Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32

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Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32

EditorialInhaltNeue NetzwerkprofessorInnen stellen sich vorProf. Dr. Ingrid Jungwirth 6Prof. Dr. Carola Bauschke-Urban 8Dr. Regina Heimann 10Prof. Allison Pugh – Gastprofessorin an der RUB 11Forschung, Vernetzung & AktivitätenDen wissenschaftlichen Mittelbau gibt es nicht 12Zukunftsfragen und Genderforschung – Ein interdisziplinärer Forschungsdialog 12Gender Planning – Von gestern oder für morgen? 12Intimität. Geschlechterwissenschaftliche Perspektiven 13Herausgeben, begutachten & publizieren 13Gleichstellung steuern 13Erstes Fachforum – Betrifft Frauengesundheit 14Starke Frauen in der Wissenschaft 14Philosophie und Diversity 14Gleichstellungsrecht – Gleichstellungspraxis 15Gender als Indikator für gute Lehre 15Tätigkeitsbericht des Netzwerks für das Jahr 2012 15Arbeitspapier zur Studie „Professorinnen – wo seid Ihr?“ 15Neue Ausgabe des onlinejournals kultur & geschlecht 16Geschlechterforschung Niedersachsen. Bericht und Empfehlungen 16WAR WAS? Heimat im Ruhrgebiet. Erinnerungsorte und Gedächtnisräume 16PersonaliaProf. Dr. Tanja Paulitz ist neue Professorin für Gender- und Lebenslaufforschung an der RWTH Aachen 17Prof. Dr. Gaja von Sychowski ist neue Professorin an der Musikhochschule Lübeck 17Prof. Dr. Diana Lengersdorf ist neue Juniorprofessorin für Geschlecht, Technik und Organisation ander Universität zu Köln 17Prof. Dr. Rita Braches-Chyrek ist neue Professorin an der Universität Bamberg 17Neue Projekte stellen sich vorProjekte aus dem Landesprogramm „Geschlechtergerechte Hochschulen“ 18Jutta Weber, Anna-Lena Berscheid, Samuel MüllerDegendering the driver? Autonome Fahrzeuge, Mobilität und Geschlecht 18Romy Reimer, Birgit RiegrafGeschlechtergerechte Care-Arrangements in Wohn-/Pflegegemeinschaften? 19Katharina Walgenbach, Friederike ReherPrivilegien reflektieren – Gesprächsanalysen zum „Privilegientest“ in Gender- undDiversity-Bildungskontexten 20Gabriele Wilde, Annette ZimmerGeschlechterverhältnisse in autoritären und hybriden Regimen 21Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 3


Weitere neue Genderprojekte 22Stefanie Schlößer, Bettina Hieming, Nicole Auferkorte-Michaelis, Carmen Leicht-ScholtenChanceMINT.NRW – Karriereentwicklung für Studentinnen in Hochschulen und Unternehmen 22Barbara Rendtorff, Sandra Glammeier, Verena VogelsangSexuelle Gewalt in pädagogischen Kontexten 23Elke Kleinau, Lisa Rosen, Alexandra Damm„Feminisierung des Lehrberufes“ – eine These und ihre Bedeutung für die aktuelle Krise der Schule 24„Prejudices are what fools use for reason“ 24GenderTime – Transferring Implementing Monitoring Equality 25BeiträgeSandra ReinertGender Studies an nordrhein-westfälischen Hochschulen 26Uta C. SchmidtZur „Frühgeschichte“ der Gender Studies in NRW. Die Anfänge des Netzwerks Frauenforschung 33Brigitta WredeDas Interdisziplinäre Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung (IFF) an der Universität Bielefeld –Entwicklungen, Positionierungen und Perspektiven einer zentralen Einrichtung 43Maren A. JochimsenZiele und Arbeitsschwerpunkte des Essener Kollegs für Geschlechterforschung (EKfG) 48Claudia MahsZentrum für Geschlechterstudien/Gender Studies der Universität Paderborn 52Susan BanihaschemiInter-/Transdisziplinarität in den Gender Studies – Herausforderungen für die Lehre 54Stephanie Sera, Kim SiekierskiHerausforderung Gender Studies: Entwicklungen und Perspektiven an der Ruhr-Universität Bochum 58Carola Bauschke-Urban, Ingrid JungwirthPraxis, Forschung und Internationalität 61Manuela KleineDas Weiterbildende Studium FrauenStudien an der Universität Bielefeld 65Thea Jacobs, Svenja SpyraInterdisziplinarität in der wissenschaftlichen Praxis – Anspruch und Wirklichkeit 68TagungsberichteElisabeth Grabner-Niel, Ilona Pache, Tanja Rietmann, Birgitta WredeKonferenz der Einrichtungen für Frauen- und Geschlechterstudien im deutschsprachigen Raum (KEG) 75Kirsten Heusgen, Dorothee Koch, Sigrid Metz-Göckel, Christina Möller,Ramona Schürmann, Petra SelentOptimale Bedingungen für Wissenschaftskarrieren? – Arbeits- und lebensweltlicheEinflussfaktoren auf den Ausstieg aus und den Verbleib in der Wissenschaft 80Ines EckardtTransnationale Räume und Geschlecht 83Ulla Hendrix„Quote für die große Transformation?“ 86BuchbesprechungenUlrike Schildmann rezensiertKampshoff, Marita/Wiepcke, Claudia (Hrsg.), (2012): Geschlechterforschung und Fachdidaktik 89Annette Zimmer rezensiertBeaufays, Sandra/Engels, Anita/Kahlert, Heike (Hrsg.), (2012): Einfach Spitze? NeueGeschlechterperspektiven auf Karrieren in der Wissenschaft 91Neuerscheinungen 944 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


Newszierter Migrantinnen, die aus postsozialistischenStaaten zugewandert und in den MINT-Fächernqualifiziert sind. Zielsetzung ist es, nähere Erkenntnisseüber die Situation von Migrantinnenmit Hochschulabschluss in der Arbeitsweltzu gewinnen. Ausgrenzungsmechanismen, diesich auf Geschlecht und den Status als Migrantinbeziehen, erweisen sich als ausgesprochenwirkmächtig auch auf dem Niveau einer Hochschulausbildung.Insbesondere die auch in derGeschlechterforschung entwickelte Soziologiedes Lebenslaufs, die das Zusammenwirken gesellschaftlicherInstitutionen für die Analyse vonBerufs- und Lebenslauf in den Mittelpunkt stellt,wird für die Untersuchung der Berufsverläufe vonMigrantinnen aufgegriffen und weiterentwickelt.Darüber hinaus wird untersucht, in welcher WeiseAusgrenzungserfahrungen am Arbeitsplatz denBerufsverlauf bestimmen. Zentrale Ergebnissedieser Studie sind, dass erstens das technischeFeld weit weniger offen für den internationalenTransfer von Qualifikationen ist, als gemeinhinangenommen wird. Zweitens bestätigt sich, wasaus anderen Studien über die Arbeitsmarktintegrationvon Migrantinnen und Migranten bekanntist, nämlich dass Geschlecht entscheidend für denBerufsverlauf nach der Migration ist. Dabei konntenwir herausarbeiten, welche Mechanismen zurReproduktion von Ungleichheit wirksam werden.Ausgewählte Veröffentlichungen- Ingrid Jungwirth (2012a): Eine Frage des Geschlechts– Arbeitsmarktintegration hochqualifizierterMigrantinnen und Migranten, in: BMBF(Hg.): Arbeitsmarktintegration hochqualifizierterMigrantinnen. Berufsverläufe in Naturwissenschaftund Technik. Bonn, S. 8–14.- Ingrid Jungwirth (2012b): Geographische Mobilitätund beschränkte Möglichkeiten – Berufsverläufehochqualifizierter Migrantinnen, in:BMBF (Hg.): Arbeitsmarktintegration hochqualifizierterMigrantinnen. Berufsverläufe in Naturwissenschaftund Technik. Bonn, S. 15–24.- Ingrid Jungwirth/Anna Bouffier/Grit Grigoleit/Andrea Wolffram (2012c): HochqualifizierteMigrantinnen an die Spitze!, in: BMBF (Hg.):Arbeitsmarktintegration hochqualifizierter Migrantinnen.Berufsverläufe in Naturwissenschaftund Technik. Bonn, S. 3–7.- Ingrid Jungwirth/Andrea Wolffram (Hg.) (2013):Hochqualifizierte Migrantinnen – Teilhabe anArbeit und Gesellschaft. Opladen: Verlag BarbaraBudrich (in Vorbereitung). Darin u. a.:Ingrid Jungwirth: Boundary work: HochqualifizierteMigrantinnen in den MINT-Berufen.- Ingrid Jungwirth (2011a): Geschlechtliche Konfigurationenin grenzüberschreitenden Berufsverläufenvon Migrantinnen, in: Vinz, Dagmar/Smykalla, Sandra (Hg.): Intersektionalität undChancengleichheit. Münster: WestfälischesDampfboot, S. 181–199.- Ingrid Jungwirth (2011b): The change of normativegender orders in the course of migration:highly qualified migrant women in Germany,in: Nowak, Marek/Nowosielski, Michal (Hg.):(Post)transformational Migration. Inequalities,Welfare State, and Horizontal Mobility.Frankfurt/M: Peter Lang Verlag, S. 227–252.- Ingrid Jungwirth (2011c): Gendered configurations:transborder professional careers of migrantwomen, Migration and Ethnic Themes,No. 1, S. 105–121.- Ingrid Jungwirth (2010a): (Un-)Sicherheitsverhältnisse:Illegalisierung und die neue Organisationder Reproduktionsarbeit. Ad-hocGruppe: Fluchtmigration und Illegalisierungin unsicheren Zeiten, in: Soeffner, Hans-Georg(Hg.): Unsichere Zeiten. Herausforderungengesellschaftlicher Transformationen. Verhandlungendes 34. Kongresses der Deutschen Gesellschaftfür Soziologie in Jena. Wiesbaden: VSVerlag.- Ingrid Jungwirth (2010b): Zur Spezifität vonDiskursen. Die Rede von Identität in Sozialwissenschaftenund sozialen Bewegungen,in: Frietsch, Ute/Wülfingen, Bettina Bock von(Hg.): Epistemologie und Differenz. Zur Reproduktiondes Wissens in den Wissenschaften.Bielefeld: transcript, S. 153–169.- Ingrid Jungwirth/Karin Scherschel (2010c): Ungleichprekär – zum Verhältnis von Arbeit, Migrationund Geschlecht, in: Manske, Alexandra/Pühl, Katharina (Hg.): Prekarisierung zwischenAnomie und Normalisierung. Münster WestfälischesDampfboot, S. 110–132.- Ingrid Jungwirth/Gesa Buchse/Karin Scherschel(2010d): Einleitung zur Ad-hoc Gruppe: Fluchtmigrationund Illegalisierung in unsicheren Zeiten,in: Soeffner, Hans-Georg (Hg.): UnsichereZeiten. Herausforderungen gesellschaftlicherTransformationen. Verhandlungen des 34. Kongressesder Deutschen Gesellschaft für Soziologiein Jena. Wiesbaden: VS Verlag.- Ingrid Jungwirth (2009): Rezension zu TurbulenteRänder. Neue Perspektiven auf Migrationan den Grenzen Europas, hg. v. Transit MigrationForschungsgruppe (2007), Das Argument.Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften,283, Heft 5, S. 836–837.- Ingrid Jungwirth (2008a): Die transnationaleOrganisation von Arbeit durch Geschlecht undMigration im Zuge der EU-Erweiterungen, in:Rehberg, Karl-Siegbert (Hg.): Die Natur der Gesellschaft.Verhandlungen des 33. Kongressesder Deutschen Gesellschaft für Soziologie inJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 7


NewsKontakt und InformationProf. Dr. Ingrid JungwirthSozialwissenschaften mit demSchwerpunkt Diversität undInklusionFakultät Gesellschaft undÖkonomieHochschule Rhein-WaalMarie-Curie-Straße 147533 KleveTel.: (02821) 80673-349Fax: (02821) 80673-160ingrid.jungwirth@hochschulerhein-waal.deKassel 2006. Frankfurt/M: Campus, S. 2091–2109.- Ingrid Jungwirth (2008b): The change of normativegender orders in the process of migration:a transnational perspective, COMCADWorking Papers, 48. Bielefeld: Centre of Migration,Citizenship and Development. www.unibielefeld.de/(de)/tdrc/ag_comcad/publications/wp.html.- Ingrid Jungwirth (2007a): Zum Identitätsdiskursin den Sozialwissenschaften – eine postkolonialund queer informierte Kritik an GeorgeH. Mead, Erik H. Erikson und Erving Goffman.Bielefeld: transcript.- Ingrid Jungwirth (2007b): Sammelrezension zuIn Arbeit: Zukunft. Die Zukunft der Arbeit undder Arbeitsforschung liegt in ihrem Wandel, hg.v. Ingrid Kurz-Scherf et al. (2005), Die ganzeWelt zu Hause. Cosmobile Putzfrauen in privatenHaushalten von Maria S. Rerrich (2006),Vom Weltmarkt in den Privathaushalt. Die neuenDienstmädchen im Zeitalter der Globalisierungvon Helma Lutz (2007), Das Argument.Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften,271, Heft 3, S. 438–441.- Ingrid Jungwirth (2006): „… to make onebattle and one strategy out of a bewilderingnumber of skirmishes“ – Weiße Normativitätund Identität in Erik H. Eriksons Identitätstheorie,in: Bechhaus-Gerst, Marianne/Gieseke,Sunna (Hg.): Koloniale und postkoloniale Konstruktionenvon Afrika und Menschen afrikanischerHerkunft in der deutschen Alltagskultur.Frankfurt/M: Peter Lang Verlag, S. 55–67.- Ingrid Jungwirth (2004): Zur Auseinandersetzungmit Konstruktionen von ‚Weiß-Sein’ –ein Perspektivenwechsel, in: Hertzfeldt, Hella/Schäfgen, Katrin et al. (Hg.): Geschlechter Verhältnisse.Analysen aus Wissenschaft, Politikund Praxis. Berlin: Dietz, S. 77–91.Prof. Dr. Carola Bauschke-UrbanProfessorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Genderforschung an der HochschuleRhein-Waal, KleveZur PersonIch bin seit Juli 2012 Professorin für Soziologiemit dem Schwerpunkt Genderforschung (W2) ander Hochschule Rhein-Waal, eine der vier neugegründeten Hochschulen in NRW. Dort bin ichStudiengangleiterin des Bachelorstudiengangs„Gender and Diversity“ und Netzwerkprofessorindes Netzwerks Frauen- und GeschlechterforschungNRW. Zuvor habe ich zwei Genderprofessurenam Institut für Soziologie derUniversität Duisburg-Essen vertreten (2010: SozialeUngleichheit und Genderforschung; 2011:Spezielle Soziologie; insbesondere Geschlechterforschung,Migrations- und Bildungssoziologie)und war Postdoc sowie Projektleiterin amZentrum für Hochschulbildung der TU Dortmund(früher: Hochschuldidaktisches Zentrum), wo ich2009 als Kollegiatin und Stipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung im Graduiertenkolleg „Wissensmanagementund Selbstorganisation im Kontexthochschulischer Lehr-/Lernprozesse“ mit einerArbeit über transnationale Biographien in derWissenschaft promoviert habe.Während der Promotion habe ich an verschiedenenHochschulen gelehrt, unter anderem ander Leibniz Universität Hannover, an der HAWKHildesheim, an der Universität Dortmund und ander Universität Siegen. Mein Weg in die Wissenschaftführte nach einem Tageszeitungsvolontariatund langjähriger Arbeit als Journalistin für dieHannoversche Allgemeine Zeitung und den NDRHörfunk über eine Stelle als Pressesprecherin beider Internationalen Frauenuniversität Technikund Kultur (ifu).Ich habe einen Ruf auf eine W2-Professur amFachbereich Kultur- und Sozialwissenschaftenan der Hochschule Fulda erhalten (Sozialwissenschaftenmit Schwerpunkt Diversity Studies) undwerde zum Wintersemester 2013/14 nach Hessenwechseln.8 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


NewsForschungs- und ArbeitsschwerpunkteMeine Arbeitsschwerpunkte sind in den Feldernder Gender und Diversity Studies, in der Bildungssoziologie,insbesondere Soziologie derHochschule, sowie in den Bereichen der Transnationalisierung,Mobilität und Migration, in derBiographie- und Lebenslaufforschung. Aktuellleite ich (gemeinsam mit Dr. Katrin Gliemann, TUDortmund) eine vom DAAD geförderte Langzeitstudieüber Transnationalität und Intersektionalität– Biographien, Lebensläufe und Karrieren mobilerHochqualifizierter aus Asien, Lateinamerikaund Afrika (Laufzeit 2011–2023).An der TU Dortmund leite ich gemeinsam mitMarion Kamphans ein von mir initiiertes Forschungs-und Entwicklungsprojekt zur Förderungder Potenziale internationaler Studierender sowieStudierender mit Migrationshintergrund („Diversityauf dem Campus – Text Lab international“)(Laufzeit: 03/2010–12/2013).Publikationen (Auswahl)- Bauschke-Urban, Carola (2012): Mobil und globalvernetzt. Transnationale Bildungsbiographienan der Hochschule. In: Leitner, Martin (Hg.):Internationalisierung der Hochschulen, Hannover(HIS:Forum)- Bauschke-Urban, Carola und Metz-Göckel, Sigrid(Hg.) (2011): Transnationalisierung undGender. Schwerpunktheft 01/2011; 3. Jg.,„GENDER. Zeitschrift für Geschlecht, Kulturund Gesellschaft“- Bauschke-Urban, Carola (2011): TransnationaleKarrierewege. Wissenschaft, Migration,Geschlecht. In: Bauschke-Urban, Carola undMetz-Göckel, Sigrid (Hg.): Transnationalisierungund Gender. Schwerpunktheft 01/2011;3. Jg., „GENDER. Zeitschrift für Geschlecht, Kulturund Gesellschaft“- Bauschke-Urban, Carola und Metz-Göckel, Sigrid(2011): Transnationalisierung und Gender.Einleitung. In: Transnationalisierung und Gender.Schwerpunktheft 01/2011; 3. Jg., „GEN-DER. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft“- Bauschke-Urban, Carola; Kamphans, Marionund Sagebiel, Felizitas (Hg.) (2010): Subversionund Intervention. Wissenschaft undGeschlechter(un)ordnung. Opladen und FarmingtonHills (Barbara Budrich)- Bauschke-Urban, Carola (2010): Im Transit.Transnationalisierungsprozesse in der Wissenschaft.Wiesbaden (VS Verlag), Bd. 46 der Reihe„Geschlecht und Gesellschaft“- Bauschke-Urban, Carola (2010): Hochschulenzwischen Transnationalisierung und Provinzialität:Intersektionelle Perspektiven. In:Bauschke-Urban, Carola; Kamphans, Marionund Sagebiel, Felizitas (Hg.): Subversion und Intervention.Wissenschaft und Geschlechter(un)ordnung. Opladen und Farmington Hills (BarbaraBudrich Verlag), S. 243–263- Bauschke-Urban, Carola; Kamphans, Marionund Sagebiel, Felizitas (2010): Wissenschaftund die (Un)ordnung der Geschlechter. In:Bauschke-Urban, Carola; Kamphans, Marionund Sagebiel, Felizitas (Hg.): Subversion und Intervention.Wissenschaft und Geschlechter(un)ordnung. Opladen und Farmington Hills (BarbaraBudrich Verlag), S. 12–29- Bauschke-Urban, Carola (2010): Werdet Nomaden!Mehr Fortschritt für die Wissenschaftdurch Mobilität? In: Polar 9. Politik, Theorie,Alltag, S. 53–59- Bauschke-Urban, Carola (2008): Zwischen denWelten. Eine neue Generation von Wissenschaftlerinnenin transnationalen Räumen? In:Metz-Göckel, Sigrid; Zimmermann, Karin undKamphans, Marion (Hg.): Perspektiven derHochschulforschung, Wiesbaden (VS Verlag),S. 273–293- Bauschke-Urban, Carola (2006): Wissenschaftlerinnenin transnationalen Bildungsräumen.Das Beispiel der ifu. In: Tertium ComparationisZeitschrift für International und Interkulturellvergleichende ErziehungswissenschaftenVol. 12 Nr. 2 2006, S. 121–145Kontakt und InformationProf. Dr. Carola Bauschke-UrbanSoziologie mit dem SchwerpunktGenderforschungFakultät Gesellschaft undÖkonomieHochschule Rhein-WaalMarie-Curie-Straße 147533 Klevecarola.bauschke-urban@hochschule-rhein-waal.deJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 9


NewsDr. Regina HeimannGastprofessorin für Sozial- und Kulturwissenschaften an der FH DüsseldorfKontakt und InformationDr. Regina HeimannFachbereich Sozial und KulturwissenschaftenFachhochschule DüsseldorfUniversitätsstraße 140225 DüsseldorfTel.: (0211) 8114669regina.heimann@fhduesseldorf.dehttp://soz-kult.fh-duesseldorf.de/heimannZur PersonSeit September 2012 lehrt Dr. Regina Heimannals Gastprofessorin im Fachbereich Sozial- undKulturwissenschaften der FH Düsseldorf. Sie istpromovierte Erziehungswissenschaftlerin undarbeitet zu den Themen Habitusreflexivität undmachtsensible Beratung.In der Lehre möchte sie die Studierenden frühan die Forschung heranführen und dabei diestudentische Lebenswelt als Forschungsfeld betrachtenlassen. Zukünftige SozialarbeiterInnensollen mit einem Lehrforschungsprojekt für dasZusammenwirken von Individuum und Strukturim studentischen Feld sensibilisiert werden. DieVerknüpfung des Habituskonzeptes mit einemsozialpädagogischen Beratungshandeln eröffnetim weiteren Verlauf die anwendungsbezogeneUmsetzung dieses bisher eher wissenschaftlicheingebundenen Konzeptes. Mit der Lehrforschungsollen den Studierenden der SozialenArbeit die Grundlagen für ein politisches, anwaltlichesEngagement im späteren Berufsfeldvermittelt werden.Vor ihrer Tätigkeit als Gastprofessorin war Dr.Regina Heimann nach einer abgeschlossenenLehre zur Zahntechnikerin (1993) und einemerfolgreichen Studienabschluss als Diplom-Pädagogin(1999) in Bielefeld tätig. Hier forschtesie im Modellprojekt „Wohnberatung für ältereMenschen in NRW“ an der Universität Bielefeldund im Sozialwissenschaftlichen ForschungsundBeratungsinstitut Bielefeld.2001 übernahm sie als wissenschaftliche MitarbeiterinKoordination und Umsetzung desweiterbildenden Studiums FrauenStudien an derUniversität Bielefeld. Parallel zu dieser Tätigkeitpromovierte sie 2008 mit dem klassen- und geschlechtsbezogenenDissertationsthema: „HabituelleBarrieren in der Weiterbildung“.In diese Zeit fiel auch der Einstieg in die Elternzeit,sodass die Auseinandersetzung mit Fragenvon Vereinbarkeit und dem Wirken symbolischerGewalt nicht nur Teil der Forschung, sondernauch der eigenen Lebenspraxis wurden. Eine Beratungsausbildungin Transaktionsanalyse unddie Erkenntnisse aus Forschung, Lehre und Beratungbilden die Grundlage für die Entwicklungeines habitussensiblen Bildungs- und Beratungsansatzes.Diesen vermittelt sie seit 2009 in wissenschaftlichenund außeruniversitären Weiterbildungskontexten.Zu den Lehr- und Forschungsgebietengehören die Anwendbarkeit des Habituskonzeptesin Beratungs- und Bildungskontexten,Machtsensibilität in Beratung, die Positionierungenim sozialen Raum und deren biographischerEinfluss, Habitusanalysen von Flüchtenden imKontext der SED-Diktatur sowie die Studienbarrierenvon non-traditional students.Veröffentlichungen (Auswahl)- Heimann, R & Schmitt, L.: Der Herkunft begegnen– Habitussensible Beratung in Lehrforschungvermitteln, in Bearbeitung.- Heimann, R: Bildungsberatung als habitusundgeschlechtersensibler Prozess. In: Gröning,K., Heimann, R. & Kunstmann, A. (Hrsg.). GeschlechtersensibleBeratung, in Bearbeitung.- Heimann, R.: Lebenswelt- und Biographiebezugin der Wohnberatungsarbeit. In: DVSG(Hrsg.). Forum Sozialarbeit und Gesundheit.Berlin. (2013), im Erscheinen.- Heimann, R.: Weiterbildungsberatung im Kontextdes lebenslangen Lernens. In: Bauer, A.,Gröning, K., Hoffmann, C. & Kunstmann, A. C.(Hrsg.). Grundwissen Pädagogische Beratung.Vandenhoeck & Ruprecht. (2012).- Heimann, R.: Bildungsentscheidungen zwischenmilieubedingtem Aufstiegswunsch undgeschlechtsbezogener Traditionalisierung. In:Moser, V. & Rendtorff, B. (Hrsg.). Riskante Leben?:Geschlechterordnungen in der ReflexivenModerne. Budrich Verlag. (2012).10 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


News- Heimann, R.: Universität der Vielfalt?! ErweiterteBildungszugänge und neue Professionalisierungswegefür Frauen. Journal NetzwerkFrauen- und Geschlechterforschung NRW, 29.(2011).- Heimann, R.: Barrieren in der Weiterbildung –Habitus als Grundlage von Karriereentscheidungen.Dissertation at Bielefeld University,Tectum Verlag. (2009).Prof. Allison Pugh – Gastprofessorin an der RUBMarie-Jahoda-Gastprofessur im Sommersemester 2013Allison Pugh ist Soziologin an der UniversitätVirginia (USA) und hat mit Arlie Hochschild zusammengearbeitet.Dort forscht und lehrt sie zuden Themen Marktkultur, Ungleichheiten und Beziehungsarbeit.Indem sie diese Felder verknüpft,arbeitet sie in innovativen Forschungsprojektenzur Flexibilisierung und Vermarktlichung vonBeziehungen und Emotionen. So hat sie in ihremvielfach ausgezeichneten Buch „Longingand Belonging: Parents, Children and ConsumerCulture” (2009) untersucht, wie Mechanismendes Marktes auch zwischenmenschliche, emotionaleBeziehungen formen. In ihren aktuellenForschungsprojekten untersucht sie die Kulturdes postindustriellen Arbeitslebens und familiärerUnsicherheiten unter dem Aspekt, wie Elternund Kinder Bindungen wahrnehmen und darübersprechen. Weiterhin erforscht sie (gefördert vonder Alfred P. Sloan Foundation und der NationalScience Foundation), wie homosexuelle ElternEinfluss auf die Thematisierung von Differenznehmen. Daran wird sie auch an der RUB arbeiten.Aktuelle Informationen zu Vorträgen von AllisonPugh, zu ihrer Person und zur Marie-Jahoda-Gastprofessur erhalten Sie auf unserer Website.Kontakt und InformationSaida ResselWissenschaftliche MitarbeiterinKoordinatorin der internationalenMarie-Jahoda-GastprofessurLehrstuhl für Soziologie/SozialeUngleichheit und GeschlechtRuhr-Universität BochumUniversitätsstraße 15044801 BochumTel.: (0234) 32 22986www.ruhr-uni-bochum.de/jahoda/Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 11


NewsForschung, Vernetzung & AktivitätenDen wissenschaftlichen Mittelbau gibt es nichtTransformationen des wissenschaftlichen Feldes. Erfahrungen und Kontexte aus der FrauenundGeschlechterforschung – Symposium am 26.09.2013 in EssenKontakt und InformationProf. Dr. Diana Lengersdorfdiana.lengersdorf@unikoeln.deDr. Elisabeth Menseelisabeth.mense@uni-due.deChristina Möllerchristina.moeller@tudortmund.deDr. Sabine Schäfersabine.schaefer@unibielefeld.deDie Aktivitäten des Mittelbaus im Netzwerk richten sich dieses Jahr auf die Stärkung des Dialogs zwischenProfessorInnen und MittelbauerInnen des Netzwerks Frauen- und Geschlechterforschung NRW.Im Rahmen eines abendlichen Symposiums sollen Mitglieder des wissenschaftlichen Mittelbaus gemeinsammit ProfessorInnen die Themen Hochschulentwicklung und Veränderung des wissenschaftlichenFeldes im Kontext der Frauen- und Geschlechterforschung diskutieren. Primär soll es darum gehen, unterschiedlicheErfahrungen sichtbar zu machen und die Heterogenität von Laufbahnen, Positionen undArbeitsbedingungen des wissenschaftlichen Mittelbaus in einer sich ständig transformierenden Wissenschaftslandschaftaufzuzeigen. Den Auftakt für die Abendveranstaltung bildet eine Podiumsdiskussionzwischen vier WissenschaftlerInnen unterschiedlicher Jahrgänge und Statusgruppen.Zukunftsfragen und Genderforschung – Ein interdisziplinärerForschungsdialogJahrestagung des Netzwerks Frauen- und Geschlechterforschung NRW am 08.11.2013in Essen, SANAAKontakt und InformationDr. Beate Kortendiekbeate.kortendiek@netzwerkfgf.nrw.deIm Rahmen des „Landesprogramms für geschlechtergerechte Hochschulen“ warben Wissenschaftlerinnendes Netzwerks Frauen- und Geschlechterforschung NRW erfolgreich Projekte ein, in denen aus Sicht derGenderforschung zu Zukunftsfragen gearbeitet wird. Hierbei stehen die demografische Entwicklung, insbesondereAlter(n) und Geschlecht, die Mobilitäts- und Stadtentwicklungen sowie ungleiche Macht- undPartizipationschancen im Fokus.Mit der Jahrestagung strebt die Koordinations- und Forschungsstelle des Netzwerks Frauen- und Geschlechterforschungeinen inhaltlichen Austausch zwischen den Genderforscherinnen bzw. -forschern undden Projekten an. Dadurch soll zum einen die Kenntnis über Fragestellungen und Ziele erhöht und zumanderen in einem ersten Ansatz eine Verzahnung, ein Austausch zwischen den Projekten, ermöglicht werden,um hierüber Zukunftsfragen aus der Sicht der Genderforschung auszuloten und das Potenzial der Geschlechterforschungim Hinblick auf die großen Herausforderungen gemeinsam zu nutzen. Zudem sollen inder Jahrestagung Analysen, Auswirkungen und Lösungen interdisziplinär und gemeinsam erarbeitet sowieim Forschungsdialog hergestellt werden.Im Anschluss an die Jahrestagung findet die jährliche Netzwerk-Vollversammlung statt.Gender Planning – Von gestern oder für morgen?Workshop an der Fakultät Raumplanung der TU Dortmund am 26.04.2013Kontakt und InformationDr. Sandra Huningsandra.huning@tudortmund.deHandelt es sich bei Gender Planning um ein Konzept „von gestern“ oder um einen Beitrag zu einer zukunftsfähigenWeiterentwicklung der räumlichen Planung „für morgen“? Diese Frage diskutierten ca. 60Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Workshops an der Fakultät Raumplanung, TU Dortmund, der in Kooperationmit dem Informationskreis für Raumplanung e. V. (IfR), der Vereinigung für Stadt-, Regional- undLandesplanung e. V. (SRL) und der Fachschaft der Fakultät stattfand. Diskutiert wurde, ob und wie GenderPlanning in der Planungspraxis angekommen ist. Inwieweit wird das Ziel der Gleichstellung tatsächlichbereits in unterschiedlichen planerischen Belangen mitgedacht? Wo sind Erfolge sichtbar, wo gibt es noch„Baustellen“ und Widerstände? Welche Rolle spielt der Anspruch der Geschlechtergerechtigkeit in denBerufsverbänden und im Berufsfeld?Die Veranstaltung wurde von der Architektenkammer NRW als Fortbildung und für Studierende im Rahmendes Studiums fundamentale anerkannt. Informationen zum Programm finden Sie unter: www.raumplanung.tu-dortmund.de/rp/fileadmin/Dateien/PDF/Veranstaltungen/Gender_WS_Flyer_3_final.pdf.In Kürze werden auf der Webseite der Fakultät auch Vortragsfolien und Ergebnisse der Open-Space-Diskussionenzur Verfügung gestellt.12 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


NewsIntimität. Geschlechterwissenschaftliche Perspektiven3. Jahrestagung der FG Gender vom 15. bis 16.02.2013 in FrankfurtDie Jahrestagung der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft Geschlechterstudien/Gender Studies Associationstand in diesem Jahr ganz im Zeichen des Intimen. Zu diesem Thema nämlich waren Wissenschaftlerinnenund Wissenschaftler vom 15. bis zum 16. Februar an die Frankfurter Goethe-Universität eingeladen,um sich über die verschiedenen Perspektiven auf Intimität auszutauschen. Das inhaltliche Feld wurdedabei dezidiert geschlechterwissenschaftlich fokussiert, aber bewusst weder disziplinär noch methodischoder empirisch vordefiniert, um eine vielfältige und breite Diskussion zu ermöglichen.In verschiedenen Panels ging es am Freitag unter anderem um „NUR gute Freund*innen – Intimitätund Freundschaft in der Beziehungsforschung – eine (heteronormativitäts-)kritische Reflexion“ (DoreenKruppa), „(Ver)Handlungen von Intimität in Grenzüberschreitungen“ (Anna Buschmeyer, Eva Tolasch) sowie„Lesbian Factory – über die Rhetorik des Protestes und die Ware Liebe“ (Feng-Mei Heberer). Nebenanderen Kolleginnen und Kollegen stellten Katja Sander und Sebastian Zilles am Samstag ihre Überlegungenzu „Juridische Regime der Intimität“ und „Unter Männern: Zwischen Nähe und Distanz. LiterarischeMännerbünde im interdisziplinären Vergleich“ vor.Abgerundet wurde die 3. Jahrestagung durch die Mitgliederversammlung der FG Gender und Foren, dieRaum für Austausch und Vernetzung zu unterschiedlichsten Themen boten.Kontakt und InformationTU BerlinFachgesellschaft Gender e. V.Marchstraße 2310587 Berlinmail@fg-gender.dewww.fg-gender.deHerausgeben, begutachten & publizierenGENDER-Workshop auf der KEG-TagungWelche Vorteile bietet ein Peer-Review-Verfahren für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Beiträge ausder Genderforschung? Entstehen hieraus neue Chancen für Autorinnen und Autoren? Oder lassen sichgleichzeitig Hürden sowie Schwierigkeiten erkennen? Diese und ähnliche Fragen rund um das Begutachtungsverfahrendurch unabhängige Expertinnen und Experten standen im Mittelpunkt des Workshops„Herausgeben, begutachten & publizieren – Zur Bedeutung von Peer-Review-Journals in den deutschsprachigenGender Studies“. Dieser fand im Rahmen der 11. Arbeitstagung der KEG statt und wurde vonden Herausgeberinnen der Zeitschrift GENDER zusammen mit Kolleginnen der Freiburger Zeitschrift fürGeschlechterStudien (fzg) veranstaltet. Dabei gaben Heike Kahlert und Beate Kortendiek für die GENDEReinen Einblick in die Arbeit eines Double-blind-Peer-Review-Journals, während Elke Gramespacher alsHerausgeberin der fzg sowie Lektorin Miriam von Maydell für den Verlag Barbara Budrich über ihre Erfahrungenmit Peer-Review-Verfahren berichteten.Kontakt und InformationDr. Beate Kortendiekbeate.kortendiek@netzwerkfgf.nrw.deGleichstellung steuernAbschlusskonferenz des Forschungsprojekts „EQUISTU“ am 19.02.2013 in BerlinNach den zwei Regionalkonferenzen am 22.06.2012 in Dortmund und am 20.11.2012 in München fandMitte Februar unter dem Titel „Gleichstellung steuern. Innovationen im Hochschulreformprozess und Wegeder Umsetzung“ in Berlin die Abschlussveranstaltung des Forschungsprojekts „Equality ImplementationStandards for Universities (EQUSITU) – Bessere Hochschulen durch gleichstellungspolitische Steuerung?“statt. Auf ihr wurden die aktuellen Ergebnisse der Untersuchung vorgestellt und diese mit Expertinnen undExperten diskutiert.In diesem Zusammenhang wurden nicht nur bundesweite Entwicklungen der aktuellen Hochschulreformzusammengefasst, sondern auch erste Modelle vorgestellt, die den Wandel der Hochschulstruktur zurIntegration von Gleichstellungsagenden abbilden. Darüber hinaus wurden Mittelvergabe und Reputationals hochschulinterne Anreize zur Umsetzung von Gleichstellung thematisiert sowie erste Ergebnisse derbundesweiten Online-Befragung von Hochschulleitungen und Gleichstellungsbeauftragten präsentiert.Den Abschluss bildete eine gemeinsame Gesprächsrunde zum Thema „Gleichstellungspolitik neu denken:Herausforderungen gleichstellungspolitischer Steuerung für die Hochschule“, an der Vertreterinnen ausHochschulleitung und Gleichstellungsbüros bzw. -referaten teilnahmen.Die Vorträge zur „EQUISTU“-Abschlusskonferenz können unter folgendem Link online abgerufen werden:www.equality-management.de/index.php?page=dokumentation.Kontakt und InformationTagungskoordination EQUISTUFAM Frauenakademie Münchene. V.Baaderstraße 380469 MünchenTel.: (089) 721 18 81Fax: (089) 721 38 30equistu@frauenakademie.dewww.frauenakademie.deJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 13


NewsErstes Fachforum – Betrifft FrauengesundheitVorstellung des Kompetenzzentrums Frauen und Gesundheit NRW am 06.03.2013in DortmundUnter dem Titel „Betrifft Frauen“ trafen sich AnfangMärz 2013 Akteurinnen und Akteure aus den vielfältigenBereichen der gesundheitlichen Versorgung, umgemeinsam über das Thema Frauengesundheit zu diskutieren.Noch immer sind Erkenntnisse zur Gesundheitvon Frauen nicht durchgängig in der medizinischenPraxis angekommen und noch immer gibt es in dergeschlechterdifferenzierten medizinischen Forschung,Diagnostik und Therapie blinde Flecken.Das Kompetenzzentrum Frauen und Gesundheit NRW,das vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation,Pflege und Alter des Landes gefördert und der NetzwerkprofessorinClaudia Hornberg geleitet wird, solldie gesundheitliche Versorgung von Frauen in Nordrhein-Westfalenstärker in den Blick nehmen und diepraktische Arbeit zum Beispiel von Ärztinnen und Ärzten, Hebammen und Frauenberatungsstellen sowieWissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verknüpfen. Die Vorträge des Workshops sind auf der Websitewww.frauenundgesundheit-nrw.de als PDF-Dateien eingestellt.Von links: Prof. Dr. Claudia Hornberg (Leitung KFG NRW), Ministerin Barbara Steffens, Marion Steffens(Leitung KFG NRW) und Prof. Dr. Petra Kolip (Foto: Klaus Dercks).Kontakt und InformationProf. Dr. Claudia Hornbergclaudia.hornberg@unibielefeld.dewww.frauenundgesundheitnrw.deStarke Frauen in der WissenschaftKontakt und InformationMinisterium für Innovation,Wissenschaft und Forschungdes Landes Nordrhein-Westfalenwww.wissenschaft.nrw.de„Vieles ist getan, vieles bleibt noch zu tun“ – mit diesen Wortenschließt der Gender-Report 2010 des Netzwerks Frauen- und GeschlechterforschungNRW und macht damit deutlich, dass die Gleichstellungder Geschlechter an Hochschulen und Forschungseinrichtungenvielerorts leider noch nicht selbstverständlich ist. Anlässlichdes Weltfrauentags 2013 bezogen starke Wissenschaftlerinnen ausNordrhein-Westfalen dazu Stellung – auch die Koordinatorin desNetzwerks Frauen- und Geschlechterforschung Beate Kortendiek istmit einem Statement vertreten.Die Botschaft ist klar: Die Wissenschaft braucht Frauen – ohne gehtes nicht! Weitere Informationen und die Statements der beteiligtenWissenschaftlerinnen finden Sie unter: www.wissenschaft.nrw.de/index.php?id=438.Philosophie und DiversityWorkshop im Rahmen des Projekts „In der Philosophie zu Hause“ am 24. und 25.05.2013Kontakt und InformationProf. Dr. Ruth Hagengruberruth.hagengruber@unipaderborn.deIm Rahmen des Projekts „In der Philosophie zu Hause“ unter Leitung von Prof. Dr. Hagengruber fandam 24. und 25. Mai erneut der Workshop „Philosophie und ...“ statt. Die Veranstaltung, die halbjährlichausgerichtet wird, trug diesmal den Titel „Philosophie und Diversity“ und beschäftigte sich mit der Kanonkritikim Bereich Interkulturelle Philosophie. Nach einem regen Seminar endete der Workshop mit dem öffentlichenGastvortrag von Karin Kuchler (Mag. a ) aus Wien, Mitglied und Vizevorsitzende der Gesellschaftfür Interkulturelle Philosophie. Karin Kuchlers Vortrag trug den Titel „Philosophie Unterrichten in interkulturellerPerspektive: drei mögliche Elemente“. Ihm schloss sich eine lebhafte Diskussion an, an der sichnicht nur TeilnehmerInnen des Seminars, sondern auch andere BesucherInnen des Vortrages beteiligten.14 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


NewsGleichstellungsrecht – GleichstellungspraxisTagungsdokumentation zum Gender-Kongress 2012Pünktlich zum Internationalen Frauentag wurde am 08.03.2013 die Tagungsdokumentation zum Gender-Kongressaus dem letzten Jahr veröffentlicht. Im Fokus des zweiten Gender-Kongresses des Ministeriumsfür Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW stand das Spannungsverhältnis von Gleichstellungsrechtund Gleichstellungspraxis an Hochschulen. Die Veranstaltung bot eine gelungene Plattformzum Austausch zwischen den GleichstellungsakteurInnen und Hochschulleitungen und ermöglichteinteressante Diskussionen über die Stärken und Schwächen des Landesgleichstellungsgesetzes, das indieser Legislaturperiode vor der Novellierung steht. Die Dokumentation, die von der Koordinations- undForschungsstelle des Netzwerks erstellt wurde, enthält neben den Grußworten und Keynotes auch dieVorträge aus den Workshops sowie zentrale Arbeitsergebnisse. Die Tagungsdokumentation zum Gender-Kongress2012 kann als Printversion über die Koordinations- und Forschungsstelle des NetzwerksFrauen- und Geschlechterforschung NRW bestellt werden: www.netzwerk-fgf.nrw.de/no_cache/koordinations-forschungsstelle/publikationen/publikationen-bestellen/?action=add&uid=55.Kontakt und InformationMinisterium für Innovation,Wissenschaft und Forschungdes Landes Nordrhein-Westfalenwww.wissenschaft.nrw.de/Link zur PDF-Version: www.netzwerk-fgf.nrw.de/fileadmin/media/media-fgf/download/publikationen/Tagungsdokumentation-GenderKongres-2012.pdfGender als Indikator für gute LehreTagungsdokumentation der Konferenz des „Expert/inn/enkreises für Genderkompetenz inStudium und Lehre“Die dritte Konferenz des „Expert/inn/enkreises für Genderkompetenz in Studium und Lehre“ fand am31.01.2013 in Duisburg statt und stand unter dem Titel „Gender als Indikator für gute Lehre – Perspektivenvon Gender und Diversity in der Fach- und Hochschulkultur“. Rund 70 Teilnehmerinnen undTeilnehmer diskutierten an diesem Tag über aktuelle Ergebnisse aus der Forschung, über innovative Lehr-Lernformate sowie über die Verbindung von Hochschulpraxis und Geschlechtertheorie. Zu den zentralenThemen der Veranstaltung gehörten sowohl theoretische Perspektiven auf Gender als auch Studien zumVerhältnis von Schule, Hochschule und Fachkultur sowie Praxisbeispiele zu Gender und Diversity in derPräsenzlehre und im E-Learning. Die Dokumentation der Tagung ist online zugänglich unter: www.unidue.de/genderportal/lehre_hochschuldidaktik_tagung_2013.shtml.Kontakt und InformationEva Wegrzyn, M. A.Wissenschaftliche MitarbeiterinUniversität Duisburg-EssenZentrum für Hochschul- undQualitätsentwicklung/KompetenzbereichStudium und LehreKeetmanstraße 3–947058 DuisburgTel.: (0203) 379 2360Fax: (0203) 379 3266eva.wegrzyn@uni-due.dewww.uni-due.de/genderportalTätigkeitsbericht des Netzwerks für das Jahr 2012Mit dem Jahresbericht hat die Koordinations- und Forschungsstelle des Netzwerks Frauen- und GeschlechterforschungNRW eine systematische und detaillierte Übersicht über die Aktivitäten des gesamtenletzten Jahres vorgelegt. Im Fokus der Forschung standen die Fortschreibung des Gender-Reports, dieSystemakkreditierung unter Genderaspekten sowie die Geschichte des Netzwerks als Wissenschaftsinstitution.Einen weiteren Schwerpunkt bildeten die Veröffentlichungen sowie die Veranstaltungen, die vonder Koordinations- und Forschungsstelle geplant, organisiert und durchgeführt wurden.Kontakt und InformationDr. Beate Kortendiekbeate.kortendiek@netzwerkfgf.nrw.dewww.netzwerk-fgf.nrw.de/fileadmin/media/media-fgf/download/publikationen/Studie-16_Netzwerk-FGF-Taetigkeitsbericht-2012.pdfArbeitspapier zur Studie „Professorinnen – wo seid Ihr?“An der Hochschule Bochum ist ein Arbeitspapier zur Studie „Professorinnen – wo seid Ihr?“ erschienen.Seit einigen Jahren schon wird nach den Gründen der Unterrepräsentanz von Frauen in Professurengeforscht. Es sind Untersuchungen an diversen Universitäten und für diverse Fächer entstanden. Speziellzum Interesse von Akademikerinnen an einer Fachhochschulprofessur in den ingenieurwissenschaftlichenFächern und den Wirtschaftswissenschaften liegt jetzt eine aktuelle Studie vor. Im Rahmen des Projekts„Professorinnen – ubi estis – wo seid Ihr?“ wurde die Zielgruppe befragt, die potenziell eine Fachhochschulprofessurübernehmen könnte: (Demnächst) promovierte Frauen mit kurzer oder langer Berufspraxiserfüllen alle Voraussetzungen für ein ProfessorInnenamt, mit der Bewerbung auf eine Professur sind siejedoch eher zurückhaltend. Das „Arbeitspapier der Fachgebiete Außenwirtschaft und Marketing“ desFachbereichs Wirtschaft der Hochschule Bochum bietet eine Zusammenfassung der wichtigsten Studienergebnisse.Susanne Stark, Andrea Kiendl: Professorinnen – ubi estis – wo seid Ihr? Eine Analyse der beruflichenMotivation von Akademikerinnen bezüglich einer Fachhochschulprofessur. Arbeitspapier Nr. 5 der FachgebieteAußenwirtschaft und Marketing des Fachbereichs Wirtschaft. Hochschule Bochum, Bochum 2013.Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 15


NewsKontakt und InformationDr. Andrea Kiendlandrea.kiendl@hs-bochum.deDas Arbeitspapier ist erhältlich bei der Hochschule Bochum unter (0234) 32 10723 oder andrea.kiendl@hs-bochum.de.Neue Ausgabe des onlinejournals kultur & geschlechtKontakt und InformationDr. des. Anja MichaelsenWissenschaftliche MitarbeiterinInstitut für MedienwissenschaftRuhr-Universität Bochum44780 Bochumanja.michaelsen@rub.deAuch die zehnte Ausgabe des onlinejournals kultur & geschlecht gibt einmal mehr einen Einblick in dievielfältigen Themengebiete, zu denen Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler imBereich der Geschlechterforschung an der Ruhr-Universität Bochum arbeiten. So analysiert Nico Dunczykdie „Ästhetiken des Masochismus“ am Beispiel von Die 120 Tage von Sodom. Unter dem Titel „Ganz schönschwanger“ setzen sich Carina Kötter und Mareike Meis mit Schönheitspraktiken und Körpertechnologienin der Schwangerschaft auseinander, während Jasmin Stommel über „Zeitgenössische Praktiken von Subjektivierung“berichtet. Anja Michaelsen und Karin Michalski widmen sich in ihrem Beitrag den Politikendes feeling bad und der Notwendigkeit, sich verletzlich zu zeigen. Das onlinejournal kultur & geschlecht istein transdisziplinäres Projekt des Instituts für Medienwissenschaft und wird von der Fakultät für Philologiesowie dem Rektorat der RUB gefördert wird. Die aktuelle Ausgabe ist online abrufbar unter: www.ruhr-unibochum.de/genderstudies/kulturundgeschlecht/edit.html.Geschlechterforschung Niedersachsen. Bericht und EmpfehlungenBericht der Wissenschaftlichen Kommission NiedersachsenKontakt und InformationWissenschaftliche KommissionNiedersachsenSchiffgraben 1930159 HannoverTel.: (0511) 120 8852Fax: (0511) 120 8859poststelle@wk.niedersachsen.dewww.wk.niedersachsen.deDie Wissenschaftliche Kommission Niedersachen (WKN) ist ein unabhängiges Gremium aus Expertinnenund Experten, das die niedersächsische Landesregierung und die niedersächsischen Wissenschaftseinrichtungenseit über zehn Jahren sowohl in Fragen der Forschung als auch der Wissenschaftspolitik berät.Ziel ist es, systematisch Stärken, Schwächen und Chancen einzelner Forschungsfelder zu analysieren,Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen und damit letztlich die Leistungsfähigkeit der niedersächsischenWissenschaft zu steigern. Für den aktuellen Bericht führte die WKN themen- und strukturbezogene Evaluationsverfahrenan niedersächsischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen durch, die Aufschlussüber das Niveau der Geschlechterforschung in Niedersachsen geben. Die vollständige Publikation kann onlineabgerufen werden unter: www.wk.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=19796&article_id=72409&_psmand=155.WAR WAS? Heimat im Ruhrgebiet. Erinnerungsorte undGedächtnisräumeDer diesjährige 6. Geschichtswettbewerb lädt zu einer Auseinandersetzung mit der(Geschlechter-)Geschichte des Ruhrgebiets einKontakt und InformationDr. Uta C. Schmidtutac.schmidt@t-online.deBeteiligen können sich alle, die sich für die Geschichte des Ruhrgebiets interessieren – hauptberuflich oderehrenamtlich, im Zusammenhang mit Lehre und Studium, ausdrücklich aufgefordert sind auch Schülerinnenund Schüler. Dabei sind die für den Wettbewerb denkbaren Themen keineswegs auf das Industriezeitalterbegrenzt, sondern können in die Geschichte der Region zwischen Rhein, Ruhr und Lippe zeitlichweit zurückreichen. Wichtig ist, dass der Schwerpunkt des Beitrags in der Vergangenheit liegt. Es könnenunterschiedliche Formate eingereicht werden: Publikationen, Ausstellungsdokumentationen, Filme, Fotostrecken,Theaterstücke oder App-gesteuerte Stadtrundgänge. Einsendeschluss ist der 31. Dezember 2013.Preise im Gesamtwert von 30 000 Euro werden von einer Fachjury in unterschiedlichen Kategorien im Rahmeneines Geschichtsfestes im Sommer 2014 vergeben. Der Wettbewerb wird vom Forum Geschichtskulturan Ruhr und Emscher seit 1991 durchgeführt, dieses Mal mit Unterstützung der Stiftung KulturhauptstadtRuhr.2010, der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege, der StiftungMercator GmbH sowie des Deutschen Bergbau-Museums Bochum, der Hans-Böckler-Stiftung, des RuhrMuseums und der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur. Im Rahmen des Wettbewerbsfindet am 20. September 2013 zusammen mit dem Stadtarchiv Hamm eine Veranstaltung zu „Geschlechterdimensionenin Erinnerungsorten und Gedächtnisräumen“ statt. Weitere Informationen unter www.warwas-ruhr.de oder auf der Facebookseite des Wettbewerbs.16 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


NewsPersonaliaProf. Dr. Tanja Paulitz ist neue Professorin für Gender- und Lebenslaufforschungan der RWTH AachenNach ihrer Zeit am Institut für Politikwissenschaft und Sozialforschung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg ist Prof. Dr. Tanja Paulitz dem Ruf der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen gefolgt und hat hier die Professurfür Gender- und Lebenslaufforschung übernommen.Sie promovierte 2004 mit Auszeichnung an der Universität Kassel und war unteranderem in Berlin und Graz tätig. Ihre Habilitationsschrift erschien unter dem Titel„Mann und Maschine. Eine genealogische Wissenssoziologie des Ingenieurs undder modernen Technikwissenschaften, 1850–1930“.Kontakt und InformationProf. Dr. Tanja Paulitztpaulitz@soziologie.rwthaachen.deProf. Dr. Gaja von Sychowski ist neue Professorin an der MusikhochschuleLübeckProf. Dr. Gaja von Sychowski hat zum 01. April den Ruf als Professorin für Erziehungswissenschaftenan der Musikhochschule Lübeck (MHL) angenommen.Zuletzt vertrat sie im Wintersemester 2012/2013 die Professur für „AllgemeineSystematische Pädagogik“ am Institut für Berufs- und Weiterbildung der Fakultätfür Bildungswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen.Kontakt und InformationProf. Dr. Gaja von SychowskiGaja.v.Sychowski@mhluebeck.deProf. Dr. Diana Lengersdorf ist neue Juniorprofessorin für Geschlecht,Technik und Organisation an der Universität zu KölnSeit Sommersemester 2013 ist Dr. Diana Lengersdorf neue Juniorprofessorin fürGender, Technik und Organisation an der Humanwissenschaftlichen Fakultät derUniversität zu Köln. Davor war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut fürSoziologie, Fakultät für Erziehungswissenschaft und Soziologie an der TU Dortmundim Lehr- und Forschungsbereich: Soziologie der Geschlechterverhältnisse.2011 schloss sie ihre Promotion zum Thema „Arbeitsalltag ordnen. Soziale Praktikenin einer Internetagentur“ ab. Gegenwärtige Arbeits- und Forschungsschwerpunktesind Soziologie der Geschlechterverhältnisse, Soziologie des Materialen, insbesondere Körper undTechnik, Organisationssoziologie, Arbeits- und Industriesoziologie sowie Soziologie sozialer Praktiken undqualitative Methoden.Kontakt und InformationProf. Dr. Diana Lengersdorfdiana.lengersdorf@unikoeln.deProf. Dr. Rita Braches-Chyrek ist neue Professorin an der UniversitätBambergProf. Dr. Rita Braches-Chyrek ist dem Ruf der Otto-Friedrich-Universität Bamberggefolgt und dort seit dem 01.05.2013 Inhaberin des Lehrstuhls für Sozialpädagogikam Institut für Erziehungswissenschaft. Zuvor war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterinim Fachbereich G – Bildungs- und Sozialwissenschaften der BergischenUniversität Wuppertal tätig. Bereits seit April 2012 vertrat Rita Braches-Chyrek dieProfessur in Bamberg und konzipierte hier im Wintersemester 2012/2013 unteranderem eine Ringvorlesung zum Thema „Was ist Sozialpädagogik? Was ist SozialeArbeit? – neuere disziplinäre Überlegungen“, zu der sie elf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlerunterschiedlicher Universitäten nach Oberfranken einlud.Kontakt und InformationProf. Dr. Rita Braches-Chyrekrita.braches@uni-bamberg.dewww.uni-bamberg.de/paedagogik/sozialpaedagogikJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 17


NewsNeue Projekte stellen sich vorProjekte aus dem Landesprogramm „GeschlechtergerechteHochschulen“Mit dem Landesprogramm für „Geschlechtergerechte Hochschulen“ investiert das Ministerium für Innovation,Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen bis 2014 5,4 Millionen Euro pro Jahr,um die Gleichstellung, den Nachwuchs und die Genderforschung in NRW zu fördern. Neben 25 jungenWissenschaftlerinnen an Universitäten, Fach- und Kunsthochschulen unterstützt das Wissenschaftsministeriumin diesem Zusammenhang 14 Projekte innerhalb der Genderforschung mit jährlich 900 000 Euro.Diese wurden von einer wissenschaftlichen Jury ausgewählt und zeichnen sich durch vielfältige sowiebreitgefächerte thematische Ausrichtungen aus, die von „Gesundheit“ über „Globalisierung/demografischeEntwicklung“ bis zu „Mobilität“ reichen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von elf Hochschulendürfen sich über diese Förderung freuen, unter anderem aus Aachen, Wuppertal, Köln, Bochumund Paderborn. Im Folgenden werden einige der geförderten Genderforschungsprojekte vorgestellt.www.wired.com/autopia/2010/04/video-general-motors-en-vKontakt und InformationProf. Dr. Jutta WeberUniversität PaderbornFakultät für KulturwissenschaftenInstitut für MedienwissenschaftenWarburger Straße 10033098 PaderbornTel.: (05251) 60 32 82Fax: (05251) 60 42 25jutta.weber@uni-paderborn.dewww.juttaweber.euJutta Weber, Anna-Lena Berscheid, Samuel MüllerDegendering the driver? Autonome Fahrzeuge, Mobilität undGeschlechtProjektlaufzeit: Frühjahr 2013–Frühjahr 2015Autonome Fahrzeuge versprechen eine umweltschonendeZukunft ohne Autounfälle oder Staus – undnehmen dabei dem Menschen sprichwörtlich dasSteuer aus der Hand. Doch kann dieser technologicalfix die Probleme unserer Mobilität im Rahmen einerhochemotionalisierten und geschlechtscodiertenAutokultur lösen? Die Vision von selbststeuerndenRoboterautos und deren passiven Passagieren, diedie Kontrolle an das Fahrzeug ab- und das Privatautozugunsten fahrerInnenloser Taxis aufgeben, stelltdas Bild des autonomen und als männlich konnotiertenFahrers in Frage. Dennoch gibt es bis heute keinegendersensitive Untersuchung zu Diskurs und Praxisautonomer Fahrzeuge.Das vorgeschlagene Projekt will die Interdependenzzwischen der Gestaltung autonomer Fahrzeuge undvergeschlechtlichter Automobilkultur untersuchen.Das transdisziplinäre Forschungsdesign bedient sich diskursanalytischer wie ethnographischer Untersuchungsmethodenund bringt internationale Projektbeteiligte aus der Medienwissenschaft, Robotik, Genderforschung,Kulturanthropologie, Techniksoziologie und der Regelungstechnik zusammen. Das Projektwird mit neueren interdisziplinären Ansätzen feministischer Wissenschafts- und Technikforschung bzw.Feminist Cultural Studies of Technoscience und der Akteur-Netzwerk-Theorie arbeiten. Es wird geleitetvon Prof. Dr. Jutta Weber (Medienwissenschaft, Paderborn; www.juttaweber.eu) und durchgeführt vonAnna-Lena Berscheid (M. A.), die Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien UniversitätBerlin sowie Gender Studies mit Schwerpunkt Wissenschafts- und Technikforschung studiert hat, sowieSamuel Müller (Mag.), der einen Abschluss in Soziologie, Religionswissenschaft und Angewandter Ethikin Jena erworben hat.18 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


NewsRomy Reimer, Birgit RiegrafGeschlechtergerechte Care-Arrangements inWohn-/Pflegegemeinschaften?Studie zur Neuverteilung formeller, informeller, professioneller und semiprofessionellerPflegeaufgabenProjektlaufzeit: Mai 2013–April 2015Finanzierung: NRW Landesprogramm „Geschlechtergerechte Hochschulen“ sowie Mittel der Fakultät fürKulturwissenschaften der Universität PaderbornKurzdarstellung des ProjektsGesellschaftliche Veränderungen, wie die Erosion familialer Netzwerke, der demographische Wandeloder die Entstehung neuer gesellschaftlicher Risiken, erhöhen den Druck auf wohlfahrtsstaatliche Politik,tragfähige Konzepte für die Regulation von Pflegebedürftigkeit und die Betreuung von Menschenmit Unterstützungsbedarf zu entwickeln. Vor allem Länder wie Deutschland, die jahrzehntelang auf dieunbezahlte Pflegearbeit in der Familie setzten, die dort vornehmlich von weiblichen Familienangehörigengeleistet wurde, stehen vor der Notwendigkeit einer politischen Neuorientierung. Die Folgen der bislangpolitisch forcierten und institutionell verankerten Care-Arrangements sind bekannt: Frauen wurden am Arbeitsmarktsystematisch benachteiligt und sind im Alter einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt (Becker-Schmidt 2012). Bereits jetzt ist absehbar, dass Fürsorgeleistungen zukünftig nicht mehr oder nicht mehrohne Weiteres im Rahmen des traditionellen Hausfrauenmodells von den weiblichen Familienangehörigenerbracht werden (vgl. Riegraf/Metz-Göckel/Theobald 2011).Modelle wie Wohn-/Pflegegemeinschaften, die sich in den letzten Jahren „bottom-up“ als Alternativesowohl zur familiären Sorge als auch zur Heimbetreuung etablierten, geraten gegenwärtig als Zukunftsmodellverstärkt in die politische Diskussion. Sie haben mit dem jüngeren Beschluss der Bundesregierung,Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz zu fördern, erstmalig sozialpolitische Aufmerksamkeiterfahren. Wohn-/Pflegegemeinschaften zielen auf die Integration der Betroffenen in das gesellschaftlicheLeben ab und sollen ein eigenes Zuhause, Normalität, Sicherheit und Vertrautheit bieten. Sie werden vonAngehörigengruppen begründet, die mit dem Pflege- und Betreuungsgeld der Bewohner_innengemeinschaftsowie Eigenmitteln Pflege- und Hilfskräfte für die Gruppe finanzieren. Die Bewohner_innen ziehenvon ihrer bisherigen Wohnung in eine gemeinsame Wohnung um, in der sie rund um die Uhr betreutwerden. In der Wohngemeinschaft verfügt jede/r Bewohner_in über ein eigenes Zimmer mit seinen/ihrenvertrauten Einrichtungsgegenständen, während Küche, Wohnzimmer und Bäder gemeinschaftlich genutztwerden. Im Zusammenleben der Bewohner_innen werden die klassischen Alltagsstrukturen soweit alsmöglich aufrechterhalten, so wird beispielsweise unter Anleitung gemeinsam eingekauft, gekocht undgeputzt. Im Modell der Wohn-/Pflegegemeinschaft werden Care-Aufgaben im Zusammenspiel von formellen,professionellen und semiprofessionellen Anbieter_innen übernommenen, gleichzeitig verbleibt einTeil der Care-Arbeiten bei den Angehörigengruppen, die zusätzlich die Aufgaben der Selbstverwaltunguntereinander aufteilen. Indem Angehörige sich zur Übernahme höherer Eigenleistungen bereit erklären,ist das Modell auch für Betroffene realisierbar, die in einer niedrigen Pflegestufe eingruppiert wurden undlediglich über eine geringe Kapitalausstattung verfügen.Das Forschungsprojekt geht der Frage nach, inwiefern Care-Arrangements in Wohn-/Pflegegemeinschaftenden Kriterien einer (geschlechter)gerechten Verteilung und Organisation von Pflegearbeit entsprechen.Mithilfe von qualitativen und quantitativen Methoden wird am Beispiel von ausgewählten Wohn-/Pflegegemeinschaftendas Zusammenspiel von informeller und formeller, von semiprofessioneller und professionellerPflegearbeit nach Geschlecht in Wechselwirkung mit unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunftuntersucht. Drei Schwerpunkte werden dabei gebildet: Der erste Komplex betrachtet, wer in Wohn-/Pflegegemeinschaften überhaupt welche informelle, formelle, professionelle, semiprofessionelle Pflege inAnspruch nimmt und welche unterschiedlichen Pflegearrangements sich herausbilden. Der zweite Bereichkonzentriert sich darauf, wer welche Leistungen in dem Mix aus formeller, informeller, professionellerund semiprofessioneller Pflegeaufgabe erbringt. Der dritte Teil widmet sich den Auswirkungen der UnterbringungPflegebedürftiger in Wohn-/Pflegegemeinschaften auf die Lebens- und Berufsgestaltungen derAngehörigen unter einer geschlechterbezogenen Perspektive. Die drei Komplexe geben zusammengefügtein Gesamtbild darüber ab, ob und unter welchen Bedingungen Wohn-/Pflegegemeinschaften ein Modellfür geschlechtergerechte Umverteilung von Care-Arbeiten, differenziert nach sozialer und kultureller Herkunft,sein können.Kontakt und InformationProf. Dr. Birgit Riegraf/Dr. RomyReimerUniversität PaderbornFakultät für KulturwissenschaftenAllgemeine SoziologieWarburger Straße 10033098 PaderbornTel.: (05251) 60-2344briegraf@mail.upb.derreimer@mail.unipaderborn.deJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 19


NewsLiteratur- Becker-Schmidt, Regina (2012): Geschlechtliche Ungleichheitslagen und gesellschaftliche Herrschaftsstrukturen.Zur Überlagerung von Klasse und Gender in Phänomenen „Frauendiskriminierung“. In: Riegraf,Birgit/Spreen, Dirk/Mehlmann, Sabine (Hg.): Medien-Körper-Geschlecht, Bielefeld, S. 137–154.- Riegraf, Birgit/Metz-Göckel, Sigrid/Theobald, Hildegard (Hg.) (2011): Gender and Care. Herausgabe desSchwerpunktheftes GENDER. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft, Jg. 3, Heft 3.Katharina Walgenbach, Friederike ReherPrivilegien reflektieren – Gesprächsanalysen zum „Privilegientest“ inGender- und Diversity-BildungskontextenProjektlaufzeit: 01/2013–12/2014Förderung: Landesprogramm für geschlechtergerechte Hochschulen. Programmstrang Genderforschungsförderung2012–2014. Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung, NRWGroße gesellschaftliche Herausforderungen wie Globalisierung, Migration, demographischer Wandel,Inklusion, Antidiskriminierung und Geschlechtergerechtigkeit prägen heute Bildungsinstitutionen in besondererWeise. Die Geschlechterforschung ist dabei mit der Herausforderung konfrontiert, die eigeneKategorie Gender mit weiteren sozialen Kategorien wie Migrationshintergrund, soziales Milieu, sexuelleOrientierung oder Behinderung in eine produktive Verbindung zu bringen. Diese Aufgabe verfolgt dieGeschlechterforschung bereits seit vielen Jahrzehnten. Einige Autor_innen konzentrieren sich auf denZusammenhang von Gender und Diversity, andere auf das Paradigma Intersektionalität. EntsprechendeDiskussionen werden aktuell auch in unterschiedlichen Bildungskontexten, wie Schule, Hochschule, Jugendbildungsarbeit,Gender- und Diversity-Trainings etc., aufgenommen.Das Forschungsprojekt möchte in diesem Themenfeld einen Perspektivwechsel vornehmen: Nicht die Diskriminiertensollen im Mittelpunkt der Analyse stehen, sondern Privilegien bzw. Privilegierte. Damit knüpftdas Projekt an Forschungsarbeiten zu hegemonialer Männlichkeit, Heteronormativität, Bildungsprivilegiensowie kritische Whiteness Studies an. Interessanterweise sind viele dieser Studien historisch gesehen imKontext der Geschlechterforschung entstanden. Dies gilt auch für den sogenannten „Privilegientest“, derin dem vorliegenden Forschungsprojekt als Gesprächsimpuls genutzt wird.Der Privilegientest beginnt mit der Anweisung, dass sich die Teilnehmenden in einer Linie aufstellen undbei Zustimmung bzw. Ablehnung bestimmter Fragen einen Schritt vor- bzw. zurücktreten. Beispiele fürsolche Fragen aus der Originalversion von Mc Caffry sind: „If your ancestors were forced to come to theUSA, not by choice, take one step back“ oder „If your parents were professional, doctors, lawyers, etc. takeone step forward“. Die Privilegienübung umfasst dabei mehrere soziale Kategorien: Geschlecht, Ethnizität,Schicht und sexuelle Orientierung.Prof. Susanne Baer und M. A. Daniela Hrzán adaptierten den US-amerikanischen Privilege Exercise für dendeutschen Kontext. Sie entwickelten den sogenannten „Privilegientest“ zunächst für die Hochschullehream Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt Universität zu Berlin. Mittlerweilefindet der Privilegientest aber auch in diversen Antidiskriminierungstrainings der Jugend- und Erwachsenenbildungseinen Einsatz. Zudem haben sich in der Bildungsarbeit unterschiedliche Varianten des Testsentwickelt.Das Forschungsprojekt will nicht die Durchführung des Privilegientests selbst untersuchen, sondern analysiertdie im Anschluss stattfindenden Diskussionen. Das Material des Forschungsprojekts besteht demnachaus videografierten Aufzeichnungen von Gruppengesprächen über den Privilegientest. Erhoben werdenvier Gespräche in unterschiedlichen Gender- und Diversity-Bildungskontexten (Hochschule, Weiterbildung,Gendertraining sowie Fachschulen für Erzieher_innen). Die Gruppengespräche werden mit der dokumentarischenMethode ausgewertet. Im Gegensatz zur herkömmlichen Materialerhebung der Gruppendiskussionin der dokumentarischen Methode wird in dem Forschungsprojekt allerdings von Gruppengesprächenausgegangen.Bei deren Auswertung wird ein besonderer Schwerpunkt auf Geschlecht gelegt. Dies gilt zum Beispiel fürdie Analyse und Dokumentation von Passagen, in denen Männlichkeiten bzw. männliche Privilegien in denGesprächen interaktiv verhandelt werden. Ziel des Forschungsprojekts ist es allerdings nicht, den Privilegientestzu evaluieren oder zu optimieren, sondern vielmehr, das Sprechen über Privilegien zu beobachten.Unter struktureller Privilegierung wird in dem Forschungsprojekt verstanden, dass spezifische soziale Kol-20 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


Newslektive einen privilegierten Zugang zu Ressourcen, wie Bildung, Erwerbsarbeit oder gesellschaftliche Institutionen,haben. Sie profitieren von einem Repräsentationsregime, das ihre Identitäten bzw. Körper als„natürlich“ oder „normal“ markiert, und können ihre eigenen Interessen und Perspektiven als „universal“setzen. Dies gilt zunächst unabhängig von ihren Leistungen, politischen Einstellungen oder etwaiger persönlicherVerletzungsabsichten gegenüber anderen.In empirischen Studien zu Privilegien wurde häufig festgestellt, dass strukturelle Privilegien für die Privilegiertenselbst oft unsichtbar bleiben. Das Forschungsprojekt geht von der Annahme aus, dass ein Grunddafür in dem meritokratischen Versprechen der Moderne liegt, nach dem die soziale Platzierung in der Gesellschaftlediglich auf Leistungen beruht. Gleichzeitig werden in westlichen Dominanzkulturen allerdingssoziale Kollektive, wie Männer, Weiße, Heterosexuelle, Bildungsprivilegierte etc., systematisch bevorzugt.Aus dem Widerspruch zwischen meritokratischen Versprechen und systematischer Privilegierung, so dieAusgangsthese des Vorhabens, entstehen Spannungen. Das Forschungsprojekt geht deshalb der Fragenach, wie diese Spannungen von Subjekten in Bildungskontexten bearbeitet werden. Erfahrungsberichteaus der Antidiskriminierungspädagogik weisen z. B. darauf hin, dass Privilegierte mit diversen Abwehrmechanismen,wie Verleugnung, Übertragung, Abwehr, Schweigen etc., reagieren. Eine systematische wissenschaftlicheUntersuchung dieser Mechanismen bzw. Bearbeitungsformen steht bisher aus. Es sollenallerdings nicht allein destruktive Gesprächsstrategien von Privilegierten herausgearbeitet werden, vielmehrzielt die Fragestellung des Forschungsprojekts auch auf mögliche positive Ansätze zum verantwortungsvollenUmgang mit struktureller Privilegierung.Kontakt und InformationProf. Dr. Katharina WalgenbachBergische UniversitätWuppertalProfessur für Gender &DiversityProjektleitungwalgenbach@uniwuppertal.deFriederike ReherBergische UniversitätWuppertalProjektmitarbeiterinreher@uni-wuppertal.deGabriele Wilde, Annette ZimmerGeschlechterverhältnisse in autoritären und hybriden RegimenForschungsprojekt am Institut für Politikwissenschaft (IfPol) der Universität Münster imRahmen des Zentrums für Europäische Geschlechterstudien (ZEUGS)Förderung: Landesprogramm für geschlechtergerechte Hochschulen. Programmstrang Genderforschungsförderung.Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung, NRWLeitungProf.‘in Dr. Gabriele Wilde, Professur für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt der GeschlechterforschungProf.‘in Dr. Annette Zimmer, Professur für Deutsche und Europäische Sozialpolitik und Vergleichende PolitikwissenschaftKurzbeschreibungIm Fokus des geplanten Projekts steht die Untersuchung der Interdependenz von autoritären und bedingtdemokratischen politisch-gesellschaftlichen Strukturen und Geschlechterverhältnissen. Dabei richtet sichdas Erkenntnisinteresse auf den Zusammenhang zwischen Autokratien sowie hybriden politischen Systemenund der Festschreibung von Geschlechterverhältnissen als gesellschaftliche Machtverhältnisse, dienachhaltig eine gesellschaftliche Demokratisierung verhindern, indem sie eine umfassende Teilhabe vonFrauen am öffentlichen Leben systematisch behindern bis gänzlich verunmöglichen.Das Projekt verbindet den Regimeansatz der Vergleichende Regierungslehre und Transformationsforschungmit einer gesellschaftszentrierten Perspektive. Damit werden bisher von der politikwissenschaftlichen Forschungin autoritären und hybriden Systemen kaum in den Blick genommene Bereiche der Lebenswelt vonFrauen Gegenstand der empirisch-analytischen Forschung. Es handelt sich hierbei um diejenigen gesellschaftlichenBereiche, in denen sich die gesellschaftliche Organisation sozialer Macht- und Herrschaftsverhältnissein Form von Regierungstechnologien vollzieht. In dem bewilligten Förderzeitraum von insgesamtzwei Jahren wird die Frage nach dem Regimeeinfluss als institutionalisiertem gesellschaftspolitischemKontext auf die Teilhabe von Frauen am öffentlichen Leben in den Sektoren Wirtschaft, Wissenschaft undPolitik zunächst an den Fallbeispielen Nicaragua und Tunesien untersucht.Förderung und LaufzeitDas Projekt wird durch das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW (MIWF) im Rahmendes Landesprogramms für geschlechtergerechte Hochschulen, Programmstrang Genderforschungsförderungvom 01.01.2013 bis 31.12.2014 gefördert. Da es sich um ein Desiderat sowohl der Gender- wieKontakt und InformationProf.‘in Dr. Gabriele WildeInterdisziplinäres Zentrum fürEuropäische Geschlechterstudien(ZEUGS)Institut für Politikwissenschaft(IfPol)Universität MünsterScharnhorststraße 10048151 Münstergabriele.wilde@unimuenster.deTel.: (0251) 83-25328 (Sekr.),(0251) 83-29946www.uni-muenster.de/IfPol/personen/wilde.htmlJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 21


Newsder politikwissenschaftlichen Forschung, namentlich der Vergleichende Regierungslehre handelt, soll mitder beantragten Förderung die Entwicklung und erfolgreiche Beantragung eines interdisziplinären Graduiertenkollegszum Thema „Geschlechterverhältnisse in autoritären und hybriden Regimen“ am ZEUGSermöglicht werden.Weitere neue GenderprojekteStefanie Schlößer, Bettina Hieming, Nicole Auferkorte-Michaelis,Carmen Leicht-ScholtenChanceMINT.NRW – Karriereentwicklung für Studentinnen in Hochschulenund UnternehmenKooperationsprojekt der RWTH Aachen und der Universität Duisburg-Essen gestartetDas Ziel2-Projekt ChanceMINT.NRW ist eine Kooperation der RWTH Aachen und der Universität Duisburg-Essen.Hauptanliegen des bis März 2015 laufenden Forschungsvorhabens ist eine frühzeitige Heranführungvon Studentinnen der Ingenieur- und Naturwissenschaften an mögliche Berufsfelder nach demerfolgreichen Abschluss des Studiums. Das vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege undAlter des Landes Nordrhein-Westfalen geförderte Projekt spricht Studentinnen der MINT-Fächer ab demdritten Fachsemester an, um einen frühzeitigen Studienabbruch zu verhindern. Das Karriereentwicklungsprogrammverbindet temporäre Hospitationen der Studentinnen in Unternehmen mit einem begleitendenund ergänzenden Workshop- sowie Vernetzungsprogramm und geht mit dieser Konzeption bewusst überein klassisches Mentoringprogramm hinaus.Um das Programm und insbesondere die Unternehmenspatenschaften passgenau auf die Berufsinteressender Teilnehmerinnen akquirieren zu können, ist es notwendig, in diesem Pilotprojekt das Angebot aufeinzelne Studiengänge zu beschränken, da die Studiengänge aus dem MINT-Bereich in ihrer Breite einzu heterogenes Berufsspektrum abbilden. An der RWTH Aachen fokussiert das Programm vor allem dieStudentinnen des B. Sc.-Studienganges Bauingenieurwesen mit einem derzeitigen Frauenanteil von 31 %in der Zielgruppe der Studentinnen ab dem 3. Fachsemester, ist aber generell auch für Studentinnen andererMINT-Fächer geöffnet, beispielsweise für Studentinnen des B. Sc.-Studienfaches Maschinenbau miteinem Frauenanteil von 23 % sowie Studentinnen der B. Sc.-Studiengänge der Fakultät für Mathematik,Informatik und Naturwissenschaften mit einem Frauenanteil von 24 % in der Zielgruppe.Auch an der UDE wurde das Programm für Studentinnen ausgewählter ingenieurwissenschaftlicher Studiengängekonzipiert und in enger Kooperation mit einzelnen Fachschaften für Studentinnen der ingenieurwissenschaftlichenB. A.-Studiengänge Wirtschaftsingenieurwissenschaften, Maschinenbau, Energie- undInformationstechnik sowie Bauingenieurwissenschaften entwickelt. Der relative Frauenanteil in den ausgewähltenStudiengängen an der Universität Duisburg-Essen ist aktuell mit rund 10 % im Maschinenbausowie der Energie- und Informationstechnik, rund 20 % im Studiengang Wirtschaftsingenieurwissenschaftenund 35 % in den Bauwissenschaften unterschiedlich hoch. Studentinnen weiterer ingenieurwissenschaftlicherB. A.-Studiengänge können sich grundsätzlich ebenfalls bewerben.An der RWTH Aachen kooperiert das Programm eng mit dem vom BMBF und dem Stifterverband gefördertenMentoringsystem, wodurch die einmalige Möglichkeit besteht, für das Programm in Frage kommendeStudentinnen direkt in einem persönlichen Gespräch durch die Mentorinnen und Mentoren anzusprechenund sie aktiv bei der Bewerbung für das Programm zu unterstützen. Hier wurde ein gesonderter Profilbogenkonzipiert, welchen die Studentinnen, neben ihrem Lebenslauf und einem Motivationsschreiben,zur Bewerbung für das Programm einreichen müssen. Durch dieses mehrgliedrige Bewerbungsverfahrensetzen sich die Studentinnen schon vor Aufnahme in das Programm reflektiert mit ihren Zielen und Bedürfnissenauseinander. Die Resultate werden nach Bewerbungsschluss evaluiert und fließen in den weiterenProgrammverlauf ein.Das Programm wird die Studentinnen für die Dauer von drei Semestern begleiten und umfasst zwei Praxisphasen:In der ersten Phase lernen die Studentinnen in Kleingruppen fünf von ihnen gewählte Unternehmenin halb- bzw. eintägigen Exkursionen kennen. In der zweiten entscheiden sie sich für einUnternehmen, das sie an fünf Praxistagen intensiver kennenlernen können. Begleitend wird ein Workshopprogrammangeboten, in dem eine zeitnahe Reflexion der Praxiserfahrungen gewährleistet und derBlick der Studentinnen für die Fokussierung mit dem Thema Berufseinstieg und Karriereentwicklung nachdem Studium unter Genderperspektive geschärft werden.22 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


NewsGesamtziel an den Hochschulen ist es:- zu einem frühen Zeitpunkt im Verlauf des Studiums den Anwendungsbezug der Studieninhalte und denPraxisbezug zu stärken,- die Studienmotivation weiter zu fördern,- durch frühzeitige Praxiseinblicke berufspraktisch Orientierung zu erfahren,- bei der Wahl von Vertiefungsschwerpunkten zu unterstützen,- jungen Frauen Rollenvorbilder in einem noch immer recht männerdominierten Berufsfeld anzubieten,- in Workshops Angebote zur (Weiter-)Entwicklung der in der Berufspraxis geforderten Schlüsselqualifikationenzu bieten.Für die teilnehmenden Studentinnen bietet das Programm die Möglichkeiten,- Einblicke in unternehmerische Praxis zu gewinnen,- berufserfahrene Ingenieurinnen kennenzulernen,- Einblicke in Karrierewege zu erhalten,- regionale Beschäftigungsmöglichkeiten (vor allem in mittelständische Unternehmen) kennenzulernen,- ggf. gemeinsam mit einem Unternehmen Themen für eine Praxis-Bachelorarbeit zu entwickeln,- Soft Skills in begleitenden Workshops zu verbessern,- sich mit anderen Studentinnen sowie berufserfahrenen Ingenieurinnen und Ingenieuren zu vernetzen.Derzeit läuft die Bewerbungsphase für die Studentinnen. Die Auftaktveranstaltung des Programms findetam 9. Oktober 2013 in Düsseldorf mit offizieller Eröffnung durch Ministerin Barbara Steffens statt, an derauch die Rektoren beider Hochschulen, die Unternehmensvertreterinnen und -vertreter sowie die Menteesteilnehmen werden.RWTH AachenLehr- und Forschungsgebiet Gender und Diversity in den Ingenieurwissenschaften (GDI)Projektleitung: Professorin Carmen Leicht-ScholtenProjektkoordination: Stefanie Schlößer, M. A.Projektwebsite: www.gdi.rwth-aachen.de/forschung/chancemintUniversität Duisburg-EssenZentrum für Hochschul- und Qualitätsentwicklung (ZfH)Geschäftsführung: Dr. Christian GanseuerProjektleitung: Dr. Nicole Auferkorte-MichaelisKonzeption und Projektmitarbeit bis 04/2013: Bettina HiemingProjektwebsite: www.uni-due.de/zfh/chancemintKontakt und InformationDr. Nicole Auferkorte-Michaelisnicole.auferkorte-michaelis@uni-due.deBarbara Rendtorff, Sandra Glammeier, Verena VogelsangSexuelle Gewalt in pädagogischen KontextenNeues BMBF-Forschungsprojekt „Sexualisierte Übergriffe und Schule – Prävention undIntervention“ an der Universität PaderbornIm Oktober 2012 ist das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „SexualisierteÜbergriffe und Schule – Prävention und Intervention“ an der Universität Paderborn gestartet. Zieldes dreijährigen Forschungsvorhabens ist die nachhaltige Verbesserung der Kenntnisse und Kompetenzenvon Lehramtsstudierenden und Lehrer(inne)n im Umgang mit sexualisierter Gewalt in der Schule.Nach einer Analyse des interdisziplinären und internationalen Theorie- und Forschungsstandes zum Thema„Sexualisierte Gewalt und Schule“ wird eine qualitativ-empirische Studie in Form von Leitfaden gestütztenInterviews mit Expert(inn)en zu den Schwierigkeiten im Umgang mit sexualisierter Gewalt und zu notwendigenFort- und Weiterbildungsinhalten im Themenfeld „Sexualisierte Übergriffe und Schule“ durchgeführt.Anschließend erfolgt eine quantitative Befragung von Lehramtsstudierenden und Lehrer(inne)n zurJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 23


NewsKontakt und InformationInstitut für Erziehungswissenschaftund Zentrum fürGeschlechterstudien/GenderStudiesUniversität PaderbornWarburger Straße 10033098 PaderbornProjektleitung:Prof. Dr. Barbara Rendtorffbarbara.rendtorff@upb.deMitarbeiterinnen:Dr. Sandra Glammeiersandra.glammeier@unipaderborn.deVerena Vogelsangverena.vogelsang@unipaderborn.deErhebung des Fortbildungsbedarfs zum Thema sexualisierter Gewalt sowie möglicher Präventions- undInterventionsmaßnahmen. Darüber hinaus sollen zertifizierte Fortbildungen für Lehrkräfte und Lehramtsstudierendekonzipiert, erprobt, evaluiert und etabliert werden.Im Rahmen des Forschungsprojektes rücken sowohl sexualisierte Gewalthandlungen durch schulexternePersonen als auch Vorfälle schulinterner sexualisierter Gewalt durch pädagogische Fachkräfte oder andereKinder und Jugendliche in den Blick. Neben dem Zusammenhang zwischen Geschlecht, Sexualität, Gewaltund Macht steht die Reflexion der institutionellen, strukturellen und personellen Verbindungen zwischenpädagogischer Arbeit und sexualisierter Gewalt im Fokus der Betrachtung. Die Kombination aus theoretischenAnalysen, empirischer Forschung und pädagogischer Weiterbildung sichert den Transfer und denAustausch zwischen Universität und Schule.Die Webseite des Projekts finden Sie auf der Homepage der Universität Paderborn unter: www.uni-paderborn.de/sexualisierte-gewalt.Elke Kleinau, Lisa Rosen, Alexandra Damm„Feminisierung des Lehrberufes“ – eine These und ihre Bedeutung fürdie aktuelle Krise der SchuleNeues Lehr-/Forschungsprojekt an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universitätzu KölnProjektleitung: Prof.‘in Dr. Elke Kleinau, Jun.-Prof.‘in Dr. Lisa Rosen. Unter Mitarbeit von Alexandra DammKontakt und InformationAlexandra DammWissenschaftliche HilfskraftUniversität zu KölnHumanwissenschaftlicheFakultätInstitut für vergleichendeBildungsforschung und SozialwissenschaftenGronewaldstraße 250931 KölnTel.: (0221) 470-4697alexandra.damm@uni-koeln.deAn der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln wird im Wintersemester 2012/13 sowieim Sommersemester 2013 das o. g. Lehr-/Forschungsprojekt innerhalb der Lehrer_Innen_bildung realisiert.Finanziert wird dieses Vorhaben mit einer Laufzeit von sechs Monaten (Januar bis Juni 2013) ausMitteln des universitären Finanzfonds zur Umsetzung des gesetzlichen Gleichstellungsauftrages.Die Ausgangsthese ist, dass der öffentliche Diskurs über die Feminisierung des Lehrberufes eine Entwertungweiblicher Bildungs- und Erziehungstätigkeiten impliziert.Das unmittelbare Projektziel besteht darin, zukünftige Lehrerinnen und Lehrer, aber auch andere in pädagogischenHandlungsfeldern Tätige, zu einer kritischen Position in der Debatte um die Feminisierungder Schule bzw. des Lehrberufs zu befähigen. Damit dient das Forschungsvorhaben der Professionalisierungder Studierenden, insbesondere dem Erwerb von Genderkompetenzen. Langfristige Absicht ist dieImplementierung des Seminarkonzeptes in die Lehrer_Innen_bildung der Universität zu Köln sowie dieWeiterentwicklung für die Fort- und Weiterbildung von Professionellen in der pädagogischen Praxis.Umgesetzt wird das Projekt im Rahmen eines zweiteiligen Workshops mit bis zu 25 Studierenden, welcherdie aktuelle Debatte über die Feminisierung des Lehrberufes und den damit in Zusammenhang gebrachten(angeblichen) Bildungsmisserfolg der Jungen aufgreift. Argumentationslinien der Feminisierungstheseund die dazugehörigen inhärenten Annahmen über die Naturhaftigkeit von Geschlechtsidentitäten undgeschlechtlichem Rollenhandeln werden überprüft und dekonstruiert. Dafür werden – sowohl über denZugang zu historischen Kontinuitäten dieser These als auch über den Zugang zu aktuellen empirischenStudien – gemeinsam Erkenntnisse zur Varianz und Entwicklung von Genderpräsentationen erarbeitet.Aus hochschuldidaktischer Sicht sollen die Studierenden dazu befähigt werden, im Rahmen des forschendenLernens Methoden der Biografie-, Fall- und Portfolioarbeit sowie Zugänge des historischen Lernensanzuwenden, während die Begleitforschung der Erhebung und Auswertung studentischer Bildungsbiografienund Geschlechterkonstruktionen dient.„Prejudices are what fools use for reason“Ein Kurzfilmprojekt zum Umgang mit Stereotypen im BerufskontextWie vielfältig kann Diskriminierung sein? Welche negativen Folgen kann sie haben? Wie können ProfessorInnen,MitarbeiterInnen und Studierende in der Universität für Stereotypisierung und Diversityfragestellungensensibilisiert werden? Diesen und weiteren Aspekten widmete sich ein gemeinsames Praxisprojektder Lehrstühle Sozialpsychologie: Medien und Kommunikation (Prof.‘in Nicole Krämer) und WirtschaftsundOrganisationspsychologie (Prof.‘in Annette Kluge) für Bachelorstudierende der Angewandten Kognitions-und Medienwissenschaften im Wintersemester 2012/2013 unter der Anleitung von Sabrina Eimler,M. A. M. Sc., und Dr. Vera Hagemann. Unter intensiver Berücksichtigung theoretischer Arbeiten, u. a.zu den Inhalten, Gründen und Funktionsweisen von Stereotypen, und konkreter Erfahrungsberichte der24 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


NewsOmbudsstelle (Dr. Birgit Kunde) sowie Projektberichten aus dem Zentrum für Hochschul- und Qualitätsentwicklung(von Eva Wegrzyn und Sarah Winter) entstanden Konzepte für Kurzfilme, die im Anschluss andie Vermittlung praktischer Kenntnisse im Umgang mit Kameratechnik und digitalen Filmschnittmethodenumgesetzt wurden. Vier Filme thematisieren u. a. Diskriminierungssituationen aufgrund des Geschlechts,der ethnischen und sozialen Herkunft, körperlicher Beeinträchtigungen oder sexueller Orientierung.Die Filme sowie weiteres Material sind nun auch online zu sehen im Genderportal der UDE: www.uni-due.de/genderportal/lehre_filmprojektkomedia.shtml.Kontakt und InformationSabrina Eimlersabrina.eimler@uni-due.deGenderTime – Transferring Implementing Monitoring EqualityNeues EU-Projekt an der Bergischen Universität Wuppertal zu strukturellen GleichstellungsmaßnahmengestartetZum 1. Januar ist ein neues, im 7. Rahmenprogramm der Europäischen Kommission gefördertes, Projektunter Beteiligung der Bergischen Universität Wuppertal gestartet. Das Vorhaben „GenderTime – TransferringImplementing Monitoring Equality“ hat eine Gesamtlaufzeit von vier Jahren. Das Konsortium setzt sichaus zehn Hochschulen und Forschungsinstituten acht europäischer Länder zusammen, neben Deutschlandsind Frankreich, Schweden, Italien, Österreich, Serbien, Spanien und England beteiligt. „GenderTime“ wirdinnerhalb des Programmpunktes „Wissenschaft in der Gesellschaft“ des spezifischen Programms „Kapazitäten“des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms finanziert.Aufgeteilt in sieben Arbeitspakte, die sich neben Koordination und Öffentlichkeitsarbeit den Themen Implementierung,Monitoring, Wissenstransfer, Methodologie und externe Projektevaluation widmen, zieltdas Projekt auf die Identifizierung und Umsetzung systematischer Ansätze zur Erhöhung der Chancengleichheitvon Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf den unterschiedlichen Karrierestufen. UnterschiedlichsteInstitutionen hinsichtlich Größe, Ausrichtung und Geschichte sind Teil des Konsortiums, umso verschiedene Organisationsettings analysieren und darüber hinaus Synergieeffekte zwischen den Einrichtungennutzen zu können. Für jede Institution wurden vorab Aktionspläne definiert, die in der vierjährigenProjektlaufzeit umgesetzt und evaluiert werden sollen. Die Aktivitäten umfassen u. a. Maßnahmenim Bereich der Nachwuchsgewinnung, der Karriereentwicklung sowie der Vereinbarkeit von Privat- undBerufsleben.Um eine effiziente und langfristige strukturelle Umsetzung der Maßnahmen in den einzelnen Institutionenzu gewährleisten, wurden vorab sogenannte „transfer agents“ benannt, die diesen Prozess durch ihrEngagement institutionell unterstützen.Einen weiteren wichtigen inhaltlichen Fokus bildet der Wissenstransfer zum Thema Gleichstellungsmanagementzwischen erfahrenen und unerfahreneren Einrichtungen innerhalb des Konsortiums. MaßgeschneiderteIndikatoren ermöglichen im Projekt eine Messung der Veränderungen in den beteiligtenInstitutionen. Ein wesentliches Ergebnis des Projekts liegt in der Entwicklung von bereits getestetenGleichstellungsmaßnahmen und -instrumenten für zukünftige Aktionspläne in Institutionen mit ähnlichenHandlungsansätzen.Basierend auf einer vergleichenden Analyse der jeweiligen institutionellen Erfahrungen innerhalb des Projektskönnen neben Best Practice-Beispielen für spezifische kulturelle Kontexte, Disziplinen usw. auchFaktoren einer möglichst erfolgreichen, längerfristigen Umsetzung identifiziert werden. „GenderTime“möchte zu einer institutionellen und strukturellen Veränderung der europäischen Forschungslandschaftbeitragen.Kontakt und InformationDipl.-Soz. Wiss. JenniferDahmenGleichstellungsbüro derBergischen UniversitätWuppertalGaußstraße 2042097 WuppertalTel.: (0202) 439-3181jdahmen@uni-wuppertal.deJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 25


BeiträgeBeiträgeSandra ReinertGender Studies an nordrhein-westfälischen HochschulenRückblick auf die Jahrestagung des Netzwerks Frauen- und Geschlechterforschung NRWam 30.11. und 01.12.2012 in HerneRundreise zu den Gender StudiesDie Einrichtungen der Gender Studies an Hochschulenin NRW bilden – neben den Professurenund dem Mittelbau – die dritte Säule des NetzwerksFrauen- und Geschlechterforschung NRW.Sie bieten die Möglichkeit zur interdisziplinärenZusammenarbeit sowie zum Austausch über aktuelleThemen und Fragestellungen aus dem Kontextder Frauen- und Geschlechterforschung undder Gender Studies. Ziel der Jahrestagung desNetzwerks, die vom 30.11. bis zum 01.12.2012in Herne stattfand, war es, die Zusammenarbeitzu bündeln sowie den direkten Kontakt unter denverschiedenen Akteurinnen und Akteuren zu ermöglichen.Angemeldet hatten sich rund 50 Vertreterinnenund Vertreter von fast allen GenderStudies-Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen.Diese sind an elf Hochschulen und Universitätenan zwölf Standorten angesiedelt. Im Anschluss andiesen Bericht stellen sich einige von ihnen mitihren Schwerpunkten vor.Prof. Dr. Anne SchlüterSilvia BoßmannDie Gender Studies in NRW im ÜberblickIn ihrer Begrüßung machte die NetzwerksprecherinProf. Dr. Anne Schlüter deutlich, dass dieAnfänge der Frauenstudien vor 30 Jahren bereitsdas Ziel hatten, nicht separiert, sondern integriertzu arbeiten, zu forschen und zu lehren. DieGrundlage für die heutigen Studiengänge undZentren bildeten die in den 1980er Jahren eingeführtenNetzwerkprofessuren, die vom Landgefördert wurden. Inzwischen assoziieren sichviele ProfessorInnen, da Netzwerkprofessuren26 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


Beiträgenicht mehr vergeben werden, und sorgen dadurchdafür, dass das Netzwerk und die GenderStudies-Einrichtungen ihre Aktivitäten erweiternkönnen. Die Tagung sollte einen regen Austauschüber unterschiedliche Inhalte ermöglichen, überInter- und Transdisziplinarität und die Fragen,welche Forschungsschwerpunkte die Einrichtungenjeweils setzen, über welche Ressourcen sieverfügen und welche Unterstützung sie erhalten.Ebenfalls interessant sind Überlegungen zu denberuflichen Chancen von AbsolventInnen derGender Studies-Studiengänge und deren gesellschaftlicheAkzeptanz. Silvia Boßmann aus demGleichstellungsreferat des Ministeriums für Innovation,Wissenschaft und Forschung des LandesNordrhein-Westfalen stellte in ihrem Grußwortanschließend die hohe Bedeutung des NetzwerksFrauen- und Geschlechterforschung NRW für dienordrhein-westfälischen Hochschulen und für dasWissenschaftsministerium heraus. Sie betonte dielangjährige produktive Verbindung zum Netzwerkund die guten Kooperationsbeziehungen.Die Gender Studies-Zentren in NRWMeike Hilgemann (links), Dr. Beate Kortendiek (rechts)Nach den Begrüßungen führten Dr. Beate Kortendiekund Meike Hilgemann durch die Landschaftder Gender Studies-Einrichtungen in NRW. Einekurze Vorstellung der einzelnen Zentren, Arbeitsstellenund Studiengänge soll nicht nur einen Einblickin die Unterschiede in Bezug auf Förderungund Ausstattung, sondern vor allem in die Vielfaltder Themen geben, zu denen an den unterschiedlichenOrten geforscht und gelehrt wird.Die Gender Studies-Zentren in NRWDas Interdisziplinäre Zentrum für Frauen und Geschlechterforschung(IFF) der Universität Bielefeldwar die erste Forschungseinrichtung zur Frauenforschungin Nordrhein-Westfalen. Schon langebevor Interdisziplinarität ein Thema an Hochschulenwurde, ist hier Geschlecht aus verschiedenenBlickwinkeln und Disziplinen betrachtet worden.Das IFF hat neben eigenen Forschungsprojektenauch zum interdisziplinären Austausch innerhalbder Frauen- und Geschlechterforschung beigetragen;das Netzwerk Frauenforschung NRW wurdeebenfalls im Rahmen des IFF gegründet. Das EssenerKolleg für Geschlechterforschung (EKfG) isteine interdisziplinär ausgerichtete Forschungseinrichtungder Universität Duisburg-Essen, derenProfilschwerpunkte in den nano- und biomedizinischenWissenschaften, urbanen Systemen, demWandel von Gegenwartgesellschaften und derempirischen Bildungsforschung liegen. Das Zentrumfür Gender Studies Siegen (Gestu_S) hat essich zur Aufgabe gemacht, Lehre und Forschungunter Genderaspekten fachbereichsübergreifendzu bündeln. Außerdem bietet es Studierenden dieMöglichkeit, Genderzertifikate als Zusatzqualifikationzu erlangen. 2009 wurde das Zentrum fürGeschlechterstudien/Gender Studies (ZG) an derUniversität Paderborn gegründet. Das ZG bietetForschungskolloquien, Tagungen und Ringvorlesungenan, führt Forschungsprojekte durch undentwickelt ein Modul Gender-Studien für dasStudium generale sowie einen MA Gender Studies.Mit diesen vielfältigen Angeboten soll dasLehr- und Forschungsangebot der UniversitätPaderborn ausgeweitet werden. Das InterdisziplinäreGenderkompetenzzentrum in den Sportwissenschaften(IGiS) ist eine interdisziplinäreEinrichtung an der Sporthochschule Köln undführt als solche interdisziplinäre Forschungenzum Bewegungs- und Gesundheitsverhalten untergeschlechtsbezogenen Fragestellungen durch.Zu den neusten Zentren gehört das der GenderStudies in Köln (GeStiK). Hier werden die GenderStudies für Studium und Lehre konzipiert undkoordiniert, der wissenschaftliche NachwuchsJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 27


BeiträgeDie Gender Studies-Forschungs- und Arbeitsstellen in NRWinterdisziplinär gefördert und das Profil vonSchwerpunktbereichen sowie interdisziplinärenForschungskooperationen geschärft. Durch die„schlanken Mittel“, die aber für fünf Jahre gesichertsind, ist das Zentrum einerseits gezwungen,realistische Strategien zu entwickeln, andererseitsherrschen auch ein Evaluationsdruckund die Notwendigkeit einer ständigen Suchenach neuen Projekten und Finanzierungsmöglichkeiten.Es geht aber nicht nur um finanzielle,sondern vor allem um institutionelle Unterstützung,die bei der Initiierung von Vorhaben einewichtige Rolle spielt. Das Zentrum für EuropäischeGeschlechterstudien (ZEUGS) mit Sitz an derUniversität Münster hat zum Ziel, Verfassung undGrundlagen gesellschaftlicher Geschlechterverhältnisseund deren Verfestigung in Form institutionellerGeschlechterordnungen vor dem Hintergrundder Europäisierung und der Globalisierungzu untersuchen. Dies soll fakultätsübergreifendgeschehen. Die im November 2011 gegründeteEinrichtung kooperiert mit den Bereichen der Politik,Soziologie und den Erziehungswissenschaften,um Geschlechterforschung interdisziplinär zugestalten.Die Gender Studies-Forschungs- undArbeitsstellen in NRWDie Gender Studies-Forschungs- und Arbeitsstellensind in der Regel an Fakultäten angegliedertund oftmals auf Bestreben der NetzwerkprofessorInneninitiiert worden, so zum Beispiel dieFeministische Theologie und Genderforschung ander Universität Münster, die unter der Leitung vonNetzwerkprofessorin Marie-Theres Wacker steht,oder auch die Ethel-Smyth-Forschungsstelle ander Hochschule für Musik Detmold, die von NetzwerkprofessorinRebecca Grotjahn koordiniertwird. An der Universität Bonn ist die Arbeitsstellefür Theologische Genderforschung beheimatet.Wichtige Impulse liefern ebenfalls die assoziiertenGenderprofessuren. Ein Beispiel dafür ist dieForschungsstelle für Literatur und Men‘s Studies(LiMeS) an der Universität Siegen. Hier soll dieErforschung von Männlichkeit auf Basis der Literaturwissenschaftdazu dienen, die gedachtenvermeintlich unüberwindbaren Grenzwälle in Fragezu stellen und durchlässig zu machen.Doch nicht nur die Arbeitsstellen, die oftmalsfachbereichsbezogen agieren, sind zu nennen,sondern auch ganze Fachbereiche, wie beispielsweisedas Institut für Geschlechterstudien der FHKöln. Zudem gibt es fakultäts- und fachbereichsübergreifendeForschungsgruppen, zu denen u. a.die Gruppe Dynamik der Geschlechterkonstellationenan der TU Dortmund und das EuropäischeZentrum für Geschlechterforschung an der UniversitätSiegen zählen.Die Gender Studies-Studiengänge in NRWIn Bielefeld wird der Masterstudiengang GenderStudies – Interdisziplinäre Forschung und Anwendungangeboten. Dieser ist inter- und transdisziplinärausgerichtet und hat seinen Schwerpunktin den Bereichen Sozialisation und Bildung sowieInterkulturalität, Arbeit und Organisation, Körperund Gesundheit, Transnationalisierung und Demokratisierung.Die Zusammenarbeit verschiedenerFakultäten und Fachbereiche sorgt für eineinnovative Lehr- und Lernform, die auch organisatorischeine Herausforderung darstellt. Die Heterogenitätder Studierenden wird als Herausforderungund Bereicherung zugleich empfunden.Der MA Gender Studies bringt unterschiedlicheWissenschaften in einen Dialog miteinander. DieRuhr-Universität Bochum bietet sowohl einenEin-Fach- als auch einen Zwei-Fach-Masterstudiengangan. Der MA Gender Studies – Kultur,Kommunikation und Gesellschaft verbindet dieKerndisziplinen Geschichte, Kunstgeschichte, Medienwissenschaft,Romanistik und Soziologie undhat zum Ziel, eine multiperspektivische Vernetzungzu schaffen, zivilgesellschaftliches Engagementals Kernkompetenz zu vermitteln und eineBrücke zwischen Wissenschaft und Arbeitsweltzu schlagen. Dabei stellt sich auch die Frage, wieman Gender Studies als Studiengang in Zukunftsichtbar machen kann. Es ist nicht nur ein Problem,dass dieser kaum bekannt ist, sondern es28 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


Beiträgebesteht für die Studierenden darüber hinaus oftRechtfertigungsbedarf für die eigene Studienfachwahl.Auch teilen viele von ihnen die Sorge,keine geeignete Anstellung zu finden. Ergänztwird das Angebot des Studiengangs durch dieVeranstaltungen der Marie-Jahoda-Gastprofessurund durch Angebote aus weiteren Fächern.Ein weiterer Masterstudiengang kann an der UniversitätPaderborn studiert werden. Der MA Komparatistik/VergleichendeLiteraturwissenschaft.Interkulturalität, Intermedialität und Gender Studiesist ein „hybrider“ Studiengang, der Kenntnisseaus den Bereichen der Einzelphilologienvoraussetzt und das Wissen vertieft, das im BAKomparatistik erworben wurde. Ziel ist es, überLiteratur und andere mediale AusdrucksformenEinblicke in den Prozess der kulturellen Sinnstiftungzu vermitteln. Hierzu gehören Kunst, Musik,Film und Theater. An der Hochschule Rhein-Waalwird ab dem letzten Wintersemester (2012/2013)der siebensemestrige internationale, interdisziplinäreBachelorstudiengang Gender and Diversityangeboten. Gegenstand sind neue Formen derArbeitsteilung, veränderte Familienmodelle undder damit einhergehende Wandel der klassischenRollenbilder. Der komplett in Englisch konzipierteStudiengang konzentriert sich auf soziale, ethnischeund demografische Hintergründe. An bereitsberufstätige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiteraus Unternehmen sowie Verwaltung, Beraterinnenund Berater, Personal- und Führungsverantwortlicheaber auch an Pädagoginnen undPädagogen richtet sich der weiterbildende StudiengangManaging Gender & Diversity an der TUDortmund. Hier werden vor allem die Menschenangesprochen, die sich in ihrer Karriereentwicklungauf neue Aufgabenbereiche im Kontext desDiversity Managements vorbereiten möchten.Die Gender Studies-Studiengänge in NRWDie Frauen-Studiengänge in NRWDie Frauen-Studiengänge in NRWNeben den BA- und MA-Studiengängen gibt esauch monoedukative Angebote zur Weiterbildungvon Frauen. In NRW zählen dazu derzeitdrei Frauenstudiengänge, die im Folgenden kurzvorgestellt werden sollen: Das Zertifikat „Referentinfür Frauenfragen in Bildung, Kultur undPolitik“ kann man an der TU Dortmund erwerben.Hier ist der 1981 gegründete StudiengangFRAUENSTUDIEN angesiedelt, allerdings läuftdieser aus, sodass keine neuen Studentinnen angenommenwerden können. Der weiterbildendeStudiengang FrauenStudien der Universität Bielefeldexistiert seit 1988. Dessen Grundlage bildendie Kenntnisse der Teilnehmerinnen, die diesein ihrer Familienarbeit, ehrenamtlichen Tätigkeitund beruflichen Karriere erworben haben. Daraufaufbauend bietet der Studiengang die Möglichkeit,die weiblichen Lebenszusammenhänge aufwissenschaftlicher Basis zu reflektieren und neuePerspektiven für die individuelle Zukunftsgestaltungzu entwickeln. Schwerpunkte liegen hierbeiin den Themenfeldern pädagogische Beratung,Gesundheit und Umwelt sowie Bildungsarbeitund Politik. Der jüngste Frauenstudiengang istder Kompaktstudiengang Soziale Arbeit für Frau-Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 29


Beiträgeen neben der Familientätigkeit an der katholischenFachhochschule NRW in Aachen. Der Studiengangrichtet sich sowohl an den Erfahrungender Teilnehmerinnen aus als auch an der Situationvon Frauen mit Familie.Als ein Zwischenfazit der „Rundreise“ zu denGender Studies-Einrichtungen an Hochschulen inNRW lässt sich festhalten, dass die Genderprofessurenimmer mehr institutionalisiert werden undGeschlechterforschung sich sowohl disziplinär alsauch interdisziplinär gestaltet sowie oftmals in dieInstitutionen eingebunden ist. Frauenforschungals Begriff ist auf dem Rückzug, inzwischen wirdüberwiegend die Begrifflichkeit der Gender Studiesbzw. der Geschlechterforschung verwendet.Durch den Einzug des Bachelors und Masters indie Universitäten konnte auch der Bereich derGender Studies in die Lehrpläne integriert werden.Zwar wird überwiegend durch Zertifikatebescheinigt, dass Genderwissen erworben wurde,trotzdem haben sich auch einzelne Bachelor- undMasterstudiengänge ganz auf das Themengebietder Gender Studies spezialisiert.VorträgeDr. Uta C. SchmidtNeben den Vorstellungen der Einrichtungen,Zentren und Studiengängen gab die Jahrestagungauch Einblicke in die Geschichte undEntwicklung der Frauen-, Geschlechter- undGenderforschung an den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen.Die Historikerin Uta C. Schmidtstellte in ihrem Vortrag die Geschichte des NetzwerksFrauen- und Geschlechterforschung NRWvor. Sie hat dazu 2012 eine Studie erarbeitet unddie vielfältigen Zusammenhänge zwischen derEntwicklung des Netzwerks und dem jeweiligenZeitgeist deutlich gemacht. Sie stellte heraus,dass sich Frauen ihren Arbeitsplatz innerhalb derInstitution Universität hart erstreiten musstenund auch heute noch nicht alle Hürden aus demWeg geräumt sind.Neben der historischen Entwicklung gab es aucheinen Überblick über die aktuelle Forschungslageund den Stand der Akzeptanz des Themas„Geschlecht“ in den Wissenschaftseinrichtungen.Marion Kamphans stellte in ihrem Vortragzum Thema „Zwischen Relevanz und Irrelevanz.Hochschulakteurinnen und -akteure und ihreEinstellung zur Kategorie ‚Geschlecht‘“ die Frage,welche Perspektiven AkteurInnen in Bezugauf „Geschlecht“ einnehmen. Die Einstellung zudiesem Thema ist relevant dafür, wie damit in derHochschule umgegangen wird. So untersuchteMarion Kamphans in ihrer Dissertation, welcheResonanzen bzw. Dissonanzen bezüglich desGender Mainstreaming-Konzepts in der Hochschulevorherrschen, da vor allem die AkteurInnenentscheidend für dessen Umsetzung sind.Durch problemzentrierte ExpertInneninterviewsmit Hochschulangehörigen war es ihr möglich,Kategorien und Typen herauszuarbeiten, dieeine unterschiedliche Haltung gegenüber GenderMainstreaming besitzen. Demnach gibt esWiderständige – meist mit einer hohen Reputationund einem großen Geltungsbereich –,die sich ablehnend äußern und die Ansicht vertreten,dass Hochschulen geschlechtsneutraleOrte sind, Befürwortende mit einer starken innerenÜberzeugung zugunsten des Konzepts,die ihr professionelles Geschlechterwissen umsetzen,aber aufgrund ihrer peripheren Stellungnur über begrenzten Einfluss verfügen, und alsdritte Gruppe die Skeptischen, die eine legitimitätsorientierteRhetorik entwickeln, aber dieRelevanz von Geschlecht in der Hochschuleverkennen. Dieser Typ entkoppele „talk“ und„action“. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigenu. a., dass nicht das Wissen über GenderMainstreaming entscheidend ist, sondern dasWollen, sich für Gleichstellung einzusetzen. DerUmgang mit dem Thema ist ebenfalls abhängigvom Legitimationsinteresse. Trotz der angewandtenRhetorik lassen sich immer noch kulturelleWiderstände gegenüber Gleichstellungfeststellen. Um die Gruppen der Skeptischen undWiderständigen zum gleichstellungsorientiertenHandeln zu bewegen, müssen nach MarionKamphans die drei Mechanismen der Isomorphie –erzwungene und normative Isomorphie und Isomorphiedurch Mimetik – systematisch genutztwerden.DiskussionIn den Diskussionen wurde deutlich, dass geradein Bezug auf die Interdisziplinarität noch „Begriffsarbeit“geleistet werden, also eine Schärfungder Definition erfolgen muss. Die beiden inBielefeld angesiedelten Studiengänge GenderStudies und FrauenStudien haben zudem mitder Abgrenzung voneinander zu kämpfen. Fürviele innerhalb der Universität ist nicht klar, wasgenau die beiden Studiengänge „machen“.30 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


BeiträgeJProf. Dr. Gregor Schuhen und Dr. Uta FenskeEine weitere Frage war, ob NachwuchswissenschaftlerInnenim Bereich Gender Studies zueiner Promotion geraten werden sollte. StephanieSera und Kim Siekierski hatten bereitswährend ihres Vortrags über die Gender Studiesan der Ruhr-Universität Bochum auf die Problematikhingewiesen, dass Außenstehenden oftnicht klar ist, was sich hinter dem StudiengangGender Stud-ies verbirgt und die Studierendendadurch nicht selten Vorurteilen begegnen. Siebefürchten, dass die Qualifikationen nicht immerernst genommen werden und die Kompetenzennicht in ihrer vollen Bandbreite erkennbar seinkönnten. Innerhalb der Diskussion überlegtendie TeilnehmerInnen auch, ob eine Promotion inden Gender Studies nicht Wege verschließt oderob sie als Alleinstellungsmerkmal gelten kann.Hier sind nicht nur die mangelnde ErfahrungAußenstehender mit dem Gebiet der GenderStudies und die Unsicherheit problematisch, wieanerkannt eine Promotion in diesem Bereich ist,wenn die wissenschaftliche Karriere nicht weitergehtund der Weg auf den freien Arbeitsmarktangestrebt wird, sondern auch die Angliederungdes Studiengangs an bestimmte Fachbereiche– trotz interdisziplinärer Ausrichtung. So istder Studiengang in Bochum in der Philologieangesiedelt, was sich im Falle einer Promotionungünstig auf den weiteren Berufsverlauf vonSozialwissenschaftlerInnen auswirken kann.Einen Diskussionspunkt stellten auch die finanzielleAusstattung und die Ressourcen dar. Esist oft nicht leicht, Gelder zu akquirieren undZuständigkeiten zu klären. Schwierigkeiten bestehenauch dann, wenn die Gender Studies anandere Fakultäten angegliedert sind und dieVerteilung der Mittel nicht genau geregelt ist. Sokann es vorkommen, dass Studienbeiträge nichtweitergeleitet werden. Hier wurde als Ziel betont,die Leistungsvereinbarungen zu ergänzenund zu erweitern, finanzielle Anreize zu setzenund Verbindlichkeiten auszugestalten. Genderist momentan zwar „en vogue“, trotzdem werdenkeine Gelder bereitgestellt. Es herrscht hiereine doppelbödige Moral: Gender soll in allenBereichen berücksichtigt werden, aber dies bittekostenlos. Wie ernst Genderforderungen wirklichgemeint sind, sieht man letztendlich an denFolgen – oder eben an der Folgenlosigkeit.Zum Thema Kanon(bildung), Konkurrenz und Kooperationgibt es in den verschiedenen Einrichtungenähnliche Herangehensweisen. So setztman in Bielefeld ebenso wie in Bochum auf eingemeinsames Curriculum. Dies führt dazu, dasssich die Fachbereiche im Master Gender Studiesverankert fühlen. Hilfreich ist es auch, die Ergebnisseaus Forschungsprojekten in die Seminarezu tragen, wie dies beispielsweise bei Ilse Lenzund Katja Sabisch der Fall ist. Insgesamt herrschteEinigkeit darüber, dass nicht nur die Akzeptanzeine Herausforderung darstellt, sondern vorallem strukturelle Probleme vorliegen.Inhaltliche Schwierigkeiten treten dagegen beiden Masterstudiengängen auf – hier muss Angleichungsarbeitgeleistet werden, da die Studierendenoftmals keine ausreichende Qualifikationaus den verschiedenen Bachelorstudiengängenmitbringen. Ein Ansatz ist in diesem Zusammenhang,Bachelorstudiengänge mit dem SchwerpunktGender Studies zu implementieren.Bisher fehlen aber Professuren und ein Mittelbau.Geschlecht als Forschungskategorie istinzwischen anerkannt, aber es bleibt immer andie jeweils tradierte Disziplin gebunden. Es gibtbisher keine Gender Studies als eigenständigeDisziplin mit eigenen Methoden und Kategorien.Daher ist auch ein Bachelorstudiengang,der nicht an etablierte Fachgebiete gekoppeltMeike Hilgemann, Dr. Beate Kortendiek, Prof. Dr. Anne SchlüterJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 31


BeiträgeTeilnehmende der Jahrestagung 2012 in Herneist, schwierig zu entwickeln. In Zukunft sollteneigenständige Studiengänge in diesem Bereichimplementiert werden. Solange sich die Disziplinaber noch nicht eigenständig entwickelt hat,scheint ein Zwei-Fach-Bachelor die bessere Variantezu sein.Es wurde zudem diskutiert, wozu Gender Studieseigentlich befähigen. Aufgrund einer thematischenDiskrepanz zwischen Gender Studiesund Gleichstellung muss auch eine konzeptionelleTrennung erfolgen. Die Forschungsergebnisseder Gender Studies lassen sich aber indie Gleichstellungsarbeit integrieren. Ebensomüssen bei der Frage von Exzellenz und Qualitätneben der Gleichstellung auch die Queer- undGender Stud-ies einbezogen werden.Förderprogramme für Projekt- und Forschungsvorhabensollen mit ausreichenden Ressourcenausgestattet werden. Die Nähe zu Fachbereichenist ebenfalls häufig ein Problem, wenneingeworbene Gelder nicht vollständig bei denInstitutionen landen, sondern auch vom Fachbereichbeansprucht werden. Vernetzungen zwischenden Gender Studies-Einrichtungen versuchen,solche Missstände durch Kooperationenoftmals abzufedern. Hier müssen neben mehrRessourcen auch Projekte verstetigt werden, umdem Ausschreibungsdruck entgegenzuwirken.Gewünscht werden Projektförderungen direktim Genderbereich, allerdings gibt es kontroverseAnsichten, in welcher Form dies am sinnvollstenist: Sollen explizite Fragestellungen im Fokusstehen oder eher eine allgemeine Ausschreibung?GenderforscherInnen sollen in Projekteder Deutschen Forschungsgemeinschaft integriertsein. Da der Genderaspekt in den Projektengefordert ist, die GutachterInnen aber meist disziplinärorientiert sind, besteht hier Nachholbedarf.Zudem ist Gender in der Forschung der DFGnicht vertreten, es wird lediglich den Fachbereichenzugeordnet. Hier wäre ein gemeinsamesZentrum von Vorteil, da vielfältige Fachgebietezusammenarbeiten könnten und auf kurzenWegen in der Lage wären, neues Wissen zu generieren.Gender Mainstreaming als Bestandteilder Richtlinien an den Hochschulen und in denForschungsprojekten war ebenfalls Gegenstandder Diskussionen. Es wurde kritisiert, dass eskeine Konsequenzen und Restriktionen nachsich zieht, wenn Gender Mainstreaming nichtbeachtet wird. Im Bereich der Forschung solltegenerell die Möglichkeit bestehen, in Gebietenmitzuwirken, die finanziell gut ausgestattet sind,wie dies beispielsweise bei den Natur- und Ingenieurwissenschaftender Fall ist. Hier ist es erforderlich,Schnittstellen zu benennen und Kooperationenanzustreben, auch wenn sich dies nichtimmer einfach gestaltet. Schnittstellen sind hieru. a. Berufungskommissionen, die Gender in dieBereiche implementieren und Interdisziplinaritätschaffen können.Gefahr besteht bei interdisziplinären Kooperationendarin, dass Gender zu einer Hilfswissenschaftdegradiert wird. Fachbereiche sindzwar oftmals froh, ExpertInnen in ihren Reihenzu haben und sich nicht selbst mit dem Themaauseinandersetzen zu müssen, trotzdem werdenFragestellungen meist mit einem soziologischenFokus formuliert, unabhängig vom Fachbereichund dessen Ausrichtung. Hier muss in Zukunftdarauf geachtet werden, dass diese passendzum Schwerpunkt des Projekts gemeinsam mitden WissenschaftlerInnen erarbeitet werden.Eine fachbezogene Methodik ist ebenfalls erstrebenswert,um das Ergebnis im eigenen Fachgebietwiderspiegeln zu können.FazitDie Tagung war eine wichtige Möglichkeit für dieEinrichtungen, um diskutieren und sich austauschenzu können. Am Ende der zwei Tage fasstendie TeilnehmerInnen die wichtigsten Ergebnisseund Erkenntnisse zusammen und äußertenWünsche für die Zukunft. So ist klar, dass NRWinnerhalb Deutschlands eine Vorreiterpositionim Bereich der Gender Studies einnimmt, dochauch hier gibt es noch Lücken. So sollten die BegrifflichkeitenGender Studies, Frauenforschung,Diversity sowie Inter- und Transdisziplinaritätpräziser definiert und deutlicher voneinanderabgegrenzt werden. Als Anliegen äußerten dieTeilnehmerInnen, dass sich Treffen wie dieseTagung gerade im Hinblick auf die personelleFluktuation verstetigen und dass sich die Einrichtungennoch stärker untereinander vernetzensollen. Zum Abschluss standen folgendeFragen im Raum: Welche Maßnahmen sind füreine Profilschärfung und Anerkennung der GenderStudies geeignet? Liegt in der Nicht-Verstetigungauch eine Chance? Macht es Sinn, Zentrenund Einrichtungen mit ähnlichen bzw. gleichenAufgaben und Bereichen unter einem gemeinsameLabel zu etablieren, oder ist dies eher kon-32 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


Beiträgetraproduktiv? Zudem wurde angeregt, die Genderkompetenzin verschiedenen Bereichen derHochschulpolitik, Forschung etc. zu überprüfen.Ein Wunsch für die Zukunft an das Ministeriumlautet, mit Unterstützungsstrukturen finanzielleProbleme und Ressourcenknappheit abzumildern.Betrachtet man die nordrhein-westfälischeLandschaft der Genderforschung und GenderStudies, so fällt vor allem deren Vielfalt ins Auge.Im nachfolgenden Abschnitt stellen sich einigeder Einrichtungen und Studiengänge nun ausführlichervor.Kontakt und InformationSandra Reinertsandra.reinert@tudortmund.deUta C. SchmidtZur „Frühgeschichte“ der Gender Studies in NRW.Die Anfänge des Netzwerks FrauenforschungDie Geschichte der Gender Studies wird schnellin folgendem Modell zusammengefasst: Von derFrauenforschung ausgehend entwickelte sich dieGeschlechterforschung aus der Kritik heraus, eineFrauenforschung könne die Beziehungen zwischenund innerhalb der Geschlechter nicht inden Blick bringen. Die Gender Studies überwandenund überwinden wiederum die Begrenztheitender Geschlechterforschung, indem sie nun dieMechanismen kultureller Erzeugung von heteronormativenBedeutungen, Klassifikationen undBeziehungen fokussieren.In dieser Genealogie erzeugen wir eine zeitlicheAbfolge, um uns jeweils darin einordnen zu können.Sie enthält einen Fortschrittsimpetus, denndas akademische Feld, auf das sie sich bezieht, istdanach strukturiert: Es ist angelegt, stets Neueszu produzieren, sich durch Erkenntnisfortschrittzu legitimieren und durch Innovation zu positionieren.Die zeitliche Abfolge erhält eine Linearitätdurch die Operation des Erzählens selbst, die ineiner bestimmten Art und Weise Kontingenz inKontinuität überführt, um Orientierung zu ermöglichen.Ambivalenz wird so zu Stringenz.Ein wissenschaftsgeschichtlicher Blick auf dieFrühzeit der Frauenforschung in Nordrhein-Westfalensoll zeigen, wie sich strategisch über dieinhaltliche Frage nach „Frauen“ das Forschungsfeldin den 1980er Jahren überhaupt akademischimplementieren ließ. Der Begriff „Frau“ – allgegenwärtigin damals zeitgenössischen gesellschaftlichenDebatten um die demokratischeEntwicklung der Bundesrepublik – bedrängte dieGrundfesten universitären Selbstverständnisses.Angesichts der nicht zu leugnenden Unterrepräsentanzvon Frauen als Wissenschaftlerinnenan Hochschulen und angesichts fehlender Erfahrungenvon „Frauen“ in einer sich universalreorganisierenden Wissenschaft nach dem Nationalsozialismusprovozierte der Begriff „Frau“so nachhaltig, dass allein seine Anrufung schondie Freiheit der Wissenschaft insgesamt und dieHochschulautonomie im Besonderen zu bedrohenschien. 1Das von der Wissenschaftspolitik in dieser Situationaufgelegte Programm „Frauenforschung“ boteinen Erfolg versprechenden Weg, die Wissenschaftendurch bisher unbearbeitete Forschungsthemenzu modernisieren, auch wenn die darinForschenden – vorwiegend Frauen – inspiriertdurch viele Frauenbewegungen bereits seit den1970er Jahren theoretisch das Verhältnis zwischenden Geschlechtern exponierten und sichempirisch nicht allein auf die Erforschung von„Frauen“ festlegen lassen wollten.In dieser Perspektive verfehlt die narrative Fortschrittsverheißung„Von der Frauenforschungüber die Geschlechterforschung hin zu GenderStudies“, die einen Anfangszustand in einen Endzustandmit noch offenem Horizont transformiert.Stattdessen müssten wir Erzählanordnungen ausprobierenund kultivieren, die in der Lage sind,immer wieder neue Beziehungen herzustellen,sowie zwischen den jeweils zeittypischen Erfahrungenund Beobachtungen im wissenschaftlichenwie gesellschaftlichen Feld theoretischeSchlüsse und empirische Befunde vermitteln.Zugespitzt lautet meine These: Die lineare Erzählanordnungin einem Stufenmodell dientdazu, Konflikte und Kämpfe zu homogenisieren,die spätestens seit Ende der 1980er Jahre in derDiskursgemeinschaft manifest wurden, als dieHochschulen zunehmend zu Orten wurden, andenen sich auch Wissenschaftlerinnen begegneten.Diese begannen, „Territorien“ im wissenschaftlichenFeld abzustecken, Geltung undGrenzen zu beanspruchen, Stile und Kategorienauszubilden, Wissen und Wahrheit zu kanonisieren,Karriere und Kapital zu sichern. Indem dielineare Erzählanordnung der Logik des akademi-Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 33


BeiträgeGeStiK – Gender Studies in Köln –Universität zu KölnDas neue, interfakultativeZentrum an der Universität zuKöln hat durch die Konferenz„Immer BeweGender.Transformationen (in) derGeschlechterforschung“am 22./23.06.2012 seineoffizielle Gründung gefeiert.Mit dem Zentrum werdenzwei konkrete Anliegenverfolgt: Zum einen sollen dievielfältigen Perspektiven derGeschlechterforschung an derUniversität zu Köln zusammenund in Austausch miteinandergebracht sowie als Wissenskultur(Wissenschaftskultur) derHochschule öffentlich sichtbarwerden. Zum anderen solltedie Gründungskonferenz alsAktivität des zu gründendenfakultätsübergreifendenZentrums für Gender Studieseinen öffentlichen Raum zurVernetzung bieten, der Akteur-Innen in Köln einbezieht, eineStadt, die gerade im Bereichder Frauen-, GeschlechterundQueer-Forschung eingeschichtsträchtiger Ort ist.Durch die Vernetzung und Profilierungder Gender Studiesin Köln will das Zentrum zukünftigzudem eine Plattforminternationaler Kooperationsmöglichkeitenbieten.MitgliederProf. Dr. Susanne VölkerGeschäftsführende DirektorinDr. Dirk SchulzGeschäftsführungTina BernischkeManuel WeuffenVeranstaltungen(Sommersemester 2013)- Ringvorlesung „PanoRahmen:Gender Studies inKöln“- Übung „Natürlich Nicht.Einführung in Gender undQueer Studies“- Seminar „Geschlecht, Organisationund Technik“AnschriftGeStiK – Gender Studiesin KölnUniversität zu KölnRichard-Strauss-Straße 250931 Kölngender-studies@uni-koeln.dewww.gestik.uni-koeln.deschen Feldes mit dessen Fortschrittsimpetus folgt,ist sie Form und Inhalt jenes Prozesses, den wir„Akademisierung“ nennen. 2Für die aktuellen Diskussionen um die „Dynamikenund das Zusammenspiel zwischen Erkenntnis,Wissen und Intervention“ 3 von Gender Studies inwissenschaftlichen wie außerwissenschaftlichenFeldern möchte ich eine systematische Hinwendungzu historischen Erkenntnisqualitäten undDeutungsweisen anregen, denn: „Wenn zu manchenZeiten einige methodische Vorgehensweisenund einige Begrifflichkeiten eine große Chancehaben akzeptiert zu werden, heißt das nicht,dass sie mittels ihrer gewonnenen Ergebnisse‚sicherer‘ sind, sondern nur, dass in diesen Zeitenein Konsens darüber besteht, auf diese Weiseformulierte Erkenntnisse zu akzeptieren.“ 4 Es gilt,die sozialen Bedingungen dieser Übereinkünfteherauszufinden.Ziel dieses Beitrages ist es- eine Sensibilisierung für die Unterschiedlichkeitvon politischen, strategischen, akademischen,inhaltlichen und theoretischen Interessen imforschenden Zugang auf Geschlechterordnungenund symbolische Produktionen anzuregenund- den Gender Studies historische Erkenntnisqualitätenund Deutungsweisen für die Erkenntnisgewinnung,aber auch für die Reflexion dereigenen Disziplinarität anzuempfehlen.Bei meinen wissenschaftsgeschichtlichen Studienim Land Nordrhein-Westfalen 5 interviewte ich dieSoziologie-Professorin Ursula Müller, langjährigeDirektorin des Interdisziplinären Zentrumsfür Frauen- und (seit 1990) für Frauen- und Geschlechterforschungin Bielefeld, der ersten GenderStudies-Einrichtung in NRW. 6 Eher beiläufig,aber nuancierend betonte sie, „(…) wenn wirüberhaupt jemals Frauenforschung betriebenhaben“. 7 1985 hatte Ursula Müller zusammenmit Sigrid Metz-Göckel im Auftrag der ZeitschriftBRIGITTE die repräsentative Studie „Der Mann“publiziert, für die sie mehr als 1.000 Männer zwischen20 und 50 Jahren in den Blick nahmen. 8 Sieaktualisierten mit dieser Untersuchung die vonHelge Pross in den 1970er Jahren durchgeführterepräsentative Analyse über die Selbstbilder vonMännern und deren Bilder von der Frau, die zu einerZeit erschienen war, als die „neue Frauenbewegung“gerade begann, ihre Position zu findenund ihre Forderungen zu stellen. 9 Ursula Müllerhatte also allen Grund, eine eindeutige Verknüpfungvon Zeitfenster und Forschungsfeld in einerlinearen „Weiterentwicklung“ von der FrauenzurGeschlechterforschung in Frage zu stellen.Einmal aufmerksam gemacht belegen zahlreichePublikationen, dass auch schon vor 1980 in deralten Bundesrepublik intensiv in einem internationalenAustausch über Geschlechterverhältnisseals Ordnungen von Gesellschaft sowie über „Geschlecht“als Strukturkategorie von Wissen undWahrheit diskutiert wurde. 10Im Jahre 1976 erschien in einem Sammelbandzur Sozialgeschichte der Familie in der Neuzeitein Artikel von Karin Hausen: „Die Polarisierungder ‚Geschlechtscharaktere‘. Eine Spiegelung derDissoziation von Erwerbs- und Familienleben“ 11 .Sie zeichnete darin nach, wie und warum die Kontrastierungder Geschlechtscharaktere im letztenDrittel des 18. Jahrhunderts eine spezifisch neueQualität gewann, und legte die Mechanismenkultureller Erzeugung von heteronormativen Bedeutungen,Klassifikationen und Beziehungenim Kontext gesellschaftlicher Wandlungs- sowieMachtprozesse frei.Marielouise Janssen-Jurreit hatte in ihrem ebenfalls1976 erschienenen Buch „Sexismus. Überdie Abtreibung der Frauenfrage“ bereits einegründliche, an Geschlecht als Kategorie orien-34 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


Beiträgetierte Dekonstruktion von Wissen, Wahrheit undWissenschaft als feministischem Prinzip ausprobiert.An der Disziplin Geschichtswissenschaftzeigte sie auf, wie der Mann als Verallgemeinerungsmaßstabdes Menschlichen im Mittelpunktder wissenschaftlichen Wissenskonfigurationenstand. Diese waren mithin nichts anderes alseine interessengeleitete willkürliche Perspektiveauf Geschichte und Gegenwart: „Die Geschichtslosigkeitder Frau wird durch die Geschichtsschreibunghergestellt.“ 12 Die Philosophin HertaNagl-Docekal nannte diese Art von Wissenschafteinmal eine „erschlichene“, „weil genau genommennur von Männern die Rede ist“. 13Und: 1976, auf der 1. Berliner Sommeruniversitätfür Frauen in Berlin, hatten Gisela Bock undBarbara Duden mit ihrem Vortrag über die geschlechtsspezifischenOrganisations- und gesellschaftlichenWertungsformen von „Arbeit“ insHerz des Kapitalismus getroffen. 14Bereits Mitte der 1970er Jahre – die Beispieleließen sich um weitere ergänzen – existierte inder Bundesrepublik eine Vielstimmigkeit in erkenntnistheoretischerHinsicht, die sich für vielfältigeBeziehungen zwischen und innerhalb derGeschlechter ebenso interessierte wie für denGeschlechterbezug in wissenschaftlicher Erkenntnis.Sie nahm auch naturalisierende und vereinheitlichendeKonzepte von Geschlecht als Ausgangspunkteines feministischen Wissensprojektsin den Blick. Diskursgemeinschaften debattiertenkontrovers die Reichweiten unterschiedlicherKonzepte: Hier konnte sich eine Frauenforschungnicht richtig auf die Diversität in den Lebensrealitätenvon Frauen einlassen, weil sie differenztheoretischvon einer spezifischen Frauenerfahrungs-und Handlungsweise ausging; dort gerieteiner Geschlechterforschung bei ihrer intersektionalenVerortung von Verhältnissen innerhalb undzwischen den Geschlechtern das übergreifendePhänomen der Ausgrenzung, Abwertung undDiskriminierung von Frauen, kurz: die Machtfrageaus dem Fokus. Und solange geschlechtsspezifischeFragestellungen nur in Bezug auf Frauenwissenschaftlich und politisch verfolgt wurden,blieben diese „unausweichlich ein Sonderproblem“,während der Bereich der Männer weiterhinmit dem Allgemeinen der Gesellschaft identifiziertund bewertet blieb, 15 so argumentierten diejenigen,die Wissenschaftskritik als feministischePraxis fassten.Nicht, dass es diese Pole in der Debatte gab, istdas Problem, sondern die „Unbedingtheit“, mitder sie vielfach ihre Geltung beanspruchten undsich in Traditionsbildung eingeschrieben haben.Gewinne an wissenschaftlicher Differenzierungspeisen sich im akademischen Feld vielfach ausinhaltlichen Kontroversen und Diskussionen.Dass jedoch in den Gesellschafts- und Kulturwissenschaftenheute Frauenforschung entkontextualisierendmit „Unzulänglichkeit“ identifiziertwird, ist – so meine These – ein Effekt der Institutionalisierung,in deren Verlauf das Label „Geschlechterforschung“deshalb Terrain gewinnenkonnte, weil es den Bezug zum feministischenProjekt – Forschung mit Blick auf die Befreiungder Frauen zu sein – unter strategischen Interessenverdeckte und sich so konfliktfreier in akademischeVerteilungskämpfe einfädeln ließ. 16 Esgewann an Deutungshoheit zu einer Zeit, als ausFrauenförderung Gleichstellungsförderung wurde.Die Dynamik der Institutionalisierung folgte –dies lässt sich am Beispiel der nordrhein-westfälischenWissenschaftspolitik zeigen – wenigerwissenschaftsimmanenten Argumenten, sondernpolitischen Rahmensetzungen. Die Wissenschaftspolitikdes Landes Nordrhein-Westfalenreagierte auf gesellschaftliche Konflikte und aufden Druck von Frauenbewegungen, die auch vorden heiligen Hallen der Hochschulen nicht mehrhaltmachten. Der hochschulpolitischen Frauenbewegungwar ein erster Erfolg beschieden, als sichin den Leitkonzepten wissenschaftspolitischenHandelns festsetzte, dass das von den Wissenschaftengenerierte Wissen über die Ordnungder Gesellschaft nicht mehr ausreichte, um diegesellschaftlichen Konflikte, Widersprüche undAnforderungen zu erklären, zu bearbeiten sowieWandel zukunftsfähig zu perspektivieren.Wir haben es uns angewöhnt, die neue Frauenbewegungin Westdeutschland „um 1968“ mitder Phase der Bewusstwerdung und Artikulationbeginnen zu lassen. 17 Ich möchte an dieser Stelleeine Traditionslinie ziehen zu Debattenverläufen,die in der bundesrepublikanischen Öffentlichkeitseit 1945 die geschlechtsspezifische Arbeitsordnungund die Rolle der Frauen in der Gesellschaftimmer wieder bearbeiteten: Die Aufnahme desGleichheitsgrundsatzes Artikel 3.2. in das Grundgesetzerfolgte erst nach massivem Druck eineslandesweiten Frauenprotestes, der über die SozialdemokratinElisabeth Selbert gesetzesgestaltendin den Parlamentarischen Rat hineingetragenwurde. 18 Der in einigen westdeutschen undallen ostdeutschen Ländern 1947/48 eingeführteHausarbeitstag stand mit zunehmender „Normalisierung“der Lebensverhältnisse ab den 1950erJahren immer wieder zur Disposition, er dienteals willkommener Aufhänger, Rollenverteilungen,Familienbilder sowie die soziale Platzierung vonFrauen und Männern im Arbeitsleben zu verhandeln.19 In der Zeit zwischen 1950 und 1960speiste der tiefgreifende Umbruch in der Strukturweiblicher Erwerbsarbeit den medienwirksam inszeniertenSkandal von den „Schlüsselkindern“,Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 35


Beiträgeeiner ganzen Generation sich selbst überlassenerKinder ohne mütterliche Zuneigung – auchhier ging es zentral um die Verhandlung derGeschlechterordnung als Gesellschaftsordnungvor dem Hintergrund deutsch-deutscher Systemkonkurrenz.20 1964 richtete der Bundestagauf Antrag der SPD-Fraktion eine überparteilicheEnquete-Kommission ein, die einen 641 Seitenstarken Bericht mit umfangreichem Statistikteilüber die Situation der „Frauen“ in Beruf, Familieund Gesellschaft vorlegte. 21 Im Januar 1967befasste sich der Bundestag in seiner 87. Sitzungmit dem Bericht, der im ganzen Land unendlichviel Anerkennung und Kritik auslöste – vor allembei den Gewerkschaften, die das dort inhaltlichexponierte Frauenbild sowie dessen empirischeLegitimierung förmlich auseinanderpflückten. 22Im Jahre 1975 richtete der Bundestag als direkteReaktion auf die massiven öffentlichen Protestevon Frauen und Männern für eine Abschaffungdes § 218 auf Antrag der CDU/CSU-Regierungeine weitere Enquete-Kommission „Frau undGesellschaft“ ein. 23 Die Materie erwies sich auchzehn Jahre später noch als so kompliziert undpolitisch kontrovers, dass bis zum Ende der Legislaturperiodenur ein Zwischenbericht vorgelegtwerden konnte, der „vier Bereiche der Benachteiligung“analysierte: Diskriminierung im Beruf,in der Bildung, im System der sozialen Sicherungund in der politischen Repräsentation. 24 Im Mai1977 beschloss der Bundestag deshalb, auch inder 8. Legislaturperiode eine Enquete-Kommission„Frau und Gesellschaft“ einzurichten. 25Die evangelische Kirche stand seit Mitte der1960er Jahre unter starkem Druck kirchlicherFrauenbewegung, Frauen als Pfarrerinnen zuzulassen,nachdem es ihr gelungen war, sie nach1945 wieder aus dem kriegsbedingt feminisiertenPfarramt zu verdrängen. 26 Das Zweite VatikanischeKonzil (1962–1965) mit seiner erklärtenÖffnung der Kirche hin zur modernen Welt, gestütztdurch die Positionen Papst Johannes XXIII.zur Frauenfrage, stärkte innerkirchlich die katholischeFrauenbewegung. So hatten in Vorbereitungdes Konzils erstmals Frauen in offizieller Form dieFrage nach der Frauenordination gestellt und dazueine Eingabe bei der vorbereitenden Kommissiondes Konzils eingereicht. 27 Milieugebundene und-ungebundene Frauen hatten zudem massenhaftan Protesten gegen die atomare Bewaffnung unddie Notstandsgesetze teilgenommen, hatten dortihre moderne Ausgrenzung aus der Politik überwundenund waren öffentlich geworden.Kurzum: Als sich um 1966 kleine Gruppen jungerFrauen in der StudentInnenbewegung bildeten,um über Frauenprobleme zu sprechen, diesich dann ab 1967 lautstark zu Wort meldeten,waren diese Bewusstwerdung und Artikulationeingebettet in langjährige öffentliche Diskurseüber Frauen. Sie wurden gespeist von Schichteneinander überlagernder kollektiver wie individuellerErfahrungen, von Ungleichzeitigkeiten undRückschlägen. Als ab Mitte der 1960er Jahre der§ 218 im Strafrecht so wie in anderen europäischenLändern und vor allem als Reaktion auf dieDDR eine Neufassung verlangte, mussten Frauenund Männer quer durch die Gesellschaft mitansehen, dass männliche Politiker, Ärzte, Juristen,Kirchenmänner als Fachleute darüber debattierten,ohne betroffene Frauen einzubeziehen. 28Diese Erfahrung der Ohnmacht und des Ausschlussestrug immens dazu bei, dass es ab 1970zu der heute in Erzählungen, Bildern und Filmenimmer wieder präsent gehaltenen Mobilisierung,zur sogenannten Neuen Frauenbewegung kommenkonnte.„Frau“ erwies sich in der Bundesrepublik der1970er Jahre als höchst präsenter umkämpfterDiskurs, der Herrschaftsverhältnisse, Wahrnehmungs-und Aktionsschemata verdichtete. Er waraufgeladen mit individuellen beziehungsreichenErfahrungen, gesellschaftlichen Erwartungen, mitIdeologie und Propaganda. Zeitgenossinnen wieZeitgenossen spürten gleichermaßen die gesellschaftlicheSprengkraft, die ihm innewohnte: DasVerhältnis von „Frau und Gesellschaft“ wurdezum permanenten politischen Diskurs, dem mansich kaum entziehen konnte.In dieser gesellschaftlichen Disposition eröffnetesich über das Label „Frauenforschung“ eineMöglichkeit, das mit den Enquete-Berichten offenkundiggewordene Nicht-Wissen über Lebensverhältnissevon Frauen in der Gesellschaft zubearbeiten und Handlungsanweisungen für einegeschlechtergerechtere Politik zu entwickeln.„Frauenforschung“ vermochte, in vielen gesellschaftlichenBereichen Konsens herzustellen, dieauf diese Weise formulierten Erkenntnisse auchzu rezipieren und zu akzeptieren. 29„Frauenforschung“ schien aber auch ein sinnvollesinhaltliches Konzept für eine Generationjunger Frauen an Hochschulen und Universitäten.Diese begannen, die gesellschaftlichen Widersprücheund Ambivalenzen, in die sie sich verstricktsahen, in die Hochschulen hineinzutragenund mit ihrem angeeigneten wissenschaftlichenHandwerkszeug zu befragen. Sie suchten, ihrewissenschaftliche Professionalisierung mit frauenpolitischemEngagement zu verbinden, undmerkten bald, dass das Instrumentarium und dieInhalte, die ihnen vermittelt worden waren, fürdie Bearbeitung ihrer brennenden Fragen unzulänglichwaren.Damit sind wir auf das akademische Feld zurückgekehrt,auf dem sich die Frauenforschung zuformieren begann. Frauen hatten überproportio-36 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


BeiträgeZentrum für Europäische Geschlechterstudien(ZEUGS) – Universität Münsternal von der Bildungsexpansion seit den 1960erJahren profitiert, doch war diese positive Auswirkungder Bildungsreform eine „nicht kalkulierteund nicht beabsichtigte Folgeerscheinungder Reform“. 30 Nun, da immer mehr Frauen dieInstitution Hochschule als Arbeitsfeld für sichentdeckten und Wissenschaft als Beruf wählenwollten, mussten sie schmerzhaft feststellen,dass sie dort nicht vorgesehen waren, allenfallsals Studentinnen, Zuarbeiterinnen, Sekretärinnenund Reinigungspersonal. Dort, wo es um Macht,Einfluss, sicheres Einkommen und wissenschaftlichesPrestige ging, blieben ihnen die Hochschulenverschlossen. Die Fremdheit, die Entmutigung,die sie dort umgab und die sie zunächstals individuelles Problem mit sich herumtrugen,entpuppte sich im gegenseitigen Austausch alsverallgemeinerbar, als Struktureigenschaft einerdurch und durch androzentrischen Institution.Das war vor allem in der HochschullandschaftNordrhein-Westfalens überraschend, die sichdurch zahlreiche Neugründungen und Reformambitionenauszeichnete. Doch bei der Wiedereröffnungder Universitäten 1945/46 stand es vonAnfang an außer Frage, die Präsenz von Frauennach dem überproportionalen Anstieg währendder Kriegszeit wieder drastisch zugunsten derMänner zu korrigieren. Dazu wurden in der neugegründeten Bundesrepublik alle Argumente inStellung gebracht, die während des Kampfes umdas „Frauenstudium“ an deutschen Universitätenseit Mitte des 19. Jahrhunderts formuliert wordenwaren. 31 Die Universitäten konnten ohne größereKonflikte als Männerdomäne kulturell wiederrestituiert werden. 32 Ihre frauenfeindliche Hochschulkulturhatte eine lange Tradition, verstärktdurch einen mitunter aggressiven Antifeminismusgegenüber Akademikerinnen und den Glaubenan eine spezifische Bestimmung der Frau. Wissenschaftlerinnenbeschrieben anschaulich diesementale Disposition: „Man traut Frauen wenigerabstrakte intellektuelle Leistungen zu“, „(…)man rechnet damit, dass sie [die Frau, ucs] jadoch nicht langfristig wissenschaftlich tätig seinwird (…)“ oder: „Die Eignung von Frauen fürwissenschaftliche Arbeit erscheint immer nochfraglich. Man registriert höchstens erstaunt, dasssie es doch recht gut macht.“ 33Die Soziologin Sigrid Metz-Göckel verknüpfteseit 1976 den Aufbau eines HochschuldidaktischenZentrums an der Universität Dortmundmit Fragen nach Frauen und Frauenthemen inder Hochschule. So lud sie im Wintersemester1979 unter dem Titel „Frauen als Lehrende undLernende an der Hochschule“ Wissenschaftlerinnenaus Nordrhein-Westfalen zu einem Treffenein. Die Adressen potenzieller Teilnehmerinnenhatte sie aus den Vorlesungsverzeichnissen derSeit November 2011 gibtes das Zentrum für EuropäischeGeschlechterforschung(ZEUGS) am Fachbereich 6Erziehungs- und Sozialwissenschaftender WestfälischenWilhelms-Universität. Mit demZusammenschluss zwischendem Institut für Politikwissenschaft,dem Institut fürErziehungswissenschaften unddem Institut für Soziologiewurde eine in Deutschlandeinmalige Plattform geschaffen,um die Geschlechterforschunginterdisziplinär zugestalten und (insbesondereauf europäischer) Ebeneinternational auszurichten.Das ZEUGS versteht sich alsForum der theoretischen undempirischen Grundlagenforschungzu Entstehung undEntwicklung demokratischerGeschlechterverhältnisse. Seinübergreifendes Ziel ist es, dieVerfassung und Grundlagengesellschaftlicher Geschlechterverhältnisseund derenVerfestigung in Form institutionellerGeschlechterordnungenbezogen auf Fakultätsgrenzenüberschreitende Themen zuuntersuchen.GründerinnenProf.‘in Dr. Gabriele WildeInstitut für PolitikwissenschaftProf.‘in Dr. Annette ZimmerInstitut für PolitikwissenschaftProf.‘in Dr. Karin BöllertInstitut für ErziehungswissenschaftDr. Katrin SpäteInstitut für SoziologieAssoziierte MitgliederProf.‘in Dr. Stefanie ErnstInstitut für SoziologieProf.‘in Dr. Elisabeth TimmSeminar für Volkskunde/Europäische EthnologieKatharina Obuch, M. A. VInstitut für PolitikwissenschaftForschungsprojekteForschungsansatz: BürgerschaftlicherKonstitutionalismus.Verfassung undGrundlagen demokratischerGeschlechterverhältnisse inEuropaDer Forschungsansatz zieltdarauf ab, das Fortbestehensowie den Wandel von Geschlechteridentitäten,Kulturenund sozialen Handlungsgefügenin den europäischenGesellschaften sowohl inReaktion auf die Institutionalisierungneuer Herrschaftsverhältnisseals auch in ihrerFestschreibung durch neueFormen des Regierens zuanalysieren.Forschungsschwerpunkt I:Geschlechterverhältnisse inautoritären SystemenVor dem Hintergrund einerErweiterung der Autokratieforschungunter dem Aspektvon Geschlecht zielt derForschungsschwerpunkt aufdie systematische Analyse desZusammenhangs zwischen Autokratienund der Festschreibungsowie Konstituierung vonGeschlechterverhältnissen alsgesellschaftlichen Machtverhältnissenin theoretischer wieauch empirischer Hinsicht.Forschungsschwerpunkt II:Arbeit und Geschlecht. DieTransformation gesellschaftlicherGeschlechterverhältnissedurch Prozesse von Globalisierung,Europäisierung undNeoliberalisierungDas Erkenntnisinteresse desForschungsprojekts richtet sichvor allem auf die Effekte derRestrukturierung der Erwerbsarbeit,Reproduktion, internationalenund geschlechtsspezifischenArbeitsteilung sowiedie damit einhergehendensozialen Paradigmen undpolitischen Kompromisse fürdie Situationen von Frauen aufdem europäischen Arbeitsmarkt.Kontakt und InformationZentrum für EuropäischeGeschlechterstudien (ZEUGS)c/o Prof. ’in Dr. Gabriele WildeInstitut für PolitikwissenschaftScharnhorststraße 10048151 MünsterFax: (0251) 83-25131zeugs@uni-muenster.dewww.uni-muenster.de/ZEUGSJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 37


BeiträgeLandesuniversitäten ermittelt. Ihre Analyse imAnschreiben lautete: „Frauen sind an der Hochschuleals Lehrende immer noch vereinzelt, aberihre besonderen Erfahrungen sind allgemein.“ 34Mehr als 70 Frauen kamen nach Dortmund. Nachanfänglichem Zögern machten sie ihre Isoliertheitund ihre spezifischen Diskriminierungserfahrungenim Wissenschaftssystem zum Thema. AnneSchlüter, die als wissenschaftliche Mitarbeiterinmit einer befristeten Stelle an dem allererstenTreffen im Hochschuldidaktischen Zentrum derUniversität Dortmund teilnahm, erinnerte sich2011: „Ich kann mich auch noch recht gut an dieerste Vorstellungsrunde erinnern, wo dann allegesagt haben, in welcher Hochschule sie arbeitenund wie es ihnen geht. Und die ersten zehnhaben immer gesagt, ja, mir geht es ganz toll undso. Dann habe ich gesagt, das sehe ich aber nichtso! Ich werde nicht gefördert von meinem Chef(…). Ich bin überhaupt nicht präsent in seinerWahrnehmung als wissenschaftlicher Nachwuchs(…). Und dann gab es einen Ruck, dass nach mirauch andere diese Erfahrungen geschildert haben.Dann war der Bann gebrochen, dass gesagtwerden konnte: Wir haben zwar Stellen, Zeitverträge,aber wie es uns damit geht, was wir allesmanagen müssen, das wird nie zum Thema (…).Die meisten Klagen lauteten immer: Ich werdeüberhaupt nicht wahrgenommen, ich bekommekeine Anerkennung für meine Arbeit, ich kommenicht weiter (…). Das förderte die Angst, nachAuslaufen der Stellen nicht mehr bleiben zu können…“. 35Bei diesem Treffen wurden eigene Erfahrungenbei anderen wiedergefunden. Zu einer aktivenpolitischen Energiequelle wurden sie, als sie alsForderung nach Frauenförderung und der Förderungvon Wissenschaft im Interesse von Fraueneine überindividuelle Bedeutung erhielten. Mitder Konstituierung eines Arbeitskreises schufendie Akteurinnen einen erkennbaren Ort, mit derKonzentration auf Wissenschaft und Hochschuleidentifizierten sie eine klar definierte Reibungsfläche.Durch unterschiedliche Partizipationsmöglichkeiten,Aktionsfelder und -formen knüpftensie eine kreative Verbindung von Spontaneitätund Dauer.Rund 20 Frauen schlossen sich im Januar 1980 zueinem Arbeitskreis zusammen, der schnell auf einenrund 40-köpfigen festen Stamm von Aktivenund vielen Interessierten anwuchs. Sie decktenhinsichtlich der disziplinären Heimat, des beruflichenStatus, der politischen Zugehörigkeit, derregionalen Herkunft und des wissenschaftlichenErkenntnisinteresses ein breites Spektrum ab. Sieverstanden sich, ganz im Sinne des zeitspezifischenfrauenbewegten Selbstverständnisses, alsnicht hierarchische, basisdemokratische Gruppe. 36Alle Initiatorinnen konnten auf eine mehr oderweniger lange Erfahrung in der universitärenund autonomen feministischen Bildungsbewegungverweisen: „Wir machten bei der BerlinerSommeruniversität, auf der 1976 Frauen ausganz Deutschland über feministische Wissenschafterstmals diskutierten, von Anfang an mit(…). Wir verfolgten die Planung des Frauenstudien-und Forschungsbereichs an der Freien UniversitätBerlin und den Konflikt mit dem FFBIZ,dem an die Wand gedrängten Frauenforschungs-,-bildungs- und -informationszentrum. Die Sozialwissenschaftlerinnenunter uns waren 1977 beider Gründung der Sektion Frauenforschung inden Sozialwissenschaften in der DGS (DeutscheGesellschaft für Soziologie) dabei oder distanziertensich 1978 mit der Gründung des Vereins‚Sozialwissenschaftliche Forschung und Praxisvon Frauen‘ (…). Wir unterstützten die BielefelderFrauen bei der Errichtung eines UniversitätsschwerpunktesFrauenforschung an der UniversitätBielefeld. Immer ging es um die Behauptunglegitimer Fraueninteressen und -auffassungenvon Wissenschaft“, so die Aachener AnglistinTheresia Sauter-Bailliet. 37 Sie positionierte damitden Arbeitskreis in den feministischen Bildungsbewegungenseit den 1970er Jahren und stelltedessen doppelte, aufeinander verwiesene Zielsetzungheraus: gegen die Benachteiligung vonFrauen im Wissenschaftsbetrieb organisiert undöffentlich vorzugehen sowie sich für den Ausbauvon Frauenforschung einzusetzen.In der Folgezeit entwickelte dieser AK WissenschaftlerinnenNRW politische Forderungen undeine sehr professionelle Öffentlichkeitsarbeit mitmedienwirksamen Auftritten. Dazu arbeiteten sichdie Aktivistinnen zunehmend in das hochkomplexeFeld der Wissenschaftspolitik ein, entwickelteneigene Forschungsmethoden, um Diskriminierungenvon Frauen im Hochschulbereich messbar zumachen. Seit 1980 pflegten sie einen Austauschmit Ministerien, mit gewerkschaftlichen, partei-,verbands- und landespolitischen, berufsständischenund frauenbewegten Öffentlichkeiten.Die Frauen im AK führten Workshops und Symposiendurch, stellten sich gegenseitig ihre Forschungenvor und stärkten sich gegenseitig inpersönlichen Krisen sowie hochschulpolitischenAuseinandersetzungen in Fachbereichen und Universitätenvor Ort. 38So auch, als es in Bielefeld höchst nervenaufreibendund kontrovers um die Erweiterung der„Geschäftsstelle Frauenforschung“ zum „UniversitätsschwerpunktFrauenforschung“ ging, eineletztlich erfolgreiche Auseinandersetzung, mitder die Institutionalisierung von Frauenforschungin NRW begann. Das „Interdisziplinäre Zentrumfür Frauen- und Geschlechterforschung“ an der38 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


BeiträgeUniversität Bielefeld gilt damit als älteste Einrichtungdes heute als Gender Studies firmierendenForschungsfeldes in NRW. Die damalige Leiterinder Geschäftsstelle Frauenforschung – MonikaOubaid – gehörte zum aktiven Energiefeld des AKWissenschaftlerinnen.Ein Dokument, das heutige Vorstellungen voneiner Stufenentwicklung ins Wanken zu bringenvermag sowie die Einschätzung vom „Veraltender Frauenforschung“ (Irene Dölling) inhaltlichund als Diskursstrategie fragwürdig werden lässt,stellt das 1980 vom AK Wissenschaftlerinnenpublizierte Memorandum I dar. Die weitsichtigenAutorinnen hatten darin auf Grundlage ihrereigenen Analysen zu geschlechtlicher Arbeitsteilungzum großen Wurf ausgeholt – zwei ihrerPositionen enthielten geradezu visionäre Dimensionen:So sollten die Forderungen zur Abschaffungder familienfeindlichen Arbeits- und Qualifizierungsbedingungenan Universitäten auchfür Männer in vergleichbarer Situation gelten.Sie zielten somit auf konkrete Veränderungen imZusammenleben von Frauen und Männern. Sieverstanden sich radikal politisch, weil sie auchMännern Zuständigkeit für Kinder, Familie undReproduktionsarbeit zuschrieben. Die Forderungnach einer 50-Prozent-Quote für Frauen beinhalteteim Jahre 1980 ebenfalls Zündstoff. Zudiesem Zeitpunkt wurde Quotierung in den Parteien– außer bei den Grünen –, in den Gewerkschaftenund öffentlich-rechtlichen Anstalten alsgesetzeswidrig, vor allem als mit der Verfassungnicht vereinbar interpretiert, da sie vermeintlichFrauen privilegierte und Männer diskriminierte. 39Für die Akteurinnen hingegen rüttelte sie an derMachtfrage in der Wissenschaft und fungierte alsGegenargument zu einer sich quasi naturwüchsigals Automatismus verwirklichenden Gleichberechtigungspolitik.Die Quotierungsforderung wurde in der altenBundesrepublik zuerst 1977 mit Blick auf Lohndiskriminierungerhoben, 40 dann von Claudia Pinlin einem Aufsatz von 1979 konkretisiert und vorallem von der Juristin Heide Pfarr in die breitereÖffentlichkeit hineingetragen. 41 Nun entwickeltensie die Wissenschaftlerinnen als Instrumentzur Frauenförderung an der Hochschule weiter.„Frauenförderung“ galt gerade dort als besondersheißes Eisen, weil sie speziell als nicht vereinbarmit der Sicherung der Hochschulautonomieangesehen wurde, welche die Hochschulenauf rechtlichem Gebiet, bei Finanzen, Personalund Organisation vor staatlichen Einflussnahmenschützen sollte – nach dem Nationalsozialismusein durchaus starkes Rechtsgut für Wissenschaftspolitik.Die Autorinnen des Memorandums reagierten1980 auf die immer wieder variantenreich vorgetrageneAbwehr, Frauenförderung sei eine„tödliche Bewährungsprobe“ 42 für die Hochschulautonomie,mit einer bewussten Trennungihrer Forderungen: einmal nach der Förderungvon Frauen –, die moderiert und kontrolliert werdensollte von Frauenbeauftragten, – und einmalnach der Förderung von Frauenforschung, diesich politisch mit einem unzulänglichen Wissensstandlegitimieren ließ. Die hochschulpolitischeFrauenbewegung differenzierte sich in der Folgeaus. Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte arbeitetenfür die Durchsetzung der Gleichstellungvon Frauen und Männern. Wissenschaftlerinnenentwickelten empirisch, methodisch und theoretischdas Feld der Frauenforschung weiter.1985 beschäftigte sich zum ersten Mal eineRegierungserklärung in NRW mit Frauen in Forschungund Lehre. Das beharrliche Intervenierenvon autonomer Frauenbewegung und Frauen inParteien, Verbänden, Gewerkschaften, Kirchenmachte sich im Regierungshandeln bemerkbar.Zudem wurde Anke Brunn als Wissenschaftsministerinberufen, die seit den 1970er Jahren mitForderungen nach „Auflösung der tradiertensozialen Geschlechtsrollen“ zur Politisierung derSPD-Frauen und zum Austausch mit der außerparlamentarischenFrauenbewegung beigetragenhatte. Sie versetzte allerdings übereilten Hoffnungender hochschulpolitischen Frauenbewegungerste Dämpfer, denn auch sie war in ihrem politischenHandeln an die Hochschulautonomie, dasGleichheits- und Qualitätsgebot sowie beamtenrechtlicheGrundsätzen gebunden. Doch war siebereit und durch die Regierungserklärung auchverpflichtet, all ihre ministerielle Macht im Hochschulbereichauszuschöpfen. Als sie in mehrerenBerufungsverfahren erfahren musste, wie trotzministerieller Erlasse und Selbstverpflichtungenvon Fakultäten immer wieder Mechanismen variiertwurden, um Frauen und Frauenforschungdie von der Qualität her gebotenen Positionen zuverwehren, griff Anke Brunn Ideen der hochschulpolitischenFrauenbewegung auf.Sie wollte sich nicht mehr mit ihrem Projekt derFörderung von Frauen und Frauenforschung inkonfliktträchtigen Einzelfallregelungen zerreibenlassen. Sie benötigte ein stimmiges Konzept, dasdem Anspruch der Landesregierung Ausdruckverlieh und sich in Fach- wie Medienöffentlichkeitenhinein vermitteln ließ. Dieses durfte die aufAutonomie bedachten Hochschulen nicht zusätzlichgegen sich aufbringen und weder den Eindruckhinterlassen, das Prinzip der Bestenausleseauszuhöhlen, noch den, in die Forschungs- undLehrfreiheit einzugreifen. Sie startete deshalb mitdrei Berufungen das Netzwerk Frauenforschung –seit 2010 Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschunggenannt. 43 Gleichzeitig bezog sie sich aufJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 39


BeiträgeInterdisziplinäres Genderkompetenzzentrumin den Sportwissenschaften (IGiS) – DeutscheSporthochschule KölnDas Interdisziplinäre Genderkompetenzzentrumin denSportwissenschaften ist einezentrale wissenschaftlicheEinrichtung der DSHS Köln.Hauptanliegen des IGiS istes, die institutsübergreifendeKooperation auf demGebiet der Geschlechterforschungzu intensivierensowie innovative, multi- undinterdisziplinäre Forschunghinsichtlich geschlechtsbezogenerFragestellungen zumBewegungs- und Gesundheitsverhaltendurchzuführen.Das IGiS fokussiert in derKooperation von Sportmedizin,-soziologie und -psychologiedas Forschungsfeld „Bewegungs-und Gesundheitsverhaltenim Lebenslauf“, das ausder Geschlechterperspektivebislang nur unzureichend bearbeitetwurde.MitgliederInstitut für BewegungsundNeurowissenschaften,Abt. Bewegungs- undGesundheitsförderungProf. apl. Dr. Dr. Christine GrafDr. Helge KniggeInstitut für Kreislaufforschungund SportmedizinProf. apl. Dr. Birna Bjarnason-Wehrens (Abt. für präventiveund rehabilitative Sport- undLeistungsmedizin)Prof. apl. Dr. Klara Brixius (Abt.für molekulare und zelluläreSportmedizin)Psychologisches Institut,Abt. Gesundheit & SozialpsychologieUniv.-Prof. Dr. Jens KleinertInstitut für Sportsoziologie,Abt. GeschlechterforschungUniv.-Prof. Dr. Ilse Hartmann-Tews (Sprecherin IGiS)Dr. Bettina RulofsDr. Claudia Combrink (Stabstellefür Qualitätssicherung undLehrorganisation)Dipl. Soz. Päd. Diana EmbergerProjekte/Kooperationen(Auswahl)- Relevanz von Geschlechtin der sportmedizinischenForschung (GenMed)- Physische Eignungsfeststellungfür die Berufsfeuerwehrin Deutschland – Analyse,Konzeption und Erprobungvon geschlechterneutralenTestverfahrenAnschriftDeutsche Sporthochschule KölnInterdisziplinäres Genderkompetenzzentrumin denSportwissenschaftenz. Hd. Dipl. Soz. Päd.Diana EmbergerAm Sportpark Müngersdorf 650933 Kölnd.emberger@dshs-koeln.dewww.dshs-koeln.de/igisden inhaltlichen, methodischen, theoretischenInnovationsgehalt der Frauenforschung, um dieseals Wissenschaftsreform zu vermitteln und zufördern. Die Verdichtung zu „Frauenforschung“ermöglichte es ihr, angesichts des nachweisbarenMangels an wissenschaftlich erarbeitetem Wissenüber Leben und Arbeit von Frauen in der Gesellschaftdie Förderung von Forschung in diesemdefizitären Bereich systemimmanent mit dem Innovationspotenzialund einer Qualitätssteigerungvon Wissenschaften politisch zu begründen.Dazu initiierte sie eine Erhebung aller Frauenforschungsprojekteim Lande, die 1988 publiziertwurde. Die in der Erhebung verzeichneten 217Projekte verfolgten vielfältige Herangehensweisenzu weiblichen Lebenszusammenhängen undGeschlechterverhältnissen. In einer ausführlichenEinleitung umriss Anne Schlüter unter der Überschrift„Was ist Frauenforschung?“ dieses unabgeschlosseneForschungsfeld. Sie lieferte damiteinen Schlüsselartikel zum Verwissenschaftlichungsprozessder Frauenforschung, der von demDuktus getragen wird, angesichts erwünschterInstitutionalisierung als kritische Wissenschaftlerinnendie Definitionsmacht über fundierte Frauenforschungin den eigenen Händen zu halten.Die Kernaussage des Einleitungsaufsatzes lautete:„Zündstoff ist das Geschlechterverhältnis“.„Nicht nur, daß die Geschlechtszugehörigkeitzu einer grundlegenden Kategorie der Analysegesellschaftlicher Strukturen und Prozesse wird,ebenso wichtig ist die Erweiterung der Kategorien‚Kapitalismus‘, ‚Klasse‘, ‚Schicht‘, ‚Rasse‘ vordem Hintergrund des Geschlechterverhältnis.“ 44Hier waren die heute unter „Intersektionalität“verhandelten Fragestellungen bereits präsent.Auch dieser Artikel lässt sich somit als Argumentanführen gegen eine lineare Entwicklung des Forschungsfeldesals vollendende Fortschrittsbewegungvon der Frauen-, über die Geschlechter- hinzur Genderforschung.Die Wissenschaftsministerin Anke Brunn kamangesichts der Erhebung zu dem Schluss: „Wirhaben eine bemerkenswerte Innovationsfähigkeitin einigen Fächern, etwa in den BereichenUmweltforschung und Frauenforschung. (…) Inden Anfängen musste die Frauenforschung oftdornige Wege gehen. Es galt, ein neues Feld abzusteckenund neue Fragen aufzuwerfen. Es galt,sich eine Schneise durch Gebiete zu schlagen, diefest in der Hand der etablierten Wissenschaftenlagen. Die Frauenforscherinnen haben wenig,oft gar keine Unterstützung bekommen, wederfinanziell noch ideell. Ich wollte nicht behaupten,dass man ihnen Steine in den Weg gelegt hat –aber Blüten hat niemand gestreut. (…) Ohne dieentsprechende Publizität hat Frauenforschung inder öffentlichen Meinung nicht den Platz, der ihrzukommen muss. Hier kann WissenschaftspolitikAkzente setzen, kann Interessantes hervorheben,kann dazu beitragen, Frauenforschung stadtfeinzu machen.“ 45Die Ministerin meinte damit nichts anderes, alsdass es landespolitischer Wissenschaftspolitikgut zu Gesicht stand, sich mit einer so kreativen,fruchtbaren und innovativen Forschung sehenzu lassen. Sie förderte sie als wissenschaftlicheErneuerung durch die Bereitstellung von finanziellenMitteln, durch Berufungen mit frauenforschungsbezogenenDenominationen sowie durchBereitstellung von finanziellen Ressourcen fürVernetzungsaktivitäten zum Netzwerk Frauenforschung.„Frauenforschung“ ist in dieser historischen Perspektiveein Diskurs, der gesamtgesellschaftliche40 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


BeiträgeOrientierungsbedürfnisse mit wissenschaftlichemInnovationspotenzial verband. In den 1980erJahren hielt er durch Frauenbewegungen nichtnur die Motivation wach, sondern er war gleichermaßenein strategischer Begriff, um Wissenschaftsreformin thematischer, methodischer,theoretischer Hinsicht anzuzeigen.In dieser Sicht ist „Frauenforschung“ nicht mehrein Konzept, das wissenschaftliches Fragen auf„Frauen“ beschränkt und deshalb überwundenwerden muss. Sie ist eine Repräsentation – eineVor- und Darstellung 46 – zeitspezifischer Widersprücheund Orientierungsbedürfnisse, die wiederumsoziales Geschehen erzeugte. Sie ist Ausdruckund Inhalt von vielfältigen Praktiken, dieauf eine geschlechterdemokratische Veränderungder Gesellschaft zielten.Der historisch argumentierende Verweis aufzeitspezifische Konfigurationen sollte an dieserStelle Gewissheiten aufbrechen, 47 in denen wiruns eingerichtet haben. Er sollte daran erinnern,dass sich theoretische Konzepte kaum in linearerFortschrittsperspektive entwickeln, sonderndass sie sich auch institutioneller, politischerKontexte verdanken, die sich wiederum in Formund Inhalt einschreiben. Der kleine historischeExkurs versteht sich als Anregung, sich von einerlinearen Erzählanordnung zu verabschieden undunterschiedliche Perspektiven als Bewegungskategorienauszuprobieren, um gegenüber dendivergierenden inhaltlichen, theoretischen, akademischen,politischen, strategischen Einsätzensensibel zu werden, die die Suchbewegungen vongeschlechterbezogenem Wissen durchziehen.Quellenverzeichnis1Vgl. Luhmann, Niklas in: Wissenschaftlerinnen-Info Nr. 9 (1988), S. 86–90, hier S. 87.2Inspiriert wurde diese These von einer Auseinandersetzungmit Hark, Sabine, Dissidente Partizipation.Eine Diskursgeschichte des Feminismus,Frankfurt a. M. 2005.3Vgl. dazu die Schwerpunktsetzung der2014 an der Universität Paderborn stattfindendenJahrestagung der FachgesellschaftGender, www.fg-gender.de/jahrestagungverletzbarkeiten/2014-erkentnis-wissen-interventionen(Zugriff: 10.04.2013).4Daniel, Ute, Kompendium Kulturgeschichte,Frankfurt a. M. 2001, S. 15.5Vgl. Schmidt, Uta, Das Netzwerk FrauenforschungNRW. Geschichte und Gegenwart einerWissenschaftsinstitution, Essen 2012.6Vgl. www.uni-bielefeld.de/IFF/ (Zugriff04.05.2012).7Interview mit Ursula Müller am 02.11.2011.8Redaktion Brigitte/Metz-Göckel, Sigrid/Müller,Ursula, Der Mann. Eine repräsentative Untersuchungüber die Lebenssituation und das Frauenbild20- bis 50-jähriger Männer im Auftragder Zeitschrift Brigitte, Hamburg 1985.9Pross, Helge, Die Männer: eine repräsentativeUntersuchung über die Selbstbilder von Männernund ihre Bilder von der Frau, Reinbek beiHamburg 1978.10Die hier angeführten Beispiele stammen, dem Arbeitsgebietder Autorin entsprechend, aus einemhistorisch-kulturwissenschaftlichen Kontext. ImNovember 2012 zeigte die an der UniversitätPaderborn durchgeführte Tagung „40 Jahre feministischeDebatten“ allerdings, wie produktivgerade diese Arbeiten bis heute geblieben sind.11Vgl. Hausen, Karin, Die Polarisierung der ‚Geschlechtscharaktere’.Eine Spiegelung derDissoziation von Erwerbs- und Familienleben,in: Conze, Werner (Hg.), Sozialgeschichte derFamilie in der Neuzeit Europas. Neuere Forschungen,Stuttgart 1976, S. 363–393, erneuterschienen in: Hausen, Karin, Geschlechtergeschichteals Gesellschaftsgeschichte. KritischeStudien zur Geschichtswissenschaft, Bd. 202,Göttingen 2012, S. 19–49.12Janssen-Jurreit, Marielouise, Sexismus. Überdie Abtreibung der Frauenfrage, Frankfurt a. M.1976, S. 53.13Nagl-Docekal, Herta, Für eine geschlechtergeschichtlichePerspektivierung der Historiographiegeschichte,in: Küttler, Wolfgang/Rüsen,Jörn/Schulin, Ernst (Hg.), Geschichtsdiskurs.Band I: Grundlagen und Methoden der Historiographiegeschichte,Frankfurt a. M. 1993,S. 233–256, hier S. 235.14Vgl. Bock, Gisela/Duden, Barbara, Arbeit ausLiebe – Liebe als Arbeit: zur Entstehung derHausarbeit im Kapitalismus, in: Gruppe BerlinerDozentinnen (Hg.) I: Frauen und Wissenschaft.Beiträge zur 1. Sommeruniversität für Frauen,Berlin 1977, S. 118–199.15Die Zuspitzung paraphrasiert hier Nagl-Docekal,Für eine geschlechtergeschichtliche Perspektivierung,a. a. O., S. 238 und 240f.16Vgl. Kuhn, Annette, Wohin geht die Frauengeschichte?,in: Schlüter, Anne/Stahr, Ingeborg(Hg.), Wohin geht die Frauenforschung?, Köln/Wien 1990, S. 197–205, besonders S. 200.Auch Gisela Bock entging bei ihrer akademischenPositionierung nicht der linearen Fortschrittserzählung,als sie für die Fachzeitschrift„Geschichte und Gesellschaft“ „Geschichte,Frauengeschichte, Geschlechtergeschichte“reihte und die „Geschlechtergeschichte“ als„Krönung“ (Annette Kuhn) der bisherigenBemühungen um eine neue Geschichtswissenschaftexponierte, als eine „Steigerung derFrauengeschichte“ (Kuhn ebd.).Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 41


BeiträgeKontakt und InformationDr. Uta C. Schmidtutac.schmidt@t-online.de17Vgl. Lenz, Ilse (Hg.), Die Neue Frauenbewegungin Deutschland, Wiesbaden 2008.18Vgl. Kuhn, Annette/Pitzen, Marianne/Hochgeschurz,Marianne (Hg.), Politeia. Szenarien ausder deutschen Geschichte nach 1945 aus Frauensicht,Bonn 1997.19Vgl. Sachse, Carola, Der Hausarbeitstag. Gerechtigkeitund Gleichberechtigung in Ost undWest 1939–1994, Göttingen 2002.20Vgl. Schmidt, Uta, „Das Problem heißt Schlüsselkind“.Die Schlüsselkinderzählung als geschlechterpolitischeInszenierung im KaltenKrieg, in: Lindenberger, Thomas (Hg.), Massenmedienim Kalten Krieg, S. 171–202.21Drucksache V/909 des Deutschen Bundestages.22Vgl. Mülhauer-Braun, Eva, Die Frauen-Enquete– Bestandaufnahme als Leitbild, in: GewerkschaftlicheMonatshefte, Vol. 19 (1968), H. 7,S. 401–409.23Vgl. www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/serien/23690862_enquete_serie/21987896_kw32_enquete1/ (Zugriff 09.05.2013).24Vgl. ebd.25Vgl. ebd.26Vgl. Rupprecht, Walter, Der Dienst der Theologin– eine ungelöste Frage in der evangelischenKirche, Stuttgart 1965.27Vgl. Heinzelmann, Gertrud, Wir schweigennicht länger, Zürich 1964; Meer, Haye van der,Priestertum der Frau? Eine Theologiegeschichte,Freiburg i. Br. u. a. 1969; Müller, Iris/Raming,Ida, Unser Leben im Einsatz für Menschenrechteder Frauen in der römisch-katholischenKirche: Lebensberichte – Hintergründe – Dokumente– Ausblick, Berlin u. a. 2007.28Vgl. Lenz, Die Neue Frauenbewegung, a. a. O.,S. 72.29Vgl. Daniel, Ute, Kompendium Kulturgeschichte,a. a. O., S. 15.30Vgl. Kuhn, Annette, Kopfgeburten reichen nicht.Frauen in der Wissenschaft, in: Soden, Christinevon, Der große Unterschied. Die neue Frauenbewegungund die siebziger Jahre, Berlin 1988,S. 80–86, hier S. 83.31Vgl. Hausen, Karin, Warum Männer Frauen zurWissenschaft nicht zulassen wollten, in: Hausen,Karin/Novotny, Helga (Hg.), Wie männlichist die Wissenschaft? Frankfurt a. M. 1986,S. 31–40.32Vgl. Hausen, Karin, Strittige Gleichberechtigung:Studentinnen an deutschen Universitätenseit Herbst 1945, in: Themenportal EuropäischeGeschichte, www.europa.clio-online.de/2006/Article=1117 (Zugriff 12.01.2012).33Stimmen aus Bimmer, Brigitte, Zum Selbst- undFremdbild von Wissenschaftlerinnen. Erste Teilergebnisseeiner empirischen Studie, in: Bock,Ulla/Braszeit, Anne/Schmerl, Christiane (Hg.),Frauen an den Universitäten. Zur Situation vonStudentinnen und Hochschullehrerinnen in dermännlichen Wissenschaftshierarchie, Frankfurta. M./New York 1983, S. 153–169, hier S. 159f.34Zit. nach de Jong, Jutta/Schlüter, Anne, Weibund Wissenschaft im Widerspruch, in: Schlüter,Anne/Roloff, Christine/Kreienbaum, MariaAnna (Hg.), Was eine Frau umtreibt. Frauenbewegung– Frauenforschung – Frauenpolitik,Pfaffenweiler 1990, S. 13–26, hier S. 14.35Interview mit Anne Schlüter in Essen am24.08.2011.36Zur Geschichte dieses Arbeitskreises vgl. Omran,Susanne, Bewegung im historischen Wandel,Pfaffenweiler 1995; Metz-Göckel, Sigrid,Bewegte Politik – fünfundzwanzig Jahre feministischerFrauenhochschulpolitik des ArbeitskreisesWissenschaftlerinnen NRW, in: Beiträgezur feministischen Theorie und Praxis, H. 66/67,S. 87–102.37Sauter-Bailliet, Theresia, in: Wissenschaftlerinnen-Info2 (1982), S. 1–18, hier S. 7.38Vgl. Wissenschaftlerinnen-Info, passim.39Vgl. Lang, Regina, Frauenquoten, Bonn 1996.40Initiativgruppe gegen Frauenarbeitslosigkeit:„Jeder zweite Arbeitsplatz“, in: Courage 1977,S. 28–29, hier zit. nach Lenz, Die neue Frauenbewegung,a. a. O., S. 153.41In Janssen-Jurreit 1979, zit. nach Lenz 2008,S. 153.42Luhmann in Wissenschaftlerinnen-Info, Nr. 9,S. 87.43Zur Geschichte dieses Netzwerks bis 2012vgl. Schmidt, Uta C., Das Netzwerk FrauenforschungNRW, a. a. O.44Schlüter, Anne, Einleitung, in: Schlüter, Anne,Forschung in Nordrhein-Westfalen. Frauenforschung– Dokumentation, Düsseldorf 1987,S. 5.45Rede der Ministerin Anke Brunn über „Hochschulpolitikin NRW“, 23.06.1989, in: LA NRWAbg. Rhl. N 683 Nr. 518, S. 4ff.46Zum Konzept der Repräsentation vgl. Chartier,Roger, Die unvollendete Vergangenheit, Berlin1989, S. 7–19.47Chartier, Roger in: Bourdieu, Pierre/Chartier,Roger, Der Soziologe und der Historiker, Wien/Berlin 2011, S. 28.42 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


BeiträgeBrigitta WredeDas Interdisziplinäre Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung(IFF) an der Universität Bielefeld – Entwicklungen, Positionierungenund Perspektiven einer zentralen EinrichtungDas Interdisziplinäre Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung(IFF) ist eines der ersten Zentrenim deutschsprachigen Raum, das Geschlechtund Geschlechterverhältnisse in den Mittelpunktseiner Forschungen gestellt hat. Lange vor derallgemeinen Hinwendung zu Interdisziplinaritäthat das IFF die Relevanz von Geschlecht aus unterschiedlichendisziplinären Perspektiven untersucht.Es hat damit wesentlich zur Anerkennungder Geschlechterforschung als zukunftsweisenderWissenschaft und als Kriterium wissenschaftlicherExzellenz beigetragen. So hat sich das IFFseit seiner Gründung 1980 zu einer national undinternational renommierten Einrichtung entwickeltund ist zum Modell für den Aufbau zahlreicheranderer Zentren der Frauen- und Geschlechterforschunggeworden.Geschichte1980 fasste die Freie Universität Berlin als ersteHochschule in Deutschland den Beschluss, Frauenin der Wissenschaft besonders zu fördern, undrichtete 1981 die „Zentraleinrichtung zur Förderungvon Frauenstudien und Frauenforschung“(heute: Zentraleinrichtung zur Förderung vonFrauen- und Geschlechterforschung) ein. Ebenfalls1980 wurde an der Universität Bielefeldauf Initiative von Wissenschaftlerinnen und Studentinnen,vor allem aus den Fachbereichen Pädagogik,Soziologie, Literaturwissenschaft undGeschichte, eine Geschäftsstelle Frauenforschungaus den Mitteln des Ministeriums für Wissenschaftund Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen sowie des Rektorats ins Leben gerufen.Ihre Aufgabe bestand in der Vorbereitung eines„Universitätsschwerpunktes Frauenforschung“.1982 wurde aus dieser Geschäftsstelle die „InterdisziplinäreForschungsgruppe Frauenforschung(IFF)“, die zunächst auf vier Jahre angelegtwar. Die Zentraleinrichtung zur Förderungvon Frauenstudien und Frauenforschung in Berlinund die Interdisziplinäre Forschungsgruppe Frauenforschung(IFF) in Bielefeld können zu Recht als„Meilensteine“ der Etablierung und Institutionalisierungvon Frauenforschung an den Universitätenin Deutschland bezeichnet werden. Beide Einrichtungen,die erste vorrangig als Service- undKoordinierungsstelle und das IFF als universitäresForschungszentrum, haben seither wesentlich zuEntwicklung, Vernetzung, Ausgestaltung und Etablierungder Frauen- und Geschlechterforschungin Deutschland beigetragen.Besonders das IFF avancierte in den Folgejahrenzum Vorbild für die Gründung zahlreicher andererZentren der Frauen- und Geschlechterforschungin Deutschland. Dies mag einerseits an der spezifischenAufgabenstruktur des IFF liegen, die vonBeginn an vor allem auf Forschungsaktivitätenhin ausgerichtet war und damit auch Maßstäbefür andere Initiativen setzte. Der Vorbildcharakterdes IFF speist sich andererseits aus seiner wechselhaftenGeschichte, in der es, wie später vieleandere Zentren auch, immer wieder unter „Legitimitätsdruck“von außen geriet. Dass diese „Krisen“bis heute gemeistert wurden, machte undmacht das IFF auch zum Hoffnungsträger für andereZentren. Denn insbesondere in Zeiten finanziellerRestriktionen oder bei Veränderungen bzw.Verschlechterungen der geschlechterpolitischenSituationen an den Hochschulen scheinen trotzaller Institutionalisierungserfolge insbesonderedie Einrichtungen zur Frauen- und Geschlechterforschungbedroht zu sein. Als 1982 die InterdisziplinäreForschungsgruppe Frauenforschung(IFF) eingerichtet wurde, galt dies zunächst fürvier Jahre. Nach der ersten „Erprobungsphase“wurde vom Senat der Universität Bielefeld 1987die dauerhafte Verankerung der IFF beschlossen.1990 feierte die IFF ihr zehnjähriges Bestehen. Imgleichen Jahr wurde die IFF vor dem Hintergrundneuer gesetzlicher Rahmenbedingungen erneutbegutachtet. Die funktionierende Arbeitsform derIFF mit der Mitarbeiterinnen-AG als zentralembeschlussfassendem Gremium musste aufgrundder veränderten Bestimmungen dem Modell zentralerwissenschaftlicher Einrichtungen angepasstwerden. Die Struktur der IFF wurde – angelehntan die Statusebenen der Universität – „hierarchisiert“.1992 entbrannte erneut eine Diskussionüber den weiteren Bestand und die Ausrichtungder IFF. Vor dem Hintergrund massiver Unterstützungvon 1.400 Unterschriften und Solidaritätsschreibenaus dem In- und Ausland bestätigte derSenat der Universität Bielefeld im Juli 1992 dieIFF als eigenständige Forschungseinrichtung. EsJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 43


Beiträgefolgte die Umbenennung zum InterdisziplinärenFrauenforschungszentrum (IFF). Als zentrale wissenschaftlicheEinrichtung unterliegt das IFF einerregelmäßig stattfindenden Evaluation durch denSenat bzw. durch das Rektorat der Universität.Nicht zuletzt beruht der Modellcharakter des IFFdarauf, dass es als eines der ersten universitärenZentren der Frauen- und Geschlechterforschungin diesem wissenschaftlichen Arbeitsfeld wesentlichzur Entwicklung und Ausgestaltung feministischerWissenschaft sowie Forschung beigetragenund dabei manches Thema „enttabuisiert“hat (erinnert sei z. B. an die Themen sexuelleGewalt gegen Frauen, Pädosexualität, lesbischeLebensformen usw.). Daher kann man das IFFohne Übertreibung als erfolgreiche Produktionsstätteder Frauen- und Geschlechterforschung inDeutschland charakterisieren.Mittlerweile haben zahlreiche UniversitätenZentren zur Frauen- und Geschlechterforschungeingerichtet. Deren Aktivitäten und Organisationsstrukturen,aber auch deren institutionelleEinbettung in den jeweiligen Hochschulen, derenAufgaben und deren programmatische Profilierungsind sehr unterschiedlich: Viele Zentrenunterstützen die Entwicklung der Frauen- undGeschlechterforschung vor allem durch Wissenschaftsmanagement,Koordinationsaktivitätenund Publikationen. Andere verbinden Forschungmit einem wissenschaftlichen Serviceangebotoder verfolgen Forschung, wissenschaftlicheDienstleistungen und Transferleistungen zwischenWissenschaft und Praxis als wechselseitigsich ergänzende sowie aufeinander aufbauendeZiele. Wieder andere widmen sich vorrangigder Entwicklung und Durchführung von GenderStudies im Lehrangebot ihrer Universitäten.Eine ausgesprochene Forschungsorientierung inVerbund mit einer hohen Drittmitteleinwerbungverfolgen nur wenige Einrichtungen in der Konsequenz,Kontinuität und Kohärenz wie das IFF.StrukturZum IFF gehören Professorinnen, wissenschaftlicheund nichtwissenschaftliche Mitarbeiterinnenund Mitarbeiter sowie Doktorandinnen und Studierende.Die Mitarbeit im IFF steht allen in derFrauen- und Geschlechterforschung engagiertenStudierenden, Lehrenden und Forschenden offen.Das IFF wird von einem Vorstand geleitet. Diesemgehören laut Satzung alle an den Aktivitätendes IFF beteiligte Professorinnen aus unterschiedlichenFakultäten der Universität Bielefeldan sowie Vertretungen der unterschiedlichenStatusgruppen der am IFF Beschäftigten. Beratenwird der Vorstand durch einen wissenschaftlichenBeirat.Zentraler Ort ist nach wie vor die Geschäftsstelledes IFF, ausgestattet mit einer Stelle fürGeschäftsführung und wissenschaftliche Koordinationsowie einer Stelle für Sekretariat undSachbearbeitung. Eine weitere wissenschaftlicheMitarbeiter_innenstelle, finanziert aus dem Haushaltder Universität, wird für Projektakquise beigleichzeitiger Qualifizierungsoption vergeben.Diese institutionelle Ausstattung ist über all dieJahre kaum verändert worden.Darüber hinaus arbeiten weitere Wissenschaftler_innenauf Stellen, die mit Drittmittelgeldernfinanziert werden. Das IFF ist zwar eine sehrkleine zentrale wissenschaftliche Einrichtung, dieaber besonders erfolgreich in der Einwerbung vonDrittmitteln ist. Die Ressourcen für Forschungsaktivitätenwerden nahezu ausschließlich auf dieseWeise erschlossen. Dass dies über all die Jahrezielführend gelang, kann als Qualitätskriteriumder Forschungstätigkeit am IFF sowie dessen wissenschaftlicherMitarbeiterinnen und Mitarbeitergewertet werden.Regelmäßig sind an den Forschungsaktivitätendes IFF zahlreiche weitere Wissenschaftlerinnenund Wissenschaftler der Universität Bielefeld ausunterschiedlichen Fakultäten beteiligt. Besondersstark vertreten sind aktuell Wissenschaftler_innenaus der Soziologie, der Gesundheitswissenschaft,der Erziehungswissenschaft, der Sportwissenschaftund der Rechtswissenschaft.ZieleAufgaben des IFF sind die Unterstützung, Koordinationund Weiterentwicklung von interdisziplinärausgestalteter Frauen- und Geschlechterforschung;in diesem Zusammenhang erbringt dasIFF Dienstleistungen und führt in Kooperation mitFakultäten Forschungsvorhaben durch. Hierzugehören:- Forschung (Projektplanung, Projektdurchführung,Publikationen, Beratung)- Initiierung und Koordination von Lehrangeboten- Organisation von Ringvorlesungen, Tagungen,Kolloquien- Förderung der Kommunikation in der FrauenundGeschlechterforschung (inneruniversitär,national, international)Das besondere Profil des IFF zeichnet sich durchseine klar konturierte und gleichzeitig sehr erfolgreichbetriebene Forschungsorientierung aus.Neben grundlagen- und anwendungsorientierterForschung spielt die wissenschaftsbasierte Entwicklungvon Praxiskonzepten eine zentrale Rolle.Die explizite Forschungsorientierung zeigt sich44 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


Beiträgein der nachhaltigen Entwicklung der Forschungsaktivitätendes IFF. Sie konzentrieren sich auf dieSchwerpunkte:- Organisation, Lebensführung, Diversity- Geschlechtersensible Gewaltforschung- Geschlechterverhältnisse in Mathematik, Natur-und Technikwissenschaften- Geschlechterbezogene GesundheitsforschungDie folgenden Listungen geben einen Einblicküber die aktuell in diesen Schwerpunkten verfolgtenThemen:Organisation, Lebensführung, Diversity- Innovation und Diversity- Geschlechtersensible Beratung im Kontext vonAlter, Pflege und Demenz- Fatherhood in Late Modernity. Cultural Images,Social Practices, Structural Frames- Geschlecht zwischen Wissenschaft und Politik.Perspektiven der Frauen- und Geschlechterforschungauf die „Wissensgesellschaft“- Lebenssituationen und Handlungsorientierungenalleinerziehender FrauenGewaltforschung- Nationale Repräsentativuntersuchung zu Gewaltgegen Frauen in Deutschland- CAHRV – Coordinated Action against HumanRights Violations- Explorationsstudie zur Gewinnung von Datenund Indikatoren zu Gewalt gegen Frauen imHinblick auf ein langfristiges Monitoring aufnationaler Ebene- Lebenssituation und Belastungen von Frauenmit Behinderungen in Deutschland- Gewalterfahrungen von Männern mit Behinderungen- FRA survey on violence against womenGeschlechterverhältnisse in Mathematik, NaturundTechnikwissenschaften- Genderkompetenz als innovatives Element derProfessionalisierung der Lehrer_innenausbildungfür das Fach Mathematik- Geschlechterdisparitäten in Berufs- und Karriereverläufenvon Mathematiker_innen und Physiker_innen- Akzeptanz monoedukativer Studiengänge/-elemente bei jüngeren Frauen- Von der direkten zur indirekten Schließung? ZurReproduktion asymmetrischer Geschlechterverhältnissein mathematisch-naturwissenschaftlichenund technischen Fächern an HochschulenGesundheitsforschung- Kompetenzzentrum Frauen und GesundheitNRWInterdisziplinäres Zentrum fürFrauen- und Geschlechterforschung (IFF) –Universität BielefeldDas Interdisziplinäre Zentrumfür Frauen- und Geschlechterforschung(IFF) an derUniversität Bielefeld hat sichseit seiner Gründung 1980 alsnationales und internationalesForum der Frauen- und Geschlechterforschungetabliert.Die Aktivitäten des IFF richtensich auf die Akzentuierung,Förderung und Durchführungvon Frauen- und Geschlechterforschungin einer interdisziplinärenPerspektive.Das IFF initiiert Forschungsaktivitäten,fördert Kontaktezwischen Forschenden undunterstützt den interdisziplinärenAustausch innerhalb derFrauen- und Geschlechterforschung.Es führt eigene Forschungsprojektedurch und arbeitet mitInstitutionen und Organisationenzusammen, die für das IFFinteressante Fragestellungenverfolgen sowie Kooperationfür Arbeiten und Projektesuchen.VorstandProf. Dr. Katharina GröningFakultät für ErziehungswissenschaftProf. Dr. Regina HarzerFakultät für RechtswissenschaftProf. Dr. Claudia HornbergFakultät für GesundheitswissenschaftenForschungsschwerpunkte- Organisation, Lebensführung,Diversity- Geschlechtersensible Gewaltforschung- Geschlechterverhältnissein Mathematik, Natur- undTechnikwissenschaften- Curriculumsentwicklung,Lehrinnovationen, Institutionalisierungsprozesse- GeschlechterbezogeneGesundheitsforschungGeschäftsstelleDr. Birgitta Wrede (WissenschaftlicheKoordination)Anke Kubitza (Sachbearbeitungund Sekretariat)Interdisziplinäres Zentrum fürFrauen- und Geschlechterforschung(IFF)Universität BielefeldUniversitätsstraße 2533615 BielefeldTel: (0521) 106 4574iff@uni-bielefeld.dewww.uni-bielefeld.de/IFF- Lebenslagenspezifische Vorsorge und Gesundheitsverhalten- Vorstudie zur Neukonzeption des Behindertenberichtes- Medizin – Gesundheit – Geschlecht: Gesundheitswissenschaftlicheund gendermedizinischePerspektiven- Elternschaft und Geschlecht in Zeiten der assistiertenReproduktionsmedizin. Samen- undEizellspende im medizinischen DiskursAusführliche Informationen zu den einzelnen Forschungsprojektenfinden sich auf den Internetseitendes IFF: www.uni-bielefeld.de/IFF/.Neben diesen explizit forschungsorientiertenSchwerpunkten initiiert und gestaltet das IFFkontinuierlich Prozesse der Sichtbarmachung,Verstetigung und Absicherung der Frauen- undGeschlechterforschung als wissenschaftlichesLehr- und Forschungsgebiet. Die Verbindung vonForschung, Curriculumsentwicklung und Lehrin-Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 45


Beiträgenovationen war und ist ein wichtiger Schritt derInstitutionalisierung sowie Weiterentwicklungdes wissenschaftlichen Feldes. Vor dem Hintergrundvielfältiger Kooperationen und Vernetzungenmit deutschen und europäischen Universitätensind in den letzten Jahren einige größereProjekte in diesem Bereich durchgeführt worden(z. B. das VINGS-Projekt, in dem in Kooperationmit den Universitäten Hannover, Bochum undder Fernuniversität Hagen ein zukunftsweisendesModell der virtuellen Lehre im Bereich GenderStudies entwickelt wurde, oder das Tempus-Projekt „Geschlechterstudien als Bestandteil dersoziologischen Lehre“, das gemeinsam mit denUniversitäten St. Petersburg und Wien die institutionelleVerankerung von Geschlechterstudienan der Universität St. Petersburg vorangetriebenhat).Von besonderer Bedeutung in diesem Schwerpunktdes IFF und für die Frauen- und Geschlechterforschungan der Universität Bielefeld war diePlanung und erfolgreiche Akkreditierung desMasterstudiengangs „Gender Studies – InterdisziplinäreForschung und Anwendung“, der zumWintersemester 2007/08 gestartet ist (mehr zudem spezifischen Profil des Studiengangs ist demBeitrag von Susan Banihaschemi in diesem Heftzu entnehmen). Synergieeffekte bei diesem Vorhabenhaben sich nicht nur im Bereich der Lehre,sondern auch für die weitere Vernetzung derFrauen- und Geschlechterforschung ergeben. Fürden Ausbau interdisziplinärer Kooperation zeichnetsich hier eine positive Wirkung ab. Aufgrundder Beteiligung der Fakultäten an dem Studiengangwurden zunehmend gemeinsame interdisziplinäreForschungs-, Lehr-, Publikations- undTagungsvorhaben im Bereich der Frauen- undGeschlechterforschung auf den Weg gebracht.Mit der Einrichtung der Gendergastprofessur ander Universität Bielefeld wurde die Verankerungvon geschlechterbezogenen Inhalten in die Lehrevon zunächst zwei dem IFF eng verbundenenFakultäten – der Rechtswissenschaft und denGesundheitswissenschaften – vorangetrieben.Weitere Fakultäten werden folgen.Darüber hinaus ist das IFF stark im Ausbau, inder Betreuung und Beratung der FachbibliothekFrauen- und Geschlechterforschung in der Universitätsbibliothekengagiert. Mit Unterstützungdes Wissenschaftsministeriums NRW konntedas Angebot an fachwissenschaftlicher Literaturdeutlich ausgebaut und Studierenden sowieWissenschaftler_innen der Zugang zu genderrelevanteraktueller nationaler und internationalerLiteratur ermöglicht werden.Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchsesist dem IFF ein besonderes Anliegen. Nebenden Qualifikationsarbeiten der Mitarbeiter_innendes IFF – zumeist aus Forschungsprojektenresultierend – werden Qualifikationsvorhaben inder Frauen- und Geschlechterforschung durch dieHerausgabe eines speziellen Forschungs- und Stipendienwegweisers,durch ein besonders auf dasForschungsfeld geschlechtersensibler Gewaltforschungzugeschnittenes „Nachwuchstreffen Gewalt“sowie durch die Betreuung von Abschlussarbeitenund die Beratung bei anderen Projektenzur Frauen- und Geschlechterforschung gestützt.Darüber hinaus bietet das IFF regelmäßig Studierendendie Möglichkeit zu Praktika und damitzum Erwerb konkreter Forschungserfahrungen.Publikationen, Veranstaltungen, Tagungen undÖffentlichkeitsarbeit sowohl in wissenschaftlichenals auch in populärwissenschaftlichenKontexten sind weitere wichtige Profilierungsinstrumente.Das IFF hat hier seine Aktivitätenmit dem Ziel intensiviert, neueste Entwicklungen,Diskussionen und Forschungsergebnisseder Frauen- und Geschlechterforschung nichtnur dem entsprechenden Fachpublikum, sondernauch der darüber hinaus interessierten Öffentlichkeitzugänglich zu machen. Die zahlreichenVeröffentlichungen in entsprechenden disziplinspezifischenFachorganen, die Vortragstätigkeitder Mitarbeiter_innen und die vielfältigenVeranstaltungen zeigen, dass das IFF einerseitsden wissenschaftlichen Diskurses ausbauen undinnovative Impulse bei der Entwicklung sowieEtablierung der Frauen- und Geschlechterforschungzu geben vermag. Andererseits geben sieauch Beispiele für einen Brückenschlag zwischenWissenschaft und Praxis.IFFOnZeit ist die Online-Zeitschrift des InterdisziplinärenZentrums für Frauen- und Geschlechterforschung(IFF) an der Universität Bielefeld. Sieist an Leserinnen und Leser gerichtet, die in denunterschiedlichsten Kontexten mit Fragen derFrauen- und Geschlechterforschung konfrontiertsind. IFFOnZeit stellt neben wissenschaftlichenBeiträgen auch aktuelle Informationen überpraxisorientierte Entwicklungen bereit und setztdamit die bewährte Veröffentlichungstraditiondes IFF in einem innovativen Format fort: DieOnline-Zeitschrift geht hervor aus der „Zeitschriftdes Interdisziplinären Zentrums für Frauen- undGeschlechterforschung“, bekannt unter dem NamenIFF-Info.Darüber hinaus gibt das IFF mit seiner IFF-Forschungsreihe eine eigene Publikationsreiheheraus, mit der es seine Forschungstätigkeitennachweist und Grundlagenmaterialien für dieFrauen- und Geschlechterforschung zugänglichmacht sowie die zentralen Bereiche der FrauenundGeschlechterforschung an der UniversitätBielefeld in ihren übergreifenden Kooperationsbezügendokumentiert. Zudem veröffentlicht das46 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


BeiträgeIFF in jedem Semester das Forum, eine Zusammenstellungaller Lehrveranstaltungen mit Geschlechterbezugder Universität Bielefeld.Institutionalisierungsprozesse der Frauen- undGeschlechterforschung werden vom IFF aktivdurch das Engagement in vielfältigen Organisationenund Verbänden in diesem Wissenschaftsfeldvorangetrieben. Besonders ist hierdie Verbundenheit mit dem Netzwerk FrauenundGeschlechterforschung NRW zu nennen. ImDachverband „Konferenz der Einrichtungen fürFrauen- und Geschlechterstudien im deutschsprachigenRaum“ (KEG) ist die Autorin Sprecherinund federführend bei den Aktivitäten,insbesondere bei der Organisation der jährlichstattfindenden Arbeitstagungen. Weitere Mitarbeiterinnendes IFF sind im Vorstand der FachgesellschaftGeschlechterstudien/Gender StudiesAssociation (Gender e. V.) und im Rat der SektionFrauen- und Geschlechterforschung der DeutschenGesellschaft für Soziologie aktiv.Perspektiven und Herausforderungen –Paradoxien nutzen!Gut etabliert und institutionalisiert auf der einenSeite sowie dadurch mit aussichtsreichenPerspektiven versehen, andererseits mit wiederkehrendenund sich in Umbruchphasen desWissenschaftssystems verschärfenden Herausforderungenkonfrontiert, in diesem Spannungsfeldkann das IFF positioniert werden.Da ein Großteil der Forschungsarbeit drittmittelfinanziertist, steht die damit verbundene Fristigkeitvon Projekten den Anforderungen einerkontinuierlichen Entwicklung von Forschungsschwerpunktenund damit verbunden einer speziellenProfilbildung sowie einer langfristigen Perspektivefür einzelne Forschungsfelder entgegen.Die Nachhaltigkeit und Kontinuität von Schwerpunktsetzungenist wiederum dadurch begrenzt,das sie mitunter durch auf Projektstellen nurbefristet beschäftigte Kolleg_innen vertretenwerden. Die trotz profilbildender Schwerpunktsetzungengroße Vielfalt der am IFF bearbeitetenForschungsthemen ist auch der Drittmittelgebundenheitvon Ressourcen geschuldet und bedingteine Balance von Gelegenheitsstrukturen, Selbststeuerungund Marktorientierung.Die Mitarbeit im IFF beruht zu einem großenTeil auf hohem persönlichem Engagement derbeteiligten Wissenschaftler_innen. Diesen vonwissenschaftlichen Interessen geleiteten, Initiativensuchenden Forschungsvernetzungen stehenRessourcensicherungsbestrebungen in den Fachdisziplinensowie auf der Ebene von Fakultätengegenüber, insbesondere in Reform- und Umstrukturierungsphasen,in denen die Disziplinenund Fachbereiche vordringlich jeweils ihre eigenenInteressen bedienen (müssen). InterdisziplinäreProjekte und Vorhaben werden in solchenPhasen als zusätzliche Belastung erfahren underscheinen abseitig.Es gilt, diese Konkurrenzen wahrzunehmen sowiegleichzeitig die Synergieeffekte herauszuarbeitenund hervorzuheben, die durch Zusammenarbeitund Mitwirkung in interdisziplinärenKontexten entstehen, auch für die jeweiligenfachdisziplinären Kontexte. Die Ansiedlung vonGeschlechterforschung in der zentralen EinrichtungIFF „zwischen“ den Fakultäten bedeutetauch, einen Raum für Forschung zu haben, diesich nicht in fakultäre Systeme einfügen muss.Hier sind innovative Fragestellungen und Zugängegut aufgehoben. Zudem eröffnen sich Perspektivenauf Themenstellungen mit Bezug zurGeschlechterforschung für auf den ersten Blicknicht unmittelbar betroffene Fachrichtungen.Dass Geschlechterforschung als Querschnittsthemaalle Wissenschaftsbereiche tangiert, abernicht entlang der üblichen Disziplinstrukturen zuorganisieren ist, bedingt gleichzeitig ein großesInnovations- wie auch Konfliktpotenzial.Bei allen interdisziplinären bzw. fächerübergreifendenKooperationsbestrebungen ist das IFFgleichzeitig gefordert, sich Abgrenzungserfordernissenzu stellen. Denn darüber werden wichtige,wenn nicht sogar entscheidende LegitimationsundEvaluationskriterien formuliert, die „von außen“an die Geschlechterforschung bzw. an dieZentren sowie andere geschlechterwissenschaftlicheStrukturen herangetragen werden. EineProfilschärfung als eigenständiger Forschungsbereichgilt noch immer als Ausgangspunkt derExistenzberechtigung gegenüber etablierten Wissenschaftsbereichen.Akquisitionsstärke unter Wettbewerbsbedingungenist ein weiteres wichtiges Evaluationskriterium.Hier entscheiden – neben der Qualität desAntrags – insbesondere Förderstrukturen undFörderlandschaften über Chancen. Auch dabeiist eine paradoxe Entwicklung festzustellen: Geschlechterforschungsoll – so zumindest postuliertin den Gleichstellungsstandards der DFG –ein Qualitätskriterium für eine angemessenkomplexe Wissenschaft sein, Gender ist Gegenstandvon Exzellenzinitiativen und somit Hebelzur Akquisition von Drittmitteln. Gleichzeitigdroht jedoch Geschlechterforschung geschwächtzu werden: weil sie unter dem Label des Querschnittthemasallzu oft gerade nicht substanziellund systematisch in Forschung verankert wirdund weil inter- und transdisziplinäre Genderforschunghäufig aller Postulate zum Trotz durch dasRaster disziplinär geprägter Förderpraktiken fällt.Um von regulären Forschungsförderschienen undJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 47


BeiträgeKontakt und InformationDr. Birgitta WredeInterdisziplinäres Zentrum fürFrauen- und Geschlechterforschung(IFF)Universität BielefeldTel.: (0521) 106-4472birgitta.wrede@unibielefeld.de-programmen profitieren zu können, sind mitunterstarke Modifizierungen der anfänglichenForschungsfragen notwendig. Spezifische, grundständigeGeschlechterforschungsfragen sind indrittmittelgeförderten Vorhaben nicht immer umfassendzu bearbeiten.Zentrale Strukturen betonen die Eigenständigkeitder Frauen- und Geschlechterforschungund sind wichtig zur adäquaten Repräsentationder Forschungsperspektive Geschlecht aufverschiedenste wissenschaftliche Fragestellungen.Spezifisch geschlechterwissenschaftlicheInstitutionalisierungen müssen daher auf allenEbenen weiter ausgebaut werden. Das gilt für(Forschung-)Zentren, für Studiengänge und Studiengangselementesowie nicht zuletzt im Hinblickauf eine Verstetigung der Geschlechterforschungsdenominationenvon Professuren. Dazumüssen Kooperationen, Synergien und Vernetzungenweiter ausgebaut, genutzt und sichtbargemacht werden. Kooperations- und Arbeitszusammenhängehaben durchaus unterschiedlicheQualität, sie können intensiv, praktikabel, akzeptierend,anerkennend sein, ermöglichen aber inihrer unterschiedlichen Relevanz ertragreicheNetzwerkbildungen. So kann, getragen von demEngagement einzelner Wissenschaftler_innen,die Akzeptanz und Anerkennung der Geschlechterforschungsowie die Entwicklung ihrer zentralenStrukturen gestärkt und gesichert werden.Maren A. JochimsenZiele und Arbeitsschwerpunkte des Essener Kollegsfür Geschlechterforschung (EKfG)ÜberblickDas Essener Kolleg für Geschlechterforschung(EKfG) wurde 1997 als zentrale Forschungseinrichtungan der Universität-Gesamthochschule Essengegründet und nahm im Frühjahr 1998 seineArbeit auf. Seit der Fusion der Universität mit derGerhard-Mercator-Universität Duisburg 2003 istdas EKfG eine zentrale wissenschaftliche Einrichtungder Universität Duisburg-Essen (UDE) undblickt in diesem Jahr auf 15 Jahre erfolgreicherArbeit zurück. Mitglieder des Kollegs sind Hochschullehrerinnenund Hochschullehrer, wissenschaftlicheMitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowieStudierende der Universität Duisburg-Essen,die auf dem Gebiet der Geschlechterforschungarbeiten oder an der Erfüllung der Aufgabendes EKfG mitwirken; assoziierte Mitglieder sindentsprechende Personen anderer Hochschulenund Einrichtungen. Die Struktur des Kollegs mitderzeit 40 Mitgliedern aus sieben verschiedenenFakultäten und einem sechsköpfigen interdisziplinärenVorstand garantiert ein außergewöhnlichhohes Maß an Multi- und Interdisziplinarität mitvielfältigen Kooperationsmöglichkeiten – in derForschung wie auch in der Nachwuchsförderung.Zu den Alleinstellungsmerkmalen des EKfG gehörtdie enge Kooperation von Medizinerinnen undMedizinern mit Mitgliedern der gesellschafts-,geistes-, ingenieur- und naturwissenschaftlichenFakultäten unter einem gemeinsamen Dach. DieMitglieder des Kollegs sind über Institute und An-Institute der Universität an den beiden Campi inDuisburg und Essen sowie am UniversitätsklinikumEssen angebunden. Die Geschäftsstelle desKollegs befindet sich am Campus Essen.Zielsetzung und wichtigste AufgabenZentrale Aufgabe des Kollegs ist die Initiierung,Koordinierung und Durchführung von disziplinärerund interdisziplinärer Geschlechterforschungunter Beteiligung aller Disziplinen, die auf demGebiet der Geschlechterforschung aktiv sind oderwerden wollen. Das Kolleg unterstützt seine Mitgliederbei der Einwerbung von Drittmitteln undder Durchführung von Forschungsvorhaben; einbesonderer Stellenwert kommt dabei der Stärkunginterdisziplinärer Verbundforschung zu. Überdas EKfG-Nachwuchsforum bietet das EKfG demwissenschaftlichen Nachwuchs ein fachübergreifendesDiskussions- und Vernetzungsangebotauf dem Gebiet der Geschlechterforschung. Vernetzungsaktivitätennach innen und außen sowieÖffentlichkeitsarbeit und die Durchführung vonöffentlichen Veranstaltungen gehören zu weiterenAufgaben des Kollegs.ForschungIm Bereich der Forschung gehören die Initiierungund Begleitung von Forschungsanträgen seiner48 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


BeiträgeMitglieder, insbesondere die Unterstützung beider Identifikation von Fördermöglichkeiten, desSondierungs- und Entwicklungsprozesses voninterdisziplinären Projektideen über die Durchführungund Nachbereitung von Workshops undGesprächen sowie die Mitarbeit bei der Antragsformulierung,zu den wichtigsten Aufgaben desKollegs. Bestehende Forschungsprojekte der Mitgliederunterstützt das EKfG unter anderem überdie gemeinsame Organisation von Projektworkshops,Mitarbeit in wissenschaftlichen Projektbeiräten,Verbreitung von Projektinformationensowie durch Zusammenarbeit bei der Pressearbeitvon Veranstaltungen und Publikationen.Die Forschungsinteressen der Kollegmitgliederwerden aktuell gebündelt in vier miteinander inAustausch stehenden, inhaltlich ineinandergreifendenThemenclustern:I. Geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung/Geschlechtergerechtes GesundheitswesenII. Karrierewege/KarriereweltenIII. Erwerbs- und Fürsorgearbeit – GenderIV. Wahrnehmung/Repräsentation/SichtbarkeitDie Forschungscluster greifen zentrale gesellschaftlicheFragestellungen auf und verstehen sichals integrative Oberthemen, unter denen sich nebenForschungs- und Verbundprojekten auch Promotions-und Habilitationsvorhaben verorten; dieCluster stellen zugleich universitätsweit Anknüpfungspunktefür gemeinsame Forschungsprojektedar. Der Einbezug der historischen, kulturwissenschaftlichenund intersektionalen Perspektive wirdausdrücklich betont. Zu Forschungsperspektiven,die sich durch alle Cluster ziehen, gehören die Fragenach Einfluss und Möglichkeiten der Technik,ein besonderes Interesse für die Perspektive derBetroffenen und die Analyse prekärer Lebensverhältnisse.Forschung am Kolleg schließt ferner Fragestellungenaus dem Bereich Gender und Technik/MINTwie die soziale, an den Bedürfnissen derNutzerinnen und Nutzer orientierte Einbettungvon Technik sowie den Einfluss des Geschlechtsauf die Nutzung und Wirkung neuer Medien ein.Geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung/Geschlechtergerechtes GesundheitswesenIn vielen Bereichen des Gesundheitswesens istdie Relevanz biologischer, soziokultureller undpsychologischer Geschlechteraspekte im Hinblickauf eine geschlechtergerechte Gesundheitsversorgungevident. Gerade angesichts einer Entwicklunghin zu einer personalisierten Medizinund Pharmakotherapie kommt der Bereitstellungfundierter Ergebnisse der Geschlechterforschungin allen Bereichen des Gesundheitswesens einewachsende Bedeutung zu. Dieser Herausforderungstellt sich das Kolleg im Themencluster„Geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung/Geschlechtergerechtes Gesundheitswesen“. Forschungin diesem Cluster wird von intensivenVernetzungsaktivitäten im Rahmen der Initiativedes Kollegs zum Aufbau eines interdisziplinärenExpertInnennetzwerks zur Geschlechterforschungim Gesundheitswesen in Nordrhein-Westfalenflankiert und unterstützt.Karrierewege/KarriereweltenKarrieren als Wege im Leben, die in Abhängigkeitvon der jeweiligen Lebenswelt möglich sind oderunmöglich erscheinen, sind verbunden mit Vorstellungenvon sozialer Herkunft bzw. Milieuzugehörigkeit,mit Bildung und den damit möglichenAufstiegschancen, mit dem Erwerb von übergreifendenKompetenzen durch Frauen und Männersowie Fragen der generellen Lebensgestaltung.Die interdisziplinäre Ausrichtung des Clustersbeleuchtet die Fragestellung aus historischer undgegenwärtiger kultureller wie interkultureller Perspektive.Erwerbs- und Fürsorgearbeit – GenderIn diesem Cluster verortet sich wissenschaftlicheForschung, die sich mit den Rahmenbedingungenund den Auswirkung von Wirtschafts- und Sozialpolitiksowie deren entsprechenden gesetzlichenVorgaben auf eine geschlechtergerechte Gestaltungder beiden großen sozio-ökonomischenBereiche der Fürsorge- und der Erwerbsarbeitbeschäftigt. Dabei stehen die Berücksichtigungder wechselseitigen Abhängigkeit beider Gebieteund deren Auswirkungen auf das Verhältnis derGeschlechter im Vordergrund.Wahrnehmung/Repräsentation/SichtbarkeitDieses Cluster bündelt Forschungsansätze, dieUnterschiede und Gemeinsamkeiten der Wahrnehmung,Repräsentation sowie (Un-)Sichtbarkeitvon Frauen und Männern in Sprache und Bildern,z. B. in Medien, Kunst, Politik, öffentlichen Diskussionen,sowie gesellschaftliche und individuelleWertungen und Wahrnehmungsimplikationen untersuchen– auch hier wird die Verknüpfung dergegenwartsbezogenen mit der historischen undinterkulturellen Perspektive betont.NachwuchsförderungZiel des Kollegs ist es, auf hohem Niveau Forschungund Lehre zusammenzuführen und ne-Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 49


BeiträgeEssener Kolleg für Geschlechterforschung – Universität Duisburg-EssenDas Essener Kolleg für Geschlechterforschung(EKfG) wurde 1997 alsForschungseinrichtung der UniversitätGH Essen gegründet und nahm 1998seine Arbeit auf. Seit der Universitätsfusion2003 ist das EKfG eine zentralewissenschaftliche Einrichtung derUniversität Duisburg-Essen.Auftrag des Kollegs ist es, interdisziplinäreund disziplinäre Forschungzu initiieren, zu koordinieren und zuunterstützen sowie eine wirkungsvolleAußendarstellung der Kompetenz derUniversität im Bereich Geschlechterforschungzu gewährleisten.Die 40 Mitglieder des Kollegs vertretendie Expertise unterschiedlicher Forschungsgebietesieben verschiedenerFakultäten und sind an den UniversitätsstandortenDuisburg und Essensowie am Universitätsklinikum Essenüber eigene Institute und An-Instituteangebunden. Die Forschungsinteressender Kollegmitglieder werden aktuell invier übergreifenden Themenclustern gebündelt:Geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung/GeschlechtergerechtesGesundheitswesen; Karrierewege/Karrierewelten;Erwerbs- und Fürsorgearbeit– Gender; Wahrnehmung/Repräsentation/Sichtbarkeit.Neben Forschung und fachübergreifenderinterner wie externer Vernetzunggehören die Förderung deswissenschaftlichen Nachwuchses inder Geschlechterforschung und einevielgestaltige Öffentlichkeitsarbeit zuden zentralen Aufgaben des Kollegs.VorstandProf. Dr. Maritta HeiselSoftware EngineeringProf. Dr. Ute KlammerPolitikwissenschafteninsbesondere SozialpolitikProf. Dr. Anne SchlüterErwachsenenbildung undFrauenbildungProf. Karen Shire, Ph. D.Comparative Sociology andJapanese SocietyPD Dr. Andrea Kindler-RöhrbornExperimentelle TumorforschungDipl. Soz.-Wiss. Ingrid FitzekGleichstellungsbeauftragteLaufende Projekte (Auswahl)Forschung- BMBF-Verbund „GeschlechtersensibleForschung in Epidemiologie,Neurowissenschaften und Genetik/Tumorforschung“ (wissenschaftlicheKoordination Leibniz-Institut für Präventionsforschungund Epidemiologie(BIPS)), Teilprojekt „GeschlechtersensibleKonzepte in der Genetik/Tumorforschung(Leitung PD Dr. AndreaKindler-Röhrborn) (Start Januar 2011)- BMBF-Kooperationsprojekt „GeschlechtersensibleLehrmodule in derMedizin“ (Leitung Prof. Dr. Dr. BettinaPfleiderer, Universität Münster; KooperationspartnerinPD Dr. AndreaKindler-Röhrborn) (Start April 2011)- DFG-Forschergruppe FOR 1328„Erwartungen und Konditionierungals Basisprozesse der Placebo- undNocebo-Reaktion: Von der Neurobiologiezur klinischen Anwendung“,Teilprojekt 5 „Placeboeffekte beider viszeralen Schmerzverarbeitung:Verhaltenseffekte und neuronale Verarbeitungbei gesunden Männern undFrauen und bei Patienten mit chronischenabdominellen Schmerzen“(Leitung Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch)(Start Oktober 2010)- BMAS Projekt „Gesunde und attraktiveArbeit für Altenpflegerinnen“(Leitung Dr. Ute Pascher, Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung(RISP)) (Start Juli 2012)- „Wirksamkeit von Mentoring imÜbergangsprozess Studium und Beruf“,Hans-Böckler-Stiftung (LeitungProf. Dr. Anne Schlüter) (Start April2013)- Internationales Forschungsnetzwerk„Gender and Sexuality in (Neo-)Orientalism and Occidentalism: AnEntangled History of European andMiddle Eastern Identity Discourses“,Netherlands Organisation for ScientificResearch (NWO) (KoordinationUniversität Maastricht; ProjektbeteiligungProf. Dr. Patricia Plummer) (StartJanuar 2013)Andere- Initiative Diversityforschung ander Universität Duisburg-Essen,zusammen mit Prorektorat DiversityManagement und Professur PostcolonialStudies (Start Frühjahr 2011)- Interdisziplinäre RingvorlesungDiversityforschung an der UniversitätDuisburg-Essen Teil II „Vielfalt insozialen und kulturellen Welten“,Sommersemester 2013 (VeranstalterinProf. Dr. Patricia Plummer, inKooperation mit Prorektorat DiversityManagement und EKfG)AnschriftEssener Kolleg für Geschlechterforschung(EKfG)Dr. Maren A. JochimsenGeschäftsführungUniversitätsstraße 1245117 EssenTel.: (0201) 183-4692Fax: (0201) 183-4432www.uni-due.de/ekfgben der weiteren Etablierung der Geschlechterforschungder Förderung des wissenschaftlichenNachwuchses Priorität einzuräumen. Seit Juli 2011bietet das EKfG Nachwuchswissenschaftlerinnenund Nachwuchswissenschaftlern ein fachübergreifendesVernetzungsangebot auf dem Gebietder Geschlechterforschung und leistet gleichzeitigeinen Beitrag zu deren Selbst-organisation. DasEKfG-Nachwuchsforum ist ein interdisziplinäres,selbstorganisiertes Peer-Kolloquium von Mitgliedern,die zu Themen der Geschlechterforschungpromovieren oder sich in der Postdoc-Phasebefinden. Das Forum bietet Nachwuchswissenschaftlernund Nachwuchswissenschaftlerinnen,die zu Fragen der Geschlechterforschung arbeiten,die Möglichkeit zum regelmäßigen gemeinsamenAustausch unabhängig von ihrer jeweiligen disziplinärenZuordnung. Interessierte Promovierendeund Postdocs der Universität Duisburg-Essen unddes Universitätsklinikums Essen, die nicht Mitglieddes Kollegs sind, können sich über Möglichkeitender Teilnahme in der Geschäftsstelle des EKfG informieren.Über das Nachwuchsforum hinaus richten sichweitere Veranstaltungen des Kollegs, insbesondereWorkshops im Rahmen von laufenden Forschungsprojektenund Graduiertenkollegs sowiedie in jedem Semester organisierten Fachgesprächemit Marie-Jahoda-GastprofessorInnen fürInternationale Frauenforschung, explizit an denwissenschaftlichen Nachwuchs; sie bieten auchetablierten EKfG-Mitgliedern eine Möglichkeit50 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


Beiträgezum fachlichen Austausch und zur Intensivierunginternationaler Kontakte bzw. der Planung möglichergemeinsamer Forschungsvorhaben. JungeWissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werdenferner aktiv als Vortragende in die regelmäßigeRingvorlesung des Kollegs Forschungsforum Gendereingebunden. Ein Teil der Vortragsreihen gibtvorrangig Promovendinnen und Promovendensowie Habilitandinnen und Habilitanden die Gelegenheit,Ergebnisse ihrer Forschung vorzustellen.Das Kolleg unterstützt seine Mitglieder weiterbeim Transfer von Ergebnissen der Geschlechterforschungin Lehrveranstaltungen unterschiedlicherFormate und trägt dazu bei, der Perspektiveder Geschlechterforschung in der Lehre zu größererSichtbarkeit zu verhelfen.VernetzungDie Umsetzung der oben genannten Aufgabendes Kollegs wird begleitet von intensiven Vernetzungsaktivitätenauf institutioneller Ebene. Zielist zum einen die Stärkung der Zusammenarbeitmit den verschiedenen (Forschungs-)Institutioneninnerhalb der Universität und der UniversitätsallianzMetropole Ruhr (UAMR) wie auch auf nationalerund internationaler Ebene. Anliegen istzum anderen die Unterstützung der Integrationder Geschlechterperspektive als Querschnittsfragestellungin Forschungsvorhaben der Universität.Das EKfG ist eingebettet in ein nationales und internationalesForschungsnetzwerk. Über laufendeProjekte und die Beteiligung der Mitglieder desKollegs in unterschiedlichsten wissenschaftlichenGremien bestehen darüber hinaus vielfältige Kooperationenmit Partnerinstitutionen aus deminner- und außereuropäischen Ausland. Fernersind EKfG-Mitglieder im International ResearchUniversities Network (IRUN) Network of FemaleProfessors und in der European Platform of WomenScientists EPWS aktiv.Zu nationalen KooperationspartnerInnen auf institutionellerEbene zählen die Konferenz der Einrichtungenfür Frauen- und Geschlechterstudienim deutschsprachigen Raum (KEG) und die wissenschaftlicheFachgesellschaft Geschlechterstudien/GenderStudies Association Gender e. V. InNordrhein-Westfalen arbeitet das Kolleg mit demNetzwerk Frauen- und GeschlechterforschungNRW sowie den in diesem vernetzten Zentren undForschungs- und Arbeitsstellen zusammen.Universitätsintern steht das Kolleg in regelmäßigemAustausch mit den anderen zentralenwissenschaftlichen Einrichtungen und den Profilschwerpunkten,beteiligt sich an gemeinsamenAktivitäten und bietet seine Beratung und Unterstützungbei der Entwicklung von forschungsorientiertenGenderkomponenten in Verbundaktivitätenan. Im Rahmen einer gemeinsamen Initiativeder Gendereinrichtungen der UDE zur Schärfungdes Genderprofils der Universität koordiniert dasKolleg die Vernetzung der Einrichtungen, die forschungsorientiertzu Geschlechterfragestellungenarbeiten; die Koordination der umsetzungsorientiertenEinrichtungen erfolgt durch das Gleichstellungsbüro.ÖffentlichkeitsarbeitÜber die Präsentation von Forschungsleistungenim Bereich Geschlechterforschung in zentralenPrintmedien der Universität, wie einen Beitragüber die Ziele und Aktivitäten des EKfG im Forschungsbericht2011 1 und die Konzeption einesThemenheftes zur Geschlechterforschung in deruniversitären Publikationsreihe UNIKATE 2 , sowieüber die regelmäßige Durchführung der öffentlicheninterdisziplinären EKfG-Vortragsreihe ForschungsforumGender und zahlreicher Workshops,begleitet durch die fortlaufende Aktualisierungund Erweiterung seines Internetauftritts (www.uni-due.de/ekfg), trägt das Kolleg Themen, Forschungsergebnisseund Analysen der Geschlechterforschungin die Universität sowie die weitereÖffentlichkeit hinein und es zeigt den analytischenBeitrag der Kategorie „Geschlecht“ an vielfältigendisziplinären und interdisziplinären Beispielen.Zukunftsbereich DiversityforschungDiversität, Heterogenität, Ungleichheit – Vielfaltin unterschiedlichen sozialen, kulturellen, geographischenund historischen Zusammenhängensowie die mit ihr einhergehenden Herausforderungenund Veränderungsansätze sind gesellschaftlicheThemen von ungebrochener Aktualität.Wie sich die gleichzeitige Berücksichtigungverschiedener Ungleichheitsperspektiven stärkerin die Forschung des Kollegs integrieren lässt undwelche Bereiche der „Diversityforschung“ sinnvollan das Kolleg angebunden werden können, wirdderzeit vom Kolleg sondiert. In Zusammenarbeitmit dem Prorektorat Diversity Management undder Professur Postcolonial Studies der UniversitätDuisburg-Essen (UDE) hat das Essener Kolleg fürGeschlechterforschung 2011 mit der Erarbeitungeines Konzepts „Diversity Studies/Diversityforschungan der UDE“ begonnen. Ziel der gemeinsamenInitiative Diversityforschung an derUniversität Duisburg-Essen ist es, an der Universitätvorhandene „Diversityforschung“ sichtbar zumachen, bestehende und zukünftige Forschungsschwerpunktezu identifizieren, beteiligte Wissenschaftlerinnen,Wissenschaftler und Institutionenzu vernetzen sowie Synergien durch interdisziplinäreForschung zu nutzen. Auf Basis einer vom1Universität Duisburg-EssenForschungsbericht 2011: www.forschungsbericht.uni-due.de/fileadmin/fileupload/SSC/2011/PDF/08-geschlechter.pdf.2UNIKATE 41 (2012)Geschlechterforschung. Blickhinter die Kulissen: www.uni-due.de/unikate/archiv.php?eu=041.Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 51


Beiträge3Das Programm erscheint imSommer 2013 unter: www.unidue.de/ekfg/jubilaeum2013.shtml.Kontakt und InformationDr. Maren A. JochimsenGeschäftsführerinEssener Kolleg für Geschlechterforschung(EKfG)Universität Duisburg-EssenCampus EssenUniversitätsstraße 1245117 EssenTel.: (0201) 183-4552Fax: (0201) 183-4432maren.a.jochimsen@unidue.dewww.uni-due.de/ekfgKolleg im Sommersemester 2012 durchgeführtenErhebung zur „Diversityforschung“ an der UniversitätDuisburg-Essen fand Anfang Februar 2013der von der Initiative organisierte Vernetzungsauftaktstatt. Parallel erfolgte im Sommersemester2012, konzipiert von der Professur PostcolonialStudies, eine erste Sichtbarmachung vorhandenerForschung im Rahmen einer gemeinsam veranstaltetenRingvorlesung zur Diversityforschungan der UDE, die im Sommersemester 2013 fortgesetztwird.AusblickMit einer Festveranstaltung am 29. November2013 am Campus Essen feiert das EKfG 15 JahrePionierarbeit auf dem Gebiet der Geschlechterforschungund der Förderung des wissenschaftlichenNachwuchses. 3Auf Forschung und Nachwuchsförderung liegtauch der Schwerpunkt der Aktivitäten des Kollegsin den kommenden Jahren. Dabei hat sich dasKolleg auf dem Weg der weiteren konzeptionellenGestaltung und inhaltlichen Umsetzung seinesProgramms folgende übergreifende Ziele gesetzt:Ausbau, Differenzierung und inhaltliche Weiterentwicklungder vier ForschungsclusterDie interdisziplinäre Verknüpfung der Mitgliederdes Essener Kollegs für Geschlechterforschungstellt weiterhin eine starke Grundlage für die Planunggemeinsamer Verbundvorhaben sowie fürAusbau, Differenzierung und inhaltliche Weiterentwicklungder vier Forschungscluster dar. Angesichtswachsender Akzeptanz von Geschlechtals Untersuchungskategorie in medizinischenForschungsvorhaben und im Hinblick auf dieGestaltung einer geschlechtergerechten Gesundheitsversorgungkommt diesem Bereich in derSchwerpunktsetzung des Kollegs eine wachsendeBedeutung zu.Ausbau der Förderung des wissenschaftlichenNachwuchsesDie Bedeutung der Geschlechterdimension alsQualitätsmerkmal in der Forschung ins Bewusstseinjunger Forscherinnen und Forscher aller Fakultätenzu bringen und Ansatzpunkte für dieEntwicklung weiterführender Forschungsfragenin den verschiedenen Disziplinen aufzuzeigen,ist Ziel des angestrebten Ausbaus bestehenderAngebote zur Förderung des wissenschaftlichenNachwuchses. Dazu gehören die Fortführungwissenschaftlicher Vortragsreihen und Workshopssowie die Weiterentwicklung der Aktivitäten desEKfG-Nachwuchsforums unter Ausloten möglicherKooperationen im Rahmen der UniversitätsallianzMetropole Ruhr (UAMR) und des International ResearchUniversities Network (IRUN).Die Unterstützung der Integration der Geschlechterperspektiveals Querschnittsfragestellung inForschungsvorhaben der Universität sowie eineintensive Vernetzung auf nationaler und internationalerEbene bleiben ebenso Anliegen wie dieSondierung sinnvoll an das Kolleg anzubindenderBereiche der Diversityforschung.Claudia MahsZentrum für Geschlechterstudien/Gender Studies derUniversität PaderbornDas Zentrum für Geschlechterstudien/GenderStudies (ZG) an der Universität Paderborn, dasseit 2009 besteht, kann ab diesem Jahr endlichmit einer immerhin mittelfristigen Planungssicherheitin die Zukunft blicken. Mit Unterstützungdes Dekanats der Fakultät für Kulturwissenschaftenund der Gleichstellungsbeauftragten konntedie Entfristung der Stelle der Geschäftsführerin(besetzt mit Dr. Claudia Mahs) und die weiterefinanzielle Förderung für die nächsten fünf Jahrebeim Präsidium der Universität erwirkt werden.Zu den Zielen und Aufgaben des Zentrums, dasmit Prof. Dr. Barbara Rendtorff (als wissenschaftlicherLeitung) an die Netzwerkprofessur Schulpädagogikund Geschlechterforschung angebundenist, zählen insbesondere der Aufbau unddie Ausdifferenzierung des an der UniversitätPaderborn bestehenden Lehr- und Forschungsangebotsim Bereich der Geschlechterforschung.Ringvorlesungen und Seminare mit öffentlichenVorträgen gehören ebenso zur Arbeit des ZGswie die Durchführung und Organisation von Tagungensowie Workshops. Im letzten Jahr fanddie Tagung „40 Jahre feministische Debatten“52 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


BeiträgeZentrum für Geschlechterstudien/GenderStudies (ZG) – Universität Paderborn(Prof. Barbara Rendtorff und Prof. Birgit Riegraf)großes Interesse und Beteiligung – die Veröffentlichungder Tagungsbeiträge wird noch in diesemJahr erscheinen. Auch eine Podiumsdiskussionmit der Ministerin für Schule und Weiterbildungdes Landes NRW Sylvia Löhrmann und Professorinnender Universität Paderborn zum Thema„Der Trend zu geschlechterunterscheidendenMaterialien in der Schule – gut oder geradenicht?“ stieß zu Beginn des Jahres ebenfalls aufgroße Resonanz. Beteiligt waren aus der Perspektiveder Soziologie Prof. Dr. Birgit Riegraf, derGermanistischen Sprachwissenschaft Prof. Dr.Britt-Marie Schuster und der ErziehungswissenschaftenProf. Dr. Barbara Rendtorff. Moderiertwurde die Veranstaltung von Prof. Dr. ChristineFreitag. Inhaltlich wurden derzeitige Tendenzenbei geschlechterunterscheidenden Materialiensowie Methoden betrachtet und eingeschätzt.Dabei war auch die große Diskrepanz zwischenpropagierten Geschlechterunterscheidungen inder Kindheit („Pinkifizierung“) und propagierterAngleichung der Geschlechter im Erwachsenenlebenvon Interesse.Eine Koordination von Lehrveranstaltungen imBereich der Geschlechterstudien erfolgt über denProfilbereich Gender und Diversity im Angebotdes Studiums generale der Universität. Zur Qualifizierungkönnen Studierende das Zertifikat Genderstudienerwerben, welches nach Erreicheneiner bestimmten Anzahl von Leistungspunktengemeinsam mit einem Bachelorabschluss denZugang zum geplanten Master(teil)studiengangGeschlechterstudien im Zwei-Fach-Master Kulturund Gesellschaft der Fakultät für Kulturwissenschaftenermöglichen wird.Nachwuchsförderung ist ein zentraler Punktin der Arbeit des ZG, neben einer Lesegruppezu Gendertheorien und unterschiedlichen Beratungsangeboten(z. B. ein Beratungscafé zurUnterstützung der Studierenden) finden DoktorandInnenund HabilitandInnen eine Plattformfür den wissenschaftlichen Austausch im Forschungskolloquiumvon Prof. Birgit Riegraf undProf. Barbara Rendtorff. In diesem Semester wirdim Rahmen des Kolloquiums ein ganztägigerWorkshop mit der Geschlechterforscherin Dr.Tove Soiland zum Thema „Jenseits von sex undgender – oder warum auch nach der Dekonstruktiondie Geschlechterhierarchie fortbesteht“durchgeführt.Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des Genderzentrumsist die Unterstützung von Forschungsvorhabensowie die Entwicklung und Beantragungeigener Forschungsprojekte im Rahmender Geschlechterforschung. Neben einem Forschungsdach„Wirksamkeit von Geschlecht inDie Anfang 2009 ins Lebengerufene Einrichtung derFakultät für Kulturwissenschaftenhat es sich zum Zielgesetzt, das an der UniversitätPaderborn bestehendeLehr- und Forschungsangebotim Bereich der Geschlechterforschungauszuweiten undauszudifferenzieren.Sie will als Service-Stelle überaktuelle Stellenausschreibungenund (inter)nationale genderspezifischeVeranstaltungeninformieren sowie Studierendeund Lehrende darin bestärken,Frauen- und Geschlechterfragenzu fokussieren und neueForschungsprojekte auf denWeg zu bringen.Weitere Aufgaben sind Vernetzung,die Betreuung einesModuls Gender und Diversityfür das Studium generaleverschiedener Bachelorstudiengängesowie die Einrichtungeines auf die Genderthematikausgerichteten Master(teil)studiengangs.MitarbeiterinnenProf. Dr. Barbara RendtorffWissenschaftliche LeitungDr. Claudia MahsGeschäftsführungMitarbeiterinnen imBMBF-Projekt „SexualisierteÜbergriffe undSchule – Prävention undIntervention“Dr. Sandra GlammeierVerena VogelsangProjekte (Auswahl)- Wirksamkeit von Geschlechtin institutionalisiertenBildungskontexten- Sexualisierte Übergriffe undSchule – Prävention undIntervention (BMBF-Projekt)AnschriftZentrum für Geschlechterstudien/GenderStudiesUniversität PaderbornWarburger Straße 10033098 Paderborngenderzentrum@unipaderborn.dewww.upb.de/zentrum-genderinstitutionellen Bildungskontexten“, welchesvor allem Studierenden die Möglichkeit zur Umsetzungeigener Forschungsfragen gibt, werdenkleinere universitätsinterne Projekte in Zusammenarbeitmit der Gleichstellungsbeauftragtenoder dem Projekt „Frauen gestalten die Informationsgesellschaft“umgesetzt.Anfang Oktober startete das Forschungsvorhaben„Sexualisierte Übergriffe und Schule – Präventionund Intervention“, gefördert durch dasBundesministerium für Bildung und Forschung.Das Projekt hat eine Laufzeit von drei Jahren,zwei wissenschaftliche Mitarbeiterinnen, Dr. SandraGlammeier und Verena Vogelsang konntenzusätzlich eingestellt werden (vgl. auch den Beitragin dieser Ausgabe).Insgesamt kann das Zentrum für Geschlechterstudien/GenderStudies auf gute und tragfähigeKooperationen mit den WissenschaftlerInnen derUniversität Paderborn und anderer Universitätenbauen – und auch die Universität selbst steht erfreulicherweiseunserer Arbeit positiv und unterstützendgegenüber.Kontakt und InformationProf. Dr. Barbara Rendtorffund Dr. Claudia MahsZentrum für Geschlechterstudien/GenderStudiesUniversität PaderbornWarburger Straße 10033098 PaderbornTel.: (05251) 602730genderzentrum@upb.deJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 53


BeiträgeSusan BanihaschemiInter-/Transdisziplinarität in den Gender Studies – Herausforderungenfür die LehreDer MA Gender Studies – Interdisziplinäre Forschung und Anwendung, Universität BielefeldEinführendIm Zuge des Bologna-Prozesses sind mit der Integrationder Gender Studies in die Lehrinhalteder neu strukturierten BA-/MA-Studiengängeverschiedene curriculare Entwicklungen einhergegangen.Hier sollen der interdisziplinäre MasterstudiengangGender Studies – Interdisziplinäre Forschungund Anwendung an der Universität Bielefeldsowie die strukturelle Verankerung vonGeschlechterforschung in die Curricula vorgestelltwerden.An der Universität Bielefeld können Studierendeim Master das interdisziplinär angelegte Lehrangebotdes Studiengangs Gender Studies wählen,welcher einführende Pflicht- sowie WahlpflichtundWahlmodule umfasst. Durch die Vermittlungdisziplinübergreifender Methoden und Theoriensowie praxisbezogener Fragestellungen derGender Studies können die Studierenden diesesStudiengangs inter- und transdisziplinäre Kompetenzenim Umgang mit den verschiedenen Fachdisziplinenund Praxisfeldern erlangen. Dabei solldie Interdisziplinarität des Studiengangs nicht nurin der Organisation des Curriculums verankertsein, sondern auch in entsprechenden innovativenLehr- und Lernformen.Sowohl diese Formen der Vermittlung als auch diespezifischen disziplinären und inter- bzw. transdisziplinärenHerausforderungen, die sich bei derVerankerung der Gender Studies in die Curriculaergeben, sollen hier diskutiert werden.Der seit dem Wintersemester 2007/08 angeboteneviersemestrige Studiengang MA GenderStudies – Interdisziplinäre Forschung und Anwendungbündelt und vernetzt die vielfältigen Aktivitätenim Bereich der Geschlechterforschung ander Universität Bielefeld. Institutionell getragenwird der Studiengang von einem interdisziplinärenLehrverbund, bestehend aus den Fakultätenfür Soziologie, die federführend ist und die organisatorischeVerantwortung trägt, der Fakultätfür Erziehungswissenschaft, den Gesundheitswissenschaften,Sportwissenschaft, dem FachbereichSozialwesen der FH Bielefeld und demInterdisziplinären Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung(IFF). Ferner beteiligen sichdie Fakultäten für Geschichtswissenschaft, Literaturwissenschaft,Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaften/FHBielefeld.Dabei hat der Masterstudiengang den Anspruch,disziplinübergreifende Theorien, Methoden undErkenntnisse der Frauen-, Männer- und Geschlechterforschungzu vermitteln.Insbesondere soll der Studiengang inter- undtransdisziplinäre Kompetenzen im Umgang mitverschiedenen Fachkulturen sowie das Wissenum die Möglichkeiten, Grenzen sowie Schwierigkeitenvon Disziplinarität und auch Inter- undTransdisziplinarität vermitteln.An wen richtet sich der StudiengangMA Gender Studies?Zugangsvoraussetzung sind der erfolgreiche Abschlusseines soziologischen, sozialwissenschaftlichen,erziehungswissenschaftlichen, sportwissenschaftlichenoder gesundheitswissenschaftlichenBachelorstudiums bzw. eines Diplom-, MagisteroderLehramtsstudiengangs mit vergleichbaremProfil. In begründeten Einzelfällen kann auchzugelassen werden, wer einen erfolgreichen Abschlussin einem vergleichbaren Studiengang mitanderer fachlicher Ausrichtung nachweisen kann.Hierfür ist der Nachweis von wissenschaftlichenKenntnissen in der Geschlechterforschung erforderlich.Studierende nach HerkunftsdisziplinVon Anfang an konnte der MA Gender Studies –Interdisziplinäre Forschung und Anwendung eineäußerst heterogen zusammengesetzte Studierendenschaftverzeichnen.Im Wintersemester 2012/13 ergab sich folgendesBild der Studierendenschaft nach Herkunftsdisziplinen.Den größten Teil machen die Abschlüsseder Soziologie, Sozialwissenschaften und Politikwissenschaftaus, ergänzt von einem nurunwesentlich kleineren Teil der Erziehungswissenschaft,Sozialpädagogik und Sozialen Arbeit.Diese Studierenden bilden über die Hälfte derStudierendenschaft. Die andere Hälfte setzt sichsehr heterogen zusammen. Dazu zählen zum einenStudierende der Gesundheitswissenschaften54 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


Beiträgeund der Sportwissenschaft, beides direkt am Studiengangbeteiligte Disziplinen. Hinzu kommenStudierende mit einem Abschluss der GenderStudies, Studierende der Literaturwissenschaft,Kulturwissenschaften, Philosophie und Geschichte,Studierende der Rechtswissenschaft und derWirtschaftswissenschaft wie auch der Psychologie.Studierende naturwissenschaftlicher Fächerkann der Studiengang ebenfalls verzeichnen,genauer differenziert sind dies Studierende mitAbschlüssen in Biologie, Chemie, Physik und Agrarwissenschaft.Zusammengefasst zeigt dies ein Bild einer heterogenenund multidisziplinären Studierendenschaft.Wie wird dieser heterogenen multidisziplinärenStudierendenschaft in derLehre begegnet?Das Studium beginnt mit einem kompakten Einführungsblock,der sich in die zwei EinführungsmoduleI und II unterteilt.Das Einführungsmodul I gibt einen Überblick übergenderbezogene Fragestellungen, Perspektivenund Forschungsergebnisse der am Studiengangbeteiligten Disziplinen und führt in Konzepte vonInterdisziplinarität sowie Transdisziplinarität ein.Die zum Wintersemester regelmäßig angebotene„Ringvorlesung Gender Studies interdisziplinär“hat sich zu einer festen Größe etabliert. Das Angebotder Veranstaltung sowie die zahlreichenReferierenden sowohl aus der Bielefelder Forschungslandschaftals auch aus nationalen undinternationalen Forschungskontexten sprechenWissenschaftler_innen, Studierende und zahlreicheZuhörer_innen auch außerhalb der Universitätan und machen genderrelevante Forschungöffentlich.Das Seminar „Konzepte der Inter- und Transdisziplinarität“gibt einen Überblick über aktuelleDiskussionen und Konzepte und bietet an ausgewähltenFragestellungen und Problemen Gelegenheitzur Anwendung sowie Erprobung. Hierentstehen die Diskussion und kritische Reflexionvon Disziplinarität sowie die Diskussion von Möglichkeitenund Grenzen der Inter-/Transdisziplinarität.Im Einführungsmodul II folgt die Einführungsveranstaltung„Geschlechterforschung: Theorien,Methodologien und Empirie“. Ein Anspruch isthierbei, mit den sehr divergierenden Vorkenntnissenund den bisherigen disziplinären Herangehensweisenproduktiv umzugehen. Parallel zudieser Veranstaltung leitet die Lehrende bzw. derLehrende eine Studiengruppe an.Zudem besuchen die Studierenden zwei Vorlesungenin quantitativen und qualitativen Methodender empirischen Sozialforschung.Ziel der Gender Studies war und ist es, die Situationvon Frauen, das Geschlechterverhältnisund Geschlechterkonstruktionen in Geschichteund Gegenwart empirisch zu untersuchen sowietheoretisch zu reflektieren. Dies geschieht an derUniversität Bielefeld insbesondere in den vierHauptmodulen des Studiengangs „Sozialisationund Bildung/Interkulturalität“, „Arbeit undOrganisation“, „Körper und Gesundheit“ sowie„Transnationalisierung und Demokratisierung“.In diesen Hauptmodulen ist eine wissenschaftlicheThematisierung der Kategorie Geschlecht sowohlAusgangspunkt als auch Ziel der Analysen.Genderwissen ist insofern als Querschnittskompetenzzu fassen, die in Verbindung mit fachspezifischenWissensinhalten für unterschiedlichstePraxisfelder relevant ist.Hauptmodul 1 „Sozialisation und Bildung/Interkulturalität“Dieses Modul beschäftigt sich mit der Bedeutung,die dem Geschlecht im Zusammenhang mit Sozialisations-,Bildungs- und Erziehungsprozessenin verschiedenen formellen und informellen Kontextenzukommt. Dabei wird berücksichtigt, dassGeschlechterkonstruktionen und -verhältnisseimmer auch durch soziokulturelle Bedingungenbeeinflusst sind. Es sollen deshalb in allen Themenbereichendes Moduls sowohl die Zusammenhängezwischen Geschlecht bzw. Geschlechterkonstruktionenund sozialen Milieus als auchdie interkulturellen Bezüge behandelt werden.Inhalte des Studiums sind sowohl Strukturen undProzesse in ihrer Wechselwirkung mit Geschlechtals auch der Einfluss der Geschlechtszugehörigkeitnicht nur auf Kommunikations-, Interaktions- undSozialisationsprozesse sowie damit auf Prozesseder Individuierung und Sozialisierung, sondernauch auf die Ausbildung von Kompetenzen. Ergänztwird die Betrachtung dieser AnalyseebenenJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 55


BeiträgeGender Studies – InterdisziplinäreForschung und Anwendung – UniversitätBielefeldDer seit dem Wintersemester2007/08 bestehende viersemestrigeMasterstudiengang„Gender Studies – InterdisziplinäreForschung und Anwendung“bündelt und vernetztdie langjährigen und vielfältigenAktivitäten im Bereichder Geschlechterforschung derUniversität Bielefeld.Der Studiengang wird seitBeginn von vier Fakultätengetragen: Soziologie (organisatorischeVerantwortung),Erziehungswissenschaft, GesundheitswissenschaftsowiePsychologie und Sportwissenschaften.Das Studienprogramm zieltmit seiner Anwendungsorientierungdarauf ab, dersteigenden Arbeitsmarktnachfragenach Genderwissen undGenderexpert_innen in allengesellschaftlichen Bereichensowie der Nachfrage nachGender Mainstreaming,Diversity Management undGleichstellung in Organisationenzu begegnen.Aufgrund des interdisziplinärenund multiperspektivischenProfils des Studiengangserwerben die Studierendendie Kompetenz, aktuellegesellschaftliche und sozialeProbleme jenseits fachlichbegrenzter Lösungsstrategienzu bearbeiten.Im Rahmen des Studienprogrammsist auch eineAusrichtung der beruflichenLaufbahn auf Wissenschaftund Forschung möglich.Ab dem Wintersemester2013/14 wird der Studiengangmit neuer Studienordnungfortgeführt. Das Studiumwird dann drei thematischeSchwerpunkte beinhalten(„Sozialisation und Bildung“,„Arbeit und gesellschaftlicheTransformationen“, „Körperund Gesundheit“) sowie dieMöglichkeit einer disziplinärenProfilbildung (hierfür wählendie Studierenden aus den Studienangebotenvon mehrerenFakultäten der UniversitätBielefeld ein Modul aus).Lehrveranstaltungen imSommersemester 2013(Auswahl)- Gender Aspects in CaribbeanLiterature- Hochschule und Diversity- Queer Reading – KritischeFilmanalysen- Wie kommt das Geschlechtin den Körper? Theorien imVergleich- „Wir“ und „die Anderen“.Norm(alis)ierung undExklusion durch Othering-Prozesse (Rassismus undKlassismus)Kontakt und InformationProf. Dr. Tomke KönigStudiengangsbeauftragtetomke.koenig@unibielefeld.dedurch die Reflexion von und Auseinandersetzungmit geschlechterreflexiven pädagogischen unddidaktischen Konzeptionen. Im Zusammenhangmit den genannten drei thematischen Bereichenwerden methodische und methodologische Aspekteder sozialisations- und bildungsbezogenenGeschlechterforschung behandelt.Hauptmodul 2 „Arbeit und Organisation“Das Interesse dieses Modul richtet sich auf dieHerstellung von Geschlechterdifferenzen und-ungleichheiten durch die gesellschaftliche Aufteilungvon Haus-, Sorge- und Erwerbsarbeit, dieProzesse der Arbeitsmarktsegregation sowie dieStrukturierung von Organisationen. Theorieangebotewerden vorgestellt und diskutiert, die sichmit den Geschlechterordnungen in den drei Bereichenbeschäftigen sowie deren Verschränkungenthematisieren. Ein besonderer Schwerpunkt liegtauf der Organisationsforschung. Neben der theoretischenBeschäftigung mit Organisationen werdenempirische Erkenntnisse zu unterschiedlichenOrganisationstypen und -einheiten analysiert. OrganisationsinterneDiskurse zur Legitimation bzw.De-Legitimation von Geschlechterdifferenzen und-ungleichheiten sowie deren strukturelle Verankerungenwerden betrachtet. Gefragt wird, ob undwie die jeweiligen Organisationstypen und -einheitenan die organisationsextern produziertenGeschlechterdifferenzen und -ungleichheiten anknüpfenund wie organisationsinterne Prozessewiederum auf externe Geschlechterordnungenrückwirken. Anhand aktueller Thematisierungsweisenvon Geschlecht (wie Gender Mainstreaming,Diversity, Work-Life-Balance) werden Eingriffsspielräumeund Handlungskompetenzen fürOrganisationsentwicklungsprozesse diskutiertsowie Grundlagen von Handlungskompetenzenvermittelt.Hauptmodul 3 „Körper und Gesundheit“Dieses Modul führt die Studierenden unter geschlechterbezogenerPerspektive in grundlegendeFragestellungen, Determinanten und Wechselwirkungenvon Körper und Gesundheit in verschiedenenGesellschaften, Bevölkerungsgruppen sowiesoziokulturell differenzierten Milieus ein. Eswerden Fragen der geschlechterbezogenen Strukturentwicklungim Gesundheitswesen sowie dergendersensiblen Prävention, Gesundheitsförderungund Intervention behandelt. Ferner soll dasModul Einblick in diverse Praxisfelder der gesundheitsbezogenenGenderforschung gewähren. DieThemen des Moduls weisen, den Gesundheitswissenschaftenentsprechend, multidisziplinäreQuerverbindungen zu zahlreichen anderen Fachbereichenwie z. B. der Psychologie, der Soziologie,der Biologie und der Pädagogik auf.Hauptmodul 4 „Transnationalisierung undDemokratisierung“In dem Modul werden Kenntnisse theoretischerKonzepte und empirischer Analysen der Interdependenzvon Transnationalisierungsprozessenund den Transformationen der Geschlechterverhältnissevermittelt. Hierfür werden unterschiedlicheEbenen betrachtet. Fokussiert werden Transformationennationaler wohlfahrtsstaatlicherGeschlechterregime durch EU-Politiken sowiederen Auswirkungen auf die geschlechtliche56 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


BeiträgeArbeitsteilung, auf Arbeitsorganisationen und-kulturen. Verschiebungen der Arbeitsteilung zwischensowie innerhalb der Geschlechtergruppenund ethnischen Gruppen durch die Restrukturierungder internationalen Arbeitsteilung im Zugevon Globalisierungs- und Migrationsprozessenwerden in den Blick genommen. Zudem werdendie Partizipation zivilgesellschaftlicher Akteur_innenund deren Handlungsstrategien zurDemokratisierung der Geschlechterverhältnisseaufgegriffen, wie z. B. Frauenbewegungen und-organisationen auf nationaler, supranationalerund internationaler Ebene. Die Methodenvermittlungist integrierter Bestandteil der Lehrangebotedieses Moduls.Größtenteils besteht das Lehrangebot aus disziplinärenLehrveranstaltungen der beteiligtenFakultäten, darüber hinaus standen und stehenaber auch verschiedene Lehrangebotsformate zurWahl.Unterschiedliche Lehrangebotsformen –Wissenschaft im DialogNeben den disziplinären Lehrveranstaltungensind weitere Seminare angeboten worden, beidenen verschiedene Disziplinen in Dialog miteinandertreten. Hierfür war der Studiengang Anlasszur Erprobung.Für das Hauptmodul „Körper und Gesundheit“wurde eine Lehrveranstaltung zur gesundheitsbezogenenFrauen- und Geschlechterforschungkonzipiert, die seitdem regelmäßig stattfindet.Dabei wird den Studierenden ein umfassenderÜberblick über soziale, medizinische, psychologische,ökonomische sowie politische Aspektevon Gesundheit und Krankheit vermittelt. DieVeranstaltung greift zentrale Fragestellungensowie Aufgaben der frauen- und geschlechterbezogenenGesundheitsforschung auf und skizziertwichtige Entwicklungslinien. Hierzu werden Referierendeaus verschiedenen Disziplinen zu einemDialog eingeladen.Ein weiteres Seminar hat eine sozial- und einerechtswissenschaftliche Perspektive verbunden.In der Lehrveranstaltung „Frauenrechte sindMenschenrechte – Gleichheitspostulate im modernenRechtsstaat“ diskutierten MA GenderStudies-Studierende mit Kommiliton_innen ausder Rechtswissenschaft.Der interdisziplinäre Dialog ist jedoch nicht nurauf die Studierenden beschränkt; auch Lehrendeverschiedener Disziplinen bieten im Studiengangzusammen Lehrveranstaltungen an. Gemeinsamveranstalteten ein Literaturwissenschaftler undeine Soziologin das Seminar „Vaterschaft in der(späten) Moderne: Soziologische und literaturwissenschaftlichePerspektiven“, eine Soziologinund eine Historikerin den Kurs „Thematisierungenvon Männlichkeit in der Moderne: historische undsoziologische Perspektiven“. Diese Veranstaltungensind für MA Gender Studies-Studierende undMasterstudent_innen der entsprechenden Fächergeöffnet.Zudem wurde an der Universität Bielefeld die Einrichtungeiner Gendergastprofessur als fakultätsübergreifende„Wanderprofessur“ initiiert, bisheran der Fakultät für Rechtswissenschaft, der Fakultätfür Gesundheitswissenschaften sowie aktuellan der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft.Die jeweilige Gendergastprofessur bietetgemeinsame Lehrveranstaltungen für die Studierendendes jeweiligen Fachs und die Studierendendes Masterstudiengangs Gender Studies an.Der interdisziplinäre Masterstudiengang GenderStudies – Interdisziplinäre Forschung und Anwendungan der Universität Bielefeld stellt somiteinen Versuch dar, Wissenschaften in den Dialogmiteinander zu bringen und Disziplinierungsprozesseder Wissenschaften kritisch zu reflektieren.Kontakt und InformationSusan BanihaschemiTel.: (0521) 106 4323susan.banihaschemi@unibielefeld.deJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 57


BeiträgeStephanie Sera, Kim SiekierskiHerausforderung Gender Studies: Entwicklungen und Perspektivenan der Ruhr-Universität Bochum1Zum örtlich zulassungsbeschränktenStudienfachmüssen fundierte Kenntnisseder sozial-, kultur- und/odergeschichtswissenschaftlichenTheorien und Methodenvorhanden sein.In den frühen 2000ern entstand unter den Geschlechterforscherinnenan der Ruhr-Universitätder Wunsch, einen gemeinsamen Masterstudiengangins Leben zu rufen. Die Sozialwissenschaften(Ilse Lenz), die Medienwissenschaften (Prof. Dr.Astrid Deuber-Mankowsky, Prof. Dr. Eva Warth),die Romanistik (Prof. Dr. Lieselotte Steinbrügge)sowie die Neuere und Neueste Geschichte (Prof.Dr. Regina Schulte) und Kunstgeschichte (Prof. Dr.Beate Söntgen) wurden so auch institutionell ineinem interdisziplinären und forschungsorientiertenMasterstudienfach „Gender Studies – Kultur,Kommunikation, Gesellschaft“ vereint, das im Jahr2004 das Licht der Welt erblickte. Institutionell anden Fakultäten für Sozialwissenschaft (Trägerfakultät),Philologie und Geschichtswissenschaftenangebunden und mit einer Juniorprofessur GenderStudies ausgestattet, fiel im WiSe 2005/2006der Startschuss für den Masterstudiengang imZwei-Fächer-Modell, das im WiSe 2009/2010 umden Ein-Fach-Master Joint Degree Gender Studieserweitert werden konnte. Sehr gute Verbindungenzur Karl-Franzens-Universität Graz haben dieEntwicklung eines gemeinsamen internationalenStudienprogramms ermöglicht, das in der Vorbereitungsphasedurch den DAAD gefördert wurde.Beide Studiengänge werden gemeinschaftlichdurch das Direktorium Gender Studies geleitet,wobei die Juniorprofessur zudem das Amt dergeschäftsführenden Direktorin ausführt. Die Angelegenheitendes Joint Degree werden mit demKonsortium der Karl-Franzens-Universität Grazkoordiniert. Das Direktorium, zu dem auch diewissenschaftlichen Mitarbeitenden, die Koordinationsstelleund die Gleichstellungsbeauftragte derRuhr-Universität Bochum gehören, tagt zweimalim Semester, um unter Einbeziehung des Fachschaftsratesaktuelle Angelegenheiten zu diskutierenund die Entwicklung des Studienfachs zubesprechen. Der Koordinationsstelle Gender Studieskommt dabei die Aufgabe der Studienorganisation,Studien- und Erasmusberatung sowie derUnterstützung des Direktoriums zu.Auf inhaltlicher Ebene bieten beide Studiengängeals Aufbaumodule die Schwerpunkte „Arbeit,Institutionen, kulturelle Praktiken“, „Kulturelleund mediale Repräsentationen“ sowie „Identitäten,Positionen, Differenzen“ an, wobei der JointDegree in der Ausgestaltung der Module das Angebotder Karl-Franzens-Universität Graz in denBereichen Theologie und Rechtwissenschaft integriert.Die Lehre an den am Studienfach beteiligtenFakultäten wird durch das Direktorium sichergestellt,das zugleich die Kernlehrenden stellt. EineVielzahl von weiteren Lehrveranstaltungen kommtdurch Lehrkooperationen hinzu, d. h. durch dieBereitschaft anderer, nicht am Studienfach beteiligterLehrenden, ihre Veranstaltungen für Studierendeder Gender Studies zu öffnen. Erfreulicherweisewerden diese Kooperationen von Semesterzu Semester mehr, was zeigt, dass Geschlechterforschungzunehmend zum Lehrkanon in denGeistes- und Gesellschaftswissenschaften, aberauch in der Theologie und der Sportwissenschaftgehört.Ein interdisziplinäres Studienfach, das durch denJoint Degree und die Marie-Jahoda-Gastprofessurauch international ausgerichtet ist, bietet eineVielzahl von Chancen, muss aber auch mit einigenHerausforderungen rechnen. Die Interdisziplinaritätschafft transdisziplinäre Netzwerke, gemeinsameProjekte, ein breiteres Lehrangebot sowie dieEinbeziehung bereits vorhandener Ressourcen,wie z. B. Erasmuskooperationen. Dem Direktoriumkommt dabei eine nicht zu unterschätzendeAufgabe zu, da es neben den Interessen der jeweiligenLehrstühle auch die Interessen des StudienfachsGender Studies vertritt.Die Studierenden schätzen das breite Lehrangebot,in dem sie sich nicht nur selbst ein Profil schaffen,sondern auch für sie fachliches Neuland betretenkönnen. Herausfordernd kann das interdisziplinäreStudium aufgrund unterschiedlicher Prüfungsmodalitätender einzelnen Fachbereiche sowieden für sie ganz neuen methodologischen undtheoretischen Zugängen werden. Um anfänglicheHürden zu meistern, wurde der Lehrplan des Basismodulsnicht nur auf die Anforderungen des interdisziplinärenStudiums, sondern auch die interdisziplinäreStudierendenschaft abgestimmt. DasBasismodul spricht in einzelnen Sitzungen Theorienund Methoden unterschiedlicher Disziplinenan und schafft eine gemeinsame Grundlage fürdie auch fachlich sehr heterogene Studierendenschaft1 . Die Studierenden werden kontinuierlichdazu ermutigt, Eigeninitiative zu beweisen, umsich in dem breiten Angebot ein eigenes Profil zuerarbeiten, mit dem sie ihre beruflichen Ziele verfolgenkönnen. Im weiteren Verlauf des Studiums58 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


BeiträgeGender Studies – Kultur, Kommunikation,Gesellschaft – Ruhr-Universität Bochumermöglicht uns eine gute Feedback-Kultur in Formvon Modulabschlussgesprächen und individuellenBeratungen, den Studierenden direkte Unterstützungzu gewährleisten und die Rückmeldungenin die Studiengangsentwicklung aufzunehmen.Angebote der beteiligten Fakultäten könnenebenfalls von den Studierenden wahrgenommenwerden und werden auf Transcript of Records vermerkt.In diesem Zusammenhang hat sich auchdas „Cafeteria-System Methodenbausteine“, dasvon den Sozialwissenschaften angeboten wird, zueiner beliebten Veranstaltungsreihe zum Erlerneneiner breiteren Methodenkompetenz bei unserenStudierenden entwickelt.Das Studienfach Gender Studies ist an der Ruhr-Universität Bochum forschungsorientiert. DiesesProfil führt durch „Forschendes Lehren und Lernen“an eine Laufbahn in der Wissenschaft heran,die auch durch die Möglichkeit, im Fach GenderStudies zu promovieren, gestärkt wird. Dennochsollte eine Promotion, insbesondere vor demHintergrund, dass die Gender Studies noch einevergleichsweise junge Forschungsdisziplin sind,gut überlegt sein. Außerdem wollen nicht alle Studierendeneine Universitätslaufbahn einschlagenund fragen verstärkt nach Praxisangeboten sowienach möglichen Perspektiven und Herangehensweisen,eine Karriere außerhalb von Wissenschaftund Forschung einzuschlagen. Verschiedene Aussagenvon Studierenden und Studieninteressierten,die zu uns in die Studienberatung kommen,machen deutlich, dass das Thema Zukunft undberufliche Perspektive eine sehr zentrale Stellungin der Beratung einnimmt. Zwar ist das persönlicheInteresse an den Inhalten des Studiums sehrgroß und auch der Erwerb genderspezifischerKompetenzen wird von fast allen Studierenden alsErweiterung der eigenen Handlungsspielräumebegriffen, gleichzeitig fragen sie sich jedoch auch,wie die erlernten Kompetenzen am Arbeitsmarktankommen und aufgenommen werden. Daher istes oftmals die Möglichkeit der Anwendung diesergewonnenen Fähigkeiten, die sich Studierendevermehrt als festen Bestandteil ihres Studiumswünschen.Innovative Lehrforschungsseminare wie beispielsweise„Gender Mainstreaming. Qualitative Forschungin der Stadt Bochum“ (SoSe 2012–WiSe2012/13) oder „Vielfalt fördern! Managing Diversityin der Praxis am Beispiel von Fußballvereinen“(SoSe 2013–WiSe 2013/14) können dabei einewichtige Schlüsselfunktion als Vermittler zwischenTheorie und Praxis einnehmen und den StudierendenAnwendungsmöglichkeiten ihres Genderwissensaufzeigen.Die rege Nachfrage nach solchen und weiterenZusatzangeboten zeigt uns, dass wir mit der stärkerenAusgestaltung des Praxisbereichs auf demDas interdisziplinäreStudienfach Gender Studieswird an der Ruhr-UniversitätBochum seit dem Wintersemester2005/2006 alsZwei-Fach-Master und seitdem Wintersemester 2009/10als Ein-Fach-Master JointDegree in Kooperation mit derKarl-Franzens-Universität Grazangeboten. Die Studiengängewerden von sechs Professorinnenaus den FakultätenPhilologie, Geschichtswissenschaftund Sozialwissenschaft(Trägerfakultät) durchgeführt.Lehrveranstaltungen imSommersemester 2013(Auswahl)- Heiratspolitik im Frühmittelalter- Geschichte der Sexualität- Soziale Bewegungen undFrauenbewegungen in derGlobalisierung- Queer Texts- „Kill the Indian, save theman“: Missionierung, „Zivilisierung“und die Indianerpolitikim 19. JahrhundertKontakt und InformationStephanie Sera, M. A.Ruhr-Universität BochumFakultät für Sozialwissenschaft/KoordinationsstelleGender StudiesUniversitätsstraße 15044801 BochumTel.: (0234) 32-26646genderstudies@rub.dewww.sowi.rub.de/genderstudiesrichtigen Weg sind. Die curriculare Verankerungeines Praxismoduls in beiden Studiengängen, indem auch ein Praktikum mit ausgewiesenem Bezugzu den Inhalten des Studiums vorgesehen ist,wurde von den Studierenden daher sehr begrüßt.Die Stunden (160 Stunden im Ein-Fach-Master,240 im Zwei-Fächer-Master), die im Rahmen desPraktikums zu absolvieren sind, können dabeientweder in Vollzeit oder – sofern mit der Praktikumsgeberin/demPraktikumsgeber entsprechendvereinbart – auch in Teilzeit abgeleistet werden.Durch diese Möglichkeit kann die praktische Arbeitin der Regel auch neben Studium oder Jobnoch problemlos erfolgen, sodass der Lebensweltder Studierenden entgegengekommen werdenkann.Einen weiteren obligatorischen Praxisbausteinbildet der jährlich stattfindende Workshop „GenderWissenin der Praxis“, der durch die KoordinationsstelleGender Studies in Kooperation mitder Fakultät für Sozialwissenschaft organisiertwird. Ziel dieser Veranstaltung ist es, die Studierendenin Form einer offenen Gesprächsrundezur Selbstreflexivität bezüglich ihrer im Studiumerworbenen Kompetenzen anzuregen und überGenderqualifikationen im Speziellen zu diskutieren.Im Zentrum der Veranstaltung steht daheru. a. die Frage, welche beruflichen Chancen sichfür Absolvent_innen mit Genderwissen ergebenund wie dieses Wissen in der Berufspraxis eingesetztwerden kann. Dabei wird auch das Qualifikationsprofilder Gender Studies näher betrachtet.Den Kern dieses Profils bilden die drei inhaltlichenSchwerpunkt, die sich aus der Vermittlung einesJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 59


Beiträge2Eine aktuelle Übersicht überdie verschiedenen Einrichtungenund Unternehmen, dieim Rahmen des Workshopseingeladen wurden, sowieüber mögliche Praktikumsanbieter_innenfindet sich auf:www.sowi.ruhr-uni-bochum.de/genderstudies/studium/praktikum.html.de.Kontakt und InformationStephanie Serastephanie.sera@rub.deKim Siekierskikim.siekierski@rub.despezifischen Fachwissens, der Entwicklung sozialerKompetenzen sowie der Wissensanwendungund somit dem Praxistransfer zusammensetzen.Neben dieser gemeinschaftlichen Reflexion wirdden Studierenden im Rahmen des Workshopsauch der Raum gegeben, sich über strukturelleHerausforderungen und Schwierigkeiten im Studiumauszutauschen. Die Koordinationsstelle nutztdiese Veranstaltung zudem dazu, Stimmungen inder Studierendenschaft einzufangen bzw. Problemezu registrieren, um frühzeitig auf Sorgen undWünsche reagieren zu können.An diese offene Gesprächsrunde, die den erstenTeil der Veranstaltung bildet, schließt sich derzweite, praxisorientierte an. Geladene Berufsvertreter_innenverschiedener Unternehmen und Einrichtungenberichten im Rahmen des Workshopsüber die zahlreichen Einstiegsmöglichkeiten indie berufliche Praxis sowie die nötigen Qualifikationenund Kompetenzen, die für ihre täglicheArbeit wichtig sind. 2 Darüber hinaus können dieGespräche mit den Expert_innen von Seiten derStudierenden dazu genutzt werden, Netzwerkezu bilden oder sich über mögliche Praktika in denjeweiligen Unternehmen zu erkundigen. Auf deranderen Seite helfen solche Austauschmöglichkeitenund Verbindungen zur Berufspraxis der Koordinationsstellebei der weiteren bedarfsgerechtenAusgestaltung des Studienangebotes. Insbesonderevor dem Hintergrund, dass der Erwerb vonGenderkompetenz für den erfolgreichen Einstiegins Berufsleben in der Regel noch nicht ausreichendist, sind wir als Koordinationsstelle sowiedie geschäftsführende Direktorin und das Direktoriumsehr daran interessiert, die Entwicklung desStudienfachs voranzutreiben und über Gesprächemit Berufsvertreter_innen (etwa auf Jobmessenund Tagungen) auf die zusätzlichen Qualifikationender Studierenden aufmerksam zu machen. ImRahmen einer transparenten Beratung sowohl vorals auch während des Studiums weisen wir auf dieNotwendigkeit der eigenen Profilschärfung durchden Erwerb praxisrelevanter Erfahrungen hin undversuchen, die Studierenden mit unseren Angebotenbestmöglich zu unterstützen.Schließlich haben wir für uns das Thema Sichtbarkeitidentifiziert, das sowohl Chancen als auch Herausforderungenmit sich bringt. Der Status, dendie Gender Studies als junges Forschungsfeld undvor allem als Studiengang innehaben, kann dabeidurchaus zur Hürde werden. Es muss in der Regelviel Überzeugungsarbeit geleistet werden, um dasgroße Potenzial für Forschung und Bildung zu vermitteln.Die Zusammenarbeit mit regionalen undüberregionalen Institutionen und Unternehmenkann dabei sehr hilfreich sein, um neben der Stärkungder Gender Studies auch den Arbeitsmarktauf die besonders hohe Qualifikation der Absolvent_innenaufmerksam zu machen. Auch dieLehrkooperationen und Netzwerke innerhalb derUniversität sind in ihrer Schlüsselstellung nicht zuunterschätzen. Unsere Studierenden leisten dabeioftmals Pionier_innenarbeit, indem sie die „Genderthematik“in die Lehrveranstaltungen der –nicht unmittelbar am Studienfach beteiligten – Fakultätenals Thema einbringen, erklären und zumTeil auch durchsetzen müssen. Dies wird erfreulicherweiseoft mit sehr positivem Feedback seitensder Lehrenden belohnt, die vor allem die kritischeHerangehensweise der Gender Studies-Studierendenals Bereicherung empfinden. Auf der anderenSeite eröffnen Kooperationen, wie beispielsweisemit den Wirtschaftswissenschaftler_innen, die dasSeminar „BWL für Nicht-Ökonomen“ anbieten,unseren Studierenden die Möglichkeit eines interdisziplinärenBlicks über den Tellerrand.Wir sind überzeugt, dass all diese Maßnahmennötig und sinnvoll sind, um die Gender Studieszum einen als Forschungsdisziplin weiter zu etablieren,aber zum anderen auch den Bezug zurBerufspraxis nicht aus dem Blick zu verlieren. DasFeedback unserer Studierenden zeigt uns, dass wirdabei in die richtige Richtung gehen, weshalb wirgerne mit einem Zitat einer Studentin schließenmöchten: „Ich glaube einfach, dass es gerade imZeitalter der Globalisierung, wo die Welt mehrund mehr zusammenrückt, wichtig ist, darüber zureden, welche Formen der Ungleichheit und desAusschlusses es überhaupt gibt, und dass manlernt, wie man in der Praxis dagegen angeht.“60 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


BeiträgeCarola Bauschke-Urban, Ingrid JungwirthPraxis, Forschung und InternationalitätBachelorstudiengang „Gender and Diversity“ an der Hochschule Rhein-WaalDer Bachelorstudiengang „Gender and Diversity“an der Hochschule Rhein-Waal hat im Oktober2012 den Lehrbetrieb mit 61 Studierenden aufgenommen.Die Hochschule Rhein-Waal wurde2009 gegründet und ist an den Standorten Kleveund Kamp-Lintfort verankert. Der Studiengangist an der Fakultät Gesellschaft und Ökonomieangesiedelt und wird am neu eröffneten HochschulstandortKleve durchgeführt. Eine expliziteZielsetzung bei der Neugründung der HochschuleRhein-Waal vor vier Jahren war die Einführungneuartiger Studiengänge sowie die internationaleAusrichtung. Der Bachelorstudiengang „Genderand Diversity“ ist bislang der erste dieser Art aneiner Hochschule für angewandte Wissenschaften.Er wird in englischer Sprache durchgeführt undbesitzt ein distinktes Profil, das durch ein interdisziplinäresAngebot von Lehrveranstaltungen ausden Bereichen der Soziologie/Sozialwissenschaftensowie den Wirtschaftswissenschaften geprägtist. Die Kombination von Gender und Diversityist in dieser Form neu. Insbesondere Inhalte mitDiversitybezug gehen über existierende GenderStudies-Studiengänge hinaus. Dabei bietet die interdisziplinäreEinbindung an der Fakultät Gesellschaftund Ökonomie die Möglichkeit, ein breiteswirtschafts- und sozialwissenschaftliches Grundlagenspektrumzu vermitteln, das für künftigeBerufstätigkeiten im Bereich Gender und Diversityförderlich ist und den Studiengang von anderenGenderstudiengängen dezidiert unterscheidet.Durch die Ansiedlung des Studiengangs an einerHochschule für angewandte Wissenschaftenbesteht zudem ein besonderes Potenzial für dieHerausbildung eines Praxisbezugs für die an denStudiengang anschließenden Berufs- und Praxisfelder.- Der Studiengang qualifiziert für folgende Berufsfelder:Gleichstellungsarbeit, Personalentwicklung,Weiterbildung und Öffentlichkeitsarbeitin Unternehmen, Non-Profitorganisationen,Vereinen, Verbänden, Parteien und Bildungseinrichtungen,Kommunen und öffentlichen Einrichtungen.Die englischsprachige Ausrichtung des Studiengangsund eine internationale Schwerpunktsetzungan der Fakultät Gesellschaft und Ökonomieder Hochschule Rhein-Waal öffnen diese Berufsfelderz. T. auch auf internationaler Ebene. Darüberhinaus qualifiziert der Studiengang für dieAufnahme eines Masterstudiums.Die kürzlich veröffentlichte AbsolventInnenstudieder Humboldt-Universität zu Berlin zum Verbleibder Studierenden im Fach Gender Studies (Kriczio2012) zeigt 1 , dass Gender Studies-AbsolventInnengute Aussichten auf einen Arbeitsplatz haben undein Studium der Gender Studies eine große Bandbreitean beruflichen Perspektiven für die AbsolventInneneröffnet. Ein hoher Anteil dieser Anstellungenerfolgt an Universitäten und Hochschulen.Die Anschlussmöglichkeit für weiterqualifizierendeMaster- und Promotionsstudien zu gewährleisten,ist daher für die Gestaltung des Bachelorstudiengangs„Gender and Diversity“ an der HochschuleRhein-Waal von besonderer Bedeutung.Die studentische Nachfrage nach dem Studienangebotdes Bachelorstudiengangs „Gender and Diversity“ist bereits im ersten Semester sehr gut. ImOktober 2012 haben 61 Studierende ihr Studiumaufgenommen. Der Studiengang startet jeweilszum Wintersemester mit einem neuen Studierendenjahrgang.Derzeit sind dem Studiengang zweiProfessuren zugeordnet, die die SchwerpunkteSoziologie und Genderforschung sowie Sozialwissenschaften,Diversity und Inklusion haben.Praxisorientierung sowie forschungsorientierteund internationale AusrichtungFür Bachelorstudiengänge an Hochschulen für angewandteWissenschaften sind einerseits Anforderungender späteren beruflichen Praxis unsererStudierenden zu erfüllen, andererseits wird eineAnschlussfähigkeit für die Aufnahme von Masterstudiengängenan Hochschulen und Universitätengeschaffen.PraxisorientierungDa es sich um einen Studiengang im Bereich derGender und Diversity Studies an einer Hochschulefür angewandte Wissenschaften handelt, muss derspäteren Berufspraxis unserer künftigen Absolventinnenund Absolventen in besonderer WeiseRechnung getragen werden. Diese Anforderungensind mehrdimensional.1Kriczio, Marianne (2012):Gender Studies im Beruf.Verbleibstudie zu den Absolvent_innender Gender Studiesan der Humboldt-Universität.Zentrum für transdisziplinäreGeschlechterstudien, BulletinNr. 39, unter Mitarbeit vonIlona Pache. Download unter:www.gender.hu-berlin.de/publikationen/gender-bulletins/texte39/verbleibstudie-genderstudies-ztg-bulletin39.pdf.Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 61


Beiträge2Z. B. der praxisorientierteBachelorstudiengang GenderStudies an der UniversitätBielefeld oder der berufsbegleitendeMasterstudiengang„Gender & Diversity Kompetenz“an der Freien UniversitätBerlin.3In benachbarten europäischenLändern sowieinsbesondere in Kanada undden USA ist das Berufsfeldder Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsarbeitbereitswesentlich stärker entwickeltund in Organisationen undUnternehmen integriert. Diebestehende Gesetzeslage zuGleichstellung und Antidiskriminierungin der EU erfordertdie Entwicklung dieses Berufsfeldauch in Deutschland, dahier ein stark anwachsenderBedarf aufgrund gesetzlicherVoraussetzungen besteht.4Für das Wintersemester2012/13 konnte Frau Prof. Dr.Els Rommes, Professorin amInstitute for Gender Studiesan der Radboud UniversityNijmegen, für die Wahrnehmungeiner zeitlich begrenztenGastprofessur „EuropeanGuest Professorship of Scienceand Technology“ gewonnenwerden. Der Ausbau weitererKooperationsbeziehungen istgeplant.a) Bislang existieren ähnliche Studienangeboteausschließlich an Universitäten, hier sind dieLehrangebote (bis auf wenige Ausnahmen 2 )überwiegend ohne expliziten Praxisbezug. Fürdie Praxisorientierung des Studiengangs an einerHochschule für angewandte Wissenschaftenbestehen jedoch gegenüber universitärenStudiengängen von Seiten der Studierendenund von Seiten potenzieller ArbeitgeberInnenerhöhte Anforderungen an die Transferpotenzialeder Studierenden.b) Die Studierenden sind darüber hinaus auf einsich gegenwärtig auf den deutschsprachigenArbeitsmärkten erst entwickelndes und sichzugleich professionalisierendes beruflichesPraxisfeld vorzubereiten 3 . Es besteht damiteine völlig andere Ausgangslage als bei etabliertenund klar umrissenen Berufsfeldern,wie wir sie z. B. in den typischen Arbeitsbereichenvon IngenieurInnen, ÖkonomInnen undBetriebswirtInnen finden. Der Studiengang istsomit zur Sicherstellung der Beschäftigungsfähigkeitder späteren AbsolventInnen in besondererWeise gefordert. In der gegebenenSituation trägt der Studiengang selbst zurProfilierung und Differenzierung der Berufsfelderbei. Die Vermittlung und Begleitung vonstudienbegleitenden Praktika besitzt damiteine besondere Relevanz für den Studiengang.c) Die Praxis von Gleichstellungsarbeit unterscheidetsich von der akademisch höchst anspruchsvollenAuseinandersetzung mit demForschungs- und Lehrbereich Gender undDiversität. Die praktische Umsetzung wissenschaftlichkomplexer Zusammenhänge inunterschiedlichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichenFeldern erfordert ausgeprägteTransferkompetenzen.Wissenschaftliche Verankerung und Anschlussfähigkeitfür spätere MasterstudienEs besteht das formale Erfordernis, den Studiengangso aufzubauen, dass damit ein anschließendesMasterstudium in geeigneten Studiengängenermöglicht und optimal vorbereitetwird. Das disziplinäre Spektrum von Soziologieund Sozialwissenschaften ist sowohl theoretischals auch methodisch basal für die Vermittlungund Aneignung der Inhalte der Gender- undDiversityforschung. „Gender and Diversity“ bildetkeine eigene Disziplin, die Genderforschungbesitzt jedoch ein sehr breites interdisziplinäresSpektrum, das sich von den Geistes- und Kulturwissenschaften,der Kunst, den Erziehungswissenschaftenüber die Sozialwissenschaften undin einigen Ansätzen auch über die Medizin, dieNatur- und Ingenieurwissenschaften sowie dieWirtschaftswissenschaften erstreckt. Eine besondereBedeutung in der Theoriebildung sowie inder empirischen Forschung kommt hier den Sozialwissenschaftenund deren angrenzenden disziplinärenFeldern zu. Dies spiegelt sich auch in derAusrichtung der beiden Professuren „Soziologiemit dem Schwerpunkt Genderforschung“ und„Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt Diversitätund Inklusion“ wider.Der Studiengang bietet neben dem wirtschaftswissenschaftlichenStudienschwerpunkt somitein grundständiges Lehrangebot in den soziologisch-sozialwissenschaftlichenBezugsdisziplinen,die sozialwissenschaftliche theoretischeund empirische Grundlagen im Bereich derMethodenausbildung und deren Vertiefungenbeinhalten. Darüber hinaus begegnen fundiertesozialwissenschaftliche Kenntnisse den Anforderungender beruflichen Praxis in den künftigenBerufsfeldern unserer Absolventinnen und Absolventen.InternationalitätDer Bachelorstudiengang „Gender and Diversity“verfügt mit seiner englischsprachigen Umsetzungüber eine besondere Komponente, dieeine Reihe von Möglichkeiten für einen internationalenZuschnitt bietet. In der Durchführung desStudienangebots in englischer Sprache liegenbesondere Chancen, aber auch Herausforderungen.a) Chancen: Das englischsprachige Format bietetinsbesondere die Möglichkeit, eine internationaleinhaltliche Ausrichtung des Studiengangsumzusetzen. Für die Entwicklung grenzüberschreitenderKooperationen mit den Niederlandensind am Standort Kleve sehr gute geographische,aber auch beste wissenschaftlicheMöglichkeiten mit sich in unmittelbarer Nähebefindenden niederländischen Universitätenvorhanden 4 .b) Herausforderungen: Für die Studierenden liegtin der Durchführung der Lehrveranstaltungenin englischer Sprache eine große Chance, aberes besteht dadurch gleichzeitig eine besondereHerausforderung sowohl für die Lehreals auch für das Studium. Da sozialwissenschaftlicheFächer sprachbasiertes Lernen undForschen erfordern, sind begleitende Lehrangebotezur Entwicklung eines adäquaten Umgangsmit dem Englischen als linguistischemBezugsrahmen zu Beginn des Studiums erforderlich.62 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


BeiträgeBachelorstudiengang Gender andDiversity – Hochschule Rhein-Waal KleveProfilDie inhaltliche Profilbildung des Studiengangs„Gender and Diversity“ vertieft folgendeSchwerpunkte:- Work and Organisations- Globalization and Culture- Knowledge Management and TransferZu Beginn des Studiums werden Grundlagenvon gender- und diversitätsbezogenen Inhaltenerworben. Dies umfasst eine breite Einführungin Frauenbewegungen und andere soziale Bewegungenmit Antidiskriminierungsbezug sowie derenBeitrag zum sozialen Wandel. Globalisierungund die Veränderung von Migrationsprozessen,die heute für jede Gesellschaft einflussreich sind,stellen ebenso Phänomene dar, die dabei berücksichtigtwerden, wie die Herausbildung sozialerBewegungen, die Entwicklung von globalisiertenLebensstilen und kulturellen Produkten. Darüberhinaus erwerben die Studierenden Kenntnisseüber ein multiperspektivisches Spektrum theoretischerGrundlagen der Frauen- und Geschlechterforschung,einschließlich konstruktivistischerund dekonstruktivistischer Ansätze sowie unterBerücksichtigung der Männlichkeitsforschungund der Queer Studies. Soziale Ungleichheitund Intersektionalität sozialer Ungleichheitsprozessesind zentrale Inhalte für die Grundlagenvon Gender und Diversity Studies. In denLehrveranstaltungen dieser Lerneinheit werdenGrundlagen sozialer Ungleichheitsforschung sowieinsbesondere auch theoretische Ansätze undempirische Studien gelehrt, die die Mehrdimensionalitätsozialer Ungleichheit berücksichtigen.Work and OrganisationsIntra- und interkulturelleAspekte von Persönlichkeitenmit vielfältigen Differenzierungsmerkmalensind Untersuchungsgegenstanddiesesinterdisziplinär angelegtenStudiengangs. Neben derAnalyse von Geschlechterverhältnissenkonzentriert sich derStudiengang hierbei auf weitere,im sozialen und wirtschaftspolitischenKontext relevante,Diversifizierungsmerkmale, wieAlter, sexuelle Orientierung,Religion und Weltanschauung,Einen Schwerpunkt bildet der ThemenbereichWork and Organisations. Dabei werden Grundlagender Arbeits- und Organisationssoziologieerworben. Dazu zählen Grundlagen zu Arbeitsmarktund Arbeitsmarktsegmentierungen nachGeschlecht, aber für Migrantinnen und Migrantenebenfalls nach Migrationshintergrund.Darüber hinaus werden die Herausbildung vonBerufen und deren Entwicklung in Bezug zuGeschlecht behandelt. Dabei wird auch auf dieZuordnung von Berufen zu Bevölkerungsgruppenmit Migrationshintergrund oder aufgrund derHautfarbe eingegangen. In der Vertiefung wirdauf Organisationen und deren Strukturierungdurch geschlechtsspezifische Zuschreibungen,Zuschreibungen aufgrund von Rassenkonstruktionenund Migrationshintergrund eingegangen.Umfassende Umstrukturierungsprozesse in Arbeitund Arbeitsbeziehungen in Richtung einerzunehmenden Flexibilisierung und eines Einbezugsindividueller Fähigkeiten in den Arbeitsprozess,die für den Post-Fordismus ausgemachtwerden, bis hin zu Prekarisierungsprozessen sindweitere Inhalte in diesem Themenbereich.GlobalizationIn diesem Themengebiet werden Entwicklungenthematisiert, die im Allgemeinen mit Globalisierungin Verbindung gebracht werden.Dazu zählen u. a. die Transformation von Migrationsprozessen,der demographische Wandelhin zu zunehmend alternden Gesellschaften inden postindustriellen Gesellschaften sowie Individualisierungsprozesseund technologischerFortschritt. Sie sind Voraussetzungen für die Veränderungenauch in Formen gesellschaftlicherInklusion. Globalisierungsprozesse manifestierensich darüber hinaus in zunehmenden internationalenBeziehungen in Wirtschaft und Gesellschaftwie auch auf der Ebene politischer Institutionen.Darüber hinaus wird auf internationalepolitische Institutionen und Organisationen, aufdie Veränderungen in den Beziehungen und Verhältnissenzwischen den Regionen des globalenNordens und des globalen Südens eingegangen.Schließlich wird der Wandel sozialer Zugehörigkeitenin den Blick genommen und eine Vertiefungin der Auseinandersetzung mit theoretischenKonzepten gelehrt, die für die begrifflicheErfassung dieser Wandlungsprozesse entwickeltwurden.Sociologyphysische Fähigkeiten oderethnische Zugehörigkeit.Kontakt und InformationHochschule Rhein-Waal |Rhine-Waal University ofApplied SciencesMarie-Curie-Straße 147533 KleveTel.: (02821) 806 73-0Fax: (02821) 806 73-160info@hochschulerhein-waal.destudienberatung@hochschulerhein-waal.deIn den Soziologielehrveranstaltungen erhaltendie Studierenden zunächst basale Kenntnisseder Soziologie und einen Überblick über Theorien,thematische Perspektiven und Methodendes Fachs. Insgesamt beinhaltet das Modul vierTeile. Aufbauend auf Grundlagenveranstaltun-Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 63


Beiträgegen im ersten und zweiten Semester erfolgt eineAusdifferenzierung und Vertiefung in drei spezielleSoziologien: zusätzlich zur Arbeitssoziologiesind dies Bildungssoziologie, Mikrosoziologieund Kultursoziologie. In der Bildungssoziologiewerden schwerpunktmäßig Bildungsprozesseund soziale Ungleichheiten sowie die Bedeutungvon Bildung für den sozialen Wandel inden Blick genommen. Zentral für Gender undDiversity Studies ist die Beschäftigung mit sozialenUngleichheiten, die in ihrer Diversität undIntersektionalität berücksichtigt werden. Eine Intensivierungerfolgt in der Mikrosoziologie. Hierwerden insbesondere Lebensläufe, Biographienund Karrierewege einerseits sowie handlungstheoretischeAnsätze andererseits fokussiert.Eine weitere Vertiefung erfolgt im Bereich derKultursoziologie und der Cultural Studies, diemit einer intensiven theoretischen Auseinandersetzungmit Kulturbegriffen auch die Dimensionmedialer Inszenierungen betrachten.EconomicsNeben den Grundlagen der Volks- und der Betriebswirtschaft,die im ersten Semester gelegtwerden, erfolgen Intensivierungen in den Gebietensoziale Verantwortung und Change Managementsowie Personalentwicklung (HumanRessource Management). Diversity Managementwird als Oberbegriff für Instrumente des Personalmanagementsbegriffen, das Beschäftigtenmit unterschiedlichen Voraussetzungen in einersich wandelnden sozialen Welt und Arbeitsweltgerecht wird. Eine kritische Reflektion von DiverstityManagement ist ebenso Teil des Studiumswie die Auseinandersetzung mit dessenInstrumenten. Eine weitere Vertiefung erfolgt imBereich der Gesundheitsökonomie, die volkswirtschaftlicheAnalysen des Zusammenhangs vonGesundheit, Geschlecht, Migrationshintergrundund Alter im Kontext alternder Gesellschafteneinschließt.Methods of Empirical Social ResearchBasiskenntnisse sowie die Vertiefung und Anwendungqualitativer und quantitativer Methodender empirischen Sozialforschung sindein zentraler Bestandteil des Studiums. DieseKenntnisse bereiten auf die Durchführung einereigenen Forschung im Rahmen der Bachelorarbeitvor. Sie sind grundlegend für die spätereprofessionelle Kompetenz in den Berufsfeldernunserer künftigen Absolventinnen und Absolventen.Sie sichern auch die Anschlussfähigkeitfür ein späteres Masterstudium. Nach einer Einführungin qualitative Forschungsmethoden undderen praktische Anwendung anhand einer Auswahlqualitativer Methoden und Methodologienfolgt ein Modul zu Grundlagen quantitativer Forschung.Ein Vertiefungsmodul bereitet gezielt aufdie Bachelorarbeit vor und beinhaltet empirischeMethoden wie Videorecording and Videoanalyse,Inhaltsanalyse, Narrationsanalyse usw.Experimental ResearchIn der Fakultät Gesellschaft und Ökonomie derHochschule Rhein-Waal werden in den Wirtschaftswissenschaftenzudem experimentelleMethoden gelehrt und es gibt eine technischeAusstattung für diese Art von Forschung. In einemModul erlernen die Studierenden dieseMethoden als eine weitere Vertiefung von Forschungsmethoden.Knowledge Management and TransferIm wissens- und innovationsorientierten Kommunikationszeitalterwird Wissen immer mehr zumentscheidenden Faktor. Wissensmanagement istdie methodische Einflussnahme auf die Wissensbasisvon Organisationen und Unternehmen (organisationalesWissensmanagement) sowie dereigenen Person (individuelles Wissensmanagement).Bei organisationalem Wissensmanagementsollen individuelles Wissen und Fähigkeitensystematisch auf unterschiedlichen Ebenen derOrganisationsstruktur verankert werden. OrganisationalesWissensmanagement kann daher alsintervenierendes Handeln verstanden werden,das auf den Theorien der Organisationssoziologieund des organisationalen Lernens beruhtsowie Praxistransfer und Innovation ermöglicht.In den beiden ersten Studiensemestern umfasstdieser Schwerpunkt basale individuelle Wissenskompetenzenin den Feldern wissenschaftlichesSchreiben, Präsentation und Rhetorik sowieTrainings zu „Gender and Diversity Sensitivity“und „Anti Bias“. Basisveranstaltungen im Mentoringsind so gestaltet, dass die Studierendennach eigenen Erfahrungen zu Studienbeginn alsMentees bereits im zweiten Semester eigeneKompetenzen als MentorInnen erwerben, diesie im Rahmen der Erstsemesterbetreuung fürden jeweils nächsten Jahrgang als ausgebildetestudentische MentorInnen praktisch einsetzenund erproben werden. Vertiefend werden Innovationsmethodender Organisationsentwicklungwie Beratung, Moderation, Supervision und Coachingin Theorie und Anwendung vermittelt. ZumEnde des Studiums enthält der Lehrplan Methodendes Policy Designs und Marketings in denberufsrelevanten Praxisbereichen Gender Mainstreamingund Antidiskriminierung.64 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


BeiträgeProjectZiel der Lehrveranstaltungen ist die Entwicklungund Anwendung wissenschaftlicher Kompetenzen,die notwendig sind, um eine wissenschaftlicheFragestellung eigenständig verstehen undanalysieren zu können. Studierende wählen einThema in einem spezifischen Gebiet aus undbearbeiten es eigenständig. Die Themen könnenstärker anwendungsbezogen oder eher wissenschaftlichsein. Abhängig von der Art des Projektswerden ein Praxisbericht oder eine Hausarbeitzu einem wissenschaftlichen Thema oderForschungsgebiet erstellt. Es wird ebenfalls einePräsentation angefertigt.Internship/Study AbroadDas Praxissemester im Rahmen des Studiums ander Hochschule Rhein-Waal kann auch in Formeines Auslandssemesters absolviert werden. Dieinternationale Ausrichtung der Hochschule wieauch des Studiengangs wird unter anderem aufdiese Weise umgesetzt.Bewerbungen für den zweiten Studierendenjahrgangdes BA „Gender and Diversity“ an derHochschule Rhein-Waal sind für das Wintersemester2013/14 möglich.Prof. Dr. Carola Bauschke-Urban ist Professorinfür Soziologie mit dem Schwerpunkt Genderforschungan der Hochschule Rhein-Waal. Sie istaußerdem Studiengangleiterin des Bachelorstudiengangs„Gender and Diversity“.Prof. Dr. Ingrid Jungwirth ist Professorin für Sozialwissenschaftenmit dem Schwerpunkt Diversitätund Inklusion.Kontakt und InformationProf. Dr. Carola Bauschke-Urbancarola.bauschke-urban@hochschule-rhein-waal.deManuela KleineDas Weiterbildende Studium FrauenStudien an derUniversität BielefeldDas Weiterbildende Studium FrauenStudien hateine fast 25-jährige Tradition und wurde 1988im Zuge der zweiten Frauenbewegung von derFrauenforscherin Ilse Brehmer ins Leben gerufen.Insofern entstanden die FrauenStudien in dem beginnendenöffentlichen Bewusstsein darüber, dassFrauen im mittleren Lebensalter im Vergleich zuMännern geringere Bildungschancen haben undhäufig in ihrem beruflichen Werdegang aufgrundvon Familienpflichten benachteiligt werden. Nacheiner ungesicherten Projekt- und einer sich anschließendenInstitutionalisierungsphase wurde1995 eine Feststellungs- und Studienordnungverabschiedet und das Weiterbildende StudiumFrauenStudien strukturell als fester Bestandteildes Weiterbildungsangebots an der UniversitätBielefeld verankert.Über eine Dauer von drei Jahren bilden sich unsereTeilnehmerinnen in Teilzeit auf universitäremNiveau weiter. Damit setzen die FrauenStudienden Auftrag der Hochschulen um, neben der Forschungund Lehre auch der wissenschaftlichenWeiterbildung einen Platz einzuräumen. Zudemhaben die FrauenStudien die Hochschule für eineZielgruppe geöffnet, die durch ihre langjährige Familienphaseein spezielles, praktisch erworbenesQualifikationsprofil aufweist. Die Studienstrukturist angelehnt an Diplomstrukturen und umfassteine bestimmte Anzahl von Semesterwochenstundenin verschiedenen Bereichen sowie das Erbringenvon Leistungsnachweisen. Die Teilnehmerinnenschließen nach einer erfolgreich bestandenenwissenschaftlichen Abschlussarbeit mit einemZertifikat und dem Titel „Referentin für Frauenfragenmit dem gewählten Schwerpunkt (…)“ ab.Zu den wählbaren Schwerpunkten zählen „PädagogischeBeratung“, „Politik und Bildungsarbeit“sowie „Gesundheit und Umwelt“. Das Zertifikatbescheinigt den Teilnehmerinnen, dass sie sich fürFrauenbildungsarbeit in dem gewählten Schwerpunktqualifiziert haben.Die FrauenStudien stehen Bewerberinnen mitabgeschlossenem Hochschulstudium sowie Bewerberinnenmit abgeschlossener Berufsausbildungin Kombination mit einer mehrjährigenberuflichen oder familiären Tätigkeit offen. DieseGleichsetzung von beruflicher und Familientätigkeitwar zu Beginn des Institutionalisierungsprozessesgeradezu revolutionär und misst derFamilientätigkeit dieselbe Anerkennung bei wieeiner beruflichen. Das Angebot richtet sich insbesonderean Frauen 1 , die sich aufgrund einer zumJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 65


BeiträgeFrauenStudien – Universität Bielefeld1Männer in entsprechendenLebenssituationen sind nichtausgeschlossen und führenFunktionsbezeichnungen inmännlicher Form.2Erschienen in der NeuenWestfälischen in Bielefeld am17.06.2011.3Hierzu zählen die Fakultätfür Erziehungswissenschaft,Soziologie, Psychologie& Sportwissenschaft, dieGesundheitswissenschaftensowie die wissenschaftlichenEinrichtungen IFF (InterdisziplinäreFrauenforschung) und dasZfl (Zentrum für Lehrerbildung;heute: Bielefeld School ofEducation).4Zu nennen sind hier die Fakultätfür Rechtswissenschaft,die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften,die Fakultät fürBiologie, Fakultät für Chemie,Fakultät für Geschichtswissenschaft/PhilosophieundTheologie sowie die Fakultätfür Linguistik und Literaturwissenschaft.Seit April 1988 existieren dieFrauenStudien an der Fakultätfür Erziehungswissenschaft(ehemals Pädagogik) derUniversität als weiterbildendesStudium, in dessen RahmenVeranstaltungen aus zehnFakultäten besucht werdenkönnen.Das WS (WeiterbildendeStudium) FrauenStudieneröffnet den Teilnehmerinnendie Möglichkeit, weiblicheLebenszusammenhänge aufder Basis wissenschaftlicherErklärungsansätze zu reflektierenund neue Perspektiven fürihre individuelle Zukunftsgestaltungzu entwickeln. Dabeiknüpft das Lehrangebot andie besonderen Kenntnisseder Teilnehmerinnen aus ihrenErfahrungen in der Familiensowiein ehrenamtlicher undberuflicher Arbeit an.Lehrveranstaltungen imSommersemester 2013(Auswahl)- Einführung in die FrauenundGeschlechterforschung- Beratungskompetenz undGrundwissen pädagogischeBeratung- Gesundheit und Umwelt- Öffentlichkeitsarbeit- Beziehungs- und Bindungsqualitätin der KindheitKontakt und InformationUrsula Keiperursula.keiper@unibielefeld.deManuela Kleinemanuela.kleine@unibielefeld.deFrau Sonnenburgund Frau Füllerverwaltungsfs@unibielefeld.deTeil langjährigen Familienphase dem Problem einerberuflichen Dequalifizierung gegenüber sehenund sich beruflich orientieren, weiter qualifizierenoder auch für sich klären möchten, ob und, wennja, welches Hochschulstudium für sie in Fragekommt. Dabei zeichnet sich die Teilnehmerinnengruppedurch ihre Heterogenität bezüglich ihresAlters, ihrer familiären Situation und dem breitenSpektrum an erlernten Erstberufen aus. Circa dieHälfte von ihnen ist zudem parallel zur Weiterbildungerwerbstätig. In den letzten Jahren nehmeninsbesondere die Zahl derjenigen mit allgemeinerHochschulreife, mit abgebrochenem oder abgeschlossenemHochschulstudium sowie die Anzahlvon Frauen mit Migrationshintergrund leicht zu.In der Regel haben die Teilnehmerinnen keineVorerfahrungen mit der universitären Lernkulturund beschreiben Ängste im Hinblick auf dieBewältigung der Lernanforderungen sowie ihreSorge hinsichtlich der zeitlichen Vereinbarkeit derWeiterbildung mit ihren Familienpflichten.Hier setzt das Konzept des Weiterbildenden Studiumsan. Der Eintritt in die Wissenschaftskulturkann im Sinne Erdheims (1984) als Initiationverstanden werden, die Angst- und Schamgefühleauslösen kann. Ein großer Teil der (pädagogischen)Arbeit besteht daher darin, Übergänge zugestalten und zu begleiten. Dies geschieht sowohlin frauenstudienspezifischen Begleitseminaren alsauch im Rahmen von individueller Unterstützungund Beratung. In diesem Zusammenhang ist auchdie Propädeutik von Bedeutung. Die Teilnehmerinnenwerden in Begleitseminaren innerhalbfester Bezugsgruppen schrittweise an Wissenschaftund an Techniken wissenschaftlichen Arbeitensherangeführt, sodass Hemmschwellengesenkt werden und die Teilnehmerinnen sich indie Wissenschaftskultur einfinden können. Dabeibilden die universitären wissenschaftlichen Standardsdie Basis der propädeutischen Arbeit, diedie Teilnehmerinnen befähigt, auch in Veranstaltungendes Regelstudiums Leistungen zu erbringen.Die Begleitseminare sowie die Beratung derTeilnehmerinnen schaffen somit einen weicherenÜbergang und bieten Unterstützung hinsichtlichder Enkulturationsprozesse in die Wissenschaft.Dass dies in einer festen Bezugsgruppe geschieht,hat zugleich eine motivierende und stützendeFunktion, die auch in Bezug auf die durch dieWeiterbildung angestoßenen familiären Veränderungsprozesserelevant ist. In einem Zeitungsinterview2 haben Professorin Dr. Katharina Gröningund das damalige Team der FrauenStudien(Dr. Regina Heimann und Dr. Sandra Glammeier)erörtert, was passiert, „Wenn Mama die Tür zumacht“. Die Familie sieht sich mit einer verändertenSituation konfrontiert und muss sich reorganisieren.Während die Mutter zuvor ihre eigenenberuflichen Ziele für die Familie zurückgestellt hat,investiert sie nun einen Teil ihrer Zeitressourcen indie Weiterbildung und damit in ihre eigene Zukunft,was oftmals zu Spannungen und Konfliktlageninnerhalb der Familie führt. Vielfach thematisierenunsere Teilnehmerinnen die mangelndeUnterstützung seitens ihrer Partner, die den Weiterbildungsbestrebungenzum Teil ablehnendgegenüberstehen. Die FrauenStudien reagierenhierauf mit (parteilicher) Einzelberatung, die dieFrauen bestärkt und individuell unterstützt.Dem Aspekt der Vereinbarkeit wird auf strukturellerEbene mit der Teilzeitstruktur und einer individuellenStudiengestaltung begegnet. Die individuelleStudiengestaltung wird durch einen hohenAnteil an frei wählbaren Veranstaltungen und derdamit einhergehenden individuellen Semesterplanunggewährleistet.Darüber hinaus zeichnet sich das Konzept derFrauenStudien durch eine Vielzahl der an ihnenbeteiligten Einrichtungen 3 aus, wobei die Federführungder Fakultät für Erziehungswissenschaftunter der Leitung von Professorin Dr. KatharinaGröning unterliegt. Die genannten Fakultäten undFachbereiche sowie darüber hinaus sechs weitereFakultäten 4 öffnen ihre Bachelorveranstaltungenfür unsere Teilnehmerinnen und ermöglichen ihnendamit, auf ein fächerübergreifendes Lehrangebotzurückgreifen zu können. Auf diese Weiselernen die Teilnehmerinnen die Auseinandersetzungmit verschiedenen disziplinspezifischenPerspektiven auf bestimmte Themen kennen und66 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


Beiträgediese auf der Basis vielfältiger wissenschaftlicherErkenntnisse zu durchleuchten. Dies betrifftzum einen ihren jeweiligen Schwerpunkt undzum anderen die Auseinandersetzung mit Frauen-und Geschlechterfragen sowie weiblichenLebenszusammenhängen. Ein frauenspezifischerFokus kommt sowohl in den Begleitseminaren alsauch in den Pflichtveranstaltungen der jeweiligenSchwerpunktseminare zum Tragen, womit unteranderem eine emanzipatorische Zielsetzung einhergeht.Die kritische Auseinandersetzung mitweiblichen Lebenszusammenhängen erfolgt innerhalbder Begleitseminare anhand von Themenaus der Frauenforschung, aus Theorien über (geschlechtsspezifische)Sozialisationsprozesse, Geschlechterkonstruktionensowie unter strukturellen,politischen und gesellschaftlichen Aspekten.Vermittelt durch verschiedene Veranstaltungenwerden außerdem die während der Familienphasepraktisch erworbenen Kompetenzen der Teilnehmerinnenmit Hilfe theoretischer Erkenntnisse untermauertund reflektiert, sodass sie für beruflicheBereiche nutzbar gemacht werden können. Auchsieht die Studienordnung ein Praktikum sowie einStudienprojekt vor, welche sowohl der Verknüpfungvon Theorie und Praxis dienen als auch anmögliche zukünftige Berufsfelder heranführen.Zum Konzept zählt des Weiteren eine aufsuchendeÖffentlichkeitsarbeit, die innerhalb des universitärenRaums durchaus innovativ ist. UnsererErfahrung nach orientieren sich unsere Adressatinnenaufgrund ihres Habitus in der Regel nichtvon sich aus in Richtung universitärer Angebote.Erst durch eine zugehende und breit angelegteÖffentlichkeitsarbeit 5 ist es möglich, die Frauenin ihrer Lebenswelt zu erreichen. Zu nennen ist indiesem Zusammenhang auch der Förderverein derFrauenStudien, der ebenfalls Vernetzungs- undÖffentlichkeitsarbeit leistet. Zusätzlich wurde eineInteressensvertretung gegründet, die aus jeweilsvier gewählten Teilnehmerinnen jedes Jahrgangsbesteht. Die Interessensvertretung kann Vollversammlungeneinberufen und fungiert als Sprachrohr,indem sie die Interessen der Teilnehmerinnensowohl gegenüber dem Team der FrauenStudienals auch gegenüber dem Förderverein artikuliertund vertritt.Die Studienordnung und die an Diplomstudiengängeangelehnte Studienstruktur des WSFrauenStudien bestehen seit nunmehr knapp 20Jahren und es ist Zeit, sie den gesellschaftlichenVeränderungen und insbesondere der damit verbundenenUmgestaltung der Studiengänge in Bachelor-/Masterstrukturenanzupassen. Dies ist insbesonderevor dem Hintergrund eines Übergangsder Teilnehmerinnen der FrauenStudien in einRegelstudium von hoher Relevanz. Auch nehmendie Teilnehmerinnen im Zuge dieser Umstrukturierungsprozesseund des Auslaufens der Diplomstudiengängeeinen zunehmenden Sonderstatus imHinblick auf das Erbringen von Studienleistungenein. Die im Zuge der Modularisierung geplanteStrukturanpassung bedeutet einen Wandel vonSchwerpunkten auf Profile und Module sowie eineUmstellung von Leistungsnachweisen auf Punktevergabesysteme.Hierdurch wird eine bessere Vergleichbarkeitvon Studienleistungen erreicht, dieim Rahmen der FrauenStudien erbracht werden,mit denen, die Studierende der Bachelorstudiengängenachweisen müssen. Folglich können dannbereits erbrachte Leistungen bei einem Wechsel inein Regelstudium angerechnet werden. Dies senktHemmschwellen und Barrieren.Über die Modularisierung hinaus setzen wiruns dafür ein, dass die FrauenStudien als Aufstiegsfortbildung6 anerkannt werden, wodurchdie derzeitige Barriere der Absolvierung vonZugangsprüfungen 7 für Personen ohne allgemeineHochschulreife abgebaut werden würde.Vor allem vor dem Hintergrund, dass unsereAbsolventinnen über einen Zeitraum von sechsSemestern Veranstaltungen aus den regulärenBachelorveranstaltungen der Hochschule besuchtund innerhalb dieser Studienleistungen erbrachthaben sowie mit ihrer Abschlussarbeit beweisenkonnten, dass sie sich innerhalb einer begrenztenBearbeitungszeit auf der Grundlage wissenschaftlicherErkenntnisse mit einem Thema auseinandersetzenund dieses reflektieren können, habensie aus Sicht der FrauenStudien ihre Studieneignungnachweisen können. Zugangsprüfungen alsNachweis der Studieneignung für ein Regelstudiumsind daher in diesem Kontext nicht haltbar.Des Weiteren ist es uns ein Anliegen, dass dieAltersbegrenzung in NC beschränkten Studiengängenvon derzeit 55 Jahren aufgehoben wird.Um sich den aktuellen Anforderung eines sichwandelnden Arbeitsmarktes mit zunehmenderakademischer Konkurrenz, eingebracht durchdie jüngeren Generationen, zu stellen, benötigenauch ältere ArbeitnehmerInnen vergleichbareQualifikationen, um nicht aus dem Arbeitsmarktgedrängt zu werden.Aus Sicht der FrauenStudien ist es unerlässlich,diese Prozesse im Sinne einer Schaffung erweiterterBildungszugänge und Professionalisierungweiter voranzutreiben. Diese Themen wurdenunter anderem 2011 am Öffentlichkeitstag derFrauenStudien im letzten Jahr ausführlich mit derNRW-Landesministerin Svenja Schulze (NRW Landesministeriumfür Innovation, Wissenschaft undForschung) während einer Podiumsdiskussion undin einem weiteren Gesprächstermin erörtert. Wiedie Ministerin betonte, begrüßt und unterstütztdas Ministerium die Initiative der FrauenStudienin Bielefeld.5Unsere Öffentlichkeitsarbeitumfasst die regelmäßigePräsenz in (Tages-)Zeitungen,Informationsveranstaltungenin Volkshochschulen und beiBerufs- und Weiterbildungsbörsen,die breite Verteilungvon Flyern in verschiedenenInstitutionen wie zumBeispiel Schulen, Kindergärtenoder Arztpraxen sowie dieVernetzung mit Gleichstellungsstellen.6Nach §2 BBHZVO (Berufsbildungshochschulzugangsverordnung)(z. B. unter sechsals sonstige vergleichbarelandesrechtlich geregelteFortbildung).7Gefordert sind dazu je nachStudienfach eine schriftlicheund eine mündliche Prüfung imHauptfach sowie eine mündlichePrüfung im Nebenfach.Diese soll sich am Abiturniveauausrichten.Kontakt und InformationDipl.-Päd. Manuela KleineErziehungswissenschaftlerinWeiterbildendes StudiumFrauenStudienFakultät für ErziehungswissenschaftUniversität BielefeldUniversitätsstraße 2533615 BielefeldTel.: (0521) 106 3135manuela.kleine@unibielefeld.deJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 67


BeiträgeThea Jacobs, Svenja SpyraInterdisziplinarität in der wissenschaftlichen Praxis – Anspruchund Wirklichkeit1Zur aktuellen Debatte vgl.Kahlert 2005, Hark 2005 unddas Diskussionspapier derInitiative „Institutionelle Zukunftund Nachwuchs“ in derFachgesellschaft Geschlechterstudien.2Als Methode zur Erhebungunseres Analysematerialswählten wir das DiskursiveInterview nach Ralf Bohnsack.An der Grounded Theory orientiertnutzten wir die Deutungsmusteranalysenach CarstenUllrich, um herauszufiltern,inwiefern die bestehendenArbeitsstrukturen der Professurmit den beschriebenenInterdisziplinaritätsansprüchenübereinstimmen.3Es werden in diesem Artikelkeine detaillierten Angabenüber die Professur gemacht,um die Anonymität des_derProfessor_in zu wahren.Die feministische Frauenforschung, aus der sichdie Gender Studies entwickelt haben, hatte vonBeginn an einen interdisziplinären Anspruch, daFrauen- oder Geschlechterthematiken sich nierein disziplinär fassen lassen, wie schon GiselaBock während der Berliner Sommeruniversität1976 formuliert hat: „Eine Frauenwissenschaftmuss interdisziplinär sein: denn eine einzelneWissenschaft reicht nicht aus, unsere Fragen zubeantworten“ (Bock zitiert in Knapp/Landweer1995: 6).Mittlerweile haben sich die Gender Studies alseigenständiges Fach an den Universitäten etabliert.Im Rahmen dieses Prozesses der Etablierungin einer Institution, in der zwar zunehmendInterdisziplinarität eingefordert wird, die abernach wie vor stark disziplinär strukturiert ist, stelltsich die Frage nach Inter- und Transdisziplinaritätder Gender Studies noch einmal neu. Sollen dieGender Studies als eigenständiges Fach weiterausgebaut oder sollen sie als Teilgebiet innerhalbvon Disziplinen stärker etabliert werden? 1 Undsoll Interdisziplinarität „nur“ ein zentraler Anspruchder Frauen- und Geschlechterforschungsein? Oder gilt es, ein Interdisziplinaritätspostulataufzustellen? Einiges spricht dafür. DennInterdisziplinarität wird in der gegenwärtigenDebatte um die Zukunft der Hochschule allgemein„als Zeichen für Innovation, Fortschritt undkritische Erneuerung des Wissenschaftssystems“(Kahlert 2005: 29) angesehen. Damit könnte dieGeschlechterforschung Vorbild für andere Fächersein oder sogar eine Vorreiterinnenfunktion einnehmen.Einige Geschlechterforscher_innen haben dieserpositiven Sicht auf Inter- und Transdisziplinaritätin den Gender Studies aber auch kritische Anmerkungenan die Seite gestellt. So halten es Knapp/Landweer für problematisch, dass Interdisziplinaritäthäufig als „Klammeretikett“ Verwendungfinde, ohne dass inhaltlich definiert werde, wasdie Interdisziplinarität ausmache (vgl. Knapp/Landweer 1995: 11). Sabine Hark merkt an, dasseine Unklarheit bestehe, was Inter- und Transdisziplinaritätbedeute, da keine Einigkeit bezüglichder Terminologie vorherrsche (vgl. Hark 2005:368).Wir orientieren uns in unserer Analyse an derInterdisziplinaritätsdefinition von Heike Kahlert,die Gibbons u. a. in ihren Ausführungen folgt undschreibt: „Interdisziplinarität hingegen umfasstdas integrationsorientierte Zusammenwirken vonmindestens zwei (Teil-)Disziplinen und ist damitmehr als additiv oder akkumulativ. InterdisziplinäreArbeit formuliert explizit eine uniformedisziplinübergreifende Terminologie oder einegemeinsame Methodologie. Interdisziplinäre Kooperationbesteht aus der Arbeit an verschiedenenThemen, aber in einem gemeinsamen Rahmen,der von den beteiligten Disziplinen geteiltwird“ (Kahlert 2005: 32).Auffällig ist, dass bislang wenig empirische Untersuchungenzum Alltag von Professor_innenvorliegen, die diesem Interdisziplinaritätsanspruchgerecht werden wollen oder sollen. ZurMinderung dieser Forschungslücke möchten wirin unserem Artikel einen kleinen Beitrag leisten.Anhand einer Fallstudie, die im Rahmen einesSeminars zu Inter- und Transdisziplinarität an derUniversität Bielefeld (MA Gender Studies) entstandenist, 2 wollen wir der Frage nachgehen, oboder wie der_die interviewte Professor_in interdisziplinärarbeitet, welche Herausforderungendabei bestehen, welche Chancen und Schwierigkeitenin der praktischen Umsetzung auftauchenund ob die Professur dem Interdisziplinaritätsanspruchder Frauen- und Geschlechterforschunggerecht wird. Konkret geht es um eine interdisziplinäreProfessur mit Genderteildenomination. 3Zu den Aufgabenbereichen der Professur gehörenForschung, Lehre und kollegiale Beratung zu gendersensiblenFragestellungen. Explizite Aufgabedieser Professur ist es, mit allen Fächern derHochschule zu kooperieren. Sie soll genderspezifischeThematiken in die Curricula der verschiedenenDisziplinen einarbeiten bzw. die Lehrendenzu diesem Thema beraten. Der Fokus unsererAnalyse liegt im Folgenden auf den BereichenLehre und hochschulinterner Zusammenarbeit.Alltag und Widersprüche einer interdisziplinärenProfessurIm Folgenden setzen wir uns zunächst mit derFrage auseinander, wie sich der Alltag einer interdisziplinärenProfessur gestaltet und welche Widersprüchedurch die disziplinäre Eingliederung indie vorhandenen Hochschulstrukturen bestehen.Im darauf folgenden Abschnitt werden wir auf dieForschung und hochschulinterne Zusammenar-68 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


Beiträgebeit eingehen. Anschließend beschreiben wir denindividuellen Einsatz und die Anforderungen andie Professur. Am Ende unserer Arbeit stellen wirunsere Gedanken zu Chancen und Lösungsmöglichkeitenvor, wie interdisziplinäre Arbeit an derHochschule gelingen kann.HochschulstrukturenObwohl Interdisziplinarität in der Hochschulreformdiskussioneinen hohen Stellenwert erfährt,bestehen Schwierigkeiten bei der Institutionalisierunginterdisziplinärer Professuren (vgl. Kahlert2005). Hierauf weisen u. a. Knapp/Landweer(1995) hin. Interdisziplinarität sei eng verknüpftmit der Frage der Institutionalisierung von FrauenundGeschlechterforschung, was wiederum mitder Frage verbunden sei, „wo Frauenforschungsprofessurenangegliedert werden und wie genausie denominiert werden sollen“ (Knapp/Landweer1995: 22). Die Umsetzung, Bewältigung und Organisationdieser Vorgaben bleibt jedoch deneinzelnen Menschen überlassen (vgl. Hark 2005:370). Ein zentrales Problem liegt darin begründet,dass interdisziplinäre Professuren derzeit disziplinärverankert werden müssen, um finanziert undberufen werden zu können. Das gilt auch für dievon uns befragte Professur.Im Gespräch wird deutlich, dass die von uns interviewtePerson die interdisziplinäre Ausrichtungder Professur als Trugschluss empfindet. Es gebederzeit keine Strukturen für interdisziplinäre Professuren:„[...] [I]ch soll interdisziplinär arbeiten,tu es auch, aber es entsteht durch diese fehlendeStruktur immer so etwas wie ein undefinierter,formaler Raum.“ Zum einen bleiben derArbeitsbereich und die Zuständigkeiten unklar(beispielsweise bei der Gremienarbeit). Zum anderenentstehen durch die formal disziplinäre Angliederungan eine Fakultät Schwierigkeiten, dadies eine Einschränkung der Kapazitäten für Forschungund Lehre der betroffenen Disziplin mitsich bringt. Dies wiederum führt in dem von unsuntersuchten Beispiel dazu, dass schwierige kollegialeVerhältnisse entstehen und die Professurin ihrer Interdisziplinarität eine geringe Akzeptanzfindet. Im Alltag muss sich diese Professurstetig legitimieren und um ihre Akzeptanz sowieihre Arbeitsbedingungen kämpfen.Diese Unklarheiten und Schwierigkeiten scheinenfür interdisziplinäre Professuren im Bereichder Gender Studies symptomatisch zu sein.So schreibt Sabine Hark, dass die als „Querschnittsprofessuren“(2005: 368) bezeichneteninterdisziplinären Professuren häufig wenigmit inter- und/oder transdisziplinärem Denkengemein hätten. An unserem Beispiel wird deutlich,dass dies weniger an der Bereitschaft oderKomparatistik, Interkulturalität,Intermedialität und Gender Studies –Universität PaderbornInterkulturalität, Intermedialitätund Gender Studies. Diessind die Schwerpunkte deskonsekutiven MasterstudiengangsKomparatistik, der seitdem Wintersemester 2002/03an der Universität Paderbornangeboten wird und dessenZiel es ist, Einblicke in Prozessekultureller Sinnstiftungenüber Literatur und anderemediale Präsentationsformenzu vermitteln.Der viersemestrige, „hybride“Masterstudiengang Komparatistik,der Kenntnisse ausden Bereichen der Einzelphilologienvoraussetzt sowie dieim BA-Studium erworbenenKenntnisse sowohl theoretischals auch berufsbezogenerweitert und vertieft, setztsich mit Prozessen kulturellerSinnstiftungen in der Literaturund anderen medialenPräsentationsformen wieKunst, Film, Musik, Theateretc. auseinander, überschreitetnationale Grenzziehungenund widmet sich explizit derVergleichbarkeit „nationalerDenkungsarten“ zum Beispielauf der Basis verschiedenerLiteraturen.Kontakt und InformationProf. Dr. Claudia ÖhlschlägerTel.: (05251) 60-3212claudia.oehlschlaeger@upb.demasterkomparatistik@unipaderborn.deden interdisziplinären Wissensbeständen derGeschlechterforscher_innen liegt, als vielmehrin den institutionellen Strukturen der interdisziplinärenProfessur begründet ist. „[M]ein Fazit“,so die von uns interviewte Professur, „für ne interdisziplinäreProfessur braucht es eine interdisziplinäreStruktur in der jeweiligen Institution.“Nicht nur in Universitäten gäbe es immer noch„relativ abgeschottete Wissenschaftskulturen“mit sehr differenten Denk-, Sprach- und Verständnistraditionen.Dies macht es schwierig, ininterdisziplinären Kontexten eine gemeinsameTerminologie zu entwickeln. Sabine Hark verweistin ihren Ausführungen zur Interdisziplinarität aufdie heterogene Zusammensetzung und die damiteinhergehenden Anforderungen, den „[i]ntellektuellwie institutionell unterschiedlich ausgereiftenwissenschaftlichen Kulturen“ (Hark 2005:370) gerecht zu werden.In diesem Kontext bekommt die vorhandene Zeiteinen besonderen Stellenwert. Da interdisziplinäreArbeit immer mit einem Mehraufwand verbundenist, wird Zeit zu einer zentralen Ressource.Wenn diese nicht strukturell zur Verfügung gestelltwird, gerät die Bereitschaft zum interdisziplinärenArbeiten leicht zu Selbstausbeutungund Überforderung. Hinzu kommt, dass interdisziplinäreProfessor_innen „in der Regel materiellschlecht oder gar nicht ausgerüstet“ (ebd. 368)seien. Mit diesem Umstand geht zudem einher,dass „[e]ine immer größer und diverser werdendeworkload [...] von immer weniger Personalund unter Bedingungen knapper Ressourcen bewältigtwerden [soll]“ (ebd. 369). Weiter habeninterdisziplinäre Professor_innen einen Mehraufwandan institutionellen, alltäglichen organisatorischenTätigkeiten zu bewältigen, wie etwa eineJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 69


BeiträgeKompaktstudiengang Soziale Arbeit für Frauen neben der Familientätigkeit –Katholische Fachhochschule NRW, Abteilung AachenStudienorganisationSeit vielen Jahren gibt es an derAbteilung Aachen der KatholischenHochschule NRW den bundesweit einzigenfamilienkompatiblen Studiengang„Soziale Arbeit für Frauen neben derFamilientätigkeit“.Die Studienorganisation konzentriertsich auf vier Elemente:Hierzu gehören zunächst die Präsenzphasen,die während des Semestersjeweils freitags und samstags zwischen9:00 und 17:30 Uhr in den Räumen derKatHO NRW, Abteilung Aachen, stattfinden.Hinzu kommen das Eigenstudiumsowie die regionalen Studiengruppen inWohnortnähe.Studienvoraussetzung ist die Fachhochschulreifebzw. allgemeine Hochschulreife,ein berufsqualifizierenderAbschluss als Erzieherin oder in derKranken-, Alten- und Heilerziehungspflege.Bewerben können sich alle, dieKinder haben und sich ehrenamtlichengagieren.Das Studium schließt mit dem HochschulabschlussBachelor of Arts (B. A.)ab. Es handelt sich hierbei um einenersten berufsqualifizierenden undinternational anerkannten Hochschulabschlussin einem mehrstufigenStudienmodell. Die Regelstudienzeitbeträgt sechs Semester. Nach erfolgreichemAbschluss wird die staatlicheAnerkennung als Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin B. A. verliehen. Der Bachelorabschlussstellt die Voraussetzungfür den viersemestrigen konsekutivenMasterstudiengang „Soziale Arbeit“dar, der in Aachen mit den Vertiefungsgebieten„Bildung und Integration“oder „Klinisch-therapeutische SozialeArbeit“ angeboten wird.Inhalte des StudiengangesIn der Sozialen Arbeit geht es darum,sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzenund Bedingungen für einselbstbestimmtes, menschenwürdigesLeben zu schaffen. Damit übernehmendie Fachkräfte der Sozialen Arbeit eineMitverantwortung für die sozialen, politischen,wirtschaftlichen und kulturellenBedingungen unserer Gesellschaft undfür deren Veränderung. So gestaltenSozialarbeiterInnen/SozialpädagogInnenFreiheits- und Handlungsräumefür den Menschen in einem gerechtenGemeinwesen.Der Studiengang knüpft an die beruflichen,familiären und ehrenamtlichenErfahrungen an, die die Teilnehmerinnenmitbringen. Er macht diese für dieberufliche Qualifikation und persönlicheEntwicklung der Frauen nutzbar.Zudem erwerben die Frauen durch dasStudienangebot fundierte fachliche undpersönliche Kompetenzen.Ziele des Studiengangs sind- sich umfassende wissenschaftlichfundierte, berufsorientierte KenntnisseSozialer Arbeit anzueignen,- soziale Probleme als Gegenstand derSozialen Arbeit präzise zu beschreiben,differenziert zu analysieren undwirksame Handlungskonsequenzenaufzuzeigen,- situationsabhängige Konzepte fürkonkrete Aufgaben der SozialenArbeit auf der Basis allgemeinerTheorien entwickeln zu können,- ein didaktisch-methodisches Repertoirefür die konkrete Arbeit mit Klientinnenund Klienten zu erwerben,- in der Lage zu sein, soziale Problemeund Aufgaben mit Methoden wissenschaftlicherForschung zu durchdringenund angemessene Konsequenzendaraus zu ziehen,- fähig zu sein, die spirituellen undethisch-normativen Aspekte der SozialenArbeit aus einer eigenen Positionheraus zu erkennen und mitzugestalten.Kontakt und InformationDer Studiengang beginnt jährlichjeweils zum Wintersemester. Die Bewerbungsfristfür das Wintersemester endetjeweils zum 31. März des jeweiligenJahres.StudiengangsleitungProf. Dr. Marianne Genenger-Strickerm.genenger-stricker@katho-nrw.deWeitere InformationenStudiengangskoordinatorinNina Hatsikas-SchroederMaster of Social Workn.schroeder@katho-nrw.de„doppelte Anzahl an Sitzungsterminen oder dieNotwendigkeit, mit mehr als einer Fakultät oderFachbereichsverwaltung und ihren organisatorischenAbläufen umzugehen“ (ebd. 370). Auch indem von uns geführten Interview wird dies nachdrücklichsichtbar. „Aber eine interdisziplinäreProfessur, noch dazu in dem Bereich, die Tausendsassain allen Dingen, wo irgendwie Gender vorkommt,sein soll, das is‘n Unding. Man zerreißtsich. Ich merk‘ es schon. Ich zerreiß‘ mich auch.Aber ich bin ja so jemand, der_die sich auch immergern ordentlich was auf die Schultern packt –noch, noch krieg‘ ich es hin.“Forschung und hochschulinterne Zusammenarbeit„[I]ch mach viele Projekte“, kommentiert der_dievon uns befragte Professor_in die Einbindung inForschungsvorhaben. „Wenn das eine jetzt nochkommt, habe ich fünf Projekte, fünf! Im Momentbin ich hier [zieht eine Linie über dem Kopf], weil,die sind unterschiedlich arbeitsintensiv, das eineweniger, aber es ist jetzt ein ganz neues dazu gekommen,wo der Genderaspekt mit gewünschtist. Das hab ich mit unserem Vizepräsidenten fürForschung unter anderem mit eingereicht. Das istein ganz interdisziplinäres Forschungsprojekt.“Das Einflechten einer Geschlechterkomponentein Forschungsprojekte wird insbesondere von Seitender Hochschulleitung gewünscht und gefordert.Dies geht zu Lasten des_der Professor_in,der_die dadurch stark beansprucht wird. Auf deranderen Seite scheitern Forschungsanträge zuinterdisziplinären Projekten häufig aufgrund derverschiedenen Denk-, Sprach- und Verständnistraditionen.Deutlich wird dies beispielsweise innaturwissenschaftlich orientierten Forschungsdesigns,da in diesen in der Regel nicht sozialwissenschaftlichargumentiert werden kann. Hierwird noch einmal die Wirkmächtigkeit disziplinärerBarrieren deutlich.70 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


BeiträgeHochschulintern gehört es zum Aufgabenbereichder Professur, Kolleg_innen zu genderspezifischenThematiken der jeweiligen Disziplin zuberaten und diesen beim Einarbeiten in ihre Curriculabehilflich zu sein. Letzteres lässt sich nurschwerlich realisieren, da es von Kolleg_innenunerwünscht, zur (Re-)Akkreditierung von Studiengängenjedoch notwendig ist. „Ich stelle nurfest, dass das ganze leider eine ziemliche Luftnummerist. Die kollegiale Beratung findet, dadurch,dass sie freiwillig ist, so gut wie gar nichtstatt. [...] [W]enn die in ‘ner Akkreditierungsphasesind, dann kommen die auch schon mal ganzgerne, dann berat‘ ich den ein oder anderen auchschon mal seinem Modul entsprechend. Das läuftdann immer so darauf hinaus, dass ich es für dieLeute mache oder machen soll.“ Offen bleibedann, ob die Beratung zur Aufnahme von Genderthematikenin die (Re-)Akkreditierungsanträgeführe.Die Ablehnung der Beratungsangebote lassesich, so der_die Professor_in, auf Annahmen zurückführen,die mit den Vorstellungen und Vorurteilengegenüber Genderforscher_innen einhergehen.Im Alltag gerinnt die Zusammenarbeit mitKolleg_innen deshalb häufig zum „Marketing“.„Das heißt: viel Klinkenputzen gehen am Anfang,um zu sagen: Leute ich tu euch nix, aber ich kanneuch jede Menge bringen.“ Daran ist paradox,dass mit Geschlechterforschung einerseits einekritische Wissenschaftsbetrachtung einhergeht,aber andererseits die eigene Arbeit immer wiederneu legitimiert werden muss.Gleichzeitig gibt es einen Bereich, in dem der_dieInterviewte Anerkennung und Wertschätzungerfährt: in der Lehre. Anderen Lehrenden widerstrebtdie Veränderung der eigenen Lehrinhaltejedoch, die aufgrund überarbeiteter Curriculanotwendig werden, da dies als Angriff auf die eigeneArbeit bzw. die eigenen Fähigkeiten wahrgenommenwird.Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass esnicht nur um die Umsetzung der vorgegebenenAnforderungen geht, sondern persönlicher Einsatzfür die stärkere Beachtung von Genderthematikenausschlaggebend ist. Wie im Folgendenzu sehen sein wird, kompensiert dieses persönlicheEngagement vor allem die fehlenden interdisziplinäreninstitutionellen Strukturen.Individueller Einsatz und Anforderungen andie ProfessurIn unserer Untersuchung wurde deutlich, dassfür den Erfolg interdisziplinärer Arbeit sowohlpersönliches Engagement als auch bestimmteEigenschaften maßgeblich sind. Das heißt, dassbeispielsweise auf informeller Ebene die Offenheitder eigenen Persönlichkeit gegenüber anderenPersonen und/oder Themen von zentralerBedeutung ist. Dies kann z. B. bedeuten, dass eseine Rolle spielt, wie sehr sich eine Person für dieeigenen Themen und Anliegen engagiert und wieausgeprägt die Fähigkeit ist, anderen Personendie eigenen Inhalte verständlich zu machen bzw.die Verknüpfungspunkte zu deren Thematik(en)zu erläutern, ohne die fachliche Kompetenz ebendieser in Frage zu stellen. Zudem spielt es eineRolle, wie hoch die Bereitschaft ist, einen zeitlichenMehraufwand zu leisten, da dies häufigzu Lasten der eigenen Forschung und Lehre oderder Freizeit geht. Als relevant erscheint die Fähigkeit,mit anderen Menschen in einen gelingendenAustausch zu treten sowie Meinungenauszuhalten und annehmen zu können, die dereigenen Überzeugung widersprechen, ohne dabeiablehnend zu wirken. Das kann als Chancezur Förderung interdisziplinärer Zusammenarbeitbetrachtet werden. Unseres Erachtens kann derfeministische und/oder gesellschaftskritische Anspruchder Frauen- und Geschlechterforschungbestehen, auch wenn Kritik konstruktiv geäußertwird, wobei eine feministische Kritik dort möglicherweisean Grenzen stößt.Der_die Interviewte wird häufig damit konfrontiert,Überzeugungsarbeit leisten zu müssen undKolleg_innen sowie Lehrenden mögliche Ängste(beispielsweise Berührungs- und Versagensängsteim Umgang mit Genderthematiken im Kontextdes eigenen Forschungs- oder Arbeitsfeldes oderdie Angst vor der Auseinandersetzung mit der eigenenGeschlechtlichkeit) zu nehmen. In unseremInterview wird ersichtlich, dass es förderlich ist,Inhalte der Frauen- und Geschlechterforschungfür fachfremde Wissenschaftler_innen anregendund interessant zu gestalten, um deren Interessezu wecken, aus der eigenen fachlichen Perspektivefür Geschlechterthemen sensibilisiert zu seinoder zu werden. Darüber hinaus braucht der_dieProfessor_in ein „dickes Fell“, um die Wichtigkeitder eigenen Inhalte gegenüber bestehendendisziplinären Strukturen und damit verbundenenVorbehalten zu vertreten. Hier sind ein hohesMaß an Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl undFrustrationstoleranz gefragt, um aufkeimendeund bestehende Konfliktsituationen auszuhaltenund ggf. gewinnbringend umzugestalten.Dies wurde ebenfalls im Interview deutlich.Der_die Professor_in baut so etwas wie „trojanischePferde“, um die eigenen Thematiken, diedurchaus eine kritische Perspektive einnehmenkönnen, trotzdem einbringen zu können und bestehendeStrukturen zu verändern, wie folgendesZitat verdeutlicht: „Ich hab‘ auch gemerkt, dasses den Lehrenden extrem viel gebracht hat. [Und]die auch gemerkt haben, ach, [der_die] kann jaJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 71


Beiträgenicht nur was mit Geschlecht, da hat‘s dann beidem ein oder ander‘n ‚Klick‘ gemacht, die danngesagt ham‘, könnten Sie vielleicht dazu auchwas sagen, könnten Sie da mal zu uns kommen?[...] [A]ber sie wissen, wenn [der_die Professor_in] kommt sagt [er_sie] auch noch mal was zudem Thema [Gender]. Und sie merken: Das stecktüberall drin und das ist die Message.“Neben den persönlichen Fähigkeiten bestehenweiterhin formale Zwänge, die die Anforderungenan die Professur bestimmen, denn: „[Ü]berallwo Gender draufsteht soll [der_die Professor_in]beteiligt sein.“ Dies ist in der Stellenbeschreibungähnlich formuliert, es fehlt dafür aber anKapazitäten. Zudem wird daran deutlich, dasser_sie Verantwortung für Aufgaben zugeschobenbekommt, für die er_sie eigentlich beratend zurSeite stehen soll. Auf die Problematik der schlechtenAusstattung der interdisziplinären Professurverweist auch Sabine Hark, wie eingangs beschrieben.Der_die Professor_in soll, so ist es vonder Hochschulleitung vorgesehen, in nicht unbeträchtlichemAusmaß in Instituten genderspezifischeFragestellungen in (Forschungs-)Projekteeinarbeiten und/oder mit bearbeiten. Im Laufeder Tätigkeit wurde der Aufgabenbereich der Professurdahingehend umstrukturiert. Das hatte zurFolge, dass der interdisziplinären Professur, wiebereits aus dem Zitat im Punkt Hochschulstrukturendeutlich hervorgeht, eine „Tausendsassa-Position“ zuteilwurde, die mit zu viel Verantwortlichkeitfür eine Person alleine einhergeht.Die Person, die die Professur innehat, macht imInterview deutlich, dass dies eine sehr belastendeSituation sei, die von einem Menschen alleinkaum bewältigt werden könne, da neben derForschungsarbeit noch weitere Tätigkeiten, wieBeratung und Lehre an verschiedenen Fakultätenund Standorten, zu den Aufgaben der Professurgehören. Die „Tausendsassa-Position“ kann unseresErachtens für Professuren mit Gender(teil)denomination verallgemeinert werden, da diese,so konnten wir beobachten, sowohl für hochschulinterneals auch für hochschulexterne Anfragenjeglicher Art mit Genderbezug verantwortlichgemacht werden.An dieser Stelle sei noch einmal auf die von SabineHark formulierte „immer größer und diverserwerdende workload“ hingewiesen, welche mitweniger Personal und knapperen Ressourcen bewältigtwerden müsse (Hark 2005: 369).Weiter sind Professuren im Bereich der FrauenundGeschlechterforschung damit konfrontiert,dass die eigene Fachlichkeit permanent verteidigtwerden muss. In der interdisziplinären Zusammenarbeit,so wurde in unserem Interviewerkennbar, treffen häufig gesellschaftliche Diskurseüber Geschlechtlichkeit, also Alltagswissen,und wissenschaftliches Wissen, also Fachwissen,aufeinander. Problematisch wird dies, wenn Forschungspartner_innensich aufgrund der eigenenGeschlechtlichkeit und des damit verbundenenAlltagswissens für ebenso kompetent bezüglichder zu erarbeitenden Thematiken halten wie dieGeschlechterforscher_innen.Die Etablierung von Theorien und Themen derFrauen- und Geschlechterforschung in verschiedeneDisziplinen wird durch den Anwendungsbezugder Bachelorstudiengänge noch zusätzlicherschwert. Wie in dem von uns geführten Interviewdeutlich wurde, ist es eine Anforderungdes Bachelor- und Mastersystems, in dem derBachelor vor allem einen berufsqualifizierendenAbschluss darstellt, dass beispielsweise Geschlechterverhältnisseweniger theoretisch, sondernvor allem exemplarisch und praxisorientiertin die Lernziele der jeweiligen Veranstaltung aufgenommenwerden müssen. Dies ist notwendig,da ein Nutzen für die berufliche Qualifikation derStudierenden erkennbar sein muss. Es stellt weitereAnforderungen an die Lehrenden sowie eineHürde für die Implementierung eines Genderbezugsin die eigenen Lehrinhalte dar (beispielsweiseaus naturwissenschaftlichen oder technischenFächern, aber auch sozial- und gesundheitsbezogenenFächern).Fazit: Gedanken zu Chancen und LösungsmöglichkeitenInterdisziplinarität wird zwar allgemein als Kennzeichenfür Innovation und Fortschritt angesehen,bleibt jedoch ein „Klammeretikett“ (Knapp/Landweer) oder auch eine leere Hülse. Die Ergebnisseunserer Analyse decken sich mit den inder Literatur aufzufindenden Aussagen. Im Alltageiner interdisziplinären Geschlechterprofessurbleibt die Unklarheit bestehen, was Inter- undTransdisziplinarität überhaupt bedeutet. Hiersehen wir einen Ansatzpunkt für weiterführendeForschung, um bestehende Wissensbeständeüber Trans- und Interdisziplinarität im Hochschulkontextzu erheben und bestehende Deutungsmustersowie damit verbundene Wissens(re)produktionzu analysieren.Die Bedingungen, interdisziplinär zu arbeiten,sind nach wie vor schlecht. Die bereitgestelltenmateriellen und zeitlichen Ressourcen reichen beiWeiten nicht aus, um den ständig steigenden Ansprüchenan interdisziplinäre Genderprofessurengerecht zu werden. Zudem wurde deutlich, dassdie bestehenden Anforderungen und Struktureneine hohe Belastung mit sich bringen, die kaumzu bewältigen ist. Ein für uns wesentlicher Faktorsind die betriebswirtschaftlichen Parameter unddie damit verbundenen (Rechtfertigungs-)Pflich-72 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


BeiträgeGestu_S: Zentrum Gender Studies Siegen –Universität Siegenten für öffentliche Finanzierung, da der Markt alsstrukturierendes Prinzip für die Ausrichtung vonForschung und Lehre fungiert und Hochschulesich immer mehr zu einem Unternehmen mitwirtschaftlicher Orientierung wandelt (vgl. Hark2005: 376).Interdisziplinarität kommt in der Hochschulreformdiskussionein hoher Stellenwert zu, wobeidiese unseres Erachtens häufig nur als Alleinstellungsmerkmaloder Zeichen für besondereInnovationskraft bei interdisziplinären Professurenangeführt wird. Daher kann die im Rahmenunserer Forschungsarbeit untersuchte interdisziplinäreProfessur als pseudointerdisziplinärbezeichnet werden, folgt man der eingangs vonuns präferierten Definition von Interdisziplinarität.Dies gilt für die strukturellen Rahmenbedingungen,da der_die Professor_in durch Engagementund persönliche Eigenschaften die sichtbargewordenen Leerstellen ausgleichen kann undso Interdisziplinarität herstellt. Somit hängt diesemit individuellen Fähigkeiten zusammen undnicht mit den Strukturen, was zu einer unverhältnismäßighohen Mehrbelastung der jeweiligenPerson führt. Diesen Umstand gilt es zu ändern,wenn Interdisziplinarität nicht nur als „Klammeretikett“mit negativen Auswirkungen auf den_die Professor_in zum Tragen kommen soll.Um die besondere Innovationskraft von Interdisziplinaritätqualitativ festzuschreiben, plädierenwir für den Auf- und Ausbau interdisziplinärerStrukturen in der Hochschullandschaft. Dies kannin Form von Netzwerkarbeit geschehen, um zumeinen interdisziplinäre Zusammenarbeit zu stärkenund um zum anderen zu mehr Einigkeit zu gelangen,wie Interdisziplinarität verstanden wird.Es könnte so beispielsweise eine disziplinenübergreifendeTerminologie entstehen. Zudem solltefür Interdisziplinarität bereits im Studium sensibilisiertwerden, z. B. in Form von interdisziplinärerProjektarbeit als Bestandteil der Hochschulausbildung(vgl. Maihofer 2005). Weiter halten wires für einen guten Ansatz, Lehre interdisziplinärzu strukturieren, etwa durch Einheiten, die vonLehrenden verschiedener Fächer gemeinsam gestaltetwerden. Außerdem erscheint es notwendig,bereits im Studium Konzepte der Inter- undTransdisziplinarität sowie die damit verbundenenChancen und Schwierigkeiten zu erlernen.Ebenfalls sollte im Studium interdisziplinäreWissenschaftskommunikation gelehrt werden,beispielsweise durch das Kennenlernen andererFächer und deren Terminologie, was außerdemzu einer Erhöhung der Anerkennung für das Fachsowie dessen Relevanz beiträgt. Das „Studiumgenerale“ könnte aus diesem Grund weiter ausgebautund der Besuch von (mehr) fachfremdenLehrangeboten verpflichtend gemacht werden.Das Zentrum für GenderStudies verfolgt das Ziel, Lehreund Forschung im BereichGender fachbereichsübergreifendzu etablieren. Durch dastransdisziplinäre Lehrangeboterhalten die Studierendender Universität eine ProfilundSchwerpunktbildung ineinem akademisch, beruflichund gesellschaftlich relevantenBereich. Es besteht dieMöglichkeit, zwei Zertifikateim Bereich Gender Studieszu erwerben. Zudem wird imWintersemester jeweils einefachbereichsübergreifendeRingvorlesung veranstaltet.Das Zentrum unterstützt darüberhinaus die Vernetzung vonForschenden sowie Lehrendenund ist Mitglied in der FachgesellschaftGeschlechterstudien/Gender Studies Association.VorstandProf. Dr. Joseph ImordeProf. Dr. Bärbel KuhnProf. Dr. Petra MoogProf. Dr. Susanne RegenerJProf. Dr. Gregor SchuhenProf. Dr. Klaudia WitteDr. des. Claudia MüllerMicha WesterholtAnne PlochMarisa RitterJanine WolskiProjekte- Innovative Arbeitsgruppenkonzeptezur Integration vonInformatik und beruflicherSelbstständigkeit für jungeFrauen (Verbundprojekt derUniversitäten Siegen undFlensburg)- Lohnende Investition? ZumGleichstellungspotenzialvon Sozialinvestition undAktivierungAnschriftDr. Uta FenskeZentrum Gender StudiesSiegenHölderlinstraße 357068 SiegenTel.: (0271) 740 4553gender@uni-siegen.deNatürlich sind wir uns bewusst, dass dies nichtzwangsläufig zu einer Verbesserung der interdisziplinärenZusammenarbeit führen muss, dahierfür Voraussetzungen wie Aufgeschlossenheit,Toleranz und Reflexionsfähigkeit notwendig sind.Allerdings müsste dazu mehr Raum und Zeit imStudium zur Verfügung gestellt werden. Aus eigenerErfahrung können wir sagen, dass es einenMehraufwand bedeutet und Bereitschaft sowieEngagement erfordert, interdisziplinäres Arbeitenzu erlernen.Durch interdisziplinäre Wissensaneignung undWissensproduktion in bzw. durch die FrauenundGeschlechterforschung können sich bestehende(geschlechtliche) Deutungshorizonteverschieben. Dadurch wäre ein Wandel in dergeschlechtlichen Segregation im Wissenschaftssystemdenkbar.Eine Wunschvorstellung unsererseits wäre dieEinrichtung von interdisziplinären Lehrstühlenmit mehreren Mitarbeiter_innen und/oderProfessor_innen aus diversen Fächern, sodassvielfältige Perspektiven auf Fragestellungen derFrauen- und Geschlechterforschung zustandekommen und gemeinsam erarbeitet werden können.Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 73


BeiträgeKontakt und InformationThea Jacobstheajacobs@posteo.deSvenja Spyramail@svenja-spyra.deLiteratur- Bohnsack, Ralf (1999): Rekonstruktive Sozialforschung.Einführung in Methodologie undPraxis qualitativer Forschung.- Hark, Sabine (2005): Dissidente Partizipation.- Kahlert, Heike (2005): Wissenschaftsentwicklungdurch Inter- und Transdisziplinarität: Positionender Frauen und Geschlechterforschung.In: Heike Kahlert, Barbara Thiessen & Ines Weller(Hrsg.): Quer denken – Strukturen verändern,S. 23–60.- Knapp, Gudrun-Axeli/Landweer, Hilge (1995):„Interdisziplinarität“ in der Frauenforschung:Ein Dialog. In: L‘Homme. Zeitschrift für FeministischeGeschichtswissenschaft. Jg. 6 Heft 2.Wien – Köln – Weimar. S. 6–38.- Maihofer, Andrea (2005): Inter-, Trans- undPostdisziplinarität. Ein Plädoyer wider die Ernüchterung.In: Heike Kahlert, Barbara Thiessen& Ines Weller (Hrsg.): Quer denken – Strukturenverändern, S. 185–202.- Ullrich, Carsten (1999): Deutungsmusteranalyseund diskursives Interview. Leitfadenkonstruktion,Interviewführung und Typenbildung.Arbeitspapiere – Mannheimer Zentrum für SozialforschungNr. 3. Mannheim.74 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


TagungsberichteTagungsberichteElisabeth Grabner-Niel, Ilona Pache, Tanja Rietmann, Birgitta WredeKonferenz der Einrichtungen für Frauen- undGeschlechterstudien im deutschsprachigen Raum (KEG)Tagungsbericht zur 11. Arbeitstagung der KEG vom 14. bis 15.02.2013 in FrankfurtVon links: Dr. Brigitta Wrede, Elisabeth Grabner-Niel, Dr. Tanja RietmannDie diesjährige Arbeitstagung der KEG bot einstark nachgefragtes Forum zur Erörterung inhaltlichund hochschulpolitisch brisanter Entwicklungenin den Gender Studies. In Frankfurt am Maintrafen sich vom 14. bis 15.02.2013 mehr als 70Geschlechterforscher_innen zu einem qualifiziertenErfahrungsaustausch zwischen den institutionalisiertenEinrichtungen im deutschsprachigenRaum. Hier wurde eine diagnostische Sicht aufTrends und Fallen der Hochschulentwicklungermöglicht und dazu beigetragen, Formen undStrategien der Institutionalisierung zu reflektierenund weiterzuentwickeln.In den Arbeitsgruppen der Tagung wurden insbesonderefolgende Themen in den Blick genommen:- Entwicklung der Studiengänge- Herausgeben, begutachten & publizieren – ZurBedeutung von peer-review Journals in dendeutschsprachigen Gender Studies- Gender-Graduiertenkollegs- Bedingungen für Gender und Queer StudiesDie AG „Entwicklung der Studiengänge“ startetemit Beiträgen aus Österreich und der Schweiz, indenen die Entwicklung der Gender Studies vordem Hintergrund länderspezifisch unterschiedlicherinstitutioneller Rahmenbedingungen bilanziertwurde. In einem weiteren Vortrag wurdenerste Erfahrungen mit dem GENDER PRO MINT-Zertifikat an der TU Berlin vorgestellt. Der vierteBeitrag fokussierte Erfahrungen mit der Reakkreditierungim Vergleich zu der Erstakkreditierungan der Universität Göttingen.Elisabeth Grabner-Niel von der Universität Innsbruck,Geschäftsbereich Gender Studies, blickteauf mehr als zehn Jahre Institutionalisierung derGender Studies in Österreich zurück. Nach einerbis in die 1980er Jahre zurückreichenden Vorgeschichtewurde 2002 mit dem Universitätsgesetzan allen österreichischen Universitäten die „Einrichtungeiner Organisationseinheit zur Koordinationder Aufgaben der Gleichstellung, der Frauenförderungsowie der Geschlechterforschung“implementiert. Diese gesetzliche Vorgabe wurdeim Rahmen der universitären Autonomie in deneinzelnen Hochschulen strukturell heterogenumgesetzt. Die institutionelle Einbindung reichtvon der Zuordnung zum Vizerektorat für Personal,Personalentwicklung und Gleichstellung (UniGraz) bis zur Zuordnung zur Stabsstelle GenderJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 75


TagungsberichteMainstreaming (Uni Wien). Mit dem Universitätsgesetzgeht die Stärkung der gesetzlich verankertenSichtbarkeit der Gender Studies einher.Auf die Genderlehre wird im narrativen Teil dervom Wissenschaftsministerium eingefordertenWissensbilanzen eingegangen. In der zwischenjeder Uni und dem Wissenschaftsministeriumabzuschließenden Leistungsvereinbarung ist dieGenderlehre ebenfalls ein Berichtspunkt. Parallelzu diesen Instrumenten, die die Sichtbarkeit stützen,haben sich die Koordinationsstellen, die sichhalbjährlich treffen, in der Genderplattform vernetzt.Hier hat sich die Anzahl der Einrichtungenerhöht, die 2000 vorhandenen sieben Einrichtungensind 2012 auf 22 angewachsen. Dabeisind große Unterschiede in der Ausrichtung undden Aufgabenbereichen festzustellen. Die Aufgabenreichen von Frauenförderung über GenderMainstreaming bis zu Gender Studies. In derZusammenschau lässt sich sagen, dass die gesetzlicheVerankerung einerseits die Absicherungder Gender Studies stärkt, weil die Universitätsleitungenauch im Vergleich untereinander demGesetz gemäße Leistungen vorweisen müssen.Andererseits strukturiert die gesetzliche Vorgabedie von der Uni eingeforderten Berichtspflichten,ohne dass Gestaltungsmöglichkeiten hinsichtlichder Vorgaben möglich sind. Lediglich im Rahmender Vernetzung auf der Genderplattform ist imKontakt mit dem Ministerium die Möglichkeitvorhanden, Einfluss zu nehmen.Tanja Rietmann von der Universität Bern, InterdisziplinäresZentrum für Geschlechterforschung,bilanzierte die Institutionalisierung der GenderStudies an Schweizer Universitäten. In derSchweiz bewilligte der Bund 2004 das Projekt„Netzwerk Gender Studies Schweiz“, um an denschweizerischen Universitäten Gender Studiesnachhaltig in Forschung und Lehre zu etablierenund in diesem Zusammenhang ein abgestimmtes,gesamtschweizerisches Studienangebot inGender Studies auf BA- und MA-Stufe auf- undauszubauen. Student_innen können sich heutein einem gesamtschweizerischen elektronischenVeranstaltungsverzeichnis (www.gendercampus.ch)über das Genderstudienangebot in derSchweiz informieren und sich auf diese Weise einteilweise individuelles Studienangebot zusammenstellen.Das Projekt wurde zwei Mal verlängertund wird 2016 definitiv auslaufen. Ziel ist es,dass nach 2016 die Programme im Rahmen derregulären Universitätsbudgets durchgeführt werdenkönnen. In welchem Umfang die Sicherstellungan den verschiedenen Standorten mit denjeweils unterschiedlichen Ausgangsbedingungenerreicht werden kann, ist noch nicht abzusehen.Im Jahr 2012 waren acht Universitäten am Projektbeteiligt (Basel, Bern, Fribourg, Genève, Lausanne,Neuchâtel, St. Gallen und Zürich) sowiedas IHEID (Hochschulinstitut für internationaleStudien und Entwicklung), die die Errichtungvon Professuren, Assistenzprofessuren, (Ober-)Assistenzen sowie die Gründung von Zentren fürGender Studies und die Graduiertenausbildungin verschiedenen Graduiertenkollegien erreichthatten. Seit 2010 werden zudem ein Visiting ProfessorProgramme und eine Swiss InternationalSummer School in Gender Studies angeboten.Im dritten Beitrag berichtete Bärbel Mauss vomZentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschungder TU Berlin über GENDERPRO MINT, ein Studienangebot für Student_innenund Promovend_innen der Natur-, Technik-und Planungswissenschaften sowie der Informatikund Mathematik (MINT). Das Studiumumfasst 30 ECTS und wird mit einem Zertifikatabgeschlossen. Ziel des Studienangebots ist dieVermittlung fundierter Genderkompetenzen inder Fokussierung auf die Studieninhalte der Teilnehmer_innenund auf die praktische Umsetzungdes erworbenen Genderwissens in Fachstudienprojekten.Das erste Programmsemester zeigteine hohe Nachfrage sowie großes Interesse derStudent_innen an der kritischen Reflexion dernatur- und technikwissenschaftlichen Studieninhalteaus Genderperspektive. Die MINT-Student_innen sind sehr motiviert, sich mit gendertheoretischenFragestellungen und Herangehensweisenauseinanderzusetzen. Sie erwarten von der Beschäftigungmit Genderinhalten und -Methodeninsbesondere eine Methodologie zur kulturellenund gesellschaftlichen Kontextualisierung vonMINT und damit zur Innovation in den Studienfeldern.Bei GENDER PRO MINT umfassen GenderkompetenzenKenntnisse der Gendertheorienund der Ansätze im Feld Gender and STS (ScienceTechnology & Society) sowie die Fähigkeit, diesesWissen in praktischen Projekten in der Verbindungmit Fachstudieninhalten umzusetzen.Im vierten Beitrag thematisierte Helga Hauenschildvon der Koordinationsstelle Geschlechterforschungder Universität Göttingen die Reakkreditierungvon Studiengängen. Am Beispieldes Studiengangs Geschlechterforschung ander Universität Göttingen stellte sie den Verfahrensablauf(Beratung, Vertrag, Antragstellung,Vorprüfung, Begehung, Bericht an die Hochschule,Entscheidung und Übersendung des Bescheidsggf. mit Auflagen an die Hochschule) und die Kriterien(u. a. Studiengangkonzept, Studierbarkeit,Prüfungssystem, Ausstattung) dar. Sie berichtete,dass aufgrund der Systemakkreditierung der BAGender Studies mit anderen Fächern als der MAGender Studies reakkreditiert wurde. Die Erstakkreditierungwar in Göttingen mit der Auflageverbunden gewesen, eine Genderprofessur76 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


Tagungsberichteeinzurichten. Dies ist ein Beispiel dafür, dass dieAkkreditierung als ein Verfahren der Qualitätssicherungmit eigenen Qualitätsstandards die Absicherungder Studiengänge stützen kann, dennbei der Reakkreditierung wurde die Umsetzungder Auflage geprüft. Ein angenehmer Unterschiedzur Erstakkreditierung, die Prüfungscharakterhatte, war der dialogischere und entspanntereUmgang bei der Reakkreditierung.In der Diskussion gab es mehrfach Verweise aufQualitätsstandards, die durch nationale Förderprogramme,Akkreditierungsagenturen, Evaluationssatzungender Universitäten usw. laufendan die Gender Studies herangetragen werden.Dabei blieb die Frage offen, welche Qualität dieGender Studies wollen, ob diese sich von den ansie herangetragenen Vorstellungen unterscheidetund welche Spielräume es gibt, eigene Standardszu formulieren, zu etablieren und weiterzuentwickeln.Die AG „Herausgeben, begutachten & publizieren– Zur Bedeutung von peer-review Journalsin den deutschsprachigen Gender Studies“wurde moderiert von Prof. Dr. Elke Gramespacher(PH FHNW Brugg, Schweiz), Dr. Beate Kortendiek(Universität Duisburg-Essen), Prof. Dr. HeikeKahlert sowie von Miriam von Maydell (Lektorindes Verlags Barbara Budrich). Damit waren dieRedaktionen der „Freiburger Zeitschrift für GeschlechterStudien“sowie von „GENDER. Zeitschriftfür Geschlecht, Kultur und Gesellschaft“(je: Verlag Barbara Budrich) gut vertreten undinformierten als Einstieg über ihre Redaktionsarbeit.Dabei standen insbesondere der Umgangmit und die Relevanz dieser sowie weitererpeer-reviewten Journale im deutschsprachigenRaum im Vordergrund. Deutlich gemacht wurde,dass die Begutachtung von Originalbeiträgenim Doppel-Blind-Verfahren (peer-review) schonlange zum Standard der Redaktionsarbeit einschlägigerFachzeitschriften der Gender Studiesgehört. Allerdings ergeben sich für peer-review-Verfahren in den Gender Studies besondereHerausforderungen, die in dieser Arbeitsgruppepräsentiert und kritisch reflektiert wurden.Darüber hinaus wurden die Anforderungen anFachzeitschriften der Gender Studies gemeinsamerörtert. Auch wenn nicht alle Redaktionen genderwissenschaftlicherFachzeitschriften vertretenwaren, konnten sich potenzielle Autor_innen undGutachtende der Gender Studies hier einen sehrinformierten Überblick über Publikationsmöglichkeitenin den einschlägigen Journalen verschaffen.Zudem wurde eine Initiative für ein Netzwerkprojektvorgestellt, das ein Repositorium fürdie Geschlechterforschung aufbauen will. Hiersoll ein virtueller Ort für Forschungsergebnisseder Geschlechterforschung geschaffen werden.Der Schwerpunkt soll dabei auf Sekundärveröffentlichungenbereits publizierter Texte liegen,könnte aber auch Primärveröffentlichungen(z. B. Erstveröffentlichung von Qualifikationsarbeiten)und andere Textsorten (z. B. graue Literatur)umfassen. Durch sinnvolle Indizierung sollenForschungsergebnisse der neuen und älteren Geschlechterforschungfrei (im Sinne von Open Access)(wieder) verfügbar gemacht werden. Da einsolches Projekt nur gelingen kann, wenn es voneinem breiten Netzwerk von Forschenden undLehrenden, von Zentren, Archiven und Bibliothekengetragen wird, fordern die Initiatorinnen ausdrücklichalle Interessent_innen zur Mitwirkungund Unterstützung auf. Für Rückfragen wendenSie sich bitte an: anita.runge@fu-berlin.de.In der Arbeitsgruppe „Gender-Graduiertenkollegs“wurden drei Kollegs aus Österreich,Deutschland und der Schweiz vorgestellt. AnnaBöcker und Barbara Kraml sprachen über dasInitiativkolleg „Gender, Violence, Agency in theEra of Globalization“ (Universität Wien), RomanGeorge über das Promotionskolleg „Geschlechterverhältnisseim Spannungsfeld von Arbeit,Organisation und Demokratie“ (Philipps UniversitätMarburg) und Tanja Rietmann über dasDoktoratsprogramm Gender Studies des InterdisziplinärenZentrums für Geschlechterforschung(Universität Bern).Die Rednerinnen und der Redner gingen vertieftvor allem auf Organisationsstruktur und Programmgestaltungder Kollegs ein. Hierbei undin der abschließenden Diskussion mit dem Publikumzeigte sich als gemeinsames Fazit, dasssich ein erfolgreiches Graduiertenkolleg in verschiedenenPunkten von Ausbildungsangebotenauf BA- oder MA-Stufe unterscheidet, respektiveunterscheiden sollte. Für einen befriedigendenund fruchtbaren wissenschaftlichen Austauschmüssen die Doktorand_innen bei der Programmgestaltungmitsprechen können, sodass die behandeltenInhalte möglichst passgenau auf dieDissertationsprojekte zugeschnitten sind. Einezu verschulte Struktur widerspricht der Anforderungan die selbständige wissenschaftliche Forschungsleistung.Auch zeigen die Erfahrungen,dass es wichtig ist, sich innerhalb eines Graduiertenkollegsüber eine gemeinsame Diskussionskulturzu verständigen (Stichwort Interdisziplinarität)und frühzeitig gegenseitige Erwartungenzwischen der Leitung sowie den Teilnehmendenzu klären. Grundsätzlich wird die Möglichkeit,im Rahmen eines Graduiertenkollegs zu promovieren,als äußerst wertvoll erfahren, um sich infachlichen, arbeitstechnischen und persönlichenBelangen austauschen und weiterentwickeln zukönnen und um Soft Skills zu erwerben.Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 77


TagungsberichteAuf dem Plenum am Freitag wurde zunächst vonKirstin Mertlitsch die neu gegründete ÖsterreichischeGesellschaft für Geschlechterforschung/Gender Studies Association ÖGGF vorgestellt(www.oeggf.at). Ein detaillierter Bericht dazu istzu finden unter: www.uibk.ac.at/geschlechterforschung/news.Die Gründungsversammlung fandam 23.11.2012 mit der Wahl des Vorstandes ander Universität Salzburg statt. Eine erste Tagungist für den 5. bis 7.12.2013 an der UniversitätWien geplant. Die dauerhafte Einbindung derKo-Stellen/Zentren in die Vereinsstruktur ist dabeigroßes Anliegen, die Finanzierung noch abzuklären.Helga Hauenschild von der UniversitätGöttingen gab eine Schilderung der Evaluierungder Geschlechterforschung in Niedersachsen. DieGender Studies wurden dabei nicht als Disziplin,sondern als Querschnittsgebiet eingeordnet,die Evaluierungskategorien schienen jedoch aufDisziplinen ausgerichtet. Als Vorgehen wurde einauf einer Selbstevaluation von 18 staatlichenHochschulen in Niedersachsen basierendes Verfahrenmit selektiven Anhörungen gewählt. DieBerichte der einzelnen Hochschulen waren voneiner sehr heterogenen Qualität. Ein Ergebnisdieser Evaluierung ist eine nun verstärkte interneDiskussion an einzelnen Hochschulen über dieFörderung und Etablierung von Gender Studiessowie die Forderung nach einer besserenAusstattung der Gender Studies. Die WissenschaftlicheKommission Niedersachsen (WKN)hat mittlerweile den Bericht zur Geschlechterforschungin Niedersachsen übergeben. Erist hier zu finden: www.wk.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=19796&article_id=72409&_psmand=155. Von der seit einemJahr tätigen Koordinationsstelle Gender Studiesder Universität Vechta berichtete Sabine Bohneüber ein großes EU-Projekt, das über das 7. EU-Rahmenprogramm gefördert wird und dessenZiel die Stärkung von Gleichstellungsmaßnahmensowie die Verankerung der Gender Studies ist.Als gemeinsames Thema von KEG und FachgesellschaftGeschlechterstudien/Gender Studies Associationwurden schließlich unter dem Stichwort‚Exzellenz‘, Institution und Kritik – Bedingungenfür Gender und Queer Studies reformulieren!,ausgehend von Erfahrungen an unterschiedlichenStandorten, die verschiedenen Rahmenbedingungenvon Gender und Queer Studies wiez. B. Exzellenzinitiative, Gleichstellungsprogrammeauf Länderebene, Hochschulpolitiken beleuchtetsowie deren spezifische Wirkungsweisevor Ort im Speziellen und im Hinblick auf möglicheverallgemeinerbare Wirkungsweisen diskutiert.So berichteten Susanne Völker und Dirk Schulzvom GeStiK der Universität zu Köln, dass durchBeschluss des Senats der Universität zu Köln2012 mit GeStiK (Gender Studies in Köln) einefakultätsübergreifende, hochschulweite Einrichtungfür Gender und Queer Studies gegründetworden ist, die zwar an der Universität zu Kölnangesiedelt ist, sich jedoch gerade durch denKooperationsverbund mit Wissenschaftler_innenanderer Kölner Hochschulen (Sporthochschule,Kunsthochschule für Medien, Hochschule für Musikund Tanz, Fachhochschule Köln) auszeichnet.Diese mit Blick auf die langjährigen und vielfältigenGeschlechterforschungen an der Universitätzu Köln und im Vergleich zu anderen Hochschulensehr späte Gründung ereignete sich unterspezifischen, aber – so wurde vermutet – zumindestdeutschlandweit veränderten hochschulpolitischenBedingungen: Gleichstellungspolitikavanciert stärker zum hochschulpolitischen Maßstab;Geschlechterforschung soll – so zumindestpostuliert in den Gleichstellungsstandards derDFG – ein Qualitätskriterium für eine angemessenkomplexe Wissenschaft sein; Gender ist generellGegenstand von Exzellenzinitiativen undsomit Hebel zur Akquisition von Drittmitteln.Gleichzeitig droht jedoch Geschlechterforschunggeschwächt zu werden, weil sie unter dem Labeldes Querschnittthemas allzu oft gerade nichtsubstanziell und systematisch in Forschung verankertwird und weil inter- und transdisziplinäreGenderforschung häufig aller Postulate zumTrotz durch das Raster disziplinär geprägterFörderpraktiken fällt. Durch die Konstrukte vonExzellenz und besonderer Förderungswürdigkeitwächst zudem die Gefahr, grundständige Leistungenvon Zentren zu entwerten. Zu beobachtenbleibt, was diese Gemengelage für die Chancenund Gefahren einer inter- und transdisziplinärenGeschlechterforschung bedeutet, die die Kritikder zweigeschlechtlichen Ordnung und derHeteronormativität zum Ausgangspunkt nimmtsowie langfristig Grundlagen der Gender undQueer Studies abzusichern sucht. Vertreter_innenanderer Einrichtungen kontrastierten diese Etablierungsgeschichte.So berichtete Gabi Jähnertvon den Entwicklungen der ZTG der HU Berlin,Gregor Schuhen und Uta Fenske von denen amZentrum Gender Studies Siegen (Gestu_S).Neben den schon oben beschriebenen Entwicklungenbleibt das Verhältnis zwischen der Absicherungund Verstetigung von Grundlagen sowieder Förderung kurzfristiger Surplus-Projekte zubeobachten. Hier stellt sich auch die Frage einergemeinsamen bzw. kooperierenden Strategiezur Absicherung grundständiger Geschlechterstudienstrukturen(so z. B. durch Geschlechterforschungsnetzwerke,Kooperationen der Vertreter_innenmehrerer Hochschulen). Abschließendwurde die Diskussion auf die mögliche Formu-78 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


Tagungsberichtelierung eigener Kriterien für die Evaluation vonGeschlechterforschungseinrichtungen gerichtet.Hier stellte sich insbesondere die Frage, wie „eigene“Institutionen, beispielsweise die FachgesellschaftGeschlechterstudien, mögliche Evaluationsprozessebeeinflussen oder sogar steuernkönnen.Mit Blick auf die nächste Jahrestagung der KEG2014 wurden als mögliche Themen festgehalten:- Entwicklung der Studiengänge, Austausch zurEntwicklung der Masterstudiengänge, der Berufsfelderund dem Verbleib der Absolvent_innen- Graduiertenkollegs- Didaktik – Best Practice-Beispiele (z. B. Tandem-Lehre)- Evaluierungskriterien für Zentren – wie mit denZumutungen umgehen, sich immer neu zu profilieren?Welche eigenen Kriterien und welcheeigenen Qualitätsanforderungen haben wir inder Geschlechterforschung? Umgang mit Konkurrenz/Synergienvon Angeboten an unterschiedlichenStandorten- Verbindung KEG – nationale interdisziplinäreund disziplinäre Fachgesellschaften: Interessenkonstellationen,Kooperationen, Vernetzung,Bündnispartnerschaften, Schnittstellen- Herausforderung durch den Trend bzw. die Anforderungen,Diversity ins Themenspektrum derZentren aufzunehmen- Verankerung von Gender Studies in ForschungsundFrauenförderprogrammen an verschiedenenHochschulen- Dauerhafte Finanzierung der Gender Studies/Geschlechterforschung, insbesondere im Zusammenhangmit „Exzellenz“- Normalisierung und Professionalisierung in denGender Studies; Verhältnis von „relativem Gradder Normalisierung“ und immer neuen Gefährdungenz. B. beim Auslaufen von StellenInitiativen zur Ausgestaltung dieser oder andererAGs sind herzlich willkommen! Bezüglich Ortund Zeitpunkt der KEG 2014 wurde wieder dieKoppelung mit der Tagung der FachgesellschaftGeschlechterstudien (eventuell auch eine länderübergreifendeFachtagung) ins Auge gefasst.Als Sprecherinnen der KEG wurden (wieder)gewählt:- Dr. Birgitta Wrede (Interdisziplinäres Zentrumfür Frauen- und Geschlechterforschung (IFF),Universität Bielefeld): birgitta.wrede@uni-bielefeld.de- Dr. Ilona Pache (Zentrum für transdisziplinäreGeschlechterstudien (ZtG), Humboldt-Universitätzu Berlin): ilona.pache@gender.hu-berlin.de- Dr. Tanja Rietmann (Interdisziplinäres Zentrumfür Geschlechterforschung (IZFG), UniversitätBern): tanja.rietmann@izfg.unibe.ch- Mag. Elisabeth Grabner-Niel (GeschäftsbereichGender Studies, Universität Innsbruck): elisabeth.grabner-niel@uibk.ac.atKEG im Internet: www.genderkonferenz.eu. Hiergibt es auch die Möglichkeit, sich in die Mailinglisteder KEG einzutragen.Kontakt und InformationDr. Birgitta Wredebirgitta.wrede@unibielefeld.deJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 79


TagungsberichteKirsten Heusgen, Dorothee Koch, Sigrid Metz-Göckel, Christina Möller,Ramona Schürmann, Petra SelentOptimale Bedingungen für Wissenschaftskarrieren? –Arbeits- und lebensweltliche Einflussfaktoren auf denAusstieg aus und den Verbleib in der WissenschaftBericht über die Fachtagung des Forschungsprojekts „Auf der Suche nach dem verlorenenNachwuchs – Mobilität und Drop-Out der wissenschaftlich Beschäftigten“ (Kurzform: MobileDrop-Outs) am 17. und 18.01.2013 an der TU DortmundVon links: Kirsten Heusgen, Dr. Ramona Schürmann, Balbine Marschall von Bieberstein-Herder, Christina Möller, Prof. Dr. Sigrid Metz-Göckel, Petra Selent, Dr. Anke Burkhardt,Dr. Dorothee Koch, Prof. Dr. Andrzej Górak und Svenja ÜingModerierte Gesprächsrunde; von links: Dr. Daniel Keßler, Martina Stackelbeck, Antonia Kühn,Brigitte Göbbels-Dreyling, Dr. Thomas Grünewald und Svenja ÜingWissenschaftliche Karrieren und die Integration inwissenschaftliche Fach-Communities vollziehensich in spezifischen arbeits- und lebensweltlichenKontexten. Als relevante Kriterien gelten hoheLeistungsfähigkeit, zeitliche Verfügbarkeit, Mobilitätsbereitschaftund die Akzeptanz langjährigungesicherter Beschäftigung. Wissenschaftler/innen mit einem gleichberechtigten Partner/innenschaftsverständnistreffen vor allem als Elternauf das Erbe eines Karrieremodells, in dem dieMänner von familiärer Sorgearbeit weitgehendbefreit waren und diese allein den Frauen überlassenblieb. Damit ist ein Konfliktpotenzial zwischenarbeits- und lebensweltlichen Kontextenbenannt, das vor allem den Ausstieg von Wissenschaftlerinnenaus Universität und Wissenschaftbegründen kann.Optimale Bedingungen für Wissenschaftskarrieren?wurde als Tagungstitel mit einem Fragezeichenversehen, da sich eine verschärfende Diskrepanzzwischen den angebotenen Stellen unddem sich qualifizierenden und qualifizierten wissenschaftlichenPersonal abzeichnet, wie dies imzweiten Bundesbericht zum wissenschaftlichenNachwuchs belegt wird. Auf der Tagung wurdenErgebnisse des Projekts „Mobile Drop-Outs“zur Diskussion gestellt, das erstmalig die in einemJahr, hier 2009, aus dem wissenschaftlichenPersonal Ausgeschiedenen genauer analysierthat. Die Datenbasis haben 18 Universitäten zurVerfügung gestellt. Als „mobile Drop-Outs“ werdensie deshalb bezeichnet, weil die Verfolgungder weiteren Lebenswege (über eine Online-Befragung und Interviews) eine große Vielfaltund unterschiedliche Mobilitäten ermittelt hat.Diskutiert wurden die Spannung zwischen denBeschäftigungsverhältnissen sowie den persönlichenKarriereorientierungen und -ambitionen,die Folgen der wissenschaftlichen Integration derFrauen und die subjektiven bzw. lebensweltlichenVorstellungen derjenigen, die im Wissenschaftssystemverblieben, und derjenigen, die ausgeschiedensind.Tatsächlich liegen bisher wenig zuverlässige Datendarüber vor, welche Einflussfaktoren tatsächlichzum langfristigen Verbleib in der Universitätoder zum Ausstieg aus der Wissenschaft führen.Insbesondere fehlen Erkenntnisse, wie viele Personenaus welchen Gründen die Universitätenverlassen haben, welche beruflichen Alternativensie gewählt haben und wie zufrieden die „Aussteiger/innen“mit ihrer Entscheidung sind.80 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


TagungsberichteNeben der Präsentation der Projektergebnisserundeten Vorträge und Diskussionen von und mitExpert/inn/en aus der Hochschul- und Geschlechterforschungsowie der Hochschulpolitik das Programmab.Die Tagung wurde von Prof. Dr. Andrzej Górak,Prorektor für Forschung der TU Dortmund, undFrau Balbine Marschall von Bieberstein-Herdervom Bundesministerium für Bildung und Forschungeröffnet.In ihrem Einführungsvortrag „Prekarisierungals biographische Verunsicherung und Mobilitätberuflicher Karrieren – einige kritische Fragen“fokussierte Prof. Dr. Sigrid Metz-Göckel die Auswirkungender Beschäftigungssituation auf denLebenszusammenhang der jungen Wissenschaftler/innen.Während die Drop-Out-Forschung zuStudienabbrüchen bereits eingeführt sei, bestündezum Ausstieg aus der Universität bzw.Wissenschaft noch ein Forschungsdesiderat. AusSicht der Universität als Arbeitgeberin handele essich bei den „Drop-outs“ um eine Personalfluktuationund gewünschte „Selektion“ der „bestenKöpfe“, aus Sicht der Personen um eine kritischePassage im individuellen Berufs- bzw. Lebensverlaufund damit um sehr unterschiedliche Perspektivenund Einschätzungen. Die Entscheidungzu Verbleib oder Ausstieg aus der Wissenschaftsei ein längerer komplexer Prozess und interaktivesErgebnis der konkreten Umfeldbedingungen(Vertragsbiografie, Fachzugehörigkeit, Qualifikationsgrad)sowie der persönlichen Lebenssituation(Partner/innenschaft und Elternschaft,Geschlecht, Alter). Im Kontext der wissenschaftlichenIntegration von Frauen hat der Drop-Out-Prozess eine kritische Bedeutung erhalten (leakypipeline), da nach den wissenschaftsimmanentenund kontextuellen Gründen für das frühe Ausscheidenvon Frauen zu fragen sei. Die zentraleThese des Beitrags von Sigrid Metz-Göckel lautete,dass sich die tradierte Vorstellung von derwissenschaftlichen Persönlichkeit, die mit demvon Sorgearbeiten freigestellten männlichenIndividuum assoziiert sei, mit der wissenschaftlichenIntegration von Frauen und dem Leben alsDoppel-Berufstätigen-Paar aufzulösen beginnt.Die Prekarisierung der Beschäftigungssituationbegünstige biografische Verunsicherungen undeine Verwundbarkeit, die generative Entscheidungenproblematisch erscheinen lassen.Vor diesem Hintergrund stellte Petra Selent(Projekt Mobile Drop-Outs) das hypothetischeAnalysemodell des Forschungsprojekts vor, anhanddessen die quantitative und qualitativeBefragung konzipiert sowie ausgewertet wurde.Das Analysemodell integriert biografische,lebens- und arbeitsweltliche Kontexte für dieUntersuchung der Mobilitätsprozesse. WeitereProjektergebnisse wurden im Laufe der Tagungvon Kirsten Heusgen, Dorothee Koch und RamonaSchürmann vorgestellt.In ihrer Keynote zeigte Dr. Anke Burkhardt vomInstitut für Hochschulforschung (HOF) in Halle-Wittenberg unter dem Titel „Beschäftigungsbedingungenund Karriereperspektiven in derWissenschaft“ anhand statistischer Daten unterschiedlicheFacetten der Beschäftigungs- undKarrierelaufbahnen an den Universitäten auf.Insbesondere die Postdoc-Phase entpuppt sichals relativ unstrukturiert und ungesichert. PromovierteNachwuchswissenschaftler/innen, diesich für einen langfristigen Verbleib in der Wissenschaftentschlossen haben, müssen ihre Habilitationsarbeitenmeist innerhalb kurzfristigerBeschäftigungsverträge voranbringen, wobeiFrauen zudem signifikant häufiger als Männerlediglich teilzeitig beschäftigt sind und ein gravierendesMissverhältnis zwischen den jährlichabgeschlossenen Habilitationen und frei werdendenProfessor/innenstellen besteht.Die beiden folgenden Präsentationen legten einbesonderes Augenmerk auf die Mobilität unddie Partner/innenschaftskonstellationen vonWissenschaftler/innen. Kirsten Heusgen (ProjektMobile Drop-Outs) stellte anhand der im Projektgenerierten Daten dar, dass in 2009 ca. 17Prozent des wissenschaftlichen Mittelbaus ihreUniversität verlassen haben. Der Ausstieg aus einerbestimmten Universität sei aber für viele alsMobilitätsprozess zu charakterisieren, der primärinnerhalb des Hochschul- und Wissenschaftssystemsstattfindet. Für Wissenschaftler/innen inhomosozialen Paarbeziehungen, so zeigte derVortrag von Dr. Alessandra Rusconi (WissenschaftszentrumBerlin für Sozialforschung), stelltsich der hohe Mobilitätsanspruch als besondereHerausforderung dar, da die gelebte Paarrealitäthäufig mit multilokalen Wohnarrangements verbundenist.Den ersten Tagungstag rundete eine moderierteGesprächsrunde ab unter dem Titel „AkademischeKarriere muss man sich irgendwie leistenkönnen“ mit Dr. Thomas Grünewald (Ministeriumfür Innovation, Wissenschaft und Forschung desLandes NRW), Brigitte Göbbels-Dreyling (Hochschulrektorenkonferenz),Antonia Kühn (DeutscherGewerkschaftsbund), Martina Stackelbeck(Gleichstellungsbeauftragte der TU Dortmund)und Dr. Daniel Keßler (Teilnehmer der Studie MobileDrop-Outs). Der 36-jährige Vater Daniel Keßlerhat seine angestrebte Karriere zur Professurzugunsten einer perspektivisch sicheren Positionim Wissenschaftsmanagement aufgegeben. Andiesem konkreten Beispiel wurden die prekäreBeschäftigungssituation und die mangelndePlanungssicherheit im wissenschaftlichen Mit-Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 81


TagungsberichteKontakt und InformationPetra SelentProjekt „Mobile Drop-Outs“TU DortmundZentrum für HochschulBildung/Abt. HochschulforschungMartin-Schmeißer-Weg 1344227 Dortmundpetra.selent@tu-dortmund.detelbau sowie die damit verbundenen Nachteile(Kompetenzverlust) und Risiken für die Wissenschaftsentwicklungdiskutiert und für eine dualeKarriereorientierung plädiert.Dass wissenschaftliche Karrieren nicht nur vonfacheigenen Leistungsaspekten innerhalb spezifischersozialer Anerkennungskulturen, sondernauch von privaten Kontexten abhängen, zeigtenzwei Vorträge zum Thema Karrierewege und-bedingungen des zweiten Tages. Petra Selent(Projekt Mobile Drop-Outs) stellte anhand vonInterviewauswertungen mit ausgeschiedenenund erfolgreich etablierten Wissenschaftler/innenerfolgsbestimmende Determinanten einer universitärenKarriere vor. Neben Leistungsaspektenzeichnen sich die im Wissenschaftssystem Erfolgreichenu. a. durch eine große Passfähigkeit aus,indem sie das gängige Wissenschaftssystem mitdessen zeitintensiven Anforderungen nur wenigin Frage stellen und auf spezifische Unterstützungenim Privaten zurückgreifen konnten. Prof. Dr.Monika Jungbauer-Gans (Universität Erlangen-Nürnberg) legte anhand eines Vergleichs vonerfolgreich Habilitierten in drei Fächern dar, dassdie Berufungschancen von Frauen mit der Habilitationzum Teil besser sind als die von Männern,woraus sich schließen lässt, dass die Selektionin den unteren Qualifikationsstufen stattfindet.Geschlechterbezogene Unterschiede finden sichu. a. im Publikationsverhalten und im akademischensowie sozialen Kapital, woraus MonikaJungbauer-Gans einige Empfehlungen zur strategischenPublikationstätigkeit (für Frauen) ableitete.Zu den Auswirkungen der vielfältigen Leistungsanforderungenund unsteten Beschäftigungsverläufesowie der unberechenbarenBerufsperspektiven auf die Gesundheit der Wissenschaftlerinnenund Wissenschaftler referierteDr. Dorothee Koch (Projekt Mobile Drop-Outs).Sie stellte das „Relationale Belastungs- undRessourcenmodell“ als theoretischen Rahmenfür die Analyse von Projektdaten aus der Online-Befragungsowie ausgewählte Ergebnissezur Ressourcen- und Beanspruchungssituationvon Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlernvor. Dr. Frank Mußmann (Leiter der KooperationsstelleHochschulen und Gewerkschaften derUniversität Göttingen) präsentierte Konzepte vonMitarbeiter/innenbefragungen an der UniversitätGöttingen, die sich an dem DGB-Index „Gute Arbeit“orientieren. Ziel ist nicht nur die Ermittlungunterschiedlicher Bedarfe, sondern auch die Einführungvon Verfahren und Instrumenten, die zurVerbesserung der Arbeitsbedingungen im Hochschulbereichbeitragen sollen.Die letzten zwei Präsentationen vermittelteneinen internationalen Überblick auf Wissenschaftskarrieren.Dr. Ramona Schürmann (ProjektMobile Drop-Outs) verglich die Promotionsbedingungenin Deutschland, Frankreich und den USA.Insbesondere Deutschland zeichnet sich durcheine überdurchschnittlich hohe Promotionsquoteund -intensität aus, die jedoch in der Optionsvielfaltder Rahmenbedingungen neben Chancenauch unterschiedliche Risiken des Scheiterns bergen,während in den Vergleichsländern deutlichstrukturiertere Bedingungen vorzufinden sind.Dr. Karin Zimmermann (Institut für Hochschulforschung,HOF) reflektierte aktuelle Reformdiskussionendes deutschen und insbesondere desösterreichischen Habilitationsmodells, die sichweitgehend am US-amerikanischen Vorbild desTenure-Track-Modells anlehnen.Drop-Out- und Mobilitäts-Prozesse im universitärenMittelbau haben – dies zeigten die Ergebnisseder Tagung – komplexe Kausalitäten undwerden je nach Perspektive unterschiedlich legitimiertoder problematisiert. Wichtige Fragen orientierensich entlang der Geschlechterkategorieund weiteren Aspekten sozialer Ungleichheiten,z. B. der sozialen Herkunft der Wissenschaftler/innen. Deshalb obliegt es der wissenschaftlichenForschung, zu hinterfragen, inwiefern durchstrukturelle Zwänge und unhinterfragte Mythen(wie z. B. die der „wissenschaftlichen Persönlichkeit“,die sich allein aus ihrer wissenschaftlichenLeistungen generiert) strukturelle und sozialeRahmenbedingungen negiert werden. Immermehr Männer übernehmen auch Familie- undSorgearbeit, sodass die Mär vom männlichenWissenschaftler ohne familiäre Verpflichtungenfür zukünftige Wissenschaftler/innengenerationenausgedient haben dürfte. Die Frage, wer auswelchem Grund eine wissenschaftliche Karriereabbricht oder überhaupt erst gar nicht in Betrachtzieht, hat nicht nur im Hinblick auf die Beteiligungvon Frauen an Führungspositionen Brisanz,sondern auch für die Wissenschaftsentwicklung.Moderiert wurde die Tagung durch Svenja Üing,Bildungsjournalistin aus Köln. Beiträge der Tagungwerden in einer Buchpublikation voraussichtlichim Herbst dieses Jahres erscheinen. Aufder Homepage des Projekts können die Abstractsund Folien der Vorträge, weitere Fotos der Tagungsowie ein ausführlicherer Tagungsberichtabgerufen werden: www.zhb.tu-dortmund.de/hd/mobile_dropouts_abschlusstagung.82 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


TagungsberichteInes EckardtTransnationale Räume und GeschlechtTagungsbericht zur Konferenz am 04. und 05.04.2013 in PaderbornIlse LenzJeff HearnEinstimmung auf die TagungDie international besetzte Konferenz zum Thema„Transnationale Räume und Geschlecht“ wurdeam 04. und 05. April 2013 in den Räumen derUniversität Paderborn durchgeführt. Die Organisationder DFG-geförderten Tagung übernahmenBirgit Riegraf und Julia Gruhlich. An den zweiTagen konnten sich VertreterInnen verschiedenerForschungsfelder austauschen. So sollten dieVorträge unter jeweils anderem Blickwinkel aufTrans- und Internationalität sowie Geschlecht inPolitik, Ökonomie und Kultur zu weiterführendenDiskussionen anregen. Im Folgenden gebeich einen Überblick über die drei thematischenPanels, die jeweils von einem Keynote-Vortrageingeleitet wurden. Da die Vorträge innerhalbder Panels in drei parallelen Streams gehaltenwurden, bleibt die hier vorgestellte Auswahlnotwendigerweise limitiert und durch subjektiveInteressen bedingt: Der Stream „Heteronormativität,Sexualität, Weiblichkeit und Männlichkeitin Transmigrationsprozessen“ versprach einentieferen Einblick in den Stand der Forschung zuHeteronormativität und Wanderungsprozessen;der Stream „Transnationale Organisation vonWissenschaft und Geschlecht“ interessierte michaufgrund meiner eigenen Position im universitärenBetrieb. Der Stream zu „MethodologischenAnsätzen zur Erforschung der Wechselverhältnissevon Transnationalität und Geschlecht“ sollteeinen Überblick über die verschiedensten (Feld-)Zugänge bieten. In chronologischer Reihenfolgeund mit dem Fokus auf den Inhalt widme ichmich nun den einzelnen Beiträgen und beendedaran anschließend den Tagungsbricht mit einerkurzen persönlichen Einschätzung.Keynote: Ilse LenzIlse Lenz begann ihren Beitrag „Gender ordersunbound. Globalisation, restructuring, reciprocity“mit einigen Gedanken zu Mobilität und Raumsowie mit einer Erinnerung an die eurozentrischePerspektive institutionalisierter AkteurInnenim weiten Feld der globalen Migration. In derDiskussion um Geld- und Menschenbewegungstehen zumeist Annahmen, die sich auf Nord-Süd- oder hautfarbliche Dichotomien beziehen.So werden aber die fluiden, ausdifferenziertenund geschlechtsspezifischen Erscheinungen vonWanderungen nicht erfasst. Raum ist in der globalisiertenWelt nämlich nicht mehr an Nationengebunden, sondern durch Einbindung in vielschichtigeDiskurse, Verflechtungen und Verkörperlichungenwerden sie hochgradig individuellorganisiert. Das Individuum wird somit zum Interlinkeiner plurilokalen Verflechtung. Interessantwerden somit die Gleichheitsvorstellungenverschiedener Gesellschaften, die sich für Lenzentlang der herrschenden Gender- und Kulturkonzepteentfalten.Panel I: Heteronormativität, Sexualität,Weiblichkeit und Männlichkeit in TransmigrationsprozessenMaria Do Mar Castro Varela sprach in ihremBeitrag „Hegemony and heteronormativity: Revisitingthe political in queer politics“ über denJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 83


Tagungsberichte(Un-)Sinn des Konzeptes der Ehe und deren Implikationfür LGBITT-PartnerInnenschaften. Dabeibezog sie sich überwiegend auf die Ideen vonGramsci und Butler und untersucht das Strebenhomosexueller Paare nach Heirat unter den Aspektender Hegemonie und der Heteronormativität.Als Ergebnis der Analyse wird die Ehe alsheteronormatives Konzept (re)interpretiert undals Stabilisierungshelfer von nationalistischenDenkgewohnheiten entlarvt. Nur unter enormemöffentlichem Druck stellt sich graduelle Akzeptanzund rechtliche Gleichstellung für einige Ausgewählte/Privilegierteein. Diese Gleichstellungerfolgt durch Assimilation zunächst Ausgegrenzterunter Bedingung der absoluten Akzeptanzder normativen Strukturen nach dem Beispiel derbürgerlichen Kleinfamilie als Distinktionsmacht.Im Vortrag „‚Coming Out‘ und Transnationalität– Intersektionelle Grenzüberschreitungen“stellte Karolina Barglowski ihre Ergebnisse zurForschungsarbeit über Coming-out-Strategienvon Menschen mit internationaler Migrationserfahrungvor, die sie gemeinsam mit anderen ander Universität Bielefeld durchführt. Die Forscherinnendeckten durch zwölf Interviews (sechs Betroffene,sechs ExpertInnen) sehr flexible Handlungsformenbezüglich des Coming-outs und derBeziehungen zu transnationalen Familienzweigenauf. Zunächst gab es unter den Befragtenkeine Person, die ein vollständiges Coming-outwagte. Je nach Lebenswünschen und der Wahrnehmungvon Machtstrukturen offenbarten siesich nur ausgesuchten Personen. Damit geht dieselektive Wahrnehmung und Vermeidung vonBenachteiligung einher, was insgesamt zu Persönlichkeitsbildernführt, die noch mehr als beiHeterosexuellen ohne Migrationserfahrungendie Herausarbeitung eines Portfolios zum Beziehungsmanagementbedingen.Keynote: Jeff HearnJeff Hearn stellte seine Ideen zum Schwerpunkt„The power of the transnational: Rethinkinggender, labour markets, men and organizationswithin transpatriarchies“ im Zusammenhangvon Männern und Migration in multinationalenKonzernen vor. Dabei sieht er das Konstruktdes Patriarchalismus als historisch gewachsenesKonzept mit verschiedenen nationalen Ausprägungenund transnationalen Herausforderungenfür Wohlstand, Arbeitsbedingungen/sozialeAbsicherung und die Geschlechterverhältnisse.Vor allem Arbeitsmigration erhält vor diesemHintergrund eine besondere Brisanz, da geradeinnerhalb multinationaler Konzerne die Bevorzugungder männlichen Weißen zwischen 20und 50 weiterhin andauert. Damit ergibt sichtrotz kleiner Fortschritte auch im Zeitalter derVirtualisierung weiterhin eine Polarisierung vonprivilegierten und nicht-privilegierten Personenbezüglich Arbeitsaufgaben, Arbeitszeiten, Wertschätzungund Sichtbarkeit.Panel II: Transnationale Organisation vonWissenschaft und GeschlechtDie ForscherInnengruppe „Internationale Mobilitätund Professur – Karriereverläufe und Karrierebedingungeninternationaler Professorinnenund Professoren an deutschen Hochschulen“ umMarianne Kriszio untersucht die Auswirkungender immer stärker international ausgerichtetenRekrutierung von ProfessorInnen auf die Hochschullandschaftin Berlin und Hessen. Dabeistehen die Fragen nach Herkunftsländern undGeschlecht im Zusammenhang mit sozialer Herkunft,den Karriereverläufen und der Fachkulturim Mittelpunkt der Präsentation. Erste Ergebnisseweisen darauf hin, dass die Fachbereiche auchinnerhalb der untersuchten Personengruppe geschlechtstypischgewählt werden; meist habendie Wissenschaftlerinnen hier als Stipendiatinnenihre Reputation erworben. Untypisch ist jedochdie Häufigkeit der Berufung von Professorinnenund Juniorprofessorinnen, die mit jeweils über50 Prozent deutlich über den Berufungsquotendeutscher Professorinnen liegt. Auch ist die aktuelleProfessur zumeist die erste in der Karriere vonProfessorinnen mit Migrationshintergrund. BirgitRiegraf, Brigitte Aulenbacher, Lena Weber undKristina Binner haben sich in ihrer Forschungsarbeitmit „Gendered Work arrangements ofAustrian and German Postdocs“ beschäftigt.Besonders anschaulich werden durch die Ergebnissedie immer noch sehr unterschiedlichenZuständigkeiten für Berufs- und Hausarbeit inzweigeschlechtlichen Beziehungen mit Kindernauch und gerade bei Frauen in hochqualifiziertenTätigkeiten mit Anspruch zur wissenschaftlichenWeiterqualifikation illustriert. Obwohl die organisationalenRahmenbedingungen in Deutschlandund Österreich sehr unterschiedlich sind,können doch für Junior- und Assistenzprofessorinnensehr ähnliche Strategien im Umgang mitden Anforderungen der beruflichen und häuslichenSphäre berichtet werden. Hier wird zumeistFlexibilität und Mehrbelastung auf Seiten derFrauen verlangt und erbracht.Keynote: Sarah MahlerÜber das Erlernen von Stereotypen sprach SarahMahler. Die Grundthese bezieht sich auf dieUnterscheidungsfreudigkeit des menschlichenGehirns. Neue Reize werden in einem binären84 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


TagungsberichteVerfahren eingeordnet und gelernt. Unterschiedeund Gemeinsamkeiten bestimmen so dentäglichen Umgang mit der belebten und unbelebtenUmwelt. Auf diese Weise wird die Kulturkognitiv internalisiert und die gesellschaftlicheOrdnung durch affektive Positionierung gestärkt.Transnationalität und Geschlecht festigen so bestehendeEinschätzungen und fordern diese zugleichheraus, da jeder neue Stimulus in das bestehendeErfahrungsgebäude eingefügt wird. AlsUnterscheidungskriterien für die Einschätzungvon Menschen schlägt Mahler „zugeschriebeneKompetenz“ und „entgegengebrachtes Vertrauen“vor, die bezüglich bestimmter Personen zubestimmten Gefühlen der Zugehörigkeit oder desAusschlusses führen.NiedrigesVertrauenHohesVertrauenNiedrigeKompetenzAbneigungMitleidHoheKompetenzNeidStolzDie Kategorie „Geschlecht“ kann im Prozess derKultivierung, dem Doing Culture und dem DoingIdentity, je nach gesellschaftlichem Zusammenhangjede der vorgestellten Emotionen auslösen.Panel III: Methodologische Ansätze zurErforschung der Wechselverhältnisse vonTransnationalität und GeschlechtIn drei Vorträgen zum methodologischen Vorgehenbei der Erforschung transnationaler undgeschlechtlicher Wechselverhältnisse stelltendie ReferentInnen ihre Feldzugänge vor. GudrunLachenmann und Petra Dannecker präsentiertenihren Zugang zu nationalen Frauenorganisationenin den überwiegend muslimischen Ländernwie Sudan und Indonesien zur Erforschung derRahmenbedingungen und Perspektiven von Akteurinnenin der Frauenbewegung. Sie organisiertendafür Workshops sowie andere Kommunikationsangeboteund führten Interviews mitAktivistinnen. Gundula Müller stellte ihren Zugangzu türkischen, zwangsverheirateten Frauenin Schwäbisch-Gmünd vor. Sie wandte sich zurGewinnung von Interviewpartnerinnen an die offiziellenStellen der Stadt, die Hilfe für Frauen inNotlagen anbieten. Einen anderen Weg beschrittSven Bergmann. Er beobachtete die Praktiken ineiner spanischen und einer tschechischen Reproduktionsklinikund führte Interviews mit Personen,die sich in diesen Kliniken beraten undbehandeln ließen.Abschließende EinschätzungDie Tagung istihrem durch Birgit Riegraf formuliertenAnspruch verschiedene Blickwinkel aufTrans- und Internationalität sowie Geschlecht inPolitik, Ökonomie und Kultur einzunehmen undzu weiterführenden Diskussionen anzuregen,mehr als gerecht geworden. Die zahlreichen, inhaltlichanspruchsvollen Beiträge, die fachlicheKompetenz und das persönliche Engagementder ReferentInnen haben diese Tagung zu einemlebendigen Forum für die unterschiedlichen Perspektivenvon Transnationalität und Geschlechtgemacht.Kontakt und InformationDipl.-Soz. Ines EckardtProjektkoordinatorinUniversität PaderbornWarburger Straße 10033098 PaderbornTel.: (05251) 60 30 03Fax: (05251) 60 42 21ines.eckardt@date.upb.deJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 85


TagungsberichteUlla Hendrix„Quote für die große Transformation?“Bericht zur Podiumsdiskussion am 09.04.2013 im Wuppertal InstitutTeilnehmende der Podiumsdiskussion im Wuppertal Institut (von links nach rechts: Prof. Dr. Friederike Kuster,PD Dr. Uta von Winterfeld, Prof. Dr. Heinz-Reiner Treichel, Gabriele Schock, Dr. Brigitte Biermann, Dr. NanaRapp, Prof. Dr. Manfred Fischedick, Cordula Brendel, Prof. Dr. Felizitas Sagebiel)Teilnehmende der Podiumsdiskussion im Wuppertal InstitutWird alles anders, wenn mehr Frauen in Spitzenpositionensind? Werden beispielsweise ökologischeund Geschlechterthemen nach vornegebracht, wenn mehr Frauen die Macht haben,Inhalte zu setzen und über deren Ausrichtung zuentscheiden? Kann damit ein überfälliger gesellschaftlicherWandel in Richtung Nachhaltigkeit,Geschlechtergerechtigkeit und Partizipation initiiertwerden? Mit diesen Fragen, die auf nichtsGeringeres als die „große Transformation“ zielen,beschäftigten sich Anfang April acht ExpertInnenaus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung imRahmen einer Podiumsdiskussion in der Aula desWuppertal Instituts.Die Grundlage für die Veranstaltung bildeten Ergebnisseeines mehrjährigen Forschungsprojektsunter der Leitung von Prof. Dr. Felizitas Sagebiel(Bergische Universität Wuppertal) und PD Dr.Uta von Winterfeld (Wuppertal Institut für Klima,Umwelt, Energie GmbH) zum Thema „Veränderungspotenzialevon Führungsfrauen in Umweltund Technik“. 1 Im Mittelpunkt stand die Frage,was Führungsfrauen bewirken, wenn sie in ihrerPosition angekommen sind. Es ging also diesmalnicht um Möglichkeiten und Hindernisse, sondernum die Gestaltungsakzente von Frauen nach oderwährend einer erfolgreichen Karriere. Eine geradein feministischen Kreisen immer wieder geäußerteBefürchtung lautet, dass nur diejenigen Frauennach oben kommen, die ohnehin schon angepasstsind, und dass von daher der „Impact“ einer gesellschaftlichenVeränderung nicht allzu groß seinwürde. Auf der anderen Seite steht die in letzterZeit zunehmend breitere Bewegung 2 der BefürworterInneneiner Frauenquote in Spitzengremien.Sie erhoffen sich davon zunächst schlichtGerechtigkeit und gleiche Chancen für Frauen,an entscheidender Stelle überhaupt gestaltenzu können. Zugleich sind aber auch Argumentederjenigen hörbar, die von Frauen eine größereSensibilität gegenüber feministischen wie auchNachhaltigkeitsanliegen erwarten. Nicht zuletztist die These im Umlauf, dass Frauen in Führungspositionenwirtschaftlich sowohl umsichtiger alsauch erfolgreicher agierten.Zu Beginn der Diskussion stellten die beidenProjektleiterinnen eine Zusammenfassung derwichtigsten Ergebnisse vor. Für das Teilprojekt derBergischen Universität, das sich mit „geschlechtlicherOrganisationskultur im Management“beschäftigte, machte Felizitas Sagebiel deutlich,dass das auffälligste Muster bei den befragtenFührungsfrauen die Abgrenzung vom Vorgängerwar. Frauen in technischen Bereichen betonen,dass sie etwas Eigenes, Anderes machen. Dabeischält sich auch ein neues, menschenzentriertesTechnikverständnis heraus. Hier stellt sich dieweiterführende Frage, ob es sich schlicht umeine frauentypische Selbstdarstellung handelt,die immer auf „Menschen“ fixiert sei, oder obhier durch Führungsfrauen tatsächlich ein neuerTechnikzugang geschaffen wird. Abgesehen vondiesen inhaltlichen Akzenten, die Führungsfrauensetzen, ist es aber auch ein Ergebnis des Projekts,dass das Netzwerken im Führungskräftebereichwichtiger ist als die „Performance“ im Sinne derinhaltlichen Leistung. Hier stoßen Führungsfrauentrotz eines hohen Netzwerkbewusstseins nochhäufig an Barrieren.Uta von Winterfeld stellte für das Teilprojekt desWuppertal Instituts, das sich mit „Frauen und86 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


TagungsberichteKontakt und InformationUlla HendrixKoordinations- undForschungsstelleNetzwerk Frauen- undGeschlechterforschung NRWUniversität Duisburg-EssenBerliner Platz 6–845127 EssenTel.: (0201) 183-2717ulla.hendrix@uni-due.desich um eine eher untypische kommunale Aufgabehandelt, die nicht auf den (hierarchischen) Vollzuggerichtet ist, sondern auf Überzeugen, Vermitteln,Vernetzungsarbeit. Eine solche Querschnittsaufgabebringe gegenüber den hierarchisch eingeordnetenPositionen zunächst Nachteile mit sich,was die Durchsetzungsmöglichkeiten betrifft: DerZugang zu den Bereichen, mit denen sie kooperierensollte, sei schwierig gewesen, denn erst einmalwürden diese nach „außen“ hin verteidigt.Mittlerweile habe sie sich jedoch die Akzeptanzerarbeitet. Für die Gleichstellung sieht sie derzeitNachteile angesichts der Finanzknappheit derStadt: Es gebe keinen Spielraum mehr für Neueinstellungen.Nur eine Quote kann aus ihrer Sichtgegen alte (Männer-)Seilschaften helfen, die sieimmer noch am Werk sieht.Schließlich wurde die Frage, ob es eine sanktionierteQuote braucht, um gesellschaftliche Veränderungenzu bewältigen oder in Gang zu bringen,noch einmal pointiert an die Runde und an dasPublikum gestellt. Felizitas Sagebiel bekräftigteihr Plädoyer für die Quote, denn sogenannte „weiche“Mittel reichten nicht aus, um den machtvollenMännernetzwerken etwas entgegenzusetzen.Friederike Kuster brachte die Differenzierung ein,dass die Quote nicht ausreiche, um einen Kulturwandelzu erreichen. Aber immerhin führe einequalifikationsabhängige Quote (bei gleicher QualifikationFrauen bevorzugen) zu einer Sensibilisierungfür Verfahren und für die Frage, wie gleicheEignung, Befähigung und fachliche Leistung zuverstehen seien.Die Quote kam auch bezüglich der gesellschaftlich-politischenInhalte, die es zu verändern gilt,noch einmal auf den Prüfstand. So regte eineWortmeldung aus dem Publikum die Überlegungan, warum es immer Frauen sein müssen, die sichum den Klimawandel und die Energiewende kümmernsollen, und ob das nicht schon wieder einetypische Zuschreibung sei. Müssen Frauen aufräumen,was andere liegengelassen haben? Sinddenn Frauen die besseren Menschen? Diese Frageerinnert an die Diskussion um „Mittäterschaft“,die Ende der 1980er Jahre in der westdeutschenFrauenbewegung (befördert durch Christina Thürmer-Rohrund Frigga Haug) sehr intensiv geführtwurde: Ist es nicht eine essentialistische Festschreibung,dass Frauen zuständig für das Ganzheitliche,Gute, Vorsorgende sein sollen? Und wasqualifiziert sie dazu – wenn man ein Weltbild zugrundelegt, bei dem nicht nur Männer die Weltso zugerichtet haben, wie sie jetzt ist? Uta vonWinterfeld erweiterte daraufhin die Quotenforderungum die Perspektive der Lebenswelt: EineQuote – und die damit einhergehende Transformation– bräuchten wir nicht nur in der Erwerbs-,sondern auch in der Lebenswelt, um die Frauenzugeordneten „Care“-Aufgaben der Sorgearbeitendlich auch als alle betreffende, gesellschaftlichnotwendige Verantwortungsbereiche sichtbar zumachen.Auch die Frage, warum Frauen oft selbst nicht ineine Führungsposition aufsteigen wollen, wurdeim Publikum noch einmal aufgegriffen. Vielleichtliegt es nicht nur daran, dass Frauen keine Verantwortungübernehmen möchten, wie ihnen oftunterstellt wird, sondern daran, dass die Strukturen,in denen Führungspositionen verortet sind,so wenig lebenstauglich sind. Nana Rapp, die hierangesprochen war, weil sie die mangelnde Bereitschaftzur Übernahme von Verantwortung beklagthatte, bestätigte die Einschätzung, dass Führungspositionenfür Frauen nicht mit denselbenMitteln attraktiv gemacht werden könnten wiefür Männer. So wären Frauen auf der einen Seitemit dem üblichen Angebot (Geld und Status) wenigerzu locken, wohl aber mit einer spannendenAufgabe. Auf der anderen betonte Rapp gleichzeitig,Frauen müssten sich irgendwann entscheiden,ob sie gemocht oder respektiert werden wollten.Im Übrigen sollte man sich auch der Gefahr desauffälligen Scheiterns bewusst sein, die mit einerFörderung von Frauen in Führungspositionen hineinverbunden sei. Männer scheiterten natürlichauch, aber Frauen täten dies auffälliger, weil siein Männerdomänen ohnehin stärker unter Beobachtungstünden.Die heterogen besetzte und spannend geführteDiskussion hat viele lose Enden aufgegriffen und –wie zu erwarten – mehr Fragen als Antwortenmitgegeben. Zu den interessantesten offenenÜberlegungen gehören die vermeintlich „alten“,so etwa das nach wie vor ungeklärte Verhältniseines „liberalen“ und eines „radikalen“ Feminismus:Welchen gesellschaftlichen Wandel bringtdie Forderung nach mehr Frauen in Führungspositionenmit sich? Geht es einfach „nur“ um einüberfälliges Gleichheits- und Gerechtigkeitsanliegen,dass Frauen die Hälfte der Gestaltungsmachtzusteht? Oder dreht es sich darüber hinaus umeinen bestimmten, speziell von Frauen zu erwartendenGestaltungsbeitrag bis hin zum explizitenAuftrag, etwa in Richtung einer sozial, ökologischund kulturell nachhaltigen Transformation derGesellschaft? Und wie wäre es theoretisch undpolitisch zu begründen, dass ein solcher Auftragsich an Frauen richtet? Was wollen – unabhängigvon den hohen an sie adressierten Erwartungen –Frauen selbst? Eines ist jedenfalls klar geworden,sowohl durch die zugrunde liegenden Projektergebnisseals auch durch die Zusammensetzungdes Podiums: Frauen in Führungspositionen sindzu machtvollen, unübersehbaren Akteurinnengeworden, die auf ihren jeweiligen Handlungsfeldernselbstbewusst gestalten und verändern.88 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


VeröffentlichungenBuchbesprechungenUlrike Schildmann rezensiertKampshoff, Marita/Wiepcke, Claudia (Hrsg.), (2012): Geschlechterforschungund Fachdidaktik512 Seiten, geb., 59,99 €, ISBN 978-3-531-18222-3, Springer VS, WiesbadenWie kann unter den gegebenen gesellschaftlichenBedingungen des Lehrens und Lernens inBildungseinrichtungen eine geschlechtergerechteBildung für alle daran beteiligten Kinder, Jugendlichenund Erwachsenen hergestellt werden? Wiewerden die vorliegenden Ansätze und Ergebnisseder Frauen- und Geschlechterforschung von deneinzelnen Fächern des Schulunterrichts und derHochschullehre aufgenommen und vermittelt?Schließlich: Wie kann die Strukturkategorie Geschlechtals Querschnittperspektive systematischin die Allgemeine Didaktik und deren einzelneFachgebiete integriert werden? Mit diesen undähnlichen Fragen gehen die Herausgeberinnendes neuen Handbuches, Marita Kampshoff undClaudia Wiepcke, beide Professorinnen an PädagogischenHochschulen (Schwäbisch Gmündbzw. Weingarten), ans Werk. Teil I des Buchesbesteht aus drei Grundlagenartikeln zu Didaktikbzw. Geschlechterforschung. Teil II behandeltdie eingangs gestellten Fragen aus Sicht dereinzelnen (insgesamt knapp 20) Fachdidaktiken.Teil III enthält fünf Positionsartikel aus Sicht vonWissenschaftsdisziplinen. Und Teil IV untersuchtGeschlechterforschung und Fachdidaktik in einzelnenQuerschnittdisziplinen.Teil I behandelt „Grundlagen“.Von Karl-Heinz-Arnold und Anne-Elisabeth Roßawerden „Grundlagen der Allgemeinen Didaktikund der Fachdidaktiken“ (S. 11–23) vorgestellt,die in Deutschland beide in der akademischenLehramtsausbildung eine bedeutsame Stellungeinnehmen (S. 11) und in einem engen Verhältniszueinander stehen, „weil die Beziehung der AllgemeinenDidaktik zum Fachunterricht immer –explizit oder implizit – über die Vermittlungsebeneder Fachdidaktik verläuft“ (Klafki 1994,S. 42, zitiert nach Arnold/Roßa in diesem Band,S. 13). Eine sehr gute Übersicht bietet in diesemZusammenhang der komprimierte Einblickin die Geschichte der Didaktik seit der Zeit derAufklärung. Innerhalb dieser Geschichte wurde inDeutschland „die Frage nach der Bedeutung vonGeschlecht für schulische Lern- und Bildungsprozesse“(S. 25) relativ spät aufgegriffen, wie HanneloreFalustich-Wieland und Marianne Horstkämperin ihrem Überblicksartikel zu Schule undGender (S. 25–38) feststellen. Sie machen sowohlquantitative als auch qualitative Geschlechterdifferenzen– Mädchen und Jungen wie auch dasLehrpersonal betreffend – in der Schule sichtbar,identifizieren Geschlecht als soziale Konstruktionund die Schule als Ort der Herstellung vonGeschlecht. Zur Entwicklung einer geschlechtergerechtenDidaktik plädieren sie schließlich fürfolgenden analytischen Dreischritt: a) Dramatisierungder Differenzen zwischen den Geschlechtern,b) Reflexion/Überprüfung, c) Entdramatisierungvon Geschlecht (Dekonstruktion; nichtzu verwechseln mit „Geschlechtsneutralität“)(S. 34), um so die „unreflektierte Reproduktion hierarchischerGeschlechterdifferenz zu überwinden“(S. 36). Untermauert wird diese erziehungswissenschaftlicheAuseinandersetzung durch denBeitrag über „Feministische- und Geschlechtertheorien“von Paula-Irene Villa (S. 39–52), diegrundlegende Positionen über Konstruktionenund Dekonstruktionen von Geschlecht soziologischherleitet und, wie der vorangegangeneBeitrag, damit eine theoriebezogene Folie für diefolgenden Diskurse der Fachdidaktiken anbietet.Teil II fokussiert die „Schulfächer“.In insgesamt 18 Beiträgen werden die einzelnenFächer in Anlehnung an die o. g. strukturierendenFragen der Herausgeberinnen zu Konstruktionenund De/Konstruktionen von Geschlecht systematischuntersucht. Die Anordnung der Schulfächerwurde alphabetisch vorgenommen:- Arbeitslehre- Biologiedidaktik- Chemie- und Physikdidaktik- Didaktik des Deutschunterrichts: LiteraturdidaktikJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 89


Veröffentlichungen- Didaktik des Deutschunterrichts: Schriftsprachdidaktik- Fachdidaktik Ethik- Englisch-Literaturdidaktik- Sprachdidaktik Englisch- Fachdidaktik Französisch (mit Hinweisen aufSpanisch)- Didaktik der Geschichte- Haushaltslehre- Naturwissenschaftlicher Unterricht- Politikdidaktik- Religionsdidaktik- Sachunterrichtsdidaktik- Sportdidaktik- Technikdidaktik- WirtschaftsdidaktikDamit wird einerseits eine formale Gleichstellungaller Fachdidaktiken erreicht, andererseits regtgerade diese gewählte (alphabetische) Reihenfolgean, als Leser_in nicht nur solche Beiträgezur Kenntnis zu nehmen, die das je eigene Fachgebietbetreffen oder berühren, sondern die ganzunterschiedliche Problemfelder und je spezifischeZugänge zur Geschlechterforschung behandeln.Diese Anordnung reizt beim Lesen dazu, sich in jeweilsfremde Fachgebiete einzuarbeiten und derenSichtweisen auf die Zusammenhänge zwischen„Geschlechterforschung und Fachdidaktik“ vergleichendzu studieren. Solch ein Vergleich dientzum einen der Erweiterung der eigenen fachlichenPerspektiven (als Lehrende/r oder Studierende/r)auf die einzelnen Fächer, die im (traditionellen)Schulunterricht eines Wochentages (oft mehr oderweniger unverbunden) aufeinander folgen – z. B.Deutsch, Mathematik, Geschichte, Arbeitslehre,Sport – und die ganz unterschiedliche Zugängezur Welt vermitteln. Er kann zum anderen dabeibehilflich sein, das gemeinsame Interesse an einergeschlechtersensiblen Pädagogik und Didaktik,an der Dramatisierung und der Entdramatisierungvon Geschlecht in Bildungskontexten und schließlichan einer Inklusiven Pädagogik wissenschaftlichauszuformulieren und damit Grundlagen fürinterdisziplinäre Forschungsansätze zu schaffen.Die Perspektive einer (zu entwickelnden) „InklusivenPädagogik“, die in Deutschland vor allemdurch die UN-Behindertenrechtskonvention forciertwurde/wird, klingt in einigen der vorliegendenBeiträge an, so vor allem bei Astrid Kaiser(Genderforschung in der Sachunterrichtsdidaktik,S. 259–272). Die meisten anderen Autor_innen,die (im Sinne der Intersektionalitätsforschung)über die Kategorie Geschlecht hinaus denken,operieren jedoch eher mit dem Begriff des „Umgangsmit Heterogenität“ (als mit dem der InklusivenPädagogik) und konzentrieren sich – untertendenzieller Vernachlässigung der KategorieBehinderung – vor allem auf Wechselwirkungenzwischen den Kategorien Geschlecht/sexuelle Orientierung,Kulturen/Migrationszusammenhängeund Klasse/soziale Schicht im schulischen Geschehen.Teil III konzentriert sich auf„Wissenschaftsdisziplinen“.Mit ihrem Beitrag über „Genderdimensionen inder Hochschuldidaktik-Forschung“ (S. 317–330)führt Sigrid Metz-Göckel in die Problematik ein,die sie schließlich so zusammenfasst: „Die Genderperspektivein die Lehre einzubeziehen, stelltinsofern eine große Herausforderung dar, als dieUnterschiede zwischen den Geschlechtern (unterden Studierenden – U. Sch.) subtil geworden sind,damit allerdings nicht unbedingt weniger wirksam“(S. 326). Die Hochschullehre steht auch invier weiteren Beiträgen zur Debatte, die sich mitgeschlechtergerechter Informatikausbildung anUniversitäten, geschlechterorientierter Didaktikin den Ingenieurwissenschaften, Geschlechterforschungin der Schulpädagogik sowie Geschlechterforschungin der Psychologie und deren Didaktikbefassen. Hier wird untersucht, wie – durch dietradierten Sprach- und Spielregeln der einzelnenDisziplinen – die in den meisten Fachdisziplinenanzutreffenden Geschlechterdisparitäten produziertund reproduziert werden. Darüber hinauswird klar herausgearbeitet, welche Verantwortungdie Fachdisziplinen und deren Vertreter_innenselbst dafür tragen, diese Ungleichheitsverhältnisseim Sinne der politischen, wirtschaftlichen undsozialen Entwicklung der Gesellschaft zu überwinden.Thematisiert wird hier u. a. „geschlechtergerechteSprache“, die Arbeit an „Selbstkonzepteinschätzungen“der Studierenden sowiedie „Beschäftigung mit geschlechtsspezifischenBerufsbiographien“ und deren Vorbildfunktionenfür Studierende (Gisela Steins, S. 380 f.).Teil IV des Handbuches umfasst die Beschäftigungmit Querschnittsdisziplinen.Neun solcher Querschnittsdisziplinen bzw.-themen werden auf ihre Genderaspekte hin untersucht:- Anfangsunterricht- Ästhetische Bildung- Berufliche Bildung- Erwachsenenbildung- Geschlechtertrennung ja oder nein?- Gesundheitsförderung- Interkulturelle Pädagogik- Umwelt-/Nachhaltigkeitswissenschaften- Schulische Mobilitätserziehung90 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


VeröffentlichungenDiese Beiträge untermauern – auf je unterschiedlicheWeise – die Relevanz der Kategorie Geschlechtfür die Fachdidaktiken und können außerdem alsPlädoyer für fächerübergreifenden Unterricht gelesenwerden, der einem positiven Umgang mit derHeterogenität der Kinder und Jugendlichen dienlichsein dürfte (vgl. exemplarisch Agi Schründer-Lenzen, S. 389). Besonders zu erwähnen sei hierauch der Beitrag zur interkulturellen Pädagogik,der die „[i]nterkulturelle Genderkompetenz als Bestandteilpädagogischer Professionalität“ herausarbeitet(Leonie Herwardt-Emden, Wiebke Waburg,S. 480), jedoch die aufmerksame Leserin/den aufmerksamenLeser auch nach einem vergleichbarenBeitrag zur integrativen (inklusiven) Pädagogik mitBezug auf behinderte Mädchen und Jungen suchenlässt. Ein solcher Beitrag ist nicht zu finden(nicht zu Stande gekommen), würde aber in diesenKanon gehören. Am Beispiel der Erwachsenenbildungnimmt Anne Schlüter die Paradoxien auf, diemit dem Anspruch verbunden sind, „Gender“ zuthematisieren. Einerseits sollen Veranstaltungenoffen für alle sein, andererseits aber sind zielgruppenadäquateAnkündigungen, Ansprachen undThemen nach Geschlecht zu formulieren. Zum Thema„Geschlechtertrennung ja oder nein?“ stelltMarita Kampshoff fest, die Forschungslage sei keineswegseindeutig, die „Frage, ob Geschlechtertrennungzur Geschlechtergerechtigkeit beiträgt“(Kampshoff, S. 451), sei als solche falsch gestellt.„Zu untersuchen wären vielmehr die konkretenBedingungen und Prozesse oder Praktiken, unterdenen Geschlechtergerechtigkeit hergestellt bzw.konterkariert wird“ (Kampshoff, S. 451).ZusammenfassungDas hier rezensierte Handbuch ist vom ersten biszum letzten Artikel (also von den „Grundlagen derAllgemeinen Didaktik und den Fachdidaktiken“(s. o.) bis zur „Schulische(n) Mobilitätserziehungaus der Geschlechterperspektive“ (Maria Limbourg,S. 499–512) äußerst lesenswert. Es istgeeignet für Lehrende an Hochschulen und anallgemeinbildenden Schulen sowie anderen pädagogischenEinrichtungen und es kann Studierendedabei unterstützen, die Genderperspektiven dereinzelnen Fachdisziplinen (und ihrer eigenen Studienfächer)zu identifizieren und damit ihre individuellenGenderkompetenzen im umfassendenSinne von „Wollen, Wissen und Können“ (AnneSchlüter, S. 438, in Anlehnung an Karin Derichs-Kunstmann, 2009) zu erweitern. Wenn die Herausgeberinnenam Ende ihrer Einleitung auf diegeplante Herausgabe eines zweiten Bandes – „mitUmsetzungsbeispielen für die Praxis“ (Kampshoffund Wiepcke, S. 7) hinweisen, dann ist damit auchklargestellt, dass der vorliegende Band als (theoriebezogenes)Grundlagenwerk zu verstehen ist.Diese Funktion erfüllt das Handbuch voll und ganz.Kontakt und InformationProf. Dr. Ulrike Schildmannulrike.schildmann@tudortmund.deAnnette Zimmer rezensiertBeaufays, Sandra/Engels, Anita/Kahlert, Heike (Hrsg.), (2012):Einfach Spitze? Neue Geschlechterperspektiven auf Karrieren in derWissenschaft340 Seiten, 34,90 €, kart., EAN 9783593395968, Campus Verlag, FrankfurtDass es Frauen im Wissenschaftsbetrieb nichtleicht haben, ist nicht neu. Auch, dass trotz vielerProgramme, guter Worte und noch bessererAbsichten Frauen in Spitzenpositionen in derWissenschaft und im universitären Managementnach wie vor im Vergleich zu ihren männlichenKollegen eher unterrepräsentiert sind, ist langebekannt. Dank intensiver Forschungsarbeit derletzten Jahre wissen wir zudem recht viel über dieUrsachen, warum Frauen an einem Arbeitsplatzan der Universität und im Wissenschaftsbetriebnicht gerade auf Rosen gebettet sind.Gleichwohl gibt es sehr viele gute Gründe, warumdie Lektüre des aktuellen Bandes „EinfachSpitze?“ – zu Recht mit Fragezeichen – nachhaltigzu empfehlen ist. Wie im Untertitel – neueGeschlechterperspektiven auf Karrieren in derWissenschaft – angedeutet, werden neue Bereicheund Entwicklungen im Wissenschaftsbetriebin den Blick genommen, die bisher von der Genderforschungweniger betrachtet worden sind.Die strukturierte Promotion als ein Ansatz derNachwuchsförderung ist eine solche aktuelle Entwicklung,die Entstehung neuer Berufsfelder undKarrierewege in den Verwaltungsbereichen derUniversität, namentlich im Wissenschafts- und internationalenLehrmanagement, ein anderer gegenwärtigerTrend. Zudem handelt es sich nichtum einen üblichen Sammelband, sondern dieHerausgeberinnen haben streng darauf geach-Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 91


Veröffentlichungentet, dass es sich um Originalbeiträge sowie umBeiträge auf der Grundlage empirischer Studienbzw. gerade abgeschlossener oder noch laufenderForschungsarbeiten handelt. Insofern ist derBand hochaktuell und in der Tat „at the frontierof science“!Nach einer fundierten Einleitung der Herausgeberinnen,in der der Stand der Forschung resümiertund die Zielsetzung der Publikation aufgezeigtwerden, ist der Band in drei Themenbereiche gegliedert.Unter der Überschrift „Startpositionenund Spitzenpositionen“ finden sich vier Beiträge,die zum einem spezifische Statuspassagen imWissenschaftsbetrieb – konkret die Promotionssowiedie Postdoc-Phase – aus der Genderperspektivebetrachten, zum andern geht es umSpitzenpositionen im universitär-administrativenManagement sowie im Wissenschaftsmanagement.Während der Aufsatz von Svea Korff, NavinaRoman und Julia Schröder „Inside the Blackbox– Chancengleichheit in der strukturiertenPromotionsförderung“ zu dem Ergebnis kommt,dass es sich bei der strukturierten Promotion umeine Neuerung im Wissenschaftsbetrieb handelt,die von Frauen eher begrüßt und dank des Gewinnsan Transparenz positiv bewertet wird,schlussfolgert Heike Kahlert in „Was kommtnach der Promotion? Karriereorientierungen und-pläne des wissenschaftlichen Nachwuchses imFächer- und Geschlechtervergleich“, dass Fraueneher „auf Nummer sicher gehen“. Es lassensich – wie auch aus anderen Studien schon bekannt– hinsichtlich Motivation und Empathie fürdas Fach zwischen Nachwuchswissenschaftlernund -wissenschaftlerinnen keine Unterschiedefeststellen. Aber: Wissenschaftlerinnen sind wenigerals ihre männlichen Kollegen bereit, dielange Zeit der Unsicherheit, der z. T. prekärenBeschäftigungsverhältnisse und in grosso modobescheidenen Verdienstmöglichkeiten sowie Aufstiegsperspektivenin Kauf zu nehmen. Gibt eseine solide Alternative, entscheiden sich Fraueneher für eine Karriere außerhalb des Wissenschaftsbetriebs.Der Beitrag von Sandra Beaufays„Führungspositionen in der Wissenschaft – ZurAusbildung männlicher Soziabilitätsregime amBeispiel von Exzellenzeinrichtungen“ lässt nichtgerade Hoffnung auf bessere Zeiten aufkommen.Trotz Bemühen der DFG greifen gerade dort, woes um wissenschaftliche Exzellenz geht, nämlichin Förderschwerpunkten der Exzellenzinitiativeder DFG, die altbekannten Muster des Ausschlussesund der Verdrängung von Wissenschaftlerinnen.Sie werden für die Antragstellung gebraucht,aber im Kern des Geschäfts als Sprecherin undPrincipal Investigator an den Rand gedrängt.Auch der letzte Text dieses Themenblocks „AlternativeWege an die Spitze? Karrierechancenvon Frauen im administrativen Hochschulmanagement“von Georg Krücken, Katharina Klokeund Albrecht Blümel stimmt nicht gerade positiv.Infolge tiefgreifender Veränderungen der Hochschullandschaftund des universitären Managementssind in der Administration von Hochschuleals zunehmend internationalem Lehr- und Forschungsbetriebneue Berufsfelder – wie etwa dieInternational Offices oder die Career Centre –entstanden, die stark von denjenigen Akademikerinnennachgefragt werden, die nicht genuinim Wissenschaftsbereich tätig sein, aber weiterhinan der Universität arbeiten wollen. Wie dieErgebnisse der empirischen Studie der Verfasserund der Verfasserin deutlich machen, handeltes sich bei diesen neuen Berufsfeldern aber keineswegsum Karrierefelder mit Perspektive. Undauch in diesen neuen Bereichen findet sich wieder„the same old story“: Die sichere gut dotierteund verbeamtete Leitungsposition ist in der Regelmit einem Mann besetzt. Der Rest der Stellen feminisiertund mit Zeitverträgen versehen.Der zweite Themenblock des Bandes Mobilitätund Internationalisierung versammelt drei Beiträge,die sich der Frage widmen, wie sich die zunehmendeGlobalisierung des Wissenschaftsbetriebsfür Frauen auswirkt. Wie hinterwäldlerisch undethnisch geschlossen der Wissenschaftsbetrieb inDeutschland nach wie vor ist und wie wenig erbisher insbesondere auf Wissenschaftlerinnen mitMigrationserfahrung und mit Kindern eingestelltist, wird im Aufsatz von Anna Boufier und AndreaWolffram deutlich, die in ihrer empirischen Studiewissen wollten: „Welcher Weg führt zum Ziel?Migrations- und Karrierewege von Ingenieurinnenund Naturwissenschaftlerinnen aus osteuropäischenStaaten an deutschen Universitäten.“Auslandsaufenthalte und ein Netz internationalerKontakte sind inzwischen notwendige Bedingungeiner wissenschaftlichen Karriere. Was bedeutetdies für Wissenschaftlerinnen? Dieser Fragesind Regula Julia Leemann und Stefan Boes imSchweizer Kontext nachgegangen. In ihrem Beitragkommen sie zu dem Ergebnis, dass Institutionalisierungvon Mobilität und Internationalitätin wissenschaftlichen Laufbahnen durchaus eineneue Barriere für Frauen auf dem Weg an dieSpitze darstellt. Ein differenziertes Bild der KarriereanforderungMobilität zeichnet der Beitragvon Ruth Becker und Cornelia Tippel. Danachbestehen zwischen den Disziplinen deutliche Unterschiede.Während es Ingenieurwissenschaftlerinnenauch ohne akademisches Nomadentuman die Spitze schaffen können, sind die Mobilitätsanforderungenbei NaturwissenschaftlerInnenbesonders ausgeprägt. Dies nicht zuletztinfolge der stark formalisierten Karrierestufensowie der stark quantitativ ausgerichteten Be-92 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


Veröffentlichungenwertungskriterien (Stichwort Impact-Faktoren).Der dritte Themenbereich des Bandes ist mit Kollisionenüberschrieben. In vier Beiträgen werdenSpannungsverhältnisse und Verwerfungen zwischenden Anforderungen des Wissenschaftsbetriebsund der persönlich-individuellen Lebensgestaltungbehandelt. Zweifellos sind hiervonWissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ingleichem Maße betroffen. Doch der nach wie vormännlich geprägte Wissenschaftsbetrieb machtes Frauen schwerer, hier ihren Weg zu finden undKarriere, Partnerschaft, Familie unter einen Hutbzw. Arbeit und Leben in eine gesunde Balancezu bringen. Dass es perspektivisch eher schwierigerwird, sich im Wissenschaftsbetrieb zu etablieren,wird im Aufsatz von Sigrid Metz-Göckel,Christina Möller und Kirsten Heusgen „Kollisionen– Wissenschaftler/innen zwischen Qualifizierung,Prekarisierung und Generativität“ deutlich.Die Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse anUniversitäten, die Herabstufung der Gehälter unddie zunehmende Befristung der Verträge macheneine Entscheidung pro Familie für NachwuchswissenschaftlerInnenimmer schwieriger. Eineoffensive Politik der Förderung von Doppelkarrierenim Wissenschaftsbetrieb wäre angesichtsdieser Entwicklung die einzig richtige Schlussfolgerung.Zu diesem Ergebnis kommt auch AlessandraRusconi in ihrem Beitrag „Zusammen andie Spitze? Der Einfluss der Arbeitsbedingungenim Paar auf die Verwirklichung von Doppelkarrieren“.Insbesondere für Wissenschaftlerinnen istdie Doppelkarriere eine conditio sine qua non, sodas Ergebnis der quantitativ empirischen Studie.Allein ist der Weg an die Spitze sehr steinig. ImKarriereduo geht es besser. Und Eltern habensogar etwas bessere Chancen auf eine Doppelkarriereals kinderlose Paare. Der Text von InkenLind „Mit Kindern auf dem Karriereweg – Wiekann Vereinbarkeit von Elternschaft und Wissenschaftgelingen?“ widmet sich genau diesemThema. Die Ergebnisse ihrer empirischen Studie– eine Vollerhebung des wissenschaftlichenPersonals von 19 Universitäten (Stichprobe von8 680 Personen) – sind hochaktuell, bestätigendie früherer Forschungsarbeiten und vermittelnein sehr differenziertes Bild der Anforderungsbewältigung.Insgesamt bleibt jedoch – trotzder starken Aufmerksamkeit, die dem Thema inder Literatur der letzten Jahre zugekommen ist –noch viel zu tun. Insbesondere sind die Universitätenals Institutionen gefragt und gefordert,Wissenschaftskarriere mit Kindern möglich zumachen. Das Leitmotiv, dass glückliche Elternauch sehr produktive WissenschaftlerInnen sind,hat leider immer noch nicht die Runde gemacht.Dem schwierigsten Bereich einer Karriere in derWissenschaft ist der letzte Beitrag gewidmet. DasAutorInnenteam Katharina Rothe, Carsten Wonneberger,Johannes Deutschbein, Kathleen Pöge,Benjamin Gedrose, Dorothee Alfermann und KathrinKronmark beschreibt in „Von Ärzten, Ärztinnenund Müttern in der Medizin“, wie schwieriges für Ärztinnen immer noch ist, Karriere in derMedizin zu machen. Obwohl die neue Generationder MedizinerInnen den Beruf eher als Jobund weniger als Berufung betrachtet, sehen sichÄrztinnen nach wie vor in ihrem Berufsalltag instarkem Maße mit tradierten Vorstellungen vonWeiblichkeit und Mutterschaft konfrontiert, sodasssie in der überwiegenden Mehrheit gegeneine (wissenschaftliche) Karriere in der Medizinvotieren. Erfahrungen aus anderen Ländern undKulturen zeigen, dass dies keineswegs so seinmuss. Gerade darin besteht hierzulande einigerNachholbedarf.Zu guter Letzt: Was hätte besser gemacht werdenkönnen? Kritisch anzumerken ist, dass der Verlagetwas mehr Sorgfalt bei der Reproduktion insbesondereder Abbildungen hätte verwenden können.Die Balkendiagramme sind z. T. sehr schlichtgeraten. Die Beschriftung und Zahlenangaben inden Abbildungen im Beitrag von Inken Lind sindleider z. T. nur noch mit einer Lupe zu lesen. Da essich um sehr aktuelle Forschungsergebnisse handelt,die das wissenschaftliche Feld voranbringen,wäre auch ein Schlagwort- und Namensregistersinnvoll gewesen. Gleiches gilt für eine Übersichtbzw. Auflistung der empirischen Studienund Forschungsarbeiten. Hierdurch hätte sich derBand noch mehr als ein Tool für die aktuelle Forschungspraxisqualifiziert. Doch abgesehen vondiesen kleineren kritischen Anmerkungen handeltes sich um einen rundum sehr gelungenen Beitragzur Hochschul- und Wissenschaftsforschungaus der Genderperspektive.Kontakt und InformationProf. Dr. Annette Zimmerzimmean@uni-muenster.deJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 93


VeröffentlichungenNeuerscheinungenChristine Demmer (2013): Biografien bilden. Lern- und Bildungsprozessevon Frauen mit Behinderung im Spannungsfeld von Teilhabe und Ausschluss397 Seiten, 19,80 €, ISBN 978-3-89733-276-8, Projektverlag, BochumKontakt und InformationDr. Christine Demmerdemmer@erz-wiss.unisiegen.deWas muss sich auf dem Weg zu einer inklusivenGesellschaft verändern, in der Menschennicht mehr durch Zuschreibungen wie Behinderungund Geschlecht benachteiligt sind? Dasvorliegende Buch ist ein Beitrag zur Biografieforschungim Schnittfeld von erziehungswissenschaftlicherFrauen- und Geschlechterforschungund interdisziplinären Disability Studies. DieAutorin analysiert die Daten von acht lebensgeschichtlichenInterviews und erschließt darausvier biografische Erzählungen, die sie auf ihrelern- und bildungsbedeutsame Aneignung vonBehinderung hin untersucht. Dabei stellt sie dieFrage, wie es den Frauen unter den beschriebenenambivalenten gesellschaftlichen undpersönlichen Bedingungen gelingt, sinnhafteKonstrukte zu ihrem Leben mit Geschlecht undBehinderung aufzubauen. In einer weiteren Perspektivewird aufgezeigt, an welchen Stellen derbiografischen Erzählung Teilhabe er- oder verunmöglichtwird. So wird deutlich, wie wichtigder aktuelle Inklusionsdiskurs und die durch ihnmöglichen Veränderungen für jede individuelleLebensgeschichte sind.Charlotte Ullrich, Beate Kortendiek (Hrsg.), (2013): Medikalisierung und Geschlechtzwischen Optimierung, Pathologisierung und Gesundheitsförderung2013, 5. Jahrgang – Vol. 5, 160 Seiten, ISSN 1868-7245, Verlag Barbara Budrich, OpladenKontakt und InformationRedaktion GENDERredaktion@genderzeitschrift.deDie Problematisierung der geschlechtsspezifischenMedikalisierung war für Frauenbewegungensowie für die Frauen- und Geschlechterforschungschon zu deren Anfängen ein zentralesThema. Der Schwerpunktteil der aktuellen GEN-DER-Ausgabe beschäftigt sich mit der Frage, wiesich das Verhältnis von Medikalisierung – verstandenals Erweiterung des Zuständigkeitsbereichesder Medizin – und Geschlecht heute beschreibenlässt. An die Stelle der Krankheit tretenandere und zum Teil schwächere Kategorien wiedie von Risiko, Verdacht oder Gesundheitsförderung,aber auch Optimierungs- und Korrekturwünsche,wobei vor allem der Frauenkörper alsdefizitär und behandlungsbedürftig konstruiertwird. Die Beiträge konzentrieren sich dabei insbesondereauf den Bereich der Körperlichkeit undder Reproduktion als zentrale Orte des Diskurses.So wird u. a. kosmetische Intimchirurgie als neuerTrend kritisch betrachtet, die Verknüpfung vonkörperlichem Erleben und medizinisch-technisiertemWissen in der Schwangerschaft herausgestelltund die europäische Gesundheitspolitik inZusammenhang mit der Bevölkerungspolitik derEU gebracht.Die Ausgabe 1/13 zum Schwerpunkt „Medikalisierungund Geschlecht zwischen Optimierung,Pathologisierung und Gesundheitsförderung“kann über die Website der Zeitschrift bestelltwerden: www.gender-zeitschrift.de.94 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


VeröffentlichungenRaewyn Connell (2013): Gender. Herausgegeben von Ilse Lenz und MichaelMeuserBuchreihe Geschlecht und Gesellschaft, 203 Seiten, 34,99 €, ISBN 978-3-531-19413-4,Springer VS, WiesbadenRaewyn Connell ist in Deutschland durch ihr Buch„Der gemachte Mann“, eine Grundlegung derMännlichkeitsforschung, weit bekannt geworden.Ihr neues Buch „Gender“ führt in interdisziplinärerund global vergleichender Perspektivein zentrale Themen und Diskussionen der Geschlechterforschungein. Auf der Grundlage desinternationalen Forschungsstandes präsentiertes in verständlicher Sprache eine empirisch fundiertewie theoretisch kohärente Darstellung desaktuellen Stands der Geschlechterforschung. DasBuch eignet sich gleichermaßen für einen erstenZugang zu diesem Forschungsgebiet wie für einevertiefende Auseinandersetzung.Kontakt und InformationProf. Dr. Ilse Lenzilse.lenz@rub.deUrsula Müller, Birgit Riegraf, Sylvia M. Wilz (Hrsg.), (2013): Geschlecht undOrganisationBuchreihe Geschlecht und Gesellschaft, 541 Seiten, 39,99 €, ISBN 978-3-531-14308-8,Springer VS, WiesbadenDie Debatten über den Zusammenhang von„Organisation und Geschlecht“ erleben seit den1970er Jahren auch im deutschsprachigen Raumeinen bemerkenswerten Aufschwung. So werdenimmer mehr Organisationstypen, Hochschulen,Sportvereine oder Unternehmen, und Organisationseinheitenwie Personalabteilungen daraufhinanalysiert, welche Rolle das Geschlecht derBeschäftigten im Alltag der Organisationen spieltund welche unterschiedlichen Erscheinungsformendie Herstellungsprozesse von Geschlechterdifferenzenhaben. Eine zentrale theoretische Frageist dabei, ob Organisationen grundlegend alsgeschlechtsneutral zu analysieren sind oder eherals durch Geschlecht strukturierte soziale Gebildebetrachtet werden müssen. Das vorliegendeBuch führt in die Dynamik des Themenkomplexesein. Die zentralen Theorieangebote werden anhandunterschiedlicher Untersuchungsfelder und-themen nachgezeichnet.Kontakt und InformationProf. (i. R.) Dr. Ursula Müllerursula.mueller@unibielefeld.deProf. Dr. Birgit Riegrafbriegraf@mail.upb.deMoritz Baßler, Robin Curtis, Heinz Drügh, Nadja Geer, Thomas Hecken, MaschaJacobs, Nicolas Pethes, Katja Sabisch (Hrsg.), (2013): POP. Kultur und Kritik2013, Heft 2, 176 Seiten, kart., 16,80 €, ISBN 978-3-8376-2299-7, transcript Verlag,BielefeldDie Zeitschrift „POP. Kultur und Kritik“ analysiertund kommentiert die wichtigsten Tendenzen deraktuellen Popkultur in Musik und Mode, Politikund Ökonomie, Internet und Fernsehen, Literaturund Kunst. „POP“ liefert feuilletonistische Artikelund Essays mit kritisch pointierten Zeitdiagnosen.„POP“ bietet wissenschaftliche Aufsätze, die sichin Überblicksdarstellungen zentralen Themen derzeitgenössischen Popkultur widmen. Die Zeitschriftrichtet sich sowohl an WissenschaftlerInnenund Studierende als auch an JournalistInnenund alle LeserInnen mit Interesse an der Pop- undGegenwartskultur.Im zweiten Heft geht es u. a. um die Ästhetik desSupermarkts, Apps und Pop-Ökonomie.Kontakt und InformationProf. Dr. Katja Sabischkatja.sabisch@rub.deJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 95


VeröffentlichungenFlorence Hervé (Hrsg.), (2013): Flora Tristan oder: Der Traum vomfeministischen Sozialismus144 Seiten, 9,90 €, brosch., ISBN 978-3-320-02293-8, dietz, BerlinKontakt und InformationDr. Florence Hervéflorence.herve@t-online.dewww.florence-herve.com„Meine Großmutter war eine merkwürdige Frau.Sie nannte sich Flora Tristan. Sie erfand eine Vielzahlsozialistischer Geschichten, unter anderemdie Arbeiterunion ... Wahrscheinlich konnte sienicht kochen. Ein sozialistischer, anarchistischerBlaustrumpf!“ Autor dieser Sätze ist der MalerPaul Gauguin. Er hat seine Großmutter nicht gekanntund deren Bücher nicht gelesen, und gibtzu, Wahrheit und Dichtung hier nicht auseinanderhaltenzu können. Mit ihr sollte er den Stolz,die Eigensinnigkeit und die Leidenschaftlichkeitteilen. Es gab und gibt viele Legenden um FloraTristan, die – verfolgt und vergöttert, geliebtund gehasst – in Deutschland heute kaum nochbekannt ist. In Frankreich wurden in den 1970erJahren Frauengruppen, Frauenhäuser, Straßenund Bildungseinrichtungen nach ihr benannt. InLima gibt es seit 1979 das Zentrum Flora Tristanfür Frauenrechte. Anlässlich ihres 200. Geburtstageswurde sie 2003 mit Ausstellungen,Kolloquien und Theateraufführungen gewürdigt.Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosawidmete der Rebellin und Vorkämpferin desmodernen Feminismus sowie deren Enkel, demMaler Paul Gauguin, seinen Roman „Das Paradiesist anderswo“. Er befand den Lebenswegder Flora „reich an Farbigkeit wie kaum ein anderer“.Gisela Notz (2012): „Freiwilligendienste“ für alle. Von der ehrenamtlichenTätigkeit zur Prekarisierung der „freiwilligen“ Arbeit120 Seiten, 10 €, ISBN 978-3-940-865-28-1, AG SPAK Bücher, Neu-UlmKontakt und InformationDr. Gisela Notzgisela.notz@t-online.deIn diesem Buch, durch das die Forschung vonGisela Notz zum Thema „Ehrenamt“ aktualisiertwird, geht es darum, aufzuzeigen, wie sich dieBedeutung der „freiwilligen“ Arbeiten im Laufeder Geschichte wandelt. Diese weist die Merkmaleder sogenannten traditionellen „ehrenamtlichenArbeit“ auf, das heißt etwas für anderetun, etwas an andere abgeben. Nachgezeichnetwird die historische Entwicklung der „freiwilligen“Arbeit von Beginn der Industrialisierungbis zur Krise des Sozialstaates und zur aktuellensozialpolitischen Situation. Schwerpunktebilden die Armenfürsorge, die Gründung derWohlfahrtsverbände, die Entstehung des Sozialstaatessowie die Ausweitung und Propagierungder Gratisarbeit vor und während der beidenWeltkriege hin zum Pflichtdienst unter dem NS-Regime. Erinnert wird auch an die vielen (vor allem)Frauen, die am Aufbau der demokratischenBundesrepublik über parteiliche und ideologischeGrenzen hinweg hoffnungsfroh „freiwillig“arbeiteten.Elke Kleinau, Barbara Rendtorff (Hrsg.), (2012): Differenz, Diversität und Heterogenitätin erziehungswissenschaftlichen Diskursen156 Seiten, 22,90 €, ISBN 978-3-8474-0073-8, Verlag Barbara Budrich, OpladenKontakt und InformationProf. Dr. Elke Kleinauelke.kleinau@uni-koeln.deProf. Dr. Barbara Rendtorffbarbara.rendtorff@unipaderborn.deIm erziehungs- und sozialwissenschaftlichen Diskurswerden die Begriffe „Heterogenität“ und„Diversität“ als Plastikworte für Verschiedenheitenaller Art eingesetzt. Die Verwischung derKategorien erscheint modern und fortschrittlich:Frauen- und Geschlechterforschung war gestern –heute ist „Diversität“ oder „Heterogenität“ angesagt,und da scheint ja Geschlecht „mit drin“ zusein. Die AutorInnen setzen sich kritisch und zeitgemäßmit den aktuellen Tendenzen auseinander.96 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


VeröffentlichungenErna Appelt, Brigitte Aulenbacher, Angelika Wetterer (Hrsg.), (2013):Gesellschaft. Feministische Krisendiagnosen268 Seiten, 27,90 €, ISBN 978-3-89691-237-4, Verlag Westfälisches Dampfboot, MünsterDer Band versammelt Expertisen, Diagnosen undReflexionen zur modernen Gesellschaft, die bisan deren Anfänge zurückgehen, aktuelle Entwicklungkritisch kommentieren und im Sinnegeschlechter- und gesellschaftspolitischer Veränderungennach vorne blicken. Es schreiben: ErnaAppelt, Brigitte Aulenbacher, Ursula Birsl undClaudia Derichs, Sabine Hark und Mike Laufenberg,Cornelia Klinger, Ilse Lenz, Beate Littig, MaxPreglau, Birgit Riegraf, Birgit Sauer, Elvira Scheich,Vandana Shiva, Angelika Wetterer.Kontakt und InformationProf.‘in Dr.‘in Erna M. Appelterna.appelt@uibk.ac.atSandra Smykalla, Dagmar Vinz (Hrsg.), (2013): Intersektionalität zwischenGender und Diversity. Theorien, Methoden und Politiken der Chancengleichheit371 Seiten, 29,90 €, ISBN 978-3-89691-230-5, Verlag Westfälisches Dampfboot, MünsterIntersektionalität gilt als neues Paradigma derGeschlechterforschung. Gleichzeitig nehmen Forschungenzu Diversität, Diversity Managementund Diversity Politics zu. Löst die Intersektionalitätsforschungdie Genderforschung ab? Ergänzensich Diversity Studies und Gender Studies? Wasverbindet die Konzepte Intersektionalität, Genderund Diversity, worin unterscheiden sie sich? MitBeiträgen von Carol Hagemann-White, BerndLadwig, Dagmar Vinz, Gertraude Krell und JohannaHofbauer, Lucy N. Chebout, Sybille Hardmeier,Ulrike Schultz, Brigitte Kerchner, Anja Lindau,Ingrid Jungwirth, Sabine Beckmann und PatrickEhnis, Ulrike Hormel, Sandra Smykalla, BarbaraBeham, Edelgard Kutzner, Katharina Schiederigund Johanna Kösters.Kontakt und InformationDr. Sandra Smykallasandra.smykalla@fh-kiel.deUte Gause, Stephanie Scholz (Hrsg.), (2012): Ehe und Familie im Geist desLuthertums. Die Oeconomia Christiana (1529) des Justus Menius144 Seiten, 34,00 €, ISBN 978-3-374-03098-9, Evangelische Akademie, LeipzigBei der vorliegenden Quellenedition, Band 6 derReihe Historisch-theologische Genderforschung,handelt es sich um eine grundlegende Schriftlutherischer Konfessionskultur, die, zusammenmit der späteren Haustafelliteratur, das Alltagslebenund die Sozialstruktur in den evangelischenGebieten Deutschlands bis nach dem ZweitenWeltkrieg maßgeblich geprägt hat. Justus Menius,enger Mitstreiter Luthers, veröffentlichte dieOeconomia Christiana flankierend zu LuthersKleinem Katechismus. Luther selbst unterstütztedas in Wittenberg herausgegebene Büchleinmit einem Vorwort. In Verbund mit Luthers Katechismuswurde somit neben Glaubensinhaltenauch eine aus diesem Glauben begründete Ethikvermittelt. Die kirchliche Reformation wurde dadurchebenso zu einer Reformation des häuslichenLebens. In humanistischer Tradition undbasierend auf der aristotelischen Struktur desHauses entwarf Menius hier ein Modell, das sogar,ausgehend von der häuslichen Ordnung –Ehepaar, Gesinde, Kinder –, als Basis der politischenOrdnung dienen sollte.Der Text lag bisher nicht ediert vor. Die vorliegendeStudienausgabe zeichnet sich durchihre hohe BenutzerInnenfreundlichkeit aus. DerQuellentext ist mit einem ausführlichen Apparatbestehend aus zahlreichen Kommentaren, Bibelstellenverweisenund Worterklärungen unterlegt.Dazu kommen in mehreren der Quelle vorgeschaltetenKapiteln durch die Herausgeberinnenausführliche Einführungen in den Text: zur Kontextualisierunginnerhalb des sich ausbildendenLuthertums und der Ökonomikliteratur sowiezum Verfasser, der Edition und Druckgeschichte.Die Ausgabe hat zum Ziel, besonders Studierendendas Verständnis lutherischer Sozialordnungund deren langwirkenden Einfluss auf die Verbürgerlichungder Gesellschaft in Deutschland zuerschließen.Kontakt und InformationDr. Esther Hornungevth-kg@rub.dewww.ev-theol.rub.de/lehrstuehle/gause/lsstartseite.htmlJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 97


VeröffentlichungenSanda Grätz (Hrsg.), (2013): Zwei Jahrzehnte Gleichstellung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. 1990–2012. Eine Dokumentation125 Seiten, 19,80 €, ISBN 978-3-943460-25-4, düsseldorf university press, DüsseldorfKontakt und InformationDr. Mechthilde Vahseninfo@feedback-vahsen.dewww.feedback-vahsen.deVor über 20 Jahren wurde das Amt der Gleichstellungsbeauftragtenan der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf eingerichtet. Keine leichteAufgabe, die inhaltlichen Vorgaben in die universitärePraxis vor Ort zu überführen. Denn nebender minimalen Ausstattung, die häufig zu Improvisationennötigte, musste sehr viel Aufklärungsarbeitgeleistet werden.Heute steht das Amt auf festen Füßen mitten inder Universität – ein großes Team kümmert sichum alle Belange, die mit dem Amt und der Umsetzungder Gleichstellung verbunden sind. DieAufgaben der Gleichstellungsbeauftragten habensich in den 20 Jahren wesentlich geändert.Oberstes Ziel ist aber immer noch, durch vielfältigeMaßnahmen die Erhöhung der Anzahl vonProfessorinnen an Hochschulen zu erreichen. DieVereinbarkeit von Familie und Studium/Beruf isteine der Voraussetzungen für eine Karriere inder Wissenschaft. Die Heinrich-Heine-UniversitätDüsseldorf hat dies erkannt, die Auditierung als„familiengerechte Hochschule“ ist ein Beweisdafür.Die vorliegende Dokumentation, zusammengestelltvon Mechthilde Vahsen, veranschaulichtden Weg, den Frauenförderung und Gleichstellungan der Heinrich-Heine-Universität gegangensind. Der Blick in die Geschichte fördert so manchesspannende Detail zutage und präsentiertzugleich die größeren Zusammenhänge.Bea Lundt, Toni Tholen (Hrsg.), (2013): „Geschlecht“ in der Lehramtsausbildung.Die Beispiele Geschichte und DeutschBand 3, 464 Seiten, 49,90 €, ISBN 978-3-643-12021-2, LIT Verlag, MünsterKontakt und InformationProf. Dr. Bea Lundtlundt@uni-flensburg.dewww.bea-lundt.deDie Kategorie „Geschlecht“ hat eine Schlüsselfunktionfür die gegenwärtige Neusortierung undOrdnung von Lebensmodellen, Praktiken undWissensvorräten der Menschen. Deshalb ist esumso wichtiger, Aspekte und Dimensionen von„Geschlecht“ in zeitgemäßer Weise auf allenEbenen der Lehramtsausbildung und im Unterrichtzu thematisieren. Dazu bedarf es aber einesneuen Dialogs zwischen den Fachdidaktiken,Fachwissenschaften und den Gender Studies. DieBeiträge des Bandes wollen diesem notwendigenDialog am Beispiel der Fächer Geschichte undDeutsch Impulse geben.Yvonne P. Doderer, Württembergischer Kunstverein Stuttgart (Hrsg.), (2013):Rote Rosen statt Zerstörung. Frauen im Widerstand gegen Stuttgart 21Württembergischer Kunstverein StuttgartKontakt und InformationProf. Dr. Yvonne P. Dodererypdoderer@transdisciplinary.netDie Frauen, die in diesem Buch zu Wort kommen,sprechen über die vielfältigen Gründe, die siezu ihrem ausdauernden Widerstand gegen dasBahn- und Immobilienprojekt Stuttgart 21 motiviert,und über die Erfahrungen, die sie als widerständige,politisch bewusste Frauen gemachthaben. Ihre Antworten machen sehr viele Aspektedes Widerstands gegen Stuttgart 21 deutlich.Diese engagierten Bürgerinnen sind auch ein Beispieldafür, dass Frauen eine sehr wichtige Rollein Widerstandsbewegungen einnehmen und diesewesentlich mittragen.98 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


VeröffentlichungenYvonne P. Doderer (2013): Räume des Politischen. Dimensionen desStädtischen223 Seiten, 12,80 €, ISBN 978-3-86991-903-4, Monsenstein & Vannerdat, MünsterStadt ist vor allem als ein gesellschaftlicher Raum –und damit auch als genuin politisch – zu verstehen.Von einem solchen Ansatz ausgehend eröffnensich in Bezug auf Stadtgeschichte, Stadtpolitikund Stadtplanung vielfältig Fragestellungen,die hier im Horizont von Geschlechter- und Kulturtheorien,Stadt- und Migrationsforschung beispielhafterörtert werden.Kontakt und InformationProf. Dr. Yvonne P. Dodererypdoderer@transdisciplinary.netDominique Grisard, Ulle Jäger, Tomke König (Hrsg.), (2013): Verschieden sein.Nachdenken über Geschlecht und Differenz332 Seiten, 29,95 €, ISBN 978-3-89741-350-4, Ulrike Helmer Verlag, Frankfurt/M.Wie ist es möglich, ohne Angst verschieden zusein? Wie kann es gelingen, in der Verschiedenheitals gleichberechtigt anerkannt zu werden?Verschiedenheit bestimmt als grundlegendesMotiv die Art und Weise, wie sich die PhilosophinAndrea Maihofer seit den 1980ern Themen derFrauen- und Geschlechterforschung zuwendet.Maihofers Forderung nach einer Anerkennungder Differenz regt bis heute zum gemeinsamenNachdenken über Geschlecht und Differenz ausunterschiedlichen (disziplinären) Perspektiven an.So setzen sich die Beiträge dieses Buches mit derErmöglichung verschiedener Lebensweisen, Körperpraxen,Begehrensformen und Begehrensrelationenauseinander. Dabei greifen die AutorInnenauf Material aus eigenen oder gemeinsam mitMaihofer durchgeführten Forschungsprojektenzurück und diskutieren theoretische Aspekte aktuellerGeschlechterforschung.Kontakt und InformationProf. Dr. Tomke Königtomke.koenig@uni-bielefeld.deEva Bockenheimer (2013): Hegels Familien- und GeschlechtertheorieHegel-Studien, Beihefte 59, 446 Seiten, 128 €, ISBN 978-3-7873-2247-3, Meiner, HamburgPhilosophische Familien- und Geschlechterkonzeptionenwaren zu allen Zeiten ein wesentlicherBestandteil der philosophischen Arbeit, insbesonderein der politischen Philosophie, da jedegesellschaftliche Ordnung auf einer bestimmtenFamilienform und darin institutionalisierten Geschlechterverhältnissenberuht. Auch Hegel hatsich intensiv mit den Begriffen „Familie“ und„Geschlecht“ auseinandergesetzt. Eva BockenheimersArbeit liefert einen Kommentar zu dendafür zentralen Abschnitten der „Phänomenologiedes Geistes“ und der „Grundlinien der Philosophiedes Rechts“ unter Einbeziehung zahlreicherSchriften und Vorlesungen, insbesondere der„Naturphilosophie“ und der „Vorlesungen überdie Philosophie der Weltgeschichte“. Ergebnisist, dass Hegel einen ausgefeilten, systematischeingebetteten Gedankengang zum Familien- undGeschlechterverhältnis und dessen Geschichtepräsentiert, der grundlegende Einsichten bietet –auch für die Analyse der aktuellen Verhältnisseund für die Erarbeitung eines auf Emanzipationzielenden, zeitgemäßen Begriffs von Familie undGeschlechtlichkeit.Kontakt und InformationDr. Eva Bochenheimerbockenheimer@philosophie.uni-siegen.deJournal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013 99


VeröffentlichungenChristina Klenner, Wolfram Brehmer, Mareen Plegge, Yan Bohulskyy (2013):Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Tarifverträgen undBetriebsvereinbarungen in Deutschland. Eine empirische AnalyseReihe: WSI-Diskussionspapier, Nr. 184, 63 Seiten, ISSN 1861-0625, DüsseldorfKontakt und InformationDr. Christina Klennerchristina-klenner@boeckler.deFamiliengerechte Arbeitsbedingungen werdenin Deutschland nicht nur per Gesetz reguliert,sondern vor allem auch durch Tarifverträge undBetriebsvereinbarungen. Auf der Basis einer Auswertungder wichtigsten 110 Tarifverträge sowieder WSI-Betriebsrätebefragung 2011 wird indiesem Diskussionspapier analysiert, in welchemMaße auf tariflicher und betrieblicher Ebene inden letzten Jahren eine Zunahme von kollektivenRegelungen zur Vereinbarkeit von Familie und Berufin Deutschland zu beobachten ist, zu welchenThemen neue Regelungen vereinbart wurden undwelche Motive zum Abschluss der Regelungenführten. Dabei zeigt sich, dass Familienfreundlichkeitin den letzten Jahren trotz einzelner neuerund teilweise innovativer Regelungen weder aufder tariflichen noch auf der betrieblichen Ebeneein Schwerpunkt der Regulierungsbemühungengewesen ist. Bezüglich der Ursachen muss unterschiedenwerden zwischen Tarifverträgen undBetriebsvereinbarungen. Während der Abschlussvon Betriebsvereinbarungen zu familiengerechtenArbeitsbedingungen kaum systematischaufgrund struktureller Betriebsmerkmale erklärtwerden kann, zeigt sich bei den Motiven, die zumAbschluss so gestalteter Tarifverträge führten, einWandel weg von der Frauenförderung hin zu eherökonomischen Begründungen.Rita Schäfer, Eva Range (2013): Wie mit Homophobie Politik gemacht wird.Menschenrechte und Verfolgung von LSBTI_Aktivist_innen in Afrika26 Seiten, ISBN 978-3-86498-447-1, Friedrich-Ebert-Stiftung, BerlinKontakt und InformationCaroline Lemmercaroline.lemmer@fes.deDie Publikation kann als Printexemplar bestelltoder online abgerufen werden unter: http://library.fes.de/pdf-files/iez/09598.pdf.Susanne Regener, Katrin Köppert (Hrsg.), (2013): privat/öffentlich. MedialeSelbstentwürfe von Homosexualität207 Seiten, 20 €, ISBN 978-3-85132-692-5, Verlag Turia + Kant, Wien, BerlinKontakt und InformationProf. Dr. Susanne Regenerregener@medienwissenschaft.uni-siegen.deSelbstentwürfe werden in so verschiedenen Medienwie Fotografien, Scrapbooks, amateurhaftenFilmen, Grafiken, Skulpturen, digitalen Text-Bild-Collagen sichtbar. Die Analysen in diesem Bandstellen die kulturprägende Kraft von homosexuellenSelbstbildern für westeuropäische undUS-amerikanische Gesellschaften heraus. Unserspezielles Interesse gilt den Grenzverschiebungenzwischen privaten und öffentlichen Bildern,die in den 1970er Jahren entstanden, als Schwule,Lesben, Tunten und Transen aus dem Untergrundhervortraten und erstmals als politischeBewegungen erkennbar wurden. Welche neuenBedeutungen erhalten dann die privaten, vormalsheimlichen Bildpraktiken?Beiträge von Karin Bruns, Jennifer V. Evans, KatrinKöppert, Sebastian Mohr, Susanne Regener, IsabelRichter, Steffen Siegel und Volker Woltersdorff.100 Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW Nr. 32/2013


JournalNetzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRWNr. 32/2013Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRWUniversität Duisburg-Essen | 45127 Essenwww.netzwerk-fgf.nrw.deISSN 1617-2493

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