Download program - Münchner Philharmoniker

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Gustavo DudamelMittwoch, 23. Oktober 2013, 20 UhrDonnerstag, 24. Oktober 2013, 20 UhrFreitag, 25. Oktober 2013, 20 Uhrmphil.de


Großer Applausfür ein feines Brillanten-Trio!Feine Ringe in 750/– Weiß-, bzw. Roségold:...mit 82 Brillanten, weiß-si, zus. 0,94 ct., 3.390,–...mit 82 Brillanten, naturbraun-si, zus. 1,00 ct., 2.590,–...mit 82 schwarzen Brillanten, zus. 1,00 ct., 2.390,–


Gustav MahlerSymphonie Nr. 7in fünf Sätzenfür großes Orchester1. Langsam (Adagio) –Allegro risoluto, ma non troppo2. Nachtmusik I:Allegro moderato3. Scherzo:Schattenhaft (Fließend, aber nicht schnell)4. Nachtmusik II:Andante amoroso5. Rondo-Finale:Allegro ordinario – Allegro moderato, ma energicoGustavo Dudamel, DirigentMittwoch, 23. Oktober 2013, 20 Uhr1. Abonnementkonzert aDonnerstag, 24. Oktober 2013, 20 UhrSonderkonzert der Freunde und FördererFreitag, 25. Oktober 2013, 20 Uhr2. Abonnementkonzert cSpielzeit 2013/2014116. Spielzeit seit der Gründung 1893Lorin Maazel, ChefdirigentPaul Müller, Intendant


2 Gustav Mahler: 7. Symphonie„Aus tausend Stimmen gewoben“Stephan KohlerGustav Mahler(1860–1911)Symphonie Nr. 7 in fünf Sätzenfür großes Orchester1. Langsam (Adagio) – Allegro risoluto,ma non troppo2. Nachtmusik I: Allegro moderato3. Scherzo: Schattenhaft (Fließend,aber nicht schnell)4. Nachtmusik II: Andante amoroso5. Rondo-Finale: Allegro ordinario –Allegro moderato, ma energicoLebensdaten des KomponistenGeboren am 7. Juli 1860 (nach unbestätigtenVermutungen schon am 1. Juli) als zweites vonzwölf Kindern im Dorf Kalischt an der böhmischmährischenGrenze (heute: Kalište in Tschechien);gestorben am 18. Mai 1911 in Wien.EntstehungIm Gegensatz zu den Symphonien 1–6, derenEntstehungszeiträume (von meist zwei Jahren)sich im stets gleichbleibenden Rhythmus ablösten,ist die Entstehung der 7. Symphonie mitder ihrer Vorgängerin unmittelbar verzahnt: dieim Sommer 1904 in Maiernigg am Wörther See /Kärnten entworfenen „Bauskizzen“ der „Siebten“sowie die beiden „Nachtmusiken“ (Sätze2 und 4) entstanden noch vor Beendigung desFinales der „Sechsten“. Die restlichen drei Sätze(Sätze 1,3 und 5) wurden dann im Sommer1905 im Anschluss an die im Mai in Wien beendeteInstrumentierung der 6. Symphonie zuPapier gebracht. Am 15. August 1905 telegraphierteMahler seinem Freund Guido Adler ausKärnten: „Septima mea finita est. Credo hocopus fauste natum et bene gestum !“ (MeineSiebte ist fertig geworden. Ich glaube, diesesWerk ist glücklich geboren und wohl geraten !)UraufführungAm 19. September 1908 in Prag im Konzertsaaldes für die „Jubiläumsausstellung“ zum 60-jährigenRegierungsjubiläum Kaiser Franz JosephsI. errichteten Ausstellungsgebäudes (Orchesterder Tschechischen Philharmonie unter Leitungvon Gustav Mahler); im Rahmen der Ausstellungwurde ein Zyklus von zehn „PhilharmonischenKonzerten“ veranstaltet, deren erstes und letztesjeweils Mahler dirigierte – das letzte warausschließlich der Uraufführung seiner 7. Symphoniegewidmet.


Titelseite der bei Bote & Bock in Berlin erschienenen Erstausgabe (1909)3


4Gustav Mahler: 7. SymphonieBerufswunsch: „Märtyrer“Gustav Mahler diente seiner künstlerischenMission mit einem Hang zur Selbstaufopferung,die mit „Hingabe“ unzureichend beschrieben ist.Dieser Hang war vielmehr mit einer exzessivausgeprägten Leidensfähigkeit gekoppelt. DasMitleiden mit jeglicher Kreatur machte ihn geradezuzum „Leidsucher“, den das Leiden anderermagisch anzog. Dostojewskijs Anklage: „Wiekann ich denn glücklich sein, wenn irgendwo einanderes Geschöpf noch leidet ?“ war Mahleraus dem Herzen gesprochen; schon als Kind antworteteer auf die Frage, was er denn späterwerden wolle, ohne zu zögern mit „Märtyrer“.Mahlers Vorstellungen vom „Ethos“ der Musik,von der „Heiligkeit“ ihrer künstlerischen Sendung,nehmen von diesem rührend kindlichenBerufswunsch ihren Ausgang.Sein Hin- und Hergerissensein zwischen demIdeal der „reinen Kunst“ und dem fratzenhaftenDasein als zeitgenössischer Künstler beschriebMahler als geradezu vorgezeichnetes und damitvorgegebenes Konfliktpotential seiner Musik:„Wehe, wenn ihm – dem Künstler – Leben undTräumen einmal zusammenfließt – so dass er dieGesetze der einen Welt in der anderen schauerlichbüßen muss...!“ Und in einem Brief an seinenFreund Siegfried Lipiner heißt es ähnlichbeklemmend: „Es ist im Anfang jedes Mal einschweres Stück Arbeit, sich selbst gegenüberzu treten. Wahrscheinlich ist dies aber nur beiLeuten meines Lebensganges der Fall, die ineinem solchen Saus dahinbrennen müssen !“„Der Tod erwünscht, das Daseineine Last“Generationen von Mahler-Forschern, -Interpretenund -Rezipienten haben sich damit abgefunden,dass die Essenz der von Mahler vermitteltenBotschaft die zur Schau gestellte Diskrepanzdes sich seelisch in seinen Werken verblutendenKünstlers zur schemenhaft neutralisierten,desinteressierten Öffentlichkeit bildet: „DerGott, der mir im Busen wohnt, kann tief meinInnerstes erregen; der über allen meinen Kräftenthront, er kann nach außen nichts bewegen.Und so ist mir das Dasein eine Last, der Tod erwünscht,das Leben mir verhasst !“ Die Verseaus Goethes Opus summum, die Richard Wagnerseiner „Faust“-Ouvertüre als Motto voranstellte,könnten – wie schon Mahlers holländischerFreund und Meisterinterpret Willem Mengelbergbemerkte – ebenso gut über dem Finalevon Mahlers 6. Symphonie stehen: In der Tatüberlässt sich die so fatalistisch, ja nekrophilangelegte Vorgängerin der „Siebten“ einemNegativitätssog, der alle bis dahin geltendenIdeale der symphonischen Tradition in einenAbgrund zu reißen drohte, aus dem keine Rückkehrmöglich schien.„Aber Mahler, der Kämpfer, geht aus diesemZusammenbruch gestärkt hervor; ihn bewusstgestaltend, hat er ihn psychisch zuletzt überwunden.Noch einmal baut er aus motivischverwandtem Material eine rein instrumentaleSymphonie und führt uns hinaus zum Licht, ineinen freudigen, festlichen Tag !“ Nach Mengelbergsauthentischem Zeugnis bezeichnete Mahlerdas Finale seiner 7. Symphonie tatsächlich


Portrait des 5-jährigen Gustav Mahler mit Notenblatt (1865)5


6 Gustav Mahler: 7. Symphonieals „den Tag“ – bedenkt man, mit welchen Zusatzbedeutungenseit der frühromantischen„Tag- und Nacht“-Philosophie des Novalis, seitTristans und Isoldes „Tag- und Nacht“-Gesprächim 2. Akt von Wagners revolutionärem Hauptwerkdie Semantik des Wortes „Tag“ aufgeladenwar, wird die scheinbare Euphorie „positiver“Hinwendung zum Tagesgeschehen schnellwieder relativiert: Nicht alles, was „Tag“ ist –Jetzt-Zeit, Gegenwart, Lebensnähe und Öffentlichkeit– wird bei Mahler „positiv“ gesehen; dieVerstrickung des Individuums in alles „Zeitgemäße“,was er insbesondere bei seinem AntipodenRichard Strauss als menschlich fatal undkünstlerisch abträglich empfand, versuchte erbei sich selbst geflissentlich zu vermeiden. „Ichbin gestorben dem Weltgetümmel“ lautet nichtumsonst eine Zeile aus dem Rückert-Lied „Ichbin der Welt abhanden gekommen“, in demMahler die Sehnsucht der vier frühen, lyrischgetönten „Wunderhorn“-Symphonien nachmetaphysischer Geborgenheit im Jenseits einletztes Mal zusammenfasst.„Der Mensch im vollen Tagesglanz“„Der Mensch, bisher Objekt, wird nun Subjektdes künstlerischen Gestaltungsprozesses...“,liest sich bei Theodor W. Adorno Mahlers Wendevon der metaphysischen Tendenz der erstenvier Symphonien, von ihrer Überwindung des„Tages“ in Gesängen abgeklärtester Transzendenz,zur weltoffenen, dem Diesseits zugewandtenund oft genug kämpferisch auftretenden Triasder nun folgenden drei Instrumentalsymphonien.Der Komponist war sich des philosophischenBruchs durchaus bewusst, der zwischen demsublim-ironischen Höhepunkt seiner musikalischenReligionsreflexion im Finale der 4. Symphonie(„Das himmlische Leben“) und dem heiterenStahlgewitter seiner blechgepanzertenLebenslust im letzten Satz der 7. Symphonie(„Der Tag“) klaffte. „Romantisches und Mystischeskommt nicht vor, nur der Ausdruck unerhörterKraft liegt darin“, hatte er bereits dasganz ähnlich gestimmte Finale der 5. Symphoniekommentiert: „Es ist der Mensch im vollenTagesglanz, auf dem höchsten Punkte seinesLebens. So ist es auch instrumentiert, diemenschliche Stimme würde hier absolut nichtRaum finden: Es bedarf nicht des Wortes, allesist rein musikalisch gesagt !“Die Aufgabe jeglichen Textbezugs, das Vertrauenauf die Aussagekraft des Orchesters als alleini -ges „Sprachrohr“ des komponierenden Individuums– Maßnahmen wie diese rücken im Dreigestirnder 5., 6. und 7. Symphonie das Egozentrischemenschlichen Fühlens, den Gegensatzzwischen Weltenlauf und subjektiver Identitätskrisein den Mittelpunkt von Mahlers neudefinierter Kompositionsästhetik. Den immerkompakter, unauflösbarer werdenden Verstrickungendes Menschen im Dickicht der individuellen,aber auch gesellschaftlichen Beziehungenentspricht eine neue Dichte des Orchestersatzes,die in ständiger, schmerzhafter Bewegunggehalten wird. Auf der Suche nach Entwirrung,Lösung oder gar Befreiung beschreitetMahler alternative Wege, die sich komplementärergänzen: Das Wagnis einer Neugestaltungder Welt aus dem eigenen Ich schließt Scheiternmit ein und endet in der mittleren der dreiInstrumentalsymphonien, in der „Sechsten“,nach Mahlers eigenen Worten „tragisch“ – wohingegendie Eckpfeiler des symmetrisch auf-


Richard Gerstl: Selbstportrait lachend (1908)7


8 Gustav Mahler: 7. Symphoniegebauten Triptychons, die „Fünfte“ und „Siebte“,ins Sieghafte, Monumentale münden.„Er sagt übrigens jedes Mal etwasanderes“Mahlers Ambivalenz gegenüber Bekanntgabensog. „Programm-Inhalte“ seiner Musik hat auchim Falle der 7. Symphonie zu zahlreichen Widersprüchlichkeitengeführt. „Ihm schwebten beiseinen ‚Nachtmusiken‘“ – so Gattin Alma in ihren„Erinnerungen“ – „Eichendorff’sche Visionen vor.Plätschernde Brunnen, deutsche Romantik. Sonstist diese Symphonie völlig programmlos...“ Vielleichtwar der Komponist Freunden gegenübergesprächiger, denn dem Wiener MusikschriftstellerPaul Stefan wusste er zu berichten, inder düsteren Einleitung des 1. Satzes „röhredie Natur“, in der „Nachtmusik“ des 2. Satzessei ihm die Stimmung der berühmten „Nachtwache“von Rembrandt vorgeschwebt, und imRondo-Finale habe er das Wiener Operetten-Aperçu „Was kost’ die Welt ?“ in fröhliche Musikgesetzt. Paul Stefans Berufskollege RichardSpecht, Verfasser der ersten maßstabsetzendenMahler-Biographie, gab anlässlich der WienerErstaufführung der „Siebten“ im November 1909die mit Mahler offenbar abgestimmte Empfehlungab: „Als stimmungsandeutender Wegweiserwäre die Überschrift ‚Nachtwanderung‘, die gelegentlichder Prager Uraufführung von Verehrerndes Tondichters vorgeschlagen wurde, nichtzu verwerfen. Sie könnte für das ganze Werkund den 1. Satz Geltung haben; ‚Stimmen derNacht‘ könnte man über das 3-sätzige Zwischenspielund ‚In den Morgen hinein‘ über denletzten Satz schreiben.“Vergleicht man die zahlreich überlieferten Zeugnisseaus Mahlers Freundeskreis, fällt bei allerAblehnung der deskriptivistischen Exzesse derStrauss’schen Programmmusik auf, dass bestimmteMetaphern konstant wiederkehren.So verglich auch Specht die erste der beiden„Nachtmusiken“ mit dem „Zug einer geisterndenScharwache, unter längst vergessenen, aus fernenZeiten herüber klingenden Marschrhythmenund wehmütigen Liedern“, und im „Andanteamoroso“ der zweiten „Nachtmusik“ glaubte erein Notturno „voll süßer Liebesstimmen, geheimnisvollemFlüstern, Brunnenplätschern undLindenrauschen auf dem mondhellen Platz einesalten, giebeligen Städtchens“ zu erkennen. Demschloss sich Bruno Walter, Mahlers einfühlsamsterExeget und engster Mitarbeiter jener Jahre,an – allerdings nicht ohne einen Ausdruck desVerwunderns, wenn nicht gar Bedauerns: „Inden drei Mittelsätzen der ‚Siebenten‘ taucht,viel bedeutend und menschlich aufschlussreich,der ‚Romantiker‘ wieder auf, den wir schonüberwunden glaubten...“ Bei fast allen prominentenMitgliedern des Freundeskreises liestsich die Resonanz auf Mahlers „Siebte“ als eineMischung aus Neugier, Bewunderung und zuletztdann doch Befremden. Alphons Diepenbrock,Propagandist Mahlers in den Niederlandenund Pionier der holländischen Mahler-Pflege,machte da keine Ausnahme. Seiner FreundinJohanna Jongkindt schrieb er nach der AmsterdamerErstaufführung vom Oktober 1909, inderen Umfeld er zahlreiche Gespräche mit Mahlergeführt hatte:„Es gibt im 1. Satz verschiedene Stellen, diemir nicht gefallen, und die ich mir kürzer wün-


Gustav Mahler in Amsterdam anlässlich der holländischen Erstaufführung seiner 7. Symphonie (1909)9


10Gustav Mahler: 7. Symphonieschen würde. Aber es sind wieder himmlischeMomente, und dann wieder diese klagenden,erstickten Vogelstimmen. Auch typisch jüdischeSachen (‚Sie wissen ja, dass ich ein Jude bin !‘),zum Beispiel Posaunen-Soli wie ‚Wir gehen nachLindenau, dort ist der Himmel blau !‘ Der 4. Satz,eine ‚Serenade‘, ist unbeschreiblich anmutig,eine wirkliche Liebeserklärung an das Weltall.1., 2. und 3. Satz sind Nachtstimmungen; der 4.Satz auch noch, aber da herrscht ausschließlichdas Liebliche. Der 3. Satz ist spukhaft, der 2.Satz dann und wann auch, obgleich da auch wiederganz gemütliche, fidele Mahler-Melodienvorkommen. Es ist im übrigen nicht wahr, dasser hier die ‚Nachtwache‘ hat schildern wollen,er hat das Gemälde nur vergleichsweise genannt.Es ist eine nächtliche Fahrt; er sagt, dass erdabei an eine ‚Scharwache‘ gedacht hat. Er sagtübrigens jedes Mal etwas anderes. Fest steht,dass es ein Marsch ist mit einem phantastischen‚clair obscur‘, so dass eine Analogie mit Rembrandtgegeben ist, und die phantastischen Farbendie Phantasie von selbst in die Vergangenheitführen und eine Vorstellung von Landsknechtenund Soldaten wecken. Der 1. Satz fängtsehr finster an mit einem Tenorhorn-Solo (‚Einriesengroßer Schatten !‘). Der 3. Satz ist sehrskurril, darin lachen und kreischen alle möglichenDämonen. Im 4. Satz, der Serenade, macheneine Mandoline und Gitarre, die leider vonden übrigen Instrumenten ein bisschen erdrücktwerden, einen sehr schönen Effekt und erhöhenden ‚amoroso‘-Charakter. Aber der Höhepunktist der 5. Satz, C-Dur, die strahlende Sonne: DieNacht ist gewichen ! Ungeheuer lang, aber grandiosist dieser Satz, wenn auch hin und wiederzu lärmend...!“„Vorwiegend heiteren, humoristischenInhalts“Merkwürdig bleibt, dass Mahler selbst angesichtsder allerdings nur zögernd geäußertenVorbehalte aus seinem Freundeskreis offenbardie „Siebte“ für seine unproblematischste Symphoniehielt. Ende 1907 empfahl er das Werkdem Leipziger Verleger Henri Hinrichsen mitdem expliziten Hinweis auf ihren „vorwiegendheiteren, humoristischen Inhalt“. Auch als erAnfang 1908 den Konzertagenten Emil Gutmannfür eine Aufführung zu gewinnen suchte, beteuerteer: „Es ist mein bestes Werk und vorwiegendheiteren Charakters...!“ Dennoch war die PragerUraufführung vom September 1908, wie sichOtto Klemperer erinnerte, kein wirklicher, sondernein eher zaghaft beklatschter „Achtungserfolg“.Nicht nur Hörer und Kritiker, auch Orchestermitgliederhaben offen ihr eklatantes Unverständniszum Ausdruck gebracht, darunterein verzweifelter Trompeter: „Jetzt möcht’ ichnur wissen, was da dran schön sein soll, wenneiner die Trompeten fortwährend in den höchstenTönen gestopft bis zum hohen Cis hinaufblasen lässt...!“ Obwohl ihm 1909 Aufführungenin Amsterdam und Den Haag enorme Erfolgebrachten, entschied sich Mahler aufgrund desPrager Misserfolgs, die „Siebte“ einstweilenruhen zu lassen und „in New York nicht die VII.,sondern vorerst nur die IV. aufzuführen. Dennfür ein Publikum, das noch nichts von mir weiß,ist das Werk zu komplizirt.“„Problemlose Heiterkeit...?“ – sah Mahler seinWerk wirklich so fundamental anders als seineUmgebung ? Mit dem Humor, mit der Heiterkeit,


Der Beginn des 1. Satzes in Mahlers Partiturreinschrift (1905/06)11


12Gustav Mahler: 7. Symphoniehatte es bei Mahler allerdings seine eigene Bewandtnis.Schon mit der 4. Symphonie, die „ganzHumor und ganz naiv“ sei, „was allerdings inalle Zukunft nur die Wenigsten erfassen werden“,hatte Mahler Irritationen hervorgerufen,weil seine Art von Humor dem damals wie heutepropagierten öffentlichen Humor nicht entsprach:„Im allgemeinen habe ich die Erfahrunggemacht, dass Humor dieser Sorte (wohl zu unterscheidenvon Witz und muntrer Laune) selbstvon den besten oft nicht erkannt wird.“ Zu diesenBesten zählte auch Otto Klemperer, der wieBruno Walter die „Siebte“ lange Zeit mied, biser sie im hohen Alter 1964 auf Schallplatte aufnahm:im Zeitlupentempo, um Mahlers ironischgebrochenen Humor sozusagen mikroskopischgenau einer Zeit zu überliefern, die ihre Heiterkeitaus spießiger „Spaßkultur“ und Humor ausseichten „soap operas“ bezieht. Was Klempereran der intrikaten Art von Mahlers Humor noch„problematisch“ schien, dürfte mittlerweile Teilunseres Lebensgefühls geworden sein: Wir habenhören gelernt, wie eine einzige Wendungvon Mahlers Musik Heiteres, Abgründiges undTragisches in dreifacher Vielschichtigkeit enthüllt,und wie alle Zerklüftungen des musikalischenMaterials, die das Resultat solcher Gebrochenheitsind, am Ende doch wieder zu ästhetischerKohärenz gelangen.„Höhere Leichtigkeit“Mahlers „Siebte“ meidet aggressive Klangballungen,geht dem Ton der „Klage“ wie dem des„Appells“ gezielt aus dem Weg – und damitmusikalischen Grundmustern, die in den vorausgegangenenSymphonien zu exzessiven Blechkatarakten,Pathos und Innerlichkeit verschmelzendenHyperbeln geführt hatten. Neu ist in der„Siebten“ die Kritik am „hohen Ton“, die sich ineiner hemmungslos ironischen Behandlung destraditionellen symphonischen Werkcharaktersäußert. Ästhetische Normen, deren „Klassizität“längst festgeschrieben war, werden nichthämischer Verharmlosung, sondern gezieltem„understatement“ ausgeliefert. Nirgendwoherrscht bei Mahler ein gelösterer Ton derSchwerelosigkeit als in dieser posthum als „Liedder Nacht“ apostrophierten 7. Symphonie. Typischdeutsche Tiefsinnigkeitsapostel haben seit jeherdem Ton der Serenität, der „höheren Leichtigkeit“,eine Absage erteilt und manchen WerkenMozarts, Schuberts und vor allem Mendelssohnsunterstellt, statt erhoffter Tiefe und Gedankenfüllenur leichtfertige Gedankenlosigkeitenzu produzieren. Auch im Falle Mahlers hatman die so ganz und gar ungermanische, wohleher Nietzsches Ideal einer „mediterranen Musik“folgende Leichtigkeit der 7. Symphonieeilfertig als misslungene Gratwanderung zwischenKunst und Kitsch gebrandmarkt.Dabei war es niemand Geringerer als ArnoldSchönberg, der über das Erlebnis von Mahlers„Siebter“ vom Saulus zum Paulus mutierte undnach langen Jahren der Ablehnung ins Lagerder Mahler-Enthusiasten wechselte: „Ich binjetzt wirklich ganz der Ihrige. Denn ich hatteweniger als früher die Empfindung von ungemeinSensationellem, etwas, das einen ungeheuererregt, aufpeitscht, mit einem Worte: von etwas,das den Hörer in der Weise bewegt, dasses ihn aus seinem Gleichgewicht bringt. Sondernich hatte den Eindruck einer vollendeten,auf künstlerischer Harmonie begründeten Ruhe.“Sicherlich galt Schönbergs überraschendeLiebe zu Mahlers 7. Symphonie vor allem ihremAutor, mit dem sich der längst zur Atonalität


Arnold Schönberg: Portrait Gustav Mahlers als „Vision“ (1910)13


14Gustav Mahler: 7. Symphonie„fortgeschrittene“ Komponist in der Rolle desgeschmähten Außenseiters verbunden fühlte.So gesehen war Schönbergs Parteinahme fürden Mahler der 7. Symphonie auch ein bewussterAkt der Selbstverteidigung. Aber noch imHerbst 1948 reagierte der inzwischen 74-jährigeSchönberg wortreich auf die verständnisloseKritik eines jungen amerikanischen Rezensenten,der Mahlers „Siebte“ als epigonal bezeichnethatte. Er teile die große „Wertschätzung“dieser Symphonie, ließ Schönberg wissen, mitimmerhin so bedeutenden Zeitgenossen wie RichardStrauss, Anton Webern, Alban Berg, FranzSchmidt und nicht zuletzt auch Dmitri Mitropoulos,dem Dirigenten der besprochenen Aufführung:„Wenn Sie seine Partitur genau studieren,können Sie die außerordentliche Schönheit diesesWerks nicht übersehen...“wenn er in seinen „Tagebüchern“ das Hoheliedder allumfassenden Melodie anstimmt: „Sei esdas Singen einer Lampe oder die Stimme desSturms, sei es das Atmen des Abends oder dasStöhnen des Meeres, das dich umgibt – immerwacht hinter dir eine breite Melodie, aus tausendStimmen gewoben, in der nur da und dortein Solo Raum hat. Zu wissen, wann du einzufallenhast, das ist das Geheimnis deiner Einsamkeit– wie es die Kunst des wahren Verkehresist, aus den hohen Worten sich fallen zulassen in die eine, gemeinsame Melodie...!“Schönbergs beschwörenden Worten kann durchauseine gewisse Ratlosigkeit unterstellt werdenangesichts des nicht unproblematischenVorhabens, die „Heiterkeit“ von Mahlers 7. Symphonieals kompositorische Großtat zu würdigen.Im latent Zwanghaften seiner Argumentationspiegelt sich einmal mehr der irritierendeCharakter von Mahlers „gewollter“ Serenität,die zwar stets andere Farben und Formen annimmt,aber sich manchmal allzu bewusst in denVordergrund drängt. Wo aber Schönberg die„schöpferische Kraft“ von Mahlers Melodienrühmt, die es sich leisten könnten, durch alleRegister zu wandern und völlig unbeschadet den„hohen“ mit dem „niederen“ Ton zu vertauschen(oder umgekehrt), tut er es im Tonfall der lyrischenProsa Rainer Maria Rilkes. In der Tat gebrauchtder wie Mahler aus Deutsch-Böhmengebürtige Rilke nicht minder hymnische Worte,


Der Künstler15Gustavo DudamelDirigentEdinburgh Festival, in Berlin, New York, Tokio,Peking und 2012 bei den Olympischen Spielenin London auftrat.Seit Gustavo Dudamel 2004 mit erst 23 Jahrenden Gustav-Mahler-Dirigierwettbewerb derBamberger Symphoniker gewann, löst er immerwieder Begeisterung in der internationalen Musikweltaus. Der Dirigent, Geiger und Komponistwurde 1981 in Barquisimeto / Venezuela geboren,war Schüler des Violinpädagogen JoséFrancisco del Castillo an der LateinamerikanischenAkademie für Violine und absolvierte einDirigierstudium bei Rodolfo Saglimbeni sowiebei José Antonio Abreu. Seit 1999 betreut GustavoDudamel als musikalischer Leiter die Sinfónicade la Juventud Venezolana Simón Bolívar,der er mittlerweile in der 14. Spielzeit vorstehtund mit der er bereits erfolgreich u. a. bei denSalzburger Festspielen, bei den BBC Proms, beimIm Herbst 2007 wurde Gustavo Dudamel Musikdirektorder Göteborger Symphoniker, mitBeginn der Saison 2009 / 2010 trat er in gleicherFunktion an die Spitze des Los Angeles PhilharmonicOrchestra. An den Education-Projektenbeider Orchester (z. B. am Youth Orchestra LosAngeles) beteiligt sich der junge Dirigent mitgroßer Leidenschaft. Gustavo Dudamel gastiertaußerdem regelmäßig u. a. beim Orchestre Philharmoniquede Radio France, beim Israel PhilharmonicOrchestra, beim Philharmonia OrchestraLondon, beim Orchester der Mailänder Scalaund bei den Wiener Philharmonikern. SeinDebüt bei den Berliner Philharmonikern gab erbeim Waldbühnenkonzert im Juni 2008.Zu den Auszeichnungen Gustavo Dudamels zählender „Music Award for Young Artists“ derRoyal Philharmonic Society (2007), der „Würth-Preis“ der Jeunesses Musicales Deutschland(2008), der „Q Prize“ der Harvard University fürsein außergewöhnliches Engagement für Kinder(2008) sowie die Aufnahme in den „Ordre desArts et des Lettres“ der Republik Frankreich(2009) und die Königliche Musikakademie inSchweden (2011). „Musical America“, das führendeOnline-Magazin für klassische Musik inden USA, kürte Gustavo Dudamel 2013 zum„Musician of the Year“.


16PhilharmonischeBlätterAuftaktVor OrtDie Kolumne von Elke HeidenreichDass dieses Orchesterinternational unterwegsist, wissen wir ja. Aberganz besonders liebevollfinde ich, dass die MünchnerPhilharmoniker in ihrereigenen Stadt nichtnur am angestammten Ort – in der Philharmonie -spielen, sondern in den Postgaragen und im Hofbräuhaus(da natürlich die Bläser!), im Festsaal desKünstlerhauses und im Prinzregententheater, inClubs und Kulturzentren und sogar auf der Alm,(Oim!) im Chiemgau gibt es Kammerkonzerte.Was für eine Anstrengung muss das sein, dauerndirgendwo mit den Instrumenten und Noten und inKonzertklamotten unterwegs zu sein, das ist keineruhige Kugel, die die da schieben – und warum? Umuns, den Zuhörern, Freude zu machen, um zu uns zukommen und auf diesem Wege dann andererseitsuns an den Hauptspielort, in die Philharmonie zu locken.Ich bin sicher, diese Rechnung geht auf, dennallmählich frisst sich die Musik eine Spur durch dieStadt und wer will, kann ihr folgen.Im Sommer war ich auf Festspielen unterwegs, auchdieses Phänomen beobachte ich jedes Jahr wiedererstaunt: Salzburg und Bayreuth, die beiden Säulenheiligender Festspielkultur sind ohnehin restlosausverkauft. Aber überall landauf, landab sind bestensbesuchte Festspiele, vom Beethovenfest inBonn zu Guttenbergs Herrenchiemsee-Festspielen,vom Rheingau Musikfestival zu den MusikfestspielenPotsdam, es gibt Gluck-, Händel-, Bachfestspiele,in Torre del Lago feiert man Puccini, in PesaroRossini, in Weimar Liszt, jedes Schloss, das aufsich hält, bietet Festspiele oder Festkonzerte an,von Sanssouci über Brühl bis Elmau und Schwerin,in Stuttgart gibt’s Barock, in Schwetzingen und imRuhrgebiet Moderne, es gibt Mannheimer Mozart,Klang im Kloster, Schostakowitsch-Tage, und wassagt uns all das letztlich? Dass ein Bedarf da ist.Dass die Menschen Musik hören wollen, egal wo,dass die Sommer nicht nur ausgefüllt werden mitdem Belegen der Strandliege durchs Badetuch morgensum acht, sondern dass man sich schön anzieht,eine Karte kauft und unter freiem Himmel oder inungewöhnlichem Ambiente klassischer Musiklauscht. Das Bedürfnis ist da, und zwar sehr groß,allein das entzückende kleine Rossini-Festival inPesaro an der Adria verkauft in 14 Tagen 18.000Karten.Wenn man über all das nachdenkt – über die Anstrengungender Orchester, an verschiedenste Ortezu reisen und über die Bereitschaft des Publikums,diesen Orchestern wirklich überall hin zufolgen – dann fragt man sich schon, warum eigentlichin Krisenzeiten an der Kultur immer zuerst gespartwird, als brauchten wir die nicht. Diese Besucherzahlen,diese Anstrengungen und diese Ergebnissesprechen eine andere Sprache als offenbardie Politiker, die mit den kulturellen Kürzungen immerso schnell bei der Hand sind: unsere überfordertenSeelen brauchen die Musik geradezu wiedas rettende Geländer – in den Postgaragen, aufder Alm und überall sonst. Danke dafür.


PhilharmonischeBlätter5 Fragen an …17Stephan HaackInstrument: VioloncelloBei den Münchner Philharmonikernseit 1988Ulrich HaiderInstrument: HornBei den Münchner Philharmonikernseit 19931 Was müssen Sietun, um sich für IhrenJob fit zu halten?Auf die Programme vorbereiten,unbekannteWerke anhören. Aberauch Sport machen,Gartenarbeit und auch mal nix tun!2 Warum haben Sie eigentlich damals IhrInstrument ausgesucht?Mein Vater war selber Cellist. Da hatte ich die Wahlzwischen Fußball und Cello…3 Bei welchem Ereignis in der Geschichteder Münchner Philharmoniker wären Siegerne dabei gewesen?Bei der Uraufführung der Mahler Symphonien.4 Gab es einen Auftritt, der Sie besondersbewegt hat?Ja, körperlich hat mich bei einem Quartettkonzertin Tokio ein kurzes Erdbeben sehr bewegt. Seelischmein erstes Konzert mit Celibidache 1988.5 Haben Sie neben der Musik eine weiteregroße Leidenschaft?Fußball. Früher spielen, jetzt schauen!6 Welcher Komponist wären Sie gerne füreinen Tag?Mozart! Einmal spüren, wie es in diesem genialverrückten Hirn zugegangen ist.1 Was würden Siedem Münchner Publikumgerne malsagen?Einfach nur Danke undbleiben Sie uns treu, wirhaben viel vor und eswird Ihnen gefallen.2 Gab es einen Auftritt, der Sie besondersbewegt hat?Bruckners 8. Symphonie in Wien unter Celibidache.Das war Musik in einer anderen Dimension.3 Welches Buch lesen Sie gerade?Ich kann eines empfehlen, das ich gerade fertig gelesenhabe, „Der Mann mit dem Fagott“ von UdoJürgens. Ein wirklich hervorragendes Buch deutscherZeitgeschichte.4 Haben Sie neben der Musik eine weiteregroße Leidenschaft?Meine Familie. Ich sehe es als Privileg meines Berufes,dass ich mir auch tagsüber oft Zeit für meine Kindernehmen kann. Darüber hinaus noch meine Projektefür Spielfeld Klassik.5 Spielt man als Profi in der Freizeit auchnoch einfach so zum Spaß?Ja, aber dann meistens Flügelhorn. Zum Beispielbeim Martinsumzug des Kindergartens meines Sohnes.6 Welcher Komponist wären Sie gerne füreinen Tag?Ich will niemand anderes sein, als der Mensch derich bin.


18PhilharmonischeBlätterÜber die Schulter geschautMünchner Philharmoniker vor OrtMehr als 200.000 Besucher kommen Jahr für Jahr zu denKonzerten der Münchner Philharmoniker in die Philharmonie imGasteig und in das Künstlerhaus am Lenbachplatz, wo die Kammerkonzerteunter eigenständiger Planung der Orchestermusiker stattfinden.Eine stattliche Zahl und doch kein Grund, sich darauf auszuruhen.Unter dem Motto „MünchnerPhilharmoniker vor Ort“ habensich die Münchner Philharmonikerzum Ziel gesetzt, ein lebendigerund auch über den Gasteighinaus präsenter Bestandteil deskulturellen Lebens in Münchenund der Region zu sein. An ungewöhnlichenOrten, an denendie Hochkultur nicht sofort erwartetwird. Um Menschen zuerreichen, die sich bislang nichtoder nur wenig mit KlassischerMusik beschäftigt haben. Interessezu wecken für die alltäglicheArbeit eines Orchestersund einzuladen zu den Konzertenin der Philharmonie im Gasteig.


PhilharmonischeBlätterÜber die Schulter geschaut19Alois Schlemer, Initiator der Almkonzerte„Auf da Oim“ im Chiemgau, dasKulturzentrum 2411, die Postgaragen,das Hofbräuhaus. Das warendie ersten Ziele in den Jahren2012 und 2013. Gemeinsam mitholleschek+schlick werden dieMünchner Philharmoniker noch indiesem Jahr einen weiteren Abendgestalten. Hier wie bei allen anderenIdeen für „Münchner Philharmonikervor Ort“ gilt: LassenSie sich einfach überraschen...


20PhilharmonischeBlätterPhilharmonische NotizenPhil harmonischeZahl:412Höhenmeter, die zurückgelegtwerden müssen,um alle vier Konzerte„Auf da Oim“zu hören.CD 1Am 20. September ist eine neue CD der MünchnerPhilharmoniker im Handel: Anton Bruckners SymphonieNr. 3, unter der Leitung von Lorin Maazel.OrchestervorstandDie Münchner Philharmoniker haben einen neuenOrchestervorstand gewählt. Matthias Ambrosius,Stephan Haack und Konstantin Sellheim vertretenin Zukunft die Interessen des Orchesters.CD 2Die CD „Ehrensache“ der Bläser der Münchner Philharmonikerist da. Lorin Maazel und Zubin Mehtadirigieren Märsche. Ein Projekt zugunsten der Orchesterakademie.Erhältlich unter www.mom-music.de.AbschiedUnser stellvertretender Orchesterinspizient, BerndRose, wird Orchesterdirektor bei den MünchnerSymphonikern. Das Orchester hat die Zusammenarbeitmit ihm sehr geschätzt und wird ihn vermissen.Wir wünschen ihm für seine neue Aufgabealles Gute!BerlinHelena Madoka Berg aus den 1. Violinen wechseltnach erfolgreichem Probespiel zu den Berliner Philharmonikern.Solo-FlöteDer Niederländer Herman van Kogelenberg beginntim September seine Probezeit als Solo-Flötist derMünchner Philharmoniker.Solo-BratscheJano Lisboa aus Portugal tritt mit dem Beginn dieserSpielzeit seine Probezeit als Solo-Bratschist an.BestandenValentin Eichler, Bratsche, und Ulrich Zeller, Kontrabasshaben ihre Probejahre bestanden und sindfeste Mitglieder des Orchesters.OrchesterakademieSoohyun Ahn war zwei Jahre lang Stipendiatin derOrchesterakademie der Münchner Philharmoniker.Vor der Sommerpause hat sie das Probespiel umdie Solo-Stelle bei den Dresdner Philharmonikerngewonnen.


PhilharmonischeBlätterOrchestergeschichte21Franz Beidler dirigiert Szenen ausRichard Wagners „Parsifal“Gabriele E. Meyer1913 galt es den einhundertsten Geburtstagvon Richard Wagner zu feiern. Zufall oder nicht?Im selben Jahr gaben mit Siegfried Wagner undFranz Beidler zwei Dirigenten ihr Debüt bei denMünchner Philharmonikern (damals noch Konzertvereinsorchester),die mit der Familie Wagnereng verknüpft waren.Nur wenige Tage nach Ferdinand Löwes vorgezogenemGeburtstagskonzert für den BayreutherMeister stellte sich am 10. März Sohn Siegfriedmit Ausschnitten aus seinem eigenen Schaffenund dem seines Vaters vor. Im Herbst dirigierte„Hofkapellmeister“ Franz Beidler den zweitenund dritten Akt des „Parsifal“. Beidler hatteIsolde von Bülow, in Wahrheit aber RichardWagners erstes Kind mit Cosima (damals nochmit Hans von Bülow verheiratet), im Jahre 1900geehelicht; somit war er, wenn auch indirekt,denn Wagner verstarb 1883, dessen Schwiegersohn.Cosima jedoch stritt, wohl aus dynastischenGründen, Wagners Vaterschaft bis zu ihremTode (1930) vehement ab. Der 1913 eingeleiteteProzess führte schließlich zu einem völligenBruch. Tochter und Sohn Franz WilhelmBeidler waren von der Erbfolge ausgeschlossen.Das Konzert am 24. Oktober hatte Franz Beidlermit großer Sorgfalt vorbereitet. Die Mitwirkendengalten allesamt als bedeutende Wagner-Sänger, nicht nur in Bayreuth. Zwar war HeinrichKnote (Parsifal), einer der besten Heldentenöreseiner Zeit durch eine Indisposition verhindert,konnte aber durch Johannes Sembach adäquatersetzt werden. Felix von Kraus sang den Gurnemanz,Berta Morena die Kundry und Anton vanRooy den Amfortas. Der holländische Bassbaritonhatte mit dieser Partie schon 1903 in der illegalenamerikanischen Erstaufführung des „Parsifal“in New York Aufsehen erregt. Danachdurfte er auf Cosima Wagners Weisung nichtmehr in Bayreuth auftreten, war doch das dreißigjährigeVerbot jeglicher szenischen Aufführungdes Bühnenweihfestspiels in einem anderenOrt als Bayreuth (Uraufführung daselbst am26. Juli 1882) noch gültig.So musste man sich bis zum 31. Dezember 1913auf vereinzelte szenische Versuche „unter derHand“ sowie konzertante Wiedergaben beschränken.Die aber waren, anders als heutzutage,reichlich verpönt. Vor allem der Rezensentder „Münchner Post“ bemängelte, dass die vonBeidler arrangierte Konzertfassung in der bis aufden letzten Winkel mit „Wagnerverehrern“ gefülltenTonhalle keinem künstlerischen Zweckedienen konnte. „Der Parsifal ist jetzt frei undwird wohl im nächsten Jahre auch in Münchenin Szene gehen – wozu also jetzt noch die Geschmackswidrigkeiteiner willkürlich zusammengestückelten,mit ungleichen Kräften ausgeführtenKonzertfassung?“


22PhilharmonischeBlätterOrchestergeschichteDie „Münchner Neuesten Nachrichten“ wie die„Münchener Zeitung“ folgten dieser harschenAblehnung nur bedingt, empfanden sie doch dieDarbietung aller Beteiligten, Chor und Orchestereingeschlossen, als in großen Teilen durchausbedeutsam. „Einzelne wohlbekannte TempospezialitätenNeubayreuther Herkunft“ wurdendurchaus benannt, letztlich aber mit demHinweis beiseite geschoben, dass Beidlers Interpretation„trotz gelegentlicher Uebertreibungender langsamen Zeitmaße eine wesentlicheEigentümlichkeit des Wagnerschen Spätstilsglücklich traf: das große, wuchtige Pathos.“Die erste offizielle Aufführung des „Parsifal“ inMünchen ging übrigens am 22. Mai 1914, RichardWagners 101. Geburtstag, über die Bühne.Isolde, geb. von Bülow (recte: Wagner), und Franz Beidler mit Sohn Franz Wilhelm Beidler (1904/05)


PhilharmonischeBlätterDas letzte Wort hat …23Otger HolleschekBeim ersten Treffen mit den MünchnerPhilharmonikern vor gut eineinhalbJahren kamen zwei Seiten unabhängigvoneinander auf die Idee, dass manmiteinander etwas machen könnte:beide hatten ein Ziel, das zu erreichender jeweils andere helfen konnte. DiePhilharmoniker wollten raus, an neueSpielstätten, mal nur anders, mal industriell,mal abgefahren, wollten neue Gäste fürihre Musik gewinnen. Wir von holleschek+schlickwaren davon überzeugt, dass auch unser Publikum– im Schnitt zwischen 25 und 40 Jahre altund nicht zwangsläufi g im Konzertsaal daheim– mit dem, was die Philharmoniker machen, begeistertmitgerissen werden wird. Bislang habenwir große, aufwändige Feste gemacht, Kurzgeschichtenwettbewerbe,Konzerte, Kurzfi lmabendeund literarische Entdeckungsreisen durch spezielleStadtviertel. Veranstaltungen also, die irgendwozwischen Spaß und Subkultur und Kulturzum urbanen Lifestyle einer städtischen Zielgruppegehören. Dabei war unser Credo immer, authentisch,eigen und so gut wie möglich zu sein;jenseits von kurzsichtigen Image- und SzenedünkelnMomente zu kreieren, die das Publikum andie Hand nehmen, weil man ihnen anmerkt, dasssie eine eigene Idee haben, von Visionen leben.So durften wir bei dem Off-Location-Konzert derPhilharmoniker in den Postgaragen im März diesenJahres unseren Gästen die emotionale Reichweitevon klassischer Musik vorführen– keineswegs mit auf jeden Fallallgemeinverständlichen Stücken.Der Begeisterungssturm nach Schostakowitschs9. Symphonie war berauschend.Auch der Überraschungsauftrittein paar Stunden später – daskomplette Orchester mit Grieg undBrahms hinter fallendem Vorhangquasi auf der Tanzfl äche vor 2.000 Tanzenden – hatgezeigt, dass Klassik überall funktioniert, auch voreiner durchschwitzten Tanzmeute, wenn man diesegroßartige Musik richtig inszeniert.Wenn jetzt in weiteren Gesprächen und darauffolgendenTerminen E und U immer wieder aufeinandertreffen,dann rücken zwei unterschiedlicheSeinsarten von Kultur zusammen. Hier das oftmalsimprovisierte, schnelllebige, bei der die Vorausschauüber mehr als ein halbes Jahr schwer ist,dort die zur Perfektion getriebene Geräuschkultur,in der man sich heute über Konzerte, die in fünfJahren passieren, Gedanken macht. Doch beidenist eines gemeinsam. Jenseits des profanen Alltagsmit seiner Zukunftsorientierung schaffen diesebeiden Kulturformen Inseln, die im Jetzt sind:schöne Konzerte, tolle Feste,bei denen es keinDrumherum gibt, bei dem man dem Genuss, demGlück, der Ausgelassenheit, eben dem Schönenim Leben ins Auge schaut. Und weil zweimal schöndoppelt schön ist, gehören beide zusammen. Undsind im Doppelpack unschlagbar.


24 VorschauDo. 31.10.2013, 20:00 2. Abo bSa. 02.11.2013, 19:00 3. Abo dSo. 03.11.2013, 11:00 3. Abo mLudwig van BeethovenKonzert für Klavier und OrchesterNr. 3 c-Moll op. 37Anton BrucknerSymphonie Nr. 4 Es-Dur„Romantische“Alan Gilbert, DirigentYefi m Bronfman, KlavierSo. 10.11.2013, 11:00 2. KaKo„Für Kenner“Paul HindemithSonate für Viola undKlavier op. 11 Nr. 4Carl ReineckeTrio für Klarinette, Viola undKlavier A-Dur op. 264Paul HindemithSonate für Klarinette und KlavierWolfgang Amadeus MozartTrio für Klarinette, Viola undKlavier Es-Dur KV 498„Kegelstatt-Trio“Alexandra Gruber, KlarinetteBurkhard Sigl, ViolaLukas Maria Kuen, KlavierMi. 13.11.2013, 20:00 2. Abo aDo. 14.11.2013, 20:00 3. Abo bFr. 15.11.2013, 20:00 2. Abo k5Pjotr Iljitsch TschaikowskyFantasie-Ouvertüre „Romeo undJulia“Konzert für Violine und OrchesterD-Dur op. 35Symphonie Nr. 5 e-Moll op. 64Lorin Maazel, DirigentJennifer Koh, ViolineImpressumHerausgeberDirektion der MünchnerPhilharmonikerLorin Maazel, ChefdirigentPaul Müller, IntendantKellerstraße 4,81667 MünchenLektorat: Stephan KohlerCorporate Design:Graphik: dm druckmediengmbh, MünchenDruck: Color Offset GmbH,Geretsrieder Str. 10,81379 MünchenGedruckt auf holzfreiem und FSC-Mixzertifiziertem Papier der Sorte LuxoArtSamt.TextnachweiseStephan Kohler stellte seinen Textden Münchner Philharmonikernzum Abdruck in diesem Programmheftzur Verfügung; er verfassteauch die lexikalischen Angabenund Kurzkommentare zu Mahlers7. Symphonie. Elke Heidenreich,Gabriele E. Meyer und OtgerHolleschek schrieben ihre Texteals Originalbeiträge für die Programmhefteder Münchner Philharmoniker.Künstlerbiographie:Agenturtext (Dudamel). AlleRechte bei den Autorinnen undAutoren; jeder Nachdruck istseitens der Urheber genehmigungs-und kostenpflichtig.BildnachweiseSämtliche Abbildungen zu GustavMahler und seiner 7. Symphonie:Gilbert Kaplan (Hrsg.), Das MahlerAlbum, New York / Wien 1995;Hermann Danuser, Gustav Mahlerund seine Zeit, Laaber 1996; KurtBlaukopf (mit Beiträgen von ZoltánRomán), Mahler – Sein Leben, seinWerk und seine Welt in zeitgenössischenBildern und Texten, Wien1976; Sammlung Stephan Kohler,München. Abbildung zur FamilieBeidler: Franz Wilhelm Beidler,Cosima Wagner – Ein Porträt,Würzburg 2011. Künstlerphotographien:Fotoschuster und RichardReinsdorf (Dudamel); wildundleise(Haack, Haider); Leonie von Kleist(Heidenreich); Otger Holleschek(Holleschek); Archiv der MünchnerPhilharmoniker.


mphil.de116. Spielzeit seit der Gründung 1893Lorin Maazel, ChefdirigentPaul Müller, Intendant

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