Eine Sammlung wie ein Tagebuch Art Quarterly, Sommer ... - cserni

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Eine Sammlung wie ein Tagebuch Art Quarterly, Sommer ... - cserni

INTERVIEWEineSammlungTagebuchwie einMittlerweile gibt es auch in unserer HEIMAT eine Vielzahl ansehnlicher Kunstsammlungen.Die Sammlerpersönlichkeiten, die dahinter stehen sind allerdingshäufig für mich als Autor nicht sonderlich spannend. Anders ist das im Fall vonMARTIN CSERNI, der sich gemeinsam mit seinem Vater FRANZ CSERNI derösterreichischen Kunst ab 1960 mit Leib und Seele verschrieben hat. Im Laufeder Jahre ist eine hochkarätige und faszinierend harmonische SAMMLUNGentstanden, die nicht zuletzt durch ihre ungewöhnliche Dichte an monumentalenGroßformaten besticht. Wenn Kunst sammeln eine Kunst ist, dann sindFranz und Martin Cserni in der Tat große KÜNSTLER.AQ 52 53 AQ


INTERVIEW© Sammlung CserniINTERVIEWChristian Ludwig Attersee, Katzentisch;1993, Öl auf Leinwand, 105 x 105 cm Erwin Bohatsch, o. T. ;2003, Acryl auf Leinwand, 134 x 100 cmAQ: Wie war eigentlich ihr frühester Zugangzur Kunst gestaltet?Martin Cserni: Also ich habe bereits ganzfrühe Erinnerungen, in denen ich mit meinemVater, Franz Cserni in Künstlerateliers zuGast bin, oder Ausstellungen besuche. Auchviele unserer sonntäglichen Familienausflügekreisten in Wahrheit um den Besuch einerKunstausstellung, das verstand mein Vaterimmer sehr gut miteinander zu verbinden.Ich habe das ganz besondere Glück in derPerson meines Vaters einen Künstler, einenKunstkenner, -liebhaber und -sammler zufinden. Somit war mein Zugang zur Kunstvon frühester Jugend an ein ausgesprochenvielschichtiger. Was aber sehr prägend fürmich war, ist der Umstand, dass Kunst immerin engem Zusammenhang mit den Künstlern,die dahinter standen, wahrgenommen wurde.AQ: Bedeutet das, sie pflegen sehr häufig einenrecht engen Umgang mit den Künstlern, derenWerke sich in ihrer Sammlung befinden?MC: Soweit mir das möglich ist, gibt es fürmich kaum etwas Spannenderes und Faszinierenderes,als mit einem Künstler über alldas zu sprechen, was ihn bewegt und was ihnletztendlich zur Ausformung seiner Kunst antreibt.Im Laufe der vergangenen Jahrzehntehatte ich das Glück viele heimische Künstlermitunter auch sehr persönlich und völlig freivon üblicher Distanz kennenlernen zu dürfen.Es ist immer wieder etwas sehr Spezielles,wenn mich ein Künstler in seinem Atelierbegrüßt und ich mit ihm gemeinsam sein aktuellesWerk ergründen kann. Für mich sinddiese Momente ebenso wichtig, wie der Erwerbdes Kunstwerkes selbst.AQ: Wie setzt sich denn die SammlungCserni grundlegend zusammen und welcheWerksdichte besitzt sie.MC: Unsere Sammlung steht für österreichischeKunst nach 1960, wobei versucht wird,diese Zeit mit möglichst vielen Vertreterndarzustellen. Was die Werksdichte betrifft, sostehen wir aktuell etwa bei 400 Werken.AQ: Steht also die Vielzahl der Künstler oderauch deren Werksvielfalt im Vordergrundihrer Sammlertätigkeit?MC: Sicherlich ist es manchmal nicht möglich,von jedem Künstler gleich mehrere Werkein der Sammlung zu haben – das lässt jamitunter der aktuelle Kunstmarkt nicht zu.Vorrangig wollen wir möglichst viele Vertreterdieses kunsthistorischen Zeitfensters dokumentieren,wobei wir natürlich gerne auchmehrere Werke desselben Künstlers in unsereSammlung aufnehmen. Es ist also nicht so,dass wir etwa sagen würden, jeder Künstlerist nur mit einem einzigen Werk vertreten,ganz im Gegenteil.AQ: Hat sich der eigentliche des Prozess desSammelns ihrer Meinung nach in den vergangenenJahren gravierend verändert?MC: Ja und Nein. Zum einen hat mein Vaterals er vor mittlerweile fünfzig Jahren mit demAufbau der Sammlung begonnen hat, vieleder Werke im Tausch gegen seine eigenenBilder der Sammlung zugeführt. Das passiertheute eher seltener. Was aber die Art undWeise betrifft, wie von uns Kunst erworbenwird, so hat sich kaum etwas verändert. Füruns steht nach wie vor der enge Kontakt mitden Künstlern im Vordergrund. Oft schauenwir uns mehrmals Werke im Atelier an, bevoruns dann eines so sehr fasziniert, dasswir den Künstler anrufen und unseren Kaufwillenbekunden. Das geht manchmal sehrschnell, manchmal vergeht aber auch überein Jahr zwischen erstem Sehen und unbedingtemHabenwollen.AQ: Ihre Sammlung widmet sich in weitenTeilen sehr großen Formaten. Wie kommt esdazu und wo verfahren sie solche riesenhaftenWerke, ich denke da etwa nur an einenBrandl in ihrer Sammlung, der sich mit denWerksmaßen von 340 x 400 cm mehr als gewaltigausnimmt.MC: Mag sein, dass sich in dieser Vorliebefür großformatige Werke auch der sehr spezielleBlick des Architekten niederschlägt, derimmer besonders auf Raum und die dazuge-AQ 54 55 AQ


© Sammlung CserniMarkus Prachensky, Amanpuri 22;1988, Öl auf Holz, 155 x 80 cmLinke seite: Arnulf Rainer, Kreuz;1988, Öl auf Holz, 155 x 80 cmhörige Weite achtet. Schließlich ist ja die Architekturunser Grundgeschäft und den Blickden man sich im Tagtäglichen angeeignet hatlegt man dann eben wahrscheinlich auch beider Rezeption von Kunst nicht so leicht ab.Es ist aber auch so, dass mir Großformate seitjeher das unbeschreibliche Gefühl des Darineintauchensvermittelt haben. Solche Bildersind für mich wahre Bildwelten, in denen ichmich frei bewegen kann, ganz so, wie in realenRäumen. Nahezu sämtliche Großformate„lagern“ auf etwa 1000m2 in unserer altenTischlerei. Was dabei das Besondere ist, istder Umstand, dass diese direkt mit unseremWohnbereich verbunden ist, und ich somitimmer Zugang zu unserer Sammlung habe.Natürlich hängen auch in unserem Wohnbereichund in weiten Teilen des Unternehmensmit allen seinen Zweigniederlassungen Bilderaus der Sammlung. Auf diese Weise könnensich sowohl Mitarbeiter wie auch Kunden anden Kunstwerken erfreuen.AQ: Bei einer derartig hochkarätigen undumfangreichen Sammlung, gibt es da nochnicht den Wunsch nach einem eigenen Museum,um die Werke einer breiten Öffentlichkeitzugänglich zu machen.MC: Betrachtet man die Kunstgeschichte, sowaren seit jeher Kirchen und Museen die höchsteKür für einen Architekten. Natürlich ist dannder Anreiz nahezu übermächtig, ein Museumfür die eigene Sammlung errichten zu können.Vor allem, weil man ja alle diese Kunstwerkebereits durch und durch kennt und ganz genauweiß, welchen Raum und welche Fläche sie benötigenum bestmöglich wahrgenommen zuwerden. Ich hatte eine zeitlang die Vorstellung,dass ich an meinem 60. Geburtstag mein eigenesMuseum eröffne. Nach dem raschen Anwachsender Sammlung nach, glaube ich allerdingsmehr und mehr, dass das Museum wohl nichtmehr so lange auf sich warten lassen wird.AQ: Und wie ist es mit einer Präsentationder Sammlung in Wien? Wäre da ein Museumfür sie besonders interessant?MC: Wir haben uns eigentlich mit unsererSammlung nie sonderlich in die ÖffentlichkeitAQ 56 57 AQ


Gottfried Helnwein, Das stille Leuchten der Avantgarde;Triptychon, 1986, Fotografik/Mischtechnik auf Leinwand, 120 x 320 cmgedrängt, da das nicht unsere Intention beimSammeln ist. Immer wieder verleihen wirWerke für Ausstellungen und sind auch ansonstensehr kooperativ, wenn es darum gehtKunstprojekte zu unterstützen. Eine Sammlungspräsentationin Wien ist momentan nichtangedacht, aber das kann sich natürlich auchnoch ändern. (lacht)AQ: Merken sie, dass sich ihr eigener Zugangzur Kunst über die Jahre hinweg veränderthat und wenn ja auf welche Weise?MC: Ich denke, jeder, der sich grundsätzlichfür Neues offen zeigt, verändert seinen Zugangzur Kunst beinahe täglich. Jedes neueKunstwerk, jeder neuer Künstler mit demman konfrontiert wird, verändert den eigenenBlick auf die Kunst. Das eigene Universumwächst mit jeder Begegnung um einStück und so mit erweitert sich auch der eigeneHorizont. Ich selbst war beispielsweisesehr lange in der Zweidimensionalität vonÖlgemälden verhaftet und erst seit relativkurzer Zeit habe ich die Skulptur für michentdeckt. Das hat eines sehr langen und rechtzaghaften Annäherungsprozesses bedurft,aber jetzt, wo ich dort angekommen bin, lassenmich die Skulpturen gar nicht mehr los.So ist die Sammlung auch um Skulpturen vonWest und Wurm bereichert worden.AQ: In ihrer Dokumentation der österreichischenKunst nach 1960 vermisse ich die ArtBrut, allen voran die Künstler von Gugging.Gibt es einen bestimmten Grund, warum siebislang auf diese Ausformung heimischerKunst in ihrer Sammlung verzichtet haben?MC: Dabei ist es irgendwie so, wie mit denSkulpturen. Für mache Dinge brauche ich sehrlange bis ich mich tatsächlich mit ihnen auseinandersetze.So auch mit den Künstlern ausGugging. Ich kannte zwar diese Kunstrichtungdurch meinen Freund Fritz Poppmeier, der einigeWerke dieser Gattung in seiner umfangreichenKunstsammlung besitzt, doch war esmir bislang nicht wirklich möglich, mich dieserdoch sehr speziellen Kunst zu öffnen. Im Herbstvergangenen Jahres besuchte ich dann Guggingzum ersten Mal und war vom Museum undvon der Galerie recht beeindruckt. Auch diedort handelnden Personen haben mich sehrpositiv beeindruckt, da man dort Kunst lebt.© Sammlung CserniEtwas was mir selbst sehr entspricht. Wer weiß,vielleicht ist unsere Sammlung ja auch in nähererZukunft um das eine oder andere Meisterwerkaus Gugging reicher. (lacht)AQ: Denken Sie, das die ungemein starke liebezur Kunst, die sie mit ihrem Vater seit vielenJahren teilen auch auf die nächste Generationin ihrer Familie überschlagen wird?MC: Meine beiden Kinder sind ja erst sechsund acht Jahre alt, da wäre es wohl ein Wenigfrüh um von einer Kunstbegeisterung zu sprechen.Ich kann aber durchaus feststellen, dasssie sich bei gemeinsamen Besuchen in Ateliersund bei Vernissagen sehr wohlfühlen und allessehr interessiert aufnehmen. Sie sind ja, ganzgenau wie ich, mit der Kunst groß geworden,da ja um sie herum ein eigener Mikrokosmosaus Kunstwerken existiert in dem sie sich ausgesprochenwohl fühlen. Wichtig ist mir zuallererst, dass sie ihre Kindheit unbeschwertgenießen. Wenn sie sich für ein Leben mit derKunst entscheiden, so wird mich das natürlichganz besonders freuen, aber sollte dem nichtso sein, so ist dass auch ihre eigene und völligfreie Entscheidung. Auch mein Vater hat mirniemals irgendwelchen Druck gemacht, da erwahrscheinlich ganz genau wusste, dass gutKunst einem ohnehin früher oder später in ihrenBann zieht.AQ: Sie haben eingangs erwähnt, dass ihrVater auch selbst Künstler ist. Wie sehensie seine Werke und wie sind diese in dieSammlung Cserni integriert?MC: Ich persönlich schätze die Kunstwerkemeines Vaters sehr und muss ganz ehrlichsagen, dass ich ihn auch als Künstler in derSammlung hätte, wenn er nicht mein Vaterwäre. Was die Auseinandersetzung mit seinemWerk betrifft, so kann ich natürlich in vielenPhasen seines Schaffens auch sehr private Aspektewiederfinden. Etwa schwere Zeiten, wiedie Krebserkrankung und der Tod meinerMutter, aber auch die vor Kraft strotzende Phase,die den Aufbruch zu etwas neuem markiert.Die Werke meines Vaters werden in der Sammlungganz gleich gewertet, wie die aller andererKünstler auch. Mein großes Glück ist es aber,dass ich für seine exzellenten Bilder nichts zahlenmuss, ein Umstand, der mich immer wiedersehr freut, denn in Wahrheit sind geradeseine Werke für mich unbezahlbar.AQ 58 59 AQ

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