Sand und Kies - Bayerischer Industrieverband Steine und Erden eV

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Sand und Kies - Bayerischer Industrieverband Steine und Erden eV

SCHRIFTENRElliE DER BAYERISCHEN SAND- UND KIESINDUSTRIE . HEFT 2/83

BAYERISCHER INDUSTRIEVERBAND STEINE UND ERDEN E. V

Fachabteilung Sand- und Kiesindustrie . München

-


Sand und Kies - Rohstoffe höchster Qualität, in: Schriftenreihe der bayerischen

Sand- und Kiesindustrie, Heft 2,1983, Hrsg. Bayerischer Industrieverband Steine

und Erden e.V., Fachabteilung Sand- und Kiesindustrie, München.

ISB 3-7633-9002-2

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere

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ähnlichem Wege und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben,

auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. Werden einzelne Vervielfältigungsstücke

in dem nach § 54 Abs. 1 UrhG zulässigen Umfang für gewerbliche

Zwecke hergestellt, ist an den Verlag die nach § 54 Abs. 2 UrhG zu zahlende

Vergütung zu entrichten, über deren Höhe der Verlag Auskunft gibt.

Gestaltung: Curt Mahl

© 1983 Druck und Verlag: Bergverlag R. Rother GmbH, Landshuter Allee 49,

8000 München 19

Herausgeber: Bayerischer Industrieverband Steine und Erden e. V.,

Fachabteilung Sand- und Kiesindustrie,

Beethovenstraße 8, 8000 München 2

Bildnachweis:

Abb.22

Umschlagseite 1 und 4,

Abb. 1,2,3,8,9, 10, 14, 15

17, 28, 38, 40

Abb. 13

Abb. 25,27

Abb. 35, 37, 41, 42,

Abb.39

Abb.32

Abb. 7, 12, 18,24, 29

Abb. 19,21

Abb.11

Abb.16

Abb.33

Abb. 4, 5, 6

Abb.26

Abb.20

Abb. 34,36

Abb.23

Abb. 30,31

Bauberatung Zement

Bayerischer Industrieverband

Steine und Erden e. V.

Bayer. Staatsministerium

für Landesentwicklung

und Umweltfragen

Elba GmbH & Co.

Feix, R.

Heilit&Woerner AG

Kerschensteiner, G.

Klauser, 1.

Klug, P.

Mahl, C.

Ratzinger GmbH & Co KG

Schneider Kronthaler, H.

Steinbichler, H.

Stelter GmbH

Strabag AG

Straßenbauamt München

Teubert, 1.

Zimmer GmbH&Co. KG


Sand und Kies - Rohstoffe höchster Qualität

Ausstellu1Ig am 2e1llra/e1l La1ldwirtschaftsfest /98/ i1l MÜ1Iche1l


Inhalt

Vorwort

Betonbaukunst

Sand und Kies - Entstehung und Herkunft

Sand und Kies - Abbau und Aufbereitung

Sand und Kies im Betonbau

Sand und Kies im Verkehrsbau

Qualitätssicherung durch Güteüberwachung

Verwendung von Sand und Kies

Literatur

2

Seite

3

4

5-9

10-11

12-15

16-18

19

20-21

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Vorwort

Seit einigen Jahren versucht die Natursteinindustrie verstärkt, gebrochenes Felsgestein als Zuschlag

für Beton nach DIN 4226 auf den Markt zu bringen. Mit den in diesem Zusammenhang

zur Produktwerbung abgehaltenen Veranstaltungen und veröffentlichten Schriften

wurde - oft genug wenig wissenschaftlich belegt - der Versuch unternommen, Natursteinsplitte

mit Sand und Kies hinsichtlich deren Eignung als Betonzuschlag zu vergleichen.

Das vorliegende Heft 2 der Schriftenreihe der bayerischen Sand- und Kiesindustrie verzichtet

bewußt auf derartige unhaltbare Vergleiche. Es befaßt sich stattdessen mit den vielfältigen,

zum Teil ausschließlichen Verwendungsmöglichkeiten der altbewährten Qualitäts-Baustoffe

Sand und Kies.

Im Laufe der Erdgeschichte wurden in Bayern zahlreiche verschiedenartige Kalkgesteine abgelagert:

In über 30 stratigraphischen Einheiten finden sich weitere Varietäten. Auch innerhalb

eines Bruches zeigt der Stein zumeist keine gleichbleibende Struktur, Härte und Mineralogie.

Die weitverbreiteten Kiese der Talräume, Terrassen, Schotterebenen und Moränen Südbayerns

sind größtenteils Verwitterungsprodukte dieser Kalkgesteine. Daneben finden sich quarzreiche

Sand- und Kieslagerstätten im tertiären Hügelland und in Nordbayern.

Bei einem Jahresbedarf von ca. 85 Mill. Tonnen Sand und Kies in Bayern (entsprechend

8 Tonnen je Einwohner) sind die reichlich vorhandenen Kieslagerstätten neben nutzbaren Sanden

die wichtigsten Massenrohstoffe unseres Landes. Die Produkte der bayerischen Sand- und

Kiesindustrie genügen höchsten Qualitätsansprüchen : Von den Kräften der Natur ausgelesen,

vorsortiert und gerundet, erfährt das Material eine weitere Veredelung durch die technische

Aufbereitung im Kieswerk. Güteüberwachter Sand und Kies kann deshalb in aller Regel ­

oft genug im Gegensatz zum gebrochenen Felsgestein - ohne besondere zusätzliche Prüfung

zur Betonherstellung verwendet werden.

Jahrzehntelange Erfahrung bei der Herstellung von Beton mit den von der Natur veredelten

Zuschlagstoffen Sand und Kies beweisen deren vorzügliche Eigenschaften, die durch Begriffe

wie "problemlose Verarbeitbarkeit ", " Wirtschaftlichkeit" und "Haltbarkeit" gekennzeichnet

sind.

München, im März 1983

Jochen Klauser

1. Vorsitzender des Ausschusses

"Qualitätseigenschaften von Kies und Kalkschotter "

3


Neue Turmhaube der Maria-Hilf-Kirche. München. Ein Beispiel filigraner Betonbaukunst mit dem Zuschlag Sand und Kies.

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2 A


Sand und Kies - Entstehung und Herkunft

Was ist Sand und Kies?

Ablagerungen von natürlich gerundeten Gesteinskörnern

bis zu einem Korndurchmesser von 4 mm bezeichnet

man als Sand, solche mit Korndurchmessern über

4 mm als Kies.

Das Bild unten zeigt eine typische Abbauwand einer

Kiesgrube im Voralpenland.

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.& 4

6

Wie entsteht Sand und Kies?

Durch die Verwitterung freiliegender Felsen an der Erdoberfläche,

vor al/em im Gebirge, entsteht aus diesen im

Laufe der Zeit kleinstückiger Hangschutt. Dieser Schutt

bleibt jedoch nicht an seinem Entstehungsort liegen,

sondern wird durch Gletschereis und Wasser talwärts

verlagert. (Abb. 4-6). Dabei wird das kantige Felskorn,

je nach Festigkeit des Gesteins, ständig weiter zerkleinert

und an der Oberfläche immer mehr abgerundet.

Mit zunehmender Entfernung vom Entstehungsort des

Gesteinschuttes, nimmt die Kraft des Transportmittels

ab und es kommt schließlich zur Ablagerung der Gesteine.

Je nach Art des Gesteins und Kraft des Transportmediums

kommt es zu unterschiedlichen Ablagerungen.

Findet man in den Kiesvorkommen Südbayerns

(Abb. 3) ein Gemisch sehr unterschiedlicher Korngruppen,

so lagern vom Wind ausgeblasen und sortiert

(Abb. 7) in den Dünensandlagerstätten Mittelfrankens

mehr oder weniger gleich große Körner (Abb. 8-10).


Auch sind die Lagerstättenmächtigkeiten, welche jür die

Nutzbarkeit der Sand- und Kiesvorkommen von großer

Bedeutung sind, regional sehr unterschiedlich. Haben im

Alpenvorland die Schotterpakete der Ebenen Mächtigkeiten

zwischen 5 und 80 m, so erreichen die Lagerstätten

im Hügelland der Moräne und des Tertiärs

Schichtstärken von 20 bis 150 m. Demgegenüber erscheinen

die Talverjüllungen mit 5 bis 15 m hohen

grundwassererjüllten Kiesen relativ bescheiden. Die

jränkischen Schwemm- und Dünensande sind zwischen

3 und 30 m mächtig. Bedeutendere Schichtstärken von

20 bis 50 m erreichen die Sandsteingebirge des nordbayerischen

Schichtstujenlandes.

• 10

7


Warum hat Sand und Kies aus Bayern einen

sehr hohen Qualitätsstandard ?

Durch die Verwitterung und den anschließenden Transport

sind die Gesteinskörner der Sand- und Kieslagerstätten

einer außerordentlich intensiven Beanspruchung

ausgesetzt gewesen. Weiches und mürbes Gestein wird

bei der natürlichen Aufbereitung durch Gletschereis,

Wasser und Wind ausgesondert. Zur Ablagerung kommen

letztlich nur die Gesteine, welche den vorangegangenen

mechanischen Beanspruchungen widerstanden haben.

Gerade in Bayern findet sich Sand- und Kiesmaterial

gleichbleibender Güte und hoher Festigkeit: Die

Frostwiderstandswerte belegen die große Witterungsbeständigkeit.

Von Naturkräften intensiv ausgelesen, sind Sande und

Kiese aus bayerischen Lagerstätten hochwertige und

dauerhafte Baustoffe, die höchsten Ansprüchen genügen,

wie sie u.a. von der Technik beim Bau des Münchner

Fernsehturmes (11) oder des Kernkraftwerkes Gundremmingen

(Abb. 12) gefordert wurden. Auch bei schädigenden

Umwelteinflüssen (verschmutzte Luft, verunreinigtes

Wasser) zeichnen sich bayerische Sande und

Kiese durch hervorragende Widerstandsfähigkeit aus.

Sand u. Kies garantieren eine hohe Lebensdauer des

Bauwerkes: Qualität hilft Kosten sparen!

• 11

8

Wo gibt es Sand und Kies in Bayern?

Im Schutttrog vor den Alpen, südlich des Jura lagern

Bayerns bedeutendste Sand- und Kieslagerstätten. Diese

Lockergesteinsvorkommen sind landschaftsprägend in

den Flußtälern, den Schotterebenen (Inn-Salzach-Platte,

Münchner Schotterebene, Iller-Lech-Platte), den Terrassen

und im Hügelland der Moräne und des Tertiärs.

Nördlich der Donau lagern im Schichtstufenland die

bayerischen Sandsteingebirge mit großen, nutzbaren

Sandvorkommen. Daneben werden die quartären Ablagerungen

im Bereich der Flüsse als Grundstoff für die

Bauindustrie gefördert. Eiszeitliche quarzitische Dünenund

Schwemmsande hoher Qualität werden in Mittelfranken

und im Aschaffenburger Becken abgebaut.

• 12


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Wie werden Sand und Kies

gewonnen?

Bevor eine Sand- und Kieslagerstätte abgebaut

werden kann, wird die überlagernde Deckschicht

aus Humus und Abraum sorgfältig abgetragen

und für die spätere Rekultivierung

zwischengelagert.

Vorkommen oberhalb des Grundwassers werden

dann entweder durch Bagger oder luftund

kettenbereifte Erdbaugeräte abgebaut

(Abb. 14). Das Rohmaterial wird mit LKW's

oder Förderbändern zur Aujbereitungsanlage

transportiert.

Etwa die Hälfte der Jahresproduktion an Sand

und Kies wird im Grundwasserbereich gewonnen.

Zur Naßbaggerung werden spezielle Abbaugeräte

wie Eimerkettenbagger, Saugbagger,

Schrapper oder Sch wimmbagger eingesetzt

und das Rohmaterial über Transportbänder

einer weiteren Aufbereitung zugeführt

(Abb. 15).

Die Sand- und Kiesvorkommen Südbayerns

sind vielfach durch einen hohen Anteil an

grobkörnigem Geröll gekennzeichnet. Um

auch diese wertvollen Rohstoffe verwerten zu

können, werden sie ausgesondert und in

Brechanlagen zu Splitt, Edelsplitt und Brechsand

weiterveredelt.


Wie wird bei Sand und Kies die

natürliche Qualität noch gesteigert?

Für die Verwendung von Sand und Kies als

Betonzuschlag oder als Mineralstoff im Straßenbau

ist die Trennung des gemischtkörnigen

Grubenmaterials in einzelne Korngruppen erforderlich.

In modernen Siebstraßen leistungsfähiger

Aufbereitungsanlagen (Abb. 16) erfolgt

diese Korntrennung in Verbindung mit

einem Wasch vorgang. Soweit erforderlich

werden vorher schluffige und lehmige Anteile,

die im Beton oder bituminösen Mischgut stören

würden, durch Schwertwäschen aufgelöst

(Abb. 17) und ausgewaschen. Splitte und

Edelsplitte aus Kieskorn werden beim Aussieben

zusätzlich gewaschen (Abb. 18). Sie haben

deshalb keinen störenden Staubbelag an ihren

Korn 0 berflächen. Staub und Schmutz gefährden

die Haftfähigkeit des Bindemittels!

Erst durch diese intensive Aufbereitung werden

Baustoffe höchster Qualität erzielt, die

gleichbleibende Eigenschaften daraus hergestellter

Bauteile gewährleisten.

.. 16

11


Rundkorn bringt hervorragende

Verarbeitbarkeit

Beton mit Sand und Kies besitzt immer eine gute Verarbeitbarkeit.

Durch das Rundkorn weist Frischbeton mit Kies eine geringe

innere Reibung auf und kann beim Verdichtungsvorgang

leicht bewegt werden (Kugellagereffekt). Deshalb

läßt sich jeder Beton mit Kiesmaterial stets einwandfrei

verarbeiten (Abb. 21).

... 21

Fraktionierte Kornzusammensetzung

aus Rundkornmaterial ermöglicht

geringen Zementgehalt und dichten Beton

Die Zusammensetzung des Betonzuschlags aus fraktionierten

Sand- und Kieskörnungen gewährleistet durch

die leicht erreichbare dichte Lagerung des Rundkornes

und die geringe Oberfläche kugeliger Körner einen geringen

Zementleimanspruch (Abb. 22). Mit Sand- und

Kieszuschlag sind deshalb niedrige Wasserzementwerte

bei geringem Zementbedarf und bester Verarbeitbarkeit

des Betons möglich.

Dichtliegende Bewehrung (Abb. 23) kann mit Kiesbeton

immer fehlerfrei umhüllt werden. Beton-Bauteile, armierte

Rohre oder auch andere Fertigteile (Abb. 24),

können vielfach erst durch Kiesbeton wirtschaftlich hergestellt

werden. Kiesbeton ermöglicht auch die filigrane

Betonbauweise (Abb. 2). Dicht lagernder Beton verhindert

die Zerstörung der Bewehrung durch Korrosion

(Karbonatisierung). Dies ist von großer Bedeutung für

die Lebensdauer eines Bauwerkes.

• 24

13


• 27

14

Rundkorn verringert Verschleiß

und Kornzertrümmerung bei der

Betonaufbereitung

Beim Mischen, im Transportbetonfahrzeug

oder beim Pumpen des Betons mit Rundkorn

wird der Verschleiß vermindert, wodurch die

Lebensdauer der Maschinen verlängert und

Energie gespart wird. Intensivere Mischung

bei kürzeren Mischzeiten erhöht die Wirtschaftlichkeit.

Außerdem wird das Rundkorn

selbst durch die Maschinenteile nicht zerstört,

da es durch seine runde Oberfläche wenig beansprucht

wird und zudem dank der natürlichen

Auslese Korn für Korn aus sehr festem

Gesteinsmaterial besteht. Rundkornzuschläge

ergeben deshalb keine Kornverfeinerung der

Sieblinie beim Mischen, Fördern und Einbauen

des Betons. Ebenso kennt man bei Kiesbeton

keine Erhöhung des Mehlkornanteiles und

der damit verbundenen Verschlechterung der

Betoneigenschaften durch Gesteinsabrieb im

Mischer, im Transportfahrzeug und beim Einbau.

Sand und Kies als Zuschlag

garantiert dauerhaften Beton

Durch die Rollbewegung des Rundkornes bei

der Verarbeitung kann Kiesbeton mit geringem

Aufwand optimal verdichtet werden.

Sand und Kies als Zuschlag gewährleisten für

den jeweils gewählten Konsistenzbereich des

Betons eine gute Verdichtungswilligkeit bei einem

Minimum an Mörtelgehalt. Konsistenznachstellungen

durch Wasserzugabe wegen

nachträglicher Wasseraufnahme der Zuschläge

sind bei Sand und Kies nicht erforderlich.

Auch bei niedrigen Wasserzementwerten, die

Voraussetzung für einen sehr dichten Beton

sind, ist noch eine günstige Verarbeitbarkeit

des Frischbetons gegeben.

Dauerhaftigkeit und Beständigkeit von Beton

werden durch eine Reihe von Festbetoneigenschaften

gekennzeichnet, die jedoch immer

nur mit einem dichten Beton erreicht werden

können.

Sand und Kies sind deshalb ideale Zuschläge

für:

- Sichtbeton-Bauteile mit wartungsarmen

Fassadenoberflächen (Abb. 28);

frostwiderstandsfähigen Beton, wie er z. B.

auch für Fahrsilos neben der Säurebeständigkeit

in der Landwirtschaft benötigt wird

(Abb.29);

widerstandsfähigen Beton gegen chemische

Angriffe und Beton mit hohem Abnutzwiderstand,

ohne den z.B. die moderne

Tierhaltung auf Spaltenböden nicht möglich

wäre (Abb. 30 und 31);

wasserundurchlässigen Beton, der z.B.

Voraussetzungfür alle Anlagen der Abwasserbeseitigung

ist (Abb. 32);

sicheren Korrosionsschutz der Bewehrung

(Abb. 20), der z.B. eine lange Haltbarkeit

für Brückenbauten garantiert.


Sand und Kies im Verkehrsbau

Verkehrsgerechter Straßenbau

mit Sand und Kies

Aufgrund der Qualitätssteigerung bei der natürlichen

Aufbereitung durch Eis, Wasser und Wind sind die

Sande und Kiese Bayerns bewährte Baustoffe für den

Straßen- und Wegebau. Jedoch nicht nur in der natürlichen

Kornform hat sich Kies als Straßenbaustoff durch

die ausgelesene Gesteinsqualität bewährt, sondern auch

bei der Verwendung als zu Splitt und Edelsplitt gebrochenem

Material.

16

Frostschutzschichten

Kies-Sand-Gemische natürlicher Kornzusammensetzung,

welche den Anforderungen der" Technischen Vorschriften

für Tragschichten " entsprechen, haben eine

dauerhaft gute Wasserdurchlässigkeit, werden durch

Frost nicht angegriffen und lassen sich ohne Kornzertrümmerung

energiesparend einbauen und verdichten

(Abb.33).

Frostschutzschichten aus Sand und Kies haben sich seit

Jahrzehnten im Fahrbahnkörper jeder Bauklasse des

Straßenbaues bewährt. Dabei ist es von besonderer Bedeutung,

daß sich Kies-Sand-Gemische homogen einbauen

lassen, d. h. es treten beim Einbau keine schädigenden

Entmischungen ein. Wissenschaftliche Untersuchungen

haben gezeigt, daß in Fahrbahnkörpern aus

Kies-Sand-Gemischen auch nach langjährigen, starken

Verkehrseinwirkungen keine schädigenden Kornverfeinerungen

eintreten.


.. 34

.. 35

l 36

Ungebundene und gebundene

Tragschichten

Tragschichten aus Sand und Kies werden aus

verschiedenen Korngruppen entsprechend den

in Vorschriften festgelegten Sieblinien zusammengesetzt.

Das rundkörnige Material läßt

sich mit geringem Energieaufwand optimal

verdichten.

Ungebundene Kiestragschichten finden für

Straßen jeder Bauklasse Verwendung (Abb.

34).

Bituminöse Tragschichten : Durch die Verwendung

von rundkörnigem Sand und Kies

wird der Bindemittelbedarf des Mischgutes

günstig gehalten und eine optimale Verdichtungswilligkeit

erreicht (Abb. 35). Soweit gebrochenes

Korn nach der Standardisierung erforderlich

ist, kann Kiessplitt mit seinen günstigen

Gesteinseigenschaften eingesetzt werden.

Hydraulisch gebundene Tragschichten werden

heute in steigendem Umfang im Straßenbau

angewandt, vor allem beim Bau der hochbeanspruchten

Autobahnen (Abb. 36). Untersuchungen

der Technischen Universität München

haben gezeigt, daß hydraulisch gebundene

Kiestragschichten hervorragende mechanische

Eigenschaften besitzen und die in den

Vorschriften der "Richtlinienfür den Straßenoberbau

" geforderten Schichtdickenerhöhungen

gegenüber hydraulisch gebundenen Schottertragschichten

nicht gerechtfertigt sind.

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Verwendung von Sand und Kies

20

VERBRAUCHER PRODUKTE

Gewerblicher und Industrieller

Hoch-, Tlef-, Straßen- und Gleisbau

Transportbeton-Industrle

Mörtel-Industrie

Kalksandstein-Industrie

Beton- und Fertigteil-Industrie

Ziegel-Industrie

Zement-Industrie

Glas-Industrie

Keramische Industrie

Elsenschaffende Industrie

Gießerei-Industrie

Chemische Industrie

Elektronik-Industrie

Verkehr

Anstrich

WallOrwlrtlchaft

Luftschutzbau

95% DER GESAMTPRODUKTION IM BAU

Zuschlag für Beton und Mörtel, Dachkies,

Landschaftsbau, Schotterrasen

Dammschüttmaterial, Füllkies, Sauberkeitsschicht

Frostschutzkies, Tragschichtkies, Sand und Kiessplitt für

Straßendecken und Gußasphalt im Hochbau

Gleisunterbau, Drainagekies

Transportbeton

Mauer- und Putzmörtel, Estriche

Kalksandsteine

Beton- und Stahlbetonrohre, Sickerrohre, Schachtringe,

Kleinkläranlagen, Kabelkanalformsteine und Abdeckplatten,

Gehwegplatten, Bordsteine, Muldensteine,

Pflastersteine, Fertigteile für den Montagebau und die

Mischbauweise, Deckensteine mit Stahlleichtträgerbalken,

Großflächendecken, Fertiggaragen, Hohlblock- und Vollsteine

mit und ohne wärmedämmende Eigenschaften,

Erzeugnisse für das landwirtschaftliche Bauen sowie für

die Garten- und Landschaftsgestaltung, Betonwerksteinerzeugnisse

und dekorative Elemente, Dachsteine, Kaminformsteine,

Gasbetonerzeugnisse, Masten und Schwellen.

Ziegel (Sand als Rohstoffzusatz)

Zement (Sand als Rohstoffzusatz)

5 % DER PRODUKTION FÜR SONSTIGE BEREICHE

Flachglas, Spiegelglas, Hohlglas, Glasbausteine, Glas­

,wolle, Glasfliesen, Feinglas für Optik und Labor, Glasfaser

zur Armierung von Kunststoffen

Steingut, Porzellan, technisches Prozellan, feuerfeste

Baustoffe für Industrieöfen, Sanitärkeramik, Baukeramik.

Formsand, Kernsand

Kleber, Binder, Reinigungsmittel, Waschmittel, Katalysatoren,

Filter für Öl und Wasser, Spachtelmassen, Dispersionsfarben

und viele andere Erzeugnisse

Glasfaser-Kabel, Computer

Bremssand, Streusand, Streusplitt

Strahlsand

Filtersande und Filterkiese für Brunnenfilter, Hochwasserschutz,

Sand und Kiessplitt für Dichtungsbeläge

Filtersande


Von der Jahresproduktion der bayerischen Sand- und

Kiesindustrie werden 95 % als Bausand und Baukies in

der Bauwirtschaft benötigt. Etwa 213 davon verbraucht

der Hochbau, das andere Drittel geht in den allgemeinen

Tiefbau und in den Straßenbau.

Die Tabelle zeigt die Verwendung von Sand und Kies als

bewährten Betonzuschlag und als idealen Straßenbaustoff.

Der überwiegende Teil der Sand- und Kiesproduktion

ist wegen seiner hervorragenden Eigenschaften in

diesen Absatzbereichen aus Qualitätsgründen unverziehtbarer

Rohstoff. Die Kalksandsteinproduktion oder

der Bau von Filterbrunnen und Luftschut:ifiltern, sind

ohne Sand und Kies undenkbar.

Neben dem Bedarf an Bausand und Baukies finden 5 %

der Produktion der Sand- und Kiesindustrie als Spezialrohstoffefür

die Herstellung industrieller Produkte oder

als Hilfsstoffe bei der Industrieproduktion Verwendung.

Als Beispiel seien die Keramik- und Glaserzeugnisse der

Steine- und Erden-Industrie sowie die Gußformfertigung

aus Quarzsand in der Gießereiindustrie genannt.

Wie der Übersicht entnommen werden kann, wird

Quarzsand als Spezialrohstoff für eine Vielzahl von

Industrieprodukten verwendet. Erwähnt sei hier die

Elektronikindustrie, deren Glasfaserkabel und Computer-Projekte

ohne den natürlichen Rohstoff Silizium

(Halbleiter, hergestellt aus Quarzsand) nicht zu realisieren

wären.

Diese kurze Übersicht zeigt eindringlich die Bedeutung

der Rohstoffe Sand und Kies, nicht nurfür unser gesamtes

Bauwesen, sondern für eine weite Palette unseres

technisierten Lebensbereiches.

Fachliteratur

Deutscher Ausschuß für Stahlbeton, 1981: Empfehlungen

zur Verbesserung der Dauerhaftigkeit von Außenbauteilen

aus Stahlbeton. In: Zeitschrift Beton, H. 2, 1982.

Graf, 0., 1930: Versuche mit verschiedenen Kiessanden.

Deutscher Ausschuß für Stahlbeton H. 63. Verlag

Ernst & Sohn, Berlin.

Graf, 0., AJbrecht, Schäffler, H., 1960: Die Eigenschaften

des Betons. Springer-Verlag, Berlin, Göttingen, Heidelberg.

Hummel, A., 1954: Das Beton-ABC.

Verlag Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin.

Leykauf, G., 1982: Beanspruchung und Bemessung von

Tragschichten mit hydraulischen Bindemitteln im Fahrbahnwegebau.

Mitteilung des Prüfamtes für Bau von Landverkehrswegen

der TU München, H. 37.

Manns, W., Zeus, K., 1979: Zur Bedeutung von Zuschlag

und Zement für Frost-Taumittel-Widerstand von Beton.

Straße und Autobahn, H. 4, S. 167-173.

Rüsch, H., Kordina, K., Hilsdorf, H., 1962: Der Einfluß des

mineralogischen Charakters der Zuschläge auf das Kriechen

von Beton. Deutscher Ausschuß für Stahlbeton, H. 146, Verlag

Ernst & Sohn, Berlin.

Wesche, K., 1981: Baustoffe für tragende Bauteile. Band 2:

Beton. Bauverlag GmbH, Wiesbaden.

Weiterführendes Schrifttum

Bayerischer Industrieverband Steine und Erden e.V., 1982:

Rekultivierungsleistungen der bayerischen Sand- und Kiesindustrie.

Schriftenreihe der bayerischen Sand- und Kiesindustrie,

Heft 1. Bergverlag Rother, München.

Dingethai, F.J., Jürging, P., Kaule, G., Weinzierl, W.,

1981: Kiesgrube und Landschaft. Verlag Paul Parey,

Hamburg und Berlin.

Gesetze, Normen und Vorschriften

Bayerische Bauordnung, in der Fassung der Bekanntmachung

vom 2. Juli 1982. GVBI S. 419.

Bayerisches Staatsministerium des Innern, 1977: Richtlinien

für den Straßenoberbau in Bayern - Standardausführungen

(RStO - By 77). MABI S. 321.

- 1981: Überwachung der Herstellung von Baustoffen und

Bauteilen; einheitliches Überwachungszeichen. MABI

S.49.

- 1982: Verordnung über die Überwachung von Baustoffen

und Bauteilen. GVBI S. 469.

- 1983: Überwachung der Herstellung von Baustoffen, Bauteilen,

Bauarten und Einrichtungen. MABi S. 162.

Bundesministerium für Verkehr, 1980:

- Zusätzliche Technische Vorschriften für Kunstbauten

(ZTV-K 80). Verkehrsblatt-Verlag, Dortmund.

Deutsches Institut für Normung e.V., Berlin:

- DIN 4226: Zuschlag für Beton, Teil 1 bis 4. 1983.

DIN 1045: Beton- und Stahlbetonbau. 1978.

DIN 1053: Mauerwerk. 1974.

DIN 18550: Putz, Baustoffe und Ausführung. 1967.

DIN 18196: Erdbau; Bodenklassifikation für bautechnische

Zwecke und Methoden zum Erkennen der Bodengruppen.

1970.

Sämtliche erschienen im Beuth-Verlag, Berlin und Köln.

Forschungsgesellschaft für das Straßenwesen e. V., Köln:

- RStO 75: Richtlinien für den Straßenoberbau ­

Standardausführungen. 1975.

- RG Min 77: Richtlinien für die Güteüberwachung von

Mineralstoffen im Straßenbau. 1977.

- TL Min 78: Technische Lieferbedingungen für Mineralstoffe

im Straßenbau. 1978.

- TP Min-StB: Technische Prüfvorschriften für Mineralstoffe

im Straßenbau. 1982.

- TV bit: Technische Vorschriften und Richtlinien für den

Bau bituminöser Fahrbahndecken.

Teil 1 (TV bit 1/75): Oberflächenschutzschichten. 1975.

Teil 2 (TV bit 2/56): Teer- und Asphaltmakadam. 1956.

Teil 3 (TV bit 3/72): Asphaltbeton und Sandasphalt

(Heißeinbau). Änderung und Ergänzungen: Straße

und Autobahn. 1975, S. 304-305.

Teil 4 (TV bit 4/58): Teerbeton (Heißeinbau). 1958.

· Teil 5 (TV bit 5/67): Asphalt- und Teerbeton (Warmeinbau).

1967.

· Teil 6 (TV bit 6/75): Gußasphalt und Asphaltmastix.

1975.

· Teil 7 (TV bit 7/71): Abnahme, GeWährleistung und

Abrechnung. 1971.

- TVT 72: Technische Vorschriften und Richtlinien für die

Ausführung von Tragschichten im Straßenbau. 1972.

- ZTV Beton 78: Zusätzliche Technische Vorschriften und

Richtlinien für den Bau von Fahrbahndecken aus Beton.

1978.

- ZTVE-StB 76: Zusätzliche Technische Vorschriften und

Richtlinien für Erdarbeiten im Straßenbau. 1976.

Berichtigte Fassung, 1978.

- ZTVV-StB 81: Technische Vorschriften und Richtlinien

für die Ausführung von Bodenverfestigungen und Bodenverbesserungen

im Straßenbau. 1981.

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