Ideale - Geschäftsbericht 2007 - Liechtensteinische Landesbank

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Ideale - Geschäftsbericht 2007 - Liechtensteinische Landesbank

146. Geschäftsbericht 20074erfahren1authentisch3persönlich


2frisch


1925 04.086profiliert5engagiert


Ideale7Ideale Erfolg baut auf Ideale, auf Werte, die man pflegt, kultiviertund weiterentwickelt. Diese dienen als Mass und Planungshilfe,als Trieb feder und Ideengeber. Sie markieren Ziele und sind gleichzeitigdie Weg zehrung dorthin. Unsere Werte und Ideale füllen wir jedenTag aufs Neue mit Leben. Und tauschen uns dabei gerne mit denen aus,die so sind wie wir, die so denken wie wir: authentisch, frisch,persönlich, erfahren, engagiert, profiliert.


Inhalt 11Ideale20 authentisch1 Claudia Fritsche, Botschafterin desFürstentums Liechtenstein in den USA24 frisch2 Hans-Peter Hussong, Inhaber undKüchenchef des Restau rants Wiesen grundmit 2 Michelin-Sternen in Uetikon am See78 persönlich3 Fred Mayer, Geschichtenerzähler mit derKamera und Herausgeber mehrerer Fotobändeaus Zürich82 erfahren4 Daniel Hasler, Fussballprofi beimFC Vaduz und Spieler der liechtensteinischenNationalmannschaft aus Gamprin162 engagiert5 Evelyne Bermann, Designerin und freieKunstschaffende aus Schaan166 profiliert6 Manu Melwani, berühmter Schneiderund Inhaber von Sam’s Tailors in Hongkong1 23 45 6


20IdealeIdeale_ authentischfrischpersönlicherfahrenengagiertprofiliert« Ich definiere mich über die Dinge, die ich gerne tueund über die Menschen, mit denen ich gerne zusammen bin. »


Claudia FritscheBotschafterin des Fürstentums Liechtenstein in den USA


authentischauthentisch Anders als die anderen. Reich an Reife und mit junger Geistes -haltung. Beweglich am Markt und berechenbar für unsere Partner. So tretenwir auf und so werden wir wahrgenommen: als zuverlässiger und anerkannterPartner, mit dem man zu jeder Zeit gemeinsame Lösungen erarbeiten kann.Eine Authentizität, die das Vertrauen in uns auf ein stabiles Fundament stelltund inzwischen auch zu unserem Markenzeichen zählt.1 23 45 6Im Gespräch mit:Claudia Fritsche, Jahrgang 1952,Botschafterin des FürstentumsLiechtenstein in den USAFrau Fritsche, Sie sind nun seit 17 Jahrenin den USA. Vermissen Sie Ihre Heimat? Natür -lich. Allerdings komme ich auch hin und wiedernach Hause, wenn es die Zeit erlaubt. Ausser -dem bekomme ich gelegentlich Besuch vonmei nen Freunden; die tragen dann ein kleinesStückchen unserer gemeinsamen Heimat zumir in die USA.Kompliment. Über so einen langen Zeit -raum und über Landesgrenzen hinweg ist esnicht einfach, Freundschaften zu pflegen. Dasist richtig, aber es geht. Meine Freunde sindmir wichtig; sie bedeuten mir viel. Darum wen -de ich auch gerne die nötige Zeit für sie auf.Das klingt, als hätten Sie davon reichlich?Ganz und gar nicht. Freie Zeit ist in meinemBeruf ein knappes Gut. Ich fühle mich oft selbstdann noch im Dienst, wenn ich es eigentlichnicht bin.Können Sie mir das etwas genauer erklären?Wenn ich beispielsweise morgens dieZei tung hole, die vor dem Haus liegt, danntue ich das nicht wie alle anderen im Morgenmantel. Ich ziehe mich ordentlich an, weilich daran denke, was das für einen Eindruckauf die Nach barn machen könnte, wenn siedie Bot schaf te rin im Morgenmantel sähen.Ist das eine Sache, die sich eher in IhremKopf abspielt als in dem Ihrer Nachbarn? Ja.Ginge ich allerdings im Morgenmantel, wäre eseine Sache, die sich im Kopf meiner Nachbarnab spie len würde, und genau das möchte ich javermeiden.Sie scheinen sich gerne Gedanken zumachen. Auch über das Alter? Ja, aber ausschliesslichpositive. Hier in den USA wird dasaber nicht immer verstanden.Können Sie ein Beispiel nennen? Ichge niesse das Älterwerden und spreche offenda rüber. Die Kultur, in der ich hier lebe, setztje doch alles daran, ewig jung zu bleiben. Dakassiere ich schon mal einen schrägen Blick.Wie würden Sie den Charakterzug be -schrei ben, der für Ihre offene Freude am Alternverantwortlich ist? Authentizität.Was noch macht Sie zu einer authentischenPerson? Manche Diplomaten definierensich über ihren Beruf. Ich ziehe es vor, mich überdie Dinge zu definieren, die ich gerne tue. Überdie Menschen, mit denen ich gerne zusammenbin, über meine Spontanität, Warmherzig -keit, Neugierde, über das Gefühl, nie zu vergessen,woher ich komme und wohin ich will.Mein Be ruf ist so gesehen eine Zwischenstation.Aber dennoch, Ihr Beruf. Lässt er Ihnenüberhaupt den nötigen Spielraum, in dem Masseauthentisch zu bleiben? Müssen Diplomatennicht eher Schauspieler sein? Das täuscht. Di plo -maten haben es mit verschiedensten Charak -


23teren und Kulturen zu tun. Sie sollten sich alsozurückhalten und beherrschen können. Dasbe deutet nicht, dass sie sich verbiegen müssen.Welches waren in Ihrer bisherigen Berufs -laufbahn die aufregendsten und interessantes -ten menschlichen Begegnungen? MadeleineAl bright zum Beispiel. Mit ihr bin ich bis heutebe freundet und sehe sie regelmässig in Was hington.Kofi Annan lernte ich kennen, bevor erGeneralsekretär der Vereinten Nationen wurde.Seine Frau ist zwar ausgebildete Rechtsan -wäl tin, wirkte in New York jedoch als engagierteMalerin. Ihre Bilder gefielen mir sehr gut.Einmal fuhren wir gemeinsam mit Kofi Annanzu ihrem Atelier und ich kaufte ein Bild. Das waretwa ein halbes Jahr, bevor er Generalsekretärwurde. Später trafen wir ihn auf einem Konzertund mein damaliger Mann sagte zu ihm: « Gut,dass wir gekauft haben. Die Preise für die BilderIhrer Frau werden nun sicherlich bald steigen.»Vom Beruf zur Freizeit: Bei welcher Tätig -keit entspannen Sie? Beim Nichtstun.Wie muss ich mir Nichtstun vorstellen? MitNichtstun meine ich wohnen. Ich wohne einfach.Sie wohnen? Ja, ich bin einfach zu Hause.Ich muss mich nicht unterhalten, sondern kanndie normalen Dinge tun, die jeder so macht:aufräumen, umräumen, faul sein. Einen ganzenTag lang so verbringen zu können, hat für micheinen enormen Erholungswert.Das klingt fast so, als würden Sie andereum de ren Freizeitgestaltung beneiden, währenddie se Sie um pompöse Empfänge und grosseAu tos mit Chauffeur beneiden? Zu den meistenAnläs sen fahre ich mit meinem VW Käfer Cabriodurch Washington – selber.Eine im Sinne des Wortes recht « un-diplomatische» Lösung, oder? Eine einfache undpragmatische – so wie ich sie mag.Sie erleben viel. Sie müssen aber auch vielgeben und können wenige Pausen machen. Gabes schon Tage, an denen Sie aufgewacht sindund bedauert haben, keinen anderen Beruferlernt zu haben? Nein! Niemals. Mein Beruf istdas Beste, was ich mir hätte wünschen können.Sie repräsentieren das kleine Land Liech -ten stein in dem grossen Land USA. Wie werdenSie in Amerika wahrgenommen? Man begegnetuns mit Neugierde, Fairness und Erstaunen.Erstaunen? Viele Menschen wissen nurwenig oder gar nichts über Liechtenstein undsind dann erstaunt, wenn ich ihnen erzähle,dass wir eine hoch entwickelte Industrie haben,die sogar höhere Staatseinnahmen generiert alsder Finanzdienstleistungssektor. Wenn siehören, dass wir zu den 30'000 Arbeitsplätzen inLiechtenstein weitere 30'000 im Ausland ge -schaffen haben, sind sie erstaunt darüber, dassein Land mit 35'000 Einwohnern weltweit60'000 Menschen beschäftigt.Mich erstaunt immer wieder, wie schnelldie Zeit vergeht. Ich bedanke mich für diesesGespräch. Ich danke.


24IdealeIdealeauthentisch_ frischpersönlicherfahrenengagiertprofiliert« Ich brauche geistige Frische um mich herum,neue Ideen und Gedanken sowie Menschen,die sich dem nicht verschliessen. »


Hans-Peter HussongInhaber und Küchenchef desRestaurants Wiesengrund mit 2 Michelin-Sternen


frischfrisch Offen für innovative Ideen, Vitalität atmen und belebend agieren.Neue Moden und Technologien lassen gerade noch Aktuelles schnell altern,definieren neue Herausforderungen und bieten neue Chancen. Innerhalbdieser Rahmen bedingungen kultivieren wir eine maximale Frische in unseremDenken, in unseren Strategien und Produkten. Nicht zuletzt durch die Art,wie wir anderen gegenüber auftreten.1 23 45 6Im Gespräch mit:Hans-Peter Hussong, Jahrgang 1955,GaultMillau-Koch des Jahres 2000,Inhaber und Küchenchef des Restau -rants Wiesen grund mit 2 Michelin-Sternen in Uetikon am SeeWer kocht bei Ihnen zu Hause? Meine Frau.Schmeckt’s Ihnen? Meine Kinder sagen so -gar, sie koche besser als ich.Trotzdem hat sie zwei Michelin-Sterne wenigerals Sie. Das liegt daran, dass Michelin dieSterne vergibt und nicht meine Kinder. Und esliegt daran, dass meine Frau genau das kocht,was meine Kinder sich wünschen.Kann man Sie denn hin und wieder auch mitPommes oder Hamburgern locken? Überhauptnicht! Die grossen Fast-Food-Ketten habe ichbisher nur von aussen gesehen.Hamburger sind also der kulinarische Super -gau für Sie? Ja, es sei denn, sie sind mit ordent -lichem Fleisch, vernünftigem Brot, frischenZutaten – Kräutern, Zwiebeln und Knoblauch –gemacht. Ohne frische Produkte kein frischesEssen, ohne perfekte Produkte kein perfektesEssen.Wo holen Sie sich die Inspiration für perfektesEssen? Wer sein Metier liebt, marschiert mitoffenen Augen durch die Welt. Ich blättere ger nein Kochbüchern, schaue gerne Doku men ta -tionen im Fernsehen, recherchiere im Internet.Wenn ich interessante Geschäfte sehe, gehe ichrein und kaufe ein paar Sachen zum Probieren.Frische ist in Ihrer Küche von entscheidenderBedeutung. Spielt sie auch in anderen BereichenIhres Lebens eine Rolle? Ja, sehr sogar. Ich brauchegeistige Frische um mich herum, neueIdeen und Gedanken sowie Menschen, die sichdem nicht verschliessen. Hin und wieder treffeich mich mit Freunden, die nicht aus meinerBranche sind. Wir gehen dann was essen, tauschenuns aus und diskutieren über die verschiedensten Dinge. Auch diese Art von Frischeist mir sehr wichtig.Wie steht der Sternekoch zu den « jungenWilden » aus der Fernsehküche? Frische Ideen oderfader Aufguss? Ein paar von denen machen ihreSache nicht schlecht. Der Grossteil dieser sogenanntenSpitzenköche macht jedoch nichtsanderes, als alte Rezepte neu zu präsentieren.Manchmal ist die Präsentation o.k. und manchmalvoll daneben. Neulich habe ich eine Sen -dung gesehen, da wurde dem Moderator weisserTrüffel direkt in den Mund geraspelt; die Hälftefiel daneben. Das ist niveaulos und dekadent.Hatten Sie schon mal Prominenz in IhremRestaurant? Öfter. Aber es kommt vor, dass ichsie gar nicht erkenne. Weder meine Frau nochich haben für prominente Gesichter ein übermässiggut geübtes Auge. Zudem sehen vielenatürlich live anders aus als im Fernsehen oderin Illustrierten.


27Gibt es eine bestimmte Person, die Sie gernemal bei sich zu Gast hätten? Generell eigentlichfast jeden. Aber wenn Sie mich so fragen:am liebsten mich selber. So manches Mal, wennwir was aus der Küche geben, denke ich mir:Mensch, da würde ich mich jetzt gerne selberan den Tisch setzen und das essen.Was hat Ihnen als Teenager eigentlich Appe -tit auf die Schweiz gemacht? Ich wollte nur malsehen, wie es hier so ist. Es war nicht geplant,dass ich bleibe.Das ist nun 36 Jahre her. Sie haben irgendwannaufgehört, nach Alternativen zu suchen?Die Schweiz hat mir so gut gefallen, dass ichkein Bedürfnis mehr nach Alternativen hatte.Gab es für Sie eigentlich beruflich jemalsAlterna tiven? Was hätten Sie gemacht, wenn Sienicht Koch gelernt hätten? Diese Frage habe ichmir selber nie gestellt, musste sie also auchnoch nie beantworten. Ich war immer mit Leibund Seele Koch und bin es auch heute noch.Ist es etwas Besonderes, diesen Beruf in derSchweiz auszuüben? Dieser Beruf macht überallSpass. Ich fühle mich jedoch in der Schweiz sehrwohl, geniesse die wunderschöne Landschaftund das höfliche und angenehme Wesen derMenschen hier.Ist es höflicher und angenehmer, als Sie esaus Ihrer Heimat Deutschland kennen? SolcheFragen sind problematisch. Was für den einendirekt ist, empfindet der andere als unhöflich.Was für den einen höflich ist, nimmt der Näch stewiederum als langweilig oder schwammig wahr.Ich denke, man ist gut beraten, wenn man sichan der Kultur orientiert, in der man sich aufhält.Können Sie Ihr Beispiel konkretisieren? Ja.Als ich noch neu hier war, habe ich ein Bier sobe stellt, wie ich es aus meiner Heimat kannte:« Machste mir mal ein Bier! » Die Bedienunghat später gemeint, ich sei ein sehr unhöflicherMensch. Dass man hier in der Wirtschaft höflichum ein Bier bittet, war mir damals neu. Dasist der Punkt. Ich war damals kein unhöflicherMensch, sondern ein schlecht informierter.Ich nehme an, das hat sich inzwischen geändert.Ja. 36 Jahre Schweiz sind nicht spurlos anmir vorübergegangen.Das merkt man. Ich hatte fast das Gefühl,mit einem echten Schweizer zu sprechen. Oh, danke.Nein, ich habe zu danken. O.k., bitte.


78IdealeIdealeauthentischfrisch_ persönlicherfahrenengagiertprofiliert« Jeder ist für sich, sein Leben und seine Taten persönlich verantwortlich. »


Fred MayerGeschichtenerzähler mit der Kameraund Herausgeber mehrerer Fotobände


persönlichpersönlich Vor Ort sein, wo man gebraucht wird. Verantwortung übernehmenfür Kunden sowie im Umgang mit Risiken und Ressourcen. All diesist nicht allein Bestandteil einer Philosophie, sondern Voraussetzung füreine Bank, welche die Nähe ihrer Kunden sucht. So gelten wir als eine in hohemMasse persönliche Bank und mehren nicht nur das Vermögen, sondern auchdas Vertrauen unserer Kunden.1 23 45 6Im Gespräch mit:Fred Mayer, Jahrgang 1933,Geschichten erzähler mit der Kameraund Herausgeber mehrerer Foto -bände aus ZürichIhre Bilder sind um die Welt gegangen undwesentlich berühmter geworden als Sie selbst.Zum Glück!Wie waren die Anfänge? Wie sind Sie Foto -graf geworden? Ein Kamerad aus dem Ruderclubhat erzählt, dass man als Fotograf haufenweiseschöne Mädchen trifft.War das die damals übliche Art, sich seinenBeruf auszuwählen? Nein, aber sie passte zu meinemAnspruch, anders zu sein als die anderen.War es zur damaligen Zeit nicht verbreitet,dass die Eltern sich in die Berufswahl einmischten?Jeder ist für sich, sein Leben und seine Tatenpersönlich verantwortlich. Dieser Meinung warauch mein Vater und liess uns machen.Mussten Sie über Ihre Berufsentscheidunglange nachdenken? Nein. Ich habe meine Ent -schei dungen immer schnell und aus dem Bauchheraus getroffen. Geht auch nicht anders. ImKopf habe ich nicht viel. Und im Herzen ist mittlerweileeine Kunstklappe drin. Bleibt also nurder Bauch.Sie waren 40 Jahre mit der FotoagenturMag num liiert? Liiert, nicht verheiratet. Ich habefür und mit Magnum gearbeitet, aber nichtals Vollmitglied. Wer mit Magnum verheiratetist, muss extrem viel Zeit aufwenden, umpräsent zu sein. Ich musste mich entscheiden:ein schönes glückliches Leben mit der Familiein Zürich, oder als Fotograf in New York. Ichentschied mich für das schöne Leben. Die drittbesteEnt scheidung meines Lebens.Was waren die zweitbeste und die beste? Diebeste war, meine Frau zu heiraten. Die zweit -beste, meine Tochter zu zeugen.Wie würden Sie die Person Fred Mayer be -schreiben? Welchen Mayer meinen Sie denn?Wie viele gibt es denn? Zwei. Den privatenMayer und den Fotografen. Wenn ich fotografiere,bin ich ein anderer Mensch – sehr, sehrkonsequent und stur. Manchmal schaut dereine Mayer dem anderen zu und denkt sich: wasfür ein verrückter Kerl in einer verrückten Welt.Was sind die verrückten Momente in dieserWelt? In Sibirien mit Einheimischen Walrossejagen gehen mit Booten, die nur aus dem Fellder Tiere bestehen; Jäger begleiten, die Tigermit den Händen fangen. Einmal habe ich in derrussisch-orthodoxen Kirche die Osterprozessionfotografiert. Ich kniete vorne auf dem Boden.Da kam der Metropolit, murmelte seine Ge -sänge und tauchte sein Wedel ins Weihwasser.Dann plötzlich sang er « Objektivo, Objektivo… »und schaute mich eindringlich an. Zum Glückhabe ich rechtzeitig begriffen, dass er meinte,ich solle mein Objektiv vor dem Weihwasserschützen.Religion ist immer wieder Thema Ihrer Arbeit?Das stimmt. Ich habe in Israel foto grafiert, in


81Russland und auch lange Jahre im Vatikan. Ichhatte sogar eine Audienz bei Papst Wojtyla, dermein Buch über den Vatikan lobte und michzum Weitermachen anhielt. Davon will PapstRatzinger jetzt aber leider nichts wissen.Haben Sie Vorbilder? Nein.Sind Sie anderen ein Vorbild? Das weissich nicht. Aber ich möchte keines sein.Ihr Enkel Tim Oliver hat eine Fotografenlehreabgebrochen, um nun Automechaniker zu lernen.Hätten Sie sich gewünscht – ausnahmsweise –, erhätte seinen Grossvater zum Vorbild genommen?Nein. Es ist sein Leben und seine persönlicheEntscheidung.Hat das den fotografierenden Mayer in Ihnennicht wütend gemacht? Nein. Und den privatenMayer auch nicht.Was könnte den privaten Mayer wütendmachen? Politik zum Beispiel.Wieso? Die Politik schreit nach Demokra -tie. Aber über die wichtigsten Sachen kanndas Volk nicht abstimmen. Die Welt wird vonetwa 50 Leuten dirigiert. Das ist wie bei einemAuto rennen: Drei haben die guten Autos unddie anderen sind die Pausenfüller.Es heisst über Sie, Sie müssten mindestens100 Jahre alt werden, um noch alles zu tun, wasSie sich vorgenommen haben. Welches sind Ihregrössten Vorhaben? Da wäre in der Tat noch einiges,was ich gerne machen würde. Ich würdegerne das neue russische Spaceprogramm fotografieren.Da gehen jetzt Dinge, die früher nichtmöglich waren, wie beispielsweise die offizielleZusammenarbeit von Amerikanern und Russen.Aber auch in den USA wartet Spannendesauf mich. Je nachdem, wie die Präsidentschafts -wah len ausgehen, könnten dem Land nochgros se Veränderungen ins Haus stehen. Jeru sa -lem wäre ein weiteres Thema. Dort gibt eseinen Rabbiner, der sich ausschliesslich damitbeschäftigt, die moderne Technik für das orthodoxeJudentum so zu nutzen, dass die Verboteder Halacha umgangen werden können. Er hatden koscheren Stromschalter erfunden, Tinte,die wieder verschwindet, und ist Autor von vielbeachteten Büchern wie « Sabbat und Elektrizi -tät » oder « Gebote beachten im Weltraum ». Denmuss ich unbedingt kennenlernen.Klingt so, als würde Sie ein ruhiges Pen sio -närs leben nicht reizen? Wäre mir das vorprogrammierte Nichtstun wichtig, wäre ich Eisen -bahner oder Postbeamter geworden. Ich denkehöchstens an das Pensionistendasein anderer.Das müssten Sie mir noch kurz erklären.Ichinteressiere mich für die Menschen, die früherganz wichtig waren und die Welt gelenkt haben,von denen man aber jetzt nichts mehr hört.Ich würde gerne sehen, wie sie leben, was siemachen, was sie denken und wie sie ihre Tageverbringen.Bei all diesen Sachen wünsche ich Ihnenalles Gute und viel Vergnügen – und bedanke michrecht herzlich für dieses Gespräch. Bitte, gerne.


82IdealeIdealeauthentischfrischpersönlich_ erfahrenengagiertprofiliert« Viele Erfahrungen sind wichtig.Aber eine Lehre, die ganz besonders tief sitzt,ist die: Immer einmal mehr aufstehen,als man hinfällt. »


Daniel HaslerFussballprofi beim FC Vaduz undSpieler der liechtensteinischen Nationalmannschaft


erfahrenerfahren Know-how, Inspiration, strukturiertes Vorgehen, Integrität undSeriosität. Seit nunmehr fast 150 Jahren überzeugen wir nicht nur durch glaubwürdigeIdeale, sondern auch durch junges Denken und gewachsene Erfahrung.Aus dieser Tradition heraus arbeiten wir produktiv und wirtschaftlich undschaffen Sicherheit sowie Stabilität: Stärken, mit denen wir unsere Aktionäre,Kunden, Geschäftspartner und Investoren weltweit überzeugen.1 23 45 6Im Gespräch mit:Daniel Hasler, Jahrgang 1974,Fussballprofi beim FC Vaduz undSpieler der liechtensteinischenNationalmannschaft aus GamprinHerr Hasler, Sie haben gerade Urlaub?Korrekt.Vielen Dank, dass Sie dennoch für einInterview bereitstehen. Achtung, fertig, los!Gehen wir also in die Offensive. Sind Sieals Fussballer eher der impulsive oder der vorausschauendeTyp? Beruflich bin ich auf jedenFall vorausschauend – nicht nur auf dem Fuss -ballplatz. Als Profifussballer sollte man schliesslichschon in recht jungen Jahren über seineweitere Zukunft nachgedacht haben.Und? Haben Sie? Ja. Für mich wäre es eineklare Option, meine Erfahrungen später alsTrainer an junge aufstrebende Fussballer weiterzugeben.Sie würden sich also als erfahren bezeichnen?Wer nach langen Jahren im Profifussballnicht ausreichend viele Erfahrungen gesammelthat, muss noch dümmer sein, als es das weitverbreiteteVorurteil Fussballern gegenüberglau ben machen will.Zu diesen scheinen Sie nicht zu zählen.Was ist die wichtigste Erfahrung, die Sie durchden Fussball gewinnen konnten? Viele Erfah -rungen sind wichtig. Aber eine Lehre, die ganzbesonders tief sitzt, ist die: Immer einmal mehraufstehen, als man hinfällt.Wann haben Sie zum ersten Mal realisiert,dass Sie über einen gewissen Erfahrungsschatzverfügen? Das ist sehr schwer zu sagen. Manmerkt es spätestens dann, wenn man körperlichseine beste Zeit hinter sich hat und diese Defizi te durch Erfahrung ausgleichen kann. Dasgeht meistens so ab dreissig los.Die liechtensteinische Nationalelf hatnicht jenen Weltruf, den man Frankreich, Brasi -lien oder auch Deutschland zuschreibt. Wiespielt es sich in einer weniger bekannten Mann -schaft wie der liechtensteinischen? Für michist es eine grosse Ehre. Durch unser Land könnenSie in 20 Minuten durchfahren. Wir habenviel weniger fussballerisches Potenzial alsandere und dennoch spielen wir mit Teams wiePor tu gal, Island oder England auf gleicherAugen höhe.Welches sind die bekanntesten Fussballer,die Sie schon gefoult haben? Bierhoff zum Bei -spiel, Michael Owen, Ronaldo – es gibt daschon einige.Haben Sie schon mal mit einem Fussball -weltstar ein Bier getrunken? Nein. Im Allge mei -nen trifft man sich eigentlich nur zu den grossenTurnieren. Und da wird Fussball ge spielt,nicht Bier getrunken. Ausserhalb des Spielfeldes


85trifft man sich leider selten bis gar nicht.Sie sind gelernter Zimmermann. Wannhaben Sie zuletzt richtig angepackt? Das warvor sieben Jahren.Da waren Sie schon Profi. Hatten Sieeinen Zweitjob? Könnte man so sehen. Vor siebenJahren habe ich mein Haus gebaut und alles,was ich konnte, selber gemacht.Was konnten Sie denn? Den Dachstuhl,die Holzdecken, den Parkett und die Holz treppe.Treppen gehören zu den richtig kompliziertenArbeiten, heisst es. Haben Sie eine Fertig -treppe verbaut oder individuell gezimmert? Ausden Holzstämmen habe ich bis zur fertig eingebautenTreppe alles selber gemacht.Sitzt da jeder Handgriff oder geht auchmal etwas schief? Natürlich geht auch mal wasdaneben.Macht Sie so was wütend? Nein. Zu jedemgrossen Erfolg gehören auch kleine Misserfolge.Was macht Sie denn wütend? Lügen. Undauch Dummheit.Wann sind Sie das letzte Mal angelogenworden? Wahrscheinlich heute. Aber ich hab’snicht gemerkt.Ich war’s nicht. Wie auch – Sie stellen janur Fragen.Welche Art von Dummheit kann Sie erzürnen?Im Fussball finden sich immer wiederMenschen, die viel Geld und wenig Ahnunghaben. Das kann dann dazu führen, dass nichtnur Geld die Welt regiert, sondern eben auch dieDummheit.Hatten Sie als Kind oder als JugendlicherIdole? Thomas « Icke » Hässler. Von klein aufbis heute.Hässler – Hasler. Eine gewisse Ähnlich -keit. Was genau fasziniert Sie denn so an ihm?Er ist ein begnadeter Fussballer, ein absoluterStar, der sich jedoch nie wie ein Star benommenhat und im Gegensatz zu vielen anderen Fuss -ballkollegen normal geblieben ist.Haben Sie Hässler jemals live getroffen?Oh ja. Wir haben in Freiburg gegen Deutschlandgespielt. Eigentlich gehöre ich nicht zu denSpielern, die nach dem Spiel Trikots tauschen;lieber nehme ich mein Trikot und beschenkeein Kind. Aber als Thomas Hässler kam, habe ichihm erzählt, mein Sohn sei sein grösster Fan.Daraufhin habe ich sein Trikot bekommen. Daseigentlich glückliche Kind war in Wirklichkeitaber ich.Nun, heute bin ich das glückliche Kind.Sind Sie mein Fan?Noch nicht. Aber wir haben ein gutesGespräch geführt, obwohl ich keine Ahnung vonFussball habe. Das macht mich glücklich. Fürdieses Gespräch also danke. Bitte.


162IdealeIdealeauthentischfrischpersönlicherfahren_ engagiertprofiliert« Ich habe mich für Frauenrechte stark gemachtund mich für eine Reihe von Gleichstellungsgesetzen engagiert. »


Evelyne BermannDesignerin und freie Kunstschaffen de


engagiertengagiert Seit Jahrzehnten gehören wir zu den impulsgebenden Dienstleisternder Region. Wir engagieren uns überdurchschnittlich und bieten mehr, alsman von uns erwartet. Wir schaffen Vertrauen durch Spitzenleistung und stiftenin jeder Beziehung Nutzen. Da wir uns mit dem Land und seinen Menschen ver -bunden fühlen, gestalten wir nicht nur Finanzdienstleistungen, sondern engagierenuns auch im kulturellen, sozialen und ökologischen Bereich sowie im Sport.1 23 45 6Im Gespräch mit:Evelyne Bermann, Jahrgang 1950,Designerin und freie Kunstschaffendeaus SchaanFrau Bermann,Sie kommen aus demGrafik design, schaffen Kunst aus Acrylglas undmit Feueremail. Sie scheinen ein Multitalent zusein? Wäre ich gerne, aber ich bin recht vielseitig.Was sind denn Ihre Stärken? Sprache zumBeispiel und eine ganze Menge Erlerntes.Verraten Sie mir mehr? Ich habe eine sehrumfangreiche und breit angelegte Ausbildunggenossen, die sich von der Buchgestaltung überSignete bis hin zur Fotografie erstreckte. Wäh -rend meiner Wanderjahre lernte ich viele Be -reiche der Gestaltung kennen. Nie als radikalenBruch, sondern als stetige Weiterentwicklung.Wanderjahre? Waren die damals in IhremBeruf üblich? Ich nenne diese Zeit einfach so.Für mich war klar, dass ich etwas von der Weltsehen wollte. Und bei aller Liebe zu Liechten -stein: Auch heute würde ich noch in die Ver fas -sung schreiben, dass jeder junge Mensch imAusland gearbeitet haben muss.Interessanter Gedanke. Und wenn Sie denbegründen müssten? Kein Problem. Die jungenMenschen hier können nicht früh genug erlebenund erfahren, dass der Wohlstand in unseremLand nicht selbstverständlich ist. Ausserdemsollte sich jeder und jede einmal ausserhalbvon Familien- oder regionalen Zugehörigkeiteneinfach nur als sich selbst erleben. Das übt dieBescheidenheit.Wie sieht es in der Acrylglaskunst mitIhren handwerklichen Fähigkeiten aus? Hoffent -lich nicht bescheiden? Hier ist ausdrücklich Pro -fessionalität gefordert. Vom Entwurf bis hin zurhandwerklichen Ausführung meiner Objektemache ich alles selber: sägen, schleifen, polieren,kleben, reinigen. Und das alles ohne Computer.Ohne Computer? Ja. Wie unsere Vor fah -ren. Die konnten das auch.Hat Ihre Kunst eine Botschaft? Sie solldas Auge erfreuen und den Geist anregen. Abersie bietet auch einen weiteren Aspekt. MeineObjekte erschliessen sich dem Betrachter nurlangsam und aus jeder Perspektive wieder neu.Also lautet die Botschaft: « Immer mit derRuhe »? Meine Kunst regt zum genauen Schauenund zur Langsamkeit an. Nur wer aus allenPer spektiven schaut, kann alle Seiten kennenlernen.Wie im richtigen Leben.Politische Botschaften gibt es in IhrerKunst also nicht? Dazu brauche ich keine Kunst.Politische Aussagen habe ich schon immerunmissverständlich formuliert, wenn ich es fürnötig hielt.War das in der Vergangenheit oft der Fall?Zumindest regelmässig. Als ich von meinenWan derjahren nach Liechtenstein zurückkehrte,


165habe ich mich gemeinsam mit anderen für dasFrauenstimmrecht eingesetzt. Ich gehöre zu je -nen, welche die 68er-Jahre an ausländischen Uni -versitäten verbracht haben und somit ge wohntsind, Kritik klar und deutlich zu formulieren.Wofür haben Sie sich noch engagiert? BisMitte der 90er-Jahre habe ich mich generell fürFrauenrechte stark gemacht und mich für eineReihe von Gleichstellungsgesetzen engagiert.In den letzten zehn Jahren wandte ich meineAufmerksamkeit eher künstlerischen und kulturellenThemen zu.Was würden Sie in Liechtenstein gerneändern? Ich würde weniger Geld für Repräsen -ta tion ausgeben und mehr für Kultur.Ein Seitenhieb? Natürlich. Allerdingsnicht an die Adresse der LLB. Denn die Landes -bank engagiert sich sehr stark für das kulturelleSchaffen im Lande.Kultur scheint Ihnen ein wichtiges An lie -gen? Kultur ist, was bleibt. Wenn Sie sich heutealte Schlösser und Burgen anschauen, sehenSie nicht mehr viel von dem, was dort einst politischgeschah. Die kulturellen Werte jedochbleiben.Gibt es in Ihrem Leben ein Ideal, das fürIhren Beruf von entscheidender Bedeutung ist?Viele. Aber ich beschränke mich auf drei: Mir istwichtig, dass die Gedanken gradlinig sind, dassmeine Werke authentisch daherkommen undprofessionell verarbeitet sind.Von Gourmets und Restaurantkritikernerzählt man sich, dass sie nach getaner Arbeitgerne hinten in der Küche sitzen und sichzum Aus gleich mal ein einfaches Leberwurstbrotgönnen. Was « gönnen » Sie sich als ein -faches Gegengewicht zu Ihrem künstlerischenSchaffen? Den handwerklichen Prozess, mitdem ich aus Ideen und Entwürfen handfesteKunst schaffe.Ich danke Ihnen für das Gespräch. Schonvorbei? Sie haben mich ja gar nicht gefragt,was mich stört, abstösst oder wütend macht.Vielleicht fürchte ich die Antwort. Egal.Was macht Sie wütend? Ungerechtigkeit imAllgemeinen und im Speziellen die Ausbeutungvon Menschen, Tieren oder der Natur.Danke für diese Antwort und auch nochmalsfür das Gespräch.


166IdealeIdealeauthentischfrischpersönlicherfahrenengagiert_ profiliert« Ich höre meinen Kunden zu. Und zwar sehr, sehr genau.»


Manu MelwaniBerühmter Schneider und Inhaber von Sam’s Tailors in Hongkong


profiliertprofiliert Exakte Konzepte. Fundiertes Know-how. Genaues Arbeiten. AusgeprägteKundennähe und massgeschneiderte Produkte. Um unter den Gutenzu den Besten zu gehören, muss man auch als Bank Überdurchschnittlichesleisten. Darauf beruht unser Denken. Unser Handeln. Und unsere weltweit guteReputation, der wir jeden Tag von Neuem gerecht werden.1 23 45 6Im Gespräch mit:Manu Melwani, Jahrgang 1947,berühmter Schneider und Inhabervon Sam’s Tailors in HongkongEs heisst, ein guter Schneider muss vielüber seine Kunden wissen. Was gehört ausser denMassen noch zu diesem Wissen? Er muss ihreVorlieben kennen, den Stil, den sie bevorzugen,aber auch ihre Abneigungen.Was muss ein guter Schneider können, aus -ser seinem Handwerk? Er muss gut zuhören undgenauso gut verstehen können. Und: Er mussin der Lage sein, dieses Wissen in einen Anzugumzusetzen. Damit der Kunde genau das be -kommt, was er bestellt hat. Be kommt er etwasanderes, hätte er auch von der Stange kaufenkönnen.Mal abgesehen von der Passgenauigkeit:Worin unterscheiden sich ein guter Anzugvon der Stange und ein geschneiderter? Garnicht. Beide haben Ärmel und Hosenbeine –meist zwei Stück.Wie bitte? Ich habe nur Spass gemacht.Ein massgeschneiderter Anzug ist das, was Siegewählt haben. Und zwar genau das. Er ent -spricht zu 100 Prozent Ihren Wünschen und Vor -stel lungen.Erkennen Sie Ihre Anzüge manchmal aufTitel blättern von Zeitschriften wieder? Natür -lich. Nicht nur auf Titelblättern, sondern zumBeispiel auch auf Partys. Ich kann Ihnen ge nausagen, welche Anzüge von mir und welchevon anderen Schneidern kommen. Welche vonder Stange, welche schlecht oder welche garbeides sind.Gibt es klare Merkmale, die Ihre Arbeit aus -zeichnen? Natürlich. Meine eigenen Schnitte,mein eigener Stil.Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?Was macht Sie besser als andere top-Schneider?Ich höre meinen Kunden zu. Und zwar sehr,sehr genau.War es für Sie klar, dass Sie den BerufIhres Vaters erlernen? Oder haben Sie auch mitanderen Berufen geliebäugelt? Nein, es ist nichtautomatisch klar. Ich musste sehr lange darüber nachdenken, ob es das ist, was ich will.Ich wusste: Wenn ich mich für diesen Wegentscheide, muss ich sieben Jahre lang lernenund zuhören, bevor ich mit der eigent lichenArbeit beginnen kann. Anfänglich überlegteich auch, An walt zu werden.Sie haben mit vielen berühmten Leutenzu tun. Haben Sie Ehrfurcht vor der Prominenzoder nur vor der Persönlichkeit des Einzelnen?Auch meine prominenten Kunden zahlen michnicht für Ehrfurcht, sondern für gute Anzüge.Abgesehen davon verdient jedes menschlicheWesen Ehrfurcht.


169Kleider machen Leute, sagt man. TeilenSie diese Ansicht? Auf jeden Fall. Die Kleider hel -fen dem, der sie trägt, als das erkannt zu werden,was er ist. Und sie helfen den Be obachtern,die Be obachteten besser einordnen zu können.Warum spielt Kleidung Ihrer Meinung nacheine derart wichtige Rolle? Wer sich im Busi nesspräsentieren will oder muss, weiss, wovon ichspreche. Ein Geschäftsabschluss wird Ihnen ineinem guten Anzug einfach besser gelingen alsin Freizeitkleidung.Ihr Sohn Roshan hat zunächst in der IT-Branche Karriere gemacht, nun aber Tastaturgegen Nadel und Faden getauscht. Ist dieseWendung Ihrer Überredungskunst zu verdanken?Nein. Er hat sich von allein dazu entschieden,das Geschäft seines Grossvaters in Zukunftweiterzuführen.Man liest über Sie, dass Sie Ihre Schneiderjahrelang Knopflöcher nähen lassen, bevor Siesie mehr machen lassen. Konnte sich Roshanschneller hocharbeiten? Im Gegenteil. Er durchläuftdiese Phase recht langsam.Wie wäre es mit Sam’s Tailors weitergegangen,wenn Roshan bei seinen Computernge blieben wäre? Das weiss ich nicht. Glück -licher weise müssen wir uns mit dieser Frageaber nicht auseinandersetzen und könnenuns auf das eigentlich Wichtige konzentrieren:unsere Kunden.Wie verbringen Sie Ihre Freizeit? Ichverbringe sie mit meiner Frau und nutze sie,um mich zu erholen.Wird man Sie jemals auf der Strasse inFreizeitkleidung antreffen? Ja.Trugen Sie in Ihrem Leben mehr Anzügeoder mehr Freizeit kleidung? Eindeutig mehrAnzüge.Was hatte das in Ihrem Leben für Aus -wirkungen? Zum einen hat es natürlich erheblicheAuswirkungen auf meinen Anzugver -schleiss. Zum anderen muss ich zugeben, dassich mich nackt fühle, wenn ich meine Anzügenicht in der Nähe habe.Mit einem 8-Stunden-Tag kommen Siesicher nicht aus, oder? Doch, doch.Diese Antwort zeigt, dass Sie gut imZeitsparen sind. Werden Sie es mit dieserBegabung schaffen, rechtzeitig in den Ruhe -stand zu gehen? Ich bin schon seit Jahren imRuhestand.Wenn das so ist, will ich Ihnen keinewertvolle Ruhestandszeit mehr stehlen undbedanke mich herzlich für das Gespräch.Bitte, sehr gerne.

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