und Reiter benutzen nur dieerlaubten Wege.• Hunde sind unter Kontrolle zu halten. Dennin jedem streunenden Hund steckt derJagdtrieb. Speziell im Frühling währendder Setzzeit darf das Wild nicht gestörtwerden.• Baumrinde ist wie Haut. Wer sie ritzt undschnitzt, verletzt und schädigt den Baum.• Wald gehört öffentlichen oder privatenWaldeigentümern. Betreten erlaubt,Respekt erwünscht.• Wildes Feuern ist gefährlich.• Pilze, Beeren und Blumen dürfen nur mitMass und nach Vorschriften gesammeltwerden.• Jungwuchs nicht betreten.• Abfall im Wald? Stört die Natur undstinkt zum Himmel!• Rücksicht nehmen auf andereWaldbesucher, sich frühzeitigbemerkbar machen beim Überholen.• Absperrungen unbedingt respektieren.Forstarbeiten sind gefährlich.• Naturschutz- und Wildruhegebieteverdienen besondere Aufmerksamkeit.


Auch jetzt ist es still. Nur das Summender kleinen Bienen ist zu hören.Paul überlegt, schaut sich um:«Mein Stamm ist nichtso prächtig wie derjenige meinerNachbarn und meine Kroneist nicht so hoch.Was kann aus mir schon werden?Es wäre sicher besser,wenn ich nicht hier wäre,dann hätten die anderen mehr Platzund mehr Licht.»


Wem gehört der Wald?Obwohl der Wald jemandem gehört, dürfenwir ihn frei betreten. Wir dürfen spazieren,joggen, Pilze sammeln, velofahren,Reiten oder spielen. Das ist sogar in derBundesverfassung so festgehalten. Unddeshalb gibt es das Waldgesetz: Es istvor über 100 Jahren entstanden. Bis 1903durften die Waldbesitzer machen, was siewollten. So sahen auch die Wälder aus.Sie wurden schonungslos abgeholzt. Dasgewonnene Holz diente als Energielieferantin Fabriken, Haushalten oder für dieEisenbahn. Die Wälder wurden regelrechtgeplündert.Weniger Schutz vor NaturgewaltenBesonders fatal war diese Entwicklung inden Bergen. Die steilen Bergflanken verlorenihre natürliche Schutzeinrichtung.Lawinen, Steinschläge und Überschwemmungenwaren die Folge und viele Menschenstarben. Sie verloren ihr Leben, weilsie selbst den Schutzwald zerstört hatten.Das sollte sich ändern.WaldgesetzMit dem Waldgesetz von 1903 wurdendiese negativen Entwicklungen gestoppt.Plötzlich brauchte man eine Bewilligungfür das Schlagen von Holz. Man durfte nurnoch so viel Holz fällen, wie wieder nachwachsenkonnte.Ein erster Gedanke der Nachhaltigkeit:Auch künftige Generationen sollen denWald als Energiequelle nutzen und dieartenreiche Pflanzen- und Tierwelt erlebenkönnen. Ein gesunder Wald bietetnicht nur Lebens- und Erholungsraum,er bietet vor allem auch Schutz vorNaturgewalten. Durch das Waldgesetzist der Wald heute wieder so vielfältigund schön, wie wir ihn täglich vor derHaustüre antreffen.Wald ist kein NiemandslandEtwa 80 Prozent der Basler Wälder sindöffentliches Eigentum. Sie gehören denBürgergemeinden sowie den beiden KantonenBasel-Landschaft und Basel-Stadt.Die restlichen 20 Prozent gehören privatenPersonen, die ihren Wald öffentlichzugänglich machen.Wir sollten also den Wald respektieren,denn er gehört nicht uns. Wir dürfen ihnmit Verantwortung nutzen, damit auchunsere Nachkommen die gleiche Artenvielfalterleben.16 | 17


Da meldet sich eine Stimmevom Boden: «Paul, tu dochnicht so. Ich bin sehr froh,dass du hier bist.»Es ist Heinz der Steinpilz,der sich über das Laub unddas Totholz von Paul freut.Er schenkt Paul sein schönstes Lächeln.


Gemeinsam starkzulässt, wachsen Sträucher mit Früchten.super, denn sie ernähren sich genau vonEine perfekte ZusammenarbeitDiese wiederum dienen als Nahrung fürdiesen Insekten.Jeden Herbst werfen Laubbäume ihreDer Wald bildet eine grosse Lebens ge-Wildtiere. Ausserdem bietet das dichteDie Kräuter gedeihen dort, wo die Sträu-Blätter ab. Trotzdem liegt im Wald keinemeinschaft: Dazu gehören alle PflanzenBlattwerk der Sträucher Unterschlupf undcher nicht zu dicht und der Boden anmeterhohe Laubschicht. Die toten Blätterund Tiere – vom mächtigen Baum bis zurNistplätze für kleine Nagetiere.Nährstoffen reich ist. Am wenigsten Lichtverrotten, werden zur obersten Boden-winzigen Blattlaus an seinen Zweigen undbenötigt das Moos. In den Kräutern undschicht aus Blättern, Rinden, Zweigenden Regenwürmern im Boden.Im Stamm und am Bodendem Moos leben viele Tiere, da sie dortsowie Überresten von Samen, Blüten undDie Bäume schaffen die Lebensbedin-Im Stammbereich der Bäume leben vor-ein umfangreiches Nahrungsangebot fin-Früchten. Diese sogenannte Streu wirdgungen, an die sich die übrigen Pflanzenwiegend Insekten. Sie ernähren sich vonden. Der Waldboden ist also weitaus ar-von Insekten, Würmern und Asseln zer-anpassen müssen. Sie strecken ihre Kro-abgestorbenen Pflanzenteilen, die sichtenreicher als die für uns typische Baum-kleinert. Und schliesslich lösen Pilze undnen ins Sonnenlicht und lassen nur wenigauf, in oder unter der Rinde befinden.schicht mit den bekannten Laub- undBakterien auch die kleinsten ÜberresteLicht übrig. Wo es das Kronendach aberVogelarten wie der Specht finden dasNadelbäumen.auf. Fliegenpilze und Steinpilze wie Heinzzum Beispiel geben wichtige Nährstoffean die Baumwurzeln ab und erhalten ihrerseitsvon der Baumwurzel Zucker undWasser. Deswegen ist Heinz froh, dassPaul direkt neben ihm steht.Unter der neuen Laubstreu bleibt nur nochdas krümelige Zersetzungsprodukt, derHumus, übrig – neuer Waldboden hat sichgebildet.20 | 20 20 | 21


«Ich bin auch sehr froh,dass du da bist.Du bist ein Teil des Waldes.Die Bäume bieten mirein Versteck und bei Regenein Dach über dem Kopf»,meldet sich Bianca das Reh.Sie beobachtet Paul schon längerund kann nicht verstehen,weshalb er so unglücklich ist.Sie liebt den Waldmit all seinen Pflanzen und Tieren.


Der Wald schützt auch unsDer Wald bietet nicht nur Schutz undein Zuhause für Bianca. Er schützt auchuns Menschen vor Naturgefahren wieHochwasser, Lawinen, Rutschungen undSteinschlag. Die Wurzeln der Bäume zumBeispiel halten Steine zusammen, so dasssie nicht losbrechen können. Baumstämmekönnen einen Steinschlag abbremsenoder gar stoppen.Gemäss Bundesamt für Umwelt (BAFU)schützen 40 bis 60 Prozent der Waldflächegegen Naturgefahren. In der Region Baselsind mehr als 10 Prozent der WaldflächenSchutzwald.Sicherheit kostetNur ein intakter Wald schützt. Dafürmuss er gepflegt sein. Sonst werdenBahn linien, Strassen oder Wohngebieteplötzlich unzugänglich oder beschädigt.Der Bund und die Kantone unterstützendie Waldeigentümer bei der Schutzwaldpflegemit Beiträgen. Die Kosten für diePflege des Schutzwaldes belaufen sichauf rund 15 000 Franken pro Hektare. ImVergleich zu technischen Verbauungen istder Schutzwald umfassender, kostengünstigerund natürlich. Für Steinschlagschutzsystemesind die Kosten mit 150 000 Frankenpro Hektare zehnmal höher.Unser Wald schützt aber auch unserTrinkwasser. Denn der Waldboden wirktwie ein Schwamm: Er speichert das Wasserund reinigt es auf natürliche Weise.Zudem sorgt der Wald für einen LuftundTemperaturausgleich. Daher ist es imSommer angenehm kühl und im Winterweniger kalt als auf einem offenen Feld.24 | 2525 | 25


Schutzwald oberhalb vonSied lungen (im Bild rechtsWaldenburg BL) undVerkehrswegen mindertoder verhindert Steinschlägeund Erdrutsche.


Paul schämt sich.Er mag seine Freunde sehr.Trotzdem ist er traurig.Er sieht einen Baumstrunkweiter vorne und versinktin Gedanken: «Dort lebenjetzt ganz viele Insekten.Was ist wohl mitdem Baum passiert?»


Naturschutz im WaldRund 20 000 Tier- und Pflanzenarten lebenin unseren Wäldern. Alle sind an das Lebenim Wald angepasst. Und doch brauchensie ganz verschiedene Lebensräume.Die Eidechsen sind auf sonnige Felsenoder Steine, wo sie Wärme tanken können,angewiesen. Siebenschläfer und Spechtebenö tigen Baumhöhlen als Verstecke oderals Nistplatz. Viele Pilze und Käfer lebenauf abgestorbenem Holz. Orchideen gedeihendort, wo viel Licht auf den Waldbodenfällt. Moose und Farne dagegen eher,wo es dunkel und feucht ist.Damit möglichst viele Arten überlebenkönnen, sind helle und dunkle Wälder sowiejunge, alte und abgestorbene Bäumeerforderlich. Kurz: Es braucht eine Vielfalt anLebensräumen im Wald. Dafür müssen Wäldergepflegt und teilweise als Waldreservate30 | 31ausgewiesen werden. Für Orchideen undEidechsen entfernen Forstarbeiter einenGrossteil der Bäume und Sträucher, damitgenügend Licht den Waldboden erreicht.Der Wald wird hell und licht.Naturreservate unserer RegionAndere Wälder werden ganz der Naturüberlassen. Umgefallene Bäume bleibenliegen – wie zum Beispiel im Bogentalin Lauwil oder im Dübach in Rothenfluh.Dort fühlen sich Moose, Farne und vielePilz- und Insektenarten besonders wohl.Mit der Vielfalt an Lebensräumen kommteine Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten.Exkursionsführer zu verschiedenen Naturschutzgebieteninformieren umfassendüber die vielfältige Tier- und Pflanzenweltin den beiden Basel.Ein Auszug der bisherigen Exkursionsführerdurch Naturschutzgebiete ist in derAuflistung rechts zu finden.• Rehhag Heft 1:Roland Lüthi; ISBN 978-3-85673-643-9• Tal bei Anwil Heft 2:Roland Lüthi; ISBN 978-3-85673-644-6• Region Wildenstein Heft 3:Roland Lüthi; ISBN 978-3-85673-650-7• Magerweiden des Laufentals Heft 4:Roland Lüthi; ISBN 978-3-85673-655-2• Reinacher Heide Heft 5:Roland Lüthi; ISBN 978-3-85673-661-3• Region Wasserfallen Heft 6:Roland Lüthi; ISBN 978-3-85673-665-1• Diegtertal zwischen Chilpenund Tenniker Flue Heft 7:Roland Lüthi und Georg Artmann-GrafISBN 978-3-85673-668-2• Ermitage und Umgebung,Arlesheim Heft 8:Roland Lüthi; ISBN 978-3-85673-670-5• Der Kanton im Überblick:Teil A Unterbaselbietund Laufental Heft 9:Roland Lüthi; ISBN 978-3-85673-672-9• Der Kanton im Überblick:Teil B Oberbaselbiet Heft 10:Roland Lüthi; ISBN 978-3-85673-675-0• Basler Naturführer Heft 11:Roland Lüthi; ISBN 978-3-85673-678-1


Plötzlich hört Paulein unbekanntes Geräusch.Auch seine Freundehorchen auf.Bianca kennt den Klang:«Das sind lauteMaschinen der Menschen.Damit holen sieBäume von hier weg.»Paul lauscht gespannt.


Auserwählte BäumeNicht aus jedem Samen wird ein Baum.Manche fallen ins Wasser, auf einen Felsenoder auf die Strassen. Damit jungeBäumchen wachsen können, muss einMutterbaum ganz viele Samen produzieren.Es ist durchaus möglich, dassauf einer Fläche von 100 Quadratmetern(10 x 10 Meter) über 10 000 junge Bäumchenkeimen. Wenn die Bäume gross sind,haben aber nur noch ein bis zwei BäumePlatz. Alle anderen sterben, weil sie zuwenig Licht erhalten, von Tieren gefressenoder vom Menschen gefällt werden. DerKonkurrenzdruck unter den Jungbäumenist gross. Jeder braucht das Sonnenlicht.Regulierender EingriffWürde der Forstdienst nicht regulierendeingreifen, hätten nur die stärksten Bäumeeine Überlebenschance. Seltene, schwächereBäume könnten nicht mithalten. Zielist es, eine grosse Artenvielfalt zu erhalten– also ganz viele unterschiedliche Baumartenim Wald zu haben.Die Förster wählen seltene oder besondersschöne Bäume aus, um sie gezielt zufördern. Nachbarsbäume, die dem ausgewähltenBaum das Licht wegnehmen,werden entfernt; Aber auch Bäume, derenHolz sich später besonders gut verkaufenlässt.Bei einem Schutzwald stehen andereKriterien im Vordergrund: Es ist wichtig,dass die Bäume optimal verteilt undstandfest sind. Bei einem Erholungswaldhingegen achten Forstarbeiter darauf,dass sich Spaziergänger, Jogger und Reiterin einem schönen, sicheren Wald erholenkönnen. All diese Anforderungenwerden bei der Pflege berücksichtigt.34 | 35


Sorgfältige WaldpflegeDie Forstarbeiter machen sich vor demFällen eines Baumes ein sorgfältigesBild der Umgebung. Einen ausgewähltenBaum fällen die Arbeiter so, dass er beimUmfallen die verbleibenden Bäume nichtbeschädigt und problemlos aus dem Waldabtransportiert werden kann. Das ist nichtso einfach. Aber Forstwarte sind in derLage, einen Baum zentimetergenau aufeinen bestimmten Ort fallen zu lassen.Verarbeitung gefällter BäumeDen Baumstamm zerkleinern die Waldarbeiterje nach Qualität und Dicke sortimentsgerechtvor Ort. Aus dem wertvollstenTeil des Stammes, dem Nutzholz,werden hochwertige Möbel oder Bretterhergestellt, die man beim Hausbau einsetzt.Äste und weniger attraktive Teiledes Stammes werden zu Industrie- oderBrennholz verarbeitet. Je nach Baumartentsteht aus Industrieholz Papier, Kunstseide(Kleider), Watte, Holzwolle, Spanplattenoder auch Benzin. Mit Brennholzheizt man die Wohnung, bäckt frischesBrot oder grilliert eine feine Wurst.Abtransport aus dem WaldDoch wie kommt das Holz vom Wald in dieWeiterverarbeitung? Damit die Forstarbeiternicht den Waldboden zerstören, legensie spezielle Gassen für den Abtransportan. Der Lastwagen wartet auf einembefahrbaren Waldweg, um das Holz in dieSägerei, die Industriefabrik oder direktzum Holzverkauf zu bringen.Früher ist dasmit Pferden gemacht worden, heute setztman grosse Schlepper mit spe ziell breitenPneus ein. Sie sind besonders schonendfür die Waldumgebung.38 | 39


Heinz und Bianca wirken traurig,als Paul auf dem Transporterder Waldarbeiter liegt.Seine Neugier steigt:«Wohin bringen siemich wohl jetzt?»


Jedem Holz seine AufgabeJede Baumart hat ihr eigenes Holz, jedesBau- und Konstruktionsholz, Eisenbahn-Holz seine besonderen Eigenschaften. Esschwellen, Faser- und Papierholz, Furnie-gibt dunkle, helle, weiche, harte, leichtere, Möbel, Holzgeräte, Parkett, Treppenund schwere Hölzer. Und es gibt Holz,und Brennholz. Eichen haben hartes,dass schnell verfault und solches, dasdauerhaftes und widerstandsfähiges Holz.dauerhaft ist. Darum ist es wichtig, jeIdeal für Bau und Konstruktionen, Mö-nach Verwendungzweck das richtige Holzbel, Furniere, Fässer, Stützpfosten, Par-auszuwählen.kett, Eisenbahnschwellen oder für denZellulose finden wir auch in Medikamenten …… in Glace, damit diese erst auf der Zunge vergeht …Schiffbau. Lindenholz ist weich, leichtGeige oder Brennholz?und sehr gut bearbeitbar. Im Freien istDas Holz der Fichte ist weich und leicht,es nicht dauerhaft. Aber für Schnitze-aber tragfest und gut bearbeitbar. Unge-reien, Drechslereien, Bleistifte, Zündhöl-schützt ist es im Freien nicht dauerhaft.zer, Holzwolle, Reissbretter oder für denFür Innenkonstruktionen wie Dachstühle,Modellbau gerne eingesetzt.Decken, Möbel oder Instrumente, wieDoch Holz steckt auch in kleinster Formzum Beispiel für Geigen, eignet sich diein unzähligen Produkten und Werkstof-Fichte bestens. Buchenholz, das Holzfen, von denen niemand mehr ahnenvon Paul, ist hart, gut biegbar und bear-würde, dass sie zumindest teilweise ausbeitbar. Es ist das am häufigsten verwen-dem Wald stammen. Aus Zellulose, einem… im Orangensaft, damit sich Frucht und Wasser binden …… und in Form von Viscose auch im Pullover.dete einheimische Holz und begehrt alsHolzbestandteil, entsteht Papier.42 | 43


Die Forstarbeiter haben Paul den Baumins Sägewerk und dann zum Schreinergebracht. Da hat er seine Form verändert.Paul dient jetzt als Esstisch beiFamilie Walther. Jeden Tag bildet erdie Grundlage fürs Mittagessenoder den Kaffeeplausch. Undmanchmal spielen sie abendsein Brettspiel auf ihm.Er liebt die Stimmen und dasLachen der Kinder. Und er fühltsich endlich am richtigen Platz.


DanksagungUeli schreibst du noch was hier? Oder sollich das Bild über beide Seiten ziehen?42 | 47

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