Die Prager Ketzer - hoffnung weltweit ev

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Die Prager Ketzer - hoffnung weltweit ev

HOFFNUNG-WELTWEIT.DE . BIBELSTREAM.ORG . ISSN 2191-5253 . MÄRZ 2013Versöhnungstag© shutterstock.com - Renata SedmakovaWikipedia - public domainDie PragerKetzer© iStockphoto.com - Nastco


ImpressumINHALTDas MagazinVersöhnungstag3 Die Vorgeschichteengagiert sich für Versöhnung mit Gott undzwischen Menschen aus verschiedenen Kulturen.Denn heute am endzeitlichen Versöhnungstagamtiert Jesus, Bruder aller Menschen, alsHoher Priester im himmlischen Heiligtum,dem kosmischen Gerichtshof. Dort tilgt er diebereuten Sünden seiner Nachfolger aus denBüchern. Bald schließt er die Akten und kommtals Befreier und König, um Menschen aus allenVölkern und Sprachen in seine Hauptstadt, dasneue Jerusalem, zu bringen.Deshalb lädt diese Zeitschrift ein, Jesusnachzufolgen und Versöhnung zu erleben.4 Jan Hus der Ketzer7 Konfrontation mit Rom12 Das Konzil von Konstanz17 Jan Hus der Märtyrer20 Hieronymus der Ketzer26 Die Hussitenkriege30 Niederlage und Hoffnung32 MedienHerausgeberhoffnung weltweit e.V.Postfach 115079332 HerbolzheimDeutschlandTelefon/InternetTel./Fax: (+49) 0700 46364938bzw. 0700 INFOHWEV (12 Cent/Minute)info@hoffnung-weltweit.dewww.hoffnung-weltweit.deDIE PRAGER KETZERAbonnementFür 12 Ausgaben pro Jahr: 25,00 €Kostenloses Probeabo für drei AusgabenBefristetes Freiabo möglichBankverbindung und SpendenKontonummer 81 18 762Bankleitzahl 683 518 65Sparkasse MarkgräflerlandIBAN: DE83 6835 1865 0008 1187 62BIC: SOLADES1MGLRedaktionKai Mester, Alberto Rosenthal, FriedebertRosenthalGrafik video-musik.deDruckMHA e.V., 73635 RudersbergBibelzitate – falls nicht anders vermerkt – ausder Schlachterübersetzung 2000.ISSN 2191-5253hoffnung weltweitist ein Arbeitskreis, der von Siebenten-Tags-Adventistengegründet wurde. Sein Ziel ist es, die Gesundheitdes Menschen ganzheitlich zu fördern. Zu diesemZweck veröffentlichen wir seit 1996 Informations- undRatgeber-Literatur, veranstalten Seminare und unterstützenProjekte.Unsere Ausrichtung wird getragen von den Aussagen»Jesus heilt« und »Jesus kommt« sowie vom adventistischenGlaubensgut, wie es sich im literarischen Nachlassder bekannten Bibelkommentatorin Ellen GouldWhite (1827-1915) darstellt. In diesem Rahmen fördernwir die Verbreitung der Guten Nachricht durch Literatur,moderne Medien, Bildungsangebote, Gesundheitsarbeitund ein naturverbundenes Leben.2 Versöhnungstag MÄRZ 2013


Jan Hus der KetzerAls arme Halbwaise auf dieUni (1369 – 1390)Jan Hus stammte aus einfachen Verhältnissenund wurde früh Halbwaise,weil sein Vater starb. Seine frommeMutter betrachtete Bildung und Gottesfurchtals kostbarsten Besitz undbemühte sich, ihrem Sohn dieses Erbemitzugeben. Hus studierte an einerkleinstädtischen Schule und begabsich dann an die Universität Prag, woer ein Stipendium erhielt. Seine verwitweteund arme Mutter begleiteteihn auf dieser Reise. Weltliche Reichtümerkonnte sie ihrem Sohn nicht überlassen.Als sie sich aber der Großstadtnäherten, kniete sie mit dem vaterlosenjungen Mann nieder und erflehteden Segen des himmlischen Vaters fürihn. Sie ahnte nicht, wie ihr Gebet erhörtwerden würde.Vom armen Studenten zumUniversitätsrektor (1390 –1410)An der Universität zeichnete sich Husschon bald durch seinen unermüdlichenEinsatz und seinen schnellenFortschritt aus. Durch seine Unschuldund sein sanftes, gewinnendes Weseneroberte er sich allgemeine Anerkennung.Er war ein aufrichtiges Glied derrömischen Kirche und suchte ernsthaftnach dem geistlichen Segen, densie zu geben versprach. Anlässlicheines Jubiläums ging er zur Beichte,zahlte die letzten Münzen aus seinemschmalen Geldbeutel und nahm anden Prozessionen teil, um die verheißeneAbsolution zu erlangen. Nachseinem Schulabschluss trat er in denPriesterstand, wurde schnell befördertund erhielt bald eine Stellung am Königshof.Man ernannte ihn zum Professor[1402] und schließlich zum Rektorder Universität [1409], an der er selbststudiert hatte. In wenigen Jahren waraus dem einfachen Stipendiaten derStolz seines Vaterlandes geworden,und sein Name wurde in ganz Europaberühmt.Prediger derBethlehemskapelle (1402)Doch Hus begann seine Reformationauf einem anderen Gebiet. Ein paarJahre nach seiner Weihe zum Priesteramt[1400] ernannte man ihn zumPrediger der Bethlehemskapelle. DerGründer dieser Kapelle hatte sehrgroßen Wert darauf gelegt, die HeiligeSchrift in der Volkssprache zu verkündigen.Trotz des Widerstandes ausRom war dieser Brauch in Böhmen immernoch hier und da zu finden. Doches herrschte eine große Unkenntnisder Bibel und die schlimmsten Lastergrassierten in allen Gesellschaftsschichten.Diese Übel prangerte Hus4 Versöhnungstag MÄRZ 2013


© iStockphoto.com - GeorgiosArtschonungslos an. Er berief sich auf Gottes Wort, um den Grundsätzen der Wahrheitund Reinheit, die er predigte, Nachdruck zu verleihen.Von John Wyclifs Schriften beeinflusstEin Prager Bürger namens Hieronymus, der später ein enger Freund von Huswurde, hatte bei seiner Rückkehr aus England die Schriften von Wyclif mitge-5


acht. Die Königin von England hattedie Lehren Wyclifs angenommen. Dasie als böhmische Prinzessin ins englischeKönigshaus eingeheiratet hatte,verbreiteten sich durch ihren Einflussnun die Werke des Reformators auch inihrem Heimatland. Diese Werke las Husmit großem Interesse. Er glaubte, dassder Autor ein aufrichtiger Christ warund ließ sich für seine Reformideen gewinnen.Obwohl es ihm nicht bewusstwar, hatte Hus damit schon den Pfadbetreten, der ihn weit weg von Romführen würde.Prager Papst-Jesus-Gemäldelösen Unruhen ausEtwa um diese Zeit trafen in Prag auchzwei Engländer ein, gebildete Männer,die das Licht empfangen hatten undes nun in fernen Ländern verbreitenwollten. Sie begannen mit einem öffentlichenAngriff auf die Oberhoheitdes Papstes. Daher erteilten ihnen dieBehörden schnell Redeverbot. Ihre Plänewollten sie aber nicht aufgeben undflüchteten sich in andere Methoden. Siewaren nicht nur Prediger, sondern auchKünstler. Diese Fähigkeiten brachtensie nun ins Spiel.An einem Ort, der für alle öffentlichzugänglich war, malten sie zwei Bilder.Eines zeigte Jesus beim Einzug nach Jerusalem,wie er »sanftmütig … reitet aufeinem Esel« (Matthäus 21,5 NL), gefolgtvon seinen Jüngern in von der Reise abgenutztenKleidern und barfuß. Das andereBild zeigte eine päpstliche Prozession– der Papst war in teure Gewändergekleidet und trug eine dreifache Krone.Er saß hoch zu Ross und war herrlichgeschmückt. Vor ihm zogen Trompeterher, hinter ihm folgten Kardinäle undPrälaten in blendendem Prunk.Diese Predigt fesselte die Aufmerksamkeitaller Schichten. Die Menschenströmten in Scharen herbei, um die Gemäldezu bewundern. Keinem entgingdie Lehre und viele waren tief beeindrucktvon dem Kontrast zwischen demsanftmütigen und demütigen Rabbiund Messias auf der einen und demStolz und Hochmut des Papstes, seinesangeblichen Dieners, auf der anderenSeite. Prag war in heller Aufregung unddie Engländer mussten nach kurzerZeit feststellen, dass es für ihr eigenesWohl ratsamer war, den Schauplatz zuverlassen. Doch die Lehre wurde nichtvergessen. Die Bilder hatten Hus sehrbeeindruckt und ließen ihn die Bibelund die Schriften von Wyclif noch tieferstudieren. Obwohl er auch jetzt nochnicht so weit war, alle Reformen anzunehmen,für die Wyclif eintrat, erkannteer das wahre Wesen des Papsttumsdeutlicher und verurteilte mit großemEifer Stolz, Ehrgeiz und Korruption derHierarchie.Deutschland profitiertVon Böhmen aus erreichte das LichtDeutschland, denn die Unruhen an derPrager Universität führten dazu, dassHunderte von deutschen Studentennach Hause zurückkehrten. Viele vonihnen hatten Hus ihr erstes Bibelwissenzu verdanken. Wieder daheim, verbreitetensie das Evangelium in ihrem Vaterland.•6 Versöhnungstag MÄRZ 2013


Konfrontationmit Rom© shutterstock.com - KajanoHus zur Audienz beim Papst geladen (1410)Die Nachrichten von den Vorkommnissen in Prag gelangten nach Rom undHus wurde zu einer Audienz beim Papst bestellt. Wäre er der Einladung gefolgt,hätte das seinen sicheren Tod bedeutet. Der König und die Königin vonBöhmen, die Universität, der Adel und die Regierungsbeamten verfassten einegemeinsame Petition an den Papst, dass Hus in Prag bleiben und einen Vertreternach Rom senden dürfe. Statt dieser Bitte nachzukommen, setzte derPapst den Gerichtsprozess gegen Hus fort, verurteilte ihn und verhängte dasInterdikt über die Stadt Prag.Interdikt: keine kirchlichen Amtshandlungen (1411)In jener Zeit löste dieses Urteil großes Entsetzen aus. Die Riten, die es begleiteten,waren geeignet dem Volk Schrecken einzuflößen. Sah es doch im Papst7


den Vertreter Gottes selbst, der die Schlüssel zum Himmel und zur Hölle innehatteund die Macht besaß, sowohl materielle als auch geistliche Strafgerichteheraufzubeschwören. Man glaubte, dass die Himmelstore nun für dasGebiet geschlossen waren, das unter dem Interdikt stand, ja dass die Toten erstZugang zum Paradies erhalten würden, wenn der Papst den Bann aufhebenwürde. Im Zeichen dieser schrecklichen Katastrophe wurden alle Gottesdiensteausgesetzt. Die Kirchen wurden geschlossen, Ehepaare draußen im Kirchhofgetraut, die Toten durften nicht mehr auf geweihtem Grund beigesetztwerden, sondern wurden ohne Gottesdienst in den Gräben oder Feldern verscharrt.Auf diese Weise suchte Rom durch Maßnahmen, die die Fantasie anregten,die Gewissen der Menschen zu regieren.Hus zieht sich aufs Land zurückDie Stadt Prag war in Aufruhr. Eine große Partei beschuldigte Hus, die Ursacheall ihrer Probleme zu sein und forderte, dass er der Rache Roms ausgeliefertwürde. Um den Sturm zu stillen, zog sich der Reformator eine Zeit lang in seinHeimatdorf zurück. Damals schrieb er seinen Freunden in Prag: »Ich habe michaus eurer Mitte zurückgezogen, weil ich dem Wort und dem Vorbild Jesu Christifolge, um zu verhindern, dass die Übelgesinnten ewige Verdammnis übersich bringen und um die Frommen nicht in Not und Verfolgung zu stürzen. Ichhabe mich auch zurückgezogen, weil ich fürchte, dass unfromme Priester dieVerkündigung von Gottes Wort unter euch weiter verbieten könnten. Ich habeeuch aber nicht verlassen, weil ich die göttliche Wahrheit verleugne, für die ichmit Gottes Hilfe bereit bin zu sterben.« (Bonnechose, The Reformers Before theReformation, B. 1, S. 87) Hus stellte sein Wirken nicht ein, sondern bereiste dasPrager Umland, um begierigen Menschenmassen zu predigen. Auf diese Weiseförderten die Maßnahmen des Papstes zur Unterdrückung des Evangeliumsnur seine weitere Verbreitung. »Gegen Gottes Wahrheit können wir ohnehinnichts ausrichten, wir können nur für sie eintreten.« (2. Korinther 13,8 Hoffnungfür alle)Gewissenskonflikt zwischen Kirche und Glaube»Hus schien zu diesem Zeitpunkt seiner Laufbahn einen schmerzlichen innerenKonflikt durchzumachen. Obwohl die Kirche ihn mit ihrem Donnerwetterüberwinden wollte, bezweifelte er ihre Vollmacht nicht. Die römische Kirchewar für ihn immer noch die Braut Christi und der Papst der Repräsentant undStellvertreter Gottes. Hus kämpfte nicht gegen ihre Vollmacht selbst, sonderngegen ihren Machtmissbrauch. Dies brachte ihn in einen schrecklichen innerenKonflikt zwischen seinen Überzeugungen und seinem Gewissen.8 Versöhnungstag MÄRZ 2013


Wenn ihre Vollmacht rechtmäßig und unfehlbar war – und das glaubte er –,wie kam es dann, dass er sich gezwungen fühlte, sich ihr zu widersetzen? Gehorsam,so meinte er, wäre Sünde gewesen. Doch wie konnte man in so eineZwickmühle geraten, wenn man einer unfehlbaren Kirche gehorchte? Dies wardas Problem, das er nicht lösen konnte. Dies war der Zweifel, der ihn Stundeum Stunde quälte.Die Lösung?Der Lösung am nächsten schien ihm der Gedanke zu sein, dass wieder geschah,was schon damals zur Zeit des Heilands geschehen war: Die Priesterder Kirche waren gottlos geworden und nutzten ihre rechtmäßige Autorität zuunrechtmäßigen Zwecken. Dies führte ihn dahin, dass er sich selbst – und diespredigte er auch andern – gemäß dem Grundsatz richtete, nach besten Wissenund Gewissen die Vorschriften der Bibel zu befolgen. In anderen Worten: GottesWorte in der Bibel und nicht die Worte der Kirche durch die Priester warenfür ihn der einzige unfehlbare Führer.« (Wylie, B. 2, K. 2)Rückkehr in die BethlehemskapelleAls nach einiger Zeit die Aufregung in Prag abebbte, kehrte Hus in seine Bethlehemskapellezurück, um dort mit größerem Eifer und Mut Gottes Wort zupredigen. Seine Feinde waren aktiv und mächtig, aber die Königin und andereAdelige waren seine Freunde, und das Volk stand zuhauf hinter ihm. Viele betrachtetenes als Ehre auf seiner Seite zu stehen. Sie hatten seine reinen, erhabenenLehren und sein heiliges Leben mit den entwürdigenden Dogmen verglichen,die die römisch-katholischen Priester predigten, und mit der Habsuchtund Ausschweifung, die sie praktizierten.Eine Freundschaft bis über den Tod hinausBislang hatte Hus alleine gewirkt. Doch nun schloss sich Hieronymus, der inEngland die Lehren Wyclifs angenommen hatte, der Reformation an. Die beidenhielten für den Rest ihres Lebens zusammen und konnten nicht einmaldurch den Tod getrennt werden. Ein brillanter Geist, Redegewandtheit und Bildung– die Gaben, mit denen er das Volk für sich eroberte – waren Hieronymusim Übermaß geschenkt. Doch die Eigenschaften, die einen wirklich starkenCharakter ausmachen, waren bei Hus ausgeprägter. Sein ruhiges Urteilsvermögenmäßigte immer wieder das impulsive Temperament des Hieronymus, derin echter Demut den Wert der Ratschläge von Hus erkannte und ihnen folgte.9


ReformationsdämmerungUnter ihren gemeinsamen Bemühungen breitete sich die Reformation raschaus. Gott ließ großes Licht in die Herzen dieser Auserwählten scheinen undoffenbarte ihnen viele Irrtümer Roms. Doch sie empfingen nicht alles Licht, dasdie Welt erhalten sollte. Durch diese Himmelsboten führte Gott das Volk ausder Finsternis der römischen Religion. Doch sie mussten noch viele und großeHindernisse überwinden. Schritt für Schritt führte er sie voran ganz so, wie siees tragen konnten. Sie wären nicht in der Lage gewesen, alle Erkenntnis aufeinmal zu verarbeiten. Wie der volle Glanz der Mittagssonne jene vertreibenwürde, die lange in Finsternis gewohnt haben, so wäre es auch ihnen ergangen.Daher offenbarte Gott den Führern alles nach und nach, so wie es vomVolk aufgenommen werden konnte. Von Jahrhundert zu Jahrhundert würdenandere treue Arbeiter folgen, die das Volk immer weiter auf dem Weg der Reformationführen würden.Ein Papst und zwei Gegenpäpste (1410 – 1415)Die Kirchenspaltung dauerte an [das so genannte Abendländische Schisma].Drei Päpste rangen inzwischen um die Vorherrschaft und ihr Streit erfüllte dieChristenheit mit Verbrechen und Aufruhr [Benedikt XIII., 1394 – 1423, GregorXII., 1406 – 1415, Johannes XXIII., 1410 – 1415]. Sie waren nicht damit zufrieden,sich gegenseitig zu exkommunizieren. Nein, sie griffen sogar zu konventionellenWaffen. Jeder kaufte militärische Ausrüstung und rekrutierte Soldaten.Natürlich brauchten sie dazu Geld. Daher wurden die Gaben, Ämter und derSegen der Kirche käuflich angeboten. Auch die Priester, die ihre Vorgesetztennachahmten, verfielen der Simonie und dem Streit, um ihre Kontrahenten zudemütigen und die eigene Macht zu festigen. Hus wetterte mit täglich zunehmendemMut gegen die Gräuel, die im Namen der Religion geduldet wurden,und das Volk beschuldigte die Führer in Rom öffentlich, an dem Elend schuldzu sein, dass die Christenheit überrollte.Das zweite Interdikt (1412)Wieder schien die Stadt Prag an der Schwelle eines Krieges zu stehen. Wie inalten Zeiten wurde Gottes Diener angeklagt, »Israel ins Unglück zu stürzen«(1. Könige 18,17). Die Stadt wurde wieder unters Interdikt gestellt und Hus zogsich in sein Heimatdorf zurück. Das Zeugnis, das von seiner geliebten Bethlehemskapelleausging, verstummte. Er sollte auf einer größeren Bühne zurganzen Christenheit sprechen, bevor er sein Leben als Zeuge für die Wahrheitniederlegen würde. •10 Versöhnungstag MÄRZ 2013


11© shutterstock.com - Vladimir Sazonov


Das Konzilvon KonstanzWikipedia - James Steakley12 Versöhnungstag MÄRZ 2013


Um den Übeln abzuhelfen, dieEuropa ablenkten, wurde einallgemeines Konzil in Konstanzanberaumt [1414 – 1418]. DasKonzil wurde auf Betreiben von KaiserSigismund durch einen der drei Rivalenpäpste,Johannes XXIII., einberufen.Die Forderung nach einem Konzilwar Papst Johannes alles andereals willkommen. Denn sein Charakterund seine Politik waren nicht geeignet,einer Prüfung standzuhalten,und das nicht einmal durch Prälaten,deren Moral so lässig war wie damalsbei Geistlichen üblich. Er wollte sichjedoch dem Willen Sigismunds nichtwidersetzen.Die Hauptziele des Konzils waren dieHeilung der Kirchenspaltung und dieAusrottung der Ketzerei. Daher wurdensowohl die zwei Gegenpäpstegeladen als auch der Verfechter neuerMeinungen Jan Hus. Erstere waren umihre eigene Sicherheit besorgt und ließensich daher vertreten.Papst Johannes kam als offensichtlicherSchirmherr des Konzils mit vielenBedenken. Denn er verdächtigteden Kaiser der heimlichen Absicht,ihn absetzen zu wollen und fürchtetesowohl wegen seiner Laster, die diePapstkrone entehrt hatten, zur Rechenschaftgezogen zu werden, alsauch für die Verbrechen, durch die ersie erlangt hatte. Dennoch zog er mitgroßem Prunk in Konstanz ein, begleitetvon hochrangigen Geistlichen undgefolgt von einem Zug von Höflingen.Der gesamte Klerus und alle Würdenträgerder Stadt zogen ihm zum Willkommensgrußmit einer gewaltigenMenge von Bürgern entgegen. Überseinem Haupt schwebte ein goldenerBaldachin, den vier der obersten Richtertrugen. Die Hostie zog ihm vorausund die teuren Gewänder der Kardinäleund Adeligen machten einen majestätischenEindruck.13


Jan Hus auf dem Weg nachKonstanz (Oktober 1414)Unterdessen näherte sich auch einanderer Reisender Konstanz. Hus warsich der Gefahren bewusst, die ihmdrohten. Er trennte sich von seinenFreunden, als würden sie sich nie wiedersehenund spürte auf der ganzenReise, dass sie auf dem Scheiterhaufenenden würde. Obwohl er freiesGeleit vom böhmischen König sowievom Kaiser Sigismund erhalten hatte,traf er alle Vorbereitungen auf seinenwahrscheinlichen Tod.Hus’ Leidensbereitschaft …In einem Brief an seine Freunde inPrag schrieb er: »Meine Brüder … ichverlasse Prag unter freiem Geleit desKönigs, um meine zahlreichen Todfeindezu treffen … Ich vertraue völligdem allmächtigen Gott, meinemRetter, dass er eure innigen Gebeteerhört, damit er mir seine Weisheitin den Mund legt und ich standhaftbleibe. Er möge mir seinen HeiligenGeist schenken, um mich in seinerWahrheit zu festigen, sodass ich mutigVersuchungen, Gefängnis undfalls nötig einem grausamen Tod insAuge sehen kann. Jesus Christus hatfür seine Geliebten gelitten. Sollte esuns da erstaunen, dass er uns seinBeispiel gegeben hat, damit auch wirgeduldig alles ertragen, was unsererRettung dient? Er ist Gott und wirsind seine Geschöpfe. Er ist der Herrund wir sind seine Diener. Er ist derMeister der Welt und wir sind verachtungswürdigeSterbliche – doch erlitt! Warum sollten wir nicht auch leiden,wo uns doch gerade das Leid zurReinigung dient?Daher, ihr Lieben, betet dafür, dassder Tod schnell kommt, falls er zu seinerHerrlichkeit beitragen kann, unddass er mir hilft, alles standhaft zu ertragen.Sollte es aber besser sein, dassich zu euch zurückkehre, dann lasstuns zu Gott beten, dass ich ohne Fleckenwiederkomme – das heißt, dassich nicht ein Jota der Evangeliumswahrheitverleugne. Ich möchte meinenBrüdern ein tadelloses Beispielhinterlassen, dem sie folgen können.Wahrscheinlich werdet ihr mich dahernicht mehr in Prag zu Gesicht bekommen.Sollte der allmächtige Gott micheuch aber wieder schenken wollen, solasst uns noch entschlossener danachtrachten, sein Gesetz tiefer zu ergründenund zu lieben.« (Bonnechose, B. 1,S. 147, 148)… und SelbstkritikIn einem anderen Brief an einen Priester,der ein Jünger des Evangeliumsgeworden war, sprach Hus mit tieferDemut von seinen eigenen Fehlernund machte sich Vorwürfe, dass er»sich dem Druck gebeugt habe, teureGewänder zu tragen und Stunden mitoberflächlicher Beschäftigung vergeudetzu haben.« Er fügte dann nochdie bewegende Ermahnung hinzu:»Möge der Glanz Gottes und die Seelenrettungdein Herz erfüllen, nichtder Besitz von Pfründen und Ländereien.Hüte dich davor, dein Haus14 Versöhnungstag MÄRZ 2013


mehr zu schmücken als dein Herz undachte vor allem auf deine geistlicheErbauung. Sei fromm und demütigzu den Armen und verschwende deinVermögen nicht mit Festen. Solltestdu dein Leben nicht in Ordnungbringen und dich von Überflüssigemtrennen, so fürchte ich, dass du strenggeläutert werden wirst wie ich … Dukennst meine Lehre, denn du bist vonKindheit an von mir unterwiesen worden.Ich brauche dir daher nichts weiterzu schreiben. Doch ich beschwöredich bei der Gnade unseres Herrn,es mir nicht in irgendeiner Eitelkeitnachzutun, in die du mich hast fallensehen.« Auf dem Umschlag des Briefesergänzte er: »Ich beschwöre dich,mein Freund, dieses Siegel erst zubrechen, wenn du dir ganz sicher bist,dass ich tot bin.« (Ibid., B. 1, S. 148, 149)Hus’ Popularität inDeutschlandAuf seiner Reise begegneten Hus aufSchritt und Tritt die Auswirkungen seinerLehre und die Gunst, die man seinerSache entgegenbrachte. Die Menschenumringten ihn in Scharen, undin manchen Städten begleiteten ihndie Bürgermeister durch ihre Straßen.Verhaftet trotz freien Geleits(November 1414)Bei seiner Ankunft in Konstanz gewährteman Hus völlige Freiheit. Zumfreien Geleit des Kaisers kam noch einpersönlicher Schutzbrief des Papsteshinzu. Doch ganz gegen diese feierlichenund wiederholten Erklärungenwurde der Reformator schon nachkurzer Zeit auf Geheiß des Papstesund der Kardinäle verhaftet und ineinen widerlichen Kerker gesperrt.Später wurde er als Gefangener ineine Burg auf der anderen Rheinseiteverlegt.Papst Johannes XXIII. kommtins Gefängnis (April 1415)Dem Papst nützte seine Niedertrachtwenig. Schon bald wurde er in dasselbeGefängnis gebracht (Ibid., B. 1,S. 247). Das Konzil hatte ihn nebenMord, Simonie und Ehebruch dergemeinsten Verbrechen für schuldigbefunden, »Sünden, die man nichteinmal aussprechen sollte«, so sagtedas Konzil selbst. Schließlich entzogman ihm die Papstkrone und warf ihnins Gefängnis. Die Gegenpäpste wurdenebenso abgesetzt und ein neuerPontifex wurde gewählt.Kaiser Sigismund wirdschwachObwohl der Papst selbst größererVerbrechen schuldig war, als Hus denPriestern je vorgeworfen und weshalber eine Reformation angemahnthatte, wandte sich dasselbe Konzil,das den Papst abgesetzt hatte, nunder Ausschaltung des Reformatorenzu. Die Gefangennahme von Hus löstegroße Empörung in Böhmen aus.Mächtige Adelige reichten ernsteProteste gegen diese Unerhörtheitein. Der Kaiser, dem es nicht passte,15


Wikipedia - SchlampiKonstanzer Konzil-Gebäude (2009)dass man gegen seine Schutzzusageverstoßen hatte, wollte kein Verfahrengegen Hus. Doch die Feindedes Reformators waren boshaft undentschlossen. Sie appellierten an dieVorurteile und Ängste des Kaisers, sowiean seinen Eifer für die Kirche. Siebrachten langatmige Argumente, umzu beweisen, dass »man Ketzern oderder Ketzerei Verdächtigten kein Vertrauenschenken dürfe, auch wenn sieSchutzbriefe von Kaisern oder Königenbei sich führen« (Jacques Lenfant,History of the Council of Constance, B.1, S. 516).Hus in Ketten vor dem Konzil(Juni 1415)Geschwächt durch Krankheit und Gefängnis– denn durch die feuchte, stickigeLuft im Kerker hatte er sich einFieber zugezogen, das ihn fast das Lebenkostete – wurde Hus schließlichvor das Konzil geführt. Mit Ketten beschwertstand er vor dem Kaiser, dersich mit seiner Ehre und seiner Vertrauenswürdigkeitfür seinen Schutzverbürgt hatte. Während des langenVerhörs stand er fest zur Wahrheitund brachte vor den versammeltenkirchlichen und staatlichen Würdenträgerneinen feierlichen und ernstenProtest gegen die Korruption der Hierarchievor. Als er vor die Wahl gestelltwurde, entweder seine Lehren zu widerrufenoder den Tod zu erleiden,fügte er sich in sein Martyrium.Gottes Gnade erhielt ihn aufrecht.Während der Wochen des Leides, diedem Urteilsspruch vorausgegangenwaren, hatte der Friede des Himmelssein Herz erfüllt. »Ich schreibe diesenBrief«, so formulierte er an einenFreund, »im Gefängnis und mit angeketteterHand und erwarte, dass manmorgen mein Todesurteil verkündet… Wenn wir uns mit der Hilfe JesuChristi im zukünftigen Leben in köstlichemFrieden wiedersehen, wirst duerfahren, wie barmherzig Gott mitmir gewesen ist, wie er mich mitten inVersuchungen und Prüfungen erhaltenhat.« (Bonnechose, B. 2, S. 67) •16 Versöhnungstag MÄRZ 2013


Jan Hus derMärtyrer… träumt die ZukunftIm düsteren Kerker sah er den Triumph deswahren Glaubens voraus. In seinen Träumenkehrte er in die Kapelle nach Prag zurück, woer das Evangelium gepredigt hatte. Er sah,wie der Papst und seine Bischöfe die Gemäldeauslöschten, die er von Jesus auf dieWand gemalt hatte. »Diese Vision bedrückteihn: Doch schon am nächsten Tag sah er,wie viele Maler damit beschäftigt waren,die Gestalten in noch größere Anzahl undin leuchtenderen Farben zu restaurieren.Sobald sie fertig waren, riefen die Maler,umgeben von einer gewaltigen Menschenmenge:›Jetzt sollen die Päpste und Bischöfekommen; sie werden die Gemälde nie mehrauslöschen können!‹ Der Reformator erzähltevon diesem Traum: »Ich bin ganz sicher,dass Jesu Bild nie mehr ausgelöscht werdenkann. Sie wollten es vernichten, aber es wirdin allen Herzen durch viel bessere Prediger,als ich einer war, neu gemalt werden.«(D’Aubigne, B. 1, K. 6)Sein letztes Verhör (Juli 1415)Ein letztes Mal wurde Hus vor das Konzil geführt.Es war eine ungeheure und schillerndeVersammlung – der Kaiser, die Reichsfürsten,die königlichen Vertreter, die Kardinäle,Bischöfe, Priester und eine gewaltige Menschenmenge,die als Schaulustige gekommenwar. Aus allen Teilen des Christentumssollten Zeugen dieses ersten großen Opfersim langen Kampf um die Gewissensfreiheitanwesend sein.Nach seiner letzten Entscheidung befragt,erklärte Hus, dass er sich weigere abzuschwören.Er richtete seinen durchbohrendenBlick auf den Monarchen, dessenverbürgtes Wort so schamlos gebrochenworden war, und erklärte: »Ich entschlossmich, aus freien Stücken vor diesem Konzilzu erscheinen unter öffentlichem Schutzund der Zusicherung des Kaisers, der hieranwesend ist.« (Bonnechose, B. 2, S. 84) Einetiefe Röte überzog das Gesicht Sigismunds,als sich die Augen aller in der Versammlungauf ihn richteten.KetzerkleidungNachdem das Urteil verkündet war, beganndie erniedrigende Zeremonie. Die Bischöfekleideten den Gefangenen wie einen Priester.Als er das Priestergewand anzog, sagteer: »Unserem Herrn Jesus Christus zog manein weißes Kleid an, um ihn zu beleidigen,als Herodes ihn vor Pilatus führte.« (Ibid.,17


B. 2, S. 86) Man ermahnte ihn noch einmalzu widerrufen. Doch er erwiderte zum Volkgewandt: »Mit welchen Augen könnte ichdann den Himmel schauen? Wie könnte ichden Massen in die Augen schauen, denen ichdas reine Evangelium gepredigt habe? Nein,ihr Heil ist mir wichtiger, als dieser armseligeLeib, der nun dem Tod geweiht ist.« SeineKleider wurden ihm eines nach dem anderengenommen. Jeder Bischof sprach einenFluch über ihn, als er in der Zeremonie an dieReihe kam. Schließlich »setzten sie ihm eineMütze auf, eine pyramidenartige Papierkrone,die mit schrecklichen Dämonen bemaltund vorne mit dem weithin sichtbaren Wort›Erzketzer‹ versehen war. ›Mit besondererFreude‹, sagte Hus, ›werde ich diese Kroneder Schmach dir zuliebe, Herr Jesus, tragen,der du für mich eine Dornenkrone trugst.‹«Als er schließlich auf diese Art ausgestattetwar, »sagten die Prälaten: ›Nun überliefernwir deine Seele dem Teufel.‹ ›Und ich‹,sagte Jan Hus, und dabei hob er die Augenzum Himmel, ›befehle meinen Geist in deineHände, Herr Jesus, denn du hast mich erlöst.‹«(Wylie, B. 3, K. 7)Seine letzte Stunde (Juli 1415)Jetzt wurde er den weltlichen Behördenübergeben, die ihn zum Richtplatz führten.Eine riesige Prozession folgte. Hunderte vonbewaffneten Männern, Priester und Bischöfein ihren teuren Gewändern und die Bürgervon Konstanz. Als er auf dem Scheiterhaufengefesselt war und alles bereit war für dasFeuer, wurde der Märtyrer noch einmal ermahnt,sich zu retten, indem er seine Irrtümerverwerfe.»Was für Irrtümer«, sagte Hus, »soll ich verwerfen?Mir ist keiner bekannt. Ich rufe Gottals Zeugen an, dass ich nur Dinge geschriebenund gepredigt habe, um Menschenseelenaus der Sünde und dem Verderben zuerretten. Daher bestätige ich nun überausfreudig mit meinem Blut die Wahrheit, dieich geschrieben und gepredigt habe.« (Ibid.,B. 3, K. 7) Als die Flammen um ihn loderten,begann er zu singen: »Jesus, du Sohn Davids,hab Erbarmen mit mir!« So sang er weiter,bis seine Stimme für immer verstummte.Sein HeldentodSeine Feinde waren beeindruckt von seinemHeldentod. Ein glühender Papstanhängerbeschrieb den Märtyrertod von Hus undHieronymus, der kurze Zeit später starb, so:»Beide zeigten sich standhaft, als ihr letztesStündlein schlug. Sie bereiteten sich aufsFeuer vor, als gingen sie zu einer Hochzeit.Kein einziger Schmerzensschrei kam überihre Lippen. Als die Flammen höher schlugen,fingen sie an, Loblieder zu singen unddem Feuer gelang es fast nicht, ihren Gesangverstummen zu lassen.« (Ibid., B. 3, K. 7)Seine Asche wird zum SamenAls der Leib von Hus völlig aufgezehrt war,wurde seine Asche mit der Erde, auf der sieruhte, ausgehoben und in den Rhein geworfen,der sie weiter Richtung Ozean trug.Seine Verfolger bildeten sich ein, dass sieseine Lehren nun ausgerottet hatten. Sieahnten nicht, dass die Asche, die an jenemTag ihre Reise zum Meer begonnen hatte,wie ein Same war, der in alle Länder der Erdeverstreut wurde. Er würde in Gebieten, diebis dahin noch unbekannt waren, reichlichFrucht tragen, indem dort Zeugen für dieWahrheit aufstehen würden.18 Versöhnungstag MÄRZ 2013


Die Stimme, die auf dem Konzil von Konstanzgesprochen hatte, hallte in allen kommendenZeitaltern wider. Hus war nichtmehr, aber die Wahrheiten, für die er starb,würden nie untergehen. Sein Vorbild desGlaubens und der Standhaftigkeit würdeviele ermutigen, angesichts von Folter undTod fest für die Wahrheit einzustehen. SeineHinrichtung hatte der ganzen Welt gezeigt,wie boshaft und grausam Rom ist. Die Feindeder Wahrheit hatten unwissentlich dieSache gefördert, die sie vergeblich zu vernichtensuchten. •© iStockphoto.com - ZU_0919


Hieronymusder KetzerDoch ein weiterer Scheiterhaufensollte in Konstanz errichtetwerden. Das Blut eines weiterenZeugen musste für die Wahrheitfließen. Hieronymus hatte Hus beimAbschied in Prag ermahnt, mutig undstandhaft zu bleiben. Falls er in Gefahrgeriete, würde er rasch zu seiner Hilfeeilen. Als er von der Gefangennahmedes Reformators erfuhr, machte sichder treue Jünger sofort daran, sein Versprechenzu erfüllen. Ohne Schutzbriefzog er nur mit einem Gefährten RichtungKonstanz los.Als er dort ankam, war er überzeugt,dass er sich lediglich selbst in Gefahrbrachte, ohne etwas für die Befreiungvon Hus tun zu können. Er floh aus derStadt, wurde aber auf dem Heimweggeschnappt und in Ketten und von Soldatenbegleitet zurückgebracht.Verhör und Kerker (Mai 1415)Bei seinem ersten Erscheinen vor demKonzil begegnete man seinem Versuch,auf die Anklage zu antworten,mit dem Ruf: »In die Flammen mit ihm!In die Flammen!« (Bonnechose, B. 1, S.234) Er wurde in einen Kerker geworfenund bei Brot und Wasser in einerqualvollen Position gefesselt. Nach einpaar Monaten grausamer Inhaftierungwurde Hieronymus lebensbedrohlichkrank. Seine Feinde fürchteten, dass erihnen durch einen vorzeitigen Tod entkommenkönnte. Daher behandeltensie ihn weniger streng. Doch er blieb[insgesamt] ein Jahr in Haft.Hieronymus widerruft(September 1415)Der Tod von Hus brachte nicht die Ergebnisse,die sich die Papstanhängererhofften. Der Verstoß gegen seinenSchutzbrief hatte einen Sturm der Empörungausgelöst. So wollte man nunHieronymus zum Widerruf zwingen,statt ihn zu verbrennen. Er wurde vordie Versammlung gebracht und vordie Wahl gestellt zu widerrufen oderauf dem Scheiterhaufen zu sterben.Der Tod wäre im Vergleich zu seinenanfänglichen leidvollen Haftbedingungeneine Gnade gewesen. Dochjetzt war er von Krankheit, den Haftbedingungen,der quälenden Angst vorder Zukunft, der Trennung von seinenFreunden und der Trauer um den Todvon Hus geschwächt. So wankte seineStandhaftigkeit und er willigte ein, sichdem Konzil zu unterwerfen. Er gelobtedem katholischen Glauben Treue undnahm das Urteil des Konzils an, das dieLehren Wyclifs und Hus’ verwarf, abge-20 Versöhnungstag MÄRZ 2013


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sehen jedoch von den »heiligen Wahrheiten«,die sie gelehrt hätten (Ibid., B.2, S. 141).Hieronymus bereutDurch dieses Mittel wollte Hieronymussein Gewissen zum Schweigen bringenund seinem Schicksal entgehen. Dochin der Einsamkeit des Kerkers wurdeihm bewusst, was er getan hatte. Erdachte an den Mut und die Treue seinesFreundes Hus und dachte über seineeigene Verleugnung der Wahrheitnach. Er dachte an seinen göttlichenMeister, dem er gelobt hatte zu dienenund der ihm zuliebe den Kreuzestoderlitten hatte. Vor seinem Widerrufhatte er mitten im Leid Trost gefunden,weil er sich Gottes Gunst sicher war.Doch jetzt quälten ihn Gewissensbisseund Zweifel. Er wusste, dass er nochmehr widerrufen musste, bevor er mitRom im Frieden leben könnte. DerWeg, den er betreten hatte, könnte invölligem Abfall enden. Da stand seinEntschluss fest: Nur wegen einer kurzenLeidenszeit wollte er seinen Herrnnicht verleugnen.Hieronymus bittet umAnhörung (Mai 1416)Bald wurde er wieder vors Konzil gebracht.Seine Unterwürfigkeit hatteseine Richter nicht befriedigt. IhrBlutdurst schrie, angeheizt durch denTod von Hus, nach neuen Opfern. Nurdurch völliges Aufgeben der Wahrheitkönnte Hieronymus sein Leben retten.Doch er war entschlossen, seinen Glaubenzu bekennen und seinem Bruderals Märtyrer in die Flammen zu folgen.Er schwor seinem Widerruf ab undbat als Todgeweihter feierlich um eineGelegenheit, sich zu verteidigen. DiePrälaten fürchteten die Wirkung seinerWorte und bestanden darauf, dasser bloß erklären solle, ob die Anklageder Wahrheit entspreche oder nicht.Hieronymus protestierte gegen solchgrausames Unrecht. »Ihr habt michdreihundert und vierzig Tage in einemfurchtbaren Gefängnis eingesperrt«,sagte er, »inmitten von Schmutz, Lärm,Gestank und äußerstem Mangel; dannführt ihr mich zu euch heraus, lauschtmeinen sterblichen Feinden und verweigertmir eine Anhörung … Wennihr wirklich weise seid und Lichter indieser Welt, so versündigt euch nichtgegen das Recht! Was mich betrifft,bin ich nur ein schwacher, sterblicherMensch; mein Leben hat wenig Wert.Wenn ich euch auffordere, kein ungerechtesUrteil über mich zu fällen, dannnicht meinetwegen, sondern mehr euretwegen.«(Ibid., B. 2, S. 146, 147)Das Gebet des HieronymusSeine Bitte wurde ihm schließlich gewährt.In Gegenwart seiner Richter,kniete Hieronymus nieder und betete,dass der göttliche Geist seine Gedankenund Worte lenken und er nichtssagen möge, was gegen die Wahrheitoder seines Meisters unwürdig sei. Anihm erfüllte sich an jenem Tag GottesVerheißung an die ersten Jünger: »VorFürsten und Könige wird man euchführen um meinetwillen … Wenn sie22 Versöhnungstag MÄRZ 2013


euch aber ausliefern, so sorgt euchnicht darum, wie oder was ihr redensollt; denn es wird euch in jener Stundegegeben werden, was ihr redensollt. Denn nicht ihr seid es, die reden,sondern der Geist eures Vaters ist’s, derdurch euch redet.« (Matthäus 10,18-20)Hieronymus’Verteidigungsrede (Mai 1416)Die Worte des Hieronymus riefen Erstaunenund Bewunderung hervor,selbst bei seinen Feinden. Ein ganzesJahr lang war er hinter den Mauerneines Kerkers gewesen, konnte nichtlesen oder sehen, litt sowohl körperlichals auch mental große Qualen.Doch seine Argumente legte er nunso klar und vollmächtig vor, als hätteer die ganze Zeit ungestört studierenkönnen. Er wies seine Zuhörer auf dielange Reihe heiliger Männer hin, diedurch ungerechte Richter verurteiltwurden. In fast jeder Generation hat esMenschen gegeben, die das Los ihresVolkes verbessern wollten, aber gerügtund ausgestoßen wurden. Erst in späterenZeiten erkannte man, dass ihnenEhre gebührte. Jesus selbst wurde alsÜbeltäter von einem ungerechten Gerichtverurteilt.Bei seinem Widerruf hatte Hieronymusdas Urteil über Hus für gut befunden.Jetzt erklärte er seine Reue und bezeugtedie Unschuld und Heiligkeit desMärtyrers. »Ich kannte ihn seit seinerKindheit«, sagte er. »Er war ein großartigerMann, gerecht und heilig. Erwurde trotz seiner Unschuld verurteilt… Auch ich bin bereit zu sterben: Ichschrecke nicht vor den Qualen zurück,die meine Feinde und falschen Zeugenfür mich vorbereitet haben. EinesTages werden sie sich für ihren Betrugvor dem großen Gott, den keiner täuschenkann, rechtfertigen müssen.«(Bonnechose, B. 2, S. 151)Hieronymus fuhr fort, indem er sichselbst für die Verleugnung der Wahrheittadelte: »Von allen Sünden, die ichseit meiner Jugend begangen habe,belastet mich keine so sehr und machtmir keine so viele Gewissensbisse, wiedie, welche ich an diesem fatalen Ortbegangen habe. Ich habe das böseUrteil gegen Wyclif und den heiligenMärtyrer Jan Hus, meines Lehrers undFreundes, gebilligt. Ja! Ich bekennevon Herzen und erkläre mit Schrecken,dass ich zu meiner Schande schwachwurde, als ich im Angesicht des Todesihre Lehren verdammte. Daher fleheich … zum Allmächtigen, er möge mirmeine Sünden verzeihen und vor allemdiese scheußlichste.«Er zeigte auf seine Richter und sagtemit fester Stimme: »Ihr habt Wyclif undJan Hus nicht verurteilt, weil sie dieLehre der Kirche erschüttert haben,sondern nur weil sie die Skandale anprangerten,in die sich die Geistlichenimmer wieder verstricken, ihren Prunk,ihren Stolz und all die Laster der Prälatenund Priester. Was sie unwiderlegbarbehauptet haben, denke und erkläreauch ich.« Er wurde unterbrochen. DiePrälaten bebten vor Zorn und schrien:»Welchen Beweis brauchen wir noch?Wir sehen mit eigenen Augen denstarrköpfigsten Ketzer!«Ungerührt vom Sturm rief Hierony-23


mus: »Was! Meint ihr, ich habe Angstvor dem Tod? Ihr habt mich ein ganzesJahr in einem fürchterlichen Kerkergehalten, der schrecklicher war als derTod selbst. Ihr habt mich grausamerbehandelt als die Türken, Juden oderHeiden. Mein Fleisch verweste buchstäblichbei lebendigem Leibe an meinenKnochen. Dennoch beschwere ichmich nicht, denn die Klage schadetdes Menschen Herzen und Geist; dochkann ich meine Verwunderung darübernicht verbergen, dass an einemChristen eine so große Barbarei verübtwird.« (Ibid., B. 2, S. 151-153)Sympathisanten bearbeitenHieronymusWieder tobte der Saal und Hieronymuswurde schnell ins Gefängnis gebracht.Doch es gab einige in der Versammlung,die tief beeindruckt waren vonseinen Worten und die sein Leben rettenwollten. Er wurde von Würdenträgernder Kirche besucht und gedrängtsich dem Konzil zu unterwerfen. Dieschillerndsten Aussichten wurden ihmgeboten, falls er seinen Widerstandgegen Rom aufkündigen würde. Dochwie sein Meister, dem man allen Glanzder Welt anbot, blieb auch Hieronymusstandhaft.»Beweist mir aus der Heiligen Schrift,dass ich im Irrtum bin«, sagte er, »dannschwöre ich ab.« »Die Heilige Schrift!«,rief einer seiner Versucher. »Muss dennalles an ihr gemessen werden? Werkann sie verstehen, solange die Kirchesie nicht ausgelegt hat?«»Sind die Traditionen der Menschenglaubwürdiger als das Evangelium unseresHeilands?«, erwiderte Hieronymus.»Paulus hat die Adressaten seinerBriefe nicht aufgefordert, den Traditionender Menschen zu folgen. Er sagteviel mehr ›Forscht in der Schrift!‹«»Ketzer!«, war die Antwort, »ich bereue,dass ich so viel Zeit mit dir vergeudethabe. Ich sehe, dass du vom Teufel getriebenbist.« (Wylie, B. 3, K. 10)Mut auf dem Scheiterhaufen(Mai 1416)Schon bald wurde das Urteil über ihnverhängt. Er wurde an denselben Platzgebracht, an dem Hus sein Leben gelassenhatte. Singend zog er seinenWeg, sein Antlitz strahlte vor Freudeund Frieden. Er hatte seinen Blick aufJesus geheftet. Der Tod hatte seinenSchrecken verloren. Als der Henkergerade den Reisighaufen entzündenwollte und hinter ihn trat, rief der Märtyreraus: »Trau dich ruhig, nach vornezu kommen! Zünde das Feuer vor meinenAugen an! Hätte ich Angst, stündeich nicht hier.«Seine letzten Worte in den loderndenFlammen waren ein Gebet: »HERR,allmächtiger Vater«, rief er, »erbarmedich über mich und vergib mir meineSünden. Denn du weißt, dass ichdeine Wahrheit immer geliebt habe.«(Bonnechose, B. 2, S. 168) Seine Stimmeerstarb, doch seine Lippen bewegtensich weiter im Gebet. Als das Feuer seinWerk getan hatte, wurde die Asche desMärtyrers mit der Erde, auf der sie ruhte,genommen und wie die von Hus inden Rhein geworfen. •24 Versöhnungstag MÄRZ 2013


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Die HussitenkriegeGottes treue Lichtträger warenverstorben, doch das Licht derWahrheiten, die sie verkündigten– das Licht ihres heldenhaftenVorbildes – ließ sich nicht auslöschen.Man hätte auch versuchen können, dieSonne rückwärts gehen zu lassen, damitder Tag nicht kommt, der geradeüber der Welt anbrach.Die Hinrichtung von Hus hatte eineFlamme der Empörung und des Entsetzensin Böhmen entzündet. Dieganze Nation spürte, dass sie der Bosheitder Priester und dem Verrat desKaisers ins Netz gegangen war. Manerklärte, dass Hus ein treuer Lehrerder Wahrheit gewesen sei und warfdem Konzil, das ihn zum Tod verurteilthatte, Mord vor. Seine Lehren hattennun noch mehr Anziehungskraft alsje zuvor. Durch päpstliche Verfügungenwaren Wyclifs Schriften verbranntworden. Doch jene, die der Vernichtungentkamen, wurden nun aus ihrenVerstecken geholt und mit der Bibelstudiert oder mit den Teilen der Bibel,derer man habhaft werden konnte.Viele kamen dadurch zum reformiertenGlauben.Der Krieg beginnt (1419)Die Mörder von Hus sahen nichtschweigend zu, wie seine Sache triumphierte.Der Papst und der Kaiser vereintensich, um die Bewegung auszurotten.Die Armeen Sigismunds zogengegen Böhmen.Doch [Gott] ließ einen Befreier aufstehen.Jan Žižka, der schon bald nachKriegsbeginn völlig erblindete, abereiner der fähigsten Generäle seinerZeit war, führte die Tschechen in dieSchlacht. Voller Vertrauen auf die HilfeGottes und die Gerechtigkeit ihrerSache widerstand das Volk den mächtigstenHeeren, die man gegen siesandte. Immer wieder rekrutierte derKaiser neue Armeen, marschierte inBöhmen ein, doch nur um schmachvollzurückgeschlagen zu werden. DieHussiten hatten keine Angst vor demTod, nichts konnte ihnen wehren. Einpaar Jahre nach Kriegsbeginn starbder mutige Žižka [1424]. Doch seinPlatz wurde von Andreas Prokop ausgefüllt,der ein ebenso mutiger undbefähigter General war und in mancherHinsicht ein noch besserer Führer.26 Versöhnungstag MÄRZ 2013


Wikipedia - public domainJan Žižkagewiss marschierte das Riesenheer inBöhmen ein. Das Volk sammelte sich,um es zurückzuschlagen. Die beidenHeere näherten sich, bis nur nochein Fluss sie trennte. »Die Kreuzzüglerwaren in großer Übermacht, dochstatt den Strom zu überqueren undsich in die Schlacht mit den Hussitenzu stürzen, gegen die sie von so weithergekommen waren, standen siestill und starrten die Krieger an.« (Wylie,B. 3, K. 17) Dann überfiel sie ein rätselhaftesEntsetzen. Ohne einen einzigenSchwerthieb brach das gewal-28 Versöhnungstag MÄRZ 2013


Niederlage undHoffnungDie Prager Kompaktaten(1433)Die päpstlichen Führer gaben es schließlichauf, durch Gewalt gewinnen zu wollen. Sosuchten sie Zuflucht in der Diplomatie. EinKompromiss wurde geschlossen: Böhmensollte Gewissensfreiheit erhalten, dochgleichzeitig gerieten sie dadurch unter dieMacht Roms. Die Böhmen hatten vier Punkteals Bedingungen für den Frieden mit Romgenannt: uneingeschränkte Verkündigungder Bibel; das Recht auf Brot und Weinbeim Abendmahl für die ganze Gemeindeund Gottesdienst in der Muttersprache; derAusschluss des Klerus von allen weltlichenÄmtern; und im Falle eines VerbrechensRechtsprechung durch bürgerliche Gerichtesowohl für Geistliche als auch für Laien. Diepäpstlichen Obrigkeiten »stimmten schließlichden vier Artikeln der Hussiten zu, dochdas Recht auf ihre Auslegung, das heißt, ihregenaue Bedeutung, erhielt das Konzil – inanderen Worten, der Papst und der Kaiser.«(Wylie, B. 3, K. 18) Auf dieser Basis wurde einVertrag geschlossen und Rom hatte durchTäuschung und Betrug erlangt, was es durchKriege nicht erreichen konnte. Denn durchAuslegung der hussitischen Artikel konntees ihre Bedeutung genau wie bei der Bibel soverdrehen, dass sie seinen eigenen Zweckendienlich waren.Hussiten zerfallen inKalixtiner und Taboriten(1434)Eine große Gruppe in Böhmen erkannte denVerrat an ihrer Freiheit und schloss sich demVertrag daher nicht an [die Taboriten]. Zwistund Spaltung entstand, Streit und Blutvergießenunter ihresgleichen. In diesem Kriegfiel Prokop und die Freiheit Böhmens war zuEnde.Sigismund von Luxemburgstirbt (1437)Sigismund, der Verräter von Hus und Hieronymus,wurde nun König von Böhmen [1436]und verhalf dem Papsttum zu immer mehrMacht ungeachtet seines Eides, die Rechteder Böhmen zu verteidigen. Doch seine Unterwürfigkeitunter Rom hatte ihm weniggenützt. Zwanzig Jahre lang war sein Lebenvoller Mühe und Gefahren gewesen. SeineArmeen waren durch lange und fruchtloseKämpfe dahingeschwunden, seine Schätzeerschöpft. Jetzt starb er schon nach einemJahr seiner Regierung, hinterließ das Reicham Abgrund des Bürgerkriegs und vererbteder Nachwelt nur einen berüchtigten Namen.30 Versöhnungstag MÄRZ 2013


Die Böhmischen Brüder(1457 – heute)Aufruhr, Streit und Blutvergießen zogensich in die Länge. Wieder marschierten ausländischeHeere in Böhmen ein und innereSpannungen sorgten für Chaos im Land. Diedem Evangelium treu blieben, erlebten eineblutige Verfolgung.Als ihre früheren Brüder, die einen Vertragmit Rom machten, Roms Irrtümer aufsogen,hatten sich alle, die am alten Glauben festhielten,in einer separaten Kirche unter demNamen »Brüder-Unität« (Böhmische Brüder)organisiert. Dies führte zu Bannsprüchenaus allen Gesellschaftsgruppen. Doch siewaren unbeirrbar. Sie versammelten sichStandhaft hielten die Böhmischen Brüderweiter in der Nacht der Verfolgung am Evangeliumfest. Auch in der dunkelsten Stunderichteten sich ihre Augen zum Horizont, alswarteten sie auf den Morgen. »Ihr Schicksalentschied sich in bösen Tagen, doch … sieerinnerten sich der Worte, die Hus zuerstsprach und die Hieronymus wiederholte,dass ein Jahrhundert vergehen müsse, bevorder Tag anbreche. Für die Taboriten warendiese Worte wie Josefs Worte für die Stämmedes Knechtshauses: ›Ich sterbe; aber Gottwird euch gewiss heimsuchen und euch ausdiesem Land hinaufführen.‹ (1. Mose 50,24)«(Ibid., B. 3, K. 19) »In der letzten Phase desfünfzehnten Jahrhunderts nahm die Zahlder Brüdergemeinden langsam aber stetig© shutterstock.com - Brian Kinneyimmer noch, um Gottes Wort zu lesen undihn gemeinsam anzubeten, auch wenn siegezwungen waren, dazu in die Wälder undHöhlen zu fliehen.Durch Boten, die mit Geheimaufträgen inverschiedene Länder geschickt wurden, erfuhrensie, dass hier und dort »einzelne Bekennerder Wahrheit waren, ein paar in dieserStadt, ein paar in jener, die wie sie selbstverfolgt wurden. Sie hörten auch, dass mittenin den Alpen eine alte Kirche existierte,die sich nur auf die Schrift stützte und gegenden Götzendienst und die Korruption Romsprotestierte.« (Wylie, B. 3, K. 19) Diese Nachrichtwurde mit großer Freude aufgenommenund es entspann sich ein Briefwechselmit den Waldenserchristen.zu. Auch wenn sie nicht ungestört blieben,erfreuten sie sich jedoch relativer Ruhe. ZuBeginn des 16. Jahrhunderts zählten siezweihundert Gemeinden in Böhmen undMähren.« (Ezra Hall Gillett, Life and Timesof John Huss, B. 2, S. 570) »So ansehnlichwar der Überrest, der aus dem vernichtendenZorn von Feuer und Schwert hervorging,dass er [1517] die Dämmerung desTages erleben durfte, die Hus vorausgesagthatte.« (Wylie, B. 3, K. 19) •Gesamter Text dieses Heftes aus:ELLEN WHITE, The Great Controversy,1911, Mountain View, California: PacificPress Publishing Association, S. 97-119.31

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