REISEN INS DEUTSCHE MITTELALTER - Fahrtziel Kultur

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REISEN INS DEUTSCHE MITTELALTER - Fahrtziel Kultur

EDITORIAL | Fahrtziel Kultur 03Mein Magdeburger PrivilegJa, ich bin ein Privilegierter. Das merke ich immer dann,wenn mein Blick von meinem Arbeitsplatz im MagdeburgerMDR-Funkhaus hinüber zum anderen Elbufer geht.Nein, nicht geht, sondern magisch angezogen wird vom DomSt. Mauritius und Katharina.Sofort beflügelt dieser Blick meine Fantasie, beginnt in mir eine Reise auf denDomplatz der heutigen Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts, auf dem genau diemittelalterlichen Gräben und Wälle im Pflaster nachvollzogen sind, die die karolingischeHandelsfestung Magdeburg unter Karl dem Großen schützten. Hierverteidigte das Imperium der Karolinger seine erkämpfte Ostgrenze an der Elbegegen die Slawen. Karl der Große persönlich sorgte per Dekret dafür, dass derkulturelle Vorsprung, so auch der sensationelle Kettenbrustpanzer der KarolingischenGrenztruppen, nicht schmuggelnd an die Feinde verhökert wurde.Dr. Winfried Bettecken,HörfunkchefMDR Sachsen-AnhaltNur gut hundert Jahre später, im hohen Mittelalter des 10. und 11. Jahrhundertsentstand die Architektur der Romanik. Brennpunkt der Ottonen ist Magdeburg,im 10. Jahrhundert als Rom des Nordens ausgestattet, als LieblingspfalzOttos des Großen, seiner ersten Frau Editha - und seiner Nachfolger. Halberstadtund Quedlinburg, Memleben und Merseburg, Naumburg und Tilleda prägen dasBild eines einzigartigen „Freilichtmuseums“ aus der glanzvollen Ottonenzeit.Von diesen Orten aus schrieben die Ottonen nicht nur deutsche Geschichte. InQuedlinburg fand der erste „EU-Gipfel“ statt, damals nannte Otto der Große diesnoch Hoftag. Von dort aus wurde nicht nur Prag zum wichtigen Bischofssitz, vonQuedlinburg aus legte Otto I. auch die Basis für die Königskrönungen in Polenund Ungarn.Die jetzt vorliegende dritte Ausgabe von „Fahrtziel Kultur“ habe ich mitVergnügen und Interesse gelesen. Bei der Lektüre hatte ich vor Augen, wie dasMittelalter bis heute Spuren in der ganzen Bundesrepublik hinterlässt, die jedesErlebnis wert sind. Gleich einem Füllhorn, voll mit Bildern und Geschichten, sollenwir mit bestem Gewissen verführt werden zu einer Schatzsuche in Mannheimund Mainz, Braunschweig und Eisenach, in Aachen und Regensburg, Speyer undWorms. Wir sollten uns darauf einlassen, das strahlende Mittelalter mit seinenProtagonisten in großen Ausstellungen neu zu entdecken, zum Beispiel in Mannheim„Die Wittelsbacher am Rhein“, in Aachen „Karl der Große“ und in Regensburg„Kaiser Ludwig der Bayer“. Für mich besonders spannend, weil neu, ist allesrund um das jüdische mittelalterliche Leben in Mainz, Speyer und Worms.Und sollte ihnen das fränkische Schloß Wernsdorf als Zentrum mittelalterlicherMusik oder die Leuchtenburg, wo Mittelalter Porzellan trifft, noch einBuch mit 7 Siegeln sein, dann ist allein das eine Reise wert.MagdeburgerReiterWas mich wirklich fasziniert: wohin Sie Ihre Reise ins deutsche Mittelalterauch führt, an welchen authentischen Ort, in welche grandioseAusstellung – Sie werden dort immer Spuren eines Europas finden, so,wie wir es heute kennen. Folgen Sie ihnen, es lohnt sich.Dr. Winfried BetteckenHörfunkchef MDR Sachsen-Anhalt

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