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Ausgabe RIND03 2013Erscheint quartalsweiseISSN 1867-4003Stopp dem KälberdurchfallDen Elektrolythaushalt wieder herstellenKurz notiertKetose:Mit einem Test gefährdete Kühe findenRinderhaltung:Seit Mai 2012 5.000 Betriebeweniger, aber mehr KüheGesunde Klauen –leistungsstarke KüheDVD der Bayer-Nutztierakademiehilft Lahmheitensystematisch zu erkennenund vorzubeugenHygiene im Kuhstallwichtiger denn jeKetose und Milchfieber:Den perfekten Start indie Laktation sicherstellen


2 | 3aktuellTIERGESUNDHEITRINDStopp dem KälberdurchfallDen Elektrolythaushalt wiederherstellenKälberdurchfälle gehören nach wie vor zu den wichtigsten Faktorenkrankheiten in Rinder haltendenBetrieben. Die Flüssigkeits-Therapie mit Elektrolyten hilft den Kälbern über die schlimmste Zeit hinweg.Angelika Sontheimer gibt einen Überblick, worauf dabei zu achten ist.Foto: SontheimerIn der Gruppenhaltung ab zwei Wochen ist im Normalfall das Gröbste schon überstanden.


Die Geburt ist gut verlaufen, Kuh undKalb sind wohlauf. Während sie im Milchviehbetriebbald getrennte Wege gehen, bleibenMutterkuhkälber bei den Kühen bei Fuß.Wichtig ist in beiden Fällen zunächst dieBiestmilchaufnahme, um den Kälbern möglichstviele Immunglobuline für einen gutenStart ins Rinderleben zu geben. Nachdem dasDarmpech abgegangen ist, beginnen sie sozusagenmit ihrer eigenen Verdauung und dieersten Weichen für Wachstum und Vitalitätwerden gestellt. In den ersten vier Tagenkommt es selten zu schwerwiegendenDurchfällen, die meisten Kälber erkranken indem Zeitraum danach bis zu zwei Wochen.Durchfall ist bei den neugeborenen Tierenumso kritischer zu sehen, weil sie kaumReserven haben, die sie der kräftezehrendenKrankheit entgegensetzen können. JederTierhalter sollte deswegen die Tierbeobachtung„in der Kinderkrippe“ sehr ernst nehmen.Vielfältige UrsachenDurchfall kann viele Ursachen haben:Unzureichende Hygiene bei der Tränkezubereitung,zu niedrige Temperatur derTränke, Stress durch Umstallung oderTransport, schlechtes Stallklima oder eine zuhohe Belegdichte. Zu den infektiösenAuslösern gehören bakterielle Erreger wieColibakterien oder Salmonellen, Parasitenwie Kryptosporidien oder Kokzidien oderWelche Farbe und Beschaffenheit hat der Kot? Ist es harmloser Milchdurchfall oder gefährlicherbakterieller oder Virusdurchfall?Viren wie zum Beispiel Rota- oder Coronaviren.Die wirtschaftlichen Verluste durchDurchfall sind hoch. Höhere Kosten entstehennicht nur durch Elektrolyttränken oderMedikamente, sondern auch durch denzusätzlichen Betreuungsaufwand und nichtzuletzt durch verringerte Zunahmen bis hinzu Todesfällen. Durchfallkälber verlierenviel Flüssigkeit, bis zu acht Liter am Tag.Ein Teufelskreis entsteht: Durch den Flüssigkeitsverlustwerden die Tiere schwächer undsie verlieren die Trink- bzw. Fresslust, so dassdie Flüssigkeitszufuhr den Verlust nichtmehr ausgleichen kann. Sie dehydrieren,magern schließlich ab. Wenn das Herz-Kreislaufsystembeeinträchtigt ist, werden sieirgendwann apathisch und liegen am Endefest.Das Festliegen kann bis zum Kreislaufschockführen. Durch den Verlust vonMineralien und Puffern wie Natrium, Kalium,Chlorid und Hydrogenkarbonat entgleistder Elektrolythaushalt, es kommt zu einer starkenÜbersäuerung des Körpers. Dieser könnendie Nieren nur bis zu einem gewissenGrad durch verminderte Harnbildung entgegensteuern,bevor eine lebensbedrohlichemetabolische Acidose entsteht.Elektrolyte zuführenDie erste Hilfe lautet deswegen immer:den Flüssigkeitshaushalt erhalten. Dies machtman am besten über Elektrolyte.Foto: SontheimerMehr Trinklust bei Kälberdurchfall.wissenschaftlichgeprüftFriederikenstraße 9-11, 26871 Papenburg, www.vuxxx.deTelefon: 04961-98288-0, FAX: 04961-98288-24


4 | 5aktuellTIERGESUNDHEITRINDDas Ziel der Flüssigkeitstherapie ist es, dieAustrocknung durch den Durchfall aufzufangenund den Säure-Basen- sowie den Elektrolythaushaltwieder herzustellen. Solangedas Kalb noch trinkt, reicht im Normalfall eineElektrolytränke aus. Wenn das Kalb aber nichtmehr aufsteht und so abgefallen ist, dass esnicht mehr trinkt, müssen Infusionen verabreichtwerden. Viele Futtermittelfirmen bietenheute gute Elektrolytlösungen an, doch imZweifelsfall sollte der betreuende Tierarzt umRat gefragt werden. Eine gute Elektrolyttränkehat ausreichend Natrium, Glucose sowie einAlkalisierungsmittel. Dabei sind Acetat undPropionat gegenüber Bicarbonat zu bevorzugen,da sie die Natriumaufnahme und Wasserresorptionim Dünndarm anregen. SogenannteDiättränken sind meist noch mitneutralen Aminosäuren wie Glyzin oderGlutaminen und flüchtigen Fettsäuren wieAcetat oder Propionat zur Energiezufuhr angereichert.Sie ersetzen aber nicht die Milchtränke.Als Hausmittel kann mit 20 gTraubenzucker, 3,5 g Kochsalz und 2,5 gNatriumbikarbonat (Backpulver) auf einenLiter Wasser eine Elektrolyttränke selbst hergestelltwerden. Die Inhaltsstoffe normalisierendas extrazelluläre Flüssigkeitsvolumen,verbessern die Aufnahme von Natrium ausdem Darm und wirken der Versäuerung entgegen.Eine hypertone Kochsalzlösung ohneNatriumbikarbonat reicht hingegen nicht aus,weil sie keine Wirkung gegen die Acidose hat.Checkliste Durchfall:Augenkontrolle: Liegen die Augenlieder beim Auseinanderziehen direkt am Augapfeloder sind die Augäpfel in der Augenhöhle eingesunken?Schleimhautkontrolle: Sind die Schleimhäute gut durchblutet, sehen sie rosig ausoder sind sie gelblich-fahl?Hautfaltenkniff: Braucht die Hautfalte mehr als zwei Sekunden, bis sie wiedergeglättet ist?Kotbeschaffenheit: Ist der Kot braun bis hellbraun, fest bis breiig aber nicht flüssigoder gelblich, schaumig oder gar blutig?Wie ist die Trinklust? Ist der Saugreflex gut ausgebildet, nimmt das Kalb genügendFlüssigkeit auf?Wie ist der Allgemeinzustand des Kalbes? Hat es wache Augen, untersucht seineUmwelt, ist neugierig, spielt oder ist es gleichgültig, erschöpft oder gar apathisch?Hat das Kalb Schmerzen? Steht es gekrümmt oder schlägt es mit den Beinen gegenden Bauch?Wie hoch ist die Temperatur? Bei Fieber (>39 °C) den Tierarzt rufen.Häufiger tränkenEs empfiehlt sich, die Elektrolyttränke ineiner dritten Mahlzeit am Tag zu verabreichen,immer vorausgesetzt, das Kalb nimmt an denbeiden Hauptmahlzeiten noch genügendMilch oder Milchaustauscher auf. EinigeElektrolyte auf Acetatbasis oder mit niedrigemBikarbonatgehalt können auch in dieTränkemilch eingemischt werden. Die Milchdarf jedoch nicht abgesetzt werden, um dieEnergiezufuhr zu erhalten. Wenn das Kalb dieTränke nicht freiwillig aufnimmt, wie zumBeispiel Kälber aus der Mutterkuhhaltung, diedas Trinken aus dem Eimer nicht gewohntsind, kann die Tränke auch mit Sonde verabreichtoder gedrencht werden. Das darf abernur in Zusammenarbeit mit dem Tierarztgeschehen, weil energiereiche Tränken beizwangsweisem Verabreichen zu Pansenacidoseführen können.Die Grenze zur InfusionIn schweren Fällen mit hochgradiger Azidosesteigt die Serumkonzentration an D-Laktatan. Das Kalb steht nicht mehr auf, hat keinenSaugreflex mehr und ist appetitlos. In diesemFall bringt der Versuch einer Flüssigkeitszufuhrüber die Tränke nichts mehr, da dieMagen-Darm-Tätigkeit schon zu stark eingeschränktist. Deswegen sollte im Verdachtsfallfrühzeitig der Tierarzt hinzugezogen werden.Er kann über eine Blutprobe noch weitereParameter wie den Hämatokritwert oder dieMit dem Durchfall verlieren die Kälber viel Flüssigkeit. Elektrolyttränken helfen, die wichtigstenMineralien und Spurenelemente zurück zu bringen.Foto: Sontheimer


Plasmaproteinkonzentration untersuchenund entscheidet dann, ob es notwendig ist,Infusionen zu verabreichen oder gegebenenfallsbei Fieber und Begleiterkrankungenwie Nabelentzündungen oder Lungenentzündungenauch Entzündungshemmer undAntibiotika zu verabreichen. Bei Untertemperaturvon weniger als 38 °C sollte dasKalb mit einer Wärmelampe gewärmt werden.FazitVorbeugen ist besser als Heilen. OberstesGebot bei der Kälberhaltung ist die Hygiene.Mit einer sorgfältigen Geburtshygiene, demSauberhalten der Abkalbebucht, der Reinigungund Desinfektion der Kälberboxenund Stallabteile oder Iglus lässt sich derKeimdruck enorm reduzieren. Wo immermöglich sollten die Iglus einige Tage vorNeubelegung leer stehen, da das UV-Lichtebenfalls Keime abtötet. Bei Problembeständenkann eine Muttertierimpfung inErwägung gezogen werden. Die erste abwehrstärkendeMaßnahme im Leben eines Kalbesist die Biestmilchgabe. Ist der Durchfall da, sohelfen Elektrolytlösungen, die zusätzlich zurMilchtränke gegeben werden. Wenn das Kalbschon so schwach ist, dass es nicht mehr aufstehtund keinen Saugreflex mehr hat, mussder Tierarzt Infusionen geben. Der Behandlungserfolghängt davon ab, wie schnell krankeTiere erkannt werden, umso schneller kanngegengesteuert werden. Als Therapiegrundsatzgilt: Kranke Tiere schnell erkennen,den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust ausgleichenund die Energiezufuhr durch Milcherhalten.Angelika SontheimerZur täglichen Tierbetreuung gehört die Kontrolle des Allgemeinbefindens und der Milchtränkeaufnahme.Um eine Infektion auszuschließen, sollte im Verdachtsfall auch Fieber gemessenwerden.Foto: Sontheimer


6 | 7aktuellTIERGESUNDHEITRINDKurz notiertKetose:Mit einem Test gefährdete Kühe findenKetose bei frisch abgekalbten Milchkühenist weit verbreitet, subklinische Fälle bleibenjedoch häufig unentdeckt und die Folgen sindkostspielig. Dies belegen die Daten einer europaweitdurchgeführten Studie von Elanco: InDeutschland wurden in 16 Milchviehbetrieben411 Kühe getestet. Die Prävalenzvon verborgener Ketose lag im Durchschnittbei 45 % (die Grenze für Ketose waren Milch-BHB-Werte > 100 µmol/l), wobei die Werte inden verschiedenen Herden zwischen 16 %und 72 % variierten.Elanco hat daher kürzlich auch inDeutschland einen Milchtest eingeführt, derLandwirte dabei unterstützt, Herden miteinem erhöhten Ketose-Risiko zu identifizieren:Beim Keto-TestTM werden Teststreifenmit Farbumschlag verwendet, die den Anteildes Ketonkörpers Beta-Hydroxybutyrat(BHB) in der Milch messen. Eine positiveKetose-Diagnose besteht, wenn der BHB-Wert der Milch 100 µmol/Liter übersteigt.Um Ketose auf Herdenniveau zu überwachen,sollten Betriebe alle zwei bis drei Wocheneinen Test durchführen. Dabei werden jeweilsdie Kühe mit dem Keto-TestTM getestet, dievor zwei bis 21 Tagen abgekalbt haben. Wenndauerhaft mehr als 25 Prozent der getestetenKühe positive Ergebnisse aufweisen, solltender Tierarzt und der Fütterungsberater desBetriebes hinzugezogen werden. Denn verborgeneKetose kann sich auf die Gesundheit,Fruchtbarkeit und Milchproduktion von Kühenauswirken.Quelle: ElancoFoto: Gerd SandtenVerborgene Ketose kann sich auf die Gesundheit, Fruchtbarkeit und Milchproduktion von Kühen auswirken.


Kurz notiertRinderhaltung:Seit Mai 2012 5.000Betriebe weniger, abermehr Kühe12,6 Millionen beträgt die Zahl derRinder, die in Deutschland von 157.797Betrieben zum Stichtag 3. Mai 2013 gehaltenwurden. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahlder Rinder um 0,9 Prozent gestiegen, die Zahlder Betriebe um 5.070 bzw. 3,1 Prozent gesunken.Nach vorläufigen Ergebnissen desStatistischen Bundesamtes betrug die Zahlder Milchkühe 4,2 Millionen (+0,8 %) unddie der Milchkuhhaltungen 80.983 (-3.955bzw. -4,7 %). Mit rund 5,3 Millionen Tierenist die Rasse "Holstein-Schwarzbunt" ambedeutendsten, gefolgt von der Rasse "Fleckvieh"mit 3,5 Millionen Tieren.Quelle: Renate Kessen, www.aid.deGesunde Klauen – leistungsstarke KüheDVD der Bayer-Nutztierakademie hilftLahmheiten systematisch zu erkennenund vorzubeugenLahmheiten und damit verbundene Klauenerkrankungenwie die Klauenrehe zählenzu den ernstzunehmenden Problemen imMilchkuhstall. Die Tiere haben meist großeSchmerzen und geben weniger Milch. Folgensind hohe Behandlungskosten, ein erheblicherBetreuungsaufwand sowie Fruchtbarkeits-und Stoffwechselstörungen, die zusätzlichenwirtschaftlichen Schaden verursachen.Ein Krankheitsfall kostet den deutschenLandwirt daher rund 850 Euro. Im Rahmenihres ganzheitlichen Fortbildungskonzeptesbietet die Bayer-Nutztierakademie jetzt eineDVD an, die Landwirten systematisch erläutert,wie sie Lahmheiten frühzeitig erkennenund verhindern können.Studien haben gezeigt, dass Landwirte imVergleich zu Tierärzten die Klauengesundheitihrer Milchkühe als deutlich besser einschätzen.Diese DVD soll motivieren, Lahmheitenregelmäßig zu kontrollieren. Die Landwirteerhalten eine praktische Hilfe, wie sie dieGesundheit der Tiere besser im Blick haltenund damit die Leistungsfähigkeit ihrer Küheverbessern können. Anhand von Schrittlängeund Körperhaltung unterschiedlich stark lahmenderMilchkühe lernen sie die vier Lahmheitsgradeerkennen.Insbesondere die leistungsfähigstenMilchkühe erkranken häufig an Klauenrehe,die häufig zu spät festgestellt wird. Unbehandeltöffnet die Erkrankung die Tür fürweitere Infektionen und kann im schlimmstenFall zum Abgang der Milchkuh führen.Deshalb muss eine lahmende Kuh dringenddem Tierarzt vorgestellt werden. Dieser kannverschiedene Behandlungskonzepte mit NullTagen Wartezeit auf Milch von BayerHealthCare anbieten.Die DVD ist in Zusammenarbeit mit derFachzeitschrift „elite“ entstanden und kannkostenlos auf www.bayerfarm.tv angesehenoder über den Tierarzt bezogen werden.Mit der App Bayerfarm® TV könnenLandwirte weitere interessante Videobeiträgeund Expertentipps in der Service-Videothekunter www.bayerfarm.de aufrufen.Quelle: Bayer HealthCareDeutschlandImpressumImpressumHerausgeberVetM GmbH & Co. KGFriederikenstraße 9-1126871 PapenburgTel: 0 49 61 - 9 82 88 - 17Fax: 0 49 61 - 9 82 88 - 26E-Mail : info@vetm.deRedaktionVetM GmbH & Co. KGFriederikenstraße 9-1126871 PapenburgTel: 0 49 61 - 9 82 88 - 17Fax: 0 49 61 - 9 82 88 - 26E-Mail : info@vetm.deRealisationVetM GmbH & Co. KGFriederikenstraße 9-1126871 PapenburgTel: 0 49 61 - 9 82 88 - 17Fax: 0 49 61 - 9 82 88 - 26E-Mail : info@vetm.deISSN 1867-4003Titelfoto: © Grecaud Pau – Fotolia.de


8 | 9aktuellTIERGESUNDHEITRINDDie Intensivtierhalter von Schweinen und Geflügel sind mit dem Thema Stallhygiene schon seit Jahrenbestens vertraut. Es ist heute nichts Besonderes mehr, wenn vor dem Betreten der Stallungen spezielleSchutzkleidung angelegt wird oder gar „eingeduscht“ werden muss. In der Rinderhaltung sind solcheMaßnahmen zum Glück noch nicht notwendig. Allenfalls hat der Tierarzt „seine“ Stallstiefel, undBetriebsfremde sollten nicht unaufgefordert den Stall betreten. Ein schlüssiges Hygienekonzept suchtman (außer im Seuchenfall) in Rinderställen bislang jedoch vergebens. Gunter Schwarz gibt Hinweise, wiees organisiert werden kann.Die Frage ist nun, warum in Rinderställendie Hygienemaßnahmen eine untergeordneteRolle spielen. Sind Rinder weniger anfällig alsSchweine und Hühner? Sind die Erreger wenigeraggressiv? Wird in Schweine- und Hühnerställenzuviel desinfiziert, wodurch Resistenzenentstehen? Zwar sind die Antwortenauf diese Fragen bis ins letzte Detail nochnicht geklärt, ein „Nein“ ist jedoch bei allendrei Möglichkeiten sehr gut zu vertreten.Krankheitserreger sind immer und überall,auch in der Natur, nachweisbar. ZumProblem werden sie, wenn entweder die Zahlder Erreger überhand nimmt, oder das Tiergeschwächt ist und dadurch die Abwehrmechanismenversagen. Dramatisch wird es,wenn beides zur gleichen Zeit zutrifft, wie folgendesBeispiel verdeutlichen soll:Jedes Euter, von jeder (laktierenden) Kuhwird jeden Tag von Bakterien besiedelt, auchim Euter. Die natürliche Abwehr, zusammenmit dem Milchentzug, sorgt dafür dass die„Eindringlinge“ auf einem niedrigen Niveaubleiben und keinen Schaden anrichten können.Wird der Stoffwechsel belastet, z.B. durchwarme Silage (bei Hochleistungskühen istschon ein Futterwechsel ausreichend), versagendie natürlichen Abwehrmechanismen,die Erreger werden nicht eliminiert, sondernvermehren sich bis hin zur Mastitis. Das gleichePrinzip trifft bei Klauenerkrankungen(plus der mechanischen Belastung) sowie vorallem bei Kälbererkrankungen zu.Foto: Farm WorkerAuch im Rinderstall sind Hygienemaßnahmen sehr wichtig, denn auch hier gibt es vielekrankmanchende Erreger.Erkrankung bei hohem InfektionsdruckEine durch Erreger ausgelöste Erkrankungist also immer das Ergebnis des Ungleichgewichteszwischen Infektionsdruckund Empfänglichkeit des Tieres.


Das heißt, je höher der Infektionsdruck,desto wahrscheinlicher ist es, dass Tiereerkranken bzw. je höher die Leistung derTiere, desto empfindlicher reagieren sie aufErreger. In der Natur ist, bis auf wenigeAusnahmen, das Gleichgewicht zwischenInfektionsdruck und Widerstandskraft bessergegeben als im Stall. Zwei Gründe sinddafür verantwortlich:1. Die Tiere sind nicht in einem begrenztenRaum mit wenigen Quadratmetern untergebracht,sondern teilen sind in der Regel einRevier von mehreren Hektar oder garQuadratkilometern. Dies führt zu einer „Verdünnung“des Infektionsdruckes, mit dem dieAbwehrmechanismen nicht überfordert sind.2. Die Tiere müssen keine Leistung imSinne der Nutztiercharakteristik vollbringen.Sie sind keine „Hochleistungssportler“, sondernerfüllen die Aufgabe, die ihnen die Naturvorgesehen hat.Demnach kann davon ausgegangen werden,dass der Hauptunterschied zwischen denRinderställen einerseits und den Schweine-/Geflügelställen andererseits darin begründetliegt, dass Rinder meist von klein auf mehrereJahre im selben Stall leben, somit „ihren“Erregermix gewohnt sind und entsprechendeAbwehrmechanismen entwickelt haben. BeiSchweinen und Geflügel ist der Wechselzyklusextrem kurz. Wenn Schweine und Geflügelkomplett ausgestallt werden, sind Erreger imStall, die zusammen mit den Erregern der„neuen“ Tiere einen Cocktail bilden, dem diemeist jungen Tiere nicht gewachsen sind. Umdiese gefährliche Kreuzkontamination zu vermeidenmüssen, diese Ställe gereinigt und desinfiziertwerden. Rinderställe haben also eindeutigden (Erreger-) Vorteil von lange im selbenRaum lebenden Nutztieren, auch wenndie Nutzungsdauer von durchschnittlich 2,3Jahre sehr bedenklich ist.Wird in Schweineställlen zu viel desinfiziert?Im Kuhstall sind vierHygienebereiche zu unterscheiden:Melkbereich (Melkstand)Stallbereich (Decke, Wände, Liege- undLaufbereich)Kälberbereich (Stall, Buchten, Iglus)Hygiene am TierMelkbereich dient der LebensmittelproduktionDer Melkbereich muss unterschieden werdenzwischen dem milchführenden Systemund dem Melkplatz, also den Melkständen inverschiedenen Ausführungen.Ersteres gibt in der Praxis kaum Grundzur Sorge. Denn die Produktion von Milch alsLebensmittel bedarf gesetzlicher Hygieneanforderungen,die schon zur Vermeidungvon Milchgeldabzügen ganz selbstverständlicheingehalten werden. Die tägliche zweimaligeReinigung und Desinfektion der Melkanlage,den Wechsel von Gummiverschleißteilen,sowie Funktionskontrolle der Melktechnikist Standard.Die Sauberkeit des Melkplatzes ist dagegennicht so selbstverständlich und unterliegtsehr großen betriebsabhängigen Schwankungen.Natürlich muss die Qualität derMilch und die Eutergesundheit nicht unbedingtdarunter leiden, wenn die Fliesen desMelkstandes voller Kalk, Urinstein und Kotsind. Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit um einvielfaches höher, dass die Milch mehr Keimeaufweist und der Zellgehalt höher ist, als wenndie Fliesen sauber wären. Die meisten Erregerverdoppeln sich im 20-Minuten-Rhythmus,Foto: Cid Lines


10 | 11aktuellTIERGESUNDHEITRINDFoto: Farm WorkerSaubere Ställe sind nicht nur angenehmer für Mensch und Tier, sie beugen auch Krankheitenvor.stellt einen idealen Nährboden aller Keimeund Bakterien dar. Neben regelmäßigerReinigung muss hier sicher auch über eineDesinfektion nachgedacht werden. Von dieserSeite betrachtet ist es auch kein Luxus, wennvon Zeit zu Zeit die Wände und Decke gereinigtwerden, um auch Erreger die über dieLuft übertragbar sind (z.B. E. Coli) keineLebensgrundlage zu bieten. Die Verwendungvon Einstreumittel, die pur oder mit Strohgemischt im Liegebereich ausgebracht werden,ist umstritten. Zwar bieten sie durch dieAufnahme von Feuchtigkeit eine gewisseDesinfektionswirkung. Jedoch muss bei derAnwendung akkurat gearbeitet werden, umeine Verbesserung zu erhalten. Letztlich sindEinstreumittel der Versuch, mangelndeHygiene auszugleichen. Setzt man Aufwandund Kosten ins Verhältnis zu einer gutenGrundhygiene, würde die Wahl fast immerauf die prophylaktische Sauberkeit fallen.Zudem muss bei diesen Mitteln auf dieVerträglichkeit mit anderen Stoffen geachtetwerden. So reagieren z.B. alle Einstreupulverauf bestimmte Zitzenpflegemittel mit einerpH-Wert-Veränderung auf der Zitzenhaut.Das Ergebnis können rötliche bis hin zu verätztenZitzen sein.Foto: Cid LinesBakterien vermehren sich rasend schnell, deshalb ist eine regelmäßige Desinfektion unerlässlich.also aus 100 Bakterien werden in 20 Minuten200, in 40 Minuten 400, in einer Stunde 800,usw. In der Praxis sprechen wir jedoch nichtvon ein paar Hundert, sondern von Millionenvon Bakterien pro Quadratzentimeter. Diese„wandern“ von den Fliesen zu den Rohren, zuden Melkzeugen, zu den Zitzenbechern usw.Möchte man also sicher und einfach Qualitätsmilcherzeugen, muss ein sauberer Melkplatzeine Selbstverständlichkeit sein. Die Anbindehaltunghat dadurch keine hygienischenNachteile, da durch den Entmistungsvorgangdie Erreger nicht viel Zeit haben, um sich zuvermehren und neue Einstreu die Vervielfältigunghemmt. Dadurch ist es zu erklären,dass Uraltställe kaum große hygienischeProbleme haben, erst recht wenn man berücksichtigt,dass Rinderhalter in älteren Ställen inder Regel ein niedrigeres Leistungsniveauhaben.Im Stall hochexplosiveMischungÄhnlich verhält es sich mit der Hygiene imStall selbst. Werden Liege- und Laufbereich,die Wände und selbst die Decke nicht gereinigt,gehen davon Krankheiten aus. Nicht nurdas Klauen selbst unter verschmutztenLaufgängen leiden. Nein, sie tragen dieErreger in die Liegeboxen, die Kühe stehenund liegen darin und infizieren sich denEuterbereich. Zusammen mit Ausfluss undMilchresten ergibt dies eine Mischung, die imübertragenen Sinne hochexplosiv sein kannund es in der Regel (es ist nur eine Frage derZeit) auch wird. Besonders mit Vorsicht sindGummibeläge sowohl im Lauf- wie auch imLiegebereich zu genießen. Denn wennGummi altert, wird die Oberfläche porös undJunge Tiere besonders empfindlichIm Kälberbereich trifft oft die Empfindlichkeitjunger Tiere auf hohen Infektionsdruck,was den Kreislauf „kranke Tiere =Vermehrung von Erregern = noch mehr krankeTiere“ in Schwung bringt. Um diesenKreislauf zu durchbrechen oder erst gar nichtentstehen zu lassen, ist Sauberkeit oberstesGebot.Werden Ställe, Einzelkälberboxen oderIglus ausgestallt, ist neben dem Ausmisten dieReinigung der wichtigste Punkt. Oft wird dieReinigung unterschätzt und mehr Wert aufdie Desinfektion gelegt. Genau genommen istjedoch die gründliche Reinigung die Grundlagejeder (effektiven) Desinfektion. Schmutzkann nicht desinfiziert werden! Daher ist esvor allem im Kälberbereich wichtig, dass dieReinigung gründlich und wenn möglich miteinem guten alkalischen Reiniger, der Fetteund Eiweiße spalten kann, durchgeführt wird.Nur so werden Proteine vollständig gelöst,was sonst nicht einmal mit heißem Hochdruckwassermöglich ist. Hat man keineProbleme mit der Kälbergesundheit, ist eineDesinfektion nicht oder zumindest nichtnach jedem Ausstallen nötig. Ist es mit derKälbergesundheit nicht zum Besten bestellt,hat man Erreger nachgewiesen oder gar mitEndoparasiten zu kämpfen, ist eine Desinfektionunumgänglich. Bei Endoparasiten wieCryptosporidiem oder Kokzidien ist sogareine zweistufige problembezogene Desinfektionnötig, d.h. nach der gründlichenReinigung mit Reiniger wird zuerst dergesamte Kälberbereich mit einem wirkungsvollenBreitbanddesinfektionsmittel behandelt,um nach dem Abtrocknen das Spezialdesinfektionsmittelgegen Endoparasiten


Foto: Cid LinesDie Wahrscheinlichkeit ist um ein vielfaches höher, dass die Milch mehr Keime aufweist undder Zellgehalt höher ist, wenn die Fliesen im Melkstall dreckig sind.überall dort auszubringen, wo die KälberKontakt zum Stall haben können. Hier ist deroben beschriebene Vorteil der Rinderhaltunggegenüber der Schweine- und Geflügelhaltung,dass die Tiere lange im Stall leben,von Nachteil. Denn infizierte Tiere geben dieErreger wieder ab. Also sollte der Kälberbereichkomplett ausgestallt werden, obengenannte Maßnahmen durchgeführt, undnur „neue“ Kälber eingestallt werden. Dies istin der Praxis nur mit äußerstem Aufwandmöglich, wodurch sich Endoparasiten schwerbzw. nur medikamentös eindämmen lassen.Um den Infektionsdruck zu senken, sind dieseMaßnahmen trotzdem von Zeit zu Zeit beiTeilentleerung zu empfehlen.Desinfektion gründlichdurchführenGrundsätzlich muss bei Desinfektionsaufgabendas richtige Desinfektionsmittel inder richtigen Dosierung ausgebracht werden.Während bei der Wahl des Desinfektionsmittelsder Fachhandel die entsprechendenMittel anbietet, gibt die DVG (Deutsche veterinärmedizinischeGesellschaft) die Empfehlungvon 400 ml Gebrauchslösung pro Quadratmeter,d.h. zuerst müssen die Quadratmeterdes zu desinfizierenden Bereichesermittelt werden, wobei Boden, Wände /Aufstallungund Decke berücksichtigt werden.Ergibt sich hieraus z.B. eine Fläche von 25Quadratmeter, entspricht dies einer Gebrauchslösungvon 10 Litern. Wird dasDesinfektionsmittel 2%ig angewendet, sind200 ml von diesem Mittel nötig.Achtung: Manche Desinfektionsmittelhaben einen soggenanten Kältefehler. DieseMittel sind bei kalten Temperaturen ohneWirkung oder müssen höher dosiert werden,dies ist beim Kauf zu beachten. Um Resistenzenzu vermeiden ist darauf zu achten, dassdie vorgegebene Konzentration und Ausbringmengenicht unterschritten werden. Umalle Flächen wirklich mit der Desinfektionslösungzu „treffen“, empfiehlt es sich einschäumendes Desinfektionsmittel, mittelsSchaumlanze auszubringen. Neben demVorteil, dass die desinfizierten Flächen durchden Schaum „gekennzeichnet“ sind, erhöhtsich auch die Einwirkzeit, die jedes Desinfektionsmittelbraucht.Euter, Kuhbürsten, Klauen,Futter sauber haltenEine wichtige Rolle spielt die Hygiene amTier, da sie den direkten Kontakt zwischenErreger und Tier unterbrechen soll. In diesemBereich gibt es sinnvolle wie auch wenigerempfehlenswerte Maßnahmen. Zu den sinnvollenMaßnahmen zählen sicher die PflegeundDesinfektionsmaßnahmen rund umsEuter. Eine feuchte Euterwaschung, gepaartmit Zitzenpflegemittel (Dippmittel) hat nachweislicheinen positiven Einfluss auf dieEutergesundheit. Erst recht wenn zum DippenBVL (Bundesministerium für Verbraucherschutzund Lebensmittelsicherheit)geprüfte Mittel zum Einsatz kommen. DieseProdukte haben u.a. ihre Wirksamkeit ebensounter Beweis gestellt wie die Rückstandslosigkeitin der Milch.Da heute kaum ein Rinderhalter sein Viehvon Hand putzt, sind Viehputzmaschinen invielen Laufställen zu finden. Zweifellos sinddiese Geräte bei den Kühen beliebt. Jedochsollte darauf geachtet werden, dass eine Reinigungder Bürsten von Zeit zu Zeit nötig istum Erreger wie z.B. Milben nicht von Kuh zuKuh übertragen zu lassen. Denn Fakt ist, dassalle stallspezifischen „Krankmacher“ in konzentrierterForm in den Bürsten sitzen. BeiKlauenbäder hingegen hat auch die Reinigungkeinen Effekt. Sie haben keinen positivenEinfluss auf die Klauengesundheit, zumindestwenn man sich an die gesetzlichenVorgaben hält, machen Arbeit, sind teuer undbringen Probleme bei der Entsorgung. Werdendie oben beschriebenen Stallhygienemaßnahmeneingehalten, sowie Stoffwechselbelastungenvermieden, sind Klauenbäderohnehin nicht nötig.Zu den Hygienemaßnahmen am Tiergehört auch die Futterhygiene. Eigentlich solltedies eine Selbstverständlichkeit sein, denNutztieren nur qualitativ hochwertiges undsauberes Futter vorzulegen. Trotzdem mangeltes in vielen Fällen an Hygiene im Silo, aufdem Futtertisch und selbst bei den Fütterungsmaschinen.Obwohl die Folgen bekanntsind, gibt es hier noch viel zu tun. DiesesThema im Griff zu haben, bedeutet wenigerStoffwechselbelastung für das Tier. Was wiederumzur Folge hat, dass die natürlichenAbwehrmechanismen gegen Erreger besserfunktionieren. Zu guter Letzt ist auch aufTiere im Stall zu achten, die nicht zumLebensunterhalt beitragen. Hund und Katzesind in einem gewissen Umfang akzeptabel,unter Umständen sogar nützlich. Mäuse, Ratten,Fliegen bzw. Fliegenlarven sowie gefederteTiere sollten, notfalls mit einem staatlichgeprüften Schädlingsbekämpfer, eingedämmtwerden.FazitDank der grundsätzlich anderen Haltungsformkann im Kuhstall auf extremeReinigungs- und Desinfektionsmaßnahmenwie sie im Schweine- und Geflügelbereichüblich sind, weitgehend verzichtet werden.Ausnahmen sind hier sicherlich die milchführendenTeile und Apparate, die jedoch in derPraxis keine Probleme machen, sowie derKälberbereich, bei dem noch großes Hygienepotenzialzu erkennen ist.Aber auch in den anderen Bereichen lassensich bei der Mehrzahl der Rinderbetriebedie Hygienemaßnahmen noch verbessern.Hierbei muss es sich in erster Linie um eineGrundsauberkeit handeln und nicht umDesinfektionen. Mit zunehmenden Milchleistungenist die Sauberkeit ein wesentlicherPunkt der Tiergesundheit, und somit derLeistungsfähigkeit.Gunter Schwarz


12 | 13aktuellTIERGESUNDHEITRINDKetose und Milchfieber:Den perfekten Start in dieLaktation sicherstellenProbleme im Stall lassen sich am ehesten lösen, wenn man sich an der Natur orientiert. „In der Natur gibtes keinen Irrtum, doch wisse der Irrtum liegt bei dir“ (Leonardo da Vinci); darum auch die Bezeichnung„Zivilisationskrankheiten“ für die weit verbreiteten Stoffwechselstörungen Ketose und Milchfieber. Dennfett macht krank! Aber fit muss die Kuh zum Abkalben und in die Laktation kommen. Dr. SiegfriedKalchreuter sagt, woraus es bei der Vorbeuge ankommt.Die Erfahrung zeigt, dass die Gesundheitsüberwachungwährend der Transitperiodevielfach nicht ernst genug genommenwird. So machen die beiden ErkrankungenKetose und Milchfieber, da sie meist „hausgemacht“sind, den Tieren physiologisch undden Milchviehhaltern finanziell immer wiederzu schaffen.Während in der freien Wildbahn zumZeitpunkt der Hochträchtigkeit das Futterangebotrohfaserreich bei geringer Nährstoffkonzentration(abgewelktes Steppengras imSpätherbst) ist, wovon die Kühe nicht verfettenkönnen, wird in vielen Fällen der Milchviehhaltungimmer noch zu üppig gefüttert,was sich beispielsweise beim letzten Probemelkergebnisals „Fressgelage“ widerspiegelt(16 kg Milch, 4.80 %Fett, 3.95 % Eiweiß, 28mg Harnstoff/100 ml). Aufgrund der hormonellenSituation in der altmelkenden Zeit (ansteigenderInsulin-Blutspiegel) wird überschüssigerBlutzucker, der aufgrund der abfallendenLaktationskurve nicht in Milchleistungverwendet wird, in Körperfett (Fettdepots)umgewandelt (anabolischer Stoffwechselals natürlicher Vorgang zur Reservebildung).Bei zu üppigem Energieangebot(hoher Anteil Maissilage) und nicht leistungsangepassterKraftfuttergaben bedeutet diesjedoch Verfettung von Leber, Nieren, Herz,unter der Haut, im Bauch- und Brustraum beizunehmender Körperkondition, messbar z.B.in Form der BCS-Bewertung sowie derRückenfettdicke.Laktation beginnt schon vorKalbungMeist wird nicht bedacht, dass dieLaktation physiologisch bereits ca. dreiIn vielen Betrieben wird zu üppig gefüttert, was dann zu Stoffwechselproblemen führt.Foto: Mark Max Henckel


Wochen vor dem Abkalben (a.p.) beginnt miterhöhtem Bedarf an Glucose und Aminosäuren(Wachstum der Frucht und unmittelbarvor dem Abkalben die Bildung einer nährstoffreichenBiestmilch) und der Organismusauf die zuvor gebildeten Körperreservenzurückgreift (katabolischer Stoffwechsel) beigleichzeitigem Rückgang der Futteraufnahmeum ca. 30%, so dass die Tiere in eine negativeEnergiebilanz geraten und Körperfett mobilisieren(periphere Lipolyse mit Anstieg vonfreien Fettsäuren, FFS). Die Lipolyse inVerbindung mit Leberverfettung ist dannumso stärker, je fetter die Tiere zum Abkalbenkommen. So übersteigt die Menge an FFS dieVerarbeitungskapazität der Leber, denn dieFFS sollten mittels Blutzucker im „Feuer derKohlenhydrate verbrannt“/verstoffwechseltwerden. Bei einem Mangel an Glucose (geringePropionsäurebildung im Pansen infolgegeringerer Futteraufnahme) bzw. an glucoplastischenVerbindungen entstehen dann ausdem Zuviel an FFS sogenannte Ketonkörper(z.B. ß-Hydroxybuttersäure, BHB), die als„Nervengift“ wirken, das Fresszentrum imHirn beeinträchtigen (reduzierter Appetit)und zur Verfettung der Leber führen mitgestörter Syntheseleistung (minderwertigeBiestmilchqualität, geringe Schutzstoffkonzentration,für das Kalb zu hoher unverträglicherFettgehalt).Energieloch bei Ketose vermeidenDie Prophylaxe der Ketose besteht zunächstin der Überwachung der Körperkondition(BCS-Note) bereits in der altmelkendenZeit (4.0 bzw. 30 mm Rückenfettdicke(RFD) bei Holstein Frisian bzw. 4.5 und 35mm RFD bei FLV wäre eindeutig zu fett)Die Klauenpflege kurz vor dem Trockenstellen ist wichtig, damit die Tiere beim Laktationsstart"gut zu Fuß" sind.durch rechtzeitiges Gewöhnen der Tiere anhohe Grobfutteraufnahme (gut strukturierteSilage, Heu, kurzgehäckseltes Stroh) zurPansenfüllung (Hungergrube beachten!)sowie Klauenpflege vor dem Trockenstellen,damit die Tiere nach dem Abkalben „gut beiFuß“ sind. Unterstützung des Appetits mitaromatischen Heugaben! Langsam ansteigendeKraftfuttergaben (Getreide, Körnermais)während der Vorbereitungsfütterung bereitendie Pansenmikroben und die Profilierung derPansenschleimhaut auf die kraftfutterreichereFütterung zu Laktationsbeginn vor.Vorsicht vor zu viel Eiweißangebot in dieserPhase, das wäre kontraproduktiv! DieLeber würde nur unnötig mit der Harnstoffbildung(Entgiftung eines Überschussesan Ammoniak im Pansen) belastet. Zur frühzeitigenErkennung, ob der Organismus mitden FFS fertig wird, eignet sich die Bestimmungder BHB mittels eines digitalenBlutmessgerätes (z.B. „Pression Xceed“).Risikotiere lassen sich somit gut herausfinden.Bei Werten von 1.0-1.9 mmol BHB/lBlut besteht bereits eine geringgradige Ketose.Foto: Sabine Leikep


14 | 15aktuellTIERGESUNDHEITRINDBewährt hat sich zur Reduzierung derKörperfettmobilisierung die Verabreichungvon Glucose bildenden Zusatzstoffen ca.10Tage vor dem angenommenen Abkalbetermin,z.B. täglich 150 g Propylenglycolbzw. 200 g Glyzerin oder Natriumpropionat),Eingabe einer E-Pill, der Einsatz von Niacin(10 g/Tag in einer Sondermischung), pansengeschütztesL-Carnithin („Carnipass“) zurbesseren Verwertung der langkettigenFettsäuren in den Mitochondrien der Muskelzellen,Verfütterung von CLA (konjungierteLinolsäure, z.B. „Lutrell Combi“, 125 g/Tierund Tag, 20 Tage a.p. beginnend zurVerminderung des Milchfettoutputs nachdem Abkalben durch Hemmung desEnzymsystems der Milchfettsynthese). Ganzwesentlich ist und bleibt eine bedarfsgerechtetägliche P-Versorgung (P-betontes Mineralfuttermit mindestens 8 % besser 10 % P,Ergänzung mit z.B. Mononatriumphosphatoder P-Boli), da für den gesamten Energiestoffwechselrelativ viel Phosphor benötigtwird.0Alles für einen guten AppetittunEs muss alles getan werden, damit derAppetit erhalten bleibt! Bei Risikotieren (extremverfettet) wäre bei mäßiger Futterauf-nahme bereits vorbeugend eine Infusion mitGlucose und Leberschutz sowie eine subkutaneCa-Injektion zweckmäßig. Nicht zu vergessenist die Kontrolle des Wohlbefindensder Tiere durch Messen der Rektaltemperaturunmittelbar vor dem Abkalben. Würde dieKörpertemperatur unter 38,0°C (Untertemperatur)abfallen, z.B. infolge des Ca-Verlustesdurch die Biestmilchbildung (höherer Ca-Gehalt als die Normalmilch), dann reagiertder Organismus mit auffallend geringeremStoffumsatz und beeinträchtigter Vitalitätund Futteraufnahme des Tieres unter verstärkterKörperfettmobilisation („Teufelskreis“).Hohe Umgebungstemperaturen währendder Sommermonate bedeuten für hochträchtigeTiere enormer Stress mit deutlichemRückgang der Trockenmasseaufnahme, insbesonderevon Grobfutter (höhere Verdauungswärme),und folglich vermehrtemEinschmelzen von Körperfett zur endogenenEnergiegewinnung, so dass eine ketotischeStoffwechselsituation entsteht. Es muss allesversucht werde, die Umgebungstemperaturzu senken durch Öffnen von Stalltüren- undFenstern, durch Steigerung der Luftwechselratemittels leistungsfähigen Ventilatoren undzusätzliche Kühlung der Tiere mittels Sprühbefeuchterz.B. am Futtertisch. Unmittelbarnach dem Kalben empfiehlt sich ein „Hochleistungsdrench“(z.B. 750 g Calciumpropionat,250 g Magnesiumsulfat, 250 g Mononatriumphosphat,0.5 l Propylenglykol) bzw. eine handelsübliche„Kalbetrunk“-Mischung in 20 bisDie erste Energie-Pille.wissenschaftlichgeprüftFriederikenstr. 9-11, 26871 Papenburg, www.vuxxx.deTelefon: 04961-98288-0, FAX: 04961-98288-2430 Liter handwarmen Wasser verrührt zurfreien Aufnahme anzubieten bzw. zu verabreichen(drenchen), einerseits zur Unterstützungdes Stoffwechsels der Kuh undandererseits um den durch die Geburt entstandenenHohlraum auszufüllen, damit derLabmagen möglichst nicht wandern kann.Ganz wesentlich ist die Erhaltung eines starkenImmunsystems, da um den Abkalbezeitpunkt(peripartal) eine gewisse Immundepressionganz natürlich ist – eine Ursache fürGesundheitsstörungen in der Nachgeburtsphase.Jeder Mangel an Nähr- und Mineralstoffensowie Vitaminen, insbesondere zumZeitpunkt des Entzuges aus dem mütterlichenBlut zur Bildung der Kolostralmilch, mindertdie Abwehrkraft gegen Infektionserreger.Bei Milchfieber fehltCalciumEs handelt sich um die weltweit bedeutendstemetabolische Erkrankung und wirdals häufigste „Berufskrankheit“ bezeichnet.Etwa 30 % der frischkalbenden Kühe erkrankensubklinisch und 5 bis 10 % akut. LautUntersuchungen verläuft bei jeder zehntenPatientin das „Milchfieber“ tödlich. Ca spieltalso eine lebenswichtige Rolle für das Nervensystemund die gesamte, also glatte undquergestreifte Muskulatur (z.B. Bewegungsapparat,Verdauungsorgane, Genitaltrakt,Schließmuskel der Zitzen). Fälle von Hypokalzämiesind zunehmend mit Hypophosphatämieverbunden. Im Vorfeld der Entstehungeiner Hypokalzämie kann auch einMagnesium (Mg)-Mangel beteiligt sein, daMg für Ausschüttung und Ansprechbarkeitdes Knochengewebes und der Niere für dasParathormon wichtig ist. Wesentliche Ursachefür das „Festliegen“ ist die Unfähigkeitder Kuh, sich schnell genug auf den erhöhtenBedarf an Ca, aber auch an P mit dem Einschießender Biestmilch bereits vor dem Abkalben(„Aufeutern“) einzustellen, die durcheinen doppelt so hohen Gehalt an Ca (2.4 g/l)gegenüber der Normalmilch (1.2 g/l) gekennzeichnetist („von Null auf Hundert“ innerhalbweniger Tage).Der Ca-Blutspiegel (normal 9.5 bis 10.0mg/dl bzw. 2.3 bis 2.5 mmol/l) fällt, wenn derOrganismus nicht schnell genug von derRuhephase (Trockenstehen) auf den Ca-Bedarf der beginnenden Laktation über eineentsprechende Fütterung und hormonelle(Parathormon) Freisetzung von Ca aus demSkelett reagiert bzw. wenn ein zu weites Ca:P-Verhältnis in der Trockensteher-Ration bzw.generell ein Kationenüberschuss (Ca, K, Na,Mg) bestand (metabolische Alkalose).Dadurch kommt es zu verlangsamter undunzureichender Mobilisierung von Ca ausdem Skelett sowie zu einer ungenügenden Ca-Resorption im Dünndarm. Ganz allgemein istdie Geschwindigkeit und Menge der Ca-Freisetzung altersabhängig (Verknöcherungdes Skeletts, Abnahme der Zahl der Vit.D-Rezeptoren im Darm). Die Häufigkeit desFestliegens nimmt also mit dem Alter auffallendzu.


Die erste biologische Calcium-Pille.wissenschaftlichgeprüftFriederikenstr. 9-11, 26871 Papenburg, www.vuxxx.deTelefon: 04961-98288-0, FAX: 04961-98288-24Trockensteher eher arm anCalcium fütternZiel der Prophylaxe ist, alles zu unternehmen,dass der Ca-Blutspiegel nicht abfällt.Blutuntersuchung etwa drei Wochen vor derAbkalbung auf Ca, P, CK und Leberwertegeben Auskunft über den Versorgungsstatus,die metabolischen Vorgänge und ermöglichennoch Korrekturen, vorausgesetzt, dass dieLeber intakt und nicht verfettet ist. Währendder Trockenstehzeit empfiehlt sich ein P- reichesMineralfutter mit relativ wenig Ca (z.B.4 % Ca und 8 bis 10 % P), aber reich anSpurenelementen und Vitaminen, einzusetzen.Möglichst keine oder relativ wenig CaundK- reiche Futtermittel wie Leguminosen(Luzerne, Kleegras), Kreuzblütler (Raps,Kohl) oder Zuckerrübenschnitzel in derTrockenstehzeit verfüttern. Ca.7 Tage a.p.bewährt sich eine Vit.D3-Injektion (5 bis 10Mio. I.E.) zur Förderung der Resorption vonCa und P aus dem Verdauungstrakt einerseitsund zur Verhinderung der Ausscheidung überdie Nieren andererseits. Einsatz von Futtermittelnmit geringer oder negativer Kation-Anionen-Differenz/Bilanz (DCAB) wie Kleie,Biertreber, Heu aus Wiesenlieschgras. Gegebenenfallsempfiehlt sich der Einsatz vonacidogenen Salzen wie Bittersalz (MgSO4)oder mit Fettkapseln ummanteltes Kalziumchlorid(„Anionenfutter“) zur Absenkung desBlut-pH-Wertes, um auf diesem Wege Ca undP aus dem Skelett zu mobilisieren. Als Kontrolleeignet sich auch die Überprüfung desHarn-pH-Wertes einige Tage a.p. (bei pH-Werten > 7.8 besteht erhöhtes Risiko, Soll-Werte 6.0 bis 6.5). Harn wird mittels Kathederoder über Reizauslösung durch Reiben miteinem Strohbüschel unterhalb der Scheidegewonnen. Der Einsatz von oralen Ca-Präparatenals anorganische Kalziumsalze in flüssiger,pastöser Form oder als Bolus z.B. unmittelbarvor, während und nach dem Abkalbenvon Mehrlingskühen hat sich bewährt. Auchdie subkutane Injektion von Ca-Präparatenunmittelbar vor dem Abkalben wird vielfachangewandt. Nach dem Abkalben ist sofort dasCa-Angebot (z.B. entsprechendes Mineralfuttermit 16 % Ca und 6 bis 8 % P) auf denBedarf der frischlaktierende Kuh anzuheben.Foto: © AzhmukhanovJeglicher Stress wie Überbelegung, wodurch die Grundfutteraufnahme beeinträchtigt wird,ist zu vermeiden.Jeglichen Stress vermeidenJeglicher Stress wie Überbelegung, wodurchdie Grundfutteraufnahme beeinträchtigtwird, ist zu vermeiden. Denn Stress bedeutetein mehrfacher Anstieg des StresshormonesCortisol im Blut mit abwehrdrückenderWirkung (Immunsuppression) mit nachfolgendengesundheitlichen Problemen. DasAnlegen eines Vergrittungsgeschirrs an denHinterfesseln gibt dem Tier Sicherheit undbeugt Komplikationen wie Knochenbrüche,Verstauchungen, Muskelrisse oder Ausgrätschenmit Nervenquetschungen vor. Mit derAufnahme von Grobfutter wie aromatischesHeu werden Pansenazidosen verhindert, dieeine schlechte Mineralstoffverwertung zurFolge hätten.Dr. Siegfried Kalchreuter, Ansbach

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