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PraxismagazinFrühjahr/Sommer 2013Informationen kostenlos für Sie zum Mitnehmenin Esslingen am NeckarFrisch renoviert!unsere Praxis strahlt inneuem GlanzZähne stärkenmit KräuternDer Ackerschachtelhalm:Ein Energiebündel ausder NaturSauer macht lustigDoch Zitronensäure kann denZahnschmelz schädigenGenießen trotz ZahnbehandlungZahnfreundlich Schlemmen mitSternekoch Vincent KlinkKersten Maier & Julia Thiel-MaierWolfgang SchorlauDer Krimiautor im Gespräch


EditorialBei uns ist jeder ein „VIP“. Dasbedeutet: Sie sind das Wichtigste,wir nehmen Ihre Bedürfnisseernst und möchten Ihnen denAufenthalt bei uns so angenehmwie möglich gestalten.Liebe Leserinnen und Leser,zum 1. Januar 2013 wurde die Praxisgebühr abgeschafft.Damit entfällt für uns auch ein erheblicher Verwaltungsaufwand– Zeit, in der wir uns noch intensiver um IhrWohlbefinden kümmern können.19Unser PraxisteamDürfen wir vorstellen?Sie sorgen rundum für IhrWohl und das Ihrer Zähne.Neu sind auch unsere völlig umgebauten Praxisräume.Genießen Sie das moderne, entspannte Ambiente – undblättern Sie dabei in der neuen Ausgabe unseres Praxismagazins.Darin haben wir wieder viel Wissenswertes,Unterhaltsames und Kurioses aus der Welt der Zähnefür Sie zusammengestellt.Viel Vergnügen beim Lesen wünschen IhnenJulia Thiel-Maier & Kersten Maier20Unsere LeistungenKennen Sie schon EviDentKids, den Kinderbereichunserer Praxis? Erfahren Sie,was wir sonst alles leisten –für unsere kleinen Patientenund für die großen.Nachhaltigkeit ist uns wichtig. Deshalb wurde diesesMagazin klimaneutral auf Recyclingpapier gedruckt.


4Vorsicht sauer!Immer mehr Lebensmittelenthalten Zitronensäure – eineGefahr für den Zahnschmelz,besonders bei Kindern.16ZahnfreundlichSchlemmenSternekoch Vincent Klink zeigt:Auch nach einer Zahnbehandlungmuss niemand auf kulinarischeGenüsse verzichten.InhaltVon Rebellen,12Ermittlern undZahnärztenDer Krimiautor WolfgangSchorlau spricht über sichund sein neues Buch.310Queerbeet:AckerschachtelhalmDie uralte Pflanze bringt neueEnergie und kann helfen,die Zahnsubstanz zu stärken.15Von der Heiligenzur Pop-Art-IkoneDie Heilige Apollonia gilt alsSchutzpatronin der Zahnleidenden.Andy Warhol entdecktesie für die moderne Kunst.6Die Zähne desPräsidentenGeorge Washington hatte zwölfProtesen. Er konnte es sich leisten.Lange war Zahnersatz ein Privilegder Reichen.Nachgefragt:184Richtig ZähneputzenMobile Helfer:Zahnputz-Apps5Lexikon:VeneersZahn global:11Zähnefärben in JapanMagazin, Impressum


4Ernährung:Sauer macht lustig –nur die Zähne nichtZu viel Süßes ist schlecht für dieZähne. Doch auch säurehaltigeSpeisen und Getränke könnendie Zahnsubstanz schädigen.Darauf weist der Verband fürUnabhängige Gesundheitsberatunge. V. (UGB) hin. In immermehr Lebensmitteln werde zurGeschmacksverbesserung Zitronensäureeingesetzt. Diese könneden Zahnschmelz angreifen.Besonders gefährdet: Kinder, dieLimo, Eistee & Co. aus Nuckelflaschentrinken. „Die permanteSäureumspülung der Zähneführt schon nach wenigen Monatenzu Schmelzerosionen anden oberen Schneidezähnen“,erklärt Prof. Dr. med. dent. Willi-Eckhard Wetzelvom Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkundean der Universität Gießen. Dieser Effekt werdedurch große Mengen Zucker noch verstärkt. Elternsollten deshalb Saugflaschen und Trinklerngefäßemit Schnabelaufsätzen oder Ansaugventilen nurals kurzfristige Lernhilfe bei ihren Kindern einsetzen.Generell empfiehlt Wetzel, nach dem Essen oderTrinken von säurehaltigen Lebensmitteln die Zähnenicht stark zu schrubben, da sich sonst derAbrieb der oberen Zahnschichten verstärkt. Stattdessensollte der Mund mit Wasser oder Milch ausgespültwerden, um die Säure zu verdünnen undden Ersatz der herausgelösten Mineralien zu beschleunigen.Mehr Informationen: www.ugb.de?Nachgefragt:„Wie putze ich die Zähne ambesten: elektrisch oder manuell?“„Das kommt darauf an. Prinzipiellunterscheiden sich Hand- und elektrischeZahnbürsten in ihrer Reinigungsleistungkaum. Das manuellePutzen erfordert jedoch die richtigeTechnik sowie mehr Geschick, Motivationund Ausdauer. Wer diesenicht aufbringen kann oder will, istmit einer elektrischen Bürste besserbedient – Bequemlichkeit, die allerdingsihren Preis hat.Doch egal ob elektrisch oder manuell:Viel wichtiger ist, dass Sie IhreZähne regelmäßig und gründlichputzen – und die Bürste spätestensalle drei Monate wechseln.Wir beraten Sie gerne ganz individuell,wie Sie Ihre Zähne am bestenpflegen können.“Fotos, oben: Jakub Pavlinec, links: VaLiza, rechts: Caruso – Fotolia.com


Zahnmedizin• • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • •5Die aktuelle Umfrage: Auswahlkriterien beim ZahnersatzLexikon:VeneersMotivationsschub für Zahnputz-Muffel: Brush DJ spielt auf Knopfdruckzwei Minuten lang einenzufällig ausgewählten Titel – wahlweiseaus einer Playlist oder der Musiksammlungdes Handys. Den Putzfortschrittsignalisiert die stylischeAnwendung durch einen farbigenKreis. Wer sein Gebiss nach Bereichenputzt, wird auf Wunsch alledreißig Sekunden durch einen Signaltonzum Wechseln der Putzzoneaufgefordert.Ganz Vergessliche können sich zudemzweimal täglich ans Zähneputzensowie an den nächsten Bürstenwechselund Zahnarztbesucherinnern lassen. Die zusätzlichenZahnpflegetipps – wie die gesamteApp in englischer Sprache – entsprechennicht immer den in Deutschlandgeltenden Empfehlungen.Smartphones:Zahnputz-Apps helfen bei der ZahnpflegeBrush DJ ist kostenlos für iPhone,iPad und Android erhältlich.www.brushdj.comDie einfache und leichtgewichtigeAndroid-App Zahnfee gibt eine Einführungin das Zähneputzen mit derBASS-Methode. Während der freiwählbaren Putzzeit zwischen 2 und6 Minuten wird jeder einzelne Schrittkurz erklärt. Der Clou: Die Texte lassensich individuell anpassen. Sokönnen zum Beispiel Kinder mit ihremNamen angesprochen werden.Da macht Zähneputzenlernen nochmehr Spaß! Manko: Die blecherneStimme der Android-Sprachausgabeist etwas gewöhnungsbedürftig.Zahnfee kann kostenlos bei Google-Play heruntergeladen werden.play.google.com/store/apps/details?id=com.raruEin Veneer ist eine dünne Keramikschale,die mit einem Kleber aufden Zahn aufgebracht wird. DasKeramikmaterial ist äußerst dünnund lichtdurchlässig. Daher siehtein Veneer nicht künstlich aus undkann die natürliche Zahnsubstanzperfekt imitieren. Gesundheitsrisikenbestehen keine, denn Keramik ist einbiokompatibles, körperverträglichesMaterial.Veneers werden bei Zähnen eingesetzt,die viele alte Füllungen haben,Fehlstellungen aufweisen oderverfärbt sind, zum Beispiel durcheine Wurzelkanalbehandlung. AuchZahnlücken – vor allem im Frontzahnbereich– können mit Veneersohne lange kieferorthopädische Behandlunggeschlossen werden.Der Autor:Kersten Maier ist Zahntechnikermit eigenem Labor in Esslingenam NeckarDie App Brush DJ motiviert mit Zufallsmusikvom Smartphone zum Zähneputzen


6Eine kurze Geschichte des ZahnersatzesGeorge Washingtons GebissZahnersatz ist keine Erfindung der Neuzeit: Versuche, die Folgen von Zahnverlustzu kaschieren, werden schon seit mindestens 2800 Jahren unternommen.Lange war Zahnersatz aber ein Privileg der Reichen. Das belegen auch die ZähneGeorg Washingtons, des ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.Von Oliver StenzelWashington überquert den Delaware, Öl auf Leinwand 1851, 378,5 cm × 647,7 cm, Detailvon Emanuel Leutze (1816 – 1868), Metropolitan Museum of Art, New York


George Washington, Öl auf Leinwand 1797von Gilbert Stuart (1755 – 1828), 73,5 cm × 61,1 cm, DetailDer Weg, der George Washington (1732 – 1799)zu einem der Gründerväter der USA machte,war ein militärischer. Aufgewachsen auf einervon Sklaven bearbeiteten Plantage in Virginia,genoss er eine einfache Schulbildung.Prägend war mehr seine Freundschaft mit denadeligen Nachbarn, besonders mit Sally Fairfax,der Schwiegertochter des Hausherren.Bis zu seinem Lebensende stand Washingtonin Briefkontakt mit ihr. Manche spekulieren,die Hoffnungslosigkeit dieser „Liebe seinesLebens“ habe ihn zur Armee getrieben.In den „Indianerkriegen“ stand George Washington,im Auftrag des Gouverneurs vonVirginia, aufseiten der britischen Krone. Nachden ersten Gefechten schrieb Washington anSally Fairfax: „Ich kann Dir versichern, ichhörte die Kugeln pfeifen, und glaub’ mir, es istetwas Verführerisches in diesem Geräusch.“Selbst das Debakel der Schlacht am Monongahela1755, in dem die Briten unter General EdwardBraddock hohe Verluste erlitten, konnteGeorge Washington als Pluspunkt verbuchen.Obwohl drei Pferde unter ihm erschossenwurden und Braddock und alle anderen Adjutantengefallen waren, gelang es ihm, denRückzug zu organisieren. Ende 1758 verließer als Oberst sein Regiment, trat ins AbgeordnetenhausVirginias ein und entschloss sichzur Heirat mit einer reichen Witwe.Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegendas englische Königreich bewies GeorgeWashington als Kommandeur der Kontinentalarmeevor allem Organisationstalent. Er fördertedie richtigen Leute, mit großer Umsichtund Guerilla-ähnlicher Taktik führte er seinezahlenmäßig stets unterlegenen Truppenschließlich zum Erfolg.Den Portraits des Präsidenten sieht man an,dass er ein Problem mit seinem Gebiss hatte.Bei seiner Amtseinführung 1789 war ihm nurnoch ein einziger eigener Zahn verblieben.Naheliegend wäre, den Grund dafür in denStrapazen und der Mangelernährung währendder Kriege zu suchen. Dabei war es wohleher der in seiner Schicht übliche Genuss vonextrem viel Zucker.George Washington besaß mindestens 12 Vollprothesen.Mehrere der Prothesen sind erhaltenund erlauben Rückschlüsse auf den Standder Zahntechnik in dieser Zeit. Sein letztesGebiss, ausgestellt im National Museum ofAmerican History in Washington D. C., verfügteetwa über eine Gaumenplatte aus Gold,in die aus Flusspferdzahn geschnitzte Zähneverdübelt sind. Ganz aus Flusspferdzahn istdie untere Gebisshälfte gearbeitet, und beideStücke sind mit einer Stahlfeder zusammengehalten– nur so konnte die obere Hälfte abgestütztwerden.Auch wenn die meist vom Zahnarzt JohnGreenwood gefertigte Gebisse technisch aufder Höhe der Zeit waren, vom Komfort undder Funktionalität moderner Prothesen warensie noch meilenweit entfernt – Washingtonsoll große Schwierigkeiten beim Sprechenund Essen gehabt haben. Auch am ästhetischenGewinn lassen seine Porträts Zweifelaufkommen.Vollprothesevon GeorgeWashington(Ende 18. Jh.)Die ersten Versuche, verlorene Zähne zuersetzen, gab es weit früher. Bei ägyptischenMumien aus dem dritten vorchristlichenJahrtausend wurden schon mit Golddraht fixierteZähne gefunden. Als Meister in der frühenDentaltechnik gelten indes die Etrusker.Bei dem etwa ab dem 8. Jahrhundert v. Chr.im Gebiet der heutigen Toskana lebenden Volkwaren bereits hoch entwickelte Zahnprothesenverbreitet: In kunstvoll gearbeiteteZ


8ZFotos: proDente e.V. / Medizinhistorisches InstitutEine kurze Geschichte des ZahnersatzesKonstruktionen aus Goldblechstreifenwurden Ersatzzähne von Menschoder Kalb eingefasst und diese „Brücke“dann an verbliebenen gesundenZähnen befestigt.Brücken mit Golddraht:Die Anfänge in der AntikeNach ähnlichem Prinzip, aber weiteinfacher gearbeitet, funktioniertenBrückenkonstruktionen mit Golddraht,die zur gleichen Zeit im Mittelraumverbreitet waren: Zähne vonverstorbenen Menschen, Tieren, ausElfenbein oder Holz wurden mit demDraht umwickelt und an verbliebeneZähne gebunden.Etruskische Goldstreifenbrücke,ca. 8. Jahrhundert v. Chr.Ligatur aus Golddraht,Phönizien, ca. 5. Jahrhundert v. Chr.Kauen konnte man mit diesen frühenZahnprothesen aber nicht, sieverbesserten lediglich die Ausspracheund das optische Erscheinungsbild.Zudem war diese überaus teureArt von Zahnersatz nur Reichen vorbehalten– was ganz allgemein fürZahnersatz bis in die jüngste Vergangenheitgilt. Der Mundhygienewaren diese frühen Zahnprothesenübrigens nicht unbedingt förderlich:An den Drähten setzten sichleicht Bakterien fest, Entzündungenim Mundbereich oder Karies an denumwickelten, noch gesunden Zähnenkonnten die Folge sein.Die alten Römer übernahmen dieDentaltechnik wohl von den Etruskern:Bei Ausgrabungen stieß manauf Brückenkonstruktionen von einemEckzahn zum anderen, diekosmetisch fast perfekten Ersatzfür Schneidezähne boten. Zahnersatzwar bei wohlhabenden Römerndurchaus üblich und verbreitet.Nach dem Untergang des RömischenReiches im 5. Jh. n. Chr. gingen vielewissenschaftliche und damit auchzahnmedizinische Kenntnisse verloren.Medizinische Literatur der Antikewurde jedoch von islamischenGelehrten gerettet und gelangteungefähr ab der Zeit der Kreuzzügewieder nach Europa.Prothesen aus Tierknochenund FlusspferdzahnAus der Zeit um 1500 stammt einefrühe Version einer kompletten Gebissprothese,die bei Basel gefundenwurde. Mit einem echten Gebiss hatdie plumpe, aus einem Rindsknochengeschnitzte Apparatur aber nur entferntÄhnlichkeit. Zwei gleichmäßigbreite, durchgehende Leisten, mitBlechstreifen verbunden, sollten diefehlenden Zahnreihen ersetzen. Sieließen den Träger bei geschlossenemMund wohl besser, beim Sprechenaber vermutlich wie eine Comicfiguraussehen. Zum Essen taugte dieserZahnersatz nicht.Einen großen Sprung markiert danneine bei einem Skelett in Göppingengefundene Gebissprothese aus dem16. oder 17. Jahrhundert. Aus Flusspferdzahngeschnitzt, stellt sie wohldie älteste bekannte permanent getrageneProthese dar. Sie ersetztealle vier Oberkiefer-Schneidezähneund war sehr präzise gearbeitet,millimetergenau wurde sie zwischenden Eckzähnen eingepasst und andiesen mit Golddraht befestigt. Bemerkenswert:Sie konnte auch zumKauen (wenn auch nur von weicherNahrung) verwendet werden konnte.Nichts geändert hatte sich allerdingsdaran, dass sich nur Reiche soeinen Zahnersatz leisten konnten.Kein billiges Massengut dürfte auchder verwendete Flusspferdzahn gewesensein – für lange Zeit sehr beliebtfür Zahnersatz, da wesentlichhärter und weißer als Elfenbein.Doch egal, ob aus diversen Tier- oderMenschenzähnen Zahnersatz hergestelltwurde, alle organischen Materialienhatten das gleiche Problem:Im Mund wurden sie schnell Opfervon Karies, zersetzten sich und rochenübel.Vollprothesen mit Federn:Fauchards Aufbruch in dieModernePierre Fauchard in seinem Buch„Le chirurgien dentiste“ (1728)Geradezu für einen Quantensprungsorgte Anfang des 18. Jh. der französischeZahnarzt Pierre Fauchard(1678–1761). Gerade im Gebiet desZahnersatzes beschrieb er alle bekanntenMethoden und Technikendetailliert und hielt viele selbst entwickelteVerfahren fest – darunterfest verankerte Brücken, Ersatz ganzerZahnreihen und Vollprothesen.Im letzteren Fall wurden die Zahnreihenkomplett aus Flusspferd- oderElfenbein geschnitzt und mit Bandfedernaus Stahl verbunden. Von derFunktion waren diese Gebisse zwarein großer Fortschritt, ihr Tragekomfortaber immer noch mangelhaft.Weder lagen sie gleichmäßig aufdem Kieferprofil auf, noch machtesich Fauchard über die Bisshöhe Gedanken.Metallfedern nach dem PrinzipFauchards sollten noch bis weit ins19. Jahrhundert fester Bestandteil


von Gebissen bleiben. Erste Prothesen,die sich rein auf Saugwirkungverließen, soll zwar der amerikanischeZahnarzt James Gardette schonum 1800 hergestellt haben, perfektioniertwurde dieses Prinzip abererst viel später.Ein Pionier war Fauchard auch beimVersuch, mit aus Email gebranntenZähnen erstmals Zahnersatz aus anorganischemMaterial herzustellen.Email-Zähne kannte auch PhilippPfaff (1713–1766), königlich-preußischerHofzahnarzt von Friedrichdem Großen. Er stand aber vor allemfür eine revolutionäre Idee beimZahnersatz: Als erster fertigte er,nach Abdrücken mit Siegelwachs,Gipsmodelle des Kiefers.Kein übler Geruch mehr:Die Entwicklung vonPorzellanzähnenEinen entscheidenden Fortschritt hinzu ästhetisch, hygienisch und funktionalbesserem Zahnersatz brachteEnde des 18. Jahrhunderts die Entwicklungvon Porzellanzähnen. Weilder Apotheker Alexis Duchâteau mitseinem eigenen übel riechendenZahnersatz unzufrieden war, ließ er1774 in einer Porzellanmanufakturein ganzes Porzellangebiss brennen.Ein großes Problem stellte noch dieSchrumpfung des Porzellans beimBrennen dar. Eine genaue Passformwar eher Zufall.Erfolgreicher war der Pariser ZahnarztNicolas Dubois de Chémant, dersich 1791 durch ein Patent für 15Jahre ein Herstellungsmonopol fürZahnersatz aus Porzellan sicherte.Nach Abdruck-Modellen geformt,sollen seine Porzellangebisse relativpassgenau und auch ein wirtschaftlicherErfolg gewesen sein.Einen wichtigen Schritt stellte 1808die Herstellung von Einzelzähnen miteingebrannten Platinstiften durchden Italiener Giuseppangelo Fonzidar. Um 1840 schließlich begann inEngland und den USA die industrielleProduktion von Porzellanzähnen,wodurch sie auch für weniger begüterteSchichten erschwinglicherwurden. In Pforzheim gründete erst1893 der Zahnarzt Friedrich AugustWienannd die „Erste KontinentaleZahnfabrik Wienand & Co.“Menschliche Zähneals ZahnersatzTrotzdem blieb die Verwendung vonTier- und Menschenzähnen weit verbreitet– auch George WashingtonsGebisse bestanden ja zu großen Teilenaus Flusspferdzahn.Ziemlich haarsträubend erscheint diein der zweiten Hälfte des 18. Jh. verbreitetePraxis von Zahntransplantationen:Zähne gesunder Menschenwurden gezogen und an Menschenmit Zahnverlust verpflanzt. Das sozialeGefälle zwischen Spendern undEmpfängern dürfte beträchtlich gewesensein. Dauerhafter Erfolg warsolchen Transplantationen allerdingsnicht beschieden.„Waterloo-Zähne“: Prothesemit Zähnen von Gefallenen derSchlacht von Waterloo (1815)Deutsches Historisches MuseumUm diese Zeit verwendeten Zahntechnikerauch menschliche Zähnefür Prothesen. Besonders begehrtwaren die „jungen“ Zähne welchedie Leichenfledderer den Gefallenennach einer Schlacht herausbrachen.1820, fünf Jahre nach dem Endeder Napoleonischen Kriege, erinnertesich der berühmte französischeZahnarzt Christophe Francois Delabarrewehmütig an die Zeiten, „alsder Krieg seine Ernte eingebrachthatte und man die schönsten Zähnebekam, gesund und geeignet zumErsatz“.Zur gleichen Zeit bahnte sich schondie folgenreichste Revolution beider Herstellung von Zahnersatz an:Nachdem Kautschuk schon von Kolumbusnach Europa gebracht wordenwar, entdeckte der AmerikanerCharles Goodyear 1839 den Vulkanisierungsprozess,um daraus Hartgummiherzustellen.Gemeinsam mit dem Zahnarzt ClarkSamuel Putnam ließ Goodyear 1855die Herstellung von Kautschukprothesenpatentieren. Sie blieben beimZahnersatz erste Wahl, bis in den1930er-Jahren geeignete Kunststoffefür die Prothesenherstellung entwickeltwurden. Erstmals war hochwertigerZahnersatz für weite Teileder Bevölkerung erschwinglich.George Washington hatte sich seineZähne einiges kosten lassen: In den20 Jahren von 1772 bis 1792 soller für Behandlungen und Prothesen1.000 Dollar ausgegeben haben.Zum Vergleich: In der gleichen Zeitkamen sämtliche Arzthonorare undMedikamente für die 200 Arbeiterseiner Farm auf 2.000 Dollar.Heute muss niemand mehr mit Zahnlückenherumlaufen – zumindest inDeutschland. Dafür sollen auch Härtefallregelungenfür Menschen mitgeringem Einkommen sorgen. Fürsie übernimmt die Krankenkasse denEigenanteil an der Regelversorgung.9Der Weg zum Massenmarkt:KautschukprothesenVollständiges Gebiss aus vulkanisiertemKautschuk mit Gebissfedern (1863),Dentalhistorisches Museum ZschadraßZahnersatz für alleFoto: Rolf Walter


10QUERBEETDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDBuchtipp:Beim Zahnarzt ganz entspanntOb Vorsorge, Zahnreinigung oderFüllung: Wir tun alles, Ihren Besuchin unserer Praxis so angenehm wiemöglich zu gestalten. Für eine entspannteBehandlung können Siejedoch auch selbst etwas tun. Vielewertvolle Tipps dazu finden Siein dem Ratgeber »Entspannt zumZahnarzt«. Die Autoren, ein Zahnarztund ein Psychologe, erläuternanhand vieler praktischer Beispiele,wie Angst vor einer zahnärztlichenBehandlung entstehen kann undwie man sie mit leicht nachvollziehbarenpsychologischen Hilfsmittelnüberwindet. Denn niemand ist demZahnarzt ausgeliefert, jeder kann seineBehandlung mit steuern. So wirdder Patient zum Partner des Zahnarztesund beide können gemeinsamzum Gelingen der Behandlungbeitragen.Albrecht Schmierer,Gerhard Schütz:Entspannt zum Zahnarzt.So überwinden Sie Ihre Angst157 Seiten, 14,95 Euro,ISBN 978-3-89670-587-7Auch die Zähne brauchen malRuhe – undAckerschachtelhalmAlles, was wir materiell sind, wird gemäß der TraditionellenChinesischen Medizin durch das Nieren-Yingebildet. Unsere Zähne sind dabei die dichteste Substanz.Wenn wir lange immer wieder über unsere Grenzenleben, wird das Nieren-Yin stark beansprucht. So kannes zum Schwund von Substanz (Yin) kommen:Die Zähne beginnen zu wackeln, die Knochendichtenimmt ab und die Anfälligkeit für Karies und Wurzelentzündungensteigt. Ein Yin-Mangel äußert sich darin,dass wir nicht zur wohlverdienten Ruhe finden. Wirwollen mehr, als wir schaffen können, und gönnen unszu wenige Pausen.Zum Yin-Aufbau empfiehlt es sich, Pausen schon vorden ersten Anzeichen von Übermüdung einzulegenund schluckweise warmes Wasser zu trinken. Besondershilfreich ist auch der Ackerschachtelhalm (Equisetumarvense). Diese 400 Millionen Jahre alte Pflanzewar ein wichtiger Bestandteil der Wälder, aus denendie Steinkohle entstanden ist. Als hätte sich in ihr dieursprüngliche Energie konzentriert, tonisiert sie unsereNierenenergie an sich, hat durch ihre etwas kühlendeTemperatur jedoch eher Yin-Charakter.Durch einen sehr hohen Gehalt an Kieselsäurenährt der Ackerschachtelhalm den Yin-Anteil verschiedenerGewebe und wirkt unter anderem heilend beiSubstanzverlusten von Knochen und Zähnen (Osteoporose,Karies, Nekrosen). Seelisch kann er unsere innereStruktur stärken, damit wir die Aufgaben in unseremRhythmus erledigen. Sein aus Segmenten aufgebauterPflanzenstängel ähnelt der Wirbelsäule und entfaltetdort eine wunderbare Heilwirkung. Der Ackerschachtelhalmfestigt das Gewebe und wirkt harntreibend,schmerzlindernd und entzündungshemmend.Ein Tee aus Ackerschachtelhalm sollte 20 Minutenauf kleiner Flamme gekocht werden. Zusammenmit einer sorgsamen Zahnpflege und regelmäßigenzahnärztlichen Untersuchungen kann die Pflanze soihre zahnunterstützende Wirkung optimal entfalten!Die Autorin Nathali Winckler schreibt regelmäßigüber westliche Kräuter in der Traditionellen ChinesischenMedizin und führt eine Praxis für TraditionelleChinesische Medizin, Shiatsu und Akupunktur inFreiburg i. Br.


DDDDDDDDDDMagazin• • • • • • • • • • • • • • • •11Die japanische Mode des ZähneschwärzensOhaguroFoto: Paul Schwarzl, unpict-Fotolia.comBlendend weiße Zähne – ein universelles,auf der ganzen Welt geltendesSchönheitsideal? Das trafzumindest in Japan lange nicht zu.Dort war das Schwärzen der Zähne,das Ohaguro, mehrere Jahrhundertelang eine weit verbreitete Mode.Knochenfunde belegen, dass dasZähneschwärzen wohl schon umdie Mitte des ersten nachchristlichenJahrtausends angewandt wurde. ZurMode wurde es allerdings erst in derHeian-Zeit (794–1185).Zunächst war es besonders im Hochadelverbreitet, unter Frauen undMännern gleichermaßen, späterauch bei den Samurai als Symbol fürdie Treue zum Lehnsherrn. Ab dem17. Jahrhundert war das Ohagurovor allem bei verheirateten Frauenals Symbol ehelicher Treue üblich,wurde aber auch von Prostituiertenhäufig praktiziert. Männer färbtensich dagegen im Laufe der Jahrhunderteimmer seltener die Zähne.Um das Färbemittel herzustellen,wurde Eisenschrott, zum Beispielrostige Nägel, erhitzt und in eine Mischungaus Wasser, Essig und konzentriertemTee gegeben. MehrereTage musste die Mischung fermentieren,wurde wieder aufgekocht,gefiltert und abgefüllt. Vor dem Auftragenauf die Zähne kam noch einPulver dazu, das aus den Gallnüssendes japanischen Suma-Baumes gewonnenwurde. Lange hielt die Farbenicht: Nach zwei bis drei Tagenmusste die Färbung erneuert werden,um tiefschwarze Zähne zu bewahren.Nach neueren ForschungenJunge Frau beim Zähneschwärzen,Farbholzschnitt vonUtagawa Kunisada (ca. 1832)soll das Färbemittel sogar in gewissemUmfang Schutz vor Karies undDemineralisation geboten haben.Das Ohagura verschwand allmählichab Mitte des 19. Jahrhunderts, alsJapan seine über 200 Jahre dauerndeIsolationspolitik gegenüber demAusland aufgab. Mit der Modernisierungund zunehmenden Verwestlichungder Gesellschaft kamen auchalte Traditionen wie das Zähnefärbenaus der Mode. Um 1900 färbtensich nur noch vereinzelt Prostituiertedie Zähne.


12Von Rebellen und ErmittlernInterview mit dem Schriftsteller Wolfgang Schorlau„Ich bin ein sehr politischer Mensch“Es muss nicht immer Mankell sein: Wolfgang Schorlau ist mit seinen spannendenund raffiniert konstruierten Romanen um den Stuttgarter Privatermittler Denglerzu einem der erfolgreichsten deutschen Krimi-Autoren geworden. Über 500.000Mal wurden seine sechs Dengler-Krimis bereits verkauft. Außergewöhnlich dabei:Schorlau thematisiert in seinen Kriminalromanen immer brisante politischeThemen, befasst sich mit gesellschaftlichen Missständen – ob Neonazis, in Auslandseinsätzentraumatisierte Soldaten oder Korruption in der Pharmaindustrie.Für seinen neuesten Roman „Rebellen“ hat er das Krimi-Genre verlassen – undverarbeitet dabei auch Teile seiner Biografie.Herr Schorlau, Sie haben einenungewöhnlichen Lebensweg:Bevor Sie mit dem Schreibenanfingen, waren Sie Manager ineiner Computerfirma. Wann habenSie sich entschlossen, diesenBeruf aufzugeben und Schriftstellerzu werden?Mit Ende 40. Um die Jahrtausendwende.Ein schon lange gehegter Traum?Ja, das war es. Ich habe das Schreibenja eigentlich über das Verfassenvon Flugblättern gelernt. Und da diemanchmal auch an meiner Berufsschuleoder dort im Betrieb verteiltwurden, konnte ich immer soforttesten, wie das Feedback ist – je konkreter,desto besser. Besonders literarischwaren die aber noch nicht.Haben Sie irgendwann bereut,den vermutlich sichereren Managerjobaufgegeben zu haben?Manuskript zum ersten Roman angefangenhatte, einen befreundetenSchriftsteller besucht, um ihm meineIdee zu erzählen. Ich fing an: „DieHauptfigur ist ein Privatermittler …“,da hat er mich gleich unterbrochen:„Du brauchst gar nicht weiterzureden,das funktioniert nicht!“ „Warum?“,fragte ich, und er sagte: Weildie Deutschen so obrigkeitshörig seien,dass sie nur mit einem verbeamtetenErmittler mit Pensionsansprucheinverstanden wären. Aber auf keinenFall mit einem Privatermittler!Das hat mir eine unruhige Nachtbeschert, der Roman war ja schonzur Hälfte fertig. Ich bin seinem Ratdann doch nicht gefolgt, habe aberein kleines Zugeständnis gemacht:Mein Privatermittler Georg Denglerwar früher einmal Zielfahnder beimBundeskriminalamt.Foto: Bettina Fürst-FastréKeine Sekunde. Obwohl die Anfangszeitnatürlich schwierig war. Ichhabe einmal, nachdem ich mit dem


13„Ein Freund riet mir ab: EinPrivatermittler – das funktioniertin Deutschland nicht!“Wie lange hat es dann gedauert,bis sich der Erfolg eingestellthat?Der erste Roman „Die blaue Liste“erschien ja als Hardcover und lagwie Blei in den Bücherläden. Niemandwollte für diesen unbekanntenNamen 20 Euro ausgeben. Dafürhabe ich tiefstes Verständnis,aber für mich war das natürlich eineQual. Jeden Tag rief ich beim Verlagan und fragte. Wie viele Bücher habtihr schon verkauft? Und die sagtendann: Gestern fast eines in Frankfurt.Der Erfolg stellte sich erst mit der Taschenbuchausgabeein.Wie kamen Sie dazu, nach bishersechs Krimis jetzt mit „Rebellen“das Genre zu verlassen?Ich schreibe zwischendurch immerwieder mal was anderes. Nach demersten Dengler-Krimi habe ich einenLiebesroman geschrieben, spätereine Biografie über den JazzmusikerWolfgang Dauner. Die Idee für die„Rebellen“ hatte ich aber schon sehrlange, schon bevor ich „Die blaueListe“ geschrieben habe. Ich habe eslange vor mir hergeschoben, es gabviele Entwürfe, die ich dann wiederverworfen habe.Um was geht es in dem Roman?Es ist eine Geschichte, in der ichmich am Beispiel von drei Figurenmit der Frage beschäftige, wie manmit den Idealen der Jugend umgeht,• • •


14• • •Wolfgang Schorlau,1951 in Idar-Oberstein geboren,lebt und arbeitet als freier Autorin Stuttgart. 2006 wurde er mitdem deutschen Krimipreis ausgezeichnet.Von seinen Kriminalromanen umden Privatermittler Dengler sindbereits sechs Bände erschienen,zuletzt „Die letzte Flucht“.www.schorlau.comDie frühen 1960er-Jahre in Freiburg:Alexander, der aus einemwohlhabenden Haus kommt,freundet sich mit Paul an, der imEisenbahn-Waisenhort nebenanaufwächst. Beide engagieren sichaus unterschiedlichen Motiven inlinken Bewegungen – Alexandersucht Freiheit, Paul will sozialeGerechtigkeit. Da treffen sie aufToni, für beide die Frau ihres Lebens.Rebellen ist eine Geschichtevon Freundschaft, Liebe undVerrat, von den gesellschaftlichenUmwälzungen der 60er- und70er-Jahre und den damit verbundenenTräumen und Idealen – undvon dem, was von den Idealenschließlich übrig bleibt.was von ihnen bleibt. Es geht umzwei Freunde – Paul, der in einemWaisenhaus aufwächst, und Alexander,der in einem wohlhabendenFreiburger Stadtteil wohnt – und umToni, in die sich beide verlieben. Paulist Arbeiter, und als Ende der 60erdie Studenten auf die Idee kommen,dass der Arbeiterklasse die Zukunftgehört, ist Paul plötzlich ohne eigenesZutun mittendrin.Sie sind ungefähr so alt wie dieHauptfiguren und waren selbstin der 68er-Bewegung aktiv.Wie viel Autobiografisches stecktin dem Roman?„Die Romane sind für michGelegenheit, tief in ein Themaeinzutauchen“Natürlich habe ich viel aus dem eigenenKopf recherchiert, der Romanspielt in meiner Lebenszeit, es gehtja von den frühen 1960er-Jahren bisheute. Und ich habe auch eine ähnlicheEntwicklung wie die Figurengemacht – die linke Rebellion in den60er-Jahren und die dogmatischenVerhärtungen in den 70er-Jahren. Essind viele eigene Erfahrungen dabei.Ist es für Sie eigentlich leichter,einen Krimi zu schreiben odereinen Roman wie diesen?Dieser Roman hat mich sehr vielKraft gekostet. Und er war geplagtvon großen Krisen und Selbstzweifeln.Ich wollte im Grunde genommenauch einem biografischen Rätselvon mir nachgehen: Wie konntees sein, dass aus einem rebellischenJugendlichen mal dieses Arschlochgeworden ist?Sie betrachten sich als eines?Ich war eines, ich glaube, oder ichhoffe, ich bin’s nicht mehr (lacht).Zurück zu den Dengler-Krimis:Ungewöhnlich ist ja nicht nurdie Figur des Privatermittlers,sondern auch, dass alle Geschichtenreale politische Bezügehaben. War das von vornhereinso geplant oder hat es sich eherergeben?Das ist das Konzept der Dengler-Romane. Ich bin ein sehr politischerMensch, interessiere mich für politischeFragen und dafür, wie Menschendas Zusammenleben organisieren.Die Dengler-Romane sind fürmich Gelegenheit, tief einzutauchenin bestimmte Fragestellungen, ichkann mich dann eineinhalb bis zweiJahre mit einer Geschichte, einemThema gründlich beschäftigen.In ihrem letzten Dengler-Roman„Die letzte Flucht“ geht esum Missstände des deutschenGesundheitssystems, um Korruptionund kriminelle Machenschaftenin der Pharmaindustrie.Nach den zweijährigen Recherchen,so schrieben Sie, seienSie „unter Schock“ gestanden.Können Sie mittlerweile wiederberuhigt zum Arzt gehen?Ja. Ich habe sowieso einen gutenArzt.Haben Sie auch einen Zahnarzt,zu dem Sie Vertrauen haben?Ja. Aber vorm Zahnarzt habe ichschon von klein auf einen Heidenrespekt.Egal was ich schreibe.Respekt oder Angst?Angst.Gab es da ein frühes einschneidendesErlebnis?Das weiß ich gar nicht mehr. Aberich war als Kind viel in einem Zahnarzthaushaltund habe die Leute daschreien gehört oder blass wiedergehen sehen.Was war Ihr schlimmstes eigenesZahnarzterlebnis?Wolfgang Schorlau: Rebellen,Kiepenheuer & Witsch,336 Seiten, 19,99 Euro,ISBN 978-3-462-04076-0Auch das weiß ich nicht mehr. Wennich mal dort war, war es nie soschlimm, wie ich es mir vorgestellthabe. Interview Oliver Stenzel


Kunst mit Biss ANDY WARHOL: „Saint Apollonia“ (1984)15Zähne sind in der Kunst eher selten zusehen und auch das Thema Zahnheilkundekommt in Kunstwerken kaum vor. Eineder wenigen Ausnahmen in der abendländischenKunstgeschichte ist die Darstellungder Heiligen Apollonia, einer frühchristlichenMärtyrerin aus dem dritten Jahrhundert.Sie gilt als Schutzpatronin derZahnleidenden und Zahnärzte. Andy Warhol(1928–1987), der wohl bedeutendsteVertreter der Pop-Art, greift in einer 1984entstandenen vierteiligen Siebdruck-Seriedieses für das 20. Jahrhundert ungewöhnlicheMotiv auf. Der Legende nach wurdenApollonia sämtliche Zähne ausgeschlagen,bei, die vor allem als Drucke weit verbreitetwaren. Kleine Andachtsbilder der Schutzpatroninfinden sich bis ins 20. Jahrhundert,in der bildenden Kunst dagegen spieltApollonia ab dem 19. Jahrhundert keineRolle mehr.bevor sie 249 n. Chr. in Alexandria auf demScheiterhaufen starb. In bildlichen Überlieferungenist sie seit dem Mittelalter an ihremAttribut erkennbar, einer großen Zange,die einen Zahn greift. Ab dem 14. Jahrhundertbreitete sich der katholische Apollonia-Kult über ganz Europa aus und erreichtewährend der Gegenreformation im 15. und16. Jahrhundert einen ersten Höhepunkt.Zu dieser Popularisierung trugen zahlreicheikonografische Darstellungen von HeiligenAndy Warhol macht sie schließlich zurPop-Art-Ikone. Als Vorlage diente ihm einreligiöses Tafelbild der italienischen Frührenaissance,die „Sant’ Apollonia“ (1455/1460),die dem Maler Piero della Francesca(1416/1417–1492) zugeschrieben wird.Weltberühmt wird Warhol in den 1960er-Jahren mit seinen Gemälden der Campbell-Suppendosenoder den Porträtserienprominenter Persönlichkeiten wie MarilynMonroe oder Elvis Presley.In seinem Spätwerk in den 1980er-Jahrensetzt sich der New Yorker Künstler mit verschiedenenMotiven auseinander, die populärenRenaissance-Gemälden entlehnt sind,darunter „Die Geburt der Venus“ (1485/86)von Sandro Botticelli oder religiöse Motivewie das „Letzte Abendmahl“ (1494–98) vonLeonardo da Vinci. (io)Andy Warhol,Saint Apollonia,1984,Siebdruck aufEssex Offset KidFinish-Papier,jeweils76,2 cm × 55,9 cm,Detail


16Genießen trotz ZahnbehandlungWer sich einer Zahnbehandlung unterziehen muss, vielleicht sogar einer aufwendigenSanierung oder gar einer Implantation, braucht auf Gaumenfreuden nichtzu verzichten. Wichtig ist jedoch, auf die Konsistenz der Speisen zu achten. Außerdemsollten Reize wie Wärme und Kälte sowie zu Süßes, zu Saures und zuSalziges gemieden werden. Sternekoch Vincent Klink möchte zu kulinarischenGenüssen verführen – auch wenns im Mund mal schmerzt.Unser Autor: Vincent KlinkKüchenmeister, Fernsehkoch, Autor,Herausgeber und Verleger, ist einkulinarisch-literarisches Multitalent.Seit 1991 betreibt der Jazzliebhaberin Stuttgart-Degerloch das RestaurantWielandshöhe, das auch 2013 wiedermit einem Michelin-Stern ausgezeichnetwurde. Einem breiten Publikumwurde Klink durch die KochsendungARD-Buffet bekannt.www.wielandshoehe.deDieses und weitere zahnfreundliche Rezeptefinden Sie in dem Buch:Al dente. Kulinarische Genüsse trotz Zahnbehandlung.Rezepte, Tipps & Ratschläge fürkaubehinderte Zahnpatienten. Edition q imQuintessenz Verlag. ISBN 978-3-86124-565-5.Nachdem ich im festen Glauben anderen gesundheitsfördernde Wirkung nunmehrschon seit Jahren frische Früchte undSäfte frühstücke, eröffnet mir mein Zahnarzt,dass gerade dies falsch sei. Wegen derangriffslustigen Fruchtsäuren. Die Frage,die sich mir dabei spontan stellt, ist, obderselbe Schaden wohl auch durch die injungen Weißweinen enthaltene, manchmalrecht knackige Säure entsteht. Da eine Antwortdarauf eventuell weitere kulinarischheroischeKasteiungsaktionen mit sichbringen würde, verzichte ich darauf, meineFrage laut zu wiederholen, und beschäftigemich mit dem Problem, wie der plötzlicheVitaminverlust zu kompensieren sei.Den Vorschlag wohlmeinender Menschen,es mit Vitamintabletten zu versuchen, lehneich entschieden ab. Und da man mit vehementenZahnschmerzen ohnehin nichtmehr arbeiten kann – Zahnarzttermine sollteman bevorzugt auf den Nachmittag legen–, muss man sich in irgendeiner Form beschäftigenund ablenken. Das funktioniertbeim Kochen, sofern es sich um eine richtige‚Bastelarbeit’ handelt, immer recht gut.Auf der Suche nach möglichen Vitaminverlust-Kompensatorenstoße ich auf Spinat.Der enthält außerdem noch Unmengen anmehr oder weniger gesunden Mineralstoffen,was – zumindest für mich als Laien –der Stärkung und Beruhigung meiner Zahnhälsenur guttun kann.


17Schlutzkrapfen mit Salbeibutter250 g Roggenmehl250 g Weizenmehl2 Eier3 EL OlivenölSalz, lauwarmes Wasser500 g Blattspinat250 g Ricotta50 g geriebener Parmesan1 feingehackte Zwiebel1 feingehackte KnoblauchzeheSalz, Pfeffer, Muskat,Salbeiblättchen, Parmesan, Butter... Also befasse ich mich mit dem Putzen deskleineren Spinatbergs: Wurzel und Stieleentfernen, beim Blattspinat nur die Stiele.Anschließend den Spinat gründlichst waschen,um Sand- oder Erdreste zu entfernen.Im günstigsten Fall habe ich für dieseArbeit einen Hilfswilligen – denn so krank,dass ich gerne Spinat putze, kann ich garnicht sein.Wesentlich lieber kümmere ich mich umden Teig. Dafür Roggenmehl, Weizenmehl,Eier, Olivenöl, Salz und etwas lauwarmesWasser geschmeidig kneten. Dann sollte derTeig ca. 30 Minuten ruhen, der Koch wahrscheinlichauch.Den Spinat tropfnass in einen Topf geben.So lange dünsten, bis er zusammenfällt.Dann in ein Sieb damit und gut ausdrücken.Sobald er etwas abgekühlt ist, schneidetman ihn in feine Streifen.Währenddessen Zwiebel und Knoblauch sowie2 fein geschnittene Salbeiblättchen inOlivenöl andünsten. Anschließend den Spinatund die Zwiebelmischung mit Ricottaund Parmesan vermengen. Dieser Brei mussnun nur noch mit Salz, schwarzem Pfefferund Muskat abgeschmeckt werden, bevorer als Füllung in die Krapfen darf.Aus dem sehr dünn ausgewellten Teig Kreiseausstechen. In jeden Rundling 1 Löffel vonder Füllung geben und zusammenklappen.Je nach Größe müssen die Schlutzkrapfenin kochendem Salzwasser 5 bis 10 Minutengaren. Serviert werden sie mit braunerButter, in der angeröstete Salbeiblättchenschwimmen, und mit Parmesan. Und daman den Energieverlust durch Leiden undKneten ja irgendwie ausgleichen muss, sollteman mit der Butter nicht sparen.Foto Vincent Klink: Michael Movchin, Schlutzkrapfen: A.L - Fotolia.com


18ImpressumHypnos VerlagGudrun Schmierer GmbH & Co. KGEsslinger Straße 4070182 StuttgartE-Mail: info@p-mag.deGeschäftsführerin:Gudrun SchmiererRedaktion: Jörg Exner (V. i. S. d. P.),Ines Oberegger (io), Oliver StenzelGrafik & Layout: Gitta MerkleSekretariat & Buchhaltung:Gülümser PackschiesAlle Fotos aus unserer Praxis:Annette Diehl FotografieZahnärztinnen und Zahnärzteaufgepasst: Sie möchten auch eineigenes Magazin für Ihre Praxis?Gleich informieren und bestellen:www.mein-praxismagazin.de.SUDOKUFüllen Sie das Spielfeld mit Zahlenvon 1 bis 9. In jedem der umrahmten3 × 3 - Blöcke, in jeder Zeile undin jeder Spalte darf jede Zahl nur einmalvorkommen.Kinder-CD-Tipp:Zahnputzspaß mit JanoschMal wieder keine Lust zum Zähneputzen?Dann schnell „Janoschs schönsteZahnputzlieder“ einlegen! Aus „3Chinesen mit dem Kontrabass“ wirdda „Das nagelneue Zahnputzglas“oder „Auf der Mauer, auf der Lauer“wird zum fetzigen „Bürsten Swing“.Insgesamt zehn abwechslungsreicheLieder mit witzigen Texten und bekanntenMelodien werden von denbekannten Figuren des ZeichnersJanosch präsentiert und helfen, Kindermit viel Spaß zum Zähneputzenzu animieren. Alle Lieder sind runddrei Minuten lang und eignen sichdamit ideal fürs Putz-Ritual. Darüberhinaus bietet das 24-seitige Bookletgut aufbereitete Informationen rundum das Thema Zahnhygiene – wobeiauch hier Tigerente, Tiger, Bär undGünter Kastenfrosch dafür sorgen,dass der Spaß nicht zu kurz kommt.Janoschs schönste Zahnputzlieder.Richtig Zähneputzen mit Tiger undBär, Intergroove, ab 8,99 Euro8 3 9 76 1 3 899 8 51 4 68 2 5 325 4 6 35Tierisch harte BeißerWelches Tier hat die härtesten Zähne? Krokodil,Hai? Ganz falsch. Lange galt die Hausmaus alsSpitzenreiter. Ihre Zähne sind fast so hart wie Diamanten,das härteste bekannte Material überhaupt.Noch härtere Beißer hat aber die Käferschnecke,ein Weichtier, das auf dem Meeresgrund im Nordwest-Atlantiklebt. Ihre Zähne braucht die Schnecke,um Steine kauen zu können – in deren Vertiefungenfindet sie Algen und Kleinstlebewesen, vondenen sie sich ernährt. Wissenschaftler wollen jetztdas Geheimnis ihrer Zähne lüften, um genauso harteMaterialien künstlich herzustellen. Zum Beispielfür härtere Zahnimplantate.


19Unser PraxisteamNilgün Dikbas, Arzu Senel, Tülay Dikbas, Julia Thiel-Maier, Kersten Maier, Tina Knauer, Silke MaierZahnärztin Julia Thiel-MaierGeboren 1979, verheiratet, ein Kind,studierte Zahnmedizin in Kiel undUlm und ist seit 2005 approbierteZahnärztin.Sorgen rundum für Ihr Wohl:Nilgün Dikbas (Rezeption und Stuhlassistenz),Silke Maier (Stuhlassistenz),Tülay Dikbas (Stuhlassistenzund Prophylaxe), Arzu Senel (Auszubildende),Simone Daunhauer (Abrechnung)Sie ist Spezialistin für Kinder- undJugendzahnheilkunde sowie Endodontologie(Wurzelkanalbehandlungen)und hat Fortbildungen in denBereichen der konservierenden, ästhetischenund prothetischen Zahnheilkundeabsolviert.Zahntechniker Kersten MaierIm praxiseigenen Labor fertigt er mitTina Knauer und Silke Strobel (o.Abb.) hochwertige zahntechnischeArbeiten, wie Inlays, Onlays, Teilkronen,Kronen, Brücken, Veneers,Vollprotesen und unterschiedlicheSchienenarten aus Keramik, Zirkonund Metall-Keramik-Verbund. AuchReparaturen und Unterfütterungenjeglicher Art werden mit modernsterCAD-/CAM-Technik ausgeführt.KontaktZahnarztpraxis EviDentMaienwalterstraße 21D-73733 Esslingen am NeckarTelefon: (0711) 37 13 36Fax: (0711) 3 70 65 27E-Mail: info@thiel-maier.deInternet: www.thiel-maier.deSprechzeitenMo.– Do.: 07:30 –18:00 UhrFr.: 07:30 –12:00 UhrSondertermine nach VereinbarungNotdienst(abends, nachts und bei schwererenVerletzungen)Katharinenhospital,Kriegsbergstr. 60, 70174 Stuttgart,Tel. (0711) 2 78-336Notdienstnummern(Wochenende und Feiertage)Kreis Esslingen: (0711) 78 77-755Stadt Stuttgart: (0711) 78 77-711Kreis Göppingen: (0711) 78 77-766


Unser LeistungsspektrumSpezialgebiete:Implantologie mitImplantatprothetikZahnimplantate sind künstlicheZahnwurzeln, die fest im Kieferknocheneingebracht werden. Sie sind diemodernste und fortschrittlichste Methodebeim Zahnersatz. Wir erklärenIhnen gerne die verschiedenen Systeme,z. B. an Anschauungsmodellen.Kinderzahnheilkunde„EviDent Kids“ – das ist ein eigener Bereichinnerhalb unser Praxis, der auf die Bedürfnisseder jüngsten Patienten ab 6 Jahren bis hin zuJugendlichen zugeschnitten ist. Der Grundgedankeunseres Behandlungskonzepts: Kindernvon Anfang an die Angst vorm Zahnarztnehmen und langfristig ein Vertrauensverhältnisaufbauen.Das gesamte EviDent Team hat sich im Rahmenvieler Fortbildungsseminare in den BereichenKariesprävention, Zahnerhaltung,Endodontie im Milchzahngebiss und kieferorthopädischerFrüherkennung spezialisiertund verfügt über ein umfangreiches pädagogischesFachwissen.ParodontologieEntzündung des Zahnfleischsaumesmit Zahnsteinablagerung, Bildungeitriger Zahnfleischtaschen und Lockerungder Zähne – Parodontitisist zur Volkskrankheit geworden.Wir setzen auf modernste Therapie.d. h. sanfte, schonende, schmerzarmeTechnik ohne chirurgische Eingriffemit Nutzung biophysikalischerEnergien, wie Licht (Bio-Laser/aPdT),hoch konzentriertem Sauerstoff(Ozon) und Kältetherapie (Cryodent).Behandlungsspektrum• Prophylaxe• Endodontologie(Wurzelkanalbehandlung)• Prothetik-Versorgungen(Zahnersatz)• Sofortimplantologie mitSofortbelastung• Chirurgie• Ästhetische Zahnheilkunde(Bleaching, Veneers)• Cryodent-Therapie• Soft-Laser (aPDT)• Ozontherapie• Behandlungen in Narkose(Analgosedierung/Vollnarkose-ITN)• PRGF-Therapie(Eigenbluttherapie)• Zirkonoxidtechnik fürjeglichen Zahnersatz• Hochmodernes Praxislabor

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