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21.10. – 24.10.weltmusikfestival murnau 2010grenzenlosfrei


Buchhandlung GattnerBÜCHER, MUSIK UND MEHR ...Obermarkt 13, 82418 MurnauTelefon 0 88 41-48 78 890Fax 0 88 41 - 48 78 89 15mail@buchhandlung-gattner.dewww.buchhandlung-gattner.de


21.10. – 24.10.weltmusikfestival murnau 2010grenzenlosfreiDo., 21.10.Karl Amadeus Hartmann – Der innere EmigrantKammerorchester der Bayerischen PhilharmonieLtg.: Andreas Hérm BaumgartnerFr., 22.10.Manuel BarruecoGuitarSa., 23.10.Trio Rouge – Italian SongsLucilla Galeazzi, vocal – Vincent Courtois,violoncello – Michel Godard, tubaSo., 24.10.OregonPaul McCandless, woodwinds – Ralph Towner, guitarGlen Moore, bass – Mark Walker, percussion / drums18. – 24.10.Ausstellung:Karl Amadeus Hartmann – Der innere EmigrantÖffnungszeiten: 18. bis 20.10.: 17 bis 19 Uhr21. bis 24.10.: 17 bis 21 UhrEinführung ins Konzert: 21.10., 18 UhrAlle Veranstaltungen im Kultur- und Tagungszentrum Murnau,Konzertbeginn jeweils 20 UhrDas Festival wird vom Bayerischen Rundfunk / B4 Klassik aufgezeichnet.Kartenvorverkauf:Murnau: Buchhandlung Gattner, DER Reisebüro, Tourist-Information Murnau,vhs Murnau / Garmisch-Partenkirchen und Weilheim: Kreisbote / Penzberg:Rundschau-Verlag & München Ticket GmbH, Tel. 0180 / 54 81 81 81,www.muenchenticket.deEinzelkarten:Do. 21.10.: 22.- / erm. 16.- EURFr. 22.10.: 38.- / erm. 28.- EURSa. 23.10.: 26.- / erm. 18.- EURSo. 24.10.: 38.- / erm. 28.- EURFestivalpass:100.- / erm.* 60.- EURAbendkassengebühr: 2.- EUR* Ermäßigungen gelten für Schüler/Studenten und SchwerbehinderteReservierungen:Tourist-Information Murnau, Tel.: 08841-61410oder info@weltmusikfestival-grenzenlos.deInfo: www.weltmusikfestival-grenzenlos.deVeranstalter: Kulturverein Murnau e.V., 1. Vorsitzender: Konstantin ZeitlerKünstlerische Leitung: Thomas KötheBühnengestaltung: Christian Schied und Bernd WeberDank an unsere Sponsoren: Akustik Gitarre, Alpenhof Murnau, Buchhandlung Gattner,Restaurant La Strada, Wildner Records, Zupfgeige - Karlsruhe und Marktgemeinde Murnau


GrußwortGrenzen aufheben, das kann nur die Musik, die Kunstim Allgemeinen. Mit wieviel Mühe erlernen wir eineFremdsprache, wie leicht jedoch ist‘s uns, in Einklangzu treten mit einer künstlerischen Aussage, auch wennsie von uns scheinbar fernen Welten kommt. Die Kunstgehört zum Menschen wie der Atem und die Schönheit,die Sprache und der Traum.Wer Grenzen erfand, tat es, um sich zu schützen. Grenzenerwachsen aus Angst. Die Kunst sieht Ängste nichtvor, noch gebiert sie Rassismen, sie lässt sich nicht fesselnim Käfig der Macht. Kunst ist das Gespräch des Menschenmit dem Menschen und somit mit sich selbst.Buon festival,Gianmaria TestaCamerloher Musikschule Murnau e.V.Mitglied im Verband Bayerischer Sing- und Musikschulenund im Verband Deutscher MusikschulenGrenzenlose Freudemit Musik ...Information und Anmeldung:82418 Murnau, Mayr-Graz-Weg 14Tel. 08841 / 3512, Fax 08841 / 4512info@musikschule-murnau.dewww.musikschule-murnau.de6 Weltmusikfestival Murnau 2010


GrußwortDass sich das Weltmusikfestival Murnau in diesem Jahrdem facettenreichen Thema „Emigration“ widmet, isteine mutige Entscheidung. Sie verknüpft die Freude ander Musik mit einem politisch unbequemen Thema –und das ist in unserer Festivalkultur nicht selbstverständlich.Schhließlich verbinden sich mit Erfahrungenvon Flucht, Exil, Emigration schmerzliche individuelleLeidensgeschichten von Millionen von Menschen aufder ganzen Welt. Auch im 21. Jahrhundert suchen politischVerfolgte, Vertriebene, Katastrophenopfer Zufluchtin fremden Ländern und Kulturen: Sie hoffen auf Verständnisund Solidarität, auf ein Leben in Würde.Das Murnauer Festival erinnert daran und mahnt: DieFreiheitsliebe der Menschen ist grenzenlos, doch Freiheitselbst endet dort, wo sie nicht hinreichend geschätzt,ihre Fragilität nicht begriffen, sie gegenAngriffe nicht frühzeitig verteidigt wird. Die Musik giltals grenzüberschreitende Kunstform schlechthin: Sieist überall verständlich, bedarf nicht der Übersetzung.Musik kann Nähe stiften, sie kann helfen, Vorurteile undBarrieren abzubauen. Ganz in diesem Sinne wünscheich dem Murnauer Festival viele Gäste aus Nah undFern und allen Musikerinnen und Musikern große Lustund Freude am gemeinsamen Spiel!Wolfgang Thierse,Bundestagsvizepräsidentgrenzenlos frei 7


EinladungDas Kriegsende 1945 ist ins deutsche Erinnerungskollektivzurückgekehrt. Bombenkrieg, Flucht und Vertreibung,Massenvergewaltigungen und Kriegsgefangenschaftsind die Themen, in denen neuerdings auch wiederdeutscher Opfer gedacht wird.Das entspricht dem wohl bekannten Bedürfnis nach„Selbstversöhnung“. Das Sprechen über die deutschenVerbrechen im „Dritten Reich“ verbindet sich mit demHinweis auf die selbst erlebten Leiden. Wer an dasAnderen zugefügte Leid erinnert, wird schnell als unversöhnlichoder rachsüchtig abgestempelt und auf dasVergehen der Zeit hingewiesen, welche ja Versöhnungsozusagen auf natürlichem Wege herbeiführe.Diese „deutsche Sehnsucht“ (Max Horkheimer) nach Entlastungführt zu einer Selbststilisierung als Opfer, diebeansprucht, endlich auch für Deutsche das zu leisten,was man zuvor für die Opfer des Nationalsozialismusgeleistet zu haben meint. Sie plädiert für eine neueUnbefangenheit, die sich auch gern mit neuem Stolz undNationalbewusstsein verbinden. Man zeigt wieder Flagge.Doch die Formulierung von der „deutschen Versöhnungmit sich selbst“ ist gar nicht das Neue in der Debatte,sondern einer der ältesten Bestandteile im Sprechen überNationalsozialismus, Zweiten Weltkrieg und Vernichtungder Juden.Nach 1945 verleugneten die Menschen in kollektiverVerdrängung von einem Tag auf den anderen das, wassie zuvor blindlings bejubelt und getan hatten. Die Verbrechenund der Völkermord waren keineswegs nur „imdeutschen Namen“, sondern überwiegend von Deutschenbegangen worden. Es war nicht eine kleine fanatisierteClique von nationalsozialistischen Gewalttäternverantwortlich, sondern der große Teile des deutschenVolkes hatte als Täter, Mitläufer oder Zuschauer Schuldauf sich geladen.Eine freie Gesellschaft aber braucht innerlich freie Menschen.Will man dem Vermächtnis der Geschwister Schollgerecht werden, dann muss man sich ihren Maßstäben8 Weltmusikfestival Murnau 2010


stellen. „Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit“, heißtes in ihrem fünften Flugblatt, „den ihr um eure Herzengelegt habt!“In diesem Sinne möchte das diesjährige Festival einenkünstlerischen Kontrapunkt setzen gegen Gleichgültigkeit,Verdrängen und Vergessen.Die Künstler, die wir eingeladen haben, repräsentierenjeder auf seine Weise einen individuellen Umgang mitregressiven Strukturen.Mit dem Münchner Komponisten Karl Amadeus Hartmannbringen wir einen wachen Humanisten in Erinnerung, derin seinem Schaffen klar Stellung gegen die deutscheBarbarei bezogen hat. Seine Partituren überdauerten denKrieg ausgerechnet im damals „braunen“ Murnau, vergrabenim Pfarrgarten der evangelischen Christuskirche.Mit einem Konzert und einer Ausstellung wird dieserherausragende Komponist und Humanist gewürdigt.Mit Manuel Barrueco wird ein Künstler kommen, der dasallgemein so geliebte Bild des lebensfrohen Kubas, despermanenten Buena Visto Social Clubs in Frage stellt, daer, um sich künstlerisch frei zu entwickeln, seine Heimatverlassen mußte und bis heute darunter leidet.Er, der in der ganzen Welt zu Hause ist, betrat die Inselseit seiner Flucht nicht mehr.Das Trio Rouge interpretiert Lieder aus dem riesigenReservoire italienischer Volkskultur „von unten“: Gesängevon Hirten, Tagelöhnern, frühen Sozialisten, dievon politischer Utopie und Widerstand handeln, werdenals virtuose Stimm- und Klangkunst geboten.Den Abschluß bildet ein Konzert jener Musiker, die schonbeim Woodstock Festival in den 60´er Jahren spielten undaus dieser Erfahrung die Gruppe Oregon schufen. Siehaben sich – geprägt durch die sich dort der Welt zeigendeBewegung – ihre große innere Freiheit bewahrt.IhrThomas Köthegrenzenlos frei 9


Karl Amadeus HartmannDer innere EmigrantKonzert und AusstellungKonzertDo. 21.10. – 20 UhrKammerorchester der Bayerischen PhilharmonieLtg.: Andreas Hérm BaumgartnerProgramm:Karl Amadeus Hartmann (1905 – 1963):Symphonie Nr. 4Franz Schubert (1797 – 1828):"Der Tod und das Mädchen" D 810Bearbeitung für Streichorchester:Andreas Hérm BaumgartnerEintritt: 22,- EUR / ermäßigt: 16,- EUR„......erkannte ich, dass es notwendig sei, ein Bekenntnisabzulegen, nicht aus Verzweiflung und Angst vorjener Macht, sondern als Gegenaktion. Ich sagte mir,dass die Freiheit siegt, auch dann, wenn wir vernichtetwerden.“ (K. A. Hartmann)Man wird Karl Amadeus Hartmann nicht gerecht, wennman ihn in eine Reihe mit jenen stellt, die sich durch denRückzug in die so genannte „Innere Emigration“ demWiderstand gegen das Dritte Reich entzogen haben unddabei doch in ihren Produktionen der herrschenden Blutund-Boden-Ideologiesehr nah gekommen sind.Hartmann hingegen leistete durch seine Kompositionenaktiven Widerstand und griff wach und betroffen zugleichInhalte auf, die ihn den Kopf hätten kosten können. Darinunterscheidet er sich eindeutig von Künstlern wie Waltervon Molo oder Frank Thieß, die den Begriff der InnerenEmigration nach dem Krieg eingebracht haben, um sichlarmoyant bis provokativ von den zahlreichen Emigrantenwie z.B. Thomas Mann abzusetzen. Hartmann hingegenwählte einen anderen Weg. Er wehrte sich gegen dendeutschen Größenwahn mit seiner musikalischen Sprache.Er registrierte die menschliche Katastrophe undstellte ihr eine künstlerische Antwort gegenüber, indem erz.B. in seinen Kompositionen bewusst jüdische und sozialistischeMotive verwendete. Dies war eine mutige undklare Aussage in einer Zeit, in der jeder Anklang an Empathiemit dem Schicksal jüdischer oder sozialistisch geprägterMenschen die persönliche Vernichtung zur Folgehaben konnte.Nach dem Krieg verschwieg Hartmann diesen aktivenWiderstand und sprach lediglich von „Innerer Emigration“.Politisch wach wie er war, sah er natürlich auch,10Weltmusikfestival Murnau 2010


daß nahezu jede wichtige gesellschaftliche Position inDeutschland, so auch der deutsche Musikbetrieb, wiederin den Händen der „Alten Kameraden“ lag.„Auch werden sie, die 12 Jahre obenauf waren, wiederfrecher und versuchen die Antifaschisten, die ihnen natürlichim Wege sind, an die Wand zu drücken.“(K. A. Hartmann)Der Großteil jener Personen, die als Handlanger des diktatorischenSystems gewirkt hatten, wie beispielsweiseauch die Komponisten Carl Orff oder Werner Egk, kehrtenin einflussreiche Stellungen zurück.Anstelle von Gewissenserforschung, Wiedergutmachungan den Opfern und innerer Umkehr trat häufig die selbsterteilte Generalabsolution durch Verdrängen und Vergessen.Emigranten, Opfer der Gewalt waren bald wiederAnfeindungen, Verfemung und Ausgrenzung aus Teilender Gemeinschaft ausgesetzt, während einstige Opportunistenwieder Erfolge feierten.Sprach Ralph Giordano von einer „zweiten Schuld“durch ein fehlendes Unrechtsbewußtsein des Großteilsder Bevölkerung, so kann man von einer erneuten, einerzweiten Emigration jener sprechen, die unter den Deutschengelitten haben und nach Kriegsende erkennenmußten, daß sie mit ihrer Geschichte nicht wahrgenommenwerden und so erneut Opfer wurden.„...er hatte sich so lange auf den frieden gefreut. nun warder friede gekommen, nun war die zeit der siegesfeiernseiner und aller neuen musik, er konnte einfach nichtglauben dass es so wenig grund gab sich zu freuen. ermusste neutralisieren, sich abwenden. er brauchte seinezeit für die sinfonien.“ (Hans Werner Henze)Andreas Hérm Baumgartner:Studium u.a. bei Prof. Paul Lachenmeir, Michael Gielen, Jorge Rotter,Anton Ruppert – Assistent bei Zubin Mehta, Bayerische Staatsoper –Gründer des Kairos Ensemble – Gründer der Konzertreihe „Blick zurücknach vorn”, der Neuen Pinakothek und der Pinakothek der Moderne,Schloß Nymphenburg – seit 2007 Geschäftsführender Vorsitzender derinternationalen Karl-Amadeus-Hartmann-Gesellschaft, München – ab2008 Chefdirigent des Csik Chamber Orchestra – Konzerte in Europa,Brasilien, Thailand – zahlreiche CD-ProduktionenKammerorchester der Bayerischen Philharmonie:2008 gegründet – Schwerpunkte: Musik des 20. und 21. JahrhundertsAusstellungKarl Amadeus Hartmann – Der innere Emigrant18. – 24.10.im Kultur- und Tagungszentrum MurnauÖffnungszeiten: 18. bis 20.10.: 17 bis 19 Uhr21. bis 24.10.: 17 bis 21 UhrEinführung ins Konzert: 21.10., 18 UhrEintritt: freiIn Zusammenarbeit mit der Karl Amadeus Hartmann Gesellschaft e.V.,Münchengrenzenlos frei 11


Fr. 22.10. – 20 UhrManuel BarruecoguitarDer kubanische Diktator Batista genoss gute Beziehungenzu den USA und wurde von diesen unterstützt.Korruption, soziale Ungerechtigkeit und Armut waren ander Tagesordnung. Gleichzeitig wurde Havanna zurVergnügungsmetropole der US-amerikanischen Oberschicht;die meisten Kasinos und Bordelle gehörten derUS-amerikanischen Mafia. Unter der Diktatur Batistasund seines Geheimdienstes wurden ca. 20.000Menschen, oft nach schweren Folterungen, ermordet.Nach erfolgreichem Kampf der Revolutionäre unter FidelCastro 1958 war der Diktator zur Flucht gezwungen.Nach der Enteignung der US-Vermögen im Jahr 1960brach die U.S.A. sämtliche Beziehungen ab und führteein für die Wirtschaft und die Bevölkerung folgenreichespolitisches und wirtschaftliches Embargo ein. In den folgendenJahrzehnten bestimmte die kubanische Einheitspartei,die „Kommunistische Partei Kubas“, das Land.Wie so oft, wenn politische Parteien lange Zeit die Machtinnehaben, verfestigen sich Strukturen, werden Positionennach dem vertrauten politischen Proporz besetzt,Medien werden gleichgeschaltet und Meinungsfreiheitwird zum Hohn. Die Sinngebung des Systems liegt alleinim Machterhalt der regierenden Klasse und derenFamilien. So verkommen auch Revolutionen. Die in Kubapostulierte „Unfehlbarkeit des Sozialismus“ zwingtAndersdenkende in die Isolation, füllt die Gefängnisse.Manuel Barrueco, geboren 1952 in Santiago de Cuba,begann das Gitarrenspiel im Alter von acht Jahren alsSchüler des Esteban Salas Conservatory in Kuba. 1967emigrierte er mit seiner Familie als politischer Flüchtlingin die U.S.A..Schon bald avancierte er dort zu einem der bedeutendstenGitarristen unserer Zeit. Elegant vereinigte er lyrischeund klangliche Qualitäten bei einem bis dahin unerreichtenGrad an virtuoser Perfektion. Mit 22 Jahrenerhielt er als erster Gitarrist den renommierten NewYorker Concert Artist Guild Award. Seine legendärenAufnahmen der Transkriptionen von Klavierwerken derspanischen Komponisten Albéniz und Granados brachtendas Gitarrenspiel auf ein vorher nie da gewesenesNiveau. Er ist außerdem der erste Gitarrist, der seineVirtuosität ganz in den Dienst einer stilistisch getreuenInterpretation stellte und so der Gitarre den Rang einesdem Klavier ebenbürtigen seriösen polyphonen Musikinstrumentsgegeben hat. Als „grenzenloser Grenz-12 Weltmusikfestival Murnau 2010


gänger“ arbeitete er mit Künstlern aller Genres erfolgreichzusammen, so mit Placido Domingo und SergejOzawa als auch mit Steve Morse (Deep Purple) und AndySummers (The Police). In Murnau wird er sein aktuellesSolo-Programm vorstellen.Programm: Werke von J. Ardévol, A. Piazzolla, D. Yanov-Yanovsky, M. Ponce, F. Tárrega, J. MalatsTourneen in: Europa, Japan, Korea, Taiwan, Singapore, Hong Kong,Mexico, Brazil, Colombia, Costa Rica, and Puerto RicoEine Auswahl seiner musikalischen Partner: Seiji Ozawa, PlácidoDomingo, Barbara Hendricks, Emmanuel Pahud, The King’s Singers,Steven Stucky, Michael Daugherty, Roberto Sierra, Arvo Pärt and ToruTakemitsu, Frank Peter Zimmerman, Al Di Meola, Steve Morse (DeepPurple), and Andy Summers (The Police)Begleitende Orchester: Russian State Symphony, HelsinkiPhilharmonic, Royal Philharmonic, NHK Symphony, New Japan Philharmonic,Auckland Symphony in New Zealand, Bayerischer Rundfunk,Orquesta Sinfónica de Galicia, London Symphony, Orchestra of Castillaand Leon, National Orchestra of Spain, St. Paul Chamber Orchestra,New Jersey Symphony, Utah Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic,Philadelphia Orchestra, Boston Symphony, Baltimore SymphonyOrchestra, Seattle Symphony u.a.Konzertorte: Royal Albert Hall in London, Musikverein Wien, Concertgebouwin Amsterdam, Philharmonie in Berlin, Teatro Real in Madrid undPalau de la Musica in Barcelona, Hollywood Bowl u.a.Grammy: Latin Grammy nominiert für Best Classical Recording (2009),Grammy nominiert für „Solo Piazzolla“ (2007) und „Tango Sensations“(2008)Eintritt: 38,- EUR / ermäßigt: 28,- EURMax Beckmann. Apokalypse.Visionen der Endzeitin Überlieferung und Moderne22. Juli bis 7. November 2010Öffnungszeiten:Dienstag bis Sonntag von 10 Uhr bis 17 Uhrgrenzenlos frei 13


GrußwortDie Expressionisten und politisch engagierte Kunst imAllgemeinen hatte ich schon als Schülerin ins Herzgeschlossen. Am Humanistischen Gymnasium lasenwir Schillers Don Carlos, und ich erinnere mich bisheute an die Forderung: „Geben Sie Gedankenfreiheit!”Ödön von Horvath kannte ich vom Theater. Über meinemBett hing ein blaues Pferd von Franz Marc undüber meinem Schreibtisch eine Totenmaske von KurtTucholsky. Unvergessen bleiben mir Lieder aus demWiderstand.Mir gefiel das Bemühen um elementare Freiheiten desMenschen und das Erziehen zur Verantwortung jedesEinzelnen, demokratische Prinzipien zu erwirken und zuverteidigen. Ich mochte es, wenn jemand auch mit derThemenwahl gekonnt Stellung zu unserer Gesellschaftbezog. Der Unterschied zwischen Theorie und Praxiswar allerdings genau so unübersehbar wie der zwischenInland und Ausland. Als unser Geschichtslehreruns auf einer Landkarte zeigte, wann sich DeutschlandsGrenzen wohin „verschoben” hatten, fragte ich,was genau er damit meinte. „Verschieben” tun sichGrenzen ja nicht von alleine. Leopold Fischer verließden Raum, der Unterricht fiel aus.Kurz vor dem Abitur beteiligte ich mich mit dem selbstgewähltenThema „Daten innerer und äußerer Freiheitaus Geschichte und Politik Europas“ am EuropäischenAufsatzwettbewerb. Ich schrieb von Hitler’s Machtergreifung1933, was mir eine Einladung von JacquesChirac nach Paris einbrachte, nicht vom deutschenBundespräsidenten Karl Carstens, der 1933 Mitgliedder SA geworden war.Als ich 3 Jahre später zum ersten Mal vor Gericht stand,fragte mich der Vorsitzende Richter im gerammelt vollenSaal, warum ich dem Chefredakteur der Tageszeitungeine Karte mit Franz Marcs Chamäleon geschickthatte. Der fühle sich beleidigt. Als ich beantragte, vorder Passauer Nibelungenhalle ein Mahnmal für Opferdes Nationalsozialismus aufstellen zu dürfen, lehnteBürgermeister Hans Koniszewski dies vehement ab.Als ich Oberbürgermeister Hans Hösl bat, etwas gegendie rechtsextremen Massenkundgebungen zu unternehmen,erklärte er mir, die Gastwirte wollten nicht aufdie damit verbundenen Einnahmen verzichten.Als ich über das Passauer Haus berichtete, in dem Hitler alsKind gelebt hatte, bestritt der Bayerische MinisterpräsidentMax Streibl öffentlich, es hätte dort eine Gedenkstätte14 Weltmusikfestival Murnau 2010


gegeben. Dabei liegen bis heute Photos, Zeitungsberichteund sogar das damalige Besucherbuch vor.Als ich mich 1995 erneut gegen die Ehrung von NS-Tätern auflehnte, fragte Felix Kuballa vom WDROberbürgermeister Willy Schmöller, ob er denn einenSS-General für ein Opfer des Nationalsozialismus halte.Schmöller, von Beruf Lehrer, antwortete vor laufenderKamera, er könne dies „nicht beurteilen”.Während des Studiums hat mich das Thema Exil undEmigration besonders fasziniert – ohne zu ahnen, daßich diesen Weg selber einmal gehen würde.Murnau ist mir deshalb seit vielen Jahren ein Begriff.Auf kleinem, überschaubarem Raum lassen sichZusammenhänge besonders spannend aufzeigen.Christoph Probst kam in Murnau zur Welt. Ein Ort desWiderstandes ist Murnau deshalb allerdings ebensowenig wie Passau. Max Dingler oder örtlicheBlutsordensträger kann man genausowenig unter denTeppich kehren wie deren Passauer Kollegen. WährendWassily Kandinsky sich in Murnau von der Gegenständlichkeitlöste und Ödön von Horvath den kleinbürgerlichenFaschismus beobachtete, entstand imAnwesen von Gottfried Feder das Parteiprogramm derNSDAP. Horvath mußte fliehen, Gabriele Münter dieWerke ihres ehemaligen Lebensgefährten Kandinskyeinmauern und in die Innere Emigration flüchten. KarlAmadeus Hartmann, der Gründer der Reihe MusicaViva, vergrub seine Partituren im Garten der evangelischenKirche. Menschen und Werke wie diese könnnennicht vom politischen Hintergrund gelöst werden.Gerade kleinere Hochburgen der Nationalsozialisten miteiner nach dem Krieg bestehenden Kontinuität einflußreicherPersonen tun sich da schwer. Ortschronikenumschiffen solche Problematiken gerne, obwohl esimmer wieder lohnende Anknüpfungspunkte gäbe. ImInteresse der Wahrheit und eines besseren Verständnissesmuß eine solche Thematisierung wie auch einepersonelle Verortung dieser Zeit aber stattfinden.Von außen wird dies vielleicht noch deutlicher. Ich erinneremich z.B. noch heute, wie entsetzt einige Professorenin Kanada mir vom Vortrag eines PassauerLiteraturwissenschaftlers hier in Nordamerika berichteten.Er hatte die Judenbuche als Thema gewählt undakribisch genau über die Buche geredet, aber dieJuden beiseite gelassen.Exil und Emigration sind mitunter eine Chance. Sie tungrenzenlos frei 15


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aber immer auch weh. Beide sind leider Themen derMenschheitsgeschichte geblieben und nicht auf dieDritte Welt beschränkt. Ich habe mich Exilanten undEmigranten schon in Deutschland verbunden gefühlt,immer wieder an deren Seite gekämpft und vier Jahremit einem Immigranten aus dem Irak gelebt.Mein Umzug nach Amerika ist sicher glücklicher verlaufenals der von vielen Anderen: Ich mußte um keinVisum betteln. Ich brauchte niemanden bestechen oderbelügen. Ich mußte nicht Schlange stehen und keineDiskriminierung fürchten. Ich wurde von Privatpersonenmit offenen Armen aufgenommen und von derRegierung offiziell willkommen geheißen. In knapp 20Jahren ist das von mir gewählte Land auch meineHeimat geworden. Ich denke und ich schreibe in derneuen Sprache. Ich träume auf Englisch, und wenn ichmüde bin, wird mein Deutsch mitunter fehlerhaft.Wie sehr ich Deutschland allerdings in mir trage, merkeich auch an den Reaktionen Anderer. Unübersehbarsind auch die Spuren der heftigen Reaktionen auf meinBemühen, Geschichte nicht zu verdrängen, sondernKlarheit in einem noch viel zu dunklen Kapitel Deutschlandszu schaffen. Mein Leben ist zum Spagat zwischenzwei Kulturen geworden.Daß Murnau heuer solche Aspekte musikalisch„beleuchten“ will, um auf für den Einzelnen meist dochrecht erschütternde Lebensumstände hinzuweisen,freut mich besonders. Gerade Konfrontation mit Einzelschicksalenkann auch zum Ansatz für eine tiefereAuseinandersetzung mit dem Thema werden. Ich wünscheIhnen von Herzen viel Erfolg und Ihren Besucherneine echte Bereicherung!IhreAnna E. RosmusKRÖNNER: KAFFEEHAUS & KONDITOREIIM MURNAUER OBERMARKTBarbara Krönner · Obermarkt 8 · 82418 MurnauT 08841.1272 · www.kultur-im-kaffeehaus.degrenzenlos frei 17


Sa. 23.10. – 20 UhrTrio Rouge – Italian SongsLucilla Galeazzi, vocal – Vincent Courtois,violoncello – Michel Godard, tubaIm September 1943 besetzte die deutsche WehrmachtItalien. Aus Verbündeten waren Feinde geworden. In derFolge verschleppten die Besatzer hunderttausendeItaliener zur Zwangsarbeit in den deutschen Machtbereich.Sie deportierten und vernichteten die jüdischeBevölkerung Italiens. Partisanen wehrten sich gegen dielandeseigenen Faschisten und die deutschen Besatzerund organisierten den militanten und zivilen Widerstandimmer breiter werdender Teile der Bevölkerung. Vorallem in Mittel- und Norditalien bildete die Partisanenbewegungeine der Grundlagen der demokratischenErneuerung des Landes. Am 25. April 1944 befreite sichItalien selbst vom Faschismus. Mussolini‘s sogenannteRepubblica Sociale Italiana ging im Widerstand unter.Dieser Tag ist ein Feiertag in der europäischen Geschichtegeworden, weil sich Antifaschisten erfolgreichgegen die blutige Herrschaft einer als Republik verklärtenDiktatur wehrten, die Andersdenkende vernichteteund weil mit ihr eine brutale, unmenschliche Besetzungzu Ende ging.Deshalb ist dieser Feiertag der Befreiung vom Faschismusimmer wieder ein Gradmesser dessen, was die italienischeRepublik aus ihrer Vergangenheit gelernt hat.Die rechtsnationale Regierung unter Silvio Berlusconi,mit nie da gewesener Machtkonzentration in Wirtschaft,Medien und Politik, versucht, ihn zu relativieren. Für sieist die Erinnerung an die Resistenza überholt.L’Italia che resiste, das Italien, das Widerstand leistet,lässt seitdem lautstark von sich hören, kämpft im zivilenWiderstand um die Erinnerung und tritt ein für dieVerteidigung der Verfassung, für die Wiederherstellungwirklich demokratischer Verhältnisse, für den Schutzdes Andersartigen, gegen die Gleichgültigkeit.Wie in Deutschland etablierte sich als Gegenbewegungzur starken Verflachung, zur Nivellierung der gesamtenKultur und des Alltags eine neue Volksmusik, die nichtdas Erbe der Vergangenheit einfach übernimmt, sondernes der heutigen Zeit entsprechend adaptiert undbereichert. Das Trio Rouge greift Lieder aus der italienischenTradition des Befreiungskampfes auf, Lieder desersten Weltkrieges (O Gorizia) und Lieder des Widerstandswie Bella Ciao, ein Lied, das mittlerweile einSymbol für den europäischen Widerstand ist und modifiziertsie, um uns ihre immer noch aktuellen Inhalte insBewusstsein zu bringen.18 Weltmusikfestival Murnau 2010


Diese Lieder, die das Selbstverständnis der Menschenund des Landes prägten, werden durch die virtuosenImprovisationen der drei Musiker zu einem mitreißendenErlebnis.....Dies ist die Blume des PartisanenOh Schöne Ade, Schöne Ade, Schöne Ade! Ade! Ade!Dies ist die Blume des PartisanenDer für die Freiheit starb(Bella Ciao)Lucilla Galeazzi, umbrische Forscherin, Autorin und Sängerin –Zusammenarbeit mit: Quartett von Giovanna Marini, Roberto De Simone,Solistin im Europäischen Jazz-Orchester Straßburg, Luciano Berio, O.Calò, T. Gubitsch, A. Sparagna, C. Rizzo, J. Cedron, J.J. Mosalini,G.Beytelmann, A.Agri, G. Schiaffini, C. Barthelemy, M. Godard, M.Riesler, V. Courtois, P. Minafra, B. Tommaso, G. Trovesi, Umbrian contemporarymusic orchestra, Enzo Gragnaniello, Nando Citarella singers,Christina Pluhar, Marco Gatti, Lucio Dalla, Vinicio Caposela, EnzaPagliara, Nando Citarella, Sergio Rendine, Mauro Pagani MeridianaOrchestra, San Remo Symphony Orchestra, Alice and Patty Smith u.a.Vincenc Courtois, violoncello – Zusammenarbeit mit: J.C. Capon„Cello Fans“, European Jazz Orchestra of Young Talents, Yochk'o SefferBigband, Orchestre National de Jazz, Martial Solal, Juliette Gréco,Michel Petrucciani, Louis Sclavis, Rabih Abou-Khalil u.a.Michel Godard, tuba – Zusammenarbeit mit: Orchestre Philarmoniquede Radio-France, Orchestre National de France, Musique Vivante,Ensemble Jacques Moderne, Ensemble Baroque La Venice, OrchestreNational de Jazz, Michel Portal, Louis Sclavis, Henri Texier, AntoineHervé, Kenny Wheeler, Rabih Abou Khalil, Wolfgang Puschnig, PierreFavre, Enrico Rava, Jean-Luc Ponthieux, Gérard Marais u.a.Eintritt: 26,- EUR / ermäßigt: 18,- EURgrenzenlos frei 19


Bei Haller wird nurangeboten was erhältdie höchsten NotenMetzgerei Ludwig HallerFachgeschäft, Untermarkt 8, 82418 MurnauPhon: 08841/47079, FAX: 08841/1733Karg Weißbier – Ein Kunstgenuß!20 Weltmusikfestival Murnau 2010


Grußwort19. Dezember 1933: Der Frankfurter Kinderarzt Paul Grosser kommtmit Familie in Saint Germain en Laye bei Paris an.4. Januar 1934: Mein erster Schultag ohne Sprachkenntnisim Collège municipal.1. Februar 1934: Ich werde neun.6. Februar 1935: Tod meines Vaters. Meine Mutter eröffnetein Kinderheim.1. Oktober 1937: Lily Grosser mit beiden Kinder französisch naturalisiert.Da bin ich schon seit langem voll integriert. Dank der wunderbarenLehrerinnen, dank der Pfadfinder.Juni 1940: Fahrradflucht vor den Deutschen mit der Schwester (dieim April 1941 an den medizinischen Konsequenzen stirbt).In Südfrankreich, schliesslich „unterirdisch“ in Marseille.Nach Kriegsende: Normale Karriere an französischer Universitätund in Medien.Soweit mein Lebenslauf in Stichworten. 1997 nenne ichmein Memoiren-Buch Une vie de Français. Und ichärgere mich, wenn ein deutscher Medienmensch michvorstellt mit: „In Frankfurt geboren. Lebt in Frankreich.“Ich „lebe“ nicht in Frankreich. Ich bin Franzose und wärees auch noch, wenn ich in München oder Hamburgleben würde! Aber dennoch habe ich ab 1945 das Gefühleiner Mitverantwortung für die Zukunft der freiheitlichenDemokratie in Deutschland, zusammen mit den ehemaligenGegnern des Hitler-Regimes wie beispielsweiseWalter Kolb, dem damaligen Oberbürgermeister vonFrankfurt, dem ich 1947 begegnete bei meiner erstensechs Wochen langen Reise durch die drei westlichenZonen. Ich beteiligte mich an einer Artikel-Reihe inCombat über die deutsche Jugend und die Notwendigkeit,die französische Grenze für sie aufzumachen. Undvon 1948 bis 1967 war ich Generalsekretär des Comitéfrançais d’échanges avec l’Allemagne nouvelle. Wasbedeutet Deutschland für mich? In meinem Buch MeinDeutschland (1993) beschrieb ich es so: „Es geht um dasständige Gefühl einer Mitverantwortung, eines Mitwirkenwollens,-dürfens und -könnens. Als Begleiter vondraußen, der innen dabei ist und mit Teilnahme alsTeilnehmer miterlebt.“ Weil ich Franzose bin, habe ich diefranzösische Politik im Algerien-Krieg hart angegriffen. Dameine vier Großeltern Juden waren, fühle ich michgenötigt, Israels Politik gegenüber den Palästinensernhart zu kritisieren. Die zwei Werte für Europa, die nichtgenügend verstanden werden, sind: Die Sympathie fürdas Leiden der Anderen, vor allem der Besiegten, und dieDistanz zu den eigenen Zugehörigkeiten, die diese Sympathieermöglicht.Alfred Grossergrenzenlos frei 21


So. 24.10. – 20 UhrOregonPaul McCandless, woodwindsRalph Towner, guitarGlen Moore, bassMark Walker, percussion / drumsIn einer Zeit, in der das Land voller Verbote war, vollerAusrufezeichen, in bester Tradition des wilhelminischenObrigkeitsstaats, in dem nur eine Stunde Rockmusik imRadio kam, in der jede Autoritätsperson zuschlagendurfte: Eltern, Lehrer, Pfarrer, jeder Erwachsene, in derman gegen den Anstand verstieß, wenn man sich aufden Rasen setzte oder sehr schnell ins KZ gewünschtwurde, weil man gegen Franz Josef Strauß demonstrierte,der den Napalmkrieg der Amerikaner in Vietnam verteidigte,denn „unsere Verbündeten schützen dort unsereFreiheit!“, war der Lack der Zivilisation sehr dünn.Menschen, die die halbe Welt in Scherben geschlagenund eine Blutspur durch Europa gezogen hatten, erregtensich maßlos über lange Haare, ein Hosenanzug imParlament war noch eine Provokation und ein Grund,Redeverbot zu erteilen. „Geht doch rüber!", wurde einemzugerufen, wenn man anders sein wollte als dieGeneration der Eltern. In dieser Zeit versuchte die jüngstso gescholtene Generation der 68er die Türen aufzustoßen,vielleicht aus Notwehr.Später, nach dem Abschied von der Illusion, dass alle fürein Ziel kämpfen, so vielfältig die Bewegung auch seinmochte, driftete ein kleiner Teil in den Terror ab, währendder Großteil sich mit dem gesellschaftlichen StatusQuo arrangierte. Heute, während der Neoliberalismusdas System sprengt und die Gesellschaft spaltet, habensich die letzten Hoffnungen verflüchtigt, die Welt verändernzu können. Man lebt zwar freier und vielfältiger alsvor 30 Jahren, aber die Welt ist nicht gerechter geworden.Der Tod von Utopien ist von sogenannten Realistennach 1990 gefeiert worden. Die vielfältigen Potentialedes Menschen kommen aber nicht zur Entfaltung. DieIdeologie betriebswirtschaftlicher Rationalisierung mitihrer Umverteilung nach oben und dem Sparzwang nachunten läuft den traditionellen Emanzipationsidealen vonAufklärung, Gerechtigkeit, Solidarität, Gleichheit zuwider.Der Gedanke, dass die freie Entwicklung einesjeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller sei,ist uns fremd geworden.Die Zeit der 68er Jahre ist Geschichte geworden und dieMusik dieser Generation ist nun selbst dem BayerischenRundfunk einen ganzen Abend wert.Das Woodstock-Festival war eine Initiale für eine künstlerischeund gesellschaftliche Revolution. Das Streben22Weltmusikfestival Murnau 2010


nach Freiheit und Ungebundenheit, der Protest gegenden Vietnamkrieg und die Bürgerrechtsbewegung vereinteeine ganze Generation. Der Horizont weitete sich.Blues, Soul, Country, Protestsongs, Rock, Jazz, indische,brasilianische, aber auch experimentelle und klassischeMusik wurden präsent und als gleichwertig betrachtet.Die Improvisation, der flow wurde ein wichtiges Elementdes musikalischen Zusammenspiels.Ralph Towner, Colin Walcott, Glen Moore und PaulMcCandless entwickelten als Mitglieder des Paul WinterConsorts in den frühen 70er Jahren in Kollektivimprovisationenwährend einer langen Tour die genreüberschreitendeSynthese Oregon, die mit einem vielfältigenInstrumentarium unterschiedlichster Herkunft ethnische,klassische und jazzige Elemente verbindet. Ihre Variabilitätwar Folge einer allgemeinen Neugier, Grenzen zuüberwinden oder erst gar nicht wahrzunehmen. DieseUnvoreingenommenheit gegenüber Musik aller Stile undEtnien war wegweisend. Über drei Jahrzehnte, nurunterbrochen durch den tragischen Tod von ColinWalcott, entwickelte Oregon eine gelungene Mischungaus Jazz, Avantgarde und ethnischer Musik, gepaart mitinstrumentellem Variationsreichtum. Die vier Charaktereder Musiker verbinden sich völlig gleichberechtigt quasibasisdemokratisch zu einem Ganzen.Das Konzert der Musiker, die auch aus der Erfahrungdes Festivals Woodstock die Gruppe Oregon schufen,bildet den Abschluss unseres Festivals.Ralph Towner, Multiinstrumentalist und Komponist; Studium: Komposition,University of Oregon; Klassische Gitarre, Wien – Partner: u.a.Keith Jarrett, Weather Report, Egberto Gismonti, Gary Burton, JohnAbercrombie, Gary Peacock, Jack DeJohnette, Eddie Gomez, ElvinJones, Freddie Hubbard, Michel Portal, Dave Holland, Paul WinterConsort, Jan Garbarek, Trilok Gurtu u.a.Zwei Kompositionen wurden von Apollo Astronauten auf dem Monddeponiert. Zwei Mondkrater wurden nach Titeln seiner Stücke benannt.Paul McCandless, Multinstrumentalist – studierte an ManhattanSchool of Music – Partner: Pittsburgh Symphony, Paul Winter Consort,Jaco Pastorius, Carla Bley, Art Lande/Dave Samuels, Wynton Marsalis,Pat Metheny, Mark Isham, Steve Reich, Al Jarreau, Bruce Hornsby, MikeMarshall, String Cheese Incident, Béla Fleck u.a.Glen Moore, studierte an University of Oregon, dann bei Jerome Magil,James Harnett, Gary Karr, Plough Christenson, Ludwig Streicher, FrancoisRabbath – Partner: Paul Bley, Bill Evans, Zoot Sims, Charlie Mariano,Michael Brecker, Gary Burton, Tony Williams, Jimmy Cobb, Anthony Cox,Charlie Haden, Gary Peacock, Dave Holland, Steve Swallow, Tim Hardin,Taj Mahal, Jim Morrison, Airto Moreira, Rabih Abou-Khalil, Ravi Shankar,Collin Walcott, Kronos Quartet, Winter Consort u.a.Mark Walker, Schlagzeug – Professor Berklee College, Boston –Drummers Collective, New York – Partner: Paquito D’Rivera, RosaPassos, Michel Camilo, David Liebman, Cesar Camargo Mariano, IvanLins, Michael Brecker, Joe Lovano, Flora Purim, Dizzy Gillespie, SammyDavis Jr., Chu Cho Valdes, Eliane Elias, Jerry Gonzalez, Giovanni Hidalgo,Chano Dominguez, Dianne Reeves, João Bosco u.a.Eintritt: 38,- EUR / ermäßigt: 28,- EURgrenzenlos frei 23


Feines für FrauenStarkes für Männergrenzenlosfür Sie,aber auchein bisschenfür IhnSOUS-AwardSterne derWäsche 2009Mo bis Fr: 9 bis 18 Uhr & Sa: 9 bis 16 UhrObermarkt 5 · 82418 Murnau · Tel. 08841/9507www.die-linie-murnau.deWIR SORGEN FÜR DASKULINARISCHE VERGNÜGENRESTAURANT · BISTROim Kultur- und TagungszentrumTel. 08841 / 488790Wir freuen uns auf Ihren Besuch!GETRÄNKEMARKTANGERERWeindorferstr. 482418 MurnauTel. 08841 / 513024 Weltmusikfestival Murnau 2010


Weitere Konzerte des Kulturvereins Murnau 2010/113.12.2010 – 20 UhrOrchester Jakobsplatz MünchenSolistin: Tanja Becker-Bender, ViolineDirigent: Daniel GrossmannWerke von Benjamin Britten, Felix Mendelssohn,Jacques Offenbach, Paul Hindemith11.02.2011 – 20 UhrHanna Schygulla„Aus meinem Leben –eine musikalische Biographie“Ein aussergewöhnlicher Chansonabenddes internationalen Stars25.03. 2011 – 20 UhrAlvaro PierriguitarZwei Tage vor seinem Konzert in der WIGMORE HALL,London ist dieser Ausnahmegitarristbei uns zu Gast!28.05. 2011 – 20 UhrSergio & Odair AssadguitarsPräsentation des neues ProgrammsAufzeichnung durch den Bayerischen RundfunkVorverkauf:Murnau: Buchhandlung Gattner, DER Reisebüro,Tourist-Information Murnau, VHS MurnauGarmisch-Partenkirchen und Weilheim: KreisbotePenzberg: Rundschau-Verlag& München Ticket – Tel.: 0180-54818181Infos:www.murnauer-jazzkonzerte &www.guitar-murnau.deVeranstalter:Kulturverein Murnau e.V.1. Vorsitzender: Konstantin ZeitlerKünstlerische Leitung:Thomas Köthegrenzenlos frei 25


großformatdrucke schilderbanner kfz.-beschriftungendruck-, kopier-, plotservicetextildruck grafik werbungstraßäcker 21 - 82418 Murnau am Staffelseetelefon 0 88 41 - 30 66 / fax 0 88 41 - 30 67

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