Nationalgalerie - Hamburger Bahnhof - Staatliche Museen zu Berlin

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Nationalgalerie - Hamburger Bahnhof - Staatliche Museen zu Berlin

Materialien für die Sek. I & Sek. II


Liebe Lehrerinnen und liebe Lehrer,herzlich willkommen in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum fürGegenwart – Berlin! Wir freuen uns, dass Sie uns mit Ihrer Klasse besuchen.Für die Sammlungspräsentationen im Hamburger Bahnhof haben wir ein Schulpaketzusammengestellt, das Sie vor Ort mit Ihrer Klasse nutzen können. Es enthält kurze,informative Texte sowie kreative Übungen zu ausgewählten Kunstwerken, aber auchpraktische Aufgaben, die nach dem Museumsbesuch durchgeführt werden können.Bitte achten Sie darauf, dass im Museum ausschließlich mit Bleistift gearbeitet wird.Danke sehr!Die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin ist ein Verbund von insgesamtsechs Häusern, die die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts präsentieren. Zu ihr gehören:Die Alte Nationalgalerie, die Friedrichswerdersche Kirche, die Neue Nationalgalerie,das Museum Berggruen, die Sammlung Scharf-Gerstenberg und der HamburgerBahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin.Der Hamburger Bahnhof beherbergt seit 1996 das Museum für Gegenwart derNationalgalerie. Es zeigt Werke aus der Zeit der 1960er Jahre bis heute aus derSammlung der NATIONALGALERIE, der SAMMLUNG MARX, der FRIEDRICH CHRISTIANFLICK COLLECTION IM HAMBURGER BAHNHOF sowie der SAMMLUNG MARZONA.Mit Werkblöcken von Joseph Beuys, Andy Warhol, Robert Rauschenberg und CyTwombly zeichnet es sich besonders im Bereich des erweiterten Kunstbegriffs aus.Weitere Kunstwerke der Konzeptkunst, der Arte Povera und der Fluxus-Bewegungermöglichen neben der Auseinandersetzung mit der Entgrenzung aller traditionellenKunstformen auch die Beschäftigung mit einer alltäglichen Materialität, mit derkünstlerischen Transformation von Alltagsgegenständen oder mit dem EinsatzNeuer Medien. Ausgehend von der Entwicklung anderer Ausdrucksformen in den1960er Jahren, legt das Museum in seinen Ausstellungen und Programmen stets denSchwerpunkt auf die Interdisziplinarität zeitgenössischer Kunst. Exemplarisch habenwir in diesem Schulpaket einige Beispiele zu diesen Themen ausgewählt.Liebe Schülerinnen und liebe Schüler,hallo und herzlich willkommen in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museumfür Gegenwart – Berlin! Schön, dass Du da bist!Warst Du schon einmal in diesem Museum? Vielleicht wunderst Du Dich ja warumes Hamburger Bahnhof heißt. Darüber und über einige Kunstwerke erfährst Duin unserem kleinen Rundgang mehr. Hier werden Kunstwerke der letzten 60 Jahregezeigt, in der sich die Kunst sehr verändert hat. Künstlerinnen und Künstler habenviele neue Materialien ausprobiert, neue Ideen und neue Kunststile entwickelt.Was denkst Du: Könnte ein Kunstwerk auch aus Tierfett bestehen? Könnte DeinWecker zum Kunstgegenstand werden? Ist ein U-Bahn-Tunnel auch Kunst? Wir sindgespannt auf Deine Reaktion und auf Deine Meinung.In diesem Schulpaket stellen wir Dir einige Kunstwerke aus diesem Museum genauervor. Dabei kannst Du Neues über zeitgenössische Kunst erfahren, aber auch eigeneVermutungen anstellen. Außerdem findest Du Anregungen, wie Du selbst künstlerischarbeiten kannst. Das Schulpaket begleitet Dich bei Deinem Besuch im HamburgerBahnhof und bietet Dir viel Platz, Deine eigenen Ideen zu entwickeln und Dich mitanderen auszutauschen.Wir wünschen Dir viel Spaß!Dein KunstvermittlungsteamDaniela Bystron, Julia Devies, Anne Fäser, Kolja Kohlhoff, Julia Rüther und MarkusStriederWir wünschen viel Spaß bei dem Besuch im Hamburger Bahnhof mit dem Schulpaket.Ihr KunstvermittlungsteamDaniela Bystron, Julia Devies, Anne Fäser, Kolja Kohlhoff, Julia Rüther und MarkusStriederSchulpaket Hamburger Bahnhof


Grundriss EGHamburger BahnhofRIECKHALLENOSTFLÜGELÜBERGANGEINGANGKASSEHISTORISCHE HALLECAFÉGARDEROBEWCKLEIHUESHALLEWESTFLÜGELPop Art: Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg und Andy WarholCy Twombly, Empire of Flora, 1961Schulpaket Hamburger Bahnhof


Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof –Museum für Gegenwart – Berlin, seit 1996Herzlich willkommen in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum fürGegenwart – Berlin. Ganz schön lang, der Name des Museums. Das liegt daran,dass er so viel benennt. Als Erstes erfährst Du, dass das Gebäude zu den Häusernder Nationalgalerie gehört. Der Name besagt aber auch, was das Gebäude frühereinmal war: der Bahnhof einer Eisenbahngesellschaft, die eine Zugstrecke zwischenHamburg und Berlin gebaut und befahren hat. Das ist schon lange her. Der Bahnhofwurde hier nur von 1847 bis 1884 betrieben, danach war er zu klein geworden.Um die Bahnstrecken zu unterscheiden, benannteman damals die Bahnhöfe nach ihren Zielorten. EinzelneEisenbahngesellschaften bauten zunächst unabhängigvoneinander Bahnlinien und jede von ihnen bautesich eigene Bahnhöfe. So gab es in Berlin einenHamburger Bahnhof, einen Frankfurter Bahnhof, einenGörlitzer Bahnhof und andere mehr. Diese warenKopfbahnhöfe, da die Strecken hier endeten. DieZüge pendelten zwischen den beiden Stationen hinund her. Erst später entstanden in Berlin Bahnhöfe,durch die Züge hindurchfahren konnten.Schulpaket Hamburger Bahnhof


Der Hamburger Bahnhof war ein Endbahnhof. Die Lokomotiven wurden auf demVorplatz des Bahnhofs auf einer Drehscheibe gewendet, um zurück nach Hamburgfahren zu können. Sie befand sich im heutigen Innenhof des Gebäudes. Das rundeBeet erinnert in seiner Form daran. Die beiden hohen Rundbögen in der Fassadedienten als Zu- und Abfahrt zu diesem Schienenkarussell.FÜR SPÄTERAuf der Webseite des Museums kannst Du Dir Fotos von den unterschiedlichenNutzungen des Gebäudes ansehen und Deine Notizen damit vergleichen:www.hamburgerbahnhof.deBereits 1906 wurde das Haus dann umgebaut. Die Historische Halle, die wie eineBahnhofshalle wirkt, ist in Wirklichkeit für eine ganz andere Nutzung gebautworden. 1943 wegen Kriegsschäden geschlossen, blieb das Haus 50 Jahre ungenutzt.Erst 1996 wurde das Gebäude schließlich für die Nationalgalerie ausgebaut. Seitdemzeigt das Museum hier seine Bestände an Gegenwartskunst. So kommt es zu seinemlangen Namen.NUN BIST DU DRANSuche an der Außenfassade des Gebäudes nach Spuren seiner unterschiedlichenNutzungen. Was könnte aus der Zeit als Bahnhof stammen? Und als was wurde dasGebäude 1906 wiedereröffnet? Notiere Deine Entdeckungen:Schulpaket Hamburger Bahnhof


Joseph Beuys (1921-1986)Unschlitt / Tallow, 1977Geh vorsichtig und mit Abstand um die sechs Blöcke herum und schau Dir dasMaterial an. Es handelt sich um Fett. Unmengen von Fett! Hättest Du das erkannt?Der Titel gibt Dir einen Tipp. Unschlitt ist ein altes Wort für Talg. Genauso wieTallow.Tallow (englisch) = Talg. Dabei handelt es sich um eintierisches Fett, das man heute aus dem hauptsächlichindustriellen Schmelzen von Rinderteilen gewinnt. Verwendungfindet es vor allem zur Herstellung von Seifen,Kosmetika, Kerzen und als Schmiermittel in der Industrie.Die Form von Unschlitt/Tallow gewann Beuys durch den Nachbau eines toten Raumesunter einer Fußgängerrampe. Als er gebeten wurde, für eine Ausstellung in derStadt Münster ein Kunstwerk zu schaffen, suchte er dort einen Ort, den er verändernkönnte. Er fand ihn unter der Betonkonstruktion. Beuys wollte mit dieser Wahlauf den Irrsinn hinweisen, den er in dem Zubetonieren der Natur sah. Er baute dieForm für diesen Hohlraum in einer großen Werkhalle aus Holz nach. In diese mussteer den heißen Talg nach und nach einfüllen und ihn immer wieder erkalten lassen.Hätte er die über 20 Tonnen Fett auf einmal in die Holzkonstruktion gegossen, wäredie Form durch den Druck des flüssigen Materials gesprengt worden. Trotz diesesProzesses dauerte es Monate, bis die Skulptur in ihrem Inneren so weit erkaltet war,dass die Verschalung abgenommen werden konnte. Da war die Ausstellung längstvorbei. Beuys zerschnitt die riesige Fettskulptur in die sechs großen Blöcke, zwischendenen Du Dich im Hamburger Bahnhof bewegen kannst.Schulpaket Hamburger Bahnhof


Fett ist Energieträger und Wärmespeicher gleichermaßen. Beuys wollte mit derEnergie und der Wärme dem Ort Leben zuführen, den toten Raum unter der Rampewieder lebendig machen.Fett dient uns Lebewesen als Energiespeicher. Körper könnendas Fett, das sie speichern, jederzeit in die Energie umwandeln,die sie zum Leben brauchen.FÜR SPÄTERBeuys wollte jeden Einzelnen von uns ermutigen, sich unserer Umwelt anzunehmenund sie zu schützen. Halte auf dem Rückweg aus dem Museum Deine Augen offen.Suche einen Ort, dem Du Dich annehmen würdest. Welches Material würdest Dudiesem Raum zuführen? Wie würde Dein Material den Ort verändern????Auf einem der Fettblöcke steht ein Thermometer. Es zeigt die Temperatur an, diedie Drahtfühler im Inneren eines Fettblockes messen. Entspricht die angezeigteGradzahl der Raumtemperatur? Was sagt das über das Material aus?NUN BIST DU DRANZeichne die sechs Blöcke in ihren groben geometrischen Umrissen auf die Rückseitedieses Blattes. Dann versuche, die Teile zu der ursprünglichen Form zusammenzusetzen.Kannst Du Dir den Hohlraum unter der Rampe nun vorstellen?Schulpaket Hamburger Bahnhof


Joseph Beuys (1921-1986)Soziale Plastik???Stell Dir vor, Du nimmst ein Stück Butter in die Hand. Durch Deine Körpertemperaturwird sie immer weicher. Deine Wärme verändert den Zustand des Fettblocks. Jeweicher er wird, umso formbarer wird er auch. Wenn Du die geformte Butter wiederin den Kühlschrank stellst, wird sie hart und behält diese Form. Nimmst Du sie dannwieder in die Hand, lässt sich die Form wieder verändern.Kennst Du noch andere Materialien, die sich formen lassen. Vielleicht hast Du schoneinmal eine Figur aus Ton gemacht. Überlege, wie unterschiedlich sich die Materialienanfühlen und wie anders die Ergebnisse sein könnten.Joseph Beuys, Unschlitt/Tallow, 1977Schulpaket Hamburger Bahnhof


Joseph Beuys war ein klassisch ausgebildeter Bildhauer. Anfänglich hat er in Steinoder Holz Skulpturen geschaffen. Dann aber entwickelte er einen neuen Kunstbegriffund für diesen nutzte er kunstfremde, alltägliche Materialien. Zentral wurde für ihndie Frage des Gestaltens, die er nicht nur auf die Kunst, sondern auf die Gesellschaftbezog. Die Kunst soll in sie einwirken, sie verändern. Dafür prägte Beuys den Begriffder Sozialen Plastik.Die Idee der Veränderbarkeit ist für Beuys wesentlich. Nicht nur, weil die Kunstverändern soll, sondern weil sich in der Möglichkeit des Veränderns ausschließt,dass etwas starr wird, oder wie Beuys gesagt hätte, tot wird. Fett ist zudem Energie,die physiologisch für den Menschen notwendig ist, um tätig sein zu können.Beuys hätte deshalb an uns die Frage gerichtet:Soziale Plastik:Beuys erweiterter Kunstbegriff, der über das Schaffen vonKunstwerken hinausgeht, stellt das kreative menschliche Handelnins Zentrum, das der Gemeinschaft zugute kommen soll. NichtPolitik und Wirtschaft sollen Gesellschaft bestimmen, sondernder Mensch. In diesem Sinne konnte er auch 1967 sagen: „JederMensch ist ein Künstler.“ Dabei meinte er nicht, jeder solleBilder malen, sondern jeder solle seine Kreativität einbringen,um die Gesellschaft menschlicher zu gestalten.Wofür wollen wir unsere Energie denn einsetzen?Nun bist du dranWelche Antwort würdest Du dem Künstler geben? Was willst Du verändern? Wiestellst Du es an?Fett ist für Beuys ein plastisches Material, an dem sich verschiedene Aspekte dersozialen Plastik zeigen lassen:• Zur plastischen Bearbeitung braucht es die menschliche Wärme.• Wenn eine Form entstanden ist, kann sie durch Wärme auch wieder verändertwerden.Schulpaket Hamburger Bahnhof


Robert Kuśmirowski (geboren 1973)Transition, 2009???Das Foto zeigt das Kunstwerk Transition von Robert Kuśmirowski. Aber was ist hierdas Werk des Künstlers? Vielleicht, dass er die großen Plakatwände beschriebenund bemalt hat, als hätten unzählige Jugendliche in allen Sprachen der Welt ihreTags und Zeichen darauf hinterlassen?Transition (englisch) = ÜbergangViele Besucherinnen und Besucher eilen durch diesen Übergang, ohne dass ihnenetwas Besonderes auffällt. Sie schauen nicht genau hin und meinen, sich in einemÜbergang zur U- oder S-Bahn zu befinden. Das verwundert nicht, glauben dochviele gerade aus einer früheren Bahnhofshalle zu kommen.Mithilfe des Textes zum Gebäude (Text Nr. 1) kannst Du herausbekommen,dass schon die Historische Halle, die wieeine alte Bahnhofshalle wirkt, in Wirklichkeit für eine andereNutzung gebaut worden ist.Schulpaket Hamburger Bahnhof


Weil sie aber gekommen sind, um Kunst zu betrachten, achten sie nicht weiter aufdiesen Übergang. Dabei müssten sie nur genau hinsehen, um zu erkennen, dass siebereits mitten durch ein Kunstwerk gehen! Sieh genau hin! Kuśmirowski spielt dasSpiel mit der Wahrnehmung so, dass wir von selbst darauf kommen können.NUN BIST DU DRANNotiere, was an dem Übergang von Kuśmirowski stammt und was wohl schon vorherda war:Der Künstler imitiert etwas so Alltägliches, dass viele gar nicht mit einer Täuschungrechnen. Und Kuśmirowski treibt diese Täuschung nur so weit, dass wir sein Spielmit unserer Wahrnehmung noch erkennen können. Aus diesem Erkennen wirdErkenntnis. Ob immer wahr ist, was unsere Sinne für wahr nehmen, ob etwas wirklichist, wie es wirkt, stellt Kuśmirowski mit Transition auf die Probe.FÜR SPÄTERSieh Dir auch unsere alltäglichen Worte einmal genauer an. Welche Begriffe steckenin wahrnehmen? Und welches Verb findest Du in Wirklichkeit? Findest Du weitereBeispiele?Schulpaket Hamburger Bahnhof


Pop-ArtRoy Lichtenstein (1923-1997)Robert Rauschenberg (1925-2008) Andy Warhol (1928-1987)Gibt es in Deiner Umgebung einen Ort, an dem es keine Bilder gibt? Wohl kaum!Wir sind von Werbung umgeben. In der U-Bahn können wir kurze Filme schauen,wir spielen Computerspiele, schicken Fotos hin und her, es läuft der Fernseher…Englische und amerikanische Künstler begannen Ende der 1950er Jahre auf die zunehmendeBilderflut und ihre Inhalte zu reagieren. Sie fragten nach dem Wert unddem Reiz der massenhaft gedruckten oder gesendeten Bilder.Bei einer Collage werden Bilder verschiedener Herkunft neu zusammengesetzt, ihrursprünglicher Sinn geht verloren und durch die Kombination der Bilder müssen dieBetrachterinnen und Betrachter neuen Sinn stiften. In der Kunst ist es eine großeVeränderung, denn bisher entwarfen Künstlerinnen und Künstler immer Bilder. Jetztbegannen sie die zu nutzen und zu befragen, die schon da waren.Dabei griffen sie anfänglich auf die Collage zurück.Collage von coller (französisch) = klebenSchulpaket Hamburger Bahnhof


Andy Warhol, Advertisement, 1960Robert Rauschenberg, Red China Greenhouse, 1984Überprüfe an Andy Warhols Werk Advertisement von 1960, was er hier zusammenbringt.Advertisement (englisch) = WerbungEr klebte nicht, sondern malte eine Collage. Lifestyle und Schönheitsideale werdenthematisiert. Kurze Zeit später malte Warhol nicht mehr, sondern nutzte den Siebdruck.Das ermöglichte ihm seriell zu arbeiten, also mehrere Bilder des gleichen Motivsherzustellen.Auch Robert Rauschenberg nutzte den Siebdruck, um unterschiedliche Motive aufeine Leinwand zu bringen. In verschiedenen Bildern gebrauchte er dieselben Vorlagenund kombinierte sie neu. Damit verwendete er das Prinzip der Collage weiter,während Warhol einzelne Objekte ikonenhaft nebeneinander druckte: egal ob Köpfevon Stars, Schuhe oder Kühe.Schulpaket Hamburger Bahnhof


„Die Pop-Art kommt von außen“, sagt Andy Warhol.Nicht die inneren Bilder des Menschen sind Thema der Pop-Art, sondern die vonihm geschaffenen Bilder, die in der Warenwelt die Funktion haben, diese zu bewerben.Ohne Werbebotschaft ironisieren die Pop-Artisten die Konsumwelt, indem sie ihrden Spiegel vorhalten. Gleichfalls machen sie uns auf die Strategien der Bildpropagandaaufmerksam.Wie in der Grafik von Plakaten sind ihre Kunstwerke ganz flächig. Es gibt keine3-D-Effekte. Die lassen sich mit dem Siebdruck nicht herstellen und auch im Comicsind sie minimal. Ob die Künstlerinnen und Künstler malten oder druckten, dasErgebnis war ähnlich.Roy Lichtenstein, Female Figure on the Beach, 1977Roy Lichtenstein hingegen blieb beim Handgemalten. Thema und Vorbild sind fürihn die in den USA massenhaft erscheinenden Comics. Anfänglich löste er einzelneBilder aus den Comicstrips, dann übernahm er deren Erscheinungsbild auch fürandere Motive. Rasterpunkte, Schraffuren und grelle Farben wurden zu seinerBildsprache. Das Grelle wurde auch entscheidend in den Werken von Warhol. Dadurchist ein Warhol immer als Warhol zu erkennen und ein Lichtenstein immer alsLichtenstein. Auch die Werbung setzt auf Wiedererkennen. Warhol wie Lichtensteinnutzten dieselben Strategien, wie die Werbegrafiker. Kino – Konsum – Comic, aberauch Pressebilder bilden die Vorlagen der Pop-Art Künstler.Für späterWelche Bilder würdest Du wählen, um ein Pop-Art-Werk zu schaffen? Mache eineListe von Bildmotiven. Suche sie im Computer und drucke sie aus. Wenn Du sieschwarz-weiß druckst, kannst Du sie bearbeiten. Entscheide, in welchem Stil Du sieverändern möchtest, und klebe sie auf die Rückseite.Schulpaket Hamburger Bahnhof


Cy Twombly (1928-2011)Empire of Flora, 1961Auf den ersten Blick mag Cy Twomblys Gemälde aus ungeordneten Fleckenund Kritzeleien bestehen. Wie bei einer Kinderzeichnung werden manche denken.Wenn Du aber ein bisschen länger auf das Bild schaust, kannst Du durchaus eineOrdnung in dem vermeintlichen Chaos erkennen. Achte auf die Verteilung der Formen,aber auch auf die der Farben. Vor allem die verschiedenen Rottöne verteilen sichüber das gesamte Gemälde. Auch Kreise, Mandelformen und Ovale sind über dasBild verstreut. Links erscheinen oben und unten große verschmierte Farbformationen.Twombly nennt das Bild: Reich der Flora.Die Flora war im antiken Rom die Göttin der Blumen und Blüten.Im Frühling wurde ihr zu Ehren ein dreitägiges Fest gefeiert. Einerder Höhepunkte dieses Festes war das Abwerfen der Kleidervon Hetären (hoch angesehene Prostituierte) bei Theateraufführungen.Mit der Flora feierten die alten Römer den Frühlingund damit auch Nacktheit und Sexualität.Schulpaket Hamburger Bahnhof


Nun bist Du dranÜberlege kurz, was Du mit dem Frühling verbindest:Twomblys Bildzeichen orientieren sich an den gekritzelten oder geritzten Graffitis,die auf Tischen, Türen und Mauern seit Jahrhunderten zu finden sind. Ihn interessiertendie Zeichen und Bilder, die Menschen überall hinterlassen, ohne dass sie Künstlerinnenoder Künstler sind. Interessanterweise ähneln sich diese anonym hinterlassenenSpuren häufig. Sie sind wie ein Bildalphabet des Menschen.Für späterLege ein Bildlexikon solcher Zeichen an, die Du an Tischen, Türen und Mauern inDeiner Umgebung findest.Der Frühling, den die Flora verkörpert, ist ein energiegeladener Zustand des AufundAusbruchs: Die Erde bricht auf, Knospen sprießen… Das interessiert Twombly.Alte Meister haben die Flora in schönen Kleidern in der Natur gemalt. Twomblyhingegen ging es um die Idee der Energie und Verwandlung und genauso malte erauch. Er verzichtete auf Pinsel und trug die vielen Farben direkt mit der Hand auf.Manchmal hat er die Farbe auch direkt aus der Tube auf die Leinwand gedrückt. Sehendie großen Farbformationen links nicht wie Explosionen aus? Und lassen sich in denKreisformen nicht sowohl Blüten wie auch Augen oder weibliche Geschlechtsteileerkennen? Findest Du noch andere Zeichen auf der Leinwand? Was könnten sieDeiner Meinung nach bedeuten?Schulpaket Hamburger Bahnhof


Platz für eigene Ideen, Skizzen und NotizenSchulpaket Hamburger Bahnhof


HAT ES DIR GEFALLEN?Bestimmt hast Du noch viel mehr entdeckt!Was fandest Du besonders gut? Und was würdest Du anders machen?Gerne kannst Du Deine Meinung schicken an: d.bystron@smb.spk-berlin.deOder Du gibst das Blatt einfach an der Museumskasse ab. Vielen Dank!Schulpaket Hamburger Bahnhof


SCHULANGEBOTE IN DER NATIONALGALERIE IM HAMBURGER BAHNHOF -MUSEUM FÜR GEGENWART - BERLINFür einen Besuch mit Ihrer Gruppe bieten wir Ihnen drei unterschiedliche Formate an:I. THEMATISCHE FÜHRUNGENIn thematischen Führungen ermöglichen wir einen Einstieg in ein Thema oder indie Ausstellung und vermitteln Kontextinformationen zu ausgewählten Exponaten.Dauer: 1 Std.II. WERKGESPRÄCHEWerkgespräche sind offene Gespräche im Museum, in denen wir uns gemeinsammit den Gruppen intensiv mit einem Thema auseinandersetzen. Persönliche Eindrückeund Reaktionen sind Ausgangspunkt der Gespräche. Anhand weniger ausgewählterExponate und kleiner methodischer Übungen wird die Thematik diskutiert underarbeitet. Dauer: 1,5 Std.III. WORKSHOPSIm Zentrum der Workshops steht das eigene Wahrnehmen, Suchen und Begreifen.Nach intensiver Kunstbetrachtung können sich die Schüler/innen anhand methodischerÜbungen, spielerischer Handlungen und eigener Praxis selbst mit den Werken auseinandersetzen.Zum praktischen Arbeiten steht ein Atelier zur Verfügung.Dauer: 2 Std.Die Aktuellen Angebote finden Sie auf unserer Homepage:http://www.hamburgerbahnhof.deUnter: Kunstvermittlung, Schule und MuseumORGANISATORISCHE HINWEISEANMELDUNGFührungsorganisation:Tel.: 030 266 424242 (Mo - Fr, 9 - 16 Uhr)E-Mail: service@smb.museumORTNationalgalerie im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - BerlinStaatliche Museen zu BerlinInvalidenstraße 50 - 5110557 BerlinÖFFNUNGSZEITENDi, Mi, Fr 10 - 18 Uhr/ Do 10 - 20 Uhr/ Sa, So 11 - 18 UhrVERTEILERMöchten Sie in den Verteiler für Schulangebote der Staatlichen Museen zu Berlinaufgenommen werden? Dann senden Sie eine E-Mail an:m.thomassen@smb.spk-berlin.deSchulpaket Hamburger Bahnhof


IMPRESSUMStaatliche Museen zu Berlin, BesucherdiensteVerantwortlich: Christopher RichartzIdee: Daniela BystronRedaktion: Anne FäserTexte: Kolja Kohlhoff, Markus StriederGestaltung: Julia Devies© 2013 Staatliche Museen zu BerlinBILDNACHWEISEHamburger Bahnhof: Eingang Invalidenstraße mit Neoninstallation von Dan Flavin© bpk / Jens ZieheBeuys, Joseph: Unschlitt/Tallow, 1977 © bpk / Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof,SMB, Sammlung Marx / Jens Ziehe © VG Bild-Kunst, Bonn 2013Kuśmirowski, Robert: Transition, 2009 © Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof,SMB / Thomas BrunsWarhol, Andy: Advertisement, 1960 © bpk / Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof,SMB, Sammlung Marx / Jochen Littkemann © 2013 The Andy Warhol Foundationfor the Visual Arts, Inc. / Artists Rights Society (ARS), New YorkRauschenberg, Robert: Red China Green House, 1984 (Detail) © Nationalgalerie imHamburger Bahnhof, SMB / Roman März © Robert Rauschenberg Foundation / VGBild-Kunst, Bonn 2013Rauschenberg, Robert: Red China Green House, 1984 © Nationalgalerie im HamburgerBahnhof, SMB / Roman März © Robert Rauschenberg Foundation / VG Bild-Kunst,Bonn 2013Lichtenstein, Roy: Female Figure on the Beach, 1977 (Detail) © bpk / Nationalgalerieim Hamburger Bahnhof, SMB, Sammlung Marx / Jochen Littkemann © VG Bild-Kunst, Bonn 2013Lichtenstein, Roy: Female Figure on the Beach, 1977 © bpk / Nationalgalerie imHamburger Bahnhof, SMB, Sammlung Marx / Jochen Littkemann © VG Bild-Kunst,Bonn 2013Twombly, Cy: Empire Of Flora, 1961 © bpk / Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof,SMB, Sammlung Marx / Jochen Littkemann © Cy TwomblySchulpaket Hamburger Bahnhof

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