März 2004 Liahona

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März 2004 Liahona

K I R C H E J E S U C H R I S T I D E R H E I L I G E N D E R L E T Z T E N T A G E • M Ä R Z 2 0 0 4LiahonaEin Volk werden, das gernin den Tempel geht, Seite 40Denkst du über denPatriarchalischen Segennach?, Seite 18Unser Leben einem„Frühjahrsputz“unterziehen, Seite KL2


März 2004 Vol. 130 No. 3LIAHONA 24983–150Offizielle deutschsprachige Veröffentlichung der KircheJesu Christi der Heiligen der Letzten TageDie Erste Präsidentschaft: Gordon B. Hinckley,Thomas S. Monson, James E. FaustDas Kollegium der Zwölf: Boyd K. Packer, L. Tom Perry,David B. Haight, Neal A. Maxwell, Russell M. Nelson,Dallin H. Oaks, M. Russell Ballard, Joseph B. Wirthlin,Richard G. Scott, Robert D. Hales, Jeffrey R. Holland,Henry B. EyringHerausgeber: Dennis B. NeuenschwanderBerater: E. Ray Bateman, Monte J. Brough, Jay E. Jensen,Stephen A. WestGeschäftsführer: David FrischknechtPlanung und Redaktionsdirektor: Victor D. CaveGrafikdirektor: Allan R. LoyborgRedaktionsdirektor der Zeitschrift: Richard M. RomneyChefredakteur: Marvin K. GardnerRedaktion: Collette Nebeker Aune, Susan Barrett, RyanCarr, Linda Stahle Cooper, LaRene Porter Gaunt, ShannaGhaznavi, Jenifer L. Greenwood, Lisa Ann Jackson, CarrieKasten, Melvin Leavitt, Sally J. Odekirk, Adam C. Olson,Judith M. Paller, Rebecca M. Taylor, Roger Terry, JanetThomas, Paul VanDenBerghe, Julie Wardell, KimberlyWebb, Monica WeeksGeschäftsführender Leiter Grafische Gestaltung:M. M. KawasakiLeiter Grafische Gestaltung: Scott Van KampenManager Herstellung: Jane Ann PetersGestaltung und Produktion: Kelli Allen-Pratt, Fay P. Andrus,C. Kimball Bott, Howard G. Brown, Thomas S. Child,Reginald J. Christensen, Brent Christison, Kerry Lynn C.Herrin, Kathleen Howard, Denise Kirby, Tadd R. Peterson,Randall J. Pixton, Mark W. Robison, Brad Teare, Kari A.Todd, Claudia E. WarnerManager Marketing: Larry HillerLeiter Druck: Craig K. SedgwickLeiter Vertrieb: Kris T ChristensenVerantwortlich für Lokalteil:Françoise Schwendener,Langackerstr. 1, CH-5043 Holziken, SchweizTelefon: (Schweiz) (0)62 721 53 89E-Mail: schwendis@pop.agri.chVertrieb:Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage LeserserviceSteinmühlstr. 16, 61352 Bad HomburgTel.: 06172-492 882; Fax: 06172-492 880Jahresabonnement:EUR 16,00; CHF 32,00Bezahlung erfolgt an die Gemeinde bzw. den Zweig oderauf eines der folgenden Konten:D Commerzbank Frankfurt,Konto-Nr. 588645200, BLZ 500 400 00A Erste Österreichische Spar-Casse-BankKonto-Nr. 004-52602CH UBS AG, Birsfelden,Konto-Nr. 30-301,363.0Adressenänderung bitte einen Monat im Voraus melden.Manuskripte und Anfragen bitte an: Liahona,Room 2420, 50 East North Temple Street, Salt Lake City,UT 84150-3220, USA; oder per E-Mail an:cur-liahona-imag@ldschurch.orgDer Liahona (ein Begriff aus dem Buch Mormon, der„Kompass“ oder „Wegweiser“ bedeutet) erscheint aufAlbanisch, Armenisch, Bulgarisch, Cebuano, Chinesisch,Dänisch, Deutsch, Englisch, Estnisch, Fidschi, Finnisch,Französisch, Haitisch, Indonesisch, Isländisch, Italienisch,Japanisch, Kambodschanisch, Kiribati, Koreanisch,Kroatisch, Lettisch, Litauisch, Madagassisch, Marshallesisch,Mongolisch, Niederländisch, Norwegisch, Polnisch,Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Samoanisch,Schwedisch, Sinhala, Slowenisch, Spanisch, Tagalog,Tahitisch, Tamil, Telugu, Thai, Tongaisch, Tschechisch,Ungarisch, Ukrainisch, und Vietnamesisch. (Erscheinenvariiert nach Sprache.)© 2004 by Intellectual Reserve, Inc. Alle Rechte vorbehalten.Printed in the United States of America.Den Liahona finden Sie auch im Internet unterwww.lds.org. Klicken Sie auf “Gospel Library.”For Readers in the United States and Canada:March 2004 Vol. 130 No. 3. LIAHONA (USPS 311-480)German (ISSN 1522–9203) is published monthly by TheChurch of Jesus Christ of Latter-day Saints, 50 East NorthTemple, Salt Lake City, UT 84150. USA subscription priceis $10.00 per year; Canada, $16.00 plus applicabletaxes. Periodicals Postage Paid at Salt Lake City, Utah, andat additional mailing offices. Sixty days‘ notice required forchange of address. Include address label from a recentissue; old and new address must be included. Send USAand Canadian subscriptions to Salt Lake Distribution Centerat address below. Subscription help line: 1-800-537-5971.Credit card orders (Visa, MasterCard, American Express)may be taken by phone. (Canada Poste Information:Publication Agreement #40017431)POSTMASTER: Send address changes to Salt LakeDistribution Center, Church Magazines, PO Box 26368,Salt Lake City, UT 84126-0368.WIE MAN DEN LIAHONA VERWENDEN KANNAnregungen für denFamilienabend„Einer der Besten sein“,Seite 12: Elder Richard G.Scott und Elder CharlesDidier erteilen Ratschlägean Jugendliche, die sich darauf vorbereiten,einmal zur „großartigstenGeneration von Missionaren“ zugehören. Besprechen Sie diese Anregungenmit Ihren Kindern. FragenSie sie unabhängig von ihrem Alter,wie sie sich schon jetzt darauf vorbereitenkönnen, einmal mit demGeist zu lehren, wenn sie alt genugsind, auf Mission zu gehen.„Es war kein Opfer“, Seite 34:Erzählen Sie, wie Ihnen einmal etwasungeahnte Segnungen eingebrachthat, weil Sie etwas geopfert haben,was Ihnen wirklich am Herzen lag.Erklären Sie, dass der Herr manchmalandere Pläne für uns hat, als wir esuns vielleicht vorstellen.„Ein Volk, das gern in den Tempelgeht“, Seite 40: Schildern Sie, wasIhnen der Tempel bedeutet. GehenSie anhand des Artikels von PräsidentHoward W. Hunter so ausführlich aufdie heiligen Handlungen im Tempelein, wie es Ihnen angebracht erscheint.Ein jeder soll sich das Zielsetzen, immer würdig zu sein, denTempel zu betreten und ihn auchhäufig zu besuchen, wenn es in derNähe einen gibt.„Über den PatriarchalischenSegen“, Seite 18: Fragen Sie IhreKinder, ob sie Fragen zum PatriarchalischenSegen haben. Verwenden Siedie Hinweise aus diesem Artikel, umdie Fragen zu beantworten.„Hätten Sie´s gewusst?“, Seite 48:Lesen Sie über die Taufe Jesu (sieheMatthäus 3:13-17; Markus 1:3-11;...................................................................Lukas 3:21,22; Johannes 1:19-37).Arbeiten Sie heraus, dass einjeder getauft werden muss.Jesus und seine Prophetensind uns Vorbild. Entwerfen Sie anhanddieses Artikels ein Quiz, in demes um die Taufe der Propheten geht.Sie können beispielsweise fragen:„Welcher Prophet wurde in einerSchwimmhalle getauft?“„Eine Blume und ein Gebet“,Seite KL6: Lesen Sie gemeinsam dieGeschichte, die Schwester Gayle M.Clegg erzählt. Fragen Sie Ihre Kinder,ob sie sich schon einmal einsamgefühlt haben. Erinnern Sie sie daran,dass der himmlische Vater immer nahist und dass etwas so Einfaches wieeine Blume ihnen helfen kann, nichtzu vergessen, dass ihre Eltern sielieben und für sie beten.THEMEN IN DIESER AUSGABEKL=Kleiner LiahonaAuferstehung, 2Bekehrung, 36, KL14Besuchslehren, 25Beziehungen in der Familie,31, KL6Familienabend, 1, 31FHV, 26Frieden, 2Führung, 48Gebet, 31, 36, KL6Gehorsam, 25, 34Genealogie, 40Geschichte der Kirche, 48Glaube, 34, 36Heimlehren, 7Jesus Christus, 2, KL4, KL8Liebe, 25 KL6Missionsarbeit, 8, 12, KL14Musik, 31Opfer, 34Patriarchalischer Segen,18, 22Priestertumssegen, 36,KL14Primarvereinigung, KL4,KL10Propheten, 48, KL12Reinheit, 22, KL2Schriftstudium, 31Ständiger Ausbildungsfonds,36Sühnopfer, KL8Taufe, 48, KL14Tempel, 40, 47Umkehr, 22, KL2, KL4, KL8Unglück und Widrigkeiten,31, 36, KL6Vorbereitung, 8, 12, 18Vorbild, 8Weltweite Kirche, 8, KL10Zeugnis, KL10Ziele, KL12LIAHONA MÄRZ 2004 1


BOTSCHAFT VON DER ERSTEN PRÄSIDENTSCHAFTFriedenfindenPRÄSIDENT THOMAS S. MONSONErster Ratgeber in der Ersten PräsidentschaftDAS VERLORENE SCHAF, GEMÄLDE VON DEL PARSONIn einer Welt, in der jedermann denFrieden sucht, fragen wir uns, warumdie Gewalt die Straßen erobert hat. Berichtevon Morden und sinnlosem Tötenfüllen die Zeitungsspalten, und Streitigkeitenund Konflikte schänden die Heiligkeitder Familie und ersticken die Ruhe sovieler Menschen.Vielleicht kommen wir vom Weg ab,der zum Frieden führt, und müssen innehalten,nachdenken und uns die Lehrendes Friedensfürsten durch den Kopf gehenlassen und uns vornehmen, dass wir sie zueinem Teil unseres Denkens und Handelnsmachen, ein höheres Gesetz leben, einehöher gelegene Straße nehmen und bessereJünger Christi werden.Die Feinde des FriedensDer verheerende Hunger in Afrika, derbrutale Hass im Nahen Osten und die ethnischenKämpfe auf der ganzen Welt erinnernuns daran, dass der Frieden, nach dem wirtrachten, nicht ohne Mühe und Entschlossenheitzustande kommt. Zorn, Hass undStreit sind Feinde, die sich nur schwer bezwingenlassen. Im zerstörerischen Kielwasserdieser Feinde bleiben Sorgentränen,Schmerz und die zertrümmerten Hoffnungenauf das zurück, was hätte sein können. IhrEinfluss beschränkt sich nicht auf dieSchlachtfelder des Krieges, sondern lässt sichallzu oft auch zu Hause beobachten – amHerd und im Herzen. So schnell vergisstmanch einer den Rat des Herrn, und so späterinnert er sich seiner: „Es soll unter euchkeine Auseinandersetzungen geben; ...Denn wahrlich, wahrlich, ich sage euch,wer den Geist des Streites hat, ist nicht vonmir, sondern ist vom Teufel, der der Vater desStreites ist, und er stachelt den Menschen dasHerz auf, im Zorn miteinander zu streiten.Siehe, es nicht meine Lehre, den Menschendas Herz mit Zorn gegeneinander aufzustacheln;sondern es ist meine Lehre,dass Derartiges hinweggetan werdensoll.“ 1Wenn wir die Uhr zurückdrehen, erinnernwir uns daran, dass vor 65 Jahren eine verzweifelteinberufene Friedenskonferenz inMünchen zusammentrat. Die Führer der europäischenMächte trafen sich, während dieWelt am Rand des Krieges dahintaumelte.Ihre offen erklärte Absicht bestand darin,eine Richtung einzuschlagen, die – in ihrenAugen – den Krieg abwenden und denFrieden aufrechterhalten würde. Misstrauen,Intrigen und Machthunger verurteilten dieseKonferenz zum Scheitern. Die Folge warnicht „Friede in unserer Zeit“, sondernvielmehr Krieg und Zerstörung in einemnoch nie da gewesenen Ausmaß. Übersehenoder ignoriert wurde der unvergesslichbewegende Appell eines Mannes, der ineinem früheren Krieg gefallen war. Er schienim Namen seiner Millionen Kameraden zuschreiben – seien sie nun Freunde oderFeinde:Vielleicht kommenwir vom Weg ab,der zum Frieden führt,und müssen einmalinnehalten, nachdenkenund uns dieLehren des Friedensfürstendurch den Kopfgehen lassen und unsdann vornehmen, dasswir sie zu einem Teilunseres Denkens undHandelns machen.LIAHONA MÄRZ 2004 3


Auf Flanderns Feldern steht der Mohnzwischen den Kreuzen Reih’ an Reih’.Da liegen wir, und über unsdie Lerche fliegt tapfer vorbei,kaum hörbar in der Salven Donnerton.Tot sind wir! Noch vor Tagesfristwar schön für uns und bunt die Welt;wir hatten, was jetzt nicht mehr ist.Tod herrscht auf Flanderns Feld.Kämpft weiter für uns wie ein Held!Der schlaffen Hand entfällt das Licht.Nun haltet ihr es bitte hoch.Und seid uns Toten untreu nicht,sonst flieht der Schlaf uns noch,im Mohn auf Flanderns Feld. 2Sind wir dazu verurteilt, die Fehler der Vergangenheitzu wiederholen? Der berühmte Staatsmann WilliamGladstone nannte das Rezept für Frieden, als er sagte:„Wir freuen uns auf die Zeit, wenn die Macht der Liebean die Stelle der Liebe zur Macht tritt. Dann wird unsereWelt den Segen des Friedens erleben.“Der Frieden GottesWenngleich der Weltfriede ein erhabenes Ziel ist, so ister nur die natürliche Folge des persönlichen Friedens, denjeder zu erlangen trachtet. Ich spreche nicht vom Frieden,für den der Mensch wirbt, sondern vom Frieden, den Gottverheißt. Ich spreche vom Frieden in unserer Familie, vomFrieden im Herzen, ja, vom Frieden im Leben. Der Friedenach der Weise der Menschen vergeht. Der Friede nachder Weise Gottes wird obsiegen.Uns wird klar: „Zorn ist keine Lösung. Er baut nichtsauf, kann aber alles zerstören.“ 3 Die Folgen von Konfliktensind so verheerend, dass wir uns nach Führung sehnen –nach einer Methode, wie wir auf unserer Suche nach demPfad zum Frieden den Erfolg gewährleisten können. Wiekönnen wir eine so umfassende Segnung empfangen? Gibtes dafür Bedingungen? Denken wir daran: Um Gottes Segnungenzu erlangen, muss man seine Gebote halten. Ichmöchte Ihnen dreierlei vorschlagen, was unser Denkenleitet und unsere Schritte führt:1. gehen Sie in sich,2. strecken Sie die Hand aus, und3. blicken Sie himmelwärts.Erstens: Gehen Sie in sich. Selbsteinschätzung ist immerein schwieriger Vorgang. Wir sind so oft versucht, dieBereiche zu retuschieren, die Verbesserung erfordern, undstattdessen ständig bei unseren persönlichen Stärken zuverweilen. Präsident Ezra Taft Benson (1899–1994) rät uns:„Der Preis für den Frieden ist Rechtschaffenheit. DieMenschen und Völker mögen laut ‚Friede, Friede‘ verkünden,aber es wird erst dann Frieden geben, wenn dieMenschen in ihrer Seele diejenigen Grundsätze der persönlichenReinheit, Integrität und des Charakters pflegen,die der Entwicklung des Friedens förderlich sind. DerFriede kann nicht verordnet werden. Er muss dem Lebenund dem Herzen der Menschen entspringen. Anders gehtes nicht.“ 4Elder Richard L. Evans (1906–1971) vom Kollegium derZwölf Apostel hat festgestellt: „Um Frieden zu finden – deninneren Frieden, den Frieden, der das Verständnis übersteigt–, müssen die Menschen aufrichtig leben, einanderehren, Verpflichtungen einhalten, bereitwillig arbeiten,ihre Angehörigen lieben und umsorgen, einander dienenund achten, und zwar mit Geduld, Tugend, Glauben undNachsicht, mit der Gewissheit, dass wir leben, um zulernen, zu dienen, umzukehren und besser zu werden.Gott sei gedankt für die segensreichen Grundsätze derUmkehr und des Fortschritts, ein Weg, der uns allen offensteht.“ 5Der Platz der Eltern zu Hause und in der Familie istvon größter Bedeutung, wenn wir unsere eigenen Verpflichtungenin dieser Hinsicht betrachten. Einmalkamen Leute von Rang zu einer Konferenz zusammen,um die Zunahme der Gewalt vor allem bei jungenMenschen zu untersuchen. Einige Schlüsse, die beidieser Konferenz gezogen wurden, können uns helfen,unsere Prioritäten zu überdenken:„Eine Gesellschaft, die die Darstellung von Gewaltals Unterhaltung betrachtet ..., darf sich nicht wundern,wenn sinnlose Gewalt die Träume ihrer jüngsten undintelligentesten Mitglieder zertrümmert.... Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit können zuVerzweiflung führen. Die meisten Menschen werden aberkeine Verzweiflungstaten begehen, wenn sie gelernthaben, dass Würde, Ehrlichkeit und Integrität wichtigersind als Rache oder Wut, und wenn sie verstehen, dassAchtung und Güte letzten Endes eher Aussicht auf Erfolgbieten. ...Die Frauen beim Anti-Gewalt-Gipfel haben die Lösungaufgezeigt – die einzige, die die abwärts führende Spiralevon zerstörerischem Verhalten und sinnlosem Leidumkehren kann. Die Rückkehr zu den altmodischenWerten der Familie wird Wunder wirken.“ 64


FOTO VON JOHN LUKE, SZENE NACHGESTELLTSo oft meinen wir irrigerweise, dassunsere Kinder mehr Dinge brauchen,während sie eigentlich möchten, dasswir mehr Zeit mit ihnen verbringen. DieAnhäufung von Wohlstand oder die Vermehrungvon Gütern widersprechen denWorten des Meisters:„Sammelt euch nicht Schätze hier auf derErde, wo Motte und Wurm sie zerstören undwo Diebe einbrechen und sie stehlen,sondern sammelt euch Schätze imHimmel, wo weder Motte noch Wurm siezerstören und keine Diebe einbrechen undsie stehlen.Denn wo dein Schatz ist, da ist auch deinHerz.“ 7Einmal sah ich abends in Salt Lake Cityviele Eltern mit ihren Kindern auf dem Wegzu einer großen Halle, wo das Stück DieSchöne und das Biest aufgeführt wurde, eineKreuzung überqueren. Ich hielt sogar meinenWagen am Straßenrand an, um mir die fröhlicheMenschenmenge anzusehen. Die Väter,die sich, da bin ich mir sicher, zu dieser Vorstellunghatten überreden lassen, hielten ihrekostbaren Kinder an den kleinen Händenfest, die sich an sie klammerten. Das warLiebe in Aktion. Das war eine unausgesprochenePredigt der Zuwendung. Dawurde die Zeit als eine gottgegebene Prioritätneu geordnet.Ja, der Friede wird siegreich herrschen,wenn wir uns gemäß dem Muster bessern,das der Herr vorgegeben hat. Dann werdenwir die tiefe Geistigkeit schätzen, die in deneinfachen Worten eines bekannten Liedesverborgen ist: „Schönheit leuchtet überall,wo die Liebe wohnt.“ 8Zweitens: Strecken Sie die Hand aus.Wenngleich die Erhöhung eine persönlicheAngelegenheit ist und Menschen nicht alsGruppe errettet werden, sondern in derTat einzeln, kann man sich dennoch nichtisolieren. Die Mitgliedschaft in der Kircheweckt die Entschlossenheit zum Dienen.Eine verantwortungsvolle Position mag keingroßes Ansehen genießen, auch mag derLohn nicht allgemein bekannt werden.Wenn der Dienst dem Herrn annehmbarsein soll, muss er einem willigen Sinn, willigenHänden und einem opferbereitenHerzen entspringen.Gelegentlich mag Mutlosigkeit den Wegverdunkeln; Frustration mag uns ständigerWeggefährte sein. Die Spitzfindigkeit desSatans mag uns in den Ohren klingen, derflüstert: „Ihr könnt die Welt nicht retten; eurekleinen Anstrengungen sind bedeutungslos.Ihr habt keine Zeit, euch anderer anzunehmen.“Wenn wir auf den Herrn vertrauen,können wir unser Ohr von diesen Unwahrheitenabwenden und sicherstellen, dass wiruns mit unseren Füßen fest auf dem Pfad desDienens befinden, und unser Herz undunsere Seele darauf richten, dem Herrn zufolgen. Immer, wenn das Licht der Entschlossenheitverblasst und das Herz den Mutverliert, können wir Trost finden in seinerVerheißung: „Werdet nicht müde, Gutes zutun ... Aus etwas Kleinem geht das Großehervor. Siehe, der Herr fordert das Herz undeinen willigen Sinn.“ 9In einem Jahr hat die Primarvereinigungsich bemüht, die Kinder mit den heiligenTempeln Gottes besser vertraut zu machen.Dazu gehörte oft ein Besuch auf einemTempelgrundstück. Das Lachen der kleinenKinder, die Freude der unbändigen Jugendund ihre ausgelassene Energie machten dasHerz des Zuschauers froh. Als eine liebevolleLehrerin ein Kind zum großen Tor des Salt-Lake-Tempels führte und das Kind die HandWenngleich derWeltfriede einerhabenesZiel ist, so ist er nurdie natürliche Folgedes persönlichenFriedens, den jederzu erlangen trachtet.Ich spreche nichtvom Frieden, fürden der Menschwirbt, sondern vomFrieden, den Gottverheißt. Ich sprechevom Frieden inunserer Familie, vomFrieden im Herzen,ja, vom Frieden imLeben.LIAHONA MÄRZ 2004 5


Wenn wirhimmelwärtsblicken, findenwir dabei Trost undZufriedenheit, wennwir mit dem Vaterim Himmel im Gebetsprechen, diesemWeg zu geistigerMacht – ja, demPass zum Frieden.ausstreckte, um den Tempel zu berühren,konnte ich fast den Meister sehen, der dieKinder an seiner Seite begrüßte, und seinetröstlichen Worte hören: „Lasst die Kinder zumir kommen; hindert sie nicht daran! DennMenschen wie ihnen gehört das ReichGottes.“ 10Drittens: Blicken Sie himmelwärts. Dabeifinden wir Trost und Zufriedenheit, wennwir mit dem Vater im Himmel im Gebetsprechen, diesem Weg zu geistiger Macht –ja, dem Pass zum Frieden. Wir denken anseinen geliebten Sohn, den Friedensfürsten,den Pionier, der buchstäblich den Weg zeigt,auf dem wir ihm folgen sollen. Sein göttlicherPlan kann uns vor dem Sündenbabel,der Selbstzufriedenheit und dem Irrtumretten. Sein Beispiel weist den Weg. Als ermit Versuchung konfrontiert wurde, ging ernicht darauf ein. Als ihm die Welt angebotenwurde, lehnte er sie ab. Als sein Lebengefordert wurde, gab er es.In einem bedeutsamen Moment zitierteJesus eine Stelle aus Jesaja: „Der Geist Gottes,des Herrn, ruht auf mir; denn der Herr hatmich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ichden Armen eine frohe Botschaft bringe undalle heile, deren Herz zerbrochen ist, damitich den Gefangenen die Entlassung verkündeund den Gefesselten die Befreiung“ 11 – eineklare Verkündigung des Friedens, der allesVerständnis übersteigt.Oft kommt der Tod als Eindringling. Erkommt als Feind, der plötzlich inmitten desLebensfestes auftaucht und die Lichterund die Fröhlichkeit auslöscht. Der Todlegt seine schwere Hand an diejenigen, dieuns lieb sind, und lässt uns manchmal verwirrtund erstaunt zurück. In manchenSituationen, beispielsweise bei großemLeid und bei Krankheit, kommt der Todals ein Engel der Gnade. Aber denen, diedarunter leiden, ist die Friedensverheißungdes Herrn der tröstende Balsam, derHeilung bringt: „Frieden hinterlasse icheuch, meinen Frieden gebe ich euch; nichteinen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebeich euch. Euer Herz beunruhige sich nichtund verzage nicht.“ 12 „Ich gehe, um einenPlatz für euch vorzubereiten, ... damit auchihr dort seid, wo ich bin.“ 13Wie sehr bete ich doch, dass jeder, dergeliebt und dann verloren hat, wissen kann,dass die Auferstehung Wirklichkeit ist, undohne Zweifel wissen kann, dass die Familieewig sein kann. Dazu gehört Major SullivanBallou, der im amerikanischen Bürgerkriegseiner Frau einen bewegenden Brief schrieb –gerade eine Woche, bevor er in der Schlachtvon Bull Run den Tod fand. Spüren Sie dochwie ich die Liebe seiner Seele, sein Gottvertrauen,seinen Mut und seinen Glauben:„14. Juli 1861Camp Clark, WashingtonMeine geliebte Sarah,alles deutet darauf hin, dass wir in einpaar Tagen – vielleicht schon morgen –weiterziehen. Falls ich dir nie wieder schreibenkann, möchte ich dir unbedingt ein paarZeilen schreiben, die du vor Augen hast,wenn ich einmal nicht mehr bin.Ich habe keine Bedenken und mir fehltauch nicht das Vertrauen hinsichtlich derSache, in der ich stehe, und mir fehlt oderstockt auch nicht der Mut ... Ich bin ... aufjeden Fall willens, ... alle meine Freuden indiesem Leben niederzulegen, um dazu beizutragen,dass diese Regierung im Amt bleibt ...Sarah, meine Liebe für dich stirbt nicht; siescheint mich mit Tauen an dich zu binden,die nichts außer die Allmacht sprengen kann.Und doch überkommt mich die Liebe für6


mein Land wie ein heftiger Wind und führt mich unwiderstehlichmit all diesen Ketten weiter zum Schlachtfeld.Die Erinnerungen an die seligen Augenblicke, die ichmit dir verbrachte, überkommen mich, und ich fühle michGott und dir gegenüber so dankbar, dass ich sie so langegenießen konnte. Es fällt mir schwer, darauf zu verzichtenund die Hoffnung auf kommende Jahre zu Asche zu verbrennen,die, so Gott es gewollt hätte, wir miteinandergelebt und einander geliebt hätten und unsere Söhne zuehrenhaftem Mannestum hätten heranwachsen sehen. Ichweiß, ich habe nur wenig und unbedeutenden Anspruchauf die göttliche Vorsehung, aber etwas flüstert mir zu –vielleicht ist es das gehauchte Gebet meines kleinen Edgar–, dass ich unversehrt zu meinen Lieben zurückkehre. Wennnicht, meine liebe Sarah, vergiss nie, wie sehr ich dich liebe;und wenn ich meinen letzten Atemzug auf dem Schlachtfeldaushauche, wird er deinen Namen flüstern. Vergib [mir] ...meine Fehler und die vielen Schmerzen, die ich dir zugefügthabe. Wie rücksichtslos und närrisch ich doch oft war! Wiefreudig würde ich mit meinen Tränen jeden noch so kleinenFleck auf deinem Glück auswaschen ...Aber, o Sarah, falls ein Toter wieder auf die Erde zurückkehrenund sich unsichtbar in der Umgebung dereraufhalten kann, die er liebte, dann werde ich immer indeiner Nähe sein; an den frohesten Tagen und in denfinstersten Nächten ... immer, immer, und wenn dueinen leichten Hauch auf deinen Wangen spürst, dannwird es mein Atem sein, wenn die kühlende Luft deinepochenden Schläfen streift, dann wird es mein Geist sein,der vorbeizieht. Sarah, betrauere mich nicht als Toten;denke, dass ich fort bin und auf dich warte, denn wirwerden uns wiedersehen.“ 14Unsere Botschaft des FriedensDas Dunkel des Todes kann durch das Licht der offenbartenWahrheit für immer vertrieben werden. „Ich bin dieAuferstehung und das Leben“, hat der Meister gesagt. „Weran mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder,der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ 15Zu seinen Worten kommen die des Engels, die er zurweinenden Maria Magdalene und der anderen Mariasprach, als sie zum Grab kamen, um den Leichnam desHerrn zu versorgen: „Was sucht ihr den Lebenden bei denToten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden.“ 16So lautet unsere Botschaft. Er lebt! Und weil er lebt,werden wirklich alle wieder leben. Diese Erkenntnisbringt den Angehörigen derer, deren geweihte Ruhestättensich auf Flanderns Feldern befinden, wo imFrühling der Mohn blüht, und die an zahllosen anderenStätten, einschließlich der Tiefen des Meeres, ruhen, denFrieden. „Welch Trost mir die Erkenntnis gibt: Ich weiß,dass mein Erlöser lebt!“ 17 ■ANMERKUNGEN1. 3 Nephi 11:28-302. John McCrae, „In FlandersFields“, aus The Best LovedPoems of the American People,Hg. Hazel Fellemann, 1936,Seite 4293. L. Douglas Wilder, zitiert in„Early Hardships ShapedCandidates“, Deseret News,1. Dezember 1991, Seite A24. „Purposeful Living“, Listen,A Journal of Better Living,Januar-März 1955, Seite 195. Generalkonferenz, Oktober19596. „Family Values in a ViolentFÜR DIE HEIMLEHRERSociety“, Deseret News, 16.Januar 1994, Seite A127. Matthäus 6:19-218. „Wo die Liebe wohnt“,Gesangbuch, Nr. 1989. LuB 64:33,3410. Markus 10:1411. Jesaja 61:1; siehe Lukas4:17-2012. Johannes 14:2713. Johannes 14:2,314. Zitiert in Geoffrey C. Ward,The Civil War, 1990, Seite 82f.15. Johannes 11:25,2616. Lukas 24:5,617. „Ich weiß, dass mein Erlöserlebt“, Gesangbuch, Nr. 85Bereiten Sie sich gebeterfüllt vor und tragen Sie dieseBotschaft anhand einer Unterrichtsmethode vor, bei der IhreZuhörer einbezogen werden. Es folgen einige Beispiele:1. Zeigen Sie eine Zeitung mit aktuellen Schlagzeilen zuSchwierigkeiten in der Welt, und fragen Sie die Familienmitglieder,ob sie wegen solcher Probleme je Angst bekommenhaben. Sprechen Sie darüber, wie der Erretter uns helfen kann,trotz der Schwierigkeiten in der Welt Frieden zu finden undFurcht zu überwinden.2. Fragen Sie eines der Kinder oder jüngeren Familienmitglieder,ob es schon einmal Hilfe benötigt hat, weil jemand unfreundlichwar oder weil es in der Schule nicht gut lief. BittenSie die Familie, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie der Erretterhelfen kann.3. Hat jemand, den Sie besuchen, einen geliebten Menschendurch den Tod verloren? Geben Sie Zeugnis von der Auferstehungdes Erretters und davon, was sie für uns alle bewirkt,oder bitten Sie den Betreffenden, falls es angebracht erscheint,sein Zeugnis zu geben.LIAHONA MÄRZ 2004 7


8Seine Füße haben Moroni RubioGeschwindigkeitsrekorde und dieAussicht auf die Teilnahme an denOlympischen Spielen eingebracht.Doch er ist überzeugt, dass sie nieetwas Wichtigeres leisten werden,als ihn dann zu tragen, wenn erdie Botschaft des Evangeliumsverkündet.


ADAM C. OLSONZeitschriften der KircheMoroni Rubio war erst 16 Jahre alt,als er Platz Eins in der Ranglisteder Läufer in Mexiko errang. Zuvorhatte er die Rekorde im 100- und200-Meter-Lauf gebrochen. Imgleichen Jahr, 2002,gewann er die mittelamerikanischenJuniorenmeisterschaftenim Hundertmeterlaufund wurde im Bundesstaat Yucatán zumSportler des Jahres gewählt.Bei all seinen Träumen geht es um seineFüße. Sie sollen ihn bis zu den OlympischenSommerspielen tragen, die 2008 in Pekingstattfinden. Doch selbst wenn sie ihn nichtdorthin tragen sollten, haben sie schonGroßes geleistet.Sie haben nämlich seinen seltenen Vornamenins Rampenlicht gerückt und Moroniso manche Gelegenheit verschafft, über seinenGlauben zu sprechen. Aufgrund seiner Erfolgehatte er einige Fernsehauftritte,Da Moroni Rubioin seiner KlasseRekorde im 100-und 200-Meter-Laufaufgestellt hat,werden in seinesportliche Karrierehohe Erwartungengesetzt.MORONISFÜSSEFOTOSVON CRAIG DIMOND,WENN NICHT ANDERS ANGEGEBEN;FOTO AM RAND VON ADAM C. OLSONLIAHONA MÄRZ 2004 9


Trotz eines strapaziösenTerminplans,zu dem Schule, Kirche,Training und anderesgehören, spielt Moronigern Gitarre und verbringtauch gern Zeitmit seiner Familie.bei denen sein Name jedes Mal über denBildschirm flimmerte.„Mir werden oft Fragen zu meinem Namengestellt“, erzählt Moroni, der Priester im PfahlLakín in Mérida in Mexiko ist. „So habe icheine sehr gute Gelegenheit, über das Evangeliumzu sprechen. Und wenn ich laufe,können die Mitglieder unter den Zuschauernan meinem Namen erkennen, dass ich einervon ihnen bin. Ich glaube, sie sind stolzdarauf.“Seine Trainer haben Moroni schonimmer gesagt, er habe einen schönenGang. Doch für Moroni hat das noch eineweitere Bedeutung, wenn er an JesajasWorte in Bezug auf Missionare denkt:„Wie willkommen sind auf den Bergendie Schritte des Freudenboten.“(Jesaja 52:7.)Er bringt OpferMoroni hatte es nicht leicht, seinenjetzigen Stand zu erreichen. Läufer wie erhaben auch einen Marathon-Terminplan.Moroni verlässt früh das Haus, um zur Schulezu gehen. Nach der Schule bleiben nur einpaar Minuten, um hastig eine Kleinigkeit zuessen, ehe es zum Training weitergeht.Wenn er dann gegen 20.00 Uhr nachHause kommt, kann er gerade nochschnell zu Abend essen und die Hausaufgabenmachen. Dann ist es schonZeit, schlafen zu gehen. Es ist nicht nur aufder Tartanbahn eine Herausforderung, mitMoroni Schritt zu halten.„Es ist ein Opfer“, sagt er. „Ich möchteoft etwas anderes tun, zum Beispiel mitmeinen Freunden zusammen sein oderGitarre spielen. Doch es bleibt einfachkeine Zeit.“Ein Läufer im GleichgewichtDie Schriftstelle, in der es heißt, dass derMensch nicht schneller laufen soll, als er Krafthat, hat für Moroni, der sich bemüht, Hausaufgaben,Kirche, Familie und Freunde inseinem Terminplan unterzubringen, mehrereBedeutungen.Wie viele jugendliche Mitglieder derKirche muss Moroni darauf achten, dasser sich nicht überlastet oder überfordert.Aus seiner Erfahrung als Läufer weiß er,dass man sich Verletzungen zuziehenkann, wenn man sich überanstrengt. WieKönig Benjamin seinem Volk gesagt hat:„Es ist nicht erforderlich, dass derMensch schneller laufe, als er Kraft hat.“(Mosia 4:27.)Doch Moroni gebraucht diese Schriftstellenicht als Ausrede, um unter seinen Möglichkeitenzu bleiben; vielmehr sieht er sie alsHerausforderung, stärker zu werden. Als ermit 14 Jahren aktiver Hundertmeterläuferwurde, lag seine Bestzeit bei 11,9 Sekunden.10


Durch Wachstum und Training ist er stärkergeworden und hat seine Zeit verbessert. Jetztbeträgt Moronis Bestzeit auf 100 Metern10,46 Sekunden – der mexikanische Rekordin der Juniorenklasse.„Das liegt daran“, sagt er, „dass ich beständigtrainiere, jeden Tag, ohne Ausnahme.Ich weiß, dass ich Grenzen habe,doch die lassen sich verschieben. Auf derLaufbahn glaube ich manchmal, ich schaffees nicht, aber wenn ich dann noch einmaldas Letzte aus mir heraushole, werde ichallmählich besser. Das gehört einfachdazu.“Oder – wie König Benjamin gesagt hat:„Und weiter, es ist ratsam, dass [der Mensch]eifrig sei, auf dass er dadurch den Preisgewinne.“ (Mosia 4:27.) Daran hält sichMoroni auch, wenn er nicht auf dem Sportplatzist.nur weil ihm so vielAufmerksamkeitentgegengebrachtwird. Jeder in derFamilie hat schließlichseine eigenenTalente.Seine SchwesterJoycy, 20 Jahre alt,war in der Schule immer Klassenbeste.Álvaro jun., 19, ist ein begabter Künstlerund Sänger. Steven, 14, ist sehr sportlichund auch ein hervorragender Läufer. Unddie zehnjährige Marianna „wird eine großartigeGeschäftsfrau“ meint der Vater,Álvaro. „Auch wenn ein Kind nicht Landesmeisterin einer Disziplin ist, kann es Zufriedenheitdarin finden, sein Bestesgegeben zu haben.“Moroni schaut sogar zu den anderen auf,sagt er, vor allem zu seinem älteren Bruder,Álvaro jun., der zurzeit in der Mexiko-MissionPuebla dient.„Mir war immer klar, dass ich ohne GottesHilfe nichts bin. Er hat mir das Talentgegeben“, sagt Moroni. „Ich bete nur immer,dass er mir hilft. Ohne die Lehren des Evangeliumswäre mein Leben sehr vielschwieriger.“Moronis hervorragendesportlicheLeistungen (untenlinks) haben ihnschon in jungenJahren ins Rampenlichtgerückt (oben)und ihm Gelegenheitverschafft, über dasEvangelium zusprechen, noch eheer auf Mission geht.RECHTS: ABDRUCK DES FOTOS VOM WETTKAMPF MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG DERFAMILIE RUBIO„Prüfungen, die mir einst unüberwindbarvorkamen, erscheinen in einem anderenLicht“, sagt Moroni. „Der Herr stellt uns nievor Schwierigkeiten, die wir nicht überwindenkönnen. Wir können sie meistern,auch wenn es zunächst nicht danach aussieht.Wir dürfen niemals aufgeben, dann entwickelnwir uns und werden besser. LetztenEndes lohnt sich das Opfer.“Fans in der FamilieMoroni sagt, dass er in schwierigenZeiten – sei es auf dem Sportplatz oderanderswo – den größten Rückhalt in seinerFamilie findet. Er ist für ihre Unterstützungdankbar. Die Familie weiß es zu schätzen,dass er sich nicht für etwas Besseres hält,Das Evangelium des Friedens folgtauf dem FußeNachdem seine Füße durch das, was sieauf dem Sportplatz geleistet haben, Moronibereits geholfen haben, das Evangelium zuverbreiten, hofft er nun, dass sie ihm dabeiauch auf Mission helfen werden.„Ich glaube, dass dem Herrn wichtig ist,was ich als Läufer leiste“, meint Moroni.„Doch wichtiger als das Laufen ist es, eineMission zu erfüllen. Und dies ist eines meinerZiele, wie auch immer meine Sportlerkarriereverlaufen mag.“Aus Moroni, dem Läufer, wird dann alsoMoroni, der Missionar, die „Füße beschuhtmit der Vorbereitung des Evangeliums desFriedens" (LuB 27:16).Er wird dann seine Sportschuhe gegenSchuhe eintauschen, in denen er von Türzu Tür gehen kann. ■LIAHONA MÄRZ 2004 11


Einer derBestenseinZUKÜNFTIGE MISSIONARINFUTURE ELDERZUKÜNFTIGER MISSIONARWas kann einJugendlicherschon jetzttun, um spätereinmal solch einMissionar zu werden,wie der Herrihn sich wünscht?Im Gespräch mit Mitarbeitern der Zeitschriftender Kirche haben Elder RichardG. Scott vom Kollegium der Zwölf Apostelund Elder Charles Didier von der Präsidentschaftder Siebziger erklärt, dass es somanches gibt, was einem helfen kann, zur„großartigsten Generation von Missionaren“ 1zu gehören. Einiges davon tust du wahrscheinlichohnehin schon.Auf die Eingebungen des Geistes hören„Wenn ihr den Geist nicht empfangt, solltihr nicht lehren.“ (LuB 42:14.)Es ist von ganz entscheidenderBedeutung, dass die großartigste Generationvon Missionaren vom Heiligen Geist geführtwird. Bei der Missionsarbeit muss man denHeiligen Geist unbedingt mit sich haben. Wirkönnen zwar unsere Glaubensansichten vorstellenund die Lehre erläutern, doch ist esder Geist, der den Menschen das Herzberührt und sie bekehrt.„Ein Missionar muss so leben, dass derGeist ihm etwas eingeben kann“, erklärtElder Richard G. Scott im Gespräch mit denZeitschriften der Kirche.Doch wie man die Eingebungen desHeiligen Geistes erkennt und ihnen folgt,lernt ein Missionar nicht automatisch inder Missionarsschule. Er muss eigene Erfahrungendamit gemacht haben, und zwarso früh wie möglich.Man muss auch schon früh begriffenhaben, dass man seine Fähigkeit, vomHeiligen Geist geführt zu werden, beeinträchtigtund sündigt, wenn man den Eingebungendes Heiligen Geistes nicht folgt(siehe Mosia 2:36; Helaman 4:24).„Junge Leute, die sich auf eine Missionvorbereiten, müssen sich von der Sündeso fern wie nur möglich halten“, sagt ElderScott. „Dadurch können sie in ihrer Vorbereitungszeitso glücklich wie möglichwerden und die Gewissheit haben, dassder Geist sie voll und ganz führen kann.“Wenn man einen Fehler begeht, mussman aufrichtig Umkehr üben, um denHeiligen Geist wieder bei sich haben zudürfen. Es gibt leider Sünden, die verhindern,dass man seinen Platz in dergroßartigsten Generation von Missionareneinnehmen kann.FOTOS VON JOHN LUKE, FALLS NICHT ANDERS ANGEGEBEN; SZENE NACHGESTELLT12


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„Es gibt einige Verhaltensweisen, durch die Jugendlicheihr Recht, Missionar zu werden, verwirken können“, erklärtElder Scott. „Sie mögen Umkehr geübt haben, aber wennsie bestimmte Dinge getan haben, können sie leider nichtauf Mission gehen.“Das Wort erlangen„Trachte nicht danach, mein Wort zu verkünden,sondern trachte zuerst danach, mein Wort zu erlangen,und dann wird deine Zunge gelöst werden; dann, wenndu wünschst, wirst du meinen Geist und mein Worthaben, ja, die Macht Gottes, um Menschen zu überzeugen.“(LuB 11:21.)Kennen Sie die Redewendung „Aus einem leerenBrunnen kann man kein Wasser schöpfen“? Ein Brunnen,der kein Wasser hat, ist offensichtlich von keinem großenNutzen.Ähnlich ist es auch bei den Missionaren. Zu was istein Missionar gut, der nichts zu erzählen weiß? DerHeilige Geist kann einem keine Schriftstelle, diejemandem das Herz berühren soll, ins Gedächtnisrufen, wenn man diese Schriftstelle gar nicht kennt.Und man kann nicht Zeugnis davon ablegen, was dieSabbatheiligung Gutes bewirkt, wenn man diesesGebot selbst nicht befolgt hat.MIT DEM GEIST LEHREN„Um durch den Geist lehren zu können, muss man Zeitund Mühe investieren“, sagt Elder Scott. „Man kann nichtsagen: Ich gehe jetzt einmal los und warte darauf, dass derGeist mir sagt, was ich tun soll. Man muss das Evangelium– vor allem die Botschaft von der Wiederherstellung – inHerz und Sinn anhäufen.“Ehe die Missionare in die Missionarsschule kommen,sollten sie die Bibel, das Buch Mormon, Lehre und Bündnisseund die Köstliche Perle gelesen und ein Zeugnis davonerlangt haben. Zukünftige Missionare müssen wissen,wie wichtig das Sühnopfer, die Wiederherstellung der Fülledes Evangeliums, die Priestertumsvollmacht, lebende Prophetenund die Fähigkeit, Offenbarung zu empfangen,sind. Sie müssen eine gebeterfüllte Beziehung zu Gottaufgebaut haben.„Ehe wir das Wort verkünden können, müssen wir eserlangen“ (siehe LuB 11:21), erklärt Elder Charles Didiergegenüber den Zeitschriften der Kirche. „So manch einerdenkt, dass man das Wort im Missionsfeld erlangt. Es istaber sehr schwierig, sich auf Mission einen geistigenHintergrund zu erwerben, der auf den heiligen Schriftenberuht, denn eine Mission ist sehr anspruchsvoll.“Diesen geistigen Hintergrund erwirbt man sich durchdas persönliche Gebet und das Schriftstudium, durchGehorsam gegenüber den Grundsätzen des EvangeliumsLINKS: AMMON UND KÖNIG LAMONI, GEMÄLDE VON SCOTT SNOW; RECHTS: FOTO VON WELDEN C. ANDERSEN„Um die Macht Gotteszu besitzen, das Evangeliumzu verkünden,müssen wir uns zuerstdarum bemühen, dasWort zu erlangen.Dann müssen wir esdurch den Geist verstehen, und schließlicherhalten wir die Macht, Menschen zuüberzeugen.Wie aber erlangt man den Geist?‚Durch das Gebet des Glaubens‘, hat derHerr gesagt. Daher müssen wir aufrichtigund mit wirklichem Vorsatz beten. BetenSie um mehr Glauben. Beten Sie darum,dass der Heilige Geist mit Ihnen ist, wennSie jemanden belehren. Bitten Sie denHerrn um Vergebung. Sie müssengenauso inbrünstig beten wie Enos imBuch Mormon. ...Um den Geist zu erlangen, müssen Sie... täglich in der heiligen Schrift forschen.Das Buch Mormon berichtet von einigenäußerst erfolgreichen Missionaren, die dasEvangelium verkündeten, nämlich Ammon,Aaron, Omner und Himni, den vier SöhnenMosias.Sie waren Männer Gottes und hattensich gut auf ihre Aufgabe vorbereitet.“Präsident Ezra Taft Benson (1899–1994),„Wie man bei der Missionsarbeit Erfolghat“, Der Stern, April 1991, Seite 4f.14


und indem man die Versammlungen derKirche besucht und an den Aktivitäten derJugendlichen teilnimmt. Das Seminar undSchriftstellen, die im Rahmen dieses Programmsauswendig gelernt werden sollen,sind ebenfalls von unschätzbarem Wert fürdie Evangeliumskenntnisse.„Wir hegen den aufrichtigen Wunsch,dass die Missionare so gut vorbereitet aufMission kommen“, so Elder Didier weiter,„dass wir hinzufügen und ergänzenkönnen, statt Wissen zu vermitteln, dasnoch nicht vorhanden ist, und wir betendarum.“Heute damit anfangen, das Evangelium zuverkündigen„Siehe, ich habe euch ausgesandt, Zeugniszu geben und die Menschen zu warnen;und einem jeden, der gewarnt worden ist,kommt es zu, seinen Nächsten zu warnen.“(LuB 88:81.)Wer lernen will, wie man in der Zukunftmit anderen über das Evangelium spricht,fängt wohl am besten schon jetzt damit an.„Jeder kann etwas tun“, sagt Elder Didier.„Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten,Missionsarbeit zu leisten. Man kann einen Briefschreiben, ein Video der Kirche zeigen oderFreunden Karten geben, auf denen steht, wiesie ein Buch Mormon oder ein Video bestellenkönnen. Jugendliche können sich mit anderenMitgliedern oder Interessenten anfreundenund sich um weniger aktive Mitgliederkümmern. Wenn die Jugendlichen schon jetztdamit anfangen, sich über die MissionsarbeitGedanken zu machen, sind sie umso mehr imVorteil, wenn sie auf Mission gehen.“„Die Vollzeitmissionare zu begleiten undmit ihnen zusammenzuarbeiten, ist eineDas Fundament imEvangelium, dasman als Missionarbraucht, lässt sichviel leichter legen,wenn man die VersammlungenderKirche und dasSeminar besucht undan den Aktivitätender Jugendlichenteilnimmt.LIAHONA MÄRZ 2004 15


Du kannst dich aufdeine Mission vorbereiten,indem dudeinen Freunden dasEvangelium nahebringst. Schreibe ihneneinen Brief, zeige einVideo der Kirche odergib ihnen eine Karte,auf der steht, wie sieein Buch Mormon oderein Video bestellenkönnen.wunderbare Gelegenheit für Jugendliche,sich vorzubereiten und zu lernen, mehrauf den Geist zu achten“, sagt Elder Scott.„Wer unterweist und Zeugnis gibt, sei es ander Seite der Missionare, in Versammlungendes Kollegiums oder im Freundeskreis,verspürt leichter, wie der Geist ihn führt.Wunderbare Erlebnisse wie diese dienender Vorbereitung.“Doch Vorsicht! Wenn man erst einmal damitanfängt, kann man womöglich nicht mehraufhören.„Wer einmal mit der Missionsarbeit angefangenhat, ist von ihr begeistert“, sagtElder Scott. „Sie motiviert, sie wird nie lästig,sie ist ein aufregendes Erlebnis.“Was man erwarten darf„Sorgt euch auch nicht im Voraus, wasihr sagen sollt; sondern häuft in eurem Sinnbeständig die Worte des Lebens auf wieeinen Schatz, dann wird euch zur selbenStunde das Maß eingegeben werden, daseinem jeden zugemessen werden soll.“(LuB 84:85.)Die Kirche richtet ihre Missionsarbeit nunmehr darauf aus, durch den Geist zu lehrenund auf die Bedürfnisse des Einzelnen einzugehen.„Der Lehrplan hat sich nicht geändert“,führt Elder Didier dazu aus. „Die Missionarehaben immer noch die sechs Lektionen. Wirmöchten aber, dass sie in ihrem persönlichen16


DIE GROSSARTIGSTE GENERATION VON MISSIONARENDIE ZWEITAUSEND JUNGEN KRIEGER, GEMÄLDE VON ARNOLD FRIBERG“Wir leben in einergefährlichen Zeit. Wirkämpfen buchstäblichum die Seele derMenschen. Der Feindist unversöhnlich undunerbittlich. Er machtmit Besorgnis erregender GeschwindigkeitGefangene für die Ewigkeit. Und er wirdanscheinend nicht müde.... Und so wie das Volk Ammon imKrieg gegen die Lamaniten von seinenSöhnen Verstärkung erwartete, so blickenwir auf euch, meine jungen Brüder imAaronischen Priestertum. Wir braucheneuch. Wie Helamans 2000 junge Kriegerseid auch ihr Geistsöhne Gottes und könntauch ihr mit der Macht ausgerüstet werden,sein Reich aufzubauen und zu verteidigen.Wir sind darauf angewiesen, dass ihrheilige Bündnisse eingeht, so wie sie estaten. Wir sind darauf angewiesen, dass ihrvöllig gehorsam und glaubenstreu seid, sowie sie es waren.Wir brauchen jetzt die großartigsteGeneration von Missionaren in der Geschichteder Kirche. Wir brauchen würdige,fähige, geistig starke Missionare ...Wir brauchen keine geistig schwachenjungen Männer, die sich nur halbherzigverpflichtet haben. Wir brauchen euchnicht bloß dazu, dass ihr ein Amt einnehmt;wir brauchen euer ganzes Herz,eure ganze Seele. Wir brauchen dynamische,denkende, begeisterte Missionare,die zuhören können und auf dieEingebungen des Heiligen Geistes hinhandeln.“Elder M. Russell Ballard vom Kollegiumder Zwölf Apostel, “Die großartigsteGeneration von Missionaren“, Liahona,November 2002, Seite 47.Studium und auch gemeinsam ausarbeiten, wie sich derLehrstoff an diejenigen anpassen lässt, die sie im Laufe desTages unterweisen wollen.“„Sie sollen jeden Interessenten so unterweisen, wie eres braucht“, ergänzt Elder Scott. „Denn jeder Mensch istanders.“Die Missionare sind nun dazu angehalten, das Evangeliumin ihren eigenen Worten zu erklären, und siekönnen die Reihenfolge, in der sie die Evangeliumsgrundsätzeaus den Lektionen vermitteln, nach Bedarfanpassen.„Die Missionare lernen nicht bloß eine Botschaft auswendig,die sie immer wieder vortragen, als käme sie vomBand“, so Elder Scott. „Sie müssen den Kern der Lehreund die sie untermauernden Schriftstellen in Herz undSinn anhäufen und sie mit eigenen Erfahrungen, auf diesie zurückgreifen können, in eine Beziehung bringen.Unsere Missionare sind nun viel besser gerüstet, demEinzelnen die großartige Botschaft von der Wiederherstellungnahe zu bringen.“In der Missionarsschule lernen die Missionare inihrer Muttersprache, wie sie eine Lektion anlegen, inihren eigenen Worten unterrichten und durch denGeist lehren können. Wer eine Fremdsprache erlernenmuss, verbringt den Großteil seiner Zeit damit, denInhalt der Lektionen in seiner Muttersprache zulernen.„Das bedeutet, dass der Mitarbeiter eines neuen Missionarseine viel wichtigere Rolle dabei spielt, dessenSprachkenntnisse zu vertiefen und ihm dabei zu helfen,das Gelernte so zusammenzufügen, dass er Teile derBotschaft vermitteln kann“, sagt Elder Scott.Du kannst es schaffenDu kannst deinen Platz in der großartigsten Generationvon Missionaren in der Geschichte der Kirche einnehmen.Das verlangt Einsatz und Engagement, Glauben und Opferbereitschaft.Wer morgen zur großartigsten Generationvon Missionaren gehören will, muss schon jetzt zur bestenGeneration von Jugendlichen gehören. Das liegt durchausin deiner Reichweite!„Die meisten Jugendlichen von heute haben außergewöhnlicheFähigkeiten und einen wachen Geist“, findetElder Scott. „Die Welt wird schlechter, doch unsereFähigkeit, das Evangelium zu lehren, wird besser. Unddiese Jugendlichen werden zu der gut vorbereitetenGruppe gehören, die auf Mission geht und sich dort ihrenWeg in die Ewigkeit ebnet, indem sie voller BegeisterungFamilien und Einzelne sicher in das Reich Gottes auf Erdengeleitet.“ ■ANMERKUNG1. Siehe M. Russell Ballard, „Die großartigste Generation vonMissionaren“, Liahona, November 2002, Seite 46-49; siehe auchGordon B. Hinckley, „An die Männer des Priestertums“, Liahona,November 2002, Seite 56-59.LIAHONA MÄRZ 2004 17


Um einen PatriarchalischenSegen bekommenzu können, musstdu dich erstens vorbereiten,indem dudem Herrn durchdas Gebet unddadurch, dass duumkehrst, dieheiligen Schriftenstudierst und zurKirche gehst, näherkommst; zweitensmusst du mit deinemBischof sprechen,um festzustellen,ob du bereit bist,und drittens mussdein Bischof direinen Empfehlungsscheinfür denPatriarchalischenSegen ausstellen.Über denPatriarchalischen SegenWas ist er? Wie bekomme icheinen? Warum ist er wichtig?Hier sind Antworten auf einigeder Fragen, die am häufigstenzum Patriarchalischen Segengestellt werden.Viele Mitglieder beginnen sich schonals Teenager Gedanken darüber zumachen, ob sie den PatriarchalischenSegen empfangen sollen. Die folgendenHinweise können dir helfen, den Zweckdes Patriarchalischen Segens zu verstehenund dich darauf vorzubereiten.Was ist der Patriarchalische Segen?Der Patriarchalische Segen hat zwei Hauptfunktionen.Einerseits wird der Patriarch inspiriert,deine Abstammung festzustellen,also zu welchem Stamm Israels du gehörst.Andererseits spricht der Patriarch unter derFührung des Geistes der Prophezeiung Segnungenaus und kann dir auch Verheißungen,Warnungen oder Mahnungen mit auf denWeg geben, die nur für dich bestimmt sind.In deinem Patriarchalischen Segen erfährstdu eventuell etwas darüber, was du erreichenkannst, oder welche Segnungen du bekommenkannst, wenn du Glauben ausübstund rechtschaffen lebst.Warum ist die Abstammung von Bedeutung?Jedes Mitglied der Kirche gehört zu einemder zwölf Stämme Israels. Wer nicht buchstäblichvom Haus Israel abstammt, wirddurch die Taufe darin aufgenommen. Es kanneine wertvolle Hilfe sein, seine Abstammungzu kennen, denn wenn man einem der zwölfStämme Israels angehört, gehen damit dieSegnungen und die Berufung des entsprechendenStammes einher. Die Segen, dieJakob seinen Söhnen (den Stammvätern)gab, stehen in Genesis 49.Wer kann den Patriarchalischen Segengeben?Patriarch ist genauso ein Amt imMelchisedekischen Priestertum wie Ältesteroder Hohepriester. Ein Patriarch wird spezielldazu berufen und ordiniert, den PatriarchalischenSegen zu geben. Du kannst den PatriarchalischenSegen vom Patriarchen deinesFOTOS VON JOHN LUKE, FALLS NICHT ANDERS ANGEGEBEN; SZENE NACHGESTELLT; FOTO VON DEN HEILIGEN SCHRIFTEN VON STEVE BUNDERSON; FOTO DES GEMEINDEHAUSES VON WELDEN C. ANDERSEN18


Pfahles oder – wenn es dort keinen gibt – vondem eines Pfahles in der Nähe bekommen.Wenn du in einem Gebiet wohnst, wo es garkeine Pfahlpatriarchen gibt, weiß dein Bischofbzw. Zweigpräsident, wo du den Segen empfangenkannst. Wenn du der direkte Nachkommeeines Patriarchen bist (wenn alsobeispielsweise dein Großvater Patriarch ist),kannst du von ihm den Segen empfangen,auch wenn er nicht zu deinem Pfahl gehört.Wer kann den Patriarchalischen Segenempfangen?Jedes würdige Mitglied der Kirche hat unabhängigdavon, wie lange es schon der Kircheangehört, Anspruch auf einen PatriarchalischenSegen und soll ihn auch empfangen.Wie alt muss man sein, um den Segenempfangen zu können?Es ist kein Alter festgelegt. Man sollte aberalt genug sein, die heilige Natur des Segenszu verstehen.Wie wird der Segen gegeben?Der Patriarch legt dir die Hände auf undgibt dir durch Inspiration den Segen. Dadurchwird dir eine Richtschnur offenbart. Der Segenwird dann niedergeschrieben und du erhältsteine Ausfertigung, die du im Laufe deinesLebens immer wieder durchlesen kannst. DieKirche bewahrt deinen Segen ebenfalls auf,falls du ihn jemals verlieren solltest.Wie kann ich den Patriarchalischen Segenbekommen?Vereinbare mit deinem Bischof einenGesprächstermin. Er wird feststellen,inwiefern du bereit und würdig bist unddir entweder einen Empfehlungsscheinausstellen oder dir bei der Vorbereitunghelfen. Sobald du deinen Empfehlungsscheinerhalten hast, kannst du mit demPatriarchen einen Termin vereinbaren.Frage den Bischof oder den Patriarchen,wer dich zu dem Segen begleiten kann,beispielsweise deine Eltern, und vergissEINLEITSTERN„Der PatriarchalischeSegen von einem ordiniertenPatriarchenkann uns einen Leitsterngeben, dem wirfolgen können; er isteine persönliche Offenbarungvon Gott an denEinzelnen. Wenn wirdiesem Leitsternfolgen, werden wirweniger stolpern undirregehen. Unser PatriarchalischerSegenwird uns ein Anker fürdie Seele sein, undwenn wir würdig sind,können weder Todnoch Teufel uns umdie verheißenen Segnungenbringen. Essind Segnungen, dererwir uns heute undimmer erfreuenkönnen.“Präsident James E.Faust, Zweiter Ratgeberin der Ersten Präsidentschaft,„Priestertumssegen“,Der Stern,Januar 1996, Seite 57.LIAHONA MÄRZ 2004 19


EINERFÜLLTERSEGEN„Manchmal macht sichjemand Sorgen, weileine Verheißung ausdem PatriarchalischenSegen noch nicht inErfüllung gegangen ist.... Das bedeutet nicht,dass der Segen nichtin Erfüllung gehen wird.Es ist gut, wenn manweiß, dass die Dingezu der vom Herrnbestimmten Zeit geschehenund nichtimmer nach unseremZeitplan. Ewiges kenntkeine Grenzen. Undunser Leben dauert –vom Vorherdasein biszu unserem Lebennach dem Tod – ewig.“Präsident Boyd K.Packer, AmtierenderPräsident des Kollegiumsder Zwölf Apostel,„Der Pfahlpatriarch“,Liahona, November2002, Seite 45.20


FOTO DES VERWALTUNGSGEBÄUDES DER KIRCHE VON WELDEN C. ANDERSENnicht, den Schein einzustecken, wenn duzum Patriarchen gehst.Wie weiß ich, ob ich bereit bin?Der Wunsch, einen PatriarchalischenSegen zu empfangen, sollte von dem Wunschherrühren, den Willen Gottes für dich zuerfahren und danach zu leben. Neugier oderder Druck anderer sind nicht der richtigeBeweggrund, um einen Segen zu empfangen.Der Bischof wird dir helfen, festzustellen, obdu für den Segen bereit bist.Wie kann ich mich vorbereiten?Du solltest alles Erdenkliche tun, umdem Herrn näher zu kommen. Beten, fasten,Schriftstudium, nachsinnen und die Umkehrkönnen dazu beitragen. Weltliche Anliegenund Sorgen haben bei so einer heiligenAngelegenheit keinen Platz.Was soll ich anziehen?Zum Patriarchalischen Segen erscheintman in Sonntagskleidung.Wann gehen die Verheißungen in meinemSegen in Erfüllung?Manchmal wird in einem PatriarchalischenSegen etwas aus dem vorirdischen Dasein offenbart.Doch in erster Linie dient er als Wegweiserfür die Gegenwart und die Zukunft.Da sich der Segen auf die Ewigkeit erstreckt,können darin auch Entwicklungen angesprochenwerden, die über das irdischeLeben hinausgehen.Gehen alle Verheißungen in meinem Segenin Erfüllung?Alle Segnungen hängen von deinerGlaubenstreue und vom Zeitplan des Herrn ab.Segnungen können im Laufe deines Lebensauch auf verschiedene Weise in Erfüllunggehen, je nach deinem Fortschritt, deinenFähigkeiten und deinen Lebensumständen.Dürfen andere meinen Segen lesen?Dein Segen ist eine persönliche Angelegenheitzwischen dir und dem Vaterim Himmel. Du kannst deinen Angehörigenoder anderen Menschen, die dir nahe stehen,deinen Segen zeigen. Doch der Segen mussgut behütet werden und darf niemals mitdem von anderen verglichen werden.Der Patriarchalische Segen kann dir indeinem Leben von großem Wert sein. Wenndu dich auf die Verheißungen in deinemSegen vorbereitest und ihrer würdig bist,kannst du dem himmlischen Vater in diesemLeben näher kommen, was dir wiederumdabei helfen kann, im künftigen Leben zuihm zurückzukehren. ■Nachdem du den Empfehlungsscheinerhaltenhast, setzt du dich mitdem Patriarchen inVerbindung, um einenTermin zu vereinbaren,und empfängst deinenSegen. Die Aufnahmedes Segens wird niedergeschriebenunddann versandt – einExemplar an denHauptsitz der Kirchezur Aufbewahrung undein weiteres an dich,um dir auf deinemLebensweg als Richtschnurzu dienen.LIAHONA MÄRZ 2004 21


WürdigFÜR MEINEN SEGEN?Als ich das Büro desBischofs verlassenhatte und den Flurentlangging, gingmir seine letzte Fragenicht aus dem Kopf.Ich hatte meinen Empfehlungsschein, doch etwas beunruhigtemich die ganze Zeit. War mir wirklich alles, was ich vor solanger Zeit falsch gemacht hatte, vergeben worden? Würdemein Bischof schlecht von mir denken?RACHEL MURDOCKNachdem ich an einer Fireside mitunserem Pfahlpatriarchen teilgenommenhatte, wollte ich gernemeinen Patriarchalischen Segen empfangen.Ich erfuhr, dass ich eine Unterredung mitmeinem Bischof brauchte, um den PatriarchalischenSegen bekommen zu können. Ich riefden Führungssekretär an, und er setzte einenTermin nach den Aktivitäten der JungenMänner und der Jungen Damen in derfolgenden Woche an.Es war fast niemand mehr in der Kirche, alsich den Flur entlang zum Büro des Bischofsging. Ich klopfte an und er bat mich herein.Wir unterhielten uns über die Schule unddann fragte er, was er für mich tun könne. Erschien sich darüber zu freuen, dass ich denPatriarchalischen Segen bekommen wollte.Wir sprachen darüber, was der PatriarchalischeSegen ist, was es heißt, ihn zu empfangen,und ob ich der Meinung war, dassich bereit dafür sei. Dann befragte er michbezüglich meiner Würdigkeit. Er fragte,ob ich das Wort der Weisheit hielt, dieVersammlungen der Kirche besuchte und einZeugnis vom Evangelium hätte. Ich fühltemich gut, weil ich alle Fragen ehrlich und vonganzem Herzen mit „Ja“ beantworten konnte,auch wenn ich mich noch längst nicht fürvollkommen hielt.Dann stellte mir der Bischof eine letzteFrage: „Gibt es etwas in der Vergangenheit,was du mit deinen Priestertumsführern hättestbereinigen sollen, aber nicht getan hast?“Ich antwortete mit „Nein“, nahm meinenEmpfehlungsschein entgegen und ging –bereit, einen Termin mit dem Patriarchen auszumachen.Als ich den dunklen Flur entlangging,merkte ich, dass mich die letzte Fragebedrückte. Gab es etwas in der Vergangenheit?Ich musste daran denken, dass ich vor einigenJahren ein paar Mal eine Freundin besuchthatte. Bei einigen Spielen, die wir dortgespielt hatten, hatte ich mich nicht wohlgefühlt. So etwas war mir danach nie wiederpassiert. Dennoch hatte ich mich oft gefragt,ob diese kleinen, harmlosen Übertretungenetwas waren, worüber ich mit dem BischofILLUSTRATIONEN VON LONNI CLARKE


Mein Bischof sagtemir, dass ich mir keineSorgen mehr machenmüsse. Ich war sehrglücklich, als ich seinBüro zum zweitenMal verließ.sprechen musste oder nicht. Weil ich ja nichtswirklich Schlimmes getan hatte, kam ich zudem Schluss, dass ich es einfach vergessenwürde. Doch dem war offenbar nicht so.Ich würde nur einmal im Leben einen PatriarchalischenSegen bekommen und wollte,dass er durch nichts überschattet würde. Alsomachte ich kehrt und ging mit einem Kloß imHals zurück zum Büro des Bischofs. Ich wolltenicht, dass er mich auslachte oder meineBedenken auf die leichte Schulter nahm. Ichzwang mich, erneut an seine Tür zu klopfen.Es war unschwer zu erkennen, dass erüberrascht war, mich wiederzusehen. DieGeschichte sprudelte aus mir heraus – ichsprach viel zu schnell und nicht geradedeutlich. Er lachte nicht und schob meineBedenken auch nicht beiseite. Vielmehrhörte er mir aufmerksam zu, stellte mir einigeFragen über damals und heute und wolltedann mehr darüber wissen, inwiefern ichmit dem Herrn ins Reine gekommen war.Dann sagte er: „Ich denke, du kannst deinenSegen empfangen und brauchst dir diesbezüglichkeine Sorgen mehr zu machen.“Als ich sein Büro zum zweiten Mal verließ,fühlte ich mich rein und war glücklich. Mirwar, als ob ich schwebte, als ich den Flurhinunterhüpfte. Ich wusste, dass ich rein war.Mein Priestertumsführer hatte mich voneinem unbehaglichen Gefühl befreit, das ichüber Jahre mit mir herumgeschleppt hatte.Dieses Gefühl der Reinheit hatte ich auchan dem Abend, als ich zum Patriarchen gingund meinen Segen empfing. Ich begann zuweinen, als er die ersten Worte sprach: „DerHerr freut sich darüber, dass du dich dafürentschieden hast, seine Gebote zu halten, umihm auf diese Weise deine Liebe zu zeigen.“Ich spürte, dass der Herr wahrhaftig zu mirsprach und dass er mit meinem Leben, sounvollkommen es auch war, zufrieden war.Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ichimmer zu meinen Priestertumsführern gehenkann, wenn ich zu meiner Würdigkeit eineFrage habe. Ich weiß aus eigener Erfahrung,dass sie nur helfen wollen. Sie denken nichtschlecht von mir, nur weil ich noch unvollkommenbin, und sie halten es nicht für Zeitverschwendung,über meine Anliegen zusprechen, seien sie groß oder klein. Sie sindfast genauso glücklich wie wir selbst, wennwir die wunderbare Freude verspüren, die unsergreift, wenn wir Vergebung erlangen. ■Rachel Murdock gehört zur Gemeinde Janesville imPfahl Madison in Wisconsin.


BESUCHSLEHRBOTSCHAFTDurch Gehorsam die Liebedes Herrn verspürenFOTO VON CHRISTINA SMITH; AUSSCHNITT AUS DEM GEMÄLDE CHRISTUS FÜHRT UNTER DEN APOSTELN DAS ABENDMAHL EIN VON DEL PARSONWählen Sie aus dieser Botschaftgebeterfüllt dieSchriftstellen und Lehrenaus, die den Bedürfnissen derSchwestern entsprechen, die Siebesuchen, und lesen Sie sie dannvor. Erzählen Sie von eigenenErlebnissen und geben Sie Zeugnis.Bitten Sie die Schwestern, diesebenfalls zu tun.Präsident Gordon B. Hinckley: „Warumsind wir so glückliche Menschen?Aufgrund unseres Glaubens, derstillen Zuversicht, die wir im Herzenhaben, dass unser Vater im Himmel,dem alles untersteht, auf seine Söhneund Töchter, die in Liebe und Dankbarkeitund Gehorsam vor ihmwandeln, Acht gibt. Wir werdenimmer glückliche Menschen sein,wenn wir so leben.“ („Was fragen dieMenschen in Bezug auf uns?“, DerStern, Januar 1999, Seite 85.)Wie kann man die Kraft finden,gehorsam zu sein?Präsident Spencer W. Kimball(1895-1985): „Wenn wir bisweilen zuder Ansicht neigen, es habe keinenSinn, Gott zu dienen, dann solltenwir unseren Glauben aufrütteln, aufdie großen Verheißungen Gottes vertrauenund folgsam sein – undgeduldig warten. Der Herr wird alleVerheißungen einlösen, die er unsgegeben hat. ... Den Glaubenstreuenwird überreicher Lohn in Aussichtgestellt. Sie werden unvorstellbareSegnungen empfangen. ... So großdie Segnungen auch sind, die manfür Rechtschaffenheit schon aufErden erhält – im Vergleich zudenen, die uns in der künftigen Welterwarten, sindsie winzig.“(Das Wunder derVergebung, Seite293f.)Elder Henry B. Eyringvom Kollegium der ZwölfApostel: „Sie werden die Hilfe desHimmels brauchen, um die Gebotehalten zu können. Sie werden sie imLaufe der Zeit sogar immer mehrbrauchen ... Sie können aber dieschützenden Mächte des Himmelsherbeiflehen, indem Sie sich einfachdafür entscheiden, auf den Erretterzuzugehen und auf ihn zu harren.“(To Draw Closer to God, 1997,Seite 98.)Wie sind Sie durch Gehorsam schongesegnet worden?Mosia 2:41: „[Betrachtet] den gesegnetenund glücklichen Zustandderjenigen, die die Gebote Gotteshalten. ... Sie sind gesegnet in allem,sowohl zeitlich als auch geistig, undwenn sie bis ans Ende getreulich aushalten,werden sie in den Himmel aufgenommen,sodass sie dadurch mitGott in einem Zustand nie endendenGlücks weilen.“Elder Neal A. Maxwell vomKollegium der Zwölf Apostel: „DurchGehorsam können wir ... erfahren,wie sehr Gott uns, seine unsterblichenKinder, liebt. Dies geht genauso vor sich, wie Präsident BrighamYoung es beschrieben hat: ‚Wiekönnen wir wissen, ob wir [Gott]gehorchen? Es gibt nur einen Weg,es herauszufinden, und zwar indemder Geist des Herrn es uns eingibtund uns im Geiste bezeugt, dass wirdem Herrngehören,dass wir ihnlieben unddass er uns liebt. Der Geist derOffenbarung ist es, der uns dieswissen lässt.‘ (Deseret News Semi-Weekly, 26. November 1867, keineSeitenangabe.) Wenn wir davonein eigenes Zeugnis erlangen ...,können wir alles bewältigen, was dakommen mag, und es gut ertragen.“(„The Pathway to Discipleship“,Ensign, September 1998, Seite 7.)Susan W. Tanner, Präsidentin derJungen Damen: „Jede Woche erneuernwir unseren Taufbund; dabeihaben wir ja gelobt, ‚[seinen] Namenauf [uns] zu nehmen‘, ‚immer an ihnzu denken‘ und ‚seine Gebote ... zuhalten‘ (siehe LuB 20:77). Wenn wirdas tun, sind wir in Christus beständigund unser Geist wird erbaut undunser Herz mit Liebe erfüllt. ... Bündnissemachen das Herz weit undlassen uns Liebe zu Gott und zu allenMenschen empfinden [siehe 2 Nephi31:20].“ („In unseren Bündnissenstandhaft sein“, Liahona, Mai 2003,Seite 101f.)Johannes 15:10: „Wenn ihr meineGebote haltet, werdet ihr in meinerLiebe bleiben.“ ■LIAHONA MÄRZ 2004 25


Wie sehr wir docheinander brauchen!Der Vater im Himmel hat seinenTöchtern einen Zufluchtsort vor denUnbilden der Welt bereitet.BONNIE D. PARKINFHV-PräsidentinAm 17. März 1842 rief der Prophet Joseph Smith dieFrauenhilfsvereinigung ins Leben – die Organisationdes Herrn für Frauen. Die FHV ist dem Herrnwichtig. Das weiß ich. Er bereitete den Frauen einensicheren Zufluchtsort vor den Unbilden der Welt, indemer die FHV gründen ließ. Von Anfang an haben uns unsereGemeinschaft und die Weisung unserer Priestertumsführergeholfen, zu Christus zu kommen. Das war schon damalsdas Hauptziel, und auch heute gibt es nichts Wichtigeres.Die FHV wurde nicht von Menschen eingerichtet. Siewurde, wie Präsident Joseph F. Smith (1838–1918) erklärthat, „von Gott geschaffen, von Gott bevollmächtigt, von26


LINKS: FOTO VON CINDY BATEMAN; RECHTS: FOTO VON PEGGY JELLINGHAUSENGott eingerichtet,damit sie für dieErrettung der Frauenund der Menschenallgemein tätig ist“ 1 .Es gibt keine andereOrganisation für Frauen,die im Reich des Herrneine solche Stellung einnimmt.Es stellt sich alsodie Frage, ob wir diese vonGott gegebene Organisationzu schätzen wissen. Wissen wires zu schätzen, dass wir zur FHVgehören? Weiß jede einzelneSchwester die FHV zu schätzen?Wir brauchen einanderAls sie darum gebeten wurde, in wenigenWorten zu schildern, was sie über die FHVdenkt, schrieb eine über 80 Jahre alteSchwester: „Die FHV war und ist die UniversitätGottes für die Frauen. Ich habe zwarauch einen guten Schulabschluss, verdankeaber der FHV die wertvollste und wichtigsteAusbildung überhaupt. Sie hat mich ganzerfasst und mein Verständnis belebt. OhneZweifel habe ich dadurch eine Perspektive fürdie Ewigkeit gewonnen.“ 2Begreifen wir uns in der FHV als Teil einerSchwesternschaft, wie alt wir auch seinmögen? Schwester Marjorie Hinckley hatgesagt: „Wir sind so sehr aufeinanderangewiesen. Die älteren unter unsbrauchen diejenigen, die jung sind. Undhoffentlich brauchen die jüngeren aucheinige von uns, die wir älter sind. Es istgesellschaftswissenschaftlich erwiesen, dassFrauen andere Frauen brauchen. Wir müssenenge Freundschaften pflegen, in denen wirZufriedenheit finden und uns aufeinanderverlassen können.“ 3 Wir brauchen einander,und die FHV muss ein Ort der Geborgenheitsein, wo die Frauen einander wichtig sindund einander umsorgen. Sie erfahren, wasdie anderen im Innersten bewegt, wenn siesich gegenseitig Zeugnis von Christus geben.Präsident Boyd K. Packer, AmtierenderPräsident des Kollegiums der ZwölfApostel, hat uns davor gewarnt, den eigentlichenZweck der FHV aus den Augenzu verlieren: „Zu viele Schwestern meinen,die FHV sei nur eine Klasse, die sie besuchensollen. Das Gefühl, dass man derFHV angehört und nicht nur an irgendwelchemUnterricht teilnimmt, muss imHerzen jeder Frau Raum greifen.“ Unddann fordert er uns dringend auf: „Schwestern,Sie dürfen nicht mehr denken, dassSie nur zur FHV gehen, sondern Sie müssenspüren, dass Sie dazugehören!“ 4Dazugehören bedeutet mehr, als dass nurder Name auf einer Liste steht. Als Schwesternin der FHV sind wir aufgerufen, einzelnund gemeinsam etwas in den folgendensechs Bereichen zu bewirken:• Den Glauben an den Herrn Jesus Christusstärken und die Lehren des Gottesreicheslehren.• Den göttlichen Wert jeder Schwester hervorheben.• Nächstenliebe üben und die Bedürftigenumsorgen.• Die Familie stärken undschützen.Ich liebe die FHV!Sie hat mir geholfen,meine Rolle als Frau zuverstehen. Ich bin, werich bin, weil ich in derFHV mit guten FrauenUmgang gepflegthabe.


Durch die FHVkönnen wirfüreinanderda sein und Christusnäher kommen.• Jeder Schwester dienen und sieunterstützen.• Den Schwestern helfen, vollständig an denSegnungen des Priestertums teilzuhaben. 5Dies sind die Ziele der FHV. Sie verdeutlichen,welch große Aufgabe die FHV erfülltund wie weitreichend ihre Mission ist, undsie heben uns von jeder anderen Vereinigungab.Der Beitrag der jungen SchwesternIch möchte von einer FHV-Schwesterberichten, die etwas bewirkt und die Zieleunserer Organisation umgesetzt hat.Diese junge Frau, die in Japan Englischunterrichtete, wurde auf einem Spielplatzvon japanischen Kindern umringt, die vieleFragen hatten. „Hast du die japanischen oderdie amerikanischen Kinder lieber?“ „Isst duSushi?“ „Was heißt Basketball auf Englisch?“Inmitten des Trubels merkte die besagteSchwester, wie ihr jemand an den Arm tippte.Sie wandte sich um und sah ein kleinesMädchen mit Zöpfen und einer Brille. „Ichbeugte mich vor, um ihm ins Gesicht zuschauen, und rechnete fest mit irgendeinerbanalen Frage“, erzählt sie. „Die ganze Hektikschien sich plötzlich in Luft aufzulösen, als esmich sanft, ja fast zaghaft fragte: ‚Kennst duJesus?‘ Ich war von dieser bewegenden undbedeutsamen Frage überwältigt. Ich lächelteund mir war ganz warm ums Herz, als ich antwortete:‚Ja, natürlich kenne ich Jesus.‘“ 6Liebe junge Schwestern, Sie kennenJesus. Mit dieser Erkenntnis bringen Sieeine Klarheit, eine Frische und eine Energiemit, die unsere Schwesternschaft braucht.Wir sind froh, dass Sie zur FHV gehörenund betrachten es als Segen, wie sehr Sie anden Erretter und an sein Werk glauben. Eineältere Schwester hat einmal über Sie gesagt:„Wir werden geistig erfrischt, wenn wir Sie,die jüngeren, schwungvollen Frauen beobachten,die nicht nur so viel Lebenskraftversprühen, sondern auch geistig reif sind.Sie haben große innere Stärke, einen fabelhaftenCharakter und ein starkes Zeugnis –Sie sind einfach schön anzusehen. Wirfühlen uns sehr gesegnet, weil Sie uns zuversichtlichstimmen, unseren Glaubenstärken und uns mit dem ‚vollkommenenGlanz der Hoffnung‘ für die Zukunfterfüllen.“ 7 (Siehe 2 Nephi 31:20.)Was können wir geben?Zum 100. Jahrestag der Gründung derFHV gab die Erste Präsidentschaft 1942folgende Erklärung ab: „Wir legen denSchwestern in der FHV ans Herz, immerdaran zu denken, dass ihre Organisation inder Welt einzigartig ist, weil sie unter derInspiration des Herrn ins Leben gerufenwurde.“ Und dann hielt sie uns vor Augen:„Keine andere Frauenorganisation der Welthat so eine Entstehungsgeschichte.“ 8Ich frage mich, ob wir womöglich dieEinzigartigkeit und den göttlichen Ursprungunserer Organisation vergessen haben.Könnte es sein, dass wir mit unserer Mitgliedschaftzu leichtfertig umgehen? Dasdürfen wir nicht zulassen, Schwestern. DieFHV und unsere Schwestern müssen unsam Herzen liegen. Der Herr gebot EmmaSmith, der ersten FHV-Präsidentin: „Dusollst die Dinge dieser Welt ablegen und28


GANZ LINKS: FOTO VON ROBERT CASEY, SZENE NACHGESTELLT; LINKS: FOTO VON CRAIG DIMOND; RECHTS: GEMÄLDE VON HOWARD POSTnach den Dingen einer besseren trachten.“ (LuB 25:10.)Das waren 1830 weise Worte, sie sind es auch heute.Präsident Gordon B. Hinckley hat uns, der FHV-Präsidentschaft, Folgendes mit auf den Weg gegeben:„Unsere Frauen brauchen die Gemeinschaft miteinanderin einem Umfeld, das ihren Glauben festigt. Das ist dieAufgabe der FHV.“Die FHV gehörte viele Jahre dem Nationalrat der Frauenin den Vereinigten Staaten an. Kurz nach ihrer Berufungzur FHV-Präsidentin erklärte Schwester Belle Spafford PräsidentGeorge Albert Smith (1870-1951), dass es zu teuersei, zu den Sitzungen nach New York zu fahren, und kaumNutzen bringe. „Präsident Smith wies [Schwester Spafford]sanft zurecht: ‚Denken Sie immer nur daran, was dabeiherausspringt? Meinen Sie nicht, dass es gut ist, daran zudenken, was Sie geben können?‘“ 9Schwestern, was bringen Sie in die FHV mit? Wasmöchten Sie geben?Ist die FHV für Sie der Ort, wo Sie am Sonntag hingehen,weil Sie nicht wissen, wo Sie sonst hin sollten?Ist sie für Sie der Ort, wo Sie etwas geben und auchetwas bekommen? Würde uns die Mitgliedschaft in unsererHilfsvereinigung mehr bedeuten, wenn wir uns im Gebenverlören?Wenn wir davon erfüllt sind, zu geben, bereiten wir unsso auf das Unterrichtsgespräch am Sonntag vor, dass wirdamit einen Beitrag leisten. Wir nehmen eifrig an der VersammlungWohnen, Familie und eigene Entfaltung teil,weil wir etwas zu bieten haben – und sei es nur ein aufmunterndesWort für die Schwester, die neben uns sitzt.Wir nutzen unsere gegenseitigen Besuche, um von derWahrheit des Herrn Zeugnis abzulegen, während wir dieBesuchslehrbotschaft durchsprechen. Wie sehr wir esschätzen, zur FHV zu gehören, muss in allem, was wir tunund sagen, zum Ausdruck kommen.Eine Schwester berichtete von einem Erlebnis, das siemit ihrer Mutter bei einem Nähkurs an ihrem Ort hatte:„Als wir arbeiteten, saß meine Mutter einfach nur da. EineFrau sagte: ‚Margaret, du tust ja gar nichts.‘ Meine Mutterzögerte zunächst und erzählte dann, dass wir die letztenTage bei einem Arzt verbracht hatten und dass sie einenTumor am Rücken hatte. Alle Frauen in der Gruppe legtenihre Arbeit beiseite und schauten sie an. Eine von ihnensagte: ‚Ach, Margaret, können wir denn für dich fasten undbeten? Das können wir doch alle gemeinsam tun!‘ Siedachte gar nicht daran, dass die Hälfte der Frauen überhauptnicht der Kirche angehörte. Die Lehrerin schautemich an und fragte: ‚Was macht man denn, wenn manfastet und betet?‘ Ich erklärte ihr, dass man dazu allesWeltliche eine Weile vergisst und sich dem HerrnLIAHONA MÄRZ 2004 29


Wie sehr wires schätzen,zur FHV zugehören, muss inallem, was wir tunund sagen, zum Ausdruckkommen.zuwendet, um von ihm Hilfe zu bekommen.Die Lehrerin überlegte einen Moment undsagte dann: ‚Das kann ich schon machen.‘“ 10Eine Gruppe von Töchtern Gottes kamzusammen, übte Nächstenliebe und war füreinanderda. Eine FHV-Schwester, die wusste,wer sie war, zeigte ihren Glauben an denErretter, indem sie alle aufforderte, zu fastenund zu beten. Diese Frauen haben etwasbewirkt.Verschreiben Sie sich der FHVIch liebe die FHV! Sie hat mir geholfen,meine Rolle als Frau zu verstehen. Ich bin,wer ich bin, weil ich in der FHV mit gutenFrauen Umgang gepflegt habe – Frauen,die mir Mut gemacht haben, die mir vonHerzen zugetan waren und die an michgeglaubt haben. Zu diesen Frauen zählenmeine Mutter, meine Großmutter undeine liebe Schwester namens PaulineTholmander. Pauline war über 60, ich Anfang30. Ihre Liebe zum Erretter gab mirKraft. Es war ganz offensichtlich, dass sieJesus Christus liebte. Immer wenn ich Zeugnisgab, erzählte Pauline mir anschließend,wie tief sie meine Worte bewegt hatten.Wenn ich eine Berufung erfüllte, nahm sieAnteil an meinen Erfolgen und an meinenRückschlägen. Das brauchte ich, als ichzwischen 30 und 50 war. Es gibt einfachnicht genügend Paulines auf der Welt. Wennes sie gäbe, würde sich jede von uns angenommen,einbezogen und geliebt fühlen.Ich wollte so sein wie sie und will es immernoch.Ich fordere Sie auf, sich der FHV zu verschreiben.Arbeiten Sie daran. Bauen Siedas großartige Werk auf, das Gott uns aufgetragenhat; wirken Sie darin mit und unterstützenSie es. Vertrauen Sie einander.Erbauen Sie einander geistig durch IhreGedanken, Ihren Unterricht und Ihre Gespräche.Zeigen Sie Nächstenliebe und Liebe– nicht, weil es Ihnen aufgetragen wird,sondern von Herzen.Die FHV muss ein sicherer Ort sein, wowir lernen, wie man die Familie stärkt, Nächstenliebeübt und seine Bündnisse in Ehrenhält und dabei die Liebe des Herrn spürt.Wenn wir unseren heiligen Bündnissen einenWert beimessen, ist es für uns auch wertvoll,dass wir einer Organisation und einer Kircheangehören, die uns zu Christus führen. LiebeSchwestern, wie sehr wir doch einanderbrauchen! ■GANZ LINKS: FOTO VON LANA LEISHMAN, SZENE NACHGESTELLTANMERKUNGEN1. Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph F. Smith,Seite 184.2. Privater Brief.3. Glimpses into the Life and Heart of Marjorie PayHinckley, Hg. Virginia H. Pearce, 1999, Seite 254f.4. „Die FHV“, Der Stern, Juli 1998, Seite 83.5. Siehe Handbuch Anweisungen der Kirche, Buch 2:Führungskräfte des Priestertums und der Hilfsorganisationen,Seite 193.6. Privater Brief.7. Privater Brief.8. Zitiert von Boyd K. Packer in „The Circle of Sisters“,Ensign, November 1980, Seite 111.9. Zitiert von Jill Mulvay Derr, Janath Russell Cannonund Maureen Ursenbach Beecher, Women ofCovenant: The Story of Relief Society, 1992,Seite 336.11. Privater Brief.


Ich fand Trost inmeinem KummerNach meiner Scheidungfanden meine Kinder undich Trost darin, nach deneinfachen Regeln desEvangeliums zu leben.COLLEEN M. PATEAUSSCHNITT AUS DER CHRISTUS, STATUE VON BERTEL THORVALDSEN; EINSCHUB: FOTO VON MATTHEW REIER, SZENEN NACHGESTELLTIch hatte 18 Jahre eine Tempelehegeführt, als mein Mann und ichuns trennten und uns schließlichscheiden ließen. Wie konnten meine Kinderund ich geistig und seelisch weiterleben? Indieser schwierigen Zeit wurden die Ecksteineeines Zuhauses, in dem Christus im Mittelpunktsteht, unser Schutz und Schirm. Ichmöchte schildern, wie die bekannten, einfachenRegeln des Evangeliums uns gestütztund getröstet, unser Zusammengehörigkeitsgefühlgestärkt und uns geholfen haben, dieLiebe des Erretters noch stärker zu verspüren.Der Familienabend – ein Wunder der LiebeAls Ungewissheit während und nach derScheidung wie in Wellen über uns hereinbrach,gewann unser fester Vorsatz, denFamilienabend abzuhalten, eine noch nieda gewesene Bedeutung. Ob nun alle vonuns daran teilnehmen wollten oder nicht –wir gaben nicht nach und hielten jedeWoche einen „offiziellen“ Familienabendab. Manchmal erhitzten sich die Gemütergerade vor demFamilienabend, abersobald das Anfangsliedgesungen wurde, war der Geist zugegenund es kehrte für gewöhnlichRuhe ein.LIAHONA MÄRZ 2004 31


Wenn man aufden Erretterbaut, indemman sich an die einfachen,aber tiefgreifenden Regelndes Evangeliumshält, findet manimmer wieder Kraftfür jeden Augenblick,jede Stunde undjeden Tag.Selbst die Kinder, die sichnicht dazugesellen mochten,ließen die Tür ihres Zimmers offen,sodass der sanfte Klang der Lieder, Gebeteund Schriftstellen seinen heiligen Einflussausüben konnte. Immer wenn wir beimSchlusslied angelangt waren, blickte ich vomKlavier aus kurz in die Runde. Oft saßen dannalle meine Kinder zusammen – ein Wunderder Liebe und ein Zeugnis des Geistes, dasman nur bekommt, wenn man den Rat desPropheten befolgt.Der tröstliche Einfluss der MusikIn dieser schwierigen Zeit machte ich esmir zur Gewohnheit, mich jeden Abend ansKlavier zu setzen und einhändig die Melodieunserer liebsten Kirchen- und PV-Lieder zuspielen. Zu diesen Liedern zählten „Christ,unser Heil“, „Wenn Jesus Christus wiederkehrt“,„Des Heilands Liebe“, „Ich bin einKind von Gott“ und viele andere mehr. Zuletztspielte ich immer „Herr, bleib bei mir“. Dieserallabendliche Brauch wurde für mich undmeine Kinder zu einer Quelle des Trostes.Ganz gleich, wie der Tag gewesen war, wennich mich an das Klavier setzte und ein paarKirchenlieder spielte, schien die Welt in Ordnungzu sein – oder zumindest erträglicher.Einmal hatte ich das Gefühl, dass ich dieGrenze dessen, was ich ertragen konnte,erreicht hatte, und schickte die Kinder insHaus. Ich blieb im Autozurück und ließ den Tränenfreien Lauf. Nachdem ich mich beruhigt undgebetet hatte, ging auch ich ins Haus. Als ichdie Tür öffnete, hörte ich den sanften Klangeines meiner Lieblingslieder. Mein Sohn saßam Klavier und spielte, um mich in meinerVerzweiflung zu beruhigen und zu trösten,wie ich es sonst immer für ihn und seineSchwestern tat.Die heiligen Schriften – einelebenswichtige StützeIn dieser schwierigen Zeit waren dieheiligen Schriften eine lebenswichtige Stützefür unser geistiges Wohlergehen und unserenFortschritt. Wir lasen sie zwar nicht jeden Taggemeinsam, aber sie waren ein fester Bestandteilunseres Alltags und unserer Gespräche.Wir suchten Rat darin, wenn wir Kontroversenoder Auseinandersetzungen hatten, Bestätigungfür unsere Entscheidungen suchtenoder Anleitung brauchten. Nachdem wiruns über unsere Gedanken und Sorgenunterhalten hatten, lasen wir oft eine Schriftstelleoder einen Auszug aus einer Generalkonferenzansprache,um uns zu stärken undzu trösten. Unsere abgegriffenen heiligenSchriften verwuchsen beinahe fest mitunseren Händen und unserem Herzen.Eines Abends schlüpfte ich unter meineBettdecke und schlug meine heiligenAUSSCHNITT AUS DAS ABBILD CHRISTI, GEMÄLDE VON HEINRICH HOFMANN; FOTOS VON CRAIG DIMOND UND JOHN LUKE32


Schriften auf, doch meine Augen wurden schwer und ichkonnte mich nicht konzentrieren. Nach einem langen Tagan der Schule, mit zwei Jobs, dem Haushalt – und wiemeistens gerade mal vier Stunden Schlaf – war ich völligausgelaugt. Ich rief meine Tochter, die noch an ihren Hausaufgabensaß, und bat sie, mir aus den heiligen Schriftenvorzulesen. Es war ein besonderer Augenblick, als sie mirdiesen Liebesdienst erwies. Ich weiß nicht mehr, was sievorgelesen hat, aber ich werde nie vergessen, mit welcherLiebe und Sanftheit sie mich an jenem Abend zu Bettbrachte – genau wie ich es so oft zuvor für sie getan hatte.Im Gebet vereintWir knieten jeden Morgen und jeden Abend gemeinsamzum Beten nieder. So kamen nicht nur alle Kinder in einund demselben Zimmer zusammen, sondern wir warenauch im Geist vereint. Das Gebet erlaubte uns, erhitzteGemüter zu besänftigen, Liebe zu zeigen, unsere Last zuteilen und uns erneut als Gruppe zu einen, ehe wir unsder Welt stellten. Das Gebet wandte unseren Blick demHerrn zu, vereinte die Kräfte der Familie und machte unsstärker. Was auch immer im Laufe des Tages auf jeden vonuns zukommen mochte – wir wussten ohne Zweifel, dasswir einander liebten und unterstützten und uns in jedererdenklichen Weise helfen würden. Ich denke gern andie Momente zurück, wo wir nicht wussten, was wir tunsollten, uns aber schweigend bei der Hand nahmen und zubeten begannen. Nach diesen heiligen Gebeten fühlten wiruns durch die Liebe des Herrn immer gestärkt für das, wasauf uns zukam – ob es sich nun um die Ausgrenzung durchFreunde, Unannehmlichkeiten vor Gericht oder finanzielleSchwierigkeiten handelte. Wir gaben niemals auf – dasGebet war unser Rettungsanker.Kraft für jeden AugenblickWenn wir geprüft werden oder unsere Verhältnisse sichändern, wird aus dem Ausharren bis ans Ende ein Ausharrenvon Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde und vonAugenblick zu Augenblick. Ich weiß nicht, welche Prüfungoder welche Umstellung uns als Nächstes bevorsteht.Doch ich weiß, dass man immer wieder Kraft für jedenAugenblick, jede Stunde und jeden Tag findet, wenn manauf den Erretter baut, indem man sich an die einfachen,aber tief greifenden Regeln des Evangeliums hält. ■Colleen M. Pate gehört zur Gemeinde West Valley 2 im Pfahl WestValley in Utah.LIAHONA MÄRZ 2004 33


Es warkein OpferDer Herr hat gelehrt:„Wenn das Weizenkornnicht in die Erde fälltund stirbt, bleibt esallein; wenn es aberstirbt, bringt es reicheFrucht.“CASSANDRA LIN TSAIAls ich jung war, drehte sich meineWelt um meine Familie und meineFreunde. Doch als ich das EvangeliumJesu Christi annahm, änderte sichvieles. Freunde machten sich über michlustig, weil ich nach dem Wort der Weisheitlebte, den Sabbat heilig hielt und michbemühte, die Gebote zu halten. EinigeSchulkameraden wollten nichts mehr mitmir zu tun haben. Meine Eltern wollten mirzunächst nicht erlauben, mich taufen zulassen, und mein Vater sprach nicht einmalmehr mit mir. Man könnte glauben, dasssolche Verluste ein großes Opfer für einjunges Mädchen darstellen. Doch Gottwusste, dass diese „Opfer“ um seiner Kircheund seines Reiches willen in Wirklichkeitkeinen Verlust, sondern Gewinn bringenwürden.Der Herr hat gelehrt: „Wenn das Weizenkornnicht in die Erde fällt und stirbt,bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringtes reiche Frucht. Wer an seinem Lebenhängt, verliert es; wer aber sein Lebenin dieser Welt gering achtet, wird esbewahren bis ins ewige Leben.“ (Johannes12:24,25.) Gewöhnlich definieren wir das,was wir verlieren, als Opfer und das, waswir dazubekommen, als Gewinn. Dochoftmals schaffen unsere Verluste dieGrundlage für eine reiche Ernte in derZukunft.Einmal besuchte ein berühmter Arzt eineniedergeschlagene und mutlose alte Dame.Er stellte fest, dass sie einerseits einsamund von der Welt abgeschieden war, aberandererseits auch ein herrliches Gewächshaushatte, in dem sie Usambaraveilchenzüchtete. Der Arzt verschrieb dieser Frau einbesonderes „Medikament“: Sie sollte dasInformationsblatt ihrer Kirche abonnierenund immer, wenn es eine Taufe oder Trauunggab oder wenn jemand krank war oder starb,ein Usambaraveilchen schicken. Die Fraubefolgte den Rat ihres Arztes undverschenkte hunderte Topfpflanzen.Als sie starb,titelte die Zeitung:34


LINKS: ILLUSTRATION VON ROBERT T. BARRETT„Die Königin der Usambaraveilchen ist von uns gegangenund wird von Tausenden betrauert.“ Wie wurde aus dieserniedergeschlagenen alten Frau jemand, der von so vielengeliebt wurde? Indem sie für andere etwas aufgab und das,was sie hatte, nicht für sich behielt.Manchmal ist es aber kein Besitz, den wir aufgebenmüssen, sondern ein Lebenstraum. Ich bin in Taiwan aufgewachsenund hatte immer den Traum, einmal in Englandzur Schule zu gehen. Nachdem ich einen Universitätsabschlusserworben und in den USA studiert hatte, kehrteich nach Hause zurück, um mich auf ein weiterführendesStudium in England vorzubereiten. Zur selben Zeit erhieltich eine Berufung in der FHV. Zunächst wollte ich dieBerufung nur für eine kurze Zeit ausüben – bis zum Zeitpunktmeiner Abreise nach England. Doch nach reiflicherÜberlegung entschied ich, mein Auslandsstudium ein Jahrzu verschieben.In dem Jahr, als ich mein Studium in England „opferte“,wurde ich sehr gesegnet. Eines Tages ging ich amschwarzen Brett in der Kirche vorbei und sah eine Mitteilung,dass die Übersetzungsabteilung der Kirche einenLeiter für das chinesische Übersetzungsbüro suchte. DerHeilige Geist drängte mich, mich zu bewerben,doch ich zögerte. Das Jahr war fast vorüberund es war an der Zeit, nach England zugehen. Doch der Geist gab nichtnach, und so bewarb ichmich und wurdeeingestellt. Fürmich ist die Tätigkeit als Leiterin eines Übersetzungsbürosder Kirche mehr als nur ein Arbeitsplatz. Es ist ein großerVorzug und ein Segen. Doch ich wäre nie in den Genussdieses Segens gekommen, wäre ich nicht bereit gewesen,meinen Traum, in England zu studieren, aufzugeben.Halten wir manchmal an dem einen Weizenkorn festund wollen es nicht aufgeben, und am Ende bleibt uns nurein einziges Korn? Oder vertrauen wir darauf, dass dieseseinzelne Korn, wenn es einmal gepflanzt ist und umhegtwird, Frucht bringt? Es kann gewiss eine Prüfung sein,Freunde, Besitztümer oder Träume aufzugeben. Doch ichhabe gelernt, dass wir mit Glauben an den Plan, den Gottfür uns aufgestellt hat, vertrauensvoll unser Weizenkornpflanzen können und uns einer reichen Ernte sichersein können. ■Cassandra Lin Tsai gehört zur GemeindeTaipeh 2 im Pfahl Taipeh Mitte,Taiwan.Ich wäre nie in den Genussmancher Segnungen gekommen,wäre ich nichtbereit gewesen, meinenTraum aufzugeben undauf die künftige Ernte zuvertrauen.LIAHONA MÄRZ 2004 35


STIMMEN VON HEILIGEN DER LETZTEN TAGE„Such mir dieMissionare“Luis Roberto Ramos de Sá Filho1998 litt mein Vater an einerschweren Krankheit. ImJahr davor hatte man ihmkurz oberhalb des Knies dasBein abgenommen. Das führtezu diversen Durchblutungsstörungenund großen Schmerzenund Infektionen. Schließlichbefanden die Ärzte, dass ein Teilseines Oberschenkels ebenfallsamputiert werden müsse. Wirwaren tagelang sehr traurig undbesorgt.Auf dem Weg sah ich eineGruppe Missionare. Ichlief ihnen hinterher undkonnte nur noch das Wort„Elder!“ herausbringen.Da meine brasilianische Heimatstadtklein ist und dort keineEinrichtungen für die Behandlungeiner so schweren Erkrankung vorhandenwaren, ging mein Vater inein Krankenhaus in Marília, demOrt, wo meine Schwester wohnt,um sich untersuchen und gezielt behandelnzu lassen. Die Behandlungschien jedoch nicht anzuschlagen,und die Tagevergingen. Ichfuhr nachMarília, umbei meinen Eltern zu sein, und wirbemühten uns, einander aufzubauenund zu trösten.Meine Eltern gehörten derKirche an, aber ichwar kein Mitglied.Manchmal hatte ichsogar gegen die Kirchegearbeitet und dieWahrheit des BuchesMormon bestritten. Dochjedes Mal, wenn ichmeinen Vater im Krankenhausbesuchte, redete ernur von einem: „Luisinho,such mir die Missionare! Ichbrauche einen Segen.“ Ichhatte nach den Missionarengesucht, sie aber nicht findenkönnen. Jetzt wurde die Zeitknapp.Am Tag vor der Operationbesuchte ich ihnerneut. An diesem Tagwaren wir besondersbesorgt. Wir wussten,dass die Behandlungnicht angeschlagenhatte, und dass meinVater am nächsten Morgengeröntgt werden sollte, damitder Arzt feststellen konnte,an welcher Stelle er bei derAmputation ansetzen musste.An diesem Tag bat mich meinVater um etwas anderes. Er saßauf seinem Bett und legte geradeseine Prothese an, um mit meinerMutter auf den Gängen des Krankenhausesspazieren gehen undnach Bekannten Ausschau haltenzu können, die am Morgen operiertworden waren. Als er aufstand,sagte er: „Luisinho, besorg mirbitte etwas Wasser.“Ich ging sofort die Treppenhinunter und nach draußen, umeine Flasche Wasser zu besorgen.Auf dem Weg sah ich vor mir aufILLUSTRATION VON ROBERT A. MCKAY36


der Straße eine Gruppe Missionare.Das Wasser war vergessen! Ich liefihnen hinterher und konnte nurnoch das Wort „Elder!“ herausbringen.Sie blieben stehen undich erklärte ihnen, wie es meinemVater ging.Als meine Mutter und ich späterdas Krankenhaus verließen, sahenwir, dass Elder Alves und sein Mitarbeiterauf dem Weg zu meinemVater waren. Am Abend rief Vater unsan. Er erzählte, dass auch der Missionspräsidentda gewesen sei unddass er endlich den lang ersehntenSegen bekommen habe.Wir machten uns die ganze NachtSorgen darüber, was wohl dasRöntgenbild am nächsten Morgenaufweisen würde. Aber wir fühltenuns dennoch schon getröstet.Am nächsten Morgen weckte unsdas Telefon. Mein Vater war am Apparat.„Kommt und holt mich ab“,sagte er. „Ich darf nach Hause.“ Wirwaren überglücklich, als er uns berichtete,dass sich die Krankenschwesterund der Arzt, die ihnuntersucht hatten, nicht erklärenkonnten, was geschehen war. „Washaben Sie über Nacht getan, dassdas Röntgenbild nun so gut aussiehtund Ihre Knochen so heil?“,fragten sie.Je öfter ich an diesen Tag zurückdenke,desto mehr wird mir bewusst,dass es das Priestertum wirklich gibtund dass es sich wieder auf der Erdebefindet. Innerhalb von drei Monatenempfing ich ein Zeugnis und ließmich taufen. Später erfüllte ich eineMission in der Brasilien-Mission Riode Janeiro Nord und ließ andere anmeinem Zeugnis und meiner Liebezum Evangelium teilhaben. Ich weiß,dass es wahr ist. ■Luis Roberto Ramos de Sá Filho gehörtzum Zweig Avaré im Distrikt Botucatuin Brasilien.Ein Darlehenaus demStändigenAusbildungsfondsänderteunser LebenKim Citlalpilli Sánchez AldanaCamachoEs war immer mein Traum,einen medizinischen Beruf zuergreifen, und als Missionarhabe ich gelernt, dass der Herr seinenKindern immer den Weg bereitet,damit sie erreichen können, waser von ihnen möchte.Kurz nach meiner Mission lernteich beim Institut eine junge Frau namensFabiola kennen. Wir gingen zusammenaus und verliebten unssehr. Der Heilige Geist bestätigtemir, dass ich sie darum bittensollte, meine Partnerin für dieEwigkeit zu werden, und somachte ich ihr einen Heiratsantrag,den sie annahm. AlsAnderen zu helfen, sicheiner besseren Gesundheitund eines schönerenLebens zu erfreuen, bereitet mirgroße Freude – damit ist einTraum wahr geworden.wir unsere Zukunft planten, wurdeuns klar, dass mein Einkommen fürden täglichen Bedarf nicht reichenwürde. Fabiola bot mir an, noch etwaslänger arbeiten zu gehen, um mich biszum Abschluss meiner Ausbildungunterstützen zu können. Doch dashätte noch eine Weile gedauert, undwir wollten doch Kinder haben. Wirbeteten zum himmlischen Vater umHilfe; wir wollten seinen Willen tun.Auf Mission hatte ich PräsidentGordon B. Hinckley über denStändigen Ausbildungsfonds (SAF)sprechen hören. Nach meiner Rückkehrhatte ich beim Institut einige Versammlungenbesucht, in denen derSAF vorgestellt wurde. Ich erkanntemeine Chance und schöpfte Hoffnung;ich wusste, dass diesesProgramm meiner zukünftigenLIAHONA MÄRZ 2004 37


Familie helfen konnte. Ich beriet michmit Fabiola und wir setzten Ziele fürmeine Ausbildung.Ich beschloss, mich als Physiotherapeutausbilden zu lassen. Ichwollte noch etwas warten, ehe ichmeinen Antrag auf Unterstützung ausdem SAF ausfüllte, doch meine Verlobtebestand darauf, dass ich esnicht weiter aufschob. Ich reichtemeinen Antrag auf das Darlehen imDezember 2001 ein und noch imselben Monat – am 22. – wurdenFabiola und ich im Tempel in Mexiko-Stadt gesiegelt. Das Darlehen wurdeim Januar 2002 bewilligt und ich begannkurz darauf mit der Ausbildung.Als ich eines Tages meine Studiengebührbezahlen wollte, begegneteich dem Direktor meiner Schule. Wirunterhielten uns. Ich erwähnte, dassich Mitglied der Kirche bin, undklärte ihn auch über den StändigenAusbildungsfonds auf. Er sagte mir,dass er einige Heilige der LetztenTage kenne und dass sie guteMenschen seien. Er erzählte auch,dass einige seiner ehemaligenSchüler der Kirche angehörten.Nachdem ich einen Monat langden Unterricht besucht hatte, bot mirder Direktor an, Doppelklassen zubelegen und so meine Ausbildungschon in 14 anstatt in 24 Monaten zubeenden. Ich erklärte ihm, dass icherst im folgenden Jahr genug Geldfür die zusätzlichen Studiengebührenhaben würde, wenn nämlich meinDarlehen erneuert würde, er abermeinte nur, mein Ehrenwort genügeihm, da ich der Kirche angehöre. Sowurde ich abermals gesegnet. Ich besuchtemehr Kurse, auch wenn dasbedeutete, dass ich mehr lernen undmehr Zeit in der Schule verbringenmusste. Außerdem hatte ich auchnoch meine Teilzeitstelle.In dieser Zeit war ich fasziniert, wiesehr mich der Herr mit zunehmendemWissen segnete. Während meinerAusbildung habe ich Menschengeholfen, die an Rückenproblemen,Rückgratverkrümmung, Zerrungen,Ischias und Nackenschmerzenlitten. Anderen zu helfen, sich mitHilfe von Rehabilitationsmaßnahmeneiner besseren Gesundheitund eines schöneren Lebens zuerfreuen, bereitet mir großeFreude – damit ist ein Traum wahrgeworden.Alles läuft gut. In meiner Gemeindebin ich Präsident des Ältestenkollegiums.Im April 2003 schloss ich meineAusbildung ab und hatte bis dahin alleAnforderungen erfüllt, um eine eigenePraxis betreiben zu können. Fabiolaund ich erwarteten außerdem unsererstes Kind.Ich weiß, dass der Herr den SAFeingeführt hat und dass dieses Programmuns hilft, selbständig zu sein.Durch meine neue Arbeit kann ichbesser für meine Familie sorgen, inder Kirche dienen, anderen Gutes tunund ein weiterführendes Studium ander Universität absolvieren.Dank der Kirche und des StändigenAusbildungsfonds hat sich unserLeben geändert. Ich weiß, dass es sichbei vielen jungen Menschen ändernkann, wenn sie dieses inspirierte Programmin Anspruch nehmen. ■Kim Citlalpilli Sánchez Aldana Camachogehört zur Gemeinde Las Rosas im PfahlVilla de las Flores in Mexiko-Stadt.Allein imDunkelnTrisa MartinManchmal muss manSchwierigkeiten bewältigen,ehe man versteht, dass derHerr uns in unseren Prüfungen hilft,wenn wir unser Vertrauen in ihnsetzen (siehe Alma 36:3).Dieser Grundsatz drang mir erneutins Herz, als unsere junge Familie voreinigen Jahren sieben Monate lang inTunesien lebte. Mein Mann Keith stelltein dem nordafrikanischen LandNachforschungen für seine Doktorarbeitan. Als Studenten mit wenigGeld hatten wir kein Telefon undkeinen Fernseher. Wir wohnten ineiner kleinen Wohnung im fünftenStock in El Menzah, einem Vorort derHauptstadt Tunis. Unser Tagesablaufwar ganz einfach: Keith studierte inder Staatsbibliothek und ich blieb mitunserem kleinen Sohn David zuHause.Was unsere Tätigkeit in der Kirchebetraf: Wir waren die Kirche in Tunis.Jeden Sonntag spendete Keith dasAbendmahl und wir lasen in denheiligen Schriften. Wir sangen unsereliebsten Kirchenlieder und hörtenuns Kassetten von der Generalkonferenzan. Zum Abschluss nahmen wireine Lektion aus dem Priestertumsleitfadenmeines Mannes durch.Wir lernten zwar gute Menschenkennen und gewannen Freunde, aberdennoch fühlte ich mich manchmaleinsam und war sogar etwas ängstlich.Einmal kam ich vom Einkaufennach Hause und stellte fest, dass wirkeinen Strom hatten. Jemand hatteeinen dünnen blauen Umschlagunter die Tür geschoben, in dem sichein Brief in Französisch und Arabischbefand. Als Keith nach Hause kam,übersetzte er den Brief. Zu unseremVerdruss erfuhren wir, dass die vorherigenMieter die Stromrechnungnicht bezahlt hatten und dass wir unsnun darum kümmern mussten. Wirmussten ohne Licht auskommen, biswir die Rechnung beglichen hatten.Am Wochenende behalfen wir unsmit Kerzen und am Montagmorgenfuhren wir mit dem Bus zu unserem38


Stromanbieter. Wir bezahlten dieRechnung und man versicherte uns,dass unsere Stromversorgung innerhalbvon zwei Tagen wiederhergestelltwerde.Doch waren zwei Tage schnellgenug? Auf einmal fiel mir ein, dassKeith am Dienstagabend Unterrichthatte. Er musste dort hingehen,wenn er sein Stipendium nicht verlierenwollte, also würden David undich allein zu Hause sein. Es war schonschlimm genug, unter normalen Umständenallein zu sein. Was wäre,wenn David und ich nur mit ein paarKerzen allein im Dunkeln bleibenmüssten? Allein der Gedanke daranflößte mir Furcht ein.Der Montag ging vorüber und wirhatten immer noch keinen Strom.Dienstagnachmittag kam Keith kurznach Hause und erfuhr, dass immernoch niemand vom Stromversorgergekommen war. Wir besprachen, waswir tun konnten. Schließlich sagteKeith: „Ich glaube, wir sollten beten.“Mit demütigem Herzen baten wirum Hilfe. Nach dem Gebet umarmtemich Keith und sagte: „Alles wird gut.Heute Abend wird das Licht funktionieren.“Ich war immer nochskeptisch, aber ichverließ mich aufseinen Glauben. Um16.45 Uhr kamenjedoch Zweifel inmir auf. Nach einemstillen Gebet verspürteich erneutFrieden undZuversicht.Um 16.55 Uhr trafen die Leute von derStromversorgung ein und schaltetenden Strom wieder an.Solche Erlebnisse haben meinenGlauben gestärkt und mir gezeigt, dassich nicht allein bin. In den Monaten inTunesien verließ ich mich oft auf dieMacht des Gebets. Ich bin dem Vaterim Himmel dankbar, dass er über unswacht und uns liebt. Ich bin auchfür die glaubensstärkendeErfahrung dankbar, dieunsere Familie inTunesien machenkonnte – sie ist unsimmer noch eineQuelle der Kraft. ■Trisa Martin gehörtzur GemeindeBountiful 30im PfahlBountifulUtah Ost.Ich kam nach Hause und stelltefest, dass wir keinen Stromhatten. Jemand hatte einendünnen blauen Umschlag unterdie Tür geschoben, in dem sichein Brief in Französisch undArabisch befand.LIAHONA MÄRZ 2004 39


KLASSIKER DES EVANGELIUMSEIN VOLK, DASGERN IN DENTEMPEL GEHTDer Herr selbst hat inseinen Offenbarungenan uns den Tempel zumgroßen Symbol fürunsere Mitgliedschaft inseiner Kirche gemacht.PRÄSIDENT HOWARD W. HUNTER(1907-1995)Vierzehnter Präsident der KircheDas Evangelium, das die Heiligen derLetzten Tage der Welt verkündigen, istdas Evangelium Jesu Christi, wie es indieser Evangeliumszeit auf der Erde wiederhergestelltworden ist, damit alle Menschenerlöst werden können. Der Herr selbst hatoffenbart, was für die Erlösung und Erhöhungseiner Kinder notwendig ist. Dazugehört, dass Tempel errichtet werden, indenen heilige Handlungen vollzogenwerden, die an keinem anderen Ort vollzogenwerden können.Wenn wir das den Besuchern aus allerWelt erklären, die unsere Tempel besichtigenwollen, wird häufig die Frage gestellt: „Wassind das für heilige Handlungen, die imTempel vollzogen werden?“Als Antwort auf diese Frage erklären wirmeistens zuerst eine heilige Handlung, diewir als Taufe für Verstorbene bezeichnen.Wir wissen, dass viele Christen glauben,mit dem Tod sei unser Stand vor dem Herrnfür alle Ewigkeit besiegelt, denn Christussagte ja zu Nikodemus: „Amen, amen, ichsage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser undGeist geboren wird, kann er nicht in dasReich Gottes kommen.“ (Johannes 3:5.)Aber wir wissen auch, dass viele Menschengestorben sind, ohne jemals getauft wordenzu sein, und nach dem, was Christus zuNikodemus gesagt hat, dürften sie niemalsins Reich Gottes eingehen. Daraus ergibt sichaber die Frage: Ist Gott gerecht?Die Antwort lautet: Ja, natürlich ist Gottgerecht. Es ist offensichtlich, dass die Aussagedes Erretters voraussetzt, dass die Taufe fürdiejenigen vollzogen werden kann, die gestorbensind, ohne getauft worden zu sein.Neuzeitliche Propheten haben uns erklärt,dass die Taufe eine irdische heilige Handlungist, die nur von den Lebenden vollzogenwerden kann. Wie aber können diejenigengetauft werden, die schon gestorben sind,wenn nur die Lebenden diese heilige Handlungvollziehen können? Darum ging es auchin einem Brief des Apostels Paulus an dieKorinther, denen er die Frage stellt:„Wie kämen sonst einige dazu, sich fürdie Toten taufen zu lassen? Wenn Tote garnicht auferweckt werden, warum lässt manDie Szene spielt im Herbst 1835; der ProphetJoseph Smith (Mitte) geht Joseph und BrighamYoung (oben) beim Einsetzen der Fenster imKirtland-Tempel, dem ersten Tempel in denletzten Tagen, zur Hand. Oliver Cowdery (links)und Sidney Rigdon (rechts) halfen ebenfalls beiden Arbeiten im Tempel.GEMÄLDE VON DAVID LINDSLEY40


Die Arbeit,die wir füranderetun, wird in zweiSchritten ausgeführt:Zuerstbetreiben wirgenealogischeForschung, umunsere Vorfahrenzu ermitteln, unddann vollziehenwir für sie dieheiligen Handlungendes Tempels,damit ihnen diegleichen Möglichkeitenoffen stehenwie den Lebenden.sich dann taufen für sie?“ (1 Korinther15:29.)Wenn wir uns mit der Kirchengeschichtenäher beschäftigen, stellen wir tatsächlichfest, dass die ersten Christen Taufen für dieToten vollzogen haben. Es hat damals stellvertretendeArbeit für die Toten gegeben, und esgibt sie heute. Diese stellvertretende Arbeitist nämlich weder neu noch eigenartig.Denken wir daran, dass der Erretter selbststellvertretend für die Sünden aller Menschengesühnt hat. Heute werden wiederum vonden Lebenden Taufen für diejenigen vollzogen,die gestorben sind, ebenso wird dasHändeauflegen zur Gabe des Heiligen Geistesstellvertretend für diese Verstorbenen vollzogen.Die heiligen Handlungen für die Verstorbenenwerden jedoch nur im Haus desHerrn vollzogen.Die Begabung ist eine weitere heiligeHandlung, die in unseren Tempeln vollzogenwird. Sie besteht aus zwei Teilen: Zuersterfolgt eine Reihe von Unterweisungen, unddann gibt derjenige, der die Begabung empfängt,bestimmte Versprechen, das heißt, ergeht Bündnisse ein. So gelobt er beispielsweise,rechtschaffen zu leben und sich an dieWeisungen des Evangeliums Jesu Christi zuhalten. Die Begabung ist eine heilige Handlung,die für die Mitglieder – oblebend oder verstorben – eingroßer Segen ist. Somit gehörtsie zu den heiligenHandlungen, die vonden Lebendenstellvertretend für Verstorbene vollzogenwerden; sie wird für diejenigen vollzogen,für die bereits die Taufe vollzogen wurde.Eine weitere heilige Handlung desTempels ist die celestiale Ehe; hier wird dieFrau an ihren Mann und der Mann an seineFrau gesiegelt, und zwar für alle Ewigkeit.Wir wissen ja, dass die von einem Standesbeamtengeschlossene Ehe mit dem Todendet, doch die ewige Ehe, die im Tempel geschlossenwird, kann für immer bestehen.Kinder, die nach der Siegelung ihrer Elterngeboren werden, sind automatisch für dieEwigkeit an ihre Eltern gesiegelt. Kinder,die vor der Siegelung ihrer Eltern geborenwurden, können im Tempel für die Ewigkeitan ihre Eltern gesiegelt werden. Auf dieseWeise können Kinder auch stellvertretend anihre verstorbenen Eltern gesiegelt werden.Die siegelnden heiligen Handlungen, dieim Tempel vollzogen werden, schaffen dieGrundlage für die ewige Familie. Die Kirchehat die Aufgabe – und auch die Vollmacht –,die Familie, die Grundlage der Gesellschaft,zu bewahren und zu schützen.Alle diese heiligen Handlungen, die durchdas Priestertum im Tempel vollzogen werden,sind für die Errettung und Erhöhung derKinder des himmlischen Vaters notwendig.In Abschnitt 137 des Buches Lehre undBündnisse ist eine Vision wiedergegeben,die dem Propheten Joseph Smith im Kirtland-Tempelzuteil wurde. In dieser Visionsah er seinen Bruder Alvin, der bereitsgestorben war, und seine Eltern. Da ergingdie Stimme des Herrn an ihn und sagte:„Alle, die gestorben sind, ohne von diesemEvangelium zu wissen, die es aber angenommenhätten, wenn sie hätten verweilendürfen, werden Erben des celestialenReiches Gottes sein.“ (LuB 137:7.)In Abschnitt 138 ist eine göttliche Kundgebungniedergeschrieben, die PräsidentJoseph F. Smith [1838–1918] empfing; auchdarin geht es um die Erlösung der Toten.Präsident Smith sann über den Besuch desHerrn in der Geisterwelt nach, als er imersten Brief des Petrus las, und er dachteüber den Vers nach, in dem es heißt: „DennLINKS: FOTOS VON WELDEN C. ANDERSEN UND JED A. CLARK, SZENE NACHGESTELLT; RECHTS: FOTO DES BEGABUNGSRAUMS IM CARDSTON-ALBERTA-TEMPEL IN KANADA;FOTO DES BAPTISTERIUMS IM VERNAL-UTAH-TEMPEL VON TAMRA H. RATIETA; AUFNAHMEN IM TEMPEL © INTELLECTUAL RESERVE, INC., VERVIELFÄLTIGUNG IST UNTERSAGT42


auch Toten ist das Evangelium dazu verkündetworden, dass sie wie Menschen gerichtetwerden im Fleisch, aber wie Gott dasLeben haben im Geist.“ (1 Petrus 4:6.)Daraufhin enthüllte sich Präsident Smitheine Vision, und diese Vision ist in Abschnitt138 festgehalten. Präsident Smith sah, „dassder Herr nicht in eigener Person zu denSchlechten und den Ungehorsamen, die dieWahrheit verworfen hatten, hinging, um siezu belehren, sondern siehe, aus den Rechtschaffenenstellte er seine Kräfte zusammenund bestimmte Boten, angetan mit Machtund Vollmacht, und gab ihnen den Auftrag,hinzugehen und das Licht des Evangeliumsfür unsere eigene Erhöhung notwendig sind,und dann müssen wir die notwendige Arbeitfür diejenigen tun, die nicht die Möglichkeithatten, in diesem Leben das Evangelium anzunehmen.Die Arbeit, die wir für andere tun,wird in zwei Schritten ausgeführt: Zuerst betreibenwir genealogische Forschung, umunsere Vorfahren zu ermitteln, und dann vollziehenwir für sie die heiligen Handlungen desTempels, damit ihnen die gleichen Möglichkeitenoffen stehen wie den Lebenden.Überdies warten die Toten sehnsüchtigdarauf, dass die Heiligen der Letzten Tageihre Namen ausfindig machen und dann inden Tempel gehen, um für sie zu amtieren,Die Taufbeckenim Tempelruhen aufdem Rücken vonRindern, die als Symbolfür die StämmeIsraels stehen. Heutewerden in so einemTaufbecken von denLebenden Taufen fürVerstorbene vollzogen.Die Begabung ist eine der heiligen Handlungen, die im Tempel vollzogen werden.Sie besteht aus zwei Teilen: Zuerst erfolgt eine Reihe von Unterweisungen,und dann gibt derjenige, der die Begabung empfängt,bestimmte Versprechen, das heißt, er geht Bündnisse ein. Er gelobt,rechtschaffen zu leben und sich an das Evangelium Jesu Christi zuhalten.denen zu bringen, die in Finsternis waren, ja,zu allen Menschengeistern; und so wurdeden Toten das Evangelium gepredigt.“ (LuB138:29,30.)Wir auf unserer Seite des Schleiers habenalso gewiss ein großes Werk zu tun. Dennangesichts der eben angeführten Fakten überdie heiligen Handlungen des Tempels könnenwir sehen, dass der Bau von Tempeln für unsselbst und für die Menschheit von großerBedeutung ist. Und auch unsere Aufgabe wirddeutlich: Wir müssen im Tempel die heiligenHandlungen des Priestertums vollziehen, diedamit sieaus ihremGefängnis inder Geisterweltbefreitwerden.Wie herrlich es doch ist,dass wir in den Tempel gehendürfen, um diese Segnungen füruns zu empfangen. Und wenn wirselbst diese Segnungen im Tempelempfangen haben, dürfen wirdas großartige Werk für


diejenigen tun, die uns vorausgegangen sind. DieserBereich der Tempelarbeit ist eine selbstlose Arbeit. Unddoch werden auch wir jedes Mal gesegnet, wenn wir dieTempelarbeit für andere Menschen tun. Daher sollte esuns nicht überraschen, dass der Herr möchte, dass seinVolk gern in den Tempel geht.Das große Symbol unserer MitgliedschaftDer Herr selbst hat in seinen Offenbarungen an unsden Tempel zum großen Symbol für die Mitglieder derKirche gemacht. Denken Sie nur an das rechtschaffeneVerhalten und die Einstellung, auf die der Herr in dem Rathingewiesen hat, den er den Heiligen in Kirtland durchden Propheten Joseph Smith gab, als sie sich vorbereiteten,einen Tempel zu bauen. Dieser Rat gilt auch heute noch:„Organisiert euch; bereitet alles vor, was nötig ist; underrichtet ein Haus, nämlich ein Haus des Betens, ein Hausdes Fastens, ein Haus des Glaubens, ein Haus des Lernens,ein Haus der Herrlichkeit, ein Haus der Ordnung, ein HausGottes.“ (LuB 88:119.) Beschreiben diese Einstellung unddieses Verhalten wirklich das, wonach jeder von unstrachtet und strebt?Es gibt keinen Bericht darüber, dass in der Alten oderder Neuen Welt während des langen Zeitraums des Abfallsvom Glauben, also bevor das Evangelium Jesu Christi inden Letzten Tagen wiederhergestellt wurde, Tempel gebautwurden. Das Priestertum, das für die heiligen Handlungendes Tempels erforderlich ist, war nicht auf der Erde. Nachder Wiederherstellung des Evangeliums durch einen Prophetendes Herrn, der eigens zu diesem Zweck erwecktwurde, und der Gründung der Kirche Jesu Christi derHeiligen der Letzten Tage wurden wieder auf ein göttlichesGebot hin Tempel errichtet.Elder Bruce R. McConkie [1915–1985] vom Kollegiumder Zwölf Apostel sagte einmal:„Der inspirierte Bau und die richtige Nutzung vonTempeln ist einer der überzeugenden Beweise für dieGöttlichkeit des Werkes des Herrn. ... Wo es Tempel gibtund der Geist der Offenbarung auf denen ruht, die darindienen, da ist das Volk des Herrn zu finden. Wo es sie nichtgibt, da gibt es auch die Kirche und das Reich und dieWahrheit des Himmels nicht.“ (Mormon Doctrine, 2. Ausgabe,1966, Seite 781.)Betrachten wir einmal einige der Verheißungen, die derHerr uns im Zusammenhang mit dem Tempel gegebenhat. Beachten Sie, was für ein Leben wir führen müssen,um in den Genuss dieser Verheißungen zu kommen:„Und insofern mir mein Volk im Namen des Herrn einHaus baut und nicht zulässt, dass etwas Unreines hineingelangt,damit es nicht entweiht werde, wird meine Herrlichkeitdarauf ruhen;ja, und meine Gegenwart wird da sein, denn ich werdedorthin kommen; und alle, die im Herzen rein sind,dorthin kommen, werden Gott sehen.Aber wenn es entweiht wird, werde ich nicht dorthinkommen, und meine Herrlichkeit wird nicht da sein; dennich komme nicht in unheilige Tempel.Und nun, siehe, wenn Zion dies tut, so wird es gedeihenund sich ausbreiten und sehr herrlich werden, sehr großund sehr schrecklich.Und die Nationen der Erde werden es ehren und werdensagen: Gewisslich ist Zion die Stadt unseres Gottes, undgewisslich kann Zion nicht stürzen noch von seinem Platzentfernt werden, denn Gott ist da, und die Hand des Herrnist da;und er hat bei der Gewalt seiner Macht geschworen, erwerde Zions Errettung und hoher Turm sein. Darum wahrlich,so spricht der Herr:Lasst Zion sich freuen, denn dies ist Zion -- DIE IMHERZEN REINEN; darum lasst Zion sich freuen.“ (LuB97:15-21.)Welch großartige Verheißungen an uns als Volk derKirche! Welch ein Symbol für uns – als Einzelne, als Familieund als Volk –, dem Herrn als diejenigen bekannt zu sein,die im Herzen rein sind!Betrachten wir einmal die erhabenen Lehren in demgroßartigen Weihungsgebet für den Kirtland-Tempel, einGebet, von dem der Prophet Joseph Smith sagt, dass esihm durch Offenbarung gegeben wurde. Es ist ein Gebet,das sich heute noch auf uns als Einzelne, auf uns alsFamilien und auf uns als Volk auswirkt, und zwar wegender Priestertumsvollmacht, die der Herr uns gegeben hat,44


LINKS: FOTO DES HONGKONG-TEMPELS IN CHINA VON CRAIG DIMOND; RECHTS: FOTO VON JERRY GARNS, SZENE NACHGESTELLTdamit wir sie in seinen heiligen Tempelnanwenden.„Und so bitten wird dich nun, HeiligerVater“, flehte der Prophet Joseph Smith,„stehe uns, deinem Volk, mit deiner Gnadebei, ... dass wir in deinen Augen für würdigbefunden werden, uns die Erfüllung derVerheißungen zu sichern, die du uns, deinemVolk, in den uns erteilten Offenbarungengegeben hast,damit deine Herrlichkeit sich niederlasseauf dein Volk ...Und wir bitten dich, Heiliger Vater: Mögendeine Knechte, wenn sie von diesem Haushinausgehen, mit deiner Macht ausgerüstetsein, und möge dein Name auf ihnen seinund deine Herrlichkeit rings um sie sein unddeine Engel Verantwortung über sie haben;und mögen sie von dieser Stätte überausgroße und herrliche Nachricht in Wahrheithinaustragen bis an die Enden der Erde, damitsie wissen, dass dies dein Werk ist unddass du deine Hand ausgestreckt hast, umdas zu erfüllen, was du durch den Mund derPropheten in Bezug auf die letzten Tage gesprochenhast. ...Wir bitten dich, für Zion noch weiterePfähle zu bestimmen ..., damit die Sammlungdeines Volkes mit großer Macht undErhabenheit voranschreite und damit deinWerk in Rechtschaffenheit abgekürzt werde.Und mögen alle die zerstreuten ÜberresteIsraels, die bis an die Enden der Erde gejagtworden sind, zur Erkenntnis der Wahrheitkommen, an den Messias glauben und ausder Unterdrückung erlöst werden und sichvor dir freuen. ...Gedenke, o Herr, deiner gesamten Kirche,mit all ihren Familien und all ihren unmittelbarenVerwandten, mit all ihren Kranken undBedrängten, mit allen Armen und Sanftmütigender Erde, damit das Reich, das duohne das Zutun von Händen errichtet hast,ein großer Berg werde und die ganze Erdeerfülle, ...damit wir, wenn die Posaune für die Totenertönt, in der Wolke entrückt werden, direntgegen, damit wir für immer beim Herrnseien.“ (LuB 109:10-12,22,23,59,67,72,75.)Hat es je ein Volk gegeben, das solchebewegende und wunderbare Verheißungenerhalten hat? Kein Wunder, dass der Herrmöchte, dass sich seine Jünger an seinemBeispiel und am Tempel ausrichten. KeinWunder, dass er gesagt hat: „Ich werde michmeinem Volk mit Barmherzigkeit in diesemHaus kundtun.“ (LuB 110:7.)All unser Bemühen, das Evangelium zuverkündigen, die Heiligen zu vervollkommnenund die Toten zu erlösen, führenletztlich zum heiligen Tempel. Das liegtdaran, dass die heiligen Handlungen desTempels absolut entscheidend sind, dennohne sie können wir nicht in die GegenwartGottes zurückkehren.Ja, der Herr möchte wirklich, dass seinVolk gern in den Tempel geht. Es wäre meininnigster Herzenswunsch, dass jedesMitglied der Kirche tempelwürdigist. Ich wünschte, jedes erwachseneMitglied wäre für den Tempelscheinwürdig und hätte aucheinen gültigen Tempelschein,selbst wenn die Entfernung zumTempel es nicht zulässt, dass ersofort oder häufig gebrauchtwird.Wir wollen ein Volk sein,das gern und oft in denTempel geht. Eilen wir dochso oft zum Tempel, wie Zeitund Mittel und unsereLebensumstände eserlauben.Wir wollenein Volksein, dasgern und oft in denTempel geht. Eilenwir doch so oft zumTempel, wie Zeitund Mittel undunsere Lebensumständees erlauben.Gehen wirdoch nicht nur fürunsere Vorfahren,sondern auch, umselbst die Segnungenzu empfangen,die der Tempeldienstmit sichbringt, und umdie Heiligkeit undGeborgenheit indiesen geheiligtenund geweihtenMauern zugenießen.


Erzählen wirdoch unserenKindern vonden geistigen Gefühlen,die wir im Tempelerleben. Erklärenwir ihnen ernsthafterund ungezwungener,was wir überden Zweck desHauses des Herrnsagen dürfen. HängenSie bei sich zuHause ein Bild voneinem Tempel auf,sodass Ihre Kinderes immer sehen.Gehen wir doch nicht nur für unsereVorfahren, sondern auch, um selbstdie Segnungen zu empfangen, die derTempeldienst mit sich bringt, und um dieHeiligkeit und Geborgenheit in diesengeheiligten und geweihten Mauern zugenießen. Der Tempel ist ein Ort derSchönheit, ein Ort der Offenbarung, einOrt des Friedens. Er ist das Haus desHerrn, und er ist dem Herrn heilig. Ersollte auch uns heilig sein.Erzählen wir doch unseren Kindern vonden geistigen Gefühlen, die wir im Tempelerleben. Erklären wir ihnen ernsthafter undungezwungener, was wir über den Zweckdes Hauses des Herrn sagen dürfen. HängenSie bei sich zu Hause ein Bild von einemTempel auf, sodass Ihre Kinder es immersehen. Lehren Sie sie, welchen Zweck dasHaus des Herrn erfüllt. Sie sollen sich vonklein auf vornehmen, einmal in den Tempelzu gehen und dieser Segnung immer würdigzu sein.Es gefällt dem Herrn, wenn unsere Jugendwürdig in den Tempel geht und sich stellvertretendfür diejenigen taufen lässt, die nichtdie Möglichkeit hatten, getauft zu werden. Esgefällt dem Herrn, wenn wir würdig in denTempel gehen, um selbst Bündnissemit ihm zu schließen und alsEhepaar und als Familiegesiegelt zu werden. Und esgefällt dem Herrn, wenn wirwürdig in den Tempelgehen, um diegleichen errettenden heiligen Handlungen fürdie Verstorbenen zu vollziehen, von denenviele sehnsüchtig darauf warten, dass dieseheiligen Handlungen für sie vollendet werden.Wenn der Tempel wirklich ein Symbol füruns werden soll, müssen wir das auchwollen. Wir müssen würdig leben, um inden Tempel gehen zu können. Wir müssendie Gebote unseres Herrn halten. Wenn wiruns in unserem Leben nach dem Herrnrichten und uns seine Lehren und sein Beispielzum Vorbild nehmen, fällt es uns nichtschwer, für den Tempel würdig zu sein undin jedem Bereich unseres Lebens beständigund treu zu sein, denn dann gilt für uns nurein einziger heiliger Maßstab, was unserVerhalten und unseren Glauben angeht. Obzu Hause oder auf dem Marktplatz, ob inder Schule oder wenn die Schule schonlange hinter uns liegt, ob wir ganz alleinsind oder mit einer großen Gruppe vonMenschen zusammen sind – unser Kurssteht fest und unsere Grundsätze sindoffensichtlich.Die Fähigkeit, zu unseren Prinzipien zustehen, aufrichtig und glaubensvoll nachunserer Religion zu leben, nur daraufkommt es an. Diese Hingabe an wahreGrundsätze – in unserem eigenen Leben,zu Hause in unserer Familie und an allenOrten, wo wir anderen Menschen begegnenund Einfluss ausüben – dieseHingabe ist das, was Gott letztlich von unsverlangt. Sie erfordert, dass wir uns denGrundsätzen, die wir in den von Gottgegebenen Geboten als wahr erkannthaben, verpflichten – eine Verpflichtung,die von ganzer Seele kommen, aufrichtigsein und für immer in Ehren gehaltenwerden muss. Wenn wir uns treu an dieGrundsätze des Herrn halten, sind wirimmer für den Tempel würdig, und derHerr und seine heiligen Tempel werdenzum großen Symbol dafür, dass wir ihmnachfolgen. ■Dieser Artikel wurde der Veröffentlichung Tempelder Kirche Jesu Christi der Heiligen der LetztenTage (35863 150) entnommen; siehe auch Der Stern,Mai 1995, Seite 2-7.FOTO VON WELDEN C. ANDERSEN, SZENE NACHGESTELLT


Schreiben von derErsten PräsidentschaftDas folgende Schreiben von der Ersten Präsidentschaft an die Priestertumsführer, datiert 11.März 2003, wurde in der Abendmahlsversammlung vorgelesen.„Wir sind froh, dass weltweitimmer mehr Tempel zurVerfügung stehen, undmöchten die erwachsenen Mitgliederbitten, stets einen gültigen Tempelscheinbei sich zu haben und öfter inden Tempel zu gehen. Wo es die Zeitund die Umstände erlauben, sollen dieMitglieder zu Gunsten des Dienstes imTempel auf die eine oder andereFreizeitaktivität verzichten.Millionen unserer Vorfahrenhaben auf der Erde gelebt, ohnein den Genuss der heiligen Handlungendes Tempels kommen zukönnen. Wir rufen insbesondere dieneuen Mitglieder und die Jugend derKirche ab 12 Jahren auf, würdig zuleben, damit sie als Stellvertreterbei Taufen und Konfirmierungenan dieser großartigenArbeit mitwirkenkönnen.Wir bitten dieörtlichen Priestertumsführer,diefür den Tempelbesuchwürdigen Mitglieder dazu anzuregen,dass sie sich überlegen, wiesie tagsüber häufiger in den Tempelgehen könnten. Die Heimlehrerund die Besuchslehrerinnen könntensich um Fahrmöglichkeiten fürdiejenigen kümmern, die daraufangewiesen wären, und zwar vorallem tagsüber.Sämtliche heiligen Handlungen,die im Haus des Herrn stattfinden,sind ein Ausdruck unseres Glaubensan die wesentliche und grundsätzlicheLehre, dass die Seele desMenschen unsterblich ist. Wennwir unsere Bemühungen undunsere Glaubenstreue verdoppelnund in den Tempel gehen, wirdder Herr uns segnen.“ ■Hinweis der VersandabteilungWussten Sie schon, dass die Veröffentlichung Tempel der Kirche Jesu Christi derHeiligen der Letzten Tage (Artikel-Nr. 35863 150) in vielen Sprachen erhältlich ist?Diese Broschüre enthält nützliche Informationen zum Thema Tempel und dazu, waser für die Mitglieder der Kirche bedeutet. Eltern können sie verwenden, um ihreKinder über den Tempel zu unterweisen, und sie kann Mitgliedern helfen, die sichdarauf vorbereiten, den Tempel zum ersten Mal zu besuchen, dort heilige Bündnissezu schließen und heilige Handlungen zu empfangen. Wenden Sie sich an den für Siezuständigen Versand oder an die Führer Ihrer Gemeinde bzw. Ihres Zweiges, wennSie wissen wollen, was die Broschüre kostet und wie Sie sie bestellen können.FOTO DES EHEPAARS VON STEVE BUNDERSON, SZENE NACHGESTELLT; FOTO DES ORLANDO-FLORIDA-TEMPELS VON MARK A. PHILBRICK


Hätten Sie’s gewusst?Es geschahim MärzDie folgendenbedeutsamen Ereignisseaus derGeschichte derKirche habensich im Märzzugetragen.26. März 1830: Nach der Fertigstellungder ersten Exemplare inder Druckerei E. B. Grandin inPalmyra in New York ist das BuchMormon allgemein erhältlich.17. März 1842: Der ProphetJoseph Smith gründet in Nauvoo,Illinois, die FHV.Die Taufe der Propheten in unserer ZeitWussten Sie schon, dass Präsident Gordon B. Hinckley der erste Präsident derKirche in unserer Evangeliumszeit war, der im Taufbecken eines Gemeindehausesgetauft wurde? Das stimmt wirklich! Er wurde am 28. April 1919 in der Gemeinde1 des Pfahles Salt Lake Liberty getauft. Es gibt aber noch mehr Interessantes überdie Taufe der übrigen 14 Präsidenten der Kirche.Präsident der Kirche Taufdatum Ort der TaufeJoseph Smith 15. Mai 1829 Fluss Susquehanna in der Nähe von Harmony,PennsylvaniaBrigham Young 14. April 1832 ein Mühlteich in der Nähe von Mendon imBundesstaat New YorkJohn Taylor 9. Mai 1836 ein Bach in der Nähe von Toronto, KanadaWilford Woodruff 31. Dezember 1833 ein vereister Bach in der Nähe von Richland imBundesstaat New YorkLorenzo Snow 19. Juni 1836 Fluss Chagrin in Kirtland, OhioJoseph F. Smith 21. Mai 1852 der City Creek, ein Bach in Salt Lake CityHeber J. Grant 2. Juni 1864 ein Waggon für den Wassertransport in Salt Lake CityGeorge Albert Smith 6. Juni 1878 der City Creek in Salt Lake CityDavid O. McKay 8. September 1881 der Spring Creek, ein Bach in der Nähe von Huntsville,UtahJoseph Fielding Smith 19. Juli 1884 wahrscheinlich im City Creek in Salt Lake CityHarold B. Lee 9. Juni 1907 der Bybee Pond, ein Teich in der Nähe von Clifton,IdahoSpencer W. Kimball 28. März 1903 ein Enthaarungsbecken für die Schweineschlachtungin Thatcher, Arizona; später erneute Taufe im Union-Kanal in Thatcher, da man sich nicht sicher war, obdie Taufe in dem Becken gültig warEzra Taft Benson 4. August 1907 Logan-River-Kanal in Whitney, IdahoHoward W. Hunter 4. April 1920 das Natatorium, eine Schwimmhalle in Boise, IdahoFührungstippPräsidentGordon B.Hinckley hatgesagt: „Ihrkönnt Führersein. Ihr müsst,als Mitglied der Kirche, in solchenAngelegenheiten, für diediese Kirche eintritt, ein Führersein. Lasst euch nicht durchFurcht davon abbringen ...Furcht kommt nicht von Gott,sondern vom Bösen. Der Widersacheraller Wahrheit will eucheingeben, dass ihr mit eurenAnstrengungen zögern sollt.Legt diese Furcht ab, undsteht tapfer für die Sacheder Wahrheit und Rechtschaffenheitund des Glaubensein.“ („Worte des lebenden Propheten“,Der Stern, Juni 1998,Seite 26.)ABDRUCK DER FOTOS VON HOWARD W. HUNTER, SPENCER W. KIMBALL, GORDON B. HINCKLEY UND EZRA TAFT BENSON ALS KNABEN MITFREUNDLICHER GENEHMIGUNG DES ARCHIVS DER KIRCHE; FOTO EINER NACHBILDUNG DER DRUCKERPRESSE IM GRANDIN-GEBÄUDE; DIE GRÜNDUNGDER FHV, GEMÄLDE VON DALE KILBOURN


FÜR KINDER • KIRCHE JESU CHRISTI DER HEILIGEN DER LETZTEN TAGE • MÄRZ 2004Kleiner Liahona


KOMMT, HÖRT AUFDEN PROPHETENFrühjahrsputzPRÄSIDENT GORDON B. HINCKLEYPräsident Hinckleyfordert uns aufherauszufinden,was für eine Freudeman spürt, wennman rein ist.Als ich als Junge hier in SaltLake City wohnte, wurdendie meisten Häuser nochmit Kohleöfen beheizt. Fast ausjedem Schornstein quoll dicker,schwarzer Rauch. Wenn der Winterzu Ende ging, lag überall schwarzer,zäher Ruß, und zwar drinnen wiedraußen.Jedes Jahr mussten wir ein bestimmtesRitual durchmachen, daswir alle nicht sehr angenehm fanden.Jeder in der Familie musste sich andiesem Ritual beteiligen, nämlichbeim Frühjahrsputz mitmachen.Wenn es nach dem langen Winterwärmer wurde, wurde etwa eineWoche für die Reinigung angesetzt,und zwar meist dann, wenn einFeiertag war. Auch zwei Samstagegehörten dazu.Meine Mutter führte das Kommando.Alle Vorhänge wurden abgenommenund gewaschen. Dannwurden sie sorgfältig gebügelt. DieFenster wurden von innen und außengeputzt, und das war in demgroßen, zweigeschossigen Hausviel Arbeit.Wir hatten an allen WändenTapeten, und mein Vater brachte vieleDosen Tapetenreiniger mit. Er warwie Brotteig, war aber hübsch rosafarben,wenn die Dose aufgemachtKL2


ILLUSTRATION VON PAUL MANN; NEBEN STILLEN WASSERN, GEMÄLDE VON SIMON DEWEY, ABDRUCK MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON ALTUS FINE ART, AMERICAN FORK, UTAHwurde. Er roch interessant – angenehm und erfrischend.Wir machten alle mit. Wir kneteten etwasvon dem Teig in den Händen, stiegen auf eine Leiterund fingen hoch oben an der Decke an und arbeitetenuns dann an der Wand entlang nach unten weiter.Bald war der Teig von dem Schmutz, den er von derTapete ablöste, schwarz. Es war eine schrecklicheund ermüdende Arbeit, aber das Ergebnis war wieZauberei. Wir standen immer da und verglichen dieschmutzige Wand mit der sauberen Wand. Es warerstaunlich, wie viel besser die sauberen Wändeaussahen.Alle Teppiche wurden aufgerollt und in den Hofgebracht, wo sie einer nach dem anderen über dieWäscheleine gehängt wurden. Jeder von uns Jungenbekam einen so genannten Teppichklopfer, einBündel Stahlruten mit einem Holzgriff. Wir klopftenden Teppich, und es staubte gewaltig, und wirmussten weitermachen, bis kein Staub mehr da war.Diese Arbeit verabscheuten wir. Aber wenn siefertig war und sich alles wieder an seinem Platz befand,war das Ergebnis wundervoll. Das Haus war sauber.Wir waren im Geist erneuert. Die ganze Welt sahbesser aus.So etwas müssen wir manchmal auch mit unseremLeben machen. Jesaja sagt: „Wascht euch, reinigt euch!Lasst ab von eurem üblen Treiben! Hört auf, vor meinenAugen Böses zu tun!“ (Jesaja 1:16.)Unser Körper ist heilig. Er wurde im Ebenbild Gotteserschaffen. Er ist wunderbar – die Krone von GottesSchöpfung. Ich kann nicht verstehen, wieso jemand denKörper bewusst schädigen will. Und doch geschieht esum uns herum jeden Tag: [Die Menschen] trinkenAlkohol und nehmen Drogen. [Dies ist] eine Plage.Haltet euch vom Alkohol fern. Geht nicht denDrogen in die Falle. Sie können euch vernichten.Seid in Gedanken rein, dann könnt ihr auch eurenKörper besser beherrschen. Unreine Gedanken führenzu unreinen Taten.Der Herr hat gesagt: „Lass Tugend immerfortdeine Gedanken zieren.“ Und damit geht seineVerheißung einher: „Dann wird dein Vertrauen inder Gegenwart Gottes stark werden.“ (LuB 121:45.)[Ihr] könnt und dürft nicht in die tückische Falleunkeuschen Verhaltens tappen.Seid in eurer Sprache rein. Es gibt in unserer Zeitso viel schmutzige, schlampige Sprache.Seid in Kleidung und Benehmen rein.Ich bitte euch inständig: Seid in eurem Benehmenrein, seid höflich, seid respektvoll, seid ehrlich, seidredliche [junge Menschen].Gott segne uns, dass wir mit reinen Händenund reinem Herzen leben und seines Lächelnswürdig sind. ●Nach einer Ansprache bei der Generalkonferenzim April 1996.KLEINER LIAHONA MÄRZ 2004KL3


„Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheitund das Leben; niemand kommt zum Vater außerdurch mich.“ (Johannes 14:6.)§Lincoln bekam einmal von seinen Freundenerzählt, sie hätten so getan, als hätten sieGeld in den Bleistiftautomaten der Schuleeingeworfen. Dann sagten sie der Sekretärin, es seikein Bleistift herausgekommen, sodass sie ihnen einengab. Lincoln beschloss, es auch auszuprobieren.In der Pause saß Lincoln auf einer Bank und betrachteteden Bleistift, den er gratis bekommen hatte.Er war sehr traurig. Er wollte tun, was Recht ist. Er erzählteder Sekretärin, was er getan hatte, und gab ihrden Bleistift zurück. Danach fühlte er sich besser.Hast du schon einmal etwas Falsches getan unddir gewünscht, du könntest es wieder in Ordnungbringen? Der Vater im Himmel möchte, dass wirzu ihm zurückkehren und bei ihm wohnen, aberniemand, der unrein ist, kann bei ihm leben (sieheMose 6:57). Der himmlische Vater weiß, dass ein jederFehler begeht, und er hat uns einen Weg bereitet, wiewir wieder rein werden können. Wir müssen nämlichumkehren.Jesus Christus hat im Garten Getsemani und amKreuz gelitten, um den Preis für unsere Sünden zubezahlen. Er hat gelitten, damit wir nicht leiden müssen,sofern wir umkehren (siehe LuB 19:16). Weil JesusChristus mit seinem Leiden für unsere Sünden bezahlthat, können wir wieder rein werden, wenn wir unserenTeil tun, und das bedeutet, umzukehren und denselbenFehler nicht zu wiederholen.Zur Beschäftigung: ein Mobile1. Klebe Seite KL5 auf Karton und schneide die Teiledes Mobiles sorgfältig aus.2. Male oder klebe ein Bild von dir auf die Rückseitedes quadratischen Teils.3. Falte das Stück Karton entlang der gestricheltenLinie und klebe die Rückseiten der zwei ovalen Teileaneinander. Loche die Teile an den markierten Stellen.4. Verbinde die einzelnen Teile mit einem Faden(siehe Abbildung). Binde am Oberteil eine Schlaufe undmach unten einen Knoten.DAS MITEINANDERWIEDER REINSHEILA E. WILSON5. Lies jeden Tag eine der Schriftstellen unter denBildern des Erretters.Anregungen für das Miteinander1. Schreiben Sie jedes Wort des dritten Glaubensartikels auf einenWortstreifen. Bringen Sie die Wortstreifen in einer falschen Reihenfolgean, jedoch ohne den Wortstreifen, auf dem „Sühnopfer“ steht.Singen Sie ein Lied, in dem es um Jesus Christus geht. Lesen Sie dendritten Glaubensartikel. Zeigen Sie die Wortstreifen und deuten Siean, dass etwas nicht stimmt. Sagen Sie den Kindern, dass Sie ihreHilfe brauchen. Die Kinder sollen jeweils zwei Wortstreifen austauschen,bis die Worte in der richtigen Reihenfolge sind. LassenSie den Pianisten dabei eine leise Begleitmelodie spielen. Wenn derGlaubensartikel (mit Ausnahme von „Sühnopfer“) vollständig ist,sagen Sie, dass immer noch etwas nicht stimmt. Fügen Sie den Wortstreifenmit „Sühnopfer“ hinzu. Sagen Sie den Glaubensartikel mitden Kindern auf. Erklären Sie anhand dieses Beispiels, dass manumkehren kann, um etwas in Ordnung zu bringen, dazu aber dasSühnopfer Jesu Christi braucht. Fragen Sie die Kinder, was das Sühnopferfür sie Gutes bewirkt.2. Zeigen Sie fünf Schachteln oder Umschläge, die folgendeSchriftstellen enthalten: 1.) Mosia 3:16; 2.) Matthäus 9:35; 3.)Johannes 13:15; 4.) 2 Nephi 9:21; 5.) Jakob 4:11. Die Kinder sollensich vorstellen, sie hätten aus Versehen einen sehr wertvollenGegenstand kaputtgemacht. Wie würden sie sich fühlen? Was wäre,wenn sie nicht genug Geld hätten, um den Gegenstand zu ersetzen?Erklären Sie: Eure irdischen Eltern würden euch helfen, weil sieeuch lieben. Sie würden euch sagen, dass sie den fehlenden Betragbegleichen, wenn es euch wirklich Leid tut, wenn ihr gehorsamseid und so viel selbst bezahlt, wie ihr könnt. Wenn wir ein Gebotübertreten, sind wir auch auf die Hilfe eines anderen angewiesen.Jesus Christus hat für unsere Sünden bezahlt und es uns ermöglicht,umzukehren und zu unserem Vater im Himmel zurückzukehren.Schreiben Sie „Was Jesus für uns getan hat und warum“an die Tafel. Schreiben Sie die folgenden Punkte an und besprechenSie sie: 1.) Er hat für die Sünde Adams gesühnt, damitkleine Kinder errettet werden können. 2.) Er hat uns das Evangeliumgegeben, damit wir bei ihm leben können. 3.) Er hat uns gezeigt,wie wir leben müssen, um glücklich zu sein. 4.) Er hat fürunsere Sünden gelitten, damit wir Vergebung erlangen können.5.) Er ist gestorben und auferstanden, damit wir auferstehenkönnen. Teilen Sie die Kinder in Gruppen ein. Jede Gruppe solleine Schachtel bzw. einen Umschlag öffnen und die Schriftstelleeinem der Punkte an der Tafel zuordnen. ●ILLUSTRATION VON THOMAS S. CHILD; DAS ZWEITE KOMMEN, GEMÄLDE VON HARRY ANDERSON; DIE GEBURT JESU, GEMÄLDE VON CARL HEINRICH BLOCH; JESUS UNTERWEIST DIE ÄLTESTEN IM TEMPEL, GEMÄLDE VON GRANT ROMNEY CLAWSON; JOHANNES TAUFT JESUS, GEMÄLDE VON HARRY ANDERSON;DIE BERGPREDIGT, GEMÄLDE VON HARRY ANDERSON; CHRISTUS UND DIE KINDER, GEMÄLDE VON HARRY ANDERSON; DER TRIUMPHALE EINZUG CHRISTI NACH JERUSALEM, GEMÄLDE VON HARRY ANDERSON; DAS LETZTE ABENDMAHL, GEMÄLDE VON CARL HEINRICH BLOCH; CHRISTUS IN GETSEMANI,GEMÄLDE VON HARRY ANDERSON; DIE KREUZIGUNG, GEMÄLDE VON HARRY ANDERSON; ABDRUCK DER GEMÄLDE VON CARL HEINRICH BLOCH MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG DES NATIONALHISTORISCHEN MUSEUMS AUF SCHLOSS FREDERIKSBORG IN HILLERØD, DÄNEMARKKL4


„Ich bin der Weg“(Johannes 14:6).ICH KANNUMKEHRENUND BEIMEINEM VATERIM HIMMELLEBEN„Ich bin der Weg“(Johannes 14:6).Matthäus 26:17-35Johannes 12:13Lukas 22:41-44Lukas 18:16Lukas 23:32-46Jesus Christusist mein Erretter.Er hat für meineSünden gesühnt.Matthäus 7:28,29AbbildungJohannes 14:6Matthäus 3:13-17Lukas 2:1-16Lukas 2:40KLEINER LIAHONA MÄRZ 2004KL5


EineBlumeund einGebetSchwester Cleggerklärt, dassdu dich zwar vielleichtmanchmaleinsam fühlst, derhimmlische Vateraber immer nah ist,auch wenn du ihnnicht sehen kannst.GAYLE M. CLEGGZweite Ratgeberin in der PV-PräsidentschaftHast du dich schon einmal einsamgefühlt? Als unsere Tochter Tinasechs Jahre alt war, zogen wirnach Brasilien. Keiner von uns sprachPortugiesisch, und Tina fiel es besondersschwer, die Sprache zu lernen. Obwohlsie eigentlich in die erste Klasse gehörte,mussten wir sie zusammen mit Vierjährigenin die Vorschule schicken. Wirhofften, dass sie sich bei den kleinerenKindern wohler fühlen würde und es ihrleichter fallen würde, Portugiesisch zulernen.Doch Tina war den anderen Kindernebenso fremd, wie diese ihr fremd waren.Jeder Tag war ein Kampf, und jeden Tagkam sie niedergeschlagen von der Schulenach Hause.An einem Tag waren ein paar Kinderbesonders unfreundlich zu ihr. In der Pausewarfen manche sogar mit Steinen nachihr, schubsten sie herum und lachten sieaus. Tina war verängstigt und gekränkt.Sie beschloss, nicht mehr in die Klassezurückzugehen.Als sich der Schulhof leerte und sieganz allein dasaß, dachte sie daran, wassie von uns über Einsamkeit gelernthatte. Sie erinnerte sich, dass der himmlischeVater seinen Kindern immer naheist und sie immer mit ihm sprechenkonnte. Er konnte die Sprache ihresHerzens verstehen. In einer Ecke desSchulhofes neigte sie den Kopf undbetete. Tina wusste nicht genau, was siesagen sollte, also bat sie darum, dass ihrVater und ihre Mutter bei ihr seinkonnten, um sie zu beschützen.Ihr fiel ein PV-Lied ein:Oft laufe ich fröhlich durch blühendeWiesen,und pflücke dort Blumen zur Freudefür dich.Ich suche die schönsten und farbigstenBlüten,und denke dabei, liebe Mutti, an dich.(„Blumen für Mutti“, Liederbuch fürKinder, Seite 109.)Als Tina die Augen öffnete, sah sie einekleine Blume, die in den Rissen des Betonswuchs. Sie pflückte sie und steckte sie indie Tasche. Ihre Schwierigkeiten mit denanderen Kindern waren nicht behoben,aber sie ging mit dem Gefühl in die Klassezurück, dass ihre Eltern bei ihr waren.Manchmal fühlst du dich vielleicht einsam.Es mag dir schwer fallen, etwas zulernen. Manchmal ist jemand vielleichtunfreundlich zu dir. Doch der Vater imHimmel ist dir immer nah, auch wenn duihn nicht sehen kannst. Er liebt dich undmöchte, dass du zu ihm betest, wenn dudich einsam fühlst oder Angst hast. Dannkann er dir seinen Geist schicken, um dichzu trösten, wie er Tina an diesem einsamenTag getröstet hat. ●Nach einer Ansprache bei der Generalkonferenzim April 2002.ILLUSTRATION VON ROBERT A. MCKAYKL6


FALTBLATT ZUMHERAUSNEHMENDie Umkehr und das SühnopferDer Vater im Himmel wusste,dass wir als sterbliche Menschennicht vollkommensein würden, und bestimmte deshalbJesus Christus, der vollkommenist, zu unserem Erretter.Um zu erklären, was der Erretterfür uns getan hat, erzählte PräsidentBoyd K. Packer, Amtierender Präsidentdes Kollegiums der ZwölfApostel, die Geschichte von einemMann, der eine große Geldsummegeliehen hatte. Er hatte etwasgekauft, was er schon immer habenwollte. Doch als die Rechnung fälligwurde, konnte er sie nicht begleichen.Er wusste, dass derGläubiger ihm zum Ausgleichseinen Besitz nehmen und ihnins Gefängnis werfen lassenwürde.Da eilte ein Freund des Manneszu seiner Rettung. Er fragte ihn:„Wenn ich deine Schulden begleiche,akzeptierst du dann michals Gläubiger?“ Der Mann willigtedankbar ein, und sein Freund erklärteihm: „Du zahlst die Schuldenan mich und ich lege die Bedingungenfest. Es wird nicht leicht,doch du kannst es schaffen.“Weil der Freund bereit und in derLage war, die Schulden zu zahlen,empfing der Gläubiger das Geld,das ihm rechtmäßig zustand.Gleichzeitig konnte der Mannseinen Besitz behalten und musstenicht ins Gefängnis. (Siehe „TheMediator“, Ensign, Mai 1977,Seite 54f.)Wie der Freund in der Geschichtebietet sich Jesus an, unsere„Schulden“ zu bezahlen. Er hat denTod überwunden, damit wir alleauferstehen können, und er hat fürunsere Sünden gelitten, damit wirnicht leiden müssen, sofern wirumkehren (siehe LuB 19:16). ImGegenzug verlangt er von uns, dasswir uns an bestimmte „Bedingungen“bzw. Regeln halten – dasswir umkehren und die Gebotehalten. Wenn wir dies tun,ermöglicht uns Jesus, dass wir einesTages zum Vater im Himmelzurückkehren. ●Anregungen für denFamilienabend1. Folgendes soll dich daranerinnern, dem Beispiel Jesu zufolgen: Schneide diese zweiSeiten an den durchgezogenenLinien aus. Falte sie zu einemHeft (siehe Abbildungen).2. Verwende die Bilder vonJesus, wenn du beim Familienabendoder bei einer Ansprachein der PV aus seinem Lebenberichtest. Benutze Bilder vonKindern aus der heutigen Zeit,


um darüber zu sprechen, aufwelche Weise man dem Beispieldes Erretters folgen kann.3. Besprich beim Familienabendjedes der Bilder in demHeft, das du gebastelt hast. Jederin der Familie soll ein Blatt Papierzurechtschneiden und zueinem Heft wie das unten abgebildetefalten. Bitte jeden, auf dieSeiten des Heftes Beispiele zuschreiben oder zu zeichnen, wieman dem Erretter nachfolgenkann (zum Beispiel: die heiligenSchriften studieren, zur Kirchegehen oder jemandem helfen).1ABBILDUNGEN234ILLUSTRATIONEN VON PAUL MANN UND ROBERT T. BARRETT


VON FREUNDZU FREUNDEin ZeugnisentstehtNach einemInterview, das HilaryM. Hendricksmit Elder Steven E.Snow von den Siebzigerngeführt hat.Elder Snow gehörtzurzeit zur GebietspräsidentschaftAfrika Südost.„Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!,wenn er nicht aus dem Heiligen Geistredet.“ (1 Korinther 12:3.)Ich kam in St. George, Utah, zur Welt,wo sich meine Vorfahren 1861 niedergelassenhatten. Erastus Snow warzu der Zeit Apostel, als Brigham YoungPräsident der Kirche war. Er war derUrgroßvater meines Großvaters. MeineEltern und meine Großeltern erzähltenoft von den Pionieren und den Opfern,die sie gebracht hatten. Sie legten mir ansHerz, den Namen meiner Familie inEhren zu halten, mir bewusst zu machen,wer ich bin, und das Rechte zu wählen.Mein Vater betrieb eine chemischeReinigung, und als ich ungefähr fünfJahre alt war, begann ich ihm zuhelfen. Ich wischte den Fußbodenund bereitete die Kleiderbügel vor,an denen Hosen aufgehängt wurden.Im Sommer klettert das Thermometer inSt. George oft über 38 Grad Celsius. Sobewegte mich die Arbeit an einer Wäschemangelim August dazu, Jura zu studieren.Die Erinnerung an diese Zeit half mir,das Studium durchzuhalten. Meine Geschwisterund ich halfen auch unserenGroßeltern mit den Kühen und Pferdenund im Möbelgeschäft. Ich lernte, hart zuarbeiten. Außerdem trieb ich Sport – vorallem Baseball und American Football.Mit fünf Jahren.Rechts: Im Alter von zwölf Jahren (links) alsBaseballspieler in der Juniorenliga.KL10


Ganz oben: Als Missionar in der Norddeutschen Mission.Oben: Elder Snow, seine Frau, Phyllis, und die Kinder amTag der Hochzeit ihres Sohnes Garrett.Am Tag nach meiner Taufe wurde ich als Mitgliedder Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tagekonfirmiert. Das geschah in einer Fast- und Zeugnisversammlungund ich beschloss, zum ersten Mal inmeinem Leben Zeugnis zu geben. Als ich sprach, zogein herrliches, warmes Gefühl in mein Herz ein. DerHeilige Geist bestätigte mir, dass es richtig war, michder Kirche anzuschließen. Dieses warme Gefühl warder Anfang meines kleinen Zeugnisses, das im Laufeder Jahre immer weiter wuchs. Ich weiß, dass ein Kindsein eigenes Zeugnis erlangen kann, und dass auchein kleines Zeugnis genügt, um das Rechte wählenzu können.Jetzt diene ich im südöstlichen Afrika. Viele Mitgliederder Kirche in Afrika sind erst vor kurzem getauftworden. Sie sind Pioniere. Ihnen brennt ein starkesZeugnis im Herzen. Es ist nicht ungewöhnlich, dasseine Familie hin und zurück jeweils einen anderthalbstündigenFußmarsch zur Kirche auf sich nimmt.Familien, die weiter weg wohnen, sparen jede WocheGeld, um sich ein Taxi leisten zu können.Die afrikanischen Kinder sind in der Abendmahlsversammlungund in der PV sehr andächtig. Sie hören imUnterricht gern ihren Lehrern zu und singen gern. Besondersgern singen sie: „Wir danken, o Gott, für denPropheten.“ (Gesangbuch, Nr. 11.) Die Mitglieder derKirche in Afrika haben Präsident Gordon B. Hinckleysehr lieb. Sie geben von Herzen Zeugnis, dass er einProphet ist und dass Joseph Smith das Evangelium aufder Erde wiederhergestellt hat.Die meisten Gemeinden und Zweige halten die Versammlungenin Gebäuden ab, die man sofort als Gemeindehausder Kirche erkennt. Doch die Mitglieder inRustenburg in Südafrika kamen auch in einer Lagerhallezusammen, solange sie auf die Fertigstellung ihresneuen Gemeindehauses warten mussten. Als ich dortdie Abendmahlsversammlung besuchte, fiel mir auf,dass es zwischen dem Dach und den Wänden derLagerhalle eine Öffnung gab, damit Luft von draußenhereinströmen konnte. Als wir das Anfangslied sangen,kamen Vögel hereingeflogen und ließen sich auf denDachsparren nieder. Sie stimmten in unseren Gesangein. Während des Abendmahlsliedes waren die Vögelerneut zu hören.Ihr, die Kinder der Kirche, genießt in jedem Landden Segen, zur PV zu gehören. Wenn ihr jede Woche zurPV geht, hilft euch das, etwas über das Evangelium zuerfahren und so ein eigenes Zeugnis zu erlangen. Wennihr zur Kirche geht, auf eure Eltern hört, betet, in denheiligen Schriften lest und die Gebote des himmlischenVaters haltet, seid ihr würdig, den Heiligen Geist zuspüren. So, wie er es mir und den Mitgliedern derKirche in Afrika bezeugt hat, wird er auch euch bestätigen,dass Präsident Hinckley ein Prophet Gottesist und dass die Kirche Jesu Christi der Heiligen derLetzten Tage wahr ist. ●Die PV-Kinder in Afrika lieben Präsident Hinckley undgeben von Herzen Zeugnis von ihm.KLEINER LIAHONA MÄRZ 2004 KL11


AUS DEM LEBEN VON PRÄSIDENT HEBER J. GRANTEin Ziel erreichenMutter, ich möchte micheiner Baseballmannschaftanschließen.Als Junge half Heber J.Grant seiner Mutterwischen, abwaschenund das Haus in Ordnunghalten. Er hattenie Sport getriebenwie die anderenJungen in seinemAlter.Wirf den Ball her, du Flasche!Am Anfang mussteHeber mit Jungenspielen, die viel jüngerwaren als er, weil er nichtsehr gut werfen konnte.Seine Mannschaftskameradenmachtensich über ihn lustig.Anstatt wütend zu werden, stecktesich Heber ein Ziel.Eines Tages werde ich in derMannschaft spielen, die dieMeisterschaft gewinnt.KL12ILLUSTRATIONEN VON MIKE EAGLE


Heber putzte Männerndie Schuhe, bis er genugGeld gespart hatte, umsich einen Baseballkaufen zu können.Ihr Sohn ist der faulste Jungeder ganzen Gemeinde. Ervergeudet seine Zeit damit, stundenlangeinen Ball gegen meineScheune zu werfen.Dann trainierte erjeden Tag, indem erden Baseball gegen dieScheune von BischofEdwin Woolley warf.Der Bischof machtesich Sorgen.Bischof, mein Sohntrainiert, um ein Zielerreichen zu können.Hebers Anstrengungzahlte sich letztlich aus.Er schloss sich einerMannschaft an, dieschließlich die Meisterschaftenvon Kalifornien,Colorado und Wyominggewann.Nach Bryant S. Hinckley,Heber J. Grant: Highlightsin the Life of a GreatLeader, 1951, Seite 37f.KLEINER LIAHONA MÄRZ 2004 KL13


Mary y Jane Jhört zu„Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kennesie und sie folgen mir.“ (Johannes 10:27.)MARY ANN SNOWBALLNach einer wahren Begebenheitschneller!“, riefen Mary JanesFreundinnen, als sie die Straße„Laufentlangliefen.„Ich komm ja schon, ich komm ja schon“, gabMary Jane zurück und bückte sich, um noch einenStein in die überfüllte Tasche ihrer hellblauenSchürze zu stecken.1846 war es für ein neunjähriges Mädchenin Wales aufregend, wenn Missionare derHeiligen der Letzten Tage in die Stadtkamen. Sie und ihre Freundinnenhatten viel Schlimmes über die „Mormonen“gehört. Diese Leute hatten esgewiss verdient, mit Steinen beworfenzu werden.Als die drei Mädchen um eine Eckeflitzten, hörten sie Musik. Eine kleine Menschenmengesang ein bekanntes Kirchenlied.Mary Jane konnte gut singen, alsostimmte sie mit ein, nachdem sie wiederzu Atem gekommen war. Sie kanntenicht den ganzen Text, doch es machteihr Spaß, die Melodie zu summen.Nach dem Singen folgteMary Jane dem Beispiel derMissionare und kniete zumBeten nieder. Ein Steinnach dem anderen fiel ausder Tasche ihrer Schürze.ILLUSTRATIONEN VON STEFANIE ESKANDERKL14


Nach dem Gebet hobMary Janes Freundin dieSteine auf. „Los, auf sie!“,sagte sie.„Nein“, antwortete Mary Janeleise. „Ich möchte hören, was siesagen.“Sie wandte ihren Blick denMissionaren zu und hörte aufmerksamzu. Einer von ihnenerzählte, dass ein Prophetnamens Joseph Smith denVater im Himmel und seinenSohn, Jesus Christus, in einemWald gesehen habe. Ein anderererklärte, warum wir aufdieser Erde geboren werden.Während Mary Jane zuhörte,machten sich ihre Freundinnendurch die Menge davon, umzu spielen. Nach der Anspracheder Missionare ging Mary Janelangsam nach Hause und dachteüber alles nach, was sie gehört hatte.Die Tage vergingen und Mary Jane hörte den Missionarenweiter zu. Ihr gefiel sehr, was sie über denhimmlischen Vater erfuhr. Ihre Mutter war nicht damiteinverstanden. Sie war so gegen die Lehren der Missionareeingestellt, dass sie manchmal Mary JanesKleidung versteckte oder ihr nichts zu essen gab, damitsie nicht weiter zur Kirche ging.Doch Mary Jane lernte das Evangelium immermehr lieben. Sie hatte gelernt, wie man betet, und ihreGebete um ein Zeugnis wurden beantwortet. Sie wolltesich taufen lassen. An einem kalten Abend im DezemberKLEINER LIAHONA MÄRZ 2004 KL15


wurde sie schließlich in einem vereisten Fluss getauft.Die Missionare mussten mit einer Axt ein Loch in dasEis schlagen. Körperlich fror Mary Jane an diesemAbend sehr, doch in ihrem Herzen war es warm. Sie„Der Herr vertraut seinen wahren Jüngern. Erschickt vorbereitete Menschen zu seinen vorbereitetenDienern. Sie haben genau wie ichschon erlebt, dass Sie Menschen begegnenund sich sicher sind, dass es keine zufälligeBegegnung war.“Elder Henry B. Eyring vom Kollegium der Zwölf Apostel,„Kind und Jünger sein“, Liahona, Mai 2003, Seite 31.wusste, dass sie die richtige Entscheidunggetroffen hatte.Sie war aber traurig, weil ihreMutter das wahre Evangeliumnicht erkennen wollte. JedenTag kniete Mary Jane zum Betennieder. Dabei sagte sie: „HimmlischerVater, ich bin so froh, Mitgliedder Kirche zu sein, doch ichmöchte, dass sich auch meineMutti taufen lässt. Bitte hilf ihr, dieBotschaft zu verstehen. Bitte lassetwas geschehen, was ihr hilft, dasEvangelium anzunehmen.“ DreiJahre lang betete Mary Jane fürihre Mutter. Sie gab die Hoffnungnie auf.Als Mary Jane 13 war, erkrankteihre Mutter schwer amFuß. Sie litt große Schmerzen.Eines Tages meinte Mary Janezu ihrer Mutter: „Warum kann ichnicht die Missionare kommenlassen, um dir einen Priestertumssegenzu geben?“ Weil ihr Fuß soschmerzte, willigte Mary JanesMutter schließlich ein. Die Missionaregaben der Mutter einen Segen und zuihrem Erstaunen verschwand der Schmerz in ihremFuß sofort. Mary Jane wusste, dass ihre Gebete erhörtworden waren.Kurz danach begann ihre Mutter, die Versammlungender Kirche zu besuchen. Es dauerte nicht lang, bis auchsie sich der Kirche anschloss. Mary Jane war so glücklichwie noch nie.Als Mary Jane 17 war, fuhren sie und ihre Muttermit der Jersey nach Amerika. Schließlich gelangten sienach Utah. Ihr ganzes Leben lang folgte Mary Jane demErretter, so wie sie es an einer Straßenecke in Walesgelernt hatte. Sie war immer dankbar, dass sie an jenemTag den Missionaren zugehört hatte. Vor allem war siefroh, dass sie mit neun Jahren beschlossen hatte, nichtmit den Steinen zu werfen, die aus ihrer hellblauenSchürze gefallen waren. ●Mary Ann Snowball gehört zur Gemeinde Little Valley 1 im PfahlSt. George Washington Fields, Utah.KL16


Kommt zum Haus des Herrn, Gemälde von Grant Romney Clawson„Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen die Völker. Viele Nationenmachen sich auf den Weg. Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs.“ (Micha 4:1,2.)


„Sämtliche heiligen Handlungen,die im Haus des Herrn stattfinden,sind ein Ausdruck unseresGlaubens an die wesentliche undgrundsätzliche Lehre, dass die Seeledes Menschen unsterblich ist. Wennwir unsere Bemühungen undunsere Glaubenstreue verdoppelnund in den Tempel gehen, wird derHerr uns segnen.“ Siehe „Schreibenvon der Ersten Präsidentschaft“,Seite 47; siehe auch PräsidentHoward W. Hunter, „Ein Volk, dasgern in den Tempel geht“, Seite 40.GERMAN4 02249 83150 424983 150 Mar 04

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