Tomy und der Planet der Lüge - naturwesen11

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nicht mal mehr an die Wellenregel. Die Abstände wurdenunregelmäßig, die Wellentäler breiter und die plötzlichenSandverwehungen häufiger. Zwar gab es weit und breitkeinen Wassertropfen, aber einmal im Jahr muß es hierwohl wie aus Kübeln gießen, denn immer wieder war diePiste abrupt abgerissen, weggespült. Es ging nur noch imZuckeltempo mit 20 Stundenkilometern weiter. Durchden Rückspiegel sah ich in der Abenddämmerung eineendlos lange Staubfahne, die sich wie ein weiß-grauerSchleier hinter uns ausbreitete.Sieben Uhr abends. Immer noch diese aggressive Hitze.Position: 126 Kilometer vor der iranischen Grenze inder Wüste von Belutschistan. Den ganzen Tag hatten wirkein anderes Fahrzeug zu Gesicht bekommen.Marcs Gesicht war aufgeschwollen, seine Augen rotunterlaufen. Der Schweiß quoll ihm aus allen Poren, dochtrotz der Hitze fröstelte er. Ganz offensichtlich hatte erFieber. Er keuchte und hustete wie ein Lungenpatient imDelirium. Ich erinnerte mich an so etwas wie Stauballergie,begoß einen Lappen mit Mineralwasser und band ihmden Lumpen um Mund und Nase. Mit dieser bandagierten,hustenden Mumie neben mir gings weiter, mühsam,Kilometer um Kilometer. Eine riesige, prallgoldene Sonnenscheibeversank hinter einer Sanddüne. Die Hitze ließnach. Position: 98 Kilometer vor der iranischen Grenze.Wir machten halt und erfrischten uns, soweit das ging.Marcs Zustand war besorgniserregend. Wir beschlossen,hier zu übernachten, um Marcs Körperzellen Gelegenheitzur Regeneration zu geben. Zudem war eine Weiterfahrtohnehin sinnlos. Sandverwehungen erkennt man imScheinwerferlicht nicht.Es war die unheimliche Nacht, in welcher Tomy entstand.21

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