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130203 Rohstoff-Roulette - WDR 5

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DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-RouletteRohstoff-Fond auflegte, gleichen sich die Kursverläufe für Lebensmittel, Erze undEnergierohstoffe immer stärker an. Wetten Investoren auf einen steigenden Ölpreis,schnellen auch die Preise für Mais oder Weizen in die Höhe.Seit vor vier Jahren die Immobilienblase in den USA platzte, ist der Rohstoffsektorals Kapitalanlage mit schneller Renditeaussicht noch attraktiver geworden. Heute istdas Volumen des spekulativen Handels 30 mal größer, als das Geschäft mit realerWare, so die Schätzungen der Handelskonferenz der Vereinten Nationen UNCTAD.MusikAtmos: LME: Lautes Brüllen im Hintergrund und GlockeAtmos: LME Kupfer Ring (mit hektischem Handelsgeschäft)Sprecher:Trader laufen aufgeregt umher, an jedem Ohr ein Telefon. Andere sitzen scheinbarteilnahmslos herum. Bis 11.45 Uhr. Dann läutet eine Glocke, und die kreisrundeBühne füllt sich binnen Sekunden wie die Tanzfläche einer Szene-Disco. Die Hits, diehier aufgelegt werden, heißen: „Biete Kupfer, 8050 Dollar die Tonne, LieferdatumMärz 2013“ oder „Kobalt für 28.000 Dollar die Tonne, Liefertermin in 6 Monaten“. DieHändler recken ihre Hände in die Luft, solange ein Deal nicht abgeschlossen ist.Neue Angebote werden in den Hörer gebrüllt. Am anderen Ende der Leitung sitzenVertreter der Stammkunden: Glencore, Deutsche Bank, Goldmann Sachs, MorganStanly und Barkleys.Allerdings rollt nach solch einem Deal nur in den seltensten Fällen wirklich ein LKW.7 O-Ton Julian Jessop, Captial Economics, in englischÜbersetzer:In den letzten 10 Jahren ist das Interesse an Rohstoffprodukten als Anlageformexplodiert. Seitdem entwickelten die Banken viele Produkte und immer neue Fonds.Riesige Summen fließen nicht nur in traditionelle Anlagewerte wie Gold oder Öl,sondern auch in komplizierte Kontrakte mit Weizen, Soja und exotischen Metallen.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..4


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-RouletteSprecher:erläutert Julian Jessop, Chefökonom bei der größten unabhängigen BeratungsfirmaCapital Economics.8 O Ton: Direktor Julian Jessop, Capital Economics, Chief Global EconomistEnglish:Übersetzer:Eine gute Faustregel, auch in der Wirtschaft, lautet: Wenn niemand versteht, was losist, sollte man anfangen, sich Sorgen zu machen. Wir sahen das in den Finanzkrisender letzten Jahre – dass niemand wirklich verstanden hat, was eigentlich geschieht.Meine Sorge ist, dass im Rohstoffmarkt jetzt das gleiche passiert. Bei den Preisen isteine regelrechte Blase entstanden; durch Wettakrobatik, Spekulationspapiere undunregulierten außerbörslichen Handel. Eins steht fest: Wir haben einen gehyptenRohstoffpreis.MusikSprecher:In den letzten zehn Jahren haben sich die durchschnittlichen Rohstoffpreiseverdreifacht, berichtet der Ökonom. Minen, Ölfirmen, Händler und Investmentbankenbetrieben eine Art Spielbank:9 O Ton Julian Jessop, Direktor CE English:Übersetzer:Ich denke, der Begriff Casino trifft es ganz gut: In einem Casino wettet man viel Geldund hofft durch das Setzen auf eine Zahl oder Farbe, zu gewinnen. Immerhin sindbeim wirklichen Roulette die Regeln klar und werden von der Bank vorgegeben.Beim Rohstoffroulette ist es anders. Hier werden sie in Geheimabsprachen undverdeckten Deals gemacht. Die Branche zeichnet sich durch sehr hoheIntransparenz aus. Außerdem: Im richtigen Casino verlieren die Spieler ihr eigenes© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..5


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-RouletteGeld, wenn sie auf Rot setzten und Schwarz gewinnt. Doch beim großen Rouletteum Öl, Kupfer und Weizen verlieren Konsumenten und die gesamte produzierendeWirtschaft. Denn die überhöhten Preise für Energie, Lebensmittel und Metallewerden an alle weitergereicht. Der Rohstoffmarkt ist also ein sehr gefährlichesCasino.Sprecher:Der Run auf Rohstoffe führt dazu, dass sich ihre Gewinnung in immer mehr Ländernlohnt; auch unter schwierigsten Bedingungen. Die größten noch zu erschließendenVorkommen liegen in politisch unstabilen und armen Regionen. Die sollten eigentlichprofitiert haben, seit sich die Preise in den letzten zehn Jahren verdreifachten.MusikPapua Neu Guinea hat den Boom besonders dynamisch zu spüren bekommen. Indem Inselstaat gibt es Öl, Gold und Kupfer; ein großes Erdgasfeld wird gerade imHochland erschlossen. Das Projekt hat währende der Bauphase 17.000Arbeitsplätze geschaffen, wovon allerdings fast die Hälfte von Ausländern besetztsind. Wichtigster Gewinner sind laut einer Studie von Transparency InternationalAbgeordnete und Kabinettsmitglieder in Port Moresby, die sich an Steuereinnahmenund an Schmiergeldzahlungen der Investoren bereichern und sich dafür mit Lizenzenund laxen Umweltauflagen bedanken. In der Hauptstadt explodieren die Preise.10.000 Dollar Wochenmiete für eine Wohnung sind keine Seltenheit. 5 Sterne Hotelsund luxuriöse Apartmentsiedlungen schotten sich wie Festungen gegen dieumliegenden Slums ab. Auf dem Korruptionsindex steht Papua auf Rang 150 bei 176gelisteten Ländern.Atmos: Goldgräber schürfen im Fluss in Papua Neu Guinea / Fluss rauscht,Stimmen.10 O Ton Paul Mintunga, Pidginsprache Tok Pisin© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..6


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-RouletteÜbersetzer:Schon mein Großvater hat hier im Watut Fluss Gold geschürft. Wir würden jetztwirklich gutes Geld verdienen. Der Goldpreis ist hoch, aber wir finden nichts mehr.Sprecher:Die gesamte Familie Mintunga steht bis zu den Hüften im milchigbraunen Wasser.Der Vater Paul und sein12-jähriger Sohn schippen goldhaltigen Sand auf einHolzbrett. Die Mutter, den Jüngsten auf dem Arm, spült mit einem Plastikeimer denFlusssand aus. Paul Mintunga beginnt morgens um fünf, wenn es noch dunkel ist,mit seinen Vorbereitungen. Immer wieder muss er den Sand waschen und schließlichdas Gold mit Quecksilber vom Gestein lösen.Atmos: Fluss- & Arbeitsgeräusche11 O Ton Paul Mintunga, Pidginsprache, Tok PisinÜbersetzer:Früher haben wir bis zu drei Feinunzen Gold geschürft und dafür so um die 300 Kinabekommen. Das sind 150 Dollar. Doch seit dem die Hidden-Valley-Mine ihreProduktion begonnen hat, ist das Flussbett voll Schlamm und Steinen. Die Mühelohnt kaum noch.Sprecher:Seit 2007 betreiben die australische Newcrest und die südafrikanische HarmonyMining in nächster Nachbarschaft industriellen Abbau. 125 000 Feinunzen Gold proJahr werden allein von der Hidden-Vally-Mine aus dem Boden gekratzt. Es ist nur derAuftakt für 20 weitere Kupfer-, Gold- und Kobaltgruben, die bereits eine Lizenzbesitzen.12 O Ton in Marie Pidginsprache, Tok PisinÜbersetzerin:© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..7


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-RouletteDer Fluss fließt jetzt langsamer als früher. Immer mehr Geröll und giftiges Sedimentlagern sich ab. Was da vorne wie eine Sandbank aussieht, war vor einigen Jahrenmein Garten. Jetzt wächst dort gar nichts mehr.Sprecher:Marie ist 35 Jahre alt und Mutter von drei Kindern. Ihre Hütte steht inmitten einesmonochromen Ensembles aus struppigen Büschen und von Wind, Wasser undSonne gebleichten Holzstümpfen. Nur die Wäsche auf der Leine sorgt für ein paarFarbtupfer.Atmos: Fluss13 O Ton Marie weiter (lokaler Dialekt)Übersetzerin:Sehen Sie sich meine Beine an: Hier, den großen Ausschlag an Füßen und Fesseln.Den habe ich, weil ich den Fluss durchwaten muss. Giftige Stoffe müssen im Wassersein, anders kann ich es mir nicht erklären.14 O Ton Ruben englischÜbersetzer:Es sind eine Menge Leute gestorben an sehr merkwürdigen Krankheiten.Sprecher:Ruben wohnt eine halbe Tagesreise flussabwärts im Regenwald. Heute berät er mitMarie, wie die Siedlung zumindest eine sichere Trinkwasserversorgung bekommenkönnte. Vor allem giftiges Zyanid, welches das Gold vom Gestein trennt, wird in denGoldminen gern und oft verwandt. Weltweit jedes Jahr 182.000 Tonnen .Musik15 O Ton Marie Pidginsprache, Tok Pisin© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..8


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-RouletteÜbersetzerin:Neuerdings kommt es zu Fehl- und Missbildungen. In diesem Dorf wurde ein Kind,ohne Beine und ohne Finger geboren. Wir können dem Fluss nicht mehr trauen.Atmos: Watut FlussSprecher:Der Fluss, dem nicht mehr zu trauen ist, zerschneidet Maries Dorf. Luft gefüllteLastwagenschläuche dienen als Fähre. Fünf Kina kostet die Überfahrt. 500 Meterstromabwärts sind Drahtseile von einem Ufer zum anderen gespannt. Schulkinder,ihre Bücher mit einem Gürtel zusammengebunden, hangeln oder waten an ihnenentlang.Atmos: Fluss16 O Ton Marie Pidginsprache, Tok PisinÜbersetzerin:Sehen Sie die Kabel dort hinten? Das war mal eine Brücke. Die wurde weggespült,weil das Wasser sich aufgestaut hatte. Jeden morgen müssen meine Kinder auf dieandere Seite um zur Schule zu gehen. Jeden Tag gefährden sie zweimal ihr Leben.Sprecher:Maria und Ruben haben bei der Mine angefragt, ob nicht die Brücke repariert werdenkann, vergebens. Für Infrastrukturprojekte sei die Regierung verantwortlich, so dieAntwort:17 O Ton Ruben englischÜbersetzer:Auch die Regierung kümmert sich nicht um uns. Sie lässt uns allein in diesemKonflikt. Die Minengesellschaften machen große Gewinne, weil sie beim AbbauMethoden anwenden, die in ihren Heimatländern wie z.B. in Australien verboten sind.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..9


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-RouletteNur in Papua Neu Guinea dürfen sie das! Die Firmen werden auf unsere Kostenreich. Sie zahlen kaum Steuern an unser Land, und dann walzen sie alles nieder.Sprecher:Wird der Widerstand in der Bevölkerung zu groß, würden Honoratioren bestochenund Geschenke verteilt. Ruben nennt das soziale Verschmutzung. Mit demBestechungsgeld werde der Zusammenhalt der Dörfer gespalten, so wie Zyanid dasGold vom Gestein löst.Atmos: Zug / Einfahrt in die Schweiz (Ansagen Stimmen)Musik18 O Ton Collage(O Ton: Vitol)Vitol is trading 300 Million tones. 6 millions barrel a day we have on any time 200ships.Sprecher:Vitol, weltgrößter Öltrader, Sitz in Genf: 195 Milliarden US Dollar.21 (O TON: Glencore):Glencore is the largest commodity/mining houses, commodity/trading, producingcompanies in the world.Sprecher:Glencore, größter Metall-Händler der Welt. Firmensitz im Schweizer Kanton, Zug.Umsatz 193 Milliarden US Dollar.19 (O Ton: Xstrata)© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..10


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-RouletteXstrata is a global Mining company, his Headquarter is in Zug, Switzerland. Ourcurrent market capitalization is 50 Billion US dollars so we are on of the biggestMining companies in the world.Sprecher:Xstrata, 50 Milliarden: ebenfalls in Zug.20 O Ton Cargill, DeutschCargill ist der größte Händler und Verarbeiter von Food. Wir verschiffen 30 MillionenTonnen Getreide. Wir haben sechstausend Schiffsreisen im Jahr, jeden Tag ladenund entladen wir zwischen 20 und 30 Schiffe irgendwo in einem Welthafen.Sprecher:Cargill, Lebensmittel, ebenfalls Genf, 107 Milliarden US Dollar Umsatz.22 O Ton: Urs Riedie Erklärung von Bern (E.v.B) Deutsch:Momentan sind die sieben größten Schweizer Firmen Rohstoffkonzerne. Das stößtregelmäßig auf Erstaunen. Was wir hier in den Zahlen haben, sind die Nettogewinne.In den letzten Jahren ist diese Kurve steil angestiegen und hat sich um das 15-facheerhöht.Sprecher :Von 2002 bis 2012 ist der Gewinn der Schweizer Rohstofffirmen von 1 Milliarde auf20 Milliarden explodiert, berichtet Urs Riedie, einer der Sprecher der so genanntenErklärung von Bern. Die Organisation mit 23.000 Mitgliedern setzt sich für fairenWelthandel ein und hat mit ihrer Studie “Rohstoff: das gefährlichste Geschäft derSchweiz“ erstmals etwas Licht in eine Branche gebracht, die sich ähnlichverschlossen zeigt, wie die Banken im Alpenland.Eben das Bankgeheimnis, niedrige Steuern und politische Neutralität seien derGrund, warum die Schweiz zur Drehscheibe im Geschäft mit den Rohstoffengeworden ist.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..11


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-Roulette23 O Ton: Urs Riedie Erklärung von Bern (E.v.B.) auf Deutsch:Die Schweiz war lange nicht Mitglied der UN, so gab es immer wieder Möglichkeiten,im Rohstoffhandel an Länder zu liefern, die eigentlich auch unter UN Sanktionenstanden. Beispiel Apartheid Südafrika. Was wir hier sehen, ist ein Geschäftsmodell,das damit begonnen hat, dass man in aller Ruhe arbeitet - möglichst abseits derÖffentlichkeit- und jede rechtliche Lücke ausnutzt, um seinen Profit zu maximieren.Auch nicht davor zurückschreckt, mit Ländern wie dem Iran Geschäfte zu machenund durchaus auch an den Intimfeind dieser Länder weiter zu verkaufen. Also einsehr opportunistisches Geschäftsmodell, das sich heute in ganz anderem Maßstabviel größer fortsetzt.MusikDie Schweiz bietet ganz besondere Faktoren, die für die Branche interessant sind, jenach Kanton, sind Steuersätze möglich von 10 bis 15 Prozent. Es gibt tiefeSteuersätze, die besonders für Gesellschaften geeignet sind, die eigentlich ihrGeschäft im Ausland tätigen. Und das ist genau der Fall bei der Rohstoffbranche.Deshalb passt es wie der Deckel auf dem Topf.Sprecher :Die Schweiz biete zudem die Möglichkeit, Gewinne, die aus den Herkunftsländerngezogen werden, an ein Geflecht von Briefkastenfirmen in Luanda, London,Hongkong, den Bermudas oder Luxemburg abgabenfrei weiter zu reichen. Nachkonservativen Schätzungen lassen sich durch derartige Steueroptimierungen jährlichrund 130 Milliarden US Dollar sparen. Das entspricht in etwa der gesamtenweltweiten Entwicklungshilfe.Nur unter solchen Bedingungen, so die „Erklärung von Bern“, seien Karrieren wie dievon Marc Rich möglich, der in der Branche als Rohstoffpapst gefeiert wird.Rich wurde im Jahr 1983 von Staatsanwalt Rudolf Guliani als „größterSteuerbetrüger in der Geschichte der USA“ angeklagt. Ihm wurde vorgeworfen, 48© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..12


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-RouletteMillionen Dollar Steuern hinterzogen; organisierte Kriminalität betrieben und mit demStaatsfeind Iran gehandelt zu haben. Vor Prozessbeginn floh Rich in die Schweiz, woer ein Unternehmen gründete, aus dem später Glencore hervorging.Heute ist Glencore mit gut 190 Milliarden Dollar Umsatz der größte Rohstofftraderder Welt, und gerade dabei, den Minenbetreiber Xstrata zu übernehmen.Rich, der sich in den Vereinigten Staaten als großzügiger Spender für diedemokratische Partei hervortat, wurde am letzten Amtstag von US-Präsident BillClinton begnadigt.Atmo: Genf StraßeSprecherIn einer Einkaufspassage an einer Genfer Nebenstraße residiert der ÖlhändlerVITOL. Der Eingang der umsatzstärksten Firma der Schweiz könnte kaumunauffälliger sein. Erst wenn man aus dem Fahrstuhl tritt, empfängt einen dasgroßzügige Ambiente eines „Global Players“. Eine hohe Fensterfront gewährtAusblick auf Genf. Designermöbel verströmen vornehme Gelassenheit. Nur seltengibt David Fransen, der leitende Geschäftsführer, ein Interview. Und wenn er es tut,sind seine Worte wohl abgewogen:24 O Ton: VITOL David Fransen Genf in englischÜbersetzer:Das ist eine interessante Frage, warum wir hier in der Schweiz sind. Wir fanden Genfeinen schönen Ort, um Geschäfte zu machen. In dieser Welt muss man sichpermanent nach neuen Möglichkeiten umschauen.Sprecher:David Fransens Privatvermögen als leitender Manager wird auf 80 Millionen USDollar geschätzt. Dazu gibt es keinen Kommentar. Lieber berichtet er von denRisiken des Geschäfts:© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..13


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-Roulette25 O Ton: VITOL, David Fransen Genf in englischÜbersetzer:Die großen Händler wie wir verdienen durch die so genannte Arbitrage: Das heißt,wir kaufen viel Rohöl an einem Ort und verkaufen es dann dort, wo es einen großenBedarf gibt. Wir lagern es, bis der Weltmarktpreis steigt, oder wir verarbeiten es zuhochwertigen Produkten. Das klingt einfach, aber das Geschäft ist sehr riskant, daskann ich Ihnen sagen. Wenn man zum Beispiel Öl für einen Very Large CrudeCarrier, also einen Supertanker kauft, dann sind das so um die 2 Millionen Barrel.Zurzeit werden für ein Fass Rohöl 100 Dollar geboten. Geht etwas schief, dannreden wir also hier von einem 200 Million Dollar großen Risiko. Die Spanne, an derwir verdienen, ist aber unglaublich klein. Wenn das Öl nicht richtig durch den FutureMarkt abgesichert ist. kann man sehr viel Geld verlieren.Hier geht es also nicht um Wetten oder Spekulation, wie Sie immer sagen. Mit demPapierhandel sichern wir nur unser Risiko ab.Sprecher:Der Ölhändler scheint allerdings über Mittel und Wege zu verfügen, das Risiko kleinund die Gewinne groß zu halten. Nach Ermittlungen der US Börsenaufsicht kaufteVitol am 6. Juni 2008 in einer koordinierten Aktion Ölkontrakte, die dem dreifachendes gesamten US-Tages-Verbrauchs entsprechen: Am selben Tag stieg der Ölpreisum 11 Dollar das Fass.Alles legal, wie David Fransen betont. Zu Kritik nimmt sein Unternehmen ohnehinselten Stellung, und so ist es überraschend, dass ihm beim Stichwort Embargo danndoch etwas einfällt:26 O Ton: Öl Manager, David Fransen VITOL, Genf in englischÜbersetzer:Ich kann mich erinnern, dass ein Tanker in Richtung USA unterwegs war - Wir warenuns bereits mit dem Käufer einig. Damals gab es jedoch ein US-Handelsembargoausgerechnet gegen das Herkunftsland des Öls. Der Endabnehmer war ein großerUS Konzern - einer der drei Großen.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..14


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-RouletteSie wollten es kaufen - wir wollten es verkaufen, so einfach war das.Tja, und was macht man da?Nun, am Ende wurde das Öl in die USA eingeführtSprecher:Wie, das erläutert er nicht, betont aber, keine Gesetze gebrochen zu haben und sichan aktuelle Sanktionen zu halten.27 O Ton: David Fransen VITOL in Englisch:If there is an Embargo and if there is an UN-Embargo (this is) the end of the Story!Sprecher:Acht Stunden nach dem Gespräch meldet die Nachrichtenagentur Reuters, einiranischer Öltanker habe seinen Transponder ausgeschaltet, um seine Spur zuverwischen. Der Tanker fahre im Auftrag Vitols mit 2 Millionen Barrel iranischen ÖlsRichtung China, um das geltende Embargo der EU und der Vereinigten Staaten zubrechen. Die Genfer Vitol-Zentrale lässt erklären, man verstoße gegen kein Gesetz.Schließlich habe die Schweiz das Iran - Embargo nicht unterzeichnet.MusikAtmos: Dschungel, LKW, etc.SprecherIm Neuguineischen Hochland dröhnen Karawanen von Lastwagen. Muldenkipperbringen immer neue Gesteinsmassen heran, um ein Plateau aufzuschütten.ExxonMobil baut in der abgelegenen Dschungelregion eine LNG, eine Anlage zurVerflüssigung von Erdgas. Zusammen mit Pipeline, Straßen und Verladekais an derKüste wird das Projekt 15 Milliarden US Dollar kosten. Doch zunächst muss eine vierKilometer lange Landepiste angelegt werden, damit Antonow-Transportmaschinenhausgroße Maschinenteile einfliegen können.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..15


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-RouletteAtmos: Tumbi-Tal - Hämmern in der Ferne, LKWS etc.Am Rande der mit Dieselruß überzogenen Straße, direkt neben einem Geröllfeld,hämmert ein älterer Mann ein hölzernes Gerüst zusammen. Eine Gedenkstätte sollhier entstehen.28 O Ton Jokoya Piwako, Hela DialektÜbersetzer:Es war inmitten der Regenzeit im Januar. Der kleine Bach dort hinten war bereitsüber die Ufer getreten. Dort, wo man jetzt die blanken Steinwände sieht, betriebExxonMobil einen Steinbruch.Ich war gerade unterwegs, als ich ein tiefes Grummeln hörte. Der ganze Berg übermeinem Dorf fiel förmlich in sich zusammen. Ich rannte zurück hier nach Tumbi. Ichversuchte, mit bloßen Händen die Menschen auszugraben, aber jede Hilfe kam zuspät. Das ganze Dorf - 60 Menschen und 42 Häuser, wurden von dem Erdrutschbegraben. Wo ich jetzt stehe, lebte meine Familie, meine Frau und meine dreiKinder.Wir wollten, dass sie Bagger schicken, um die Leichen zu bergen. Aber ExxonMobilhatte keine Zeit. Die Bagger kamen, aber sie gruben nicht. Sie bauten einfach dieStraße weiter; planierten sie über den Körpern meiner Freunde und Verwandten.Uns sagten sie, wir sollen friedlich bleiben. Das Gasprojekt nütze allen und duldekeinen Verzug.Atmos: einsames Hämmern / MusikSprecher:Rebecca Arnold, Pressesprecherin von ExxonMobil in der Landeshauptstadt PortMoresby erklärt, für „Naturkatastrophen“ wie den Erdrutsch, sei die Regierungzuständig:© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..16


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-Roulette29 O-Ton: Rebecca Arnold ExxonMobil englisch:Übersetzerin:Wir kooperieren mit den Gemeinden und bauen ein Vertrauensverhältnis zu denMenschen auf. Wie können wir das Leben unserer Nachbarn verbessern? Sehr engarbeiten wir mit den Chiefs zusammen. Wir wollen den Menschen erklären, wie großunser Beitrag für die Entwicklung ihres Landes sein wird. Bis sie das verstehen,dauert es sicherlich eine Weile. Wir unterstützen auch ein Projekt, wo Frauen Keksebacken. Damit verdienen sie einige hundert Kina.Aber natürlich stimmt es, dass die Sicherheitsfrage für jeden eine Herausforderungist, der so ein Großprojekt betreibt.Musik30 O Ton Jokoya Piwako, Hela Dialekt:Übersetzer:Exxon sagt, wir sollen friedlich sein. Aber wenn sie uns unsere Lebensgrundlagenehmen; wenn unsere Familien sterben; wenn Frauen und Kinder verschüttet werdenund niemand kommt, um sich zu entschuldigen, dann werden wir wütend. Wirwerden uns wehren; wenn es sein muss auch mit Waffen.31 O Ton auf Deutsch. Jean ZieglerEin Kind was jetzt an Hunger stirbt wird ermordet - es gibt keinen objektiven Mangelmehr. Verantwortlich ist die Börsenspekulation auf Grundnahrungsmittel. Sie wissen2007 – 2008 die Weltfinanzkrise, der Weltbanken hat 85.000 Milliarden DollarVermögenswerte ruiniert und dann sind die großen Hedgefonds, die großen Bankendie großen Spekulanten umgestiegen auf die Rohstoffbörsen. Insbesondere auch aufNahrungsmittelrohstoffbörsen und machen dort ganz legal – ich mache es ganzdeutlich, denn ich habe genug Prozesse am Hals gehabt - astronomische Profite:Mais ist um 63 Prozent gestiegen in den letzten 8 Monaten, die Tonnephilippinischen Reis ist von 120 Dollar auf 1100 Dollar gestiegen und die Tonne© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..17


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-RouletteWeizen hat sich verdoppelt. Goldman Sachs offeriert jetzt wieder Derivat, Future aufSoja, Reis, Weizen und Palmöl und Reis macht astronomische Profite. Und werbezahlt das? Das bezahlen die 1,2 Milliarden Menschen die nach Weltbank Statistik„extremely poor” sind. Mit ganz wenig Mitteln müssen die Mütter die tägliche Nahrungkaufen Und wenn die Grundnahrungsmittelpreise, wegen der Börsenspekulationexplodieren, dann sterben die Menschen: Die Reispreisexplosion hat nach demletzten „Police – Paper“ der Weltbank 162 Millionen mehr Tote gekostet.Sprecher :Was Jean Ziegler, ehemaliger Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für dasRecht auf Nahrung, beklagt, ist für die Firma Cargill Geschäftsgrundlage. Nicht weitvom Genfer See hat der mit über 100 Milliarden Dollar Jahresumsatz weltgrößteHändler von Agrarrohstoffen seinen Sitz. Das Familienunternehmen handelt unteranderem mit Weizen, Soja, Zucker und Palmöl. Palmöl ist als Grundnahrungsmittelaber auch als Energielieferant des reicheren Weltdrittels begehrt.Hans Rueedi, Vize- Präsident von Cargill, sieht keinerlei Verantwortung seinesUnternehmens für zunehmenden Hunger in der Welt.32 O Ton Hans U. Rueedi Cargill Genf auf Deutsch:Es gibt auch dieses Jahr genug Getreide. Es ist einzig die Frage, wie wir esverteilen. Aber die Welt hat genug Food, das weiß man, das ist bekannt. Wir könnendie ganze Welt ernähren. Das ganze Problem ist eigentlich der Logistik und dieFinanzen. Man könnte die ganze Welt mit Nahrung versorgen.Sprecher:Allerdings, räumt er ein, dass die hohen Gewinnspannen reizvoll seien. Deshalbhabe Cargill entschieden, erstmals nicht nur als Händler, sondern auch alsGroßfarmer aufzutreten:33 O Ton: Hans Rueedi , Vize Präsident & CFO Cargill, in Deutsch© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..18


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-RouletteWir haben nur eine Palmölplantage in Indonesien. Ja sicherlich ist natürlich Palmöleine interessante „Commodity“ mit großem Volumen und sie steht in Konkurrenz mitSoja und der Ölverbrauch steigt ständig.MusikSprecher:Auch in diesem Fall lassen sich die Auswirkungen im Inselstaat Papua Neuguineabesichtigen: Hier betreibt New Britain Palmoil seine Plantagen. Von Maschinengepflanzt, stehen zehntausende von Bäumen aufgereiht im gleißenden TropenlichtNoch vor wenigen Jahren beackerten hier Kleinbauern den Boden:34 O Ton Martin Injunga in englisch:Übersetzer:Auf über Achttausend Hektar produziert New Britain Palmoil. Sie brauchen jedenFlecken für die Palmen. Der Firma gelang es, das Land von der Regierung zupachten. Dann vertrieben sie uns. Ich habe mich hier an den Rand des Talesgeflüchtet. Aber der Grund ist felsig und der Boden nicht sehr fruchtbar. Auch sindwir hier vom Fluss abgeschnitten und haben kein sauberes Trinkwasser.MusikSprecher:Wie viele Indigene konnte auch Martin Injunga nicht nachweisen, dass seinerFamilie der Boden seit Generationen gehört. Greenpeace hat gerade eine Studieherausgegeben, die den Umfang der Landnahme in Papua Neu Guinea verdeutlicht.Ihr Sprecher Sam Moko:35 O -Ton Greenpeace - Papua Sam Moko in englisch:Übersetzer:© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..19


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-RouletteInzwischen geht es um 5.2 Millionen Hektar – also 10 Prozent des Regenwaldes. Dietransnationalen Firmen nutzten rechtliche Schlupflöcher, aber auch die Unwissenheit.Menschen in abgelegenen Gegenden verstehen oft gar nicht, dass sie ihr Land fürGenerationen verlieren. Wenn sie sich wehren, werden private Sicherheitskräftegeschickt. Es gibt viele Menschenrechtsverletzungen, weil Bauern sich wehren. Siewollen nicht weichen, wenn ihr Wald und ihre Gärten gerodet werden.Sprecher :Aber auch wer, wie Radi Unsib, Besitz nachweisen kann und von New Britain Palmoilals Lieferant unter Vertrag genommen wird, gehört nicht automatisch zu denGewinnern im Rohstoffroulette.Musik36 O Ton Radi Unsib: Pachtfarmer, im lokalen PNG Dialekt Ramu Tal:Übersetzer:Die Palmen brauchen mehr Dünger als wir gedacht haben. Dünger ist sehr teuergeworden. Deswegen haben wir im letzten Jahr Verlust gemacht. Wir mussten beider Bank einen Kredit aufnehmen. Leider haben wir mit den Früchten nicht die Preiseerzielt, wie erhofft. Die Firma, die die Ernte kauft und den Dünger verkauft, istdieselbe. Als wir uns beschwerten, dass sie uns in den Bankrott treiben, sagten sienur: Der Weltmarkt ist schuld. Sie rieten uns, unser Land zu verkaufen.Sprecher:Radi Unsib lebt am Rande von Ramus-Sugar Town wo New Britain Palm Oil eineÖlmühle betreibt. Hier wohnen auch die Saisonarbeiter, die für Niedriglöhne die Ernteeinholen. In der Kleinstadt sucht man vergeblich nach Markständen. Nahrung gibt esnur noch verpackt und im Supermarkt; meist importiert aus Australien undNeuseeland.37 O Ton Frau am Markt, in lokalen Dialekt:© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..20


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-RouletteÜbersetzerin:Früher haben wir von den Tarawurzeln und Süßkartoffeln aus unserem Gartengelebt. Die waren umsonst. Jetzt müssen wir Brot kaufen; aber dieses Jahr ist esbesonders teuer. Die Preise für Getreide werden unerschwinglich für uns.Atmo: Werbetrailer von Banken, teilweise englisch: Investiert in RohstoffeMusikSprecher:In der Branche nennen sie es den Super-Cycle. Was wie ein Programm für dieWaschmaschine klingt, meint ein sich selbst nährendes System ständig steigenderRohstoffpreise. Es ist dieser Super Cycle, der den Verbrauchern das Geld aus demPortemonnaie zieht und die Produzentenländern zwischen Boom und Chaosschwanken lässt:38 O Ton Heiner Flassbeck, UNCTAD, Deutsch:Eine bestimmte Kaste von Menschen hat ja in den letzten zehn Jahren unendlich vielGeld verdient. Da sie nicht produziert haben, muss es ja von irgendwo hergekommensein. Wenn alle Menschen anfangen, mit Töpfen Licht zu fangen, kann man das füreine zeitlang für eine hoch sophisticated, wichtige Tätigkeit halten. Irgendwannmüsste man einsehen, dass es sinnlos ist.Sprecher:Heiner Flassbeck, ehemaliger Staatssekretär im deutschen Wirtschaftsministeriumuntersucht für die Welthandelskonferenz UNCTAD das Spiel um Platin, Petroleumund Palmöl. Die Statistiken, die er mit seinem Team erarbeitet hat, widerlegen dieallgemein verbreitete These, die enorme Nachfrage, insbesondere derRohstoffhunger Chinas, sei der entscheidende Preistreiber:39 O Ton Heiner Flassbeck UNCTAD Deutsch© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..21


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-RouletteIch war von der OPEC in Wien eingeladen, und die haben mir gezeigt, dasswochenlang die Saudis versucht haben, den Ölpreis zu stabilisieren, durch massiveÖlproduktion. Am Ende haben sie keine Abnehmer mehr gefunden. Der Preis istnach oben gegangen. Warum? Weil zu diesem Zeitpunkt Money-Manager aktiveingestiegen sind und massive Ölderivate eingekauft haben. Ja da müssten allevernünftigen Menschen sagen: Das kann doch nicht sein! Wenn Saudi Arabienversucht, den Preis zu drücken, ist das gegen sein Interesse. Sie tun es trotzdem,damit der Preis in vernünftigen Bahnen bleibt. Aber sie können sich nicht mehrdurchsetzten gegen die Finanzmärkte. Wenn man dahinter schaut, fragt man sichwirklich, wie die Welt funktioniert und wer die Welt regiert.Sprecher:Trotz anders lautender Versprechen vieler Politiker nach der letzten Bankenkriseerkennt Flassbeck keinen ernsthaften Willen, das volkswirtschaftlich schädlicheSpekulationsgeschäft unter Kontrolle zu bekommen.39 B O Ton Heiner Flassbeck UNCTAD DeutschEs gibt noch nicht mal die Ansätze zu diskutieren. Mann fragt sich warum Politikerdie große Töne spucken – gerade in Deutschland wieder, Na ja Herr Steinbrückmacht ja auch ein großes Banken Konzept, aber hat es auch nicht erwähnt. Warumerwähnt er das Thema nicht? Weil sie sich nicht mit den Finanzmärkten anlegenwollen. Weil sie Angst haben. Das ist schon ein altes Muster und es ist nach derKrise nicht besser geworden.Ich darf ja wohl den berühmten Joschka Fischer zitieren, der zu meinen ehemaligenVorgesetzten Minister Lafontaine gesagt hat: Ihr wollt euch doch nicht mit deninternationalen Finanzmärkten Anlegen? Doch man muss sich mit ihnen Anlegen.Darum geht es! Und so ist Haltung von ganz vielen Regierungen einschließlich derdeutschen Regierung. Warum ist keiner auf die kleine bescheidene Obama-Reformder Finanzmärkte eingestiegen in Europa? Wir kriegen nicht mal eine internationaleDiskussion Zustande. Es gab eine Resolution der Generalversammlung der UN. Esist alles untergegangen. Weil die wichtigsten Nationen dieses Thema nicht© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..22


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-Roulettediskutieren wollen. Es gab eine Initiative von Sarkosy auf der G20 in 2011. Man hatversucht das Thema Rohstoff Spekulation zu diskutieren: Es ist totgeschwiegenworden!MusikAtmos: LondonSprecher:Steven Spencer und Simon Hunt gehören zu den letzten unabhängigenMetallhändlern in London. Ihr Arbeitsalltag gewährt ihnen immer wieder Einblick, mitwelchen Methoden Märkte manipuliert und Preise in eine gefährliche Höhe getriebenwerden.40 O Ton Steven Spencer, in englischÜbersetzer:Ein Vertreter des größten Kupferproduzenten der Welt erzählte mir: Wir produzierenauf Rekordniveau - ohne wirkliche Nachfrage der Industrie- und bekommengigantische Gelder dafür. Er weiß genau, es ist eine Investmentnachfrage und keineindustrielle. Es ist doch interessant, dass wir wissen, dass es einen großenKupferüberschuss gibt. Doch der Preis geht nicht runter. Und das trifft auf diemeisten anderen Rohstoffe ebenfalls zu.Sprecher:Auf steigende Preise gegen den realen Markt zu wetten, kann nur eine begrenzteZeit funktionieren. Zudem ist es aufwändig und risikoreich.41 O Ton in Englisch Steven Spencer:Übersetzer:So hat das Spiel mit den Lagern begonnen: Es gibt ein weltweites Netzwerk von5000 Lagerhallen für Industriemetalle. Die meisten wurden mittlerweile von Banken© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..23


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-Rouletteaufgekauft. Ihre Bestände sollten eigentlich an die Londoner Metall Börse gemeldetwerden. Aber das geschieht keineswegs immer.Sprecher :Spencers Kollege Simon Hunt hat beispielhaft die Spur des chilenischen Kupfersverfolgt.42 O Ton: Simon Hunt Kupfer EnglischÜbersetzer:Die Großhändler und die hinter ihnen stehenden Banken kaufen in Chile, was immersie bekommen können und verschiffen es nach China, wo ein Teil eingelagert wird.Es ist nicht im System der Londoner Metallbörse verzeichnet und damit unsichtbar.Nach meiner Kalkulation haben wir Ende 2012 über 5 Millionen Tonnen Kupfer aufLager. Wenn es zum Crash kommt, aus welchen Gründen auch immer, dann wirdder Weltmarktpreis fallen – ins Bodenlose:Kupfer wird abstürzen von jetzt 8300 Dollar die Tonne, auf vielleicht 1500.43 O-Ton in English Steven Spencer, in englischÜbersetzer:Wir nennen es einen perfekten Sturm: Die Minen, die Händler und die Banken, allefachen ihn an. Sie haben sich zu einem Kartell zusammengeschlossen.Sprecher:Aber, so Steve Spencer, der Boom nähere sich seinem Höhepunkt. Das spekulativeKapital der Gier übertrifft längst die solide Finanzierung des realen Handels. EinAbsturz sei nicht nur wahrscheinlich, sondern unvermeidlich. Dies sei auch vielender Akteure klar, doch ähnlich wie beim Immobilien-Hype, wolle sich niemand alserster aus dem Geschäft zurückziehen, solange es noch Profit abwirft.Musik© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..24


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-Roulette44 O Ton: Simon Hunt in Englisch:Übersetzer:Der Vizechef der kanadischen Notenbank hat neulich darauf hingewiesen, dass derRohstoffsektor vor einem systematischen Versagen steht. Er war der Erste, der daspraktisch offiziell eingestanden hat.45 O Ton Steven SpencerWie sagte Waren Buffet, so schön: Erst wenn die Sturmflut vorbei ist, sieht man, wereigentlich nackt geschwommen ist. Wir haben es während der Finanzkrise gesehen,als Lehman Brothers plötzlich Pleite ging. Und wir werden es auch im Rohstoffsektorerleben. Die Verschuldung der Branche ist einfach zu groß. Korruption, Manipulationund Risikospekulation werden sich rächen. Wir sitzen auf einer Bombe, die jederzeitexplodieren kann.MusikSprecher:Vom Crash betroffen würden ganze Industriezweige; Anleger aus denIndustriestaaten, aber auch viele Produzentenländer wie Peru und Chile, Indonesienoder Sambia. Allein in Afrika hängt die Wirtschaft von 34 Nationen überwiegend amExport eines einzigen Rohstoffs. Bei einem Preiseinbruch auf breiter Front könnte esin etlichen Weltregionen praktisch über Nacht so aussehen, wie in der Hela-Provinzim Hochland Papuas. 1992 wurde hier Petroleum entdeckt. Nach 20 Jahren sind dieBohrtürme abmontiert; die Ölgesellschaften weiter gezogen. Geblieben sind zerstörteLandschaften und Dörfer ohne Leben- wie das von Chief Maratufa:Musik46 O Ton Papua Neu Guinea: Chief Maratufa in Tok PisinÜbersetzer:© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..25


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-RouletteSchaut unser Land an: Der Wald ist gerodet, der Boden vom Regen fortgeschwemmt; die Flüsse sind giftig und ohne Fische. Wo ist das Lachen der Kinderund Frauen? Die meisten jungen Männer leben jetzt weit fort in der Hauptstadt;immer auf der Suche nach Arbeit. Was sie finden, ist Gewalt und Gier. DieProphezeiung unserer Vorväter scheint in Erfüllung zu gehen: Wer das Feuer ausden Bergen des Hochlands holt, so sagten sie, dem wird nur noch Wüste bleiben.MusikAbsage:Rohstoff-RouletteDas gefährliche Spiel um Platin, Petroleum und PalmölEin Feature von Peter KreyslerEs sprachen:Wanja MuesBruno WinzenUlrike SchwabDaniel BergerDaniel WiemerThomas GimbelFrank VoßKordula LeißeundMichael MüllerTechnische Realisation:Ilse Sieweke und Jeanette Wirtz-FabianRegieassistenz:Nike Zafiris,Regie:© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..26


DOK 5 – Das Feature: 03.02.2013Rohstoff-RouletteMatthias Kapohl.Redaktion:Thomas NachtigallEine Produktion des Westdeutschen Rundfunks mit dem Deutschlandfunk und demSüdwestrundfunk 2013.Gefördert durch die Film- und Medienstiftung NRW.© Westdeutscher Rundfunk Köln 2012Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf dasManuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlichzugänglich gemacht ) werden..27

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