AUSTRALIEN - Magazine Sports et Loisirs

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112Wer hat niemals davongeträumt, Captain Cook oderCrocodile Dundee auf dem Fußzu folgen? Die Reise einesLebens, für viele. In Anbetrachtder Entfernung reist man nichtnur zum Nichtstun ans andereEnde der Welt, und sei es nochso angenehm dort. Nach 24Stunden Flug möchte man Dingeerleben, die unsere Breitennicht bieten können. Wennman aber das Wesentliche vondem australischen Panoramaentdecken will, ohne weiteStrecken in dem riesigen Landzurückzulegen, muss der Ausgangspunktgut gewählt sein.An der Ostküste bieten sichdrei internationale Flughäfenals Portal an: Sydney, Brisbaneoder Cairns, von Süden nachNorden betrachtet. Die dritteStadt ist nicht die spektakulärste,aber sie verschafft dem eiligenReisenden den direktenZugang zu der natürlichen Vielfaltvon Queensland, das 43Mal so groß ist wie die Schweizund zwei traumhafte Ökosystemebesitzt, die zum Welterbeder UNESCO zählen: das KorallenriffGreat Barrier Reef undder älteste Regenwald der Erde.Und dahinter die unendlichenWeiten des Outback, Buschland,das von Ureinwohnern,Siedlern, Goldsuchern, Kängurusund anderen unwiderstehlichenKoalas bewohnt ist.


„Überall wimmelt es von Leben.Doch leider könnte die KlimaerwärmungVerwüstungen verursachen.Mehrere Korallenartenüberleben schon heute an deroberen Grenze ihres Temperaturtoleranzbereichs.Wenn sie ihreFarbe verloren haben, können siesterben. Auch der Tourismusmuss beschränkt werden, um dieSchäden zu begrenzen”.Der Fischfang ist mittlerweile ineinem Drittel des Great BarrierReef verboten. Zuvor waren nur4% der Fläche durch das Verbotgeschützt. Das australischeUmweltministerium weist daraufhin, dass vor allem der Einsatzvon Fangnetzen und das Krabbenfischenuntersagt sind.Flug über das berühmte Heart Reef, ein Kleinod von Queensland.114


Einige Privilegierte betrachtendieses Spektakel von oben ausihrem Heißluftballon, doch vieleTouristen entscheiden sichfür eine raffinierte Alternativezum Ballon: Skyrail, die ersteSeilbahn über einem Regenwald(Weltrekord mit 7,5 kmStrecke). Ein beeindruckendesSchauspiel mit zwei Zwischenstationenmitten im Dschungelund Kabinen über einem Blätterdach,das an riesige Broccolierinnert. Später endet dieFahrt im Kulturpark Tjapukai,in dem die Kultur der Ureinwohnergepflegt wird.Die Ureinwohner in Queensland pflegen ihre Kultur.116


Boomerangund Didgeridoo„Sie sind Schweizer? Dortfährt man Ski in den Alpen,stimmt’s?”Diese Frage wäre nicht ungewöhnlich,wenn sie nicht voneinem Einheimischen am anderenEnde der Welt käme. DochDennis hatte mehr Glück alseinige seiner Stammesbrüderder eingeborenen Ethnie Djabugay,die wie Zombies die Bürgersteigein den Städten bevölkern.Er gelangte in einMissionshaus, ging zur Schule,wurde in die Vergangenheit seinesVolkes eingeführt und hat soaus seiner Erziehung ein Erbemitgenommen, auf das er stolzist. Ihm ist bewusst, dass erNachkomme eines dezimiertenVolkes ist, das seiner Kenntnisseund seiner Spiritualitätberaubt wurde.„Unsere Dreamtime Religionhat überlebt. Sie ist heilig undvoller Mächte und Rituale. DasGesetz der Ureinwohner ändertsich nicht, denn einen Traumkann man nicht verändern, denwir hier Tjukurpa nennen. Vorder Ankunft der Siedler warenwir Nomaden. Unsere Wegerichteten sich nach den Jahreszeiten.Nach unserem Verständnisgehört uns die Erde nichtsondern wir gehören der Erde.Zwischen ihr und den Lebewesenbesteht eine gemeinsameAbstammung, aus der unserGrundrecht resultiert”.Seit der Rückgabe der Gebiete1976 haben einige Ureinwohnerihren ursprünglichen Platz wiedergefunden. Andere Stämmeleben heute in standardisiertenUnterkünften nach westlichemVorbild. Ihre Vorfahren hattensich dagegen seit Jahrtausendenmit einem Schutzdach begnügt.In der Erzählung von Dennis istkeine Bitterkeit zu spüren. Erträumt davon, die Welt zu entdecken.sportsetloisirs.ch117


118Die Fraser Insel ist reich an üppiger Vegetation und gehört zum Welterbe der UNESCO.


Töten um zuüberlebenEine unverzichtbare Ergänzung desFlugs über den Primärwald ist seineErkundung auf der Höhe seiner Wurzeln.Zwei Stunden Wandern in einerKulisse wie im Jurassic Park: baumartigeFarne, verschlungene Pflanzen,riesige Baumstämme in der pflanzlichenFeuchte. Ein Leguan lässt sichvon uns nicht stören und genießt denTausendfüßler, der an seiner schleimigenZunge klebt.Nicht nur die Tiere in diesem Biotopkämpfen um ihr Leben. Auch diePflanzen können sich Wasser undLicht nur mit List und Tricks verschaffen:und zwar durch das beste Netzwerkihrer Wurzeln und die höchstegrüne Krone. So dominant sie auchsein mögen, die Herren in dieserumkämpften Welt sind niemals sichervor einem noch gefräßigeren Räuber.Das beweist dieser lustige Baum, derjedoch wie ein Baobab beschnittenund bereits von tentakelartigen Lianenbesetzt ist, die ihn ersticken werden.Doch der Saft der gefallenen Stämmeist so kräftig, dass zweifellos neuesGrün sprießen wird, wenn sie wiederzu Mutterboden und einem Teil desSystems werden.„Achtung!” warnt unser Führer Tony,der das Gebiet kennt wie ein Känguruseinen Beutel. „dieses herzförmigeBlatt verursacht starke Verbrennungen!Dieser andere Baum trägt großeblaurote Pflaumen, von denen sichKakadus ernähren. Diese großen Vögelwissen genau, dass nur die Hälfte derFrucht essbar ist, und sie vermeideninstinktiv die giftige Hälfte. WusstenSie, dass einige Tiere, die in denBaumkronen leben, niemals auf denBoden hinunter kommen?”Aufgrund dieser Entdeckung hat dieRegierung die Breite der Straßenbeschränkt, damit diese Arten ihrenWeg von Ast zu Ast fortsetzen können.Die Natur belehrt uns immer wiederaufs Neue.VomAperitifin dieOperEinige Kängurusprünge weiterliegt die Piste, die zumLandgut der Collins führt,die in der sechsten GenerationPferde und Rinderzüchten. Das unendlicherote Band ist durchsetzt vonausgebrannten Wälder undTermitenhügeln, derenWeichheit Dalí begeisterthätte. Diese Siedler sind auch Hoteliers und siehaben mit Raffinesse alte Waggons restauriertund in Gästezimmer verwandelt. Der Aperitifwird in einer Art Amphitheater serviert, wo diesewürdigen Nacheiferer von Fitzcarraldo einmalim Jahr Carmen oder Traviata vor einerEukalyptuskulisse aufführen.Bram Collins lädt uns ein, mit dem Geländewagenan den Ort zu fahren, der ihn in jungenJahren fasziniert hat. Es ist eine Höhle vulkanischenUrsprungs, in der Tausende Fledermäuseleben. In jeder Abenddämmerung treibtder Hunger sie in Schwärmen ins Freie. Dieweniger Glücklichen dieser Insektenfresserfinden jedoch niemals zurück in die Tiefe ihrerHöhle, da sie bereits beim Verlassen vonSchlangen geschnappt werden, die mit offenemMaul auf der Lauer liegen. Man glaubt, eine solcheSzene sei geduldigen Tierfilmern vorbehalten,und dennoch spielt sie sich direkt vor unsim Schein einer Taschenlampe ab.Als faszinierter Zuschauer solcher Intrigenfragt man sich, ob das tausendjährige Australiennun Applaus erwartet.sportsetloisirs.ch119


Tropische StadtSydney ist die Vitrine eines ganzen Kontinentsgeworden. Doch ihre Rivalen versuchen eifrig, ihrden Rang abzulaufen. Zum Beispiel Brisbane, dieHauptstadt von Queensland, die ihre kolonialeVergangenheit durch das Gesicht einer erstaunlichenHightech Metropole ersetzt, meilenweit entferntvon den Vorurteilen, die ein vermeintlichesozeanisches Far West vermuten lassen. Hier wirddie Alchimie zwischen Altem und Neuem gefeiertund so spiegeln sich viktorianische Kirchen undPalmen in den bläulichen Fassaden der Buildings,zu deren Füßen sich riesige Parks erstrecken.Man überquert einen Universitätscampus, der soeinladend ist, dass man gerne wieder studieren würde,man bestaunt einen künstlichen See, eine viel nettereVariante des traditionellen städtischen Schwimmbads,man bewundert einen natürlichen Felsen, derausschließlich den Kletterern vorbehalten ist, undman besucht eine alte Elektrofabrik, die raffiniert ineine moderne Kunstgalerie verwandelt wurde.Und in einem Chinatown Restaurant mit pikantenGerichten versteht man nun besser, warum kürzlichbei einer Umfrage zur Lebensqualität Australienganz oben auf der Liste der Ziele stand, bei denendie Schweizer ins Träumen geraten.PRAKTISCHE TIPPSANREISEDie beste Zeit für einen Besuch inQueensland ist der australischeWinter, der unserem europäischenSommer entspricht. Das Gegenteilist schwer erträglich (brütende Hitzeund Luftfeuchtigkeit von teilweiseüber 90%!).UNTERKUNFT- auf einer Insel:www.hamiltonisland.com.au (sehr schick),www.daydreamisland.com (familiäre Atmosphäre),www.ladyelliot.com.au (ornithologischesParadies), www.kingfisherbay.com(traumhafte Umgebung von Fraser Island)Singapore Airlines verbindet Zürichmit Sydney mit dem A380 über Singapur.Wenn man sich den exklusivenLuxus einer Suite, ein echtesprivates Abteil, nicht leisten kann,kann man von der Business Classträumen. Dort gibt es horizontaleLiegeplätze, gastronomische Mahlzeitenund ein reichhaltiges Unterhaltungsprogramm.www.singaporeair.com.- im Dschungelgebiet:www.kewarra.com- mitten im Buschland (in umgebautenEisenbahnwaggons):www.undara.com.auAuskünfte unter www.queensland-australia.eu/frInfos: www.pichonvoyageur.ch120

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